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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Klepper, Julius

* 12.3.1897 ✝ 21.7.1960

(* 1897 – † 1960)

Als Sohn eines Postamtmannes am 12. März 1897 in Köln geboren; besuchte das Gymnasium, machte 1915 das Notabitur in Limburg/Lahn. Von 1915 bis 1921 studierte er mit Unterbrechungen Nationalökonomie. 1916 Soldat im Weltkrieg, bei Verdun verwundet. Während der Revolution Bahnhofskommandant in Wiesbaden. Im März 1919 trat er der Sozialistischen Studentengruppe bei, promovierte 1921 in Köln zum Dr. rer. pol. mit der Dissertation: »Das Gesetz der ursprünglichen Akkumulation und seine wirtschaftspolitische Auswertung«. 1919 Mitglied der USPD, im Dezember 1920 Übertritt zur KPD. Von 1920 bis 1923 Angestellter beim Zentralverband der deutschen Metallindustrie in Köln. 1924 politischer Redakteur, ab 1926 Chefredakteur des KPD-Organs »Sozialistische Republik« in Köln. Im August 1928 wurde Klepper auf einer NSDAP-Versammlung in der Diskussion niedergeschlagen und erlitt schwere Verletzungen. 1928/29 war er Sekretär der Reichstagsfraktion. Im April 1929 vom Reichsgericht wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu einem Jahr Festung verurteilt, Haft in Gollnow in Pommern. Da Klepper 1927 gegen sektiererische Tendenzen in der Gewerkschaftsfrage aufgetreten war, kritisierte ihn Polleiter Jean Winterich als Versöhnler. Daraufhin grenzte sich Klepper in einem »Offenen Brief«, den Arthur Golke im Herbst 1929 dem ZK übergab, scharf von den Versöhnlern ab, die wiederum meinten, er leide an einer Haftpsychose. 1931 noch Redakteur an der Zeitung »Berlin am Morgen« und der »Frankfurter Arbeiter-Zeitung«, dann reiste Klepper in die Sowjetunion, war bis Ende 1932 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Marx-Engels-Institut in Moskau, dann Leiter der Informationsabteilung im Staatsinstitut zur Projektierung von Werken der Buntmetallindustrie. 1936/37 Redakteur in der Hauptverwaltung für Literatur, ab 1938 in der VAA bzw. in der Informationsabteilung der Komintern.

Klepper wurde während der Stalinschen Säuberungen 1937 verhaftet, 1938 jedoch wieder entlassen. Dann im Sommer 1941 mit Frau und Kind nach Bugulma in die Tatarische ASSR verbannt, dort Ende Februar 1942 erneut inhaftiert. Seine Frau Gertrud richtete ein Bittgesuch an Wilhelm Pieck, der sich zunächst bei Dimitroff für die Freilassung von Klepper einsetzte. Da sich Gertrud Klepper im Frühjahr 1941 zwecks Rückreise nach Deutschland an die deutsche Botschaft in Moskau gewandt hatte, änderte die Parteiführung jedoch ihre Haltung. Seine Frau wandte sich nochmals an Pieck und obwohl sich dieser 1943 erneut für den schwer lungenkranken Klepper einsetzte, wurde er am 25. März 1944 zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Exakt auf den Tag genau, fünf Jahre nach seiner Verhaftung, wurde Klepper am 23.Februar 1947 freigelassen und konnte nach Deutschland zurück, wurde Mitglied der SED und nach einem längeren Sanatoriumsaufenthalt ab Juni 1948 Hauptreferent bei der DWK, kam im Oktober 1949 ins Deutsche Wirtschaftsinstitut und war später noch publizistisch tätig. Julius Klepper wohnte als Parteiveteran in Berlin-Köpenick, wo er am 21. Juli 1960 starb.

Seine Frau Gertrud (Heirat 1922), geborene Schmitz (* 10. 10. 1897 in Heinsberg/Rheinprovinz), Tochter eines Lehrers, besuchte die höhere Mädchenschule. Sie war Mitglied der RH und der IAH. Im März 1934 Emigration in die Sowjetunion, Korrektorin und Hilfsredakteurin im VAA bzw. an der DZZ. Im Sommer 1941 Verbannung in die Tatarische ASSR, Arbeiterin in Kasan. Im Juli 1948 kehrte sie nach Moskau, im September nach Berlin zurück. Sie zog später in die Bundesrepublik, wo sie am 21. Januar 1968 in Essen starb.

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten