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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Leschnitzer, Franz

* 12.2.1905 ✝ 16.5.1967

Geboren am 12. Februar 1905 in Posen, Sohn einer jüdischen Apothekerfamilie; studierte Nationalökonomie, Germanistik, Jura und Philosophie. Er schloß sich der Deutschen Friedens-Gesellschaft und 1926 der Gruppe Revolutionärer Pazifisten an. Seit 1925 ständiger Mitarbeiter der satirischen Wochenschrift »Der Drache«, der Zeitschriften »Weltbühne«, »Die Neue Generation« u.a. Blätter. Ende 1930 Mitglied der IAH, 1931 Redaktionssekretär der Zeitschrift »Der Rote Aufbau«. Er wurde im Oktober 1931 Mitglied der KPD und des BPRS. Ab März 1932 Sekretär des Kampfkomitees gegen Faschismus und Krieg, im März 1933 emigrierte er nach Wien, später in die âSR und gehörte zu den ersten Mitarbeitern der Zeitung »Der Gegen-Angriff«. Ende Mai 1933 kam Leschnitzer in die Sowjetunion, wurde Redakteur bei der Zeitschrift »Internationale Literatur« und der DZZ, ab 1934 Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbandes. Einem 1936 von Leschnitzer und Jolan Kelen-Fried gemeinsam erstellten »Literatur-historischen Lesebuch« wurden vulgär-soziologische Tendenzen unterstellt. Im Oktober 1941 nach Taschkent evakuiert, im August 1942 »wegen Mangels an Wachsamkeit gegenüber sowjetfeindlichen Elementen« aus der KPD ausgeschlossen. Er blieb bis Sommer 1948 als Hochschullehrer in Taschkent, dann Rückkehr als Übersetzer nach Moskau. Ende 1959 Ausreise in die DDR, Aufnahme in die SED, lebte als freischaffender Autor und Übersetzer, wurde 1960 Mitglied des DDR-Schriftstellerverbandes und promovierte 1964 mit »Goethes Faust und die sowjetische Literatur«. Franz Leschnitzer starb am 16. Mai 1967 in Ost-Berlin.

Sein erste Frau Hildegard, geborene Samson (*30. 7. 1904 – † 5. 12. 1974), Tochter eines jüdischen Fotografen, war Stenotypistin, u. a. bei der »Weltbühne«. Im Sommer 1933 Emigration über Prag in die Sowjetunion, Mitarbeit bei den Zeitschriften »Internationale Literatur« und »Das Wort«, später Stenotypistin bei der RGI und im Volkskommissariat für Außenhandel. 1941 Evakuierung nach Tomsk und in einer landwirtschaftlichen Genossenschaft eingesetzt. August 1947 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der SED, zunächst Mitarbeiterin der Zeitschrift »Theater der Zeit«, 1949 der »Täglichen Rundschau«, später beim »Neuen Deutschland«.

Bernd-Rainer Barth

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten