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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Mewis, Karl

* 22.11.1907 ✝ 16.6.1987

Geboren am 22. November 1907 in Hannoversch Münden, Sohn eines Schlossers; lernte ebenfalls Schlosser. 1922 trat er der SAJ bei, 1924 der KPD. Von 1926 bis 1929 war Mewis Vorsitzender des KJVD im Bezirk Hessen-Waldeck und Redakteur an der »Neuen Arbeiterzeitung« in Kassel. 1929 Agitpropleiter der BL Hessen-Kassel, von Oktober 1929 bis Herbst 1932 Orgleiter der BL Magdeburg-Anhalt. Von Herbst 1932 bis 1934 unter dem Decknamen Meinhard Kursant an der Internationalen Leninschule in Moskau. Im Sommer 1934 wurde er unter dem Decknamen Köbes illegaler Polleiter im Bezirk Mittelrhein. 1935 nahm Mewis am VII. Weltkongreß der Komintern teil, die anschließende »Brüsseler Konferenz« der KPD in Moskau wählte ihn zum Kandidaten des ZK. Dann unter dem Decknamen Karl Arndt von Ende 1935 bis 1936 Polleiter des Bezirks Wasserkante. 1936 emigrierte er nach Dänemark und leitetet die AL Nord. Im Dezember 1936 kam er nach Paris und anschließend nach Spanien, dort Angehöriger der Internationalen Brigaden. Im Mai 1938 Leiter der illegalen AL Mitte in Prag. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die ?CSR zunächst nach Malmö, anschließend nach Stockholm geflüchtet, führte von dort aus die AL Mitte. Mewis nahm im Januar 1939 an der »Berner Konferenz« in der Nähe von Paris teil, wurde erneut (bis 1945) Mitglied des ZK. Im Herbst 1939 zur Berichterstattung nach Moskau, erhielt er den Auftrag, zusammen mit Herbert Wehner und Heinrich Wiatrek die neue AL der KPD in Stockholm zu bilden und diese später nach Deutschland zu verlagern. Nach der Verhaftung Wiatreks und Wehners wurde im August 1942 auch Mewis festgenommen, von Herbst 1942 bis Sommer 1943 im Internierungslager, danach leitete er bis Kriegsende die KPD-Gruppe in Schweden. Er kehrte im Dezember 1945 über Polen nach Deutschland zurück, zunächst Sekretär der KPD-BL Mecklenburg, dann von März 1946 bis Mai 1949 Sekretär der KPD bzw. der SED-Landesleitung Groß-Berlin, im Juli 1951 1. Sekretär der SED-Landesleitung Mecklenburg, seit Schaffung der Bezirke im Sommer 1952 1. Sekretär der BL Rostock. 1950 Kandidat, ab 1952 Mitglied des ZK der SED, 1958 stieg Mewis zum Kandidaten des Politbüros und 1960 zum Mitglied des DDR-Staatsrates auf. Ab Juli 1961 Chef der Staatlichen Plankommission (SPK) und Mitglied des Präsidiums des Ministerrats. 1963 verlor er seine Spitzen-Funktionen, wurde Botschafter in Polen, anschließend Mitarbeiter am IML und konnte 1972 seine Erinnerungen »Im Auftrag der Partei« (mit vielen Verleumdungen gegen Herbert Wehner) publizieren. Er erhielt 1967 den Karl-Marx-Orden. Die offiziellen Kontakte zwischen Honecker und Wehner veranlaßten Mewis zu wütenden, aber wirkungslosen Attacken. Seine Erinnerungen wurden nicht wieder aufgelegt. Karl Mewis starb am 16.Juni 1987 in Ost-Berlin.

Michael F. Scholz

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten