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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Miller, Josef (Sepp)

* 27.8.1883 ✝ 23.3.1964

Geboren am 27. August 1883 in Scheppach/Bayern, entstammte einer katholischen Kleinbauernfamilie; lernte in Augsburg Schlosser. Anschließend auf Wanderschaft, danach ließ er sich in Bremen nieder, arbeitete auf verschiedenen Werften und trat 1907 der SPD bei. 1913 nach dem Streik der Werftarbeiter entlassen, während des Krieges aber wieder auf der Weser-Werft. Miller war Mitglied der Linksradikalen unter Führung von Johann Knief, Paul Frölich und Felix Schmidt und gehörte bald zu deren leitendem Kern. Nach der Revolution beteiligte er sich 1919 aktiv an der Bremer Räterepublik. Seit Gründung der KPD Mitglied der Partei, wurde im März 1919 in die Bremer Bürgerschaft gewählt, der er bis 1923 angehörte, ab 1921 Vorsitzender der KPD-Fraktion. Miller war als Leiter des Metallarbeiterverbandes in Bremen hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär, 1920/21 (nach Karl Jannack) Orgsekretär der KPD. Ab 1921 Sekretär im Bezirk Niedersachsen, zugleich Leiter von Verlag und Druckerei der Arbeiterpresse in Hannover. Der VIII. Leipziger Parteitag 1923 wählte ihn zum Mitglied des ZA. Von Herbst 1923 bis März 1924 war er im Munsterlager inhaftiert.

Miller zählte zum rechten Parteiflügel. Nachdem die Linken 1924 die Führung übernommen hatten, stand er in Opposition zu ihnen, behielt aber seine hauptamtliche Funktion. Nach dem »Offenen Brief« 1925 und dem Ausschluß der Gruppe um Iwan Katz war Miller in Hannover und Niedersachsen der führende Kopf der KPD, Fraktionsführer in der Stadtverordnetenversammlung von Hannover und Abgeordneter des Provinziallandtages. Er wurde im Mai 1928 im Wahlkreis Südhannover-Braunschweig in den Reichstag gewählt, dem er bis 1930 angehörte. Während der Parteiauseinandersetzung 1928/29 schloß sich Miller den Versöhnlern an und arbeitete aktiv gegen die ZK-Linie. Anfang 1930 kapitulierte er, wurde in Berlin Sekretär im Zentralsekretariat der RHD und Mitglied des Präsidiums der IRH. Ab 1932 Orgleiter der RHD, auch nach dem Machtantritt der Nazis blieb er bis Juli 1933 in dieser Funktion illegal in Berlin. Im Juli 1933 ging er in die Emigration, zunächst vier Monate IRH-Instrukteur in Großbritannien, von Dezember 1933 bis April 1934 in Wien. Anschließend für drei Monate in den Niederlanden, dann übernahm er die Leitung der RHD in Paris bzw. in Prag. Im Juni 1936 wurde Sepp Miller von der Funktion als Leiter der RHD entbunden. Denn ein Gestapospitzel, den Miller trotz aller Warnungen förderte, hatte sich in München in den illegalen RH-Apparat für Süddeutschland eingeschlichen und die gesamte Organisation hochgehen lassen.

Bis 1939 arbeitete Miller in der tschechischen Organisation »Solidarität« in Prag. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen flüchtete er über Polen nach Norwegen und wurde Mitglied der Leitung der Emigrationsgruppe. Ende April 1940 nach Schweden, dort bis Ende 1940 in einem Internierungslager, anschließend in einem sogenannten offenen Lager in Süd-Schweden, arbeitete als Schlosser und leitete die dortige KPD-Gruppe. Im Januar 1946 kehrte Miller nach Deutschland zurück, wieder Mitglied der KPD und Mitarbeiter des ZK, dann Hauptreferent in der Personalpolitischen Abteilung des PV der SED. 1949 Leiter des neugeschaffenen Personalbüros, wurde Miller 1952 nach Kritik an der Arbeit dieses Büros pensioniert. Er gehörte von 1946 bis 1954 der ZRK an, erhielt 1957 den Karl-Marx-Orden. Josef (Sepp) Miller starb am 23. März 1964 in Ost-Berlin.

Millers Frau Charlotte (* 3. 10. 1910 – † 22. 10. 2005) war Stenotypistin, einige Zeit Sekretärin bei Professor Alfons Goldschmidt. Seit 1932 Mitglied der KPD, leistete sie nach 1933 illegale Arbeit für die RGO. Sie emigrierte zunächst nach Frankreich, dann nach Prag, 1939 folgte sie ihrem Lebensgefährten nach Oslo, 1940 nach Schweden und unterstützte ihn in seiner Tätigkeit als Leiter der KPD-Gruppe. Im Januar 1946 Rückkehr nach Deutschland, sie wurde Sekretärin bzw. Sachbearbeiterin im ZS der SED, zuletzt in der Abteilung Internationale Verbindungen des ZK der SED.

Bernd-Rainer Barth / Michael F. Scholz

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten