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BioLex

In der Kategorie BioLex sind drei wichtige Lexika mit über 5500 Biografien von überzeugten Kommunistinnen und Kommunisten, Renegatinnen und Dissidenten im Volltext recherchierbar.

 

Das Handbuch „Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945“ wird von Andreas Herbst und Hermann Weber in der 8. aktualisierten Ausgabe herausgegeben. Auf breiter Quellenbasis werden die Schicksale deutscher Kommunisten knapp geschildert, von denen etwa ein Drittel während der NS-Diktatur und durch den Stalinistischen Terror gewaltsam ums Leben kam.

Kurzbiografien zu Personen des politischen Lebens in der DDR stellt das von Helmut Müller-Enbergs, Jan Wielgohs, Dieter Hoffmann, Andreas Herbst, Ingrid Kirschey-Feix herausgegebene Lexikon ostdeutscher Biographien „Wer war wer in der DDR?“ Ch. Links Verlag, 5. Aufl. 2010 bereit.

Zudem ist das Online-Lexikon www.dissdenten.eu ebenfalls auf unserer Seite aufrufbar. Die über 700 Biografien mit umfangreichen Informationen zu Oppositionellen, Bürgerrechtlern und  Dissidenten aus vielen Ländern Ost- und Mitteleuropas werden laufend erweitert.

 

Müller, Carl H.

* 22.9.1879 ✝ 7.9.1953

Geboren am 22. September 1879 in Stuttgart, Sohn eines Malers; lebte vor dem Weltkrieg in der Schweiz, wo er sich der sozialistischen Bewegung anschloß. Als Maler und Schriftsteller tätig, führte er ein Bohemien-Leben. Nach dem Krieg Rückkehr nach Deutschland, Mitglied der USPD, ab April 1920 Parteisekretär der USPD in Weingarten. Delegierter des USP-Spaltungsparteitages 1920, mit der linken USPD 1920 zur KPD. Carl Müller – ein bekannter Volksredner in Württemberg – war 1920 für die USPD in den Württembergischen Landtag eingezogen, wurde 1924 dann für die KPD erneut Landtagsabgeordneter. Im Januar 1924 verhaftet, jedoch bald wieder freigelassen, kam es im Landtag zu einer scharfen Debatte, weil die Polizei Müllers Post überwachte. Die Postkontrolle wurde mit dem Verdacht auf Hochverrat begründet; die Polizei erklärte aber, der Briefwechsel sei fast ausschließlich erotischer Natur übelster Art gewesen. Carl Müller, einige Zeit Redakteur des KPD-Organs »Süddeutsche Arbeiterzeitung«, stand auf dem rechten Parteiflügel; er wurde im Januar 1927 aus der KPD ausgeschlossen. Die SPD hatte Müller bereits zuvor in einem Flugblatt beschuldigt, er habe 1912 in Basel Gelder (600 Franken) des Arbeitervereins »Eintracht« unterschlagen und sei während des Krieges für die deutsche Spionage tätig gewesen. Ein Brief des Schweizer Kommunisten und Lenin-Freundes Fritz Platten aus Moskau untermauerte angeblich die Vorwürfe, so daß Carl Müllers Parteiausschluß vom ZK der KPD bestätigt wurde. Der Ausschluß erfolgte wegen »Nichtdurchführung von Parteibeschlüssen« und weil Müller ein »moralisch korruptes Element« sei. Die Rechten sahen im Ausschluß des fähigen und beliebten Genossen jedoch einen politischen Schachzug. Müller lebte eine Zeitlang mit der Hauptkassiererin und Orgleiterin der württembergischen KPD Anna Stegmaier (*4. 11. 1899 – † 27. 7. 1973) zusammen. Er trat später politisch nicht mehr hervor, emigrierte 1933 zunächst nach Frankreich, dann lebte und arbeitete er als Kunstmaler in Österreich. Carl Müller starb am 7. September 1953 in Mödling.

Information

Mehr Hinweise zu den beiden Lexika finden Sie unter Wer war wer in der DDR? und unter Handbuch der Deutschen Kommunisten