Chronik

Hier finden Sie eine illustrierte Zeitleiste, die Schlaglichter auf die Geschichte des internationalen Kommunismus im 20. Jahrhundert wirft.

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12. Februar 1848

Zeitgenössische Marxkarikatur in einer französischen Publikation, picture alliance / United Archives/WHA

Veröffentlichung des kommunistischen Manifests

Karl Marx (1818-1883) veröffentlicht gemeinsam mit Friedrich Engels (1820-1895) 1848 das Manifest der kommunistischen Partei. In der politischen Kampfschrift, die vom Bund der Kommunisten im Auftrag gegeben wurde, wird die Wirtschafts- und Gesellschaftstheorie der kommunistischen Bewegung dargelegt.

 

Zentrale Punkte sind:

1.   Die Geschichte der bisherigen Gesellschaftsentwicklung als eine Abfolge von Klassenkämpfen

2.   Erklärung der Vorteile einer kommunistischen gegenüber einer bürgerlichen Gesellschaft

3.   Vorstellung anderer Gesellschaftstheorien und deren Abgrenzung zur kommunistischen Theorie

4.   Analyse der gegenwärtigen politischen Situation in Europa und deren Verhältnis zu den Kommunisten

 

Die Schrift ist in über 100 Sprachen übersetzt worden und war eine theoretische Grundlage für den politischen Kampf von vielen kommunistischen und sozialistischen Arbeiterparteien. 1867 erscheint das wissenschaftliche Hauptwerk des Philosophen: „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“. In den drei Bänden – von denen die letzten beiden von Friedrich Engels nach Marx Tod veröffentlicht wurden-  werden die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus analysiert und kritisiert.


Das kommunistische Manifest

18. März 1871

Barrikade in Paris, Chaussee Menilmontan, 18 März 1871, picture-alliance / akg-images

Die Pariser Kommune

Während des Deutsch-Französischen Krieges entsteht in Paris die erste „Diktatur des Proletariats“. Die angespannte soziale Lage in der Stadt sowie die Enttäuschung über die Niederlage des Krieges radikalisieren weite Teile der Pariser Arbeiterschaft und des Kleinbürgertums. Die Regierungsarmee zieht sich nach Versailles zurück, die politisch radikalisierte Nationalgarde zeigt Präsenz und übernimmt die Macht. Am 18. März gründet sich der Rat der Kommune. Die Flügelkämpfe zwischen Radikalen und gemäßigten Kommunarden bestimmen die Situation. Es kommt zu Gewaltausbrüchen gegenüber vermeintlich bürgerlichen Kräften. Andererseits wird in den 72 Tagen der Kommune der Versuch unternommen, sozialreformerische Forderungen umzusetzen (Trennung von Kirche und Staat, Gleichberechtigung von Mann und Frau). Paris wird von Regierungstruppen Ende Mai zurück erobert. Es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Gewaltexzessen Die Bedeutung der Pariser Kommune spiegelt sich auch in ihrer Rezeption in Kunst, Kultur, Literatur und Wissenschaft wider. Sie gilt als erster realpolitischer Versuch, eine Rätedemokratie zu errichten.

27. Mai 1875

Gedenkblatt Gothaer Parteitag, Deutschland, picture alliance / Prisma Archivo

Gothaer Vereinigungsparteitag

Kurz nach der Reichsgründung 1871 vereinigt sich der von Ferdinand Lassalle 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) mit der 1869 von August Bebel und Karl Liebknecht gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) auf dem Parteitag in Gotha. Die Anfangsjahre der Partei sind geprägt von Verfolgung und Repression in der Ära Bismarck. Mit dessen Demission und der Rücknahme der Sozialistengesetze nennt sich die Partei in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) um. Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges kommt es zu Flügelkämpfen zwischen reformerischen und revolutionären Teilen der Partei, in denen sich bereits die spätere Abspaltung der Kommunisten ankündigt. Die deutsche Arbeiterbewegung mit SPD und freien Gewerkschaften entwickelt sich in den Jahren des Kaiserreichs vor 1914 zur weltweit größten organisierten nationalen Arbeiterbewegung.

5. August 1914

Zeitgenössische Darstellung von Rosa Luxemburg, picture-alliance / dpa

Gründung der Gruppe Internationale

Als Reaktion auf die Kriegsbejahung der Mehrheit der Sozialdemokratischen Partei (SPD) vereinen sich zunächst sieben enttäuschte Parteimitglieder zur innerparteilichen Oppositionsgruppe Gruppe Internationale. Gründer der Gruppe von Kriegsgegnern sind Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Sie versuchen, den Kurs der Partei in ihrem Sinne zu ändern, und verfassen dazu unter anderem die Spartakusbriefe, ihre spätere Bezeichnung als Spartakusgruppe geht darauf zurück. Die Konflikte innerhalb der SPD werden immer unüberbrückbarer. Mit dem Ausschluss oppositioneller SPD-Abgeordneter und der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) am 8. April 1917 setzte sich die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie in den Jahren der Novemberrevolution 1918/1919 fort. Die Gruppe Internationale gilt als Vorläuferin der späteren Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der USPD.

15. März 1917

Die Abdankungsurkunde des Zaren Nikolaus II., 2. (15.) März 1917, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0003_thr&l=de

Die Februarrevolution

Das autokratisch regierte zaristische Russland ist geprägt von sozialer Ungleichheit und schwelenden gesellschaftlichen Konflikten. Während des Ersten Weltkriegs verschärfen sich aufgrund der katastrophalen Versorgungslage der Bevölkerung die Spannungen. Es kommt seit Beginn des Jahres 1917 zu Massenstreiks und Plünderungen. Am 8. März (23. Februar nach Julianischem Kalender) gründen sich in Petrograd (St. Petersburg) Arbeiter- und Soldatenräte (Sowjets), die gemeinsam mit dem russischen Parlament (Duma) die Regierungsgewalt übernehmen und den Zaren entmachten. Das Parlament setzt eine provisorische Regierung unter der Leitung von Georgi Jewgenjewitsch Lwow, später unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski, ein. Die unklaren Machtverhältnisse, die aus der Doppelherrschaft von Duma und Sowjets resultieren, führen zu Unruhen im ganzen Land. Die gesamte Zarenfamilie wird im Sommer 1917 – aus Angst vor einer Rückkehr der Monarchie – im Jekaterinburger Exil von Bolschewiken erschossen.


Die Abdankungsurkunde des Zaren Nikolaus II., 2. (15.) März 1917.

9. April 1917

Luftaufnahme des Hauptbahnhof Zürichs von 1907. Foto: Eduard Spelterini, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Lenins Fahrt in die Revolution

Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um die Rückreise Lenins aus Zürich in das revolutionäre Petrograd, wo wenige Wochen zuvor die Februarrevolution Kaiser Nikolaus II. vom Thron gefegt hatte. So ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, wie groß die Gruppe jener Revolutionäre war, die sich 1917 vom Exil in der Schweiz in die russische Hauptstadt aufmachte, und wer sich genau unter den Reisenden befand. Sicher ist, dass circa 30 Revolutionäre am 9. April 1917 am Hauptbahnhof Zürich kurz nach 15 Uhr den regulären Zug Richtung Schaffhausen bestiegen, um bei Thayngen/Gottmadingen die schweizerisch-deutsche Grenze zu überqueren. Hier wechselten sie in die bereitgestellten Sonderwagen der deutschen Reichsbahn. Unter den Reisenden waren neben Lenin und dessen Frau Nadeshda Krupskaja führende Revolutionäre wie Karl Radek, Grigori Sinowjew und Inessa Armand. Außer den Bolschewiki waren auch andere sozialistische Gruppierungen, zum Beispiel der jüdische BUND prominent vertreten.


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17. April 1917

Lenin am 17. April 1917 im Taurischen Palais (Petrograd), picture-alliance / dpa

Aprilthesen von Lenin

Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) (1870–1924) ist bereits um die Jahrhundertwende an Streiks und Protestaktionen der Arbeiterbewegung gegen das zaristische Russland beteiligt. Sein revolutionärer Aktivismus in der russischen Revolution von 1905 zwingt ihn ins Exil und bringt ihn ins Gefängnis. Er gründet 1912 als Spaltprodukt der Sozialdemokratie die Bolschewiki, eine Kaderpartei unter seiner eigenen Führung.

Im April 1917 kehrt Lenin aus dem Exil in der Schweiz zurück nach Russland. Kurz nach seiner Ankunft verkündet er am 17. April 1917 sein politisches Programm, das unter dem Namen „Aprilthesen“ bekannt wird. Darin fordert er die Errichtung einer Republik, die Verstaatlichung von Boden und Industrie sowie einen Friedensschluss mit dem Deutschen Reich.

Bis zu seinem Tod ist Lenin maßgeblich an dem Aufbau des diktatorischen Systems der Sowjetunion und den Gewaltexzessen des russischen Bürgerkrieges beteiligt.

7. November 1917

Bewaffnete Arbeiter am 2. Oktober 1917, Petrograd, picture alliance / dpa

„Oktoberrevolution“

Die Februarrevolution beendet zwar die Herrschaft des Zaren, löst allerdings nicht vorhandene ökonomische Probleme und enttäuscht die Hoffnung auf einen Friedensschluss mit anderen Kriegsparteien des Ersten Weltkrieges.

Das Nebeneinander von Provisorischer Regierung (Sozialdemokraten [Menschewiki] und bürgerlichen Kräften) und Sowjets (Kommunisten [Bolschewiki] und Sozialrevolutionären) als zwei parallel existierenden Exekutivorganen führt zu Unruhen im ganzen Land.

Im Oktober 1917 tagt die Provisorische Regierung im Winterpalais in Petrograd (heute St. Petersburg). Unterdessen versuchen die Bolschewisten, die Macht mit einem Staatsstreich zu übernehmen. In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1917 werden die Regierungsmitglieder verhaftet.

Im Gegensatz zum später entstanden Mythos der heroischen Erstürmung des Palastes kommt es bei der Verhaftung nur zu vereinzelten Kampfhandlungen.

Mit der Verhaftung der Provisorischen Regierung übernehmen die Bolschewiki die Macht in Russland. Lenin proklamiert die Sozialistische Sowjetrepublik. Die illegale Machtübernahme bedeutet das Ende der Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Bolschewiki. Dieser Vorgang wir heute allgemein als „Oktoberrevolution“ bezeichnet.

20. Dezember 1917

Demonstranten am Dserschinskidenkmal in Moskau am 22. August 1991, picture-alliance / dpa

Gründung der Tscheka

Kurz nach der Oktoberrevolution wird die bolschewistische Geheimpolizei Tscheka gegründet, die neben der Auslandsspionage vor allem gegen die Bevölkerung eingesetzt wird. Als Leiter der Tscheka ist Felix Dserschinski für den raschen Aufbau der Organisation verantwortlich. Bereits Anfang 1921 verfügt die Geheimpolizei über 280.000 Mitarbeiter.

1922 wird die Tscheka aufgelöst und in Vereinigte staatliche politische Verwaltung (GPU) umbenannt. Zwar bleiben die Strukturen bestehen, die Befugnisse des Geheimdienstes werden jedoch erweitert. So darf die GPU nun auch innerhalb der Partei vorgehen. Bereits 1934 wird die GPU in das neu gegründete Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) integriert, das für die Durchführung der Aktionen im Großen Terror verantwortlich ist. In den folgenden Jahren kommt es zu verschiedenen Umbenennungen und Umstrukturierungen bis schließlich 1954 das Komitee für Staatssicherheit (KGB) gegründet wird.

28. Januar 1918

Dekret des Rates der Volkskommissare über die Gründung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee, 15. (28.) Januar 1918, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0004_rot&object=abstract&st=&l=de

Gründung der Roten Armee

Die Rote Arbeiter- und Bauernarmee wird am 15. Januar 1918 unter Führung von Leo Trotzki gegründet. Als Nachfolgeorganisation der Roten Garde soll sie die Macht der Bolschewiki langfristig sichern. Politische Kommissare kontrollieren die Durchsetzung der Interessen der Kommunistischen Partei in den Streitkräften. Im Laufe ihrer über 70jährigen Geschichte kämpft die Rote Armee in zahlreichen Kriegen. Zu den wichtigsten Konflikten, die die Rote Armee für sich entscheiden kann, gehören der Russische Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg.

Im Kalten Krieg hat die Rote Armee etwa eine Stärke von vier Millionen Soldaten, von denen hunderttausende im Ausland stationiert sind. Neben der gewaltsamen Niederschlagung von Aufständen z.B. in Ungarn oder Prag wird die Sowjetarmee  (ab 1946) von 1979 bis 1989 zur Besetzung Afghanistans eingesetzt. Mit der Auflösung der Sowjetunion erfolgt 1991 auch die Auflösung der Armee und deren Eingliederung in die russischen Streitkräfte.

Leo Trotzki wird in den 20er Jahren zu Stalins Kritiker und Gegenspieler. Er verliert alle Ämter und muss ins Exils fliehen, wo er 1940 ermordet wird. Die Anhänger seiner theoretischen Interpretation des Sozialismus nennen sich bis heute Trotzkisten.


Dekret des Rates der Volkskommissare über die Gründung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee, 15. (28.) Januar 1918.

3. März 1918

Der Friedensvertrag von Brest-Litovsk, 3. März 1918, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0011_bre&object=facsimile&l=de

Unterzeichnung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk

Während des Ersten Weltkriegs verschärfen sich die politischen und sozialen Probleme in Russland zunehmend. Hungerdemonstrationen und Meutereien unter den Soldaten führen schließlich im März 1917 zum Sturz des Zaren und zur Einsetzung einer neuen Regierung, die den Krieg vorerst weiterführt. Die kriegsmüde Bevölkerung und Auflösungserscheinungen in der Armee heizen die revolutionäre Stimmung weiter an und lösen schließlich die Oktoberrevolution aus, die Lenin und seine Anhänger an die Macht bringt.

Die neue bolschewistische Regierung drängt auf einen zügigen Friedensschluss, um die innenpolitischen Verhältnisse zu stabilisieren. Nach Unterzeichnung eines Waffenstillstands beginnen am 8. Januar 1918 Verhandlungen, die am 3. März 1918 abgeschlossen werden. Der Vertrag sieht unter anderem Bildung deutsch kontrollierter Satellitenstaaten von der Ukraine bis zum Baltikum vor. Durch die Niederlage des Deutschen Reiches und den Vertrag von Versailles werden die Bestimmungen jedoch hinfällig.


Friedensvertrag zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und Rußland andererseits [Der Friedensvertrag von Brest-Litovsk], 3. März 1918.

26. März 1918

Trotzki spricht zu Rotarmisten, Russland, undat., picture alliance / akg-images

Russischer Bürgerkrieg

Der Putsch der Bolschewiki markiert den Beginn des Russischen Bürgerkrieges, der bis Ende des Jahres 1922 andauert. Die bolschewistische „Rote Armee“ – ab März 1918 unter der Führung von Leo Trotzki – kämpft gegen Truppen, die sich aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzen. Zudem formiert sich die sogenannte „Weiße Armee“, die sich aus gemäßigten Sozialisten, Republikanern und Monarchisten zusammensetzt. Sie ist der Hauptgegner der Bolschewisten.

Der äußerst brutal geführte Krieg kostet etwa acht bis zehn Millionen Menschen das Leben, von denen die meisten der Zivilbevölkerung zugerechnet werden können. Während der Kämpfe kommt es am 3. März 1918 zum Friedensschluss der Bolschewisten mit dem Deutschen Reich in Brest-Litowsk. Unterdessen erlangen Polen, Teile der Ukraine und von Weißrussland, die baltischen Staaten sowie Finnland ihre Unabhängigkeit. Nach dem Sieg über die letzten Truppen der Weißen Armee schwingen sich die Bolschewiki endgültig zu den alleinigen Machthabern in Russland auf.

5. September 1918

Beschluß des Rates der Volkskommissare über den Roten Terror, 5. September 1918, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0006_ter&l=de

Beschluss des Rates der Volkskommissare über den Roten Terror

Mit dem Beschluss über den Roten Terror leitet die bolschewistische Regierung die Vernichtung der Opposition sowie den Ausbau des dafür erforderlichen Repressionsapparats ein. Unmittelbar darauf beginnt die massenhafte Vernichtung der tatsächlichen und vermeintlichen Gegner: Unternehmer, Großgrundbesitzer, Geistliche, Offiziere; doch auch Angehörige der Arbeiter- und Bauernschichten gehören zu den Opfern. Erst nach Ende des Bürgerkrieges im Jahr 1922 werden Maßnahmen ausgesetzt. Den Maßnahmen der Terroraktionen fallen Schätzungen zufolge mehrere 100.000 Menschen zum Opfer. Die Gewaltexzesse bieten einen wichtigen Erfahrungsraum für die späteren stalinistischen Gräueltaten und das strikte Repressionsregime der UdSSR. In dieser Zeit beginnt auch der Aufbau des sowjetischen Lagersystems.


Beschluß des Rates der Volkskommissare über den Roten Terror, 5. September 1918.

9. November 1918

Demonstranten vor Abgeordnetenhaus in Berlin, November 1918, picture-alliance / dpa

Novemberrevolution & Neugründung des Spartakusbundes

Seit dem Jahr 1916 kommt es im Deutschen Reich zunehmend zu Protesten und Streiks der Arbeiterbewegung gegen die Kriegspolitik des deutschen Kaiserreiches und den damit zusammenhängenden Folgen für die Bevölkerung. Dies führt bereits 1917 zur Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratie (USPD) von der SPD, da sie die Burgfriedenspolitik gebilligt hat. Getragen von Revolutionären Obleuten, Kommunisten und desertierten Militärs wird im Herbst 1918 ein massenwirksamer Protest auf der Straße mobilisiert. In diesem Zusammenhang gründet sich am 11. November 1918 die als Spartakusbund bekannte Oppositionsgruppierung als linker Flügel der USPD auf Initiative Karl Liebknechts neu. Die Proteste gegen die Monarchie und das Militärregime der 3. Obersten Heeresleitung gipfeln in der so genannten „Novemberrevolution“. Der Kaiser dankt ab und geht ins Exil, Phillip Scheidemann (SPD) ruft am 9. November die demokratische Republik aus, Karl Liebknecht die sozialistische Räterepublik. Die Revolution führt zur Gründung der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik.


Philipp Scheidemann ruft am 9.11.1918 die Republik aus (Audio)

30. Dezember 1918

Titelblatt der Ausgabe Nr. 45 der Zeitung "Die rote Fahne" vom 31.12.1918, picture alliance / ZB

Gründung der KPD

Aufgrund von andauernden Kämpfen auf der Straße tritt die USPD aus der provisorischen Übergangsregierung (Rat der Volksbeauftragten) aus. Dieser symbolische Akt reicht den Spartakisten allerdings nicht mehr aus. Als Zusammenschluss von linksrevolutionären Gruppen und Akteuren der Revolution unter Führung des Spartakusbundes wird Ende Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet. Prominente Mitglieder sind Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Ziel der Partei ist die Errichtung einer kommunistischen Herrschaft. In den folgenden Jahren scheitert die KPD mehrmals mit Versuchen, gewaltsam die Macht zu übernehmen und eine Räterepublik zu errichten. Das Ende des Ersten Weltkrieges und die schlechte wirtschaftliche Lage in den 1920er-Jahren bescheren der Partei einen stetigen Mitgliederzufluss. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wird die Partei verboten und muss von nun an im Untergrund operieren. Kurz nach Kriegsende wird die Partei wieder neu aufgebaut.

4. Januar 1919

Barrikadenkämpfe vor dem Zeitungsverlag Rudolf Mosse in der Schützenstraße im Zeitungsviertel in Berlin, Januar 1919, picture alliance / ZB

Januaraufstand

Am 4. Januar setzt die preußische Regierung den Berliner Polizeipräsidenten und USPDler Robert Emil Eichhorn ab, weil sie ihm vorwirft, in den Weihnachtskämpfen des vorangegangenen Jahres die revolutionären Matrosen unterstützt zu haben. Als Reaktion darauf entfachen Mitglieder von USPD und Spartakusbund einen bewaffneten Aufstand in Berlin mit dem Ziel der Errichtung einer Räterepublik. Dies entspricht den Vorstellungen der Mehrheit der KPD-Mitglieder, die nicht wie Luxemburg und Liebknecht eine Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung, sondern die Diktatur des Proletariats mittels Streiks und bewaffneter Aufstände durchzusetzen erstrebt. Der Aufstand wird nach dem Scheitern von Verhandlungen von der Regierung blutig niedergeschlagen. Es kommt zu Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und Polizeibeamten.

15. Januar 1919

Gedenkdemonstration in Berlin am 10. Januar 2016, picture alliance / dpa

Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts

Wenige Tage nach der Niederschlagung des Aufstandes geraten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Gefangenschaft und werden von Freikorpssoldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division verschleppt, unter Folter verhört und anschließend ermordet. Rosa Luxemburgs Leichnam wird in den Berliner Landwehrkanal geworfen. Die Nachricht vom Tod der beiden ruft große Empörung hervor und vertieft die Spaltung zwischen Linken und der SPD, die als regierende Partei von Ersteren für mitverantwortlich erklärt wird. Am 25. Januar wird mit dem Sarg Karl Liebknechts und 30 weiteren Opfern des Januaraufstands in einem Trauerzug auch ein leerer Sarg für Rosa Luxemburg zu Grabe getragen. Nachdem ihr Leichnam im Mai gefunden wurde, findet am 13. Juni 1919 unter großem Andrang ihre Beerdigung auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde statt. Später wird das Gedenken an die Ermordung in der Erinnerungskultur der DDR eine wichtige Rolle spielen. Jährlich finden anlässlich dieses Datums Demonstrationen statt. Bis heute rufen linke Splittergruppen und die Linkspartei am 15. Januar zu Gedenkdemonstrationen auf.

6. März 1919

Lenin auf Gründungskongress der Komintern im Kreml (Moskau) Juni 1919, picture alliance / TASS

Gründung der Kommunistischen Internationale (Komintern)

Vom 2. bis zum 6. März 1919 findet in Moskau der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale (Komintern) in Moskau statt. Ziel der Komintern ist die Einleitung einer weltweiten kommunistischen Revolution. Der zweite Kongress der Komintern findet vom 9. Juli bis 7. August 1920 in Petrograd und Moskau statt. Auf dem Treffen werden die eigentliche Organisationsstruktur festgelegt und 21 Leitsätze verabschiedet. Darin sind die Bedingungen für den Beitritt in die Komintern aufgeführt. Die zentralen Prinzipien der Komintern sind: Disziplin, Zentralismus und militärische Führung. Mit der Komintern gelingt es den sowjetischen Anführern, weltweiten Einfluss auf die kommunistischen Bewegungen zu nehmen. Durch finanzielle Unterstützung und Schulungen von Führungskadern geraten vor allem europäische KPs in die direkte Abhängigkeit von Moskau. Die Komintern besteht bis zum Mai 1943.

8. März 1921

Weltfrauentag Demonstration in Berlin am 8. März 2015, picture alliance / Geisler-Fotopress

Erster Internationaler Frauentag

Auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen wird der 8. März als Internationaler Gedenktag für die Gleichberechtigung von Frauen von Lenin ausgerufen. Er wird bis heute genutzt, um auf Missstände hinzuweisen und für die Gleichberechtigung aller Geschlechter einzutreten. Während des Nationalsozialismus ist der Frauentag als sozialistischer Feiertag verboten, stattdessen wird der Muttertag gefeiert. In SBZ und DDR wir der Frauentag bis 1990 regelmäßig begangen, in der Bundesrepublik hingegen spielt der Tag bis Ende der 1960er Jahre eine eher untergeordnete Rolle. 1975 richten die Vereinten Nationen erstmals einen Internationalen Frauentag aus, der seitdem jedes Jahr an die weltweite Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen erinnert.


Zetkin, Clara, Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart, Berlin 1889.

18. März 1921

Matrosen in Kronstadt, Februar 1921, Rue des Archives/RDA/Süddeutsche Zeitung Photo

Neue Ökonomische Politik (NEP)

Die restriktive Wirtschaftspolitik der KP in den Bürgerkriegsjahren hat verheerende Hungersnöte zur Folge. In Kronstadt formiert sich dagegen Widerstand. Im so genannten „Kronstädter Matrosenaufstand“ werden progressive Forderungen und wirtschaftliche Liberalisierung unter der Losung „Alle Macht den Sowjets – keine Macht der Partei“ formuliert. Dieses Aufbegehren gegen die unhaltbaren sozialen und wirtschaftlichen Zustände wird von der Roten Armee am 18. März niedergeschlagen.

Vor dem Hintergrund dieser Forderungen wird auf dem X. Parteitag der KP eine neue Wirtschaftspolitik verkündet. Hauptmerkmal ist die vorsichtige Liberalisierung von Landwirtschaft, Industrie und Handel sowie die Einführung marktwirtschaftlicher Wirtschaftsmethoden. Damit soll der katastrophalen Wirtschaftslage entgegengewirkt und eine Stabilisierung der gesellschaftlichen Entwicklung gewährleistet werden. Da die Reformen kurzfristige Erfolge zeitigen, läuft das Programm noch bis zur Verkündung des ersten Fünfjahresplanes 1928. Die Maßnahmen tragen zur Konsolidierung der Macht der Bolschewiki bei.


Beschluß des Allrußländischen Zentralen Exekutivkomitees über die Ersetzung der Lebensmittel- und Rohstoffbeschaffung durch die Naturalsteuer, 21. März 1921

Der Kronstädter Aufstand: Resolution der Vollversammlung der Mannschaften der ersten und zweiten Brigade der Schlachtschiffe, 1. März 1921

13. Juni 1922

Prozessszene, Moskau, August 1922, picture alliance / akg-images

Prozess gegen die „Sozialrevolutionäre“

Der Prozess gegen 34 Mitglieder der Sozialrevolutionären Partei wegen der Zugehörigkeit zu einer antisowjetischen Organisation bildet den ersten Schauprozess dieser Art und Größe in der Sowjetunion und legt das Fundament für eine Reihe nachfolgender Prozesse. Den juristischen Rahmen für diese Schauprozesse bietet das im Zuge der neuen ökonomischen Politik eingeführte neue Strafgesetzbuch der Sowjetunion. Mit dem Ziel, die linke Opposition zu brechen und die Monopolisierung der Macht voranzutreiben, verhängt das Gericht (später umgewandelte) Todesurteile gegen 15 der Angeklagten. Ein besonderer Stellenwert kommt der arrangierten „revolutionären“ Gerichtsöffentlichkeit zu, die zum Eindruck der Einheit von Strafverfolgungsbehörde und einfachem Volk beitragen soll. Der Prozess wird begleitet von Massendemonstrationen, die ihren Höhepunkt in der Stürmung eines Teils der Gerichtsgebäudes durch die „revolutionären Massen“, die die Exekution der Angeklagten fordern und sich gegen die (ausländischen) Anwälte richten, erreichen.


Schauprozesse. Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa. Der Schauprozess gegen die Sozialrevolutionäre.

30. Dezember 1922

Das Grundgesetz (Verfassung) der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, 31. Januar 1924, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0019_ver&st=1922&l=de

Gründung der Sowjetunion

Ende 1922 gründen die Bolschewiki die Sowjetunion, die zu diesem Zeitpunkt aus 15 Unionsrepubliken besteht, die sich von Osteuropa bis an die Pazifische Küste erstrecken. Formal organisiert als föderativer Einparteienstaat, wird das Land zentralistisch von Moskau regiert. Als herrschende und einzig zugelassene Partei fungiert die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU), deren Vorsitzender faktisch die Macht im Staat ausübt.

Aufgrund der Autonomiebestrebungen der Unionsrepubliken, der schlechten wirtschaftlichen Lage und politischer Reformen zerfällt die Sowjetunion ab Mitte der 1980er Jahre. Schließlich kommt es an 21. Dezember 1991 nach 69 Jahren mit der Erklärung von Alma-Ata zur offiziellen Auflösung der Sowjetunion. Dies markiert das Ende der Blockkonfrontation, die Auswirkungen des Kalten Krieges sind jedoch noch heute zu spüren.


Das Grundgesetz (Verfassung) der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, 31. Januar 1924.

21. Oktober 1923

Roter Frontkämpferbund während der Weimarer Republik, Ort unbekannt, undat., picture alliance / ZB

„Deutscher Oktober“ & Parteiverbot

Bestärkt durch die von Inflation und politischer Instabilität geprägte Schwäche der Weimarer Republik, die in der Staatskrise 1923 deutlich wird, sieht die KPD im Oktober des Jahres die Gelegenheit zu einem Putsch gegen die Regierung. Aus ihrer Position als Regierungspartner in Thüringen und Sachsen und auf Drängen der sowjetischen Führung versucht die KPD so die gewaltsame Umwälzung der Verhältnisse nach dem Vorbild der russischen Oktoberrevolution. Reichspräsident Friedrich Ebert führt mit Hilfe der Reichswehr ein rasches Ende des kaum aussichtsvollen Aufstands herbei. In der Folge wird die KPD am 23. November reichsweit verboten. Das Verbot wird allerdings bereits im März 1924 erneut aufgehoben und hat eine Zentralisierung der Parteistrukturen und eine erneute Radikalisierung zur Folge. Es gründet sich der Rotfrontkämpferbund (18. Juli 1924) als paramilitärische Parteiarmee und der autoritäre Moskautreue Ernst Thälmann wird am 1. September 1925 zum Parteivorsitzenden.

26. November 1924

Mongolische Briefmarke mit Abbildung von Damdin Sukhbaatar (1893-1923), militärischer Führer in der Revolution, picture alliance / CPA Media Co. Ltd

Ausrufung der Mongolischen Volksrepublik

Mit Hilfe bolschewistischer Truppen gelingt den Mongolen im Sommer 1921 ein Sieg über den russischen General Roman von Ungern-Sternberg. Dieser hatte nach der Oktoberrevolution zunächst mit der Vertreibung der Chinesen begonnen, dann jedoch das Land als Rückzugsraum vor den bolschewistischen Truppen genutzt.

Nach dem Sieg des bolschewistisch-mongolischen Bündnisses erklärt die im März 1921 neu gegründete Mongolische Revolutionäre Volkspartei (MVP) die Unabhängigkeit des Landes.

Als Kaderorganisation sowjetischer Prägung errichtet die MVP eine Einparteienherrschaft, die das Land zentralistisch von Ulaanbaatar regiert. Unter Führung der MVP erfolgt am 26. November 1924 die offizielle Ausrufung der Mongolischen Volksrepublik. Von 1940 bis 1984 steht das Land unter der Herrschaft des Diktators Jumdschaagiin Tsedenbal. Mit dessen Absetzung beginnen langsame Reformen, die 1990 zu ersten demokratischen Wahlen führen, die allerdings von der kommunistischen Partei gewonnen werden.

7. Juli 1928

Urteilsverkündung, Gewerkschaftshaus Moskau, 7. Juli 1928, Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo

Schachty-Prozess

Der stalinistische Schauprozess gegen 53 Spezialisten aus der Region Schachty, vor allem wegen des Tatbestands der „gegenrevolutionären Verbrechen“, gilt als Auftakt einer dreijährigen Säuberungskampagne gegen die technische Intelligenz und Gegner Stalins aus den Reihen der Partei. Der Prozess, der in seiner Inszenierung einer phantastischen Erzählung gleicht, präsentiert der Öffentlichkeit einen Sündenbock für die Folgen der überstürzten Industrialisierung. In der Ausführung kann der Schachty-Prozess als „Generalprobe“ (A. Weinke) für die Moskauer-Prozesse der 1930er-Jahre gesehen werden, die im Vergleich zu diesen jedoch noch nicht vollkommen reibungslos abläuft – was der großen medialen Beachtung des Prozesses, die in den Augen der Parteiführung für einen Erfolg spricht, keinen Abbruch tut. Der Prozess gilt im Westen als Schlüsselereignis sowjetischer Politik.

1. September 1928

KPD Flugblatt 1928, picture alliance / ZB

„Sozialfaschismus“-These

Mit der engeren Bindung der KPD an Moskau vertieft sich auch der Graben zwischen ihr und den Sozialdemokraten. Die unter dem Vorwurf des „Sozialfaschismus“ geäußerte Kritik an der SPD prangert dabei Imperialismus und Kriegstreibertum an. Der politische Kampfbegriff „Sozialfaschismus“ geht auf Grigori Sinowjew zurück, der ihn 1924 auf dem V. Weltkongress der Komintern einführt. Auf dem VI. Weltkongress zum Programm erhoben, wird der Vorwurf zum zentralen Instrument im Konkurrenzkampf der Parteien um die Stimmen der Arbeiterbewegung. Die Bekämpfung des „Sozialfaschismus“ erhebt Thälmann auf dem 12. Reichsparteitag 1929 zum Hauptziel der KPD-Politik. Diese von Moskau befohlene Politikgrundlage der KPD verhindert ein entschiedenes und einheitliches Auftreten der Arbeiterbewegung gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.

27. Dezember 1929

'Genosse, tritt in unser Kolchose ein!`, Plakat, 1930er Jahre, Enwurft: W. Kor, picture-alliance / Russian Picture Service / akg-im

Beginn der Kollektivierung

Um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen, den Verwaltungsapparat aufrechtzuerhalten und die Armee aufzubauen, ordnet die bolschewistische Regierung unter Führung von Stalin die Kollektivierung der Landwirtschaft an. Infolgedessen werden die Bauern gezwungen, auf Gemeinschaftsbauernhöfen zu arbeiten. Auf diese Weise sollen nicht nur maximale Erträge erzielt, sondern auch staatliche Kontrolle auf die Landbevölkerung ausgeübt werden.

Um etwaige Widerstände zu brechen und die Landbevölkerung zu entzweien, ordnet Stalin im Dezember 1929 zudem die „Vernichtung der Kulaken als Klasse“ an. Als „Kulaken“ gelten z.B. reichere Bauern oder Personen, die sich der Kollektivierung widersetzen. Bis 1932 werden mehrere Millionen Menschen deportiert und Zehntausende umgebracht. In zahlreichen Regionen Russlands gibt es bewaffnete Widerstände gegen diese Maßnahmen, die brutal niedergeschlagen werden.

28. Februar 1933

Reichstagsbrandverordnung, 28. Februar 1933, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0101_rbv&object=abstract&st=&l=de

Reichstagsbrandverordnung

In der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“, nur einen Tag nach dem Brand des Reichstags erlassen, findet die Verfolgung politischer Gegner, vor allem von Kommunisten, durch das NS-Regime eine formelle Grundlage. Im Reichstag war zuvor der niederländische Linke Marinus van der Lubbe als Täter festgenommen worden. „Zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“ werden in der Verordnung (dann ohne die Begrenzung auf kommunistische Organisationen) die Grundrechte massiv eingeschränkt. Durch die Verordnung wird die KPD zur Arbeit in der Illegalität gedrängt; unter anderem sind ihr Versammlungen und Publikationen verboten. Die beträchtliche Anzahl an Mandaten, die sie bei der Reichstagswahl am 5. März trotzdem erhält, wird auf Grundlage der Verordnung annulliert. Die KPD und ihre Mitglieder sind immer mehr der Verfolgung und dem Terror des Regimes ausgesetzt – es kommt zu tausenden Inhaftierungen, Mitglieder werden ermordet und zur Flucht gezwungen.


"Stehen Sie auf, van der Lubbe!" Der Reichstagsbrand 1933 - Geschichte einer Legende/ Nach einem Manuskript von Fritz Tobias, in: DER SPIEGEL 47/1959.

Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat ["Reichstagsbrandverordnung"], 28. Februar 1933

3. Mai 1936

Edouard Herriot, Leon Blum als Marionetten Moskaus, Propagandaplakat der französischen Nationalen Republikaner, 1936, Rue des Archives/Tallandier/Süddeutsche Zeitung Photo

Die „Volksfront“

Mit der Machtübernahme von faschistischen Parteien und Bewegungen in europäischen Staaten ist die Strategie des „Sozialfaschismus“ gescheitert. In mehreren Staaten kommt es zu so genannten „Volksfrontregierungen“, um der Gefahr des drohenden Faschismus mit einem Bündnis aus Sozialdemokratie, bürgerlichen Kräften und Kommunisten etwas entgegensetzen zu können. (z. B.: Spanien, Frankreich, Chile, Griechenland). In Frankreich wird unter Léon Blum nach den Wahlen 1936 eine Regierung unter Einschluss der Kommunisten gebildet. Mit dem VII. Kongress der Komintern im Jahr 1935 ändert sich auch die offizielle Linie Moskaus. Die Sozialfaschismusdoktrin wird verworfen. Somit haben die Kommunistischen Parteien die Billigung Moskaus, in antifaschistische Koalitionen einzutreten. Der 13. Parteitag der KPD, welcher im Oktober 1935 im Brüsseler Exil stattfindet, folgt dieser Linie der Komintern. Jedoch sind die Versuche, eine deutsche Exilregierung zu bilden, erfolglos.

17. Juli 1936

Pablo Picasso Guernica, Foto vom 21. Februar 2012 von Paul White, picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Spanischer Bürgerkrieg

In Spanien bildet sich 1936 eine Volksfrontregierung. Am 17. Juli landet General Franco auf dem spanischen Festland, um die von Kommunisten und Anarchisten unterstützte Regierung zu stürzen. Dies markiert den Beginn des spanischen Bürgerkrieges, der mit der Machtübernahme Francos endet. In den Wirrungen des Putsches übernehmen in Katalonien kurzzeitig anarchistische Gewerkschaften die Macht. Die Arbeitermilizen gehen auch äußerst brutal gegen den Klerus vor. Dieser rätedemokratische Organisierungsversuch bricht nach wenigen Wochen wieder zusammen. Die Republikfeinde erhalten Hilfe aus dem faschistischen Deutschland und Italien. Stalin unterstützt die republikanischen Kämpfer, die somit in die Abhängigkeit und Kontrolle von Moskau geraten. Eine internationale Solidaritätswelle führt zur Bildung der internationalen Brigaden. In ihnen kämpfen auch viele angesehene Künstler und Schriftsteller. Zwischen 600.000 und 800.000 Menschen fallen dem Krieg zum Opfer. Spanien ist bis zu Francos Tod 1975 eine Diktatur.

29. Juli 1936

Beginn des Großen Terrors

Aufgrund eines politischen Mordes verschärft Stalin die Strafprozessordnung, um massenhafte Ermordungen und Verhaftungen zu rechtfertigen.

Am 29. Juli 1936 verschickt das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei an alle Parteiorganisationen der Sowjetunion ein Schreiben. Darin warnt die Parteileitung vor „Volksfeinden“, gegen die entschlossen vorgegangen werden soll. Zur Durchführung von Deportationen, Verhaftungen und Ermordungen wird der von Stalin kontrollierte Geheimdienst NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten) mit umfangreichen Rechten ausgestattet.

Der Terror richtet sich zunächst gegen gesellschaftliche und parteipolitische Eliten, von denen viele nach Schauprozessen hingerichtet werden. Auch in der Roten Armee werden zehntausende Führungskräfte zum Tode verurteilt. Die meisten Todesopfer fordert der Große Terror jedoch unter der Zivilbevölkerung. Ethnische Säuberungen, Deportationen, Verhaftungen und Erschießungen folgen dabei keinem erkennbaren Muster. Es fallen dem Terror bis Ende der 1930er-Jahre mehrere Millionen Menschen zum Opfer. Die genauen Opferzahlen lassen sich heute nicht mehr ermitteln. Unter den Opfern befinden sich auch deutsche Kommunisten und Exilanten.


75 Jahre Großer Terror – Vom Schauprozess zu den Massenoperationen. 1936 – 1938, Veranstaltungsmitschnitt einer Podiumsdiskussion in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 05.04.2011

22. August 1936

Zeitgenössisches Porträt von Grigori Jewsejewitsch Sinowjew, picture-alliance / dpa

Erster Moskauer Prozess

Ende August 1936 findet der erste von insgesamt vier Schauprozessen in Moskau statt. In den inszenierten Verhandlungen werden zahlreiche alte Weggefährten von Lenin, bolschewistische Politiker und hohe Offiziere der Roten Armee verurteilt. Alle Beschuldigten werden die Vorbereitung terroristischer Akte und Kontakte zu Trotzki vorgeworfen. Von insgesamt 66 Angeklagten werden 50 zum Tode verurteilt und umgebracht. Durch die Prozesse entledigt sich Stalin fast aller Konkurrenten und etabliert sich endgültig als absoluter Machthaber in der Sowjetunion.

Im Oktobersaal des Moskauer Gewerkschaftshauses beginnt der erste Prozess gegen 16 Angeklagte des „trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums“, die beschuldigt werden, in Verschwörung mit Trotzki und der nationalsozialistische Gestapo, einen Großanschlag auf die kommunistische Parteiführung geplant zu haben. Erstmals kommt es so zu einem großen Schauprozess gegen vormalige Angehörige der bolschewistischen Aufbaugeneration. Ziel des Prozesses ist es, den Anschein einer ständig bestehenden Bedrohungslage zu erwecken. Die Angeklagten tragen mit erzwungenen Geständnissen zur Inszenierung bei und werden zum Tode verurteilt.


Schauprozesse. Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa. Die Moskauer Prozesse.

30. Januar 1937

Prozeßbericht über den Schauprozeß in Moskau, 1937, SZ Photo/Süddeutsche Zeitung Photo

Zweiter Moskauer Prozess

Mit den 17 Angeklagten im „Prozess über die Strafsache des sowjetfeindlichen trotzkistischen Zentrums“ stehen im Zweiten Moskauer Prozess (auch: Pjatakow-Radek-Prozess) – wie schon im Schachty-Prozess 1928 – Techniker vor Gericht, von denen 10 wichtige Führungspositionen in Volkskommissariaten innhatten. Das beschworene „sowjetfeindliche trotzkistische Zentrum“ habe unter anderem Attentate geplant, als Spion für deutsche und japanische Geheimdienste gearbeitet und sich der Sabotage schuldig gemacht. Erneut dienen die Vorwürfe dazu, die Bevölkerung zu Wachsamkeit anzuhalten und ihr einen Schuldigen für die Opfer des verheerenden Industrialisierungsprozesses darzubieten. Die Angeklagten übertrumpfen sich im Prozess mit erzwungenen Selbstbezichtigungen ihrer „Schädlingstätigkeit“. Wieder mobilisiert der Schauprozess Massen von Demonstranten, die – wie Generalstaatsanwalt Andrei Wyschinski im Gerichtssaal – auf dem Roten Platz die rasche Tötung der Angeklagten fordern.


Schauprozesse. Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa. Die Moskauer Prozesse.

13. März 1938

Verlesen einer Resolution vor Arbeitern in Moskauer Fabrik, 15. März 1938, picture-alliance / dpa

Dritter Moskauer Prozess

Mit dem Prozess gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“ („Prozess gegen die Einundzwanzig“) erfolgt der Versuch, die These einer weltweiten Verschwörung aus Faschisten und Trotzkisten zu beweisen und deren Inszenierung zu perfektionieren. Die 21 Angeklagten, denen eine Unterwanderung des Staates durch ihre „Schädlingsarbeit“ vorgeworfen wird, sind führende Parteimitglieder und hohe Funktionäre des sowjetischen Staatsapparates. Dieser Höhepunkt unter den Schauprozessen soll – nach Wunsch Stalins – aber auch eine Rückkehr zu „normalen Verhältnissen“ im Umgang mit der parteilichen Führungselite markieren. Die mediale Aufbereitung und Verbreitung des Prozesses, verbunden mit der propagandistischen Nachricht, es seien Feinde des Regimes demaskiert und vernichtet worden, erreicht ein bisher unbekanntes Niveau. Der Prozess –wie auch die beiden vorherigen unter der Führung von Armee-Militärjurist Wassili Ulrich – endet mit 19 Todesurteilen. Zwei Angeklagte werden zu Haftstrafen verurteilt und später erschossen.


Schauprozesse. Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa. Die Moskauer Prozesse.

23. August 1939

Englischsprachige Karikatur von David Low, The Evening Standard vom 20. September 1939 (GB), picture-alliance / maxppp

Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts

Am 23. August 1939 unterzeichnen der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare und Kommissar für Äußeres, Wjatscheslaw M. Molotow und der Außenminister des Deutschen Reichs, Joachim von Ribbentrop, in Moskau den sogenannten Hitler-Stalin-Pakt. In dem Vertrag garantiert die Sowjetunion ihre Neutralität im Falle eines Krieges des Deutschen Reichs mit Polen oder den Westmächten. In einem geheimen Zusatzprotokoll, dessen Existenz erst nach dem Krieg ans Licht kommt, wird die Aufteilung Polens, des Baltikums und von Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine) in deutsche und sowjetische Interessensphären vorgenommen. Die Aufteilung soll Konflikte zwischen den beiden Mächten im Fall von „territorial-politischen Umgestaltungen“ vermeiden. Bereits am 1. September 1939 beginnen die Truppen der Wehrmacht mit dem Angriff auf Polen. Das „Grenz- und Freundschaftsabkommen“ mit geheimen Zusatzprotokollen wird am 28. September 1939 unterzeichnet.

Noch 1989 verneint Michail Gorbatschow die Existenz eines geheimen Zusatzprotokolls. Erst 1991 mit der Übergabe der Amtsgeschäfte an Boris Jelzin taucht ein originales Exemplar der Vereinbarung auf.

22. Juni 1941

Karte mit den Fronten bis 1942, picture-alliance/ dpa-infografik

Deutscher Überfall auf die Sowjetunion

Am Morgen des 22. Juni 1941 greifen die Wehrmacht und ihre Verbündeten auf einer Front, die von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reicht, die Sowjetunion an. Es ist der Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges, der bis zur endgültigen Kapitulation des Deutschen Reiches fast vier Jahre dauert. Nach anfänglichen militärischen Erfolgen erreichen die deutschen Truppen zu Beginn des Winters 1941 die Vororte von Moskau. Am 6. Dezember beginnt die sowjetische Gegenoffensive, der es gelingt den Angriff abzuwehren. Nach neuerlichen Vorstößen der Wehrmacht Anfang 1942 kommt es von August 1942 bis Februar 1943 zur „Schlacht von Stalingrad“. Nach der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad geht die Rote Armee in die Offensive. Schrittweise gelingt es, die deutschen Truppen zurückzudrängen, bis die Rote Armee im April 1945 Berlin erreicht. Der äußerst brutal und erbarmungslos geführte Krieg kostet etwa 11,4 Millionen Soldaten der Roten Armee und 15,2 Millionen sowjetischen Zivilisten das Leben.

10. Juni 1943

Beschluß des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale über die Auflösung der Komintern, 15. Mai 1943, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html/index.html?c=dokument_ru&dokument=0026_auf&object=context&l=de

Auflösung der Komintern

Bereits am 15. Mai 1943 fasst die Führung der Komintern auf Initiative von Stalin einen Beschluss zur Selbstauflösung, der am 10. Juni 1943 öffentlich verkündet wird. Damit endet nach insgesamt sieben Weltkongressen die Tätigkeit der Komintern. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Josef Stalin die alleinige Kontrolle über die internationale kommunistische Bewegung. Seinen Einfluss sichert er sich durch direkte Kontakte zu den Generalsekretären der kommunistischen Parteien und den Aufbau eines global agierenden Geheimdienstnetzwerkes.

Im Laufe ihres Bestehens bildet die Komintern tausende Kommunisten aus, die in ihren Heimatländern wichtige gesellschaftliche und politische Machtpositionen einnehmen.


Beschluß des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale über die Auflösung der Kommunistischen Internationale (Komintern), 15. Mai 1943.

29. November 1943

Fidel Castro, Josip Broz Tito auf dem 6. Treffen der blockfreien Staaten, Havanna, 29. August 1979, picture alliance / AP Images

Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien

Am 29. November tagt der kommunistisch dominierte Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (AVNOJ) in Jajce. Man entzieht der Exilregierung in London das Vertrauen und beschließt den Aufbau einer sozialistischen Republik nach dem Ende der faschistischen Besatzung. Der Rat besteht zu großen Teilen aus Partisanenkämpfern, die gegen die italienische und deutsche Okkupation kämpfen.

Genau zwei Jahre später wird die Föderative Volksrepublik Jugoslawien unter der Führung der dortigen KP gegründet, welche 1946 eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild erhält. Bis 1953 ist Josip Broz Tito Ministerpräsident, daraufhin bis zu seinem Tod 1980 Staatspräsident. Er grenzt sich bereits in den 1940er Jahren vom sowjetischen Kurs ab und versucht seine eigene Vision eines jugoslawischen Sozialismus zu realisieren, den so genannten Titoismus.

Die Weigerung, sich dem alleinigen Führungsanspruch Stalins zu unterwerfen, endet am 21. Juni 1948 mit dem Ausschluss aus der Kominform, ein offener Bruch mit Stalin. Erst im Zuge der Entstalinisierung normalisieren sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten langsam. Jedoch muss die Sowjetunion die Eigenständigkeit von Titos Jugoslawien anerkennen.

Jugoslawien entwickelt sich zu einem der führenden blockfreien Staaten während des Kalten Krieges. Außenpolitisch kommt es zu einer Annäherung an den Westen.

Schon während Titos Amtszeit kommt es immer wieder zu Autonomiebestrebungen einzelner Teilrepubliken und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Zentralregierung. Nach 1980 beginnt die multiethnische und multinationale Föderation zu zerfallen. Während der blutigen Bürgerkriege in den 1990er-Jahren erlangen die ehemaligen Teilrepubliken ihre politische Autonomie. Offiziell existiert Jugoslawien noch bis 2003. Seit 2006 gibt sind Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien die Nachfolgestaaten. Der Status des Kosovo ist bis heute umstritten.

8. Mai 1945

Titelseite der US-Zeitung The Call Bulletin, Bd. 177, 8. Mai 1945, picture alliance / akg-images

Bedingungslose Kapitulation

Der Tag markiert die bedingungslose Kapitulation von Nazideutschland und somit das Ende des 2. Weltkrieges in Europa. Bereits am 7. Mai unterzeichnet Generaloberst Jodl in Reims die Kapitulation, welche am 8. Mai in Kraft tritt. Der „Tag der Befreiung“ steht allerdings auch für den Beginn des Zerfalls der Anti-Hitler-Koalition sowie der sowjetisch, bzw. russischen Geschichtsdeutung als „Tag des Sieges“. Bis heute ist der achte, bzw. neunte Mai gesetzlicher Feiertag in Russland, Weißrussland, Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Georgien, Ukraine, Montenegro und Frankreich. Die Interpretation des 2. Weltkrieges als „Großer Vaterländischer Krieg“ in der sowjetischen und russischen Erinnerung manifestiert sich in offiziellen bis heute stattfindenden Militärparaden.

2. September 1945

Poster zur Unabhängigkeit von Vietnam, undat., Rue des Archives/Tallandier/Süddeutsche Zeitung Photo

Ausrufung der Demokratischen Republik Vietnam

Ab 1858 beginnen die Franzosen gewaltsam Vietnam zu kolonisieren. Aufgrund der Besatzungspolitik kommt es zu mehreren Aufständen, die allesamt vom Militär niedergeschlagen werden. Während des Ersten Weltkrieges entsteht eine nationalistische Unabhängigkeitsbewegung. Im Februar 1930 gründet Ho Chi Minh die Kommunistische Partei Vietnams (KPV), die sich ebenfalls gegen die Kolonialherrschaft wendet und die Errichtung eines sozialistischen Staates fordert. Das französische Besatzungsregime gerät zunehmend unter Druck.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges verliert Frankreich zunehmend an Einfluss, sodass das Land zunächst von japanischen Truppen besetzt wird. Als sich 1944 in Nordvietnam nationalistische und kommunistische Gruppierungen zur Liga für die Unabhängigkeit Vietnams (Viet Minh) zusammenschließen, geraten auch die Japaner zunehmend unter Druck. Mit der Kapitulation der Japaner am 2. September 1945 ruft Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam aus. Die alte Kolonialmacht möchte den territorialen Verlust allerdings nicht hinnehmen. Nach Abzug chinesischer Schutztruppen kommt es zum Indochinakrieg.

11. Januar 1946

Offizielles Porträt von Enver Hoxha, undat., picture alliance / CPA Media Co. Ltd

Ausrufung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien

Ende November 1944 verlassen die letzten Truppen der Wehrmacht Albanien. Sofort beginnt die kommunistische Partei der Arbeit Albaniens (PAA) unter der Führung von Enver Hoxha eine Diktatur zu errichten. Mit Unterstützung von Tito gelingt es Hoxha am 11. Januar 1946, die Sozialistischen Volksrepublik Albanien auszurufen. Um seine Macht zu festigen, bedient sich Hoxha stalinistischer Methoden und lässt zahlreiche politische Gegner inhaftieren oder ermorden. Im Zuge der Entstalinisierung der Sowjetunion orientiert sich Hoxha ab 1953 in Richtung China. 1968 tritt Albanien aus dem Warschauer Pakt aus und bricht ab 1976 den Kontakt nach China ab. Bis zum Tod von Hoxha im Jahr 1985 ist Albanien fast vollständig abgeschottet.

Unter seinem Nachfolger Ramiz Alia öffnet sich das Land langsam wieder. Im Herbst 1990 kommt es zu Demonstrationen und einer Wirtschaftskrise, infolgedessen verlassen Zehntausende das Land. Mit der ersten demokratischen Wahl 1992 endet die kommunistische Herrschaft in Albanien.

21. April 1946

Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Admiralspalast Berlin, 22. April 1946, picture alliance / akg-images

Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED

Im Ostberliner Admiralspalast kommt es zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Militärregierung möchte damit in der sowjetisch besetzen Zone die „Spaltung der Arbeiterschaft“ beenden und auch die Anhänger der (Ost-)SPD für ihre Zwecke nutzen. Im Westen wird der Kommunistischen Partei das Tragen der Bezeichnung SED verboten, eine Ausnahmeregelung gilt später für die Westsektoren Berlins. SED und (West-)KPD sind fortan organisatorisch formal getrennt, klandestin wird die KPD jedoch ausgiebig von der SED unterstützt.

Bereits am 6. März gründet sich die Freie deutsche Jugend (FdJ) in der SBZ. Diese Jugendorganisation ist von Anfang an als Massenorganisation geplant. Erklärtes Ziel ist es, durch die FdJ einen Zugriff auf die Weltanschauung und politische Sozialisation von Heranwachsenden zu bekommen und sie zu sozialistischen Menschen zu erziehen.

27. September 1947

Resolution "Über Erfahrungsaustausch und Koordinierung der Tätigkeit der Parteien, die in der Tagung vertreten sind", 27. September 1947, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0029_kim&l=de

Gründung des Kommunistischen Informationsbüros (Kominform)

Stalin lädt vom 22. bis 27. September 1947 zur Gründungskonferenz des Kominform in die polnische Stadt Szklarska Poręba ein. Die Organisation ist die Weiterführung der inoffiziell weiter bestehenden Komintern. Mitglieder des Kominform sind die Kommunistischen Parteien der Sowjetunion, von Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien (bis 1948), Albanien (ab 1947), Frankreich und Italien. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) erhielt nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1949 Beobachterstatus. Sitz des Kominform ist anfangs Belgrad, nach dem Ausschluss Jugoslawiens 1948 Bukarest. Auf der Konferenz hält der enge Mitarbeiter Stalins Andrei Alexandrowitsch Schdanow eine Rede, in der er die berühmte Formel von den Zwei Lagern verwendet. Die Gründung des Kominform ist im Kontext des sich ankündigenden kalten Krieges und einer Verschärfung der Blockkonfrontation zwischen den USA und Europa einerseits und den sozialistischen Staaten andererseits zu sehen. Stalin wollte sich mit dieser Institution den Einfluss auf die europäischen KPs sichern. Der Erfolg des Kominform ist eher als gering einzuschätzen. Es wird im Zuge der Entstalinisierung 1956 aufgelöst.


Die Gründung des Kominforms: Resolution "Über Erfahrungsaustausch und Koordinierung der Tätigkeit der Parteien, die in der Tagung vertreten sind", 27. September 1947.

1. November 1947

Sowjetische Oberstleutnant Majorow verliest Urteil, Rathaus Pankow Berlin, 1. November 1947, SZ Photo/Süddeutsche Zeitung Photo

Schauprozesse in der SBZ gegen vermeintliche Nationalsozialisten

Im Sachsenhausenprozess gegen den letzten Kommandanten des KZ Anton Kaindl und zwölf weitere vor einem sowjetischen Militärtribunal gilt als einer der ersten und wichtigsten klassischen Schauprozesse in der Sowjetischen Besatzungszone. Die Besatzungsmacht verknüpft mit dem medial aufbereiteten Prozess die Hoffnung, ihr antifaschistisches Profil zu stärken und zugleich (durch die Verhängung verhältnismäßig milder Urteile) zu verdeutlichen, dass die wahren kapitalistischen Täter des Nationalsozialismus nicht die vor Gericht Stehenden seien. Die Beweisführung der Anklage bedient sich der erzwungenen Geständnisse der Angeklagten, die diese vortragen, und Zeugenaussagen sowie Filmmaterials, auf dessen Vorführung ein fingierter Zusammenbruch des Hauptangeklagten folgt.

Im April 1948 findet vor mehr als 2000 Personen eine Verhandlung gegen die ehemaligen Nationalsozialisten Hans Meinshausen (Oberbürgermeister von Görlitz) und Dr. Bruno Malitz (Kreisleiter der NSDAP) statt. Der Prozess ist mit der Botschaft verknüpft, die gesamte Bevölkerung von Görlitz sei Opfer der beiden prominenten Angeklagten gewesen, was dem Publikum in einer intensiven medialen Aufbereitung nahegelegt werden soll.

23. Februar 1948

Demonstrant zerstört Schriftzug der kommunistischen Partei, Rumänien Bukarest, 27. Dezember 1989, ap/dpa/picture alliance/Süddeutsche Zeitung Photo

Zwangsvereinigung zwischen kommunistischer und sozialdemokratischer Partei in Rumänien

Seit 1945 ist in Rumänien Petru Groza Ministerpräsident. Unter ihm gelingt es den Kommunisten die Macht zu übernehmen. Es kommt zu Parteiverboten, Verhaftungen und zur Abdankung des Königs am 30. Dezember 1947. Nach der Zwangsvereinigung der KP mit der sozialdemokratischen Partei am 23. Februar 1948 wird die Volksrepublik unter Gheorghe Gheorghiu-Dej ausgerufen. Unter Gheorghiu-Dej wird der Umbau in eine kommunistische Diktatur vollzogen. Den Machtanspruch setzt der Staat mit Gewalt unter der Hilfe des Geheimdienstes Securitate durch. Allerdings geschieht dies, trotz Mitgliedschaft in dem RGW und dem Warschauer Pakt, unter vorsichtiger Betonung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Nach dem Tod von Gheorghiu-Dej übernimmt Nicolae Ceauşescu die Macht und ruft am 21. August 1965 die Sozialistische Republik Rumänien aus. Nach gescheiterten Reformversuchen führt er das Land in den wirtschaftlichen Ruin und grenzt sich weiter von der Sowjetunion ab. Er wird 1989 durch die rumänische Revolution gestürzt und mit seiner Frau zum Tode verurteilt.

26. Mai 1948

Erich Honecker, Oliver Tambo (ANC), Maputo Mosambik, 23. Februar 1979, picture-alliance/ dpa

Apartheid in Südafrika

Nach dem Wahlsieg der Nationalen Partei (NP) wird im Mai 1948 ein System der Rassentrennung (Apartheid) gesetzlich festgelegt. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse entscheidet nun über Bildung, wirtschaftlichen Aufstieg und politische Teilhabe.

Gegen die diskriminierenden Gesetze formiert sich in den 1950er Jahren Widerstand. Die bekannteste Oppositionsorganisation, der Afrikanische Nationalkongress (ANC), fordert die vollen Bürgerrechte für alle südafrikanischen Menschen. Immer wieder kommt es zu Streiks, Anschlägen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Der ANC wird bei seinen klandestinen Tätigkeiten von kommunistischen Staaten unterstützt. ANC-Funktionäre sind zu Schulungen in Moskau, für militärische Ausbildungen in anderen sozialistischen Ostblockstaaten und erhalten finanzielle Hilfen. Das Südafrika der Apartheid steht wie kaum ein anderer Staat symbolisch für den von Kommunisten verteufelten westlichen Imperialismus. So unterstützen nicht nur sozialistische Staaten den militanten Kampf des ANC, sondern es solidarisieren sich global linke und kommunistische Gruppen mit ihm. Mit der Unabhängigkeit zahlreicher afrikanischer Länder und der Ächtung der Apartheid durch die UN im Jahr 1976 gerät die Rassentrennung zunehmend unter Druck. Nach einem Regierungswechsel im Jahr 1990 beginnen die Verhandlungen über die schrittweise Aufhebung der Rassentrennung. Bei den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 wird der von 1962 bis 1990 inhaftierte ANC-Politiker Nelson Mandela zum Präsidenten von Südafrika ernannt.

18. Januar 1949

Blick am 09.07.1967 auf die Baustelle des RGW-Gebäudes (l) in Moskau, picture-alliance/ ZB

Gründung Rat für gegenseitig Wirtschaftshilfe (RGW)

Zentrale Aufgabe des internationalen Wirtschaftsbündnisses ist die Verbesserung der Arbeitsteilung zwischen den sozialistischen Staaten. Das Bündnis wird von der UdSSR initiiert, um ein Gegengewicht zu den Staaten des Marshall-Plans zu schaffen. Die Mitglieder sollen ihre Produktion arbeitsteilig spezialisieren und sich gegenseitig unterstützen. Um den Handel zwischen den Staaten zu koordinieren, entsteht ein komplexes System aus bi- und multilateralen Verträgen. Die Verknüpfung der Produktion mit den nationalen Wirtschaftsplänen erfolgt durch die sowjetische Gosplan-Behörde, sodass die Sowjetunion eine besondere Vormachtstellung im RGW einnimmt. Die eigentlichen Organe des RGW können nur unverbindliche Empfehlungen beschließen.

Mit der friedlichen Revolution 1989/90 beginnen die meisten der Mitgliedsstaaten mit der Umstrukturierung ihres Wirtschaftssystems. Die Planwirtschaft wird durch die Marktwirtschaft ersetzt. Diese Entwicklung bedeutet das Ende des RGW, das am 28. Juni 1991 offiziell beschlossen wird.

6. Februar 1949

Kardinal Josef Mindszenty am 4. Februar 1949 vor dem Volksgerichtshof in Budapest, picture-alliance / dpa

Prozess gegen József Mindszenty

Der beliebte ungarische Kardinal József Mindszenty wird zusammen mit sechs weiteren Geistlichen vor dem Sondersenat des Volksgerichtshof in Ungarn angeklagt. Die Angeklagten werden wegen organisierter Planung eines Staatsstreichs, Hochverrats und illegalen Devisenhandels am 6. Februar 1949 zu langen Haftstrafen verurteilt; Mindszenty verliert zudem sein Amt und sein gesamtes Vermögen. Das gegen ihn verwendete „Geständnis“ ist ihm zuvor unter Folter und Einfluss von Drogen abverlangt worden. Im Rahmen des ungarischen Volksaufstands 1956 wird Mindszenty aus dem Gefängnis befreit werden. Der inszenierte Prozess soll die Isolierung der katholischen Kirche sowie deren Verbindung mit den feindlichen USA (über den Vatikan) aufzeigen und den Eindruck einer bestehenden Bedrohungslage durch imperialistische Bündnisse erwecken.

8. Juli 1949

Prozess gegen Koci Xoxe

In Tirana wird der ehemalige albanische Innenminister in einem Schauprozess gegen „Koci Xoxe und seine Bande jugoslawischer Agenten und Saboteure“ zum Tode verurteilt und am noch am selben Tag erhängt. Der Angeklagte, dessen Verbindungen zum jugoslawischen Diktator Tito und Verlust im innerpolitischen Machtkampf offensichtlich zum Anlass seiner Beseitigung durch den Prozess wurden, macht eine umfassende Aussage, in der er seine Spionagetätigkeit „gesteht“. Ziel der abenteuerlichen Geschichten, die Xoxe in den Munde gelegt werden, ist es, den Eindruck zu erwecken, ein riesiges Netzwerk feindlicher Agenten und Spione bedrohe die Volksrepublik, und Tito und seine Sympathisanten als Mitglieder jener Verbindung zu diskreditieren. Die Verhandlung gilt als Auftakt einer Reihe von Schauprozessen in Osteuropa.

29. August 1949

Explosion einer sowjetischen Atombombe auf dem Testgelände in Semipalatinsk, undat., picture-alliance / dpa

Erster Atomtest der Sowjetunion

Auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans testet die Sowjetunion Ende August 1949 erstmalig eine Atombombe. Da die USA bereits am 6. und 9. August 1945 Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen haben, steht die Sowjetunion unter Zugzwang. Die Hitlerkoalition ist zerfallen und die Fronten zwischen kapitalistischem Westen und kommunistischem Osten verhärten sich zunehmend. Bis zum Zusammenbruch 1989 ist das Verhältnis zwischen den USA und der UdSSR von einem Rüstungswettlauf zur gegenseitigen militärischen Abschreckung geprägt. Neben technischem und theoretischem Wissen liefern die Staaten des Ostblocks auch Uran und andere Rohstoffe zur Bombenproduktion. Wichtigster Uranlieferant wird die SDAG Wismut in der DDR. Mit der Zündung der Bombe tritt die weltweite atomare Aufrüstung in eine neue Phase ein.

24. September 1949

Der Mitangeklagte Lazar Brankov, ehemaliger Botschaftsrat in Jugoslawien, September 1949, picture-alliance / akg-images

Prozess gegen Laszlo Rajk

Der ungarische Innenminister wird im Prozess gegen „Lászlo Rajk und Komplicen“ vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die nationale Staatsführung folgt dem Auftrag aus Moskau, mit einer Inszenierung den abtrünnigen Diktator Tito zu diskreditieren und einen Beweis für die These einer Verschwörung feindlicher Mächte, zu deren Agenten neben Tito auch der ehemalige Leiter des amerikanischen Unitarian Service Committee (USC) Noel Field gehöre, zu erbringen. Mit einer Doppelstrategie, basierend auf Folter und freundlicher Überzeugung, werden die Beschuldigten mit Hilfe sowjetischer Berater auf die ihnen im Drehbuch zugewiesenen Rollen vorbereitet. Jenes ist von Stalin und dem ungarischen Staatsführer Rákosi selbst ausgearbeitet und umfasst auch die verhängten Strafen. Personalisierte Eintrittskarten werden an ein sorgsam verlesenes Saalpublikum ausgegeben, die Verhandlungsprotokolle übersetzt und in Ungarn sowie in einigen anderen Ländern des Ostblocks veröffentlicht.

1. Oktober 1949

Feier zum Sieg der kommunistischen Revolution in China, 1949, picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Ausrufung der Volksrepublik China

Am 1. Oktober 1949 ruft der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Ze-Tung, die Volksrepublik China aus. Mit der Staatsgründung enden die seit 1927 andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der KP Chinas und der nationalistischen Partei Kuomintang (KMT), die von Chiang Kai-shek geführt wird. Der Bürgerkrieg wird zu Beginn der 1930er-Jahre aufgrund der Besetzung von Teilen Chinas durch japanische Truppen kurzfristig unterbrochen. Zunächst verbünden sich Kommunisten und Nationalisten gegen die japanischen Besatzer, doch im Winter 1940 zerbricht die fragile Koalition. Kurz nach der Kapitulation der japanischen Besatzungstruppen am 2. September 1945 eskaliert der Bürgerkrieg erneut. In der letzten Phase ziehen sich die Kuomintang-Truppen nach Taiwan zurück, wo am 1. März 1950 Chiang Kai-shek die Republik China gründet.

16. Dezember 1949

Traitscho Kostow, Ende der 40er Jahre, undat., ap/dpa/picture alliance/Süddeutsche Zeitung Photo

Prozess gegen Traitscho Kostow

Kostow, der zur Führungsspitze der bulgarischen Kommunistischen Partei gehört, wird als Hauptangeklagter im Prozess „gegen die Hochverräter, Spione und Saboteure der Gruppe Traitscho Kostow“ bezichtigt, im englischen Spionagedienst gestanden zu haben und – obwohl seine ablehnende Haltung Tito gegenüber bekannt ist – Mitglied einer „titoistisch-imperialistischen“ Verschwörung zu sein. Unter Folter gezwungen, ein entsprechendes Bekenntnis zu unterschreiben, durchkreuzt Kostow mit seinem Schlusswort die propagandistische Inszenierung und erklärt öffentlich seine Unschuld. Er wird als einziger aus der Gruppe der elf Angeklagten zum Tode verurteilt. Ein vermutlich gefälschtes Gnadengesuch Kostows, indem er sich selbst doch noch des ihm Vorgeworfenen bezichtigt, wird als unbegründet abgelehnt. Das Urteil wird am 16. Dezember vollstreckt.

12. Januar 1950

Überschrift Neues Deutschland 14. Januar 1950, Jg. 5 (1950) Nr. 12, S. 1.

Dekret über die Wiedereinführung der Todesstrafe

In der Sowjetunion wird die 1947 abgeschaffte Todesstrafe für „Vaterlandsverräter, Spione und Agenten-Saboteure“ wieder eingeführt. Das entsprechende Dekret beschließt das Präsidium der Obersten Sowjets am 12. Januar 1950. In der Folge steigt die Zahl der Hinrichtungen im gesamten Ostblock rapide an.

29. April 1950

Die Angeklagten in der sogennanten 'Affäre Conti' im Landestheater Dessau. V.l.n.r.: Leo Herwegen, Willi Brundert, Hermann Müller, Leopold Kaatz, Ernst Simon, Paul Heil, Ernst Pauli, Heinrich Scharf, April 1950, Illus/Süddeutsche Zeitung Photo

DCGG-Prozess (Prozess Herwegen, Brundert und Komplicen)

Gegen acht Angeklagte wird im Prozess auf der Bühne des Landestheaters in Dessau der Vorwurf der Wirtschaftssabotage erhoben. Es handelt sich um den ersten großen Wirtschaftsprozess nach stalinistischem Vorbild vor dem Obersten Gericht der DDR. Im Zuge des Beginns des „verschärften Klassenkampfs“ soll das Verfahren das Schicksal der Gegner einer fortschreitenden Verstaatlichung zeigen und gleichzeitig das neugegründete Oberste Gericht in den Säuberungsprozess einbinden. Die Rolle des eigentlich Hauptverantwortlichen bleibt dabei dem „Monopolkapital“ und den westlichen Hintermännern überlassen. Dementsprechend sieht Richterin Benjamin – dem Prozessdrehbuch folgend – von der Verhängung der Höchststrafe ab. Der Prozess ist Objekt einer breiten medialen Inszenierung: das Theatergebäude ist aufwändig präpariert, die Gerichtsöffentlichkeit sorgsam ausgewählt und die breite Öffentlichkeit wird mit täglicher Berichterstattung versorgt. Das Urteil wird Ende April gesprochen.

8. Juni 1950

Milada Horáková im Gerichtssaal, picture-alliance / dpa

Prozess gegen Milada Horáková und Komplizen

In der Tschechoslowakei beginnt mit der Verhandlung gegen Milada Horáková und zwölf weitere führende Mitglieder von Oppositionsparteien oder diesen Nahestehenden erstmals ein Prozess, der von sowjetischen „Beratern“ maßgeblich ausgestaltet ist. Wie auch im Verfahren gegen Slánský und Rajk sucht die Anklage nach Verbindungen der Beschuldigten, denen Hochverrat und Spionage vorgeworfen wird, zum Direktor der CIA Allen Dulles und zu Noel Field. Die Angeklagten lassen sich unter Zwang entsprechend der den Prozess leitenden Protokolle ein, aber durch Sarkasmus und Ironie gelingt es ihnen, auch in diesem Rahmen Kritik zu äußern. Die zu Propagandazwecken angefertigten Filmaufnahmen des Prozesses werden nur in kurzen Ausschnitten gezeigt, um den Inszenierungscharakter zu verschleiern. Milada Horáková und drei weitere Angeklagte werden am 8. Juni 1950 zum Tode, die übrigen Beschuldigten zu hohen Haftstrafen verurteilt.

25. Juni 1950

Koreanische Frauen marschieren zum Regierungsgebäude in Pusan anlässlich des ersten Jahrestages des Kriegsausbruchs, 3 Juli 1951, National Media Museum/SSPL/Süddeutsche Zeitung Photo

Koreakrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der japanischen Besatzung wird Korea entlang des 38. Breitengrades in eine sowjetische und eine amerikanische Besatzungszone geteilt. Während im Norden die Kommunistische Partei (KP) Koreas unter Führung von Kim Il-Sung die Macht übernimmt, etabliert sich im Süden eine national-konservative Regierung. Da beide Seiten die Einheit des Landes unter ihrer Führung beanspruchen, kommt es zum Konflikt.

Am 25. Juni 1950 greifen nordkoreanische Truppen, unterstützt von China und der Sowjetunion den Süden an und erobern innerhalb kürzester Zeit große Teile des Landes. Als Reaktion auf den Angriff entsenden die Vereinten Nationen Truppen, die von den USA geführt werden. In den folgenden Jahren entwickelt sich ein brutaler Krieg mit Staatsterror auf beiden Seiten und über 100.000 toten Zivilisten. Keine der beiden Seiten kann entscheidende Siege erringen. Daraufhin initiieren die USA und die Sowjetunion am 27. Juli 1953 einen Waffenstillstand, in dem die Teilung des Landes mit dem status quo am 38. Breitengrad und die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone festgelegt wird. Beide Landesteile sind bis heute getrennt.

5. März 1951

Münchener Parteitag und „These 37“

Zu den politischen Misserfolgen der KPD kommt im Jahr 1951 ihr Bedeutungsverlust in den Reihen der Gewerkschaften. Der Münchener Parteitag vom 3.-5. März 1951 ist kurzfristig nach Weimar verlegt worden, da ein ungestörter Ablauf in Bayern wegen eines erlassenen Haftbefehls gegen Max Reimann fraglich erscheint. Mit der auf dem Parteitag etablierten „These 37“ will die KPD das Primat der Partei über die Gewerkschaftstätigkeit ihrer Mitglieder sichern. In der Folge werden die Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die auch in der KPD sind, gezwungen, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, nicht dem Parteibeschluss zu folgen, sondern (primär) den Gewerkschaftsbeschlüssen. Wer unterzeichnet, wird aus der KPD ausgeschlossen, wer sich weigert, wird aus dem DGB gedrängt. Viele Parteimitglieder entscheiden sich gegen die KPD. Kern des Parteitagsbeschlusses von 1951 ist die Verhinderung einer Remilitarisierung und die „Selbstreinigung“ der Partei von innerparteilicher Opposition.


Weber, Hermann, Kommunisten und Gewerkschaften in Deutschland - zu einigen historischen Aspekten kommunistischer Gewerkschaftspolitik, in: Gewerkschaftliche Monatshefte (GMH) 08/1979.

27. November 1952

Richter Josef Urvalek bei den Verhandlungen, Gerichtssaal Prag, 27. November 1952, picture alliance / CTK

Slánský-Prozess

Der Parteichef der tschechoslowakischen KSČ, Rudolf Slánský, wird am 24. November 1951 nach einer Feier im Haus eines hochrangigen Parteifunktionärs verhaftet. Es folgen weitere Festnahmen jüdischer Mitglieder der Kommunistischen Partei und des Staatsdienstes.

Im „Prozess gegen das staatsfeindliche Verschwörerzentrum mit Rudolf Slánský an der Spitze“ wird er mit 13 weiteren Mitgliedern der tschechoslowakischen Parteiführung wegen staatsfeindlicher Umtriebe – maßgeblich des Versuchs, die volksdemokratische Ordnung in Zusammenarbeit mit „zionistischen“ Organisationen zu stürzen – vom Prager Staatsgerichtshof am 27. November 1952 zum Tode verurteilt. Die „Berater“ des sowjetischen NKWD üben großen Einfluss bei der Vorbereitung des Prozesses aus, dessen Drehbuch mehrfach von ihnen geändert wird. Die „jüdische Abstammung“ von 11 der Angeklagten wird vielfach betont und – im Zusammenspiel mit verbreiteten antisemitischen Denkmustern – mit der Anklage ihres „zionistischen“ Verhaltens assoziiert und für eine aggressive Propagandakampagne genutzt. Der Prozess gilt als Höhepunkt der osteuropäischen Säuberungswelle, auch was das Ausmaß der Verhaftungen und Nebenprozesse betrifft.


Schauprozesse. Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa. Der Slánský-Prozess.

17. Juni 1953

Sowjetische Panzer, Marktplatz Leipzig, 17. Juni 1953, picture-alliance / dpa

Volksaufstand in der DDR

In der DDR kommt es am 17. Juni landesweit zu Streiks und Protesten der Bevölkerung, die mit Hilfe der sowjetischen Armee niedergeschlagen werden. Der SED-Staat leidet unter massiven ökonomischen Problemen und kann die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern nicht sicherstellen, fordert aber den schnellen „Aufbau des Sozialismus“. Diese Diskrepanz zwischen Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger und den ideologischen Phrasen der Parteiführung führt zu den Protesten. Anlass ist der Beschluss, die Arbeitsnormen zu erhöhen. In den Streiks, Demonstrationen und Protesten werden Forderungen nach politischer Liberalisierung und wirtschaftlichem Aufschwung formuliert. Nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes kommt es zu Schauprozessen gegen mutmaßliche Rädelsführer. Die DDR-Spitze interpretiert den 17. Juni als faschistischen Putschversuch. Der Tag des Aufstandes wird zum Feiertag in der BRD.


Der 17. Juni 1953 und der frühe Widerstand gegen die SED-Diktatur - Zeitzeugen erinnern sich. Veranstaltungsmitschnitt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vom 17.06.2015.

1. August 1953

Gulag Workuta, 30er/40er (undat.), picture-alliance / RIA Nowosti

Niederschlagung des Aufstands in Workuta

Nach der Gründung der Sowjetunion wird ein Lagersystem für Zwangsarbeit errichtet. Im so genannten Gulag-System sind Menschen unter schlimmsten Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Mehrere Millionen Menschen sterben in den Lagern. Politische Gegner, Minderheiten und Andersdenkende verschwinden oft über Jahre in dem stalinistischen Repressionsapparat.

Als in dem Arbeitslager Workuta die Hoffnungen der Gefangenen auf humanere Arbeitsbedingungen - vor dem Hintergrund von Stalins Tod und dem Volksaufstand in der DDR – enttäuscht werden kommt es zum Aufstand. Die Inhaftierten treten in den Streik. Der Aufstand wird am 1. August äußerst brutal niedergeschlagen. Es kommt zu mehreren Toten.

In der poststalinistischen UdSSR bleibt das Lagersystem für politische Gefangene weiter bestehen, jedoch ändern sich die Haftbedingungen. Es endet erst in den 80er Jahren unter Gorbatschow.

8. Mai 1954

Viet Minh Truppen mit vietnamesischer Flagge auf eroberten französischen Gefechtsstellungen, Dien Bien Phu, Mai 1954, picture alliance / CPA Media Co. Ltd

Indochinakrieg

Ab Dezember 1946 versucht Frankreich seine im Zweiten Weltkrieg verlorengegangene Machtposition in Indochina zurückzuerobern. Mit Hilfe einer Guerillataktik gelingt es den Viet Minh, den französischen Truppen Widerstand zu leisten. Da die Franzosen durch umfangreiche Militärhilfen aus den USA und die Viet Minh seit Ende 1949 von der Volksrepublik China unterstützt werden, kann keine der beiden Seiten einen entscheidenden Vorteil erringen. Im März und Mai 1954 kommt es schließlich zur so genannten Schlacht von Điện Biên Phủ, bei der es den Viet Minh gelingt, eine befestigte Kreisstadt von französischen Truppen zu erobern. Die Niederlage am 8. Mai 1954 führt zum Sturz der französischen Regierung und zu einem Meinungsumschwung in der Öffentlichkeit. Auf der Indochina-Konferenz, die am 26. April 1954 in Genf stattfindet, wird die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades festgelegt. Die Franzosen verzichten endgültig auf ihre kolonialen Ansprüche im südostasiatischen Raum und Laos sowie Kambodscha erhalten ihre Unabhängigkeit.

14. Juni 1954

Prozess gegen Guenter Engel, bereits 1953 zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt, Stadtbezirksgericht Pankow, 27.Juni 1953, picture-alliance / akg-images

Prozess gegen die „Hintermänner“ des 17. Juni

Zum Jahrestag des Aufstands vom 17. Juni erreicht dessen justizielle Aufarbeitung in der DDR ihren Höhepunkt. Unter Vorsitz des Präsidenten des Obersten Gerichts Kurt Schumann stehen im „Prozess gegen Dr. Silgradt und andere“ vom 10.-14. Juni 1954 vier Angeklagte wegen der Vorbereitung des „Tages X“ vor Gericht. Gegen die Beschuldigten wird auch ihre Mitgliedschaft in oppositionellen Gruppen, ihre Tätigkeit für westliche Medien, ihre Republikflucht und ihre Arbeit für politische Gefangene verwendet. Kurz vor dem Jahrestag des Aufstandes sollte DDR-Bevölkerung von der vom Westen ausgehenden Gefahr überzeugt werden

18. Juni 1954

Demonstration für Rebellenführer Castillo Armas, Guatemala Stadt, 3. August 1954, picture-alliance / dpa

Beginn des Militärputsches in Guatemala

Anfang der 1950er-Jahre initiiert der demokratisch gewählte Präsident Guatemalas, Jacobo Arbenz, eine Landreform, die unter anderem die Enteignung großer Plantagen beinhaltet, die sich im Besitz amerikanischer Firmen befinden. Zudem sympathisiert die Regierung mit kommunistischen Ideen. Diese Entwicklungen werden sowohl in den USA als auch in anderen Anrainerstaaten kritisch gesehen. Koordiniert vom amerikanischen Geheimdienst CIA, marschiert am 18. Juni 1954 eine Gruppe von Militärs unter Führung von Castillo Armas über Honduras in Guatemala ein. Da die guatemaltekische Armee nicht bereit ist, gegen die Invasoren vorzugehen, und zudem eine offizielle militärische Intervention der USA befürchtet, muss Arbenz am 27. Juni 1954 zurücktreten. Der Putsch hat verheerende Folgen für Guatemala. Bis 1996 lösen sich zahlreiche Militärregierungen ab, die mehrere Bürgerkriege gegeneinander führen, die etwa 250.000 Menschen das Leben kosten.

1. November 1954

Zwei algerische Soldaten neben den Leichen von zwei getöteten Terroristen, Algier 1956, picture-alliance/ dpa

Algerienkrieg

Im Jahr 1830 beginnt die Kolonialisierung Algeriens durch die Franzosen, die 1875 mit der offiziellen Annektierung als abgeschlossen gilt. Gegen die Unterdrückung und Ausbeutung der lokalen Bevölkerung regt sich Widerstand, der sich in mehreren Revolten entlädt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entsteht eine starke nationalistische Bewegung. Die Algerier fordern ihre Unabhängigkeit zurück. Die französische Regierung ist jedoch nur zu zögerlichen Reformen bereit.

Im März 1954 gründet sich die kommunistische Partei „Front de Libération Nationale“ (FLN), die sich zum Ziel gesetzt hat, die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich zu erreichen. Die nationalistischen Guerillakämpfer bedienen sich eines sozialrevolutionären Habitus. Erklärtes Ziel ist es, die Unterdrückung durch die imperialistische Macht zu beenden und die Rohstoffe des Landes zu kollektivieren. Mit ihren Einheiten beginnt die FLN am 1. November 1954 den Kampf gegen die Franzosen und deren einheimische Verbündete. In einem von beiden Seiten äußerst brutal geführten Guerillakrieg und durch Attentate in Frankreich gelingt es der FLN, zunächst einen Friedensschluss und schließlich 1962 die Unabhängigkeit zu erreichen.

2. Dezember 1954

Protestaktion gegen die Hinrichtung des Ehepaares Rosenberg auf Place de la Nation in Paris (Frankreich) am 17. Juni 1952, picture alliance / akg-images

Ende der McCarthy-Ära/ Second Red Scare

Als Second Red Scare wird eine Phase antikommunistischer Massenhysterie in den USA zwischen 1947 und 1957 bezeichnet. Der sich anbahnende Kalte Krieg führt zu einer paranoiden Welle verschwörungstheoretischer Beschuldigungen. Der Staat schafft Komitees, in denen Staatsbeamte auf ihre politische Gesinnung überprüft werden. Es kommt zu Verhören von zahlreichen Intellektuellen und Künstlern. Mitglieder der KP der USA haben harte staatliche Repressionen zu fürchten. Federführend bei der Verfolgung vermeintlicher Kommunisten und Leiter des staatlichen Komitees ist der republikanische Senator Joseph McCarthy, daher wird die Phase auch McCarthy-Ära genannt. Der Kongress entzieht ihm den Vorsitz des Komitees am 2. Dezember 1954, als seine brutalen Verhörmethoden ans Licht kommen. Viele der staatlichen Repressionen gegen vermeintliche Kommunisten werden später für verfassungswidrig erklärt. Die Paranoia gegen Linke ist stark mit nationalistischen und xenophoben Ressentiments aufgeladen. Die wohl bekanntesten Opfer der McCarthy-Ära sind das Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg, die der Spionage verdächtigt sind. Sie werden trotz massiver internationaler Proteste am 19. Juni 1953 hingerichtet.

24. April 1955

Blick in den Tagungsraum der Konferenz von Bandung (Indonesien), aufgenommen im April 1955: Links der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai, 3. von links der ägyptische Ministerpräsident Oberst Gamal Abdel Nasser, picture-alliance / dpa

Bewegung der Blockfreien Staaten

Das Vorbild für die „Bewegung der Blockfreien Staaten“ findet sich in der Zwischenkriegszeit. Ab den 1920er-Jahren formiert sich eine breite antikoloniale Bewegung, die sich von 1927 bis 1937 in der „Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit“ organisiert. Finanzielle und politische Schwierigkeiten innerhalb der Liga sowie der Zweite Weltkrieg verhindern eine Fortsetzung der Aktivitäten.

Erst im Jahr 1955 kommt es bei der Bandung-Konferenz zur Neuauflage einer globalen antikolonialen Bewegung. Als Ergebnis der Konferenz entsteht die „Bewegung der Blockfreien Staaten“. Auf der Gründungkonferenz in Belgrad am 24. September 1961 legt die Organisation folgende Ziele fest: Gleichberechtigung zwischen den Staaten, Abbau der Spannung zwischen Machtblöcken und Abkehr vom Kolonialismus. In der Bewegung sind zahlreiche asiatische und afrikanische Staaten vertreten. Die Bewegung der Blockfreien ist durch ihren konsequenten „Antiimperialismus“ und die Verbindung von nationalistischen mit sozial-revolutionären Inhalten gekennzeichnet. Die meisten Staaten dieser Bewegung strebten sozialistische Gesellschaftsentwürfe an.

25. Februar 1956

Rede des Ersten Sekretärs des CK der KPSS, N. S. Chruščev auf dem XX. Parteitag der KPSS ["Geheimrede"] und der Beschluß des Parteitages "Über den Personenkult und seine Folgen", 25. Februar 1956, nach: http://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokume

Geheimrede von Nikita Chruschtschow

Zum Abschluss des XX. Parteitages der KPdSU hält Parteichef Nikita Chruschtschow am 25. Februar 1956 eine Rede, in der er den Personenkult um Stalin kritisiert und dessen Terror gegen die Bevölkerung verurteilt. Damit wendet sich Chruschtschow gegen seine parteiinternen Gegner, aber auch gegen die Anhänger Stalins in anderen Gebieten des sowjetischen Einflussbereiches.

Kopien der Rede werden an die Führer kommunistischer Parteien im Ausland und an lokale Funktionäre versandt. Auf Grund der weiten Verbreitung gelangt ein Exemplar an die Öffentlichkeit, das am 4. Juni 1956 in der „New York Times“ abgedruckt wird. Die Rede gilt heute als der Beginn der Entstalinisierung.


Rede des Ersten Sekretärs des CK der KPSS, N. S. Chruščev auf dem XX. Parteitag der KPSS ["Geheimrede"] und der Beschluß des Parteitages "Über den Personenkult und seine Folgen", 25. Februar 1956.

28. Juni 1956

Aufständische in Posen sind mit ihren Waffen auf einen sowjetischen Panzer geklettert, Posen 1956, picture-alliance/ dpa

Beginn des Posener Aufstands

Am 28. Juni 1956 beginnt der Streik der Arbeiter im polnischen Poznán gegen schlechte Lebensbedingungen, hohe Arbeitsnormen und die Politik der kommunistischen Regierung. Es kommt zur Entwaffnung von Polizisten, der Rundfunksender wird besetzt und das Gerichtsgebäude gestürmt. Die Regierung beschließt, die Armee gegen die Demonstrierenden einzusetzen. Im Laufe der bis zum 30. Juni andauernden Kampfhandlungen werden 57 Menschen getötet und etwa 700 verhaftet.

Die Ereignisse lösen eine Reihe von politischen Reformen aus, die mit der Ernennung von Władysław Gomułka zum Chef der Polnischen Vereinigen Arbeiterpartei am 21. Oktober 1956 ihren Höhepunkt erreicht. Gomułka war noch zu Beginn der 1950er-Jahre als Verräter verhaftet und aus der Partei ausgeschlossen worden.

17. August 1956

Überschrift Neues Deutschland 17. August 1956, Jg. 11 (1956) Nr. 196, S.1

KPD-Verbot

Bereits im November 1951 stellt die Bundesregierung einen Antrag auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beim Bundesverfassungsgericht. Schon zuvor werden alle KPD und FDJ-Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst durch den so genannten „Adenauer-Erlass“ entlassen.

Nach fünfjährigen Verhandlungen verkündet das Gericht am 17. August 1956 sein Urteil: Die KPD wird verboten. Als Begründung wird die verfassungsfeindliche Grundausrichtung der Partei hervorgehoben. Wenig später werden zahlreiche Verfahren gegen KPD-Funktionäre eingeleitet, von denen einige in die DDR flüchten. Zahlreiche ehemalige Parteimitglieder und Sympathisanten verlieren ihre Arbeitsstellen, da bereits der Verdacht einer kommunistischen Tätigkeit für eine Entlassung ausreicht.

23. Oktober 1956

Blick in eine Straße in der ausgebrannte Lastwagen und nur flüchtig zugedeckte Leichen, Budapest 1956, picture-alliance/ dpa

Ungarischer Volksaufstand 1956

Am 23. Oktober 1956 protestieren zehntausende Studenten in Budapest, die demokratische Reformen und den Abzug der sowjetischen Truppen fordern. Die kommunistische Regierung geht mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. In den folgenden Tagen kommt es daraufhin im ganzen Land zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Die neu gebildete Regierung unter dem populären Reformkommunisten und Ministerpräsidenten Imre Nagy stellt sich auf die Seite der Aufständischen, verkündet am 1. November die Neutralität Ungarns sowie den Austritt des Landes aus dem Warschauer Pakt und löst den Geheimdienst auf.

Um den revolutionären Umsturz rückgängig zu machen und die Macht der Kommunisten zu sichern, beginnen sowjetische Truppen mit der Niederschlagung des Aufstands. Am 4. November 1956 wird eine neue moskautreue kommunistische Regierung unter Führung von János Kádár eingesetzt. Noch bis Mitte November kommt es im ganzen Land zu Gefechten zwischen der Roten Armee und Aufständischen. Zehntausende verlassen aus Furcht vor Repressionen das Land.

29. Oktober 1956

Rede von Gamal Abdel Nasser vor ägyptischen Truppen anlässlich des Hissens der ägyptischen Flagge über Shalupa (Suez Kanal Zone), 22. März 1955, picture alliance / AP Images

Suezkrise und Gamal Abdel Nasser

Mit dem Militärputsch 1952 wird die Monarchie in Ägypten beendet und der charismatische junge General Nasser ab 1954 zum Staatspräsidenten des unabhängigen Ägyptens. Er versucht als Diktator sozialistische Reformen durchzuführen. Leitmotiv bei seinen politischen Maßnahmen ist immer der Glaube an die Vormachtstellung Ägyptens im arabischen Raum und die Ausbildung eines spezifischen arabischen Sozialismus. Mit Nassers Machtantritt beginnt die Verstaatlichung des Suezkanals. Dieser wird in der so genannten Suezkrise (ab dem 29. Oktober 1956) von britischen, israelischen und französischen Truppen zurückerobert. Jedoch auf Druck der USA um das Mächtegleichgewicht zwischen West und Ost zu erhalten, bald wieder den Ägyptern gegeben. Nasser führt ein sozialistisches Wirtschaftssystem ein, grenzt sich aber auch immer scharf von anderen kommunistischen Regimen ab. Unter Nasser wird Ägypten zu einer der führenden Entitäten innerhalb der „Bewegung der Blockfreien“.

10. April 1957

Modell des Sputnik 1 mit seinen vier Antennen, Foto vom 8.7.1972, picture-alliance / RIA Nowosti

Start des Sputnik-Satelliten

Am 4. Oktober 1957 startet der erste Satellit in der Geschichte der Menschheit in den Weltraum. Während die Sowjetunion ihren Erfolg feiert, ist die westliche Welt vom technologischen Stand der sowjetischen Raumfahrt überrascht. Das kommunistische System besitzt scheinbar gegenüber der marktwirtschaftlich organisierten Welt einen Vorsprung in Sachen Fortschritt und Modernisierung. Das Ereignis wir daher auch als „Sputnikschock“ bezeichnet und führt in den USA und Europa zu einer Intensivierung der technologischen Entwicklung der Raumfahrt. Schon Ende Januar 1958 schicken die USA einen Satelliten in den Orbit. Es ist der Beginn eines Wettlaufes zwischen der Sowjetunion und den USA, der nicht nur die Raumfahrt, sondern auch den Rüstungsbereich betrifft. Um gegen ihren Widersacher zu bestehen, investieren beide Länder große Summen in die Bildungspolitik.

10. Dezember 1958

Arbeiter vor erstem Hochofen eines neuen Stahlwerks, Wuhan, 6. März 1959, picture alliance / AP Images

„Großer Sprung nach vorne“

Mit dem „Großen Sprung nach vorne“ sollen alle Betriebe in China verstaatlicht und die Landwirtschaft kollektiviert werden – so wird es am 10.Dezember 1958 auf dem Plenum des ZK der Kommunistischen Partei Chinas formuliert. Ziel ist die Umwandlung Chinas von einer eher landwirtschaftlich geprägten in eine industrielle Gesellschaft. Millionen Bauern verlassen ihre Felder, um in improvisierten Hochöfen Stahl zu erzeugen. Dürren und Überschwemmungen führen in Kombination mit den wirtschaftlichen Fehlsteuerungen zu einer von 1959 bis 1961 andauernden Hungersnot. In dieser Zeit sterben zwischen 15 und 45 Millionen Menschen.

Aufgrund des offensichtlichen Scheiterns der Maßnahmen wird das Programm 1961 abgebrochen. Durch die verheerenden Folgen gewinnen in der Kommunistischen Partei die Gegner von Mao an Einfluss. Erst mit den innerparteilichen Säuberungen im Rahmen der Kulturrevolution gewinnt Mao seine Machtstellung wieder zurück.

9. März 1959

Bewaffnete chinesische Soldaten nahe der tibetisch-indischen Grenze, April 1959, picture-alliance / dpa

Volksaufstand in Tibet gegen die chinesische Besetzung

Tibet befindet sich seit 1950 unter chinesischer Besatzung. Da die Zentralregierung die Rechte der Tibeter stark einschränkt, entsteht in den 1950er-Jahren eine nationalistische Befreiungsbewegung mit militanten Guerillakämpfern. Die Maßnahmen des „Großen Sprung nach vorne“ sowie das Verhalten der chinesischen Volksbefreiungsarmee gegenüber dem Dalai Lama führen zu einer Eskalation des Konflikts. Am 9. März soll die Leibwache des Dalai Lama zum chinesischen Militärhauptquartier. Es kommt zu bewaffneten Aufständen von Tibetern, die blutig niedergeschlagen werden. Tempel werden zerstört, ca. 68.000 Menschen sterben, Tausende fliehen mit dem Dalai Lama ins Exil.

19. September 1959

Kronstädter Schriftstellerprozess

Im alten Gerichtssaal von Kronstadt (damals Stalinstadt) in Rumänien wird das Verfahren gegen fünf siebenbürgisch-sächsische Schriftsteller wegen des Vorwurfs einer staatsfeindlichen Verschwörung eröffnet. Die Anklage stützt sich insbesondere auf „Sachverständigengutachten“ von Experten der rumäniendeutschen Literatur, in denen die Werke der Beschuldigten als Manifestationen ihrer Opposition zur sozialistischen Ideologie qualifiziert werden. Die perfekte Inszenierung scheitert an den Angeklagten, die zum großen Teil ihre Einlassungen öffentlich im Prozess widerrufen und ihre Aussagen zur Kritik am autoritären Regime nutzen. Der Prozess endet nach weniger als zwanzig Stunden am 19. September 1959 mit einem Urteil mit hohen Haftstrafen für die wegen „Aufwiegelung gegen die soziale Ordnung durch Agitation“ nach dem rumänischen Militärstrafgesetzbuch Verurteilten. Der Prozess zeigt einmal mehr die Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Internationalismus in der kommunistischen Ideologie und dem Nationalismus und Chauvinismus in der Herrschaftspraxis sozialistischer Diktaturen.

30. Juni 1960

Patrice Lumumba (Mitte) nach seiner Verhaftung, auf dem Flughafen in Leopoldville (heute: Kinshasa), 2. Dezember 1960, picture-alliance/ dpa

Unabhängigkeit und Krise des Kongo

Ende der 1950er-Jahre entsteht im Kongo eine parteipolitische Bewegung, die sich für die Unabhängigkeit von Belgien einsetzt. Dessen Anführer, Patrice Lumumba, wird nach den ersten freien Parlamentswahlen und der Entlassung des Kongo in die Unabhängigkeit am 30. Juni 1960 zum Ministerpräsidenten ernannt. Aufgrund seines sozialistischen und antikolonialen Programms sowie seiner Kontakte zur Sowjetunion unterstützt und finanziert die US-Regierung einen Militärputsch gegen Lumumba, der von Joseph Mobutu angeführt wird. Kurz nach seiner Flucht wird Lumumba verhaftet und Mitte Januar 1961 ermordet. In der Folge errichtet Mobuto eine autoritäre Diktatur, die er mittels brutaler Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung bis 1997 aufrechterhält.

17. April 1961

Gefangene Exilkubaner, von kubanischen Soldaten bewacht, in einem Lager in der Provinz Las Villas auf Kuba, April 1961, picture-alliance / dpa

Invasion in der Schweinebucht

Mit dem Erfolg der kubanischen Revolution tritt die kommunistische Regierung unter Fidel Castro an. Die geographische Nähe zu den USA veranlasst den amerikanischen Geheimdienst CIA, eine Invasion am 17. April 1961 von ca. 1.300 Exilkubanern zu unterstützen. Der Umsturzversuch gegen das noch junge revolutionäre Kuba wird von der Administration Castros niedergeschlagen. Die Folge ist ein internationaler Vertrauensverlust in die frisch gewählte Regierung J. F. Kennedys und eine weitere Annäherung Kubas an die Sowjetunion.

13. August 1961

Amerikanischer Soldat und Volkspolizist stehen sich wortlos an Sektorengrenze gegenüber, (Ecke Friedrichstraße / Zimmerstraße - Checkpoint Charlie), nach Mauerbau, 16. Oktober 1961, UPI/Süddeutsche Zeitung Photo

Mauerbau in Berlin

Am Sonntag, den 13. Augst 1961 riegeln DDR-Polizisten und die Nationale Volksarmee (NVA) die Sektorengrenzen nach West-Berlin und Brandenburg ab. Mit dieser drastischen Maßnahme stoppt die Regierung die Fluchtbewegung aus der DDR und festigt zugleich ihre Machtposition. Hunderttausende haben in den vergangenen Jahren ihre Heimat verlassen, da sie mit der wirtschaftlichen und politischen Lage unzufrieden sind.

Aus Furcht vor einer Konfrontation mit der Sowjetunion greifen die West-Alliierten nicht ein, und die DDR baut das Grenzregime schnell aus. Nur noch wenigen Menschen gelingt es häufig unter Einsatz ihres Lebens in den Westen zu flüchten. Bis zum Mauerfall am 9. November 1989 kommen an der innerdeutschen Grenze viele hundert Menschen ums Leben.


50 Jahre Mauerbau: Formen des Gedenkens und Erinnerns an die SED-Diktatur. Veranstaltungsmitschnitt der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vom 08.06.2011.

22. Oktober 1962

Schlagzeilen der Westberliner Zeitungen am 23. Oktober 1962, picture-alliance / dpa

Kubakrise

Im Oktober 1962 entdecken die USA bei einem Spionageflug auf Kuba Abschussrampen für 36 atomare Mittelstreckenraketen, durch die amerikanische Großstädte unmittelbar bedroht sind. Mit der Stationierung der Raketen reagiert die Sowjetunion auf die Verlegung von amerikanischen Raketen in die Türkei.

Mit der kommunistischen kubanischen Revolution, die geographisch gesehen direkt vor der Haustür der USA stattfindet, sehen die antikommunistischen Nordamerikaner ihre Einflusssphären bedroht. Besonders die Präsenz und der Einfluss der Sowjetunion in Kuba nach dem gescheiterten amerikanischen Putschversuch spitzt die Lage weiter zu.

Am 22. Oktober 1962 verhängt US-Präsident John F. Kennedy eine Seeblockade gegen Kuba und versetzt die Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Zudem informiert er mit einer Fernsehansprache die Öffentlichkeit. Zu dieser Zeit sind mehrere sowjetische Schiffe auf dem Weg nach Kuba, die bei der Verletzung des Blockaderings einen militärischen Konflikt ausgelöst hätten. Aufgrund der gegenseitigen Gesprächsbereitschaft schaffen es Kennedy und Chruschtschow eine Konfrontation abzuwenden. Während die Sowjetunion den Abzug der Raketen zusichert, verpflichten sich die USA, auf eine Invasion Kubas zu verzichten. Gleichzeitig werden die Raketen aus der Türkei abgezogen.

23. Juli 1963

Blick in den Situngssaal des ersten Strafsenats des obersten Zonengerichts in Ost-Berlin am 16.07.1963 während des Schauprozesses, picture alliance / Günter Bratke

Globke-Prozess

In Abwesenheit eröffnet das Oberste Gericht der DDR den Prozess gegen den Staatssekretär des Bundeskanzleramts und engen Vertrauten Adenauers, Hans Globke. Zum ersten Mal in der DDR-Geschichte lautet die Anklage gegen einen Beschuldigten nun (auch) „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Das SED-Regime verfolgt mit dem aufwändigen Schauprozess die Absicht, die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und ihre Politik symbolisch vor einem globalen Publikum zu verurteilen. Aus der Zeit des Nationalsozialismus war Globke besonders als Mitverfasser des amtlichen Kommentars zu den „Nürnberger Rassengesetzen“ in Erinnerung. Das SED-Regime nahm den Eichmann-Prozess zum Anlass, um selbst mit einer Kampagne gegen den „Schreibtischtäter“ aktiv zu werden. Der Prozess soll den antifaschistischen Gründungsmythos der DDR nach innen und außen bestärken. Das sozialistische Deutschland sei demnach die einzige Alternative zur „faschistischen“ Bundesrepublik. Gestützt auf internationale und nationale Rechtsgrundlagen, verurteilt das Gericht Globke am 23. Juli zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe und erkennt ihm seine bürgerlichen Rechte ab.

15. Januar 1966

Blick auf Tagungshotel Habana Libre während der Konferenz, picture alliance / ADN Zentralbild

Tricontinental-Konferenz

Auf der Tricontinental-Konferenz vom 3.-15. Januar 1966 treffen Vertreter nationaler antikolonialer Befreiungsbewegungen aus 82 Staaten in Havanna zusammen. Militante Befreiungsbewegungen und Staaten aus Lateinamerika sind auch anwesend. Die Konferenz steht zwar in der Tradition von Bandung, jedoch ist die Rhetorik in Havanna deutlicher radikaler. Neben Staaten aus Afrika und Asien werden künftig lateinamerikanische zu den „Blockfreien“ gezählt. Der ideologische Kit zwischen den verschiedenen antiimperialistischen Bewegungen, Parteien, Guerillaorganisationen und Regimen, die auf der Konferenz vertreten sind, ist ein plumper Antiamerikanismus und die Forderung nach gewaltsamer nationaler Emanzipation vom globalen Norden unter kommunistischen Vorzeichen. Es wird die Organización de Solidaridad con los Pueblos de Asia, África y América Latina (OSPAAAL) mit Sitz in Havanna gegründet. Die Organisation fordert nationale sozial-revolutionäre Bewegungen offen zur Militanz auf.

16. Mai 1966

chinesisches Propagandaplakat, Druckgraphik 1964/65, picture alliance / akg-images

Kulturrevolution in China

Mit der Mitteilung des 16. Mai initiiert Mao Tse-tung die so genannte Kulturrevolution, mit der die zu dieser Zeit herrschenden Missstände in Politik, Kultur und Bildung beseitigt werden sollen. Besonders an den Universitäten kommt es zu Beginn der Kampagne zu Gewaltexzessen, bei denen tausende Professoren getötet werden. Mao nutzt die Kulturrevolution allerdings vor allem, um innerparteiliche Konkurrenten auszuschalten und seine Machtposition zu stärken. Gleichzeitig werden zahlreiche Kulturdenkmäler und religiöse Stätten zerstört, um die kulturelle Vormachtstellung der kommunistischen Partei zu sichern. Erst mit dem Tod von Mao im September 1976 wird die Kulturrevolution offiziell für beendet erklärt.

21. August 1968

sowjetische Panzer in den Straßen des Altstädter Rings in Prag, 28. August 1968, picture alliance / UPI

Niederschlagung des Prager Frühlings

In der Nacht zum 21. August 1968 marschieren etwa 500.000 Soldaten des Warschauer Paktes unter Führung der sowjetischen Armee in die Tschechoslowakei ein und besetzten strategisch wichtige Punkte. Mit der Invasion werden die Reformbemühungen der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPČ) gewaltsam beendet. Unter Führung von Alexander Dubček hatte die KPČ geplant, einen demokratischen Sozialismus einzuführen, das Rechtssystem vor politischem Einfluss zu schützen, die Wirtschaft zu liberalisieren und kulturellen Pluralismus zu verwirklichen. Im Zuge der Veröffentlichung der Reformvorschläge und der Aufhebung der Pressezensur entwickelt sich ab Anfang 1968 eine kritische Öffentlichkeit, die den politischen Wandel weiter vorantreibt.

Nach vergeblichen Vermittlungsversuchen zwischen der KPČ und den Staaten des Warschauer Paktes wird der Einmarsch angeordnet, bei dem über 90 Personen getötet werden. Tausende verlassen das Land und suchen Zuflucht im Westen.

25. September 1968

Max Reimann (r) übergibt Walter Ulbricht (l) Entwurf des Parteiprogramms, 12. Februar 1968, picture-alliance / dpa

Gründung der DKP

Nach Absprache mit der Führung von SED und KPdSU wird am 25. September 1968 die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) gegründet, die de facto die Nachfolge der KPD antritt. Zuvor hatten Vertreter der ehemaligen KPD mit dem Bundejustizminister Gustav Heinemann und Staatssekretär Horst Ehmke über die Möglichkeit einer legalen kommunistischen Partei in der Bundesrepublik gesprochen. Da eine Aufhebung des Verbots der KPD nicht realistisch schien, fiel die Entscheidung, eine neue, von der SED finanzierte kommunistische Partei in der Bundesrepublik zu gründen. Bis heute fristet die DKP ein Randdasein ohne erwähnenswerte Wahlerfolge.

12. November 1968

sowjetische Delegation auf Gipfeltreffen von sechs Warschauer Pakt Staaten, Bratislava, 03. August 1968, picture-alliance / CTK

Breschnew-Doktrin

Die so genannte Breschnew-Doktrin wird am 12. November 1968 auf dem 5. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei vom Generalsekretär der KPdSU Leonid Breschnew verkündet. Zentrale Punkte der Doktrin sind die beschränkte Souveränität der sozialistischen Staaten sowie das Vorrecht der Sowjetunion, bei einer Bedrohung des Sozialismus in den jeweiligen Staaten militärisch einzugreifen. Damit soll nicht nur die Machtposition der Sowjetunion langfristig gesichert, sondern auch die Niederschlagung der Aufstände in Polen und der Tschechoslowakei rückwirkend legitimiert werden. Bis Mitte der 1980er-Jahre ist die Breschnew-Doktrin integraler Bestandteil der sowjetischen Außenpolitik. Offiziell aufgehoben wird sie 1988. Damit sind die Länder des Warschauer Paktes in die Eigenverantwortlichkeit entlassen.

2. März 1969

Chinesische Grenzsoldaten auf Patrouille, Region der Damanski-Insel, die am Fluß Ussuri liegt, August 1969, picture-alliance / dpa

Sino-Sowjetisches Schisma

Die Gefechte zwischen sowjetischen und chinesischen Soldaten am Grenzfluss Ussuri sind der Höhepunkt eines weit zurück reichenden Konfliktes. Bereits seit den 1950er-Jahren kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen um die ideologische Deutungshoheit und Vormachtstellung der beiden kommunistischen Supermächte. Bereits hier spricht man vom sino-sowjetischen Schisma. Da beide Staaten Atomwaffen besitzen, befürchten viele internationale Beobachter nach dem Ausbruch des Grenzkonflikts einen verheerenden Krieg.

Im September 1969 kommt es schließlich zu geheimen Verhandlungen, bei denen ein Waffenstillstand vereinbart werden kann. Zwar entspannt sich Situation im Grenzgebiet, doch der Ausbau von Verteidigungsstellungen wird systematisch fortgesetzt. Erst im Jahr 2005 wird die Grenzsituation endgültig geklärt.

Der Zwischenfall am Ussuri ab dem 2. März 1969 kann als Höhepunkt in der Auseinandersetzung und Entfremdung zwischen der Sowjetunion und China gesehen werden.

14. Mai 1970

Bekennerschreiben der RAF nach dem Mord an Detlev Rohwedder (Präsident der Treuhandanstalt) am 1. April 1991, picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Terrorismus in Europa

Während die Studierendenproteste der „68er“ einerseits Experimente von Demokratisierung und gesellschaftspolitischer Liberalisierung mit sich bringen, radikalisiert sich ein anderer Teil der maßgeblichen Akteure. Überall in Westeuropa gründen sich im Verlauf der 1970er-Jahre militante kommunistische Terrorgruppen. Alle zeichnen sich durch einen vehementen Antikapitalismus aus. Erklärtes Ziel ist die kommunistische Revolution. Man bezieht sich auf Guerillakämpfer in Lateinamerika und auf Mao. Die Strategie dieser sozial-revolutionären Terrorgruppen wird unter dem Konzept der Stadtguerilla gefasst. Es werden in Westeuropa zahlreiche prominente Politiker und Funktionsträger aus der Wirtschaft entführt oder ermordet. In Deutschland besteht ab dem 14. Mai 1970 bis 1998 die Rote Armee Fraktion, die für mehr als 33 Morde verantwortlich ist. In Italien wird der konservative Ministerpräsident Aldo Moro von den Brigate Rosse entführt und ermordet, in Frankreich wird der Renault-Chef von der Action directe erschossen. Die „bleiernen Jahre“ haben zur Folge, dass die staatliche Überwachung immer weiter ausgebaut wird. Bis heute ist umstritten, welche Kooperationen es innerhalb der terroristischen Gruppierungen gab. Auch Kontakte der Terroristen zu amerikanischen und sowjetischen Geheimdiensten sollen bestanden haben.


Rote Armee Fraktion, Das Konzept der Stadtguerilla, Amsterdam 1971.

11. September 1973

putschenden Militärs feuern vom Dach eines gegenüberstehenden Gebäudes auf den Präsidentenpalast, Santiago de Chile, 11. September 1973, picture-alliance / dpa

Putsch in Chile

Am 11. September 1973 putscht das Militär unter Führung von Augusto Pinochet gegen die sozialistische chilenische Regierung, die von Salvador Allende geleitet wird. Allende war drei Jahre zuvor demokratisch gewählt worden und hatte sich seitdem unter Befürwortung der Kommunisten für eine Sozialisierung der Wirtschaft eingesetzt. Sowohl in Chile als auch im Ausland gibt es große Kritik an diesem Vorgehen. Rechts- und Linksextreme Gruppen initiieren Streiks, Attentate und Demonstrationen, die das Land zwischen 1971 und 1973 immer mehr in die Krise stürzen. Zudem forciert die CIA ihre Unterstützung der Gegner von Allende.

Zu Beginn des Putsches zieht sich Allende in den Präsidentenpalast zurück, der daraufhin von der Luftwaffe bombardiert wird. Kurz nach der Erstürmung des Gebäudes begeht Allende Selbstmord. Sein Tod ist der Auftakt für die bis 1990 andauernde Militärherrschaft von Pinochet. Während dieser Zeit kommt es zu zahllosen Folterungen und Morden.

10. September 1974

Der portugiesische Außenminister Mario Soares (m) und der Delegationschef der PAIGO, Pedro Pires (r) unterzeichnen Dokumente die Einzelheiten der Unabhängigkeit regeln, Algier, 26. August 1974, picture-alliance / dpa

Unabhängigkeit von Guinea-Bissau

Nach einem elfjährigen Krieg gegen die Kolonialmacht erkennt Portugal am 10. September 1974 die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau an. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Unabhängigkeitsbewegung (PAIGC) die einseitige Unabhängigkeit ausgerufen. Damit endet ein seit 1963 andauernder Konflikt, der aber aufgrund der geringen Größe des Landes kaum internationale Beachtung findet. Während der Auseinandersetzungen gelingt es der PAIGC, weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen und eine Exilregierung zu errichten, die sogar von der UN-Generalversammlung anerkannt wird. Als im April 1974 die Nelkenrevolution das Salazar-Regime beendet, ziehen sich die Portugiesen endgültig zurück und entlassen das Land in die Unabhängigkeit. Nach dem Krieg entwickelt sich Guinea-Bissau zu einem kommunistischer Einparteienstaat, der bis zum Ende des Kalten Krieges Bestand hat. Heute gehört das Land zu den ärmsten der Welt.

17. April 1975

Knochen, die nicht weit von der thailändischen Grenze auf ehem. Schlachtfeldern gefunden wurden, dienen als Mahnmal im Nordwesten Kambodschas, Foto undat., picture-alliance / dpa

Einmarsch der Roten Khmer in Phnom Penh

Zu Beginn der 1970er-Jahre weitet sich der Vietnamkrieg auch nach Kambodscha aus. Während die Militärdiktatur auf Seiten der USA kämpft, setzen sich die maoistisch-nationalistischen Roten Khmer unter Führung von Pol Pot für die Errichtung einer agrarkommunistischen Diktatur ein. Bereits während des Bürgerkrieges kommt es zu Pogromen und Massakern, doch als die Roten Khmer mit der Eroberung von Phnom Penh am 17. April die Macht übernehmen, beginnt eine Schreckensherrschaft: systematische ethnische Säuberungen, Deportationen und Massenerschießungen. Innerhalb von nur drei Jahren werden zwischen 1,4 Millionen und 2,2 Millionen Kambodschaner getötet. Aufgrund von Grenzzwischenfällen und um das Morden zu beenden, marschiert die Vietnamesische Armee im Dezember 1978 in Kambodscha ein. Pol Pot und seine Anhänger setzen ihren Kampf im Untergrund bis Ende der 1990er-Jahre fort.

1. Mai 1975

Demonstration in Saigon, 1974, picture alliance / AP Images

Zweiter Indochinakrieg (Vietnamkrieg)

Nach dem Ende des Ersten Indochinakrieges und der Teilung Vietnams beginnen die kommunistischen Machthaber mit einem Guerillakrieg gegen die im Oktober 1955 gewählte Regierung im Süden des Landes. Auch in diesem Konflikt geht es um die Konkurrenz zwischen einem kapitalistischen oder kommunistischen Gesellschaftssystem in ganz Vietnam. Da die südvietnamesische Seite zunehmend unter Druck gerät, greift die USA in den Konflikt ein und beginnt 1965 mit der Bombardierung von Nordvietnam. Zeitgleich entsenden die USA Bodentruppen, sodass Anfang 1969 über 500.000 amerikanische Soldaten im Einsatz sind. Trotz hoher technischer und materieller Überlegenheit gelingt es den USA nicht, die nordvietnamesischen Truppen zu schlagen.

Nachdem sich abzeichnet, dass keine der beiden Seiten den Krieg endgültig entscheiden kann, beginnen Friedensverhandlungen. Der Vertrag von Paris, der am 27. Januar 1973 abgeschlossen wird, regelt den Abzug der Amerikaner aus Vietnam. Zwei Jahre später besetzen die Nordvietnamesen den Südteil des Landes und vereinigen nach 20 Jahren Krieg beide Hälften des Landes. Der Krieg endet mit der Kapitulation des Südens am 1. Mai 1975. Daraufhin wird die sowjettreue sozialistische Volksrepublik Vietnam gegründet.

25. Juni 1975

Soldaten der Befreiungsbewegung Frelimo hissen um Mitternacht zum 25. Juni 1975 in der Hauptstadt Lourenco Marques (heute: Maputo) die neue Landesflagge, picture-alliance / dpa

Unabhängigkeits- und Bürgerkrieg in Mosambik

1962 schließen sich die nationalen Befreiungsbewegungen unter dem Namen FRELIMO (Mosambikanische Befreiungsfront) zusammen. Die Organisation fordert den Abzug der Portugiesen und die Unabhängigkeit von Mosambik. Trotz bewaffneten Widerstandes gelingt es der FRELIMO zunächst nicht, ihre Ziele durchzusetzen. Erst als Ende April 1974 infolge der „Nelkenrevolution“ das Regime von Salazar in Portugal stürzt, wird das Land am 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit entlassen.

Ab Mitte 1976 kommt es zu einem Bürgerkrieg zwischen der marxistisch geprägten FRELIMO und der zu dieser Zeit neu gegründeten RENAMO (Nationaler Widerstand Mosambiks). Nach einem 16 Jahre langen Bürgerkrieg wird am 4. Oktober 1992 das Allgemeine Friedensabkommen von Rom geschlossen und der Konflikt beigelegt. Durch die im Krieg verlegten Landminen werden auch heute noch zahlreiche Menschen verletzt oder getötet.

1. August 1975

V.li. Helmut Schmidt (Bundesrepublik Deutschland), Erich Honecker (DDR), Gerald Ford (USA) und Bruno Kreisky (Oesterreich), auf KSZE in Helsinki, 30. Juli 1975, picture-alliance / akg-images

Schlussakte von Helsinki und Charta 77

Bereits 1973 treten im Zuge der Entspannungspolitik im kalten Krieg 35 Staaten zur „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) in Helsinki zusammen. Neben der UdSSR, Kanada und den USA sind Vertreter aus allen europäischen Ländern (m. A. Albanien, Andorra) anwesend. Zwei Jahre später am 1. August 1975 wird die so genannte Schlussakte von Helsinki unterzeichnet, eine Absichtserklärung aller teilnehmenden Staaten zu engerer wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, kultureller und humanitärer Kooperation. Der Kernpunkt der Schlussakte ist gegenseitiger Gewaltverzicht und die Einhaltung der Menschenrechte.

Besonders in den Ostblockstaaten wecken diese Vereinbarungen Hoffnungen auf eine gesellschaftspolitische Liberalisierung, welche in der Folgezeit enttäuscht werden. Diese enttäuschten Hoffnungen können als Kristallisationspunkt für oppositionelle Bewegungen in den sozialistischen Staaten gesehen werden. So gründet sich als Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen in der CSSR die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 (benannt nach einer Petition vom 1. Januar 1977). Sie wird zum wichtigsten Zentrum des Widerstandes gegen die kommunistische Diktatur in der CSSR.


Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki, 1. August 1975.

11. November 1975

Junge Rekruten nehmen am 25. August 1975 in Luanda an einer Kundgebung der MPLA teil, picture-alliance / dpa

Befreiungs- und Bürgerkrieg in Angola

Anfang der 1950er-Jahre beginnen verschiedene angolanische Volksgruppen gegen die portugiesische Kolonialherrschaft aufzubegehren und fordern die Unabhängigkeit des Landes. Da sich die Portugiesen weigern, kommt es ab 1960 zu einem Unabhängigkeitskrieg, der bis etwa 1974 andauert, ohne das eine der Parteien den Konflikt für sich entscheiden kann. Als Ende April 1974 infolge der „Nelkenrevolution“ das Regime von Salazar in Portugal gestürzt wird, soll das Land in die Unabhängigkeit entlassen werden.

Kurz darauf bricht jedoch ein Bürgerkrieg zwischen den Guerillagruppen aus, die bisher für die Unabhängigkeit gekämpft hatten. Die beiden zentralen Akteure des Konfliktes sind die marxistisch geprägte und von der Sowjetunion unterstützte MPLA (Volksbewegung zur Befreiung Angolas) sowie die UNITA (Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas), die von den USA und Südafrika Hilfe erhält. In der Nacht zum 11. November 1975 endet die portugiesische Herrschaft in Angola und Agostinho Neto wird zum Präsidenten. In dem bis 2002 andauernden Bürgerkrieg werden Millionen Menschen getötet und vertrieben.

29. Juni 1976

Italienische Gastarbeiter in der BRD und Anhänger der italienischen KP fahren zu  Parlamentswahlen in Italien, Juni 1976, Werek/Süddeutsche Zeitung Photo

Eurokommunismus

Im Zuge des äußerst brutalen Vorgehens der sowjetischen Führung gegen die Demokratiebewegung des Prager Frühlings kommt es zunehmend zu Spannungen zwischen europäischen KPs und der KPdSU. Gerade der Nationalismus und Militarismus der sowjetischen Führung führt zu einer zunehmenden ideologischen Abspaltung der westeuropäischen KPs von Moskau. Parallel zu den linksterroristischen Anschlägen einerseits, beginnen die KPs sich immer klarer zur Demokratie und gegen Gewalt zu bekennen. Man beginnt den sowjetischen Autoritarismus abzulehnen. Die letzte „Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas“ am 29. und 30. Juni 1976 in Ost-Berlin ist der Versuch der drohenden Spaltung noch etwas entgegen zu setzen. Dies scheitert. Es entsteht ein eigener Ost West Konflikt innerhalb der Bewegung zwischen Befürwortern eines demokratischen Kommunismus und Verfechtern der autoritären sowjetischen Herrschaftspraxis.

25. Dezember 1979

Eine Gruppe junger afghanischer Soldatinnen feiert am 27. April 1979 in Kabul den ersten Jahrestag der April-Revolution, picture-alliance / dpa

Krieg in Afghanistan

Am 25. Dezember 1979 rücken sowjetische Truppen in Afghanistan ein, um eine neue prosowjetische Regierung einzusetzen. Ein Jahr zuvor war Hafizullah Amin aus einem internen Machtkampf der afghanischen Kommunisten als Sieger hervorgegangen. Da die Sowjetunion fürchtet, das Amin die USA um Unterstützung im seit Anfang 1978 herrschenden Bürgerkrieg bittet, ordnet das Politbüro die gewaltsame Einsetzung einer neuen Regierung an.

Gegen die Invasion formiert sich bewaffneter Widerstand aus islamistischen und monarchistischen Gruppen, der von Saudi Arabien und den USA mit Waffen und Geld versorgt wird. In dem rücksichtlos und grausam geführten Krieg gelingt es der sowjetischen Armee trotz großer technischer Überlegenheit nicht, den Widerstand zu besiegen. Mit der Unterzeichnung des Genfer Abkommens im Mai 1988 beginnt der Abzug der sowjetischen Truppen. Insgesamt kostet der zehnjährige Krieg über eine Millionen Menschen das Leben.

10. Januar 1981

salvadorianische Truppen marschieren anlässlich ihrer erfolgreichen militärischen Ausbildung, El Salvador, März 1981, picture alliance / AP Images

Bürgerkrieg in El Salvador

Bereits im Oktober 1980 verbünden sich in El Salvador drei marxistisch-revolutionär orientierte Rebellengruppen zur Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí (FMLN), um gegen die herrschende Militärdiktatur vorzugehen. Im Januar 1981 beginnt mit einer militärischen Offensive der FMLN der Bürgerkrieg in El Salvador. Die Militärjunta verhängt am 10. Januar das Kriegsrecht. Während der Auseinandersetzungen begehen beide Seiten massive Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Dabei wird die Militärdiktatur aktiv von der US-Regierung mit Waffen und Beratern unterstützt.

Auf Initiative der UN beginnen 1990 Friedensgespräche, die nach zweijährigen Verhandlungen im Januar 1992 zum Abschluss gebracht werden. Mit der Chapultepec-Vereinbarung endet der Bürgerkrieg nach zwölf Jahren.

13. Dezember 1981

Arbeiter der Warschauer Hüttenwerke mit polnischen Flaggen während eines vierstündigen Warnstreiks am 27. März 1981, picture-alliance / dpa

Kriegsrecht in Polen

Im August 1980 kommt es aufgrund der desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage zu einer Streikwelle in ganz Polen. Währenddessen formiert sich die unabhängige Gewerkschaft Solidarność, die am 10. November 1980 offiziell anerkannt wird. Im folgenden Jahr gewinnt die Gewerkschaft fast zehn Millionen Mitglieder.

Die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PDVP) geht nicht entschieden gegen Solidarność vor, der PDVP-Vorsitzende Stanisław Kania muss auf Druck der Sowjetunion zurücktreten. Ersetzt wird er durch Wojciech Jaruzelski, der am 13. Dezember 1983 das Kriegsrecht verhängt.

Die Regierung wird durch einen mit besonderen Rechten ausgestatteten Militärrat abgelöst. Nach zahlreichen Verhaftungen wird die Solidarność verboten und die Bürgerrechte werden eingeschränkt. Da die Solidarność im Untergrund agiert und die wirtschaftliche Situation sich weiter verschlechtert, finden große öffentliche Protestkundgebungen statt. Am 22. Juli 1983 wird das Kriegsrecht wieder aufgehoben.

28. Juli 1984

US- und Sowjetflagge bei Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele in Moskau, Leninstadion Moskau, 18. Juli 1980, picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Boykott der olympischen Sommerspiele

Wie stark die Auseinandersetzung zwischen kommunistischen und kapitalistischen Block im Zeitalter des Kalten Krieges die Sphäre der Politik verlässt zeigt exemplarisch der gegenseitige Boykott bei olympischen Spielen. Als Reaktion auf den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan boykottieren viele Sportler und Sportlerinnen die Sommerspiele 1980 in Moskau. Im Gegenzug bleiben viel Athleten und Athletinnen den Spielen in Los Angeles im Juli 1984 fern.

Die Auseinandersetzungen zwischen den zwei Weltsystemen reichen auch immer wieder weit in die Sphären von Pop, Kunst, Mode, Wissenschaft, Theater und Sport. Es handelst sich eben nicht nur um zwei konkurrierende politische Systeme, sondern auch um Überzeugungen, Deutungsmuster und Einstellungen.

11. März 1985

Ronald Reagan (l) und Michail Gorbatschow (r) auf amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen, Genf/Schweiz, 19-21. November 1985, picture-alliance / dpa

Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU

Nach dem Tod des kurz amtierenden Konstantin Tschernenko wird Michail Gorbatschow am 11. März 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. Er bereitet die Öffnung des Landes vor, rückt ab von der Breschnew-Doktrin und rehabilitiert inhaftierte Oppositionelle. An der Wiedervereinigung der Bundesrepublik ist er maßgeblich beteiligt. Durch seine Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau) leitet er im Dialog mit den USA das Ende des Kalten Krieges ein und schafft die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung Deutschlands. Für seine Leistungen bei der friedlichen Verständigung und Abrüstung erhält er den Friedensnobelpreis.

26. April 1986

Infographik Radioaktivität in Europa nach Tschernobyl, picture-alliance/ dpa-infografik

Nuklearkatastrophe von Tschernobyl

Aufgrund technischer Mängel und der Nichtbeachtung von Sicherheitsvorschriften kommt es am 26. April 1986 zu einer Explosion und einem Brand im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Dabei wird Radioaktivität freigesetzt und die umliegende Region verstrahlt. Hundertausende müssen deswegen in den folgenden Monaten ihre Heimat verlassen. Die sowjetische Führung ist einerseits bemüht, den Schaden zu begrenzen, andererseits versucht sie das Ausmaß der Katastrophe zu vertuschen. 200.000 Helfer werden bei ihrem Einsatz verstrahlt und erkranken infolgedessen. In Westeuropa entfacht das Bekanntwerden des Vorfalls kontroverse Diskussionen über die Nutzung von Atomenergie, die bis heute anhalten. Die Nuklearkatastrophe beschleunigt die Gründung oppositioneller Umweltgruppen in den sozialistischen Staaten des Ostblocks.

4. Juni 1989

Der Studentenführer Wuer Kaixi demonstriert am 13.05.1989 auf dem Tiananmen, auf dem Stirnband stehen die Zeichen "Jueshi" (Hungerstreik), picture alliance / dpa

Niederschlagung der Demokratiebewegung China

Von den Reformen in der UdSSR beeinflusst, gründet sich in China eine studentisch getragene Demokratiebewegung. Dem repressiven sozialistischen Regime gehen die Forderungen nach demokratischen Reformen zu weit. Die Demokratiebewegung erhält immer mehr Zulauf und es kommt zu friedlichen Massendemonstrationen. Am 4. Juni 1989 wird im Herzen Pekings auf dem Tian’anmen Platz (Platz des Himmlischen Friedens) der friedliche Protest der Studenten äußerst brutal und blutig von der chinesischen Führung niedergeschlagen. Das Massaker von Tian’anmen fordert Tausende Tote und Verletzte. Die internationale Welt reagiert mit einem Waffenembargo gegen China. Seit den Ereignissen wird auch von der so genannten „Chinesischen Lösung“ gesprochen, die sich kurz darauf bei der friedlichen Revolution in Deutschland nicht wiederholte.

9. November 1989

ungarischer Soldat zerschneidet Grenzzaun zu Österreich, 2. Mai 1989, picture alliance / IMAGNO/Votava

Mauerfall

In den 1980er Jahren formiert sich in der DDR eine Oppositionsbewegung deren Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen immer fundamentaler wird. Neben der katastrophalen ökonomischen Lage der DDR kommt es zu einer Bewegung von Ausreisewilligen. Immer Mehr Bürgerinnen und Bürger haben den Willen zu emigrieren. Die SED hält allerdings an ihrem reformunwilligen Kurs fest. Durch ein Missverständnis bei einer Pressekonferenz kommt es zu einem Massenansturm auf die Mauer und somit letztlich zum am 9. November zum Mauerfall.

Bereits am 2. Mai bekommt der eiserne Vorhang Risse durch den Abbau des Grenzzauns in Ungarn. Der Fall der Berliner Mauer steht vor allem symbolisch für das Ende des Ost-West-Konflikts und den Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen sowjetischer Prägung.

19. August 1991

Barrikade auf dem Roten Platz vor der Basilius Kathedrale am 19.08.1991 in Moskau, picture-alliance/ dpa

Putsch in Moskau

Im eigenen Land hat das von Gorbatschow seit 1985 vorangetriebene Reformprogramm zur vorsichtigen ökonomischen und politischen Öffnung nicht nur Befürworter. Die Kritiker kommen vor allem aus den Reihen der kommunistischen Partei. Als sich die wirtschaftliche Lage 1991 weiter verschlechtert und einige Sowjetrepubliken zunehmend nach Unabhängigkeit streben, planen sie einen Putsch.

Am 19. August 1991 versucht das „Staatskomitee für den Ausnahmezustand“ mit Hilfe der Armee Gorbatschow abzusetzen und die Macht zu übernehmen. Da sich sowohl der Geheimdienst als auch die Armee in den folgenden Tagen auf die Seite der Bevölkerung stellen, scheitert der Putsch. Bei großen Demonstrationen gegen die Putschisten gelingt es dem kommunistischen Politiker Boris Jelzin, einen gewaltlosen Widerstand zu koordinieren. Am 21. August 1991 kehrt Gorbatschow nach Moskau zurück.

2. September 1991

Infographik zu Zerfall der Kaukasus-Republiken, picture-alliance/ dpa-infografik

Gründung der „Republik“ Bergkarabach

Der Zerfall der Sowjetunion bringt viele bis heute anhaltende blutige Konflikte mit sich. Als exemplarisch hierfür kann die Gründung der von der Staatengemeinschaft nicht anerkannten Republik Bergkarabach am 2. September 1991 gelten. Die UdSSR überdeckt schwelende Nationalitätenkonflikte, löst sie aber nicht. Bergkarabach ist eine Grenzregion zwischen Aserbaidschan und Armenien wo es bis heute immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Im September 1991 erklärt sich die Region für unabhängig. Die Haltung bestimmter Regionen zur russischen Föderation und Minderheitenkonflikte führen zu einer Reihe blutiger Konflikte in den postkommunistischen Regionen. Neben Bergkarabach sind die nicht anerkannten Staaten Abchasien, Südossetien, Transnistrien, Donezk, Lugansk, die sich in blutigen Auseinandersetzungen von Nachfolgestaaten der UdSSR abspalten.

7. November 2004

Demonstration am 7.11.1997 in St. Petersburg anläßlich des 80. Jahrestages der kommunistischen Oktoberrevolution, picture-alliance / dpa

Der 7. November in der sowjetischen Erinnerungskultur

Bedeutung erlangt die so genannte „Oktoberrevolution“ vor allem durch ihre Interpretation als Gründungsmythos der Sowjetunion. Der „Sturm“ auf den Winterpalast, wie er in sowjetischer Propaganda und Ikonographie dargestellt wird, hat wohl relativ wenig mit dem tatsächlichen Verlauf der Ereignisse vom 7. November 1917 zu tun. Erst die sowjetische Geschichtsschreibung bläst dieses Datum zum Mythos auf, um eine sowjetische Identität zu konstruieren. Der 7. November ist in der Sowjetunion neben dem 9. Mai einer der zentralen nationalen Erinnerungsorte. Bis 2004 war der 7. November staatlicher Feiertag, ab 1990 als „Tag der Aussöhnung und der Eintracht“. Dies verdeutlicht, dass die geschichtspolitischen nationalen Narrative der Sowjetunion auch 100 Jahre nach der Oktoberrevolution immer noch in der russischen Föderation wirkmächtig sind.

5. März 2013

Hyperinflation in Venezuela, 100 Bolivarschein wird am 15. Dezember 2016 abgeschafft, Bankangestellte, Caracas, Venezuela, 13. Dezember 2016, picture alliance / dpa

Tod von Hugo Chavez

Im Lateinamerika der 00er Jahre erfährt der Sozialismusbegriff eine Renaissance. Es kommen in mehreren Ländern sozialistische Regierungen an die Macht, deren Ziel es ist Teile der Wirtschaft zu verstaatlichen und einen demokratischen Sozialismus zu errichten. So ist in den 00er Jahren der frühere Streikführer Luiz Inácio Lula da Silva Präsident Brasiliens (2003-2011), der Gewerkschafter Evo Morales Präsident Boliviens (seit 2006), der Sozialist Rafael Correa Präsident in Ecuador (seit 2007), die Peronistin Cristina Fernández de Kirchner Präsidentin von Argentinien (2007-2015) und der Befreiungstheologe Fernando Lugo Präsident von Paraguay (2008-2012). Eine nachhaltige Veränderung der Wirtschaftssysteme findet allerdings nicht statt. Als radikale Gallionsfigur kann Hugo Chavez gelten, der nach gescheitertem Putschversuch, 1998 zum Präsidenten Venezuelas gewählt wird. Unter dem Stichwort „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ versucht er sozialistische Ideen unter Rückgriff auf den Befreiungskämpfer Simon Bolivar zu realisieren. Er errichtet allerdings de facto ein autoritäres Regime und führt die Wirtschaft in die Hyperinflation. Er stirbt am 5. März 2013 an Krebs.