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Collection Spanish Civil War - Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg

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Screenshot von Website: Collection Spanish Civil War - Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg
Screenshot von Website: Collection Spanish Civil War - Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg

Zwischen 1936 und 1939 findet in Spanien ein Bürgerkrieg statt, der sich vor allem durch seine transnationalen Verbindungen auszeichnet. Der putschende General Franco wird mit Truppen aus den faschistischen Staaten Deutschland und Italien unterstützt. Die demokratischen Truppen werden von Stalin unterstützt und kleineren Kampftruppen mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern, den "Internationalen Brigaden". Aus einer Solidaritätsbewegung heraus, kämpfen viele Kommunisten aus ganz Europa freiwillig in dem blutigen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik.

Die Sammlung des Archivs gliedert sich in drei Teile. Im Bereich "Spanischer Bürgerkrieg" werden Schriftzeugnisse aus dem Umfeld der "Internationalen Brigaden" gesammelt. Der "Sammlungsteil DDR" beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Rezeption des Bürgerkrieges im Staatssozialismus, der die „Interbrigaden“ als kommunistische Antifaschisten ideologisch überhöhte und zur Schaffung dieses Mythos in der DDR maßgeblich beitrug und in die Alltagskultur überführte. Das Archiv beherbergt zudem eine große Sammlung an Sekundärliteratur über den Bürgerkrieg in Spanien. 

Es handelt sich um eine private Sammlung von Christof Kugler, deren Bestände aber für Forschungszwecke zur Verfügung stehen. Auf der Website präsentiert das Archiv ausführlich seine Bestände, die nicht online abrufbar sind,  und gibt Hintergrundinformationen.  Die Sammlung umfasst circa 2.300 Bücher und Dokumente. Interessierte können sich direkt an den Betreiber der Sammlung wenden. Die Seite des Archives können sie hier aufrufen.

Joachim Gatterer: „Sammeln ist eine Funktion aus Zeit und Geld“. Ein Gespräch mit Christof Kugler über das Archivieren von Literatur aus dem Spanischen Bürgerkrieg

 

Er ist Geschäftsführer einer kommunalen Klinik – und Besitzer einer der größten Privatsammlungen republikanischer Spanienkriegsliteratur deutscher Sprache. Wie und warum Christof Kugler seit mehr als dreißig Jahren historische Druckerzeugnisse recherchiert, ankauft und der Forschung zugänglich macht, erzählt er im Interview mit Joachim Gatterer.

 

Lieber Herr Kugler, wie umfangreich müssen wir uns Ihre Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg vorstellen?

 

Im räumlichen Sinn umfasst sie ungefähr 50 Laufmeter an Publikationen. Nach Titeln besitze ich etwas mehr als 2300 katalogisierte Stücke; darunter befinden sich Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Plakate, Flug-, Werbe- und Tarnschriften, Streuzettel, Fotos, Filme, Schallplatten und auch Teilnachlässe bis hin zu Medaillen…

 

…und für welche Themenkreise rund um den Spanischen Bürgerkrieg interessieren Sie sich besonders?

 

Die Schwerpunkte meiner Sammeltätigkeit haben sich im Laufe der Jahre etwas verschoben, einige haben sich auch erst über die Jahre herauskristallisiert bzw. sind durch die deutsche Wiedervereinigung erst möglich geworden. Mein ursprüngliches Interesse galt der deutschsprachigen Exilliteratur, die während des Bürgerkriegs in den Jahren 1936 bis 1939 entstanden ist. Dazu zählen in erster Linie Bücher, Zeitschriften und Drucksorten aller Art, die in Spanien aufseiten der Unterstützer der Republik erschienen sind, z. B. in den Reihen der Internationalen Brigaden, aber auch im Umfeld von linksrevolutionären Gruppierungen und Anarchisten. Von Anfang an interessierten mich aber auch jene Publikationen antifaschistischer Exilantinnen und Exilanten, die sich im europäischen Ausland in der Solidaritätsbewegung für die Spanische Republik publizistisch engagierten.

Im Laufe der Zeit habe ich die Recherchen zu einigen Autorinnen und Autoren dann vertieft, die sich oftmals ein Leben lang mit ihren Erfahrungen in Spanien beschäftigt haben. So besitze ich z. B. eine fast vollständige Sammlung von Liederbüchern, Mappenwerken und Schallplatten des bekannten Arbeitersängers Ernst Busch, die ab 1937 in der Sowjetunion und in Spanien erschienen sind und bis in die 1960er Jahre in Neuauflagen wiederveröffentlicht wurden. Auch von Alfred Kantorowiczʼ Spanischem Kriegstagebuch lässt sich die Editionsgeschichte an den verschiedenen Ausgaben aus meiner Sammlung nachzeichnen. Seit vielen Jahren interessiere ich mich ebenso für die Fotografin Gerda Taro, die Lebensgefährtin von Robert Capa, die 1937 in Spanien ums Leben kam.

In den 1990er-Jahren verdichtete sich ein weiterer Themenkreis – die Rezeption des Spanischen Bürgerkriegs in der DDR. Hierbei hat mich vor allem die Frage beschäftigt, wie die Erinnerung an das republikanische Spanien zum Mythos gemacht wurde und in welcher Form dieser Mythos in die Alltagskultur Eingang gefunden hat. Meine Sammlung umfasst hierzu neben einschlägiger Abenteuer- und Unterhaltungsliteratur auch Einzelbeiträge, die über die Jahrzehnte in unterschiedlichsten Periodika der DDR erschienen sind. Ich sammle aber auch diverse Alltagsgegenstände: von der Briefmarke über das Bierglas bis zu den Broschüren der FDJ zum Hans-Beimler Wettbewerb. Der Namensgeber – ehemaliger Reichstagsabgeordneter der KPD – ist im Dezember 1936 in Spanien zu Tode gekommen.

Abseits des Sammelns von Originalausgaben und Dokumenten war es für die laufenden Recherchen wichtig, über die entsprechende Sekundärliteratur zu verfügen. Fachbücher und Bibliographien zum Spanischen Bürgerkrieg machen daher einen letzten, nicht unerheblichen Teil meiner Sammlung aus.

 

Haben Sie über die Jahre auch eine Antwort auf die Frage finden können, woher ihre Sammelleidenschaft rührt?

 

Das Sammeln hängt sicherlich mit der persönlichen Lebensgeschichte zusammen. Bei mir ist es ja auch so, dass mich die Sammlung bereits ein halbes Leben lang begleitet, länger als viele Freundschaften. Man steckt durchaus einiges an Beziehungsenergie hinein, kann sich in schwierigen Zeiten an die Sammlung anlehnen und im Sammeln aufgehen. Gleichzeitig sollte man die Bedeutung des Sammelns für das eigene Leben aber nicht überhöhen; andere Leute gehen eben in die Kirche oder sie gehen anderen Freizeitaktivitäten mit Leidenschaft nach. Ich sammle ja auch nicht hauptberuflich, sondern bin im medizinischen Bereich berufstätig und führe ein ganz normales Leben.

 

Und warum gerade der Spanische Bürgerkrieg?

 

Das hat mehrere Gründe. Ich kam 1962, als Siebenjähriger, erstmals nach Spanien, weil meine Eltern ein Ferienhaus in Katalonien gekauft hatten. Da wir fortan regelmäßig dort Urlaub machten, konnte ich den Übergang von der Francodiktatur zur Demokratie mitverfolgen und mich gleichermaßen in die Geschichte des Landes vertiefen. Die Spuren des Bürgerkriegs waren ja noch sichtbar. Es gab verfallene Schützengräben und man spürte noch immer die sozialen Spannungen und das Unbehagen, das vom Bürgerkrieg herrührte. Später lernte ich überlebende Veteranen der Republik persönlich kennen und so vertieften sich die Bindungen und das Interesse.

Einen zweiten Anschub gab wohl meine Studienzeit in Deutschland, in der ich mich in der Friedens- und Antiatombewegung und in den frühen 1980er-Jahren schließlich in der Unterstützungsbewegung für Lateinamerika engagierte. In diesem Milieu stellte die Erinnerung an das republikanische Spanien und die internationale Dimension des antifaschistischen Kampfes ja einen festen historischen Bezugspunkt dar, über den man nachdachte und diskutierte.

Den letzten Auslöser für das systematische Sammeln von Spanienkriegsliteratur gab Peter Härtlings Frankfurter Poetik-Vorlesung vom Wintersemester 1983/84: „Der spanische Soldat oder Finden und Erfinden“, die mich sehr beeindruckt hat. So habe ich noch als Student mit dem Sammeln begonnen und diese Leidenschaft immer parallel zur beruflichen und privaten Entwicklung weitergeführt.

 

Mit welchen Schwierigkeiten muss ein Privatsammler rechnen?

 

Sammeln ist eine Funktion aus Zeit – d. h. vor allem kontinuierliche Recherche – und Geld, wobei sich zumindest der Zeitaufwand mit Beginn des Internetzeitalters doch erheblich verringert hat. Die ersten Jahre meiner Sammlertätigkeit waren dadurch gekennzeichnet, dass ich mir Zugänge zu den Märkten eröffnen musste, auf denen Spanienkriegsliteratur gehandelt wurde. Das wäre ohne die Hilfe fachkundiger Antiquare nicht möglich gewesen; ich musste mir praktisch ein Netzwerk an persönlichen Kontakten aufbauen. Zusätzliche Informationen bekam ich über Antiquariatskataloge und Bibliographien. Auch waren Reisen nötig, in Europa und in Übersee, um Bestände sichten und Stücke kaufen zu können.

Heute hat sich der Markt komplett gewandelt. Durch die Digitalisierung ist die Markttransparenz gestiegen, eine viel größere Anzahl an Beständen ist sichtbar und man kann Recherche und Ankauf weitestgehend von zu Hause aus erledigen. Mit Kosten ist das Sammeln allerdings weiterhin verbunden. Gemessen am Wert und an den Aufbau- und Unterhaltskosten lässt sich der Sammlungswert durchaus mit einem hohen sechsstelligen Betrag beziffern, aber meine Sammlung hat ja vor allem einen persönlichen und ideellen Wert, und den kann man natürlich nicht (ver-)kaufen.

 

Unabhängig vom persönlichen Wert, den Sie angesprochen haben, stellt Ihre Sammlung doch sicher auch einen Wert für die geschichts- und literaturwissenschaftliche Forschung dar.

 

Seit den späten 1990er-Jahren habe ich immer wieder Anfragen von Ausstellungsmachern aus Spanien, New York oder Berlin bekommen, denen ich Exponate leihweise zur Verfügung gestellt habe. Auch für Publikationen zum Spanischen Bürgerkrieg stelle ich regelmäßig Bildmaterial zur Disposition. Ab 2000 habe ich dann auch zunehmend mit Wissenschaftlern zu speziellen Editionsgeschichten zusammengearbeitet. Manche Sammler sammeln ja im Verborgenen; ich möchte meine Sammlung aber durchaus der Öffentlichkeit zugänglich machen. Mich interessiert die unmittelbare Beschäftigung mit Geschichte, die Frage, wie sich Erfahrungen in ein kulturelles Gedächtnis einprägen. Dieser laufende Prozess hat mich eigentlich mehr beschäftigt, als das pure Konservieren von Historischem in einem Archiv.

Mit zunehmendem Alter mache ich mir natürlich auch darüber Gedanken, wie es mit meiner Sammlung weitergehen soll. Im Laufe der nächsten zehn Jahre möchte ich den Bestand gerne einer passenden Institution übergeben, die ihn erhalten und sinnvoll nutzen kann. Gleichzeitig versuche ich bereits jetzt, anhand von geeigneten Beispielen meine zentralen Sammlungsbereiche über eine eigene Website zugänglich zu machen.

 

Sie stehen also auch für Anfragen zur Verfügung?

 

Jederzeit. Über das Kontaktformular auf meiner Website bin ich erreichbar.

 

Weitere Informationen zur Sammlung von Christof Kugler finden Sie auf der Website
https://www.spanish-civil-war-collection.com/

und im Buchbeitrag
Christof Kugler: Wie entsteht eine private Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg?, in: Georg Pichler/Heimo Halbrainer (Hg.): Camaradas. Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939, Clio, Graz 2017, S. 47–68.

 

(Interview erschienen in http://literaturtirol.at/lilit/12-2018-2)