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Screenshot der Webiste des Radiofeatures

Radiofeature

Deportation und Exil

vom 11.07.2016 | Julia Devlin

Mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen im September 1939 beginnt für viele Ostpolen eine jahrelange Odyssee, geprägt von Deportation, Exil und Elend. Dieses Radiofeature erzählt von dem Martyrium, das hunderttausende, wenn nicht sogar über eine Million Polen durchlebt haben. Kurz nach der Besetzung Ostpolens beginnt Stalin mit der Deportation angeblich antisowjetischer Personen. Diesem Personenkreis gehört seiner Ansicht nach ein Großteil der gesellschaftlichen Elite an, also Akademiker, Politiker, Geschäftsleute, Polizisten. Sie werden einschließlich ihrer gesamten Familien in Viehwagons in sowjetische Arbeitslager in Sibirien und Kasachstan deportiert. Dort prägen Hunger, Krankheit und harte körperliche Arbeit das Leben, viele sterben. Im Juni 1941 ändert Stalin seine Polenpolitik. Nachdem Hitler die Sowjetunion angreift, braucht Stalin Unterstützung im Kampf gegen die Wehrmacht. Mit der polnischen Exilregierung vereinbart er die Gründung einer neuen polnischen Armee sowie die Freilassung von deportierten Polen. Die Freigelassenen strömen in Transitlager, die mit der Versorgung der vielen Menschen, die meist in miserablem Zustand ankommen, völlig überfordert sind. 1942 werden die polnischen Zivilisten und Soldaten in den Iran verlegt; auf der Überfahrt sterben wieder etliche. Während die Männer von ihrem neuen Lager aus in den Krieg ziehen, emigrieren viele Frauen mit ihren Kindern und älteren Familienmitgliedern, viele davon in damalige britische Gebiete zum Beispiel in Afrika und Indien, aber auch nach England. 1945 wird Polen der Sowjetunion zugesprochen und die Hoffnung der Exil-Polen auf eine sichere Heimkehr in die alte Heimat wird zerschlagen. Das gesamte Radiofeature können Sie hier nachhören.

Von den Bürgerrechten zur Samtenen Revolution – Charta 77, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

Von den Bürgerrechten zur Samtenen Revolution – Charta 77

vom 07.01.2017 | Till Janzer

Bereits 1976 schlossen sich Künstler und Intellektuelle, Arbeiter, Priester, Exkommunisten, ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes und andere Tschechoslowaken zusammen, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die im Widerspruch zu der vom tschechoslowakischen Außenminister unterschriebenen Schlussakte von Helsinki standen. Die Charta 77 machte auf Missstände aufmerksam, dokumentierte sie und bot Lösungsvorschläge an. Ziel dieser Bewegung war der Dialog mit Politikern und Staatsvertretern. Die verfassten Dokumente äußerten sich zu verschiedenen gesellschaftlichen Problemen und forderten Amnestie für politische Gefangene. Hauptsächliche Verfasser und erste Sprecher waren der Dramatiker Václav Havel, der Philosoph Jan Patočka und der ehemalige Außenminister Jiří Hájek.Das Radiofeature arbeitet den Verlauf der Bürgerrechtsbewegung auf, die als die "Keimzelle der späteren Samtenen Revolution" gilt. Es bespricht die Vorgeschichte, deren unmittelbarer Auslöser die Repressionen des Regimes gegenüber der Band "Plastic People of the Universe" waren, thematisiert die Verbreitung sowie die Folgen der Verbreitung der Charta 77 im Ausland, die Reaktionen des Staates und untersucht letztlich die Auswirkungen auf die Einzelschicksale einiger Chartisten. Hören Sie das Feature hier nach.

 Die Mediathek der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte, Screenshot von der Website

Veranstaltungsmitschnitt

Mediathek der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte

Die Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte sind Tagungen, die das Hamburger Instituts für Sozialforschung in Kooperation mit dem Einstein Forum Potsdam seit März 2010 ausrichtet, damit Zeithistoriker ihr Engagement nicht ausschließlich der Geschichtswissenschaft widmen, sondern auch für andere Gebiete und für soziologische, philosophische, psychologische, sowie moralische Fragen offen bleiben.Mit der Absicht dem Unerwarteten Raum zu geben, sind diese Zusammenkünfte als Laboratorien gedacht - als Forum für neue, provokante Ansätze und als Ort des Ausprobierens verschiedener Wege, unabhängig von den Zwängen des traditionellen akademischen Betriebs. Die Mediathek stellt sämtliche Aufzeichnungen der vier Mal im Jahr stattfindenen Tagungen zum Nachhören bereit. Unter anderem erörtet Martin Schaad in der Aufnahme "Blackbox Moskau" wie man Stalinist wird, Jörg Baberowski spricht in "Er gab uns das Lachen zurück" über Nikita Chruschtschow und die Entstalinisierung und Alena Ledeneva betrachtet in "Informal To The Core?" den Wandel der russischen Gesellschaft aus der globalen Perspektive.

  Der Beitrag „Wir brauchen euer Grundstück!" – die letzte Enteignung vor der Wende, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

„Wir brauchen euer Grundstück!“ – die letzte Enteignung vor der Wende

vom 14.01.2017 | Jakub Šiška

Mit der Charta 77 entstand im Jahr 1977 eine Bürgerrechtsbewegung, die den kommunistischen Staat zur Einhaltung der Bürger- und Menschenrechte aufforderte. Obwohl das Dokument bis zur politischen Wende von rund 1800 Menschen unterschrieben wurde, kam es zu staatlichen Verfolgungen und fast alle Bürger mussten bis zum letzten Moment Repressionen durch das Regime ertragen. Dieser Radiobeitrag erläutert am Beispiel von Sylvia und Jaroslav Chňapko, einer Familie, die einfach nur selbständig-alternativ auf dem Land leben wollte, welche Methoden der kommunistische Staatsapparat gegen unliebsame Bürger nutzte. Ständige Polizeikontrollen, Geldstrafen, Schikanen und Enteignungen - Wer sich einmal dem Regime entgegenstellte, der hatte für immer Probleme. So traf es auch Sylvia und Jaroslav Chňapko: Sie erlebten Polizeischikanen, Versuche, die Familie durch hohe Geldstrafen in den Ruin zu treiben und die erzwungene Auflösung ihrer Landkommune - bis die Samtene Revolution sie wie durch ein kleines Wunder vor dem Aus ihrer Existenz bewahrte. Hören Sie das Feature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Der Warschauer Pakt: Die Vorgeschichte und Gründung

vom 09.04.2016 | Jitká Mládková

Der Radiobeitrag von Jitká Mládková zeichnet die Gründung des Warschauer Paktes im Jahr 1955 nach. Der Beitrag beginnt damit, den Zuhörerinnen und Zuhörern die berühmt gewordene Rede von Winston Churchill aus dem Jahr 1946 in Erinnerung zu rufen. In dieser prognostiziert Churchill bereits neun Jahre vor der Gründung des Warschauer Paktes die sowjetische Einflusssphäre und prägt den Begriff des „Eisernen Vorhangs“. Anschließend kommt der Historiker und Politologe Jan Adamec zu Wort, der darlegt, wie die damalige Tschechoslowakei sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges für eine kommunistische Regierung entscheidet und damit den Weg für die spätere Mitgliedschaft im Warschauer Pakt ebnet. Am 13. Mai 1955 schließlich unterzeichnen in Warschau die Regierungsvorsitzenden Albaniens, Bulgariens, Ungarns, der DDR, Polens, Rumäniens, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei den „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“, der als „Warschauer Pakt“ in den Alltagssprachgebrauch eingeht. Über die Gründung sowie die Auswirkungen des Paktes sprechen im Beitrag die Militärhistoriker Jaroslav Lánik und Prokop Tomek. Der Warschauer Pakt wird am 1. Juli 1991 aufgelöst. Hören Sie das komplette Radiofeature hier nach.

Screenshot von ndr.de

Radiofeature

Antisemitismus im Kreml

vom 28.02.2018 | Jens Rosbach

Jens Rosbachs Radiofeature „Antisemitismus im Kreml“ widmet sich der Frage nach der Verfolgung von sowjetischen Jüdinnen und Juden unter Stalin. Ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung hatte die Oktoberrevolution unterstützt – auch wegen der klaren Haltung gegen Antisemitismus der Bolschewiki. Unter Stalin verkehrte sich diese Haltung jedoch nach und nach ins Gegenteil. Kann für die Zeit des Zweiten Weltkrieges ein staatlicher Antisemitismus noch nicht direkt nachgezeichnet werden, ändert sich dies in dessen Folgejahren und manifestiert sich in konkreten Aktionen wie der Auflösung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der Ermordung dessen Führung, die Unterdrückung jiddischer Kultur und der Verhaftung jüdischer Kreml-Ärzte und -Ärztinnen. Historikerinnen und Historiker sind sich uneinig, ob diese Formen der Unterdrückung die Vorboten einer geplanten ethnischen Säuberung darstellen. Nicht fraglich ist jedoch die Präsenz antisemitischer Einstellungen in der Sowjetunion sowie deren Reproduktion und Manifestierung durch die staatlichen Medien. Hören Sie das gesamte Feature hier nach.

Screenshot des Radiobeitrags bei Deutschlandfunk Kultur

Radiofeature

Echte Reibung: "100 Jahre Kommunismus" in Weimar

vom 29.08.2017 | Henry Bernhard

Kommunistische Ikonographie,  mitreißende Musik und futuristischer Aufbruch bieten für Künstler bis heute immer wieder reizvolle Anknüpfungspunkte an die Geschichte des Kommunismus. Auch das Kunstfest Weimar stand in diesem Jahr im Zeichen des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution und fragte: Müssen wir heute noch über die Revolution und vor allem den Kommunismus reden? Wie hat er die Menschen geprägt? Und welche dieser Prägungen wirken bis heute nach? Als „riskant, aber gelungen“ beurteilt Henry Bernhard in seinem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur daher die Weimarer Mischung aus internationalen Theater- und Tanzgastspielen, Konzerten, Ausstellungen, Lesungen, Gesprächen und einer Filmreihe. Kunstfest-Chef Christian Holtzhauer, so Bernhards Fazit, habe die richtigen Fragen gestellt und klug die richtigen Projekte gemischt. Somit sei die Gefahr gebannt worden, sich der hehren Grundidee Kommunismus zu widmen und die mörderische Realität mit Millionen Opfern als bloße Fehlentwicklung abzutun.  

Exemplarische Weihnachtsgans, Urheber: Sven Wolter, Lizenz: Creative Commons BY-SA-3.0 de

Radiofeature

Charmeoffensive mit Weihnachtsgans - Konsumpolitik im Staatsozialismus

vom 04.10.2008 | Til Janzer

Das von Til Janzer produzierte Radiofeature widmet sich den Versprechungen und Enttäuschungen der Konsumpolitik im Staatsozialismus. Die zentralisierte Wirtschaftsordnung der kommunistisch beherrschten Staaten war auf lange Sicht nicht geeignet, die steigenden Konsumwünsche der Bürger zu erfüllen. Um sich den Rückhalt der Bevölkerung zu sichern, setzten die Machthaber Propaganda und Feindbilder des Kapitalismus, aber auch „Charmeoffensiven auf dem Ladenpult“ ein. Hierzu verbilligte etwa die tschechoslowakische Regierung Anfang der 1950er-Jahre zahlreiche Konsumgüter und verbesserte besonders in der Vorweihnachtszeit die Versorgung mit Lebensmitteln. Die ausreichend verfügbaren Weihnachtsgänse sollten die Loyalität der Bürger sichern. Die einsetzende Wirtschaftskrise Anfang der 1960er-Jahre sorgte jedoch für eine erneute Verschlechterung der Versorgungslage. Die Reformen des Prager Frühlings 1968 beinhalteten auch Pläne für eine neue Konsumpolitik, wurden aber ebenso wie die Idee des „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ von den Panzern des Warschauer Paktes begraben. Sie können das Radiofeature, das die konsumpolitischen Entwicklungen der Tschechoslowakei bis 1989 nachzeichnet, hier nachhören.

Screenshot der Sendung „Das große Experiment“

Didaktisches Material | Radiofeature

Das große Experiment. Vom Zaren zum Sozialismus

vom 01.12.2014 | Rainer Volk

„Das große Experiment“ beschreibt die Hintergründe und den Verlauf der russischen Revolution des Jahres 1917 von der Hungerrevolte bis zur Ausrufung der Räterepublik und dem Beginn des Bürgerkrieges. Rainer Volk schildert in diesem Bayern 2-Radiofeature die umfassenden Veränderungen des Landes anhand historischer Texte. Auszüge aus Briefen Lenins und an ihn gerichtete Feldpostbriefe sowie Tagebucheinträge des Zaren Nikolaus II und Passagen aus den „Erinnerungen an Lenin“ von Nadeshda Krupskaja, Lenins Ehefrau und Sekretärin, illustrieren den Beitrag. O-Ton-Aufnahmen von Helmut Altrichters, Osteuropa-Historiker an der Universität Erlangen-Nürnberg, kommentieren die historischen Hintergründe der Machtübernahme durch die Bolschewiki. Der mythisierende Umgang mit historischen Relikten der Oktoberrevolution im heutigen Russland spiegelt sich in Mitschnitten von Stadtführungen. Bayern 2 stellt für dien Podcast begleitendes Lehrmaterial für den Einsatz in Realschulen und Gymnasien als Download zur Verfügung (Arbeitsblätter, Audio-Ausschnitte).

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Hinter Stacheldraht: Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion"

Radiofeature

Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion

vom 16.11.2015 | Julia Smilga

Knapp 3,5 Millionen deutsche Soldaten gerieten während des Zweiten Weltkrieges in sowjetische Gefangenschaft, wo sie unter extremen körperlichen und seelischen Strapazen zum Wiederaufbau des völlig zerstörten Landes eingesetzt wurden. Die Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion bedeutete einen ständigen Überlebenskampf, den nur wenige der Gefangenen gewannen. Hunger, Kälte und Krankheit bildeten den Grundstein der schlechten Lebensbedingungen in den Lagern. Zudem sorgten die als willkürlich erfahrene sowjetische Rechtsprechung und die ständige Ungewissheit über die Dauer der Gefangenschaft für psychische Anspannungen und Ängste. Mit diesem Beitrag bringt Autorin Julia Smilga dem Hörer die Einzelschicksale einiger Verurteilter näher und untersucht, ob die Gefangenen eher als Opfer stalinistischer Willkürjustiz oder als reuelose Verbrecher zu sehen sind. Schließlich resultierte die mangelhafte Versorgung zum wesentlichen Teil aus den verheerenden Schäden, die der Krieg Hitler-Deutschlands in der Sowjetunion verursacht hatte. In keinem anderen Land hat die Wehrmacht so gewütet: Bei diesem Angriffs-, Vernichtungs- und Ausplünderungskrieg wurden auf dem besetzten sowjetischen Gebiet allein drei Millionen Juden vernichtet, insgesamt verloren etwa 27 Millionen Menschen ihr Leben.  Das Radiofeature können Sie hier nachhören.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Mao Zedong: Kaiser, Dichter, Massenmörder"

Radiofeature

Mao Zedong - Kaiser, Dichter, Massenmörder

vom 22.07.2013 | Simon Demmelhuber

Die Choreografie der Diktatur beherrschte Mao Zedong zeitlebens perfekt. Die Basis seines Aufstiegs bildete das Spiel mit den Massen: Als Meister der bewusst entfesselten Affekte, des kalkuliert geschürten und gelenkten Volkszorns, versprach er als führender Politiker der von ihm gegründeten Volksrepublik China seinem Volk Wohlstand, Gerechtigkeit, nationale Größe und eine bessere Zukunft. Fast dreißig Jahre lang, von 1949 bis 1976, funktionierte das System Mao trotz einiger Rückschläge und Defizite reibungslos. Im Namen einer kommunistischen Größenvision enstand ein epochaler Egotrip mit erschreckenden Auswirkungen: Rund 70 Millionen Menschen fielen den verheerenden Fehlplanungen, Kampagnen, Säuberungswellen, Verfolgungen und Gewaltexzessen der unumschränkten Herrschaft Maos zum Opfer. Mit Terror, Gleichschaltung, Unterdrückung, Einschüchterung, Denunziation und schierer Gewalt zwang er Konkurrenten, Gegner und Andersdenkende unter seinen Willen. Wer sich diesem widersetzte wurde ausgemustert, gedemütigt, isoliert, stigmatisiert, deportiert oder umgebracht.Träumer, Taktiker oder Tyrann? Das Rätsel Mao scheint ungelöst, dennoch versucht sich dieses Radiofeature an einer Erklärung, wer dieser Mann wirklich war.Das Feature können Sie hier nachhören.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Fidel Castro - Revolutionsikone und Máximo Lider"

Radiofeature

Fidel Castro - Revolutionsikone und Máximo Lider

vom 08.08.2016 | Gabriele Knetsch

Als Kommandeur und treibende Kraft der kubanischen Revolution ist Fidel Castro Ruz Mythos, politisches Phänomen und anachronistisches Fossil zugleich. Knapp 50 Jahre beherrschte er die grüne Karibikinsel und wurde für seine Verdienste, die Alphabetisierung des Landes, den Ausbau des Gesundheitssystems und den unbändigen Willen zur Selbstbestimmung Kubas gegenüber der USA von den einen geliebt und verehrt, von den anderen aufgrund der Errichtung einer Diktatur nach sowjetischem Muster gehasst.Autorin Gabriele Knetsch erläutert in diesem Feature den Werdegang des Mannes ohne dessen Willen das 20. Jahrhundert gewiss anders verlaufen wäre: Vom jungen Fidel, der schon früh an der Welt interessiert und ungewöhnlich durchsetzungsfähig war, hin zu dem Mann, den die Welt vornehmlich in olivgrüner Uniform kannte, beschreibt sie Castros Weg vom rebellischen Intellektuellen zum "Máximo Lider". Erzählt wird vom Sturz des Diktators Fulgencio Batista im Jahr 1959, von der "Invasion in der Schweinebucht" 1961 und der Kubakrise im Oktober 1962, mit der der Kalte Krieg eine neue Dimension erreichte. Charakterisiert wird dabei ein Mann der Kuba ähnlich wie ein Großgrundbesitzer regierte. Castro kannte die Zuckerernte des Landes auf's Gramm genau, er musste alles kontrollieren, konnte nicht verlieren und duldete keinen Wiederspruch.Hier können Sie das Feature über den "Máximo Lider" nachhören.

Screenshot der Website der Sendung "radioWissen"

Interview

Chinas Ökonomie und die Welt

vom 08.09.2016 | Thies Marsen

In dieser Folge der Sendung "radioWissen" spricht Thies Marsen mit der Sinologin Doris Fischer von der Universität Würzburg über Chinas Wirtschaft und über die Sicht des Westens auf diese. Fischer erklärt, wie es seit den Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings in den 1980er-und 1990er-Jahren immer wieder zu politischen Schwankungen kommt. Diese sind bedingt durch die Schwierigkeit, wirtschaftliche Liberalisierung und politische Kontrolle, die im sozialistischen China weiterhin herrscht, zu verbinden. Auch legt die Sinologin dar, warum China als Wirtschaftsmacht für viele im Westen so bedrohlich wirkt. Erstens sei schwer zu begreifen, wie ein autokratisch organisiertes Land wirtschaftlich so erfolgreich sein könne. Zweitens falle es vielen schwer, sich zu der riesigen geografischen Ausdehnung Chinas zu verhalten und zu verstehen, dass ein Problem in einer Region nicht gleich zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des gesamten Landes führen muss. Drittens wirke es auf viele bedrohlich, dass China beispielsweise demnächst die Weltmarktpreise beeinflussen könnte, wenn es seinen wirtschaftlichen Erfolg fortsetzt. Doris Fischer erzählt auch Anekdoten aus dem chinesischen Alltag in den 1980er-Jahren. Damals studierte Fischer in China und musste beispielsweise sechs Stunden vor einem Telefonat nach Deutschland zu einem Postamt fahren und den Anruf anmelden. Das komplette Gespräch können Sie sich hier anhören.

Bedřich Geminder – der Kommunist, der sein Leben am Galgen opferte, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

Bedřich Geminder – der Kommunist, der sein Leben am Galgen opferte

vom 12.11.2016 | Jakub Šiška

In vielen Staaten schickten die kommunistischen Regime nicht nur ihre Gegner vor Gericht, sondern auch ihre eigenen Leute. Zu diesen Fällen gehört auch der von Bedřich – ursprünglich Friedrich – Geminder. Er gehörte zu den elf kommunistischen Funktionären, die 1952 in Prag in einem Schauprozess zum Tode verurteilt wurden, obwohl er eigentlich für die kommunistische Partei lebte. Das Radiofeature erzählt von seiner Kindheit und davon, wie Geminder als junger Mann nach dem Ersten Weltkrieg seine Identität zunächst in jüdischen Organisationen suchte. Als er sich in einem jüdischen Wanderverein engagierte, lernte er Rudolf Slánský kennen, mit dem er später gemeinsam angeklagt wurde. Geminder wurde zweimal seines Heimatlandes verwiesen, arbeitete daraufhin in Moskau im Apparat der Komintern, wo die Leitung der Presseabteilung zu seinen Hauptaufgaben gehörte. Zu Rudolf Slánský hatte er weiterhin eine gute Beziehung, wohnte sogar im Haus der Familie. Mit fatalen Folgen: Am 24. November 1951 wurden dort beide festgenommen und wegen Hochverrats angeklagt. Der „Spiegel“ veröffentlichte später, 1956, ein Protokoll der Verhandlung, das die Absurdität des Prozesses verdeutlichte. Doch Bedřich Geminder versuchte nicht, sich vor Gericht zu verteidigen. Die Partei forderte von ihm die Selbstaufopferung und als ergebener Kommunist spielte er mit. Am 3. Dezember 1952 starb er wie seine zehn Mitgenossen am Galgen. Hören Sie das Feature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Die Kollektivierung der Landwirtschaft - eines der schwersten Verbrechen des kommunistischen Regimes

vom 12.09.2009 | Jakub Šiška

Jakub Šiška thematisiert in diesem Radiofeature die Maßnahmen zur Kollektivierung der Landwirtschaft, die in den 1950er-Jahren durch das kommunistische Regime in der damaligen Tschechoslowakei umgesetzt werden. Entsprechend des sowjetischen Vorbilds soll die private Landwirtschaft kollektiviert werden. Der Widerstand derjenigen Landwirtinnen und Landwirte, die versuchen, sich diesen Maßnahmen zu entziehen, wird durch staatliche Repressionen gebrochen. Die Kollektivierung ist von enormen Ausmaß: Allein im Zuge der “Aktion Kulak”, die in den Jahren 1951-1953 stattfand, werden mindestens 2000 Familien von ihren Gehöften vertrieben. Die neu gegründeten landwirtschaftlichen Genossenschaften führen allerdings nicht zu den erhofften gesteigerten Erträgen: als Leiterinnen und Leiter der Genossenschaften werden oft Parteifunktionärinnen und -funktionäre bestimmt, die keine Erfahrung in der Landwirtschaft besitzen. Dies wirkt sich nicht nur kurzfristig negativ auf die Erträge aus, sondern prägt durch fehlerhafte Bewirtschaftung und radikale Eingriffe in die Natur bis heute die Umwelt der damaligen Tschechoslowakei. Hören Sie das komplette Radiofeature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Vorbote der Samtenen Revolution: Demonstrationen am 21. August 1989

vom 22.08.2014 | Till Janzer

Der Beitrag von Till Janzer beschäftigt sich mit den Demonstrationen gegen die sowjetische Besatzung, die in den späten 1980er-Jahren in der damaligen Tschechoslowakei stattfinden. Konkret widmet sich der Beitrag einer Demonstration mit mehreren hundert Teilnehmenden am 21. August 1989 in Prag. Die Polizei geht zum Teil brutal gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten vor; insgesamt werden an diesem Abend 400 Menschen festgenommen. Parolen wie “Wir Wollen Freiheit” oder “In der Einigkeit liegt die Kraft”, die wenig später zu Parolen der Samtenen Revolution werden, werden hier zum ersten Mal von einer großen Menschenmenge skandiert. Zivilgesellschaftliche Aktionen wie diese gelten als Vorläufer für den Systemwechsel von 1989. Sie spiegeln auch die Stimmung in den die Tschechoslowakei umgebenden Ländern wider: die Herrschaft der kommunistischen Regime bleibt in keinem Land Osteuropas mehr unhinterfragt; im Nachbarland Ungarn werden zu dieser Zeit bereits Demokratisierungsprozesse eingeleitet. Hören Sie das ganze Radiofeature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Wie die Samtene Revolution die Sicht auf den Prager Frühling verändert hat

vom 23.08.2010 | Daniel Geschwend

Daniel Gschwends Interview mit Jürgen Danyel widmet sich der Frage, ob es eine direkte Entwicklungslinie vom Prager Frühling 1968 hin zur Samtenen Revolution 1989 gegeben habe. Diese direkte Beziehung wird bereits von den protestierenden Studierenden der Samtenen Revolution impliziert, als sie auf ihren Plakaten die Zahlen 68 und 89 - die sich entsprechen, wenn man sie auf den Kopf stellt - plazieren. Danyel sieht die Beziehung zwischen den beiden Bewegungen zum einen in einer symbolischen Form, die 1989 die Aufbruchstimmung des Prager Frühlings zu reproduzieren versucht. Zum anderen habe die Rückkehr führender Vertreter des Prager Frühlings in die Öffentlichkeit einen legitimierenden und integrierenden Einfluss auf die Bewegung 1989 genommen. Weiter sprechen Gschwend und Danyel über die Kontinuität des Schlagwortes des Prager Frühlings vom “Sozialismus mit menschlichem Antlitz”, tschechische Subkultur und das aktuelle Gedenken an den Prager Frühling. Jürgen Danyel ist stellvertretender Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Das ganze Interview mit Jürgen Danyel können Sie hier nachhören.

Logo von Helle Panke e.V.

Veranstaltungsmitschnitt

Leonid Breschnew: Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins

Die Osteuropahistorikerin Prof. Susanne Schattenberg stellt in der Hellen Panke e.V.  ihr neues Buch „Leonid Breschnew: Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins“ vor. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Wladislaw Hedeler. Nach einer Einführung in den wissenschaftlichen Werdegang der Autorin betont der Moderator den neuen Zugang, den die Autorin zur Biografie Breschnews findet. Entgegen eines großen Teils der bestehenden Arbeiten zu seiner Person, fände, so Hedeler, Schattenberg eine Herangehensweise, welche nicht vom Ende her gedacht sei, sondern in der Entwicklung des Politikers dessen kompletten Lebenslauf mit vielen Details berücksichtige. Leonid Breschnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte fast 20 Jahre lang die Entwicklung der Sowjetunion. Die Biografie füllt eine Lücke in der Literatur; die letzte deutschsprachige Biografie über Breschnew erschien 1973 – zu einem Zeitpunkt, zu dem der Politiker noch sieben Jahre leben würde. Dies ist unter anderem der immens schwierigen Archivsituation geschuldet – die Autorin beschreibt im Veranstaltungsmitschnitt anschaulich die Schwierigkeiten, denen sie im Zuge ihrer Recherche begegnet. Schattenberg bemüht sich, in ihrem Buch ein vielschichtiges Porträt Breschnews zu zeichnen, das über seine gängige Darstellung als Apparatschik, Hardliner und Vertreter einer neostalinistischen Linie hinausgeht. Den Zuhörerinnen und Zuhörern erlaubt die Autorin mit einer halbstündigen Lesung ausgewählter Buchpassagen einen ersten Einblick in ihr Werk.

Screenshot der Website Themenportal Russland 1917, http://www.deutschlandradiokultur.de/russland-1917.2933.de.html

Radiofeature

Themenportal Russland 1917

vom 08.03.2017 | Onlinedossier von Deutschlandradio Kultur

Am 8. März 2017 jährte sich nach gregorianischer Zeitrechnung die Februarrevolution, das heißt die Proteste an deren Ende die Absetzung des Zaren stand. Der Radiosender Deutschlandradio Kultur widmete dem Centennial an diesem Tag einen Themenschwerpunkt. Die zehn Sendungen können noch auf der Webseite des Thementages nachgehört werden. Sie zeigen den Verlauf und das frühe Scheitern der Revolution, die Rolle der Frau und die heutige Rezeption der Ereignisse in Kunst, Kultur und Pop. Die Beiträge nehmen, da am internationalen Frauentag gesendet, oftmals eine feministische Position ein und Fragen nach der Bedeutung von Geschlechterrollen. Andere Beiträge widmen sich Zukunftserwartungen während des Umsturzes. Vermehrt werden auch geschichtspolitische Kontroversen im heutigen Russland Putins dargestellt und nach der zeitgenössischen Erinnerung an die Petrograder Ereignisse gefragt.

Screenshot des Podcasts "Der Mann hinter Marx"

Didaktisches Material | Radiofeature

Der Mann hinter Marx: Friedrich Engels, Sozialist und Kaufmann

Auf seiner Website bietet der Radiosender Bayern 2 in der Kategorie radioWissen einen Podcast und begleitendes Material für den Unterricht über das Leben und Wirken des Philosophen Friedrich Engels an. In dem 20-minütigen Audiobeitrag wird der Mann vorgestellt, der zusammen mit Karl Marx die Gesellschaftstheorie entwarf, die heute Marxismus genannt wird. Der 1920 als ältester Sohn eines preußischen und streng christlichen Textilfabrikanten geborene Friedrich Engels machte zunächst eine Kaufmannslehre und war bis zum Alter von 50 Jahren in leitender Position in der väterlichen Spinnerei in Manchester tätig. Mit dem Geld, das er dabei verdiente, unterstützte er Marx bei der Arbeit an dessen Lebenswerk Das Kapital. Seine eigenen Texte über die bevorstehende Revolution des Proletariats verfasste Engels nach Feierabend. Der Podcast ist auch Teil der Arbeitsmaterialien, die zur Einbindung des Themas in den Geschichtsunterricht online zur Verfügung gestellt werden.

Reichweite der sowjetischen Raketen auf Kuba. Foto: CIA – The John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Radiofeature

Die Kubakrise von 1962

vom 05.11.2012 | Sabine Straßer

Nie in der Geschichte des Kaltes Krieges waren die USA und Russland einem möglichem Atomkrieg so nah wie während der Kubakrise im Oktober 1962. Diese 13-Tage dauernde militärische Konfrontation untersucht Sabine Straßer in ihrem Radiofeature. Sie beginnt die Sendung mit einem kurzen Zeitportrait: Im März 1962 verschärfte die USA nach der Übernahme Fidel Castros das Handelsembargo gegen Kuba weiter, eine durch die USA inszenierte Konterrevolution scheiterte und Castro verbündete sich daraufhin mit Russland. Wie Bernd Greiner, Hamburger Amerikanist und Politikwissenschaftler, erklärt, intensivierten sich aus dieser Situation heraus die Spannungen zwischen den Blöcken sehr schnell. Nikita Chruschtschow (1894 – 1971) versuchte Kuba in eine „sozialistische Atomfestung“ zu verwandeln. Nachdem der CIA die Bedrohung entdeckte, reagierte die Regierung der USA unter John F. Kennedy (1917 – 1963) mit der Positionierung atomarer Waffen in der Türkei. Der erste große Stellvertreterkonflikt des Kalten Krieges begann. Sabine Straßer analysiert detailliert den Verlauf des 13 Tage andauernden Konfliktes und schildert wie letztlich die Gefahr eines Atomkrieges überwunden wurde.

Screenshot des Radiofeatures auf BR2

Radiofeature

Kommunistenjäger – Wie Joe McCarthy zum Großinquisitor der USA wurde

Uli Mayer

Uli Mayer portraitiert in diesem Radiofeature den US-amerikanischen Senator Joseph McCarthy (1906 – 1956). Der republikanische Politiker initiierte 1950 eine antikommunistische Kampagne, welche die Gesellschaft der USA auch über dessen Amtszeit hinaus stark prägte (McCarthy-Ära). Grundlage der Kampagne war eine nicht-existente Namensliste angeblicher Kommunisten, die im Außenministerium arbeiten würden. Nach einer Zusammenfassung des Werdegangs McCarthys zeichnet Uli Mayer ein differenziertes Bild der Auswirkungen dessen Verschwörungstheorie auf Politik, Medien und Gesellschaft. Mayer hebt in seinem Beitrag besonders den für McCarthys typischen strategischen Umgang mit den Medien hervor. Erst in McCarthys zweiter Amtszeit entwickelte sich der korrupte Senator vom „Hinterbänkler“ zum Politstar, indem er mit seiner Verleumdungskampagne, für die er keinerlei Beweise vorlegen konnte, landesweit Schlagzeilen machte. Das bald darauf gegründete „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ fungierte als politisches Organ der von McCarthy initiierten „Hetzjagd“ gegen Kommunisten (Vgl. Sendung). Die Sendung arbeitet mit Texten des Republikaners wie beispielsweise seinem Telegramm an den Präsidenten Truman welche seine denunziatorische Taktik verdeutlichen.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Rosa Luxemburg - Die Andersdenkende"

Radiofeature

Rosa Luxemburg - Die Andersdenkende

Thomas Grasberger

Als einflussreiche Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung, des Marxismus, Antimilitarismus und "proletarischen Internationalismus", wirkte Rosa Luxemburg 1887 in der polnischen, ab 1898 auch in der deutschen Sozialdemokratie aktiv gegen Nationalismus, Opportunismus und Revisionismus. Im Kampf gegen Ausbeutung und Krieg war und blieb Rosa Luxemburg Marxistin. Jedoch sah sie diese Form der Gesellschaftslehre nie als eine starre Ideologie, sondern als eine revolutionäre Weltanschauung, "die stets nach neuen Erkenntnissen ringen muss." Folglich begrüßte die Aktivistin die Revolution in Russland und überall auf der Welt - sie wollte zwar nicht die Diktatur einer Partei aber die des Proletariats, schließlich fühlte Rosa Luxemburg sich laut eigener Aussage in der ganzen Welt Zuhause. "In einer Welt, in der es Wolken, Vögel und Menschentränen gibt", schrieb sie 1917 in einem Brief. Das Radio Feature enthält eine Kurzbiografie, thematisiert ihr politisches Engagement und den Aufstieg zu einer der wichtigsten Figuren des europäischen Marxismus, die sich mit viel Courage in einer Männerwelt behaupten und bewähren konnte. Hören Sie das Feature hier nach.

Radiofeature

Von der Zarenherrschaft zur Diktatur des Proletariats

vom 22.10.2010 | Rainer Volk

Das Radiofeature „Von der Zarenherrschaft zur Diktatur des Proletariats“ von Rainer Volk schildert die turbulenten Ereignisse in Russland in den Jahren 1917/1918. Hauptsächlich geht es darin um die Zeit von der Februarrevolution 1917 bis zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk im März 1918.Petrograd, Anfang 1917. Nach Jahren des erfolglosen Krieges leidet die russische Bevölkerung unter Armut und Hunger. Die Verzweiflung treibt die Menschen auf die Straßen, Demonstrationen und Streiks erschüttern das Zarenreich. Es kommt zur Februarrevolution, an deren Ende der Sturz des Zaren und somit der Monarchie steht. Die liberale Übergangsregierung, die zunächst die Führung im Land übernimmt, vermag die versprochene Demokratisierung nicht durchzusetzen. In dieser Zeit anhaltender Armut und Unzufriedenheit fallen die Versprechen des Bolschewisten Lenin für Frieden, Freiheit, Land und Brot bei Arbeitern und Bauern sowie bei den Soldaten an der Front auf fruchtbare Erde. Schließlich ergreifen die Bolschewisten mit der Oktoberrevolution 1917 die Macht, ihr Führer Lenin ruft die „Diktatur des Proletariats“ aus. Wie sich bald zeigen wird, kann er seine Versprechen jedoch nicht halten und die junge Sowjetunion versinkt im Bürgerkrieg. Zu hören ist das Feature hier.

Radiofeature: Sommer 1968: Martina Schneibergová erinnert sich, Screenshot von der Website des Radio Praha

Radiofeature

Sommer 1968: Martina Schneibergová erinnert sich

vom 21.08.2017 | Strahinja Bućan

Martina Schneibergová, selbst Redakteurin bei Radio Prag, erlebte im Alter von 11 Jahren die Ereignisse des Jahres 1968 mit. Was als Jahr des Aufbruchs und der Erneuerung begann, endete in einer gewaltsamen Niederschlagung. Nicht in Prag, sondern in Sušice im Böhmerwald hat Martina Schneibergová diese Zeit miterlebt und erzählt in dieser Aufnahme, wie sie gerade mit ihrer Tante vom Preiselbeeren sammeln kam, als plötzlich kein Bus mehr fuhr. Sie berichtet von einer Nachbarin, die den beiden entgegen kam und "Die Russen sind da, die Russen sind da!" rief. Kurz darauf sahen sie die ersten Panzer. Doch die kleine Böhmerwaldgemeinde leistete ihren eigenen Widerstand und so erzählt Martina Schneibergová wie die Gemeindemitglieder in der Hoffnung, dass sich die Russen verfahren würden, die Straßenschilder umdrehten und schildert, wie selbst die Kinder ihre Abneigung gegen die Besatzer zeigten: Sie steckten ihnen die Zunge heraus. Sie geht auf die weiteren Auswirkungen ein, die das Jahr mit sich brachte, erklärt wie diese Zeit ihre Jugend und ihr Erwachsenwerden geprägt haben und berichtet, was für sie persönlich davon heute noch geblieben ist. Das Radiofeature können Sie hier nachhören. 

 Nedašov – Beispiel für Repressionen gegen die katholische Kirche in Mähren, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

Nedašov – Beispiel für Repressionen gegen die katholische Kirche in Mähren

vom 15.04.2017 | Jitka Mládková

Nach den politischen Umwälzungen von 1948 bekam die Bevölkerung sehr schnell die zunehmenden Spannungen zwischen der kommunistischen Staatsführung und den Kirchen zu spüren - jedoch ohne zu wissen, dass in den obersten Machtetagen längst Pläne geschmiedet wurden, den Einfluss der Kirchen mit massiven Repressionen zurückzudrängen. Für das Regime galt die Kirche als Feind Nummer eins. Am 5. April 1950, nur sechs Tage nach Beginn des ersten politischen Prozesses gegen bedeutende Kirchenvertreter, wurden in Prag Urteile gefällt und zehn hohe Würdenträger mehrerer Kirchenorden mit Freiheitsentzug von zwei Jahren bis lebenslänglich bestraft. So sollte vor allem die katholische Kirche als solche diskreditiert werden. Signale, wie die Staatspartei mit der historisch tief verwurzelten Institution umzugehen gedachte, gab es allerdings schon zuvor. Am Beispiel der tschechischen Gemeinde Nedašov zeigt sich, wie ein ganzes Dorf seinen Pfarrer vor der Verhaftung zu schützen versuchte. Es endete in brutalen Verhören und handgreiflichen Auseinandersetzungen und ging letztlich als „blutiger Freitag von Nedašov“ in die Geschichte der Region Závrší ein. Hören Sie das Feature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Gefangen im Gulag - die ersten tschechischen Opfer des Kommunismus

vom 29.10.2011 | Till Janzer, Milena Štráfeldová

Till Janzer und Milena Štráfeldová thematisieren in diesem Radiofeature die Schicksale derjenigen Tschechoslowakinnen und Tschechoslowaken, die nach Ende des zweiten Weltkriegs in sowjetischen Lagern inhaftiert waren - und ihren vergeblichen Kampf um Entschädigung. Für die meisten Bürgerinnen und Bürger der damaligen Tschechoslowakei bedeutet der Einmarsch der Roten Armee die Befreiung nach Jahren deutscher Besatzung. Nicht jedoch für diejenigen unter ihnen, die aus unterschiedlichen Gründen und manchmal aus Willkür, ins Visier des sowjetischen Geheimdienstes geraten und - mit Unterstützung von einheimischen Kommunistinnen und Kommunisten -  verhaftet werden. Eine Verhaftung bedeutet in den meisten Fällen die Verschleppung, Internierung und Zwangsarbeit in sowjetischen Lagern. Der Alltag der Gefangenen ist geprägt von Hunger, Kälte und Gewalt. Für diejenigen, die die Lagerhaft überleben und Jahre später wieder in die Tschechoslowakei zurückkehren können, bedeutet die Rückkehr oft drastische Benachteiligungen gegenüber der restlichen Bevölkerung: Als ehemalige Strafgefangene werden sie von der tschechoslowakischen Regierung nur widerwillig aufgenommen und als billige Arbeitskräfte Kolchosen zugeteilt. Dokumente in tschechischen oder slowakischen Archiven, die den Leidensweg der Opfer nachverfolgen lassen, gibt es keine. Die Bürgervereinigung „Oni byli první“ (“Sie waren die ersten”) setzt sich seit Jahren für eine Entschädigung der Opfer durch den tschechischen Staat ein - bisher vergeblich. Hören sie das gesamte Feature hier.

Screenshot Weltzeit-Podcast "Stalins Kult und Lenins Grab"

Radiofeature

Stalins Kult und Lenins Grab. Wie Russland seine eigene Vergangenheit schönfärbt

vom 09.05.2017 | Boris Schumatsky

100 Jahre nach der Revolution wird der Diktator Josef Stalin in Russland wieder wie ein Held verehrt. Das Feature „Stalins Kult und Lenins Grab“ des Radiosenders Deutschlandfunk Kultur beschäftigt sich mit dem aktuellen „Erinnerungskrieg“ zwischen dem russischen Staatsfernsehen, den Mitgliedern der „Nationalen Befreiungsbewegung“ und Initiativen wie der Menschenrechtsorganisation Memorial . Die Errichtung neuer Denkmäler für den einstigen Generalsekretär zeugt von einer Wiederbelebung des Stalinkults in der russischen Gesellschaft. Zentral dabei ist die Volksnähe des Diktators, der als selbstloser Staatsmann mit abgetragenen Stiefeln und einem geflickten Mantel porträtiert wird. Das Feature befasst sich auch mit den Kritikern des neuen Personenkultes, die eine kritische Aufarbeitung fordern, sowie mit den staatlichen und gesellschaftlichen Repressionen, die sie derzeit erfahren. Thematisiert wird ebenfalls der oft gezogene Vergleich zwischen Josef Stalin und Wladimir Putin und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Personenkulte. Hören Sie das Feature hier nach

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

ČSSR 1989: Es muss doch endlich etwas passieren…

vom 15.11.2014 | Jakub Šiška

Jakub Šiškas Radiofeature “ČSSR 1989: Es muss doch endlich etwas passieren…” setzt sich mit den Ereignissen auseinander, die dem Sturz des kommunistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei vorangehen. Den Anfang verortet der Beitrag in der Sowjetunion: In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre ließ Michail Gorbatschows Reformprogramm “Perestroika” in der Bevölkerung die Hoffnung auf Veränderung auch im eigenen Land wachsen. Ein weiteres wichtiges Ereignis ist die Veröffentlichung der Petition “Einige Sätze” durch eine Gruppe Oppositioneller um Václav Havel, die Missstände anprangert und freheitliche Grundrechte von der Regierung einfordert. Während die staatlich kontrollierten Medien in der ČSSR den Text der Petition lediglich negativ kommentieren, wird er über ausländische Radiosender verbreitet und gelangt so an eine breite Öffentlichkeit. Doch nicht nur Textprodukte der Opposition tragen zu einer zunehmend breiter werdenden Protestbewegung bei. Ironischerweise sind es auch die Texte des Regimes selbst, die in ihrer allzu offensichtlichen Hilflosigkeit und Überforderung in Anbetracht des Widerstands zur weiteren Aushöhlung der staatlichen Macht beitragen. Der Radiobeitrag macht deutlich, dass die Samtene Revolution nicht aus dem Nichts heraus geschah, sondern dass unterschiedliche Ereignisse und Prozesse im In- und Ausland den Weg für sie ebneten. Der Beitrag liefert einen Überblick über wichtige Ereignisse und bereichert diesen mit den Berichten von Zeitzeugen. Hören Sie das komplette Radiofeature hier nach.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

Husáks Kinder und die Sozialpolitik der 1970er-Jahre

vom 17.05.2014 | Jakub Šiška

Jakub Šiška widmet sich in seinem Radiofeature der Sozialpolitik der 1970er-Jahre in der damaligen Tschechoslowakei. Diese ist nachhaltig von den Ereignissen des Prager Frühlings 1968 geprägt. Nach dessen gewaltsamer Niederschlagung durch Truppen des Warschauer Paktes im August schlägt die Aufbruchsstimmung in der Bevölkerung in Resignation um, während sich das kommunistische Regime seine Macht durch zunehmend autoritäre Regierungsführung sichert. Dies zeigt sich unter anderem in verschärfter Pressezensur sowie Ausreise- und Berufsverboten. Nichtsdestotrotz ist die Regierung bemüht, Maßnahmen zu entwickeln, die ihr die Loyalität der Bevölkerung sichern würden. Eine Maßnahmen besteht in der Ausweitung der Sozialpolitik. Im Fokus dieser Ausweitung stehen Familien mit Kindern. Ein erhöhtes Geburtsgeld und zinslose Darlehen für junge Ehepaare sollen der Bevölkerung Anreize zur Familiengründung liefern. Tatsächlich steigen die Anzahl der Eheschließungen sowie der Geburten bereits in den frühen 1970er-Jahren stark an. Ob dies allein auf die sozialpolitischen Maßnahmen dieser Zeit zurückzuführen ist, wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jedoch bezweifelt. Diejenigen, die in dieser Zeit geboren werden und aufwachsen, werden – auch im offiziellen Sprachgebrauch – „Husáks Kinder“ genannt, nach dem damaligen kommunistischen Parteichef Gustáv Husák. Den kompletten Beitrag können Sie hier nachhören. 

Ich schreite erhobenen Hauptes: Bürgerinitiative erinnert an Opfer des Kommunismus, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

Ich schreite erhobenen Hauptes

vom 08.07.2017 | Martina Schneibergová

In diesem Beitrag wird die Bürgerinitiative Bez komunistů.cz vorgestellt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, an die Opfer des Kommunismus zu erinnern, vor totalitären Regimen zu warnen und die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Tschechien zu verbessern. Gründer Petr Marek spricht mit Redakteurin Martina Schneibergová über den 27. Juni, der in Tschechien als Tag des Gedenkens an die Opfer des Kommunismus gilt und über die Politikerin und Journalistin Milada Horáková, die als einzige Frau nach einem politischen Prozess hingerichtet wurde. Längst ist sie zum Symbol des Widerstands gegen den Kommunismus geworden.Jedes Jahr erinnert die Initiative an die Widerstandskämpferin und an die anderen Opfer des Kommunismus und startete in diesem Jahr eine Kampagne mit dem Titel „Ich schreite erhobenen Hauptes“ - Worte, die Milada Horáková kurz vor ihrer Hinrichtung schrieb. Zu Beginn der Veranstaltungsreihe wurden auf der Prager Kampa-Insel die Namen von Menschen verlesen, die vom kommunistischen Regime aus politischen Gründen hingerichtet wurden oder in Gefängnissen und Arbeitslagern gestorben sind. Das Verlesen der Namen sei dabei kein neuer, aber ein wichtiger symbolischer Akt, erklärt Petr Marek. "Wir setzen uns dafür ein, dass die Vergangenheit untersucht und aufgearbeitet wird!"Hören Sie das Feature hier nach.

Screenshot des Radiofeatures

Radiofeature

Lenin – Ein fanatischer Revolutionär

vom 18.07.2016 | Nicole Ruchlak

Nicole Ruchlak untersucht in diesem Feature die Schattenseiten Wladimir Iljitsch Lenins (1870 – 1927). In einem biografischen Abriss wird Lenins Herkunft und die gesellschaftliche Situation Russlands zur Zeit seines Heranwachsens geschildert. Im Alter von 17 Jahren erfährt Lenin einen Bruch, als sein Bruder, der an einem Attentat auf den Zaren beteiligt war, hingerichtet wird. Lenin gehörte nun zu einer geächteten Familie. Ruchlak sieht hierin den „Keim Lenins Hasses“ und den Ursprung seines Willens, die Gesellschaft von Grund auf zu ändern. Im Alter von 18 Jahren beginnt Lenin, marxistische Schriften zu studieren. 1897 wird er nach Sibirien verbannt, nachdem er den „Petersburger Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ gründete. Mit 30 geht Lenin ins Exil nach München, wo er weiter an seinen Parteiplänen und Pamphleten arbeitet. 1903 übernimmt Lenin – zu diesem Zeitpunkt im Exil in der Schweiz – die Führung der Bolschewiki und verfügt nun über eine Kaderpartei und sogenannte „Berufsrevolutionäre“ und sein Aufstieg beginnt. Die Sendung hinterfragt Lenins taktische „Genialität“ im Verlauf der Revolution sowie den Fanatismus und die Brutalität seiner diktatorischen Herrschaft. Auch die staatlich gelenkte Ikonisierung des Staatsführers noch weit über Lenins Tod hinaus wird thematisiert.

Screenshot der Sendungsseite zum Feature "Unternehmen Barbarossa - Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion"

Radiofeature

Unternehmen Barbarossa

vom 11.07.2016 | Rainer Volk

Am 22. Juni 1941 fällt die Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Eine Kriegserklärung gibt es nicht, doch geplant hat Hitler diesen Angriff gegen seinen bis dahin Verbündeten, Josef Stalin, schon lange. Der Deckname des Feldzuges, "Unternehmen Barbarossa", spielt auf die Kreuzzugs-Idee des Mittelalters an und zeigt den ideologischen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten gegenüber Osteuropa. Dieses Radiofeature erzählt von den grausamen Geschehnissen an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg. Dabei kommen Historiker zu Wort und Briefe von der Front geben einen Eindruck über die Wahrnehmung der Lage durch die deutschen Soldaten. Der Überraschungseffekt des deutschen Angriffs sowie die mangelnde Kampferfahrung der Roten Armee bescheren der Wehrmacht zunächst Erfolge und versetzen die Soldaten in einen regelrechten Siegesrausch. Doch schon bald werden die Meldungen von der Front neutraler, die Deutschen stecken Niederlagen ein und sind auf den heftigen Winter nicht genügend vorbereitet. Trotzdem zieht sich der Krieg im Osten noch Jahre hin. In dieser Zeit misshandeln SS-Einsatztruppen und Wehrmachtsangehörige Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung. Millionen Gefangene sterben in den deutschen Lagern unter brutalen Bedingungen, im belagerten Leningrad sterben Hunderttausende den Hungertod. Das gesamte Radiofeature können Sie hier hören.

Jubelnde Soldaten am 8. November 1918 in München nach der Ausrufung der bayerischen Republik. Gemeinfrei, Wikimedia Commons

Radiofeature

Die Münchner Räterepublik – als Bayern sozialistisch wurde

vom 20.02.2017 | Yvonne Maier

Dieses Radiofeature von Yvonne Maier widmet sich der Münchner Räterepublik, die am 20.02.1917 auf der Theresienwiese ausgerufen wurde. Aus Briefen von Zenzl Mühsam zitierend schildert Maier, wie sich an diesem Tag zehntausende Menschen versammelten, um dem Aufruf zur Revolution von Erhard Auer und Kurt Eisner, den Vorsitzenden der zwei sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Parteien, zu folgen. Maier skizziert die Entwicklungen in München und national, die zum Ausbruch der Revolution führten und deren weiteren Verlauf: Ausrufung des Freistaates Bayern, Sturz des Königs von Bayern, Novemberrevolution, Beendigung des Ersten Weltkrieges. Der Historiker Georg Köglmeier schildert die Spontanität, Unübersichtlichkeit und das Tempo des Umsturzes in München. Anschließend erörtert er die Entstehung und Bedeutung der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Das Radiofeature erzählt knapp vom weiteren Verlauf der Bewegung bis zum Zeitpunkt der Ausrufung der Räterepublik im April 1919, gefolgt von der kommunistischen Räterepublik. Abschließend richtet die Sendung ihren Fokus auf die Analyse der Zerschlagung der Räterepublik durch rechte Kräfte. Mit diesem Ereignis nahm Münchens Entwicklung zur Hauptstadt der nationalsozialistischen Bewegung ihren Anfang.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Karl Liebknecht - Sozialist und Antimilitarist"

Radiofeature

Karl Liebknecht - Sozialist und Antimilitarist

vom 04.02.2013 | Ulrike Beck

Das Radiofeature widmet sich dem Werdegang und bewegten Leben Karl Liebknechts, der als Marxist und Antimilitarist für seine Überzeugungen letztlich sein Leben gab.Geboren am 13. August 1871 in Leipzig, hatte Liebknecht als Kind nicht viel von seinem Vater Wilhelm, später profitierte er jedoch von ihm: Im Jahr 1900, gleich zu Beginn seines Eintritts in die Sozialdemokratische Partei, bekam er das Angebot für die Stadtverordneten Versammlung in Berlin zu kandidieren, denn die Partei wusste, dass sich mit diesem berühmten Namen punkten ließ. Das Mandat als sozialdemokratischer Stadtverordneter behielt er bis 1913. Als er 1907 die Schrift "Militarismus und Antimilitarismus" für die Jugendarbeit der SPD veröffentlichte, wurde er noch im selben Jahr wegen Hochverrats verurteilt. Bereits während seiner Haftzeit wurde er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, aufgrund seiner radikalen Kritik an der Fraktionsmehrheit folgte jedoch der Ausschluss aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Kurz darauf folgte die Bildung der Gruppe "Internationale", die später als Spartakusbund bekannt wurde. Neben Rosa Luxemburg und Leo Jogiches gehörte er als Gründer und Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands an und rief in seinen Reden wiederholt zum Sturz der sozialdemokratischen Regierung Ebert und Scheidemann auf. Am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die "Sozialistische Republik" aus. Zwei Stunden zuvor hatte Philipp Scheidemann vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die "Deutsche Republik" proklamiert. Am 15. Januar 1919 wurde Karl Liebknecht von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützendivision gefangen genommen und ermordet. Sein Grab ist auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde zu finden.Das gesamte Feature gibt es hier zum Nachhören.

Screenshot des Podcasts "How McCarthyism Works"

Podcast

How McCarthyism Works

vom 13.12.2011 | Charles Bryant, Josh Clark

Charles (Chuck) Bryant und Josh Clark erklären in einem ihrer Podcasts den Ursprung und die Bedeutung des Begriffs „McCathyism“. Weitere kurze Textblocks informieren über das Leben und die Taktik des US-amerikanischen Senators und Republikaners Joseph McCarthy (1908–1957), der seit 1950 hart gegen reale und vermeintliche kommunistische Verschwörungen in den USA und gegen die angebliche Unterwanderung der Regierung vorging. Seine Methoden und die Verdächtigungen von Politikern, Militärs sowie Medienvertretern schürten in der Gesellschaft ein Klima der Angst. Der Begriff „McCarthyism“ tauchte zum ersten Mal am 29. März 1950 in einer Karikatur der „Washington Post“ auf. Das Phänomen, Menschen der Illoyalität und Subversion zu bezichtigen, häufig auch in Verbindungen mit Russland, wird heute als „New McCarthyism“ bezeichnet. Hören Sie den Podcast hier nach

Screenshot des Features bei Radio Praha

Radiofeature

Chruschtschow, Novotný und die Tschechoslowakei

vom 03.05.2014 | Jitka Mládková

Anlässlich des 120. Geburtstags Nikita Chruschtschows und des 110. Geburtstag Antonín Novotnýs im Jahre 2014 ergründet Jitka Mládková das Verhältnis der Sowjetunion und der ČSSR in der Zeit der Entstalinisierung in diesem Radiofeature von Radio Praha. Besonders geht es dabei um das Verhältnis von Chruschtschow und Novotný, die beide 1953 die Vorsitzenden der kommunistischen Parteien ihrer Länder wurden. Die Autorin beginnt beim XX. Parteitag der KPdSU, der im Februar 1956 in Moskau stattfand und weitreichende politische Folgen für die Länder des „Ostblocks“ hatte: Chruschtschow geißelte seinen Vorgänger Josef Stalin für die massenhaften, willkürlichen Verhaftungen, Deportationen und für die zahllosen Morde an der eigenen Bevölkerung. Er weckte damit viele Hoffnungen auf eine Modernisierung des Kommunismus, die noch im selben Jahr mit der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn wieder begraben wurden. Im Feature geht es um die Kontakte zwischen Novotný und Chruschtschow in dieser Zeit, aber auch um die Besuche des Parteichefs der KPdSU in der Tschechoslowakei, der den Satellitenstaat als Experte für Landwirtschaft besuchte. Sie können das Feature auf der Website von Radio Praha nachhören.

Prof. Dr. Jörg Baberowski, Quelle: Wikimedia Commons

Veranstaltungsmitschnitt

"Er gab uns das Lachen zurück". Nikita Chruschtschow und die Entstalinisierung

Jörg Baberowski

In dieser Aufnahme der Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte spricht Historiker und Professor Dr. Jörg Baberowski über die Entstalinisierung durch Nikita Chruschtschow. Von Stalins Tod bis zum Beginn der offenen Entstalinisierung durch Chruschtschows Geheimrede auf dem XX. Parteitag 1956, erläutert er die mühsame Überwindung einer Schreckens-Diktatur. Als Stalin im Jahr 1953 starb, gab es für die Gefolgsleute und die Untertanen nichts anderes als diese Diktatur. Es hatte in Russland und in der Sowjetunion niemals eine Demokratie gegeben und Chruschtschow hatte kein anderes Instrument als die Partei, um Öffentlichkeit herzustellen und Reformen voranzutreiben. Die Entstalinisierung war ein Werk der Diktatur, die vollbrachte, wozu niemand sonst imstande gewesen wäre. Millionen Menschen waren ums Leben gekommen, selbst die Täter waren zu Opfern geworden, eine ganze Gesellschaft traumatisiert. Nur diese eine Ordnung schien imstande, die Sowjetunion zu befreien. Den vollständigen Mitschnitt gibt es hier zum Nachhören.

Screenshot der Website von Radio Praha

Radiofeature

An der Front des Kalten Kriegs: Widerstand gegen die Kommunisten 1948 bis 1956

vom 21.02.2009 | Till Janzer

Till Janzer umreißt in diesem Radiofeature die Entwicklung des Widerstands gegen das kommunistischen Regime in in den frühen Jahren der damaligen Tschechoslowakei. Janzer stellt mehrere Personen vor, die kurz nach der Regierungsübernahme durch die Kommunisten noch glauben, deren Herrschaft werde von kurzer Dauer sein, und die aus diesem Glauben heraus im Widerstand aktiv waren. Der Jugendliche Jaroslav Grünberg, der Lebensmittelfabrikant Josef Bruštík, und die Sportlegende Jan Haluza stellen sich auf unterschiedliche Arten gegen das kommunistische Regime: durch das Drucken und Verteilen von Flugblättern, aber auch schlicht durch die Weigerung, in die kommunistische Partei einzutreten. Jede und jeder von Janzers Protagonisten ist drastischen Sanktionen der Staatsgewalt ausgesetzt, die bis zu Haftstrafen und Folter reichen. Die Strukturen des Widerstands sind vielfältig, schaffen es jedoch nicht, ihre Kräfte zu einer schlagkräftigen Bewegung zu bündeln. Zunehmend drastischere Repressionen des Staates, der Aufbau fast undurchdringbarer Grenzanlagen sowie der niedergeschlagene Aufstand in Ungarn 1956 lassen die Hoffnung der Widerstandsbewegung auf ein baldiges Ende des kommunistischen Regimes schließlich immer mehr verblassen. Hören sie das gesamte Feature hier.

Screenshot des Radiofeatures

Radiofeature

100 Jahre Oktoberrevolution - und keine Aufarbeitung

vom 05.11.2017

In diesem Radiofeature des Inforadios spricht Martin Demmler mit Sabine Stöhr, der ARD-Korrespondentin im Hörfunk-Studio Moskau, über die Frage, was geblieben ist im heutigen Russland von der Oktoberrevolution 1917 und wie die Regierung unter Wladimir Putin sich dazu positioniert. Die revolutionären Umwälzungen des Jahres 1917 veränderten für Millionen Menschen das Leben grundlegend: Die seit hunderten von Jahren herrschende Zarenfamilie wurde ermordet, die Bolschewiki übernahmen die Macht und griffen in die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen ein. Nur mit Gewalt ließen sich ihre Überzeugungen durchsetzen und Gewalt beherrschte den der Revolution folgenden Russischen Bürgerkrieg. Die heutige Führung Russlands tue sich laut Sabine Stöhr schwer, mit der Erinnerung an die Oktoberrevolution umzugehen, auch weil die russische Gesellschaft selbst in dieser Frage gespalten ist. Während Wladimir Putin jegliche Revolutionen verurteilte, werden doch die „Errungenschaften“ der Oktoberrevolution gepriesen, wie etwa der Sieg über die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg und die technologischen Errungenschaften im Kalten Krieg. So herrsche derzeit zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution im heutigen Russland hauptsächlich eines: Schweigen. Das Feature können Sie in der Mediathek des Inforadios online nachhören.

Rote Ultras: Propaganda für die Besetzung der Tschechoslowakei 1968, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

Radiofeature

Rote Ultras: Propaganda für die Besetzung der Tschechoslowakei 1968

vom 23.08.2014 | Jakub Šiška

Der Prager Frühling endete am 21. August 1968 mit dem Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen in die Tschechoslowakei. Auf Alexander Dubčeks mit Begeisterung aufgenommenen politischen Ansatz, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ einzuführen, folgte mit der unerwarteten Besetzung ein Schock. Doch nicht alle Menschen erlebten den Einmarsch als schockierend - einige orthodoxe Kommunisten begrüßten die Rückkehr zur totalen Kontrolle durch die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KPTsch). Vor allem ältere Kommunisten „stalinistischen Schnitts" fühlten sich bedroht und fürchteten den Verlust ihrer eigenen politischen Posten, als auch die Dominanz ihrer Weltanschauung. Sie organisierten sich daraufhin in einer informellen Gruppe, an deren Spitze Josef Jodas stand. Das Radiofeature von Jakub Šiška beschreibt die Handlungen der "roten Ultras", geht auf die einflussreichsten Persönlichkeiten dieser Gruppe ein und erklärt, welche dramatischen Folgen ihr Handeln und die Propaganda für die Bevölkerung hatte. Das gesamte Feature können Sie hier nachhören. 

Screenshot des Gulag-Zeitzeugenarchivs

Podcast | Interview

Gulag-Zeitzeugenarchiv

Dr. Meinhard Stark

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Historiker Dr. Meinhard Stark mehr als 250 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. ihre Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland interviewt. Im Rahmen eines von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Projektes der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn sind die über 1.200 Stunden umfassenden Gespräche ebenso wie die schriftlichen Unterlagen im Umfang von mehr als 46.000 Blatt digitalisiert worden. Einige der beeindruckenden Interviews sind nun als Podcasts verfügbar. Jede Interviewpartner/in wird in einem Online-Dossier mit privaten und aktuellen Fotos, Dokumenten und dem Weg der Deportation in einer interaktiven Karte vorgestellt. Die Interviews sind als Podcasts in Gesamtlänge verfügbar und mit einem Manuskript und einer Biografie versehen. Es besteht ebenso die Möglichkeit, thematisch gegliederte Einzelpodcasts abzuspielen, die bei jedem Zeitzeugen und jeder Zeitzeugin mit denselben Schwerpunkten verfügbar sind. So kann ein Nutzer etwa alle Einzelpodcasts zum Thema „Lagertopograhie und Haftordnung“ anhören.  Die Audiodateien können direkt online angehört oder zur nicht-kommerziellen Nutzung kostenlos heruntergeladen werden. Exemplarisch finden Sie nachfolgend drei Ausschnitte aus Zeitzeugeninterviews, die einen ersten Einblick vermitteln sollen.

Screenshot Radio Praha

Radiofeature

Die Samtene Revolution: Ein Rückblick auf den November '89

vom 17.11.2014 | Annette Kraus

Dieses Radiofeature widmet sich den Anfängen der sogenannten “Samtenen Revolution” in der damaligen Tschechoslowakei im November 1989. Diese Bezeichnung erhalten die Ereignisse im Nachhinein - am Anfang steht jedoch Gewalt. Am 17.11.1989, dem Internationalen Tag der Studenten, geht das kommunistische Regime mit Schlagstöcken gegen eine Studentendemonstration in der Prager Innenstadt vor. In den darauffolgenden Tagen und Wochen organisiert sich in der Tschechoslowakei die Opposition.  Die Solidarität, die weite Teile der Bevölkerung mit den Studierenden und mit der aufkommenden Opposition verspüren, kulminiert am 27. November 1989 in einem Generalstreik. Im Anschluss daran versucht die Staatsführung, die Bevölkerung zu besänftigen, indem sie die vermeintlich einzigen Verantwortlichen für die gewalttätige Niederschlagung der Demonstration aus der Partei ausschließen und den Marxismus-Leninismus aus der Staatsdoktrin streichen. Die Bevölkerung reagiert mit erneuten Protesten und erhält seine Forderung nach Abdankung der Staatsführung aufrecht, welche im Dezember schließlich erfüllt wird.  Sie können das Radiofeature zur Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei hier nachhören.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Wir sind ein Volk! Die deutsche Wiedervereinigung"

Didaktisches Material | Radiofeature

"Wir sind ein Volk!". Die deutsche Wiedervereinigung

vom 15.06.2015 | Volker Eklkofer

Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 rückte auch die staatliche Einheit Deutschlands in greifbare Nähe. Richtungweisend für diese Entwicklung waren neben dem Mauerfall, der den endgültigen Zerfall des politischen Systems bewirkte, auch die Ausreisewelle und die erstarkende Opposition in der DDR. Eine weitere notwendige Voraussetzung der deutschen Wiedervereinigung war das Einverständnis der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, die bis dahin völkerrechtlich noch immer die Verantwortung für Deutschland als Ganzes innehatten. Durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde der Einheit der beiden deutschen Staaten zugestimmt und dem vereinten Deutschland die volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten zugestanden. Trotz kritischer Stimmen zur Wendezeit, etwa von England, Russland oder Frankreich, dauerte es letztlich nur 327 Tage bis die Teilung Deutschlands mit Anbruch des 3. Oktobers 1990 endgültig endete. Wie Bundeskanzler Helmut Kohl seine Chance nutzte und was das Ende der Nachkriegsära in Europa für die Menschen mit sich brachte, wird in diesem Radio-Beitrag ausführlich erzählt. Der Podcast ist auch Teil der Arbeitsmaterialien, die zur Einbindung des Themas in den Geschichtsunterricht online zur Verfügung gestellt werden.  

Radiofeature: Abschied von einer Illusion: Was bleibt vom Kommunismus?, Screenshot von der Website der Audiothek Deutschlandradio

Radiofeature

Abschied von einer Illusion

vom 25.08.2017 | Andreas Beckmann

Der Abschied vom Kommunismus bedeutet bis heute auch das Überwinden einer Illusion: Schließlich galt es nicht nur, Abschied von einer politischen Bewegung, einer Staatsform oder auch Utopie zu nehmen, die zu ihrer Zeit in einem Großteil der Welt schon manifestierte Gestalt angenommen hatte. Es war auch das Überwinden einer Illusion in ideologischer und philosophischer Hinsicht, denn der Kommunismus war gewissermaßen auch das Versprechen der wissenschaftliche Lehre einer modernen Welt und ihrer Befreiung, das vor allem dem Proletariat galt. In diesem Beitrag beleuchten Zeithistoriker wie Thomas Lindenberger vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, das der Frage "Nach dem Ende der Illusion" aktuell eine eigene Veranstaltungs- und Vortragsreihe widmet, Sandrine Kott von der Universität Genf oder auch Jürgen Kocka von der Freien Universität Berlin das schwierige Verhältnis von Kommunismus und Sozialstaat, beleuchten die Frage danach, was der heutigen Welt vom Kommunismus geblieben ist und suchen zudem nach Antworten für die Zukunft. Das Radiofeature können Sie hier nachhören.

Screenshot des Features auf Bayern 2

Radiofeature

Prager Frühling – Das Ende am 21. August 1968

vom 10.08.2010 | Ulrich Chaussy

Dieses Radiofeature von Ulrich Chaussy behandelt die Niederschlagung des Prager Frühlings am 21. August 1968. Sie bedeutete das Ende einer Reformbewegung, die versuchte politische, kulturelle und wirtschaftliche Freiheiten zu verwirklichen und so einen demokratischen Sozialismus auf den Weg zu bringen. Die Staaten des Warschauer Pakts verstanden dies als Gefährdung durch sogenannte konterrevolutionäre Kräfte. Sie reagierten mit einer Militärintervention – eine halbe Millionen Soldaten marschierten in der Nacht zum 21. August 1968 in das Land ein. Der gewaltlose Widerstand der tschechischen Bevölkerung, zu dem die Regierungspartei aufgerufen hatte, war demgegenüber chancenlos. Ein Großteil der Regierung wurde entmachtet und festgenommen. Bald darauf wurde der linientreue Gustáv Husák ins Amt gesetzt. Der Widerstand der Bevölkerung war zwar gewaltlos, jedoch nicht passiv. Durch zivilen Ungehorsam versuchte man, die Besatzung zu schwächen. Bis zum September 1968 verloren 71 Tschechoslowaken ihr Leben.Das Feature verwendet Interviews mit Zeitzeugen und Radiomitschnitte des tschechoslowakischen Rundfunks, der ab dem 21. August aus dem Untergrund sendete.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "17. Juni 1953 - Legende und Wirklichkeit eines Volksaufstandes"

Radiofeature

17. Juni 1953 - Legende und Wirklichkeit eines Volksaufstandes

vom 08.07.2013 | Rainer Volk

"Wäre es da / Nicht doch einfacher, die Regierung / Löste das Volk auf und / Wählte ein anderes?", schrieb Bertolt Brecht über die Ereignisse des 17. Juni 1953 in seinem Gedicht "Die Lösung". Wohl niemand konnte vorab ahnen, welchen Stellenwert dieser Schicksalstag in der deutschen Nachkriegsgeschichte einnehmen würde. Innerhalb weniger Stunden entwickelte sich aus einem Arbeiterprotest und einem Streik in der DDR ein Volksaufstand, der mit einer Bilanz von mehr als 50 Toten und ca. 10.000 Festnahmen blutig niedergeschlagen wurde. Das Radiofeature erklärt die Beweggründe, die zum Aufstand führten, beschreibt wie der Streik innerhalb weniger Stunden ein ganzes Land ergriff, es zum Ausruf des Ausnahmezustandes im sowjetischen Sektor von Berlin kam und geht insbesondere auf die Tatsache ein, dass sich dennoch kein einheitlicher, an allen Orten ähnlich ablaufender Aufstand ereignete. Stattdessen nahmen die spontanen Erhebungen einen äußerst unterschiedlichen regionalen Verlauf. In den industriellen Ballungsgebieten, etwa Leipzig, Halle, Bitterfeld, Magdeburg, Dresden und Görlitz, erreichte der Aufstand einen zum Teil höheren Organisationsgrad als in Ost-Berlin.Hier können Sie das gesamte Feature nachhören.

Screenshot Radio Bayern Wissen; "Sowjetischer Gulag: Leben in der Eishölle"

Radiofeature

Leben in der Eishölle

vom 01.09.2014 | Nicole Ruchlak

Der Beitrag von Nicole Ruchlak erzählt auf eine sehr bewegende Art vom Unrecht, das Millionen Menschen im sowjetischen Gulag erleiden mussten und geht dabei insbesondere auf die Geschichte der Journalistin und Autorin Ursula Rumin ein. Während der Stalinzeit wurde sie – wie so viele andere auch – ohne Beweise wegen angeblicher Spionagetätigkeit zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt. Vom Gefängnis der sowjetischen Geheimpolizei in Berlin-Karlshorst, wurde sie nach Workuta, eines der gefürchtetsten Zwangsarbeitslager der Sowjetunion, geschickt.Das Radiofeature gibt einen Einblick in die dort vorherrschende Grausamkeit: In den unerbittlichen Ausbeutungslagern wurde nicht nur die menschliche Arbeitskraft missbraucht, sie waren auch Orte der Vernichtung. Menschen wurden durch Verhungern oder Arbeiten zu Tode gebracht und allein im Jahr 1937 wurden auf Befehl Stalins 10.000 Häftlinge erschossen. Frauen litten besonders stark unter den prekären hygienischen Verhältnissen und der psychischen Gewalt. Zudem wurden sie Opfer sexueller Zudringlichkeiten und Nötigungen durch männliche Häftlinge oder Lagerpersonal und erlitten schwere Traumatisierungen durch die Trennung von ihren Kindern.Das Radiofeature können Sie hier nachhören.