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Bedřich Geminder – der Kommunist, der sein Leben am Galgen opferte

Audios | Radiofeature | vom 12.11.2016

Jakub Šiška

Bedřich Geminder – der Kommunist, der sein Leben am Galgen opferte, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha
Bedřich Geminder – der Kommunist, der sein Leben am Galgen opferte, Screenshot von der Website der Audiothek des Radio Praha

In vielen Staaten schickten die kommunistischen Regime nicht nur ihre Gegner vor Gericht, sondern auch ihre eigenen Leute. Zu diesen Fällen gehört auch der von Bedřich – ursprünglich Friedrich – Geminder. Er gehörte zu den elf kommunistischen Funktionären, die 1952 in Prag in einem Schauprozess zum Tode verurteilt wurden, obwohl er eigentlich für die kommunistische Partei lebte. Das Radiofeature erzählt von seiner Kindheit und davon, wie Geminder als junger Mann nach dem Ersten Weltkrieg seine Identität zunächst in jüdischen Organisationen suchte. Als er sich in einem jüdischen Wanderverein engagierte, lernte er Rudolf Slánský kennen, mit dem er später gemeinsam angeklagt wurde. Geminder wurde zweimal seines Heimatlandes verwiesen, arbeitete daraufhin in Moskau im Apparat der Komintern, wo die Leitung der Presseabteilung zu seinen Hauptaufgaben gehörte. Zu Rudolf Slánský hatte er weiterhin eine gute Beziehung, wohnte sogar im Haus der Familie. Mit fatalen Folgen: Am 24. November 1951 wurden dort beide festgenommen und wegen Hochverrats angeklagt. Der „Spiegel“ veröffentlichte später, 1956, ein Protokoll der Verhandlung, das die Absurdität des Prozesses verdeutlichte. Doch Bedřich Geminder versuchte nicht, sich vor Gericht zu verteidigen. Die Partei forderte von ihm die Selbstaufopferung und als ergebener Kommunist spielte er mit. Am 3. Dezember 1952 starb er wie seine zehn Mitgenossen am Galgen.

Hören Sie das Feature hier nach.