...

 

Gulag-Zeitzeugenarchiv

Audios | Podcast | Interview

Dr. Meinhard Stark

Screenshot des Gulag-Zeitzeugenarchivs
Screenshot des Gulag-Zeitzeugenarchivs

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Historiker Dr. Meinhard Stark mehr als 250 ehemalige Lagerhäftlinge bzw. ihre Kinder in Russland, Polen, Kasachstan, Litauen und Deutschland interviewt. Im Rahmen eines von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Projektes der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn sind die über 1.200 Stunden umfassenden Gespräche ebenso wie die schriftlichen Unterlagen im Umfang von mehr als 46.000 Blatt digitalisiert worden. Einige der beeindruckenden Interviews sind nun als Podcasts verfügbar. Jede Interviewpartner/in wird in einem Online-Dossier mit privaten und aktuellen Fotos, Dokumenten und dem Weg der Deportation in einer interaktiven Karte vorgestellt.

Die Interviews sind als Podcasts in Gesamtlänge verfügbar und mit einem Manuskript und einer Biografie versehen. Es besteht ebenso die Möglichkeit, thematisch gegliederte Einzelpodcasts abzuspielen, die bei jedem Zeitzeugen und jeder Zeitzeugin mit denselben Schwerpunkten verfügbar sind. So kann ein Nutzer etwa alle Einzelpodcasts zum Thema „Lagertopograhie und Haftordnung“ anhören.  Die Audiodateien können direkt online angehört oder zur nicht-kommerziellen Nutzung kostenlos heruntergeladen werden. Exemplarisch finden Sie nachfolgend drei Ausschnitte aus Zeitzeugeninterviews, die einen ersten Einblick vermitteln sollen.

Rosel Blasczyk berichtet über ihre Verhaftung, Verurteilung und Transport

Rosel Blasczyk, geboren 1928 in Groß Wandriß, floh 1945 mit ihrer 8-köpfigen Familie vor der heranrückenden Sowjetarmee nach Westdeutschland. Anfang 1946 übersiedelte die Familie in die Sowjetische Besatzungszone, wo sie am 27. April 1947 während einer Razzia auf einer Tanzveranstaltung von sowjetischen Soldaten aufgrund ihres Ausweises aus der Englischen Besatzungszone verhaftet wurde. Die Zeitzeugin berichtet in diesem Podcast von den Umständen ihrer Festnahme und der Internierung im „Besserungsarbeitslager“ in Workuta. Das Online-Dossier von Rosel Blasczyk mit dem vollständigen Interview finden Sie auf der Homepage der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Rosel Blasczyk, ganz vorn, mit ihrer Familie 1932 in Schlesien © Bundesstiftung Aufarbeitung

Werner Höpfner über die Häftlinge in Workuta

Werner Höpfner wurde als 17-jähriger am 11. Mai 1945 wegen angeblicher „Terrorakte“ und „Organisierter konterrevolutionärer Tätigkeit“ angeklagt und von einem Sowjetischen Militärtribunal zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Straflager Inta, nahe dem Polarkreis, leistete der Jugendliche Zwangsarbeit in einer Ziegelei und im Kohleschacht unter Tage. In diesem Podcast berichtet er von den restlichen Häftlingen in diesem Lager, die sich zu Banden zusammenschließen, um ihre eigene Lagerordnung durchzusetzen. Werner Höpfner spricht außerdem über die spezielle Lage deutscher Gefangener in einem russischen Straflager nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Online-Dossier von Werner Höpfner mit dem vollständigen Interview finden Sie auf der Homepage der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Werner Höpfner 1944, Bundesstiftung Aufarbeitung

Horst Hennig spricht über sein Leben nach der Lagerhaft

Horst Hennig brachte 1950 im Auftrag seines Vaters einen Umschlag nach Westberlin, worauf er im November des gleichen Jahres verhaftet, während seiner Untersuchungshaft verschiedensten Formen der Folter aussetzt und schließlich durch ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren „Besserungsarbeitslager“ verurteilt  wurde. Nach fünf Jahren Haft in verschiedenen Straflagern wurde er im Oktober 1955 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Von seiner Ankunft in Friedland, den Schwierigkeiten der Reintegration in die dörfliche Gesellschaft und dem neuen Leben in Deutschland berichtet er in diesem Podcast. Das Online-Dossier von Horst Hennig mit dem vollständigen Interview finden Sie auf der Homepage der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Horst Hennig auf einem Passfoto Mitte der 1950er-Jahre © Bundesstiftung Aufarbeitung