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Gerd Koenen (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Veranstaltungsmitschnitt

Das Erbe der Spaltung. Die Linke in Ost und West zwischen Totalitarismus und Demokratie

vom 01.07.2019 | Gerd Koenen

Mitschnitt des öffentlichen Vortrags im Rahmen der Ringvorlesung „Weimars Wirkung. Das Nachleben der Ersten deutschen Republik“ von Gerd Koenen. Die Spaltung des internationalen Sozialismus durch die Machteroberung der Bolschewiki und die Gründung der Kommunistischen Internationale war Teil einer neuen Spaltung der Welt. Die Sozialdemokratie als eigentliche Säule der Weimarer Republik musste nicht nur Putsch- und Aufstandsversuche von links und rechts abwehren. Sondern gegenüber den vielfachen diplomatischen und konspirativen Bemühungen (etwa der Reichswehrführung) um eine revisionistische Sonderbeziehung mit Sowjetrussland vertrat sie die unpopuläre Politik einer Westintegration. Der bürgerkriegsartige Konflikt zwischen den Sozialdemokraten, die das Gros der Arbeiterschaft vertraten, und der Straßenkampfpartei der Kommunisten nährte sich zum Teil aus eigenen ideologischen Differenzen, aber war immer auch Teil eines weltpolitischen Machtspiels der Moskauer Führung gegen die Versailler Weltordnung. Das erst hat Hitler den Weg zur Macht und 1939 den Weg in den Weltkrieg eröffnet. Aber die Spaltung zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus hat auch die Nachkriegsordnung bis 1989 mitbestimmt – und alle ursprünglich an den Begriff des „Sozialismus“ gehefteten emanzipativen Vorstellungen verschluckt.

Flyer der Veranstaltung

Veranstaltungsmitschnitt

1989. Das Jahr der Revolutionen

vom 09.04.2019

Vor 30 Jahren stürzten die Menschen in der DDR und in den Staaten Ostmitteleuropas die kommunistischen Diktaturen. Die Revolutionen von 1989/90 waren epochal, sie veränderten die Welt. Auf das sowjetische Imperium folgten Freiheit und Demokratie. Der Kalte Krieg war Geschichte. Die erste Veranstaltung der Reihe »REVOLUTION! 1989 – Aufbruch ins Offene« nahm »1989« aus transnationaler, europäisch vergleichender Perspektive in den Blick. Sie spürte Ursachen, Verlauf und Folgen der verschiedenen Auf- und Umbrüche nach. Dabei wurden die Gemeinsamkeiten, aber auch die spezifischen nationalen Besonderheiten der jeweiligen Länder beleuchtet. Schließlich wurde diskutiert, ob sich die unterschiedlichen historischen Entwicklungslinien heute zu einem gemeinsamen Narrativ zusammenführen lassen.

Dr. Stefanie Schüler-Springorum

Veranstaltungsmitschnitt

Vom Wort zur Tat. Antisemitismus in der Weimarer Republik

vom 14.01.2019

Am 14. Januar 2019 wurde die Veranstaltungsreihe "Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik" mit dem Vortrag von Dr. Stefanie Schüler-Springorum "Vom Wort zur Tat. Antisemitismus in der Weimarer Republik" fortgesetzt. Der Antisemitismus als politische Bewegung und soziale Haltung erlebte nach dem Großen Krieg einen dramatischen Formwandel, der sich zwar für viele europäische Länder nachzeichnen lässt, in den Verliererstaaten jedoch von besonderer Virulenz war. Aus dem „kulturellen Code“, der im deutschen Kaiserreich das liberale und konservative Lager voneinander unterschieden, aber sich vor allem im bürgerlichen Milieu manifestiert hatte, wurde in den Jahren der Weimarer Republik ein Instrument zur politischen Mobilisierung auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Während sich die Zeitungsleser über medial breit ausgeschlachtete Finanzskandale empören konnten, mussten sich einzelne Wirtschaftszweige in der Provinz mit hartnäckigen Boykottanstrengungen auseinandersetzen. Im Reichstag camouflierten die offen xenophoben Debatten zur Zuwanderung aus Osteuropa nur schwach ihre judenfeindliche Absicht, während sich Kommunalpolitiker immer häufiger mit explizit antisemitischen Anträgen und Initiativen konfrontiert sahen. All dies wurde überschattet von politischen Morden und steigender Straßengewalt, so dass zumindest aus Sicht jüdischer AktivistInnen von den „guten Jahren“ der Weimarer Republik kaum gesprochen werden kann, auch wenn die Einschätzung der aktuellen Gefährdung sehr unterschiedlich ausfiel.

Dr. Hanno Hochmuth © Fabian Zapatka

Veranstaltungsmitschnitt

Mythos Babylon Berlin. Weimar in der Populärkultur

vom 19.11.2018

Am 12. November 2018 wurde die Veranstaltungsreihe „Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik“ mit dem Vortrag von Dr. Hanno Hochmuth „Mythos Babylon Berlin. Weimar in der Populärkultur" fortgesetzt. Schon in der Weimarer Republik wurde Berlin oft als Babylon bezeichnet. Babylon Berlin diente als Sinnbild der rasant wachsenden Metropole, die hoch hinaus wollte und Menschen aus aller Welt anzog. Es stand für das Sündenbabel der Reichshauptstadt, die sich von den gesellschaftlichen Zwängen des Kaiserreichs verabschiedete und Freiheit und Freizügigkeit gewährte. Doch Babylon wäre nicht Babylon, wenn darauf nicht der jähe Absturz in die Diktatur gefolgt wäre. So steht die Chiffre gleichermaßen für den Mythos der Freiheit als auch für die Ambivalenz der Moderne. Genau das macht den Reiz von Babylon Berlin aus und erklärt, warum der Topos seit nunmehr fast einem Jahrhundert einen festen Bestandteil der Berliner Stadterzählung bildet. Mit den erfolgreichen Kriminalromanen von Volker Kutscher und ihrer aufwendigen Verfilmung durch Tom Tykwer hat der Mythos Babylon Berlin einen weiteren Schub erhalten. Dabei beruht der Erfolg der Bücher und der Serie zu einem großen Teil auf der wachsenden Anziehungskraft Berlins, das geschickt als „Stadt der Freiheit“ inszeniert und vermarktet wird. Der Vortrag nähert sich dem Mythos anhand ausgewählter populärer Auseinandersetzungen mit dem Berlin der Weimarer Republik: angefangen bei den zeitgenössischen Filmen Fritz Langs über Bob Fosses „Cabaret“ bis hin zur Serie „Babylon Berlin“.

Stalinporträt hinter Werbetafel in Tiflis 2015, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

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Stalins Volk. Nationale Identität in Georgien

vom 06.06.2018

Am 6. Juni um 18.00 Uhr wird Davit Jischkariani  in der Bundesstiftung Aufarbeitung einen Vortrag zu Stalins Volk. Nationale Identität in Georgien halten. Die Veranstaltung ist der letzte Teil der zweiteiligen Reihe Stalins langer Schatten: Zwei Vorträge über die Aufarbeitung der Sowjetgeschichte in Georgien. Die Kritiker und Gegner der sowjetischen Herrschaft in Georgien warfen Moskau vor, das Land seiner nationalen Identität beraubt zu haben. Diese Rhetorik hielt auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1991 an und ist in Georgien weithin verbreitet. Der Historiker Davit Jischkariani hinterfragt diese Perspektive. Tatsächlich wurden die zentralen Linien der Politik in Georgien bis 1991 im Moskauer Zentrum geplant. So wie für alle anderen Sowjetrepubliken auch. Allerdings waren es lokale Eliten, die die Moskauer Politik in der Peripherie ausführten und dabei nach Stalins Tod wachsende Handlungsspielräume ausnutzten. Der Historiker Davit Jischkariani ist Mitbegründer von SOVLAB, dem Soviet Past Research Laboratory in Tbilisi. Er studierte dort von 2004 bis 2008 Geschichte an der staatlichen Iv. Javakhischwili Universität Tbilisi. Zwischen 2010 und 2012 absolvierte er ein Magisterstudium in Russlandkunde. 2013/2014 war Jischkariani Junior Research Fellow am Zentrum für Russland- und Osteuropakunde der Universität Warsaw. Im Moment unterrichtet er „Totalitäre Regimes des 20. Jahrhunderts” an der kaukasischen Universität. Seine Forschungsfelder umfassen: Repressionen in der Sowjetunion, Stalinismus, sowjetische Nationalpolitik. 

Flyer der Veranstaltung: 1968: Mythos Ost – Mythos West

Veranstaltungsmitschnitt

1968: Mythos Ost – Mythos West

vom 10.04.2018

Die erste Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968. Hoffnung – Aufbruch – Protest« versuchte zu ergründen, welche Mythen, Projektionen und auch Missverständnisse mit diesem besonderen Jahr verbunden sind, und wie sie bis heute wirken. Dabei wurde insbesondere danach gefragt, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Ost und West den Blick auf »1968« prägten, und ob sich die jeweiligen Sichtweisen in der vereinten Bundesrepublik zu einem gemeinsamen Narrativ zusammenführen lassen.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

Veranstaltungsmitschnitt

Zeitzeugengespräch mit Gabriel Berger

vom 12.01.2018 | Gabriel Berger; Ulrike Huhn

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den Zeitzeugen Gabriel Berger am 12. Januar 2018 für ein Zeitzeugengespräch nach Bremen ein, um über seine Erfahrung mit dem sowjetischen Repressionsapparat und seiner Einstellung zum sozialistischen Staatensystem zu berichten. Geboren 1944 im französischen Versteck als Sohn eines jüdischen Kommunisten ging sein Vater über die Zwischenstation Belgien 1948 freiwillig nach Polen, um sich dort am Aufbau des Sozialismus zu beteiligen. Unter dem Druck des Antisemitismus übersiedelte die Familie 1957 in die DDR. In der realsozialistischen Wirklichkeit verlor Gabriel Berger die vom Vater vermittelte kommunistische Überzeugung. Nach einem Physikstudium in Dresden war er in der Kernforschung tätig, verlor nach dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings 1968 den Glauben an eine Reformierbarkeit des realen Sozialismus und an die Möglichkeit seiner Demokratisierung und stellte 1975 einen Antrag auf Übersiedlung in die Bundesrepublik. 1976 wurde er unter dem Vorwurf der „Staatsverleumdung“ verhaftet und konnte nach einjähriger Haft nach Westberlin übersiedeln, wo er sich im Kreis der polnischen Emigration engagierte.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Wohin steuert die Ukraine? Zur Lage von Demokratie und Menschenrechten in der Ukraine

vom 05.12.2017 | Semjon Glusman; Manfred Zeller

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den ukrainischen Sozialpsychologen Semjon Glusman am 5. Dezember 2017 nach Bremen ein, um über die Situation in der Ukraine zu diskutieren. Wie entwickeln sich Demokratie und Menschenrechte in der Ukraine? Wie lassen sich die Majdan-Revolution und ihre Folgen historisch einordnen? Wie blickt die ukrainische Zivilgesellschaft zwei Jahre nach Beginn der Ukraine-Krise auf die aktuellen Entwicklungen im Land? Es diskutiert Semjon Glusman, Meschrechtsaktivist, sowjetischer Dissident und Psychiater. Glusman ist Autor zahlreicher Publikationen über Menschenrechte sowie zu Fragen der Sozialpsychiatrie. Als aufmerksamer Beobachter sozialer Prozesse und Veränderungen, begleitete er die Proteste in der Ukraine.  

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

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Brigitte Studer: Von der „Neuen Frau“ zur Frauenbewegung: Emanzipationskonzepte auf Zeitreise

vom 14.11.2017

1913 hat Kollontaj eine Schrift mit dem Titel «Die neue Frau» verfasst. Der Titel verweist darauf, dass sich das Revolutionsprogramm der Bolschewiki nicht auf die Transformation der Staatsmacht beschränkte. Den Frauen versprach es ein neues Leben («novyj byt») durch den Schritt aus der häuslichen Enge in die Erwerbsarbeit und ins Öffentliche. Kollontaj und andere gingen noch weiter und forderten zudem die sexuelle Befreiung der Frauen – Ideen, die auch im internationalen Kommunismus Resonanz fanden. Wenn sich die soziale Wirklichkeit und die Genossen gegenüber der Geschlechtergleichstellung auch als weitgehend resistent erwiesen, ist gleichwohl zu fragen, wie diese Emanzipationskonzepte transnational zirkulierten und welche Nachwirkungen sie über das 20. Jahrhundert hatten.

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Sandrine Kott: Ende des Staatssozialismus – Ende des Sozialstaats? Sozialpolitik im langen 20. Jahrhundert

vom 30.05.2017

Im Manifest der kommunistischen Partei formulierte Marx eine grundlegende Kritik der sozialen Reform: "Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern." Die kommunistischen Parteien und Regime griffen diese Kritik auf und taten bis in die 1960er Jahre "Sozialpolitik" als eine "Krücke des Kapitalismus" ab. Zugleich aber begünstigte die Angst vor einer revolutionären Ansteckung in Europa seit 1919 die Entstehung einer internationalen sozialpolitischen Agenda. Während des Kalten Kriegs sorgte die Systemkonkurrenz auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs für ein weiteres Anwachsen der Ausgaben für Sozialpolitik. Lässt sich im Umkehrschluss folgern, dass Niedergang und Sturz des kommunistischen Modells das Ende des westlichen Wohlfahrtsstaats verursacht haben?

Jörg Baberowski © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

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Jörg Baberowski: Politik und Massenmord im Zeitalter der Extreme - eine vergleichende Bilanz

vom 25.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Begrüßung durch Ulrich Mählert & Vortrag von Jörg Baberowski: Politik und Massenmord im Zeitalter der Extreme - eine vergleichende Bilanz Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Anna Kaminsky © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Anna Kaminsky: Der Kommunismus als Stiefkind der Erinnerungskultur

vom 24.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Anna Kaminsky: Der Kommunismus als Stiefkind der Erinnerungskultur Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Screenshot Flyer der Veranstaltung

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Zwischen den Generationen. Umgang mit Folgen kollektiver Gewalt in der Ukraine

vom 26.06.2019

Traumata nach kollektiver Gewalt hinterlassen Spuren, die von Generation zu Generation weitergetragen werden können. Dies gilt in besonderer Weise für Länder, die in ihrer Geschichte politische oder soziale Umbrüche erfahren haben und gegenwärtig in Zeiten des Konflikts leben. Fachkräfte, die mit potenziell traumatisierten Gruppen arbeiten, sind in ihrer Arbeit oft selbst von der Vergangenheit berührt, entweder direkt über die Tradierung traumatischer Geschichten in ihren eigenen Familien, oder auch indirekt durch die Geschichten, die sie in ihrer Arbeit mit traumatisierten Menschen erfahren. Als eine vielfältige und geschichtsträchtige Gesellschaft ist die Ukraine in mehrfacher Hinsicht von der Vergangenheit berührt worden. Dazu gehören Folgen der deutschen Besetzung, der Shoah sowie die langanhaltenden Auswirkungen des sowjetischen Regimes. Auch Kämpfe um nationale Unabhängigkeit sowie politische und soziale Transformationen führten zu Brüchen, die sich zwischen den Generationen eingegraben haben. Über die Generationen hinweg verschränken sich historische Ereignisse mit familienbiografischen Erfahrungen und formen den Umgang mit gegenwärtigen Konflikten. Die traumatische Wirkung aktueller Ereignisse wird dadurch verstärkt. Darüber hinaus spielt die Instrumentalisierung der Vergangenheit in der Ostukraine eine herausgehobene Rolle. Minderheiten wie Roma werden zusätzlich marginalisiert und müssen Diskriminierung und Gewalt erfahren. Das Panel legte die Schichten einer gegenwärtigen Vergangenheit in der Ukraine frei und fragte, welche Wege für einen Umgang mit Traumatisierungen hilfreich und möglich sein könnten. Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines einjährigen transnationalen Dialogs in der Ukraine mit ukrainischen, deutschen und israelischen Expertinnen und Experten.

Screenshot des Veranstaltungsflyers: Diese Zeilen sind mein ganzes Leben... Briefe aus dem Gulag Buchvorstellung, Lesung und Zeitzeugengespräch

Veranstaltungsmitschnitt

"Diese Zeilen sind mein ganzes Leben..." Briefe aus dem Gulag

vom 03.04.2019

Anlässlich des Erscheinens der von Meinhardt Stark herausgegebenen Quellenedition "Diese Zeilen sind mein ganzes Leben... Briefe aus dem Gulag" lud der Berliner Metropol-Verlag und die Bundesstiftung Aufarbeitung am 3. April 2019 um 18.00 Uhr zu einer Lesung mit anschließendem Zeitzeugengespräch ein. Annähernd 900 Briefe aus dem Gulag, geschrieben von 96 Gefangenen, hat Meinhard Stark über die Jahre gesammelt oder in Archiven in Russland, Polen, Litauen und Deutschland ausfindig gemacht. Der Briefwechsel zwischen Häftlingen und ihren Angehörigen ist durch lange Abstände zwischen geschriebenen und empfangenen Briefen geprägt, von aufreibendem Warten und emotionalen Wechselstimmungen, aber auch von strengen Haftinstruktionen und einer unerbittlichen Zensur. Stellvertretend für ihre Mitgefangenen kommen in der Edition, neben Jewgenia Ginsburg und Nikolai Scharfenberg, 16 Frauen und Männer verschiedener Nationalität mit ihren Botschaften aus dem Gulag zu Wort. Die Briefe sind ein ebenso authentisches wie berührendes Zeugnis damaliger Wahrnehmungen und Empfindungen der unschuldig Inhaftierten. Einführung Prof. Dr. Dittmar Dahlmann em., Universität Bonn, Projektleiter Lesung von Gulag-Briefen von Jewgenia Ginsburg und Nikolai Scharfenberg, 1936-45 Ilka Teichmüller, Nils Nelleßen und Dr. Meinhard Stark Zeitzeugengespräch mit Werner Höpfner, geb. 1928 in Berlin, von 1945 bis 1953 im Gulag inhaftiert Walter Scharfenberg, geb. 1932 in Charkow, Sohn von Nikolai Scharfenberg Dr. Meinhard Stark, Universität Bonn, Herausgeber der Gulag-Briefe Moderation Dr. Ulrich Mählert, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Flyer der Veranstaltung: Von der Revolte zur Revolution. Wie viel 1968 steckt in 1989?

Veranstaltungsmitschnitt

Von der Revolte zur Revolution. Wie viel 1968 steckt in 1989?

vom 04.12.2018

Das Jahr 1968 steht heute trotz aller Kontroversen für den Willen der Menschen nach Emanzipation und Veränderung. Doch während im Westen die Protestbewegung einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel anstoßen konnte, wurden die Reformbestrebungen östlich des Eisernen Vorhangs mit der Niederschlagung des Prager Frühlings gewaltsam erstickt. Erst mit den demokratischen Revolutionen des Jahres 1989 konnten hier die Forderungen des Jahres 1968 nach Freiheit und Selbstbestimmung erfüllt werden. Die Protagonisten des friedlichen Umbruchs, ob nun in der Tschechoslowakei, Deutschland oder Polen, waren dabei zu großen Teilen auch durch die Ereignisse 21 Jahre zuvor politisiert worden. Die Entwicklung von 1989 erscheint somit auch wie eine späte Folge der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse von 1968. Die siebte und abschließende Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968. Hoffnung – Aufbruch – Protest« fragte nach den Zusammenhängen der beiden europäischen Schlüsseljahre. War 1989 eine »nachholende« Revolution, welche »1968« vollendete, oder etwas gänzlich Neues? Welche Botschaft geht von den beiden Jahren heute aus? Können 1968 und 1989 gar eine Linie in einer modernen gesamteuropäischen Identität bilden?

Prof. Dr. Martin Sabrow

Veranstaltungsmitschnitt

Die vergessene Republik. Zum Ort der Weimarer Demokratie in der deutsch-deutschen Zeitgeschichte

vom 22.10.2018

Am 22. Oktober 2018 startete die Veranstaltungsreihe „Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik“ mit dem Vortrag von Prof. Dr. Martin Sabrow „Einführung: Die vergessene Republik. Zum Ort der Weimarer Demokratie in der deutsch-deutschen Zeitgeschichte“. Die Republik von Weimar hat keinen prominenten Platz im kollektiven Gedächtnis. Weder ihr mutiger Beginn noch ihr krisenhafter Verlauf, weder ihre republikanische Verfassung noch ihre politische Leistung spielen in der historischen Orientierung unserer Zeit eine nennenswerte Rolle. Zwischen der ersten und der zweiten deutschen Republik liegt der Sperrriegel der zwölf bittersten Jahre der europäischen Zivilisation, und er hat nach 1945 eine unvermittelte Traditionsbildung und Traditionsbefragung unmöglich gemacht. Dennoch fand die Weimarer Republik nach dem Ende der NS--Herrschaft zunächst durchaus breite historische Aufmerksamkeit - aber dies vor allem als Kontrastfolie: „Bonn ist nicht Weimar“, lautete der vielzitierte Buchtitel des Schweizer Publizisten Fritz René Allemann, in dem sich das Selbstverständnis der frühen Bundesrepublik spiegelte. Danach aber wurden die vierzehn Jahre der ersten deutschen Republik zunehmend von der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus überblendet. Ausgehend vom revolutionären, aber von keinem politischen Lager vorbehaltlos akzeptierten Sturz der Hohenzollernmonarchie am 9. November 1918 zeichnete der Einführungsvortrag die zeitgenössische und die nachzeitige Rezeptionsgeschichte der ersten deutschen Demokratie nach und erörterte die Frage, warum sie zu einer „vergessenen Republik“ werden konnte. Martin Sabrow, 1954 geboren, ist Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter: Der Rathenaumord. Rekonstruktion einer Verschwörung gegen die Republik von Weimar (1994), Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969 (2001), Zeitgeschichte schreiben. Von der Verständigung über die Vergangenheit in der Gegenwart (2014), Erich Honecker. Das Leben davor 1912–1945 (2016), und wurde 2017 mit dem Golo-Mann-Preis für Geschichtsschreibung ausgezeichnet. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.

Flyer der Veranstaltung: Gelenkter Protest? SED, Stasi und Studentenbewegung

Veranstaltungsmitschnitt

Gelenkter Protest? SED, Stasi und Studentenbewegung

vom 05.06.2018

Die dritte Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968. Hoffnung – Aufbruch – Protest« ging der Frage nach, welche Auswirkungen die West-Arbeit von SED und Staatssicherheit tatsächlich auf die »1968er« hatten. Dabei ging es um die Frage, wie genau die Einflussnahme erfolgte, wie ertragreich sie war und welche Langzeitfolgen sich daraus ergaben. Ideologische Konfliktlinien fanden dabei ebenso Berücksichtigung wie unterschiedliche Vorstellungs- und Erfahrungswelten der Protestierenden im Westen und der Herrschenden im Osten.

Logos der Veranstalter

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Die demokratischen Bewegungen in Armenien in den letzten Jahren vor dem Zerfall der Sowjetunion und der Umgang mit der Vergangenheit

vom 28.02.2018

Am 28. Februar 2018 luden die Botschaft von Armenien und die Bundesstiftung Aufarbeitung zu einer Diskussionsveranstaltung über die demokratische Zivilgesellschaft in Armenien der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre ein. In Armenien formierte sich erstmals in der Sowjetunion bereits 1988 eine autonome zivilgesellschaftliche Bewegung. 1991 erreichte diese Bewegung, die zuvor im Frühjahr 1990 die ersten freien Parlamentswahlen organisiert hatte, über ein Referendum den Austritt Armeniens aus der Sowjetunion. Am 21. September 1991 verkündete Armenien seine Unabhängigkeit. Der Zerfall der Sowjetunion ließ die unterdrückten nationalistischen Konflikte über Grenzziehungen wiederaufleben. Zudem konnten in der Perestroika-Zeit viele der einstigen Tabuthemen öffentlich zur Diskussion gestellt werden. So konnte einerseits offen über den Völkermord an den Armeniern 1915/1916 gesprochen werden. Zum anderen berichteten die durch Gorbatschows Amnestie 1987 freigekommenen politischen Gefangenen von ihren Erfahrungen. Experten werden über unterdrückte Erinnerungen in Armenien und ihre Rolle für die Unabhängigkeitsbewegung diskutieren. Welche Rolle spielte die Erinnerung an den Völkermord, die Sprache und die Rückbesinnung auf die christliche Religion für die armenische Nationalbewegung? Wie wurde an die stalinistische Repression erinnert?

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Buchvorstellung von Susanne Schattenberg: „Leonid Breschnew. Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins. Eine Biographie“

vom 19.12.2017 | Susanne Schattenberg

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) die renommierten Historikerin Susanne Schattenberg am 19. Dezember 2017 ein, um über ihr Buch "Leonid Breschnew. Staatsmann und Schauspieler im Schatten Stalins. Eine Biographie" zu sprechen. Leonid Breschnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte fast zwei Jahrzehnte lang die Entwicklung der Sowjetunion und den „Kalten Krieg“. Dennoch gab es bisher keine Biographie über ihn. Auf der Grundlage vieler neuer Archivfunde muss einiges an seinem Bild korrigiert werden: Anders als im Westen lange behauptet, war Breschnew kein „Hardliner“ oder „Restalinisierer“, sondern hatte selbst unter Stalin gelitten und so viel Leid gesehen, dass er „Wohlstand für alle“ zur Generallinie der Partei erklärte und den Ausgleich mit dem Westen suchte. Breschnew gab den westlichen Staatsmann und wurde von seinen Partnern als einer der ihren akzeptiert. Ab Mitte der 1970er-Jahre ließ ihn seine Tablettensucht zunehmend apathisch wirken; eine neue „Eiszeit“ zwischen Ost und West begann.

 Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Das Erbe der Väter. Gespräch mit Katja Petrowskaja (Berlin) und Gassan Gussejnow (Moskau)

vom 30.11.2017 | Gassan Gussejnow; Katja Petrowskaja; Ulrike Huhn

Katja Petrowskaja ist mit ihrem familienbiographisch reflektierenden Buch „Vielleicht Esther“ in Deutschland einem größeren Publikum bekannt geworden. Zugleich ist sie auch Tochter des Kiewer Literaturwissenschaftlers und Publizisten Miron Petrowskij (geb. 1932), der in der Sowjetunion im Untergrund publizierte. Gassan Gussejnow, Moskauer Altphilologe und Publizist, ist Sohn des russisch-aserbaidschanischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Tschingis Gussejnow (geb. 1929). Tschingis Gussejnow war seit den 1950er Jahren Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbands, aber auch kritischer Beobachter u.a. des Schauprozesses gegen die Schriftsteller Andrej Sinjawski und Juli Daniel im Jahr 1966. Die Begegnung von Gassan Gussejnow und Katja Petrowskaja ist eine intergenerationelle Auseinandersetzung mit dem Erbe ihrer Väter, aber auch mit ihrer eigenen Prägung durch das Leben in der Sowjetunion.

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

David Holloway: The Soviet Union: science, technology, and modernity.

vom 17.10.2017

There were those – in the Soviet Union and outside – who greatly admired the Soviet commitment to science and technology. There were others who thought that the Soviet system inhibited scientific progress and technological innovation. And there were critics who regarded Soviet communism as a product of science and modernity, the perverse extreme of the belief that the world can be understood as a system and directed to the benefit of humanity. What does the Soviet experience tell us about science and technology? And what do science and technology tell us about the Soviet Union?

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Jürgen Kocka: Arbeit - Arbeiter - Arbeiterklasse. Vom Ende einer historischen Mission

vom 25.04.2017

Über die Jahrhunderte wurde Arbeit in Europa zur ethischen Pflicht, zum Lebenssinn und zum Menschenrecht aufgewertet. Auf diesem Hintergrund gewann die Kritik an der schlechten Realität der Arbeit im Kapitalismus im 19. Jahrhundert ihre große historische Kraft. Sie verband sich mit der Hoffnung und dem Versprechen, in einer zukünftigen klassenlosen Gesellschaft Gerechtigkeit, Solidarität und Menschenwürde für alle zu verwirklichen. Der Arbeiter und die Arbeiterklasse galten als Motoren des historischen Fortschritts, als Träger einer historischen Mission, auch und gerade im Bolschewismus. Das 20. Jahrhundert hat diese Hoffnungen weitgehend zerstört. Aber überlebt nicht doch manches davon in der heutigen Arbeitsgesellschaft, die sich derzeit grundlegend verändert und deren Zukunft gestaltet werden kann?

Podiumsdiskussion: Der Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Der Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur

vom 24.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Hören Sie die Podiumsdiskussion zum Thema »Der Kommunismus in der europäischen Erinnerungskultur« mit Markus Meckel aus Berlin, Etienne François aus Berlin, Adam Krzemiński aus Warschau sowie Neela Winkelmann-Heyrovská aus Prag. Es moderierte Sabine Adler. Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Podiumsdiskussion: Bestandsaufnahmen. Der Kommunismus in Forschung, Öffentlichkeit, Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Bestandsaufnahmen. Der Kommunismus in Forschung, Öffentlichkeit, Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland

vom 24.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Podiumsdiskussion: "Bestandsaufnahmen. Der Kommunismus in Forschung, Öffentlichkeit, Populärkultur und als politisches Erbe im vereinten Deutschland" (mit Beiträgen von Detlef Siegfried, Stephen Anthony Smith und Hans-Joachim Veen). Es moderierte Jacqueline Boysen. Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Flyer der Veranstaltung: Interesse und Konflikt. Die Idee der Nation in der DDR und in Ostmitteleuropa seit 1989

Veranstaltungsmitschnitt

Interesse und Konflikt. Die Idee der Nation in der DDR und in Ostmitteleuropa seit 1989

vom 04.06.2019

Die Oppositionsbewegungen in den Ländern Ostmitteleuropas drückten 1989/90 ihr Streben nach Freiheit auch durch nationale Unabhängigkeitsbewegungen aus. Die Frage der Nation und die Wiederentdeckung des Nationalstaates waren nach vierzigjähriger sowjetischer Hegemonie ein zentrales Element beim Sturz der kommunistischen Regime. Diese Bestrebungen gipfelten 2004 in der EU-Osterweiterung. Die DDR hatte zuvor schon einen ganz besonderen Weg genommen. Die dritte Veranstaltung der Reihe »REVOLUTION! 1989 – Aufbruch ins Offene« ging der Bedeutung der Nation für 1989/90, aber auch der diesbezüglichen Entwicklung in den letzten 30 Jahren nach. Während viele ostmitteleuropäische Staaten zunächst die »Rückkehr nach Europa« feierten, überwiegt in diesen Ländern heute oft eine Skepsis gegenüber der Europäischen Union und eine populistische Rückbesinnung auf den Nationalstaat.

Prof. Dr. Claudia Weber

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Freund und Feind: Die Geburt von Russlandverständnis und Bolschewistenfurcht in der Weimarer Republik

vom 11.02.2019

Am 11. Februar 2019 ging es in der Veranstaltungsreihe "Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik" weiter mit dem Vortrag von Prof. Dr. Claudia Weber "Freund und Feind: Die Geburt von Russlandverständnis und Bolschewistenfurcht in der Weimarer Republik". Die Veranstaltung fand bei der Bundesstiftung Aufarbeitung statt. Die Ambivalenz aus politischer Nähe und ideologischer Distanz, aus Freundschaft und Feindschaft, gilt als Charakteristikum der deutsch-sowjetischen Beziehungen in der Weimarer Republik. Während Politiker nach 1923 den so genannten Geist von Rapallo mit Leben füllten und Reichswehroffiziere mit Generälen der Roten Armee Militärstütz-punkte aufbauten, schossen sich Kommunisten und Nationalsozialisten, wie Erich Kästners Held Fabian beobachtete, „Reservelöcher in die entlegensten Körperteile“. Dass die Kontrahenten danach in den Zuchthäusern Weimars über den Sturz der verhassten Republik brüteten, ist kaum bekannt, auch wenn Karl Radeks „Moabiter Salon“ mittlerweile zum Inventar der roaring twenties gehört. Der Vortrag diskutiert vertraute und weniger vertraute Episoden einer schillernden, misstrauisch beäugten und doch für beide Staaten vorteilhaften Beziehung, die, so das Argument, gut funktionierte, weil sie auch vor ideologischen Schranken nicht Halt machte. Stalin konnte sich lange auf die deutsche Rechte verlassen, die seine nationale Revolution bewunderte. Selbst der Machtantritt Hitlers im Januar 1933 bedeutete nicht das Ende dieser wirkmächtigen historischen Verstrickung der Weimarer Republik.

PD Dr. Annette Vowinckel

Veranstaltungsmitschnitt

Weimars visuelles Erbe in der Bundesrepublik und der DDR

vom 03.12.2018

Am 03.12.2018 wurde die Veranstaltungsreihe „Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik“ mit dem Vortrag von PD Dr. Annette Vowinckel „Weimars visuelles Erbe in der Bundesrepublik und der DDR“ fortgesetzt. Die deutsche Presse der 1920er-Jahre war geprägt von einem rasanten Aufstieg der Fotoreportage zum visuellen Leitmedium. Die Berliner Illustrierte Zeitung, die Münchner Illustrierte Presse und die kommunistische Arbeiter-Illustrierte-Zeitung spezialisierten sich auf die Publikation von Bildstrecken, die nicht mehr als nachträgliche Illustration eines Textes konzipiert wurden, sondern als eigenständige Reportagen, die mit Text unterlegt wurden. Die Berufe des Fotojournalisten, des Bildredakteurs und des Bildagenten durchliefen in kürzester Zeit einen Prozess der schnellen Professionalisierung und Ausdifferenzierung. Da der Anteil von Juden im Fotojournalismus außerordentlich hoch war, gab es 1933 einen regelrechten Exodus nach England, Frankreich und in die Vereinigten Staaten – und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen begrenzten Re-Import des qualitativ hochwertigen Fotojournalismus in die Bundesrepublik und in die DDR. In beide deutschen Staaten gab es aber auch zahlreiche Fotojournalisten und Bildredakteure, die ihren Aufstieg in der NS-Zeit dem fotografischen Exodus der frühen 1930er-Jahre verdankten. Gegenstand des Vortrags war die Frage, wie beide deutsche Gesellschaften mit dem visuellen Erbe der Weimarer Zeit umgingen und in welchem Verhältnis die fotografische Remigration zur Kontinuität über die NS-Zeit hinweg stand.

Flyer der Veranstaltung: Zwischen Paris und Prag. Wie international war 1968?

Veranstaltungsmitschnitt

Zwischen Paris und Prag. Wie international war 1968?

vom 09.10.2018

Die Proteste des Jahres 1968 fanden an Schauplätzen auf der ganzen Welt statt. In Paris, West-Berlin, Rom, New York, Berkeley, Mexiko-Stadt und vielen anderen Orten revoltierte die junge Generation gegen vermeintlich autoritäre Strukturen und gegen den Vietnamkrieg. Durch die gemeinsame Protestkultur entstand bei vielen der Aktivistinnen und Aktivisten das Gefühl, trotz nationaler Unterschiede Teil einer weltumspannenden Rebellion zu sein, die die bisherige Ordnung herausforderte. Denn auch in den Städten der kommunistisch dominierten Welt, in Prag, Warschau oder Belgrad begehrten die Menschen gegen die herrschenden Verhältnisse auf und forderten mehr Freiheit und eine Öffnung der Gesellschaft – letztlich vergeblich. Die Hoffnungen auf eine Demokratisierung wurden durch die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings im ganzen Ostblock beendet. Die fünfte Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968. Hoffnung – Aufbruch – Protest« versuchte zu ergründen, welche Parallelen und Unterschiede es zwischen den verschiedenen Bewegungen und Strömungen der »Ost-68er« und »West- 68er« gab und inwieweit sich damals eine transnationale Protestkultur und -agenda über den Eisernen Vorhang hinweg entwickelte. War Achtundsechzig tatsächlich die erste „globale revolutionäre Bewegung“?

Stalinporträt hinter Werbetafel in Tiflis 2015, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Veranstaltungsmitschnitt

Stalin und Georgien – gestern und heute

vom 30.05.2018

Am 30. Mai um 18.00 Uhr wird Prof. Dr. Giorgi Maisuradze in der Bundesstiftung Aufarbeitung einen Vortrag zu Stalin und Georgien – gestern und heute halten. Die Veranstaltung ist der ertse Teil der zweiteiligen Reihe Stalins langer Schatten: Zwei Vorträge über die Aufarbeitung der Sowjetgeschichte in Georgien. Die Tatsache, dass Stalin Georgier war, nützte die Sowjetrepublik Georgien aus, um ihre symbolische Sonderstellung in der „Familie der sowjetischen Brüdervölker“ zu inszenieren: Stalin als „Vater der Völker“ war ein Sohn Georgiens. Stalin wurde zum georgischen Nationalheld stilisiert, wobei die „Größe“ Stalins auf sein Heimatland übertragen wurde. Dadurch entstand ein georgischer Stalinkult, der auch nach dem Tod des Diktators im Jahr 1953 und der ab 1956 einsetzenden Entstalinisierung fortwirkte. Prof. Dr. Giorgi Maisuradze wird in seinem Vortrag die Besonderheiten des georgischen Stalinkultes und dessen Fortwirken bis in die Gegenwart beschreiben. Maisuradze ist Leiter des Instituts für Sozial-. Und Kulturwissenschaften an der staatlichen Ilia Universität Tbilisi. Er studierte Geschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften an der Universität Tbilisi, der Universität des Saarlandes sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2008 bis 2013 war er am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin tätig. Seit 2014 ist er Professor der Ilia Universität Tbilisi. Maisuradze ist Autor mehrerer Publikationen. Zuletzt erschienen: Sonniges Georgien. Figuren des Nationalen im Sowjetimperium (zusammen mit Franziska Thun-Hohenstein), Berlin 2015.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

Veranstaltungsmitschnitt

„Anspruch und Erbe demokratischer Revolutionen“ Podiumsgespräch mit Gábor Demszky (Budapest), Irina Scherbakowa (Moskau) und Wolfgang Eichwede (Bremen/Berlin)

vom 01.02.2018 | Gábor Demszky; Irina Scherbakowa; Wolfgang Eichwede; Alfred Eichhorn

Als Abschluss der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) Gábor Demszky (Budapest), Irina Scherbakowa (Moskau) und Wolfgang Eichwede (Bremen/Berlin) zu einer von Alfred Eichhorn moderierten Podiumsdiskussion am 1. Februar 2018 zu den Transformationsprozessen in Ost(mittel)europa ein. Die beiden BürgerrechtlerInnen Irina Scherbakowa und Gábor Demszky und der ehemalige Direktor der Forschungsstelle Osteuropa Wolfgang Eichwede reflektieren im Gespräch über Wege in den Dissens und die Entwicklung von Oppositionsbewegungen in Ost(mittel)europa sowie die Perspektiven und Reaktionen aus dem Westen. Welche Hoffnungen waren mit den revolutionären Umbrüchen in Ost- und Ostmitteleuropa 1989 und 1991 verbunden und was ist aus heutiger Perspektive daraus geworden?  

 Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Karl Schlögel: Die Massen und der Massenmord

vom 12.12.2017

Im Rahmen der Reihe „Nach dem Ende der Illusion. Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert? “ vom Centre Marc Bloch, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Bundesstiftung Aufarbeitung sprach der Osteuropahistoriker Prof. Dr. Karl Schlögel über die Frage nach dem Zusammenhang von Massenmord und Massenpartizipation anhand des großen Terrors in der Sowjetunion 1937/38 sowie der im Dezember 1937 stattgefundenen Wahl zum Obersten Sowjet.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

Veranstaltungsmitschnitt

Buchvorstellung von Karl Schlögel: „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“

vom 28.11.2017 | Karl Schlögel; Susanne Schattenberg

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den renommierten Historiker Karl Schlögel am 28. November 2017 ein, um über sein Buch "Das sowjetische Jahrhundert" zu sprechen. Karl Schlögel lädt mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein und entwirft ein Panorama eines Imperiums, ohne dessen Kenntnis wir „die Zeit danach“, in der wir heute leben, nicht verstehen können. Karl Schlögel ist dabei, wenn die Megabauten des Kommunismus eingeweiht und die Massengräber des Stalin‘schen Terrors freigelegt werden. Er interessiert sich für Paraden der Macht ebenso sehr wie für die Rituale des Alltags, er erkundet die Weite des Eisenbahnlandes und die Enge der Gemeinschaftswohnung, in der Generationen von Sowjetmenschen ihr Leben zubrachten. Karl Schlögel war als Historiker und Publizist zu zahlreichen Forschungsaufenthalten in der Sowjetunion und im postsowjetischen Raum und lehrte bis 2013 Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).  

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Marsha Siefert: Appraising the “Propaganda State”: Soviet Media from 1917 to the Present

vom 05.10.2017

Beyond Eisenstein’s cinematic images and online websites of old Bolshevik posters, what is lasting and significant about the Soviet conceptualization of propaganda and its operationalization through mass media, both domestic and international, over the course of the twentieth century?

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Catherine Gousseff: Zwischen Anerkennung und Manipulation. Russland, die Nation und das Erbe des kommunistischen Völkergefängnisses

vom 28.03.2017

Der Zusammenbruch der Sowjetunion lässt sich auf einen doppelläufigen Prozess zurückführen: einerseits die Explosion der Volksrepubliken innerhalb der Föderation, andererseits die Implosion der Kommunistischen Partei als dem politischen Herzen des Zentralstaats. Hatten die Sowjetrepubliken einen Grad der Emanzipation erreicht, dass sie die dominierende Vision der UdSSR als "Gefängnis der Völker" de facto widerlegen konnten? Wie ist die historische Entwicklung der Sowjetischen Föderation 25 Jahre nach ihrem Verschwinden und nach zwei Jahrzehnten, in denen sich Russland als größter Nachfolgestaat der UdSSR durch vermehrte Einmischung in die nationalen Konflikte an seinen Grenzen hervorgetan hat, zu lesen?

Charles S. Maier © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Charles S. Maier: Konjunkturen der Kommunismusdebatte und Kommunismuskritik

vom 24.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Charles S. Maier. Cambridge, Mass.: Konjunkturen der Kommunismusdebatte und Kommunismuskritik" (englisch) Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

© Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Gerd Koenen: Kommunismen im 20. Jahrhundert

vom 23.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Eröffnungsvortrag Gerd Koenen, Frankfurt am Main: "Kommunismen im 20. Jahrhundert" Ulrich Mählert: Ausstellung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter" Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Frank Bösch bei seinem Vortrag in der Bundesstiftung Aufarbeitung, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Veranstaltungsmitschnitt

Sehnsucht nach Einheit: Weimars Erbe in der politischen Kultur der Bundesrepublik

vom 27.05.2019 | Frank Bösch

Mitschnitt eines Vortrages im Rahmen der Ringvorlesung „Weimars Wirkung. Das Nachleben der Ersten deutschen Republik“ von Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Die Weimarer Republik steht sowohl für die Spaltung der Deutschen als auch für deren Sehnsucht nach Einheit. So gingen die polarisierten politischen Kämpfe der Zeit mit Appellen an die Volksgemeinschaft und die Einheit der Arbeiterbewegung einher. Der Vortrag fragte, wie die Deutung der politischen „Zersplitterung“ der Weimarer Republik die politische Kultur der Bundesrepublik prägte. Er zeigte, wie sie etwa die Ausbildung von großen Volksparteien, Gewerkschaften und Verbänden förderte. Die Formel der Volksgemeinschaft war zwar diskreditiert, wurde aber durch die Rhetorik der Opfergemeinschaft und eine Betonung der „Mitte“ und „Mittelstandsgesellschaft“ ersetzt. Gerade die deutsche Teilung förderte in der Bundesrepublik eine antikommunistische Beschwörung einer Einheit, die Weimarer Zustände verhindern sollte; in der DDR galt das Einheitspostulat im Sinne einer Geschlossenheit nach Vorgaben der SED ohnehin. Der Vortrag spannte dabei einen Bogen bis zur Neuen Rechten, die mit der Proklamation eines „Volkswillens“ an diese Sehnsucht nach Einheit anknüpft. Ebenso wurde gefragt, ob die Entfernung vom Schreckbild Weimar mit für den heutigen Wandel der politischen Kultur verantwortlich ist.  

Sebastian Ullrich

Veranstaltungsmitschnitt

Der Weimar-Komplex. Die erste deutsche Republik als Bezugspunkt der politischen Neuordnung im Nachkriegsdeutschland

vom 28.01.2019

Am 28. Januar 2019 hat der Historiker Sebastian Ullrich die Veranstaltungsreihe "Weimars Wirkung. Das Nachleben der ersten deutschen Republik" mit seinem Vortrag "Der Weimar-Komplex. Die erste deutsche Republik als Bezugspunkt der politischen Neuordnung im Nachkriegsdeutschland" im Deutschen Historischen Museum fortgesetzt. Die Weimarer Republik, deren Untergang die meisten Zeitgenossen noch miterlebt hatten, war die Negativfolie, vor deren Hintergrund nach 1945 die zweite deutsche Demokratie konzipiert, und an der sie seitdem immer wieder ängstlich gemessen wurde. Der Weimar-Vergleich ist gewissermaßen in die DNA der Bundesrepublik eingeschrieben, was auch seine bis heute andauernde Präsenz erklärt. Doch während heute gerne eine gerade Linie von den „Lehren aus Weimar“ zur stabilen Ordnung der Adenauerzeit gezogen wird, war der demokratische Neubeginn nach 1945 sehr viel umstrittener und kontroverser. Es gab gerade im bürgerlichen Parteienspektrum starke Kontinuitäten zur Parlamentarismus- und Parteienkritik der Weimarer Zeit. Noch in den Länderverfassungsdebatten seit 1946 traten viele für eine berufsständische Einhegung des Parlaments durch eine zweite Kammer ein. Ohne die Alliierten, die den Rahmen vorgaben, in dem sich die Neuordnung bewegen konnte, wäre vermutlich keine liberale parteienstaatliche Demokratie entstanden. Dementsprechend erschien „Bonn“ vielen auch „Weimar“ viel zu ähnlich zu sein. Der berühmte Buchtitel Fritz René Allemanns „Bonn ist nicht Weimar“ war bei Erscheinen des Werks 1956 eher eine Provokation als Common Sense. Es brauchte die Erfolge der Ära Adenauer und die Furcht vor der Sowjetunion, um die Vorbehalte gegenüber dem westlichen politischen Modell schwinden zu lassen. In den Debatten und dem politischen Streit um Weimar nach 1945 spiegelt sich daher auch das Einleben der Westdeutschen in die bundesrepublikanische Demokratie.

Flyer zur Veranstaltung: Wie viel Marx steckt im Kommunismus?, Gestaltung: Ultramarinrot, Bildnachweis: Bundesstiftung Aufarbeitung, Harald Hauswald Bild 910822HH02

Veranstaltungsmitschnitt

Wie viel Marx steckt im Kommunismus?

vom 27.11.2018

Kurz nach der Friedlichen Revolution war am Sockel des Marx-Engels-Denkmals in Berlin zu lesen: „Wir sind unschuldig“. Das Graffiti brachte zum Ausdruck, was seither oft zur Ehrenrettung der kommunistischen Vordenker angebracht wurde: Marx und Engels trügen keine Verantwortung für die kommunistischen Verbrechen, die in ihrem Namen begangen worden sind. Doch wie „unschuldig“ sind sie wirklich? Wie viel Terror war bereits angelegt in der Marx’schen Philosophie? Und ist es sinnvoll, sich noch heute auf Marx zu berufen? Die Veranstaltung griff diese und weitere Fragen aus Anlass des 200. Geburtstages von Karl Marx sowie des 100. Jahrestages der KPD-Gründung 1918 auf, um die Geschichte des Deutschen Kommunismus kritisch zu diskutieren. Nach einem Impulsvortrag von Dr. Jürgen Herres diskutierte er mit Prof. Dr. Beatrix Bouvier, Prof. Dr. Peter Brandt und Jan Fleischhauer. Moderiert wurde das Podium von Clemens Bomsdorf. Die Veranstaltung war Teil des Themenwinters 100 jahre Revolution - Berlin 1918/19.

Flyer der Veranstaltung: „Rockmusik, Rebellion und freie Liebe“ – Die Jugendkulturen der 1960er-Jahre

Veranstaltungsmitschnitt

„Rockmusik, Rebellion und freie Liebe“ – Die Jugendkulturen der 1960er-Jahre

vom 04.09.2018

Die vierte Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968« untersuchte, welche soziokulturellen Veränderungen durch die »Achtundsechziger« in Ost und West befördert wurden, in welchem Ausmaß sich die Gesellschaften dadurch wandelten und was heute noch davon geblieben ist. Schließlich wurde den Fragen nachgegangen, welche gegenseitigen Beeinflussungen es zwischen Ost und West gab, worin sich die Entwicklungen auf beiden Seiten der Mauer glichen und wo sie sich unterschieden.

Flyer der Veranstaltung: Renaissance des Kommunismus? Zur Ideengeschichte der „Achtundsechziger“

Veranstaltungsmitschnitt

Renaissance des Kommunismus? Zur Ideengeschichte der „Achtundsechziger“

vom 08.05.2018

Die zweite Veranstaltung der Reihe »Das doppelte 1968. Hoffnung – Aufbruch – Protest« fragte nach der Rolle kommunistischer Theorien und Ideen für die 68er-Bewegung. Welche Bezugspunkte lassen sich zwischen der Renaissance marxistischen Denkens im Westen und dem »real existierenden Sozialismus« in den Staaten Ostmitteleuropas finden? Welche gesellschaftlichen Folgen hatten die damaligen intellektuellen Utopien und was ist von ihnen bis heute geblieben?

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Zeitzeugengespräch mit Wojciech Drozdek: "Hilfe für Solidarność"

vom 16.01.2018 | Wojciech Drozdek; Jacob Nuhn

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den aus Polen stammenden Buchhändler Wojciech Drozdek am 16. Januar 2018 für ein Zeitzeugengespräch nach Bremen ein, um über die Wahrnehmung der Solidarność in den 1980er-Jahren in Westdeutschland zu sprechen. Wojciech Drozdek gründete 1978 die erste polnische Buchhandlung in der Bundesrepublik. Als im Dezember 1981 die Ausrufung des Kriegsrechts die Solidarnosc-Bewegung in seinem Heimatland Polen jäh zerschlug, wurden er und seine Frau aktiv in der westdeutschen Unterstützerszene für die Solidarnosc. Er sprach über seine Perspektive auf die Solidarnosc und deren Erbe heute, vor allem aber über die Unterstützung (oder auch ihr Fehlen) für die Solidarnosc durch westdeutsche Akteure.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Zeitzeugengespräch mit Semjon Glusman: "Angst vor der Freiheit" - Erlebnisse aus der Haft

vom 06.12.2017 | Semjon Glusman; Manuela Putz

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den ukrainischen Sozialpsychologen Semjon Glusman am 6. Dezember 2017 für ein Zeitzeugengespräch nach Bremen ein, um über seine Erfahrung mit dem sowjetischen Repressionsapparat zu berichten. Semjon Glusman, der am Kiewer Medizinischen Institut Psychiatrie studiert hatte, erstellte 1971 ein psychiatrisches Gutachten über den Generalmajor und Dissidenten Pjotr Grigorenko, in dem er zu dem Schluss kam, dass Grigorenko geistig gesund war und aus politischen Gründen in psychiatrischen Anstalten einsaß. Daraufhin wurde er verhaftet und wegen "antisowjetischer Agitation und Propaganda" zu sieben Jahren Arbeitslager und drei Jahren Verbannung verurteilt. Er ist Autor zahlreicher Publikationen über Menschenrechte sowie zu Fragen der Sozialpsychiatrie.

Lenin Superman, Collage von Karel Trinkewitz, ohne Titel, o.D., Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, FSO 2-060

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Buchvorstellung von Gerd Koenen: „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“

vom 21.11.2017 | Gerd Koenen; Susanne Schattenberg

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kinder des Oktober - 100 Jahre Revolution und kein Ende? lud die Bremer Forschungsstelle Osteuropa (FSO) den renommierten Historiker Gerd Koenen am 21. November 2017 ein, um über sein Buch "Die Farbe Rot" zu sprechen. Gerd Koenen erzählt in seinem Vortrag eine epische Geschichte eines Traums, der so alt ist wie die Menschheit. Dieser Traum von der großen welthistorischen Kommunion, in der alle Menschen Brüder werden und keiner mehr des anderen Knecht sein muss, hat eine gewaltige Spur durch die Jahrhunderte gezogen, bis im Oktober 1917 die Revolution in Russland den Kommunismus an die Macht bringt. Die Meisterschaft seines Buches besteht darin, dass er vor Augen führt, warum der Kampf um soziale Gerechtigkeit in einer Welt des Kapitalismus bis heute legitim und aktuell ist – aber ebenso wie und weshalb das Rendezvous des Kommunismus mit der Geschichte in Terror und Paranoia endete. Gerd Koenen ist Historiker und Publizist. Er war bis 1982 ein führendes Mitglied des KBW, danach u.a. Redakteur der Zeitschrift Pflasterstrand und Mitarbeiter von Lew Kopelew. Seine historischen Sachbücher wurden vielfach ausgezeichnet.

Flyer der Veranstaltungsreihe: Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert?

Veranstaltungsmitschnitt

Stefan-Ludwig Hoffmann: Jenseits der Imperien? Antikolonialismus, Kommunismus und Menschenrechte

vom 13.06.2017

Worin bestand die globale Anziehungskraft des Kommunismus im 20. Jahrhundert? Das Versprechen, die Ausbeutung im eigenen Land zu beenden war immer auch gebunden an die Idee, zukünftig eine andere, humanere internationale Ordnung zu schaffen: "Die Internationale erkämpft das Menschenrecht." Das Ende des Kolonialismus in den drei Dekaden nach 1945 veränderte die Welt grundstürzend und mit ihr das Völkerrecht. Es waren vor allem die neuen unabhängigen Staaten Afrikas und Asiens (oft mit Unterstützung der Sowjetunion im Kalten Krieg), die in den internationalen Organisationen auf eine postimperiale Weltordnung drängten, aufgebaut auf den Leitbegriffen der Menschenrechte und des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Erst seit den späten siebziger Jahren, vor allem aber nach 1989/90 werden die Menschenrechte vom Westen neu entdeckt und begrifflich gewendet angesichts des Scheiterns der postkolonialen und sozialistischen Staaten und des Absturzes in Bürgerkriege und Genozide. Die Menschenrechte wurden so, wie Hans Magnus Enzensberger 1994 beobachtete, "zum letzten Refugium des Eurozentrismus".

Podiumsdiskussion: Wie über politische Gewalt im Zeitalter der Extreme sprechen? © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Wie über politische Gewalt im Zeitalter der Extreme sprechen?

vom 25.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Podiumsdiskussion: Wie über politische Gewalt im Zeitalter der Extreme sprechen? Es sprechen: Benjamin Ziemann, Sheffield; Zsuzsa Breier, Berlin; Juri Durkot, Lemberg; Jörg Baberowski, Berlin Moderation: Harald Asel, Berlin Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Podiumsdiskussion: Kommunismuserinnerung - (k)ein Thema für die politische Bildung? © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Kommunismuserinnerung - (k)ein Thema für die politische Bildung?

vom 24.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Hören Sie die Podiumsdiskussion zum Thema "Kommunismuserinnerung - (k)ein Thema für die politische Bildung?". Es sprachen Sabine Bamberger-Stemmann aus Hamburg, Melanie Piepenschneider, Thomas Krüger aus Bonn, Anja Kruke aus Bonn sowie Florian Weis aus Berlin. Es moderierte Michael Parak. Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.

Das Publikum der Konferenz © Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Veranstaltungsmitschnitt

Kommunismus-Konferenz, Begrüßungen: Anna Kaminsky, Anja Kruke, Katharina Hochmuth

vom 23.02.2017 | Bundesstiftung Aufarbeitung

Kommunismus-Konferenz, Begrüßungen: Anna Kaminsky, Anja Kruke, Katharina Hochmuth Konferenz: Blinde Flecken in der Geschichtsbetrachtung? Kommunismus im 20. Jahrhundert.