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Sehnsucht nach Einheit: Weimars Erbe in der politischen Kultur der Bundesrepublik

Podcast-Kanal | Veranstaltungsmitschnitt | vom 27.05.2019 | Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam | Stiftung Topographie des Terrors | Humboldt-Universität zu Berlin: Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte

Frank Bösch

Frank Bösch bei seinem Vortrag in der Bundesstiftung Aufarbeitung, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung
Frank Bösch bei seinem Vortrag in der Bundesstiftung Aufarbeitung, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Mitschnitt eines Vortrages im Rahmen der Ringvorlesung „Weimars Wirkung. Das Nachleben der Ersten deutschen Republik“ von Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam.
Die Weimarer Republik steht sowohl für die Spaltung der Deutschen als auch für deren Sehnsucht nach Einheit. So gingen die polarisierten politischen Kämpfe der Zeit mit Appellen an die Volksgemeinschaft und die Einheit der Arbeiterbewegung einher. Der Vortrag fragte, wie die Deutung der politischen „Zersplitterung“ der Weimarer Republik die politische Kultur der Bundesrepublik prägte. Er zeigte, wie sie etwa die Ausbildung von großen Volksparteien, Gewerkschaften und Verbänden förderte. Die Formel der Volksgemeinschaft war zwar diskreditiert, wurde aber durch die Rhetorik der Opfergemeinschaft und eine Betonung der „Mitte“ und „Mittelstandsgesellschaft“ ersetzt. Gerade die deutsche Teilung förderte in der Bundesrepublik eine antikommunistische Beschwörung einer Einheit, die Weimarer Zustände verhindern sollte; in der DDR galt das Einheitspostulat im Sinne einer Geschlossenheit nach Vorgaben der SED ohnehin. Der Vortrag spannte dabei einen Bogen bis zur Neuen Rechten, die mit der Proklamation eines „Volkswillens“ an diese Sehnsucht nach Einheit anknüpft. Ebenso wurde gefragt, ob die Entfernung vom Schreckbild Weimar mit für den heutigen Wandel der politischen Kultur verantwortlich ist.
 

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