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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Anders unter Gleichen. Frauen, Männer und Weiblichkeit im italienischen Kommunismus der Nachkriegszeit

JHK 2015 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 95-112 | Metropol Verlag

Autor/in: Claudia Christiane Gatzka

In der Filmsaga Don Camillo und Peppone, die in den 1950er und 1960er Jahren das italienische Kinopublikum begeisterte, wendet sich der verzweifelte Ehemann einer Kommunistin hilfesuchend an Don Camillo. Er droht damit, seine Frau umzubringen, wenn der Geistliche, der die beiden einst traute, keinen Rat weiß, um ihn aus seiner Unterdrückung zu befreien. Die »verdammte Politik« habe ihm die Frau verdorben, früher sei sie nicht so gewesen. »Sie war ein tüchtiges Mädchen, fleißig und sehr häuslich. Und was hab ich jetzt?« Durch das offene Fenster sieht man die burschikose, schlichte Hosen und kurze Haare tragende Ehefrau Gisella in der Mittagssonne eifrig Parteiplakate kleben. Ihr Ehemann entrüstet sich indes: »Was sagen Sie dazu, ist das vielleicht ’ne Frau, hm?« – »Dafür bin ich nicht zuständig, mein Lieber«, erwidert der Priester, doch dann entfährt auch ihm ein anfangs noch zögerliches, dann bestimmtes: »Nein!« – »So sieht sie immer aus«, fährt der Ehemann fort, »und immer unterwegs! Sie klebt Plakate an, muss zu Versammlungen, zu irgendeiner Demonstration gegen die Neofaschisten ...« Weil auch Don Camillo noch eine Rechnung mit Gisella offen hat, hecken die beiden einen Plan aus: Der Priester überfällt Gisella und zerrt sie in ein Gebüsch, wo der gedemütigte Ehemann ihr Hinterteil mit rotem Lack beschmiert. Im Ort wird »die Superkommunistin«, wie sie genannt wird, daraufhin zum Gespött der Menge. Als Don Camillo dem kommunistischen Dorfhäuptling Peppone verrät, dass Gisellas Ehemann die Schandtat begangen hat, verflucht der cholerische Peppone diesen »Reaktionär« von Ehemann und sinnt auf Rache. Der Priester aber wendet ein: »Das ist eine reine Privatangelegenheit zwischen Mann und Frau und keine Sache der Partei.« – »Ein Mann, der das seiner Frau antut, ist ein Verbrecher. Lächerlich hat er sie gemacht, die arme Person wagt sich ja gar nicht mehr aus dem Haus«, entgegnet Peppone. »Das«, so Don Camillo süffisant, »wollte der Mann damit erreichen.«[ftnref]1[/ftnref]

Das kommunistische Flintenweib, das den Mann unterdrückt, ihm zu Hause – sofern sie denn dort weilt – das Leben zur Hölle macht und obendrein noch optisch vermännlicht, sodass der arme Ehemann seine Ehre nur noch durch Mord oder List retten kann: Dies war ein überspitztes, aber populäres Bild der kommunistischen Frau im Italien des Kalten Krieges. Doch wie nah kam dieser Typ Frau der sozialen Realität in der kommunistischen »Subkultur«?

Der folgende Beitrag geht den Dimensionen von Frau-Sein und den Vorstellungen von Weiblichkeit im kommunistischen Milieu Italiens nach – einem Milieu, das einerseits dem Ideal einer sozialistischen Gesellschaft mit all ihren emanzipatorischen Versprechen entgegenstrebte, andererseits den kulturellen Traditionen Italiens verhaftet blieb.2 Er akzentuiert die Widersprüche und Grenzen weiblicher Emanzipation,3 unterstreicht dabei aber die innere Logik und die Funktionalität dieser Weiblichkeitskonzepte für den Erfolg des Partito Comunista Italiano (Kommunistische Partei Italiens, PCI) als stärkster kommunistischer Partei Westeuropas.

Frauen auf dem politischen Massenmarkt Italiens

Die politischen Geschicke der neu gegründeten Italienischen Republik lagen in besonderer Weise in weiblicher Hand. Frauen waren die Neuankömmlinge auf dem politischen Massenmarkt, der sich nach 1945 ausdifferenzierte. Sowohl die faschistische Inklusionsmaschinerie aus Partei- und Fürsorgeinstitutionen als auch die massive zivile Dimension des Zweiten Weltkriegs und die Resistenza-Erfahrung hatten die italienischen Frauen massenhaft mit Politik und Staat in Berührung gebracht.4 Damit gleichsam als politische Subjekte »aktiviert«, avancierten sie, als ihnen 1946 das volle Wahlrecht zuteilwurde, zum entscheidenden politischen Machtfaktor in der jungen Republik, stellten sie doch stets die Mehrheit der Wahlberechtigten und erwiesen sich als noch diszipliniertere Wählerinnen als die Männer. Schon unmittelbar nach dem Ende des Faschismus war daher vielen Kommunisten klar: Wer die Frauen gewinnt, gewinnt auch die Regierungsmacht.5

Im Vergleich zu ihren Landsmännern die weitaus frommeren Katholiken, neigten Frauen jedoch an der Wahlurne eher den Christdemokraten zu.6 Diese Affinität bestätigte das kommunistische Bild der italienischen Frau: Mit ihrem regelmäßigen Kirchgang unterwarf sie sich der sozialen Kontrolle der örtlichen Priester und trug damit zur Stabilität der hegemonialen katholischen Moral bei, die der Frau ihren »natürlichen« Platz im Haus, bei den Kindern und unter Führung des Ehemannes zuwies.7 Für den PCI war die Frau mithin nicht »unbeschrieben«: Wollte er sie politisch erobern, musste er sie als Frau, die sich im katholischen Wertekosmos und den parochialen Strukturen der Kirche und der patriarchalischen Familie bewegte, ansprechen.

Dabei bewegte er sich auf dünnem Eis, denn im Kalten Krieg war die Frau als Sinnbild der Familie, als Protagonistin der (amerikanisierten) Konsumgesellschaft8 und als moralische Institution9 die wichtigste Projektionsfläche für die in Italien so heftigen Propagandaschlachten zwischen Katholizismus und Kommunismus. Besonders effizient ließen sich die gesellschaftlichen Umbaupläne des PCI gerade mit Verweis auf ihre grundstürzenden Auswirkungen auf Weiblichkeit und Familie verteufeln. Die Frauen bildeten so in vielerlei Hinsicht die Achillesferse des PCI auf dem Weg zur sozialistischen Umgestaltung der italienischen Gesellschaft.

Umgekehrt kann man die Geschichte von Frauen im italienischen Kommunismus auch als Erfolgsgeschichte erzählen. Keiner anderen italienischen Partei gelang es in den 1950er Jahren, derart viele Frauen an sich zu binden wie dem PCI. In absoluten Zahlen war der Höhepunkt 1954 erreicht, als über 575 000 Frauen im Besitz eines PCI-Parteibuchs waren. Schon 1950 besaß die kommunistische Vorfeldorganisation Unione Donne Italiane (Union italienischer Frauen, UDI) über eine Million Mitglieder. Die absoluten Zahlen gingen im Laufe der Dekade zurück, doch der relative Anteil der Frauen im PCI pegelte sich bei circa 25 Prozent ein.10 Ebenso wenig überließen andere Parteien derart viele Führungspositionen und Mandate weiblichen Politikerinnen – dass mit Nilde Jotti ausgerechnet eine Kommunistin 1979 als erste Frau in das Amt der Parlamentspräsidentin gewählt wurde, war nur der sinnfälligste Ausdruck dafür, dass der PCI den italienischen Frauen vergleichsweise gute Karrierechancen eröffnete.

Begleitet waren diese Erfolge nicht nur von der erklärten Absicht der Parteiführung, der Motor weiblicher Emanzipation zu sein, wobei stets vage blieb, was der Terminus »Emanzipation« im Hinblick auf Kommunistinnen bedeuten sollte.11 Die Mobilisierung von Frauen hatte vor allem zum Ziel, sie ideologisch und kulturell zu schulen (häufig auch: zu alphabetisieren) und zum demokratischen Engagement anzuleiten.12 Erziehung zur Demokratie bedeutete im kommunistischen Verständnis freilich zugleich die Erziehung zum Klassenbewusstsein: Die Partei wollte Frauen dazu befähigen, selbstbewusst für ihre Rechte zu kämpfen, doch diese definierten sich nicht in erster Linie über das Geschlecht, sondern über die Klassenzugehörigkeit und mithin über Arbeit.13 Das Emanzipationsversprechen der italienischen Kommunisten an die Frau band sich an die Emanzipation der gesamten Arbeiterklasse. Dies stand ganz im Einklang mit den Gedanken Antonio Gramscis, der zwar für die Unabhängigkeit der Frau vom Mann eingetreten war, um die sexuellen Umtriebe, die er der italienischen Gesellschaft attestierte, einzudämmen. Zugleich aber hatte er angemerkt, der »Maskulinismus« sei nur in einem bestimmten Sinne mit »Klassenherrschaft« vergleichbar und die Frauenfrage sei eher für die »Sittengeschichte«, weniger für die politische Geschichte von Belang.14 Subalterne versus herrschende Klassen – dies war im gramscianischen Denken der geschichtsmächtige und dabei geschlechtslose Antagonismus.

Unter Gleichen bewegte sich die kommunistische Frau also insofern, als die Partei sie – die so häufig Hausfrau war – unumwunden der Arbeiterklasse zuordnete und ihr dieselbe strukturelle Problemlage zuschrieb wie den männlichen Genossen. Zugleich aber galt sie als anders, denn die Kommunisten meinten, dass der weibliche Teil des Volkes in der Praxis auf spezifische Art und Weise zum Fortschritt geführt werden müsse. Das gleiche Ziel auf unterschiedlichen, ja komplementären Wegen zu erreichen – das war der Kern dieser genderspezifischen Strategie im italienischen Kommunismus. Sie lag nicht nur begründet in der kalkulierten Rücksichtnahme auf die Traditionen des Landes und die Stärke der katholischen Hegemonialkultur,15 sondern war auch intrinsisch motiviert: Kommunisten und Kommunistinnen glaubten mehrheitlich an eine essenzielle Geschlechterdifferenz und waren selbst Träger jener moralischen Codes der italienischen Gesellschaft, die Männer und Frauen traditionsgemäß räumlich separierten.

Der Revolutionär ist männlich. Vom Anderssein der Frau und weiblichem (Un-)Vermögen

Als der Eiserne Vorhang gerade gefallen war, ließ der italienische Publizist Marcello Venturi in dem autobiografischen Roman Sdraiati sulla linea [Der Linie folgend] sein früheres Leben als kommunistischer Funktionär wieder aufleben. Das Buch handelt von Männern – ihren politischen Prinzipien, Werdegängen und Netzwerken. Die einzige Frau, der Venturi eine nennenswerte Rolle im Roman einräumt, ist eine fromme Hausfrau: seine Mutter. Als ihr Sohn während der finalen Befreiungskämpfe des Zweiten Weltkriegs in den PCI eintritt, ist sie fassungslos. Wenn er aus Mailand, wo er für die kommunistische Tageszeitung L’Unità arbeitet, zu Besuch kommt, kann sie ihre Sorge ob seines Parteilebens nicht verbergen. Venturi nennt sie eine Mutter, die nie auf Gehör und nie auf Gehorsam stieß. Doch am Ende des Romans wird sie die moralische Siegerin sein. Denn 1956 tritt Venturi, der kommunistischen Disziplin überdrüssig, aus der Partei aus.

Die Figur der Mutter in Venturis Roman ist emblematisch für die Rolle der Frau in der italienischen Gesellschaft. Sie erscheint nicht als »politisches« Wesen, sondern als Allegorie für das Andere, für die Alternative zum Parteileben. Dieses andere Dasein ist beseelt von territorial verwurzelter Volksfrömmigkeit (im Kontrast zur ständigen Reiserei und dem intellektuellen Schweben der kommunistischen Funktionäre) und hat seinen Mittelpunkt in der häuslichen Lebenswelt. Die Szenen des Romans verorten die Mutter immer im selben Raum: Wenn sie sich mit dem Sohn unterhält, sitzt sie am Küchentisch, wenn er zu Hause ankommt, steht sie am Herd, und eines der typischen Geräusche, die er mit seinem Zuhause verbindet, ist das klappernde Hantieren der Mutter in Küche und Speisekammer. Die Küche erscheint als ihr naturgegebener Handlungsraum – und Venturi stellte dies keineswegs infrage, als er sich für die vermeintlich »fortschrittlichste« Kraft seines Landes verdingte. Vielmehr erfährt die traditionelle häusliche Lebenswelt – und mit ihr die Figur der Frau – im Laufe des Romans sogar eine Aufwertung, insofern Venturis Mutter dort instinktiv schon weiß, was der Sohn erst nach zehnjährigen Ausflügen in die abstrakten Weiten kommunistischer Funktionärskultur erkennt: dass das Parteileben nichts für ihn ist.16

Die beinahe völlige Absenz von Frauen auf dem politischen Feld, wie sie in der Autobiografie Venturis zutage tritt, stellte zwar nicht die Regel, aber eine denkbare (männliche) Realität im kommunistischen Milieu dar. Weiblichkeit blieb in diesem Fall eine familiäre, private Dimension im Leben des Genossen, die sein Parteileben nicht berührte oder gar im Widerspruch zu ihm stand.

Zum einen lag dies in den Traditionen der sozialistischen Arbeiterbewegung selbst begründet, denen der PCI auch nach 1945 verpflichtet blieb. Dem Genossen legte die Partei bestimmte Werte, Normen und Lebensformen nahe, welche die moralische Überlegenheit des Proletariats gegenüber der »Dekadenz« des Bürgertums demonstrieren sollten, ihn zugleich aber auch unverkennbar als männlichen Genossen markierten: Gute Physis und kräftiger Körperbau (als Symbole für Heterosexualität und Reproduktivität), Monogamie, Strebsamkeit und Disziplin waren gängige Beschreibungen des idealen kommunistischen Genossen der frühen Nachkriegszeit.17 Das Bild, das die Partei in ihren Anleitungen und Geboten von sich selbst generierte, war ein viriles. Damit stellte sie sich nicht zuletzt auch in die Tradition des faschistischen »neuen Menschen«.18

Zum anderen teilten viele Männer an der PCI-Basis die traditionelle Haltung, dass Frauen in der Politik nichts verloren hätten. Selbst lokale Parteifunktionäre, die im Hinblick auf die von Parteisekretär Palmiro Togliatti geforderte Beteiligung der Frauen eine Vorbildrolle übernehmen sollten, zeigten sich – ob nun im südlichen Brindisi oder im roten Bologna – nicht willens, ihre politische Aktivität auch auf Frauen auszurichten oder weibliche Kommissionen zu bilden. Skepsis gegenüber dem politischen Vermögen von Frauen beherrschte vielerorts die Szenerie im jungen kommunistischen Milieu.19 So konnte es sich zutragen, dass die junge kommunistische Gewerkschaftsfunktionärin Nella Marcellino in der frühen Nachkriegszeit aus Bologna nach Sardinien beordert worden war, um auf einer Kundgebung zum 1. Mai zu sprechen, und die ansässigen Genossen bass erstaunt waren, als sie auftauchte. Sie hatten nämlich gedacht, »Marcellino« sei der Vor- und »Nella« der Nachname, und so hatten sie auch ihre Ankündigungsplakate gedruckt. Nun teilten sie ihr unumwunden mit, es sei undenkbar, dass eine Frau die Kundgebung zum 1. Mai abhalte. Die resolute Marcellino griff dennoch zum Mikrofon und sprach mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch.20 Führende Funktionäre in PCI und Gewerkschaft setzten in Frauen als Rednerinnen durchaus Vertrauen – an der Basis und an der Peripherie aber blieben die Widerstände stark und der öffentlich-politische Raum männlich kodiert.

So mag es kaum überraschen, dass sich kommunistische Frauen selbst im Modus der Unvollkommenheit wahrnahmen. Die Schwierigkeit, mutige und geeignete Rednerinnen zu finden, stellte ein permanentes Problem dar. Auch Funktionärinnen sahen sich mit ihrer beschränkten Ausdrucksfähigkeit konfrontiert, die sie sowohl in den Parteiversammlungen als auch bei Kundgebungen verunsicherte. Männer galten ihnen ganz natürlich als Vorbilder, von denen sie lernten.21 Mitunter aber stilisierten Kommunistinnen die mangelnde rhetorische Kompetenz der Frau zu einer anthropologischen Konstante. Noch Ende der 1970er Jahre erklärte die kommunistische Funktionärin Laura Conti: »Die Frau ist nicht dafür gemacht, auf der Piazza zu sprechen. [...] Eine Menschenmasse zu beeindrucken, hat etwas mit Erotik und Faszination zu tun. Und eine Frau, die eine Kundgebung hält, ist absolut unerotisch. Ein Mann hingegen ist erotisch.«22

Dass die Rolle des Revolutionärs ihnen nicht auf den Leib geschrieben sei, hatte sich mithin auch unter Kommunistinnen mental gefestigt. Bei aller Gewöhnung an die politische Tätigkeit verharrten sie stets in einer geschlechterspezifischen Schüchternheit. Zwar trauten sich auch viele männliche Genossen nicht, auf den Parteiversammlungen das Wort zu ergreifen. Doch ein Blick auf die Diskussionsbeteiligung in den Sektionsversammlungen der 1970er Jahre in Bologna, wo Frauen im Verhältnis zum nationalen Schnitt überrepräsentiert waren, erhellt, dass sich in den Sektionsaussprachen selbst bei so wichtigen Themen wie der Kandidatenliste für die kommenden Parlamentswahlen nur sehr selten Frauen zu Wort meldeten. Konnten Funktionärinnen das Redenschreiben und Redenhalten auch lernen – die offene politische Diskussion blieb eine Männerdomäne.23

Nicht nur die Praxis, auch die von der Parteiführung ventilierten Leitbilder hatten nach 1945 nichts mit dem Typus der Berufsrevolutionärin zu tun. Das war umso seltsamer, als die Resistenza der Frau erstmals den Nimbus der bewaffneten Kämpferin und Märtyrerin hatte zuteil werden lassen, die auf den urbanen Plätzen gehenkt worden war.24 Diese öffentliche Codierung des weiblichen Körpers als eines politischen Körpers bedeutete einen eklatanten Bruch mit alten Geschlechterordnungen in Nord- und Mittelitalien, weil sie die Fähigkeit der Frau zu politischer Aktivität aufzeigte. Die Kommunisten kreierten daraus einerseits das Konzept einer »donna nuova« [»neuen Frau«], die nun moralisch so stark gewachsen sei, dass sie am gesellschaftlichen Fortschritt hin zum Sozialismus aktiv mitarbeiten könne.25 Andererseits aber passten sie sich in die allgemeine Tendenz der Nachkriegszeit ein, Frauen wieder in ihre herkömmlichen Tätigkeits- und Alltagsbereiche zurückzuschicken. Die (bewaffnete) Resistenza wurde bald schon unter dem alleinigen Rubrum männlichen Heldentums erinnert, was auch einen Reflex auf das aufgrund militärischer Niederlagen und massenhafter Kriegsgefangenschaft beschädigte italienische Männlichkeitsbild nach 1945 darstellte.26 Der Einsatz der Ex-Partisaninnen und überhaupt der Frauen in Krieg und Bürgerkrieg wurde sowohl in den Erinnerungsstrategien der Partei als auch in jenen der Protagonistinnen in eine Semantik von Mütterlichkeit gekleidet; damit knüpften sie an die starke italienische Kultur der maternage an, die im Faschismus perpetuiert worden war. Und tatsächlich hatten die Partisaninnen vordergründig ihren männlichen Genossen im Untergrund soziale Hilfestellung gegeben, ihnen Kleidung, Unterschlupf und Nahrung bereitgestellt oder sich um ihre Familien und Kinder gekümmert. Als Meldegängerinnen hatten sie zudem als Knotenpunkte im Informationsnetz des Untergrunds fungiert: allesamt Funktionen, die Anna Bravo symbolisch als Massen-maternage im öffentlichen Raum gedeutet und damit auf die kulturelle Bedeutsamkeit der Mutterschaft in Italien rekurriert hat, die sich aber in gleicher Weise auch im Falle der französischen Kommunistinnen in der Résistance beobachten lassen.27 Spezifisch italienisch erscheint daher nicht so sehr die Arbeitsverteilung innerhalb des Widerstandskampfes, sondern der retrospektive Umgang mit seiner Geschlechterdimension.

Wenn etwa in der Resistenza-Stadt Bologna in der kommunistischen Wochenzeitung La Lotta jeweils ein Genosse und eine Genossin, die im Widerstand ums Leben gekommen waren, mit Bild und kurzer Biografie bedacht wurden, ging es dabei genauer besehen nicht um die »symmetrische« Erinnerung an einen gleichberechtigten Kampf, sondern um die Stilisierung komplementär zueinander in Beziehung stehender Geschlechterrollen. Während die Männer in erster Linie als Kämpfer und durch Attribute wie »fähig« und »bescheiden« beschrieben wurden, zeichneten sich die gefallenen Kommunistinnen häufig durch ihr »großes Herz« oder ihre Mutterschaft aus. Das Muttersein fungierte aus kommunistischer Perspektive geradezu als Grundmotiv weiblicher Partizipation, denn, wie es La Lotta ausdrückte: »Wenn sie ihre Kinder leiden sieht, wird die Mutter zur Löwin.«28 Diese Verbindung von Mutterschaft und Partizipation hatte einen strategischen Wert im Kampf um die Regierungsmacht im Nachkriegsitalien: Wenn sie Kinder zu ernähren hatte, war die Frau in diesen von Inflation und Unterversorgung geprägten Jahren schneller zu mobilisieren. Mutterschaft erschien so als ein Vektor der Kampfeslust, und indem die kommunistischen Märtyrerinnen zu einfachen Müttern stilisiert wurden, die letztlich im Kampf für ihre Kinder gefallen waren, holte man sie einerseits zurück in den Kreis »ganz normaler Italienerinnen« (in Absetzung vom Flintenweib), und versuchte andererseits, den italienischen Frauen zu sagen: Gerade wenn ihr gute Mütter sein wollt, müsst ihr euch uns anschließen.

Noch auf eine andere Art knüpften die kommunistischen Deutungsangebote weiblicher Militanz geschickt an die herkömmliche Alltagswelt italienischer Frauen an. Im »partito nuovo« [»neue Partei«] der Nachkriegszeit entwickelte sich ein Idealbild kommunistischer Partnerschaft, das auf den Mann als den eigentlichen Revolutionär fokussiert war. In Abgrenzung zu den materiell begründeten bürgerlichen Ehen war das kommunistische Paarsein von wahrer Freundschaft, ehrlicher Zuneigung und gegenseitigem Respekt getragen.29 Eine Vorzeigegenossin leistete ihrem Ehemann, den sie im besten Falle mit »Genosse« ansprach, bei seiner Tätigkeit für die Partei moralische Unterstützung. Sie hielt ihm den Rücken frei und war ihm in seiner Rolle als Revolutionär in tiefer Liebe verbunden. Dieses Konzept der kommunistischen Ehefrau, das im Tagebuch Marina Serenis – ein Klassiker im Kanon kommunistischer Erziehung der 1950er Jahre – auflebt, verband auf geschickte Weise die häusliche Liebe mit dem Dienst an der Partei: Für Sereni ist es ihr Mann Emilio, der sie von einem unwissenden egoistischen Mädchen in eine aufopferungsvolle Frau verwandelt hat, deren Lebensaufgabe darin besteht, die edle Mission ihres Mannes zu unterstützen. Für Sereni verkörpert ihr Ehemann die Partei, und ihre Zuneigung zu ihm mündet gleichsam in der Zuneigung zum Kommunismus. Aus Liebe und in der Liebe zum Mann Kommunistin zu sein, formte das Leitbild der kommunistischen Frau im Nachkriegsitalien und integrierte so das traditionelle Stereotyp weiblicher Gefühligkeit in das kommunistische Wertesystem.30

Diese Ausrichtung war die einzig logische Konsequenz aus dem Wandel des PCI zur Massenpartei: Die Frauen, die nun zu Hunderttausenden ins kommunistische Milieu hineinwuchsen, taten dies in aller Regel nicht in Eigenregie, sondern als Partnerinnen von Genossen.31 Der Eintritt in die kommunistische »Subkultur« bedeutete aber nicht, dass die Frauen ihre Rolle als Hausfrauen und Mütter ablegen wollten oder sollten – übrigens ebenso wenig wie in der kommunistischen Subkultur Frankreichs jener Zeit.32 Gerade im Südteil des Landes, aber nicht nur dort, musste der PCI Modelle entwickeln, die es Frauen erlaubten, sowohl Teil der Partei zu sein als auch in ihrem gewohnten Alltag zu verbleiben.33 Zudem ermöglichte das Konzept der kommunistischen Ehe, den Mann zum Erzieher seiner Frau zu bestimmen und somit einerseits die Parteimission der »Demokratisierung« (im oben beschriebenen Sinne der Entwicklung von Klassenbewusstsein) innerhäuslich durchgesetzt zu wissen und zugleich die patriarchalische Familienstruktur zu bestätigen. Die außerhäusliche Aufgabe der Partei, die den Genossen zu einem besseren und klassenbewussten Menschen erzog, duplizierte sich so in der Sphäre des Privaten, wo der Mann als Verkörperung der Partei seine Frau erzog.34

Mit der Betonung weiblicher Diversität und dem Rekurs auf Mutterschaft, eheliche Liebe und Unterordnung baute der PCI den Frauen einen Weg in die kommunistische Welt, ohne dass sie zwangsläufig Haus und Familie verlassen mussten. Dies rettete in aller Regel ihre Ehe. Denn die kommunistischen Genossen waren selbst oft alles andere als offen für emanzipatorische Ideen, die das traditionelle Geschlechterverhältnis infrage stellten.

Separierte Räume, eingeübte Rollen. Die (kalkulierte) Konformität der kommunistischen Geschlechterordnung

Mit der Zentralität der Familie, die im Nachkriegsitalien erneut einen Boom erfuhr, war die Verortung der Frau im häuslichen Bereich aufs Engste verknüpft.35 Die Kommunisten erwiesen sich in dieser Hinsicht als außerordentlich konform. Schon Gramsci hatte implizit die Frau an Haus und Familie gebunden, als er in den Gefängnisheften – mit Blick auf die »totalitäre« Gesellschaftsordnung des Faschismus – von einer »Krise der Familieninstitution« gesprochen hatte, die sich in einer gewandelten Stellung der Frau in der Gesellschaft manifestiere. Dass die Kindererziehung laut Gramsci mehr und mehr dem Staat überlassen werde, lasse die Kinder gefühlsmäßig verarmen und führe zu einer »Mechanisierung des Lebens«. Gute Argumente für die außerhäusliche Tätigkeit von Frauen waren beim Vordenker des italienischen Kommunismus nicht zu finden.36

Zu Hause erwies sich der kommunistische pater familias kaum als progressive Alternative zum Nichtkommunisten. Noch in den 1970er Jahren erklärte die 1924 geborene Kommunistin Cecilia Pron, die Genossen ihrer Generation führten sich »nicht anders als irgendein Bürgerlicher« auf. »Wenn es gilt, zu einer Versammlung zu gehen, dann geht der Mann dorthin und die Frau, auch wenn sie Genossin ist, bleibt zu Hause, um sauber zu machen, und soll den Ehemann verehren und ihm dienen. [...] Offiziell und in der Theorie akzeptiert man den Fakt, dass die Frau gleichgestellt ist, aber nur solange es sich nicht um die eigene Schwester, die eigene Frau oder die eigene Tochter handelt.«37

Die hybride kommunistische Moralwelt der 1950er und 1960er Jahre brachte vor allem für Töchter und junge Frauen Regelkonfusionen mit sich. Zwar stellten Genossen der inkriminierten bürgerlichen Spießbürgerlichkeit eine nicht weiter definierte »Fortschrittlichkeit« etwa im Hinblick auf die kommunistische Liebe entgegen. Doch konkret bedeutete dies meist nichts anderes, als dass lediglich das Explizieren von Tabus, nicht aber ihre Wirkmächtigkeit ein Ende fand. So fiel die 18-jährige Tochter eines kommunistischen Vaters aus allen Wolken, als sie zu Hause ihren Freund präsentierte, der noch verheiratet war und von seiner Frau getrennt lebte, und der moralisch empörte Vater sie daraufhin ins Erziehungsheim und den Ehebrecher ins Gefängnis schicken wollte.38

Auch verheiratete Frauen führten im kommunistischen Milieu selten ein Leben im Zeichen der Emanzipation. Häusliche Gewalt und mangelnder Respekt gegenüber der Frau waren in linken Haushalten ebenso wenig untypisch wie anderswo.39 Die von der Partei gewünschten Erziehungsleistungen ließen da zu wünschen übrig, wo der Ehemann kaum mit seiner Frau sprach und sich erst recht weigerte, politische Probleme – gar in der Öffentlichkeit – mit ihr zu diskutieren.40 Im von der UDI vertriebenen Frauenmagazin Noi Donne wurden die häuslichen Probleme der kommunistischen Frau zwar beherzt aufgegriffen und diskutiert, etwa in Artikeln über den »idealen Ehemann« und die vermeintliche Fortschrittlichkeit der Sowjetunion in Sachen weiblicher Gleichberechtigung.41 Doch die gleich auf der ersten Seite des Wochenmagazins eingerichtete Seelsorgerspalte, wo Leserinnen Lebensberatung erhielten, verdeutlicht, dass die Sorgen kommunistischer Frauen sich in nichts von denen der Leserinnen anderer Frauenmagazine unterschieden.42

Die paradiesischen sowjetischen Frauenwelten, wie sie die kommunistische Parteipresse suggerierte, vermochten die Moral italienischer Kommunistinnen kaum zu stärken. Selbst im roten Bologna war es unüblich, in den weiblichen Versammlungen über die Sowjetunion zu sprechen. Anlässlich des »Monats der italienisch-sowjetischen Freundschaft« monierten Bologneser Funktionäre 1949, die Genossinnen interessierten sich nicht für die russischen Frauen und dafür, wie sie lebten und was sie erreicht hätten.43

Auch ohne die bewusste Referenz auf die Sowjetunion fanden sich Frauen durch Initiativen des PCI zweifellos in einem Maße auf den Straßen und Plätzen ein, das neuartig war und der Öffentlichkeit sukzessive die Politisierung der Frau vorführte.44 Dass Frauen öffentlich meist im Zusammenhang mit familienpolitischen Themen in Erscheinung traten und vor allem für die Friedenskampagne demonstrierten, vermittelte aber zugleich, dass sie als politische Akteurinnen weiblichen Sujets verpflichtet blieben.

Nicht immer jedoch reichte die Toleranz der kommunistischen Ehemänner aus, um ihre Frauen und Töchter im Dienste der Partei tätig werden zu lassen – dies galt vor allem für Süditalien. Doch wie sollte der Kommunismus die führende gesellschaftliche Kraft des Landes werden, wenn nicht einmal die eigenen Genossen in ihren Familien neue Mitglieder rekrutierten?45 In den lokalen PCI-Führungskomitees des Mezzogiorno stand diese »südliche Mentalität«46 daher in der Kritik und wurde als regelrechte Sabotage des Parteifortschritts angesehen. Viele Funktionäre beklagten die weibliche Lebenswelt im süditalienischen Milieu: ohne Kontakte zur proletarischen Welt der Fabrik und in dem schier »unabwendbaren Unglück, lediglich den Strumpf und den Kochtopf zu kennen«.47 Doch sie waren gegenüber der PCI-Basis in der Minderheit.

Selbst bereits rekrutierte Arbeiterinnen waren im Süden eigentlich nur in der Fabrik zu erreichen. An Parteiversammlungen konnten sie nicht teilnehmen, hatten sie sich doch außerhalb der Arbeitszeit um ihre Familie zu kümmern oder dem Ehemann gehorsam zu sein, der nicht goutierte, dass seine Frau in der PCI-Sektion oder im Casa del popolo [Volkshaus] auf fremde Männer traf.48 Es wäre jedoch übertrieben, diese Probleme nur unter dem Rubrum patriarchalischer Unterdrückung zu verhandeln – häufig war die Bedürfnislage der Ehefrauen aufgrund der geschlechterübergreifenden Konformität gegenüber den Normen der lokalen Gesellschaft nicht weit von der ihrer Ehemänner entfernt.49

Die einzige Lösung schien daher die Separierung der Frauenarbeit. Die Initiative zu den weiblichen Parteizellen und -kommissionen, die auch in den Fabriken eingerichtet wurden, wurzelte aber nicht nur in der Sittenwelt des Mezzogiorno, sondern stellte sich auch in die Tradition katholischer Organisationen. Unbenommen der Kritik einiger alter Berufsrevolutionärinnen kam die getrennte Frauenarbeit auch bei den Norditalienerinnen gut an, denn ihre Erfahrung hatte gezeigt, dass die Frauen sich vor Männern nicht trauten, mitzudiskutieren.50 Insofern der Zweck der separierten Frauenarbeit aber darin bestand, dass sich Frauen unter ihresgleichen spezifisch frauenpolitischen Problemen widmeten, musste sie die Geschlechterdifferenz im kommunistischen Milieu noch vertiefen. Zudem trug sie kaum dazu bei, dass sich Frauen in den nach wie vor gemischten Sektionsversammlungen sicherer fühlten, das Wort zu ergreifen. Dennoch verhalf die Geschlechtertrennung dem PCI gerade unter den Frauen des Mezzogiorno erst zu seiner Attraktivität – die Sozialistische Partei, die sich gegen eine separierte Frauenarbeit entschieden hatte, war von den weiblichen Rekrutierungserfolgen der Kommunisten weit entfernt.51

Das Problem der Außerhäuslichkeit von Parteiaktivitäten blieb aber trotz der Einrichtung weiblicher Sektionen bestehen. Wo die Frau nicht auf die Straße gelockt werden konnte, kam der PCI zu ihr nach Hause. In Süditalien brüsteten sich die Genossen damit, dass die Frauen, die in die Partei eintraten, gerade »nicht mit ihrem gewohnten Leben brechen« mussten. Die Frau, die etwa in Bari in den PCI eintrat, blieb zur Zufriedenheit der lokalen Funktionäre Hausfrau, Gemahlin und liebevolle Mutter, »die Partei wirft sie nicht in ein neues Leben hinein«.52

Möglich wurde dies dadurch, dass die weiblichen Zellen ihre Versammlungen in der Nachbarschaft durchführten, sodass die Genossinnen buchstäblich nur um die Ecke zu gehen brauchten und ihre Kinder mitnehmen konnten: Sie gingen zur Versammlung, »so als gingen sie zu ihrer Freundin, zu einer Nachbarin«. Zu den Kongressen der Frauenzellen, die im geschmückten häuslichen Wohnzimmer mit anschließendem Tanz stattfanden, wurde dann gleich die ganze weibliche Nachbarschaft eingeladen, und man nahm zufrieden zur Kenntnis, dass sich die eine oder andere nach diesem fröhlichen Fest in die Partei einschrieb, obwohl ihr Ehemann Christdemokrat, Neofaschist oder Monarchist war.53 Auf diese Weise gelang es dem PCI, sich die Frau in ihrer Häuslichkeit und ihrer traditionellen Funktion als Knotenpunkt sozialer Netze zunutze zu machen – eine Strategie, die auch im Norden des Landes griff.54

Gabriella Gribaudi hat darauf hingewiesen, dass die Rolle der Frau innerhalb der Familie und der italienischen Gesellschaft keineswegs nur in Kategorien patriarchalischer Subalternität gelesen werden darf. Die Frau kontrollierte die sozialen Beziehungen in Familie und Nachbarschaft, auf die auch der Mann angewiesen war, sie war für die Kindererziehung verantwortlich, sie hatte eine wichtige ökonomische Funktion für die Familie, und aus ihr erwuchs im Land des Marienkults auch eine Art mythische Macht, die zum Motiv der italienischen Literatur und des Theaters wurde und die bei Männern häufig zu Ängsten und Obsessionen führte.55 Die Partei nutzte diese Potenz der Frau, die sich gerade aus ihrer Differenz zum Mann ergab, und gewissermaßen wollte sie ihr diese Macht erhalten. In all den traditionellen weiblichen Funktionen erblickten PCI und UDI Kanäle, die kommunistische Wertewelt aus dem öffentlichen Bereich hinein in die häusliche Sphäre zu tragen, und erst dadurch entfaltete sich der Kommunismus zu einem sozialmoralischen Milieu, das nicht nur das politische Denken, sondern auch die Lebensweise beeinflusste.

Die regelmäßigen Rubriken des Frauenmagazins Noi Donne machen deutlich, wie gut sich die Frau als »Einfallstor« kommunistischer Kultur in Haus und Familie eignete. Hier konnten die Kommunisten – mit Werbung für spezifische Produkte, Reisereportagen aus dem Osten und typisch italienischen Kochrezepten – die Frau als Hüterin des Familieneinkommens ansprechen und somit die Konsumgewohnheiten der kommunistischen Familie beeinflussen. Hier hatten sie – mit Schmink- und Modetipps – Gelegenheit, den westlichen Werbeikonen eine gemäßigt amerikanisierte, als spezifisch »italienisch« markierte Ikonografie weiblicher Schönheit entgegensetzen.56 Hier konnten sie zudem Erziehungstipps geben und damit die kulturelle Bildung des kommunistischen Nachwuchses beeinflussen. Tipps zur richtigen Hauspflege und Hygiene rundeten das Angebot kommunistischer Lebens- und lifestyle-Beratung für die italienische Hausfrau ab und waren, ebenso wie die anderen Ru-
briken, auf die spezifischen Bedürfnisse der Leserinnen in einem umkämpften Presse-
markt abgestimmt.

Auch in der Praxis politischer Aktivität wurden kommunistische Frauen am ehesten in ihren angestammten gesellschaftlichen Rollen sichtbar – und das war wichtig, denn es demonstrierte der Öffentlichkeit stets, dass die Partei von der Züchtung kommunistischer Flintenweiber weit entfernt war. Wie im Faschismus, in den Weltkriegen und in der frühen Feminismusbewegung um 1900 waren kommunistische Frauen in erster Linie auf dem Feld der assistenza [Fürsorge] tätig.57 Insbesondere bei der Kinderbetreuung in Partei-Ferienlagern und -Kindergärten bewährten sie sich als Ersatzmütter, und symbolisch stand dies ebenfalls für die Einpassung des PCI in die Traditionen des Landes: Wie die Frau für die Deszendenz der Familie, so war die Genossin für die Nachkommenschaft der Partei verantwortlich. Auch den Einsatz der Frau für die von den Feministinnen der 1970er Jahre verurteilten Sekretärinnenaufgaben in den Sektionsbüros – während die Männer die inhaltlichen Aufgaben übernahmen – kann man als Reminiszenz an die herkömmliche Funktion der Frau als Knotenpunkt sozialer Netze deuten. Und die alljährlichen kommunistischen Volksfeste zu Ehren des Parteiblattes, die Feste dell’Unità, waren auch deshalb ein beliebtes Familienspektakel, weil die Genossinnen hier ihre Kochkünste unter Beweis stellen konnten.58

Feste wie diese waren ebenso wie der samstägliche Tanz in der Casa del popolo Gelegenheiten für Ausgelassenheit, Partnersuche und die Lust am Sehen und Gesehen-Werden, die sich nach 1945 in der Jugend- und Freizeitkultur ausbildeten und welche die Kommunisten mit ihrer im Vergleich zu den katholischen Organisationen (wo Tanz verboten war) weniger rigiden Freizeitpolitik ein Stück weit mit vorantrieben. Einerseits lag gerade hierin das Problem für viele kommunistische Männer, die in der Partei nicht ganz zu Unrecht eine Ermöglichungsstruktur für amouröse Abenteuer ihrer Ehefrauen und Töchter sahen. Andererseits bot die Fest- und Tanzkultur die Chance, die kommunistische Frau in ihrer Körperlichkeit für die Selbstverständigung im Milieu und die Selbst-
repräsentation nach außen zu nutzen. Dies war notwendig in einer Zeit, in der auch der physische Aspekt der Frau, wie bei Don Camillo und Peppone, Eingang in die Propagandaschlachten Italiens fand. So ereiferte sich im Wahlkampf 1948 die rechte Zeitschrift Oggi unter der Überschrift »Le Reginette del Cominform« [»Die Schönheitsköniginnen der Kominform«] über das vermeintlich maskuline und darin ganz und gar »unitalienische« Aussehen einiger führender Kommunistinnen, darunter Rita Togliattis, der Ehefrau des Parteisekretärs.59

Dergestalt unter öffentlichem Druck, erwies sich der PCI als überaus zugänglich für die Mystik der bellezza [Schönheit], die aus dem italienischen Weiblichkeitsdiskurs nicht wegzudenken ist und in der Nachkriegszeit zur Konstruktion der nationalen Identität beitrug.60 Auch die kommunistischen Männer antworteten 1954 auf die Frage des Emanzipationsorgans Noi Donne, was eine gute Ehefrau ausmache, mit: Schönheit.61 Und während des Wahlkampfes 1946, als die Italiener zwischen Republik und Monarchie zu entscheiden hatten und Frauen erstmals das volle Wahlrecht ausüben durften, prämierte die Partei auf dem römischen Palatin die »schöne Republikanerin«. Für die Jury war sich selbst eine Urahnin des italienischen Feminismus, die kurz zuvor dem PCI beigetretene Schriftstellerin Sibilla Aleramo, nicht zu schade – die im Übrigen selbst glücklich in ihrem Tagebuch vermerkte, wenn in kommunistischen Magazinen Fotos von ihr erschienen, die ihre Attraktivität unterstrichen.62 Zur Tradition entwickelten sich kommunistische Schönheitswettbewerbe seit den 1950er Jahren einerseits durch die Wahl der »Miss Vie Nuove« (einem kommunistischen Freizeitmagazin), andererseits als Höhepunkte der Feste dell’Unità, wo die hübschesten Frauen des Ortes in offenkundiger Anlehnung an die Hollywood-Kultur zu den Stelline [Sternchen] gekürt wurden und ihr Foto anschließend im kommunistischen Lokalblatt bewundern durften.63 Im Einklang mit Gramsci stand diese Entwicklung keineswegs, denn für ihn galten Schönheitswettbewerbe, Kino und andere amerikanische Kulturformen, welche »die weibliche Schönheit der Welt [...] unter den Hammer [bringen]«, als Zeichen des moralischen Verfalls und darin eigentlich als ein Phänomen der Oberschichten.64 Für eine Partei, die Massenpartei sein wollte und mithin auf eine weite Umwelt attraktiv wirken musste, war es jedoch unumgänglich, sich anzupassen. Mit der Teilnahme am Schönheitskult und der Betonung der Attraktivität der eigenen Frauen stellte sie den amerikanisch geprägten Schönheitsidealen eine eigene Ästhetik entgegen, die sehr weiblich und sehr italienisch war. Im Medium der kommunistischen Frau versicherte sich das italienische Parteimilieu seiner eigenen italianità [Italianität].

Fazit

Keine Partei zog im Nachkriegsitalien so viele Frauen an wie der PCI, und keine Partei brachte so viele Frauen als politische Aktivistinnen nach außen hin sichtbar auf die Straßen und Plätze. Die kommunistische Mobilisierung der Frau erfolgte unter der Prämisse, dass sie einerseits Teil der Arbeiterklasse war, andererseits aber aufgrund geschlechtsspezifischer Eigenschaften auf besondere Art und Weise politisch sozialisiert werden müsse. Wie in der traditionellen Gesellschaftsordnung kursierten auch im kommunistischen Feld Weiblichkeitsvorstellungen, welche die Frau im häuslichen Bereich verorteten und ihre Funktionen als Mutter und Ehefrau betonten. Die ihr zugeschriebene Rolle in der kommunistischen Familie wie in der kommunistischen Parteiorganisation kreiste um die Funktion der Unterstützung, der assistenza, und war darin komplementär zu den Funktionen männlicher Genossen, denen der eigentliche Kampf für den Sozialismus überantwortet wurde. Aufgrund dieser konformen Vorstellungswelt italienischer Kommunisten wie Kommunistinnen gleichermaßen segregierte der PCI die männliche und die weibliche Parteiarbeit an der Basis wie innerhalb des Parteimilieus und seiner familiären Strukturen. Dahinter verbarg sich jedoch nicht kruder Patriarchalismus, sondern eine funktionale Differenzierung entlang der Geschlechter, die dem PCI vor allem in Süditalien den Zugriff auf die Gesellschaft erleichterte und seine Milieuwerdung förderte, namentlich indem die Frau – wie im Faschismus – als Kanal diente, die häusliche Welt, die Freizeit- und Konsumkultur sowie die Felder der Fürsorge und Erziehung zu erobern. Auf diese Weise und im Medium des bellezza-Kults, den die Kommunisten in Anlehnung an die Hollywood-Kultur ausbildeten, diente die Frau der Selbstvergewisserung des Milieus nach außen und innen, »italienisch« zu sein und nicht der innere Feind im Kalten Krieg.

Mit dieser weiblichen Rolle der bezaubernden Assistentin des männlichen Revolutionärs erwies sich der PCI einerseits als anschlussfähig an eine Gesellschaft, die auf klaren Rollenzuweisungen beruhte – und dieser Konservatismus war Teil seines Erfolgs. Andererseits machte er sich damit aber angreifbar für die Kritik des Neofeminismus: Erst mit dem allgemeinen gesellschaftlichen Wertewandel der späten 1960er und 1970er Jahre und seiner Trägerin, der jüngeren Generation, kamen die im Milieu herrschenden Geschlechterrollen explizit aufs Tapet – erwiesen sich jedoch darüber hinaus als überaus persistent.65

[ftntext] Don Camillo monsignore ma non troppo [dt. Fassung: Hochwürden Don Camillo], Italien/Frankreich 1961. Für den Hinweis danke ich Thomas Mergel. [/ftntext]

2 Siehe Claudia Christiane Gatzka: Der »neue Mensch« auf ausgetrampelten Pfaden. Kommunistische Bewährung und politischer Massenmarkt im postfaschistischen Italien, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2012, Berlin 2012, S. 145–157.

3 Einschlägige Studien arbeiten die kulturellen Widersprüche im PCI-Milieu gut heraus. Siehe Sandro Bellassai: La morale comunista. Pubblico e privato nella rappresentazione del PCI (1947–1956) [Die kommunistische Moral. Das Öffentliche und das Private in der Vorstellung des PCI (1947–1956)], Rom 2000; Maria Casalini: Le donne della sinistra (1944–1948) [Die Frauen der Linken (1944–1948)], Rom 2005; dies.: Famiglie comuniste. Ideologie e vita quotidiana nell’Italia degli anni Cinquanta [Kommunistische Familien. Ideologien und Alltagsleben im Italien der Fünfzigerjahre], Bologna 2010. Siehe auch Pamela Schievenin: Italian communism and the »woman question« in post-war Italy: from memory to history, in: Twentieth Century Communism 4 (2012), S. 189–199.

4 Für einen konzisen Überblick siehe Perry Willson: Women in Twentieth-Century Italy, Basingstoke 2010.

5 Siehe Miriam Mafai: L’apprendistato della politica. Le donne italiane nel dopoguerra [Das Praktikum der Politik. Die italienischen Frauen in der Nachkriegszeit], Rom 1979, S. 67.

6 Siehe Mario Caciagli: Erosioni e mutamenti nell’elettorato democristiano [Erosionen und Wandlungen in der christdemokratischen Wählerschaft], in: ders./Alberto Spreafico (Hg.): Vent’anni di elezioni in Italia, 1968–1987 [Zwanzig Jahre Wahlen in Italien, 1968–1987], Padova 1990, S. 3–30, hier S. 26 f.

7 Siehe Per chi voterà tua moglie? [Für wen wird deine Ehefrau wählen?], in: Quaderno dell’attivista Nr. 8 vom 16. April 1953, S. 239. Siehe Marina D’Amelia: La mamma [Die Mama], Bologna 2005.

8 Siehe Luisa Passerini: The Ambivalent Image of Women in Mass Culture, in: Françoise Thébaud (Hg.): Toward a Cultural Identity in the Twentieth Century (= A History of Women in the West, Bd. 5), Cambridge/MA 1996, S. 324–342.

9 Siehe Mariolina Graziosi: La donna e la storia. Identità di genere e identità collettiva nell’Italia liberale e fascista [Die Frau und die Geschichte. Geschlechteridentität und kollektive Identität im liberalen und im faschistischen Italien], Neapel 2000.

10 Siehe Agopik Manoukian u. a.: La presenza sociale del PCI e della DC [Die soziale Präsenz des PCI und der DC], Bologna 1968, S. 220; Gianfranco Poggi u. a.: L’organizzazione partitica del PCI e della DC [Die Parteiorganisation des PCI und der DC], Bologna 1968, Kap. 3.

11 Siehe Palmiro Togliatti: Problemi dell’emancipazione della donna [Probleme der Emanzipation der Frau], Rom 1955; Maria Casalini: Il dilemma delle comuniste. Politiche di genere della sinistra nel secondo dopoguerra [Das Dilemma der Kommunistinnen. Geschlechterpolitiken der Linken in der Nachkriegszeit], in: Nadia Maria Filippini/Anna Scattigno (Hg.): Una democrazia incompiuta. Donne e politica in Italia dall’Ottocento ai nostri giorni [Eine unvollendete Demokratie. Frauen und Politik in Italien vom 19. Jahrhundert bis in unsere Tage], Mailand 2007, S. 131–153.

12 Die Forschung würdigt inzwischen die realen Erfolge in der Erziehung zur Demokratie durch den PCI. Speziell zu den Frauen siehe Edda Guerra: Modelli sociali di genere e cittadinanza politica [Soziale Modelle von Geschlecht und Staatsbürgerschaft], in: Mariuccia Salvati (Hg.): La fondazione della repubblica. Modelli e immaginario repubblicani in Emilia e Romagna negli anni della Costituente [Die Gründung der Republik. Republikanische Modelle und Vorstellungen in Emilia und Romagna in den Jahren der Verfassunggebenden Versammlung], Mailand 1999, S. 124–142; Willson: Women (Anm. 4), S. 142.

13 Auch die Vertreterinnen der UDI setzten Emanzipation in erster Linie mit dem »Recht auf Arbeit« gleich. Siehe Documento per la preparazione del VI° Congresso Nazionale dell’UDI [Dokument für die Vorbereitung des VI. Nationalen Kongresses der UDI], Februar 1959, in: Fondazione Gramsci Emilia-Romagna, Archivio PCI, Federazione provinciale di Bologna/Stiftung Gramsci Emilia-Romagna, Archiv des PCI, Provinzverband Bologna (im Folgenden: FGER-PCI), s.: Commissioni, sezioni di lavoro e dipartimenti [Kommissionen, Arbeitssektionen und Abteilungen], ss.: Commissione femminile [Frauenkommission], ss.: Unione Donne Italiane (UDI), f. 1952–1960, Bl. 1. Siehe auch Mafai: L’Apprendistato (Anm. 5).

14 Siehe Antonio Gramsci: Heft 1 § 62. Gefängnishefte, Bd. 1, hg. von Klaus Bochmann und Wolfgang Fritz Haug, Hamburg 1991, S. 133 f.; ders.: Heft 3 § 18. Gefängnishefte, Bd. 2, hg. von Klaus Bochmann und Wolfgang Fritz Haug, Hamburg 1991, S. 347.

15 Siehe Casalini: Le donne (Anm. 3).

16 Siehe Marcello Venturi: Sdraiati sulla linea. Come si viveva nel PCI di Togliatti [Der Linie folgend. Wie man im PCI Togliattis lebte], Mailand 1991, insb. S. 1 f., 7, 106 u. 108 f.

17 Siehe dazu umfassend Bellassai: La morale comunista (Anm. 3).

18 Siehe Sandro Bellassai: Mascolinità e relazioni di genere nella cultura politica comunista (1947–1956) [Maskulinität und Geschlechterbeziehungen in der kommunistischen politischen Kultur (1947–1956)], in: ders./Maria Malatesta (Hg.): Genere e mascolinità. Uno sguardo storico [Geschlecht und Maskulinität. Ein historischer Blick], Rom 2000, S. 265–301; Gigliola Gori: Model of Masculinity: Mussolini, the »New Italian« of the Fascist Era, in: James A. Mangan (Hg.): Superman Supreme. Fascist Body as Political Icon – Global Fascism, Portland 2000, S. 27–61.

19 Siehe Verbale della riunione del Comitato Regionale delle Puglie [Protokoll der Sitzung des Regionalkomitees Apuliens] vom 20. Januar 1948, in: Fondazione Gramsci di Puglia, Archivio PCI, Comitato regionale della Puglia/Stiftung Gramsci Apulien, Archiv des PCI, Regionalkomitee Apulien (im Folgenden: FGPU-PCI-CR), S. 1, ua. 1, Bl. 7. Zu Bologna, wo selbst 1952 noch keine weibliche Kommission existierte, weil die führenden Bologneser Genossen von einer generellen »Minderwertigkeit« der Frau ausgingen, siehe Bellassai: Mascolinità (Anm. 18), S. 284 f. Siehe auch Nella Marcellino: Le tre vite di Nella [Die drei Leben der Nella], hg. von Maria Luisa Righi, Mailand 2009, S. 159.

20 Siehe Marcellino: Le tre vite (Anm. 19), S. 175.

21 Siehe ebd., S. 166.

22 Interview mit Laura Conti, in: Erica Scroppo: Donna, privato e politico. Storie personali di 21 donne del PCI [Frau, Privates und Politisches. Persönliche Geschichten von 21 Frauen des PCI], Mailand 1979, S. 115.

23 Siehe dazu die Protokolle in FGER-PCI, s.: Elezioni e referendum [Wahlen und Referenden], ss.: Elezioni politiche [Parlamentswahlen], ua.: Elezioni politiche del 20 e 21 giugno 1976 [Parlamentswahlen vom 20. und 21. Juni 1976], b. 1, f. 1, sf. 2.

24 Siehe La Lotta [Bologna] vom 16. Juni 1945.

25 Siehe Bellassai: La morale comunista (Anm. 3), S. 254.

26 Siehe Willson: Women (Anm. 4), S. 111.

27 Siehe Anna Bravo: Simboli del materno [Symbole des Mütterlichen], in: dies. (Hg.): Donne e uomini nelle guerre mondiali [Frauen und Männer in den Weltkriegen], Rom/Bari 1991, S. 96–134. Zu den Französinnen siehe Cristina Léon: Zwischen Paris und Moskau. Kommunistische Vorstadtidentität und lokale Erinnerungskultur in Ivry-sur-Seine, München 2012, S. 108 f.

28 La Lotta [Bologna] vom 2. Juni 1945 u. 9. Juni 1945.

29 Siehe die für Jugendschulungen eingesetzte Broschüre von Edoardo D’Onofrio: Una famiglia di comunisti. Commento a »I giorni della nostra vita« di Marina Sereni [Eine Familie aus Kommunisten. Kommentar zu »Tage unseres Lebens« von Marina Sereni], Rom [1955], S. 8–11. Siehe auch Casalini: Famiglie comuniste (Anm. 3), S. 146.

30 Siehe Marina Sereni: Tage unseres Lebens, Berlin 1958. Siehe dazu Casalini: Famiglie comuniste (Anm. 3), S. 38 f.

31 Siehe ebd., S. 152 f.

32 Siehe Gérard Vincent: Die Kommunisten: Eingriff und Realitätsverleugnung, in: Antoine Prost/ders. (Hg.): Vom Ersten Weltkrieg zur Gegenwart (= Geschichte des privaten Lebens, Bd. 5), Frankfurt/M. 1993, S. 381–411, hier S. 396–399. Auch die Wahlkampfaktivitäten der UDI richteten sich vornehmlich auf die Frauen in ihrer Rolle als Mütter. Siehe Patrizia Gabrielli: Educare alla democrazia: donne alla prova del voto [Erziehung zur Demokratie: Frauen haben abgestimmt], in: Piergiovanni Genovesi/Giuseppe Papagno (Hg.): Educazione e politica in Italia (1945–2008) [Bildung und Politik in Italien (1945–2008)], Bd. I: Identità e legittimazione politica [Identität und politische Legitimität], Mailand 2009, S. 87–104, hier S. 96 f.

33 Zur Strategie des PCI, eine »Familienpartei« zu sein, um die ganze Familie der Genossen in die Partei integrieren zu können, siehe Renzo Martinelli/Guido Gozzini: Storia del partito comunista italiano. Dall’attentato a Togliatti all’VIII congresso [Geschichte der Kommunistischen Partei Italiens. Vom Attentat auf Togliatti bis zum 8. Kongress], Turin 1998, S. 287.

34 Siehe Casalini: Famiglie comuniste (Anm. 3), S. 40 f.

35 Zur Bedeutsamkeit der Familie im Nachkriegsitalien siehe Paul Ginsborg: Family, Culture and Politics in Contemporary Italy, in: Zygmunt G. Baranski/Robert Lumley (Hg.): Culture and Conflict in Postwar Italy. Essays on Mass and Popular Culture, Basingstoke 1990, S. 21–49.

36 Siehe Gramsci: Heft 3 § 61 (Anm. 14), S. 380.

37 Interview mit Cecilia Pron, in: Scroppo: Donna (Anm. 22), S. 133.

38 Siehe Casalini: Famiglie comuniste (Anm. 3), S. 148 f.

39 Siehe Bellassai: La morale comunista (Anm. 3), S. 209–213.

40 Siehe Bellassai: Mascolinità (Anm. 18), S. 277 f. u. 290.

41 Siehe Noi Donne vom 4. Januar 1953, 23. Januar 1955, 17. April 1955, 1. Mai 1955. In der Literatur wird der Beitrag von Noi Donne zur sukzessiven »Modernisierung« kommunistischer Geschlechterordnungen betont. Siehe Casalini: Le donne (Anm. 3); dies.: Famiglie comuniste (Anm. 3).

42 Siehe Gabriella Parca: Le italiane si confessano [Die Italienerinnen erklären sich], Florenz 1959.

43 Siehe Verbale di riunione del Comitato esecutivo [Protokoll der Versammlung des Exekutivkomitees des PCI Bologna] vom 30. September 1949, in: FGER-PCI, S. Comitato Esecutivo. Verbali [Exekutivkomitee. Versammlungsprotokolle], Bl. 15.

44 Siehe Wendy Pojmann: Italian Women and International Cold War Politics, 1944–1968, New York 2013.

45 Siehe Verbale della riunione del Comitato Regionale delle Puglie [Protokoll der Sitzung des Regionalkomitees Apuliens] vom 20. Januar 1948, in: FGPU-PCI-CR, S. 1, ua. 1, Bl. 7.

46 Verbale del Congresso d’organizzazione delle sezioni del Partito Comunista della Provincia di Bari [Protokoll des Organisationskongresses der Sektionen der Kommunistischen Partei der Provinz Bari] vom 23.–25. Oktober 1944, in: FGPU, Archivio PCI, Federazione provinciale di Bari, s. 2,
ss. 1, ua. 36, Bl. 46.

47 Ebd., Bl. 41.

48 Siehe ebd., Bl. 40. Zur Eifersucht der Genossen und ihrem Unwillen, auf die Kinder aufzupassen, während die Frau in eine Parteiversammlung ging, siehe Interview mit Giorgina Levi, in: Scroppo: Donna (Anm. 22), S. 66; Bellassai: Mascolinità (Anm. 18), S. 282 f. u. 290.

49 So argumentiert auch Casalini: Famiglie comuniste (Anm. 3).

50 Siehe Marcellino: Le tre vite (Anm. 19), S. 163.

51 Zu den Sozialisten siehe Casalini: Le donne (Anm. 3), Kap. 7.

52 Brief von D. Ciufoli an die Direktion des PCI, Organisationskommission, vom 6. April 1947, in: FGPU-PCI-CR, s. 1, ua. 1, Bl. 4.

53 Siehe ebd.

54 Siehe Claudia Christiane Gatzka: Klassenkampf am Küchentisch. Weibliche Handlungsräume im kommunistischen Milieu Italiens der frühen Nachkriegszeit, in: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte 61 (2012), S. 48–53.

55 Siehe Gabriella Gribaudi: Donne. Ritratti letterari e storie di vita [Frauen. Literarische Porträts und Lebensgeschichten], in: dies.: Donne, uomini, famiglie. Napoli nel Novecento [Frauen, Männer, Familien. Neapel im 20. Jahrhundert], Neapel 1999, S. 41–56.

56 Siehe Stephen Gundle: Between Hollywood and Moscow. The Italian Communists and the Challenge of Mass Culture, 1943–1991, Durham/London 2000.

57 Siehe Willson: Women (Anm. 4).

58 Siehe Anna Tonelli: Falce e tortello. Storia politica e sociale delle Feste dell’Unità (1945–2011) [Sichel und Tortello. Politik- und Sozialgeschichte der Feste dell’Unità (1945–2011)], Rom/Bari 2012, S. 94.

59 Siehe Luciano Cheles: Picture battles in the piazza, in: Luciano Cheles/Lucio Sponza (Hg.): The art of persuasion. Political communication in Italy from 1945 to the 1990s, Manchester/New York 2001, S. 124–179, hier S. 173, Anm. 27.

60 Siehe Stephen Gundle: Bellissima: Feminine Beauty and the Idea of Italy, New Haven/London 2007.

61 Siehe Noi Donne vom 21. Februar 1954.

62 Siehe Sibilla Aleramo: Tagebuch einer Frau, hg. von Alba Morino, Frankfurt/M. 1991, S. 82 u. 171.

63 Siehe Gundle: Hollywood (Anm. 56), S. 67 f.; Tonelli: Falce e tortello (Anm. 58), S. 35–38.

64 Siehe Antonio Gramsci: Heft 4 § 52. Gefängnishefte, Bd. 3, hg. von Klaus Bochmann und Wolfgang Fritz Haug, Hamburg 1992, S. 532.

65 Siehe Fiammetta Balestracci: Il PCI, il divorzio e il mutamento dei valori nell’Italia degli anni Sessanta e Settanta [Der PCI, die Scheidungsdebatte und der Wertewandel im Italien der Sechziger- und Siebzigerjahre], in: Studi storici 54 (2013), H. 4, S. 898–1022. Zur Persistenz siehe etwa Adele Grisendi: La famiglia rossa. Una donna racconta il suo sindacato: passioni, contrasti, vendette [Die rote Familie. Eine Frau erzählt von ihrer Gewerkschaft: Leidenschaften, Kontraste, Vergeltungen], Mailand 2003.

Inhalt – JHK 2015

Kurzbiografie

Abstract

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