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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2002 bis 2018 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

 

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

 

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

 

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

 

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

 

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr 1956 in Niederschlesien

JHK 2006 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 140-152 | Aufbau Verlag

Autor/in: Łukasz Kamiński

Die polnische Krise von 1956 war durch den Arbeiteraufstand in Poznań (Posen) im Juni und die stürmischen Ereignisse im Herbst in Warschau, die am 21. Oktober zur Wahl von Władysław Gomułka zum Ersten Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) führten, geprägt. Auch in anderen Städten und Regionen Polens fand die Krise der polnischen Gesellschaft unter der Herrschaft der Kommunisten ihren Niederschlag, so auch in Niederschlesien. Diese Region besaß infolge des fast vollständigen Bevölkerungsaustausches nach 1945 eine besondere Sozialstruktur. Die Aussiedlung der Deutschen aus Niederschlesien folgte die Ansiedlung polnischer Bevölkerung aus allen Winkeln Vorkriegspolens sowie aus der Emigration. Verhältnismäßig stark waren auch die nationalen Minderheiten in Niederschlesien vertreten. Neben einer weiterhin vorhanden deutschen Minderheit lebten hier Juden und Ukrainer. Letztere waren 1947 in der Akcja Wisła (Aktion Weichsel)[1] aus ihrer ostpolnischen Heimat (Galizien, Karpaten) ausgesiedelt worden. Eine exotische Gruppe stellten die griechischen Flüchtlinge dar, die aufgrund der sich abzeichnenden Niederlage der Kommunisten im griechischen Bürgerkrieg nach Niederschlesien gekommen waren.

Diese Gemeinschaft war ohne feste Strukturen und unterlag in den Jahren 1949 bis 1955 dem gewaltigen Druck zweier gegenläufiger Prozesse – dem natürlichen Integrationsprozess und der atomisierenden Kraft des stalinistischen Totalitarismus. Wie sich aber herausstellen sollte, spielten bei den Ereignissen von 1956 diejenigen Elemente eine bedeutendere Rolle, die Niederschlesien mit anderen Regionen Polens verbanden, als diejenigen, die sie voneinander trennten.

Letztlich verliefen die Ereignisse analog zu denen in vielen anderen Regionen.

Die ersten Anzeichen des aufkommenden »Tauwetters« waren in Volkspolen bereits 1955 spürbar, zunächst im Bereich der Kultur. So wurde in diesem Jahr in der Zeitschrift Nowa Kultura (Neue Kultur) das Poemat dla dorosłych (Poem für Erwachsene) von Adam Ważyk veröffentlicht, das mit dem seit Jahren propagierten und im Rahmen des Sechsjahrplanes realisierten Vorzeigeprojekt Nowa Huta[2] abrechnete. Im Herbst erschien Po prostu (Geradeheraus), eine Zeitschrift für Studenten und die junge Intelligenz in neuer Aufmachung. Sie beschrieb ungeschminkt und mutig die Realitäten des kommunistischen Staates. Obwohl solcher Art öffentliche Kritik vor allem in Kreisen der Intelligenz verbreitet war, zerbrach auch in anderen sozialen Gruppen langsam die Barriere der Angst. So berichtet der Sicherheitsapparat 1955, dass sich die Fälle häuften, in denen sich die Menschen weigerten, die aus dem Westen per Luftballon nach Polen gelangten antikommunistischen Propagandaflugblätter bei den Sicherheitsorganen abzugeben.

Der tatsächliche Umbruch in der Gesellschaft fand jedoch erst nach dem XX. Parteitag der KPdSU statt. Die spektakuläre Geheimrede von Nikita Chruščev wurde in Polen als Broschüre herausgegeben, was in den Ländern des Sowjetischen Blocks eine Ausnahme war. Es wurde in öffentlichen Versammlungen der PZPR und des Verbandes der Polnischen Jugend (Związek Młodzieży Polskiej, ZMP) vorgelesen. Das Interesse für die Geheimrede war groß und die darin enthaltene Kritik an Stalin rief lebhafte Diskussionen hervor. Sehr oft überschritten sie den Rahmen des bis dahin Erlaubten. Den Parteifunktionären, die den Text vortrugen, wurden Fragen gestellt, u. a. nach der Ermordung der polnischen Offizieren in Katyń durch den NKVD 1940, nach der Deportation von Angehörigen der antikommunistischen polnischen Heimatarmee in die Sowjetunion nach 1944, nach den Ursachen dafür, dass den Aufständischen in Warschau 1944 durch die Rote Armee keine Hilfe geleistet wurde, nach dem Schicksal von Władysław Gomułka (der 1948 aus der Parteiführung ausgeschlossen worden war), nach den Gründen für die Duldung von Stalins Verbrechen usw.[3]

Die durch diese Versammlungen hervorgerufenen Emotionen wurden durch den Tod des Ersten Sekretärs der PZPR Bolesław Bierut am 12. März 1956 in Moskau noch verstärkt. Mit Bieruts Tod schien sich zunächst die direkte Auseinandersetzung mit der Verantwortung für die Zeit des Stalinismus erübrigt zu haben. In weiten Kreisen der Regierung und Bevölkerung tauchten jedoch Gerüchte auf, er sei ermordet worden, so wie angeblich auch Klement Gottwald und Georgi Dimitrov. Häufig wurde auch Freude über Bieruts Tod zum Ausdruck gebracht, bisweilen auch mit »vulgären Worten«[4].

Die Diskussion über Chruščevs Geheimrede vertiefte vor allem die seit langem schwelende Krise der Jugendorganisationen ZMP. Wrocław (Breslau) und bald schon ganz Niederschlesien wurde zu einem Hauptzentrum des Aufruhrs innerhalb dieser Organisation. Auf Kundgebungen, Treffen und Sitzungen verlangten die Mitglieder die Einberufung eines Sonderkongresses der ZMP, die Gründung einer neuen Kaderorganisation der kommunistischen Jugend bzw. – ganz im Gegensatz dazu – die Öffnung der ZMP für andere weltanschauliche Richtungen, z. B. das Christentum), die Autonomie der Pfadfinder-Organisation, die Unabhängigkeit des Studentenverbandes usw.[5]

Reaktionen auf den Aufstand in Poznań vom Juni 1956

Am 28. Juni 1956 strömten die Arbeiter in Poznań auf die Straße und protestierten gegen ihre katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich der Protest in einen regionalen Aufstand; die Demonstranten besetzten die Gebäude der Staats- und Parteiführung, befreiten die Gefangenen, griffen den Sitz des Komitees für öffentliche Sicherheit (Komitet do spraw Bezpieczeństva Publicznego, KBP) in der Wojewodschaft Poznań an. Der Aufstand wurde durch Einheiten der unverzüglich herbeigerufenen polnischen

Armee blutig niedergeschlagen. Dabei kamen 75 Personen ums Leben.[6]

Diese Ereignisse fanden in Niederschlesien großen Widerhall. In den Gerüchten erreichten die Kämpfe in Poznań unermessliche Größe, man sprach von Hunderten von Opfern, u. a. auch unter hohen Parteifunktionären, ja sogar davon, dass die Stadt bombardiert worden sei. Viele Gerüchte galten den Grausamkeiten der Funktionäre des Staatssicherheitsdienstes, die auf wehrlose Männer, Frauen und Kinder geschossen hätten. Einem Gerücht zufolge hätten die Massen aus Rache diese Funktionäre lebendig verbrannt oder sie in Stücke zerschnitten. Es wurde behauptet, dass sich die Miliz und das Militär den Streikenden angeschlossen hätten und das Militär den Aufständischen Panzer übergeben habe. In Poznań solle sogar eine nichtkommunistische Regierung entstanden sein. Einer der Bergmänner aus Wałbrzych (Waldenburg) stellte im Gespräch mit seinen Kollegen mit Freude fest: »Nun bekommen sie in Poznań eins auf den Hintern! Was denkt sich die Regierung, dass die Leute werden um sonst arbeiten und vor Hunger krepieren? Ganz Poznań streikt!«. Es erschienen öffentliche Erklärungen der Art: »Schade, dass nicht alle Staatssicherheitsleute erschossen wurden!« In öffentlichen Kommentaren tauchte auch das Motiv eines Vergleichs der Ereignisse in Poznań mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR auf. Die Hoffnung wurde laut, dass, wenn sich in der DDR die Lage bedeutend gebessert hatte, nun in Polen Ähnliches geschehen müsste. Es wurden Gerüchte über zu erwartende bzw. bereits stattfindende weitere Unruhen in anderen Städten laut. In Lubin (Lüben) notierte ein Berichterstatter der Partei folgende Aussage: »Poznań ist nicht der Rede wert, am 22. Juli werdet ihr erst was erleben!« [7] Man erwartete im ganzen Land Demonstrationen, so in Łódź (Lodz), Szczecin (Stettin), Bydgoszcz (Bromberg), Krakau und Lublin, aber auch in einigen Städten Niederschlesiens, wie Wałbrzych oder Świebodzin (Schwiebus). Damit verband sich vor allem die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kommunismus in Polen. 

Neben »Flüsterpropaganda« und öffentlichen staatsfeindlichen Äußerungen gab es in Niederschlesien aber auch andere Formen des gesellschaftlichen Widerstandes. Vereinzelt wurden antikommunistische Parolen laut gerufen, wie etwa: »Weg mit den Russen aus unserem Land«, »Weg mit den Helfern der Russen«, »Weg mit den Kommunisten«, »Weg mit dem Staatssicherheitsdienst«, »Es lebe ein freies Polen!« oder »Es lebe Poznań!«. Erfolglos versuchte man, Streiks und Demonstrationen zu initiieren oder die Miliz aktiv anzugreifen. In Wałbrzych störten vier Studenten die Ansprache von Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz. In einigen Ortschaften erschienen Flugblätter und Parolen an den Häuserwänden. In Świdnica (Schweidnitz) schrieb ein unbekannter Verfasser in einem in der Nacht vom 29. zum 30. Juni gefundenen Flugblatt: »Arbeiter, der du beim Erwerb eines Stückes Brot blutig schwitzen musst, lass diejenigen, die dich ausbeuten, deine Stimme hören. Der Untergrund.« In Złotoryja (Goldberg) erschienen Flugblätter mit dem Text: »Wir fordern Gehaltserhöhungen«. Den größten Umlauf hatten Flugblätter in Wrocław, wo die UB-Funktionäre auf den Straßen der Stadt fast 100 Flugblätter folgenden Inhalts einsammelten: »Wir sind mit der Arbeiterklasse von Poznań solidarisch – wir lassen unsere Kinder und Rentner unter sowjetischer Besatzung nicht umkommen!« Neben den Flugblättern gab es eine ganze Welle von anonymen Briefen, die an Zeitungs- und Radioredaktionen verschickt wurden. Sie solidarisierten sich mit den Arbeitern von Poznań und verdammten die Machthaber. Mindestens sechs Personen wurden im Zusammenhang mit Solidaritätsbekundungen für Poznań vors Gericht gestellt.[8]

Am 29. und 30. Juni wurden in vielen Betrieben und Institutionen Niederschlesiens Kundgebungen und Versammlungen einberufen, die die Aufständischen von Poznań verurteilen sollten. Diese erfüllten die Erwartungen der Machthaber jedoch nicht. Obwohl die von den PZPR-Funktionären vorbereiteten Resolutionen angenommen und Briefe der Zustimmung an die obersten Machthaber verschickt wurden, war es offensichtlich, dass die Teilnehmer dem nur widerwillig folgten. So wurden die bewaffneten Auseinandersetzungen einerseits zwar verbal verdammt, andererseits aber zugleich den Arbeitern von Poznań in ihren Forderungen Recht gegeben. Die Schuld an der Tragödie wurde den Machthabern zugeschoben. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten von den berechtigten Forderungen der Arbeiter gewusst und dennoch nichts unternommen, um auf sie einzugehen. In vielen Betrieben konnte man stillschweigende Unterstützung für den Aufstand von Poznań feststellen. So äußerten einige Arbeiter, dass sie sich den Arbeitern von Poznań anschließen wollten. In einigen Fällen wurden sogar »feindliche Äußerungen« laut. So stellte ein Teilnehmer einer Massenkundgebung in einem der Betriebe in Wrocław fest: »Der Protest in Posen ist berechtigt, denn die polnische Regierung hat in elf Jahren das Land in den vollständigen Ruin geführt. Solche Proteste sollten in allen Städten Polens stattfinden, die jetzige Regierung ist abzulösen und in die Regierung des Staates sind die Mitglieder der [einstigen] Exilregierung wie [Stanisław] Mikołajczyk[9] und andere zu aufzunehmen«.[10]

Noch in den letzten Juni-Tagen begann eine Welle von Versammlungen der Grundorganisation der PZPR in denen die Parteimitglieder mit dem Inhalt eines Schreibens des Zentralkomitees vom 28. Juni 1956 bekannt gemacht wurden. Das Schreiben stellte die offizielle Version über die Ereignisse dar. In vielen Parteiversammlungen gab es »feindliche Auftritte« bzw. Unterstützungsbekundungen der Forderungen der Arbeiter in Poznań.[11]

Die Ereignisse in Poznań verstärkten die seit einiger Zeit zu beobachtende Krise in den lokalen Organisationen der PZPR. Ein Mitglied mit achtjähriger Parteizugehörigkeit äußerte sich am 29. Juni enttäuscht: »Volkspolen hat mir nichts geboten, seht, wie ich angezogen bin – ihr könnt mich aus der Partei hinauswerfen«. Am selben Tag legte einer der Ingenieure seinen Parteiausweis auf den Tisch und sagte: »Einer solchen Partei will ich nicht angehören, denn ich halte zum Volk.« Und ein anderer stellte fest: »Die Posener Arbeiter haben gut gehandelt, indem sie Unruhen auslösten«. In der Uhrenfabrik bei Pieszyce (Peterswaldau) fragte einer der Aktivisten in der Parteiversammlung: »Warum soll ich die Leute aufklären – vielleicht hatten sie Recht?« Ähnlich wie die Parteiunabhängigen gaben

viele Mitglieder der PZPR ihrer Parteiführung die Schuld an der Krise, denn die berechtigten Forderungen der Arbeiter wurden nicht zur rechten Zeit erfüllt. Andererseits wandte ein Teil der Kommunisten ein, dass die Parteiführung die Zustände im Land zu sehr liberalisiert hätte, so dass es zum Aufruhr kam.[12]

Durch den Protest in Poznań fühlten sich die Arbeiter in ihren Forderungen nach höheren Löhnen und erfüllbaren Normen bestärkt. So wurden Petitionen an die Machthaber gesandt und zahlreiche Delegationen als Interessenvertretungen der Betriebe aufgestellt. Bisweilen drohten die Arbeiter, dass sie, falls man ihre Forderungen nicht erfülle, »ein zweites Poznań« erleben werden. Solche Vorkommnisse wurden nicht nur aus größeren Industriezentren gemeldet, sondern auch in kleineren Ortschaften. 

In vielen Betrieben ließ die Arbeitsdisziplin nach. Auf dem Lande sprach man vom Ende der Kollektivierung in Polen; immer häufiger wurden Anträge auf Erlaubnis, die Produktionsgenossenschaft zu verlassen, gestellt.[13] Außerhalb der Städte bereiteten die Einheiten des Staatssicherheitsapparats Pläne für den Fall vor, dass sich in ihrem Gebiet Ähnliches wie in Poznań ereignen sollte.[14]

Der polnische Herbst 1956 in Niederschlesien

Die gesellschaftlichen Aktivitäten kulminierten im Herbst 1956. Die Rolle eines Katalysators übernahm das 8. Plenum des ZK der PZPR (19. bis 21. Oktober), auf dem Władysław Gomułka zum Ersten Sekretär der Partei gewählt wurde. Das Plenum verlief in einer angespannten Atmosphäre, die durch Informationen von sowjetischen Truppenbewegungen sowie durch eine unerwartete Ankunft einer sowjetischen Delegation in Warschau mit Nikita Chruščev an der Spitze noch angeheizt wurde.[15]

Bereits am 20. Oktober kam es zur ersten Kundgebung im Rathaus von Wrocław, die unter der Parole »Damit Warschau nicht allein bleibt« veranstaltet wurde. In der Resolution wurde »gegen alle Versuche einer Einmischung [der UdSSR] in die inneren Angelegenheiten unserer Partei und unseres Landes« protestiert und der Ausschluss der Mitglieder der »Natolin-Fraktion«[16] (Bieruts Genossen Zenon Nowak, Hilary Chełchowski, Wiktor Kłosiewicz und Kazimierz Witaszewski) aus der Parteispitze sowie die Einschränkung der Zensur gefordert. Der Teil der der Partei- und Regierungsführung, die sich für Reformen aussprach, fand Unterstützung. Es gab sogar Bereitschaftserklärungen, den Sozialismus und die Souveränität des Vaterlandes zu verteidigen. Die ganze Nacht über wachte im Hotel des Jugendverbandes ZMP in Karłowice (Karlowitz) ein »Jugendstab«, der bereit war, im Falle eines Putschversuchs bzw. einer sowjetischen Intervention in Aktion zu treten.[17] Am nächsten Tag demonstrierten ca. 1 000 Studenten auf dem Plac Grunwaldzki (Tannenberg-Platz) in Wrocław. Am 22. Oktober wurde eine weitere Kundgebung vor dem Gebäude der Technischen Universität einberufen, zu der sich mehr als zehntausend, vor allem junge Menschen einfanden. Während der Kundgebung riefen die Demonstranten antisowjetische Parolen und forderten den Abzug der sowjetischen Truppen aus Polen, die Wahrheit über Katyń sowie die Aufklärung des Putschversuchs der »Natolin-Fraktion«. Als die Kundgebung endete, zogen die meisten Teilnehmer ins Stadtzentrum. Religiöse Lieder wurden von antisowjetischen Rufen begleitet. In den Geschäften wurden die Bilder des stalintreuen Marschalls und Verteidigungsministers Konstantin Rokossowski von den Wänden gerissen. Als der Demonstrationszug in einige kleinere Gruppen zerfiel, bewarf eine davon den Sitz der Gesellschaft für Polnisch-Sowjetische Freundschaft auf dem Plac Teatralny (Theaterplatz) mit Steinen. Scheiben wurden eingeschlagen und Schaukästen zerstört. Im Hauptbahnhof wurden die Schaukästen mit einer Ausstellung zur Polnisch-Sowjetischen Freundschaft eingeschlagen und rote Fahnen sowie die Bilder von Rokossowski in Brand gesteckt. Straßenschilder mit den Namen Stalin und Stalingrad wurden abgerissen. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen mit Milizionären. Demonstranten hielten die Straßenbahnen an oder setzten sie außer Betrieb, um den Straßenverkehr in der Stadt lahm zu legen. Auch am nächsten Tag gab es weitere Versuche, antisowjetische Demonstrationen in Gang zu setzen.[18]

Auch außerhalb von Wrocław war es unruhig. Zu stürmischen Demonstrationen kam es am 23./24. Oktober in Legnica (Liegnitz). Die Demonstranten griffen die von den sowjetischen Truppen belegten Gebäude und den Sitz des Staatsicherheitsdienstes an. Sie versuchten, das Denkmal der Roten Armee umzustürzen. Um die Demonstranten – von denen 40 festgenommen wurden – zu vertreiben, setzte die Regierung neben der Miliz und Staatssicherheitsmitarbeitern auch Einheiten des Korpus für innere Ordnung (Korpus Bezpieczeństwa Wewnętrznego, KBW) ein. In Świdnica wurde die sowjetische Kaserne mit Steinen beworfen. In Chocianów (Kotzenau) versuchten die Demonstranten das Ehrenmal der Roten Armee niederzureißen. Am 24. Oktober kam es erneut zu einer antisowjetischen Demonstration in den Straßen von Wołów (Wohlau). Auch in Syców (GroßWartenberg) und Złoty Stok (Reichenstein) wurde demonstriert. Zu Demonstrationsversuchen kam es auch in Kłodzko (Glatz), Świebodzice (Freiburg in Schlesien) und in Ząbkowice Śląskie (Frankenstein).[19]

Stürmisch verliefen auch einige der zahlreichen Kundgebungen in den Betrieben. Kommunistische Symbole, wie der rote Stern und Bilder von Marschall Rokossowski, wurden zerstört. Immer wieder hörte man antisowjetische und antikommunistische Parolen. Der Abzug der sowjetischen Truppen aus Polen wurde gefordert. In dieser gespannten Atmosphäre wurden Parteiversammlungen abgehalten, die im Zeichen der Abrechnung und der Suche nach einem Schuldigen für die bisherige Politik der PZPR standen.[20]

Besonders die Ereignisse in Ungarn riefen in Polen wie in auch in Niederschlesien große Empörung hervor. Flugblattaktionen und antisowjetische bzw. antikommunistische Parolen an den Häuserwänden, in denen Solidarität mit Ungarn zum Ausdruck kam, waren weit verbreitet: »Hände weg von Ungarn«, »Tod den Aggressoren«, »Weg mit der schändlichen Aggression der UdSSR in Ungarn«, »Mörderpfoten – weg von Ungarn«.[21] Massenhaft wurde Blut für die verwundeten Aufständischen gespendet und trotz großer Versorgungsmängel dringend benötigte Medikamente und Verbandmittel gesammelt. Populär war das Tragen von Abzeichen in den ungarischen Nationalfarben. Auf öffentlichen Plätzen wurden Fahnen mit Trauerflor ausgehängt. Am 27. Oktober unterbrachen die Arbeiter der Autowerke in Jelcz (Jeltsch) zum Zeichen der Solidarität ihre Arbeit. Polnische und ungarische Fahnen wurden geflaggt. Am 3. November trieb die Miliz die Solidaritätsdemonstration in Wałbrzych auseinander. Zwei Tage später riefen die Studenten in Wrocław zu einer dreitägigen Trauer zum Zeichen der Solidarität mit Ungarn auf. Die Stalin-Straße in Wrocław wurde in die »Straße der ungarischen Helden« umbenannt.[22]

Die aktivste soziale Gruppe war ohne Zweifel die Jugend. Im Herbst 1956 boykottierten Schüler und Studenten vielerorts den Russischunterricht und forderten seine Abschaffung in den Schulen und Hochschulen. In wenigen Wochen brachen die Strukturen der Jugendorganisation ZMP in Wojewodschaften und Kreisen auseinander. An ihrer Stelle entstanden an Universitäten, Schulen und  in Fabriken Revolutionskomitees, in manchen Fällen spielten sie geradezu die Rolle neuer, provisorischer Machtstrukturen. Es wurden auch umfassendere Organisationsstrukturen gebildet, wie der Verband der Kommunistischen Jugend (Związek Młodzieży Komunistycznej), der Verband der revolutionären Jugend (Związek Młodzieży Rewolucyjnej) oder der Arbeiterjugendverband (Związek Młodzieży Robotniczej). Es entstanden neue, nichtkommunistische Jugendorganisationen, so der Demokratische Jugendverband (Związek Młodzieży Demokratycznej) und der Verband der Landjugend Aufruf (Związek Młodzieży Wiejskiej Wici). Die Pfadfinderbewegung erlebte ihre Wiedergeburt. Im Januar 1957 entstand im Umkreis junger Arbeiter und Studenten die Gesellschaft für PolnischAmerikanische Freundschaft, deren Aktivität jedoch von den Machthabern bald lahm gelegt wurde. Die Partei bekam die Situation erst Anfang 1957 unter  Kontrolle, als sie den neuen Sozialistischen Jugendverband (Związek Młodzieży

Socjalistycznej, ZMS) etablierte.[23]

Auf dem Lande wurden die Aktivisten der Polnischen Bauernpartei,[24] der wichtigsten oppositionellen Partei der Jahre 1945 bis 1947, wieder aktiv. Grundlegende Bedeutung hatte die spontane Entkollektivierung. In kaum mehr als zehn Tagen fielen in der Wojewodschaft Wrocław 97,5 Prozent der Produktionsgenossenschaften auseinander. Es war einer der höchsten Prozentsätze im Lande.[25]

Auch ein Aufleben der unterdrückten nationalen Minderheiten lies sich feststellen. Die Deutschen rechneten mit der Möglichkeit, in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen zu können. Die Juden strebten nach Israel und die Ukrainer, die im Rahmen der Akcja Wisła ausgesiedelt worden waren, hofften auf eine Rückkehr in ihre ostpolnische Heimat. Die Minderheitenorganisationen gewannen vorübergehend bedeutend an Eigenständigkeit. Mit der Ukrainischen Sozial– Kulturellen Gesellschaft (Ukraińskie Towarzystwo Społeczno-Kulturalne, UTSK) wurde sogar eine weitere Interessenvertretung gegründet.[26]

Die wichtigsten Forderungen der Bevölkerung im Herbst 1956 waren die nach Entlassung des Primas von Polen, Kardinals Stefan Wyszyński, aus der Haft, die Beendigung der Kirchenverfolgung und die uneingeschränkte Religionsfreiheit. Nach der Freilassung des Primas und anderer Geistlicher Ende Oktober räumte die Regierung bedeutende Zugeständnisse ein, um sich die Unterstützung der Kirche zu sichern. So erteilte sie die Erlaubnis, den Religionsunterricht an den Schulen wieder einzuführen. Das 1953 oktroyierte Dekret über die Besetzung der Kirchenämter wurde rückgängig gemacht, die Kirche bekam ihre Wochenzeitung Tygodnik Powszechny zurück und die aus ihren Diözesen vertriebenen Bischöfe durften zurückkehren. Diese Änderungen fanden auch in der Erzdiözese Wrocław statt. So wurde der unter Zwang eingesetzte Generalvikar Kazimierz Lagosz abgesetzt und Bischof Bolesław Kominek übernahm am 15. Dezember die Amtsgeschäfte. Der Klub Inteligencji Katolickiej (Klub der katholischen Intelligenz) entstand in Wrocław Anfang 1957 und erhielt den Status einer juristischen Person. Andere in Niederschlesien gebildete Filialen des Klubs wurden jedoch nicht legalisiert.[27]

Für den 20. Januar 1957 wurden Sejmwahlen angesetzt. Der Wahlkampf bekam ein in der Geschichte Volkspolens einmaliges Gesicht. Man versuchte von der kommunistischen Partei unabhängige Kandidaten auf die Wahllisten zu setzen, etwa ehemalige Aktivisten der Polnischen Bauernpartei, Veteranen der Heimatarmee, katholische Aktivisten und Personen, die unlängst noch verfolgt worden waren. Die Wahlkundgebungen verliefen oft stürmisch, man kämpfte für die Streichung der in den vorangegangenen Jahren kompromittierten Kandidaten von den Wahllisten. Trotz des Aufrufs von Primas Wyszyński und Radio Freies Europa, die sich gegen eine »Streichung« aussprachen, verliefen die Wahlen im Interesse der Machthaber, und nur wenige unabhängige Kandidaten zogen in den Sejm ein.[28]

Mit den Wahlen war die Phase gesteigerter gesellschaftlicher Aktivität nicht zu Ende. Über viele Monate gab es weitere Versuche, unabhängige Organisationen zu gründen und die Vereinigte Bauernpartei von der PZRP Partei unabhängig zu machen. Erneut wurden Streiks organisiert, Flugblätter verteilt und Parolen an Häuserwänden angebracht. Allmählich jedoch errang die kommunistische Regierung die volle Kontrolle. Als letzter Erfolg erwies sich die Wiederauflage der von den Machthabern verbotenen reformorientierten Wochenschrift Po prostu im Oktober 1957.

Gründe für das Ausbleiben einer polnischen Revolution 1956

Im Herbst 1956 waren die Polen nur einen Schritt von einer antikommunistischen Revolution entfernt. Obwohl die Situation sehr an die Ereignisse in  Ungarn erinnerte, kam es nicht zum Aufstand. Dafür gab es einige Gründe. Das massenhafte Streben nach Unabhängigkeit fand keine institutionelle Stütze. Auf der Grundlage antikommunistischer Stimmungen entstand keine politische bzw. gesellschaftliche Bewegung, die allgemeine Forderungen artikuliert hätte. Es existierte keine politische Persönlichkeit, die sich an die Spitze des Volkes hätte stellen können. Diesen Platz nahm Gomułka ein. Ihm aber ging es keinesfalls darum, sich vom sowjetischen Block loszulösen, sondern lediglich um eine Korrektur der kommunistischen Machtausübung. Er missbrauchte somit das Vertrauen der Gesellschaft zur allmählichen Befriedung der Situation. Unterschiedlich war auch die Einstellung der polnischen Kirche. In Ungarn rief der freigelassene Kardinal József Mindszenty seine Landsleute auf, das kommunistische Joch abzuschütteln und gegen die Sowjets zu kämpfen. Der sich in einer gleichen Situation befindende Kardinal Wyszyński unterstützte Gomułka und rief zur Bewahrung der Ruhe auf. Das Beispiel Ungarns, wo die sowjetischen Truppen die Revolution blutig niedergekämpft hatten, zeigte, wie der Traum von der Unabhängigkeit enden konnte.

 

Übersetzung aus dem Polnischen von Rita Malcher (Lublin)


[1]  Die Akcja Wisła (Aktion Weichsel) wurde im Frühjahr 1947 durchgeführt und sollte den antipolnischen Aktivitäten der nationalistischen Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) in Volkspolen ein Ende setzen. Zu diesem Zweck wurde die gesamte ukrainische Bevölkerung sowie die Lemken (eine karpatoukrainische Minderheit) unter Zwang aus ihren bisherigen Wohnorten in Ostpolen in die ehemaligen deutschen Gebieten umgesiedelt.

[2]  Das unweit von Krakau gelegene Nowa Huta (Neue Hütte) war ein von der UdSSR unterstütztes gigantisches Industrieprojekt. Hier entstanden das damals größte Stahlwerk Europas und eine riesige Arbeitersiedlung, die einen Gegenpol zum bürgerlich-katholischen Krakau bilden sollte.

[3]  Ciesielski, Stanisław: Wrocław 1956, Wrocław 1999, S. 67–75. Kamiński, Łukasz: Udział młodzieży dolnośląskiej w wydarzeniach Października 1956 r. [Die Beteiligung der Jugend Niederschlesiens an den Ereignissen des Oktober 1956], in: Październik 1956 na Ziemiach Zachodnich i Północnych. Materiały seminarium naukowego [Der Oktober 1956 in den West- und Nordgebieten. Materialien des wissenschaftlichen Seminars] Mierki bei Olsztyn vom September 1996. Hrsg. von W. Wrzesiński, Wrocław 1997, S. 71.

[4]  Information über den Widerhall des Todes von Genosse Bierut vom 13. März 1956, in: Archiwum Instytutu Pamięci Narodowej (Archiv des Institut für Nationales Gedenken, im Folgenden: AIPN Warschau), sygn. BU KdsBP 208, Bl. 255; Sofortmeldung Nr. 1 vom 14. März 1956 und Sofortmeldung Nr. 49 vom 14. März 1956, in: AIPN Warschau, sygn. BU KdsBP 208, Bl. 256 u. 259.

[5]  Kamiński: Udział młodzieży (Anm. 3), S. 72 f.

[6]  Die vollständigste Bearbeitung dieser Problematik findet sich im Buch von Makowski, Edmund: Poznański Czerwiec 1956. Pierwszy bunt społeczeństwa w PRL [Der Posener Juni 1956. Die erste Revolte der Bevölkerung in der VRP], Poznań 2001.

[7]  Vernehmungsprotokoll des Zeugen Pawelczyk Stanisław, in: Archiwum Sądu Okręgowego we Wrocławiu (Archiv des Kreisgerichts Wrocław, im Folgenden: ASO Wrocław), sygn. IV K 301/56, Bl. 3; Vernehmungsprotokoll des Zeugen Christos Cizmas, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 301/56, Bl. 4; Mitteilung, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 1; Dienstvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 2; Vernehmungsprotokoll des Zeugen Marian Mycek, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 4–6; Vernehmungsprotokoll der Zeugin Łucja Kijek, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 7 f.; Dienstvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 229/56, Bl. 1; Dienstvermerk Nr. 60, 61 u. 62 vom 29. Juni 1956, in: Archiwum Państwowe we Wrocławiu (Staatsarchiv Wrocław, im Folgenden: AP Wrocław), KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 91–94; Protokoll der Sitzung der Ersten Sekretäre der Kreis-, Stadt- und Stadtbezirksleitung und der Abteilungsleiter des Wojewodschaftskomitees vom 4. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/V/57, Bl. 119; Protokoll Nr. 24 der Sitzung des Kreiskomitees des PZPRAktivs in Świdnica am 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Świdnica, sygn. 97/IV/35, o. Bl.; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des PZPR-Aktivs Wrocław-Fabryczna vom 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław Fabryczna, sygn. 110/IV/25, Bl. 4 f.

[8]  Dienstvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 244/56, Bl. 2; Informationsvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 286/56, Bl. 1; Informationsvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 1; Dienstvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 235/56, Bl. 2; Dienstvermerk, in: ASO Wrocław, sygn. IV K 229/56, Bl. 1; Protokoll der Sitzung der Ersten Sekretäre KP/M/D und der Abteilungsleiter des Wojewodschaftskomitees vom 4. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/V/57, Bl. 117 u. 121; Protokoll Nr 24 der Sitzung des Kreiskomitees des PZPR-Aktivs in Świdnica am 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Świdnica, sygn. 97/IV/35, o. Bl.; Protokoll der Sitzung des KM PZPR-Aktivs in Wrocław vom 5. Juli 1956, in: AP Wrocław, KM PZPR Wrocław, sygn. 79/IV/45, Bl. 16; Protokoll der Sitzung des Kreiskomitees des PZPR-Aktivs in Dzierżoniów vom 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR

Dzierżoniów, sygn. 82/IV/26, Bl. 9; Machcewicz, Paweł: Polski rok 1956 [Polnisches Jahr 1956], Warschau 1993, S. 112–120.

[9]    Ministerpräsident der Exilregierung 1943/44, stellvertretender Ministerpräsident 1945 bis 1947. Er flüchte im Oktober 1947 nach England und lebte anschließend bis zu seinem Tod 1966 in den USA.

[10]  Zitiert nach Machcewicz: Polski rok (Anm. 10), S. 122; Dienstvermerk Nr. 60 vom 29. Juni 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 91; Dienstvermerk Nr. 61 vom 29. Juni 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 92 f.; Dienstvermerk Nr. 62 vom 29. Juni 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 94; Protokoll der Sitzung der Ersten KP/M/D-Sekretäre und der Abteilungsleiter des Wojewodschaftskomitees vom 4. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/V/57, Bl. 117 u. 119; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des PZPR-Aktivs Wrocław-Śródmieście, in: AP WROCŁAW, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.; Einschätzung der politischen Situation nach den Ereignissen in Poznań, in: AP WROCŁAW, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.; Protokoll Nr 24 der Sitzung des Kreiskomitees des PZPR-Aktivs in Świdnica am 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Świdnica, sygn. 97/IV/35, o. Bl.; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des PZPR-Aktivs Wrocław-Fabryczna vom 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Fabryczna, sygn. 110/IV/25, Bl. 2 f.; Protokoll der Sondersitzung des Stadtbezirkskomitee-Aktivs Wrocław-Krzyki, abgehalten am 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Krzyki, sygn. 109/IV/20, o. Bl.; Gazeta Robotnicza vom 30. Juni bis 1. Juli 1956, S. 1; Gazeta Robotnicza vom 2. Juli 1956, S. 1; Słowo Polskie vom 1. Juli 1956, S. 1.

[11]  Protokoll Nr. 20 der Sitzung des Kreiskomitees des PZPR-Aktivs in Legnica, in: AP Wrocław, KP PZPR Legnica, sygn. 88/IV/20, o. Bl.; Einschätzung der politischen Situation nach den Ereignissen Poznań, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.; Protokoll Nr. 24 der Sitzung des Kreiskomitees des PZPR-Aktivs in Świdnica am 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Świdnica, sygn. 97/IV/35, o. Bl.; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des PZPR-Aktivs Wrocław-Fabryczna vom 3. Juli 1956, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Fabryczna, sygn. 110/IV/25, Bl. 3.

[12]  Dienstvermerk Nr. 60–62, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 91–94; Protokoll der Sitzung der Ersten Sekretäre der KP/M/D und der KW-Abteilungsleiter vom 4. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/V/57, Bl. 119 f.; Protokoll der Sitzung des KM PZPR-Aktivs in Wrocław, abgehalten am 5. Juli 1956, in: AP Wrocław, KM PZPR Wrocław, sygn. 79/IV/45, Bl. 17; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des  PZPR-Aktivs Wrocław-Śródmieście, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.

[13]  Dienstvermerk Nr. 65 vom 7. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 86; Dienstvermerk Nr. 72 vom 25. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/236, Bl. 72; Protokoll der Sitzung der Ersten KP/M/D-Sekretäre und der KW-Abteilungsleiter vom 4. Juli 1956, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/v/57, Bl. 117, 122 u. 127; Protokoll der Sitzung des KM PZPR-Aktivs in Wrocław, abgehalten am 5. Juli 1956, in: AP Wrocław, KM PZPR Wrocław, sygn. 79/IV/45, Bl. 15 u. 17; Protokoll der Sitzung des Stadtbezirkskomitees des PZPR-Aktivs Wrocław-Śródmieście, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.; Einschätzung der politischen Situation nach den Posener Ereignissen, in: AP Wrocław, KD PZPR Wrocław-Śródmieście, sygn. 108/IV/16, o. Bl.

[14]  Plan zur Sicherstellung von Stadt und Kreis Legnica für den Fall von Provokationen vom 8. September 1956, in: Archiwum Instytutu Pamięci Narodowej we Wrocławiu (Archiv des Institut für Nationales Gedenken in Wrocław, im Folgenden: AIPN Wrocław), sygn. 053/772, Bl. 17–29.

[15]  Letzten Endes gelang es Gomułka, Chruščev zu überzeugen, dass er im Stande war, die Ereignisse unter Kontrolle zu halten, die sowjetischen Einheiten kehrten daraufhin in ihre Basen zurück.

[16]  Als »Natolin-Fraktion«, nach dem Örtchen Natolin in der Nähe von Warschau, wurde die konservative Fraktion der PZPR bezeichnet, die häufig in Natolin zusammenkam. Sie sprach sich für den Erhalt einer zentralisierten Machtstruktur aus und versuchte durch populistische Maßnahmen, wie die Erhöhung der Renten, die Unterstützung des Volkes zu gewinnen. Ihre sich für eine Auflockerung des Systems einsetzenden Gegner, meist Intellektuelle und Studenten, die Gomułka unterstützten, wurden »Puławianer« genannt, nach der Puławska-Straße in Warschau, wo einige von ihnen wohnten.

[17]  Poglądy (Sonderausgabe) vom 21. Oktober 1956, S. 2; Gazeta Robotnicza (Sonderausgabe) vom 21. Oktober 1956, S. 1.

[18]  Machcewicz: Polski rok (Anm. 10), S. 154; Słowo Polskie vom 23. Oktober 1956, S. 2; Słowo Polskie vom 24. Oktober 1956, S. 1, 2 u. 5; Sonderbulletin. 26. Oktober 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 141–144.

[19]  Machcewicz: Polski rok (Anm. 10), S. 153 f.; Informationsvermerk über feindliche Aktivitäten im Kreis Legnica im letzten Quartal 1956 sowie Reaktion des Sicherheitsdienstes vom 28. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/772, Bl. 35 f.; Sonderbulletin vom 28. Oktober 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 146–148; Information über staatsfeindliche Aktivitäten im letzten Quartal 1956 in der Wojewodschaft Wrocław vom 4. April 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/464, Bl 2.

[20]  Machcewicz: Polski rok (Anm. 10), S. 166 u. 174; Sonderbulletin vom 26. Oktober 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 141–145; Protokoll der Vollsitzung des Stadtbezirkskomitees Stare Miasto vom 30. Oktober 1956, in: AP Wrocław, KD PZPR Stare Miasto, sygn. 107/II/3, Bl. 194/212; Protokoll der VIII. Kreis-Berichts-Wahl-Konferenz, abgehalten am 8./9. Dezember 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Bolesławiec, sygn. 80/I/3, o. Bl.; Protokoll über den Verlauf der 1. gemeinsamen PZPR-Konferenz der Stadt Legnica vom 1. Dezember 1956, in: AP Wrocław, KP PZPR Legnica, sygn. 88/I/3, Bl. 206–241.

[21]  Informationsvermerk über feindliche Aktivitäten im Kreis Legnica im letzten Quartal 1956 sowie Reaktion des Sicherheitsdienstes vom 28. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/772, Bl. 38; Sonderbulletin vom 26. Oktober 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 144; Sonderbulletin vom 5. Oktober 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 149; Information über staatsfeindliche Aktivitäten im letzten Quartal 1956 in der Wojewodschaft Wrocław vom 4. April 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/464, Bl. 3.

[22]  Sonderbulletin vom 5. November 1956, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/459, Bl. 149 f.; Małkiewicz, Andrzej: Październik 1956 r. w Wałbrzychu [Oktober 1956 in Wałbrzych], in: Październik 1956 (Anm. 3), S. 83.

[23]  Vierteljahresbericht über die Tätigkeit der 3. Abteilung für Sicherheit des Wojewodschaftskomitees MO in Wrocław über die Zeit von 1. Januar bis 31. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/468, Bl. 62–65; Bericht der Abteilung des Sicherheitsdienstes im Kreiskomitees MO in Oleśnica über das erste Quartal 1957 vom 29. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/472, Bl. 2 f.; Bericht der Abteilung des Sicherheitsdienstes in Dzierżonów über das erste Quartal 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/469 vom 28. März 1957, Bl. 58.

[24]  Anm. der Redaktion: Die alte Bauernpartei (Stronnictwo Ludowe, SL) wurde 1945 – nach der Gründung einer ebenfalls Stronnictwo Ludowe genannten Bauernpartei durch die Kommunisten – in Polnische Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe, PSL) umbenannt. Am 27. November 1949 wurden die PSL und die von den Kommunisten gegründete SL zur Vereinigten Bauernpartei (Zjednoczone Stronnictwo Ludowe, ZSL) zwangsvereinigt. 

[25]  Jarosz, Dariusz: Polityka władz komunistycznych w Polsce w latach 1948–1956 a chłopi [Die Politik der kommunistischen Machthaber in Polen 1948–1956 und die Bauern], Warschau 1998, S. 152.

[26]  Vierteljahresbericht über die Tätigkeit der 3. Abteilung für Sicherheit des Wojewodschaftskomitees MO in Wrocław über die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/468, Bl. 61 f.; Information über staatsfeindliche Aktivitäten im 4. Vierteljahr 1956 in der Woiwodschaft Wrocław vom 4. April 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/464, Bl. 4 f. Die UTSK war die erste legale Organisation der Ukrainer in Polen nach 1945.

[27]  Vierteljahresbericht über die Tätigkeit der 3. Abteilung für Sicherheit des Wojewodschaftskomitees MO in Wrocław über die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/468, Bl. 65–68.

[28]  Machcewicz, Paweł: Kampania wyborcza i wybory do Sejmu 20 stycznia 1957, wybór, wstęp i opracowanie [Wahlkampf und Sejmwahlen vom 20. Januar 1957, Auswahl, Einführung und Bearbeitung], Warschau 2000; Bericht über die Tätigkeit des Sicherheitsdienstes in Kreiskomitees MO in Syców über 1. Vierteljahr 1957 vom 29. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/372, Bl. 72 f.; Bericht der Abteilung des Sicherheitsdienstes in Dzierżoniów über 1. Vierteljahr 1957 vom 28. März 1957, in: AIPN Wrocław, sygn. 053/469, Bl. 56 f.; Dienstvermerk Nr. 4 über die Lage in Kreisen und Städten unserer Wojewodschaft in den letzten Tagen vor den Wahlen vom 18. Januar 1957, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 4/VI/244, Bl. 1–3; Informationsvermerk Nr. 3 vom 11. Januar 1957, in: AP Wrocław, KW PZPR, sygn. 74/VI/243, Bl. 4 f. 

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