...

 

Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Die Oktoberrevolution und die Gründung der Kommunistischen Internationale

JHK 2017 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 69-85 | Metropol Verlag

Autor/in: Alexander Vatlin

»Russland geht nicht unter. Seine erlittene ungeheure Niederlage wird das Volk noch weiter aufwühlen. Wenn eine internationale Revolution nicht bald die gegen Russland zugelassene Ungerechtigkeit korrigiert, wird es sich, wenn die Zeit gekommen ist, selbst erheben.«

            Jacques Sadoul, Vertreter der französischen Militärmission in Russland, von Petrograd nach Paris am 22. Januar (4. Februar) 1918[1]

 

Obwohl das »endgültige« Ende der kommunistischen Revolution im August 1991 ebenso konkret wie ihr Beginn war, hält der Streit über ihre Phasen, Etappen und Schattierungen sowohl in der russischen als auch in der weltweiten Geschichtsschreibung weiter an. Für den amerikanischen Historiker Martin Malia beginnt die Zeitrechnung der Revolution in Russland ab 1905, wobei er den Zeitraum von Oktober 1917 bis 1939 als Höhepunkt betrachtet.[2] Die Russische Revolution veränderte die Bewertung des historischen Begriffs an sich – fortan steht eine Revolution weniger für das Ereignis, als vielmehr für das daraus hervorgegangene politische Regime.[3]

Nach diesem Verständnis hat sich die jakobinische Phase der Russischen Revolution über drei Jahrzehnte erstreckt, und ungefähr ebenso lange dauerte der poststalinistische »Thermidor« an. Dabei hatten es die Kommunisten mit einer sich schnell wandelnden Gesellschaft zu tun, die immer städtischer und homogener wurde und zugleich den Prozess der Befreiung von der stalinistischen Epoche verarbeitete. Irgendwann hörte die regierende Partei einfach auf, mit der neuen Tagesordnung Schritt zu halten. Sie hatte die Kontrolle über die Lage verloren und damit begonnen, allenfalls soziale und nationale Konflikte zu befrieden, die hier und dort auftraten.

Im vorliegenden Artikel soll geklärt werden, welchen Einfluss das bolschewistische Regime in Russland in den ersten Monaten und Jahren seiner Existenz auf das Umfeld hatte. Dabei steht die Herausbildung der kommunistischen Bewegung, die ohne das Vorbild und die Unterstützung Sowjetrusslands lediglich ein amorphes Konglomerat linksradikaler Parteien und Gruppen geblieben wäre, im Vordergrund.[4] Obwohl die formelle Gründung des Führungszentrums dieser Bewegung im März 1919 stattfand, erwies sich der Erste Kongress der Kommunistischen Internationale lediglich als ein Absichtsprotokoll.[5] Vor allem der Zweite Kongress der Komintern (Juli – August 1920) verdient die Bezeichnung »Gründungskongress«, legten die von ihm verabschiedeten Dokumente doch die organisatorische und ideologische Basis für eine kommunistische Partei. Nach über einem Jahr, das zwischen dem Ersten und dem Zweiten Kongress verging, hatte sich vieles geklärt. Die revolutionäre Ungeduld Lenins und seiner Mitstreiter fand ihren Ausdruck nicht nur im Angriff der Roten Armee auf Warschau, sondern auch in der inneren Ordnung der von ihnen geschaffenen Organisation.

 

Die Ziele der Bolschewiki und die ersten Reaktionen auf ihren Sieg in Russland

Sowohl vor als auch nach der Machtübernahme erklärte Lenin, dass die Russische Revolution weniger eine nationale als eine globale Erscheinung sei. Sie sollte den imperialistischen Krieg in einen Bürgerkrieg umwandeln, d.h. in die entscheidende Konfrontation zwischen dem europäischen Proletariat und der Bourgeoisie, die den weltweiten sozialistischen Veränderungen den Weg ebnen würde. Obwohl sich Russland am Rande Europas befand und von den führenden Ländern durch die Frontlinie getrennt war, fand derartige Propaganda bei den werktätigen Massen lebhaften Widerhall. »Der Internationalismus war am Ende des Ersten Weltkrieges eine der empfänglichsten Ideologien der Bolschewiki, die in der Lage war, selbst Soldaten aus der des Lesens und Schreibens unkundigen Bauernschaft (wenn auch in einer stark vereinfachten Form) zu politisieren.«[6]

Die Aufrufe zur Weltrevolution fielen gerade bei den unteren sozialen Schichten auf fruchtbaren Boden. In den Gesellschaftsschichten, die sich zur Intelligenz zählten, stieß eine derartige Verachtung gegenüber den nationalen Werten dagegen auf radikale Ablehnung. Im März 1918 betonte der den Sozialisten nahestehende Schriftsteller Maksim Gor’kij, dass die Hoffnungen der Bolschewiki auf eine globale Dimension der von ihnen eingeleiteten Veränderungen einfach naiv seien, da das russische Volk aufgrund seiner Ungebildetheit und Unkultur nicht befähigt sei, die Führungsrolle zu übernehmen. »Und nun wird dieses schwache, dunkle und organisch zum Anarchismus neigende Volk aufgerufen, der geistige Führer der Welt, der Messias Europas zu sein. Es hat den Anschein, dass diese kuriose und sentimentale Idee nicht in das tragische Spiel der Volkskommissare einbezogen werden sollte. Aber die ›Führer des Volkes‹ machen keinen Hehl aus ihrer Absicht, mit den unbearbeiteten russischen Holzscheiten ein Feuer zu entfachen, dessen Flamme die westliche Welt erleuchten soll, jene Welt, in der die Feuer des sozialen Schöpfertums heller und gescheiter brennen als bei uns in Russland.«[7]

Der Hauptgrund dafür, dass Lenin und seine Partei an die Macht kamen, lag im »allgemeinen Streben nach sofortigem Frieden um jeden Preis«, so der Eindruck des französischen Offiziers Jacques Sadoul, der Anfang Oktober 1917 in Petrograd eingetroffen war. In seinem ersten Brief in die Heimat hob er hervor: »Alle Russen wollen Frieden, können ihn aber nicht organisieren.«[8] Buchstäblich zwei Wochen später fand sich ein derartiger Organisator. Mit dem berühmten »Dekret o mire« (»Dekret über den Frieden«) festigten die Bolschewiki ihre Macht, entschieden sich für das Ausscheiden aus dem Krieg »um jeden Preis« und stellten die Hoffnungen der in Soldatenmäntel gehüllten unteren sozialen Schichten über jegliche geopolitischen Beweggründe und Bündnisvereinbarungen. Das Dekret wandte sich nicht nur an die Russen, sondern auch »an die klassenbewussten Arbeiter der drei fortgeschrittensten Nationen der Menschheit und der größten am gegenwärtigen Krieg beteiligten Staaten: England, Frankreich und Deutschland.«[9] Sie sollten die Regierungen ihrer Länder zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.

Denn in den ersten Tagen nach der Machtergreifung mussten die Bolschewiki die ungezügelte Gewalt des Volkes bändigen. Man brauchte Zeit, hoffte, die Menschen würden irgendwann des »Fests des Ungehorsams« überdrüssig werden, aber man konnte unmöglich warten – jeder Tag bedeutete gewaltige menschliche und materielle Verluste. Lenin entschloss sich, dieser Gewalt mit härtesten Mitteln Einhalt zu gebieten, indem er sich der marxistischen These von der »Diktatur des Proletariats« bediente. Natürlich entsprach das nach der Oktoberrevolution errichtete Regime keineswegs dem Kanon des historischen Materialismus. Marx wäre sehr verwundert gewesen, wenn er sich ins Sowjetrussland des Jahres 1918 verirrt und vernommen hätte, dass gerade er dessen Taufpate sein sollte.

Das zum damaligen Zeitpunkt errichtete politische Regime spiegelte die Fähigkeit Lenins und seiner Mitstreiter zur täglichen politischen Improvisation wider, die die Vergangenheit und die Zukunft des riesigen Landes zu einem Ganzen verschmelzen ließ. »Lenin hat gesiegt, weil er die Tradition der russischen revolutionären Intelligenz in ihren radikalsten Strömungen und die Tradition der russischen historischen Herrschaft in ihren despotischsten Erscheinungsformen zusammengeführt hat«, so der Philosoph Nikolaj Berdjaev.[10] Sowohl die eine als auch die andere Tradition wurde internationalistisch interpretiert, was zu einer schroffen Ablehnung durch die regierenden Kreise der führenden Länder der Welt führen musste.

Obwohl die Versuche der Entente, eine internationale Koalition gegen das bolschewistische Regime zu schmieden, erfolglos blieben, gehört die These von der »Intervention der vierzehn Mächte« zum Kanon der offiziellen sowjetischen Geschichtsschreibung. Der Stalinʼsche »Kratkij kurs« (»Kurzer Lehrgang«) machte gerade die internationale Einmischung als Hauptgrund für den in Russland begonnenen Bürgerkrieg aus; innere Kräfte (für diese galt eine strikte Hierarchie: Gutsbesitzer und Kapitalisten, zerschlagene Parteien, bürgerliche Nationalisten und weißgardistische Offiziere) traten lediglich als Handlanger des Weltimperialismus auf.[11]

Die Auffassung der linken Sozialisten, dass der 1914 ausgebrochene Krieg ein weltweiter sozialer Konflikt sei, implizierte, dass sich die gegen ihn kämpfenden Kräfte ebenfalls im internationalen Maßstab zusammenschließen müssten. Erster ausländischer Adressat der Wahrheit über die bolschewistische Revolution sollten die deutschen Soldaten werden, die in den Schützengräben des Weltkrieges umkamen. Am zweiten Tag nach der Erstürmung des Winterpalais erzählte Lev Trockij, der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten geworden war, Sadoul, dass »bereits jetzt einige Millionen Flugblätter mit diesem Appell [»Dekret über den Frieden« – A.V.] und dem Aufruf an die deutschen Werktätigen, den Aufstand zu beginnen, vorbereitet werden; die Flugblätter werden von Flugzeugen an der Frontlinie und im Hinterland des Feindes abgeworfen.«[12]

Während die Länder der Entente jegliche Kontakte mit den Führern der Bolschewiki ablehnten, stimmte Deutschland, das mit jedem Tag den Glauben an den Sieg verlor, Gesprächen zu. Am 15. Dezember 1917 wurde in Brest ein Waffenstillstand unterzeichnet, und es begannen die Verhandlungen zum Abschluss eines Friedensvertrages. Die Einstellung der Kampfhandlungen an der Ostfront stärkten die Positionen Deutschlands und seiner Verbündeten. Beträchtliche militärische Kräfte wurden von der Front abgezogen, das Verbot ihrer Verlegung, das mit dem Waffenstillstand festgelegt wurde, damit ignoriert.

Die sowjetische Delegation in Brest hatte ihre internationalen Verpflichtungen nicht vergessen. Sie trat für die »Befreiung aller wegen ihres Kampfes für den Frieden Verfolgten« sowie für die freie Verbreitung von Agitationsliteratur in Russland und Deutschland ein.[13] Der die kaiserliche Regierung vertretende General Max Hoffmann wich direkten Antworten aus, sagte aber zu, dass die Beförderung derartiger Literatur nach England und Frankreich von den deutschen Behörden gestattet werde. Die Agitation der Bolschewiki bei den Verbrüderungen in den Schützengräben rief regelmäßige Proteste der deutschen Seite hervor, führte aber trotzdem nicht zum Scheitern der Verhandlungen – Deutschland brauchte Frieden im Osten, um eine letzte Anstrengung zur Erringung des Sieges im Westen zu unternehmen. Sobald klar geworden war, dass die sowjetische Delegation in Brest eine Taktik zur Verzögerung der Verhandlungen verfolgte, indem sie jede Möglichkeit für die revolutionäre Agitation an der Front nutzte, stellten die Deutschen rücksichtslose Bedingungen für den künftigen Frieden auf.

Die folgende Diskussion darum ist weithin bekannt, die bolschewistische Partei führte den politischen Kampf damals noch mit offenem Visier. Die herkömmlichen Interpretationen dieser Auseinandersetzung durch sowjetische und westliche Historiker rücken ein Motiv der sowjetischen Seite bei den Verhandlungen besonders in den Vordergrund: das Voranbringen der Weltrevolution.[14] In aktuellen Arbeiten russischer Historiker, die sich an die breite Öffentlichkeit richten, erscheint Lenin derweil in einem anderen Licht – als Anhänger der Realpolitik und »demokratischer Etatist«, den ausschließlich Aufgaben zur Erhaltung Russlands als Weltmacht interessierten.[15]

Anfang 1918 räumte Lenin im Verlauf erbitterter Auseinandersetzungen mit seinen Mitstreitern ein: Man könne nicht sicher sein, dass die Weltrevolution in den kommenden Wochen beginne, und ein ernsthafter Widerstand gegen die deutschen Truppen stehe außer Frage. Seine Widersacher – die »linken Kommunisten« – waren der Ansicht, dass man weiterhin zu seinen Prinzipien stehen und sich für einen Revolutionskrieg gegen das Deutsche Kaiserreich entscheiden müsse. Beide Seiten sahen eine Gefahr darin, dass sich die Imperialisten der kämpfenden Mächte auf Kosten Russlands einigen könnten und »das Beutemachen im Osten den deutschen Imperialismus im Westen nachgiebiger machen wird«.[16] Für Lenins Gegner ging es jedoch hauptsächlich darum, dass das internationale Ansehen der Oktoberrevolution nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrages leiden und zunichte gemacht würde – die Sowjetmacht würde als Geisel des österreichisch-deutschen Imperialismus »dem gepeinigten Proletariat des Westens keinerlei Hoffnungen mehr machen können«.[17]

 

Vom Brester Frieden zum Waffenstillstand von Compiègne

Entgegen den Befürchtungen der »linken Kommunisten« veränderte sich das internationale Kräfteverhältnis nach Abschluss des sowjetisch-deutschen Friedensvertrages nicht grundlegend. In Europa wurde der Krieg fortgesetzt und wirkte als Hauptagitator zugunsten des »russischen Vorbildes«. Die Bolschewiki rechneten weiterhin damit, dass diese Agitation die Proletarier aller Länder dazu bringen werde, sich im Kampf gegen ihre Ausbeuter und gegnerischen Kriegsparteien zu verbünden.

Der Brester Frieden zerstörte das Russische Reich endgültig und begrub die Hoffnungen der Führung der Entente, die russischen Soldaten auf die Schlachtfelder zurückholen zu können. Für sie waren die Bolschewiki nicht mehr einfach nur Geheimagenten, sondern Vasallen des Kaisers. Nachdem Lenin und seine Anhänger nach außen verschnaufen konnten, konzentrierten sie sich auf die Probleme im Innern. »Ihr mystischer Glaube an die Weltrevolution und an eine sofortige soziale Revolution ist sichtlich erschüttert«, berichtete Jacques Sadoul am 29. März 1918 nach Paris.[18] Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Anarchie und Chaos rechneten die Bolschewiki mit den oppositionellen Kräften ab und errichteten eine brutale Diktatur, die sich auf Soldatenbajonette stützte. Auf dem Land wurden die Lebensmittelvorräte reicher Bauern mit Waffengewalt konfisziert, um damit die hungernde Bevölkerung in den Städten zu versorgen.

Es ist paradox, aber derselbe Verzicht auf die Fortführung der Kampfhandlungen an der deutschen Front, der im Oktober 1917 die Bolschewiki an die Macht gebracht und Russland den Ausstieg aus dem weltweiten Gemetzel ermöglicht hatte, wurde ein halbes Jahr später zum Katalysator für die Entfesselung des groß angelegten Bürgerkriegs im Land. Für die »Weißen« war er ein nationaler Befreiungskrieg, und in ihrer Propaganda war die bolschewistische Regierung Erfüllungsgehilfe sowohl Deutschlands als auch des »Weltjudentums«. Einhergehend mit Repressalien, Krankheiten und Hunger hatte der Bürgerkrieg mehr menschliche Opfer gefordert als alle vorangegangenen Kriegsjahre. Nach Schätzungen starben bis Ende 1920 insgesamt acht Millionen Menschen.[19]

Aktuelle Forschungen zeigen, dass vor allem die Angst vor der möglichen Gewalt des Gegners dazu führte, dass der Bürgerkrieg das bekannte Ausmaß angenommen hat, und dass weniger der Konflikt zwischen den sozialen Schichten als Ursache gesehen werden kann. Obwohl diese Angst eine typische Phobie war, die auf Gerüchten basierte, war gerade sie es, die an vielen Orten den Vernichtungswillen schürte. So zeigt der amerikanische Historiker Peter Holquist, dass es am Don im Frühjahr 1918 keineswegs um einen Aufstand des Kosakenstandes gegen die Bauern ging, die sich unter dem Einfluss der Bolschewiki befanden.[20] Es handelte sich um einen politischen, weniger um einen sozialen Konflikt. Am Don sollte die »alte Ordnung« in Person der Kosakenatamane wiederhergestellt werden, die von den deutschen Truppen, die trotz der im Brester Friedensvertrag festgelegten Demarkationslinie in die Region gekommen waren, unterstützt wurden.

Die Entwicklung der revolutionären Ereignisse in Russland wurde in Deutschland sehr unterschiedlich bewertet. Während die Führer der radikalen Sozialisten davon träumten, das »Licht aus dem Osten« auch in ihrem eigenen Land zu sehen, fürchteten sich die gemäßigten liberalen Kräfte vor einer »zweiten Völkerwanderung«, die diesmal keine geografische, sondern eine soziale sein würde. Im Verlauf des Jahres 1918 setzte die deutsche Diplomatie weiterhin auf die Aufrechterhaltung und Vertiefung der revolutionären Anarchie in Russland. Dafür sollten vor allem die sozialen Utopien der an die Macht gekommenen Bolschewiki sorgen.[21]

Zu diesem Zeitpunkt verspürte man im deutschen Auswärtigen Amt keinerlei Furcht vor dem »Weltbolschewismus« und seinem möglichen Auftreten in Deutschland. Man betrachtete die Ereignisse in Russland im Sinne der Realpolitik vielmehr als isolierte Erscheinung, als ein Ergebnis des Zusammenbruchs der morschen Staatsmaschinerie und zugleich als sinnentleerten Aufruhr der russischen Seele, die nicht zu nutzen eine Schande wäre. Diese Haltung kam nicht nur bei den Brester Friedensverhandlungen klar zum Tragen, sie hielt sich auch – mit geringen Modifikationen – bis Herbst 1918.[22]

Die Artikel in der sowjetischen Presse ließen keinen Zweifel daran, welche der kämpfenden Koalitionen als erste den Geist aufgeben würde. Jeder Tag, den die Kämpfe länger anhielten, spielte Sowjetrussland in die Hände, denn das nahende Ende des Weltkrieges ließ das Land dem Sieger allein gegenüberstehen. Es war auch kein Geheimnis, dass die Beendigung des Krieges den Nimbus der Russischen Revolution verblassen lassen würde. »Nach dem Krieg wird es zu spät sein«, bemerkte Trockij gegenüber seinem französischen Gesprächspartner in den ersten Tagen der bolschewistischen Diktatur und spielte damit auf die Chancen an, die europäische Arbeiterklasse für den Kampf für den Sozialismus zu gewinnen.[23]

Insofern ist es bemerkenswert, dass die Zusatzverträge zum Brester Friedensvertrag, die im Sommer 1918 unterzeichnet wurden, auf Initiative Lenins zustande kamen, der damit die Chancen der kämpfenden Koalitionen ausgleichen wollte.[24] Möglichkeiten, direkt auf die europäischen Proletarier Einfluss zu nehmen, hatte Russland, das blockiert wurde, praktisch nicht. Der Strom an Propagandamaterial floss durch die sowjetischen Botschaften in Berlin, Bern und Stockholm, und im Sommer 1918 wurde das Büro für sowjetische Propaganda beim Allrussischen Zentralen Exekutivkomitee eingerichtet. Aktive Agitation wurde in den Gefangenenlagern betrieben; dafür war die Zentrale Föderation ausländischer Gruppen beim ZK der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) zuständig.[25] Viele Deutsche, Österreicher und Ungarn, die sich zum Programm und zur Praxis der Bolschewiki bekannten, schlossen sich später den ausländischen kommunistischen Parteien an.

Ausländische Beobachter, die weit entfernt von kommunistischen Idealen waren, fühlten sich nicht nur von den »grandiosen Plänen« (V.V. Majakovski) der neuen Macht angezogen, sondern auch von deren Offenheit gegenüber den Volksmassen: ständige Neuwahlen der Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten, Veröffentlichung von Geheimverträgen der Regierung des Zaren mit den Mächten der Entente, regelmäßige Auftritte von Partei- und Staatsführern bei großen Versammlungen. Die Bolschewiki verheimlichten nicht, dass es heftige Diskussionen in ihrem Umfeld gab, traten aber nach außen hin als geschlossene Gemeinschaft Gleichgesinnter auf. Im Tagebuch des deutschen Korrespondenten Alfons Paquet, der einen Großteil des Jahres 1918 in Moskau verbrachte und ständigen Kontakt zu Karl Radek und anderen Führern der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) pflegte, fand die »Faszination, die von der bolschewistischen Führungsspitze ausging und deren Anziehungskraft er immer stärker verspürte«, ihren Niederschlag.[26]

 

»Nach dem Krieg wird es zu spät sein«. Die Gründung der Komintern

Im Herbst 1918 war die Niederlage des Viererbundes nicht mehr von der Hand zu weisen. Lenin, der nach dem Attentat ans Bett gefesselt war, begann mit der Erarbeitung einer Strategie zur Rückkehr des Landes auf die europäische Bühne – diesmal im revolutionären Gewand. Die Bolschewiki waren sich dessen bewusst, dass sie dem Druck der militärischen Kräfte der Entente, die nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes freigesetzt würden, nicht standhalten könnten. Es blieb nur die Flucht nach vorn: Angriff als die beste Verteidigung. Der Beschluss des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees vom 3. Oktober 1918 rief alle Partei- und Staatsorgane dazu auf, die Rote Armee zu stärken und Getreidevorräte für die deutschen Proletarier anzulegen.[27] Die sowjetische Bevollmächtigte Vertretung in Berlin, die der Bolschewik Adolf Joffe leitete, intensivierte ihre Propaganda.

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Sowjetrussland und Deutschland fiel mit dem Beginn der letzten demokratischen Revolution zusammen. Am 9. November 1918 fiel die Monarchie der Hohenzollern, zwei Tage später, am 11. November, wurde der Waffenstillstand von Compiègne geschlossen. Hier erwartete Lenin eine herbe Enttäuschung – die gemäßigten Sozialisten, die die Revolutionsregierung Deutschlands anführten, verzichteten auf jegliche Kontakte mit den russischen Bolschewiki. Die Mitglieder des Rates der Volksbeauftragten, die sich von der Logik des »geringeren Übels« leiten ließen, richteten sich lieber nach der Entente, als eine Wiederaufnahme des Revolutionskrieges gegen den Westen im Bündnis mit Russland zu riskieren.[28]

Einen Tag nach dem Fall der Monarchie gab der linke Sozialist Oskar Cohn, der die Interessenvertretung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) in Berlin übernommen hatte, zu verlockenden Hoffnungen Anlass: »Jetzt sind alle Grenzen für aufklärerische Literatur offen, die früher als gefährliche Propaganda galt. Das Wissen um den realen Verlauf des revolutionären Prozesses in Russland wird für uns alle eine wichtige Grundlage für den Erfolg unseres eigenen Befreiungskampfes sein.«[29] Bereits Ende November 1918 wurde offensichtlich, dass zwischen beiden Staaten eine Informationsblockade herrschte – als ob sie in den Zustand des Krieges zurückgekehrt seien. Die Forderung Joffes nach seiner schnellstmöglichen Rückkehr nach Berlin, die er an den Rat der Arbeiter- und Soldatendeputierten sandte, landete im Außenministerium, wo sie Bürokraten der kaiserlichen Schule zunächst nicht weiter bearbeiteten.[30]

In Moskau musste man feststellen, dass es in Deutschland zwar eine Februarrevolution gegeben hatte, es aber bis zum Oktober noch sehr weit war. Obwohl am 1. Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet wurde, vermochten es weder ihre Führer noch die linken Sozialisten, die Massendemonstrationen Berliner Arbeiter gegen den Rat der Volksbeauftragten, die als »Spartakusaufstand« in die Geschichte eingehen sollten, zum Sieg zu nutzen. Der Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sowie auch die spätere Verhaftung Karl Radeks, der sich in Berlin aufhielt, lähmten nicht nur die Aktivitäten der Kommunisten der »ersten Stunde«, sondern auch ihre ohnehin schon dürftigen Kontakte mit Moskau. Der erste Versuch, Deutschland in einen Schauplatz der Weltrevolution zu verwandeln, war misslungen.

Nicht besser sah es in den anderen Ländern Mitteleuropas aus, die entweder zu den Verlierern gehörten oder im Ergebnis der politischen Umgestaltung erst entstanden waren. Schicksalsergeben richtete sich ihr Blick mehr nach Paris als nach Moskau. Die Zusage des US-Präsidenten Woodrow Wilson, Nationalstaaten anstelle der europäischen Imperien zu schaffen, untergrub den Einfluss der internationalistischen Losungen der extrem linken Kräfte. Schließlich gab auch die Zweite Internationale, die Lenin für tot erklärt hatte, Lebenszeichen von sich. Im Februar 1919 fand in Bern eine Konferenz gemäßigter Sozialisten statt, die den Kurs auf die Wiederherstellung der zerstörten internationalen Verbindungen festlegte.

Ab Ende 1918 versuchte Lenin, seine ausländischen Anhänger zu vereinigen. Dazu gehörten in einzelnen Ländern auch Gruppen linker Sozialisten. Weiterhin legte er den Schwerpunkt auf eine revolutionäre Perspektive: Aufstellung von Arbeiterräten und Erringung der vollständigen politischen Macht – für ihn eine »welthistorische Fragestellung«.[31] Vom 2. bis 6. März 1919 fand in Moskau der Erste Kongress der Kommunistischen Internationale statt, auf dem die überwiegende Mehrheit der Delegierten Emigranten waren, die in Sowjetrussland lebten. Für Lenin war der propagandistische Effekt des Kongresses wichtig – ihn vermochte selbst die bürgerliche Presse nicht zum Schweigen zu bringen; jetzt nahm das »Licht aus dem Osten« konkrete Gestalt an.

Das Manifest des Ersten Kongresses spiegelte den revolutionären Enthusiasmus der siegreichen Partei wider, die von ihrer historischen Legitimität überzeugt war. In diesem Dokument, das von Trockij verfasst worden war, wurde die politische Demokratie als ein »Werk von künstlichen und fiktiven Regeln [...], die vom Gegner aufgestellt wurden, aber von diesem nicht beachtet werden«, zusammengefasst. An ihre Stelle sollte das sowjetische System treten, »das vor allem der Aufrechterhaltung der Beziehungen innerhalb der Arbeiterklasse dient und die Möglichkeit ihres revolutionären Eingreifens in die weitere Entwicklung der Menschheit gewährleistet«.[32] Die radikale Pathetik Trockijs stand in deutlichem Gegensatz zur realen Lage in Russland, wo die Räte bereits Anfang 1919 um die letzten Attribute der Macht gebracht worden waren und sich einer Parteidiktatur ergeben hatten.

Die Erfolge der Propaganda der Komintern hingen auch von der Situation im Ausland ab. Im Frühjahr 1919 hatte sich die außenpolitische Lage für Deutschland merklich verschlechtert. Die deutschen Truppen zogen sich aus dem Baltikum zurück, und die nachrückende Rote Armee näherte sich den Grenzen Ostpreußens. In Bayern und Ungarn entstanden Räterepubliken; ihre Führer verhehlten nicht, dass sie ihr Handeln am »russischen Vorbild« orientieren. Die Nervosität innerhalb der deutschen politischen Elite stieg. Die Nationalversammlung in Weimar befasste sich mehrfach mit der drohenden Bolschewisierung des Landes, und die deutsche Presse versuchte die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Land bereits zur Hälfte von den »Roten« eingenommen sei und sie bald mit der Vorbereitung auf einen Angriff über den Rhein beginnen würden.

Die Verkündung der Bedingungen für einen künftigen Frieden bei der Pariser Konferenz Anfang Mai 1919 milderte die Sorgen der deutschen Regierung vor der sowjetischen Bedrohung. Ihre Hoffnungen jedoch, dass Deutschland an seinen Ostgrenzen gewichtige Zugeständnisse gemacht würden, wenn es die Funktion eines Schutzwalls gegen den Bolschewismus übernehme, lösten sich in Nichts auf. Bei der Erläuterung der deutschen Position während der Konferenz setzte Außenminister Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau deshalb neue Schwerpunkte: »Deutschland steht vor der Wahl, entweder als Vermittler zwischen Ost und West aufzutreten oder das Feld für deren Entscheidungsschlacht zu sein.«[33] Das war der erste Schritt in Richtung politischer Realismus, der seinen praktischen Niederschlag im Vertrag von Rapallo finden sollte, der von den Regierungen Russlands und Deutschlands im Frühjahr 1922 geschlossen wurde.

 

Vor und nach dem Zweiten Kongress der Komintern

Die Erfahrung aus dem misslungenen »Spartakusaufstand« hatte die russischen Emissäre in Berlin gelehrt, dass vor ihnen keine kurze, sondern eine lange Phase lag, in der sie den deutschen Arbeitern das Abc des illegalen Kampfes beibringen mussten. »Es ist komisch, aber in der Tat so, dass wir den Deutschen das Organisieren predigen müssen«, schrieb Radek Ende Januar 1919 aus Berlin an die Führung der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki).[34] Im Verlauf dieses Jahres reifte bei Lenin der Gedanke, dass die proletarische Weltrevolution ohne die Gründung von Parteien analog zur bolschewistischen keine Chance auf Erfolg haben würde, was eine organisatorische Spaltung innerhalb der europäischen sozialistischen Bewegung unausweichlich machte.

Die Gründe für eine derartige Entwicklung lagen auf der Hand. Die Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) allein verfügte über die gesamte staatliche Macht, nachdem sie eine brutale Diktatur errichtet hatte. Außerdem kamen ihre historischen Erfahrungen zum Tragen: Stets hatte sie den Kampf in der Illegalität führen müssen und war ständigen Repressalien seitens des Zarenregimes ausgesetzt gewesen. Im revolutionären Russland wurden die Institutionen und Praktiken der totalen Mobilisierung auch nach dem Ende des Weltkrieges beibehalten: Sie »dienten als Material für den Aufbau sowohl eines neuen Staates als auch einer neuen sozialen und wirtschaftlichen Ordnung«.[35] Die Atmosphäre des Bürgerkrieges in Russland trug schließlich entscheidend dazu bei, dass die Komintern die militärischen Führungsmethoden übernahm. Sie machte die allgemeine Militarisierung und Zentralisierung, die Klärung von Problemen auf Befehl oder die Entsendung von Emissären mit Sondervollmachten an »Schwachstellen« erst möglich.

Auch wenn sich die Hoffnung der Führer der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki), der Weltkrieg werde mit der sozialistischen Revolution in den europäischen Ländern zu Ende gehen, nicht erfüllte, begann die mit dieser Hoffnung geborene »Weltpartei des Proletariats« selbständig zu existieren. In den Jahren 1919 und 1920 wurden bei den Sitzungen des ZK und des Politbüros der bolschewistischen Partei regelmäßig die Finanzierung der Komintern und ausländischer kommunistischer Parteien erörtert und die Grundsätze ihrer gegenseitigen Beziehungen festgelegt.[36] Letztere wurden als »Hilfstruppe der Weltrevolution« betrachtet, in der Sowjetrussland selbst die Hauptrolle spielte.

Die europäischen Sozialisten in den Reihen der Komintern trieb nicht nur die Unzufriedenheit mit der versöhnlerischen Politik der sozialdemokratischen Parteien in ihren Ländern und radikaler Idealismus an. Es war für sie schlicht einfacher, sich einem real existierenden Zentrum mit einer klar ausgeprägten »Generallinie« anzuschließen, als im Dunkel autonomer Organisationen umherzuirren, in denen alle Schattierungen des Marxismus, des Anarchismus und des Syndikalismus vertreten waren.

Bereits im ersten Jahr des Bestehens der Komintern zeigte sich Lenin überaus interessiert am Wunsch einiger sozialistischer Parteien, sich ihr anzuschließen. In erster Linie betraf dies die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD), über die auf der Politbürositzung am 20. Januar 1920 diskutiert wurde. Die Antwort an die Führung der Partei, die von Lenin im Namen des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) verfasst wurde, enthielt die klare Forderung, sich von den »rechten Führern« zu befreien, ließ aber eine Tür für Verhandlungen offen.[37]

Anstatt dafür zu kämpfen, die Zahl ihrer Anhänger weiter zu vergrößern, waren die Kommunisten davon überzeugt, allein die Zeit arbeite zu ihren Gunsten. Sie verwiesen stets auf die traurigen Erfahrungen vor Beginn des Weltkrieges, die ein Beweis dafür gewesen seien, dass labile Elemente in den Parteien der Zweiten Internationale zum Zusammenbruch der internationalen Sozialistenorganisation geführt hatten. Im Mai 1920 beklagte der Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki), Preobraženski: »Bald wird der Kommunismus ob all dieser Ja-Sager nicht mehr wissen, wohin.« [38] Nach der Vereinigung von KPD und USPD im Herbst 1920 konnte die Komintern jedoch keine weiteren ernsthaften Erfolge bei der Erweiterung ihrer Massenbasis in den europäischen Ländern erzielen. »1920 haben die Bolschewiki das getan, was beim Blick in die Vergangenheit als ihr größter Fehler erscheint – sie haben die internationale Arbeiterbewegung gespalten.« Eric Hobsbawm, von dem diese Worte stammen, sieht eine Alternative im Zusammenschluss der »sozialistischen Anhänger der Oktoberrevolution«, die sich ihr gegenüber »kritisch solidarisch« zeigten. »Die meisten linken Sozialisten – sowohl einzelne Funktionäre als auch Parteien – kehrten in das sozialdemokratische Lager zurück, das vorwiegend von gemäßigten Antikommunisten geführt wurde«, so Hobsbawm.[39]

Der Kapp-Putsch in Deutschland stellte die Komintern erstmals vor die Frage nach dem Wert der Demokratie als solche. Wie könnte die Arbeiterklasse diese Regierungsform nutzen, um ihre sozialen Errungenschaften zu verteidigen, nachdem sie die bürgerliche Demokratie lange als Mittel zum Betrug der Arbeiter durch die herrschende Klasse betrachtet hatte? Die erste Reaktion auf den Putsch war nicht überraschend: Keine Unterstützung der »weißen Sozialdemokratie« – der Militärdiktatur müsse die Arbeiterklasse des Landes ihre Diktatur entgegenstellen. Der Putsch der reaktionären Militärs wurde analog zum Kornilov-Aufstand betrachtet, dem die Machtergreifung durch das Proletariat folgt.[40] Der in Deutschland entfachte politische Generalstreik zwang die Führer der kommunistischen Parteien zur Revision ursprünglicher Entscheidungen. Die KPD schloss sich der Einheitsfront der Arbeiterorganisationen an, die innerhalb weniger Tage die Putschisten aus Berlin jagte. Die weitere Zusammenarbeit der Kommunisten mit den sozialistischen Parteien und Gewerkschaften (Zusage einer »loyalen Opposition« im Falle der Bildung einer Arbeiterregierung in Deutschland) wurde jedoch in Moskau als Rechtsruck verurteilt.[41] Die Taktik der KPD während des Kapp-Putsches riefe den stillen Protest jener Führer ausländischer kommunistischer Parteien hervor, die auf einer Kopie der Linie der Bolschewiki im Jahre 1917 bestanden. Ihre Stimmungen brachte in einem Brief an Lenin der ungarische Revolutionär Béla Kun zum Ausdruck, der sich zu jener Zeit in einem österreichischen Gefängnis befand: »Einige Ihrer Äußerungen der letzten Zeit werden von allen miesen Opportunisten in den kommunistischen Parteien und außerhalb von ihnen genutzt, um sie nicht nur vor Putschen zu warnen, sondern um die Bewegung überhaupt zu hemmen [...] Die ungarischen Ereignisse und noch mehr das Verhalten der KPD haben mich vollends überzeugt, dass es besser ist, nach der russischen Methode zu handeln, eingedenk aller Fehler der dortigen Entwicklung, als unter ihrem Deckmantel die bolschewistische Partei und ihre Handlungen zu kastrieren.«[42]

Lenin war sich bewusst, wohin ein derartiger Dogmatismus die ausländischen Kommunisten führen würde, und gab den Startschuss zur ersten Wende in der Geschichte der Komintern, indem er gegen linke Auswüchse in der Politik einzelner kommunistischer Parteien auftrat. Die dominierende Rolle der Erfahrungen der Bolschewiki zweifelte er in seinem Buch Detskaja bolezn’ levizny v kommunizme [Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus], das im Mai 1920 erschien, zwar nicht an, warnte aber die ausländischen Gleichgesinnten davor, diese schablonenhaft anzuwenden. Wobei es nicht nur um linke Fehler ging, sondern auch (wie im Fall des Kapp-Putsches) um das ungerechtfertigte Vertrauen der Kommunisten in demokratische Institutionen.

Die blinde Bereitschaft der ausländischen Kommunisten, dem russischen Beispiel ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten des politischen Kampfes in ihren Ländern zu folgen, rief heftige Diskussionen in der Führung der Komintern am Vorabend ihres Zweiten Kongresses hervor. Der aus Deutschland zurückgekehrte Radek setzte sich für Geschlossenheit ein: »Das Exekutivkomitee der Dritten Internationale kann nicht die Rolle des Vaters spielen, der alles selbst entscheidet. Es ist sehr sinnvoll und sogar erforderlich, dass die Mitglieder des Exekutivkomitees ihren Standpunkt im Streitgespräch mit den anderen Parteien festlegen.«[43] Es gab auch andere Stimmen: »Es ist nichts Verwerfliches daran, dass man uns die Diktatur [der russischen Kommunisten – A. V.] aufzwingen will. Jede Frage, die im Exekutivkomitee aufkommt, steht oder wird in naher Zukunft in engem Zusammenhang mit der russischen Politik stehen.«[44]

Ungeachtet der zaghaften Aufrufe einer Reihe von Vertretern ausländischer kommunistischer Parteien zur kollektiven Führung blieb die Frage, ob das Komintern-Steuer nach rechts oder links umgelegt werden sollte, den Führern der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) vorbehalten. Sie kamen auch ohne die Meinung ihrer ausländischen Kampfgefährten aus. So, als im ZK die Perspektiven des sowjetisch-polnischen Krieges, genauer gesagt, die Grenzen des Angriffs der Roten Armee auf den Westen erörtert wurden.

 

Die Niederlage bei Warschau

Die Bolschewiki haben niemals auf den Einsatz gewaltsamer Methoden verzichtet, wenn es darum ging, die Weltrevolution voranzubringen (auch wenn sie es vorzogen, dies nicht öffentlich zu verkünden). Im ersten Programmentwurf der Komintern verteidigte Nikolaj Bucharin »das Recht der proletarischen Republiken auf Intervention zugunsten der Unterdrückten und Ausgebeuteten«.[45] Die Führer der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) waren jedoch hervorragende Taktiker, die ihre ideologischen Zielsetzungen den Realitäten der innen- und außenpolitischen Lage unterordneten.

Im Mai 1920, als die polnische Armee Kiew angriff, kam Lenin in der Tradition klassischer Geopolitik zu dem Schluss: »Unser Bündnis mit Deutschland gegen die Entente nimmt Gestalt an.«[46] Ähnliche Gedanken äußerte auch der deutsche General Hans von Seeckt, der davon überzeugt war, dass Polen früher oder später von der politischen Landkarte Europas verschwinden werde.[47] Im Juli konnte bezüglich der Lage an der sowjetisch-polnischen Front eine Wende eingeleitet werden, die Rote Armee ging zu einem groß angelegten Angriff über. Als Antwort auf die Curzon-Linie, die vorsah, eine polnisch-russische Demarkationslinie nach dem ethnografischen Prinzip zu ziehen, hatte Lenin mit aller Deutlichkeit gefragt: »Sollen wir diesen Vorschlag mit für uns vorteilhaften Grenzen annehmen und uns damit in eine – allgemein gesprochen – reine Verteidigungsposition bringen oder den Aufschwung in unserer Armee und die Überlegenheit nutzen, um die Sowjetisierung Polens zu unterstützen?«[48]

Die Beurteilung der internationalen Lage erinnerte sehr an die Diskussion zum Brester Frieden. Erst jetzt nahm Lenin die Position der »linken Kommunisten« an, die bereit waren, ihre eigene Macht zu riskieren, um die proletarische Weltrevolution voranzubringen. Er schrieb den Entwurf der Thesen des Juli-Plenums des ZK der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki), mit denen er die Parteimitglieder aufrief, mit vereinten Kräften den Polen zu helfen, sich von der Bourgeoisie und den Gutsbesitzern zu befreien. Lenin wurde von Grigori Zinovʼev, Bucharin und Lev Kamenev unterstützt. Die Bedenken der engsten Kampfgefährten wugen schwer. Radek warnte, dass »unser Angriff einzig und allein einen Ausbruch des Patriotismus zur Folge hat und das [polnische] Proletariat in die Arme der Bourgeoisie treibt [...] und überhaupt ist Europa nicht reif für eine soziale Revolution«. Aleksej Rykov ergänzte: »Die Versuche, Europa mithilfe von Verbänden wie der Budënnyj-Reiterarmee zu sowjetisieren, werden uns nur vor dem europäischen Proletariat blamieren.« Doch sobald Lenins Resolution angenommen war, wurde der Angriff auf Warschau fortgesetzt.[49]

Während des Plenums wurde Zinov’ev gefragt, ob die in Moskau versammelten ausländischen Kommunisten das Überschreiten der Grenzen Polens durch die Rote Armee unterstützen würden. Der Vorsitzende des EKKI antwortete zynisch, dass sie »auf unsere Weisung hin alles Mögliche beschließen können«.[50] Es ging um die Delegierten des Zweiten Kongresses, dessen Eröffnung für den 19. Juli 1920 geplant war. Erstmals wurde die Einberufung eines Kongresses der Komintern öffentlich bekannt gegeben, und erstmals trafen sich im Kreml-Palast Vertreter real existierender kommunistischer und sozialistischer Parteien aus 37 Ländern.

Im Mittelpunkt des Zweiten Kongresses standen zwei Themen: der Angriff der Roten Armee auf den Westen und die Organisationsstruktur der Komintern. Hinter der Tribüne, von der aus die Redner sprachen, hing eine gewaltige Karte, auf der mit Fähnchen die Frontlinie markiert war. Jeder Vorstoß der Roten Armee ins Innere Polens rief bei den Versammelten einen Begeisterungssturm aus. Niemand hatte Zweifel daran, dass ihr Einmarsch in den europäischen Ländern automatisch zur proletarischen Revolution führen würde. Am 23. Juli 1920 schrieb Lenin an Stalin, der sich an der Südwestfront aufhielt: »Die Lage in der Komintern ist ausgezeichnet. Zinov’ev, Bucharin und auch ich sind der Ansicht, dass man die Revolution in Italien sogleich fördern sollte. Meine persönliche Meinung ist, dass man dazu Ungarn und möglicherweise auch die Tschechei und Rumänien sowjetisieren muss.«[51]

Das Statut, das auf dem Zweiten Kongress verabschiedet wurde, betrachtete die Komintern als »Weltpartei«, bestehend aus einzelnen Sektionen. Die Entscheidungsbefugnisse lagen allein beim EKKI, das über die Finanzmittel verfügte, die von der bolschewistischen Partei bereitgestellt wurden. Während der Diskussionen setzte sich der KPD-Führer Paul Levi für die Einrichtung des Postens eines »politischen Generalsekretärs« ein, für den er Karl Radek vorschlug. Zinov’ev fühlte sich sogleich in seiner Alleinstellung bedroht und erklärte, dass die bevorstehenden Ereignisse in Polen Radek in dieser Richtung unersetzlich machten. Auch der Vorschlag bezüglich einer paritätischen Vertretung von Mitgliedern der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) und Ausländern im Kleinen Büro des EKKI fiel durch.[52] Schließlich bedeuteten die »21 Bedingungen« für die Aufnahme in die Kommunistische Internationale das Ende der Versuche der linken Sozialisten, wenigstens ein Minimum an organisatorischer Autonomie zu verteidigen. Der Zentralisierungskurs und die Erfahrungen der Bolschewiki aus dem Bürgerkrieg bildeten den Kern der Politik der Komintern. Der Zweite Kongress war eine wichtige Zäsur in der Geschichte dieser Organisation und festigte die »Dominanz Moskaus« in allen Bereichen.[53] Die Delegierten kehrten in ihre Länder zurück und fühlten sich als Generale und Offiziere der Schlacht, die jeden Augenblick auf dem europäischen Kontinent beginnen konnte.

Eine Woche nach Abschluss des Kongresses erlitt die Rote Armee am 15. August 1920 eine schwere Niederlage bei Warschau. Die Illusion, dass mit einem einzigen militärischen Schlag das Problem der Zerstörung der kapitalistischen Herrschaft gelöst werden könne, löste sich in Luft auf. Es war an der Zeit, Fehler zu analysieren und Lehren zu ziehen. Es sollte das letzte Mal sein, dass im höchsten satzungsgebenden Organ hart und offen sowie ohne Rücksicht auf das Ansehen der Person diskutiert wurde. Nicht zufällig wurden Teile des Stenogramms der IX. Konferenz der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki), die dem misslungenen Angriff auf Polen gewidmet war, erst Anfang der 1990er-Jahre veröffentlicht.

Lenin blieb bei seiner Haltung, dem bürgerlichen Polen mit dem »rotarmistischen Bajonett« auf den Zahn zu fühlen, und versprach, dass »wir wieder und wieder von der Verteidigungs- zur Angriffspolitik wechseln werden, bis wir alle endgültig zerschlagen haben«.[54] Dem widersprach Karl Radek: »Wir alle stimmen der prinzipiellen Zulässigkeit eines Angriffskrieges gegen kapitalistische Mächte zu. Wir haben uns aber durch markante Losungen hinreißen lassen und nicht bemerkt, dass Mitteleuropa für eine Revolution noch nicht reif ist. Jetzt führt Genosse Lenin eine neue Methode der Informationssammlung vor: Ohne zu wissen, was in dem jeweiligen Land passiert, schickt er die Armee dorthin.«[55]

Die Niederlage bei Warschau hatte ernsthafte Folgen nicht nur für die internationale kommunistische Bewegung, sondern auch für die innenpolitische Entwicklung des Landes. Der Friedensvertrag von Riga mit Polen, der am 18. März 1921 geschlossen wurde, war natürlich kein zweites Brest, aber ein gewaltiger Schlag für das Ansehen Sowjetrusslands. Die Bolschewiki hatten ernsthaft mit der Unterstützung der proletarischen Republiken gerechnet, die im Westen siegen würden, und deshalb nicht auf das militärisch-kommunistische Paradigma verzichtet. Nach der Niederlage verlor Lenin »endgültig die Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung der Weltrevolution. Nun musste er sich auch von seiner Strategie ›Der Westen wird uns helfen‹ verabschieden. Die Ressourcen sowohl für das Überleben des bolschewistischen Regimes als auch für die wirtschaftliche Wiederbelebung Russlands und dessen weitere Entwicklung mussten fortan im eigenen Land erschlossen werden. Folglich musste man von der Psychologie und den Methoden des Bürgerkrieges zur Psychologie und zu den Methoden des Bürgerfriedens wechseln«.[56]

Es bedurfte noch einiger Krisenmonate, bis Lenin einem vorübergehenden Abweichen von seiner Linie zustimmte. Den Bauern wurde die Möglichkeit zur autonomen Entwicklung ihre Wirtschaft eingeräumt. Von der »Neuen Ökonomischen Politik« (NÖP) war die Politik als solche jedoch nicht betroffen. Die Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage beim Rat der Volkskommissare der RSFSR (Vserossijskaja črezvyčajnaja komissija po bor’be s kontrrevoljuciej i sabotažem pri Sovete narodnych komissarov RSFSR (VČK)) verstärkte die Repressalien gegen die sozialistischen Parteien, die ohnehin in die Illegalität getrieben worden waren. In der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) selbst wurde das Verbot zur Bildung von Fraktionen eingeführt: Vor der Parteibasis durfte keine Meinung vertreten werden, die sich von der Meinung der Parteioberen unterschied.

Der starke Rechtsruck erfolgte ohne Absprache mit der Führung der Komintern und den einzelnen kommunistischen Parteien. Die Erwartung Zinov’evs, dass sie »alles Mögliche beschließen«, erfüllte sich nur zum Teil. Die »denkenden Köpfe« begannen, die kommunistische Bewegung zu verlassen.[57] Auch wenn Lenin und Trockij im Verlauf der heftigen Diskussionen auf dem Dritten Komintern-Kongress, der vom 22. Juni bis 12. Juli 1921 stattfand, den angesprochenen Rechtsruck unterstützten, reichte auch ihre Autorität nicht aus, jeden Delegierten davon zu überzeugen. Verwirrend wirkte vor allem die Verkündung der Politik der »Arbeitereinheitsfront«, die eine Abkehr von ursprünglichen Zielsetzungen bezüglich des entscheidenden Sturms auf den Kapitalismus darstellte und ein Versuch war, einen Kompromiss innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung zu finden, eine Art NÖP auf internationaler Ebene.

Der Preis für den Sieg der Bolschewiki im Bürgerkrieg war ein zivilisatorischer Rückfall ungeahnten Ausmaßes.[58] Diese Tatsache sowie die folgende Versöhnung Sowjetrusslands mit dem Westen ließen das »Licht aus dem Osten« verblassen. »Ungeachtet dessen, dass die Lage in Europa weit entfernt von Stabilität war, wurde im Jahre 1920 klar, dass die bolschewistische Revolution nicht auf der westlichen Agenda stand, obwohl zugleich offensichtlich war, dass sich die Bolschewiki in Russland für lange Zeit etabliert hatten.«[59] Im Verlauf der 1920er-Jahre verloren die meisten Sektionen der Komintern in Europa ihre politische Bedeutung. Die Perspektive von Revolutionen nach russischem Muster verlagerte sich nach Asien. Es bedarf neuer sozialer und politischer Erschütterungen, um der kommunistischen Bewegung »neues Leben« einzuhauchen. Allerdings wird sie in Zukunft ein neues Antlitz annehmen – nicht als Waffe der Weltrevolution des Proletariats, sondern als Werkzeug der Außenpolitik der Sowjetunion und als Bestandteil der antifaschistischen Volksfront.

 

Aus dem Russischen übersetzt durch das Bundessprachenamt

 


[1] J. Sadoul: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (oktjabr’ 1917 – janvar’ 1919) [Aufzeichnungen über die bolschewistische Revolution (Oktober 1817 – Januar 1919)], Moskau 1990, S. 178.

[2] Siehe M. Malia: Lokomotivy istorii. Revoljucii i stanovlenie sovremennogo mira (amerik. Originalausgabe: Historyʼs Locomotives. Revolution and the making of the Modern World, New Haven/London, 2006), Moskau 2015, S. 298.

[3] Ebd., S. 299.

[4] Siehe G. Koenen: Was war der Kommunismus?, Göttingen 2010, S. 12.

[5] Siehe W. Hedeler/A. Vatlin (Hg.): Die Weltpartei aus Moskau. Der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale 1919. Protokoll und Dokumente, Berlin 2008.

[6] G. Al’bert: »Mirovaja revoljucija – prelestnaja vešč«. Internacionalizm bolʼševistskich aktivistov pervch let sovetskoj vlasti. Konstruiruja »sovetskoe«? [»Die Weltrevolution – eine tolle Sache«. Der Internationalismus der bolschewistischen Aktivisten in den ersten Jahren der Sowjetmacht. Gestaltung des »Sowjetischen«?], in: Bulletin des Deutschen Historischen Instituts in Moskau, (2012), H. 6, S. 23.

[7] M. Gor’kij: Nesvoevremennye mysli [Unzeitgemäße Gedanken], in: Novaja Žizn’, Nr. 43 vom 16. März 1918.

[8] Sadoul: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (Anm. 1), S. 19.

[9] Dekrety Sovetskoj vlasti [Dekrete der Sowjetmacht], Bd. I, hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU und Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Moskau 1957, S. 15 f.

[10] N. A. Berdjaev: Istoki i smysl russkogo kommunizma (dt. Ausgabe: Sinn und Schicksal des russischen Kommunismus: Ein Beitrag zur Psychologie und Soziologie des russischen Kommunismus, hrsg. von I. Schor, Luzern 1937), Moskau 1990 (russ. Erstausgabe: 1955).

[11] Istorija VKP(b) [Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)], Moskau 1952, S. 215 f.

[12] Sadoul: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (Anm. 1), S. 36.

[13] I. B. Michutina: Ukrainskij Brestskij mir: put’ vychoda Rossii iz Pervoj mirovoj vojny i anatomija konflikta meždu Sovnarkomom RSFSR i pravitel’stvom Ukrainskoj central’noj rady [Der Ukrainische Brester Frieden: Der Weg des Austritts Russlands aus dem Ersten Weltkrieg und die Anatomie des Konfliktes zwischen dem Rat der Volkskommissare der RSFSR und der Regierung des Ukrainischen Zentralrates], Moskau 2007, S. 17 f.

[14] Ein klassisches Werk der sowjetischen Geschichtsschreibung zu diesem Thema ist die Forschungsarbeit von A.O. Čubar’jan: Brestskij mir [Brester Frieden], Moskau 1964. Ein typisches Beispiel für die westliche Herangehensweise ist das Buch von Ju. G. Fel’štinskij: Krušenie mirovoj revoljucii. Brestskij mir, oktjabr’ 1917 – nojabr’ 1918 [Der Zusammenbruch der Weltrevolution. Der Brester Frieden, Oktober 1917 – November 1918], Moskau 2014.

[15] Ja. A. Butakov: Brestskij mir: lovuška Lenina dlja kajzerovskoj Germanii [Der Brester Frieden – Lenins Falle für das Deutsche Kaiserreich], Moskau 2012, S. 208.

[16] Die Argumente des »linken Kommunisten« E. A. Preobraženski, die von ihm im März 1918 in der Presse des Urals dargelegt wurden, werden zitiert nach: M. M. Gorinov: Evgenij Preobraženskij. Bol’ševik iz popovičej. [Evgeni Preobraženski. Ein Bolschewik unter Priestersöhnen], Moskau 2015, S. 196.

[17] Ebd., S. 197.

[18] Sadoul: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (Anm. 1), S. 222.

[19] Siehe V. A. Nikonov: Krušenie Rossii 1917 g. [Der Zusammenbruch Russlands 1917], Moskau 2015, S. 687.

[20] Siehe P. Holquist: Making war, forging revolution. Russiaʼs continuum of crisis, 1914–1921, Cambridge (Mass.)/London 2002, S. 145–147.

[21] Für Einzelheiten siehe A. Ju. Vatlin: »Russkij otdel« germanskogo MIDa na rubeže 1918–1919 gg. [Die »Russische Abteilung« des Auswärtigen Amtes an der Schwelle der Jahre 1918–1919], in: Istoričeskij žurnal: naučnye issledovanija (2015), H. 3, S. 377–385.

[22] Siehe W. Baumgart: Deutsche Ostpolitik 1918. Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Wien/München 1966.

[23] Sadoul: Zapiski o bol’ševistskoj revoljucii (Anm. 1), S. 37.

[24] Siehe G. Koenen: Was war der Kommunismus? (Anm. 4), S. 36.

[25] Siehe Politbjuro CK RKP(b)-VKP(b) i Komintern. 1919–1943. Dokumenty [Das Politbüro des ZK der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) und die Komintern. 1919–1943. Dokumente], Moskau 2004, S. 26.

[26] G. Koenen: Meždu strachom i voschiščeniem (dt. Ausgabe: Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900–1945, München 2005), Moskau 2010, S. 151.

[27] A. Vatlin: Im zweiten Oktober. Lenin, die Niederlage des Deutschen Reiches und die außenpolitische Strategiewende der Bolschewiki, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2007, Berlin 2007, S. 180–200.

[28] Siehe D. Geyer: Sowjetrußland und die deutsche Arbeiterbewegung 1918–1932, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (1976), H. 1, S. 10–12.

[29] Protokoll der Gespräche Oscar Cohns mit dem Vertreter des Rates der deutschen Arbeiter- und Soldatendeputierten in Moskau, Ernst Reuter, vom 11. November 1918, Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Berlin (im Folgenden: PA AA) R 2018.

[30] Siehe Fernschreiben von Graf von Saurma, Attaché in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, vom 15. November 1918, mit dem er anfragte, ob er das Schreiben Joffes bestimmungsgemäß an das Auswärtige Amt senden solle, PA AA R 2019.

[31] Pis’mo k rabočim Evropy i Ameriki [Brief an die Arbeiter Europas und Amerikas], in: V. I. Lenin: Polnoe sobranie sočinenij [Gesammelte Werke], Bd. 37, S. 457.

[32] Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty [Die Komintern und die Idee der Weltrevolution. Dokumente], Moskau 1998, S. 109.

[33] Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918–1945, Serie A, Bd. 1, Göttingen 1982, S. 474.

[34] Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty (Anm. 32), S. 93.

[35] Holquist: Making war, forging revolution (Anm. 20), S. 7.

[36] Siehe Politbjuro i Komintern [Das Politbüro und die Komintern], hrsg. vom Bundesarchivdienst der Russischen Föderation und dem Russischen Staatsarchiv für soziale und politische Geschichte (RGASPI), Moskau 2004, S. 25–33, 38–71.

[37] Ebd., S. 36 f. Der Text der Antwort wurde auch in der Zeitschrift »Kommunističeskij Internacional«, (1920), H. 90 veröffentlicht.

[38] Tagebuch von E.A. Preobraženski mit Aufzeichnungen der Fragestellungen, die bei den Sitzungen des Politbüros und des Plenums des ZK der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) vom 4. Mai bis 24. September 1920 erörtert wurden. E. A. Preobraženskij: Archivnye dokumenty i materialy. 1886–1920 gg [Archivdokumente und Materialien. 1886–1920], Moskau 2006, S. 348.

[39] E. Hobsbawm: Èpocha krajnostej: korotkij dvadcatyj vek (1914–1991) (amerik. Originalausgabe: The Age of Extremes. The Short Twentieth Century, 1914–1991, London 1994; dt.: Das Zeitalter der Extreme, München 1995), Moskau 2004, S. 81 f.

[40] Siehe Aufruf des EKKI vom 15. März 1920. Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty (Anm. 32), S. 159 f.

[41] »Wir halten es für erforderlich, die deutschen Genossen auf diesen Fehler hinzuweisen, den wir darin sehen, dass sie sich vom rechtmäßigen Kampf gegen die umstürzlerische Taktik haben hinreißen lassen«, erklärte Radek bei der Sitzung des EKKI am 18. Juni 1920, Rossijskij gosudarstvennyj archiv social’no-političeskoj istorii/Russländisches Staatsarchiv für Soziale und Politische Geschichte (im Folgenden: RGASPI) 495-1-6, Bl. 66.

[42] Der Brief wurde Ende März 1920 geschrieben. Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty (Anm. 32), S. 168 f.

[43] Rede Radeks auf der Sitzung des EKKI am 28. Juni 1920, RGASPI 495-1-6, Bl. 101.

[44] Rede des Vertreters der norwegischen Kommunisten, Jakob Friis, auf der Sitzung des EKKI am 7. August 1920, RGASPI, 495-1-7, Bl. 12.

[45] K voprosu o Programme Kommunističeskogo Internacionala (Materialy) [Zum Programm der Kommunistischen Internationale (Materialien)], Moskau 1924, S. 65.

[46] Tagebuch von E.A. Preobraženski (Anm. 38), S. 348.

[47] Siehe H. A. Winkler: Vejmar 1918–1933. Istorija pervoj nemeckoj demokratii (dt. Ausgabe: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten Deutschen Demokratie, München 1993), Moskau 2013, S. 168 f.

[48] Politbjuro i Komintern (Anm. 36), S. 59.

[49] Tagebuch von E.A. Preobraženski (Anm. 38), S. 349 f.

[50] Ebd., S. 349.

[51] Politbjuro i Komintern (Anm. 36), S. 54.

[52] Siehe Sitzung des Exekutivkomitees am 7. August 1920, RGASPI 495-1-7, Bl. 8 f., 12.

[53] Siehe Hermann Weber/Jakov Drabkin/Bernhard H. Bayerlein/Aleksandr Galkin (Hg.): Deutschland, Russland, Komintern, Bd. I: Überblicke, Analysen, Diskussionen, München 2014, S. 34.

[54] Komintern i ideja mirovoj revoljucii. Dokumenty (Anm. 32), S. 198 f.

[55] Ebd., S. 201, 203.

[56] Gorinov: Evgenij Preobraženskij (Anm. 16), S. 449.

[57] Ein typisches Beispiel war Paul Levi. Siehe dazu Charlotte Beradt: Paul Levi. Ein demokratischer Sozialist in der Weimarer Republik, Frankfurt a.M. 1969.

[58] Siehe G. Koenen: Was war der Kommunismus? (Anm. 4), S. 30.

[59] Hobsbawm: Èpocha krajnostej (Anm. 39), S. 81.

Inhalt – JHK 2017

Kurzbiografie

Abstract

Copyright:

Eventuell enthaltenes Bildmaterial kann aus urheberrechtlichen Gründen in der Online-Ausgabe des JHK nicht angezeigt werden. Ob dieser Beitrag Bilder enthält, entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument.