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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Die schwedische kommunistische Partei und der Eurokommunismus

JHK 2010 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 81-92 | Aufbau Verlag

Autor/in: Charlotta Brylla

Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa bedeutete auch für die westeuropäischen Bruderparteien eine ideologische Krise, die in unterschiedlichem Maße zu Aufarbeitung und Reformen führte. 1990 beschloss die Vänsterpartiet Kommunisterna (VPK, Linkspartei Die Kommunisten), einst die schwedische KP, die Bezeichnung »Kommunisten« fallen zu lassen. Mit dem Namenswechsel sollte eine ›Stunde Null‹ konstruiert werden, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des real existierenden Sozialismus erfolgte jedoch zunächst nur in Ansätzen. Inzwischen musste sich die Partei allerdings einer kritischen Aufdeckung der eigenen Geschichte stellen, konnten doch Journalisten und Forscher seit Anfang der Neunzigerjahre viel belastendes Material zutage fördern, insbesondere zu ihren Kontakten mit den kommunistischen Bruderparteien. Eine bis heute andauernde parteiinterne und -externe Diskussion begann, die zu neuen Lagern in der Partei führte.1

Das dennoch nach wie vor teilweise ungeklärte bzw. ambivalente Verhältnis der schwedischen KP zum Weltkommunismus während des Kalten Krieges ist ein interessantes Forschungsfeld,2 das im vorliegenden Beitrag näher untersucht werden soll. Dabei wird das Augenmerk hauptsächlich auf der Entwicklung der Partei in eine eurokommunistische Richtung liegen, wie sie unter der Führung des Parteivorsitzenden Carl-Henrik Hermansson (1964–1975) in den Sechzigerjahren initiiert wurde. Neben den Forschungsarbeiten von Werner Schmidt3 bilden Akten des SED-Archivs (Teil des Archivs der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv in Berlin [im Folgenden SAPMO-BArch]) den Ausgangspunkt dieses Beitrags. Die Akten der SAPMO-BArch bieten eine ausgezeichnete Quellenlage hinsichtlich der Verbindungen der SED zu den Bruderparteien. Sie zeigen, wie die Funktionäre der ZK-Abteilung Internationale Verbindungen die ab 1964 aus ihrer Sicht beunruhigende Entwicklung in der SKP verfolgten und dabei den schwedischen Genossen gegenüber eine Art erzieherische Rolle einnahmen, um die Interessen der KPdSU zu vertreten.

Kurzer Abriss der Geschichte der schwedischen KP 1917–1990

Wie viele westliche kommunistische Parteien ist die schwedische KP in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung verwurzelt.4 Sie wurde 1917 als Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei gegründet und hieß zunächst Sveriges Socialdemokratiska Vänsterparti (Schwedens sozialdemokratische Linkspartei). Nach dem Eintritt in die Komintern erhielt sie 1921 den Namen Schwedens Kommunistische Partei (SKP, Sveriges Kommu­nistiska Parti). 1929 wurde die Mehrheit der Mitglieder ausgeschlossen, weil sie die stalinistische Entwicklung in der Sowjetunion und innerhalb der Komintern nicht akzeptieren wollte. Als nationale Sektion der Komintern hatte die SKP ihre politische Eigenständigkeit aufzugeben und sich den zentralen Beschlüssen unterzuordnen. Dies brachte die Partei im Zweiten Weltkrieg in eine heikle Lage, die ihre Wahrnehmung in der schwedischen Öffentlichkeit dauerhaft prägen sollte. Die schwedische KP war durch die Komintern nicht nur verpflichtet, den Molotov-Ribbentrop-Pakt zu verteidigen, sondern auch den sowjetischen Angriff auf das benachbarte Finnland. Vor allem Letzteres löste in Schweden Ressentiments aus und führte zur politischen Isolation der SKP. Beispielsweise war sie die einzige im Parlament vertretene Partei, die der Sammlungsregierung unter Per-Albin Hansson nicht angehören durfte. Dass die Sowjetunion im Verlauf des Kriegs zur Siegermacht avancierte und zum Befreier Europas vom Nationalsozialismus wurde, führte allerdings zu einer Imageverbesserung: Bei der Parlamentswahl 1944 konnte die SKP 10,3 Prozent der Stimmen verbuchen.5 Doch der Erfolg blieb nicht von Dauer. Vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges wirkte sich die enge Bindung an Moskau und die neuen Volksdemokratien für die SKP ein weiteres Mal verheerend aus. In nur vier Jahren verlor die Partei die Hälfte der Parlamentssitze und 20 Prozent ihrer Mitglieder.6

Erst in den Sechzigerjahren machte die SKP die ersten Versuche, sich als ideologisch selbstständige Partei zu positionieren. Dieser Prozess setzte mit dem Parteitag 1964 ein, auf dem Carl-Henrik Hermansson den Vorsitz von Hilding Hagberg (1951–1964) übernahm. Die Neuorientierung kam unter anderem in einem Namenswechsel zum Ausdruck. Der 1967 beschlossene Name Vänsterpartiet Kommunisterna (Linkspartei Die Kommunisten) war allerdings ein Kompromiss, der die ideologischen Konflikte in der Partei nicht beenden konnte.7 Hermanssons Reformkurs wurde nicht von allen Genossen begrüßt, die Partei zerfiel in zwei große Fraktionen und mehrere Gruppierungen. Als es auch Lars Werner, dem eher pragmatischen Nachfolger Hermannssons, nicht gelang, diese zu versöhnen, kam es 1977 zur Spaltung – die Kritiker der Parteiführung gründeten die Arbetarpartiet Kommunisterna (APK, Arbeiterpartei Die Kommunisten).8 Während die VPK eine etablierte Partei blieb, die bis 1990 bei den Parlamentswahlen regelmäßig etwa fünf Prozent der Sitze erreichte, gelang es der APK nie, bei Wahlen ein Reichstagsmandat zu gewinnen. Nur auf kommunaler Ebene hatte sie einen gewissen Einfluss.

Nach 1990 profilierte sich die VPK als »links« und »feministisch«, was unter der charismatischen Vorsitzenden Gudrun Schyman (1993–2003) zu großem Erfolg führte. Die Wahl ihres Nachfolgers Lars Ohly 2004 bedeutete jedoch einen Rückfall ins Orthodoxe. Ohly trat in der Öffentlichkeit trotzig als Kommunist auf: Die kommunistische Ideologie stelle trotz der unter ihrer Fahne etablierten Diktaturen nach wie vor die Grundlage seiner Politik dar.9 Nachdem er deshalb auch in den eigenen Reihen scharf kritisiert wurde, erklärte sich Ohly schließlich bereit, auf die Bezeichnung »kommunistisch« zu verzichten, betonte aber, weiterhin hinter seinen Idealen zu stehen. Die begriffshistorischen Aspekte dieser Positionierung wurden in der Debatte nie ausführlich erörtert.

Der XX. Parteitag der SKP: Hermansson und der neue Kurs

Der XX. Parteitag der SKP, auf dem Carl-Henrik Hermansson 1964 zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, stellt eine Zäsur in der Entwicklung der Partei dar. Ihr neuer Kurs zielte hauptsächlich darauf ab, das Verhältnis zum Weltkommunismus und insbesondere die Beziehungen zur KPdSU neu zu definieren. Hermanssons eigene Abrechnung mit dem Stalinismus hatte schon früher eingesetzt – er gehörte zu denjenigen, die den XX. Parteitag 1956 in Moskau miterlebt hatten und davon äußerst betroffen waren. Während sich die Parteiführung von der Veröffentlichung der Geheimrede Chruschtschows nicht aus der Ruhe bringen ließ, zeigte sich Hermansson tief erschüttert; er selbst hatte zu Ehren Stalins drei Jahre zuvor eine Rede gehalten und diesen dabei zum genialsten Wissenschaftler aller Epochen ausgerufen.10 Die Korrektur und Bewältigung dieser Fehleinschätzung sollte ihn mehrere Jahrzehnte beschäftigen und brachte mit sich, dass er – anders als die damalige SKP-Führung – das System infrage stellte, in dem Stalin gewirkt hatte. In einer Rede am 11. November 1956 erklärte Hermansson die »unglückliche Entwicklung« in Ungarn damit, dass sich die sowjetischen Erfahrungen und Strukturen nicht mechanisch auf ein anderes Land übertragen ließen. Dies habe seine Haltung bekräftigt, dass ein »schwedischer Weg zum Sozialismus« möglich sein müsse. In der Sowjetunion und in den Volksdemokratien gebe es Vorkommnisse, die in einem sozialistischen Schweden keinen Platz hätten. Dort müsse vielmehr die demokratische und parlamentarische Tradition berücksichtigt werden, die mit dem in den kommunistischen Ländern herrschenden Prinzip des Zentralismus nicht zu vereinbaren sei.11 Zu dieser Zeit war Hermansson lediglich eine kritische Stimme in der Partei, deren Programmatik sich insgesamt noch im Rahmen des proletarischen Internationalismus bewegte.

In den nächsten Jahren konnte sich Hermansson immer mehr Einfluss verschaffen, nicht zuletzt weil er als Chefredakteur der Parteizeitung Ny Dag (Neuer Tag) von 1959 bis 1964 über ein Forum für seine Argumentation verfügte. Dass er 1964 den moskautreuen Hagberg ablöste, zog unmittelbare Veränderungen in den Beziehungen zu den Bruderparteien nach sich. Die SKP hatte in den Jahren zuvor marxistische Studiengänge und Kaderschulungen für ihre Genossen sowohl in der Sowjetunion als auch in der DDR durchgeführt. Mit finanzieller und ideologischer Unterstützung der SED hatte die schwedische Partei regelmäßig Funktionärsausbildungen an der Parteihochschule in Bad Doberan veranstaltet. Von nun an sollten diese Lehrgänge in Schweden stattfinden. Auch die in den sozialistischen Ländern angebotenen Ferienplätze für schwedische Genossen sollten nicht mehr in Anspruch genommen werden. Es galt finanzielle Unabhängigkeit zu demonstrieren und damit die Möglichkeit zur ideologischen Kritik zu wahren. Zwei Jahre nach seiner Wahl redete Hermansson Klartext: Die schwedischen Kommunisten seien nicht glaubwürdig, wenn sie sich für Freiheit und demokratische Rechte der Bürger in Schweden einsetzten, aber nicht dieselben Rechte für Künstler und Schriftsteller in den sozialistischen Ländern verlangten. Die Zeit der »doppelten Buchführung« sei vorbei, und demokratische Defizite müssten angesprochen werden.12

Die SED-Führung beunruhigte die Entwicklung der schwedischen KP. Die von Paul Werner angeführte Delegation auf deren XX. Parteitag berichtete: »Sie überbetonen die Autonomie und Selbstständigkeit ihrer Partei und missachten die allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten des revolutionären Kampfes und verzichten auf die Ausnutzung der Erfahrungen der Bruderparteien.«13 Zugleich musste man konstatieren, dass der neue Kurs unter Hermansson in Schweden Erfolg hatte. So konnte sich die SKP bei der Reichstagswahl 1965 von 4,5 auf 5,2 Prozent verbessern. Die Analyse des Wahlergebnisses durch die SED zeugte dennoch von Kritik – die neue Politik wurde als Opportunismus charakterisiert. Die Partei profiliere sich als nationalistisch, statt sich zum proletarischen Internationalismus zu bekennen. Die Auslegung des Demokratiebegriffs weise kleinbürgerliche Züge auf, und die antisowjetische Haltung sei offensichtlich – eine Bilanz, die in der stigmatisierenden Bezeichnung »Revisionismus« mündete.14

Es zeichnete sich ab, dass die SKP einer ähnlichen Entwicklung entgegensteuerte wie die dänische KP, die nach der sowjetischen Intervention in Ungarn 1956 zersplittert war. Der wegen seiner antisowjetischen Haltung ausgeschlossene ehemalige Parteivorsitzende Aksel Larsen hatte dort 1959 die Socialistisk Folkeparti (Sozialistische Volkspartei) gegründet. In einer Analyse von 1965 fasste die SED die problematische Lage in Nordeuropa zusammen: »Die skandinavischen Länder haben starke bürgerlich-parlamentarische Traditionen, die marxistisch-leninistische Schulung ist stark vernachlässigt, sodass bei vielen Mitgliedern und Funktionären bis in die Reihen der Parteiführungen bestimmte Ereignisse in den sozialistischen Ländern, wie die Ereignisse in Ungarn, die Diskussionen um Stalin, die Ablösung des Gen. Chruschtschows, Kulturdiskussionen, die Maßnahmen der DDR zum Schutze der Grenzen, sofort ein Anzweifeln der Demokratie in den sozialistischen Ländern hervorriefen und sich die Kräfte verstärkten, die nationalistische Tendenzen bezüglich der Entwicklung des Sozialismus in den eigenen Ländern haben.«15

Galt die neue Linie Hermanssons der SED zu Anfang als beunruhigend, aber noch im Rahmen des Duldbaren, trat mit der militärischen Intervention des Warschauer Pakts in Prag im August 1968 eine neue Situation ein, die auf eine offene Konfrontation zusteuerte. In den schwedischen Medien missbilligte Hermansson die Invasion deutlich: »Das tschechoslowakische Volk und dessen gewählte Organe haben allein das Recht, das Schicksal ihres Landes zu bestimmen. Wir verurteilen scharf jedes Verbrechen gegen diese grundlegenden Prinzipien und jeden Versuch anderer Mächte, mit militärischen Mitteln die Entwicklung eines Landes zu beeinflussen.«16 Sein Statement wurde später trotz einiger Kritik vom Politbüro der Partei bestätigt. Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten »doppelten Buchführung« forderte Hermansson sogar, die diplomatischen Verbindungen zur Sowjetunion abzubrechen; ähnlich rigoros hatte er wegen des Vietnamkriegs den Abbruch der diplomatischen Kontakte zu den USA verlangt. Die SED-Funktionäre waren schockiert: Hermansson sei von antikommunistischen Stimmungen ergriffen, er versuche auf der Woge des Antikommunismus zu schwimmen. Damit konnte Hermansson nicht mehr nur als reformistischer Kritiker bezeichnet werden, jetzt verkörperte er einen revisionistischen Feind. Seine Stellungnahme wurde als eine »extrem-rechte« bezeichnet.17

Carl-Henrik Hermansson hatte zum Ausdruck gebracht, was viele schwedische Kommunisten bewegte:18 Wie konnten Länder, die den Frieden befürworteten, eine solche Militäraktion durchführen und unterstützen? Mehr noch als sieben Jahre zuvor der Bau der Berliner Mauer bedeutete der Einmarsch in Prag 1968 für die kommunistische Ideologie in Schweden einen immensen Verlust an Glaubwürdigkeit. Für das Image der VPK war dies verheerend. Es ist nicht auszuschließen, dass das scharfe Urteil Hermanssons auch einen pragmatischen Aspekt beinhaltete, befand sich seine Partei doch mitten im Wahlkampf. Geholfen hat es jedoch wenig, denn die schwedischen Parlamentswahlen Mitte September brachten der VPK ein katastrophales Wahlergebnis ein – sie erreichte lediglich 3,2 Prozent der Stimmen.

Parteiinterne Kritik: der Kreis um Hagberg und Norrskensflamman

Hermanssons reformerische Linie war in der Partei nicht unumstritten. Sein Vorgänger Hagberg bezog offen eine andere Position, wenn es um die Rolle der SKP / VPK im Weltkommunismus ging. Er war ein Befürworter enger Beziehungen zu den Bruderparteien, für ihn war es selbstverständlich, die Führung der KPdSU anzuerkennen. Er protes­tierte gegen den Vorschlag, die Funktionärsausbildung an der Parteihochschule in Bad Doberan einzustellen, mit dem Hinweis, dies gefährde die gute Zusammenarbeit mit den Bruderländern. Eine weitere unpopuläre Entscheidung Hermanssons war es, Ny Dag nur noch wöchentlich erscheinen zu lassen. Die Zeitung war seit Langem eine finanzielle Belastung für die Partei gewesen. Hagberg protestierte in einem vertraulichen Schreiben an die SED gegen diesen Beschluss. Anders als Hermansson meinte er, die Partei sei in den bürgerlich-sozialdemokratischen Medien nicht präsent genug und brauche deshalb ein eigenes Sprachrohr. Die Rolle als Parteiorgan musste nun die sektiererische Zeitung Norrskensflamman [Die Nordlichtflamme] übernehmen. Um deren Redaktion konstituierte sich ein hermanssonkritischer Kreis unter der Bezeichnung »Internationalisten«.19

Als es um die Ereignisse in Prag ging, war nicht nur die SED über die Reaktion der schwedischen Parteiführung bestürzt. Empört schrieb Norrskensflamman: »Wir können nie in den Chor der Reaktion gegen die Kräfte des Friedens und des Sozialismus einstimmen. Wir können uns auch nicht mit den Mitläufern solidarisieren, die panisch in den Chor der Reaktion einstimmen.«20 Gemeint war natürlich Hermanssons Statement. In einem offenen Brief richtete Hagberg seine Kritik auch direkt an die Parteiführung: »Die Führung der Linkspartei-Kommunisten verlor das Gleichgewicht gegenüber der Intervention der fünf Staaten des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei. Anstatt die Situation ernsthaft zu analysieren, was gezeigt hätte, dass es das Ziel der fünf Staaten war, die Reaktion zurückzuschlagen, um den Frieden in Europa zu retten, stellte sich die VPK-Führung an die Spitze der reaktionären Kräfte gegen die Sowjetunion.«21

Konflikte und Parteispaltung

Die Kluft zwischen den Internationalisten, die hinter der sowjetischen Politik standen, und den Reformern wurde mit der Zeit immer größer und führte schließlich 1977 zur Spaltung der Partei. Anhand der Akten wird deutlich, dass die SED und die KPdSU die Internationalisten unterstützten, dabei aber wohl kaum die Spaltung der VPK vorantrieben. Vielmehr versuchte die SED zu schlichten; mehrmals ermahnte sie die kritische Gruppe zur Ruhe und riet ihr, die Partei nicht zu verlassen. Zugleich stellten aber die Internationalisten aus Sicht der osteuropäischen Staatsparteien die gesunden Kräfte dar und vertraten die wahren kommunistischen Interessen. Dies veranlasste die SED, gegen das von ihr selbst stets hervorgehobene Prinzip zu verstoßen, dass Kontakte zwischen den Parteien immer offiziell und über die Führung zu laufen hätten. Häufig wurden inoffizielle Gespräche mit den Vertretern der Norrskensflamman-Gruppe geführt, meistens mit Rolf Hagel, dem späteren Vorsitzenden der Splitterpartei APK, und Alf Löwenborg, dem Chefredakteur.22 SED und KPdSU unterstützten die Internationalisten auch finanziell.23

Als Hermansson 1975 seinen Rücktritt erklärte, trat Rolf Hagel als Kandidat der internationalistischen Kräfte gegen Lars Werner an, verlor aber hoch mit 74 zu 162 Stimmen. Für die SED bedeutete das natürlich einerseits eine Enttäuschung, andererseits galt Werner jedoch als »relativ leicht beeinflussbar«, was die Beziehungen zu den Bruderparteien, wie man glaubte, eventuell verbessern könnte.24 Durch Werner wurden die Kontakte zur SED tatsächlich wieder enger, doch ideologisch sah man die VPK dort nach wie vor auf dem falschen Kurs. Obwohl Werner eher der Parteimitte angehörte, konnte er die internen Konflikte nicht lösen. Die Internationalisten glaubten sich schließlich gezwungen, die Partei zu verlassen, und am 22. Februar 1977 gab Rolf Hagel den Beschluss bekannt, die APK zu gründen. In Göteborg schloss sich ihr die gesamte VPK-Kreisleitung an.

Werner und der ambivalente Kurs

Man hätte erwarten können, dass die Existenz der moskautreuen APK das Ende der freundschaftlichen Verbindungen zwischen der VPK und den osteuropäischen Staatsparteien bedeuten würde. Stattdessen kann anhand der Akten konstatiert werden, dass es sowohl seitens der VPK als auch der SED Bemühungen gab, den Kontakt weiterhin aufrechtzuerhalten. Der SED war klar, dass die APK zwar die klassenmäßigen ideologischen Positionen vertrat, aber nur über geringen politischen Einfluss verfügte. Daher waren ihr Beziehungen zu einer Partei, die im Parlament vertreten und zumindest auf dem Papier kommunistisch war, nach wie vor wichtig. Das Engagement der VPK wiederum ist auf die Ambivalenz zurückzuführen, mit der sie sich ab 1964 auseinandersetzen musste: Einerseits galt es, einen kritischen Standpunkt zum Realsozialismus zu beziehen, nicht zuletzt um demokratische Glaubwürdigkeit in der schwedischen Öffentlichkeit zu bewahren und als tolerierender Partner der sozialdemokratischen Minderheitsregierungen infrage zu kommen. Andererseits wollte die VPK ihren Platz in der sozialistischen Gemeinschaft nicht verlieren.25 Als eine Alternative in Form der APK vorhanden war, musste sich die Partei um diese Position bemühen.26

Der ambivalente Kurs und der Versuch der VPK, einen dritten Weg zu finden, führten zu Kritik von allen Seiten. Als Ny Dag zum 30. Jahrestag der DDR einen positiven Artikel publizierte,27 warf ihr die sozialdemokratische Zeitung Aftonbladet »Stalinismus« vor.28 Auch von einem eigenen Genossen wurde der Beitrag in einem Leserbrief scharf angegriffen.29 Der Verfasser fragte, warum die Schattenseiten der »sogenannten sozialistischen Staaten« nicht angesprochen würden, zumal der Artikel sämtliche Erfolge der DDR thematisiere. Wo bleibe eine kritische Auseinandersetzung mit den undemokratischen Tendenzen, wo eine Verurteilung von Repressionen und fehlender Meinungsfreiheit? In der nächsten Ausgabe der Zeitung wurden weitere negative Leserbriefe veröffentlicht, was wiederum die DDR-Botschaft veranlasste, den Politikredakteur Bo Hammar in einem Gespräch zu kritisieren.30

Artikel in Ny Dag waren oft Ursache für SED-Kritik. Als die Zeitung 1979 ein Interview mit Wolf Biermann publizierte, wurden die Parteibeziehungen sehr strapaziert. Die Ausbürgerung Biermanns 1976 hatte auch unter schwedischen Kommunisten Proteste ausgelöst. Bereits damals war die Haltung der schwedischen Linkspartei in der SED-Führung auf Unverständnis gestoßen, jetzt kam es darüber erneut zum Konflikt. Presseattaché Lochmann stattete am 11. Mai 1979 der Ny Dag-Redaktion einen Besuch ab, um das Befremden der SED über das Interview auszudrücken, in dem Biermann die Möglichkeit gegeben worden sei, seine DDR-feindlichen Auffassungen darzulegen. Lochmann verwies darauf, dass sich die VPK in einem gemeinsamen Kommuniqué mit der SED im Januar 1979 dazu verpflichtet habe, »alle Formen des Antikommunismus sowie die Verleumdungskampagnen des Imperialismus gegen kommunistische Parteien« zurückzuweisen.31 Der politische Redakteur Hammar bat darum, die Veröffentlichung »nicht zu dramatisieren«. Auch wies er darauf hin, dass ihr Tenor nicht mit der Haltung der VPK-Führung gleichgesetzt werden solle, da die Redaktion selbstständig über Themen und Inhalte entscheiden könne. Es müsse berücksichtigt werden, dass die VPK-Zeitung Ny Dag eine andere Funktion habe als das Neue Deutschland als Zentralorgan des ZK der SED. Hammars Argumentation blieb ohne Erfolg. Die Führung der VPK wurde darüber informiert, dass die Publikation des Interviews als »unfreundlicher Akt« gegenüber der SED bewertet werde. Die politische Haltung der VPK sei erklärungsbedürftig.32

Eurokommunismus oder Revisionismus? Das schwedische Reformprojekt

Als Carl-Henrik Hermansson 1964 den Parteivorsitz übernahm und die ersten Reformversuche in der SKP umsetzte, wurde der Begriff »Eurokommunismus« noch nicht verwendet. Mit Blick auf die pragmatische politische Entwicklung in einigen westeuropäischen kommunistischen Parteien Ende der Fünfzigerjahre erscheint es jedoch angebracht, von reformkommunistischen Ideen zu sprechen.33 Diese wurden dann später unter der Bezeichnung »Eurokommunismus« subsumiert. Auch Hermanssons sozialistisches Erneuerungsprojekt zeigt inhaltliche Übereinstimmungen mit dem eurokommunis­tischen Konzept. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Hermansson zu den Wegbereitern des Eurokommunismus gezählt wurde.34

Dass die westeuropäischen Bruderparteien den internationalen Führungsanspruch der sowjetischen Partei und den Modellcharakter der sozialistischen Staatsparteien infrage stellten, bedeutete aus deren Sicht eine Bedrohung der weltkommunistischen Bewegung. Die explizite Abgrenzung und Distanzierung von der Realpolitik der KPdSU führte bei dieser nicht zur »Selbstkritik«, um eine Vokabel des kommunistischen Sprachgebrauchs zu verwenden, sondern zur Überzeugung, die westeuropäischen KPen seien von imperialistischer Propaganda beeinflusst.35 Ein Kommentar der SED zur Politik der SKP hält 1965 fest, dass sich Hermanssons Linie immer weiter von der kommunistischen Weltbewegung entferne und sich stattdessen an der internationalen Arbeiterbewegung orientiere. Dabei ziele er auf eine enge Zusammenarbeit mit den revisionistischen sozialistischen Volksparteien in Norwegen und Dänemark. Die Politik der SKP entbehre jeglicher Klassenanalyse und unterstütze damit die Aggressivität des US-amerikanischen und westdeutschen Imperialismus.

Anhand der Akten der ZK-Abteilung Internationale Verbindungen wird deutlich, dass die Entwicklung der SKP / VPK in eine eurokommunistische Richtung in erster Linie als ideologische Entgleisung konzeptualisiert wurde. Ein illustratives Beispiel bietet eine 1982 für das Politbüro verfasste Information über die Politik der VPK, aus der hier einige Punkte zusammengefasst werden sollen:36

• In der Führung der Linkspartei-Kommunisten zeige sich eine weitere Ausprägung reformistischer Auffassungen zu Grundfragen des internationalen Klassenkampfes und des Weges zum Sozialismus.

• Die Ereignisse in der VR Polen seien zum Anlass genommen worden, um eine verstärk­te Distanzierung vom realen Sozialismus vorzunehmen und nicht-klassenmäßige Positionen zum Friedenskampf sowie zur Auseinandersetzung zwischen beiden Weltsystemen zu betonen.

• Mit Forderungen nach Freiheit für antisozialistische Kräfte werde faktisch die imperialistische Propaganda unterstützt.

• Die Forderung nach Demokratisierung der Gesellschaft werde weitgehend klassenindifferent sowohl auf sozialistische wie kapitalistische Länder bezogen.

• Die Linkspartei–Kommunisten negierten die Existenz einer kommunistischen Weltbewegung.

Durch Verwendung diffamierender Vokabeln des sozialistischen Sprachgebrauchs wie »reformistisch«, »klassenindifferent« und »antisozialistisch« wird die Verhaltensweise der Partei delegitimiert.

Wie die erwähnten Beispiele zeigen, äußerte die SED Kritik nicht nur in internen Informationen, sondern richtete sie auch direkt an die SKP / VPK. Wiederholt wurden die schwedischen Genossen zu Disziplin und Einhaltung der marxistisch-leninistischen Grundsätze aufgefordert. Die Bedeutung dieser Kritik ist im Einzelnen schwer einzuschätzen, aber die vorliegende Analyse verdeutlicht, dass sie zur ideologisch-pragmatischen Ambivalenz der VPK beigetragen hat. Ab 1964 wollte die Parteiführung die SKP / VPK zu einer breiten, pluralistischen Linkspartei machen, die im Rahmen der bürgerlichen Demokratie in der Lage sein sollte, mit verschiedenen linken Gruppierungen und sogar mit den Sozialdemokraten zu kooperieren. Infolgedessen büßte sie ihren Platz in der Bewegung des proletarischen Internationalismus zum Teil ein. Da die Partei andererseits nicht bereit war, auf die Rolle in der sozialistischen Gemeinschaft völlig zu verzichten, blieb ihr Reformprojekt ein Kompromiss.

Die von Hermansson initiierte Demokratisierung der Partei führte zu einer Zersplitterung, die den beabsichtigten Erneuerungsprozess ausbremste. Auch nach ihrer Spaltung 1977 verhielt sich die VPK in ihren Beziehungen zu den osteuropäischen Bruderparteien zwiespältig. Wäre Hermansson in den Sechzigerjahren ein konsequenterer Erneuerungskurs gelungen, hätte seine Partei einen eigenständigeren Weg gehen können. So aber muss sich die heutige Linkspartei unter ihrem Vorsitzenden Ohly noch immer mit dem ideologischen Ballast dieser Zeit auseinandersetzen.


1 Zuletzt wurde die Debatte 2004 durch eine Dokumentation im staatlichen schwedischen Fernsehen angestoßen. In dem Beitrag über die Beziehungen zwischen der Parteiführung und den sozialistischen Staaten, besonders während der Achtzigerjahre, wurde die These aufgestellt, die Linkspartei sei immer noch eine kommunistische und antidemokratische Partei, die dieses Kapitel ihrer Geschichte verschweige oder verharmlose. Siehe http: // svt.se / svt / jsp / Crosslink.jsp?d=15777&a=261666, ges. am 10. Februar 2009.

2 Siehe hierzu Werner Schmidt: Antikommunism och kommunism under det korta 1900-talet [Antikommunismus und Kommunismus im kurzen 20. Jahrhundert], Lund 2002; ders.: C-H Hermansson. En politisk biografi [C-H Hermansson. Eine politische Biografie], Stockholm 2005; Birgitta E. Almgren: Inte bara Stasi … Relationer Sverige-DDR. 1949–1989 [Nicht nur Stasi ... Beziehungen Schweden-DDR. 1949–1989], Stockholm 2009; Nils Abraham: Die politische Auslandsarbeit der DDR in Schweden. Zur Public Diplomacy der DDR gegenüber Schweden nach der diplomatischen Anerkennung (1972–1989), Berlin 2007; Alexander Muschik: Die beiden deutschen Staaten und das neutrale Schweden. Eine Dreiecksbeziehung im Schatten der offenen Deutschlandfrage 1949–1972, Münster 2005 sowie Michael Scholz: Skandinavische Erfahrungen erwünscht? Nachexil und Remigration. Die ehemaligen KPD-Emigranten in Skandinavien und ihr weiteres Schicksal in der SBZ / DDR, Stuttgart 2000.

3 Siehe Anm. 2.

4 Siehe Schmidt: Antikommunism och kommunism (Anm. 2), S. 343. Siehe auch Alexander Kan: Der bolschewistische »Revolutionsexport« im Jahre 1920 und die schwedischen Linkssozialisten, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 1994, Berlin 1993, S. 88–103, hier S. 89.

5 Siehe Schmidt: Antikommunism och kommunism (Anm. 2), S. 216.

6 Siehe ebd., S. 307.

7 Für die Beibehaltung des alten Namens sprach die symbolische Funktion der Bezeichnung »kommunistisk«. Ein radikaler Vorschlag, der jedoch keine Mehrheit fand, war der Name Socialistiskt Vänsterparti (Sozialistische Linkspartei), siehe Information Nr. 24 / 67 an die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros vom 24. Mai 1967, in: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (im Folgenden: SAPMO-BArch), DY 30 IV A 2 / 20 / 1005, Bl. 5.

8 Die APK nahm 1995 den traditionellen Namen SKP an, während die VPK, wie bereits erwähnt, 1990 die Bezeichnung »Kommunisten« aus dem Parteinamen strich.

9 »Jag är både kommunist och demokrat« [»Ich bin Kommunist und Demokrat«], in: Aftonbladet vom 13. Dezember 2003.

10 Siehe Schmidt: C-H Hermansson (Anm. 2), S. 276.

11 Siehe ebd., S. 286.

12 Schmidt: Antikommunism och kommunism (Anm. 2), S. 373 f.

13 Die Entwicklung der Kommunistischen Partei Schwedens seit dem XX. Parteitag 1964, o. D., in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 578, Bl. 1.

14 Ebd.

15 Einige Entwicklungsprobleme der Kommunistischen Parteien Skandinaviens, Oktober 1965, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 545, Bl. 3.

16 Quelle: DPA vom 22. August 1968, zitiert nach: Schwedische Linkspartei-Kommunisten, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 580.

17 Ebd. sowie Hysterische Reaktion und reaktionäre Hysterie, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 580, Bl. 3.

18 Auch die Freundschaftsgesellschaft Schweden–DDR kritisierte öffentlich die Intervention. Siehe Information über die Haltung der Freundschaftsgesellschaft Schweden–DDR sowie führender Vertreter der Linkspartei Kommunisten Schweden zu den Maßnahmen der 5 sozialistischen Staaten gegenüber der ČSSR, 28. August 1968, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 580.

19 Siehe Schmidt: Antikommunism och kommunism (Anm. 2), S. 352.

20 Hysterische Reaktion und reaktionäre Hysterie (Anm. 17), Bl. 5.

21 Information Nr. 62 / 68 an die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros, 21. Oktober 1968, Anhang: Offener Brief an das Plenum der Parteiführung der VPK vom 28.–29. September 1968, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 1005, Bl. 2.

22 Siehe z. B. Information Nr. 4 / 70 für die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros, 13. Januar 1970, in: SAPMO-BArch, DY 30 IV A 2 / 20 / 1005.

23 Siehe Schmidt: Antikommunism och kommunism (Anm. 2), S. 386.

24 Bericht über den XXIV. Parteitag der Linkspartei–Kommunisten Schwedens (VPK) vom 12. bis 16. März 1975 in Stockholm, in: SAPMO-BArch, DY 30 / IV B 2 / 20 / 221, Bl. 10.

25 Dass der Kurs ab 1975 besonders ambivalent war, lag meines Erachtens am neuen Vorsitzenden Lars Werner. Während Hermansson Gesprächsangebote und Einladungen der SED-Funktionäre meistens abgelehnt hatte, war Werner oft zu Gast in der DDR-Botschaft sowie in der DDR. Er hatte offensichtlich ein persönliches Interesse an den Beziehungen, was von der SED mitunter als »zu privat« moniert wurde. Als Werner einmal die DDR zusammen mit seiner Frau »in aller Ruhe« besuchen wollte (seine Teilnahme an der internationalen Karl-Marx-Konferenz hatte er kurz zuvor abgesagt), notierte ein SED-Funktionär an den Rand des Telegramms: »Nein. Parteibez. nicht auf private Ebene degradieren.« Telegramm vom 10. Februar 1983, in: SAPMO-BArch, DY 30 / 12755, Bl. 21.

26 Von der Konkurrenz zeugt z. B. ein Vermerk, der belegt, dass der Vertreter der VPK auf einer Konferenz der westeuropäischen KPen verlangte, die APK von der Tagung auszuschließen, da ihre Teilnahme gegen eine alte Vereinbarung zwischen den Bruderparteien verstoße, »dass keine Spaltergruppen zu internationalen Beratungen einzuladen sind«. Als dies nicht geschah, verließ stattdessen der VPK-Repräsentant die Veranstaltung. Information von Genossen Schröder (DKP) über einen Vorfall auf der Beratung der westeuropäischen Kommunistischen und Arbeiterparteien in München, März 1981, SAPMO-BArch, DY 30 / 12754.

27 Rudi Wetzel: DDR 30 år. Då: Efterblivet land. Nu: en av världens främsta industristater [DDR 30 Jahre. Damals: ein zurückgebliebenes Land. Heute: einer der führenden Industriestaaten der Welt], in: Ny Dag Nr. 69 vom 3.–4. Oktober 1979.

28 Stalinism i Ny Dag [Stalinismus im Neuen Tag], in: Aftonbladet vom 4. Oktober 1979.

29 Arne Hedgren: Ny Dag lånar sig åt östtysk propaganda [Ny Dag stellt sich der ostdeutschen Propaganda zur Verfügung], in: Ny Dag Nr. 73 vom 17.–18. Oktober 1979.

30 Telegramm von Botschafter Kiesewetter an Gen. Dr. Winkelmann, ZK, in: SAPMO-BArch DY 30 / IV B 2 / 20 / 219.

31 Aktenvermerk über ein Gespräch des Presseattachés, Genossen Lochmann, mit Genossen Bo Hammar, Politischer Redakteur der Zeitung »Ny Dag«, am 11. 5. 1979, 15.30 Uhr, in der Redaktion von »Ny Dag«, in: SAPMO-BArch, DY 30 / IV B 2 / 20 / 219.

32 Telegramm von Mahlow an Kiesewetter vom 14. Mai 1979, in: SAPMO-BArch, DY 30 / IV B 2 / 20 / 219. Es gab mehrere ähnliche Aussprachen, z. B. im Zusammenhang mit den Reaktionen der VPK auf den sowjetischen Angriff auf Afghanistan sowie die Intervention in Polen. Siehe Telegramm von Mahlow an Kiesewetter vom 23. Juni 1981, in: SAPMO-BArch, DY 30 12754, Bl. 28.

33 Die Bezeichnung Reformkommunismus war seit 1956 gebräuchlich.

34 Siehe z. B. Wolfgang Leonhard: Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West, München 1980.

35 Siehe z. B. Hysterische Reaktion und reaktionäre Hysterie (Anm. 17), Bl. 1.

36 Information für das Politbüro vom 18. März 1982. Betrifft: Zur aktuellen Politik der Linkspartei-Kommunisten, Schweden, in: SAPMO-BArch DY 30 / 12754, Bl. 98–101. Hervorhebungen von der Verfasserin.

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