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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2002 bis 2018 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

 

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

 

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

 

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

 

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

 

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»Es ist notwendig, dass klar und offen gesprochen wird.« Josef Strasser (1870–1935), ein demokratischer Kommunist in Österreich

JHK 2018 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 61-78 | Metropol Verlag

Autor/in: Gabriella Hauch

[1]Josef Strasser war ein leidenschaftlicher Schachspieler – das ist eine der wenigen persönlichen Erinnerungen an diesen Akteur der österreichischen Arbeiterbewegung. So ärgerte sich einst sein Chefredakteur bei der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung (AZ), Strasser während des Ersten Weltkriegs statt Artikel schreibend versunken über Spielzugberechnungen zu finden. Später, nun selbst Chefredakteur, allerdings des kommunistischen Zentralorgans, saß der Stammgast des Wiener Café Central »allein an einem Tisch und spielte Schach gegen sich selbst«.[2] Schließlich verwendete seine zweite Frau Isa das Schachspiel als Metapher für seine resignative Gemütslage Ende der 1920er-Jahre: »– er spielt Schach.«[3] Das Versunkensein im theoretisch anspruchsvollen Spiel, das alle Konzentration bündelt, war in Bezug auf Josef Strasser stets auch politisch konnotiert. Während seiner Tätigkeit bei der AZ implizierte es die Ausblendung der Artikelwünsche seines Chefredakteurs Friedrich Austerlitz, ein zentraler Befürworter der Burgfriedenspolitik in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), während der Österreichischen Revolution seinen Ärger über die Unfähigkeit der kommunistischen Parteiführer und schließlich seine Marginalisierung. Die Konstruktion des schachspielenden Josef Strasser transportiert jedoch auch einen speziellen Geschlechtertext, den männlichen Intellektuellen, den kompromisslosen Kämpfer und den zur kreativen Abstraktion fähigen einsamen Helden. Josef Strassers der Politik und der Revolution gewidmetes Leben mündete in Niederlagen sowie in finanzieller Armut. Seine Grundüberzeugung, dass die Emanzipation der Nichtprivilegierten und die Transformation der Gesellschaft in Richtung Sozialismus nur durch eine von Demokratie und freier Rede »durchwehten« politischen Organisation gelingen könnten, stand im Widerspruch zum einsetzenden Siegeszug des Autoritarismus in den 1920er- und 1930er-Jahren.

Dieser Beitrag ist Teil meines Projekts über die Ausdifferenzierung der Linken in Österreich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Familie Strasser.[4] Im Folgenden liegt der Fokus auf Josef Strassers kommunistischer Zeit: auf den Handlungs(spiel)räumen, die der 49-jährige Sozialdemokrat bei seinem Eintritt in die Kommunistische Partei 1919 vorfand, und auf der Frage, mit welchen inhaltlichen Positionen er diese zu gestalten suchte. Berichtet wird von einem sehr kleinen Milieu in Wien im Kontext der Weltbewegung Kommunismus beziehungsweise der Österreichischen Revolution im mitteleuropäischen Kontext.[5] Es ist eine Geschichte von Auf-/Brüchen im Leben und Wirken eines intellektuellen Mannes mit Witz und spitzer Feder; und es ist eine Geschichte von Un-/Sichtbarkeiten eines missliebig gewordenen Kommunisten.

 

Un-/Sichtbarkeiten

[[Fotos im gedruckten Exemplar: »Josef Strasser (Dritter von rechts, stehend) auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale in einer Diskussion mit Delegierten und mit Lenin.«[6]; »Lenin im Kreis von Delegierten am Gründungskongress der Kommunistischen Internationale in Moskau im März 1919, ganz links: Karl Steinhardt.«[7]]]

Im Zentrum der beiden Abbildungen steht die Un-/Sichtbarkeit von Josef Strasser. Herausgeschnitten oder hineinmontiert? Von sichtbar zu unsichtbar oder von unsichtbar zu sichtbar tradiert? Aufgeladen werden beide Abbildungen durch die Anwesenheit von W. I. Lenin. Im Rahmen ihrer Veröffentlichung in Publikationen zu Strasser und Karl Steinhardt, einem der Parteigründer der KPÖ, wird einmal die Bedeutung Strassers, einmal die Steinhardts hervorgehoben: Beide wurden vom Revolutionsheros nachweislich geschätzt. Indem Josef Strasser aus dem Foto eliminiert wurde, wird sein Stellenwert ausgelöscht und Lenin von der Nähe des in Ungnade gefallenen Strasser befreit. Oder vice versa: Strasser, in dynamischer, diskutierender Pose neben Lenin, beweist Vertrautheit mit dem Führer der Russischen Revolution. Das heißt, mittels einer erinnerungspolitischen Technik versuchte man die Wirklichkeit zu biegen – keine Seltenheit im post-stalinistischen Kommunismus. Die innerparteiliche Konkurrenz zu dem KPÖ-Mitbegründer Karl Steinhardt, der bis in die Zweite Republik als führender Funktionär der KPÖ fungierte, ist aus der Abbildung, transportiert durch die Un-/Sichtbarkeit Strassers, zu lesen.[8] Abbildung eins wurde 1982 veröffentlicht, Abbildung zwei im Jahre 2012. Geschichte und Kontextualisierung beider Abbildungen harren ihrer Auflösung, die zitierten Bildunterschriften halten der quellenkritischen Überprüfung nicht stand: Steinhardt und Strasser waren nicht auf dem II. Kongress, sondern vielmehr auf dem III. Weltkongress der Komintern im Sommer 1921 anwesend, wo über die »Zerrüttung« der KPÖ diskutiert wurde.[9]

Am 11. September 1870 in Krakau geboren – der Vater war Beamter bei der Kaiser Ferdinand Nordbahn, die Mutter arbeitete als Dienstmagd –, besuchte Josef Strasser ein Wiener Gymnasium und kam bereits als Schüler mit der SDAP in Kontakt.[10] Nach dem Abbruch des Jurastudiums in Wien und Zürich begann er für die Lokalredaktion der AZ in Wien zu schreiben und lernte in sozialistischen Intellektuellenzirkeln seine erste Frau Neoma (Nadja) Ramm, eine gebürtige Russin jüdischer Herkunft, kennen. 1898 wurde Sohn Alexander geboren. Im Herbst 1901 übersiedelte die junge Familie nach Reichenberg/Libereč, wo Josef Strasser Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung Freigeist, später Vorwärts wurde.[11] 1906 wurde die Ehe aufgelöst.[12] Ein Rosenkrieg um Sohn Alexander folgte, der aufgrund zeitlicher und ökonomischer Zwänge seiner Eltern u. a. in einem Erziehungsheim von Frida Winckelmann, einer »Bekannten« von Nadja Strasser, lebte.[13] Ihre nördlich von Berlin in Birkenwerder gelegene Einrichtung versammelte nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern sowie Freundinnen und Freunde, wie Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Karl Radek, Paul Levi oder Rosi Wolfstein, und bildete den Knotenpunkt eines der sozialen Netzwerke, die die Zweite Sozialistische Internationale – auch – ausmachten. Dort lernte Strasser im Spätsommer 1912 seine zweite Frau, die um 21 Jahre jüngere Kindergartenpädagogin Isa von Schwartzkoppen kennen.[14] Die beiden heirateten im Dezember desselben Jahres und übersiedelten im Jahr darauf nach Wien.

Josef Strasser, dessen Schriften Kapitalismus und Kriegsrecht sowie Der Arbeiter und die Nation[15] in der Zweiten Internationale breit rezipiert wurden und ihn als Führerfigur der Linken in der SDAP positionierten, schien es ins Zentrum zu drängen. Vermutlich zog auch seine Frau Isa ein Leben in der Hauptstadt dem in der nordböhmischen Industrieprovinz vor. In Wien arbeitete er als freier Journalist u. a. für die AZ. Isa gründete nach der Geburt des Sohnes Peter am 3. Juli 1917 im Cottage Viertel einen Montessori˗Kindergarten.[16] Beide zählten im Ersten Weltkrieg zum Vorstand des 1916 reaktivierten Parteischülervereins Karl Marx,[17] Sammelbecken der Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner in der SDAP. Von den dort ebenfalls aktiven »Stürmer[n] und Dränger[n]« des geheimen Aktionskomitees der »Linksradikalen« hielten sie sich jedoch fern.[18]

 

Kommunistische Anfänge: »Dazwischen saßen wir, übernächtig, erschöpft, heiser vom Schreien und den vielen Zigaretten, nächtelang.«[19]

Nach einigem Zögern, so überlieferte es Isa Strasser, entschloss sich ihr Mann 1919 in die KPÖ einzutreten.[20] Er empfand die Gründung der Partei als zu früh, denn im Gegensatz zu vielen anderen sozialdemokratischen Parteien in Europa sei es der SDAP gelungen, die Einheit der Partei zu wahren.[21] Keine namhaften Abspaltungen von Fraktionen oder Teilorganisationen hatten stattgefunden und keine der prominenten Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner wie Friedrich Adler, Gabriele Proft oder Therese Schlesinger waren für das Projekt einer neuen Parteigründung zu gewinnen. Diese spezielle österreichische Situation – die Wiener SDAP galt in Relation als größte Parteiorganisation der Welt[22] – sollte Josef Strasser zeit seines Lebens beschäftigen.

Gegründet am 3. November 1918, war die KPÖ eine der ältesten, blieb aber eine der kleinsten kommunistischen Parteien. Die im Februar 1919 stattfindenden ersten Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung, an denen auch Frauen teilnahmen, schienen für dieses Milieu vernachlässigbar – die KPÖ rief zum Wahlboykott auf –, begann die junge Partei doch gerade, sich in den Arbeiterräten zu engagieren. Eine Strategie, die nicht einhellig goutiert wurde, galten die Arbeiterräte für Paul Friedländer, einen der Parteigründer, doch als »Vollzugsorgane der kapitalistischen Gesellschaft«.[23] Damit kündigten sich quasi gleich zu Beginn die unüberbrückbaren Differenzen an, die die KPÖ in den 1920er-Jahren prägen sollten.[24]

1919 übernahm Josef Strasser die Leitung der kommunistischen Zeitung Soziale Revolution: »Das Ansehen des Blattes wuchs«, erinnerte sich Johannes Wertheim.[25] Das erste Halbjahr 1919 war – in der Hauptstadt Wien und in den Industriegebieten – geprägt von Streiks und Demonstrationen gegen die aussichtslose Not. Entscheidend aufgeladen wurde die Situation durch die Ausrufung der Räterepubliken an Österreichs Grenzen am 21. März in Ungarn und am 6. April in Bayern, was die Frage einer deutsch-österreichischen Räterepublik aufwarf. Die zunehmenden Aktivitäten der KPÖ, ermöglicht durch finanzielle Mittel aus Ungarn, machten die junge Partei und ihre politischen Ziele für verarmte soziale Schichten attraktiv, die Mitgliedszahlen stiegen.[26] Der erste Putsch˗ oder Aufstands˗Versuch am 17. April 1919 fand unter maßgeblichem Einfluss von »ungarischen Emissären« statt. Das Vorhaben, »die Massen« für die revolutionäre »direkte Aktion« zu begeistern, allerdings misslang. Die Demonstration wurde von der Polizei aufgelöst und endete mit Toten.[27] Der Zusammenhang von ungarischem Geldfluss und KPÖ˗Aktivitäten in Wien war auch Gegenstand polizeilicher Ermittlungen: Um die bis dato »ungemein rührige kommunistische Partei [ist es] merkwürdig still geworden«, hieß es, zur Mai-Kundgebung seien lediglich 8000 Menschen gekommen.[28] Ein Zustand, den die ungarische Räteregierung in Ordnung zu bringen versuchte. Der 30-jährige Rechtsanwalt Ernst Bettelheim kam nach Wien, um die KPÖ zu reorganisieren: Reinigung der Parteispitze von »eitlen Elementen«, unbarmherziger Kampf gegen die Sozialdemokratie, Vereinigung aller revolutionären Gruppen unter dem Schirm der KPÖ sowie Organisierung von Arbeitslosen.[29]

Dies schien leicht umsetzbar, kompliziert verhielt es sich lediglich mit der Redaktion der Sozialen Revolution unter Josef Strasser, die, negativ konnotiert, als »menschewistisch« eingeschätzt wurde.[30] Die Politik der KPÖ in diesen Wochen konterkarierten Strassers »Bedingungen«, die er in »Verhandlungen« mit dem Parteivorstand über einen Eintritt in die KPÖ gestellt hatte: Bei Garantie der freien innerparteilichen Meinungsäußerung »[müssen] wir […] alles tun, um nicht auf die materielle Hilfe der Bruderparteien angewiesen zu sein«.[31] Am 25. Mai 1919 wurde die alte Parteileitung, auch das Ehepaar Friedländer, entlassen – Elfriede redigierte die Revolutionäre Proletarierin, die frauenspezifische Beilage der Sozialen Revolution[32] – und ein Direktorium mit Durchgriffsrecht etabliert: Johannes Wertheim, Franz Koritschoner, Karl Tomann, Gilbert Melcher und der Spiritus Rector aus Ungarn Ernst Bettelheim. Spätestens zu diesem Zeitpunkt leitete Josef Strasser nicht mehr die Redaktion der Sozialen Revolution, und die »erste Aufgabe« des Direktoriums war es, den »verlassenen Platz« neu zu besetzen.[33]

Während Josef Strasser im Frühling 1919 an den »›Putschisten‹ […] verzweifelte«,[34] kam am 30. März 1919 Tochter Lieselotte zur Welt. Mutter Isa schilderte auch ihr eigenes damaliges Leben ganz im Dienste der Revolution.[35] Im Gegensatz zu ihrem Mann hatte die 28-Jährige nicht lange gezögert, der KPÖ beizutreten. Josef Strasser hingegen war rund dreißig Jahre in der SDAP aktiv gewesen und mit 49 Jahren bei seinem Eintritt in die Partei der mit Abstand Älteste im Machtzirkel der KPÖ, gefolgt von dem 14 Jahre jüngeren Karl Tomann sowie dem 18 Jahre jüngeren Johannes Wertheim. Die große Mehrheit der Aktivistinnen und Aktivisten waren Kinder der 1890er-Jahre, so z. B. Franz Koritschoner, geboren 1892, oder Elfriede Friedländer, geboren 1895. Die damit verbundenen diversen Sozialisationen, auch Generationenkonflikte, sollten Strassers Situation in der jungen Partei maßgeblich prägen.

Ein Beispiel dafür ist der 15. Juni 1919. Für diesen Tag wurde die »Ausrufung der Proletardiktatur« angekündigt, wie die Polizei, in allen KP˗internen Angelegenheiten bestens informiert, erfahren hatte.[36] Endlich schien durch eine Proteststimmung angesichts der Friedensbedingungen von St. Germain und der Entente˗Forderung nach Abbau der Volkswehr der erhoffte Katalysatoreffekt gegeben, nach einer »bewaffneten Massendemonstration« das Parlament zu besetzen: »Was heute Putsch genannt wird, ist morgen Revolution, wenn er gelingt«, formulierte es ein kommunistischer Arbeiterrat.[37] Die Aktion misslang ähnlich desaströs wie schon zwei Monate zuvor, erneut waren Tote zu beklagen.[38] In der Folge setzte ein eklatanter Mitgliederschwund ein und der Diskurs von der Putschpartei KPÖ festigte sich.[39] Im Kontext der international sinkenden Revolutionskonjunktur wurde es offensichtlich, dass der projektierte österreichische »Anschluss an alle bestehenden Räterepubliken« gescheitert war.[40]

 

Disziplin in der Aktion – völlige Freiheit in der Diskussion

Die Abkehr von der sogenannten Bettelheimerei, die auch unter der Supervision der Komintern und in Person von Karl Radek stattfand, führte zu dem Versuch einer gründlichen Inspektion der KPÖ, die Dank der ungarischen Finanzflüsse ab Frühsommer in einem eigenen Haus in der Alserstraße 69 im VIII. Wiener Bezirk angesiedelt war. Am 26. Juli 1919 wurde die Soziale Revolution in Die Rote Fahne umbenannt, ab 16. September 1919 erschien sie als Tageszeitung. Für den 20. Oktober kündigte Karl Tomann für den »provisorischen Parteivorstand« die Rückkehr von Josef Strasser als Chefredakteur der Roten Fahne an. Gleichzeitig wurde der Bettelheim-Vertraute Franz Koritschoner von der Herausgeberschaft freigestellt.[41] In der Zeit von Herbst 1919 bis April 1921 erreichte der Einfluss Josef Strassers in der jungen KPÖ seinen Höhepunkt: Als Chefredakteur der Roten Fahne gestaltete er die kommunistische Öffentlichkeit und die darin wirksamen Diskurse entscheidend mit und war Mitglied des Parteivorstandes.[42]

Lebenserinnerungen sind stets im Kontext der Entwicklung der sich erinnernden Person zwischen Ereignis und Zeitpunkt des Aufschreibens zu reflektieren. Im Falle Josef Strassers, der sich angesichts der Stalinisierung 1929 endgültig von der KPÖ wie der Komintern abwandte, ist zu fragen, ob die in den vorhandenen Erinnerungen konstruierte kontinuierlich-genuine Oppositions-Erzählung mit den zeitgenössisch vorliegenden Quellen – Reden, Artikeln und Briefen – korrespondiert.

Durch die Parteitagsreden Josef Strassers, die er zwischen 1919 und 1922 gehalten hat, zieht sich ein roter Faden: Der Glaube, »daß es einer kleinen Anzahl beherzter und zielbewusster Männer möglich ist, die revolutionäre Massenaktion zu ersetzen«, sei aufzugeben und durch geduldige Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu ersetzen, um die Mehrheit der Arbeiter für die KPÖ zu gewinnen, so sein Credo in einer Rede über die »Richtlinien der kommunistischen Politik« auf der III. Reichskonferenz der KPÖ im Dezember 1919.[43] Innerparteilich herrschte ein »erbitterter Kampf«.[44] Der »alte« Strasser hatte in der Redaktion mit dem 23-jährigen Leo Lania und dem 25-jährigen Julius Dickmann (Ernst Jung), beide kannte er bereits aus AZ˗Zeiten, ein junges Team versammelt. Sie vertraten die an den realen Machtverhältnissen angelehnte Neuorientierung und die Anerkennung der hegemonialen Stärke der Sozialdemokratie. Letzteres bedeutete ein Sakrileg. Dementsprechend, wenn auch anders fokussiert, wurde Die Rote Fahne auf der Reichskonferenz kritisiert. Das schien die kleine Redaktion aber nur noch mehr zusammenzuschweißen: Sie seien nur vier Redakteure, alle auch in der Partei engagiert; Strasser habe keinen »ständigen Schreibtisch«, sei von der Arbeit im Parteivorstand beansprucht. »Wir sind alle überarbeitet« und tun »mehr als unsere Pflicht (Lebhafter Beifall)«.[45]

Strassers Referat zu den »Richtlinien der kommunistischen Politik« ist auch eine Abrechnung mit der knapp ein Jahr jungen Partei: Die Gründung der KPÖ sei »verfrüht« erfolgt; die heimkehrenden, von der russischen Entwicklung begeistert in den Bann gezogenen Soldaten hätten Illusionen geweckt und den Blick auf die realen österreichischen Verhältnisse getrübt; der Partei seien die »am schwächsten organisierten und die am schlechtesten geschulten« Schichten der Arbeiterschaft gefolgt; und schließlich habe die Leitung in der Hand einer »Gruppe von jungen Intellektuellen« gelegen, die für diese Funktion nicht vorbereitet waren – all dies seien »Fehler der Unreife« gewesen.[46] Heftig kritisiert wurden die Einschätzungen Strassers u. a. von Paul Friedländer, ein von ihm adressierter »junger Intellektueller«, der weiterhin an eine sich zuspitzende revolutionäre Krise glaubte.[47] Strasser und seine Anhänger erreichten auf der Reichskonferenz im Dezember 1919 zwar die Mehrheit, allerdings formierte sich eine starke Minderheit, die weiterhin aktiv blieb.

Nach dem Bruch der Koalitionsregierung am 11. Juni 1920 wurden für den 17. Oktober 1920 Neuwahlen zum österreichischen Nationalrat festgesetzt. Die KPÖ wiederholte ihren Aufruf zum Wahlboykott, doch der Niedergang der Revolutionskonjunktur erforderte andere Strategien. Lenin irritierte mit seiner im Juli 1920 auf Deutsch erschienenen Schrift Der linke Radikalismus – die Kinderkrankheit des Kommunismus auch die KPÖ, die daraufhin am 1. September 1920 beschloss, selbst zu kandidieren. Einer, der schon früher versuchte, die KPÖ »zur Überprüfung ihrer Wahltaktik zu veranlassen«, war der Mitarbeiter der Roten Fahne Julius Dickmann. Nehme die KPÖ ihren im Dezember 1919 beschlossenen Kurs ernst, die sozialdemokratisch organisierten »Massen« zu gewinnen, sei der Wahlaufruf für die SDAP der einzige Weg, sich Gehör zu verschaffen.[48] Inwieweit Josef Strasser in diesem Entscheidungsprozess sein Plädoyer von der »Unabhängigkeit« der KPÖ aufrechterhielt, bleibt offen. Strasser erwartete vom Parlamentarismus wenig, außer es trete eine Situation ein, »in der der Parlamentarismus allein dem Proletariat die Möglichkeit bietet, sich auf legale Weise zu betätigen«.[49] 1920 erhielt die KPÖ in den Wahlen 26 651 Stimmen – weniger als die damalige Mitgliederzahl. Gleichzeitig verlor die SDAP die relative Mehrheit – die österreichische Revolution war perdu.[50]

Die Debatte über das »Absterben« und die »Niederlage« der Revolution in Westeuropa hatte die deutsche Kommunistische Partei (KPD) bereits im Sommer 1919 erreicht.[51] Eineinhalb Jahre später war Paul Levi, der Nachfolger Rosa Luxemburgs als Vorsitzender der KPD.Spartakusbund, seinem vom Einheitsfront˗Gedanken inspirierten Ziel, die dichotome Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki zu überwinden, näher gekommen, und die »Vereinigte« KPD zählte rund 350 000 Mitglieder. Sein Kurs erregte allerdings heftigen Widerspruch von jenen sich »links« definierenden Gruppen, die die Revolution nach wie vor auf der Agenda hatten.[52] Die Denunziationen als »rechte Opportunisten«, als »Halb˗ oder Ganz˗Menschewisten«, als »Bremser« kulminierten schließlich im Schimpfwort »Leviten«.[53]

Ein »Levit« sollte auch Josef Strasser werden. Wie Paul Levi war er Teil jenes Milieus von Sozialisten, die in der Sozialdemokratie sozialisiert zu »Alten« in den jungen kommunistischen Parteien wurden. Neben dem strikten »Anti˗Putschismus« vertraten sie – in der Tradition Rosa Luxemburgs – die Meinung, dass nur eine »revolutionäre Massenpartei« die Transformation der Gesellschaft hin zum Sozialismus bewirken könne; Levi und Strasser traten strikt für die Unabhängigkeit von der Komintern ein. »Keine Bestimmung des Status der Kommunistischen Internationale verpflichtet uns […], alle Beschlüsse des Exekutivkomitees als Geniestreiche zu erklären«, so Levi;[54] beide forderten, auszusprechen, »was ist«, statt revolutionärem Pathos. Diese Positionen widersprachen dem – von der Komintern abgesegneten – Vorhaben, in der sogenannten Märzaktion in verschiedenen Teilen Deutschlands im Sinne der »Offensivtheorie« den Aufstand zur Machtübernahme zu wagen. Levi warf seine gesamte Autorität zur Verhinderung dieses Vorhabens in die Waagschale, legte im Januar 1921 den Parteivorsitz nieder, verfasste die Broschüre Unser Weg. Wider den Putschismus und wurde aus der KPD ausgeschlossen.[55]

Zeitgleich fand vom 23. bis 25. Januar 1921 der sogenannte Einigungsparteitag der KPÖ in Wien statt. Josef Frey und die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft Revolutionärer Arbeiterräte (SARA) wurden mit offenen Armen empfangen – trotz kritischer Stimmen aus dem Soldatenrat, Freys »diktatorisches Gehaben [könne] die Partei schädigen«.[56] Auch auf dieser Tagung suchten Gegner die von Aufklärung getragene politische Strategie der Reichskonferenz von 1919 via Kritik an der Roten Fahne zu treffen, »vielfach abfällig« würde sie als zu gemäßigt beurteilt, heißt es im Polizeibericht.[57] Josef Strasser bestätigte in seiner Rede zur Parteipresse, dass Redakteure der Roten Fahne nicht mit der Position des Parteivorstandes übereinstimmen müssten. »In der Aktion muß unbedingte Disziplin herrschen, in der Diskussion aber hat jeder vollständige Freiheit.« Weiter sagte er, er habe keine Angst, dass sich »die Genossen« gegen eine solch »renitente Redaktion, wie die unsere« nicht zur Wehr setzen könnten. Diese Rede eröffnet einen Blick auf Strassers Habitus, seine Art, im Feld des Politischen zu agieren, denn im Gegensatz zu den anderen in der Roten Fahne dieser Jahre wiedergegebenen Reden wurde seine wiederholt von »Heiterkeit« unterbrochen.[58] Neben weiteren acht Männern wurde er wieder in den »engeren Parteivorstand« gewählt.

Drei Monate später eskalierten die Differenzen. Die deutsche »Märzaktion« endete in einem Blutbad, die KPD wurde verboten und verlor rund die Hälfte ihrer Mitglieder.[59] Paul Levi befand sich am 21. März 1921, als der Aufstand begann, in Wien und stand permanent mit Josef Strasser in Kontakt.[60] In der KPÖ gingen die Wogen über die Einschätzung der »Märzaktion« hoch. In den Sitzungen des Parteivorstandes am 16. und 19. April ersuchte Strasser darum, aus dem Amt als Chefredakteur der Roten Fahne entlassen zu werden, da er »nicht in der Lage sei, die in der Erklärung des Parteivorstandes zum Ausdruck gebrachte, seiner Meinung nach putschistische Auffassung« zu vertreten. Bis zur Tagung des Reichsparteivorstandes Anfang Mai wurde er beurlaubt.[61] Vier Redakteure erklärten sich mit ihm solidarisch und legten ebenfalls ihre Ämter nieder: Leo Lania, Bergler, Klein und Kalischer. Am 20. April 1921 wird Strasser zum letzten Mal im Impressum der Roten Fahne als Chefredakteur genannt.[62] Eine Woche später wurde auf der Wiener Konferenz der KPÖ über die Angelegenheit beraten.[63] Vor 284 Teilnehmenden wurde mit Strasser und seinen als »menschewistisch« denunzierten Positionen abgerechnet. Als Wortführer der Mehrheitsposition im Parteivorstand – es wäre ein dem mitteldeutschen Proletariat aufgezwungener Aufstandsversuch gewesen – fungierte der ins Parteizentrum drängende Josef Frey. Strasser zog in seinem Koreferat die Parallele zu den Ereignissen in Österreich 1919 und betonte, dass er es für seine Pflicht halte, offen als Gegner des Putschismus aufzutreten. Seinen Eindruck von der aufgeheizten Stimmung schilderte im Rückblick Leo Lania, während dessen Redebeitrages »mehrere der Delegierten […] aufgesprungen [waren]« und »gegen die Bühne […] stürmten«.[64] Solche Szenen sind in den Berichten der Roten Fahne nicht zu finden. Von den 240 Stimmberechtigten entschieden sich nur 15 für die Position Strassers.[65]

In der Folge widmete sich Josef Strasser der Bildungsarbeit in der KPÖ, hielt Vorträge und versuchte die Schulungsarbeit anzukurbeln.[66] Dabei traf er auf »große Widerstände«, da die Meinung dominierte, »wir haben keine Zeit«, die Machtübernahme stehe vor der Tür.[67] Die Komintern hatte im Rahmen des III. Weltkongresses am 23. Juli 1921 auch über die Lage in Österreich beraten. Strassers Engagement entsprach der Empfehlung des Exekutivkomitees der Komintern, es ihm zu ermöglichen, »in Stellungen, die seinen Fähigkeiten entsprechen, weiterhin der Partei zu dienen«.[68] Dass neben den sieben Delegierten der in der KPÖ marginalisierte Josef Strasser zu den Beratungen in Moskau hinzugezogen wurde – wo er durch ständige »Sticheleien« auffiel –,[69] zeugt von seinem Ansehen in der Komintern.

 

»Ich bleibe Demokrat!« – auch in Moskau

Strasser und Frey blieben Kontrahenten. Inwieweit ihre gemeinsamen vergangenen politischen und persönlichen Berührungspunkte die Basis für die tiefe Abneigung legten, bleibt Gegenstand weiterer Forschungen. Beide schrieben im Ersten Weltkrieg für die AZ, Frey angestellt und Strasser auf Honorarbasis; Josef Freys Frau Anna und seine Schwiegermutter Therese Schlesinger waren beide mit den Strassers im Bildungsverein Karl Marx engagiert und blieben befreundet.[70]

Nach der Levi-Affäre wuchs die Bedeutung von Josef Frey in der KPÖ, der die Kominterntaktik der Einheitsfront und die Losung »Heran an die Massen« vertrat. Auf dem Papier schien dies mit der Position von Josef Strasser kompatibel. Allerdings plante Frey, die KPÖ in eine straff zentralistisch organisierte Partei umzuwandeln, inklusive »Vetorecht« des Parteivorstandes in Bezug auf Beschlüsse von Parteigremien. Auf dem V. Reichsparteitag der KPÖ vom 25. bis 27. März 1922 traten beim Tagesordnungspunkt »Organisationsstatut« Strasser und Frey erneut als Redner gegeneinander an.

Die Debatte war polemisch aufgeladen, und Strasser zeichnete in seinen Wortmeldungen ein deutliches Bild von der Stimmung in der Partei, die nur mehr 4500 Mitglieder zählte. Früher seien abweichende Meinungen frei diskutiert worden, heute hingegen sei jeder gleich »ein Sozialdemokrat, ein Levit, ein Menschewik, ein Saboteur, ein Liquidator […] Das System der schleichenden Verleumdung muß verschwinden. Es ist notwendig, daß klar und offen gesprochen wird, daß wir alle Farbe bekennen. Ich werde den Anfang machen«:[71] In einem Parteivorstand, der »mit einer diktatorischen Macht über Proletarier ausgestattet ist, [habe ich] nichts zu suchen«.[72] Frey versuchte in seiner Replik Strasser lächerlich und illoyal erscheinen zu lassen, seine bisherige Funktion im Parteivorstand sei lediglich »geduldet« worden, da er »inaktiv« gewesen sei: »Aber größer noch als die Not der Partei war seine Passivität. Ich glaube, Genossen, hier wäre eine Diktatur des Parteivorstandes sehr notwendig gewesen.«[73]

Frey schaffte es, die Stimmung zum Kippen zu bringen. War Strassers Koreferat am ersten Tag noch von »allgemeine[m] Beifall« und »Sehr richtig!«˗Rufen unterbrochen worden,[74] vermerkt das Protokoll des zweiten Tages nur mehr Beifallsbekundungen bei Freys Schlusswort. Das neue Parteistatut wurde mit einer Gegenstimme, die Strasser zugeschrieben wurde, angenommen.[75] Strasser resümierte: »In meinen alten Schädel [gehen] die neuen Gedanken nicht mehr hinein. Ich bleibe Demokrat.«[76]

Die Situation der Familie Strasser schien in den folgenden Monaten äußerst angespannt. Isa war weiter in den Teuerungs˗Kampagnen der KPÖ aktiv und fungierte als Leiterin der Zentralstelle für Frauenfragen.[77] Es eröffnete sich jedoch eine neue Perspektive: Auf Einladung von Lenin und »Freund« Karl Radek übersiedelten Josef und Isa Strasser 1923 nach Moskau.[78] Die beiden Kinder verblieben bei Großmutter Schwartzkoppen in Jena.[79] Die Strassers bezogen in Moskau ein kleines, einfaches Zimmer im »Glashaus« Hotel Lux, wie Isa Strasser die Kontrolle vor Ort rückblickend charakterisierte. Im folgenden Jahr starb Lenin, und Josef Strassers Anfangseuphorie begann zu versiegen, allerdings engagierte er sich auf dem V. Weltkongress der Komintern 1924, erinnert sich Alois Neurath, ein alter Vertrauter aus der Zeit in Reichenberg/Libereč. »Strasser [ist] zwar nicht im Plenum, aber sonst bei jeder Gelegenheit«, besonders der tschechischen Delegation gegenüber, als entschiedener »Trotzkyst« aufgetreten. Und, so Neurath weiter, »Strasser gehört nicht zu jenen Genossen, die sich von irgendwelchen Apparatfaktoren einschüchtern lassen. Strasser hat mir und anderen […] sehr rücksichtslos die Leviten gelesen, weil wir nicht gegen die Antitrotzkypolitik des Triumvirates Sinowjew-Kamenjew-Stalin aufgetreten waren.«[80]

In Moskau beendete Josef Strasser seinen Russischunterricht mit Sarkasmus: Wenn er nicht Russisch könne, müsse er in der Parteizelle nicht für Stalin stimmen. Diese Haltung degradierte ihn vom Redakteur zum Korrektor der Internationalen Presse-Korrespondenz. Während er »politisch […] scheintot« war, arbeitete Isa Strasser als Angestellte für Frauenfragen der Sozialwissenschaftlichen Abteilung der Roten Gewerkschaftsinternationale (Profintern).[81]

 

»Eine erfolglose Revolution bedarf der Psychologie«

Josef Strasser widmete sich im Folgenden dem spezifisch österreichischen Kontext für eine revolutionäre Politik.[82] Wie etliche Zeitgenossen[83] beschäftigte ihn die nicht erfolgte Transformation der österreichischen Gesellschaft in Richtung Sozialismus oder wie es der Sozialpsychologe Paul Lazarsfeld formulierte: »Eine erfolglose Revolution bedarf der Psychologie.«[84] Der politische Erfahrungshorizont der internationalen (westlichen) Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg speiste sich aus den erreichten Verbesserungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Auf diesem Resonanzboden wuchs das Bewusstsein, durch kontinuierliche Arbeit, Organisationsaufbau und Einheit der Bewegung die gesteckten Ziele – im Rahmen des bestehenden Staates – erreichen zu können. In Österreich wurde die Genese der Arbeiterbewegung durch die Entwicklung eines speziellen theoretischen Konstrukts des Austromarxismus geprägt.

Den Schlüssel für das österreichische Spezifikum verortete Josef Strasser in der strukturellen Verwobenheit der SDAP mit dem »langsam zugrunde gehenden« Vielvölkerstaat,[85] als Folge des Kampfes um das Wahlrecht und die Nationalitätenfrage.[86] Während nationalistische Bewegungen und die nichtdeutsche Arbeiterbewegung an den Fundamenten des alten Österreich rüttelten, sei die deutsche SDAP Teil seines Fundaments. Damit einher ginge die Tradition des Einigens und Ausgleichens, ein Kennzeichen nicht nur der staatlichen Politik des alten und neuen Österreichs, sondern seit dem Einigungsparteitag von Hainfeld 1888/89 der SDAP selbst.[87]

Zentral in Strassers Auseinandersetzung mit dem Austromarxismus wie auch der KPÖ war der Stellenwert von Führungsgestalten. Damit verbunden sei das spezifische Gefühl der »Unsicherheit, der Abhängigkeit vom Führer« der österreichischen Arbeiterschaft, ein »Mangel an Selbstvertrauen«,[88] der im Gegensatz zum vom Imperialismus gespeisten Selbstbewusstsein der »reformistischen Arbeiteraristokratie« anderer Staaten stünde.[89] Die Frage nach dem Verhältnis vom »Führer« zu den revoltierenden Massen bewegte auch den Individualpsychologen Alfred Adler, den Josef Strasser aus den Zusammenkünften des Vereins Veritas Anfang der 1890er-Jahre kannte und zu dessen Thesen er publiziert hatte,[90] genauso wie den Psychoanalytiker Paul Federn.[91] Letzterer interpretierte den Sturz des Vater˗Kaisers als Aufstand der Söhne, deren revolutionärer Radikalismus sich im »Bruderprinzip« der Arbeiter˗ und Soldatenräte institutionalisierte. Der androzentrische, in Wirklichkeit aber männliche Diskurs um die Brudergemeinschaft reproduzierte das patriarchale Politik˗Verständnis der Zeit. Die Haltung zu dieser neu zu errichtenden »vaterlosen«, nichtautoritären Gesellschaft, die die radikalen Jungen präge, sei der Hass gegen alles Althergebrachte, der die KPÖ-Aktivistinnen und -Aktivisten im Verhältnis zur SDAP auszeichne.[92] Allerdings reproduzierte diese Einstellung die Suche nach einem neuen »Vater« und verwies auf die Bedeutung der patriarchalen Familienstruktur für die Stabilisierung von Gesellschaftssystemen der bürgerlichen Moderne.[93] Strasser verstand diese Dialektik und versuchte die Notwendigkeit, aber auch die Gefahren der Bedeutung der »Führer« oder des »subjektiven Faktors« offen zu thematisieren: 1919 kritisierte er die jungen intellektuellen Parteiführer – darunter mit Elfriede Friedländer auch eine junge Frau –, die »weder theoretisch noch praktisch auf ihre Aufgabe vorbereitet« waren, und 1922 die fehlenden beziehungsweise unreifen Autoritäten des Parteivorstandes.[94] In all seinen Reflexionen blieb Strasser dem androzentrischen Diskurs des männlich gedachten politischen Subjekts verhaftet. Weder seine beiden frauenbewegten Gefährtinnen Nadja und Isa Strasser sowie deren Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen noch die in der frühen Sowjetunion angestellte Problematisierung der Nachhaltigkeit von patriarchal˗autoritären Familienkonstellationen schienen seine Denkweise zu beeinflussen, und auch die Wirkungsmacht von Geschlecht schien er nicht in ähnlich sensibler Weise zu reflektieren wie die eigenständige Bedeutung von Nation im Verhältnis zu den Klassenverhältnissen für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse.[95]

Ende 1927 – Leo Trotzki wurde aus der KPdSU ausgeschlossen und im Januar 1928 nach Alma-Ata deportiert – wurde Josef Strasser von der KPÖ »angefordert«. Die näheren Umstände sind nicht bekannt. Er übernahm erneut die Leitung der Roten Fahne und wurde in den Parteivorstand kooptiert. Allerdings häuften sich angesichts der Kominternpolitik – Stalinisierung und Sozialfaschismustheorie – seine Anfälle von »akuter Arbeitsunfähigkeit«, er »konnte« im wahrsten Sinne des Wortes, so Isa Strasser, nicht gegen seine Überzeugung die Parteilinie vertreten und legte sein Amt als Chefredakteur nieder.[96] Nun hielt die 38-jährige Isa in der parteipolitischen Arena Einzug.[97] In der Auseinandersetzung über die künftige Gewerkschaftsstrategie führte die ehemalige Angestellte der Profintern die Opposition an und sprach sich gegen die Schaffung neuer Gewerkschaften aus.[98] Am 21. Juni 1929 verlautbarte Die Rote Fahne ihren Parteiausschluss.[99] In den folgenden Auseinandersetzungen zwischen diversen kommunistischen Oppositionsgruppen in Österreich – besonders Josef Frey wetterte nach seinem Parteiausschluss 1927 in etlichen Briefen an Trotzki, in denen es um die Anerkennung als österreichische Sektion der Linken Opposition ging, gegen »die Strassers«[100] ˗ war Isa Strasser eine zentrale Akteurin der sogenannten Innerparteilichen Gruppe, bis sie sich Anfang der 1930er-Jahre mit der Diagnose »hoffnungslos zerstrittene Sektiererzirkel« zurückzog.[101] Josef Strasser flüchtete sich derweil in die innere Emigration.

 

Ausblick: »Paris? Das wäre das Beste.«

»Was Isa und Josef Strasser betrifft, so würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn sie mit uns arbeiten wollten. Aber seit drei Jahren haben alle Versuche zu nichts geführt«, schrieb Leo Trotzki, der Strasser seit vielen Jahren gut kannte und ihn sehr schätzte,[102] im Mai 1933 an Alois Neurath.[103] Die Strassers befanden sich in einer materiell wie psychisch krisenhaften Situation. Josef Strasser, dem das Korrektorat der deutschen Lenin˗Ausgabe entzogen worden war, versank in Passivität. In mehreren Briefen ersuchte Isa Strasser Trotzki und Neurath, doch zu versuchen ihren Mann zu »aktivieren«.[104] 1933, als die Transformation Österreichs zum autoritären christlichen Ständestaat begann und u. a. die KPÖ im Mai verboten wurde, schien dies gelungen zu sein. Im Juni wurde unter dem Pseudonym Austriacus Josef Strassers letzte Abrechnung mit dem Austromarxismus in der Zeitschrift Unser Wort der deutschsprachigen Sektion der Internationalen Linken Opposition abgedruckt.[105] Trotzki war begeistert: »Es war für mich wirklich ein Feiertag, Ihren Artikel in ›Unser Wort‹ zu sehen und zu lesen.« Er meinte, dass Strasser angesichts der politischen Situation emigrieren müsse, und fragte: »Paris? Das wäre das Beste.«[106] Strasser antwortete, dass eine Übersiedlung bei seinen »persönlichen Verhältnissen, die ziemlich verwickelt sind«, äußerst fraglich sei. Allerdings: »Was aber auch kommt, Sie können in jedem Fall auf meine Mitarbeit rechnen.«[107] Ob weitere Artikel über Österreich, die in Unser Wort bis 1935 publiziert wurden, auch aus der Feder von Josef Strasser stammen, ist nicht geklärt.

Im Sommer 1935 verschlechterte sich Strassers Gesundheitszustand. Trotzki zeigte sich besorgt: »Ich erfahre soeben von Neurath, dass Sie leidend sind und bettlägrig und ich empfinde das innere Bedürfnis, Ihnen meine wärmsten Wünsche der Genesung auszusprechen. […] Ich hoffe fest, dass Sie den ›inneren Feind‹ bewältigen (diesmal meine ich die Krankheit) und dass Ihre brillante Feder der Sache der Vierten Internationale noch wichtige Dienste leisten wird.«[108]

Am 15. Oktober 1935 verstarb Josef Strasser knapp 65-jährig in Wien. Seine Frau Isa überlebte ihn um 35 Jahre – 1970, kurz nach ihrem Tod, erschien ihr Roman Land ohne Schlaf, in dem sie ihre Erinnerungen an die frühe Sowjetunion fiktional zu gestalten suchte.[109]

Die Geschichte der Linken im 19. und 20. Jahrhundert ist eine voller Ideale und voller desaströser Enttäuschungen. Josef Strasser war gleichzeitig Akteur und Analytiker dieses Prozesses, seit dem Aufstieg der Sozialdemokratie im Habsburgerstaat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zur Stalinisierung der Komintern und dem Ende der kurzen demokratischen Ersten Republik Österreich in den 1930er-Jahren. Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit dem österreichischen Proletariat – als revolutionäres Subjekt – und dessen vielschichtiger Verwobenheit mit dem Vielvölkerstaat Österreich. Er suchte darin den Grund, warum sich die österreichischen Arbeiterinnen und Arbeiter nach dem Ersten Weltkrieg weder für die KPÖ noch für eine gewaltbereite Umsturz-Strategie gewinnen ließen, sondern – in Gegensatz zu anderen Ländern Zentraleuropas – der Sozialdemokratie treu blieben. Das alte Österreich war ein Imperium, dessen Führung sich seit Jahrhunderten trefflich auf die Entwicklung von Strategien verstanden hatte, um den Habsburgerstaat und dessen Macht zu erhalten und auszubauen.[110]Auch die Sozialdemokratie wurde Teil dieses Integrationsprozesses, vor allem im und durch den Kampf um das allgemeine Männerwahlrecht, in dem sie, sich mit dem österreichischen Staat einig wissend, das Gegenmittel zum aufgeheizten Nationalitätenstreit und dessen desintegrierender Wirkung verortete. Strasser war ein reflektierender Beobachter dieses Prozesses. Die denunzierte »demokratische Illusion« der österreichischen Arbeiterinnen und Arbeiter geriet für ihn selbst zum Haltegriff in den aussichtslosen KP-internen Debatten um Meinungs- und Diskussionsfreiheit. Auseinandersetzungen, über die Strasser keine Analysen in Papierform hinterließ. In der Moskauer Emigration im Jahre 1925 bezeichnete er die demokratisch-pazifistische Einstellung des österreichischen Proletariats als »maskierte Hoffnungslosigkeit«.[111] Vielleicht meinte er damit auch seine eigene, angesichts der tief gehenden Erschütterungen über die Entwicklung der Komintern. Eine hoffnungslose Entwicklung, die sowohl seine vielen Bekenntnisse zu »demokratischen Parteiverhältnissen« als auch seinen martialischen Ausruf bei seinem Abgang am KPÖ-Parteitag 1922 verblassen ließ: »Ich bleibe Demokrat!«[112]

 


[1] Für die umfassende Unterstützung danke ich meinem Lebensgefährten Karl Fallend.

[2] Leo Lania: Welt im Umbruch. Biographie einer Generation, Frankfurt/Wien 1954, S. 129; Michael Schwaiger: Leo Lania. Schreiben gegen das Vergessen. Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien (im Folgenden: VGA), Dokumentation 1–4/2015, Wien 2015.

[3] Isa Strasser an Trotzki am 7. August 1932, Houghton Library, Harvard University, Leon Trotzky Exile Papers (MS Russ 13.1.) (im Folgenden: HL, Trotzky Papers), 5419_5423.

[4] Siehe Gabriella Hauch: »Besiegt ist, wer nie den Kampf aufgenommen, wer ihn nie gewollt.« Nadja Strasser, geb. Neoma Ramm (1871–1955), in: Werner M. Schwarz/Ingo Zechner (Hg.): Die helle und die dunkle Seite der Moderne. Festschrift für Siegfried Mattl, Wien/Berlin 2014, S. 162–171; Gabriella Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« Spurensuche nach Isa Strasser, geb. von Schwartzkoppen (1891–1970), in: Lucile Dreidemy u. a. (Hg.): Bananen, Coca Cola, Zeitgeschichte. Oliver Rathkolb und das lange 20. Jahrhundert, Wien/Köln/Weimar 2015, S. 137–149.

[5] Siehe Wolfgang Maderthaner: Die eigenartige Größe der Beschränkung. Österreichische Revolution im mitteleuropäischen Spannungsfeld, in: Helmut Konrad/Wolfgang Maderthaner (Hg.): … der Rest ist Österreich. Das Werden der Ersten Republik, Bd. 1, Wien 2008, S. 187–206. In ihrer Anfangszeit nannte sich die KPÖ Kommunistische Partei DeutschÖsterreichs (im Folgenden: KPÖ).

[6] Josef Strasser: Der Arbeiter und die Nation. Anhang: Schriften zum Austromarxismus, Wien 1982, S. 109. Die Herkunft des Bildes konnte auch nach Rücksprache mit Max Dillinger und Peter Kulemann, damals Leiter des Junius Verlages, nicht geklärt werden. Ich danke den beiden für die Abdruckerlaubnis.

[7] Karl Steinhardt: Lebenserinnerungen eines Wiener Arbeiters, hrsg. u. eingel. von Manfred Mugrauer, Wien 2013, S. 270. Besitz: Zentrales Parteiarchiv der KPÖ, Bildarchiv. Ich danke Manfred Mugrauer für die Übermittlung des Fotos und die Abdruckerlaubnis.

[8] Strasser wird in der Autobiografie des KPÖ-Mitbegründers nicht genannt, siehe Steinhardt: Lebenserinnerungen (Anm. 7). Die Autobiografie von Franz Koritschoner, in der Strasser erwähnt wird, erscheint 2018, herausgegeben von Hans Hautmann.

[9] Rossijskij gosudarstvennyj archiv social’no-političeskoj istorii/Russländisches Staatsarchiv für Soziale und Politische Geschichte (im Folgenden: RGASPI), f. 490. o. l., d. 169, l. 9, zit. nach Hannes Leidinger: Lenins Erbe(n): Die Fraktionskämpfe der zwanziger Jahre, in: Barry McLoughlin/Hannes Leidinger/Verena Moritz: Kommunismus in Österreich 1918–1938, Innsbruck/Wien/Bozen 2009, S. 246.

[10] Siehe Isa Strasser: Josef Strasser – ein Lebensbild, in: Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 101–107; Isa Strasser: Josef Strasser. Zu seinem 100. Geburtstag, maschschr. Manuskript, VGA, Parteiarchiv, L. 24, M. 10.

[11] Siehe Parteivertretung (PV) am 11. September 1901, in: Protokolle der Parteivertretung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Oesterreichs 1897–1918 (im Folgenden: Protokolle), hrsg. u. bearb. von Gabriella Hauch/Rudolf G. Ardelt, VGA, Nr. 955, S. 77.

[12] Siehe Meldezettel Josef Strasser, Státní oblastní archiv v Litoměřicích/Staatliches Gebietsarchiv Litomerice, Schreiben vom 30. August 2013. Ich danke Jana Stráníková für ihre Hilfestellung.

[13] Nadja Strasser an Josef Skaret o. D. [1910] und 9. November 1911 (samt Beilagen), VGA, Altes Parteiarchiv, M. 39; siehe Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 139; Heike Stange: Zwischen Eigensinn und solidarischer Zusammenarbeit. Frida Winckelmann, in: Mario Hessebarth u. a. (Hg.): Gelebte Ideen. Sozialisten in Thüringen, Jena 2006, S. 458–464.

[14] Siehe Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 139.

[15] Josef Strasser: Kapitalismus und Kriegsrecht, in: Die Neue Zeit, Ergänzungsheft Nr. 11, Dezember 1911; Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), auch abgedruckt in: Manfred Scharinger (Hg.): Josef Strasser. Ausgewählte Werke. Kleine Schriftenreihe zur österreichischen Arbeiter/innen/geschichte Nr. 22, hrsg. von der Organisation arbeiter.innen.kampf (ARKA), Wien 2014, S. 186–228. Diese Publikation wendet sich an eine »linke Öffentlichkeit« (S. 27) und ist nicht im Buchhandel erhältlich.

[16] Siehe Isa Strasser: Lebenslauf, Theodor Kramer Gesellschaft Wien, Herbert-Exenberger-Archiv, Wien.

[17] Siehe Hans Hautmann: Geschichte der Rätebewegung in Österreich 1918–1924, Wien 1987, S. 106.

[18] Isa Strasser: Josef Strasser – ein Lebensbild (Anm. 10), S. 105.

[19] Lania: Welt im Umbruch (Anm. 2), S. 151.

[20] Siehe Isa Strasser: Josef Strasser – ein Lebensbild (Anm. 10), S. 105.

[21] Die Reichskonferenz. Das Referat über die Richtlinien der kommunistischen Politik. Strasser, in: Die Rote Fahne (im Folgenden: RF) vom 12. Dezember 1919, S. 2.

[22] Siehe Wolfgang Maderthaner: Die österreichische Sozialdemokratie 1918 bis 1934. Die größte Parteiorganisation der Welt, in: Das Rote Wien 1918–1934, hrsg. vom Historischen Museum der Stadt Wien, Wien 1993, S. 28–42, hier S. 28. 1932 waren 25 Prozent der Wiener Bevölkerung in der SDAP organisiert (38,3 Prozent aller Männer und 14,2 Prozent aller Frauen), insgesamt 400 484 Menschen.

[23] Unsere Reichskonferenz. Die Richtlinien der kommunistischen Politik. Korreferent Friedländer, in: RF vom 13. Dezember 1919, S. 2 f.

[24] Siehe Fritz Keller: Gegen den Strom – Fraktionskämpfe in der KPÖ. Trotzkisten und andere Gruppen 1919–1945, Wien 1978.

[25] Johannes Wertheim: Unsere »Rote Fahne«. Anläßlich des Beginns des 10. Jahrgangs, in: RF vom 1. Jänner 1927, S. 3.

[26] Siehe Hans Hautmann: Die verlorene Räterepublik. Am Beispiel der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs, Wien 1971, S. 152–161, 168–172.

[27] Gerhard Botz: Gewalt in der Politik. Attentate, Zusammenstöße, Putschversuche, Unruhen in Österreich 1918–1934, München 1976, S. 48–53.

[28] Information in Notizform vom 15. Juni 1919, Bundespolizeidirektion Wien, Schober-Archiv (im Folgenden: BuPolDion, Schober-A), Kt. Verschiedenes 1892–1932, M. Kommunistische Bewegung 1918, S. 1.

[29] Siehe Hautmann: Die verlorene Räterepublik (Anm. 26), S. 168–172.

[30] Bettelheim: Die Bettelheimerei, S. 956, zit. nach: Hautmann: Die verlorene Räterepublik (Anm. 26), S. 171.

[31] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Referat Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 4.

[32] Siehe Gabriella Hauch: Welche Welt? Welche Politik? Zum Geschlecht in Revolte, Rätebewegung, Parteien und Parlament, in: Konrad/Maderthaner: … der Rest ist Österreich (Anm. 5), S. 317–338.

[33] Wertheim: Unsere »Rote Fahne« (Anm. 25), S. 3.

[34] Lania: Welt im Umbruch (Anm. 2), S. 146.

[35] Siehe Isa Strasser: Brief an den Leser, in: Isa Strasser: Land ohne Schlaf, Wien/Zürich 1970, S. 7–10, hier S. 9.

[36] Siehe Information, BuPolDion, Schober-A, Kt. 97, M. Bela Kun.

[37] Der Abend vom 14. Juni 1919, S. 2, in: Botz: Gewalt in der Politik (Anm. 27), S. 53.

[38] Siehe Information in Notizform vom 15. Juni 1919, BuPolDion, Schober-A, Kt. Verschiedenes 1892–1932, M. Kommunistische Bewegung 1918, S. 4–6; Wien, am 23. Juni 1919, BuPolDion, Schober-A, Kt. Verschiedenes 1892–1932, M. Kommunistische Bewegung 1918.

[39] Siehe Botz: Gewalt in der Politik (Anm. 27), S. 64–70.

[40] Hautmann: Die verlorene Räterepublik (Anm. 26), S. 188 f.

[41] Aus der Partei, in: RF vom 19. Oktober 1919, S. 8.

[42] Siehe Unsere Reichskonferenz, in: RF vom 10. Dezember 1919, S. 5.

[43] Die Reichskonferenz. Das Referat über die Richtlinien der kommunistischen Politik. Strasser, in: RF vom 12. Dezember 1919, S. 2.

[44] Lania: Welt im Umbruch (Anm. 2), S. 151; nachzuvollziehen in: Was ist der Arbeiterrat, RF vom 10. Oktober 1919, S. 1; Kommunisten und Arbeiterräte, in: RF vom 6. November 1919, S. 3. Beide Artikel wurden Josef Strasser zugeschrieben, siehe Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 108; auch Julius Dickmann, in: Peter Haumer: Julius Dickmann: »… dass die Masse sich selbst begreifen lernt«. Politische Biografie und ausgewählte Schriften, Wien 2015, S. 70 f. Es ist schwierig, ohne sprachliche Analyse der Rhetorik von Strasser und Dickmann die Autorschaft weiter zu verifizieren. Haumers inhaltliche Argumentation scheint m. E. mehr auf die politische Nähe der beiden zu verweisen als auf Dickmann als Verfasser. Zu betonen ist allenfalls, dass Strasser diese Artikel als verantwortlicher Redakteur ins Blatt setzte.

[45] Unsere Reichskonferenz, in: RF vom 10. Dezember 1919, S. 5. Der Name des vierten Redaktionsmitgliedes konnte bislang nicht identifiziert werden.

[46] Die Reichskonferenz. Das Referat über die Richtlinien der kommunistischen Politik. Strasser, in: RF vom 12. Dezember 1919, S. 2. Hervorhebung im Original.

[47] Siehe Unsere Reichskonferenz. Die Richtlinien der kommunistischen Politik. Korreferent Friedländer, in: RF vom 13. Dezember 1919, S. 2 f.

[48] Julius Dickmann: Lenins taktische Lehren, in: Freie Tribüne vom 4. September 1920, S. 4 f., zit. nach Haumer: Julius Dickmann (Anm. 44), S. 79.

[49] Die Reichskonferenz. Das Referat über die Richtlinien der kommunistischen Politik. Strasser, in: RF vom 12. Dezember 1919, S. 2.

[50] Eine geschlechtsspezifische Analyse der Österreichischen Revolution, in: Gabriella Hauch: Frauen.Leben.Linz. Eine Frauen- und Geschlechtergeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Linz 2013, S. 238–241.

[51] Paul Levi auf der Reichskonferenz am 16. August 1919, in: Charlotte Beradt: Paul Levi. Ein demokratischer Sozialist in der Weimarer Republik, Frankfurt a. M. 1969, S. 32; siehe auch Tania Puschnerat: Clara Zetkin. Bürgerlichkeit und Marxismus, Essen 2003, S. 235–279.

[52] Für die jüngere Geschichtsschreibung siehe Mario Keßler: Ruth Fischer. Ein Leben mit und gegen Kommunisten (1895–1961), Köln/Weimar/Wien 2013; siehe auch Stefan Heym: Radek, München 1995.

[53] Beradt: Paul Levi (Anm. 51), S. 42.

[54] Ebd., S. 44.

[55] Siehe auch: Frédéric Cyr: Paul Levi. Rebelle devant les extrêmes. Une biographie politique [Paul Levi. Rebellion gegen alle Extreme. Eine politische Biografie], Québec 2013; Walter Jens: Ein Jud aus Hechingen. Requiem für Paul Levi, Stuttgart 1992.

[56] Ausserordentlicher Reichsparteitag der kommunistischen Partei Oesterreichs vom 23. bis 25. Jänner 1921, S. 3, BuPolDion, Schober-A, Kt. 37, M. Kommunistische Bewegung.

[57] Bericht über die Kommunistische Bewegung im Jahre 1921 vom 4. April 1922, BuPolDion, Schober-A, Kt. 47, M. Kommunistische Bewegung 1922.

[58] Der Einigungsparteitag. Genosse Strasser, in: RF vom 26. Jänner 1921, S. 4.

[59] Siehe Puschnerat: Clara Zetkin (Anm. 51), S. 236 f.

[60] Siehe Wiener Konferenz der KP über die Ereignisse am 26. und 27. April 1921, BuPolDion, Schober-A, Kt. 37 Gruppe II, 1921, M. Kommunistische Bewegung.

[61] Aus der Partei. Mitteilungen des Parteivorstandes, in: RF vom 20. April 1921, S. 4.

[62] Siehe Impressum, in: RF vom 20. April 1921, S. 6.

[63] Siehe Wiener Konferenz der KP über die Ereignisse am 26. und 27. April 1921, BuPolDion, Schober-A, Kt. 37 Gruppe II, 1921, M. Kommunistische Bewegung.

[64] Lania: Welt im Umbruch (Anm. 2), S. 177.

[65] Siehe Die Wiener Konferenz über die Ereignisse in Deutschland, in: RF vom 29. April 1921, S. 3.

[66] Siehe zum Beispiel: Josef Strasser, Dienstag, 13. Juni 1921, Referentenkurs in Ebreichsdorf u. Mittwoch, 14. Juni 1921 in Floridsdorf, in: RF vom 13. Juni 1921, S. 6.

[67] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Strasser, in: RF vom 1. April 1922, S. 5.

[68] Die Tätigkeit der Exekutive und des Präsidiums der KI vom 13. Juli. 1921–1. Februar 1922, Petrograd, S. 15–17, in: Herbert Steiner: Die Kommunistische Partei Österreichs 1918–1933, Meisenheim am Glan 1968, S. 33.

[69] Siehe RGASPI, f. 490, o. 1, d. 169, l. 5 und 9, zit. nach Leidinger: Lenins Erbe(n) (Anm. 9), S. 246. Von wem diese Äußerung stammte, ob sie positiv oder negativ konnotiert war, wurde nicht angegeben.

[70] Anna Frey, geb. Schlesinger beging 1920 Suizid, siehe Gabriella Hauch: Therese Schlesinger, geb. Eckstein (1863–1940). Schreiben über eine Fremde, in: dies.: Frauen bewegen Politik. Österreich 1848–1938, Innsbruck/Wien/Bozen 2009, S. 249–267, hier S. 256. Therese Schlesinger blieb den Strassers zeitlebens verbunden, unterstützte sie materiell in schweren Zeiten; der Sohn Peter Strasser zählte zu ihren »Wahlenkeln«, in: Bernhard Kuschey: Die Ausnahme des Überlebens. Ernst und Hilde Federn. Eine biographische Studie und eine Analyse der Binnenstrukturen des Konzentrationslagers, Bd. 1, Gießen 2003, S. 109.

[71] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Gen. Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 3 f.

[72] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Strasser, in: RF vom 1. April 1922, S. 4.

[73] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Frey, in: RF vom 2. April 1922, S. 4.

[74] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Gen. Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 3 f.

[75] Siehe Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe., in: RF vom 2. April 1922, S. 4 f.

[76] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Gen. Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 3 f.

[77] Siehe Wien, 10. Juni 1922, Betreff: Isidora Strasser, Veranstaltung einer Versammlung unter freiem Himmel, BuPolDion Wien, Schober-A, Kt. 47, M. Kommunistische Bewegung 1922; Unsere dritte Frauenkonferenz, in: RF vom 11. März 1923, S. 5 f.

[78] Siehe Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 144–146. Dank an Alexander Vatlin für die Dokumente über Isa Strasser aus dem RGASPI. Am 23. Juni 1923, S. 2 erschien in der RF der Artikel »Hamburg« von Josef Strasser (Moskau).

[79] Zu den damit verbundenen Schwierigkeiten siehe Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 144 f.

[80] Neurath an Trotzki, 30. Mai 1933, HL, Trotzky Papers, 3539_3592.

[81] Siehe Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 146.

[82] Siehe Josef Strasser: Die Musterpartei der internationalen Sozialdemokratie, in: Internationale Presse-Korrespondenz der Kommunistischen Internationale (dt.) 1925, Nr. 2, wieder abgedruckt in: Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 81–88; Josef Strasser: Die Revolution von 1905 und der österreichische Wahlrechtskampf, in: Internationale Presse-Korrespondenz der Kommunistischen Internationale (dt.) 1925, Nr. 144, wieder abgedruckt in: Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 89–93; Austriacus: Das Ende des Austromarxismus, in: Unser Wort (Juni 1933), H. 6, wieder abgedruckt in: Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 94–99; Josef Strasser: Die österreichischen Arbeiter, in: Die Rote Gewerkschaftsinternationale 1925, 1. Halbjahresband, Nr. 1–6, S. 30–32. In der RF wurde der Artikel unter dem Titel »Die Psychologie des österreichischen Arbeiters« angekündigt.

[83] Siehe Karl Fallend: Historische Aspekte zur psychoanalytischen Massenpsychologie. »Prof. Freud wünscht, die Psychologie der Revolution von vielen Gesichtspunkten aus zu betrachten«, in: Konrad/Maderthaner: … der Rest ist Österreich, Bd. 2 (Anm. 5), S. 251–262.

[84] Paul Lazarsfeld: Eine Episode aus der Geschichte der empirischen Sozialforschung. Erinnerungen, in: Talcott Parsons/Edward Shils/Paul Felix Lazarsfeld: Soziologie – autobiographisch. Drei kritische Berichte zur Entwicklung einer Wissenschaft, Stuttgart 1975, S. 149.

[85] Strasser: Die Musterpartei (Anm. 82), S. 85; Josef Strasser: Vom Austromarxismus. Was er war und was er ist, in: RF vom 26. u. 27. April 1927, jeweils S. 2.

[86] Strasser: Die Revolution (Anm. 82).

[87] Strasser: Die Musterpartei (Anm. 82), S. 86 f.

[88] Ebd., S. 88.

[89] Ebd., S. 86.

[90] Karl Leuthner: Die Jungen von damals, in: Arbeiter-Zeitung vom 1. Jänner 1925, S. 56; Josef Strasser: Die Schwäche als Entwicklungsfaktor, in: Der Kampf 1 (1908), S. 135–139.

[91] Siehe Alfred Adler: Die andere Seite: eine massenpsychologische Studie über die Schuld des Volkes, Wien 1919; Paul Federn: Zur Psychologie der Revolution. Die vaterlose Gesellschaft, Wien 1919, wieder abgedruckt in: Helmut Dahmer (Hg.): Analytische Sozialpsychologie. Texte aus den Jahren 1910–1980, Bd. 1, Gießen 2013, S. 65–87.

[92] Siehe zum Beispiel: Der Einigungsparteitag. Tomann, in: RF vom 25. Januar 1921, S. 2–5: Die SDAP sei die »gerissenste und gefährlichste«, es gebe keinen »gefährlicheren Feind«. Strasser wendete sich konsequent gegen diese Dämonisierung.

[93] Siehe Federn: Zur Psychologie der Revolution (Anm. 91), S. 82.

[94] Die Reichskonferenz. Das Referat über die Richtlinien der kommunistischen Politik. Strasser, in: RF vom 12. Dezember 1919, S. 2; Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Gen. Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 3 f.

[95] Siehe Hauch: »Besiegt ist …« (Anm. 4); Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4); Leo Trotzki: Fragen des Alltagslebens (1923), Frankfurt a. M. 1978.

[96] Isa Strasser: Josef Strasser – ein Lebensbild (Anm. 10), S. 106.

[97] Siehe Aus der Partei. Freie Vereinigung Sozialistischer Studenten. Ref. Isa Strasser: Fragen der Rationalisierung, in: RF vom 18. Februar 1928, S. 6.

[98] Siehe Isa Strasser: Zur Diskussion über die Gewerkschaftsfrage, in: RF vom 15. Februar 1929, S. 7; siehe die Diskussion am X. Parteitag der KPÖ vom 20. bis 23. Februar 1929, in: RF vom 20.–23. Februar 1929.

[99] Siehe Tagung des Zentralkomitees der Partei, in: RF vom 21. Juni 1929, S. 7; siehe auch Hauch: »Welcher Weg ist einzuschlagen …?« (Anm. 4), S. 127–129.

[100] Siehe zum Beispiel Josef Frey an Trotzki, 14. August 1929, HL, Trotzky Exile Papers, 1237_1319.

[101] Isa Strasser an Trotzki, 3. Juni 1929, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (im Folgenden: DÖW), Sammlung Trotzki, R/536; siehe auch Hans Schafranek: Das kurze Leben des Kurt Landau. Ein österreichischer Kommunist als Opfer der stalinistischen Geheimpolizei, Wien 1988, S. 141 f.

[102] Trotzki an Neurath, 5. Juni 1933, HL, Trotzky Papers, 9366_9402.

[103] Trotzki an Neurath, 23. Mai 1933, ebd.

[104] Isa Strasser an Trotzki, 3. Juni 1929, DÖW, Sammlung Trotzki, R/536; Neurath an Trotzki, 30. Mai 1933, HL, Trotzky Papers, 3539_3592; Isa Strasser an Trotzki, 19. Mai 1933, HL, Trotzky Papers, 5419_5423.

[105] Austriacus: Das Ende des Austromarxismus, in: Unser Wort (Juni 1933), H. 6, wieder abgedruckt in: Strasser: Der Arbeiter und die Nation (Anm. 6), S. 94–99.

[106] Trotzki an Josef Strasser, 5. Juni 1933, HL, Trotzky Papers, 10547.

[107] Josef Strasser an Trotzki, 19. Juni 1933, HL, Trotzky Papers, 5424.

[108] Trotzki an Josef Strasser, 13. Juni 1935, HL, Trotzky Papers, 10548.

[109] Strasser: Land ohne Schlaf (Anm. 35).

[110] Siehe Pieter M. Judson: Habsburg. Geschichte eines Imperiums 1740–1918, München 2017, S. 13–23.

[111] Strasser: Die österreichischen Arbeiter (Anm. 82), S. 32.

[112] Der fünfte Reichsparteitag der K.P.Oe. Gen. Strasser, in: RF vom 31. März 1922, S. 3 f.

Inhalt – JHK 2018

Kurzbiografie

Abstract

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