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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Gulag und Laogai: das sowjetische und das chinesische Lagersystem im Vergleich

JHK 2007 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 319-336 | Aufbau Verlag

Autor/in: Dieter Heinzig

Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob die Systeme Gulag und Laogai einander ähnlich, wenn nicht gleich seien: Ein totalitärer Staat sperrt Millionen seiner Bürger ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren in Lager ein, wo sie viele Jahre oder sogar Jahrzehnte ohne oder gegen extrem niedrige Bezahlung unter Lebensbedingen arbeiten müssen, die so miserabel sind, dass viele von ihnen an Hunger oder Krankheit sterben, manche an den Folgen von Folter oder durch Hinrichtung. Wenn man aber die beiden Systeme näher betrachtet, erkennt man Unterschiede, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Im Folgenden sollen Ähnlichkeiten und Unterschiede des sowjetischen und des chinesischen Konzentrationslagersystems anhand von ausgewählten Kriterien herausgearbeitet werden. 

Der historische Hintergrund beider Systeme 

Zwangsarbeit und Verbannung haben in Russland als in China eine lange Tradition. Im zaristischen Russland wurden seit dem 17. Jahrhundert Zwangsarbeitertrupps nach Sibirien geschickt. Stalin bewunderte Peter den Großen, der Leibeigene und Gefangene einsetzte, um riesige Bauprojekte wie z. B. die Gründung von St. Petersburg durchzuführen. Zusätzlich zu diesem Zwangsarbeitssystem, das man katorga nannte, gab es Zwangsansiedlung (poselenie): Menschen wurden gezwungen, oft zusammen mit ihren Familien, sich lebenslänglich in öden Landstrichen niederzulassen, meist im russischen Norden oder in Sibirien. Sie wurden zwar nicht eingesperrt, mussten aber ein entbehrungsreiches Leben führen. Schließlich gab es noch die Verbannung (ssylka), die üblicherweise nicht von einem Gericht, sondern von einer Verwaltungsbehörde verhängt wurde. Sie galt als eine vergleichsweise milde Strafe und richtete sich in der Regel gegen Intellektuelle und Politiker, die sich kritisch geäußert hatten. Als Beispiele seien die Dekabristen, Aleksandr Puškin und Fëdor Dostoevskij genannt ebenso wie prominente Bolschewisten wie Lenin, Trockij und Stalin. Letztere lebten in der Verbannung meist unter vergleichsweise günstigen Lebensbedingungen. Sie durften Bücher lesen, und Lenin konnte sogar die Neue Zürcher Zeitung abonnieren. Hingegen wurden im kaiserlichen China viele Großbauprojekte wie die Große Mauer seit der QinDynastie und das Kanalsystem während der Sui-Dynastie unter Einsatz von Sklaven durchgeführt. Zwangsarbeit und Verbannung für Gefangene waren ebenfalls üblich. Nach dem Strafgesetzbuch () der Gesetze und Statuten der MandschuDynastie (Da Qing lü li) galt Verbannung in Verbindung mit Zwangsarbeit als eine mittlere Strafe. Es gab zwei Arten: »interne Verbannung« innerhalb der Grenzen derselben Provinz bis zu drei Jahren (tu) für Vergehen wie Inzest, Abtreibung oder Vergewaltigung und lebenslange »Verbannung in ferne Gebiete« (liu) für Verbrechen wie Ehebruch, Entführung oder Mordversuch. Ein umfassendes Geständnis des Angeklagten war als Voraussetzung für eine Verurteilung von großer Bedeutung. Die Folter war erlaubt, um ein Geständnis zu erzwingen. »Politische Verbannung« war in China hingegen weniger verbreitet als in Russland.[1] In China gab es das System des kommunistischen Terrors nicht erst seit der Gründung der Volksrepublik 1949. Es hatte Vorläufer: zum einen das entsprechende System in der Räterepublik der zentralchinesischen Provinz Jiangxi, wo zwischen 1927 und 1934 fast 200 000 politische Gegner liquidiert wurden und wo Zwangsarbeit eine übliche Strafe war. Zum anderen wurde ab 1936 in Yenan das Unterdrückungssystem verfeinert, und Mao Zedong und seine Anhänger setzten eine »Rektifizierungsbewegung« (zhengfeng yundong) in Gang, entwickelten die Idee der »Gedankenreform« (sixiang gaizao) und führten die Methode von Zwangsgeständnissen ein. So bereiteten sie den Boden für alle Arten von psychischem Terror, der als »Umerziehung« bekannt geworden ist und im Laogai-System der Volksrepublik China eine wichtige Rolle spielen sollte. Es ist hinreichend belegt, dass Spezialisten der sowjetischen Geheimdienste (OGPU, NKVD, MGB, KGB etc.) den chinesischen Genossen halfen, ihr Unterdrückungssystem zu entwickeln. [2]

 Welche sozialen Gruppen wurden interniert oder deportiert? 

 Die Gruppen wechselten entsprechend dem Auf und Ab der sozio-politischen Geschichte der beiden Länder und abhängig davon, wen das Regime als Gegner ausmachte. Nach dem bolschewistischen Putsch vom 7. November 1917, den man später »Große Sozialistische Oktoberrevolution« nannte, erfanden die neuen Herrscher eine neue Kategorie von Kriminellen: den »Klassenfeind« (meist als kollektives Nomen benutzt) oder »die Feinde der Revolution«. Es gab keinerlei Versuche zu definieren, was das bedeutete. Es war schlicht ein Terminus, der dem bolschewistischen Denken in den Kategorien von Freund und Feind (kto kogo?, wörtlich »Wer wen?«) entsprang. Der Klassenfeind konnte ein früherer zaristischer Offizier sein, ein Adliger, ein Kulak, ein »Bourgeois«, ein »Spekulant«, ein Priester oder ein oppositioneller Politiker. Er konnte praktisch jeder sein, den man verdächtigte, er sei »unzuverlässig« (ein Ausdruck, den Lenin im August 1918 verwendete). Unter der Politik des Roten Terrors sollten solche Menschen getötet, ins Gefängnis geworfen oder, wie Lenin es ausdrückte, »in einem Konzentrationslager außerhalb der Stadt eingesperrt« werden.[3] 

Ab 1929 wurden neue Häftlingskategorien eingeführt, die für die ökonomischen Pannen herhalten mussten. Man nannte sie »Schädlinge«, »Saboteure« oder auch »sozial fremde Elemente«. Betroffen waren Ingenieure, Techniker, Unternehmer, Ladenbesitzer und Handwerker. Den höchsten Preis aber zahlten die Bauern. Sechs Millionen Bauern fielen dem Großen Hunger (Golodomor) zum Opfer, mehr als zwei Millionen wurden deportiert, von denen wiederum Hunderttausende zu Tode kamen. Sie wurden als »Kulaken« verfolgt, d. h. als Großgrundbesitzer und reiche Bauern, während die meisten von ihnen in Wirklichkeit Bauern mit einem mittleren Einkommen und arme Bauern waren. Sie wurden bestraft, weil sie sich der Zwangskollektivierung und der raskulačivanie (Entkulakisierung) widersetzt hatten. Sie bildeten die große Mehrheit im Gulag der 30er Jahre. Während der »Großen Säuberung« (bol’šaja čistka) zwischen 1936 und 1938 traf es massenhaft Angehörige der Parteielite, darunter viele ausländische Kommunisten, und des Generalstabs, die als »Trockijsten« oder als »Rechtsabweichler« rubriziert wurden, aber auch Opfer mit einem beliebigen anderen sozialen Hintergrund. 1937 und 1938 wurden Angehörige bestimmter Nationalitäten zu Hunderttausenden unter dem Verdacht der Spionage oder »Subversion« entweder sofort liquidiert oder in den Gulag verbracht: Polen, Japaner, Deutsche, Finnen, Rumänen, Letten, Litauer, Türken, Griechen. Seit 1939 kamen u.a. Karelier, Tschetschenen und Krimtataren hinzu, während des Krieges »Verräter«, d. h. Rotarmisten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, und schließlich, vor Stalins Tod, auch Juden. Insgesamt gehörten die meisten Häftlinge nicht zur Intelligenz, sondern waren Bauern und Arbeiter.[4]

In China wurden die politischen Gefangenen in den Lagern meist unter dem Begriff »Konterrevolutionäre« zusammengefasst. Zu ihnen gehörten in den 50er Jahren Kuomintang-Beamte, Fabrikbesitzer oder Ladeneigentümer, Großgrundbesitzer, wohlhabende Bauern, Christen und »Spione« (meist Ausländer), seit 1957 »Rechte« oder »Rechtsrevisionisten«, in den späten 70er Jahren Bürgerrechtsaktivisten, 1989 und danach Studenten der Tiananmen-Bewegung sowie seit 1999 Falungong-Anhänger. Andere Begriffe wie »ideologische Reaktionäre« (vor der Kulturrevolution) oder »antisozialistische Elemente« (danach) bezeichneten Menschen, die ihre Unzufriedenheit mit der offiziellen politischen Linie zum Ausdruck gebracht, dies aber in ihrer Privatsphäre getan hatten. Ihre Aktivitäten wurden als weniger bedrohlich betrachtet.[5] Im Verhältnis zu den »gewöhnlichen Kriminellen« war der Anteil der politischen Gefangenen Mitte der 50er Jahre am höchsten, nämlich etwa 80 Prozent. Er fiel in den 60ern auf 50 Prozent und am Ende der 70er auf ein rundes Drittel.[6]

Obwohl sich die sozialen Gruppen, die von politischen Inhaftierung und Deportation betroffen wurden, in beiden Ländern voneinander unterschieden und die Gruppen auch unterschiedlich bezeichnet wurden, lässt sich dennoch feststellen, dass sie eine Gemeinsamkeit aufwiesen: Die Machthaber stuften sie als Regimegegner ein oder betrachteten sie zumindest als unzuverlässige Personen.

Es sei indes auf zwei Unterschiede hingewiesen. Zum einen: Wenn auch in China zwischen 1949 und 1952 im Zuge der Landreform vier bis sechs Millionen Bauern in den Laogai geschickt wurden, entging die ländliche Bevölkerung in der Folgezeit diesem Schicksal – ein erheblicher Unterschied zur Sowjetunion, wo in den 30er Jahren wahrscheinlich mehr als 70 Prozent der im Gulag Inhaftierten Bauern waren.[7] Zum anderen: Wie schon erwähnt, wurden in der Sowjetunion zusätzlich zu der üblichen Kategorie des »Volksfeinds« Menschen auch auf Grund ethnischer Kriterien verfolgt. Dies hatte zum Teil damit zu tun, dass die Sowjetarmee zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ausländische Gebiete besetzte (Ostpolen, die baltischen Staaten, Teile Rumäniens und Finnlands), aber auch damit, dass in sowjetischen Territorien, die nach 1941 von der deutschen Wehrmacht besetzt wurden, nichtrussische Nationalitäten tatsächlich oder vermeintlich mit den Deutschen kollaborierten. In China gab es keine vergleichbare Situation. Zudem beliefen sich in China die Nicht-Han-Nationalitäten nur auf etwa 6 Prozent der Gesamtbevölkerung, während in der Sowjetunion die Nichtrussen etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachten. Es gab also in China keine breit angelegte Verfolgung von Minderheiten. Die Hauptausnahme bilden die Tibeter. Im Zuge des Massenterrors nach dem tibetischen Aufstand von 1959 wurden Hunderttausende von Tibetern in mehr als 150 Laogai-Lager mit strengstem Regime eingewiesen. Es gibt Hinweise, wonach nur etwa 2 Prozent von ihnen überlebten. Verfolgt werden bis heute Uighuren in der Provinz Xinjiang (Sinkiang) und Mongolen in der Inneren Mongolei, die sich einer Sinisierung widersetzen und denen man – teilweise zu Recht – Separatismus vorwirft.[8]

Werden unterschiedliche Häftlingskategorien in unterschiedlichen Lagertypen inhaftiert?

 Nachdem die Bolschewisten in Petrograd die Macht ergriffen hatten, sperrten sie alle Häftlinge in die Gefängnisse ein, die das zaristische System hinterlassen hatte, und unterstellte sie 1922 dem Volkskommissariat für Justiz.[9] Doch schon im Sommer 1918 beschloss man, die politischen Gefangenen, d. h. »die Bourgeoisie« (Trockij) oder »die Unzuverlässigen« (Lenin), in Konzentrationslager (konclagerja) einzuweisen. Diese Häftlinge wurden üblicherweise nicht durch ordentliche Gerichte verurteilt, falls sie überhaupt ein Gerichtsverfahren erhielten. Die Konzentrationslager entwickelten sich oft aus ehemaligen Kriegsgefangenenlagern, die im Sommer 1918 geräumt und der Tscheka (russ.: ČK), dem Geheimdienst, übergeben wurden. Dies war de facto der Anfang des Gulag. Die Lager wurden 1919 offiziell in »Zwangsarbeitslager« (lagerja prinuditel’nych rabot) umbenannt[10] und erhielten später die Bezeichnung »Sonderlager« oder »Speziallager« (osobye oder special’nye lagerja). Als Reaktion auf die Androhung eines westlichen Boykotts von Waren, die in Zwangsarbeitslagern hergestellt wurden, benannte man seit 1930 die Konzentrationslager in »Besserungsarbeitslager« (ispravitel’notrudovye lagerja, russ. Abk.: ITL)[11] um. Wegen der wachsenden Zahl der Lager wurde bei der OGPU, der Nachfolgerin der Tscheka, 1930 eine neue Abteilung, die Hauptverwaltung Lager, eingerichtet, die man abgekürzt GULag nannte und die für die meisten Besserungsarbeitslager verantwortlich war.[12]

In den 20er Jahren bestanden formal beide Gefängnissysteme ein »reguläres« System für kriminelle und ein »spezielles« für politische Häftlinge nebeneinander. Im ersten großen Lager des Gulag, dem Soloveckij-Lager im Weißen Meer, waren zwischen 1923 und 1925 nicht nur politische Häftlinge, sondern auch gewöhnliche Kriminelle zu finden.[13] Offenbar war der Unterschied zwischen den beiden Häftlingskategorien bis zum Zerfall der Sowjetunion vage. Als das Soloveckij-Experiment einen großen wirtschaftlichen Erfolg zu versprechen schien, beschloss das Politbüro am 27. Juni 1929, den formalen Unterschied zwischen den beiden Systemen abzuschaffen und ein einheitliches System unter der Aufsicht der OGPU einzurichten.[14] Dass bedeutete, dass seit 1929 kriminelle und politische Gefangene zusammen in einem riesigen Lagersystem untergebracht wurden.  Zur selben Zeit entstand der Gedanke, administrative und wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, um entlassene Häftlinge dazu zu zwingen, ständig in dem Gebiet zu verbleiben, in dem ihr ehemaliges Lager gelegen war.[15] Auf diese Weise wurden die Lager sozusagen erweitert. Eine zweite Opferkategorie waren die »Spezialumsiedler« (specpereselency oder specposelency), d. h. die Zwangsumsiedler. Diese wurden, in den 30er Jahren meist als »Kulaken« und in den 40er Jahren auf Grund ihrer nationalen Zugehörigkeit, in weit entfernte, unterbevölkerte Gebiete deportiert, die man wegen ihrer ökonomischen Bedeutung ausgewählt hatte. Sie mussten unter äußerst harten Bedingungen vegetieren, oft in »Spezialsiedlungen« (specpereselenija oder specposelenija) oder in »Arbeitssiedlungen« (trudovye poselenija), die entweder in einem eigenen Gebiet errichtet wurden oder einem Lager des Gulag angeschlossen waren. Zwischen 1934 und 1944 standen diese Siedlungen unter der Aufsicht von GULag; anschließend wurden sie einer anderen Abteilung des NKVD unterstellt. In den 50er Jahren gab es etwa gleich viele Zwangsumsiedler wie Gulag-Häftlinge.[16]

In China wurden politische Gefangene und gewöhnliche Kriminelle sowohl in den Gefängnissen als auch im Lagersystem des Laogai von Anfang an gemeinsam untergebracht. Laogai ist die Abkürzung von laodong gaizao und bedeutet »Umerziehung durch Arbeit«. Harry Wu unterscheidet drei Hauptkategorien von Laogai im weiteren Sinne: laogai im engeren Sinne, laojiao und jiuyue.[17] 

Laogai im engeren Sinne war von Anfang an die verbreitetste Form der Zwangsarbeit und wie auch die beiden anderen Formen immer mit dem Bemühen verbunden, die Gefangenen umzuerziehen. Praktisch jeder, von dem man annahm, er sei ein Gegner des Regimes oder zumindest unzuverlässig, konnte ein Laogai-Häftling werden. Nach dem Gesetz hätte er von einem ordentlichen Gericht verurteilt werden müssen. Aber dies geschah oft in seiner Abwesenheit oder es geschah gar nicht, weil der Richter einfach die Entscheidung der Staatssicherheitsorgane bestätigte.[18]

Laojiao, die Abkürzung von laodong jiaoyang (Erziehung durch Arbeit), wurde im August 1957 eingeführt. Diese Strafe verhängte man anfangs hauptsächlich gegen mehrere Hunderttausende von »Rechten«, die sich als Reaktion auf Mao Zedongs »Hundert-Blumen-Kampagne« kritisch geäußert hatten, aber auch gegen Menschen, denen man geringere Vergehen anlastete oder die gewöhnliche Diebe und Betrüger waren. Nach Angaben des ehemaligen Laojiao-Häftlings Pasqualini (Bao Ruowang) hatten laogai-Gefangene »Verbrechen«, laojiao-Gefangene »Fehler« begangen. Das gesamte Verfahren wurde von der Staatssicherheit betrieben. Rein rechtlich war kein Gerichtsurteil erforderlich, eine Entscheidung der Sicherheitsorgane reichte aus. Danach wurden die Gefangenen in die Lager transportiert, die man mit der Zeit immer häufiger im Jahre 1980 zu 70 Prozent mit den laogai-Lagern zusammenlegte. Anders als ihre laogai-Mithäftlinge wurden die laojiao-Gefangenen für ihre Arbeit bezahlt, wenn auch miserabel. Am Anfang wurde die Dauer ihrer Haft nicht begrenzt; erst ab 1961 wurde sie auf drei Jahre festgelegt. Ungeachtet dessen wurden viele Häftlinge nach Ablauf dieser Zeit nicht entlassen. Theoretisch behielten die laojiao-Gefangenen ihre Bürgerrechte. Doch allmählich näherten sich die Haftbedingungen der beiden Kategorien immer mehr aneinander an.[19]

Jiuye, die Abkürzung von liuchang jiuye (etwa »Zwangsrekrutierung«) stellt die dritte Hauptkategorie der Zwangsarbeit dar, die durch ein vergleichsweise liberales Regime gekennzeichnet war. Der hiervon betroffene Personenkreis, auch »freie Arbeiter« genannt, bestand zumeist aus ehemaligen laogai- oder laojiaoHäftlingen, die ihre Strafe abgesessen hatten und somit hätten entlassen werden müssen, die aber dennoch in den Lagern oder in deren Nähe weiter festgehalten wurden. Nach einem Regierungsbeschluss von 1953 sollten etwa 70 Prozent entlassen und 30 Prozent weiter festgehalten werden; doch der Prozentsatz der Festgehaltenen war offenbar viel höher.[20] Dieser Prozentsatz nahm in den 80er Jahren ab und wurde nach einer Schätzung am Ende auf 10 Prozent reduziert.[21] Häftlinge mit einem jiuye-Status genossen einige Privilegien. Sie wurden besser untergebracht und etwas besser entlohnt als die laojiao-Gefangenen. Sie durften das Lager verlassen, um in den Dörfern einkaufen zu gehen. Einigen wurde es gestattet, einmal oder zweimal im Jahr ihre Familien zu besuchen, ihre Familien auf Dauer in das Lager zu holen oder im Lager zu heiraten. Insgesamt aber war ihre Lage kaum weniger deprimierend als die der anderen, da sie in den Lagern oder in deren Nähe auf unbestimmte Zeit festgehalten wurden.[22]

Wenn wir zusammenfassend die verschiedenen Häftlingskategorien vergleichen, die in den beiden Ländern existierten, so gab es in der Sowjetunion zumindest in den 20er Jahren zwei getrennte Systeme: ein reguläres für »kriminelle« und ein spezielles für »politische« Gefangene, während das chinesische Regime von Anfang an ein integriertes System einführte. In beiden Systemen bedeutete Strafe Zwangsarbeit. Andererseits gab es in der Sowjetunion kein System, das aus drei Kategorien bestand wie in China laogai, laojiao und jiuye, obwohl der sowjetische Geheimdienst wie in China Angehörige verschiedener sozialer Gruppen verhaftete. In der Sowjetunion ging man nicht so weit wie in China, wo man viele Häftlinge, die ihre Lagerstrafe abgesessen hatten, als Zwangsrekrutierte (jiuye) in den Lagern behielt. Aber der NKVD hielt häufig entlassene Gefangene vor Ort in der Nähe der Lager weiter fest. Eine andere Kategorie von sowjetischen Zwangsarbeitern, die es in China nicht gab, kann man allerdings bis zu einem gewissen Grad mit dem jiuye-Status vergleichen: die Spezialumsiedler die oft in der Nähe von Lagern leben mussten.

Die sowjetische Praxis, Dissidenten für unbestimmte Zeit in psychiatrische Kliniken (im sowjetischen Jargon psichuški) einzuweisen, anstatt sie in normalen Gefängnissen – der Gulag existierte damals nicht mehr - wegzusperren, war in China nicht so verbreitet. In den frühen 80er Jahren gab es in der Sowjetunion etwa 85 psychiatrische Haftanstalten. In China sind bis zur Kulturrevolution nur zwei vergleichbare Fälle von politisch begründeter psychiatrischer Haft bekannt geworden. In den 70er und 80er Jahren kam die psychiatrische Verfolgung häufiger vor. Insbesondere wurden solche Menschen in psychiatrische Kliniken eingesperrt, die sich der »Gedankenreform« widersetzt hatten.[23]

In diesem Zusammenhang sind zwei andere Aspekte zu erwähnen, unter denen sich die beiden Systeme unterscheiden. In China wandte die Lagerleitung im Allgemeinen nicht die sowjetische Methode an, gewöhnliche Kriminelle zu benutzen, um die politischen Gefangenen zu kontrollieren.[24] Auf der anderen Seite setzte man üblicherweise die Ehepartner von Gulag-Häftlingen nicht unter Druck, sich von den Gefangenen zu trennen. In China war dies ganz normal.

Demzufolge ließen sich die meisten Ehepartner von laogai- und laojiaoGefangenen scheiden. Deren Familienangehörige und Verwandte wurden ständig überwacht und hatten unter allen möglichen Schikanen zu leiden. Ihre Kinder konnten von der Schule oder der Universität relegiert werden.[25] Soweit bekannt, wurden solche Instrumente der Repression in der Sowjetunion seltener eingesetzt. Eine wichtige Ausnahme in dieser Hinsicht stellt die »Großen Säuberung« in den Jahren 1936 bis 1938 dar, als auf Grund eines NKVD-Befehls Ehefrauen und Kinder von »Volksfeinden« verhaftete werden konnten. Man erfand für sie sogar eine offizielle Bezeichnung mit einer offiziellen Abkürzung: »Familienmitglied eines Feindes des Volkes« (člen semi vraga naroda; russ. Abk.: ČSVN).[26] 

Die Zweckbestimmung der Lagerhaft

In der Sowjetunion verfolgte man mit den Lagern nicht immer denselben oder überhaupt keinen klar erkennbaren Zweck. Obwohl es bereits Versuche gab, die Arbeitskraft der Häftlinge zu nutzen, standen anfangs offenbar Bestrafung, Prävention und Umerziehung im Vordergrund. Doch ab Ende der 20er Jahre, mit dem Beginn des ersten Fünfjahresplans (1928 bis 1932), wurde allmählich der Gulag als ökonomischer Faktor immer bedeutsamer, so dass das Lagersystem zwischen 1928/29 und Mitte der 50er Jahre zwei Hauptzielen diente: erstens, auf sozio-politischem Gebiet, Kriminelle wegzusperren, wirkliche oder vermeintliche politische Gegner zu isolieren sowie die Bevölkerung einzuschüchtern und die kommunistische Herrschaft zu konsolidieren, und zweitens, auf ökonomischem Gebiet, die Arbeitskraft der Gefangenen für die zentral geplante Wirtschaft zu nutzen. Die Lager spielten eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung der ökonomischen Entwicklung, besonders bei der Industrialisierung, als es erforderlich war, Naturschätze auszubeuten wie auch gleichzeitig unterentwickelte Gebiete zu erschließen. So gesehen war der Gulag in dieser Periode sowohl ein Instrument der politischen Unterdrückung als auch eine Komponente der wirtschaftlichen Entwicklung.[27]

In der Wissenschaft gibt es einen wachsenden Konsens darüber, dass Stalin bis zu seinem Lebensende fest an die Effizienz der Zwangsarbeit glaubte. Tatsächlich spielte das Gulag-System bei der Erschließung Sibiriens, des Fernen Ostens und des russischen Nordens eine enorme Rolle. Seit 1930 war die OGPU mit dem GULag für einen erheblichen Teil der ökonomischen Entwicklung des Landes verantwortlich. In den 30ern bauten Häftlinge so riesige Projekte wie den Ostsee-Weißmeer-Kanal, den Moskau-Wolga-Kanal und die Transsibirische Eisenbahn vom Baikal zum Amur (BAM). Am Ende des Jahrzehnts hatte sich der Gulag über die gesamte Sowjetunion ausgebreitet, und um 1950 spielte er mit seinen Gefangenen, die in praktisch allen Industriezweigen eingesetzt wurden, eine entscheidende Rolle in der sowjetischen Wirtschaft. Auf der anderen Seite war Gulag-Arbeit unrentabel. Der Grund ist offensichtlich: Zwang in Verbindung mit niedrigen Löhnen führt zu Ineffizienz. Schon in den 20er Jahren waren Großprojekte wie z. B. das Soloveckij-Lager nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Während der »Großen Säuberung« in den Jahren 1936 bis 1938 fiel die Produktivität vieler Lager ab. In den frühen 50ern musste der Staat wegen der nachlassenden Arbeitsdisziplin die Lager in zunehmendem Maße subventionieren, und zwar mit mehr als 16 Prozent seines Haushalts. Valery Lazarev stellt hierzu lapidar fest, das Ende des Gulag könne als eine Bankrotterklärung im streng wirtschaftlichen Sinne betrachtet werden.[28]

Fast alles, was zur Zweckbestimmung des Gulag festgestellt wurde, kann auch zu derjenigen des Laogai gesagt werden. Die Lager waren dafür gedacht, zu bestrafen, Opposition zu verhindern, umzuerziehen und die Arbeitskraft der Häftlinge auszubeuten. Wie man in einem Handbuch des chinesischen Justizministeriums lesen kann, ist es die Aufgabe von Laogai, »1. die Gefangenen zu bestrafen und sie unter Aufsicht zu stellen, 2. die Verbrecher umzuerziehen, 3. die Arbeit und die Produktionstätigkeit der Verbrecher zu organisieren […]«[29].

Der Laogai war offenbar weniger bedeutsam für die Gesamtwirtschaft als der Gulag. Angesichts ihrer bekannten Unzuverlässigkeit können offizielle statistische Daten im wirtschaftlichen Bereich, wenn überhaupt, nur unter großem Vorbehalt benutzt werden. Wenn wir sie für bare Münze nehmen, trug der Laogai zur Industrieproduktion nur in den 50er Jahren erheblich bei, als viele schwierige Bauvorhaben mit primitiven technischen Mitteln bewältigt werden mussten. Im allgemeinen war es der Vorteil des Laogai, billige Arbeitskräfte für harte, unvorteilhafte Arbeit zur Verfügung zu stellen, so in Bergwerken, in Steinbrüchen und beim Bau von Straßen, von Eisenbahnen (wie der Qinghai-TibetLinie oder der zur kirgisischen Grenze führenden »Freundschaftseisenbahn«) und von Dämmen (z. B. an den Flüssen Huai und Huanghe). Es scheint, dass die Frage nach der Rentabilität des Laogai ganz allgemein nicht günstiger zu beantworten ist als im Falle von Gulag. Offenbar finanzierte sich die Mehrheit der laogai- und der laojiao-Lager nicht selbst und arbeitete ineffizient. Infolge der zunehmenden Zahl von älteren Häftlingen, der abnehmenden Disziplin in den Lagern und der Modernisierung der Wirtschaft wurde Laogai in den 70er und 80er Jahren zu einem wirtschaftlich peripheren Phänomen. Ob China durch den in neuerer Zeit zu beobachtenden Export von Gütern, die im Laogai-System hergestellt werden, einen erheblichen Gewinn erwirtschaftet, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen.[30]

Der Hauptunterschied im Hinblick auf den Inhaftierungszweck von Gulag und Laogai ist im Bereich der Umerziehung zu suchen. Wie schon erwähnt, war in der Sowjetunion der 20er Jahre zumindest theoretisch Umerziehung eines der Ziele der Inhaftierung, doch dieses Ziel trat in dem Maße zurück, in dem wirtschaftliche Erwägungen in den Vordergrund rückten. In China aber war Umerziehung immer eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Zweckbestimmung der Einweisung ins Laogai-System. Der zentrale Begriff war hierbei die »Gedankenreform« (sixiang gaizao). Dies bedeutet vor allem die totale Unterwerfung unter den Willen der Partei, d. h. der jeweiligen Parteiführung. Das Ziel war, den Willen des Menschen zu brechen, seine Persönlichkeit zu zerstören. Auf dem Wege zur Unterwerfung gibt es mehrere Stufen: Zuerst muss man seine Verbrechen oder Fehler gestehen, dann mündlich oder schriftlich Selbstkritik üben (ziwo piping), um schließlich Reue zu zeigen und »die Regeln zu befolgen«. Wenn man nicht bereit ist, seine Verbrechen zu gestehen, wird man zur Zielscheibe von »Kampfsitzungen« (douzheng huiyi) gemacht, während derer die Haftgefährten einen heftig kritisieren, oft auch verprügeln. Als Zeichen der Reue wird erwartet, dass man seinerseits seine Haftkameraden krititsiert und denunziert, um so seine Loyalität gegenüber der Regierung zu beweisen. Das Regime ist bemüht, eine Situation herzustellen, in der jeder jeden kontrolliert. In den schlimmsten Zeiten mussten sich alle Häftlinge täglich nach einem harten Arbeitstag am Abend zwei Stunden lang der Tortur der Gedankenreform unterziehen. Allerdings ist zu beobachten, dass sich das System der Umerziehung seit den 70er Jahren allmählich abgeschwächt hat.[31]

Auch in der Sowjetunion wurde auf Gefangene psychischer Druck ausgeübt, um Geständnisse zu erzwingen, doch üblicherweise nur während der Untersuchungshaft. Nachdem der Häftling im Gulag angekommen war, erlebte er – abgesehen von der Zeit bis Mitte der 30er Jahre – kaum Versuche einer Umerziehung. Ähnlich verhielt es sich mit Ausnahme der ersten Jahre in Nazi-Deutschland, in den kommunistisch regierten Ländern Osteuropas und in Kuba, während in Nordvietnam und in Nordkorea Methoden der Gedankenreform häufig angewandt wurden. Möglicherweise übernahmen die vietnamesischen und koreanischen Kommunisten die Idee der Umerziehung von ihren chinesischen Genossen.

Hat die Gedankenreform in China ihre Ziele erreicht? Die Frage ist nicht mit Ja oder Nein zu beantworten. Wenn es eines ihrer Ziele war, politische Gefangene zu überzeugten Marxisten-Leninisten-Maoisten zu machen, so dürfte dies wohl nur in wenigen Fällen gelungen sein. Viele, wenn nicht die meisten politischen Häftlinge waren der Überzeugung, dass sie schuldlos in den Laogai geworfen wurden. Wie sollten sie sich mit einem System identifizieren können, das ihnen bitteres Unrecht zugefügt hatte? Wenn aber das Hauptziel die Unterwerfung war, dann wurde es wahrscheinlich bei den meisten Gefangenen erreicht. Sie hatten erlebt, dass es unmöglich war, dem Terror des Regimes zu widerstehen, weil es unbesiegbar war. Das Ergebnis war Angst, das Bemühen, sich regimekonform zu verhalten, alles zu tun, um einen erneuten Zusammenstoß mit diesem gefährlichen System zu vermeiden.[32] 

Die Lebensbedingungen in den Lagern, Folter, Hinrichtungen, Sterblichkeit und die Anzahl der Häftlinge

 Wenn wir die allgemeinen Lebensbedingungen in Gulag und Laogai betrachten, lassen sich keine großen Unterschiede erkennen. In beiden Fällen führten die Gefangenen ein erbärmliches Leben und wurden menschenunwürdig behandelt. Extrem harte körperliche Arbeit, mangelhafte Ernährung, unvorstellbare hygienische Zustände, Krankheiten, Epedemien, fehlende oder unzureichende medizinische Behandlung, mangelhafte Bekleidung, die Rohheit des Wachpersonals und Pessimismus oder Hoffnungslosigkeit auf Grund der Ungewissheit, wie lange de facto die Lagerhaft dauern würde – all das galt für beide Systeme. In China kam noch die erniedrigende Tortur der »Gedankenreform« hinzu.[33]  In sowjetischen Gefängnissen und Lagern war die Folter sehr verbreitet. Das Wachpersonal folterte die Häftlinge physisch, manchmal auch psychisch, um ein Geständnis zu erpressen, sie aus irgend einem Grund zu bestrafen oder einfach aus Sadismus. 1937 erlaubte Stalin persönlich physischen Druck gegenüber »Volksfeinden […], die monatelang kein Geständnis ablegen […]«[34]. Die physische Folter umfasste alle Arten des Verprügelns. Man brach den Gefangenen Hände oder Füße, zog sie mit hinter dem Rücken gebundenen Händen nach oben und ließ sie lange so hängen. Man ließ sie tagelang ohne Essen, Trinken und Schlafen stehen. Zur psychischen Folter gehörte der Entzug von Annehmlichkeiten, nicht zuletzt Schlafentzug. Nach Stalins Tod verbot Berija die Anwendung von Gewalt gegenüber Häftlingen und setzte somit der Folter im Gulag ein Ende. Doch wurden raffinierte Formen der Folter, die man als Strafen bemäntelte, noch in den 70er Jahren, als es den Gulag schon nicht mehr gab, gegenüber Dissidenten angewandt.[35] 

In China war zwar die psychische Folter gesetzlich verboten. Sie wurde aber in den frühen 50er Jahren auf äußerst brutale Weise eingesetzt, und zwar meist gegenüber Untersuchungsgefangenen, um ein Geständnis zu erzwingen. Die Foltermethoden waren ähnlich wie in Sowjetrussland, wenn nicht sogar grausamer. Hierzu gehörte ebenfalls Schlafentzug, in einzelnen Fällen bis zu 30 Tagen und Nächten. Seit Mitte der 50er Jahre wurde diese Folter durch raffinierte Arten von physischer Bestrafung und psychischem Druck ersetzt. Zu allen Zeiten war die Einzelhaft eine besonders brutale Strafe. Während der Kulturrevolution wurde die Folter wieder stärker angewandt und von intensivierten Methoden der »Gedankenreform« begleitet. Zwischen 1979 und 1982 folgte eine liberalere Periode, in der die Erzwingung von Geständnissen durch Folter öffentlich kritisiert wurde. Aber die Niederschlagung des Tiananmen-Aufstands im Jahre 1989 führte zu einer erneuten Anwendung von ausgewählten Foltermethoden. Obwohl man seit 1979 etliche Versuche unternahm, einige Elemente der Rechtsstaatlichkeit einzuführen, ist in China die Folter bis zum heutigen Tag nicht gänzlich verschwunden.[36]

In beiden Systemen wurden Häftlinge hingerichtet. Wir wissen von Massenexekutionen, die in den 20er Jahren im ersten Lager des Gulag, auf den Soloveckij-Inseln, durchgeführt wurden, aber auch von solchen in Vorkuta, in den Lagern des Ostsee-Weißmeerkanals und im Uchtpečlag der Komi ASSR. Die Orgie von Erschießungen, die während der »Großen Säuberung« 1936 bis 1938 in den Gefängnissen stattfand, wirkte sich abgeschwächt auch auf den Gulag aus. Auch danach noch erschosss das Wachpersonal in den Lagern immer wieder Häftlinge, die rebellierten, zu fliehen versuchten oder auf dem Marsch in ein neues Lager vor Schwäche zusammenbrachen.[37]

In China waren war die Lage weit schlechter. Massenexekutionen gehören hier zur kommunistischen Tradition und sind schon seit 1927 nachweisbar. Anfang der 50er Jahre wurden auf dem Lande während der Bodenreform mindestens zwei bis drei Millionen Großgrundbesitzer und wohlhabender Bauern, in den Städten einige 100 000 »aktiver Oppositioneller« und »portentieller Feinde« getötet. Dies geschah in den Gefängnissen und Lagern, aber auch öffentlich. Während die sowjetischen Henker ihre Opfer gewöhnlich im Geheimen liquidierten, veranstalteten und veranstalten bis heute die chinesischen Kommunisten häufig öffentliche Exekutionen als eine Art Volksbelustigung und gleichzeitig zur Abschreckung. In diesem Zusammenhang wird in China gern das Sprichwort zitiert: »Man tötet das Huhn, um den Affen zu erschrecken.«[38] Zwischen 1949 und 1952 wurden in China nach vorsichtigen Schätzungen etwa vier Millionen Menschen hingerichtet. Doch auch danach erschoss das Wachpersonal in den Laogai-Lagern immer wieder Häftlinge,  weil sie z. B. ein Geständnis verweigerten, zu fliehen versuchten, eine Grenzlinie überschritten oder einfach nicht hart genug arbeiteten. Massenweise starben Häftlinge, als nach Mao Zedongs Tod Aufstände in den Lagern niedergeschlagen wurden. Ein besonders widerwärtiger Aspekt der Exekutionen in China ist die Tatsache, dass den Delinquenten häufig Organe entnommen werden, offenbar in der Regel ohne ihre Zustimmung und bisweilen sogar vor der Hinrichtung, die entweder Privilegierten in China oder zahlungskräftigen Ausländern, meist Auslandschinesen, transplantiert werden.

Da uns keine umfassenden Statistiken zur Verfügung stehen, ist es unmöglich, die beiden Systeme im Hinblick auf die Zahl der Hinrichtungen zu vergleichen.

Der Tod im Lager hatte viele Gesichter. In beiden Systemen starben die Häftlinge an Krankheiten, Unterernährung, Unterkühlung, durch Arbeitsunfälle (meist auf Grund mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen), wegen Überarbeitung, katastrophaler hygienischer Verhältnisse, fehlender oder ungenügender medizinischer Betreuung, durch grausame Bestrafung und Folter oder durch Hinrichtung.[39]

Obwohl uns seit der teilweisen Öffnung der sowjetischen Archive eine erhebliche Menge an Daten zur Verfügung steht, kann die Frage, wie viele Menschen im Gulag starben, bis heute nicht befriedigend beantwortet werden. Sie ist in der Wissenschaft umstritten. Alle Zahlen, die wir bekommen, müssen mit äußerster Zurückhaltung betrachtet werden. Nach einer vorsichtigen Schätzung von Anne Applebaum starben im Gulag einschließlich der Spezialsiedlungen in der Stalinzeit zwischen 1929 und 1953 mindestens 2,8 Millionen. Diese Zahl schließt nicht diejenigen etwa 800 000 Opfer ein, die außerhalb der Lager, meist in den Wäldern, in Massenexekutionen erschossen wurden. Hinzuzurechnen sind diejenigen, die zwischen 1918 und 1928 umkamen mindestens einige Zehntausend, vor allem im Soloveckij-Lager. Auf der Grundlage von umfassenden NKVD-Statistiken lässt sich feststellen, dass die Sterblichkeit allein in den Lagern, d. h. ohne die Spezialsiedlungen, zwischen 1930 und 1953 zwischen 25 Prozent im Jahre 1942 und 0,7 Prozent im Jahre 1953 variierte. Die durchschnittliche jährliche Sterblichkeit in den Lagern (ohne die Spezialsiedlungen) lag bei etwa 5,5 Prozent.[40] 

Bei weitem unzuverlässiger sind die Zahlen, die für den Laogai vorliegen. Ausländer haben keinen Zugang zu den einschlägigen chinesischen Archiven, und selbst für Chinesen ist er nahezu unmöglich. Daher basieren alle unsere Zahlen auf Schätzungen und Hochrechnungen. Jean-Luc Domenach schätzt die Sterblichkeit zwischen 1949 und 1952 auf über 5 Prozent, zwischen 1953 und 1957 auf etwa 3,5 Prozent. Wegen des »Großen Sprungs nach vorn« und der darauf folgenden drei Hungerjahre (san ku nian) stieg sie zwischen 1959 und 1962 auf die Rekordhöhe von 10 Prozent an. Für die folgenden Jahre präsentiert Domenach keine umfassenden Zahlen und stellt lediglich fest, die Sterblichkeit sei zwischen 1962 und 1971 zurückgegangen. Er nimmt an, dass die durchschnittliche jährliche Sterblichkeit zwischen der Mitte der 50er und dem Ende der 70er Jahre etwa zwischen 2 und 3,5 Prozent lag. Wenn dies zutrifft, so kann man bei aller notwendigen Vorsicht annehmen, dass die Sterblichkeit im Laogai etwas niedriger lag als im Gulag.[41] 

Stellen wir am Ende die Frage, wie viele Menschen im Gulag und im Laogai inhaftiert waren. Für den Gulag im engeren Sinne stehen uns heute ziemlich solide NKVD-Statistiken zur Verfügungen, die auf den regelmäßigen Meldungen der Lagerleitungen beruhen. Die zuverlässigsten Zahlen finden sich in Anne Applebaums Buch, wo sie, geordnet nach Häftlingskategorien, im einzelnen aufgelistet werden. Wenn wir diese Daten addieren, kommen wir auf fast 28,7 Millionen Häftlinge (einschließlich fünf Millionen Kriegsgefangener), die den Gulag durchlaufen haben oder dort verstorben sind.[42]

Wie schon im Falle der Sterblichkeit sind wir auch im Hinblick auf die Zahl der Inhaftierten im Laogai dazu gezwungen, aus Mangel an zuverlässigen Daten Schätzungen vorzunehmen, die aus Hochrechnungen resultieren. Aus eben diesem Grund ist Jean-Luc Domenach, der einzige Wissenschaftler, der sich hiermit intensiv und methodisch befasst hat, nicht in der Lage, Aussagen über die Fluktuation der Häftlinge zu machen. Domenach präsentiert lediglich Schätzungen der Gefangenenzahlen für bestimmte Jahre. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Laogai-Population zwischen 1952 und 1977 ziemlich konstant zehn oder elf Millionen betrug und sich bis 1986 auf etwa fünf Millionen verringerte. Wenn man die von Domenach angegeben Zahlen mit Chinas Gesamtbevölkerung vergleicht, dann ergibt sich, dass zwischen 1952 und 1986 jährlich maximal 1,75 und minimal 0,4 Prozent aller Chinesen im Laogai saßen. Legt man Anne Applebaums Daten zugrunde, so kommt man für den Gulag einschließlich der Spezialsiedlungen zwischen 1929 und 1953 jährlich auf maximal 4,8 Prozent (im Jahre 1951) und minimal 0,1 Prozent (im Jahre 1930).[43] 

Das Ende des Gulag kein Ende des Laogai?

In diesem Artikel wurde der Versuch unternommen nachzuweisen, dass die beiden Konzentrationslagersysteme ähnlich, aber nicht gleich sind, dass beide zu den widerwärtigsten, menschenunwürdigsten Merkmalen des totalitären Staates gehören und dass Laogai in mindestens einer Hinsicht schlimmer war als Gulag: Laogai unterwarf die Häftlinge nicht nur extremen physischen Strapazen bis zu Folter und Hinrichtung, sondern war auch entschlossen, durch die »Gedankenreform« ihre Selbstachtung zu untergraben, ihre Seelen zu zerstören.

Es fällt auf, wie eng die beiden Systeme mit den beiden Diktatoren verbunden sind. Als Stalin im März 1953 gestorben war, fing der Gulag an, mit bemerkenswerter Geschwindigkeit zu verfallen. Drei Wochen nach seinem Tod meldete die Prawda eine erste Amnestie, und kurz darauf wurden etwa 1,2 Millionen Häftlinge, also fast die Hälfte der Gefangenen, aus den Lagern und Spezialsiedlungen entlassen. Ein Jahr später wurde in den Lagern der AchtstundenArbeitstag eingeführt, und den Häftlingen wurde gestattet, mit ihren Familien zu korrespondieren und von ihnen Pakete zu erhalten. Chruščevs Geheimrede über Stalins Verbrechen im Februar 1956 war ein psychologischer Durchbruch. Die Entlassungen erfolgten immer häufiger, Rehabilitierungen fanden in großem Umfang statt. GULag, die Zentrale für alle Lager und Spezialsiedlungen, wurde aufgelöst, und ab 1957 wurden die Lager eines nach dem anderen geschlossen, angefangen mit den größten, so dass der Gulag spätestens 1960 aufhörte zu bestehen.[44]

Doch diejenigen, die für die Grausamkeiten des Gulag-Systems verantwortlich waren, sind bis heute strafrechtlich nicht belangt worden. Die Eliten Russlands und der meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind bis heute nicht gewillt, sich dem kriminellen Charakter der kommunistischen Vergangenheit ihrer Länder mit der notwenigen Offenheit zu stellen. Dies ist bitter für die Opfer, nicht zuletzt für die ehemaligen Häftlinge des Gulag.

Obwohl die Verbindung des Laogai mit Mao Zedong ähnlich eng war wie diejenige Stalins mit dem Gulag, führte Maos Tod im September 1976 nicht zur Auflösung der Lager. Immerhin aber bewirkte der Beginn der Reformpolitik Deng Xiaopings nach dem Dezember 1978 eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Laogai-Häftlinge in den Bereichen Ernährung, Hygiene und medizinische Betreuung. Ab 1978 wurden fast alle Opfer der Kulturrevolution und anderer maoistischer Kampagnen entlassen, so dass nur noch etwa 100 000 politische Gefangene in den Lagern des Laogai verblieben. In der ersten Hälfte der 70er Jahre verlor die »Gedankenreform« allmählich ihre frühere Bedeutung. Im September 1981 beschloss eine »Nationale Laogai-Konferenz«, Häftlinge künftig nach Verbüßung ihrer Strafe nach Hause zu schicken und jiuye-Zwangsrekrutierte freizulassen. Nach dem Tiananmen-Aufstand vom Juni 1989 nahm der Druck auf die Häftlinge in den Lagern allerdings wieder zu, und die politische Umerziehung fing an, wieder eine größere Rolle zu spielen. In den Jahren 1990/91 belief sich die Zahl der Laogai-Häftlinge offenbar auf vier bis fünf Millionen mehr als 1988. Und 1999 schuf das Regime eine neue Kategorie von politischen Verbrechern, die es zu Zehntausenden in die Gefängnisse und ins Laogai warf: die Mitglieder der religiösen Organisation Falungong.[45]

Wie wir sehen, gibt es Laogai noch. Und es ist kein ernsthafter Versuch des Regimes zu erkennen, sich mit der verbrecherischen Vergangenheit des chinesischen Kommunismus auseinanderzusetzen. Den Opfern ist es nicht möglich, ihre Peiniger vor Gericht zu stellen. Dies ähnelt der Situation in den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Doch es gibt auch einen Unterschied: Anders als in diesen Staaten, in denen eine öffentliche Diskussion über die Verbrechen Stalins möglich ist, lässt das Regime in China nicht zu, dass Mao Zedong und die Verbrechen seiner Epoche in der Öffentlichkeit kritisiert werden.

 

 


[1]  Der vorliegende Artikel verfolgt nicht den Zweck, durch Auswertung von Primärquellen neue Erkenntnisse zu Gulag und Laogai zu gewinnen. Beabsichtigt ist vielmehr, die beiden Systeme zu vergleichen und sich dabei hauptsächlich auf neuere, autoritative westliche Sekundärliteratur zu stützen. Zu diesem Absatz Applebaum, Anne: Gulag. A History, London 2004, S. 3, 15–17 u. 68 f.; Rossi, Jaques: The Gulag Handbook, New York 1989, S. 429; Couling, Samuel: The Encyclopedia Sinica, Shanghai 1917, S. 292 f.; Domenach, Jean-Luc: Der vergessene Archipel. Gefängnisse und Lager in der Volksrepublik China, Hamburg 1995, S. 28–31; Williams, Philip F./Wu, Yenna: The Great Wall of Confinement. The Chinese Prison Camp through Contemporary Fiction and Reportage, Berkeley/Los Angeles/London 2004, S. 17–49. 

[2]  Courtois, Stéphane u. a.: The Black Book of Communism. Crimes, Terror, Repression, Cambridge, Mass./London 1999, S. 470–476 u. passim; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 35–45, 74–77 u. 96–97; Heinzig, Dieter: The Soviet Union and Communist China 1945–1950: The Arduous Road to the Alliance, Armonk, NY/London, S. 9 f. 

[3]  Lenin, V. I.: Polnoe sobranie sočinenij [Vollständige Werkausgabe]. Bd. 50, Moskau 1965,

S. 143 f.

[4]  Conquest, Robert: The Soviet Deportation of Nationalities, London 1960; Naimark, Norman: Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe, Cambridge/London 2001, Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 146, 168–170 u. 193; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 29, 35, 63 f., 103 f. u. 270.

[5]  Wu, Hongda Harry: Laogai. The Chinese Gulag, Boulder/San Francisco/Oxford 1992, S. 23–26.

[6]  Zu diesem Absatz Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 498; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 139, 249 u. 455–457.

[7]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 445; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 479.

[8]  Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 545; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 442 f. Siehe den Bericht einer tibetischen Überlebenden Adhe, Ama: The Voice that Remembers, Summerville, MA 1997.

[9]  Hierzu und zum restlichen Absatz Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 30–35. 1919 bis 1922 unterstanden sie dem NKVD der RSFSR.

[10]  Stettner, Ralf: »Archipel GULag«. Stalins Zwangslager, München/Wien/Zürich 1996, S. 124 f. 

[11]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 75.

[12]  Der vollständige Terminus war Glavnoe upravlenie ispravitel’no-trudovych lagerej i trudovych poselenij (Hauptverwaltung für Besserungsarbeitslager und Arbeitssiedlungen). Siehe Rossi: The Gulag Handbook (Anm. 1), S. 92; Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 124 f.

In dem vorliegenden Beitrag wird die Schreibweise GULag verwendet, wenn die Hauptver waltung als Behörde gemeint ist, und die Schreibweise Gulag, wenn es um das gesamte Konzentrationslagersystem innerhalb und außerhalb der Lager geht.

[13]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 44.

[14]  Ebenda, S. 65 f. Siehe auch Hedeler, Wladislaw: Die monumentale siebenbändige Dokumen-tenedition zur Geschichte des Gulag, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2006, S. 359–378, hier S. 368. 

[15]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 66.

[16]  Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 129, 146–148, 156 f., 205, 211 f., 224 u. 384; Rossi:

The Gulag Handbook (Anm. 1), S. 418; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 12 f., 94 f., 403, 416 u. 517 f.

[17]  Wu: Laogai (Anm. 5), S. 1. In dem vorliegenden Artikel wird für Laogai im weiteren Sinne die Schreibweise Laogai verwendet, für Laogai im engeren Sinne die Schreibweise laogai.

[18]  Ebenda, S. 54–80; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 166–170.

[19]  Bao Ruo-Wang [Pasqualini, Jean]/Chelminski, Rudolph: Prisoner of Mao, New York 1973, S. 11 (Fußnote); Wu: Laogai (Anm. 5), S. 18; Wu, Harry: Nur der Wind ist frei, Frankfurt a. M./ Berlin 1994, besonders S. 49, 51–53, 99, 241–243 u. 289; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 111–115.

[20]  Harry Wu schätzt ihren Anteil in den 50er und 60er Jahren auf 95 Prozent. Siehe Wu: Laogai (Anm. 5), S. 111.

[21]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 434. Harry Wu geht von 50 Prozent für laogai-Häftlinge und von 20 bis 30 Prozent für laojiao-Häftlinge aus. Siehe Wu: Laogai (Anm. 5), S. 113.

[22]  Wu: Laogai (Anm. 5), S. 108–118; Wu: Nur der Wind (Anm. 19), S. 297–314; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 98–100, 137 f., 228, 286–288, 345 f., 357–358 u. 434 f.; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 500; Bao Ruowang/Chelminski: Prisoner of Mao (Anm. 19), S. 266.

[23]  Bukowski, Wladimir: Wind vor dem Eisgang, Frankfurt a. M. 1978; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 391 f.

[24]  Ebenda, S. 456; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 263. 

[25]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 132–135.

[26]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 111 f. Viele Familienmitglieder und Verwandte der höchstrangigen »Volksfeinde« wurden erschossen. Siehe ebenda, S. 104 u. 109. Siehe auch die Studie Hedeler, Wladislaw: Sippenhaft im »Großen Terror« 1937/38: Das »Akmolinsker Lager für Ehefrauen von Vaterlandsverrätern« (ALŽIR) und seine deutschen Häftlinge, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2005, S. 81–101.

[27]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 32–35; Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 364–366.

[28]  Gregory, Paul/Lazarev, Valery (Hrsg.): The Economics of Forced Labor. The Soviet Gulag, Stanford, Cal. 2003, passim, besonders S. 193–197; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 4, 49 f., 68, 70, 76–82 u. 86–89; Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 214–240. Siehe auch Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 366.

[29]  PRC Ministry of Justice, Laogai Bureau: Criminal Reform Handbook, Shaanxi People’s Publishing House 1988, zitiert nach: What is the economic significance of Laogai?, in: Laogai Research Foundation (LRF) and Harry Wu (English), February 11, 2006, <http://www.igfmmuenchen.de/china/Laogai/Laojiao-laogai.html#LaogaiFoundation> am 23. April 2006. 

[30]  Domenach: Gulag (Anm. 1) S. 366–376. Domenach führt zahlreiche statistischen Daten an, bezweifelt aber deren Zuverlässigkeit. Siehe auch Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 499; Wu, Harry/Vescey, George: Troublemaker. One Man’s Crusade against China’s Cruelty, London 1996, S. 138.

[31]  Zu diesem und zum folgenden Absatz Wu: Laogai (Anm. 5), S. 28–32, 144; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 501–507; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 6, 141, –175, 283–288, 358–362, 388–391; Williams/Wu: The Great Wall (Anm. 1), S. 107–109; Hawk, David, U. S. Committee for Human Rights in North Korea: The Hidden Gulag. Exposing North Korea’s Prison Camps. Prisoners’ Testimonies and Satellite Photographs, Washington, DC o. J.  

[32]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 174–176.

[33]  Kizny, Tomasz: Gulag, Hamburg 2004, S. 10; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 115, 180–198 u. 281 f.; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 88 u. 179–370 (passim); Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 154 f. u. 545; Williams/Wu: The Great Wall (Anm. 1), S. 62–106.

[34]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 143 f.; Meinhard Stark, Frauen im Gulag. Alltag und Überleben 1936–1956, München 2003, passim. 

[35]  Zu diesem Absatz Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 45 f., 114 f., 141–146, 150, 431, 482 u. 486 f.

[36]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 85 f., 160 f., 258 f., 280, 308, 331 u. 349 f.; Wu: Laogai (Anm. 5), S. 68–70; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 508 f.; Williams/Wu: The Great Wall (Anm. 1), S. 128–134.

[37]  Conquest, Robert: The Great Terror. A Reassessment, London 1992; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 46, 104–106, 109, 114–117, 254, 356 f., 375–377, 379, 389 f. u. 442 f.; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 184–202. Jaques Rossi geht davon aus, dass annähernd 1,5 Millionen Menschen während der »Großen Säuberung« erschossen wurden. Siehe Rossi: The Gulag Handbook (Anm. 1), S. 226.

[38]  Hierzu und zum folgenden Absatz Domenach: Der vergessenen Archipel (Anm. 1), S. 40, 42, 58 f., 63–68, 83, 115, 156, 234–237, 239 f., 297 f., 316–318 u. 329 f.; Wu: Laogai (Anm. 5),

S. 3, 57, 66 f., 69–71, 73, 79 f., 117, 129 u. 139; Wu/Vescey: Troublemaker (Anm. 30), S. 148– 156. Harry Wu gibt ohne Quellenbelege an, dass auf Grund von Verordnungen aus dem Jahre 1951 zwischen 10 und 15 Millionen Menschen hingerichtet wurden. Wu: Laogai (Anm. 5), S. 70. Zu den Organentnahmen siehe The Laogai Research Foundation (Hrsg.): Communist Charity. A Comprehensive Report on the Harvesting of Organs from the Executed Prisoners of the People’s Republic of China, Washington, DC 2001.

[39]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 23 f., 45, 79, 88 f., 99, 101, 114, 123, 306–315, 376, 381 f., u. 410; Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 188; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 203–215 u. 497–513; Domenach: Der vergessene Archipel, passim. Es gibt Berichte über Kannibalismus sowohl im Gulag als auch im Laogai. Siehe Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 115; Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 214; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 154 f. u. 545; Werth, Nikolas: Insel der Kannibalen. Stalins vergessener Gulag, München 2006.

[40]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 518–520; Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 188 f. Frühere Schätzungen waren bisweilen extrem hoch und gingen sogar von 15 oder 20 Millionen Opfern zwischen 1937 and 1953 aus, so Andrej Sacharov in den 60er Jahren. Siehe Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 190. Noch im Jahre 2005 behauptete Overy, die Sterblichkeit im Gulag habe bei etwa 14 Prozent gelegen. Overy, Richard: Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Russland, München 2005, zit. nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Oktober 2005, S. 8. 

[41]  Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 1), S. 83, 193 f., 214 f., 218 f., 257, 282 u. 437; Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 498.

[42]  Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 515–518 (mit zahlreichen Quellenangaben); Stettner: »Archipel GULag« (Anm. 10), S. 187 f. u. 376–399.

[43]  Domenach: Der vergessenen Archipel (Anm. 1), S. 431–439; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 515–518.

[44]  Courtois: The Black Book (Anm. 2), S. 278–284; Applebaum: Gulag (Anm. 1), S. 428–434, 454–458 u. 465.

[45]  Zu diesem und zum folgenden Absatz Domenach: Der vergessene Archipel (Anm. 2), S. 283–285, 303, 308, 310–312, 324, 335, 338 u. 357; Wu: Nur der Wind (Anm. 19), S. 327; Rainald Simon, Der chinesische Gulag. Lager, Gefängnisse, staatliche Repression und politische Opposition, Hamburg 1996, passim. 

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