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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

 

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

 

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

 

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

 

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

 

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Menachem Elkind, die linkszionistische Organisation Gdud Avoda und die Komintern. Drei Dokumente aus den Jahren 1926/27

JHK 2007 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 357-376 | Aufbau Verlag

Autor/in: Götz Hillig

Bei dem im September 1920 gegründeten Gdud Avoda (Legion der Arbeit)[1] handelt es sich um eine der markantesten Strömungen innerhalb des Spektrums der linkszionistischen Organisationen,[2] die von Angehörigen der dritten Welle der Alija (1919 bis 1923) auf dem Territorium des britischen Mandatsgebiets Palästina geschaffen wurden.[3] In der Mehrzahl stammten dessen Mitglieder aus Russland, und für die anstehenden nationalen Aufgaben in der »alt-neuen Heimat« waren sie zweifellos von der Oktoberrevolution 1917 und deren Auswirkungen geprägt. So erinnert die Namensgebung dieser Organisation an die Arbeitsarmeen (russ.: trudarmii) in der RSFSR.[4] Dabei handelte es sich bekanntlich um Formationen der Roten Armee, die Anfang 1920 auf Initiative des Kommandierenden der sowjetischen Streitkräfte Lev Trockij zum Wiederaufbau der Volkswirtschaft gegründet worden waren.

Die Mitglieder des Gdud Avoda hatten sich den Aufbau einer einzigen großen Kommune zum Ziel gesetzt, die weit größer sein sollte als die kvutzot, die ersten jüdischen kollektiven Ansiedlungen in Palästina und Keimzellen der Kibbutzbewegung. Bei den kvutzot handelte es sich um kleine, selbst verwaltete landwirtschaftliche Betriebe aus maximal 20 Personen, die, so der israelische Historiker Henry Near, »lived in close proximity, with little or no privacy, and in a state of complete interdependence«[5]

Der Einfluss der Oktoberrevolution klingt auch in den ideologischen Vorstellungen der Gdudniki an. In Palästina sollte eine allgemeine Arbeiterorganisation geschaffen werden – eine einheitliche Kommune jüdischer Proletarier. Als Kern einer solchen Kommune galt selbstverständlich der Gdud, der diese Idee mit Hilfe der Prinzipien einer »kommunistischen« Struktur des Alltags seiner Anhänger verwirklichen wollte. Das fand seinen Niederschlag in der pyramidal angelegten Organisationsstruktur: Jede Einheit (pluga) mit einem gewählten Komitee an der Spitze entsandte ihre Vertreter in die zentralen Organe des Gdud.[6] Die plugot unterschieden sich bezüglich Größe, Zusammensetzung und »political culture« ihrer Mitglieder, die zur Erledigung verschiedener Aufträge in den Bereichen Straßen-, Bahnstrecken- und Wohnungsbau von Ort zu Ort zogen, d. h. Wanderarbeiter waren. Doch bereits Ende 1921 wurden in der Jesreelebene in Untergaliläa durch Personen aus dem Umfeld der kvutzot, die sich dem Gdud angeschlossen hatten, zwei feste Ansiedlungen gegründet, in denen fortan die Mehrzahl der Gdudniki lebte: die landwirtschaftlichen plugot und späteren Kibbutzim »Ejn Harod« und »Tel Josef«. Dadurch kam das »Nomadentum« weitgehend zum Erliegen, und der Gdud verwandelte sich nach und nach in einen Zusammenschluss von Arbeitern der ihm zugehörigen plugot.[7] Die Veränderung der Organisationsstruktur führte jedoch zu Spannungen innerhalb der Bewegung, 1923 auch zu Abspaltungen eines Teils der Mitglieder der landwirtschaftlichen plugot[8] und schließlich zur Herausbildung von drei Richtungen im Gdud: der Mitte (merkaz), der vor allem auf die Städte konzentrierten Linken (smol) und der mehrheitlich auf dem Lande lebenden Rechten (yamin).[9] Das erste der hier wiedergegebenen Dokumente spiegelt die Situation des Gdud Mitte 1926 mit Mehrheitsfraktion und linker »Politgruppe« im Großen und Ganzen adäquat wider.

Ende 1926 kam es auf Betreiben des Gewerkschaftsbundes Histadrut (Vorsitzender: David Ben Gurion) zur Isolierung der Linken im Gdud und schon wenig später zu deren Ausschluss aus der gemeinsamen Organisation. Dem linken Gdud ha’smol, als der Minderheit, gehörten zu jenem Zeitpunkt (Januar 1927) 195 Mitglieder an.[10] Die Mehrheit (294 Personen an dem betreffenden Stichtag[11]) schloss sich knapp drei Jahre später dem neu gegründeten, ihr ideologisch nahe stehenden Verband Ha’kibbutz ha’meuchad (Vereinigter Kibbutz) an. Beide Fraktionen hielten übrigens weiterhin an der Idee des Aufbaus einer »jüdischen kommunistischen Gesellschaft« in Palästina fest. Nach Auffassung der Linken sollte der Gdud an der Spitze der Arbeiterbewegung stehen und die ersehnte soziale Revolution auf politischem Wege herbeiführen, während die Mehrheitsfraktion zunächst eine zahlenmäßige Vergrößerung des Gdud und damit dessen Stärkung anstrebte.[12] Mit dem Ziel, auf offiziellem Weg bzw. konspirativ Unterstützung zur Lösung der anstehenden Aufgaben zu erhalten, wandte sich der Gdud 1926 und 1927 an die Kommunistische Internationale (Komintern). 

Autor der beiden nachfolgend publizierten Petitionen an das Exekutivkomitee der Komintern (EKKI) sowie Adressat der Antwort auf das zweite Schreiben war der »Chefideologe« der Politgruppe und spätere Anführer des Gdud ha’smol Menachem Elkind (russ.: Ėl’kind). Diese Dokumente befinden sich in den Akten des Komintern-Archivs im Russischen Staatsarchiv für soziale und politische Geschichte (RGASPI), dem früheren Zentralarchiv der KPdSU. Während das erste Schreiben im Namen des noch ungeteilten Gdud verfasst wurde (unter den drei Unterzeichnern befand sich mit Izrael Shochat, einem der Gründer und Leiter des Weltverbandes sozialistischer jüdischer Arbeiter Poale Zion, ein weiterer führender Vertreter der linken Fraktion[13]), handelt es sich bei dem zweiten Dokument um einen Brief Elkinds als Vorsitzender (»ZK-Mitglied«) des abgespaltenen »linken Gdud«.

Menachem (Mendel) Elkind stammte aus der heutigen Ukraine. Geboren 1897 in Berislav, Gouvernement Cherson, als Sohn eines Schächters, hatte er sich nach nur einjährigem Besuch des Gymnasiums in Evpatorija (Krim), das er mit Bestnoten absolvierte,[14] und einem nicht abgeschlossenen Studium der Mathematik am Polytechnischen Institut in Ekaterinoslavl’ (1916 bis 1918; heutiger Name der Stadt: Dnepropetrovsk) in Char’kov der zionistischen Bewegung angeschlossen und war 1919 nach Palästina übergesiedelt, wo er Gründungsmitglied des Gdud und schon bald einer seiner maßgeblichen Anführer wurde. Bei Elkind handelte es sich zweifellos um eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Ehemalige Gdudniki charakterisierten ihn als »tatkräftigen, aufrichtigen und selbstlosen Menschen« von »überragendem Intellekt«, »großen analytischen Fähigkeiten und Überzeugungskraft«. Der israelische Historiker Jakob Guren wies in einer Stellungnahme zu dem vorliegenden Manuskript allerdings darauf hin, dass Elkind im Vergleich zu anderen Führern der Arbeiter- und Kibbutzbewegung nur über relativ beschränkte politische und ökonomische Kenntnisse verfügte und sich deshalb unter ihnen als »Outsider« empfunden habe.

Was veranlasste Elkind bzw. seine Organisation nun, Beziehungen zur Komintern aufzunehmen? Man könnte meinen, dass den Gdud (wie auch seine »linke« Abspaltung) und die Komintern ein gemeinsames Ziel verband – der Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft, weshalb sie an der Knüpfung ständiger Kontakte interessiert gewesen sein sollten. Der »Kommunismus« des Gdud war jedoch national orientiert. Wie auch für zahlreiche andere linke Zionisten der 20er und 30er Jahre wurde der Aufbau eines »kommunistischen« Palästina für den Gdud im Grunde genommen zu einer sekundären Aufgabe. Sollte sich dieses Ziel nicht erreichen lassen, blieb immer noch die Möglichkeit, in Palästina eine »jüdische nationale Heimstätte« zu errichten. Anders ausgedrückt, der Aufbau einer »kommunistischen« Gesellschaft innerhalb des Mandatsgebiets war für den Jischuw[15] deutlich zweitrangig. Dagegen stellte die Komintern eine Vereinigung von »Internationalisten« dar, die der Auffassung waren, dass sich die Lösung beliebiger nationaler (ihrer Bedeutung nach sekundärer) Aufgaben durch den Sieg der Weltrevolution gewissermaßen von selbst klären wird. Mehr noch, gerade wegen dieser Unterschiede bezüglich der Prioritäten der Ziele und Aufgaben hatte man dem Zionismus, einschließlich seiner »sozialistischen« Richtungen, auf dem II. Komintern-Kongress (1920) eine klare Absage erteilt.[16]

Und dennoch schloss die Praxis des Vorgehens des EKKI die Möglichkeit von Kontakten zu verschiedenen »sozialistischen« und »kommunistischen« Gruppierungen innerhalb der zionistischen Bewegung nicht aus. Auch wenn sich der Antizionismus der Komintern zu einem Instrument der Disziplinierung entwickelt hatte, so galt dies nur für den innersowjetischen Gebrauch; außerhalb der UdSSR diente er zur Erweiterung des Einflusses der Komintern. Das bezog sich in erster Linie wohl weniger auf den Nahen Osten. Hier wurde dies vom EККI (das sich dabei keineswegs von theoretischen Erwägungen, sondern von einer pragmatischen Praxis leiten ließ) benötigt, um in jener Region einen »Stützpunkt« für eine künftige »sozialistische Revolution« zu schaffen. Doch seit 1924 existierte ein solcher »Stützpunkt« bereits. Dabei handelte es sich um eine recht unbedeutende Gruppe früherer Poale-Zionisten, die man – als Mitgliedssektion der Komintern – zur Palästinensischen Kommunistischen Partei (PKP) transformiert hatte.[17] Eine solche Transformation wurde aufgrund des strategischen Kurses der Komintern ermöglicht: Deren neue Anhänger aus den Reihen der PKP ließen von ihren »nationalistischen Illusionen« ab und wurden in eine Organisation zur »Revolutionierung« der arabischen »werktätigen Massen« umgewandelt.[18] Von nun an war jede »sozialistische« oder »kommunistische« Strömung in den Reihen des Jischuw verpflichtet, die in Moskau festgelegte Linie der PKP zu unterstützen und letztendlich in diese einzutreten. Andere Varianten der Zusammenarbeit mit der Komintern waren von vornherein ausgeschlossen.

Damit ist jedoch die oben gestellte Frage, was den Gdud zur Kontaktaufnahme mit der Komintern veranlasste, noch keineswegs beantwortet. Weder die Mehrheitsfraktion dieser Organisation noch ihr linker Flügel mit Elkind an der Spitze hatten, wie die hier publizierten Dokumente bezeugen, geplant, sich von der zionistischen Idee in deren »kommunistischem« Gewand loszusagen, und im übrigen waren beide Fraktionen bezüglich der Möglichkeiten der PKP, vorsichtig ausgedrückt, kritisch eingestellt.

Die aufmerksame Lektüre der in Moskau verfassten und der Leitung des EKKI vorgelegten Petitionen verdeutlicht, dass der Gdud (und seine linke Abspaltung) ausdrücklich das Bestreben hervorhob, die Bewahrung der »proletarischen Reinheit« der jüdischen Übersiedler nach Palästina zu unterstützen. Sein Ziel war es, die Ausbreitung »kleinbürgerlicher« Stimmungen in seinem Einflussbereich zu verhindern. Mit anderen Worten, der Gdud versuchte, die schon erloschenen Ideale eines »sozialistischen Zionismus« dadurch zu reaktivieren, dass er auf das Entstehen einer jüdischen nationalen Gesellschaft in Palästina hinwirkte, um schließlich deren führendes Zentrum zu werden, das alle übrigen Elemente des Jischuw um sich vereinigt.

Hätten derartige Aktivitäten überhaupt Erfolg haben können? Die Führung des Gdud war davon offenbar überzeugt, zumal der Jischuw sich noch in der Etappe seiner Formierung befand. Er sah sich weiterhin mit den komplizierten Auswirkungen von Immigration und Remigration in Palästina konfrontiert. Die nationale jüdische Gesellschaft in Palästina war noch weit davon entfernt, mit ihrer vollständigen Realisierung rechnen zu können. Die Anhänger des Gdud vertraten die Meinung – und glaubten wohl auch aufrichtig daran, ohne gleich Kommunisten sowjetischer Prägung werden zu wollen –, dass der Appell an die Komintern ihnen helfen würde, von dieser damals als einflussreich geltenden internationalen Organisation Unterstützung zur Lösung ihrer eigenen politischen Aufgaben in Palästina zu erhalten.

Die Antwort des Ost-Sekretariats des EKKI vom September 1927 – obwohl formell an Elkind und damit an den »linken Gdud« gerichtet, betraf sie im Grunde genommen doch beide Fraktionen – wie auch die zahlreichen Vermerke leitender Mitarbeiter jenes Sekretariats auf den Petitionen beweisen, dass dies eine Illusion war. Die Komintern weigerte sich nicht nur, den Gdud (bzw. dessen linke Fraktion) als sympathisierende Organisation oder gar Mitglied anzuerkennen (dafür wäre es erforderlich gewesen, den Beschluss des II. Kongresses über die Missbilligung des Zionismus zu revidieren und die Rechtmäßigkeit der Formierung des Jischuw anzuerkennen), sondern hielt auch an der Gleichsetzung dieser Bewegung mit den führenden »bürgerlichen« Parteien der jüdisch-palästinensischen Gesellschaft fest. Das EKKI bestand unnachgiebig auf einer Unterstützung der PKP sowie auf der Akzeptanz antizionistischer Positionen durch den Gdud, einschließlich der Verwirklichung brüderlicher Beziehungen zur »arabischen national-revolutionären Bewegung«. Im besten Fall wurde ihm angeboten, dem Kurs der palästinensischen Kommunisten zu folgen, die zu diesem Zeitpunkt im Zuge der korenizacija (Verwurzelung in der ortsansässigen Bevölkerung) bereits in die Phase der »Arabisierung« eingetreten waren. Und das bedeutete nichts anderes, als dass sich die PKP von jenem nationalen (jüdischen) Milieu, in dem sie entstanden war, weit entfernt hatte.

Der misslungene Versuch der linken Gdud-Fraktion, die Anerkennung durch die Komintern zu erreichen, sollte sich als Hauptursache für ihren Verfall erweisen. Hinzutrat die soziale und ökonomische Situation in Palästina im Gefolge der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre. Der enorme Anstieg der Arbeitslosigkeit veranlasste ab 1928 etwa ein Drittel der Mitglieder des Gdud ha’smol, in die Sowjetunion überzusiedeln. Der Aufbau einer »kommunistischen Gesellschaft« in Palästina (wie auch die Realisierung der Ziele des Zionismus) war vorerst in weite Ferne gerückt. Damals hatte sich der »linke Gdud« in der Person seines Vorsitzenden Elkind an die sowjetische Führung mit der Bitte gewandt, den Mitgliedern zu ermöglichen, sich in einem der neuen jüdischen Ansiedlungsgebiete auf dem Territorium der Sowjetunion niederzulassen. Entsprechende konspirative Vorgespräche hatte Elkind laut Zeugnis der israelischen Historikerin Anita Shapira mit dem damaligen Sekretär des ZK der PKP Josef Berger (Berger-Barsilai) geführt.[19] Schon bald erhielt er von den sowjetischen Behörden eine positive Antwort.[20] Zur Regelung der mit der Übersiedlung seiner Anhänger anstehenden Fragen reiste Elkind Ende August 1927 vorab in die UdSSR. 

Im Juli 1928 wurde im Rayon Evpatorija (Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Krim) die landwirtschaftliche Kommune »Vojo Nova«[21] gegründet. Ihr Leiter war Elkind selbst – allerdings nur bis Anfang 1931. Die »große kvutza« und der Organisator der Reimmigration und Kommuneleiter Menachem Elkind gerieten schnell in die Mühlen des Social Engineering in der Sowjetunion unter Stalin. Die wirtschaftliche Lage am Vorabend der Zwangskollektivierung der sowjetischen Landwirtschaft war unsicher. Man setzte die Anhänger des »linken Gdud« mit den an jedwedem Sozialismus desinteressierten und in der Landwirtschaft weitgehend unkundigen Übersiedlern aus den Schtetln der Ukraine und Belorusslands gleich. Der auf Freiwilligkeit und allgemeiner Egalität beruhende Kommunegedanken wurde pervertiert und, verbunden damit, die Kommune in eine Kolchose umgewandelt. Es folgten die Ausmerzung der Kibbutz-»Ketzerei« und deren Ablösung durch die sowjetische Ideologie sowie, letztendlich, die politischen Repressionen in der Zeit des »Großen Terrors«. Im Dezember 1937 wurde Elkind entsprechend einer standardisierten Beschuldigung der »Zusammenarbeit mit dem englischen Nachrichtendienst« verhaftet und bereits im Februar 1938 zum Tode verurteilt und erschossen.[22]

Anmerkung des Autors zu den Dokumenten: Das handschriftliche Original des ersten der hier in deutscher Übersetzung wiedergegebenen Dokumente (jeweils vier Blatt, beidseitig beschrieben) enthält Eintragungen (Unterstreichungen, seitliche Anstreichungen, Fragezeichen) sowie einen Vermerk des politischen Referenten des OstSekretariats des EKKI P. V. Kitajgorodskij. Von dem zweiten Dokument existieren zwei Varianten: das handschriftliche Original und eine Schreibmaschinenabschrift. Von dem dritten Dokument sind drei maschinenschriftliche Fassungen archiviert: ein Entwurf von einem Mitarbeiter des Ost-Sekretariats namens Šelike[23], eine erste Fassung mit Korrekturen des Mitglieds der Abteilungen Ferner Osten und Naher Osten des Ost-Sekretariats V. I. Rajt sowie die Vorlage der endgültigen Fassung mit Anmerkungen desselben und des Mitglieds des Politsekretariats des EKKI und gleichzeitigen Mitglieds der Abteilungen Ferner Osten und Naher Osten des OstSekretariats B. I. Vasil’ev. Auf die Varianten mit den entsprechenden Vermerken wird in den Fußnoten verwiesen. Kitajgorodskij, Rajt und Vasil’ev fielen 1937/38 ebenfalls dem »Großen Terror« zum Opfer.[24]

 

Dokument 1: Memorandum einer Delegation des Gdud Avoda an die OstAbteilung des EKKI (Mitte Mai 1926)[25]

 

An das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale 

Ost-Abteilung

 

Von der Delegation der Palästinensischen Kommune Gdud Avoda

 

Memorandum

 

I. Über den Gdud Avoda

Die Kommune »Gdud Avoda« in Palästina besteht seit 5 Jahren und zählt jetzt ca. 700 Mitglieder. Diese Kommune unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Kolchosen, palästinensischen und russischen, durch ihren ökonomischen und organisatorischen Aufbau.

1.)        Der Gdud (so werden wir der Kürze halber unsere Kommune im weiteren nennen) ist nicht an einem geographischen Ort konzentriert, er ist über verschiedene Teile Palästinas verstreut (Obergaliläa, Jesreelebene, Haifa, Tel Aviv, Jerusalem) und besteht aus acht lokalen Gruppen, von denen die kleinste 20 und die größte 240 Mitglieder zählt.

2.)        Der Gdud betätigt sich nicht nur in einem Wirtschaftszweig. Er verfügt über Gruppen, die Ackerbau betreiben (ähnlich den landwirtschaftlichen Kommunen in Russland), sowie städtische Gruppen. Die drei städtischen Gruppen, die Haifaer, die Afulaer und die Tel Aviver, beschäftigen sich mehr oder weniger mit einer gleichartigen Arbeit, und zwar dem Bau von Häusern und Straßen, doch in der Jerusalemer (der größten der städtischen Gruppen) gibt es Steinbrucharbeiter, Steinmetze, Schlosser und Monteure.

3.)        Unterschiedlich sind auch die ökonomischen Beziehungen der Mitglieder des Gdud sowie des Gdud als Ganzem zu jenen Betrieben, in denen seine Genossen arbeiten. In der Landwirtschaft erfüllen die Mitglieder des Gdud nicht nur die Rolle von Arbeitern, sondern auch von Leitern der jeweiligen Wirtschaftseinheit, die dem Gdud als einem Kollektiv gehört, während in den städtischen Gruppen die Mitglieder des Gdud größtenteils als Tagelöhner oder im Akkord arbeiten, doch auch in den städtischen Gruppen hat der Gdud eigene Werkstätten (Tischlerei, Schlosserei) sowie Steinbrüche, die auf Bestellung und für den Markt arbeiten. Diese Besonderheiten des ökonomischen Aufbaus des Gdud verweisen darauf, dass seine verschiedenen Gruppen untereinander nicht durch einen einheitlichen Produktionsprozess verbunden sind. Der Gdud ist nicht nur eine Produktionskommune. Was aber vereint alle Genossen des Gdud zu einem einheitlichen Ganzen? Worin besteht der eigentliche Sinngehalt dieses kollektiven Organismus?

Dieser Sinngehalt ist ein zweifacher: ein ökonomischer und ein ideologischer.

1.)        Unter ökonomischem Aspekt stellt der Gdud, als einheitliches Ganzes, eine Verbraucherkommune dar, die alle Bedürfnisse ihrer Mitglieder, sowohl die materiellen als auch die kulturellen, aus deren Einkünften befriedigt, die in die gemeinschaftliche Kasse des Gdud fließen. Gleichzeitig damit erfüllt der Gdud eine weitere ökonomische Funktion – die Versorgung seiner Mitglieder mit Arbeit, er macht für sie Arbeiten ausfindig, weist sie darin ein und versetzt sie, wenn ihm das angebracht oder es erforderlich erscheint, von einem Arbeitsplatz auf einen anderen.

2.)        Unter ideologischem Aspekt stellt der Gdud eine Arbeiterbewegung dar, deren Ziel der Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft in Palästina ist, wobei er zugleich eine nationale Aufgabe erfüllt – Unterstützung beim Aufbau eines jüdischen werktätigen Zentrums in Palästina. Dabei geht der Gdud in seiner Tätigkeit konkret von der Tatsache eines spontanen Prozesses der Konzentration der jüdischen Massen daselbst aus. Der Gdud betrachtet die Übersiedlung jüdischer Elemente, die sich »laborisieren«, nach Palästina als einen progressiven Faktor, der zur Industrialisierung des Landes und zur Schaffung der Vorbedingungen einer sozialen Revolution, neben der Gesundung der jüdischen Ökonomie[26], beiträgt.

Die Verwirklichung dieses Ziels ist letzten Endes nur durch einen sehr komplizierten und komplexen Prozess des Klassenkampfes möglich, in welchem der Gdud es sich zur Aufgabe gemacht hat, daran aktiv teilzunehmen und dabei eine Pionieraufgabe zu erfüllen. Bereits durch die Tatsache seiner Existenz in Palästina und mehr noch durch den Kampf um seine Existenz nimmt der Gdud an jenen Prozessen teil, die auf elementare Weise zur Verwirklichung seines eigentlichen Ziels führen. An diesen Prozessen beteiligt sich der Gdud nicht als eine untätige Gruppierung, die der allgemeinen Richtung folgt, sondern als die bewusste Avantgarde der jüdischen Arbeiterklasse, die sich im tagtäglichen Klassenkampf von ihrem eigentlichen historischen Ziel leiten lässt. Außer dieser Teilnahme am allgemeinen historischen Prozess erfüllt der Gdud spezielle Pionieraufgaben, die auf die Verwirklichung seines eigentlichen Ziels ausgerichtet sind. Die Erfüllung dieser Aufgaben unterliegt bestimmten Bedingungen und ergibt sich aus den Besonderheiten der ökonomischen Struktur des Gdud.

1.)        Indem der Gdud alle Bedürfnisse seiner Mitglieder, von der Ernähung bis zur Kindererziehung, auf kollektive Weise befriedigt, hat er die Arbeitsteilung, die in der uns umgebenden Gesellschaft nur auf dem Gebiet der Produktion existiert, auch auf dem Gebiet der Konsumtion eingeführt und dadurch die ökonomische Grundlage der Hauptzelle des bürgerlichen Lebens – der Familie – zerstört und die Basis für den Aufbau eines neuen Gemeinschaftslebens geschaffen, des

Lebens einer kommunistischen Gesellschaft. Mit der Konzentration aller Bedürfnisse in den Händen spezieller Institutionen hat der Gdud seine Genossen davon befreit, einen Großteil ihrer Freizeit für Kleinigkeiten und alltägliche Dinge zu verwenden, die mit der Befriedigung verschiedener Bedürfnisse verbunden sind. Diese Freizeit kann nun zur Verbesserung des kulturellen Niveaus der Mitglieder genutzt werden, der Befriedigung verschiedener kultureller Bedürfnisse und der Entwicklung ihres Klassenbewusstseins.

2.)        Durch den Aufbau einiger Kollektivwirtschaften, in denen die Mehrzahl der Mitglieder des Gdud arbeitet (wobei der Arbeitslohn eines jeden Mitglieds in die gemeinsame Kasse fließt, und zwar jener Mitglieder, die nicht in seinen Betrieben arbeiten), befreit der Gdud sie alle von jenem unmittelbaren, oft wirtschaftlich egoistischen Stimulus. Für die Organisation seiner Kollektivwirtschaft und die Stimulierung der Produktivität seiner Mitglieder muss der Gdud ihnen neue psychologische Grundlagen der wirtschaftlichen Tätigkeit vermitteln, jene Grundlagen, auf denen die Wirtschaft einer kommunistischen Gesellschaft beruhen wird. Die Aufdeckung dieser neuen Grundlagen und der Modi ihrer Verankerung in der Psyche der Arbeiter – das ist die zweite pionierhafte Aufgabe des Gdud beim Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. Wir betonen das Wort »pionierhaft«, weil wir nicht den Illusionen der utopischen Sozialisten des vorigen Jahrhunderts verfallen wollen, wonach sich im Rahmen eines bürgerlichen Regimes die ganze Volkswirtschaft oder doch ein bedeutender Teil derselben in eine kollektive Form überführen lässt. Wir meinen jedoch, dass in einer Epoche, die den Vorabend einer weltweiten sozialen Revolution darstellt, die Ausarbeitung der inneren wirtschaftlich-psychologischen und kulturell-alltagsbedingten Grundlagen von großer Bedeutung ist, auf die sich eine kollektive Bewegung der Massen stützen muss, die jetzt nach der sozialen Revolution entsteht und sich erfolgreich entwickeln kann, wenn zuvor die Hauptmeilensteine ihres Weges bestimmt worden sind. Und diese Bahnung des Weges für die kollektive Bewegung der Massen bezeichnen wir als Pionieraufgaben. 

3.)        Neben diesen Pionieraufgaben kollektivistischen Charakters, die mit seiner ökonomischen Struktur organisch verknüpft sind, stellt sich der Gdud bezüglich der Übersiedlung jüdischer werktätiger Elemente nach Palästina auch einer ganzen Reihe von Pionieraufgaben nationalen Charakters. Bei diesen Aufgaben handelt es sich um die Aneignung schwerster körperlicher Arbeit, welcher die in Palästina proletarisierten jüdischen Massen nur widerwillig folgen, solange keine Verfahren gefunden und eingeführt worden sind, die solche Arbeiten wie die Amelioration und erste Besiedlung sumpfiger und unbewohnter Landstriche erleichtern, die mit Gefahren für die Gesundheit verbunden sind. Die besonderen Schwierigkeiten bei der Erfüllung dieser Aufgaben schrecken die Mehrheit der jüdischen Immigranten in Palästina davon ab,[27] und deshalb sehen sich die nationalen kolonisatorischen Gesellschaften (die Zionistische Organisation[28] und die Jüdische Kolonisationsgesellschaft[29]), die keine Sympathien für den Kollektivismus hegen, dennoch gezwungen, unsere Kollektivwirtschaften und -unternehmen, die von nationaler und pionierhafter Bedeutung sind, zu finanzieren.

Wenn wir all das von uns über die Tätigkeit des Gdud bezüglich der Realisierung seines eigentlichen Ziels Gesagte resümieren, lässt sich seine gesellschaftliche Rolle in aller Kürze wie folgt bestimmen:

1.)        Als eine der organisierten Gruppen der Arbeiterklasse Palästinas beteiligt sich der Gdud aktiv und bewusst am Klassenkampf gegen die kapitalistische Ordnung.

2.)        Als eine originelle gesellschaftliche ökonomische Organisation erfüllt der Gdud besondere Pionieraufgaben bezüglich der Vorbereitung der inneren Grundlagen einer kommunistischen Gesellschaft und für den Aufbau eines jüdischen werktätigen Zentrums in Palästina.[30]

Zur Einschätzung der Bedeutung des Gdud innerhalb der jüdischen Arbeiterklasse Palästinas muss man noch folgendes hinzufügen:

1.)        Die kollektivistische Form des Gdud bewahrt den proletarischen Charakter der Elemente, die ihm angehören, und hält sie vor dem Übergang in die Klasse des Kleinbürgertums zurück – einer in Palästina als einem Immigrationsland weit verbreiteten Erscheinung. Ein Arbeiter, der nicht dem Gdud angehört und über eine gewisse Qualifikation und Kenntnis der lokalen Bedingungen verfügt, hat die Möglichkeit, unerfahrene und nicht qualifizierte Arbeiter und Immigranten auszubeuten sowie, mittels dieser Ausbeutung, die Etappe der »ursprünglichen Akkumulation« zu durchlaufen und sich dann selbst in einen Unternehmer zu verwandeln[31]. Ein Arbeiter, der sein Schicksal dagegen mit dem Gdud verbindet, hat keine Möglichkeit, seine Lage auf einem anderen Weg zu verbessern, als durch die Verbesserung[32] der Lage des Kollektivs, das seinerseits von der Lage der Arbeiterklasse insgesamt abhängig ist. Das Fehlen dieser Möglichkeit entwickelt und festigt das Klassenbewusstsein jenes Arbeiters, der dem Gdud angehört.

2.)        Faktisch ist im Gdud gegenwärtig das radikalere Arbeiterelement Palästinas konzentriert, und der Gdud formiert sich zu einer revolutionären wirtschaftlichen Organisation, mutatis mutandis vergleichbar der »Minderheitsbewegung«[33] in England, deren Mitglieder auf der Basis des revolutionären Klassenkampfes stehen und den progressivsten Kern in der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter bilden.

II. Die Politgruppe im Gdud

Eine der gesellschaftlich-historischen Funktionen des Gdud ist seine Teilnahme, als Organisationseinheit, am Klassenkampf, verstanden im weiteren Sinn des Wortes, d. h. sowohl ökonomisch als auch politisch. Ohne über ein bestimmtes politisches Programm im engeren Sinn dieses Wortes (Minimalprogramm) zu verfügen, entscheidet der Gdud jede politische Frage, die im Verlauf des Klassenkampfes in Palästina auftaucht, vom Gesichtspunkt seines eigentliches Ziels, und dort, wo dieser Gesichtspunkt verschiedene Interpretationen zulässt, entscheidet die Mehrheit über die Art und Weise des Verhaltens des Gdud. Die überwiegende Mehrheit der Genossen des Gdud gehört keiner politischen Partei an. Das Programm der rechten Arbeiterparteien, die zur Zeit unter den jüdischen Arbeitern Palästinas tonangebend sind,[34] sagt ihnen nicht zu,[35] und zugleich besteht eine Kluft zur PKP, hauptsächlich bezüglich der nationalen Frage und der Taktik in Palästina.

Der Prozess der ideologischen Differenzierung und die Umwertung der Werte, die sich jetzt unter allen Arbeitern Palästinas im Zusammenhang mit der ungewöhnlichen Zunahme der Immigration in das Land[36] sowie der Veränderung[37] des Charakters der jüdischen Kolonisierung Palästinas abspielen, und insbesondere die Diskussion einer ganzen Reihe allgemeiner politischer Fragen im Gdud trugen zur Herausbildung einer politischen Gruppe innerhalb des Gdud bei. Diese Gruppe arbeitet gegenwärtig ein eigenes politisches Programm aus, und es ist ihr bereits gelungen, ihre Position in einigen wichtigen Fragen abzuklären. Ausgangspunkt des Programms der Gruppe ist das eigentliche Ziel des Gdud. Zu den politischen Wegen, die zum Erreichen dieses Ziels führen, zählt die Gruppe die soziale Revolution und den Sturz der Herrschaft des Imperialismus im allgemeinen und des britischen Imperialismus in Palästina im besonderen. Auf diese Weise orientiert sich die Gruppe an der Komintern, doch zugleich gibt es zwischen der Gruppe und der kommunistischen Partei einen grundlegenden Unterschied in der Einschätzung der Bedeutung der jüdischen Immigration und der jüdischen Bevölkerung in Palästina sowie in den sich daraus ergebenden Fragen der Taktik der kommunistischen Partei daselbst.

Die Gruppe erachtet es noch als verfrüht, die Frage dieser Differenzen der Komintern zur Beurteilung vorzulegen, wodurch sich die Frage ihres Eintritts in die Komintern verzögert[38], doch zugleich erachtet sie eine bestimmte Koordination in den Handlungen, die auf die gemeinsamen Ziele gerichtet sind, als aktuell und zweckdienlich[39]. Diese Koordination lässt sich in der Etablierung ständiger beiderseitiger Beziehungen aufnehmen:[40] 1) zwischen der Politgruppe und der Komintern, 2) zwischen dem Gdud und verschiedenen Institutionen und Organisationen der UdSSR.

Die Verbindungen zwischen der Komintern und der Politgruppe sollen darauf gründen, dass die Komintern unsere Gruppe als eine revolutionäre, gegen den britischen Imperialismus gerichtete Kraft einschätzt, die eine aktive Rolle sowohl im Kampf gegen das britische Regime als auch in der sozialen Revolution in Palästina spielen wird.[41]

Die unmittelbar anstehenden konkreten Aufgaben der Gruppe bestehen darin, jene Vorbedingungen zu schaffen, welche die Kraft des subjektiven Faktors des revolutionären Prozesses gewährleisten – des palästinensischen Arbeiters und der nationalen Befreiungsbewegung. Diese Aufgaben sind wie folgt:

1.)        Kampf um die Einheitsfront in der palästinensischen Gewerkschaftsbewegung im palästinensischen Maßstab (Wiederaufnahme der ausgeschlossenen Mitglieder der Arbeiterfraktion in die Gewerkschaftsorganisation)[42] und im Weltmaßstab (Vereinigung der Amsterdamer Internationale mit der Profintern).

2.)        Schaffung einer einheitlichen jüdisch-arabischen Front gegen den englischen Imperialismus, anstelle des heute, unter dem Einfluss der Engländer, existierenden arabisch-jüdischen Antagonismus.

3.)        Kultur- und Bildungsarbeit innerhalb des Gdud sowie innerhalb von Arbeitergruppen ihres Umfelds, die auf eine Verstärkung des Klassenbewusstseins und der Revolutionierung der Arbeiterklasse Palästinas zielt.

4.)        Organisierung und Stabilisierung einer klassengemäß orientierten Streitmacht.[43]

Zur Realisierung des allgemeinen Kontaktes bei der Verwirklichung der beiden ersten Aufgaben und zur Klärung der konkreten Formen der Unterstützung durch Euch bei der Erfüllung der beiden letzten Aufgaben müssen wir unsere Verhandlungen in persönlichen Gesprächen fortsetzen.

Die Verbindungen zwischen dem Gdud sowie den Institutionen und Organisationen der UdSSR können den folgenden konkreten Inhalt haben:

a)               Austausch von Erfahrungen und Errungenschaften auf dem Gebiet des Aufbaus kollektivistischer Wirtschaftsformen und Lebensformen in Kommunen zwischen den russischen Kolchosen und dem Gdud.

b)         Weiterbildung des Personals der Kinderhäuser[44] des Gdud in entsprechenden Mustereinrichtungen der UdSSR.

c)         Verbindungen mit Versuchs- und wissenschaftlichen Einrichtungen des Volkskommissariats für Landbau sowie des Zentralen Instituts für Arbeit[45]. Diese Verbindungen zwischen dem Gdud und den oben genannten Einrichtungen der UdSSR, die auch in Palästina als völlig legal gelten, haben außerdem noch eine indirekte Bedeutung, und zwar als ein Mittel zur Tarnung jener illegalen Verbindungen, die zwischen der Komintern und der Politgruppe des Gdud realisiert werden sollen, der außer ihrem unmittelbaren Nutzen einerseits[46] in der Unterstützung des Gdud bei der Erfüllung seiner pionierhaften konstruktiven[47] Aufgaben und andererseits in der Popularisierung der UdSSR als dem Zentrum und Paten[48] für Arbeiterorganisationen jedweder Art besteht.

 

Mit kameradschaftlichem Gruß

Die palästinensische Organisation »Gdud Avoda«.

[Unterschriften:] M. Ėl’kind, I. Šochat, B. Mechonaj



Dokument 2: Brief des Mitglieds des ZK des linken Flügels des

Gdud Avoda Menachem Elkind an das Sekretariat der Ost-Abteilung des EKKI vom 13. September 1927[49]

 

An das Exekutivkomitee der Komintern

Sekretariat der Ost-Abteilung

Moskau

Über den (linken) Gdud Avoda in Palästina

1.)        Der (linke) Gdud Avoda ist ein Bündnis von Kommunen städtischer und landwirtschaftlicher Arbeiter. Es vereinigt 4 Kommune-Gruppen mit einer Gesamtzahl von 230 Genossen. Die städtischen Gruppen befinden sich in Jerusalem, Jaffa und Haifa, die landwirtschaftliche in Tel Josef. Die städtischen Gruppen arbeiten vor allem auf Baustellen, wofür sie Aufträge als ArbeiterArtel’[50] bekommen. Manchmal übernehmen sie auch Aufträge außerhalb der erwähnten Städte an verschiedenen Orten Palästinas, Transjordaniens und Syriens, und manchmal werden aus Mitgliedern des Gdud zeitweilige Gruppen für die Ausführung bestimmter Arbeiten organisiert. Die Jerusalemer Gruppe hat auch eigene Werkstätten – Tischlerei und Schlosserei. Die Tel Josefer Gruppe arbeitet in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb, der faktisch der zionistischen Organisation gehört und von einem selbst verwalteten Kollektiv landwirtschaftlicher Arbeiter genutzt wird. In diesem Kollektiv bildet die Gruppe jener Genossen, die dem Gdud Avoda (dem linken) angehören, eine Minderheit (60 von 190 Personen), die aus politischen Motiven aus dem Betrieb verdrängt wird. Die städtischen Gruppen arbeiten bei privaten Arbeitgebern (Unternehmern), und sie haben, ungeachtet der schlechten Lage auf dem Arbeitsmarkt in Palästina, mehr oder weniger sichere Arbeitsplätze.

2.)        Der Gdud Avoda stellt einen organischen Teil jener spezifischen Bewegung dar, die im Kreis der jüdischen Arbeiter Palästinas unter der Bezeichnung »kollektivistische Bewegung« existiert. Diese Bewegung, die vier- bis fünftausend Mitglieder (15 bis 20 Prozent der Gesamtzahl der gewerkschaftlich Organisierten) zählt und ihrer Form nach eine ökonomische Bewegung darstellt, war jedoch zunächst mit einer bestimmten ideologischen Grundlage verknüpft. Die Mitglieder dieser Bewegung sind in Kommune- oder Artel’-Gruppen organisiert, von denen jede zwischen 10 und 250 Genossen zählt. Jede Gruppe stellt eine selbständige wirtschaftliche Einheit dar, die sich die Mittel zur Existenz durch gemeinsame Arbeit ihrer Mitglieder erwirbt. Diese Gruppen machen den Ort ihrer Beschäftigung in drei Bereichen ausfindig: 1) in großen landwirtschaftlichen Betrieben, die aus Mitteln der zionistischen Organisation gegründet und ihnen zur Nutzung überlassen wurden; 2) in privaten Plantagenwirtschaften, wo sie Verträge zur Bearbeitung der Plantagen erhalten; 3) im Bauwesen, wo die Gruppen ihre Aufträge von Bauunternehmern erhalten. Eine ideologische Begründung dieser Bewegung war die spezielle Theorie des konstruktiven Sozialismus[51], die ihre Elemente einerseits aus dem utopischen Sozialismus des vorigen Jahrhunderts und andererseits aus dem Gildensozialismus[52] in England und Frankreich der Nachkriegszeit [Fehler im Text, gemeint ist die Vorkriegszeit, d. h. die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg] schöpfte.

3.)        Die konkreten historischen Voraussetzungen, die diese kollektivistische Bewegung und ihre Theorie – den konstruktiven Sozialismus – bedingten, waren:

a)               Die erste Nachkriegswelle der jüdischen Immigration nach Palästina, die ungefähr zehntausend Menschen ins Land brachte, von denen fast niemand über Kapital verfügte, das für den Aufbau eines Betriebs erforderlich ist, wobei diese Menschen sozialistisch orientiert waren.

b)              Das Fehlen einer entwickelten privatkapitalistischen Wirtschaft in Palästina, die diese Immigration als Lohnarbeiter hätte absorbieren können.[53]

c)         Das Vorhandensein von Kolonisationsfonds bei der zionistischen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hatte, diese Fonds für die Besiedlung Palästinas mit Juden in dieser oder jener Wirtschaftsform zu verwenden.

Aufgrund dieser Voraussetzungen behauptete die Theorie des konstruktiven Sozialismus, dass in Palästina ein jüdisches sozialistisches Gemeinwesen durch unvermögende jüdische Immigranten mit Mitteln der Kolonisationsfonds der zionistischen Organisation errichtet und Palästina auf diese Weise, indem es die kapitalistische Wirtschaftsform hinter sich lässt, in das Reich des Sozialismus gelangen wird. Und tatsächlich wurde eine ganze Reihe großer Kollektivwirtschaften (zwischen 30 und 40) geschaffen, errichtet mit Mitteln der zionistischen Organisation und der die Kollektive leitenden Arbeiter; es wurden Straßen- und Hausbau-Artel’s sowie eine zentrale Organisation geschaffen, die wiederum eine ganze Reihe von Aufträgen im Straßen- und Hausbau von der zionistischen Organisation und mit deren Unterstützung auch von der Regierung[54]erhielt.

4.)        In dieser ganzen Bewegung nahm der Gdud Avoda, der 500 bis 700 Mitglieder, vereinigt in fünf bis acht Gruppen, zählte, einen markanten Platz ein. Sein spezifisches Gewicht in der Bewegung war bedeutend größer als sein quantitatives Gewicht (10 bis 20 Prozent der gesamten kollektivistischen Bewegung). Seine gesellschaftliche Bedeutung beruhte darauf, dass er sich als das größte der Kollektive stets den Fragen der kollektivistischen Bewegung in ihrer Gesamtheit, ihrer Ziele und Perspektiven stellte, während sich die kleineren Kollektive für diese Fragen gewöhnlich wenig interessierten, weshalb sie auf deren Lösung auch weniger vorbereitet waren. Außerdem war der Gdud Avoda in seiner Mehrheit parteilos, und als er sich noch auf der Plattform des konstruktiven Sozialismus befand, ging man an die Entscheidung aller Fragen, die sich den Arbeitern Palästinas stellten, ausschließlich von den Interessen dieser Bewegung, als Selbstzweck, aus. Das unterschied ihn in den Augen der Kollektive vorteilhaft von den reformistischen Parteien, die in vielen Fragen der kollektivistischen Bewegung nicht nur den Interessen dieser Bewegung als solcher entsprechen müssen, sondern generell aufgrund ihrer engen organischen Verbindung mit der zionistischen Organisation auch den verschiedenen, manchmal sich widersprechenden gesamtzionistischen Interessen.

5.)        Der Anstieg der jüdischen Immigration nach Palästina, der einen Massencharakter annahm (40 000 Menschen im Verlauf der Jahre 1924–[2]6), rief äußerst folgenschwere Veränderungen bezüglich der Voraussetzungen der jüdischen Kolonisation in Palästina hervor:

a)               Unter den Immigranten befand sich, neben Mittellosen, auch eine beträchtliche Zahl Vermögender, die sich in Palästina eine privatkapitalistische Existenz aufbauen wollten.

b)         Dem schnellen Anstieg der Zahl der Immigranten und insbesondere der Zahl mittelloser Immigranten entsprach die Zunahme der Kolonisationsfonds der zionistischen Organisation ganz und gar nicht. Diese Fonds erwiesen sich als außerstande, die Produktionsmittel zu gewährleisten und allen nicht vermögenden Immigranten eine Existenz zu ermöglichen. Die Mehrheit von ihnen wäre auf die absorbierende Kraft der neu geschaffenen privatkapitalistischen Wirtschaft angewiesen gewesen.

c)         Unter den Mitgliedern der zionistischen Weltorganisation entstand ein konkretes und unmittelbares Interesse an den Wirtschaftsformen der Kolonisationstätigkeit der zionistischen Administration in Palästina. Aufgrund der kleinbürgerlichen Zusammensetzung der Mitglieder der zionistischen Organisation führte dieses Interesse zur Negation kollektivistischer und genossenschaftlicher Wirtschaftsformen, die früher von den Kolonisationsfonds gemäß den Forderungen der ersten Siedler geschaffen worden waren, und zwar zur Unterstützung der Wirtschaft von Kleineigentümern. Alle diese Veränderungen haben während des Prozesses der jüdischen Kolonisierung Palästinas im Laufe einer kurzen Zeit zu einer solchen Veränderung des Verhältnisses zwischen den kollektivistischen und den privatkapitalistischen Wirtschaftsformen zugunsten der zweiten geführt, dass die Theorie des reformistischen konstruktiven Sozialismus scheitern und die kollektivistische Bewegung in Palästina eine zweifache Krise erleben musste: а) eine ideologische – infolge des Scheiterns der Theorie des konstruktiven Sozialismus; b) eine ökonomisch-organisatorische – infolge der Konkurrenz mit den privatkapitalistischen Wirtschaftsformen, vor allem infolge des Abgangs qualifizierter Genossen aus den Kommunen auf den privatkapitalistischen Arbeitsmarkt.

6.)        Diese Krise hat die Leiter des Gdud Avoda zu folgenden Schlussfolgerungen veranlasst:

a)                dass unter den Bedingungen der bürgerlichen Ordnung an den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft mittels des Konstruktivismus – der Errichtung von Kollektivwirtschaften – nicht zu denken ist;

b)                dass es bei dieser Gesellschaftsordnung auch keine Möglichkeit einer vollen und normalen Entwicklung der bestehenden Kollektive gibt;

c)                dass der Kampf um die Existenz und die Entwicklung der Kollektive vor allem ein Kampf für den Sturz der bestehenden Ordnung und die Errichtung einer proletarischen Diktatur ist, unter der eine erfolgreiche Entwicklung kollektivistischer Formen der Wirtschaft und des Gemeinwesens einzig und allein denkbar ist. 

Diese Schlussfolgerungen fanden im Gdud und in einigen anderen Kollektiven ein breites Echo. Damals hatten die reformistischen Leiter des jüdischen Gewerkschaftsbundes und der in ihm dominierenden Partei Achdut ha’avoda einen erbitterten Kampf gegen den linken Flügel des Gdud aufgenommen, deren Ergebnis die Spaltung des Gdud war, ausgelöst vom rechten Flügel auf Anraten der Gewerkschaftsführer.

7.)        Die Politisierung des Gdud (des linken) stellt ihn in aller Schärfe vor die Frage der Wechselbeziehungen mit allen politischen Kräften und Gruppierungen, die in jenem Umfeld existieren, in dem er sich betätigen muss. Da er die bevormundende Kraft des reformistischen gewerkschaftlichen Apparates und der herrschenden reformistischen Parteien gegen sich hat, benötigt der Gdud die moralisch-politische Unterstützung von Verbündeten und Gesinnungsgenossen. Die Plattform des Gdud bestimmt seine möglichen Verbündeten im Voraus. Sie befinden sich im Lager der Komintern, die im weltweiten Maßstab den Kampf um das Erreichen jenes Ziels führt, das sich auch der Gdud gestellt hat. Auf dem Weg dorthin gibt es jedoch einige gravierende Hindernisse zwischen uns und dem Vertreter der Komintern in Palästina – der PKP.

Prinzipielle Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und der PKP bestehen in der nationalen Frage. Wir sind der Auffassung, dass die PKP die jüdische Bevölkerung Palästinas einschließlich der jüdischen Arbeiter als eine reale politische Kraft, die man im Kampf gegen den englischen Imperialismus in Palästina berücksichtigen muss, unterschätzt und sich einseitig an der arabischen nationalen Bewegung orientiert. Mit diesen prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten sind auch die taktischen Motive verbunden, die uns von einer allzu engen Verbindung mit der PKP abhalten. Wir meinen, solange sich die Position der PKP bezüglich der jüdischen nationalen Frage in Palästina nicht ändern wird, kann sie nicht nur nicht damit rechnen, eine Massenpartei für den jüdischen Arbeiter in Palästina zu sein, sondern wird, im Gegenteil, von der überwältigenden Mehrheit der jüdischen Arbeiter sogar als eine feindselige Partei betrachtet werden. Eine enge Verbindung zwischen uns und der PKP würde uns in solch eine isolierte Lage zur Masse der jüdischen Arbeiter bringen, was für uns äußerst unerwünscht wäre.

Zugleich halten wir es für möglich, mit der PKP in all jenen Fragen zusammenzuarbeiten, bei denen wir keine prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten haben, und in diesen Fragen in einer Einheitsfront mit der Partei offen aufzutreten. Dazu gehört gegenwärtig fast das gesamte Gebiet der gewerkschaftlichen Arbeit, der Kampf um die Einheit[55], die Arbeit der Internationalen Hilfe für die Kämpfer für die Revolution (MOPR)[56] u. a.

8.)        Indem wir an einer gewissen Demarkationslinie zwischen uns und der PKP konsequent festhalten, erachten wir jedoch die Anerkennung unserer Organisation durch die Komintern als eine ihr freundlich gesonnene politische Arbeitergruppierung für erforderlich. Diese Anerkennung ist für uns, vor allem wegen ihrer moralischen Bedeutung, wichtig, aber wir rechnen damit, dass dies unvermeidlich zu einer Veränderung der Beziehungen zwischen uns und der PKP führen muss. Indem wir eine offene Kritik unserer Positionen in einer beliebigen Frage und im Rahmen eines beliebigen Forums, von den Versammlungen des Gdud bis zu den Gewerkschaftskongressen, als völlig legitim anerkennen, erachten wir jedoch in Zukunft jene desorganisierenden Verfahren des Kampfes, die die PKP gegenüber den reformistischen Parteien und bis jetzt auch uns gegenüber benutzt, in Bezug auf uns als unzulässig.

Unsere Verbindung mit der Komintern soll es uns ermöglichen, Fragen und Vorschläge, die sich auf das politische Leben Palästinas beziehen, mit ihr zu erörtern, und uns auch die Möglichkeit der Ausbildung unserer Genossen an Kommunistischen Hochschulen[57] einzuräumen. Andererseits sind wir verpflichtet, unsere technischen Kräfte und die ökonomischen Verbindungen, die der Durchführung jener Arbeiten dienen, die wir als prinzipiell positiv erachten, der Komintern zur Verfügung zu stellen.

 

Mit kameradschaftlichem Gruß

M. Ėl’kind

Mitglied des ZK des (linken) Gdud Avoda 

Moskau, 13. 9. 27

 

Dokument 3: Antwort des Ost-Sekretariats des EKKI an Menachem Elkind vom 29. September 1927[58]

29. September 1927

 

Lieber Freund,

nachdem wir uns mit der Lage im Gdud Avoda vertraut gemacht haben, konstatieren wir,[59] dass es in dieser Gruppe noch viele nationalistische und opportunistische Überbleibsel gibt. Sie hat sich noch nicht endgültig von Einflüssen der »Theorie« des konstruktiven Sozialismus[60] befreit, was sich in der Überbewertung der Bedeutung zeigt, die den Kollektiven von ihr entgegengebracht wird. Andererseits misst diese Gruppe dem politischen Kampf der Arbeiterklasse unter Leitung der kommunistischen Partei noch keine ausreichende Bedeutung bei[61]. Und das Allerwichtigste – bei dieser Gruppe sind nationalistische Vorurteile geblieben, was sich in der zwiespältigen Beziehung zur arabischen nationalen Befreiungsbewegung zeigt, die man einerseits als eine revolutionäre, antiimperialistische Bewegung richtig einschätzt, sie andererseits jedoch – indem man diese Bewegung mit einigen ihrer jetzigen reaktionären Führer gleichsetzt – als eine reaktionäre Bewegung bezeichnet.

Man braucht nicht viele Worte darüber zu verlieren, dass solche chauvinistischen Ansichten die Mitglieder des Gdud unweigerlich zu den rein kolonialistischen Ansichten der s[ozial]d[emokratischen] Partei Agdud Avoda[62] über die Konfrontation der Interessen jüdischer und arabischer Werktätiger und zu einer völlig falschen und unzulässigen Einschätzung der PKP als Götz Hillig einer Partei führen, die zur Umwandlung in eine »rein arabische« tendiert und »nicht in der Lage ist, die Interessen der jüdischen Werktätigen zu schützen«.

Unter Hinweis darauf[63], dass Ihre Arbeit im Kreis jüdischer Arbeiter ein Echo auch unter den Mitgliedern landwirtschaftlicher Kollektive gefunden hat, empfehlen wir Ihnen[64], die Tätigkeit unter diesen Gruppen von Arbeitern zu verstärken.

Diesen Arbeitern muss man geduldig und beharrlich die Fehlerhaftigkeit ihrer Ansichten verdeutlichen, indem unter ihnen die Propaganda vor allem in der Richtung geführt wird, dass ihnen die völlige Übereinstimmung der Interessen der jüdischen und arabischen Werktätigen sowie der utopische und reaktionäre Charakter der Ideen des konstruktiven Sozialismus erklärt wird, der Notwendigkeit des Kampfes gegen den englischen Imperialismus und den Zionismus (in all seinen Varianten), als seinen Agenten, und des Blocks der Arbeiterbewegung mit der arabischen nat[ional]-rev[olutionären] Bewegung.

Bei der Arbeit in den Reihen des Gdud (wie auch anderer Kollektive) muss man sich zugleich nicht nur mit seinen Leitern, sondern vor allem mit seinen einfachen Mitgliedern in Verbindung setzen.

Man muss Propaganda für die Verstärkung ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit machen und sie unter anderem zur Arbeit in den Reihen der Bewegung »Einheit« heranziehen. Insbesondere muss man auf der Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation der arabischen Arbeiter bestehen.

Man muss eine Annäherung der landwirtschaftlichen Kollektive an die arabischen Fellachen und in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter für den gemeinsamen Kampf gegen die englische Verwaltung und die Grundbesitzer erreichen.

29. IX.  27.

Übersetzung der Dokumente aus dem Russischen von Götz Hillig in Verbindung mit Edgar Günther-Schellheimer (Mittenwalde-Motzen) 

 


[1]  Siehe Near, Henry: The Kibbutz Movement. A History. Bd. 1, Oxford 1992, S. 65.

[2]  Die Zahl der Mitglieder des Gdud Avoda im Herbst 1920 wird mit 40 angegeben. Siehe Kibuc včera, segodnja, zavtra [Der Kibbutz gestern, heute, morgen], Jerusalem 1998, S. 17. Laut Kratkaja Evrejskaja Ėnciklopedija [Kleine Jüdische Enzyklopädie]. Bd. 2, Jerusalem 1982, Sp. 45 sind »in der Blütezeit« des Gdud (1920 bis 1926) »ca. 2 000 Tausend Personen durch seine Reihen gegangen«. In einer Publikation aus dem Jahr 1926 heißt es, dass »in all den fünf Jahren durch den Gdud 4 000 Mann gegangen sind«. Ch., L.: Prazdnovanie pjatiletnego jubileja Gduda [Die Feier des fünften Jahrestages der Gründung des Gdud], in: Evrejskaja proletarskaja mysl’ (Moskau), Nr. 37–39 vom Januar 1926, Sp. 65. Henry Near führt aus: »It is estimated that some 3,000 people passed through the Gedud during the first five years; but at no time did it have more than 700 members, and most of the time it numbered between 500 and 600.« Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 74.

[3]  Der Begriff bezeichnet die jüdische Immigration nach Palästina. Alija (Iwrith/Neuhebräisch) bedeutet Aufstieg nach Zion bzw. Erets Israel/Palästina und ist ein religiös verbrämter Terminus des zionistischen politischen Diskurses, der zum einen den Prozess der Übersiedlung von Juden in ihre »historische« Heimat und zum anderen einzelne Gruppen von Übersiedlern bezeichnet, die in einem bestimmten Zeitabschnitt oder aus einem bestimmten Land dorthin gelangten. 

[4]  Siehe Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 63.

[5]  Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 72.

[6]  Siehe Ebenda, S. 82; Kibuc včera (Anm. 2), S. 54.

[7]  Hierzu und zu folgendem siehe Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 137 f.

[8]  Siehe Merchav, Peretz: Die israelische Linke. Zionismus und Arbeiterbewegung in der Geschichte Israels, Frankfurt a. M. 1972, S. 58; Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 77 f.

[9]  Siehe dazu Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 114; Merchav: Die israelische Linke (Anm. 8), S. 58.

[10]  Siehe Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 143.

[11]  Siehe Merchav: Die israelische Linke (Anm. 8), S. 58; Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 143.

[12]  Siehe Near: The Kibbutz (Anm. 1), S. 141.

[13]  Siehe ebenda, S. 140. Über den dritten Unterzeichner des Memorandums, B. Mechonaj, ließen sich keine näheren Informationen ermitteln.

[14]  Siehe das Abiturzeugnis vom 24. Mai 1916. Privatarchiv von Ėjli Ėl’kind (Sohn von Menachem Elkind), Moskau.

[15]  Jischuw (Iwrith): Bezeichnung für die jüdische Bevölkerung Palästinas, aber auch für die Gesamtheit der von dieser bis zur Gründung des Staates Israel 1948 geschaffenen politischen, öffentlichen und ökonomischen Institutionen.

[16]  Siehe Vtoroj kongress Kominterna (ijul’–avgust 1920 g.) [Zweiter Kongress der Komintern (Juli bis August 1920), Moskau 1934, S. 495. Siehe auch Die Kommunistische Internationale (Auswahl von Dokumenten der Kommunistischen Internationale von der Gründung bis zum VI. Weltkongreß, 1919–1927). Berlin (DDR) 1955, S. 131. Zum Verlauf der Diskussion dieser Frage siehe Kosač, G. G.: Krasnyj flag nad Bližnym Vostokom? Kompartii Egipta, Palestiny, Siriii, Livana v 20–30-e gody [Die Rote Fahne über dem Nahen Osten? Die Kommunistischen Parteien Ägyptens, Palästinas, Syriens und Libanons von den 20er bis 30er Jahren], Moskau 2001, S. 155–167.

[17]  Laut Kosač: Krasnyj flag (Anm. 16), S. 192 betrug die Zahl der Mitglieder der PKP, bei denen es sich im Gründungsjahr 1924 ausschließlich um Juden gehandelt hatte, am 1. Februar 1925 lediglich 160 Personen.

[18]  Siehe dazu Offenberg, Mario: Kommunismus in Palästina. Nation und Klasse in der antikolonialen Revolution, Meisenheim am Glan 1975, S. 236–328. 

[19]  Siehe Shapira, A.: Visions in Conflict (Iwrith), Tel Aviv 1990, S. 200.

[20]  Heller, Otto: Der Untergang des Judentums. Die Judenfrage, ihre Kritik, ihre Lösung durch den Sozialismus. Wien u. Berlin 1931, S. 308.

[21]  Vojo Nova (Esperanto) bedeutet Neues Leben.

[22]  Siehe dazu Hillig, Götz: Auf der Suche nach dem Paradies. Zur Rückkehr einer Gruppe von Kommunarden aus Palästina in die Sowjetunion, in: Ders.: Aufschwung und Krise der Kibbutzbewegung. Ein lehrreiches kommunitäres Experiment. Zwei Vorträge. Oldenburg 2003, S. 57–110; Ders. [Chillig, Getc]: »Vojo-Nova« v Krymu – zabytaja sel’chozkommuna (kibuc)/»Vojo Nova« auf der Krim – eine vergessene landwirtschaftliche Kommune (Kibbutz), Marburg 2005. Die israelische Literatur, darunter die oben erwähnte Publikation von Shapira (siehe Anm. 19) sowie der Artikel »Ėl’kind Mendel’ (Menachem)« in der Kratkaja evrejskaja ėnciklopedija [Kleine jüdische Enzyklopädie], Jerusalem 2001, Bd. 10, Sp. 616 f. enthält eine Reihe unzutreffender Angaben zu dessen Biographie: geb. 1894 (statt 1897), Aufenthalt im Rahmen einer Delegation des Gdud in Moskau 1925 (statt 1926); Ausreise seiner Anhänger in die UdSSR und Gründung der Kommune »Vojo Nova« 1927 (statt 1928), später Übersiedlung mit der Familie zunächst nach Leningrad (statt direkt nach Moskau), Beschäftigung in der Hauptstadt als Redakteur der jiddischen Zeitung »Ėmes« (statt als Ökonom in einer Sowchose bei Moskau und später in der Planungsabteilung der Moskauer KaganovičKugellagerwerke), beide Söhne im sowjetisch-deutschen Krieg gefallen (was nur für den 1924 geb. ersten Sohn Urij zutrifft – Ėjli, geb. 1926, war nicht an der Front und lebt heute in Moskau).

[23]  Rossijskij gosudarstvennyj archiv social’no-političeskoj Istorii/Russisches Staatsarchiv für sozial-politische Geschichte (im Folgenden: RGASPI), f. 495, op. 81, d. 64, Bl. 15. Zu dieser Person ließen sich keine näheren Angaben ermitteln.

[24]  Persönliche Mitteilung von G. G. Kosač gegenüber dem Autor.

[25]  RGASPI, f. 495, op. 81, d. 64, Bl. 42–49 (Original, Handschrift Menachem Elkinds mit den Unterschriften der drei Delegationsmitglieder). Zitiert wird aus diesem Dokument bei Kosač: Krasnyj flag (Anm. 16), S. 205 f. 

 Zusätze auf dem Dokument: 1. Vermerk P. V. Kitajgorodskijs auf dem Rand von Seite 1 (links oben): »Die Org[anisation] ›Gdud‹ verhält sich gegenüber der UdSSR wohlwollend, besonders ihr linker Flügel. Mit ihr Verbindungen zu knüpfen lohnt sich, sie ließe sich für Informationsziele verwenden. 19 15/V 26 [Unterschrift:] Kitajgorodskij«. (2) Vermerk über die Ablage des Dokuments: »[…] zu Nr. 530508/so/20/V 26«. Hieraus lässt sich der Zeitpunkt seiner Abfassung (Mitte Mai 1926) erschließen.

[26]  Damit ist der von jüdischen Unternehmern und Arbeitern bestrittene Anteil an der Ökonomie Palästinas gemeint.

[27]  Der nachfolgende Teil dieses Satzes ist am linken Rand durch einen Doppelstrich hervorgehoben.

[28]  Zionistische Organisation, die World Zionist Organization (WZO), gegründet 1897 auf dem 1. Zionistenkongress in Basel.

[29]  Die im Original nachfolgende russische Abkürzung »USA« ist nicht eindeutig. Sehr wahrscheinlich ist damit die 1908 zum Landerwerb in Palästina geschaffene Gesellschaft der Zionistischen Organisation, Palestine Land Development Co. (PLDC), gemeint.

[30]  Dieser Satz ist am linken Rand durch einen Strich sowie ein Fragezeichen gekennzeichnet.

[31]  Neben den Worten »und sich dann selbst in einen Unternehmer zu verwandeln« steht am linken Rand ein Fragezeichen.

[32]  Der nachfolgende Teil dieses Satzes ist am linken Rand mit einem Fragezeichen versehen.

[33]  Minority Movement, von der KP Großbritanniens 1924 zur Schaffung einer einheitlichen Gewerkschaftsfront im Lande organisiertes Koordinationszentrum revolutionärer tradeunistischer Strömungen.

[34]  Dabei handelte es sich in erster Linie um die »reformistischen Organisationen« Achdut ha’Avoda (Union der Arbeit; gegründet 1919), die führende politische Partei des Jischuw (Vorsitzender David Ben Gurion), und Ha’poel ha’Zair (Der junge Arbeiter, gegründet 1905).

[35]  Der nachfolgende Teil dieses Satzes ist am linken Rand durch Wellenlinie und Fragezeichen gekennzeichnet.

[36]  Dies war durch den Anstieg der Emigration von Juden aus Polen infolge des sich dort verstärkenden Antisemitismus sowie durch die 1924 in den USA erfolgte Einführung von Immigrationsquoten bedingt.

[37]  Die Worte »Zunahme der Immigration in das Land sowie der Ver-« sind mit einer Wellenlinie unterstrichen.

[38]  Die Worte »der Komintern zur Beurteilung vorzulegen, wodurch sich die Frage ihres Eintritts in die Komintern verzögert« sind unterstrichen und mit einem Fragezeichen versehen.

[39]  Die Worte »erachtet sie eine bestimmte Koordination in den Handlungen, die auf die allgemeinen Ziele gerichtet sind, als aktuell und zweckdienlich« sind mit einer Wellenlinie unterstrichen. 

[40]  Der nachfolgende Teil dieses Absatzes ist mit einer Wellenlinie unterstrichen und einem Fragezeichen versehen.

[41]  Dieser Absatz ist am linken Rand mit einer Wellenlinie versehen.

[42]  Die von der KP Palästinas, einem Konkurrenten der PKP, im November 1922 organisierte Arbeiterfraktion innerhalb der jüdischen Gewerkschaftsorganisation Histadrut war 1924 aus dieser ausgeschlossen worden. 

[43]  In den Jahren 1921 bis 1926 bestand eine geheime militärische Organisation des Gdud namens Kibbutz (Ha’kibbutz). Gerechtfertigt wurde dies mit möglichen Konflikten mit der britischen Mandatsmacht, arabischen bewaffneten Einheiten sowie »bourgeoisen Zionisten«.  Shochat und Elkind gehörten ganz offensichtlich zu den Leitern dieser Organisation. Es ist davon auszugehen, dass die Delegation des Gdud, die sich im Mai 1926 in Moskau aufhielt, auch Gespräche über eine finanzielle Unterstützung der Komintern für den Kauf von Waffen sowie den Erwerb von Flugzeugen und die Ausbildung von Mitgliedern des Gdud in sowjetischen Militärfliegerschulen geführt hat. Siehe dazu Tsahor S.: Vaadat ha’birur lebdikat »ha’kibbuc ha’hashan« be Gdud ha’avoda [Komission zur Untersuchung des »geheimen Kibbutz« im Gdud ha’avoda], in: Cathedra (Jerusalem), H. 53 vom Dezember 1990, S. 128–154.

[44]  Kinderhaus (russ.: detskij dom) – Ort der gemeinsamen Unterbringung und Erziehung der Kinder innerhalb der landwirtschaftlichen Siedlungen.

[45]  Zentrales Institut für Arbeit (russ. Central’nyj institut truda, Abk.: CIT) in Moskau, gegründet 1920 zur Erforschung und Propagierung der Rationalisierung von Arbeitsprozessen (Taylorismus).

[46]  Die Worte »in der Unterstützung des Gdud bei der Erfüllung seiner pionierhaften konstruktiven Aufgaben und andererseits in der Popularisierung der UdSSR als dem Zentrum und Paten für Arbeiterorganisationen jedweder Art besteht« sind am linken Rand angestrichen.

[47]  Das Wort »konstruktiven« ist unterstrichen.

[48]  Das Wort »Paten« (russ. šef) ist mit einer Wellenlinie markiert.

[49]  RGASPI, f. 495, op. 81, d. 64, Bl. 3–6 (Bl. 6 mit Rückseite – Original (Handschrift Menachem Elkinds); Ebenda, Bl. 9–14 (maschinenschriftliche Kopie). Zusatz von fremder Hand auf der ersten Seite des Originals (rechts oben): »Geheim«. Stempel: »Archiv des EKKI«. Nummerierung der Unterpunkte in der Kopie anstelle lateinisch »a«, »b«, »c«: russisch »a«, »b«, »v«. Kosač: Krasnyj flag (Anm. 16) S. 206 zitiert auch aus diesem Dokument, wobei Ort und Datum des Briefes (»Moskau, 13. 9. 27«) jedoch irrtümlich als Datum des Empfangs »eines Schreibens aus Palästina« in der »Ostabteilung des EKKI« bezeichnet werden.

[50]  Artel’ ist eine russische genossenschaftliche Vereinigung, zu der sich Personen verschiedener handwerklicher Berufe für die Produktion und die Erledigung von Aufträgen zeitweise zusammenschließen.

[51]  Konstruktiver Sozialismus, Konzeption des russischen Sozialrevolutionärs Viktor M. Černov (1873 bis 1952) in dessen gleichnamigem Werk Konstruktivnyj socializm [Konstruktiver Sozialismus]. Bd. 1, Prag 1925. Dabei handelte es sich um eine Theorie der Abfolge von Stadien, der zufolge das zionistische Element, einschließlich der Forderung nach nationaler Solidarität und »Solidarität zwischen den Klassen«, zunächst dominieren müsse, unter Zurückstellung des Klassenkampfes für eine sozialistische Regierung der Arbeiter.

[52]  Gildensozialismus, eine dem Syndikalismus nahe stehende, in Großbritannien entwickelte Lehre von der praktischen Realisierung des Sozialismus. 

[53]  Dieser Absatz fehlt in der Schreibmaschinenabschrift des Dokuments.

[54]  Zur Erschließung von Palästinas Norden hatte die Mandatsregierung ein groß angelegtes Straßenbauprogramm initiiert.

[55]  Damit ist die Möglichkeit gemeinsamer Aktivitäten mit den Kommunisten in der Bewegung Ichud (Einheit) gemeint.

[56]  Meždunarodnaja organizacija pomošči borcam revoljucii (Internationale Hilfsorganisaton für die Kämpfer für die Revolution), auch: Internationale Rote Hilfe (gegründet 1922). Sie gewährte Opfern des »weißen Terrors« Unterstützung.

[57]  Kommunističeskie vuzy, die Lehranstalten der Komintern.

[58] RGASPI, f. 495, op. 81, d. 64, Bl. 15 f. (Entwurf der ersten Fassung, Autor: Šelike, datiert: »17. IX. 27«; Handschrift); Ebenda, Bl. 33 f. (erste Fassung: datiert: »28. IX. 27«, Maschinenschrift; handschriftliche Änderungen von V. I. Rajt, dessen Unterschrift); Ebenda, Bl. 1 f. (Vorlage für die endgültige Fassung, Maschinenschrift, ohne Unterschrift). Bemerkung von V. Rajt an die Adresse B. Vasil’evs und dessen Antwort auf der ersten Seite der endgültigen Fassung des Briefs (links oben): »An Gen. Vasil’ev: Der ›Bericht‹ des Gdud-Avoda hat einen einzigen Zweck. Sein Ziel ist, Land für ihre Übersiedler in die UdSSR zu bekommen. Hier haben wir Leute, wie wir sie brauchen. / Aber im Zusammenhang [Unterstreichung im Original] mit dem Bericht entstand bei uns eine Reihe von Fragen, die wir auch im Brief an Abuzijam [Abuzijam, Deckname von V. Averbuch (1898 bis 1941), Generalsekretär der PKP; Anm. des Autors.] ansprechen werden. I/X [Unterschrift] V. Rajt«. »Dieser Brief beantwortet überhaupt nicht jene Fragen, die in Ėl’kinds Brief gestellt werden und auf die man eine Antwort geben muss. [Unterschrift] B. Vasil’ev 2/X«. Kosač: Krasnyj flag (Anm. 16), S. 207, der auch aus diesem Brief zitiert, bezeichnet ihn dabei irrtümlich als Antwort des EKKI an die Führung der PKP und interpretiert seinen Inhalt als Weisung der Komintern zum weiteren Vorgehen der palästinensischen Kommunisten gegenüber dem Gdud.

[59]  Anstelle der Worte »Lieber Freund! Nachdem wir uns mit der Lage im Gdud Avoda vertraut gemacht haben, konstatieren wir« heißt es im Entwurf dieses Briefes: »Nachdem das OstSekretariat sich mit der Lage im Gdud Avoda vertraut gemacht hat, konstatiert es eine Ernüchterung von dem nat[ionalen] chauvinistischen Rausch, der im Milieu der jüdischen Arbeiter in Palästina und auch im Gdud entstanden ist, der seine ›Theorie‹ des konstruktiven Sozialismus überwunden hat und den Weg des konsequenten Klassenkampfes einschlägt. Man muss allerdings auch konstatieren«.

[60]  Anstelle »der ›Theorie‹ des konstruktiven Sozialismus« heißt es im Briefentwurf: »der konstruktivistischen Theorien«.

[61]  Anstelle »misst diese Gruppe […] bei« heißt es im Briefentwurf: »misst man […] bei«.

[62]  Anstelle »der s. d. Partei Agdud Avoda« heißt es im Briefentwurf irrtümlich: »des Gdud Avoda«. Gemeint ist Ben Gurions Achdut ha’Avoda.

[63]  Anstelle von »Unter Hinweis darauf« heißt es im Briefentwurf: »Konstatierend«.

[64]  Anstelle der Worte »auch unter den Mitgliedern landwirtschaftlicher Kollektive gefunden hat, empfehlen wir Ihnen« heißt es im Briefentwurf: »auch unter den früher besonders chauvinistisch orientierten Mitgliedern der Kollektive gefunden hat, empfiehlt das Ost-Sekretariat Ihnen«. 

Inhalt – JHK 2007

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