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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Stalinistische Rituale von Kritik und Selbstkritik in der Internationalen Lenin-Schule, Moskau, 1926–1937

JHK 2003 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 85-112 | Aufbau-Verlag GmbH

Autor/in: Barry McLoughlin

Einleitung

Die Ausbildung angehender Parteifunktionäre (Kader) aus den Sektionen der Kommunistischen Internationale an der Moskauer Internationalen Lenin-Schule (ILS) in den Jahren 1926 bis 1938 diente der »Bolschewisierung« (Stalinisierung) der Weltbewegung. Vor dem Zusammenbruch des Kommunismus lagen nur einzelne Studien zum ersten Schuljahr der ILS[1] oder zu nationalen Studentenkontingenten[2] und Schulsektoren vor.[3] Dazu kamen meist kursorische oder positive Schilderungen des Schulalltags,[4] deren geringe Zahl auf die während der Studienzeit eingegangene und in den folgenden Jahren internalisierte Schweigepflicht zurückzuführen ist. Denn die Lenin-Schule war eine geheime Institution mit – in der Endphase 1935–38 – mehrheitlich abgeschirmten Sektoren für die »illegalen« Sektionen der Komintern (KI). Bemerkenswerte Ausnahmen in der Erinnerungsliteratur lieferten jene Kommunisten, die später mit ihrer Partei brachen und ausführlich die ersten Jahren der ILS bzw. der KUNMZ (Kommunistische Universität für die Minderheiten der Völker des Westens) beschrieben.[5]

Seit der Öffnung der Kominternbestände im ehemaligen Zentralen Parteiarchiv der KPdSU (RGASPI) Anfang der 1990er Jahre sind mehrere Monographien zur Geschichte der Lenin-Schule erschienen: eine Überblicksdarstellung[6] und einzelne Studien über irische,[7] britische,[8] österreichische[9] und schwarze (aus Afrika und Nordamerika)[10] ILS-Hörer. Noch in Bearbeitung sind eine Gesamtdarstellung der ILS als »Kaderschmiede«[11] sowie eine Studie über den finnischen ILS-Sektor.[12] Außerdem liegen über die in den Kominternschulen angewandten Praktiken der »Menschenumformung« interdisziplinär (historisch-soziologisch) angelegte Arbeiten von hoher Qualität vor. Diese widmen dem Schüsselbegriff der Kadererziehung, der sogenannten Kritik und Selbstkritik, breiten Raum.[13]

Jede fundierte Untersuchung eines nationalen ILS-Kontingents im Moskauer Kominternarchiv verlangt ein aufwendiges Rechercheprogramm: neben den spezifischen ILS-Akten, die zu einem nicht unerheblichen Teil in russischer Sprache abgefaßt wurden, ist auch ein Studium der Dossiers der betreffenden KP und ihres zuständigen Ländersekretariats erforderlich. Ebenso relevant sind Unterlagen der Gremien des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI) und schließlich die nur bedingt zugänglichen Kaderakten. Diese enthalten Charakteristiken und andere Dokumente aus der Schulzeit des Kaders sowie Protokolle von Säuberungssitzungen oder Anhörungen vor der obersten Schiedsinstanz, der Internationalen Kontrollkommission (IKK). Erschwerend kommt hinzu, daß alle ILS-Schüler in den schulinternen Dokumenten nur unter ihren Pseudonymen (im folgenden kursiv geschrieben) aufscheinen, deren Entschlüsselung sich oft langwierig gestaltet. Aus Platzgründen beschränkt sich der Verfasser auf die Ereignisse in den deutsch- und englischsprachigen Schulsektoren, vorwiegend auf jene Kader, die von der KPÖ und der englischen KP (CPGB) zur Schule »abkommandiert« wurden. Um für die in diesen Ländergruppen entstandenen – oder »hineingetragenen« – Konflikte plausible Deutungsmuster anzubieten, soll zuerst eine geraffte Schilderung der dreizehn Jahre lang bestehenden Schule anhand interner ILS-Akten gegeben werden. In diesem Kontext werden dann die Anwendung und Instrumentalisierung von »Kritik und Selbstkritik« als zentrale Erziehungsmethode im Parteileben und im Schulalltag thematisiert.

Entwicklung und Bruchlinien der Organisationsgeschichte der ILS

Die auf dem 5. Weltkongress der KI (Juni bis Juli 1924) als Hauptauftrag proklamierte Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien veranlaßte die AgitpropAbteilung des EKKI, »Lenin-Kurse« für künftige Parteifunktionäre aus dem Ausland zu organisieren. Die Vorbereitungsphase dauerte vom Oktober 1924 bis Mai 1926 (Eröffnung der Schule). Bereits im Planungsstadium traten zwei Probleme auf, die auch in den folgenden Jahren als chronische Mißstände beklagt wurden: der Mangel an geschulten, einer Fremdsprache kundigen Lehrern sowie die durch die allgemeine Wohnungsnot in der sowjetischen Hauptstadt schwierige Suche nach geeigneten Gebäuden für den Unterricht und die Unterbringung der Studenten. Schließlich wurde ein klassisches Palais, erbaut 100 Jahre zuvor nach Plänen eines italienischen Architekten für Prinz Sergei Gagarin,[14] nahe dem Stadtzentrum gefunden und nach strengen Denkmalschutzauflagen renoviert. Das Haus, ulica Vorovskaja 25a (heute wieder Povarskaja 25a), blieb bis 1937 der Hauptsitz der ILS. Die Studenten wurden ab Ende 1927 in einem gleich anschließenden Neubau (200 Plätze) untergebracht.

Der erste Kurs war auf anderthalb bis zwei Jahren konzipiert und sollte 75 Hörer umfassen. Der ambitiöse Lehrplan enthielt zwölf Gegenstände in sechs Fächern: Politische Ökonomie, Geschichte der Internationalen Arbeiterbewegung, Geschichte der VKP(b), dialektischer und historischer Materialismus, Leninismus und die russische Sprache. Als erste Kandidaten aus Westeuropa kamen Bezirksoder Landessekretäre in Frage, die eine Parteimitgliedschaft (staž) von mindestens drei Jahren und Erfahrungen in Industriebetrieben aufzuweisen hatten. Die grundlegende Unterrichtsmethode basierte auf selbständigem Lernen (Labor oder Dalton Methode), wonach die Hörer sich zunächst in Zirkeln (10–15 Personen) und je nach Lerngegenstand in Fünfergruppen aufteilten und von Tutoren beraten wurden. Für alle Hauptfragen gab es ein Minimum und ein Maximum an Lesestoff: Ersteres mußten alle Zirkelmitglieder durcharbeiten, letzteres nur jene Gruppenmitglieder, die sich für das Studium des jeweiligen Schwerpunkts entschieden hatten. Alle Studenten mußten zusätzlich jedes Halbjahr eine schriftliche Arbeit zum Hauptgegenstand des Semesters (z.B. über die revolutionäre Bewegung in Deutschland seit 1918, im 2. Semester) abgeben. Die Studenten wurden angeregt, über ihre Themen im Marx-Engels-Institut oder in Bibliotheken zu recherchieren.[15]

Es mag verwundern, daß die ILS den »Dalton Plan« verwendete, den Helen Parkhurst 1918 an einer Highschool in Dalton, Massachusetts einführte. Diese progressive Unterrichtsmethodik hatte in der UdSSR starke Befürworter, allen voran Unterrichtsminister Lunačharskij, der 1918 und 1920 sogar mit Lenin gestritten hatte, der dem Frontalunterricht das Wort redete. Die projektorientierte Pädagogik, die wegen ihres organisatorischen Aufwands bei den Mittelschullehrern unbeliebt war, wurde bald ein Opfer der forcierten Industrialisierung ab 1928, als das Regime Techniker brauchte und den intensiven Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern durchsetzte. 1931–32 wurde Projektunterricht mehrmals vom Politbüro verurteilt.[16] Diese Kehrtwendung wurde auch in der ILS vollzogen, wo allmählich von einer Politik der »Arbeitergelehrsamkeit« der frühen Jahre Abstand genommen und die Ausbildung von »Massenpropagandisten« forciert wurde. Im Zuge dieser perestroika im Jahre 1932 ersetzten klassische Vorlesungen den »Brigaden-Labor« Unterricht.[17]

Nach ihrer Ankunft mußten die Studenten eine strenge medizinische und parteimäßige Überprüfungen durchlaufen. Anfangs entschied noch die Schulverwaltung, später eine eigens dazu geschaffene Mandatskommission, über die Eignung der Hörer. Eine Abweisung gleich nach dem Eintreffen in Moskau erfolgte bis etwa 1932 selten aus ideologischen Gründen. Von den sechsundzwanzig Fällen, worüber die Schulverwaltung beispielsweise am 6. März 1929 befand, wurden lediglich zwei abgelehnt.[18] Damals wurden Studenten meist aus Gesundheitsgründen oder mangels langjähriger Funktionärstätigkeit nicht aufgenommen.[19]Schulrektor bis 1930 war Nikolaj Bucharin, als Pro-Rektoren fungierten Klavdija Kirsanova (Rektorin 1929–32; 1933–37) und Laszlo Rudas, ein ungarischer Philosoph und Historiker. Palmiro Togliatti (Ercoli) war Vorsitzender.[20] Auch EKKIMitglieder und Vertreter ausländischer Parteien beim EKKI nahmen an den Leitungssitzungen teil. In jedem Zirkel der Erstsemestrigen, eingeteilt zuerst nach sprachlichen Kriterien und später nach Ländern oder Ländergruppen, wählte man einen partorg und einen proforg. Laut Harry Wicks, der 1927–30 jenen Posten für die Englischsprachigen innehatte, mußte der partorg dafür sorgen, daß seine Kolleginnen und Kollegen den Unterricht besuchten und an Parteiversammlungen teilnahmen.[21] Der proforg hingegen war wie ein Betriebsrat und befaßte sich mit Alltagschwierigkeiten und kulturellen Belangen.

Es zeigte sich bald nach Aufnahme der ersten Schüler (Mai 1926), daß die Vorstellungen der Schulleitung unrealistisch waren. Erstens nahmen die Parteien bis zum Unterrichtsbeginn nur einen Teil der ihnen zugesprochenen Studienplätze in Anspruch (1927–28, zwei Drittel; 1930–31, 74%; 1932–33, 73%)[22], entweder weil sie den Aufnahmebedingungen nicht entsprechen konnten oder auf wichtige Kader im Land nicht verzichten wollten. Zweitens waren die Anforderungen in bezug auf die Vorkenntnisse der Schüler nicht zu erfüllen, da viele »Klassiker« des Marxismus-Leninismus noch nicht in eine der drei Schulfremdsprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) übersetzt waren. So stellte sich Ende 1927 heraus, daß lediglich 2-3% der Neuaufnahmen, die zum Großteil »in letzter Minute« für die Schule bestimmt worden waren, den empfohlenen Lesestoff in der Heimat »durchgearbeitet« hatten,[23] nämlich je zehn Bände für die Deutschund Englischsprachigen (Bucharin, Kautsky, Mehring, Beer, Marx, Engels, Lenin und Stalin).[24] Die Studenten monierten die Länge des Schultags (11,5 Stunden sechs Tage in der Woche) und stellten die Zweckmäßigkeit des Praktikums (Betriebsarbeit) in Frage. In beiden Fragen blieb Kirsanova unerbittlich, auch nachdem J.T. Murphy, Mitglied der CPGB im Präsidium des EKKI, vor einem zu rigiden Tagesablauf und »against trying to do too much« gewarnt hatte.[25]

Bereits im Aufbaustadium wurden auch andere Unzulänglichkeiten konstatiert, die aber Jahre hindurch keine zufriedenstellende Lösung fanden. Im ersten Schuljahr hielt Kirsanova die ungenügende Zahl von qualifizierten Übersetzer(inne)n für »unseren größten Mangel«.[26] Um das Lehrpersonal war es nicht besser bestellt. In seinem Bericht über die Tätigkeit der Lehrabteilung im Schuljahr 1928– 29 stellte Rudas fest, die Entsendung von Lehr-, Sprach- und anderen wissenschaftlichen Kräften an die ILS  sei »nicht den Bedürfnissen der Schule entsprechend bewerkstelligt« worden, die Lehrer seien wegen Verpflichtungen in anderen Institutionen »überbelastet« und nicht »ausländisch orientiert«.[27] Besorgniserregend waren zudem häufige Disziplinbrüche,[28] beispielsweise der erste Vorfall der »Nachtruhestörung« (im Studentenheim) im Januar 1927[29] oder die Weigerung der eintreffenden Franzosen elf Monate später, »unter den vorhandenen materiellen Bedingungen an der Schule teilzunehmen«.[30] Rudas zufolge erregten einige Probleme des inneren Schullebens die Gemüter der Studenten derart, daß »ein sehr großer Teil des ersten Semesters, fast zwei Monate, für das akademische Studium verloren ging«.[31]

Trotzdem setzte die Schulführung voll auf Expansion. 1929 fand der erste einjährige KIM (Kommunistische Jugend-Internationale)-Kurs mit 40 Schülern statt,[32] im gleichen Jahr begann ein Intensivkurs (elf Monate, davon zwei Monate Praktikum), hauptsächlich für die größeren KI-Sektionen. Kirsanova rechtfertigte diese weitere Belastung ihres überforderten Lehrkörpers (76% mehr Studenten ab September 1929)[33] damit, daß die Parteien »ihre besten Arbeiter« eher zu einem kurzen als zum dreijährigen Lehrgang schicken würden.[34] Für den kurzen Kurs, der 144 Plätze umfaßte, kamen Kader mit Erfahrung in der Leitung einer Bezirksorganisation der Partei oder einer Gewerkschaft in Frage; der Unterricht sollte auf diesem Erfahrungsfundus aufbauen, vor allem durch direkte Kontakte mit Massenorganisationen in der UdSSR.[35] Der kurze Lehrgang von 1929–30 diente der Durchsetzung der Politik der »Dritten Periode«, besonders der Säuberung der KI-Sektionen von »Rechten« und »Versöhnlern«. Wie die Schulleitung nachträglich feststellte, hatten Absolventen der ILS tatkräftig bei der Abwahl der »Rechten« in den ZKs der nordamerikanischen, tschechoslowakischen, schwedischen und britischen KP mitgewirkt.[36] Im letzteren Fall hatte die Schule sogar zwei Studenten (Sean Murray und Bob McIlhone) im Dezember 1929 als Delegierte zum 11. Kongreß der CPGB entsandt, wo zwei Drittel der ZK-Mitglieder ersetzt wurden.[37]

Bis 1932 bestand das Lehrangebot aus dem Einjahreskurs und einem mit 100 Plätzen limitierten, drei Jahre dauernden Zyklus. Das Politsekretariat des EKKI empfahl den Parteien den Aufteilungsschlüssel 6:1 oder 5:1 bezüglich der Auswahl ihrer Kader für die zwei Kurstypen.[38] Nach der Einführung der neunmonatigen Kurse 1929 wuchs die Zahl der zugeteilten Studienplätze beträchtlich: 93 (1928–29), 144 (1929–30), 647 (1930–31) und 674 (1931–32).[39] Auch die Zahl der »abkommandierenden« Parteien stieg von 22 (1926–27) auf 50 (1930–31),[40] jene der Schulgruppen von vier (1926) auf einundzwanzig (1930).[41] Aufgrund des ultralinken Kurses der KI nach 1928 wurden sowohl die Aufnahmebedingungen als auch die Sicherheitsmaßnahmen (konspiracija) in der ILS erheblich verschärft. Von vornherein abzuweisen waren 1930 Parteimitglieder, die sich in der Vergangenheit fraktionell betätigten und nicht bezeugen konnten, daß sie mindestens seit drei Jahren »auf der Linie der Partei« standen, ferner jene, die bislang ihrer oppositionellen Tätigkeit nicht abgeschworen hatten oder, seit fünf Jahren nicht durch ihre Praxis bewiesen hatten, daß sie »richtige« Kommunisten seien. Die Strafe für falsche Informationen von neuen Studenten hieß sofortiger Ausschluß aus der ILS und Weiterleitung des »Falles« an die IKK.[42] In einem Rundbrief an die KI-Sektionen im folgenden Jahr wurde dieser Teil über die Aufnahmebedingungen wiederholt und mit der Warnung versehen, daß die Korrespondenz der Studenten (ohnehin auf nahe Verwandten beschränkt) nur unter dem Schulpseudonym und mittels eines geheimen Postfaches in Moskau erfolgen dürfe.[43]

Ein ausführlicher Katalog von Konspirationsregeln vom September 1930 legte die Modalitäten der Ankunft (Abholen vom Bahnhof durch Schulpersonal, Unterbringung an einer Geheimadresse bis zur positiven Entscheidung der Mandatskommission) und Abfahrt (Unterbringung in einem »konspirativen« Gebäude, Abbruch aller Verbindungen zur Schule, Rückfahrt unter einem neuen Namen) fest. Bei der Ankunft mußten die Studenten alle Dokumente und Fotografien abgeben. Schulunterlagen durften nicht aus der Schule genommen werden (auch nicht ins Wohnheim) und waren vor der Abfahrt zu retournieren. ILSHörern war es untersagt, ihre wahre Identität oder Nationalität preiszugeben, nur der Schulname kam zur Verwendung, auch in der Korrespondenz nach Hause. Leninschüler durften sich in der UdSSR nicht fotografieren lassen und mußten sich als Politemigranten deklarieren in »Fällen von unweigerlichen Kontakten mit der Bevölkerung und gesellschaftlichen Organisationen«. Die wichtigsten Konspirationsregeln waren den neuen Studenten unmittelbar vor der Zimmereinteilung im Wohnheim beizubringen.[44]

Nach 1928 orientierte sich der Inhalt des Lehrstoffs zunehmend an anstehenden Fragen (sozialistischer Aufbau), an der Geschichte der VKP(B), der KI und der Heimatpartei sowie an »praktischer« Arbeit (Besuche in Betrieben und in der Landwirtschaft). Marx, Engels und andere Klassiker des Marxismus mußten nun Platz machen für »die Lehren«, die aus den zahlreichen programmatischen Reden Stalins zu ziehen waren. Die »Theorie« hatte der Politik zu folgen, und nicht umgekehrt. Die Qualität des Unterrichts gab weiterhin Grund für Beschwerden. 1930 konstatierte die Schulleitung, daß die wegen zahlreicher Verpflichtungen gestreßten Lehrer den Unterricht oberflächlich und ohne Konsultationen mit den Studenten durchgeführt und wesentliche Fragen nicht behandelt hätten. Da sich die Lehrer nur stundenweise in der ILS aufhielten, so der Bericht weiter, kannten sie die Studenten, deren Länder oder die Geschichte der Bruderparteien kaum.[45]Nach dem Übergang zum Massenbetrieb nach 1929 und der Einführung neuer Lehrmethoden (Vorlesungen statt Forschungsseminare)[46] blieben die fehlenden menschlichen Ressourcen im Lehr- und Übersetzungsapparat der ILS das Grundproblem. Kurzfristig verschärfte sich dieser Mangel noch, als der Lehrkörper im Zuge der Auseinandersetzungen, die Stalins Brief an der Redaktion der Proletarskaja revoljucija im November 1931[47] auslöste, gesäubert wurde (s.w.u.). Da das Lernprogramm nach »trotzkistischem Schmuggelgut (kontraband)« durchsucht wurde,[48] und dies mitten im Schuljahr, »gab es Zusammenbrüche im akademischen Plan und die Gefahr, daß er nicht erfüllt werden konnte«. Durch die »außerordentliche Überbelastung der Studenten wegen verschiedener Versammlungen und Sitzungen«, so der Bericht der Parteizelle weiter, blieb den Kursanten »sehr wenig Zeit für selbständiges Lernen«.[49]

1932 erfolgte wieder eine Reorganisation der Schule, die nunmehr ein einjähriges (für Organisatoren-Propagandisten) und ein zweijähriges Studium (Parteiarbeiter im Gebietsmaßstab) anbot und die Ausbildung von Aspiranten (Lektoren, meistens ILS-Absolventen) intensivierte.[50] Man kürzte die Zahl der Fächer und der Unterrichtsstunden, und die Gehälter der Lehrer wurden angehoben.[51] Wilhelm Pieck, interimistischer Rektor der ILS, wandte sich 1932 an das sowjetische ZK mit der Bitte, 34 Lehrer von anderweitigen Verpflichtungen zu entbinden, um sie in der ILS fix anstellen zu dürfen. Nur 17 von 120 Lehrern waren Angestellte der Schule und 98% des Lehrkollegiums mußten auch woanders unterrichten. Pieck fehlten Lehrstuhlinhaber für die Geschichte der VKP(b) und Leninismus sowie fünf Sektorleiter.[52] Ein ähnlicher Antrag wurde zwei Jahre später in bezug auf die »Befreiung« von 27 Lehrkräften gestellt.[53] Eine Lösung war nicht in Sicht, weil die Institute der Roten Professur (IKP), welche die Parteiintelligenz ausbildeten, immer weniger Studenten (1931: 2400, 1935: 800) aufnahmen.[54] Im übrigen fiel auch die Anzahl der IKP-Absolventen mit Lernund Spracherfahrungen außerhalb der UdSSR (bis 1928 23,2%) stark ab. Man hatte die Gewährung von Auslandsstipendien wegen »Valutamangels« 1933 eingestellt.[55] 1935 entsprach die fachliche Eignung des ILS-Lehrkörpers immer noch nicht den spezifischen Anforderungen der Schule. Lediglich 24,3% waren IKP-Absolventen und 42,1% verfügten über keine Hochschulausbildung; über 80% kannten die Sprache des Sektors, aber 40% hatten das betreffende Land nie besucht. Schließlich war der Prozentsatz der Teilzeitkräfte mit 70% noch sehr hoch.[56]

War die 1929 einsetzende und mit Kirsanovas erster Absetzung 1931 beendete zweite Phase der Schulentwicklung durch hohe Aufnahmezahlen (1931: 660 Studenten)[57] gekennzeichnet, gingen diese in der dritten Phase (1932–35) merklich zurück (Juni 1933: 447),[58] vermutlich weil 1932 das Auswahlverfahren im jeweiligen Land (durch eine Sonderkommission des ZK) verschärft wurde.[59] 1935 mußten für jede Neuaufnahme zwei Empfehlungen des jeweiligen ausländischen ZK vorgelegt werden und die Kaderverantwortlichen der Schule und des EKKI hatten diese und andere Daten zu überprüfen, bevor die Mandatskommission zur Entscheidung schritt.[60] Überhaupt ausgeschlossen von der »Delegierung« an die ILS waren nunmehr Kommunisten, die früher in einer Kolonial- oder Interventionsarmee freiwillig gedient, sich in der Vergangenheit kriminell betätigt oder ihre Genossen der Polizei bzw. vor Gericht verraten hatten, ferner »Weißrussen« aus der Emigration und Parteimitglieder mit einer wie immer gearteten Verbindung zur Polizei. Schließlich waren Personen abzuweisen, die der Spionage oder Provokation verdächtigt wurden.[61] Ende 1934 unterschrieb Kirsanova eine Neuauflage der Konspirationsregeln, um »jeden Studenten, individuell und im Kollektiv, vor feindlichen ›Ohren und Augen‹, vor Provokateuren und vor den Spionen und Aufklärern der Bourgeoisie zu schützen«. Jetzt wurde vor Frauen gewarnt (Bekanntschaften – mit Adresse –  waren der Kaderabteilung zu melden) und eine Schwarze Liste bekannter, von Ausländern frequentierter Lokale beigefügt (fast alle Hotels sowie das Restaurant Praga und etliche Cafés).[62]

Die vierte und letzte Entwicklungsphase der ILS (1936–38), fiel in die Zeit der Massenrepression und der Spionagehysterie. Die »legalen« Parteien – mit Ausnahme der KPTsch – wurden 1936 angewiesen, keine Studenten mehr nach Moskau zu schicken, sondern zentrale Parteischulen im Lande selbst einzurichten.[63] 1937 erhielten die verbliebenen zehn Sektoren (Deutschland, Österreich, die Tschechoslowakei, Italien, Südamerika, Bulgarien, Rumänien, Finnland, China, Jugoslawien) anläßlich des letzten Jahrgangs 421 Studienplätze.[64]

»Kritik und Selbstkritik«-Szenarien in der Lenin-Schule

In den gängigen Szenarien von Kritik und Selbstkritik (kritika i samokritika) stehen Delinquent und Ankläger im Mittelpunkt. Meistens ist der Handlungsort eine Parteiversammlung, der Anlaß eine der Säuberungskampagnen der Kommunistischen Partei. Solche Bilder suggerieren, daß hier ein parteimäßiges Autodafé in Einzelfällen durchgeführt wurde. Selten wird zur Kenntnis genommen, daß solche Rituale, die oft von einer Kursänderung in der stalinistischen Politik ausgelöst wurden, nicht nur die Buße von Individuen, sondern auch Selbstkritik von Betrieben und Institutionen wegen mangelhafter Planerfüllung einforderten. Im voluntaristischen Weltbild der Bolschewiken, demzufolge im Grunde genommen alles – und zwar ohne Rücksicht auf vorhandene menschliche und materielle Ressourcen oder voraussehbare Folgen – erreichbar war, durfte die als Korrektur fungierende »Fehlerdiskussion« nur rituell ablaufen: Die Parteiführung, die ohnehin die Abrechnungsszenarien entwarf und deren Politik die Mißstände unmittelbar oder mittelbar verursacht hatte, stand außer Kritik. »Schuldig« waren jene Auftragnehmer auf der nächsten untergeordneten Hierarchiestufe. Letztere reichten die Bringschuld weiter, bis schließlich alle Ebenen der Partei – im vorliegenden Fall sämtliche Sektoren der Lenin-Schule – die erforderliche Sühnenabgabe zunächst verbal (Zellenversammlung) und dann schriftlich (Resolutionen) entrichteten. Bei einer solchen massiven Anwendung von Kritik und Selbstkritik – damit im Kommandosystem »etwas geschieht, bevor etwas passiert« – ist Ritual nicht nur eine Widerspiegelung oder eine Reproduzierung von Kultur, sondern wird Kultur, eine Arbeitskultur.[65]

Berthold Unfried unterstreicht daher, daß Organisationen »zu Selbstkritik angehalten« wurden.[66] Dieser Aspekt des Selbstkritisierens nimmt in parteioffiziellen Definitionen von Kritik und Selbstkritik einen großen Platz ein. In einer Rede vor dem Moskauer Parteiaktiv im April 1928 betonte Stalin die Funktion von samokritika als notwendiges Korrekturmittel in einem historischen Bezugsfeld:

»Ich denke, Genossen, die Selbstkritik brauchen wir wie die Luft, wie das Wasser ... Die Losung der Selbstkritik darf nicht als neue Losung betrachtet werden. Sie liegt im Wesen der bolschewistischen Partei selbst begründet. Sie liegt im Wesen des Regimes der Diktatur des Proletariats begründet. Wenn unser Land das Land der Diktatur des Proletariats ist und die Diktatur von einer Partei ..., die die Macht nicht teilt noch teilen kann, ist es dann nicht klar, daß wir selber unsere Fehler aufdecken und korrigieren müssen, wenn wir vorwärts schreiten wollen, ist es dann nicht klar, daß es sonst niemand gibt, der sie aufdecken und korrigieren könnte?«[67]

Auch im letzten Teil der Rede erwähnte Stalin nicht jene Charakteristik von samokritika, die wir gemeinhin mit dem Begriff verbinden – Bekämpfung von ideologischen Abweichungen –, sondern umschrieb Selbstkritik als eine Korrektur »von unten«, gegen überhebliche und abgehobene Führer, die »auf den Lorbeeren« ausruhen.[68] Auch die Vorankündigung der »Reinigung und Überprüfung« der VKP(b)-Reihen während der 16. Parteikonferenz (April 1929) ließ die kommende čistka (Säuberung) als die notwendige Entfernung inkompetenter und selbstgefälliger Parteigänger (»die Reinigung von untauglichen, zersetzten Bürokraten, von fremden Elementen, Nichtkommunisten, die mit dem fremden Milieu verwachsen sind«) erscheinen.[69] Da jedoch die auf der Konferenz verabschiedete Resolution zur Reinigung von der »Überwindung der Schwierigkeiten der sozialistischen Rekonstruktion der Volkswirtschaft« sprach, wurde klar, daß die sich anbahnende Durchforstung der Parteimitgliedschaft auch gegen vermeintliche Gegner des großen Umbruchs in der Industrialisierungs- und Agrarpolitik (Kollektivierung der Landwirtschaft) richten würde.[70] So war es auch, wie Stalins Gewährsmann Kaganovič nachträglich feststellte: der Kampf gegen »alle Schwankungen«, gegen »alle rechten und linken opportunistischen Elemente«.[71]

Die Säuberung von 1929–30, die im Oktober 1929 in der Schule begann und den Unterricht wochenlang zum Stillstand brachte,[72] richtete sich in erster Linie gegen vermeintliche Anhänger von Bucharin in den KI-Sektionen. Vor Beginn der Kampagne schwor Stalinintimus Manuilskij das ILS-Parteikollektiv auf den Kampf gegen »die rechte Abweichung«, vor allem in der polnischen Partei (KPP), ein. Er bezog sich auf die Resolutionen des kurz vorher abgehaltenen 10. EKKIPlenums (Bestätigung der »Sozialfaschismus«-These) und geißelte einige Parteien für »Opportunismus in der Praxis« aufgrund ihrer »sozialdemokratischen Überreste« (perežitki) bezüglich Parlamentarismus und Rechtsstaatlichkeit (»Legalismus«).[73] Die Schüler, denen zwischen 1926 und Ende 1932 je nach Parteireife der Status eines Kandidaten bzw. Vollmitglieds der VKP(b) verliehen wurde, mußten ihre Biographie in einem versiegelten Kuvert der Säuberungskommission übergeben. Die in der ILS monatelang tätige Überprüfungskommission setzte sich aus Mitgliedern des IKK und der sowjetischen Zentralen Kontrollkommission (ZKK) zusammen. Prüfungsgegenstand war die Biographie des Schülers.[74] Lediglich die Hälfte der in geschlossenen Sitzungen Geprüften (227) kam ohne Schwierigkeiten durch, ein Fünftel erhielt »freundschaftliche Ratschläge«, ebenso viele eine Warnung bzw. eine Rüge. Dazu wurden drei Studenten aus der tschechischen Ländergruppe verurteilt, die sich bei Resolutionen gegen Bucharin und die »rechte Gefahr« der Stimme enthalten hatten. Zwölf Ausschlüsse wurden verhängt, von denen acht an die IKK weitergeleitet wurden.[75]

Ein Teil der Ausschlüsse war aber nicht von den Erfordernissen der »Dritten Periode« diktiert, sondern hing mit dem individuellen Verhalten in der Schule oder Vorkommnissen im Heimatland zusammen: Unterschlagung von Parteigeldern (Großbritannien),[76] Ablehnung des dialektischen Materialismus (Irland)[77] und die Weigerung, die 3. Industrialisierungsanleihe zu zeichnen (Frankreich).[78] In der deutschen Gruppe ortete die Schulleitung einen Mißbrauch von Kritik und Selbstkritik, da eine Gruppe der »Schulleitung und das Zellenbüro einer duldnerischen [sic] Einstellung den Rechten gegenüber« beschuldigte. Angeblich hatten die Gemaßregelten, drei deutsche Hörer des langen Kurses (1927–30), Verbindungen zu anderen nationalen Gruppen aufgenommen, die gleichfalls das Praktikum oder die obligate Zeichnung der Anleihe in Frage stellten.[79] Da hatten die Studenten von der KPD die sprachlich und inhaltlich vorformulierten Kritikrituale nicht eingehalten, weswegen man sie konsequenterweise der Abweichung (»linke Überspitzungen«) beschuldigte.[80]

Studenten und selbstverständlich auch Zellenleitung (die Parteiorganisation der Schule war der Bezirksorganisation Frunzenskaja der VKP(b) angegliedert) durften sich an den Lehrkräften schadlos halten. Eine »Lehre« (urok) der Säuberung 1929–30 war die unzureichende Dienstleistung der Lehrkräfte: Sie kannten die Schüler nicht in ihrer »Verschiedenheit und Individualität« und hatten daher weder den akademisch »Zurückgefallenen« geholfen noch zur Eliminierung (ustranenie) »fremder ideologischer Einflüsse« beigetragen, weshalb viele Hörer »passiv« blieben und »sich nicht zeigen« (ne vyjavljaet sebja).[81]

Zwei Jahre später standen systematisierte Bußrituale wieder auf der Tagesordnung, allerdings war diesmal die Studentenschaft mehr oder weniger aus dem Spiel. Die Akteure waren Funktionäre und Lehrer der Schule, mit Kirsanova als Mitangeklagten, die sich allesamt nicht genug oder nicht früh genug die »Lehren« von Stalins Brief an die Proletarskaja revoljucija angeeignet und sie daher nicht »mit Leben erfüllten« (realizacija v žizni). Zum Abschuß freigegeben waren all jene, die ein differenziertes Bild der Vorgeschichte der Oktoberrevolution (v.a. Lenins Beziehungen zur 2. Internationale) zu vermitteln suchten. Kirsanova war doppelt belastet – als Rektorin, die häretische »Konterbande« (Tolerierung des Trotzkis<s>                                                                                </s>mus und Luxemburgismus) in der ILS verbreiten ließ, und als Ehefrau von E. Jaroslavskij, dessen mehrbändige Parteigeschichte – Stalin zufolge – »eine Reihe von Fehlern prinzipiellen und historischen Charakters« enthielt.[82]

Im Zuge der Diskussionen in der Parteizelle der ILS während November und Dezember 1931 kam es zu Kompetenzstreitigkeiten. Die höher in der Parteistruktur angesiedelte Bezirksorganisation der VKP(b) warf Kirsanova und ihren Mitstreitern »eine liberale Haltung« zu Selbstkritik vor, da die Historische Fakultät der ILS, vor allem Isaak Minc, »Fehler« nur »graduell« (po etapam) einbekannt hätte.[83] Der Bezirksparteisekretär hielt den Verantwortlichen in der Schulverwaltung außerdem vor, »alle Frage innerhalb der Parteizelle und der Mauern der Schule« entscheiden zu wollen.[84] Die Angegriffenen setzten sich mit dem Argument zur Wehr, die vorangegangenen Attacken (»demagogisch und politisch falsch«) hätten die Autorität von Kirsanova unterminiert und seien »ein unzulässiger Mißbrauch von Selbstkritik ... und dem Wesen nach ein gegen die Partei begangener Akt«. Für die in der Defensive agierende Koterie um Kirsanova hatten die Vorwürfe schon einen Zustand der »Übergeißelung« (perechlestyvanie) bewirkt, ein Standpunkt, dem sich auch das um Hilfe gebetene EKKI-Mitglied Knorin anschloß. Die Verteidigungslinie enthielt eine rückversichernde Definition von Selbstkritik:

»Bolschewistische Selbstkritik ist nicht Kritik um der Kritik willen, sondern ein Wegweiser zur Verstärkung von Parteipositionen, zur Kohäsion der bolschewistischen Reihen und zur verbesserten Entwicklung der Arbeit am gegebenen Sektor der Front des Klassenkampfes. Aus diesem Grund ist die Liquidierung von begangenen Übergeißelungen zweifelsohne eine Vorbedingung für die erfolgreiche Erfüllung jener Aufgaben mittels bolschewistischer Selbstkritik, die im Zusammenhang mit dem Brief von Gen. Stalin kreativ zu lösen sind.«[85]

Obwohl Entlassungen und Versetzungen von prominenten Lehrern und Funktionären der ILS folgten,[86] dürfte im EKKI die Meinung vorgeherrscht haben, es seien allzu viele Überspitzungen beim »Durcharbeiten« des Stalinbriefs passiert. Für diese These spricht die Bestellung Kirsanovas als Leiterin der Frauenabteilung im EKKI und ihre Wiederkehr in die Schule im Februar 1933. Ihre  zweite Ernennung zur Rektorin begründete man damit, sie hätte »die von ihr in der ILS zugelassenen Fehler ... anerkannt und überwunden« und nach ihrem Abgang durch »aktive Parteiarbeit« gezeigt, daß sie die Linie der VKP(b) und die KI durchführe.[87]

Die kurz darauf einsetzende neue čistka (Juni bis November 1933) unterschied sich von der früheren Säuberung in wichtigen Aspekten. 1933 war sowohl die »rechte« als auch die »linke« Gefahr gebannt, diesmal ging es den Organisatoren vorrangig darum, sich von den »Unzuverlässigen« und »fremden Elementen« aus dem Zustrom neuer Mitglieder in den Jahren 1931–32 zu trennen.[88] Der Satz von Kaganovič, die Reinigung selbst sei Ausdruck der Selbstkritik,[89] fand in der ILS reichliche Anwendung. Die Fähigkeit der Hörer dazu ließ viel zu wünschen übrig, und der französische Kommunist André Marty wurde beauftragt, das Bewußtsein für die Selbstkritik in den Schulsektoren zu heben.[90] Nun galt es, persönliche Identität zurückzudrängen, »die sich noch nicht von den partikularistischen und affektiven Bindungen zur vorherigen Bezugsgruppe zu lösen vermocht hat«.[91]Ins Visier von Marty gerieten die Gruppensolidarität der »Westler«, die als »Familiensinn« (semejstvennost’) apostrophiert wurde, »nationale Reserviertheit« (zamknutost’) und »fehlende bolschewistische Wachsamkeit« – diese Eigenschaften verdeckten das wahre Gesicht (lico) des Studenten. Die Parteibiographie war zwar wieder Basis der öffentlichen Prüfung, es wurden jedoch weit weniger Hörer geprüft (145) oder ausgeschlossen (8) als drei Jahre zuvor, auch weil die Studenten der Einjahreskurse davon ausgenommen wurden.[92] Der vorrangig erzieherische Zweck der čistka im Sommer und Herbst 1933 geht auch daraus hervor, wie diese »verarbeitet« wurde. Alle Schüler mußten nicht nur selbst Rede und Antwort stehen, sondern sich auch zu den im Laufe der Säuberung festgestellten Unzulänglichkeiten und »Entlarvungen« äußern. Darauf folgten die Verabschiedung einer allgemeinen Resolution, die Verbesserung versprach, sowie separate Resolutionen, die nach der Behandlung von Einzelfällen formuliert wurden. Im Sektor A der Deutschen und Österreicher – in den Sektoren waren die Unterzellen (cechjačejki) der Parteiorganisation für kritische Angelegenheiten zuständig – besprach man die »Entlarvung« dreier ehemaliger Angehöriger der Reichswehr bzw. des Freikorps, die diese Tätigkeit bei Schulbeginn nicht angegeben hatten. Sie kamen verhältnismäßig glimpflich davon und wurden in einen Betrieb entsandt, um ihre »Festigkeit und Parteiloyalität« zu beweisen.[93] Unter weiteren Vorwürfen findet man »Oberflächlichkeit in der Arbeit«, die auch an der »Kleidung zu sehen ist«, »Arroganz und Überheblichkeit«, »Tratschsucht« und die Weigerung des Gen. Hofmann, die Beziehungen zu seinem trotzkistischen Bruder abzubrechen.[94] Der Bericht der Säuberungskommission für die gesamte Schule wiederholte die in den Sektoren aufgedeckten »Fälle« und kritisierte darüber hinaus fehlende »Internationalisierung und Aktualisierung« im Unterricht. Grund zur Sorge bot zudem die politische Zusammensetzung des Übersetzungspersonals, das zu zwei Dritteln aus Parteilosen und »politischen Analphabeten« bestand und angeblich häufig die Grundlage für den Unterricht entstellt wiedergab.[95]

Die čistka war noch nicht beendet, als das Politsekretariat des EKKI den Entwurf Kirsanovas für die Gründung einer Kaderabteilung in der ILS beschloß. Zweck der neuen Behörde war »der Kampf gegen Provokation verbunden ... mit der Beobachtung der strengsten Konspiration« sowie die Feststellung der »politischen Physiognomie« von Studenten, Professoren, Lektoren, Übersetzern und Mitarbeitern. »Maßgebend« für die Anweisungen des ILS-Kaderbüros waren die Direktiven der Kaderabteilung des EKKI.[96] Dieses Abhängigkeitsverhältnis wurde 1936 total, als der Kaderabteilung des EKKI die Organisierung und Leitung »internationaler Schulen« übertragen wurde.[97] Die schärfere Kontrolle der Studenten ging mit einer neuen, diesmal permanenten Inquisitionswelle einher.[98] Die 1935 bis 1938 durchgeführten Säuberungsrituale in der ILS wurden jedoch in zunehmender Weise individualisiert, d.h. sie orientierten sich nicht an kampagneartigen Vorgaben, sondern an Einzelnen, deren politische Vergangenheit oder persönliches Fehlverhalten als feindliche politische Absicht aufgefaßt und, im Vergleich zu der Praxis 1929–30 und 1933, ungleich härter bestraft wurde. Die Behandlung des Falles (delo) erfolgte jetzt durch den betreffenden Sektor und die Kaderabteilung, nicht mehr durch hochkarätig besetzte Kommissionen.

Fehlverhalten britischer Studenten[99]

Ungefähr 170 Mitglieder der CPGB und des Kommunistischen Jugendverbandes Großbritanniens (Young Communist League) studierten an der ILS zwischen 1926 und 1937. Die überwiegende Mehrheit (75%) kam aus Lancashire (Textilindustrie), London (Transportunternehmen und Bauindustrie), und den Kohlenrevieren in Schottland und Wales. Das Durchschnittsalter betrug 27 Jahre, der Frauenanteil 15%. Nur vier Studenten verfügten vor der Ankunft in Moskau über einen Universitätsabschluß und zwei waren ausgebildete Lehrerinnen. Mehr als zwei Drittel hatten lediglich elementare Schulbildung, und 71% keine theoretischen Vorkenntnisse.[100] Die relative Unerfahrenheit der Studenten (über die Hälfte mit einem Parteialter von fünf Jahren oder weniger), ihre Jugend und ihr Ledigenstatus hingen großteils mit den Aufnahmebedingungen zusammen. Die Schulleitung bestand deshalb auf Unverheirateten, um die knappen Valutenreserven nicht zur Unterstützung von Familienangehörigen ausgeben zu müssen. Andererseits mußte Parteiführer Harry Pollitt die regionalen Parteiorganisationen immer wieder überreden, Funktionäre für die Schule freizugeben.

Die CPGB war eine legale Partei, die, im Gegensatz zu anderen KI-Sektionen, nicht durch eine Abspaltung von der Sozialdemokratie entstanden war. In den 1920er Jahren durften Kommunisten auch der Labour Party beitreten, aber nach den Auseinandersetzungen über den Generalstreik vom Mai 1926 schloß die Labourführung die verbliebenen Kommunisten sowie Anhänger von kommunistisch geführten Frontorganisationen aus.[101] Trotz niedriger Mitgliederzahlen (7900 Dezember 1926; 2555 November 1930; 7700 Juli 1935; 12 250 Mai 1937)[102]und des bescheidenen Anteils an abgegebenen Stimmen bei Großwahlen (5,3% 1929; 7,5% 1931)[103] übte die CPGB einen verhältnismäßig steten Einfluß in der Arbeiteröffentlichkeit aus. Ihre Mitglieder waren aktiv in den städtischen Gewerkschaftsräten (Local Trades Councils) sowie in der Gewerkschaftsopposition (National Minority Movement) und der Arbeitslosenbewegung (National Unemployed Workers’ Movement). Im Kontrast etwa zu Österreich entzogen sich solche Bewegungen dem unmittelbaren Zugriff der Mehrheitssozialisten, vor allem in den überparteilichen Gewerkschaften. Das Umfeld der britischen Kommunisten unterschied sich von dem des europäischen Festlands auch dadurch, daß, abgesehen von einigen wenigen kommunistischen Hochburgen (»Little Moscows«),[104]die scharfe Trennlinie zwischen »popular« and »working-class« Kultur nicht bestand. Sozialdemokratische bzw. kommunistische Gegengesellschaften »von der Wiege bis zur Bahre«, wie in Berlin oder Wien, fanden in Großbritannien, mit seiner langen demokratischen und parlamentarischen Tradition, keine Entsprechung. Diese kulturelle Vorprägung und eine gewisse Unbefangenheit hinsichtlich der Theorie und Praxis des Marxismus-Leninismus erklären zum Teil den Hintergrund vieler Konfrontationen zwischen der Schulleitung und den britischen Studenten.

Bis zur Gründung des Schulsektors E Anfang 1933 lernten Briten und Iren gemeinsam mit allen anderen Englischsprachigen im Sektor D. Sieht man von der 1930 an Harry Wicks erteilten Rüge ab (er hatte den obligaten Lokomotivführerkurs als »Blanquismus« abgetan),[105] verursachten die Briten keine ernstzunehmenden Probleme, bis abweichendes Benehmen von 1933–34 an strenger geahndet wurde. Der erste »Anlaßfall« betraf Arthur West (William Cecil), der im Januar 1933 von Ivan Titkin, dem Sekretär des Parteikomitees (partkom), einer groben Verletzung von konspiracija bezichtigt wurde: West hatte Briefe nach England nicht über das Schulpostfach schicken lassen, und Titkin setzte durch, daß er repatriiert wurde.[106] Die ILS-Funktionäre ließen sich auch nicht von Manuilskij beeinflussen, der in einer Parteiversammlung vor einem »mechanistischen« Vorgehen gegen Konspirationssünder warnte, explizit in bezug auf die britischen Schüler, die »unter legalen Bedingungen« lebten.[107]

Eine zweite Repatriierung in Ungnaden folgte 1935 mit der Abfahrt der Kurzzeitstudenten Frank (John Adams) und Daisy Vaughan (Madge Price). Anscheinend hatte Frank Vaughan keinen Lerneifer an den Tag gelegt und sich geweigert, an der Wahl der proforg teilzunehmen. Sektorleiter Tom Bell sprach auf den Uneinsichtigen ein, der kein Interesse am bevorstehenden CPGB-Kongress zeigte und unter Druck gestand, daß ihm das Persönliche höher als das Parteimäßige stünde.[108] Gorskij, Leiter der Kaderabteilung der ILS, hielt die Abfahrt von Adams für »sehr zweckmäßig«, da dieser die Fortsetzung seines Studiums kategorisch abgelehnt und dadurch der »Zersetzung« im Sektor Vorschub geleistet hätte.[109]

Die meisten Verweise im Sektor E wurden jedoch wegen Verspätungen, Schwänzen des Unterrichts und der Versammlungen sowie übermäßigen Trinkens ausgesprochen. Mary McCarthy, eine ILS-Abendstudentin aus Lancashire, beanstandete Jahre später, Briten im Ausland seien nicht imstande, sich taktvoll zu amüsieren (»not able to let their hair down gracefully«).[110] Das gestand auch der spätere südwalisische Bergarbeiterführer Will Paynter reumütig in seinen Memoiren. Mit seinen Zimmerkollegen hat er sich betrunken und unanständige Parodien populärer Schlager zum Besten gegeben. Sein Zirkel nannte ihn und seine Freunde »kleinbürgerliche Degenerierte«. Paynter widersprach nicht, hielt sein Benehmen für abstoßend (»disgraceful«) und eine Beleidigung der umsorgenden russischen Gastgeber (»who were doing their best to care for us«).[111]Harold Horne (Harold Tillet), später ein bekannter Betriebsrat in der Autoindustrie, beschrieb 50 Jahre später seine Abenteuer im Moskauer Nachtleben und die folgende Ahndung eher von der heiteren Seite. Im Gegensatz zu den deutschen Studenten und unter vorsätzlicher Umgehung der Konspirationsregeln besuchten Horne und seine Freunde ein übel beleumdetes Nachtlokal, das sie als »Bucket of Blood« bezeichneten. Nachdem Horne den Weckruf (5 Uhr) am Revolutionstag, den 7. November 1934, mit den Worten, »Fuck the revolution!«, quittiert hatte und im Bett geblieben war, hagelte es Kritik: »By the time I had finished my self criticism I was knee deep in my own gore, and sure that I was on my way to Siberia.«[112] Die Dokumente über den Kurs der Engländer und Iren in den Jahren 1934–35 – ein vergleichsweise aufmüpfiges Kontingent[113] – bestätigen Hornes Selbstdarstellung. Bei einer Sektorversammlung im November 1934 übte er qualifizierte Selbstkritik (wegen Verspätung) und rechtfertigte seine schlechten Noten im Fach Parteigeschichte mit der Qualität des Unterrichts (»Samorukov is useless«). Der Lektor Tom Campbell schloß sich mit einer »richtigen« Definition von Selbstkritik gleich an:

»Tillet’s speech is a typical example of the attitude of mind which must be stamped out. It is an individualistic point of view and seeks to be objective instead of examining himself [sic]. Tillet’s attitude to the November celebrations is very bad.«[114]

Bill Cowe (William Wadson), schottischer Eisenbahner und Klassenkamerad von Horne, stand kurz vor der Relegierung als »Konterrevolutionär«, weil er in der Wandzeitung »50% der Einschränkungen [konspiracija]« als »unnötig, ja sogar lächerlich« bezeichnete, die Benotung seiner akademischen Arbeit zurückwies und sich bei der Diskussion anläßlich der Resolutionen im Zusammenhang mit Massenerschießungen nach dem Kirov-Mord nicht äußerte.[115] Diese Auseinandersetzungen setzten britische, irische und australische Parteiführer in Beziehung zu ihrer Sicht der Realität während eines Treffens mit Kirsanova und ILSFunktionären kurz nach dem Ende des 7. Weltkongresses der Komintern (August 1935). Keiner der Besucher kommentierte die Schlußfolgerung des Sektorleiters Bell, Englische Studenten würden stark zu »Individualismus, Arbeiteraristokratie und bürgerlicher Kultur« tendieren.[116] Die ausländischen Parteifunktionäre stellten den Nutzen der Schulung nicht prinzipiell in Frage, nahmen aber einzelne Absolventen in Schutz (»Wadson after his return is a good worker«) oder stellten »Formalismus« bei den zurückgekehrten Studenten fest.[117] Pat Devine (Irland) hielt die sowjetische Interpretation von Parteiloyalität für »schablonenhaft«, »verzerrt« und »demotivierend« (»You have to do what they say«), vor allem wenn die Studenten nach der Rückkehr selbständig arbeiten mußten.[118]»Abstraktheit im Unterricht« lautete eine allgemeiner Vorwurf. R. Palme Dutt wandte ein, daß die politische Ökonomie Großbritanniens, nicht aber die aktuelle Politik des Landes abgehandelt werde.[119] Mißtöne begleiteten Pollitts letzte Kommunikation mit der ILS. Er fühlte sich im März 1936 von der unerwarteten Nachricht überrumpelt, London möge keine Studenten mehr nach Moskau schicken, sondern diese im Lande ausbilden. Das bereitete ihm Unannehmlichkeiten, da die CPGB für den Londoner Aufenthalt von Leninschülern aus Südafrika, Neuseeland und Australien hatte aufkommen müssen.[120] Da Kirsanova auf zahlreiche Anträge von Pollitt, Familienangehörige britischer Studenten finanziell zu unterstützen, nicht einging, besetzte die CPGB die zugewiesenen fünf Plätze für Lektoren (aspiranty) für das Jahr 1937–38 nicht.[121]

Fehlverhalten österreichischer Studenten

Das österreichische Kontingent an der ILS von insgesamt 150 Hörern und etwa 10 Lektoren bzw. Sektorleitern[122] wurde zirka zu zwei Dritteln in der »illegalen Zeit« entsandt, nach dem Verbot der KPÖ im Mai 1933 und in noch größerem Ausmaß nach dem österreichischen Bürgerkrieg vom Februar 1934. Die Zusammensetzung der späteren Lehrgänge österreichischer Hörer wies noch ein Spezifikum auf: einen beträchtlichen Prozentsatz von Parteimitgliedern, die schon seit einiger Zeit in der UdSSR wohnten, entweder als Politemigranten (Schutzbundemigration) oder Facharbeiter. Die Schulung solcher mehrheitlich aus der Sozialdemokratie kommenden Kader widersprach – streng genommen – den allgemeinen Aufnahmebedingungen insofern, als es sich um Parteigänger handelte, die Freunde und Bekannte in der UdSSR, vor allem in Moskau, hatten.[123] Im Februar 1936 waren die Österreicher mit 50 Hörern nach den Spaniern (77) die zweitstärkste nationale Gruppe in der Schule.[124] Im selben Monat plante die Leitung des Sektors A (Deutsche, Österreichische, Holländer) die Bildung eines separaten Sektors für die Österreicher;[125] kurz darauf folgte die Zustimmung Kirsanovas nach einem Gespräch mit Togliatti und Ernst Fischer, dem Vertreter der KPÖ beim EKKI.[126]

Eine um sich greifende Wachsamkeitsmanie beherrschte 1935–38 das Leben in der Schule, insbesondere in den abgeschirmten Sektoren der illegalen KPen. In einer Schulversammlung Ende 1935 ortete Togliatti die Hauptgefahr einer trotzkistischen Ansteckung in jenen neuen Parteimitgliedern, die von der Sozialdemokratie übergetreten waren.[127] Der österreichische Lehrer Arnold Reisberg brachte Beispiele »trotzkistischen Einflusses« aus seinen Erfahrungen mit ehemaligen Sozialdemokratinnen, die er in einem kurzen Kurs unterrichtet hatte. Da es sich seiner Meinung nach um »sozialdemokratische Überreste« handelte und nicht um feindliche Absicht, riet er zur Vorsicht und zu Überzeugungsarbeit.[128] In seinem Schlußwort warnte aber Togliatti davor, mit der Trotzkisten-Etikette allzu leichtfertig umzugehen.[129] Kirsanovas abschließende Bemerkungen kamen einer Belehrung des Italieners gleich, da sie die von ihm geforderte Bereitschaft, mit den Studenten über Trotzkismus zu diskutieren, nur kurz kommentierte und vielmehr suggerierte, der Feind sei bereits »eingedrungen«:

»Wir dürfen nicht vergessen, daß sich der Feind sehr oft hinter Unverständnis versteckt und bestrebt ist, unter Vorspiegelung von Nichtverstehen ein Zentrum zu schaffen, wie das Zentrum, aus dem Nikolaev [der Mörder von Kirov- BMcL] hervorging ...Wir dürfen daher nicht eine Minute vergessen, daß der Feind in unsere Schule eindringen kann, sei es hinter der Maske eines Zweiflers oder als jemand, der die Generallinie der Partei verteidigt, als einer der Typen, die am stärksten und am lautesten von allen schreien.«[130]

Im Auftrag von Kirsanova sammelten die Sektorleiter inkriminierende Aussagen seitens der Studentenschaft unter folgenden Stichworten: Stalin, sozialistischer Aufbau, Stachanowismus, der 7. Weltkongress, Trotzkismus und Allfälliges. Die 56 namentlich zugeordneten Aussagen aus 18 Sektoren lassen den Schluß zu, daß der Dissens generell war. Es stellte sich heraus, daß viele Hörer Trotzkis Rolle im Bürgerkrieg zu schätzen wußten, den Stalinkult ablehnten, den Stachanowismus für Schinderei hielten und die katastrophale soziale Lage in den Großstädten (bettelnde Kinder, Wohnungsnot) nicht verstehen konnten.[131] Trotz der Verbreitung solcher häretischer Ansichten gab es allem Anschein nach keine Sanktionen. Dafür vollzog sich im österreichischen Sektor die »Entlarvung« von Individuen. Eduard Lange wurde Ende 1936 von der Schule relegiert und aus der KPÖ ausgeschlossen – er hatte seine »faschistische Vergangenheit« verheimlicht.[132] Knapp drei Monate später ergab die Verurteilung – unter ähnlichen Vorzeichen – von Reisberg dasselbe Resultat. Andere Übeltäter unterzog man der Kritik und Selbstkritik, beispielsweise an dem Genossen Huber, der einem Kollegen ins Gesicht geschlagen hatte. Als besonders erschwerend galt, daß Huber die Kritik für übertrieben hielt, seine Selbstkritik abschwächte und zur Bußleistung »gezwungen« werden mußte. Einen Kollegen, der den Vorfall auch der negativen Gruppendynamik im österreichischen Kollektiv zuschrieb, traf der gleichlautende Bannstrahl: »ein verdecktes Gefühl des Mißtrauens zur Partei und Parteiführung, ein Unverständnis der Rolle der Partei, eine sozialdemokratische Einstellung zur Frage der Parteidisziplin, Unverständnis der bolschewistischen Kritik und Selbstkritik sowie Überbewertung seiner Person«.[133]

Noch nach seinem Ausschluß aus dem Kurs wirkte der »Fall Karl Richter« (Johann Schreiner) weiter.[134] Im Gegensatz zu den meisten in dieser letzten Klasse des Sektors JA war Schreiner nie Sozialdemokrat gewesen und der KPÖ bald nach der Gründung (November 1918) beigetreten. Er übte verschiedene Funktionen im Parteiapparat der Obersteiermark aus und fuhr sozusagen direkt von der Widerstandsfront in die Sowjetunion. Ihm fehlte anscheinend der Eifer der Neukonvertiten. Auffallend aber ist nicht, daß auch er Details aus seiner Vergangenheit verschwieg (Dienst bei den holländischen Kolonialbehörden im Fernen Osten, Führung eines Obstgeschäftes) oder widersprüchliche Daten über den Zeitpunkt seines Parteibeitritts angab,[135] sondern die Vehemenz der Attacken gegen ihn. Seine humorvollen Bemerkungen oder nachvollziehbare Beschwerden wurden ihm als »antisowjetisch« ausgelegt. Führend beteiligt an der Hetzjagd gegen Schreiner war Othmar Strobl (Kurt Krebs). Auch er war ein »Altkommunist« (Beitritt 1925), später wurde er ZK-Mitglied, Leiter der KPÖ im belgischfranzösischen Exil und nach dem 2. Weltkrieg Vizepräsident der Wiener Polizeidirektion.[136] Laut Schreiners zweiter Parteiautobiographie hatte ihm Strobl während einer verbalen Auseinandersetzung folgendermaßen gedroht: »Karl, verdirb‘s Dir nur nicht mit mir, ich hab noch einen jeden ins Grab gebracht«. Auch bei der Sektorversammlung Anfang September 1937, die Schreiners Ausschluß beschloß, wollte Strobl – Schreiner zufolge – mit folgender Tirade die Diskussion beenden: »Hinaus mit dieser Kreatur! Schluß mit der Debatte. Erweiterung der Resolution und das Weitere überlassen wir anderen Organen«.[137] Schreiners Verhaftung am Vortag der Novemberfeierlichkeiten hing nicht direkt mit seiner Relegierung zusammen – die Miliz hatte ihn in Kremlnähe spätabends angehalten. Ein Verhaftungsbefehl wurde elf Tage später ausgestellt, die Bestätigung seines Ausschlusses aus der KPÖ durch die IKK erfolgte Ende Dezember, als Schreiner schon in der Todeszelle saß.

 

Der Sturz Kirsanovas: Kritik ohne Grenzen[138]

Im November 1937 boten zwei allgemeine Versammlungen und mehrere Sektorenversammlungen den Hörern und Lehrern die unerwartete und erste Gelegenheit, offen über ihre Erfahrungen mit der Schulleitung zu sprechen. Es kam zu einer Umkehrung der Verhältnisse – die Studenten kritisierten, die Direktion übte Selbstkritik. Die Entlassung von Kirsanova als ILS-Direktorin durch den Beschluß des EKKI-Sekretariats vom 16. November 1937[139] löste eine Flut von Beschwerden aus, die von jahrelang unterdrücktem Haß zeugten. Ihr Parteiausschluß wurde drei Tage später ausgesprochen, am Ende einer zweitägigen Versammlung der Schulparteizelle. Die Begründung: »enge, langandauernde und persönliche Beziehungen« zu mittlerweile verhafteten Kollegen, eine bürokratische Haltung gegenüber Lehrern und Studenten sowie Unterdrückung von Kritik an ihrer Person.[140] In der Marathonsitzung am 19. und 20. November versuchte sie ihre Parteiloyalität außer Streit zu stellen, indem sie alle durch sie (mit)entlarvten »Feinde« aufzählte und pathetisch deklamierte: »Genossen, es gibt soviel zu tun... Ich würde Deiche graben, aber lassen Sie mich nur in den Reihen der Partei!«[141]

Sektor JA der Österreicher war in der vordersten Linie bei der Demontage der Parteiveteranen.[142] Die Führung der KPÖ warf Kirsanova vor, sie hätte sich zu lange der von der österreichischen Sektion geforderten Ablöse Reisbergs widersetzt und seine »Entlarvung« ausgenützt, um die KPÖ wegen »Wachsamkeitsschwäche« bei der Kominternführung zu denunzieren.[143] Gleichfalls habe sie, so Ernst Fischer an Dimitrov Ende Oktober 1937, ohne Konsultationen mit der KPÖ Alfred Klahr, den Nachfolger von Reisberg als Leiter des Sektors JA, eigenmächtig und fristlos entlassen, als dieser auf Urlaub war.[144] Bei der Generalversammlung der Studenten am 22. und 23. November wurde die Kritik »konkreter«. Die österreichischen Hörer kritisierten den Ausfall des Unterrichts (sechs Wochen), der durch ihren Umzug in die Stadt infolge eines Feuers in der abgeschirmten Datschensiedlung Kraskovo verursacht wurde. Die Arbeit der umtriebigen Kaderabteilung nannten sie »demotivierend«, nicht zuletzt die Weigerung des stellvertretenden Leiters Volkov, dem »Feind« Schreiner-Richter den Passierschein für das Wohnheim in der ulica Gercena 51 abzunehmen.[145]

Unverblümte Meinungsäußerungen »ohne Berücksichtigung der Person«, die sonst in der stark formalisierten Sprache schulinterner Dokumente kaum vorkommen, finden sich auch in dem Protokoll der Versammlung im Sektor JA am 27. und 28. November. Da wurden erlittene Ungerechtigkeiten im Zuge der laut vorgetragenen »Ursachenforschung« (Wer ist verantwortlich für den Brand in Kraskovo? Warum quält uns die Kaderabteilung? Warum geht sie nicht auf unsere Signale bezüglich Feinde ein?) aufgezählt. Das Stenogramm hält fest: »Lärm«, »anhaltender Lärm« oder »allgemeines Gelächter«. Volkov mußte sich Gehör verschaffen (»Lacht nicht!«), um die leidige Passierscheingeschichte aus seiner Sicht darzustellen: Schreiner blieb im Wohnheim, weil es kein Ersatzquartier gab, außerdem dürfe  niemand als »Volksfeind« bezeichnet werden, bevor das NKWD zuschlägt, was wiederum Fangfragen der Österreicher provozierte.[146] NeoDirektor Vladimirov bat um Ruhe (»Genossen! ... Das ist nicht schön«),[147] und Friedl Fürnberg (Polbüromitglied der KPÖ) meinte, bei solchem Mangel an Selbstbeherrschung würden die Studenten im faschistischen Österreich »den Kopf verlieren«.[148] In seinem Schlußwort versuchte Ernst Fischer die positive Seite der Entfernung Kirsanovas zu unterstreichen: KPÖ und Studenten hätten Fehler gemacht, weit gefährlicher sei aber »die zersetzende Arbeit der Schulleitung«, die letzten Endes, obwohl »nicht erfolglos«, die Schüler nicht davon abbringen könne, die Lehre von Lenin und Stalin zu beherzigen: »die Einheit von Theorie und Praxis«.[149]

Der neuen Schulführung zufolge zeigte die berechtigte Bloßlegung von Kirsanova auch »eine zutiefst unrichtige und gefährliche Tendenz« seitens Mitglieder der Bruderparteien, die sich nun an andere Tabus heranwagten, wie die miserablen Löhne der Putzfrauen und des Küchenpersonals. »Diese ungesunde Tendenz« zeige sich am stärksten im österreichischen Sektor, wo Lehrer wie Jula Günser oder Genia Lande bestrebt seien, die sowjetischen Parteimitglieder zu diskreditieren.[150]

Schlußfolgerungen

Die Erziehung von ausländischen Kommunisten in der UdSSR bis 1938 zielte, wie Klaus-Georg Riegel betont, nicht nur auf Wissensvermittlung, sondern auf »die Bekehrung und Läuterung von Novizen«.[151] Inwieweit ihr Vorwissen, weil unmarxistisch, »liquidiert« wurde, wie ein russischer Lehrer 1935 in bezug auf die britischen Studenten konstatierte,[152] bleibt eine offene Frage. Um eine andere Formulierung von Riegel zu gebrauchen: Nur die Empirie läßt erahnen, inwieweit der kommunistische Glaube »in die innere Sicht des Gläubigen hineinreicht«.[153]

Die hier referierte Empirie läßt erhebliche Zweifel am Gelingen dieser Glaubenstransformation aufkommen, zumindest der eins zu eins Übernahme sowjetischer Glaubenssätze. Aber darum ging es den Dogmenvermittlern wahrscheinlich nicht, wichtiger für sie war die Bestätigung eines kollektiven Realitätsbildes durch die Kaderschüler.[154] Das dazu angewandte Instrument der Kritik und Selbstkritik mußte ja nicht ins Innere der Menschen dringen, von größerer Bedeutung war, ihnen »Gehorsamkeitsübungen« abzuverlangen und »private Wissensräume« bloßzulegen.[155] Die Dynamik der samokritika als Instrumentarium der Herrschaftssicherung in der Lenin-Schule führte aber auch zu unerwünschten Nebenwirkungen, als die Schulführung selbst Ziel der Kritik war: 1931, als der Stalin-Brief »Überspitzungen« hervorrief, oder 1937, als die Kritik an der diskreditierten Führung um Kirsanova »übers Ziel« hinausschoß und reale Mißstände anprangerte. Da hatten die nachfolgenden Schulfunktionäre argumentativ kein »Rückzugsgebiet« mehr, denn Schüler wie ausländische Lektoren bedienten sich der Epigonensprache bei der Aufzählung der jahrelang hingenommenen Unzulänglichkeiten und Kränkungen. Diese teilweise hysterisch vorgetragene »Vergangenheitsbewältigung« wurde als ein Angriff von Ausländern auf einheimische Parteimitglieder interpretiert, führte jedoch zu keinen weiteren Konsequenzen, auch zu keinen Strafverfolgungen: Lehrer sowie Leitungskader wurden 1938 entlassen und die Schule aufgelöst.

Nach derzeitigem Wissensstand blieb die überwiegende Mehrheit der britischen und österreichischen ILS-Absolventen auch später loyale Kommunisten. Der Großteil der österreichischen Kursanten ging in Spanien oder im Widerstand zugrunde, die britischen dienten als Bezirkssekretäre oder als Politkommissare in Spanien.[156]

Die CPGB lag geographisch und mentalitätsmäßig etwas abseits von den Hauptströmungen des kontinental-europäischen Kommunismus. Der langjährige Parteiführer Pollitt teilte die Aversion der »proletarischen Empiriker« Englands für »kontinentales Theoretisieren« (»Why must we talk like Inprecorr?«),[157] während Murphy, der britische EKKI-Vertreter 1926–28, befand, die Russen seien vor dem Beichtstuhl auf die Welt gekommen und würden sich in Selbsterniedrigungsritualen üben, die den an den Parlamentarismus gewöhnten Briten unverständlich waren.[158] Ging es nach den britischen Studenten, war ein Großteil der Konspirationsbestimmungen unnötig. Zum einen, weil die Schule selbst die Einhaltung derselben erschwerte – damals war die ulica Vorovskaja im Botschaftsviertel (in unmittelbarer Nähe der diplomatischen Vertretungen Deutschlands und Großbritanniens), und die vier Wohnheime befanden sich auch im Stadtzentrum. Zum anderen, weil die Briten keine unmittelbaren Folgen von einem Aufenthalt an einem Moskauer Lerninstitut nach ihrer Rückkehr zu befürchteten hatten. Absolventen aus »illegalen« Parteien hingegen, darunter jene der KPD und der KPÖ, stellten die Sicherheitsmaßnahmen generell nicht in Frage, auch weil sie auf die Unterstützung der Komintern bei ihrer Rückfahrt und Untergrundtätigkeit angewiesen waren. Die berechtigte Angst um die eigene Sicherheit nach Abschluß des Kurses erklärt zum Teil die Schärfe der Ausgrenzungsmechanismen im österreichischen Sektor der ILS.

Was aber die britische und die österreichische Parteiführung einte, war die Feststellung, die Absolventen hätten nach ihrem Moskauer Lebensabschnitt »die Sprache der Arbeiter« verlernt.[159] Diese Diagnose dürfte zutreffend sein, nicht zuletzt wegen der nach 1929 erfolgten programmatischen Veränderung des Unterrichts, dessen Schwerpunkt die aktuellen Probleme der Sowjetunion und nicht jene der Heimatpartei der Kursanten bildete. Darüber hinaus basierte die Kritik vermutlich auf einem Mißverständnis, was die Schule eigentlich bezweckte. Die Parteien erwarteten Praktiker, die schnell »eingebaut« werden konnten, der Schulführung lag es an langfristigen Investitionen: Die Ausbildung ergebener Parteifunktionäre, die als trojanisches Pferd der Sowjetführung für die Einhaltung der »Linie« sorgen würden, wie Togliatti schon 1929 mit Beklommenheit ahnte.[160]Inwieweit dieser Befund allgemein gültig ist, ob das Studium an der ILS auch als Bewährungsprobe für die Arbeit in einem sowjetischen Geheimapparat (Kurierdienst für die Komintern, Spionageeinsätze für die Rote Armee oder das NKWD) konzipiert wurde, und ob das ganze Erziehungsexperiment letztlich als ein Verlustposten für die Parteien, die ja auf Kader verzichten mußten, verbucht werden muß – diese und andere Fragen harren einer abschließenden Beurteilung, die vergleichende Studien über andere nationale Studentenkontingente aufhellen können.

 


[1] Ich danke Berthold Unfried und Julia Köstenberger (beide Wien) für Kommentare und Kopien von Archivdokumenten

Murphy, J.T.: The First Year of the Lenin School, The Communist International, 30. September1927, S. 267–269.

[2] Tuominen, Arvo: The Bells of the Kremlin. An Experience in Communism. Hannover, NewEngland/London 1983, S. 77-88.

[3] Herlemann, Beatrix: Der deutschsprachige Bereich an den Kaderschulen der KommunistischenInternationale, IWK, 2, 1982, S. 205–229.

[4] z.B. Hoffmann, Heinz: Mannheim-Madrid-Moskau. Erlebtes aus drei Jahrzehnten. Ostberlin1981, S. 278–316.

[5] Wicks, Harry: Keeping My Head. The Memoirs of a British Bolshevik. London 1992, S. 73–125;Thalmann, Clara und Paul: Revolution für die Freiheit. Stationen eines politischen Kampfes Moskau-Madrid-Paris. Hamburg 1977, S. 63–90.

[6] Babitschenko, Leonid G.: Die Kaderschulung der Komintern, in: Weber, Hermann u.a. (Hrsg.):Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 1993. Berlin 1993, S. 37–59.

[7] McLoughlin, Barry: Proletarian Academics or Party Functionaries? Irish Communists at theInternational Lenin School, Moscow, 1927–1937, in: Saothar (Yearbook of the Irish Labour History Society), no. 22 (1997), S. 63–79.

[8] McIlroy, John/McLoughlin, Barry/Campbell, Alan/Halstead, John: Forging the Faithful: TheBritish at the International Lenin School, 1926–37. Labour History Review, vol. 68, no. 1 (erscheint im April 2003).

[9] Schafranek, Hans: Österreichische Kommunisten an der Internationalen Lenin Schule 1926–1938, in: McLoughlin, Barry/Schafranek, Hans/Szevera, Walter: Aufbruch-Hoffnung-Endstation. Österreicherinnen und Österreicher in der Sowjetunion 1925–1945. Wien 1997, S. 435–465; ders.: Die Internationale Lenin-Schule und der »Fall Reisberg«, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.), DÖW Jahrbuch 1994. Wien 1994, S. 75–96.

[10] McClellan, Woodford: Africans and Black Americans in the Comintern Schools, in: The International Journal of African Historical Studies, vol. 26, no. 2 (1993), S. 372–385.

[11] Julia Köstenberger schreibt derzeit eine Dissertation zu diesem Thema an der Universität Wien. Siehe ihre ausführliche Monographie über die Schulung ausländischer Kader an der KUNMZ im Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2000/2001, S. 248–303.

[12] Krekola, Joni: The Finnish Sector at the International Lenin School (Ms., 15 S.). Beitrag zur Konferenz »People of a Special Mould?« International conference on comparative communist biography and prosography. Manchester, 6. bis 8. April 2001.

[13] Unfried, Berthold: Rituale von Konfession und Selbstkritik: Bilder vom stalinistischen Kader, in: Hermann Weber u.a. (Hrsg.), Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 1994. Berlin 1994, S. 148–164; ders.: Die Konstituierung des stalinistischen Kaders in Kritik und Selbstkritik, Traverse, 3, 1995, S. 71–87; Studer, Brigitte und Berthold Unfried: Der stalinistische Parteikader. Indentitätsstiftende Praktiken und Diskurse in der Sowjetunion der dreißiger Jahre. KölnWeimar-Wien 2001; Riegel, Klaus-Georg: Der Marxismus als politische Religion, in: Maier, Hans/ Schäfer, Michael (Hrsg.): Totalitarismus und Politische Religion. (Arbeitstagung am Institut für Philosophie der Universität München, 25. u. 26. März 1996) Konzept des Diktaturenvergleichs, Bd. 2. Berlin 1997, S. 76–128; ders., Konversionsprozesse im Marxismus-Leninismus: Die Sun Yat-Sen Universität in Moskau (1925–1930), in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 2/1982, S. 299–315; ders.: Kaderbiographien im marxistischen-leninistischen Virtuosengemeinschaften, in: Leviathan, Jg. 22, 1994, Heft 1, S. 18–46; Getty, J. Arch: Samokritika – Rituals in the Stalinist Central Committee, 1933–38, in: The Russian Review, vol. 58, 1, 1999, S. 49–70.

[14] Zur Geschichte des Palais siehe Moscow News, no. 40, 1998, S. 2. Povarskaja 25a ist seit 1937 Sitz des Maxim Gorky Museums.

[15] RGASPI, f. 495, o. 164, d. 500, ll. 50–82.

[16] Holmes, Larry E.: Stalin’s School. Moscow’s Model School No. 25, 1931–1937. Pittsburgh 1999, S. 7–12.

[17] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 20, ll. 57, 57 ob.

[18] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 16, ll. 48–49.

[19] Vgl. die Schulverwaltungssitzung vom 2. April 1928, RGASPI, f. 531, o. 1, d. 11, ll. 11–13.

[20] RGASPI, EKKI-Auszüge, Internationale Lenin-Schule, 19. April und 6. September 1926.

[21] Wicks, Keeping my Head, S. 90–91.

[22] RGASPI, f. 495, o. 3. d. 46, l. 74; f. 531, o. 1, d. 29, l. 2; f. 531, o. 1, d. 47, l. 2.

[23] RGASPI, f. 495, o. 3, d. 46, l. 74.

[24] RGASPI, f. 531, o, 1, d. 10, ll. 28–31.

[25] RGASPI, f. 531, o. 1., d. 8, ll. 19–24, Schulverwaltungssitzung vom 21. Februar 1927. Die Arbeitswoche von 69 Stunden bestanden aus 17 Stunden Unterricht, 23 Stunden Studium und 29 Stunden sonstige Verpflichtungen – Fabrikarbeit, Parteiarbeit, Versammlungen in der Schule, Exkursionen und Zeitungslektüre. (Ebenda, l. 31)

[26] Ebenda, l. 21.

[27] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 15, ll. 179–188.

[28] Im Zeitraum Dezember 1928 bis September 1929 ahndete die Schulverwaltung 21 Disziplinarfälle, wovon acht politischer Natur waren, fünf den Unterricht betrafen und weitere fünf »moralische« und »soziale« Fragen. (RGASPI, f. 531, o. 2, d. 3, l. 39).

[29] RGASPI, f. 531, o. 1., d. 8, l. 8–9.

[30] RGASPI, f. 495, o. 3, d. 46, l. 2.

[31] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 15, l. 179.

[32] RGASPI, f. 533, o. 6, d. 128, 129.

[33] Berechnet nach den Studentenzahlen am 17. April l930 in: RGASPI, f. 495, o. 4, d. 24, l. 107.

[34] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 16, l. 47.

[35] Ebenda, ll. 32–35.

[36] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 27, l. 51.

[37] Wicks, Keeping My Head, S. 92–93; Branson, Noreen: History of the Communist Party of Great Britain, 1927–1941. London 1985, S. 48–51.

[38] RGASPI, f. 495, o 20., d. 865, Brief an die Sektionen über Rekrutierung von Studenten in die Internationale Leninschule für das neue Schuljahr, 23. Mai 1931.

[39] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 10, l. 42; f. 495, o. 20, d. 865, l. 36; f. 531, o. 1, d. 29, l. 2; f. 531, o. 1, d. 39, l. 10.

[40] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 47, l. 46.

[41] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 10, l. 33.

[42] RGASPI, f. 495, o. 20, d. 865, l. 60–65.

[43] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 27, l. 26–28.

[44] RGASPI, f. 495, o. 7, d. 15, ll. 43–49. Für eine 1931 erstellte, und kaum abweichende, Version der Regeln, die von der Geheimabteilung der ILS entworfen wurde, siehe RGASPI, f. 495, o. 4, d. 137; ll. 16–23.

[45] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 13, ll. 37–42.

[46] Ähnliches galt für das Institut der roten Professur (IKP), woher die ILS ihre meisten Lehrer bezog. Siehe ausführlich dazu: Behrendt, Lutz-Dieter: Die Institute der Roten Professur: Kaderschmieden der sowjetischen Parteiintelligenz (1921–1938), in: Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas, 45 (1997), 4, S. 597–621, v.a. S. 604.

[47] Stalin, Josef: Werke, Bd. 13. Berlin-Ost 1955, S. 76–91. Siehe ausführlich dazu auch Babitschenko, Die Kaderschulung, S. 49–52.

[48] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 15, l. 35.

[49] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 20, l. 57.

[50] RGASPI, f. 495, o. 4, d. 181, ll. 6, 7, 114, 115; 495, o. 20, d. 865, ll. 175–177.

[51] RGASPI, f. 531. o. 2, d. 24, l. 82.

[52] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 35. ll. 24–26.

[53] RGASPI, f. 531, o. 1., d. 59, ll. 6–9,14–15.

[54] Behrendt, »Die Institute der Roten Professur«, S. 604.

[55] Ebenda, S. 611–613.

[56] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 77, l. 5.

[57] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 39, ll. 12–20.

[58] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 47, l. 28.

[59] RGASPI, f. 495, o. 20, d. 865, ll. 180–182.

[60] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 39, l. 81.

[61] RGASPI, f. 495, o. 20, d. 865, l. 287.

[62] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 51, ll. 36–39.

[63] RGASPI, f. 495, o. 18, d. 1085, ll. 1–6. Der Entscheidung ging eine Resolution des EKKISekretariats (3. März 1936) voraus, welche die Kaderabteilung der Komintern anwies, die Repatriierung möglichst vieler Politemigranten in Angriff zu nehmen. Was die Schulungskandidaten betraf, schrieb die Resolution die Aufnahme nur von Personen vor, die später ins Heimatland zurückkehren konnten. Für den Text siehe: Chase, William J.: Enemies Within the Gates? The Comintern and the Stalinist Repression, 1934–1939. New Haven and London 2001, S. 130–131.

[64] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 128, ll. 10–13.

[65] Getty, Samokritika, S. 50.

[66] Unfried, Die Konstituierung des stalinistischen Kaders, S. 73.

[67] Stalin, Werke, Band 11. Berlin 1954, S. 26–27.

[68] Ebenda, S. 27.

[69] Jaroslawski, E.: Für eine bolschewistische Prüfung und Reinigung der Parteireihen. MoskauLeningrad 1933, S. 35.

[70] Ebenda.

[71] Kaganowitsch, L.M.: Über die Parteireinigung. Rede vor den Funktionären der Moskauer Parteiorganisation, gehalten am 22. Mai 1933. Moskau-Leningrad 1933, S. 8.

[72] Wicks, Keeping My Head, S. 92.

[73] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 2, ll. 94–96.

[74] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 14, l. 166.

[75] RGASPI, f. 531, o. 2, , d. 7, Bericht über die Tätigkeit des Büros der VKP(b) in der ILS vom 1.10.1929 bis 1.5. 1930. Zwölf Studenten, darunter fünf Polen, richteten Berufungen an eine trojka der Säuberungskommission, aber es ist unklar, wie die Verfahren ausgingen (f. 531, o. 2, d. 14, l. 6).

[76] RGASPI, f. 495, o. 7, d. 13, l. 163, 184–185; f. 531, o. 2, d. 14, l. 5.

[77] RGASPI, f. 495, o. 218, d. 7.

[78] Wie Anm. 75. Gewünscht war eine 100 Prozent Zeichnung, d.h. 60R., die Höhe des monatlichen Stipendiums. Für selbstkritische Mitteilungen in dieser Frage siehe McLoughlin, Proletarian Academics, S. 70.

[79] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 6, ll. 49–51 (Resolution zu den Ergebnissen der Reinigung und den

Aufgaben des Parteikollektivs, o. d. [1930]).

[80] Vgl. dazu: Getty, Samokritika, S. 58.

[81] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 13, ll. 37–42.

[82] Stalin, Werke, Band 13, S. 91.

[83] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 15, ll. 26–30 (Resolution des Büros der Zelle der VKP(b) der ILS nach der Sitzung am 5. und 6. Dezember 1931).

[84] Ebenda, ll. 46–48 (Protokoll Nr. 7 der Externen Sitzung des Büros der Zelle vom 2. Dezember 1931).

[85] Ebenda, ll. 112–113.

[86] Für eine namentliche Erwähnung der Gemaßregelten siehe RGASPI, f. 531, o. 2, d. 20, l. 22.

[87] RGASPI, f. 495, o. 3, d. 362, l. 3.

[88] Jaroslawski, Für eine bolschewistische Prüfung, S. 56–58.

[89] Kaganowitsch, Über die Parteireinigung, S. 30.

[90] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 28, l. 90. Über seinen Auftritt im französischen Sektor siehe Studer und Unfried, Der stalinistische Parteikader, S. 161–162.

[91] Riegel, Konversionsprozesse im Marxismus-Leninismus, S. 308.

[92] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 28, l. 24.

[93] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 14, ll. 39, 40, 40 ob.

[94] Ebenda, l. 38.

[95] RGASPI, f. 531, o. 2. d. 28, ll. 89–100, hier l. 91 ob. Ein Beispiel für die Verwendung einer »sozialfaschistischen Falsifikation« von Stalin-Texten war der Band »Leninism«, der von dem schottischen Ehepaar Eden und Cedar Paul übersetzt und von dem britischen KP-Verlag herausgegeben wurde (London, Bd. 1, 1928; Bd. 2, 1933). Der deutsche Sektor unterzog das Buch einer vernichtenden Kritik. Die zahlreichen Übersetzungsfehler führte der Sektorleitung auf »die kleinbürgerliche Auffassungen« der Übersetzer zurück (RGASPI, f. 531, o. 2, d. 46, ll. 28–30).

[96] RGASPI, f. 495, o. 4, d. 273, ll. 7–9, 20–22 (Beschluß der Politkommission des Politsekretariats, 21. Dezember 1933, mit Anlagen).

[97] RGASPI, f. 495, o. 18, d. 1073, ll. 2–4, 25–28 (Beschluß des Sekretariats des EKKI, 11. Februar 1936, mit Anlagen).

[98] Siehe ausführlich dazu: Studer und Unfried, Der stalinistische Kader, S. 95–121, 171–191.

[99] Wenn nicht anders angegeben, finden sich alle Quellenhinweise in McIlroy u.a., Forging the Faithful.

[100] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 170, l. 27 (Bericht über ehemalige Studenten des Sektors »E«, 1929 bis Ende 1934).

[101] Branson, Noreen: History of the Communist Party of Great Britain 1927–1941. London 1985, S. 1–16.

[102] Ebenda, S. 1, 74, 130, 188.

[103] Ebenda, S. 145.

[104] Macintyre, Stuart: Little Moscows. Communism and Working-class Militancy in Inter-war Britain. London 1980.

[105] Wicks, Keeping My Head, S. 91–92.

[106] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 61, ll. 1–2, 4–6, 16; f. 531, o. 1, d. 169, l. 1; f. 495, o. 4, d. 321, l. 4.

[107] RGASPI, 531, o. 1, d. 67a, d. 1.140.

[108] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 171, l. 4.

[109] Ebenda, l. 16.

[110] McCarthy, Mary: Generation in Revolt. London 1953, S. 133–134.

[111] Paynter, Will: My Generation, London 1972, S. 55.

[112] Horne, Harold: All the Trees were Bread and Cheese. Luton 1998, S. 51–52.

[113] Siehe ausführlich dazu: McLoughlin, Proletarian Academics, S. 71–72. Der letzte Lehrgang der Engländer und Iren (1935–37) erhielt hingegen gute Zeugnisse – »ausgezeichnete Parteidisziplin und eine gute kommunistische Haltung zur UdSSR« (RGASPI, f. 531, o. 1, d. 173, l. 1).

[114] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 170, l. 16.

[115] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 62, l. 12; f. 531, o. 1, d. 171, ll. 21–25.

[116] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 171, ll. 27–33 (Protokoll, 24. August 1934, 10 bis 14 Uhr), hier l. 27.

[117] Ebenda (Beitrag Pollitt). Cowe wurde 1938 ins britische ZK gewählt (Branson, History of the Communist Party of Great Britain, S. 340).

[118] Ebenda, l. 28.

[119] Ebenda, l. 30.

[120] Public Records Office London (PRO), HW 17/21, Radiotelegramme, 9. und 14. März, 30.

April 1936.

[121] RGASPI, f. 495, o. 4, d. 245, l. 171; f. 531, o. 1, d. 128, l. 11; f. 531, o. 1, d. 171, ll. 34–35.

[122] Siehe die Literaturhinweise dazu in Anm. 9.

[123] Das dürften die allerwenigsten eingehalten haben. Josef Meisel (langer Kurs 1935–36) z.B. traf sich weiter mit seinen Schutzbundfreunden in Moskau und unterließ es, der Kaderabteilung von seinen Frauenbekanntschaften in Kenntnis zu setzen. In beiden Fällen hatte er auf diesbezügliche Fragen von Gorskij (Leiter der ILS-Kaderabteilung) mit »Nein« geantwortet. Siehe seine spannenden Memoiren: Meisel, Josef: Jetzt haben wir Ihnen, Meisel! Kampf, Widerstand und Verfolgung eines österreichischen Antifaschisten (1911–1945), Wien 1985, S. 51.

[124] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 103, l. 16. Die Gesamtzahl am Stichtag 13. Februar 1936 betrug 592.

[125] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 42, l. 18.

[126] RGASPI, f. 495, o. 12, d. 134, l. 62.

[127] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 72, ll. 21–23.

[128] Ebenda, ll. 34–36. Reisbergs Charakterisierung dieser Studenten zeugt von einer verständnisvollen Haltung. Siehe: RGASPI, f. 531, o. 1, d. 152, ll. 45–54.

[129] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 72, ll. 59–63.

[130] Ebenda, ll. 64–65.

[131] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 94, ll. 44–55.

[132] Siehe dazu McLoughlin u.a., Aufbruch-Hoffnung-Endstation, S. 413–421. Lange starb 1942 im GULag.

[133] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 117, ll. 16–19. Dabei handelte es sich um zwei fast gleichlautende Resolutionen, eine vom Parteikomitee, eine von der Parteizelle des Sektors, beide vom 7. Oktober 1936. Im darauffolgenden Juni wurde die Verwarnung angesichts der Besserung Hubers (inzwischen hatte er den Stoßbrigadler-Titel verliehen bekommen) aufgehoben, allerdings mit der Feststellung, er müsse noch »an sich arbeiten« (Ebenda, l. 46).

[134] Der Fall wird ausführlicher behandelt in: Studer u. Unfried, Der Stalinistische Kader, S. 124, 135, 183, 187; McLoughlin, Barry: Butovo: avstrijskie žertvy stalinskogo terrora, in: Golovkova, Lidija (Hrsg.): Butovskij poligon. Kniga pamjati žhertv političeskich repressij. Vypusk pjatyj. Moskau 2001, S. 5–11.

[135] RGASPI, f. 495, o. 187, d. 198, ll. 8–10, Keller (Kaderverantwortlicher der KPÖ) an die IKK, 31. Oktober 1937.

[136] Zur Karriere von Strobl siehe: Schwager, Ernst: Die österreichische Emigration in Frankreich 1938–1945, Wien 1984; Fritz, Heinrich: Stationen meines Lebens. Wien 1990.

[137] RGASPI, f. 495, o. 187, d. 198, ll. 148, 153.

[138] Siehe dazu: Unfried, Berthold: L’autocritique dans les milieux kominterniens des années 1930, in: Pennetier, Claude und Bernard Pudal (Hrsg.): Autobiographie, autocritique, aveux dans le monde communiste. Paris 2002, S. 59–61.

[139] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 121, l. 118, Prikaz No. 114 der ILS vom 19. November 1937. Vladimirov, der Schwager Dimitrovs, wurde interimistischer Direktor.

[140] RGASPI, f. 531, o. 2, d. 45, ll. 225–227.

[141] Ebenda, l. 157.

[142] Auch bei der Versammlung am 19. – 20. November. Siehe die Beiträge von Genia Lande und Alfred Klahr in: Ebenda, ll. 104–108, 207–210.

[143] RGASPI, f. 495, o. 73, d. 88, ll. 109–111, Koplening an das Sekretariat des EKKI, 8. März 1937.

[144] RGASPI, f. 495, o. 20, d. 25, ll. 40–41.

[145] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 120, ll. 2–4 (Sulzberger), 11 (Strobl).

[146] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 227, ll. 56–61.

[147] Ebenda, l. 63.

[148] Ebenda, l. 71.

[149] Ebenda, l. 99.

[150] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 125, l. 87.

[151] Riegel, Konversionsprozesse im Marxismus-Leninismus, S. 301. Riegels Schlußfolgerung bezieht sich jedoch auf chinesische Studenten, die nur z.T. Kommunisten waren und natürlich eine ganz andere kulturelle Vorprägung als europäische Studenten in Moskauer Schulen aufwiesen.

[152] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 173, l. 131.

[153] Riegel, Der Marxismus-Leninismus als politische Religion, S. 133 (Diskussionsbeitrag).

[154] Getty, Samokritika, S. 67.

[155] Riegel, Marxismus-Leninismus als politische Religion, S. 97.

[156] Die elf Politkommissare im 57. (britischen) Bataillon der 15. Internationalen Brigade hatten entweder die ILS besucht oder im Moskauer Apparat des EKKI gearbeitet (RGASPI, f. 545, o. 6, d. 89, l. 37).

[157] Morgan, Kevin: Harry Pollitt, the British Communist Party and International Communism, in: Saarela, Tauno und Kimmo Rentola (Hrsg.), Communism National and International. Helsinki 1998, S. 203.

[158] Murphy, J. T.: New Horizons. London 1941, S. 249–251.

[159] RGASPI, f. 531, o. 1, d. 67a, l. 136 (Manuilskij über den neuen Parteisekretär in Sheffield); f. 495, o. 12, d. 13, ll. 36–37 (Gespräch 1936 zwischen Kurt Dernberger (KPÖ) und Togliatti, Moskau, über Wiener Funktionäre).

[160] »If we don’t give in, Moscow won’t hesitate to fix up a left leadership with some kid out of the Lenin School« (E. J. Hobsbawm, Revolutionaries. London 1977, S. 50).

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