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Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Hier finden Sie die retrodigitalisierten Fassungen der Ausgaben 2005 bis 2016 des Jahrbuches für Historische Kommunismusforschung (JHK).

 

Weitere Bände werden sukzessive online gestellt. Die aktuelle Printausgabe folgt jeweils zwei Jahre nach ihrem Erscheinen.

Das Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung wurde 1993 von Hermann Weber (†) als internationales Forum zur Erforschung des Kommunismus als europäisches und globales Phänomen gegründet. Das Jahrbuch enthält Aufsätze, Miszellen, biografische Skizzen, Forschungsberichte sowie Dokumentationen und präsentiert auf diesem Weg einmal jährlich die neuesten Ergebnisse der internationalen Kommunismusforschung.

Seit 2004 wird das Jahrbuch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und erscheint aktuell im Berliner Metropol Verlag.

Herausgeber: Ulrich Mählert, Jörg Baberowski, Bernhard H. Bayerlein, Bernd Faulenbach, Ehrhart Neubert, Peter Steinbach, Stefan Troebst, Manfred Wilke.

Wissenschaftlicher Beirat: Thomas Wegener Friis, Stefan Karner, Mark Kramer, Norman LaPorte, Krzysztof Ruchniewicz, Brigitte Studer, Krisztián Ungváry, Alexander Vatlin.

Bitte richten Sie Manuskriptangebote an die Redaktion: jhk[at]bundesstiftung-aufarbeitung.de

 

Vom Schmieden »neuer Menschen«. Putevka – die Lagerzeitung des Karlag

JHK 2012 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 27-46 | Aufbau Verlag

Autor/in: Wladislaw Hedeler

Die Presse des Gulag als neues Forschungsfeld

Zu den kaum bekannten und durch die Gulagforschung nicht erschlossenen Seiten der Geschichte der sowjetischen Besserungsarbeitslager gehört die Herausgabe, Drucklegung und Verbreitung von Lagerzeitungen. Aufgabe der anfangs sowohl für Mitarbeiter als auch für Häftlinge bestimmten Zeitungen war es, als »kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator« zu wirken. Diese Funktion der »Presse neuen Typs« hatte im Denken der Bolschewiki immer einen festen Platz.

Alla Gorčeva legte 1996 in Russland eine erste, wenn auch unvollständige Überblicksdarstellung zur Gefängnis- und Gulag-Presse vor, die u. a. Angaben zu 168 zwischen 1932 und 1954 in über 50 Gulags vertriebenen Zeitungen enthält.1 Aufgrund der damaligen Archivsituation konnte sie nur einzelne Ausgaben, keine kompletten Jahrgänge auswerten und ausschließlich auf jene Ausgaben zurückgreifen, die sich im Bestand der Moskauer Lenin-Bibliothek befanden. Hierbei handelt es sich um Lagerzeitungen, die Bezirkszeitungen gleichgestellt waren und deshalb mit einem Pflichtexemplar in der Moskauer Präsenzbibliothek zu finden sind. Der tatsächliche Bestand der Lagerpresse ist jedoch wesentlich umfangreicher. Hinweise auf im Staatsarchiv der Russischen Föderation (Gosudarstvennyj Archiv Rossijskoj Federacii/GARF) komplett überlieferte Jahrgänge von Gulagzeitungen aus den Jahren 1950 bis 1955 enthält das Findbuch zur Ausgabe der Geschichte des Stalin’schen Gulag.2

Perekovka, »das Umschmieden«, ist ein bis zum Beginn des Großen Terrors immer wieder aufgegriffenes Bild auf den Titelseiten und in den Artikeln dieser Presseerzeugnisse. Mit »Perekovka« im Titel erschienen u. a. Zeitungen im Belbaltlag3 (Perekovka na fronte stroitel’stva – Perekovka an der Baufront), im Dmitlag4 (Perekovka) und im Siblag5 (Sibirskaja perekovka – Sibirische Perekovka). Auch Georgi Dimitroffs Auftreten während des Prozesses um den Reichstagsbrand6 und sein Hinweis auf das von Johann Wolfgang von Goethe verfasste Gedicht »Ein Anderes« wurden in der sowjetischen Presse, die Putevka7 eingeschlossen, entsprechend ausgelegt und trugen so zur Verbreitung der kursierenden Vorstellungen über »das Umschmieden« bei. Im Gedicht heißt es u. a.:

»Du mußt steigen oder sinken,

Du mußt herrschen und gewinnen

Oder dienen und verlieren,

Leiden oder triumphieren,

Amboß oder Hammer sein.«8

Von 1923 bis 1960 gab es in der UdSSR insgesamt 476 solcher Haftorte, die unterschiedlich lange, zwischen einem Jahr und dreißig Jahren, bestanden. Von 1931 bis 1960 existierten die meisten Besserungsarbeitslager zwischen einem Jahr und fünf Jahren. Dies betraf über 270 Lager. Daneben gab es über 100 maximal ein Jahr bestehende, außerdem über 80 zwischen fünf und zehn Jahren bestehende Lager. Diese Rangfolge änderte sich – abgesehen von den Kriegsjahren 1941 bis 1945 – nicht. Danach existierten die meisten Lager maximal nur noch ein Jahr.

Bis Ende der Fünfzigerjahre wurden zwischen 15 und 18 Millionen Häftlinge zu »Besserungsarbeit« in den unterschiedlich lange existierenden Lagerkomplexen mit ihren Tausenden Haupt- und Nebenlagern verurteilt.

Die Lagerzeitung Putevka und ihre Anfänge

In der von Alla Gorčeva zusammengestellten Bibliografie ist die im Karlag in den Dreißigerjahren herausgegebene Lagerzeitung Putevka (»Dienstreiseauftrag«) nicht verzeichnet. Im Karagandinsker Besserungsarbeitslager, das von 1929 bis 1959 auf dem Territorium Kasachstans existierte, war sie das Organ der für kulturelle Erziehungsarbeit zuständigen Abteilung der Lageradministration des Karlag, der Vereinigten Politischen Hauptverwaltung (Objedinjonnoje Gossudarstwennoje Polititscheskoje Uprawlenije/OGPU). Nur die in den Vierziger- und Fünfzigerjahren verlegte Nachfolge-Zeitung Za socialističeskoe životnovodstvo [Für die sozialistische Viehwirtschaft]9 ist aufgeführt. Im Archiv des Karlag10 in Karaganda sind jedoch die Jahrgänge beider Zeitungen, die ausschließlich für den Vertrieb innerhalb des Lagers bestimmt waren, überliefert und konnten vom Verfasser während der Arbeit am Forschungsprojekt über die Geschichte des Karlag eingesehen werden.11

Der Name Putevka wurde in Anlehnung an den Titel des damals populären ersten abendfüllenden Tonfilms »Putevka v žizn’« [Der Weg ins Leben]12 von Nikolaj Ėkk gewählt. Der Film von 1931 spielt nach dem Bürgerkrieg und handelt von der Umerziehung verwahrloster Jugendlicher in einer Arbeitskommune.13 Durch Einbeziehung in den Arbeitsprozess werden aus Banditen (»Wir können sie doch nicht alle erschießen«, so einer der Darsteller) gleichberechtigte Mitglieder der neuen Gesellschaft. Getreu dem Motto, dass die Umwelt den Menschen formt, gelingt das Experiment: »Die Arbeit hat gesiegt.«

Der folgende Auszug aus dem in der Putevka veröffentlichten Artikel »Wir liquidieren die Vergangenheit und schaffen die Zukunft« gibt Hinweise darauf, welchen Zweck die Besserungsarbeitslager erfüllen sollten, und weist gleichzeitig Parallelen zur Filmhandlung auf: »Doch die Neuschöpfung eines Menschen, der alles durchgemacht hat, der mehrmals verurteilt worden ist, der auf alles pfeift und jeden Versuch, zum ehrlichen Arbeitsleben zurückzukehren, als ›hoffnungsloses Unterfangen‹ ansieht, ist keine einfache Angelegenheit. Die Leitung der Besserungsarbeitslager der OGPU versteht diesen Zustand des auf die schiefe Bahn geratenen Menschen, des Rückfälligen, sehr gut und bietet ihm alle Möglichkeiten der Erziehung und Umerziehung an, ist bestrebt, ihn in den unmittelbaren sozialistischen Aufbau einzubeziehen. Indem sie ihn in den Wettbewerb und die Stoßarbeit einbezieht, in die speziellen Arbeitskollektive einbindet, bietet die Administration dem Rückfälligen die Chance, seinen guten Willen zur Besserung unter Beweis zu stellen und sich auf diese Weise der Masse der ehrlichen Werktätigen der Sowjetunion anzuschließen. Dank der vom Leiter der Verwaltung richtig praktizierten Politik der Besserungsarbeit und kulturellen Erziehungsarbeit fanden sich unter den Rückfälligen viele, die den Weg der Besserung beschreiten und beginnen, die Überreste ihrer Vergangenheit zu überwinden. Deshalb wurden gerade sie ausgewählt, als es darum ging, die erste Gruppe von Rückfälligen in die Petropavlovsker Kommune14 zu entsenden. Ungeachtet dessen, das sie ohne Bewachung losgeschickt wurden und unter ihnen einige ›schwere Jungs‹ waren, kamen alle am Bestimmungsort an und begannen die neue Etappe ihrer Gewöhnung an das Arbeitsleben. Davon, wie gut sie sich in der Kommune fühlen und wie gut sie die Kommune aufgenommen hat, kündet der Brief des Kollektivs der Petropavlovsker Arbeitskommune der OGPU an den Leiter der Verwaltung Gen. Čuntonov,15 in dem sie ihre Dankbarkeit für seine Mitwirkung an ihrer Umerziehung zum Ausdruck bringen: ›Als wir die Schwelle zur Kommune überschritten, haben alle mit ihrer Vergangenheit gebrochen und kämpfen nun unerschütterlich um ihre Putevka ins Leben.‹«16

1931, als der Film in die Kinos kam, wurde das Karlag gegründet. Außer der Putevka in russischer Sprache erschienen von März 1934 bis Februar 1935 unter dem Titel ÇAŅA ÇOL (Žana Žol – Neues Leben) insgesamt 49 Ausgaben auf Kasachisch. Bei den Aufsätzen, die aus den russischsprachigen Zeitungen für die kasachische Ausgabe ausgewählt wurden, handelte es sich um leicht gekürzte Übersetzungen der in der Putevka publizierten Beiträge. Beide Blätter, auch wenn sie in Bezug auf ihre Artikelauswahl nicht vollkommen identisch waren, fungierten als Sprachrohr der für kulturelle Erziehungsarbeit zuständigen Abteilung der Lageradministration. Sie war es, die die Inhalte und die Stoßrichtung der Artikel vorgab. Auch im Gulag hatte man sich dem Kampf gegen den großrussischen Chauvinismus verschrieben, der von der Administration als Bestandteil der Lösung der nationalen Frage im Lager verstanden wurde. In zahlreichen Berichten aus den Gründerjahren des Karlag ist davon die Rede, dass russische Häftlinge, die im Lager als Funktionshäftlinge oder Brigadiere eingesetzt wurden, die Angehörigen der indigenen Bevölkerung, die mit ihnen gefangen waren, kasachische Frauen und Männer, drangsalierten. Diese hatten zuvor als Nomaden mit ihren Herden gelebt. Das zunehmend expandierende Lager nahm ihnen jedoch ihren Lebensraum und dem Vieh die Weideflächen. Wer das Land nicht in Richtung China verließ, sondern sich zur Wehr setzte, wurde als »Bandit« verfolgt, verhaftet und zu Zwangsarbeit verurteilt.

Für die Erfüllung der Aufgaben der Lagerwirtschaft war es aber von Bedeutung, dass die Diskriminierung der Häftlinge nichtrussischer Nationalität durch die russischen Häftlinge unterblieb. Am 20. März 1933 hatte der Kommandant des Karlag einen Befehl über die Durchsetzung der Nationalitätenpolitik im Lager erlassen, den mehrere Artikel in der Putevka thematisch aufgriffen. »Die ersten Schritte sind getan«, heißt es in dem Beitrag »Für die nationalen Kader«, der vom Umschmieden der »rückständigen und ehemals nomadisierenden Bevölkerung unter Lagerbedingungen« berichtet.17 Doch eine grundlegende Änderung trat nicht ein. Am 17. April 1934 informierte der stellvertretende Leiter der 3. Abteilung des Karlag über die Verbreitung von großrussischem Chauvinismus, Antisemitismus und Bandenbildung im Lager und kritisierte die Gleichgültigkeit der Administration gegenüber diesen »konterrevolutionären Erscheinungen«. Alle sollten sich als gleichberechtigte Mitglieder der Häftlingsgesellschaft fühlen. Der Chefredakteur, der gleichzeitig einer der Stellvertreter des Lagerkommandanten war, äußerte sich in regelmäßigen Abständen zu diesem Problem, was dessen Stellenwert für die Umerziehung unterstreicht.

Die im Karlag zu sozialistischen Menschen »umgeschmiedeten« Häftlinge sollten nach verbüßter Zwangsarbeit in der kasachischen Steppe ihre »Putevka« in die Sowjetgesellschaft erhalten, um als gleichberechtigte Bürger ein neues, dem Aufbau des Kommunismus gewidmetes Leben zu beginnen. Neben der Zeitung war es vor allem das Lagermuseum, das die »Erfolge bei der Umgestaltung der Natur und beim Umschmieden der Häftlinge zu neuen Menschen« dokumentierte. Der Vorsitzende der Kommission zur Erarbeitung der Geschichte des Karlag betonte das Interesse der Lageradministration an Stoßarbeitern, beispielhafter kollektiver Arbeit und der erfolgreichen Umerziehung von rückfälligen Kriminellen.18

Das Primat der Ökonomie

Alle wirtschaftlichen Leistungen und Erfolge, egal, ob auf dem Gebiet der Melioration oder in der Land- und Viehwirtschaft allgemein, basierten auf der Ausbeutung Tausender Häftlinge des Karlag. Von der Gründung bis zur Auflösung des Lagers waren insgesamt 788 000 Männer und Frauen inhaftiert. Seit 1933 wurden auf Befehl des Lagerkommandanten jährlich Landwirtschaftsausstellungen in Dolinka, dem Sitz der Administration, durchgeführt, auf denen die Produktionsleistungen des Karlag vor allem für Vertreter der örtlichen und Moskauer Behörden präsentiert wurden.19 Die Lageradministration sah sich in ihrer Tätigkeit grundsätzlich bestätigt, wie einer Einschätzung des Karlag-Kommandanten Otto Linin vom Dezember 1933 zu entnehmen ist: »Wir Tschekisten und Mitarbeiter des Karlag – die wir uns in der entlegenen Steppe der Halbwüste Kasachstans befinden und verantwortungsvolle Aufgaben erfüllen, indem wir die klassenmäßige Besserungsarbeitspolitik umsetzen, die Aufgabe des Umschmiedens der Verbrecher zu vollwertigen Menschen, die der sozialistischen Gesellschaft von Nutzen sind – erfüllen nicht minder wichtige Aufgaben, die uns die Partei, die Regierung und das Kollegium der OGPU gestellt haben, nämlich den kulturellen und wirtschaftlichen Aufbau der Peripherie unserer Sowjetunion.«20 Im Folgejahr kamen die Kommandanten des Karlag und des benachbarten Siblag gar auf die Idee, wechselseitig in einen »sozialistischen Wettbewerb« um die besten Arbeitsergebnisse zu treten.21 Ein Wettbewerbsstab lieferte regelmäßig Berichte an die Zeitung.22

Hinter der Verlautbarung, die rationellste Form der Produktion zu finden, verbarg sich die Suche nach der effektivsten Form der Ausbeutung der Häftlinge. Doch so ausgeklügelt die Pläne auch waren, die Administration musste immer wieder deren Scheitern eingestehen. Pavel Lukič Nikiforov, Oberst der Grenztruppen und der Truppen des Innenministeriums, hatte seit 1934 Leitungsfunktionen in Gulags und auf Großbaustellen der GULAG23 inne. Vom 26. August 1938 an war er Stellvertretender Kommandant des Karlag. Er wurde abgesetzt, weil er gegenüber Unterstellten geäußert hatte, dass die Wirtschaft am Boden liege und man besser verschwinden sollte, um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Auf der 1. Parteikonferenz des Karlag 1939 forderte Kartavych, Stellvertreter des Leiters der Verwaltung, Nikiforov für seine Äußerungen mit einer Parteistrafe zu belegen.24 Der Bitte wurde stattgegeben. Von der Gründung des Lagers bis Kriegsbeginn gelang es nach der Einschätzung durch die Führung ein einziges Mal, den Staatsplan zu erfüllen, das war unmittelbar vor dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion.

Welcher Stellenwert hierbei der auf Disziplinierung und Mobilisierung der Häftlingsgesellschaft ausgerichteten Lagerpresse beigemessen wurde, wird vor dem Hintergrund der zur gleichen Zeit erfolgten Einstellung von 15 überregionalen sowjetischen Zeitungen im Jahr 1933 deutlich. Die Putevka, die ihrem Erscheinungsbild nach dem Zentralorgan der KPdSU(B) Pravda folgte, erschien anfangs dreimal monatlich, dann als Wochenzeitung, und schließlich alle drei Tage, wobei Formate, Gestaltung, Auflagenhöhe und Umfang (zwischen zwei und vier, selten auch sechs Seiten) wechselten. Sie wurde von Häftlingen gesetzt und in der lagereigenen Druckerei in Dolinka in einer Auflage von bis zu 5900 Exemplaren gedruckt, im Abonnement vertrieben,25 an Wandzeitungen ausgehangen, in den Häftlingsbaracken verlesen und in für Häftlinge zugänglichen Orten, wie z. B. den Barbierstuben, ausgelegt. Lagerkorrespondenten wiesen immer wieder auf Pannen bei der Auslieferung der Zeitung hin, deren Vorlage im Regelfall mit großer Verspätung in den Produktionsabteilungen eintraf. In einigen Fällen warteten die Abonnenten, darunter auch Häftlinge, vergeblich auf die Zustellung der von ihnen bezahlten Putevka.26

Im Karlag mussten in der Entstehungsphase des Lagers zwischen 12 000 und 30 000 Häftlinge Zwangsarbeit leisten. Zum 1. Januar 1934 waren es 24 148 Häftlinge, darunter 3011 Frauen. Sie waren die eigentlichen Adressaten der Artikel, nutzten die Zeitung aber auf ihre Weise, denn zur Zeitungslektüre blieb nach der Arbeit keine Zeit. Viele Lagerkommandanten versuchten, die Planrückstände durch Verlängerung des Arbeitstages aufzuholen und ließen die Häftlinge 14 bis 16 Stunden sowie an den Sonntagen arbeiten.

Nach einer in der Lagerabteilung Burma durchgeführten Untersuchung erließ der Lagerkommandant am 23. Mai 1935 einen Befehl »Über die Versorgung der Häftlinge mit der Lagerzeitung«. Darin kritisierte er ihre zweckentfremdete Verwendung – die Putevka diente als Tischdecke, als Unterlage für die unter den Pritschen abgelegten Sachen oder als Zigarettenpapier. Während der Instrukteur der Abteilung für kulturelle Erziehungsarbeit in Burma mit einem Rüffel davonkam, mussten die betreffenden Häftlinge für zwei Wochen in den Karzer.27

Zur Verbreitung der Zeitung im Karlag

Im ersten Jahrgang 1932 erschienen 28 Ausgaben der Putevka, auf deren Inhalt jedoch nur aus Artikeln und Leserbriefen geschlossen werden kann, die in den Ausgaben von 1933 publiziert wurden, da im Archiv des Karlag in Karaganda leider keine Exemplare dieser ersten Ausgaben überliefert sind. Nur für den Zeitraum von Januar 1933 bis März 1935 ist ein fast lückenloser Bestand vorhanden.

Vom 10. Januar bis 6. Dezember 1933 erschienen 50 Ausgaben, 1934 waren es 78 (die ersten 15, bis März 1934 herausgegebenen Ausgaben fehlen leider ebenfalls im Archiv), der archivierte Bestand bricht mit der Nr. 23 vom 12. März 1935 ab. In dieser Zeitspanne sind insgesamt 190 Ausgaben der Putevka erschienen. Von Januar 1933 bis zum 12. Mai 1933 erschien die Zeitung in einer Auflage von 2000 Exemplaren. Danach stieg die Auflage zunächst auf 3000 Exemplare und der Preis von drei auf fünf Kopeken. Von nun an erschien sie nicht mehr dreimal im Monat, sondern wöchentlich. Auf den vier Zeitungsseiten fanden im Durchschnitt 20 bis 30 Artikel Platz.

1932 und 1933, als die Zeitung bis zur Ausgabe Nr. 42 alle zehn Tage erschien, war ein Redaktionskollektiv für den Inhalt verantwortlich. Als erster Chefredakteur fungierte I. D. Šigarev, der von A. Šitov abgelöst wurde, der die Zeitung vom März 1934 bis Mai 1934 leitete. Nach ihm übte der Leiter der 3. Abteilung (dem Lager-NKVD) Michail Lavrent’evič Kljušin die Funktion des Chefredakteurs aus. Im Juli 1934 übernahmen I. Kostromin28 und V. Ivanov abwechselnd die Leitung der Redaktion. 1935 zeichnete der Stellvertretende Kommandant des Karlag, Petr Pimenovič Sokolov, als verantwortlicher Redakteur.

Im Regelfall betrug der Umfang der Zeitung vier Seiten, die Auflage erreichte 1934 zeitweilig 4300 Exemplare. Mit steigender Auflage – Papier war knapp – verkleinerte sich das Format der Zeitung auf 28 x 40 cm. Nur im November 1934, aus Anlass des Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, wurde die Zeitung wieder im Großformat und zweifarbig gedruckt. Zum Internationalen Frauentag am 8. März richteten sich die Beiträge hauptsächlich an die weiblichen Häftlinge. In den Ausgaben, die um den 1. Mai herum erschienen, konzentrierte man sich dagegen auf die Erfolge in der Landwirtschaft.

Am 7. November 1933 erschien die Putevka erstmalig mit Porträtzeichnungen von Regierungsmitgliedern auf der Titelseite, elf Tage später auch mit Fotos. Bis dahin enthielt die Zeitung ausschließlich Textbeiträge. Neu in der Ausgabe vom 6. Dezember 1933 waren die grafisch gestalteten Rubriken. Karikaturen, in denen die Missstände im Karlag aufs Korn genommen wurden, sind in der Putevka na posevnoj ab April 1934 zu finden. Hierbei handelt es sich um Ausgaben, die den Verlauf der Aussaatkampagne in den einzelnen Produktionsabteilungen des Karlag zum Inhalt hatten. Insgesamt erschienen in den Monaten April und Mai 1934 zwölf dieser begleitenden Ausgaben. Ihre Auflage betrug 500 bis 700 Exemplare, die Inhalte der durchschnittlich 12 Artikel waren auf die anstehenden Aufgaben der Lagerabteilungen Samarka, Čurbaj-Nura, Zentraler Produktionspunkt, Kotursk und Volkovskoe zugeschnitten.

Einzelne Zeichnungen und Karikaturen wie der »kranke Traktor«, das die Rübe würgende Unkraut, der auf dem Tintenlöscher schaukelnde Bürokrat oder der Faulpelz mit dem großen Esslöffel wurden immer wieder verwendet. Ab Juli 1934 kamen Motive aus der Landwirtschaft, wie Viehtrieb, Heu- bzw. Gemüseernte, hinzu.29

Es gab auch einige wenige Ausgaben mit im Lager aufgenommenen Fotos aus dem Bereich der Tier- und Pflanzenproduktion – so wurden ein Zuchteber, Rinder, Schafe und Sonnenblumenfelder aufgenommen. Häftlinge, die sich durch ihre Arbeit auszeichneten, wurden seit August 1934 mit Porträtzeichnungen geehrt, da Fotos von Häftlingen nicht veröffentlicht werden durften. Im vierten Quartal des Jahres 1934 verdrängten solche Zeichnungen die Karikaturen. Doch nicht nur die Satire verschwand damit aus dem Blatt. Mit dem Wegfall der innen- und außenpolitischen Berichterstattung entfielen auch Meldungen über politische Ereignisse wie Demonstrationen oder Streiks in Österreich oder Paris und die aus den überregionalen sowjetischen Zeitungen übernommenen Fotos. Es scheint, als hätten die Redakteure Lenins Vorgaben aus seinem Artikel »Über den Charakter unserer Zeitungen« vom September 1918 übernommen: »Weniger Politik. Die Politik ist völlig ›geklärt‹ und auf den Kampf zweier Lager reduziert […] Mehr Ökonomisches. Aber Ökonomisches nicht im Sinne ›allgemeiner‹ Auslassungen und gelehrter Abhandlungen, intelligenzlerischer Pläne und ähnlichem Gewäsch, das leider nur zu oft eben nichts anderes ist als Gewäsch. Nein, wir brauchen Ökonomisches im Sinne des Sammelns, sorgfältigen Prüfens und Studierens des Tatsachenmaterials aus dem Aufbau des neuen Lebens, wie es sich in Wirklichkeit vollzieht. […] Weniger politisches Wortgeprassel. Weniger intelligenzlerische Betrachtungen. Näher heran ans Leben. Mehr Aufmerksamkeit dafür, wie die Arbeiter- und Bauernmassen in ihrer täglichen Arbeit in der Praxis etwas Neues bauen. Mehr Kontrolle darüber, wie weit dieses neue kommunistisch ist.«30

Die Themenpalette der Putevka

In den Jahrgängen 1933 bis 1935 wurden über 3300 Artikel von über 1200 Autoren publiziert. Am 28. März 1935 hatte der Lagerkommandant aus Anlass des dritten Jahrestages des Erscheinens der ersten Nummer ein Dekret »Über die Lagerpresse« erlassen. Darin hob er die Zunahme der Lagerkorrespondenten hervor, deren Zahl sich im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht hatte, die Auflage war allerdings auch siebenmal so hoch wie im ersten Jahr.

Außer der regulären Putevka erschienen während der Alphabetisierungskampagne im Karlag Ende 1933 zwei Extraausgaben der Putevka dlja načinajuščichsja čitat’ [Putevka für jene, die Lesen lernen]. Bis zum 16. Jahrestag der Oktoberrevolution sollten z. B. alle Analphabeten der Produktionsabteilung Koktunkul’ in Kursen erfasst sein. Der Erzieher Erdmann und der Leiter der für die kulturelle Erziehungsarbeit zuständigen Abteilung in Koktunkul’ forderten in der Putevka vom 24. Oktober 1933 die anderen Abteilungen auf, ihrem Beispiel zu folgen.31

1934, mit der beständigen Ausdehnung des Karlags, der weiteren Erschließung der Steppe, kam ein neuer Aufgabenbereich hinzu – die gezielte Verbreitung von Expertenwissen in den über das Territorium verstreuten Produktionspunkten des gewaltigen Lagerkomplexes. Das auf Viehzucht und Landwirtschaft spezialisierte Lager bestand aus sogenannten Lagerabteilungen, die ihrerseits wiederum in Abschnitte, Farmen und Produktionspunkte untergliedert waren.32 Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen des Lagers arbeiteten eng mit der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften in Leningrad zusammen. Sie standen unter der Leitung von verhafteten Wissenschaftlern oder Zivilangestellten. Der aus dem Siblag übernommene Professor F. G. Cion leitete das bakteriologische Labor des Karlag, in dem u. a. Impfstoffe für Rinder produziert wurden.33 In den Folgejahren fanden in den landwirtschaftlichen Versuchsstationen zahlreiche Experimente zur Entwicklung neuer winterharter Getreidesorten und resistenterer Obstbäume sowie die Aufzucht von Vieh statt. Diese Forschungsergebnisse und praktischen Erfahrungen wurden über die Grenzen des Lagers hinweg verbreitet und brachten der Administration sogar zusätzliche Geldeinnahmen.

Am 21. April 1934 erschien die Putevka zunächst mit einer Beilage, aus der später eine eigene großformatige Zeitung namens Za novuju techniku [Für eine neue Technik] hervorging. In den zehn Ausgaben des Jahres 1934 (bis Februar 1935 stieg deren Zahl auf zwölf) kamen die im Lager beschäftigten Spezialisten, in erster Linie Tierärzte, Agronomen, Hydrologen und Botaniker, zu Wort. Als Chefredakteur fungierte bis Februar 1935 Ivanov.

Der Schwerpunkt der Berichterstattung in der Putevka und ihren Sonderausgaben lag auf der Durchsetzung der Planerfüllung. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung war auch Kritik an Missständen im Lager und an einzelnen Funktionsträgern erlaubt. Hierfür standen gleich mehrere Rubriken zur Verfügung. Sie blieben von 1933 bis 1936, sieht man von der innen- und außenpolitischen Berichterstattung ab, unverändert: Bloknot lagkora [Notizblock des Lagerkorrespondenten], Lagkory pišut [Lagerkorrespondenten schreiben], Loskutki byta [Alltagsfetzen], Na kul’turno-vospitatel’nom fronte [An der kultur-erzieherischen Front], Naša scena [Unsere Bühne], Ob”javlenija [Mitteilungen], Ot redakcii [Die Redaktion teilt mit], Po otdelenijam Karlaga [Aus den Produktionsabteilungen des Karlag], Po sledam zametok [Auf den Spuren der Zuschriften], Po sojuzu SSR [Aus der UdSSR], Proizvodstvo [Produktion], Putevka otvečaet [Die Putevka antwortet], Sanitarnyj ugolok [Sanitärecke], Transport, Vmesto fel’etona [Anstelle eines Feuilletons], Vnimanie lagerniki [Lagerinsassen aufgepasst], Za rubežom [Aus dem Ausland], Životnovodstvo [Viehzucht].

In diesen Rubriken kamen die Lagerkorrespondenten und Stoßarbeiter »als beste und bewussteste Vertreter der Lagermasse« zu Wort. Im offenen Brief der Redaktion an die Lagerkorrespondenten heißt es: »Nur in einer derartig engen Zusammenarbeit mit Ihnen, Genossen Lagerkorrespondenten und Stoßarbeiter, wird es uns gelingen, den Willen der Häftlinge auf den Weg der Besserung durch Arbeit zu lenken […] nur so können wir den Häftling tatsächlich erziehen und umerziehen, ihn in einen neuen Menschen verwandeln, der in der Lage und fähig ist, Mitglied unserer freien Arbeitsgesellschaft zu sein.«34

Die Ersetzung der Losung »Proletarier aller Länder, vereinigt Euch« durch Stalins Feststellung im Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees an den XVI. Parteitag der KPdSU(B) »In der Sowjetunion ist die Arbeit eine Sache der Ehre, des Ruhmes, der Tapferkeit und des Heroismus«35 in der Ausgabe vom 18. Mai 1933 spiegelt die laufende inhaltliche Profilierung der Lagerzeitung wider. Das Stalinzitat war zudem außen und innen auf dem Arbeitsbuch der Stoßarbeiter abgedruckt.

Die anfangs vorhandene Berichterstattung über außenpolitische Ereignisse wie den Reichstagsbrandprozess in Leipzig, den Aufstand in Wien 1934, die Unruhen in Spanien und Frankreich und wichtige innenpolitische Themen, wie z. B. den 16. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, wurde im März 1934 zugunsten der ausschließlich auf das Lager bezogenen Meldungen eingestellt. Eine Welt außerhalb des Lagers, sieht man vom Siblag ab, mit dem das Karlag im sozialistischen Wettbewerb stand, schien nicht zu existieren. Entsprechend änderte sich auch die Diktion der Beiträge.

Sonderausgaben der Putevka erschienen zur Zeichnung der Staatsanleihe im Mai 1934, dem Bau des Weißmeerkanals, der Alphabetisierungskampagne sowie zum Tod von Partei- und Staatsfunktionären wie des Vorsitzenden der OGPU, Vjačeslav Menžinskij (Mai 1934), des Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission Valerian Kujbyšev (Januar 1935) und des Leningrader Parteichefs Sergej Kirov (Dezember 1934).

Das gescheiterte Experiment

Den Verantwortlichen in den Produktionsabteilungen gelang es trotz allem selten, die Häftlinge so »umzuschmieden«, wie man es »oben« erwartete. Exemplarisch dafür ist die Auflistung einiger Inspektionsergebnisse aus dem Lagerpunkt Čurbaj-Nura im Frühjahr 1935: »1. Die für die Führung der kulturellen Erziehungsarbeit vorgesehenen Kader waren nicht vorbereitet, verfügten auch nicht über die erforderliche Qualifikation. 2. Die Häftlinge waren über die Produktionspläne und Normvorgaben nicht informiert. 3. Sichtagitation zur Planerfüllung gab es keine. 4. Politunterricht fand nicht statt, aus der Zeitung wurde nur selten vorgelesen. 5. Es gab keinen Wettbewerb zwischen den Brigaden. 6. Die Anleitung der Stoßarbeiter war nicht garantiert. 7. Die Wandzeitungen, sofern es welche gab, waren schlampig gearbeitet, unansehnlich und voller pornografischer Kritzeleien.«36 Gewöhnlich reagierte die Administration auf derartige gravierende Mängel mit einem Befehl, wie dem vom 16. Mai 1935 erlassenen Dekret des Karlag-Kommandanten »Über die Festigung der Kader für kulturerzieherische Arbeit«.37 »Diese Kader«, betonte der Kommandant, »müssen fähig sein, unter Lagerbedingungen eine besonders verantwortungsvolle Rolle beim Umschmieden ehemaliger Gesetzesbrecher zu spielen«. In den Sommermonaten sollten »Kulturarbeiter« unter den Häftlingen ausgewählt und in einem 15-tägigen Lehrgang geschult werden. Doch das schnelle »Umschmieden« der Gefangenen blieb ein Wunschtraum der Administration. Nicht zuletzt deshalb verlangte die Führung des Lagers nach Häftlingen, die die Rolle von »Umerzogenen« annahmen oder spielten. Dies war in den Dreißigerjahren Bestandteil der Entlassungszeremonie. Einige der Briefe, die die Entlassenen voller Dankbarkeit an den Kommandanten schrieben, sind in der Putevka veröffentlicht. Da ihr Aufbau – bis in die Wortwahl – identisch ist, kann nur von Auftragsarbeiten die Rede sein.38

Es ließen sich noch viele weitere Beispiele für die hier nur angedeuteten Facetten der auf Manipulation der Häftlinge ausgerichteten Berichterstattung in der Putevka anführen. Sie wird vor allem in den Leitartikeln und redaktionellen Beiträgen deutlich, die parallel zur Berichterstattung über den Kampf an den Erntefronten und den Appellen und Befehlen des Lagerkommandanten publiziert wurden.

Der Wert der Zeitung für die Gulagforschung besteht in der Widerspiegelung der Arbeits- und Lebensbedingungen im Karagandinsker Besserungsarbeitslager aus den konträren Blickwinkeln der Häftlinge und der Lageradministration. Die in die Ausgaben aufgenommenen Illustrationen und Karikaturen illustrieren diesen Gegensatz.

Mit Pseudonymen (Nadel, wachsames Auge, Igel, Beobachter, ein Beleidigter), Funktionsbezeichnungen (Brigadier, Traktorist, Melkerin) bzw. Namenskürzeln gezeichnete Zuschriften, Artikel, Stellungnahmen und Eingaben handeln von Arbeits- und Lebensbedingungen, Verpflegung, Hygiene, Arbeitsnormen und reglementierter »Freizeit«.

In diesen Berichten, die »zwischen den Zeilen« eine Unmenge von Informationen enthalten, kommen der menschenverachtende Charakter und die Ineffizienz des Besserungsarbeitslagersystems deutlich zum Ausdruck. Die diesbezüglich aufschlussreichsten Artikel sind den Rubriken »Lagerkorrespondenten schreiben«, »Ecke des Lagerkorrespondenten«, »Anstelle eines Feuilletons«, »Alltagsfetzen« und »An der kultur-erzieherischen Front« zu entnehmen. Von 1933 bis 1936 wurden in der Putevka mehr als 150 Best- und Stoßarbeiter, sogenannte udarniki, in Wort und Bild vorgestellt. So frisiert und manipuliert diese Berichte auch sind, hier kommen Häftlinge zu Wort, die heute nicht mehr befragt werden können. Einige Autoren schrieben regelmäßig für die Zeitung und prägten die Berichterstattung. Die Agitbrigade der Putevka ist im ausgewerteten Zeitraum mit 13, K. Lavrinovič mit 17, K. Poliščuk mit 12, Kul’taktivist und der Erzieher S. I. Markov mit jeweils sechs, Krivencov und Azbel’ sind mit jeweils vier, Dolinskij und Kozlov mit jeweils drei, Wespe (Osa), Rykov, Kulanbaev, Dubov, Gračev, Egorov und Bližnij mit jeweils zwei Beiträgen vertreten.

Stil und Sprache der Artikel sprechen für sich. In der Häftlingsgesellschaft und in der Lageradministration wurden bei genauer Betrachtung unterschiedliche Sprachen gesprochen. Die Lageradministration bediente sich einer durch die Bürgerkriegszeit geprägten, an der militärischen Praxis orientierten Sprache. Die Zeitung griff die Auseinandersetzung auf diesem Gebiet thematisch auf und widmete dem Kampf gegen die Verunreinigung der Sprache durch das Rotwelsch mehrere Artikel.39 Für die Ausdrucksweise der Administration typische Begriffe, wie z. B. auch Zeitung bzw. Presse, spielten für die Häftlinge keine Rolle. So kommen sie in dem von Jacques Rossi vorgelegten Gulag-Handbuch auch nicht vor.40

Die von Meinhard Stark während der Recherchen in Kasachstan interviewten Gesprächspartner konnten sich nicht an die im Lager vorhandenen Zeitungen erinnern. Die meisten von ihnen kamen in den Jahren des Großen Terrors und danach in das Karlag. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Putevka ihr Erscheinen eingestellt. Danach gab es Zeitungen nur noch für Mitarbeiter und Zivilangestellte. Der vom Verfasser interviewte Arzt Viktor Vol’fovskij erinnerte sich daran, in den Fünfzigerjahren für die Zeitung Für die sozialistische Viehwirtschaft geschrieben zu haben.

Anfang der Dreißigerjahre hatte es sich noch nicht durchgesetzt, die Häftlinge als zaključennye (mit der Abkürzung z/k, Zek) zu bezeichnen. Häufiger war von der Lagergesellschaft und deren männlichen und weiblichen Mitgliedern (Lagernik/Lagernica – Lagerinsasse/Lagerinsassin) oder Karlagovcy die Rede. Andere Autoren zogen den Begriff lagernaja massa [Lagermasse] in Analogie zu den werktätigen Massen der Gesellschaft vor.

Darin spiegelte sich die Umerziehungskonzeption als Teil der Kulturrevolution wider, das Lager war als Produktionsstandort eine Art Transitstation, die der Häftling möglichst schnell durchlaufen sollte, um anschließend in die sozialistische Gesellschaft zurückzukehren. Der Große Terror machte dem ein Ende. Im Artikel des Lagerkommandanten aus Anlass der 300. Ausgabe der Putevka heißt es 1936 u. a.: »Seit dem Tag des Erscheinens der ersten Ausgabe der Lagerzeitung Putevka sind über vier Jahre vergangen. In dieser Zeit hat die Zeitung zusammen mit den Massen, an der Spitze der Massen, den besten der Besten voran, einen ruhmreichen Weg zurückgelegt. Vom bescheidenen Blättchen, das die Putevka anfangs war, hat sie sich zur kämpferischen Zeitung, zum Sprachrohr der Administration, zur Tribüne der Bestarbeiter, der Stachanovisten entwickelt. Sie wurde zu einem echten Organisator der Massen, zur führenden Zeitung der Lagerpresse und der Armee der Lagerkorrespondenten. Dreihundert Ausgaben der Putevka, das sind dreihundert flammende Aufrufe zur höchsten Arbeitsproduktivität, zu glänzenden Produktionsergebnissen, zum Umschmieden des Bewusstseins der Menschen auf der Grundlage der kollektiven Stoßarbeit.41 Dreihundert Ausgaben der Putevka, dass sind dreihundert machtvolle Schläge gegen Faulheit, Schlamperei, Rückständigkeit und Konservativismus, gegen Raffkes, Faulenzer und Diebe, die sich an sozialistischem Eigentum vergingen, gegen Feinde der Stachanov-Bewegung, gegen feindliche Klassenelemente, die auch hier ihr Gift der Schädlingstätigkeit verbreiten wollen.«42

Doch 1937, mit Beginn des Großen Terrors, änderten sich die Umerziehungsambitionen der GULAG und folglich auch der Administration des Karlag, was zur Folge hatte, dass die Zeitung eingestellt wurde.

Die Lagerzeitung als Funktionärsorgan

Die 1939 mit der Reorganisation der Politabteilungen wiederbelebten Lagerzeitungen hatten andere Aufgaben und richteten sich ausschließlich an die Mitarbeiter der Administration.43 Anders als vor dem Großen Terror, als die Zeitungen auch für Häftlinge produziert und von Lagerkorrespondenten mit Informationen und Artikeln beliefert wurden, sprach die Lagerpresse in den Vierziger- und Fünfzigerjahren in erster Linie die Zivilangestellten und Mitarbeiter an. Zu den schon den Inhalt der Häftlingszeitungen bestimmenden Themen wie sozialistischer Wettbewerb, Sparsamkeit und Mobilisierung von Ressourcen kamen Berichte über das Parteileben sowie die Aus- und Weiterbildung der Kader hinzu.

Der Bezug zur laufenden Produktion sollte deutlich herausgearbeitet und die Anzahl der Redaktionsmitglieder reduziert werden. Von nun an musste der Chefredakteur von der Gebietsleitung der KPdSU(B) bestätigt werden. Am 3. Juni 1942 wurden die Lagerzeitungen auf Beschluss des Sekretariats des ZK der KPdSU(B) auch bezüglich des Layouts und des Formats vereinheitlicht.44 Als Herausgeber fungierte stets die Politabteilung.

Die Wiederbelebung der Lagerzeitung im Karlag geht zurück auf eine Diskussion während der ersten Parteikonferenz 1939. A. G. Derevjankin, Mitarbeiter der 3. Abteilung, beklagte das Fehlen einer Lagerzeitung, die den Erfahrungsaustausch befördern könnte. 45 Wenn es nicht gelänge, die Zeitung wiederzubeleben, sollten wenigstens Bulletins zur Verbesserung des Erfahrungsaustausches herausgegeben werden, schlug M. V. Makeev, stellvertretender Parteisekretär der Parteiorganisation des 1. Rayon, vor.46 Der Leiter der Politabteilung Samochodov nutzte zu guter Letzt sein Schlusswort, um auf die Wichtigkeit der Lagerzeitung hinzuweisen.47 Die Reaktivierung anderer Lagerzeitungen, wie die des Siblag, erfolgte zeitversetzt, aber nach dem gleichen Schema.48

Am 23. Januar 1941 hatte das ZK der KPdSU(B) einen Beschluss über die Verbesserung der Arbeit zur Erstellung der Betriebszeitungen gefasst. Als solche galten auch die Lagerzeitungen. In den Lagern und auf den Großbaustellen der GULAG erschienen 20 Wochenzeitungen mit einer Jahresauflage von 35 000 Exemplaren, berichtete der stellvertretende Leiter der Politabteilung der GULAG, M. Gavrilin, dem Stellvertreter des Volkskommissars für Innere Angelegenheiten Sergej Nikiforovič Kruglov am 6. März 1941. Im Karlag und in vier anderen Lagern kam die Zeitung zweimal in der Woche heraus.49 Im März 1941 schickte die Politabteilung allen Leitern der Politabteilungen einen darauf aufbauenden Beschluss »Über die Umgestaltung der Zeitungen der Politabteilungen der Lager und Baustellen des NKVD« zu.50 Die Herausgabe der Lagerzeitungen wurde vom Volkskommissariat für Finanzen mit einer Million Rubel bezuschusst.

Auf der V. Parteikonferenz (1945) berichtete Fanja Solomonovna Ančipolovskaja über die seit der IV. Parteikonferenz (1943) geleistete Arbeit der Zeitung Für die sozialistische Viehwirtschaft.51 Es war der erste umfassendere Bericht seit der Tagung des Wirtschaftsaktivs der Partei im März 1945. Unter den Autoren waren sehr viele Instrukteure der Politabteilung; die Parteisekretäre Nikolaj Makarovič Solomkin, D. D. Kapnin, M. E. Birjukov, Vorob’ev und Abis schrieben ab und zu, die anderen Parteifunktionäre eher selten oder überhaupt nicht. Die Weisung der Politabteilung, jede Abteilungsparteiorganisation möge einen Korrespondenten benennen, wurde befolgt, nur schrieben viele von ihnen nicht einen einzigen Artikel. In der Regel setzten sie ihre Unterschrift unter Wettbewerbsaufrufe.

Laut Aussage von Ančipolovskaja waren unter den 157 Korrespondenten, die regelmäßig für die Zeitung schrieben, 1944 53 Parteilose und 87 Parteimitglieder; 1945 stieg die Zahl leicht an, auf 57 bzw. 90. Dafür sank die Zahl der schreibenden Komsomolzen von 17 auf fünf. Zum Thema Pflanzenproduktion gab es 13 Leitartikel, zur Viehwirtschaft nur zwei.

Bald kam ein neues Thema, die Beförderung der Kritik und Selbstkritik, hinzu. Doch die Zeitung könne, da sie nur einmal in der Woche erscheine, die Veränderungen im Lagerleben nicht adäquat widerspiegeln, gab wiederum die Chefredakteurin der Zeitung Für die sozialistische Viehwirtschaft auf der VI. Parteikonferenz 1946 zu bedenken. Hinzu käme, dass Kritik von den Parteimitgliedern immer noch nicht angenommen würde. »Die meisten fühlten sich verletzt oder angegriffen und reagierten nicht so, wie es sich für Parteimitglieder gehört. Selbstverständlich prüften die Redakteure die ihnen vorliegenden Informationen, doch die Kritisierten [es handelte sich stets um Personal bis zur mittleren Leitungsebene einer Lagerabteilung, W.H.] reagierten beleidigt und wiesen die Kritik als verleumderische Verschwörung gegen ihre Person zurück.«52

Auf der VII. Parteikonferenz konnte die Chefredakteurin an ihre Rede vom Vorjahr anknüpfen. »Wir bekommen aber auch keine Artikel aus den Parteigruppen. Wir leben ausschließlich von dem, was wir erhalten. Auch unter den hier anwesenden Delegierten sind Autoren nicht zahlreich vertreten.« Sie unterbreitete den Vorschlag, die Zeitung als Ort für den Erfahrungsaustausch der Propagandisten zu nutzen. »Wenn wir kritische Artikel veröffentlichen, werden wir barsch angefahren. Ich habe auf der letzten Konferenz dazu gesprochen und muss es heute wieder tun.«53 Ihr Resümee machte deutlich, dass die Initiative nicht »von unten«, sondern »von oben« ausging. Diese Kritik ging der Parteileitung zu weit, die Chefredakteurin wurde nicht wieder als Delegierte aufgestellt.


1 Siehe Alla Jur’evna Gorčeva: Pressa Gulaga 1918–1955 [Die Presse des Gulag 1918–1955], Moskau 1996.

2 Siehe die Aufstellung der im Gosudarstvennyj Archiv Rossijskoj Federacii/Staatsarchiv der Russischen Föderation (im Folgenden: GARF) aufbewahrten Zeitungen aus 40 Lagern, die in den Fünfzigerjahren 
für die Mitarbeiter hergestellt wurden, in: Istorija stalinskogo Gulaga. Konec 1920-ch – pervaja polovina 1950-ch godov. Sobranie dokumentov v semi tomach. T. 7, Annotirovannyj ukazatel’ del [Geschichte des Stalin’schen Gulag. Von Ende der Zwanziger- bis in die erste Hälfte der Fünfzigerjahre. Sammlung von Dokumenten in sieben Bänden, Bd. 7, Annotiertes Findbuch], Moskau 2005, S. 145–147.

3 Belomoro-Baltijskij ITL (1931–1941). Angaben zum Lager in: Michail Borisovič Smirnov (Hg.): Sistema ispravitel’no-trudovych lagerej v SSSR, 1923-1960. Spravočnik [Das System der Besserungsarbeitslager in der UdSSR, 1923–1960. Handbuch], Moskau 1998, S. 162–164.

4 Dmitrovskij ITL (1932–1938). Angaben zum Lager in: Smirnov: Sistema (Anm. 3), S. 214 f.

5 Sibirskij ITL (1929–1960). Angaben zum Lager in: ebd., S. 391–393.

6 Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hg.): Der Reichstagsbrandprozeß und Georgi Dimitroff. Dokumente, Bd. 2, Berlin 1989, S. 810 u. 836.

7 Siehe Lejpcigskoe sudilišče v tupike [Der Leipziger Prozess in der Sackgasse], in: Putevka vom 18. Oktober 1933, S. 2; Posle Lejpciga – Berlin [Nach Leipzig – Berlin], in: Putevka vom 24. Oktober 1933, S. 2; Na Lejpcigskom processe. Fašistskij sud postupil k razboru političeskich voprossov [Vom Leipziger Prozess. Das faschistische Gericht begann mit der Analyse politischer Fragen], in: Putevka vom 
3. Dezember 1933, S. 2; Na lejpcigskom processe [Vom Leipziger Prozess], in: Putevka vom 6. Dezember 1933, S. 2.

8 Ein andres kophtisches Lied, in: Goethes Werke, hrsg. im Auftrage der Großherzogin Sophie von Sachsen, Abt. I, Bd. 1, Weimar 1887, S. 131.

9 Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Zeitung, die im Siblag erschien.

10 Bei diesem Archiv, das im Gebäude des Bezirksarchivs in Karaganda untergebracht ist, handelt es sich um ein Behördenarchiv.

11 Eine Auswahl diverser Artikel findet sich in: Wladislaw Hedeler (Hg.): Vom Schmieden neuer Menschen. Artikel der Lagerzeitung des Karlag »Putjowka«, Leipzig 2011.

12 Der Weg ins Leben, in: Christine Engel (Hg.): Geschichte des sowjetischen und russischen Films, Stuttgart 1999, S. 56–58.

13 Auf DVD in der Reihe »Šedevry sovetskogo kino« [Meisterwerke des sowjetischen Films] erhältlich.

14 Umerziehungseinrichtung in der Stadt Petropavlovsk im Norden Kasachstans.

15 Oberleutnant M. M. Čuntonov war von Januar 1931 bis August 1933 Kommandant des Karlag. In den acht Produktionsabteilungen des Lagers befanden sich 10 000 bis 27 000 Häftlinge.

16 Wir liquidieren die Vergangenheit und schaffen die Zukunft, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 23 f.

17 Für die nationalen Kader, in: ebd., S. 31.

18 Siehe Befehl Nr. 84 der Verwaltung des Karagandinsker Besserungsarbeitslagers des NKVD vom 26. März 1935. Über die Einrichtung eines Lagermuseums, in: Wladislaw Hedeler (Hg.): KARLAG. Das Karagandinsker Besserungsarbeitslager 1930–1959. Dokumente zur Geschichte des Lagers, seiner Häftlinge und Bewacher. Paderborn 2007, S. 61; Befehl Nr. 215 der Verwaltung des Karagandinsker Besserungsarbeits-
lagers des NKVD für das Jahr 1935 vom 10. Juli 1935. Über die Organisation einer Lagerausstellung im Herbst 1935, in: ebd., S. 64 f.

19 Siehe Die Parade der Errungenschaften, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 71–76.

20 Befehl des Kommandanten des Karlag vom 20. Dezember 1933, Gosudarstvennyj archiv Karagandinskoj oblasti/Staatsarchiv des Gebietes Karaganda (im Folgenden: GAKO), sv. 6, d. 2, l. 388.

21 Siehe Dogovor s Siblagom na sorevnovanie [Vertrag mit dem Siblag über den Wettbewerb], in: Putevka vom 26. August 1934.

22 Siehe Mariinsk, Siblag. An die sibirische Perekowka, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 76.

23 GULAG ist die Abkürzung für Glavnoe upravlenie lagerej [Hauptverwaltung Lager (der OGPU/des NKVD der UdSSR)]. Hier nicht zu verwechseln mit Gulag, einem Besserungsarbeitslager.

24 Siehe GAKO, f. 1171, op. 1, d. 2-14, l. 19.

25 Abo-Preis im Monat 15 Kopeken, für zwei Monate 25 Kopeken, für drei Monate 40 Kopeken. Ab dem 18. Mai 1933 kostete eine Ausgabe fünf Kopeken.

26 Siehe Aber Zeitungen gibt es immer noch nicht, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 77.

27 Siehe Befehl des Lagerkommandanten vom 23. Mai 1935. Über die Versorgung der Häftlinge mit der Lagerzeitung, GAKO, sv. 3, d. 7, l. 240.

28 Der ehemalige Häftling Kostromin war 1932 kommissarischer Leiter der Abteilung für kulturelle Erziehungsarbeit des Karlag, 1935 wurde er als Mitglied in die KPdSU(B) aufgenommen und gehörte der Kommission zur Vorbereitung der Landwirtschaftsausstellung des Karlag an, von 1933 bis 1936 arbeitete er als verantwortlicher Redakteur der Putevka.

29 Siehe Zeichnungen und Karikaturen aus der Putevka, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11). 
44 Abbildungen und Karikaturen aus den Zeitungen werden im Buch abgedruckt.

30 Wladimir Iljitsch Lenin: Über den Charakter unserer Zeitungen, in: W. I. Lenin, Werke, Bd. 28, S. 86–88. Hervorhebungen in der Quelle.

31 Noch Anfang 1937 waren nach Angaben der Lageradministration 4000 der 27 000 Karlag-Häftlinge Analphabeten. Diese wurden in Gruppen zu je 20 Häftlingen zusammengefasst, um vom 25. Februar bis 5. März 1937 einen Alphabetisierungsgrundkurs zu absolvieren. Er stand unter dem Motto »Ohne das Alphabet versteht man das neue Leben nicht«.

32 Siehe dazu Wladislaw Hedeler/Meinhard Stark: Das Grab in der Steppe. Leben im GULAG. Die Geschichte eines sowjetischen »Besserungsarbeitslagers« 1930–1959, Paderborn 2007.

33 Siehe Befehl des Kommandanten des Karlag vom 20. März 1935, GAKO, sv 7, d. 3, l. 19. F. G. Cion war ab 1943 Mitarbeiter der Administration und leitete die Poliklinik des Karlag.

34 An unsere Lagerkorrespondenten und Stoßarbeiter, in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 16.

35 Josef Stalin: Politischer Rechenschaftsbericht an den 16. Parteitag, in: J. W. Stalin, Werke, Berlin 1954, Bd. 12, S. 276.

36 Befehl des Kommandanten des Karlag vom 13. Mai 1935, GAKO, sv. 7, d. 3, l. 222 f.

37 Befehl des Kommandanten des Karlag vom 16. Mai 1935, ebd., l. 229.

38 Eine Auswahl dieser 1935 in der Putevka veröffentlichten Briefe findet sich in: Hedeler: Vom Schmieden (Anm. 11), S. 86–89.

39 Siehe »Tufta«, in: ebd., S. 33 f.

40 Siehe Žak Rossi: Spravočnik po Gulagu. V dvuch častjach [Gulag-Handbuch], Moskau 1991.

41 Im handschriftlich geänderten Entwurf des Befehls stand ursprünglich »auf der Grundlage der kommunistischen Einstellung zur Arbeit«.

42 Befehl Nr. 216 der Verwaltung des Karagandinsker Besserungsarbeitslagers des NKVD für das Jahr 1936 vom 22. Juni 1936. Über das Erscheinen der 300. Ausgabe der Putevka, in: Hedeler: KARLAG 
(Anm. 18), S. 71–74.

43 Siehe Wladislaw Hedeler: Die Ökonomik des Terrors. Zur Organisationsgeschichte des Gulag 
1939–1960, Hannover 2010.

44 Siehe Gorčeva: Pressa (Anm. 1), S. 55.

45 Siehe Diskussionsbeitrag von Derevjankin auf der I. Parteikonferenz des Karlag, GAKO 1171-1-2-14, l. 4.

46 Siehe Diskussionsbeitrag von Makeev auf der I. Parteikonferenz des Karlag, GAKO 1171-1-2-14, l. 6-7.

47 Siehe Schlusswort von Samochodov auf der I. Parteikonferenz des Karlag, GAKO 1171-1-2-14, l. 20-23.

48 Siehe Hedeler: Die Ökonomik (Anm. 43), S. 47 f.

49 Dokladnaja zapiska zamestitelja načal’nika Politotdela GULAG zamestitelju narkoma vnutrennich del SSSR S. N. Kruglovu o sostojanii mnogotiražnych gazet lagerej i stroek GULAG na 1 marta 1941 [Bericht des stellvertretenden Leiters der Politabteilung der GULAG an den stellvertretenden Volkskommissar für Innere Angelegenheiten der UdSSR S. N. Kruglov über den Zustand der Zeitungen und Baustellen am 1. März 1941], in: Istorija Stalinskogo Gulaga. Naselenie Gulaga, čislennost’ i uslovija soderžanija [Geschichte des Stalin’schen Gulag. Die Bevölkerung des Gulag, Anzahl und Haftbedingungen], Moskau 2004, T. 4, S. 182.

50 Gorčeva: Pressa (Anm. 1), S. 57.

51 Ančipolovskaja war 1945 und von 1948 bis 1950 Chefredakteurin der Zeitung. Siehe Diskussionsbeitrag von Ančipolovskaja auf der V. Parteikonferenz des Karlag, GAKO 1171-1-23-1319, l. 24.

52 Diskussionsbeitrag von Ančipolovskaja auf der VI. Parteikonferenz des Karlag, GAKO, 1171-1-30-1742, l. 3-4.

53 Diskussionsbeitrag von Ančipolovskaja auf der VII. Parteikonferenz des Karlag, GAKO, 1171-1-30-1743, l. 2-3.

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