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Die Lebensbeichte eines Quäker-Kommunisten: Zum Brief des geheimen Gefangenen Noel H. Field aus dem Staatssicherheitsgefängnis in Budapest an das Zentralkomitee der KPdSU vom März 1954

JHK 2002 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 199-285 | Aufbau Verlag

Autor/in: Bernd-Rainer Barth

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Die Field-Affäre

Die Affäre um den Amerikaner Noel Field, mit der im Herbst 1949 die Serie osteuropäischer Schauprozesse und stalinistischer »Säuberungen« eingeleitet wurde, umgibt auch mehr als fünfzig Jahre nach den Ereignissen immer noch ein Gespinst aus Geheimnissen, Halbwahrheiten und Spekulationen.

Im Sommer des Jahres 1949 – mitten im Kalten Krieg – war unter mysteriösen Umständen eine amerikanische Familie spurlos hinter dem »Eisernen Vorhang« verschwunden. Zunächst war im Mai 1949 der ehemalige europäische Leiter des amerikanischen Flüchtlingshilfswerkes »Unitarian Service Committee«, Noel Field, in Prag verschwunden. Als seine Frau Herta K. Field und sein Bruder Hermann mit Nachforschungen beginnen, erleiden sie im August 1949 dasselbe Schicksal.

Vier Monate später, im September 1949, tauchte der Name Noel Field wieder auf: losgelöst von der realen Person wurde er im Budapester Rajk-Prozeß,– später auch in den »Parteisäuberungen« in Warschau, Ost-Berlin (in der Affäre um Paul Merker und andere) bzw. im Herbst 1952 im Schauprozeß gegen Rudolf Slansky in Prag – zur Fiktion des »amerikanischen Meisterspions« aufgebaut, der sich bereits während des Zweiten Weltkrieges in die kommunistische Bewegung eingeschlichen habe. Die Verbindungen kommunistischer Emigranten zum Spionage-Phantom Noel Field wurden im Budapester »Musterprozeß« gegen den ehemaligen ungarischen Außenminister László Rajk zum Bindeglied zwischen imperialistischer und titoistischer Unterwanderung des kommunistischen Lagers.[2] Die in den Schauprozeßkonstruktionen aufscheinende Logik der »Kontaktschuld« produzierte im weiteren Verlauf immer neue Opfer. Wie die Verfasserin der einzigen Field-Biographie,[3] Flora Lewis, treffend schrieb, war Noel Field »so etwas wie der Träger eines unsichtbaren, heimtückischen Bazillus gewesen, den er unwissentlich auf alle übertrug, die in seine Nähe kamen. Die Befallenen gaben die Krankheit unabsichtlich weiter, und der Name Field wurde ein Synonym für Angst.«[4] Noel Field selbst trat jedoch in keinem der Prozesse als Angeklagter oder Zeuge auf.

Bereits vor seinem Verschwinden in Prag waren im Westen Meldungen aufgetaucht, Noel Field sei vermutlich Kommunist, möglicherweise sogar ein sow­jetischer Agent – was den »Fall Field« noch verwirrender machte. Sein Name, bei den vom Nationalsozialismus Verfolgten einst Symbol für Hilfe und Solidarität, wurde nun mit Verrat und Spionage verbunden.

Noel Fields ehemaliger Kollege im State Department, der Leiter des OSS für Zentral-Europa in Bern (ab Herbst 1942) und spätere CIA-Direktor, Allen Dulles, als dessen »rechte Hand« Noel Field von der kommunistischen Propaganda in den Schauprozessen präsentiert wurde, beschrieb die Field-Affäre zwanzig Jahre nach den Ereignissen als eines der ungelösten Rätsel des Kalten Krieges: »Der Fall der verschwundenen Fields ist noch immer von einem Schleier des Geheimnisses umgeben, und es ist durchaus möglich, daß man niemals die volle Wahrheit erfahren wird. Die Hauptfigur dieser Geschichte, ein Amerikaner aus guter Familie und von hervorragender Erziehung, ist Noel Field, der vor dem Zweiten Weltkrieg zeitweilig im amerikanischen State Department, später auch im Völkerbund tätig war. Während des Krieges war er in der Schweiz, und arbeitete kurze Zeit für den OSS in Bern. Er kannte viele Kommunisten und linksgerichtete Emigranten, mit denen die Aliierten in jener Zeit im gemeinsamen Kampf gegen Hitler standen.« Auf die Schauprozesse in Budapest und Prag eingehend schreibt der pensionierte CIA-Direktor weiter: »In diesen Prozessen wurde Field als amerikanischer Spion ›entlarvt‹, obwohl ich sicher bin, daß er ein sowjetischer Agent gewesen ist.«[5]

Wer war Noel Field nun wirklich? Ein Überläufer, ein Doppelagent? Ein sowjetischer Aufklärer oder »eine Art Spezialist für Fragen der Arbeiterbewegung im amerikanischen Spionageapparat in der Schweiz«?[6] Ein weltfremder Idealist, ein »nicht sehr intelligenter Quäker-Kommunist«?[7]

Antworten auf diese Fragen sind jetzt in den Archiven in Budapest zu finden: im umfangreichen Nachlaß von Noel und Herta Field[8] sowie in den Archivbeständen[9] der ungarischen Staatssicherheitsbehörde ÁVH[10] bzw. des ungarischen Innenministeriums.[11]

 

Noel Fields »Brief an die Partei«

Der hier erstmals publizierte Brief des Häftlings Noel Field an das Zentralkomitee der KPdSU kann als eines der Schlüsseldokumente in der komplizierten Field-Affäre angesehen werden, deren Hintergrund und Verlauf hier nur angedeutet werden kann.[12] Seit Fields Verhaftung in Prag im Mai 1949 ist dieser Brief mit seinen vier Beilagen die erste umfassende und wahrheitsgetreue Darstellung der eigenen Lebensgeschichte.[13] Nach mehr als viereinhalb Jahren Isolationshaft im Gewahrsam der ungarischen Staatssicherheit konnte der Häftling Noel Field hier erstmals seinen »Parteilebenslauf«[14] niederschreiben, der zumindest frei ist von den Verzerrungen der Prozeßkonstruktionen. Wie auch der Fußnotenapparat zeigt, wird Fields Darstellung der Fakten durch zahlreiche andere Quellen belegt. Auch seine späteren Aussagen – die fast alle überprüfbar sind – zeichnen sich durch einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit aus. Der »Brief an die Partei«, wie Field das Dokument später mehrfach nennt, bietet – zusammen mit weiteren Quellen aus dem Bestand der Untersuchungsakten des ungarischen Staatssicherheitsdienstes zum »Fall Rajk«[15] – wesentliche neue Erkenntnisse für die verworrene Vorgeschichte des Prozesses gegen »László Rajk und Komplizen«.[16] Da dieser Schauprozeß von Stalin und Rákosi als »Musterprozeß« für entsprechend inszenierte Folge-Prozesse in den anderen Volksdemokratien konzipiert war, kommt der Genesis dieses Prozesses, an deren Anfang die Verhaftung Noel Fields stand, eine besondere Bedeutung zu.

Erschwert wird die Rekonstruktion, Darstellung und Bewertung der ungarischen Prozesse durch die schwierige Quellenlage. Da die für die Prozesse politisch Verantwortlichen in Ungarn (Mátyás Rákosi, Mihály Farkas, Ernö Gerö, János Kádár) über einen langen Zeitraum erfolgreich ihre Spuren verwischen konnten und aus den ehemaligen sowjetischen Archiven bisher kein relevantes Dokument zu diesem Komplex freigegeben wurde, bilden die sogenannten Revisions- bzw. Untersuchungsakten der Betroffenen, die späteren Rehabilitierungsbeschlüsse und die über mehrere Archive verstreuten Abschriften vernichteter Verhörprotokolle die wesentliche Quellengrundlage für die Rekonstruktion der Prozeßgeschichten. Die Kádár-Führung hatte nach 1956 einen seltsamen politischen Kompromiß gleichsam mit sich selbst geschlossen: Er lief darauf hinaus, daß die betroffenen Opfer des stalinistischen Terrors zwar rehabilitiert wurden, nicht jedoch ihre Akten. So verfügte ein Politbürobeschluß vom Herbst 1959 die schrittweise Vernichtung aller Unterlagen, welche sogenannte »konzeptionelle Elemente«[17] enthielten. Bis in die sechziger Jahre hinein wurden so fast alle Originale der Verhörprotokolle, Tonbandabschriften und die erfolterten »Geständnisse« vernichtet – so auch die meisten Unterlagen im Fall Noel Field aus der Zeit 1949/1950.[18]

Auf die biographischen Fakten des ungewöhnlichen Lebens von Noel Field soll hier nicht weiter eingegangen werden, da der Brief selbst eine »kurze politisch-ideologische Autobiographie« enthält, in der die in Fields Augen wesentlichen Momente zur Beurteilung seiner Angelegenheit geschildert werden. Hier soll nur auf die Vorgeschichte des Briefes, den unmittelbaren Kontext sowie die Folgen eingegangen werden.

Noel Field sah sich nach Kriegsende zunehmenden Verdächtigungen und drohender Verfolgung in den USA ausgesetzt.[19] Nach seiner politisch motivierten Entlassung aus dem von ihm als sein Lebenswerk betrachteten »Unitarian Service Committee« trug er sich immer stärker mit dem Gedanken, für sich und seine Frau eine neue Existenz in Osteuropa aufzubauen. Berichte über diese Absicht gelangten auf verschiedenen Kanälen nach Moskau und Budapest. Wie aus ungarischen Quellen ersichtlich, wurde Mátyás Rákosi Ende 1948 bzw. Anfang 1949 aktiv, nachdem ihm Meldungen der ungarischen Militäraufklärung aus der Schweiz in die Hände gelangt waren, die besagten, Noel Field sei vermutlich ein amerikanischer Agent, der bereits während des Krieges mit Allen Dulles zusammengearbeitet habe.[20] Vermutlich erst zu diesem Zeitpunkt wurde die Konzeption vom »Superagenten« Noel Field geboren – ob hierbei die sowjetischen Regisseure (Stalin, Viktor S. Abakumow) oder ihre ungarischen Schüler (Mátyás Rákosi, Mihály Farkas) die Initiatoren waren, wird – wenn überhaupt – erst nach einer weitergehenden Öffnung russischer Archive zu klären sein.

Noel Field selbst hatte sich bereits bei den polnischen und tschechischen Behörden mit seinen Bemühungen um eine Aufenthaltsgenehmigung verdächtig gemacht. Bei seinem Aufenthalt in Warschau im September 1948 hatte er in einem Brief an das Politbüromitglied Jakub Bermann seine komplizierte Situation beschrieben und um deren Abklärung gebeten.[21] Im gleichen Monat reiste er nach Prag, wurde dort von der tschechoslowakischen Geheimpolizei (StB) unter Beobachtung gestellt und im November 1948 als »spionageverdächtige Person« verhaftet.[22] Im Verhör gab er sich jedoch als sowjetischer »Kundschafter« zu erkennen, woraufhin ihn die überraschten StB-Offizieren wieder freiließen, und er im Dezember 1948 in den Westen zurückkehren konnte. In Ost-Berlin hatten inzwischen – auf Wunsch Noel Fields – Paul Merker und Franz Dahlem bei den sowjetischen Behörden vorgefühlt, ob ein Aufenthalt und Arbeitsmöglichkeiten für ihn in der sowjetischen Besatzungszone möglich wären – sie waren jedoch ohne Antwort geblieben.

Am 5. Mai 1949 war Noel Field von Paris[23] nach Prag geflogen und im Hotel »Pallace« abgestiegen, aus dem er am Nachmittag des 11. Mai spurlos verschwand. Wie aus den Akten der ungarischen Staatssicherheit hervorgeht, war Noel Field im Zuge einer »operativen Kombination« der tschechischen Staatssicherheitsorgane am Abend des 11. Mai 1949 auf einer Prager Vorortstraße »unter konspirativen Umständen« verhaftet worden. Er wurde – wie es rückblickend in einem Bericht der ungarischen Staatssicherheit vom 5. November 1954 heißt, »an Ort und Stelle dem ehemaligen Oberst der Staatssicherheit Ernö Szücs übergeben, der ihn noch am selben Tag im Auto nach Budapest beförderte. Im Auto wurde Noel Field mit Chloroform betäubt und in bewußtlosem Zustand befördert.«[24]

Noel Field wurde in Budapest zunächst im Keller der ÁVH-Zentrale (Andrássy út 60) als anonymer Geheimgefangener festgehalten, verhört und – nachdem er sich geweigert hatte, sich und andere kommunistische Emigranten als »amerikanische Agenten« zu bezeichnen – schwer gefoltert. Nach einigen Tagen wurde er in ein konspiratives Objekt, eine Villa in der Eötvös út auf dem Schwabenberg in Buda, gebracht. In dieser streng abgeschirmten Villa, wo die Gefangenen in Anwesenheit der Führungsspitze der ÁVH (Gábor Péter, Ernö Szücs u.a.) bzw. der Partei (Verteidigungsminister Mihály Farkas, Innenminister János Kádár) sowie hochrangiger sowjetischer Geheimdienstoffiziere (einer Gruppe um General Michail Iljitsch Bjelkin)[25] verhört und schwersten Folterungen ausgesetzt waren, befanden sich kurz darauf auch der am 18. Mai verhaftete Kaderchef der ungarischen Partei, Tibor Szönyi, mehrere Mitglieder der sogenannten »schweizer Gruppe«, sowie der am 30. Mai verhaftete Außenminister László Rajk und andere prominente Gefangene, die hier auf den geplanten antititoistischen Schauprozeß vorbereitet wurden.[26] In welchem Zustand sich Noel Field in dieser Zeit befand, schildert der überlebende Mithäftling Iván Földi in einer Zeugenaussage vom September 1956. Zunächst sei er seinem Freund Tibor Szönyi gegenübergestellt worden, der so verändert gewesen sei, daß er ihn anfangs nicht erkannt habe: »[...] er war bis zur Unkenntlichkeit durch Schläge entstellt, sein Gesicht war völlig zusammengeschrumpft, er hatte ein völlig kleines, runzeliges Gesicht, er ging in Gummischuhen, offenbar waren auch seine Füße zerschlagen. Dann zeigte man mir für einige Minuten Noel Field, der genau den gleichen Anblick bot. Dann wurde ich im selben Haus hinunter in einen Bunker geführt, an dessen Wand ich eine Aufschrift sah, von zwei Kreuzen begrenzt: Noel Field lebte von dann bis dann. Das hatte offensichtlich Noel Field geschrieben, der mit seinem Leben abgeschlossen hatte.«[27] Die letzten zehn Tage des Juni 1949 befand sich Field vorübergehend in sowjetischem Gewahrsam, in einem NKWD-Objekt in Budapest, wo er offenbar nicht gefoltert wurde. Anschließend kam er erneut in den Keller der konspirativen Villa. Nachdem er seine unter der Folter erpreßten »Geständnisse« widerrufen hatte – und trotz weiteren Drucks bei dieser Haltung blieb –, wurde sein Fall etwa Mitte Juli 1949 vom Rajk-Komplex getrennt bzw. aus der unmittelbaren Prozeßvorbereitung herausgenommen. Am 11. Oktober 1949 wurde er in das Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in der Conti utca überführt. Er sowie seine am 26. August 1949 ebenfalls aus Prag entführte Frau, Herta K. Field, wurden im ÁVH-Gefängnis unter den Namen »János Földes« (eine ungarische Entsprechung seines Namens, etwa: »Johannes Feld«) und »János Földesné« (etwa: »Frau von Johannes Feld«) geführt. Noel Field befand sich fünfeinhalb Jahre lang – bis auf zwei kurze Unterbrechungen, als ihm »Kammeragenten« in die Zelle gesetzt wurden – in streng isolierter Einzelhaft. Er erfuhr nichts von dem, was sich außerhalb der Gefängnismauern abspielte. Er wurde bis 1951 noch sporadisch von ungarischen ÁVH-Offizieren (sowie einmal von einem polnischen Staatssicherheitsoffizier – dem späteren Überläufer Jozef Swiatlo) zu verschiedenen Einzelfragen verhört.[28] Dabei führte er einen hoffnungslosen Kampf gegen die einseitig verteilte Definitionsmacht, was im Parteiinteresse als »Wahrheit« zu gelten habe. So heißt es in einem der wenigen überlieferten Berichte aus dieser Periode: »Während seiner Vernehmung legte Field eine ähnliche Haltung an den Tag, wie er sie schon bisher gezeigt hat. Er war bemüht, sich selbstsicher zu geben und betonte, an seiner Haltung werde sich nichts ändern. Seit August 1949 sage er nur noch ›die Wahrheit‹, und dabei werde er bleiben. Er sei kein Spion, er sei auch kein Spion gewesen, und er sei nicht bereit, mit falschen Geständnissen unschuldige Menschen ins Verderben zu stürzen. Das betonte er mindestens zwanzig Mal, und als ich ihn fragte, warum er schauspielere, wie lange er gebraucht habe, dies einzustudieren, antwortete er mir, er sei gezwungen gewesen in kompakten Sätzen seine ›Wahrheit‹ einzustudieren, weil wir ihm nicht erlaubten, sich auszusprechen, weil wir auf die vollständige Wahrheit nicht neugierig seien. Er brachte auch vor, wir könnten mit ihm nichts anfangen, deshalb beschäftigten wir uns mit ihm auch nicht methodisch«.[29] Ab Juli 1951 wurden diese Befragungen jedoch abgebrochen, und Field blieb bis zum Sommer 1954 ohne jedes Verhör in streng isolierter Einzelhaft.

Nach Stalins Tod und als Folge des im Juni 1953 in Ungarn eingeführten »Neuen Kurses« mit Imre Nagy als neuem Ministerpräsidenten, begannen – wenn auch immer wieder von den konservativen Kräften um Rákosi gebremst – die Überprüfungen der in den ungarischen Schauprozessen Verurteilten bzw. Verhafteten.[30] So erklären sich die immer wieder auftretenden Verzögerungen bei der erneuten Untersuchung der »Angelegenheit Noel Field«.

Die Erlaubnis zum Schreiben des folgenden Briefes hatte sich Noel Field durch Selbstmorddrohungen und Hungerstreiks im Herbst 1953 erkämpft. Unmittelbare Reaktion darauf war ein für Noel Field überraschender Besuch einer von ihm nicht näher bezeichneten Person, die ihn am 1. Dezember 1953 in seiner Zelle im Staatssicherheitsgefängnis in der Conti utca aufsuchte. Bei diesem Anlaß wurde ihm mitgeteilt, daß »die Partei eine Untersuchung in seinem Fall einleiten werde.« Verhöre würden noch vor dem Februar 1954 beginnen. Am 16. Januar 1954 wurde ihm mitgeteilt, daß dem von ihm geäußerten Wunsch, einen Brief an die Partei zu schreiben, entsprochen werde. Am 17. März erhielt er die Schreiberlaubnis und reichte am 24. März 1954 den folgenden »Brief an die Partei« ein. Als nach weiteren vier Wochen keinerlei Reaktion erfolgt, wandte er sich in tiefer Verzweiflung »An die Behörden«: [...] Ist mein Brief an die zuständigen Parteistellen weitergeleitet worden? Wird er von diesen Stellen geprüft? Kann ich in absehbarer Zukunft auf eine Antwort rechnen?

Wenn mir vorgeworfen wird, daß ich zu ungeduldig sei, so antworte ich wie folgt: Ich habe schon beinahe fünf Jahre lang gewartet. In dieser Zeit habe ich unendliche, unmenschliche Qualen erduldet. Die menschliche Leidensfähigkeit hat ihre Grenzen. Ich habe diese Grenze erreicht. Wenn ich zehn Jahre jünger und gesund wäre, so könnte ich mich weiter gedulden. Aber ich bin in diesen fünf Jahren um mindestens 15 Jahre gealtert. Und ich bin krank. Seit Jahren entwickelt sich ein schleichendes Leiden und die Schmerzen haben in jüngster Zeit einen Grad erreicht, der mich zu allem anderen noch zur Schlaflosigkeit verurteilt. Ich bin nicht gewillt, langsam dahin zu siechen. Ärztlich ist mir offenbar nicht mehr zu helfen. Ich bin deshalb entschlossen, mich selbst zu erlösen. Dazu bin ich sowohl als Mensch, wie auch als Kommunist berechtigt, denn ich habe durch meinen Brief vom 18.-24. März meine letzte und heiligste Parteipflicht erfüllt.         Budapest, den 22. April 1954           Noel H. Field«.[31]

Die konkrete Überprüfung seines Falls begann erst Mitte Mai 1954 mit der Ausarbeitung eines Plans zum Untersuchungsvorgang des »OSS-Agenten Noel H. Field«.[32] Das erste Verhör fand am 15. Juni 1954 statt, dem sich in dichter Folge »eigenhändige biographische Aussagen« Fields (teilweise auf eigene Initiative) zu verschiedenen Personen und Themen anschlossen, sowie abwechselnd weitere Verhöre. Diese teilweise euphorisch anmutende Phase, in der sich das Mitteilungsbedürfnis des schwer traumatisierten Häftlings Bahn brach, wurde jedoch durch eine schockartige Ernüchterung unterbrochen. Anfang August 1954 wurde ihm aus Andeutungen seines Vernehmers schlagartig bewußt, daß seinen bisherigen Aussagen und Niederschriften keinerlei Glauben geschenkt wird. In einer »Erklärung« an die Untersuchungsbehörden vom 4. August schreibt Noel Field daraufhin: »Da ich mich über die im Jahre 1949 angewandten Verhörmethoden mehrmals beklagt habe, so möchte ich hier ausdrücklich betonen, daß die neuen Verhöre zu den alten in erfreulichem Kontrast stehen, und daß alle bisherigen Protokolle von mustergültiger Objektivität sind. [...] Im Verlauf der Verhöre sind aber – besonders in letzter Zeit – eine Anzahl von Bemerkungen gefallen (ich verweise als letztes Beispiel auf die heutige Behauptung, OSS und USC seien eigentlich dasselbe),[33] die mir immer deutlicher klargemacht haben, daß – wenn auch die Methoden von 1949 verurteilt werden – doch alle wesentlichen und grundsätzlichen Resultate dieser Methode voll und ganz bestätigt werden sollen, und daß daran prinzipiell nicht zu rütteln ist. Alle meine Aussagen werden damit entwertet und virtuell zu schamlosen Lügen erklärt. Dadurch werden, von meinem Standpunkt aus, die meisten weiteren Verhöre sinnlos. Ich bin selbstverständlich nach wie vor bereit, auf alle Fragen Antwort zu geben. Ich bin aber ebenso bereit, wenn die Behörden damit einverstanden sind, auf weitere Verhöre zu verzichten, und das Urteil über meinen Fall der Geschichte anzuvertrauen. Denn auch mit meinem Tode wird mein Fall noch nicht endgültig erledigt sein. Die Zeit wird kommen, sei es in 10 oder 20 oder mehr Jahren, da man aufgrund von neuem Material, mein hiesiges Archiv (besonders meinen Brief[34] und meine eigenhändigen Aussagen – die sogenannten »Romane«), mit neuen Augen ansehen wird. Dann wird man des längst verstorbenen amerikanischen Kommunisten in ganz anderer Weise gedenken.«[35]

Die Freilassung des Ehepaars Field am 17. November 1954 war dann auch nicht die Folge einer gründlichen, vorurteilsfreien Untersuchung, an deren Ende sich die Unschuld der Inhaftierten herausgestellt hatte – sondern die Folge des spektakulären öffentlichen Auftritts des polnischen Überläufers Józef Swiatlo im September 1954.[36] Von ihm, der persönlich Noels Bruder Hermann im August 1949 in Warschau verhaftet hatte, erfuhr die Weltöffentlichkeit vom Schicksal der verschwundenen Fields. Der polnische Parteichef Boleslaw Bierut, der bereits am 25. Oktober 1954 Hermann Fields Entlassung veranlaßt hatte, drängte daraufhin – in Absprache mit der sowjetischen Parteiführung – den in einem Moskauer Sanatorium kränkelnden Rákosi, die Fields unverzüglich freizulassen.[37]

 

Editorische Notiz:

Der Text ist die wortgetreue Wiedergabe des Originals, lediglich sinnentstellende Fehler und falsche Schreibweisen von Personennamen wurden korrigiert. Fehlende Worte stehen in eckigen Klammern.

Grundlage des Textes ist das handschriftliche deutsche Original, 65 Seiten, Tinte, welches sich verstreut in den (erst nachträglich – in den sechziger Jahren – zusammengestellten) Untersuchungsakten der ungarischen Staatssicherheitsbehörde ÁVH bzw. des ungarischen Innenministeriums zum Vorgang Noel Field befindet. Diese Unterlagen stammen aus der Historischen Registratur des ungarischen Innenministeriums und werden seit 1996 im Archiv des »Amtes für Geschichte« (Történeti Hivatal) in Budapest aufbewahrt (TH-Archiv).

Die Seite 1 des Briefes (»Vorbemerkung«) befindet sich in: TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107-c (V-142755/3), Bl. 92; die Seiten 2–13: »Brief An das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sovietunion«, vom 18. 3. 1954 in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 59–70; die Seiten 14–68, »Anlagen I.- IV.«, vom 18.–22.3.1954, maschinenschriftliche Abschrift und handschriftliches deutsches Original, Tinte, in: TH-Archiv, I/107-c (V-142755/3), Bl. 138–158.

Überliefert sind auch eine russische und zwei ungarische Übersetzungen dieses Briefes. Einige schwer lesbare Stellen im Original konnten anhand der ungarischen Übersetzungen eindeutig rekonstruiert werden.

 

Die Lebensbeichte des Noel Haviland Field

Der Brief des geheimen Gefangenen Noel H. Field aus dem Staatssicherheitsgefängnis in Budapest an das Zentralkomitee der KPdSU vom März 1954.[38]

 

1. [Blatt][39]

Vorbemerkung

 

            1. Ich entschuldige mich im Voraus für die schlechte Handschrift. Ich werde mich bemühen, möglichst leserlich zu schreiben. Da ich aber seit über 3 Jahren keine Feder oder Bleistift in der Hand gehabt habe, bin ich mir des Schreibens völlig entwöhnt[40]. Es würde sich in der Zukunft allseitig lohnen, wenn man mir ermöglichen könnte, mit der Schreibmaschine zu schreiben, da ich ein ausgebildeter Stenotypist bin. (An der allmählichen Verdickung der Schrift ist die Feder schuld.)[41]

            2. Man hat mir freigestellt, in jeder beliebigen Sprache[42] zu schreiben; obwohl ich des Englischen kundiger bin, habe ich mich entschlossen, auf deutsch zu schreiben, weil ich meine Gedankenarbeit in Bezug auf das Thema meiner Aufzeichnungen hauptsächlich in der deutschen Sprache durchgeführt habe.

            3. Allfällige Korrekturen und Streichungen werde ich so durchführen, daß das ursprünglich Geschriebene noch deutlich zu lesen ist.

            4. Ich betrachte mich als eidlich verpflichtet, die Wahrheit zu schreiben und als den schwersten Sanktionen unterworfen für jede bewusste Unwahrheit. Sofern ich Dinge niederschreibe, über die ich, sei es aus mangelnden Gedächtnis oder mangelnder Kenntnis, nicht sicher bin, werde ich dies durch das Wort "vermutlich" oder durch einen entsprechenden Ausdruck kennzeichnen.

            5. Die nachfolgenden Aufzeichnungen bestehen aus einem Brief und vier Anlagen:

Brief S. 2–13; Anlagen, S. 13–64.

            6. Falls, nach Niederschrift einer Seite, es sich als nötig erweist, den einen oder anderen Punkt zu erweitern, so werde ich mir erlauben – wenn unten kein Platz für eine Anmerkung ist – ein Addendum (mit entsprechendem Hinweis) auf der Rückseite beizufügen.

            7. Den Brief selbst werde ich möglichst kurz fassen, unter Betonung prinzipieller Fragen. Das hauptsächliche Tatsachenmaterial wird sich in den Beilagen befinden, auch hier werde ich versuchen, mich so kurz wie möglich zu fassen; obwohl ich versuchen werde, schon früher Geschriebenes (1949–51)[43] nicht zu wiederholen, werden sich gewisse Wiederholungen nicht vermeiden lassen, besonders wo die Zusammenhänge an sich richtige Tatsachen in falschem Licht erscheinen liessen.

 

2. [Blatt][44]

Brief

 

An das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sovietunion[45]

Budapest, den 18. III. 1954.

Werte Genossen:

            Als langjähriger Kommunist, – Sympathisant seit etwa 1925, aktiver parteiloser Kommunist seit etwa 1931–2, Mitglied der Partei (U.S.A.*[46]) seit 1936[47] –, erlaube ich mir Ihnen folgenden Brief mit vier Anlagen zu unterbreiten. Ich schreibe in einem Budapester Gefängnis, in welchem ich mich seit dem 11. Oktober 1949 in isolierter Geheimhaft befinde (ohne Verurteilung)[48].

            Der Zweck dieses Schreibens ist nicht meine Befreiung. Denn erstens ist mein Leben (im weiteren Sinne) derart zerstört, daß die "Freiheit" – im Alter von 50 Jahren – nur noch wenig Verlockendes bietet. Und zweitens (und das ist das Entscheidende) bin ich mir wohl bewusst, daß die volle Wahrheit über meinen "Fall" unter den bestehenden internationalen Bedingungen nicht an die Öffentlichkeit (besonders die feindliche) dringen darf, da sie nur den Imperialisten und Kriegstreibern von Nutzen sein kann. Als Kommunist wäre es meine selbstverständliche Pflicht, in der Öffentlichkeit zu schweigen, aber es ist klar, daß die Partei sich in einer so gefährlichen Sache nicht auf mein garantieloses Ehrenwort verlassen kann und darf, (besonders nach meinem Verhalten zu Anfang Juli 1949, worüber Ausführlicheres weiter unten).

            Das Ziel dieses Schreibens ist: Erstens, die Partei zu bitten – demütig [,] aber inständig zu bitten – eine durchgreifende, gründliche, vorurteilslose Untersuchung und Revision des Falles "Field und Genossen" anzuordnen, um im Parteiinteresse die Wahrheit eindeutig festzustellen und allen noch lebenden und zu Unrecht bestraften oder verdächtigten Genossen (meinen früheren Freunden und Mitarbeitern) die Rückkehr ins Parteileben zu ermöglichen.

            Zweitens, durch entsprechende Massnahmen (es wäre meinerseits eine Anmassung, mich darüber konkret auszusprechen) eine Wiederholung ähnlicher Fälle möglichst zu vermeiden.

___________________________________________

[Anmerkung Noel Fields am unteren Seitenrand:]

* Formeller Beitritt 1938, retroaktiv um 2 Jahre, in Moskau über die amerikanische Sektion des Exekutivkomitees der Komintern; bestätigt im Frühjahr 1943.

3. [Blatt]

Und drittens, sei es zu meinen Lebzeiten oder wenigstens nach meinem Tode, meine Parteiehre und meinen kommunistischen Ruf wiederherzustellen, soweit es sich um die Zeit vor dem Sommer 1949 handelt. Was mein Verhalten[49] während jenes Sommers betrifft, so bin ich mir meiner Schuld zutiefst bewusst und unterwerfe mich im Voraus und rückhaltlos dem Urteil der Partei. Über diese Schuld werde ich im zweiten Teil dieses Briefes sprechen.

1. Kurzer historischer Rückblick.

            Nach 6-jähriger Tätigkeit als europäischer Leiter des amerikanischen Flüchtlingshilfswerkes "Unitarian Service Committee" (im weiteren Verlauf dieses Schreibens als "USC" bezeichnet), wurde ich im September 1947 wegen Verdachts kommunistischer Tätigkeit entlassen (über meine USC-Arbeit siehe Anlage N° 2) und blieb von da an bis zu meiner Verhaftung arbeitslos. Auf Grund meiner aus der USC-Zeit stammenden Beziehungen in den volksdemokratischen Staaten und meines eigenen Interesses an diesen neuen Staaten, versuchte ich mir eine neue Lebensgrundlage zu schaffen, indem ich mich zu einem Sachverständigen des europäischen Ostens ausbildete, in der Hoffnung, mein Wissen der sich damals entwickelnden Fortschrittspartei (Henry Wallace[50]) als Reporter zur Verfügung zu stellen (über meine diesbezüglichen Bemühungen, Erfolge und Mißerfolge, siehe die vierte Anlage). In diesem Zusammenhang verbrachte ich den Sommer und Herbst 1948 in Polen und der Tschechoslovakei[51]. Im Oktober – ich war zu jener Zeit in Prag – brach gegen mich in Amerika plötzlich ein vom "Congresskomitee gegen unamerikanische Umtriebe"[52] losgelassener Pressesturm[53] gegen mich aus, der alle meine Pläne über den Haufen warf und mich (nach Rücksprache mit verschiedenen Genossen) veranlaßte, mich vorläufig öffentlich "mäuschenstill" zu verhalten und das Abflauen des Sturmes abzuwarten. Ich bemühte mich erfolgreich um eine Aufenthaltsbewilligung in Prag als politischer Emigrant und kam – nach Auflösung meines Genfer Haushalts –  Anfang Mai endgültig nach Prag[54]. Meine Frau sollte mir in einigen Wochen folgen. (Über diese ganze Periode siehe Anlage 4). Ich erwartete täglich einen Ruf, mich mit Hilfe der deutschen Partei[55]

4. [Blatt]

und der sovietischen Behörden (SMA[56]) nach Berlin zu begeben, um meine Parteilage und künftige Arbeit, sowie die sich häufenden Verdächtigungen[57] gegen mich, abzuklären.

            Statt dessen, wurde ich am 11. Mai auf offener Straße überfallen und in einem Automobil heimlich nach Budapest gebracht[58], wo ich im Verlauf mehrmonatiger Verhöre beschuldigt wurde, ein amerikanischer Spion zu sein, gewissermaßen die "linke" Hand von Allen Dulles[59], mit der Aufgabe, unter dem USC-Aushängeschild Agenten unter der kommunistischen Arbeiterbewegung zu werben, besonders für die Zersetzungsarbeit in den Volksdemokratien. Das Hauptziel der Verhöre war nicht so sehr, mich selbst zu überführen (meine Schuld wurde als feststehend vorausgenommen), sondern mich –  objektiv –  zum Denunzianten meiner "Agenten" zu machen, d.h. meiner Freunde und Bekannten innerhalb der Partei. Da in den Augen der Untersuchungsbehörden meine Rolle als Spionage-Anwerber [...][60] feststand, so genügte jeder nähere Kontakte mit mir als Verdachtsmoment. Durch meine USC-Arbeit war ich mit Dutzenden von Genossen der verschiedensten Länder in Freundschafts- oder Arbeitsbeziehungen getreten. Von meiner Schuld oder Unschuld hing deshalb das Schicksal von 50-100 Genossen ab, von denen der größte Teil im Osten lebte und arbeitete, teils in verantwortlichen Partei- oder Staatsstellen.

            In dieser schwierigen Lage, versagte ich vollkommen. Ich hatte mich bis dahin für einen loyalen, ergebenen und zuverlässigen Genossen gehalten, mit moralischem Mut und "Zivilcourage". Aber in einer Beziehung hatte ich schon öfters selbstkritische Bedenken gehabt: Ich hatte noch nie für meine Überzeugungen physisch leiden müssen; dabei hatte ich schon seit frühester Kindheit eine krankhafte Todesfurcht. Um es klar auszusprechen: ich war ein physischer Feigling. Dazu kam eine althergebrachte Schüchternheit in persönlichen und sozialen Beziehungen ("Lampenfieber"), die mir unter anderem das öffentliche Reden – auch im kleinen Kreise – unmöglich machten. Es gab noch andere Faktoren meines Charakters, die mitspielten, aber ich will nicht

5. [Blatt]

weiter darüber sprechen, da es mir nicht darum zu tun ist, mein Benehmen in den entscheidenden Wochen des Sommers 1949 zu entschuldigen. Tatsache ist, daß ich unter immer sich verschärfendem terroristischem Druck (von Knüppelschlägen bis zu "Hungerkuren") mehr und mehr von der Wahrheit abgedrängt wurde (vom behördlichen Standpunkt aus gesehen, mehr und mehr von der Lüge zur Wahrheit!), und daß ich schließlich einen völligen moralischen Zusammenbruch erlitt, während dessen ich überhaupt nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden konnte und die furchtbarsten Unwahrheiten nicht nur aussprach (und schrieb), sondern teils auch selbst glaubte.[61]

            Es hat keinen Sinn, sich hier in Einzelheiten zu verlieren. Die von mir geschriebenen oder unterzeichneten Hunderte von Seiten[62] sprechen darüber eine traurige, beschämende Sprache. Mir ekelt heute vor mir selber, wenn ich an die verschiedenen "Selbstkritiken" denke, die ich damals schrieb, und die in der Hauptsache nichts als stiefelleckende Selbsterniedrigungen waren, ohne jeden Wahrheitsgehalt. Ich erinnere mich, z.B., daß ich mich des "Ehrgeizes" bezichtigte, wobei ich behauptete, ich hätte mich aus ambitiösen Gründen an die "Parteigrößen" herangemacht, u.s.w. Dabei weiß jeder, der mich kennt, daß der mangelnde Ehrgeiz eine Besonderheit meines Temperaments war und daß – aber ich bin vom Thema abgekommen und bitte diesen Ausbruch zu entschuldigen. Ich kehre zur historischen Übersicht zurück:

            Im Spätsommer begann ich mich langsam – viel zu langsam – von meinem Zusammenbruch zu erholen und machte wiederholte, aber erfolglose Versuche, meine falschen Aussagen zu korrigieren[63]. Verhöre fanden von Anfang August an immer seltener statt und am 11. Oktober wurde ich schließlich in meinen jetzigen Aufenthaltsort[64] überführt. Während der ersten beiden Jahre (bis Juli 1951) wurde ich noch von Zeit zu Zeit (aber immer seltener) besucht, wobei es sich mit wenigen Ausnahmen nicht um Verhöre, sondern um kurze Gespräche handelte, die nichts ergaben, außer daß ich

6. [Blatt]

jedesmal und immer nachdrücklicher meine Unschuld und die Unschuld der anderen Genossen betonte[65]. Ich bat erfolglos um die Möglichkeit schriftlicher Äusserung, nahm aber am 2. oder 3. August 1950 die Gelegenheit wahr, um in zwei kurzen Erklärungen[66] die grundsätzliche Wahrheit festzulegen, und 2. die hauptsächlichsten von mir begangenen Unwahrheiten zu denunzieren. (Die grundsätzliche Wahrheit über meine Unschuld und die Unschuld der Genossen hatte ich schon im Mai 1949 in einer Erklärung niedergeschrieben, die nicht erhalten geblieben ist, da sie vor meinen Augen zerrissen wurde.) Erst heute habe ich die Erlaubnis zum Schreiben bekommen. Ich betone dies nicht als Klage, sondern um mein bisheriges Schweigen zu erklären.

            Was aus den anderen Genossen geworden ist, weiß ich nicht, vermute aber, daß viele von ihnen mein Schicksal, oder ein ähnliches, teilen. Ich nehme an, daß sie die Wahrheit gesprochen haben, – denn es handelte sich zumeist um kampferfahrene Genossen, die sicherlich nicht feige waren, wie ich. Aber ich war schließlich der "Chef"[,] und solange meine Schuld, mein Verrat feststeht, d.h., solange ich als die "linke" Hand von Dulles gelte, solange steht jeder, der mit mir befreundet war oder sogar mit mir zusammen arbeitete, im Verdacht.

 

2. Prinzipielle Erklärung, Analyse und Selbstkritik.

            Ich erkläre hiermit feierlich – und ich betone, daß ich mich als unter Eid stehend betrachte –,

            1. daß ich seit über 20 Jahren loyaler, ergebener, aktiver Kommunist bin, der mehr als einmal sein Leben für die Partei riskiert hat;

            2. daß ich nie – weder direkt noch indirekt, offiziell noch inoffiziell – ein Spion oder Spionageagent war, oder für den amerikanischen oder einen anderen feindlichen Geheimdienst gearbeitet habe, oder Werbedienste geleistet habe; (siehe Anlage 3)[67]

7. [Blatt]

            3. daß, meines Wissens, die Genossen, die mit mir befreundet waren oder mit mir gearbeitet haben, loyale, ergebene Kommunisten waren, die jedes Ansinnen, für den Feind zu arbeiten, mit Selbstverständlichkeit und Entrüstung abgelehnt hätten;

            4. daß jeder Kontakt meinerseits mit Dulles oder [dem] OSS[68] im Auftrag und im Interesse der Partei stattfand (*)[69];

            5. daß, meines Wissens, das Gleiche sich auf andere Genossen bezieht, – zum Beispiel auf Erica Glaser[70], die im Auftrag der Partei und unter ständiger Parteikontrolle in [dem] OSS arbeitete (2. Hälfte 1945) und dort der Partei unschätzbare Dienste leistete[71];

            6. daß alle Aussagen meinerseits, die mit dem Obigen nicht in Einklang stehen, falsch sind – gleichgültig ob es sich damals, zur Zeit meiner geistigen Umnachtung, um bewusste oder unbewusste Lügen handelte.

            Ich bin mir der ganzen Schwere und Verantwortung für obige Erklärung bewusst. Es geht hier nicht um Relatives, sondern um Absolutes. Es geht nicht darum, ob ich oder andere Genossen mehr oder weniger schuldig sind; es geht um meine und ihre völlige Unschuld; mehr noch, es geht darum, daß wir Kommunisten sind und nicht Verräter (ich spreche jetzt nicht von meinem Benehmen im Sommer 1949). Ein Kommunist kann nicht mehr oder weniger Spion, Verräter sein. Wenn ich auch nur ein Hundertstel, ein Tausend­stel der mir vorgeworfenen Verbrechen begangen hätte, so wäre ich ein Verräter und verdiente das Schicksal eines Verräters. Aber ich habe es nicht getan.

            Fehler habe ich begangen, ja; vielleicht mehr Fehler, als ich [...][72]weiss. Aber es waren die Fehler eines bewussten und loyalen Kommunisten, nicht die Handlungen eines Verräters. Über einige

8. [Blatt]

solche Fehler werde ich in der zweiten Anlage berichten. Sie waren in der Hauptsache das Resultat meiner großen administrativen Unerfahrenheit (als ich die USC-Leitung übernahm, hatte ich mein bisheriges Leben als untergeordneter "Sesselhocker" ohne Verantwortung verbracht, [...][73] mehr mit Papier als mit Menschen in Kontakt) und meiner schon erwähnten krankhaften Schüchternheit. Ich will meine Fehler nicht beschönigen; aber sie gehören ins Gebiet der kommunistischen Selbstkritik vor den zuständigen Parteibehörden, und nicht ins Gebiet der Kriminalbehörden.

            Wie konnte es nun zu einem für mich und vermutlich auch für manche meiner Freunde so tragischen Ausgang kommen? War der Verdacht gegen mich berechtigt, war meine Verhaftung berechtigt, waren die Terrormaßnahmen gegen mich berechtigt? Auf alle drei Fragen antworte ich "ja". Ich stand unter schwerstem Verdacht – ich war mir dessen selbst bewusst und suchte schon seit Jahren um Abklärung, besonders seit meiner Entlassung von USC. 1. Ich bin Amerikaner; 2. ich stamme aus dem Bürgertum; 3. ich arbeitete 10 Jahre lang im Auswärtigen Amt (State Department); 4. ich war vier Jahre lang Völkerbundsbeamter; 5. ich war sechs Jahre lang Leiter einer kirchlichen Hilfsorganisation (und daß die christliche "Philanthropie" sich auch auf Spionagearbeit ausdehnt, ist notorisch); 6. ich stand mit Dutzenden teils führenden Genossen in Beziehung; 7. ich arbeitete in Genf, einem Spionagezentrum; 8. ich stand mit Dulles und mit [dem] OSS in Kontakt (Ende 1942 bis Anfang 1945); 9. der Leiter des Lissabonner Büros von USC und frühere Generaldirektor von USC[74] war OSS-Mitarbeiter; 10. nach meiner Entlassung schnüffelte ich Monate lang in Polen und Tsch.[echo]-Sl.[owakei] herum und sammelte "Material", das ich nie verwertete; 11. ich wurde zwar Jahre lang von offiziellen und privaten (imperialistischen und trotzkistischen) Stellen

9. [Blatt]

verdächtigt und verfolgt, aber nie verhaftet, was damit erklärt werden könnte (allerdings nur zur Not und an den Haaren herbeigezogen), daß es sich um eine Finte handelte, um mir auf der "Linken" Vertrauen zu sichern; 12. mehrere "Genossen", mit denen ich in Beziehung stand, waren abgeschwenkt oder zu direkten Verrätern geworden (Humbert-Droz[75]; Massing[76] und Gumperz[77]). (*)[78] (Siehe Addendum auf der Gegenseite)[79]

            Angesichts dieser Tatsachen, waren nicht nur meine Verhaftung, sondern auch die Anwendung aller zum Ziele führenden Massnahmen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Behörden. Ich habe die Berechtigung des Terrors im Klassenkampf (wenn auch gelegentlich mit inneren Hemmungen, die aus meiner pazifistisch-idealistischen Vergangenheit stammten) immer verteidigt, und darf mich nicht beklagen, wenn ich nun auch "dran glauben" musste. Gerade mein Fall aber weist immerhin darauf hin, daß zwar Schuldige durch Terror zur Wahrheit [...][80], gelegentlich aber auch Unschuldige (wenn sie schwach sind) zur Lüge gezwungen werden können; dies nur nebenbei, und nicht als Kritik.

            Eine gründliche und unerbittliche Untersuchung war besonders in einer Zeit des verschärften Abwehrkampfes gegen das imperialistische Lager notwendig, [...][81] angesichts der unbestreitbaren Tatsache, daß ein Eindringen in Parteikreise mit Hilfe von "linken" Agenten für den Feind von größtem Nutzen sein musste und ich in mancher Beziehung ein geradezu ideales "Subjekt" für eine solche Arbeit darstellte! Meine Kritik an den Behörden bezieht sich auf die spätere Periode, nach dem 11. Oktober 1949, als man – wenigstens so musste es mir erscheinen – die weitere Untersuchung abbrach und mich zum Schweigen verurteilte. Aber

10. [Blatt]

ich will mich hierüber nicht auslassen, sondern sofort zu meiner Rolle in dieser tragischen Entwicklung übergehen. Ich habe (gegen meine Absicht) schon im vorhergehenden Kapitel darüber gesprochen. Ich will hier nur noch einmal betonen, daß ich durch mein Verhalten – meine Verwirrung, meine Ängstlichkeit, meine Feigheit, meine teils falschen, teils irreführenden Aussagen – eine schwere Mitschuld gegenüber den Genossen und der Partei auf mich geladen habe. Ob ich diese Schuld durch meine seitherigen Leiden wenigstens teilweise abgebüsst habe, überlasse ich dem Urteil der Partei.

            Angesichts der Tatsache, daß die Protokolle und anderen Dokumente des Sommers 1949 ein reiches und zum großen Teil richtiges faktisches Material enthalten, ist es nötig hervorzuheben, daß meine Unwahrheiten sich größtenteils nicht auf direkte, positive Lügen beziehen, sondern im Verschweigen der Wahrheit bestehen. Fakten sind an sich neutral; sie können, je nach der Zusammenstellung und der Interpretation, der Lüge oder der Wahrheit dienen. Indem ich auf Hunderten von Seiten, aus Angst vor der Wahrheit (teils auch aus taktischen Gründen des "Zeitgewinns"), diese einzige Wahrheit – nämlich meine und der Genossen Unschuld – immer wieder unterschlug, habe ich den Genossen und der Partei schwer geschadet. Gerade weil der Verdacht gegen mich so überzeugend war, war es meine heilige Pflicht, ohne Rücksicht auf Terror, immer und immer wieder die Wahrheit zu betonen, kein Dokument zu unterzeichnen, das diese Wahrheit nicht enthielt, sich lieber totschlagen zu lassen, als auch nur eine unwahre Silbe zu äussern. Die Taktik des Zeitgewinns (sofern man bei meiner Demoralisierung

11. [Blatt]

überhaupt von "Taktik" sprechen kann) hat sich in der Folge als Fehlrechnung und Bumerang erwiesen. Fünf Jahre schon kaue ich an diesem "Zeitgewinn", der schrecklicher ist als der Tod.

Ein Kommunist muß sich gegenüber den eigenen Behörden, wenn sie im Irrtum sind, ebenso tapfer verhalten, wie gegenüber dem Feind; denn jede Irreführung der Eigenen ist so verräterisch, wie das "Ausplaudern" vor dem Feind. Darüber bin ich mir heute im Klaren; früher hatte ich darüber nicht nachgedacht, denn die Möglichkeit dessen, was mir im Sommer 1949 geschah, war mir nie eingefallen.

            Ich komme zum Schluß. Noch einmal: ich erwarte weder die Befreiung[,] noch etwa gar, daß die Partei meine unbewiesenen Unschuldserklärungen für bare Münze hinnimmt. Davon kann keine Rede sein. Meine einzige Hoffnung ist, daß meine Worte dazu führen können, daß der ganze Fall aufs neue und gründlicher als bisher untersucht wird, unter Teilnahme von Parteivertretern, und mit der festen Entschlossenheit, die Wahrheit, ohne Rücksicht auf frühere Ansichten und Beschlüsse, mit völliger Klarheit festzustellen.

                                                                       Mit kommunistischem Gruß,

                                                                                  Noel H. Field[82]

            Eben sehe ich, daß ich in Bezug auf meine Schuld einen sehr wichtigen Punkt ausgelassen habe. Ich erlaube mir, ihn hier nachzutragen, obwohl er eigentlich zu Seite 10 gehört:

            Am 6. Juli 1949, – zur Zeit meiner tiefsten moralischen Verwirrung – ließ ich mich durch einen (vermutlich zu diesem Zweck) in meine Zelle gesetzten Mitgefangenen (einem Titoagenten und früheren Spanienkämpfer) dazu überreden, einen Zettel an die amerikanische Botschaft zu schreiben und durch einen mit ihm befreundeten Wächter (ebenfalls ″Spanienkämpfer″) hinauszuschmuggeln.[83]

12. [Blatt]

Der Wortlaut war, soweit ich mich entsinne, wie folgt[84]: "Streng vertraulich an den Botschafter, oder in seiner Abwesenheit an den Chargé oder an Mr. Dudka."

            "Der Unterzeichnete, amerikanischer Staatsbürger, mit Pass von Dudka[85] in Prag am (?) November ausgestellt[86], erklärt, daß das Folgende der Wahrheit entspricht:

            Am 11. Mai wurde ich in Prag überfallen (gekidnapt) und nach Budapest verschleppt, wo ich mich im Kerker befinde und, unter Anwendung von Methoden des "dritten Grades" (*)[87] (einschließlich Schlägen und Hunger), der ungeheuerlichen Beschuldigung unterworfen werde, ein wichtiger Spion gegen den Osten zu sein. Ich bitte dringend um direkte Intervention. Meine Frau, die sich in Genf befand, soll ebenfalls verhaftet sein[88]. – Noel Field.

            Referenzen: Allen Dulles, 1942-5; John Carter Vincent, amerikanischer Gesandter in Bern."

                                                           __________   

            Später wurde mir vorgeworfen, es handle sich um einen Zettel an meine "Auftraggeber". Dies ist natürlich unrichtig. Man bezog sich dabei auf den Alternativ-Adressaten Dudka. Dies war der frühere Passbeamte in Prag, der mir ein halbes Jahr vorher einen neuen Pass ausstellte und den ich ausschließlich zu diesem Zweck aufgesucht hatte; bis dahin hatte ich nie von ihm gehört und sah ihn auch nie wieder. Während der Verhöre im Mai hatte man mir mitgeteilt, daß er sich jetzt in Budapest befinde[89]. Die Tatsache aber bleibt bestehen: Ich habe versucht, mich um Hilfe an die U.S.A. Botschaft zu wenden. Lange Zeit hielt ich diese Handlung für eine zwar äusserst dumme, aber nicht schlechte Handlung. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, daß ein Ertrinkender sich auch an jeden morschen Strohhalm klammert. Heute denke ich anders: Es ist mir klar, daß ich damals innerlich meine bürgerliche Vergangenheit noch nicht völlig überwunden hatte, und daß ich in höchster Not unwillkürlich meinen einstigen "Ernährer" anrief. Ein Kommunist darf so nicht handeln. [Addendum: Siehe Gegenseite.][90]

13. [Blatt]

Der Brief ist [...][91] länger geworden, als beabsichtigt. Ich bitte um Entschuldigung, und werde versuchen, die Beilagen kürzer und sachlicher zu fassen.

                                                                                  Mit kommunistischem Gruß,

                                                                                              Noel H. Field

                                                                                                                      18. III. 54.

 

Vier Beilagen:

I. Kurze politisch-ideologische Autobiographie. (Seite 13-25)

II. Meine Arbeit in USC. (Seite 26-44)

III. Meine Beziehungen  zu Dulles und [dem] OSS. (S. 45-59)

IV. Die Periode meiner Arbeitslosigkeit, Sept. 1947 bis Mai 1949. (Seite 59-64)

                                                           ______________                                                                 

 

I. Kurze politisch-ideologische Autobiographie.

            Ich bin am 23. Januar 1904 in London als Sohn eines gebürtigen Amerikaners und einer englischen Mutter geboren. Mein Vater[92] stammte aus mittleren bürgerlichen Kreisen (kaufmännisch), meine Mutter[93] aus etwas reicheren Handelskreisen (Kolonialhandel).

            Mein Vater selbst war "aus der Art geschlagen": reiner Intellektueller, Idealist, Pazifist, ohne Ehrgeiz, ganz der Wissenschaft hingegeben und mit einer Geldverachtung, die seine Familie gelegentlich in Not brachte. Ich nenne diese Eigenschaften, weil Vater als altmodischer Pater familias alles daran setzte, um seine Kinder – besonders mich, seinen Erstgeborenen – im gleichen Geiste zu erziehen, und weil ich diesen Einfluß bis heute verspüre (sowohl positiv, wie negativ). Politisch war er links-liberal, religiös-sozialistisch eingestellt und hatte für den Kommunismus (er starb 1921) kein Verständnis. Trotzdem bin ich der Ansicht, daß sein Einfluß unbewusst zum Kommunismus hinführte. Es ist immerhin bezeichnend, daß wenige Jahre nach seinem Tode seine ganze Familie – jeder unabhängig vom anderen – zum Kommunismus überging: Zuerst ich selbst, dann mein Bruder[94], dann meine Schwester[95], und schließlich meine Mutter (im Alter von 60 Jahren)[96].

14. [Blatt]

            Über meine Familie habe ich im Februar (März?) 1950 ausführlich berichtet[97], und zwar – soweit ich mich erinnere – faktisch richtig, obwohl in der Interpretation ich auch damals noch immer gehemmt war durch eine noch aus der Zeit meines Zusammenbruchs stammende Tendenz zu falscher Selbstkritik (die ich auch auf die mit mir verbundenen Menschen übertrug). So wurde z.B. mein Memorandum über meinen Vater als ein "Geständnis" meinerseits ausgelegt, daß "auch" mein Vater schon ein "Spion" gewesen sei. Diese Auslegung ist selbstverständlich [...][98] falsch. Wahr daran ist nur, daß mein Vater, als überzeugter Pazifist, auch während des Krieges (1914-18) seine Beziehungen zu Pazifisten des "Feindlagers" nicht abbrach und sich aktiv um den Frieden bemühte. Wahr ist ferner, daß er für kurze Zeit (2 – 3 Monate ?) im Jahre 1919 diplomatischer Vertreter der amerik.[anischen] Friedensdelegation in München war. In der Propaganda ist es sicherlich angebracht, den Begriff "Diplomat" mit dem Begriff "Spion" zu identifizieren, zumal[,] da beide Funktionen sich häufig verbinden. Bei der Bestimmung der Rolle von einzelnen Persönlichkeiten, zumal in Kriminalfällen, ist aber eine genauere Begriffsbestimmung unerläßlich. Bitte, wenn ein Staatsbeamter automatisch ein "Spion" ist, so war auch ich einer, und ein Kommunist, der in Staatsdiensten steht, ist automatisch ein Verräter. Ich kann aber nicht glauben, daß dies wirklich die Ansicht der Partei ist. – Ich habe mich hier wieder zu einem Exkurs verleiten lassen und muß mich wiederum entschuldigen. Es ist nicht meine normale Arbeitsweise, – mit sorgfältigen Konzepten, Plänen und Entwürfen, aber meine Lage erlaubt mir keine solche methodische Arbeit, alles kommt aus dem Kopf direkt aufs Papier und die erste Niederschrift ist gleichzeitig die endgültige. Unter diesen Umständen darf ich vielleicht auf Nachsicht hoffen, wenigstens was die Form dieser Aufzeichnungen betrifft.

                                               ____________________

15. [Blatt]

1. Kindheit

Meine Kindheit und Jugend bis zu meinem 19. Jahr (1922) verbrachte ich in Zürich (wo mein Vater ein von ihm begründetes wissenschaftliches Institut leitete), mit gelegentlichen Sommerbesuchen bei den Großeltern in England und 2 Jahren in Lugano (1915-16), bedingt durch Geldnot. Ich war ein außerordentlich verträumtes, mädchenhaftes Kind, das ganz in sich zurückgezogen und in "Wachträumen" lebte und jeden Kontakt mit den Altersgenossen mied (außer mit meiner künftigen Frau, meiner Schulkameradin[99]). Meine Kinderjahre wurden mir teilweise zur Hölle durch eine pathologische Todesfurcht, die mir die Schlaflosigkeit zur Gewohnheit machte und mich durch mein ganzes Leben verfolgte. (*)[100]

            Der Tod meines wie einen Heiligen verehrten Vaters, als ich 17 Jahre alt war[101], brachte eine andere fatale Charaktereigenschaft in den Vordergrund: eine Tendenz zu übertriebener, selbstquälerischer Selbstkritik: Ich überzeugte mich (entgegen aller ärztlichen Befunde), daß ich am Tode meines Vaters schuld sei und daß ich dieses Verbrechen dadurch sühnen müsse, daß ich ein "Heiliger" werde und mein Leben dem Dienst an den Mitmenschen widmen müsse. Dies war der eigentliche Ursprung meiner ganzen späteren Entwicklung. Die erste praktische Auswirkung war die pazifistische Tätigkeit (Gründung – kurz nach dem Tode des Vaters – eines "Weltfriedensbundes der Jugend"). Nach der Übersiedlung der Familie, 1922, nach Amerika (Cambridge bei Boston) und während meiner Universitätsjahre, setzte ich diese Tätigkeit in bescheidenerem Rahmen fort (Fellowship of Youth for Peace). Im Kontakt mit teils anarchistisch, teils kommunistisch gesinnten Mitgliedern dieser Organisation, begann sich in mir langsam die Überzeugung zu entwickeln, daß der Weltfrieden ohne eine soziale Umwälzung nicht gesichert werden kann, und ich begann marxistische Literatur zu lesen und marxistische Zirkel und Versammlungen zu besuchen.

16. [Blatt]

2. Washingtoner Periode

            Mein Pazifismus behielt aber noch längere Zeit die Oberhand, sodaß ich – aus rein pazifistischen Motiven – im Jahre 1926 meine Laufbahn als State Department Beamter antrat, wo ich (eben auf Grund meiner Weltanschauung) das Referat für Völkerbundsfragen und später für Abrüstungsfragen erhielt. Dabei hielten sich meine Frau (die ich 1925 geheiratet hatte) und ich völlig fern vom diplomatisch-sozialen Leben in Washington. Wir bezogen eine kleine Wohnung fern vom Beamtenquartier, hatten weder Dienstmagd noch Auto, und wenn wir Kollegen einluden, war meine Frau Köchin, Serviertochter und Empfangsdame zugleich. In dieser Beziehung stellten wir ein Unikum dar, und es war mir bald klar, daß eine solche Verachtung der sozialen Pflichten auf längere Sicht jede einigermaßen "brillante" Karriere verunmöglichen musste. Das kümmerte uns aber wenig, da uns jeder Ehrgeiz und jedes materielle Streben fremd waren.

            Dazu kam, daß meine Erlebnisse im State Department,  die Entwicklung der internationalen Lage, meine Lektüre, meine persönlichen Kontakte außerhalb des Amtes (Teilnahme an einem "internationalen Freundschaftsklub", mit Negerstudenten, u.s.w.) mich mehr und mehr nach links trieb. Der damals zu Ende gehende "Sacco-Vanzetti"-Fall[102] spielte in meiner Entwicklung eine große Rolle. Zu Anfang der dreißiger Jahre begann ich mich an verschiedenen Aktionen zu beteiligen: Arbeitslosendemonstrationen, Streik- und Hungermärsche, Versammlungen des Studentenbundes, u.s.w. Unsere Wohnung wurde allmählich zu einem Ort, wo sich Teilnehmer zu solchen Anlässen treffen und besprechen konnten, gelegentlich auch als Nachtquartier. Ich organisierte eine Kundgebung von streikenden Textilarbeitern zu Ehren von Henry Barbusse[103], beteiligte mich am Kampf der Hungerdemonstranten gegen die Truppen General McArthurs[104], u.s.w. –

17. [Blatt]

all dies natürlich heimlich und ohne Wissen meiner State Department-Kollegen.

            Verdächtigungen gegen mich begannen zwar schon zur Zeit meines Eintritts in Staatsdienste, aber es gelang mir, sie durch äußerlich "korrektes" Verhalten und durch meinen "Eifer" in der amtlichen Arbeit, allmählich zum Schweigen zu bringen. Es kam zu gelegentlichen "Alarmen" – einmal entledigte ich mich zum Beispiel meiner ganzen marxistischen Bücherei, weil man mir das Gerücht zutrug, ein Congress-Komité (Vorgänger des berüchtigten "Dies-Committee"[105]) sei hinter mir her. Aber es waren falsche Alarme – jedenfalls kam es zu keiner offenen Aktion gegen mich. Meine Kollegen betrachteten mich lächelnd als "naiven Idealisten", der im Völkerbundsreferat gut zu gebrauchen war und dem man seine "Jugendsünden" gern verzeiht.

            Wann wurde ich zum Kommunisten? Es ist schwer, dies zu bestimmen. Meine zehn Jahre in Washington stellten die grundlegende Periode dar in meiner allmählichen Entwicklung vom pazifistischen Idealisten zum militanten Kommunisten. Es gab Sprünge nach vorn, es gab Rückschläge. Meine damaligen Tagebücher sind voll von Auseinandersetzungen mit mir selbst in diesen Fragen. Das Haupthemmnis war der tief verwurzelte Pazifismus. Ein weiteres Hemmnis waren meine kleinbürgerlichen Begriffe von Loyalität und Ehre, die es mir schwer machten, "die Hand zu beissen, die mich ernährte". Dieses letzte Hemmnis drängte mich immer stärker dahin, den Staatsdienst zu verlassen und eine Arbeit zu suchen, in der ich durch meine Loyalitätsbegriffe weniger berührt würde. Dies spielte denn auch eine wichtige Rolle bei meinem Eintritt in das Völkerbundssekretariat, zu dem ich nicht die geringste Loyalitätsverpflichtung mehr empfand. Zu dieser Zeit (1936) hatte ich allerdings meine alten diesbezüglichen Hemmungen schon in der

18. [Blatt]

Hauptsache überwunden; aber den Entschluß, das State Department zu verlassen, hatte ich schon im Jahre 1934 gefasst.

            Im Jahre 1933 (dem ersten Jahre unter Roosevelt), befreundete ich mich mit den beiden Washingtoner Vertretern des Zentralorgans der Partei[106] und begann, ihnen Informationen zu übermitteln, gelegentlich auch selbst Artikel zu schreiben (natürlich ohne Unterschrift). Mit Hilfe dieser beiden begann ich auch die Möglichkeit eines illegalen Beitritts zur Partei zu sondieren. Im folgenden Jahre wurden diese Bemühungen unterbrochen durch meine Bekanntschaft mit 2 Vertretern eines sovjetischen Dienstes[107]. Beide haben später Verrat geübt und sind seit 1946 zu meinen Todfeinden geworden (denen ich, letzten Endes, mein jetziges Schicksal verdanke[108]). Über die damit (1934) beginnende Periode werde ich hier nur soweit berichten, als es für das Verständnis meiner Entwicklung unerläßlich ist; an anderer Stelle, habe ich eingehend berichtet[109]. Ich denke, ich darf die Namen der beiden zukünftigen Verräter nennen, – die Zeit meines Arbeitskontaktes mit ihnen liegt schon 20 Jahre zurück: sie hießen Paul Massing und Hede Gumperz[110]. Ihre Vorschläge an mich setzten mich – wegen der schon genannten Hemmung – in großen inneren Konflikt; dazu kam noch ein läppischer Versuch, mich durch das "Geschenk" eines Autos fügiger zu machen, wodurch meine Entwicklung um fast ein Jahr verzögert wurde. Erst 1935 begann ich regelmäßig zu arbeiten[111] (natürlich ohne Auto). Von einem Parteibeitritt konnte nicht mehr die Rede sein; im Gegenteil, ich mußte alle Parteikontakte abbrechen. Kurz darauf erfolgte meine Übersiedlung nach Genf (Mai 1936). [Addendum auf Gegenseite][112]

_____________________

[Rückseite von Seite 18 – BRB:]

 

            Addendum zu Seite 18, unten:

                        Von etwa Mitte 1935 an arbeitete ich rückhaltlos und bedingungslos, ohne in der Praxis den Überresten meines bürgerlichen "Gewissens" das geringste Gehör zu schenken und trotzdem vier aufeinanderfolgende Vorgesetzte Verrat übten[113]. Die Reise (1938[114]) in die Sovjet Union und die Parteiaufnahme waren dafür die Anerkennung.

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            Angesichts gewisser Beschuldigungen möchte ich hier mit allem Nachdruck betonen, daß ich während meiner ganzen 10 Jahre im State Department niemals wissentlich mit einem Agenten des Geheimdienstes zusammenkam. Ich wusste vage, daß ein solcher Dienst existiert, hatte aber keine Ahnung, wo er zu finden sei[115].

19. [Blatt]

3. Genfer Periode, Parteizugehörigkeit.

            Meine Arbeit als Mitglied der Abrüstungssektion des Völkerbundes ist politisch von keinem Interesse. Ich habe darüber im Februar oder März 1950 berichtet[116] und ich glaube, es bleibt nichts hinzu zu fügen. Meine gelegentlichen Kontakte mit Vertretern des amerikanischen Konsulats waren durch diese Arbeit bedingt und hatten nur technische Bedeutung. Selbstverständlich setzte ich, besonders in der ersten Zeit, auch meinen persönlich-sozialen Kontakt mit meinen früheren Kollegen vom Konsulat fort.[117]

            Für meine ideologische Entwicklung waren die Völkerbundsjahre eine sehr günstige Zeit. Meine politische Arbeit beschränkte sich auf den Kontakt mit Massing und Gumperz und ihren Nachfolgern. Das friedliche, nicht sehr angespannte Leben in unserem Chalét auf dem Lande[118], mit Gartenarbeit und viel Lektüre, begünstigte das endgültige Austragen aller inneren "seelischen" Konflikte, die Festigung meiner Überzeugung, die Bereitschaft und den Willen zum bedingungslosen Einsatz. Die Reise in die Sovietunion (1938) und die darauf folgende Zeit im republikanischen Spanien[119] unterstützten diese Entwicklung, die gekrönt wurde durch den Beitritt zur Partei. (Über Spanien habe ich im Februar-März 1950 eingehend berichtet[120]).

            Über den Beitritt zur Partei[121] ist folgendes zu sagen: Kurz vor unserer Abreise aus Moskau wurde uns die Wahl freigestellt, in die sovietische oder die amerikanische Partei einzutreten, mit retroaktiver Wirkung um zwei Jahre in Anerkennung unserer Arbeit. Meine Frau und ich wählten die amerikanische Partei und schrieben dahingehende Anträge[122]. Über die endgültige Aufnahme, Parteinamen, Beiträge, Arbeit, u.s.w., sollte uns später an einer bestimmten Adresse Mitteilung gemacht werden[123]. Dieser Kontakt gelang nicht, und erst Anfang 1943 erhielten wir endlich die mündliche Bestätigung, daß alles in Ordnung sei. Aber auch dieser Kontakt[124] wiederholte sich nicht; der mit dem Vertreter abgemachte nächste Treff wurde von diesem nicht

20. [Blatt]

eingehalten. Er hatte mit mir die Frage meiner zukünftigen Arbeit besprochen[125]. Da es sich um eine grundlegende Umstellung meiner damaligen USC-Arbeit handelte, bat ich mir eine kurze Bedenkzeit aus und schrieb (nach Rücksprache mit meinem politischen Leiter Paul Bertz[126]) einen chiffrierten Brief[127] an das Exekutivkomité der Komintern, in welchem ich meine derzeitige Arbeit [...][128] und die großen Schwierigkeiten einer radikalen Änderung beschrieb, und um einen endgültigen Bescheid bat, dem ich mich nach bestem Vermögen unterordnen würde. Den Brief wollte ich beim Treff zur Weiterleitung übergeben. [...][129] Der Treff fand, wie gesagt, nicht statt, und kurz darauf wurde die Komintern aufgelöst[130]. Den Brief verwahrte ich an geheimer Stelle[131] bis zum Frühjahr 1949, als ich ihn auf das Drängen meiner Frau vernichtete, da sein Inhalt, falls er in feindliche Hände gelangte, tatsächlich äußerst kompromittierend war. Angesichts dessen, was seither geschehen ist, ist die Vernichtung dieses Briefes natürlich ein großes Unglück. Über seine Existenz und seinen Inhalt kann Maria Weiterer[132] Zeugnis ablegen, da sie mir bei seiner Abfassung half und ihn chiffrierte[133].

            Ich habe hier weit über die Völkerbundzeit hinausgegriffen, und es ist wohl am besten, wenn ich das ganze Problem meiner Parteimitgliedschaft zu Ende behandle: Nach meiner Rückkehr aus der Sovietunion, wartete ich etwa 2 Jahre ab und versuchte dann (1940) über den damaligen Parteileiter Humbert-Droz eine Bestätigung meiner Mitgliedschaft zu erlangen. Er versprach, sich mit Dimitroff in Verbindung zu setzen, und teilte mir später mit, daß alles in Ordnung sei[134] und daß er die Verantwortung übernehme, mich als illegales Mitglied unter dem Namen

21. [Blatt]

Richard Wolf in die schweizerische Partei aufzunehmen, – was denn auch geschah[135]. Nach der Ersetzung von Humbert-Droz durch Hofmaier[136], wandte ich mich an diesen; er teilte mir aber mit, H.-D. habe ohne Zustimmung des Z.K. gehandelt und meine Aufnahme sei ungültig, obwohl die Partei weiterhin bereit sei, mit mir als Sympathisanten zusammen zu arbeiten.

            Ich besprach meine Lage auch mit meiner engsten politischen Beraterin, Maria Weiterer, in Marseille (wohin ich im Frühjahr 1941 übersiedelte), und, auf ihr Anraten, auch mit Paul Merker[137], der mir versprach, nach seiner geplanten Übersiedlung nach Moskau (via Mexico) zu versuchen, die Sache ins Reine zu bringen. Schließlich entschloß sich, im Jahre 1942, Paul Bertz, meine sehr komplizierte Lage durch zeitweilige Aufnahme in die deutsche Partei zu erleichtern, und bereitete dafür eine parteimäßige Untersuchung vor, die schließlich fallen gelassen wurde, als ich 1943, wie schon gesagt, die Bestätigung aus Moskau erhielt.

            Diese nur mündliche Bestätigung konnte mir natürlich auf die Dauer nicht helfen. Solange ich arbeitete, machte ich mir wenig Sorgen. Die Genossen, die mich kannten, betrachteten mich auf Grund meiner praktischen Arbeit als vollwertigen Genossen, und meine sich immer mehr ausdehnende Parteiarbeit im USC (siehe die nächste Beilage) erlitt durch die Unklarheit meiner Mitgliedschaft keinen Schaden. Nur darum war es mir zu tun. Nach meiner Entlassung[138] und bei dem Versuch unter neuen Genossen, die mich nicht kannten, neue Arbeit zu finden, wirkte sich meine Parteilage katastrophal aus. In Polen und der Tsch.[echo]-Sl.[owakei] begegnete man mir verständlicherweise mit offenem Mißtrauen. Ich wurde mehr und mehr verzweifelt und versuchte krampfhaft

22. [Blatt]

(allzu krampfhaft) eine Abklärung herbeizuführen. In Warschau übergab ich schließlich (nach anderen vergeblichen Versuchen) im September 1948 ein vertrauliches Schreiben an Jakub Berman[139] (über seine Sekretärin Anna Duracz[140]), der mir aber nichts versprechen konnte.

            Auch der nach Berlin zurückgekehrte Paul Merker nahm sich meines Falles an. Ich hatte ihn im Dezember 1945 in Mexico besucht und er hatte mir geraten, über die Abklärung meiner Mitgliedschaft mit dem (später ausgeschlossenen) Max Bedacht[141] in New York zu sprechen, was ich auch, ohne Resultat, tat. Nunmehr teilte mir im September 1948 der zu Besuch in Prag weilende Leo Bauer[142] mit, daß Merker sich weiterhin für mich interessiere und daß er mich nach Berlin zu bringen plane, um meine ganze Vergangenheit und meine Zukunft grundlegend zu untersuchen und abzuklären. Der bald darauf ausbrechende Pressefeldzug gegen mich in Amerika machte meine Lage noch schwieriger und ich drängte in mehreren Briefen nach Berlin (einen davon durch Vermittlung der tschechischen Gesandtschaft in Bern) um schleunige Organisierung meiner Reise. Die Berliner Reise stand noch im Mai 1949 auf der Tagesordnung. Statt dessen fand die Reise nach Budapest statt.

            Habe ich in dieser ganzen Angelegenheit richtig gehandelt? Ich will es nicht behaupten. Meine Lage war zweifellos schwierig und eine Abklärung auf normale Weise fast unmöglich, da meine Parteiarbeit durch eine nicht mehr existierende Organisation (Komintern) stattgefunden hatte. Auch jetzt ist es mir nicht klar, wie ich hätte handeln sollen. Daß ich in meinen Bemühungen (besonders im Jahre 1948) an viel zu viele Türen klopfte und dabei mehrere unerlaubte Indiskretionen beging, gebe ich zu. Nach dem Beginn des Presseangriffs

23. [Blatt]

verlor ich vollends den Kopf und bestürmte meine Freunde in Prag und Berlin um Hilfe. Als ich von dem Angriff gegen mich[143] erfuhr (ich glaube es war am 17. Oktober), sollte ich 2 Tage später nach Genf verreisen, um meinen dort ausgestellten Pass zu erneuern; ich war überzeugt, daß das Genfer Konsulat dies verweigern würde, und entschloß mich deshalb, ohne gültigen Pass in Prag zu bleiben. Auf Anraten meines amerikanischen Bekannten George Wheeler[144], der selbst vom selben Congresskomité angegriffen worden war und trotzdem vom Passbeamten in Prag, Dudka, einen neuen Pass erhalten hatte, begab ich mich schließlich Anfang November mit meinem abgelaufenen Pass zu Dudka, der mir zu meiner Überraschung ohne Schwierigkeit und ohne von der Pressekampagne zu sprechen, einen neuen Pass ausstellte[145], mit dem ich dann nach Genf zurückkehrte, um meine dortigen Angelegenheiten zu liquidieren und definitiv nach Prag überzusiedeln. Durch diese unerwartete Lösung des Passproblems erschien natürlich meine vorherige Kopflosigkeit in doppelt ungünstigem Licht. So schwer auch meine Lage war, es ist mir heute klar, daß ich als langjähriger Kommunist mich unter keinen Umständen der Hysterie hingeben durfte. Ich sehe meine damaligen Fehler ein und lege sie dem Parteiurteil vor.

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            Ich nehme den "Völkerbundsfaden" dort, wo ich ihn auf Seite 19 abbrach, wieder auf:

            Im Sommer 1940 wurde ich unerwartet vom Völkerbund entlassen, wahrscheinlich auf Betreiben des State Department. Meine Beziehungen zu meinen früheren Kollegen hatten sich stark verschlechtert. Im "Dies Comittee" war ich öffentlich angegriffen worden[146]. Bei einem Besuch in Washington im Sommer 1939 wurde ich von mehreren Ex-Kollegen sehr kühl und mit gelegentlichen Insinuationen empfangen. Einige Tage vor meiner Entlassung aus dem Völkerbund, hatte der amerikanische Konsul

24. [Blatt]

ein längeres Privatgespräch mit meinem Chef[147]. Ich bewarb mich nacheinander um mehrere neue Stellungen, die alle zuerst als fast sicher versprochen wurden und dann plötzlich mysteriös versagten (Internationales Arbeitsamt; Berater des neuen Gouverneurs der Philippinen; amerikan. Rotes Kreuz). Wie ich später vom Direktor des Arbeitsamtes und von meinem Washingtoner Freund Duggan[148] erfuhr, fielen alle diese Stellungen durch Intervention des State Department ins Wasser (wegen "Verdachts kommunistischer Tätigkeit"). Im Frühjahr 1941 wurde mir durch den mir bis dahin unbekannten Dr. Joy[149] vom neugegründeten USC die Stelle als Leiter des eben eröffneten Marseiller USC-Büros angeboten (er hatte durch einen YMCA-Vertreter[150] aus Genf erfahren, daß ich Arbeit suche). Ich nahm sofort an und nahm im März meine neue Arbeit in Marseille auf.

            Diese neue Arbeit stellte einen radikalen Umschwung in meinem Leben dar. Ich betrachte sie als die Krönung meines ganzen Lebens, als die Verwirklichung langjähriger halbbewusster Ziele und Tendenzen. Die Völkerbundszeit war dazu die Vorbereitung. Materiell stellte sie (die Völkerbundszeit) den Höhepunkt meines Lebens und des Lebens meiner Frau dar. Wir hatten zum ersten und letzten Mal ein Haus für uns und sogar eine Dienstmagd; wir hatten 2 Autos und konnten fast nach Belieben in der Welt herumgondeln – von Baku bis Madrid. USC war, besonders zu Anfang, der materielle Tiefpunkt: wir hatten kein Salär, sondern mussten mit möglichst geringen Unkosten auskommen[151]. In Marseille lebten wir in einem verwanzten, schmutzigen Zimmer, litten Hunger, arbeiteten auch an Sonn- und Feiertagen. Später lebten wir auch in Genf bis Anfang 1947 in

25. [Blatt]

einem kleinen Zimmer in einem der billigsten Genfer Pensionen. Und doch: es war die beste Zeit unseres Lebens. Zum ersten Mal vereinigte sich meine reguläre Arbeit mit meiner Parteiarbeit; letztere nahm einen immer größeren Anteil an meiner Zeit; ich lebte und handelte mehr und mehr ganz als Kommunist, ohne innere Hemmungen, ganz in der Arbeit aufgehend, und desto glücklicher, je schwieriger sie war. Ich hatte das Bewußtsein, wertvolle Arbeit im antifaschistischen Kampf und in der Rettung und Erhaltung unserer Kader zu leisten. Und zum ersten Mal konnte meine Frau vollwertig mit mir zusammen arbeiten, als meine engste Mitarbeiterin und vertrauteste Genossin.

            Aus all diesen Gründen, und wegen der zentralen Stellung meiner USC-Zeit in der Beurteilung meines "Falles" – widme ich diesem Kapitel meines Lebens eine besondere Anlage (Nummer 2). Über die darauffolgende [...][152] Zeit berichte ich kurz in Anlage 4.

            An dieser Stelle – da ich eben von meiner Frau gesprochen habe – möchte ich nur noch kurz erklären, warum wir keine Kinder hatten. Am Anfang unserer Ehe handelte es sich um das gewohnte Verschieben von Seiten junger Leute, die das Leben genießen wollten. Etwas später kam noch die Furcht vor Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit eventueller politischer Verfolgung hinzu. Schließlich spielte aber die prinzipielle Frage die Hauptrolle: Wir hatten immer wieder gesehen, wie einzelne uns bekannte Genossen beim Erscheinen von Kindern politisch vorsichtiger und zurückhaltender wurden, und manchmal sogar aus der Arbeit ausschieden. Wir wollten eine solche Entwicklung vermeiden und träumten statt von Kindern mehr und mehr vom Kampf Seite an Seite. Und die USC-Zeit gab uns recht. Hätten wir Kinder gehabt, wäre diese Zeit unmöglich gewesen.

                                                                                  Noel H. Field  19. III. 54

 

1. [Blatt] [Seite] 26

II. Meine Arbeit im Unitarian Service Committee (USC).

1. Allgemeines.

Als ich Ende März 1941 in Marseille von dem etwa 60-jährigen unitarischen Pfarrer, Charles Joy, ein dunkles, ungeheiztes Büro in einem Schiffsutensilienladen am alten Hafen[153] übernahm, mit einem jugendlichen Griechen, der nur wenig englisch sprach, als einzigem Angestellten, konnte ich natürlich kaum ahnen, was die Zukunft bieten würde. Immerhin erkannte ich sogleich gewisse Möglichkeiten, die ganz von mir selbst abhängen würden. Denn am Schluß unseres einleitenden Gesprächs (er verreiste gleich am nächsten Tag nach Lissabon, wo er das neugegründete USC-Büro für Hilfe an spanischen Flüchtlingen leitete), holte Joy buchstäblich ein Bündel Banknoten aus seiner Tasche, warf sie mir hin, und sagte: "So! Helfen sie also den Flüchtlingen! Wie, das ist Ihre Sache. Schicken Sie uns Berichte so oft es geht; wir werden Ihnen so viel Geld schicken, wie möglich; wieviel, das kann ich nicht voraussagen, das hängt von den Ergebnissen unserer Sammelarbeit in Amerika ab."

            Der Gedanke lag sofort nahe, zu versuchen, das USC als Aushängeschild für eine Art "Rote Hilfe" auszunützen. Eine Reihe von objektiven Faktoren, die ich natürlich erst im Verlauf der Zeit kennen lernte, begünstigten diese Möglichkeit: Es handelte sich um eine neue, noch unerfahrene und fast mittellose Organisation, eingesetzt von der Assoziation Unitarischer Kirchen in Amerika, auf Initiative einiger antifaschistisch gesinnter Pfarrer, die im Verlauf einer Europareise Zeugen des Hitlereinmarsches in die Tschechoslovakei gewesen waren. Die unitarischen Kirchen Amerikas (ganz anders als die ungarischen Unitarier) bildeten eine lose Vereinigung am extremen linken Flügel der amerikanischen Kirchen. Sie wurden zu den offiziellen protestantischen Vereinigungen (z.B. YMCA) nicht zugelassen, sondern als judaïsierende Häretiker betrachtet. Viele führende Unitarier standen auch politisch weit links, es gab eine Reihe von Sympathisanten unter ihnen und mehrere Parteimitglieder.

2. [Blatt] [Seite] 27

Ein führendes Mitglied der Bostoner Zentrale war Parteimitglied (ich vergesse seinen Namen), der Redakteur der offiziellen unitarischen Monatsschrift[154] war Kommunist (ob Parteimitglied, weiß ich nicht) und hieß Stephen Fritchman[155]. Im Bostoner Stab des USC gab es mehrere Sympathisanten, und der Leiter der Jugendsektion und der Hilfsarbeit in Amerika selbst (besonders unter den Negern), John Finley, war Parteimitglied. Die unitarische Jugendbewegung war kommunistisch eingestellt; eine ihrer Leiterinnen war Frances Danon, später Sekretärin des Weltjugendbundes. Der erste Generaldirektor, Dexter[156], gab sich lange Zeit für einen Sympathisanten aus, arbeitete aber später (als Direktor in Lissabon) nach [dem] Eintritt Amerikas in den Krieg für [das] OSS und trat nach Kriegsende immer mehr als offener Antikommunist auf. Sein Nachfolger, Dr. Joy, war ein liberaler Wirrkopf, der leicht zu beeinflussen war, und der, unter dem Einfluß von Madame Tempi[157] (Pariser Leiterin von USC und Genossin), in den Jahren 1945-6 eine starke Linksentwicklung durchmachte (hierüber später noch einige Worte).

            Natürlich gab es bei den Unitariern und auch in der USC-Zentrale Reaktionäre, aber sie waren in der Roosevelt-Zeit in der Minderheit. Nach dem Einsetzen der Truman-Reaktion, gingen auch sie zum Angriff über und siegten 1946-7 auf der ganzen Linie, beginnend mit der Entlassung von Fritchman und Joy; die Wirkung dieses Sieges auf das USC in Europa verzögerte sich um etwa ein Jahr, aber 1947-1948 hatte auch hier die Reaktion gesiegt und das ganze von mir und meinen Mitarbeitern errichtete Gebäude stürzte zusammen. [Siehe Addendum auf [der] Gegenseite.][158]

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[Rückseite von Seite 27 – BRB:]

 

            Addendum zu Seite 27:

            Eine wichtige Rolle in diesem Kampf spielten 2 sozialdemokratische Stabsmitglieder des USC in Amerika: Henry Müller (Leiter des USC Warenlagers und deutscher Abstammung) und Dr. Papinek (Leiter der Kinderhilfe, Österreicher). Sie lebten in New York, wo alle anderen Organisationen ihre Zentren hatten, und dienten als Transmissionsriemen zwischen den New Yorker Trotzkisten (insbesondere Sheba Strunsky[159]) und den Bostoner Reaktionären. Der ganze interne Kampf der Unitarier bildet überhaupt ein interessantes Beispiel des gemeinsamen Kampfes (mit verteilten Rollen) von Trotzkisten und Reaktionären gegen Kommunisten.

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            Im Gegensatz zu den Quäkern, die allen helfen wollten, nahm das Bostoner USC von Anfang an eine prinzipiell antifaschistische Hilfstätigkeit an. Unter meinem Druck wurde die Politik dahingehend spezifiziert, daß das USC prinzipiell

3. [Blatt] [Seite] 28

allen antifaschistischen Flüchtlingen, ohne Ausschluß der Kommunisten, helfen solle, daß es aber (wegen der geringen Geldmittel) praktisch vor allem denjenigen helfen solle, die von keiner anderen Organisation Hilfe bekamen. Da gerade die Kommunisten zu dieser Kategorie gehörten, gab mir diese Politik die Möglichkeit, die "Rote Hilfe" mehr und mehr zu entwickeln unter dem Vorwand der Betreuung von "Nichtbetreuten".

            Die einzige andere amerikanische Hilfsorganisation, die sich auf Hilfe an politischen Flüchtlingen konzentrierte (und in Europa arbeitete) war das von den Trotzkisten gegründete "Emergency Rescue Committee" ("Emerescue"), später "International Relief and Rescue Comittee ("IRRC")[160], in Frankreich einfach als "Comité Americain"[161] bekannt, was oft zu Verwechslungen mit dem "Comité Unitarian" führte. Dieses Comité befolgte das Prinzip "Hilfe an alle [...][162] politischen Flüchtlinge, ausgenommen Kommunisten". USC und IRRC waren ungefähr gleich stark. Es ist kein Wunder, daß beide, sowohl in Amerika, wie besonders in Europa, sich immer mehr befeindeten. Der Sieg der Reaktionäre im USC war gleichzeitig der Sieg des trotzkistischen IRRC über das kommunistische USC in Europa.

            Der Hauptfaktor, der den Aufbau einer roten Hilfsarbeit erleichterte, war das kriegsbedingte Fehlen jedes normalen Kontaktes mit der Zentrale in Boston (ich werde diese Zentrale des Weiteren einfach mit "Boston" bezeichnen; die meiner Leitung unterstehende Organisation in Europa einfach mit "USC"). Schon in der Marseiller Zeit wurde der Briefverkehr immer schwieriger, und nach der Totalbesetzung und meiner Flucht nach Genf hörte er bis zur Befreiung Frankreichs völlig auf. Der Telegrammverkehr war unchiffriert und konnte sich in der Hauptsache nur mit technischen Fragen befassen. So war ich

4. [Blatt] [Seite] 29

während des Krieges in der glücklichen Lage, immer größere Geldsummen zu empfangen und immer weniger Rechenschaft über deren Verausgabung geben zu müssen! Nach dem Kriege änderte sich dies allmählich (und so lange man mir vertraute‚ nur sehr langsam) und wir mussten zu immer raffinierteren Tarnungsmanövern übergehen, die Boston gegenüber leidlich genügten, aber von den ebenso raffinierten Trotzkisten leicht durchschaut wurden, was uns schließlich zu Fall brachte.

            Die Geldquellen des USC waren: a. in Amerika: 1. die Sammlungen innerhalb der unitarischen Kirche; 2. öffentliche Sammelaktionen; 3. das Joint Antifascist Committee (eine unter Parteikontrolle stehende Organisation, die ich dazu bewog, USC als Treuhänder zu benutzen)(*)[163]; 4. gelegentliche Beiträge anderer Organisationen (z.B. das Hilfskomitee für Hilfe an Frankreich); b. in der Schweiz: verschiedene Organisationen der äußersten Linken (Central Sanitaire Suisse; Verein zur Unterstützung von Flüchtlingen in Südfrankreich – ein von der deutschen Partei ins Leben gerufenes Organ; Naturfreunde). Aus staatlichen Quellen erhielten wir einen einmaligen Beitrag (1000 Dollar) vom "War Refugee Board", einem von Roosevelt eingesetzten Organ zur Hilfe an Juden im besetzten Gebiet. Von [dem] OSS oder irgend einem anderen Geheimdienst erhielt USC keinen Cent (der Beitrag von Dulles – siehe nächste Anlage – war an mich persönlich und ging nicht durch unser Budget). Eine von Dexter im Sommer 1942 angekündigte Summe von [dem] OSS (ich glaube es handelte sich um fünf oder 10 Tausend Dollar) wurde nie erhalten, sei es aus technischen Gründen, sei es[,] weil Dexter (ein gleichzeitig sehr ungebildeter und eingebildeter Mensch, den man in offiziellen Kreisen nicht ernst nahm) sich Illusionen machte; sei es, weil ich unterdessen die OSS-Mitarbeit abgelehnt hatte.

[Addendum auf [der] Gegenseite.]

[Rückseite von Seite 29 – BRB:]

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            Addendum zum letzten Satz auf Seite 29:

            Inwieweit Dexter für sein Lissabonner Büro (1942-44) OSS-Zuwendungen erhielt, weiß ich nicht. Das dortige Büro stand bis 1946 völlig ausserhalb meiner Einflußsphäre. Auch nachher war die Verbindung Boston-Lissabon enger als mit Genf, und ich beschränkte meine Interventionen in der Hauptsache darauf, die Stellung der langjährigen, schon von Joy eingesetzten Mitarbeiterin, Maria Oppenheimer, zu stützen und zu stärken, die anscheinend Sympathisantin war, das Wohlwollen der spanischen Partei genoß, und mit den portugiesischen und amerikanischen Behörden auf Kriegsfuß stand.

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5. [Blatt] [Seite] 30

            Unser Budget wuchs mit einigen Schwankungen fast beständig an und erreichte 1946 den Höhepunkt (mehrere Hunderttausend Dollar, ich kann mich nicht mehr an die Summe erinnern). Dann setzte ein scharfer Rückgang ein, Hand in Hand mit der Reaktion. Aus dem kleinen Marseiller Büro mit ein bis 2 Angestellten entwickelte sich eine große Organisation, mit Zentralbüro in Genf, Hauptfiliale in Paris (mehr als die Hälfte des Gesamtbudgets entfiel auf Frankreich), und Filialen in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechoslovakei, Ungarn und Portugal (das Lissabonner Büro bestand seit 1941 oder sogar 1940, wurde aber direkt von Boston aus geleitet und wurde mir erst 1946 unterstellt). Wir hatten (1945-46) gegen Hundert Mitarbeiter, davon die Hälfte in Frankreich. Das Entscheidende aber war: der größte Teil der materiellen Hilfsmittel wurde zur Unterstützung von Genossen, vor allem von Kadern verwandt. Mindestens die Hälfte des ganzen Stabes und mindestens drei Viertel des leitenden Personals bestand aus Genossen. USC war weitgehend zu einer "roten Hilfe" geworden.

            Ich will kein Loblied auf mich selbst singen. Ohne die Hilfe der Partei und der Genossen wäre ein solches Resultat nie erreicht worden. Aber mit diesem Resultat steht und fällt mein Lebenswerk. Für das Erreichte, ob gut, ob schlecht, trage ich die Verantwortung. Ich bin heute besser denn je überzeugt, daß es gut war.

            Fehler habe ich begangen, zweifellos schwere, – vor allem in der Personalpolitik. Ich meine damit mein Handeln in Bezug auf ungeeignete Mitarbeiter. Meine mangelnde admini­strative Erfahrung und besonders meine schon erwähnte Schüchternheit und Befangenheit, vor allem Frauen gegenüber (und fast alle Mitarbeiter waren Frauen), machten es mir besonders schwer, scharf zu kritisieren, Befehle zu erteilen, und – vor allem – Mitarbeiter zu entlassen. In dieser Beziehung war ich ein sehr schlechter "Direktor". Wenn ich auch in der

6. [Blatt][Seite] 31

übergroßen Mehrzahl von loyalen und aufopfernden Mitarbeitern umgeben war, so gab es doch einige Fälle von Unfähigkeit oder mangelnder Loyalität, die wegen meiner Schwäche viel zu lange geduldet wurden und Schaden verursachten. Ich denke dabei in erster Linie an 3 Fälle: Dr. Zimmer[164] (mit Frau) in Marseille; Hélèn Héroys und Luise Berg in Genf.

            Dr. Zimmer war an sich ein ziemlich schwacher Mensch und mit ihm allein wäre ich fertig geworden (er war Leiter unserer medizinischen Arbeit). Aber seinen Frau war ausserordentlich ehrgeizig und willensstark, und führte einen hartnäckigen Kampf um die Stellung ihres Mannes (und sich selbst) zu fördern. Ich war diesem Ansturm nicht gewachsen[,] und wenn ich nicht ganz unterlag, so hauptsächlich durch die Hilfe meiner Frau. Immerhin kam es zu der lächerlichen Situation, daß Zimmer, der in einer großen Villa mit Auto lebte und nur halbtags bei uns angestellt war (während er seine Privatpraxis weiterführte) ein höheres Gehalt bezog, als meine Frau und ich (in Form unserer Unkosten)[,] und daß er sich gelegentlich in Dinge einmischte, die ihn nichts angingen (einige Fälle von "ärztlicher" Unterstützung, die keineswegs nur ärztlich waren; unter diesen Fällen befand sich auch ein bekannter Renegat der deutschen K.P.). Politisch war all dies während meiner Marseiller Zeit von geringer Bedeutung. Nach der Totalbesetzung arbeitete er (anscheinend tapfer) für die Widerstandsbewegung, stand aber gleichzeitig mit [dem] OSS in Beziehung; Dexter hatte ihn, ohne mein Wissen, im Herbst 1942 angeworben, was ich erst 1945 bei meinem Besuch in Marseille erfuhr. Er wollte nunmehr (1945) unbedingt als Marseiller Vertreter von USC anerkannt werden und erst nach mehrmonatigen, langwierigen Kämpfen gelang es mir, mit Hilfe unserer Pariser Leiterin Jo Tempi, ihn endgültig auszuschalten (mit [dem] OSS stand er 1945 nicht mehr in Beziehung). An seine Stelle trat die amerikanische Genossin Irene Spiegel, die das Marseiller Büro 2 Jahre lang leitete. [Siehe Gegenseite!]

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[Rückseite von Seite 31 – BRB:]

 

Korrektur vom 22. März 1954

            Mein Bericht auf den Seiten 31-33 ist in Bezug auf die Héroys in wesentlichen Punkten falsch. Mein Gedächtnis hat mich getäuscht[,] und mein Fehler stellt sich als nicht ganz so schwer heraus, wie ich glaubte, obschon schwer genug.

            Es handelt sich darum, daß ich Héroys unmöglich schon im Jahre 1944, sondern frühe­stens vom Sommer 1945 an für USC-Arbeit benützt habe, das heisst nach Kriegsende und nachdem der Postverkehr mit Boston schon längere Zeit bestand (denn Boston beklagte sich über die Mangelhaftigkeit unserer Berichte). Ich kannte Héroys schon lange (durch ihre Freundin Berg) und das Gespräch in Bezug auf die Vlassov Armee (siehe Addendum zu Seite 32) fand lange vor ihrer Mitarbeit statt. Ihre Versicherung, daß sie ihre Spionagetätigkeit abgebrochen habe, gab sie mir im Zusammenhang mit der Möglichkeit ihrer Arbeit für USC ab.

            Der Satz (am Schluß meiner Ausführungen auf S. 33), daß eine englische Agentin mit meinem Wissen für USC arbeitete, ist also übertrieben und muß etwa so formuliert werden:  Ich benützte zur gelegentlichen Mitarbeit eine Frau, von der ich wusste, daß sie während des Krieges eine englische Agentin gewesen war, und zwar auf ihre zweifelhafte Versicherung hin, daß dies jetzt nicht mehr der Fall sei.

            Ich sage "gelegentliche Mitarbeit", denn sie wurde von Fall zu Fall benutzt und pro abgeliefertem Bericht bezahlt. Es stimmt nicht, daß sie in Frankreich "mehrmals" für uns herumreiste (wie ich auf Seite 32 schrieb). Sie machte 2 Besuche in unserem Erholungsheim jenseits der Grenze bei Genf und war 2 mal in Paris (auf der Hin- und Rückreise nach und von England), wobei Tempi sich weigerte, ihr die Pariser Arbeit zu zeigen. Sie schrieb im Ganzen 4 Reportagen, alle anderen Berichte basierten auf Gesprächen mit USC-Vertretern, die Genf besuchten, und auf der Übersetzung und Bearbeitung von schriftlichen Berichten unserer Filialen.

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            Ernsterer Natur war mein Fehler in Bezug auf Héroys und Berg.  (BERG, nicht zu verwechseln mit BERTZ!) Letztere war eine ausgezeichnete

7. [Blatt][Seite] 32

Sekretärin, die englisch und französisch gleichermaßen beherrschte und die ich Anfang 1944 anstellte, als ich 4 Monate lang krank im Augenspital lag, während gleichzeitig unsere Arbeit mit Riesensprüngen anwuchs. [...][165] Ende 1944 begann ich auch ihre Freundin Héroys (Schriftstellerin, ebenfalls französisch und englisch) für die Abfassung von sentimentalen Propagandaberichten zu benutzen, da Boston immer dringender für die Sammelaktionen danach verlangte. Die Berichte von Héroys wurden in Boston enthusiastisch aufgenommen, und immer neue Berichte wurden verlangt. Bald aber vermutete ich und erhielt später auch die Bestätigung aus ihrem eigenen Munde, daß Héroys mit dem englischen Geheimdienst in Kontakt stehe. (*)[166]

            Statt beide Frauen – oder zumindest Héroys – zu entlassen, beließ ich sie "vorläufig" auf ihrem Posten, während meine Frau und ich ständig nach Ersatz suchten, – aber nicht fanden. Unterdessen sorgte ich dafür, daß weder Berg noch Héroys in unsere politische Arbeit Einsicht erhielten, und behielt alles kompromittierende Material unter Schloß und Riegel in meinem Privatbüro. Berg hatte auch wirklich nur mit technisch-administrativen Fragen zu tun. Héroys dagegen machte für ihre Reportagen mehrere Besuche bei einzelnen unser Unternehmungen in Frankreich, wobei die Genossen dort gewarnt wurden[,] und sie von unseren eigentlichen Parteiunternehmungen (z.B. spanisches Spital und Erholungsheim) ferngehalten wurde. Im Frühjahr 1947 reiste sie nach Wien, um der Eröffnung unserer Zahnklinik für Opfer des Faschismus beizuwohnen, mit dem Auftrag, sofort nachher nach Genf zurückzukehren zur Berichterstattung. Statt dessen blieb sie wochenlang aus und Elsie Haus (unsere Vertreterin in Wien) teilte mir später mit, daß sie sich in antisovietischen Kreisen herumgetrieben habe. Erst jetzt schlug ich zu und befahl ihr, mit der schnellsten Abfassung ihres Berichts ihre Arbeit für uns zu beenden. Von dieser [Fortsetzung hinter dem Addendum – BRB]

 

[Rückseite von Seite 32 – BRB:]

[Dieses Addendum ist unrichtig; siehe Korrektur auf der Rückseite von S. 31][167]

            Addendum zu Seite 32.

Diese Mitteilung machte sie mir Anfang 1945, als ich meine zweite Reise (*)[168] nach dem befreiten Frankreich antrat. Sie wünschte, wenn ich mich recht erinnere, daß ich für sie zu erfahren versuche, was die politische Einstellung der gefangenen, oder vielmehr, zu den Alliierten geflüchteten Mitgliedern der sogenannten "Vlassov-Armee" (von den Faschisten zum Militärdienst gezwungene Sovietbürger) sei. Ich lehnte natürlich ab.

            Später – nach Kriegsende – teilte sie mir ehrenwörtlich mit, daß sie keinerlei Beziehungen mehr zum Geheimdienst mehr habe, und daß sie für die Labour Partei arbeiten würde. Sie reiste tatsächlich für die Wahlen nach England und machte später für die Labour Regierung Propaganda. Wie weit ihrem Ehrenwort zu glauben war, lasse ich dahingestellt. Ich schreibe es nur als Faktum und nicht zu meiner Entlastung. [24. III. 54: Ich betone, daß die richtige Darstellung diejenige auf der Rückseite von Seite 31 ist.][169]

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[Ende des Addendum auf der Rückseite von Seite 32 – BRB]

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8. [Blatt][Seite] 33

Zeit an intrigierte sie offen und heimlich gegen mich und half bei meinem bald darauf erfolgenden Sturz. Die Berg wurde von Boston zu meiner Nachfolgerin in Genf gewählt, aber es gelang mir diesen Beschluss rückgängig zu machen und die völlig loyale (aber nicht kommunistische) Frau Matthey an ihre Stelle zu setzen. Berg, die von dieser Aktion wusste, ging damit ebenfalls ins Lager meiner persönlichen Feinde über.

            Ich glaube, es sollte berücksichtigt werden, daß meine Lage eine schwierige war. In einer "roten Hilfe" hatten beide Frauen natürlich keinen Platz. Nach außen handelte es sich aber um eine bürgerliche Organisation, dazu noch um eine amerikanische, und es war nicht leicht, einen nach außen – besonders gegenüber Boston – stichhaltigen Grund zur Entlassung zu finden, besonders, wenn die technische Arbeit dabei schwer leiden musste. Aber, wenn dies auch ein entlastendes Moment ist, – ich kann mich der Tatsache nicht verschließen, daß eine englische Agentin mit meinem Wissen im USC mitarbeitete, und daß ich einen sehr schweren Fehler beging, indem ich nicht schnell und radikal durchgriff. (*)[170]

            In den folgenden Seiten, gehe ich auf einige politisch wichtige Einzelheiten der USC-Arbeit ein.

            2. Marseiller Periode (März 1941 – November 1942).

            Während dieser Zeit handelte es sich in erster Linie um den Aufbau des offiziellen Prestiges von USC als Aushängeschild; die rote Hilfe nahm deshalb quantitativ den 2. Platz ein, obwohl ihr prozentualer Anteil ständig wuchs. Als junges und noch kleines Hilfswerk, verlagerte sich die offizielle Arbeit absichtlich auf ein grossteils noch unberührtes Spezialgebiet, nämlich die ärztliche und zahnärztliche Hilfe in den Lagern und unter den freilebenden Flüchtlingen (Poliklinik und Zahntechnikum in Marseille mit Filialen in den Lagern). Innerhalb eines Jahres gelang es mir, USC zur anerkannten Organisation für ärztliche Hilfe zu machen und ich erhielt dafür vom internationalen Roten Kreuz in Genf große Gratiszuwendungen von Medikamenten,

9. [Blatt][Seite] 34

deren Wert unser damaliges Budget um ein Mehrfaches überstieg. Durch häufige Reisen in die Schweiz, baute ich auch dort das USC-Prestige auf, was später bei der Gründung des Genfer Zentralbüros von Bedeutung war.

            Kurz nach meinem Eintreffen in Marseille, machte ich einen ersten Besuch in der Schweiz, und teilte der schweizerischen Parteileitung meine Ideen über die weitere Arbeit mit (ich war damals Mitglied der K.P. Schweiz – siehe erster Anhang). Diese verwies mich an den Leiter der Centrale Sanitaire Suisse[171], den Genossen Hans von Fischer[172], der mir eine Liste von hilfsbedürftigen Genossen in den südfranzösischen Lagern übergab, und dabei besonders auf die in Marseille internierten Maria Weiterer (Witwe von Siegfried Rädel[173]) und Hilde – ich erinnere mich nicht an den Namen[174], – Witwe eines bekannten in Hamburg hingerichteten Genossen[175]) hinwies. Mit diesen setzte ich mich gleich nach meiner Rückkehr in Verbindung. Nachdem sie aus der Schweiz Bestätigung meiner Aussagen erhalten hatte[176], wurde Maria Weiterer – bis zu ihrer von mir organisierten Flucht in die Schweiz (sie stand auf der Auslieferungsliste nach Deutschland) und später wieder nach meiner eigenen Flucht nach Genf – zu meiner und meiner Frau engsten politischen Beraterin. Sie vermittelte mir den Kontakt mit den in der Nähe von Marseille in tiefster Illegalität lebenden Paul Merker (dem ich später die Ausreise nach Mexiko unter falschem Namen vermittelte[177]). Als ständiger Parteikontakt in der täglichen Arbeit wurde zuerst die legal lebende Henny Stibi[178] und nach ihrer Abreise nach Mexiko, der ebenfalls legale Willi Kreikemeyer[179] bestimmt. Um mich besser zu sichern, wurde vereinbart, daß der Kontakt mit den anderen nationalen Gruppen durch Stibi oder Kreikemeyer stattfinden solle. Eine Ausnahme bildeten die Spanier, die ihren Vertreter Felix Llanos [Llanos][180] als USC-Mitarbeiter bestimmten; er arbeitete in unserem Büro bis zu seiner Verhaftung (Sommer 1942 ?). So ist es gekommen, daß meine

10. [Blatt][Seite] 35

Arbeit in Marseille und später in Genf (in geringerem Maße) vor allem unter der Leitung der deutschen Partei stattfand. Mit [Henny] Stibi und später mit Kreikemeyer kam ich fast täglich zusammen und beriet mich mit ihnen in allen Fragen der politischen Hilfsarbeit.

            Auf Einzelheiten hier einzugehen, würde zu weit führen. Es handelte sich grundsätzlich um Kaderschutzarbeit[181]. Die materielle Hilfe bildete nur einen Teil. Als Beispiel nenne ich meinen Kontakt mit einer Frau in der Präfektur[182], die mir heimlich Informationen übermittelte über Genossen, die auf der geheimen Auslieferungsliste standen oder sonst von der Gestapo gesucht wurden.

            Bei meinen Reisen in die Schweiz, vermittelte ich Courierdienste für die deutsche und die spanische Partei. Durch den deutschen Parteivertreter in Genf, Leo Bauer, wurde ich mit dem illegal in Basel lebenden Parteileiter Paul Bertz verbunden, der bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland im Frühjahr 1945 mein eigentlicher Parteileiter wurde, wenigstens was deutsche und allgemein politische Fragen betraf. Ich diente als Courier zwischen ihm und Merker und dann Kreikemeyer. Nach meiner Flucht in die Schweiz, wurde dieser nach mehrmonatigem Unterbruch wiederum durch mich vermittelt, mit Hilfe von Courieren der französischen Widerstandsbewegung, und dauerte bis zu Befreiung von Paris.

            Ich möchte mich nicht brüsten, aber da ich schon von meiner physischen Feigheit gesprochen habe, ist es nur gerecht, wenn ich darauf hinweise, daß meine Courierarbeit nicht ungefährlich war: der Grenzposten stand unter Kontrolle eines Gestapobeamten, der mich fast jedesmal von französischen Gendarmen auskleiden ließ. Was mich rettete war der Haß dieser Gendarmen gegen die Gestapo. Soweit möglich, trug ich die Informationen im Kopf. Es kam aber auch vor, daß das Futter meines Anzugs mit Dokumenten auf Seidenpapier vollgenäht war. Nun, es war selbstverständliche Pflicht. Ich meine nur: Vor dem Feind bin ich nicht völlig ohne Mut gewesen.

11. [Blatt][Seite] 36

            In der Nacht vom 10.-11. November 1942 flohen meine Frau und ich nordwärts, während die deutsche Armee nach Süden marschierte. Als wir die Grenzstation am Morgen erreichten, war sie schon besetzt. Erst nachts gelang es uns, mit Hilfe der Widerstandsbewegung, an einer entlegenen Stelle über die Grenze zu rennen, ein ankommender Wagen der SS beleuchtete uns im Moment des Übertritts mit seinen Scheinwerfern.

            3. Genfer Periode des Aufstieg (1943 – 1946).

            In Genf galt es, beinahe wieder von vorne anzufangen. Der Kontakt mit Frankreich war abgerissen, die Hilfe für Flüchtlinge in der Schweiz noch nicht begonnen, und es brauchte fast ein Jahr[,] um neue Grundlagen zu schaffen. Dann aber ging die Arbeit rasch vorwärts[,] und zur gegenwärtigen Hilfsarbeit gesellte sich das Planen von Nachkriegsarbeit in den befreiten Ländern. Parteitechnisch änderte sich die Arbeit vor allem dadurch, daß ich – gemäß der anderen Lage in der Schweiz – mit jeder nationalen Parteigruppe gesondert in Verbindung trat; d.h., jede Parteigruppe ernannte – nach Rücksprache mit der schweizerischen Partei – einen (oder höchstens 2) Vertreter, um mit mir zusammen zu arbeiten. Daraus entwickelte sich eine Art nationaler Gruppenhilfe: Ich teilte, mehr oder weniger nach der Gruppenstärke, einen erheblichen Teil des Budgets nach einzelnen Gruppen auf, übergab das Geld dem jeweiligen Vertrauensmann und erhielt von ihm Abrechnungen und Berichte über die Verwendung (zu offizieller Benutzung); über die tatsächliche Verwendung des Geldes konnte man sich gelegentlich ein gegenseitiges Augenzwinkern erlauben. Ich will damit nicht besagen, daß das Geld nicht – wenigstens in den meisten Fällen – für Hilfs­zwecke (im Rahmen der Partei) verwendet wurde, sondern nur: 1. daß die Tatsache getarnt werden mußte, daß es sich um eine "rote" Hilfe handelte; 2. daß ich den Genossen volles Vertrauen schenkte, und ihre Berichte und Abrechnungen als bare Münze hinnahm, ohne irgendwelche Kontrolle durchzuführen. Gerade darin sah ich meine Hauptaufgabe: gewissermaßen den "Dummen" zu spielen und als eine Art Schild zwischen den Genossen und dem USC zu stehen.

12. [Blatt][Seite] 37

Bei weitem nicht alle Genossen, mit denen ich – besonders später in Frankreich – zu tun hatte, wussten, daß ich Kommunist bin. Unsere französische Leiterin Herta ("Jo") Tempi, mit einem Stab von mehreren Dutzend Genossen, stellte mich gegenüber den meisten als amerikanischen Dummkopf dar, den man leicht betrügen konnte, und unsere erweiterten Stabssitzungen waren in dieser Beziehung manchmal höchst amüsant.

            In der Schweiz war es mein Ziel, mich mit einer Reihe von zuverlässigen Genossen zu umgeben, die nicht als USC-Stabsmitglieder, sondern als Parteivertreter die Hilfsarbeit mit dem USC-Geld durchführen würden. (Es ist zu bedenken, daß die Partei während des Krieges verboten war[183][,] und jede Parteitätigkeit mit Gefängnis bestraft wurde). Aus diesem Grunde hatte ich in meinem Genfer Stab (außer meiner Frau) auch keine Genossen; während unserer halbjährigen Abwesenheit in Amerika (1945-46) wurden wir durch die schweizerische Genossin, Elsie Haus, vertreten.

            Unter den Fragen, die ich bei der Gruppenhilfe stillschweigend im Dunkeln ließ, waren unter anderem solche: ob die Hilfe tatsächlich (wie die "Quittungen" bezeugten) an notleidende Genossen in der Schweiz – oder eher an kämpfende Genossen jenseits der Grenze ging; ob für Nahrungsmittel und Kleider – oder etwa für Ausrüstung von Partisanen in Norditalien, – u.s.w. Es kam auch vor (aber nur selten), daß mit meinem Wissen Geldsummen für rein politische Zwecke verwendet wurden (z.B., Propagandatätigkeit der ungarischen Parteigruppe). Meistens lehnte ich solche rein politische Hilfe ab, weil sie die ganze Arbeit zu sehr gefährdete (Beispiel: ich lehnte ein Gesuch der schweizerischen Partei ab, ihr zu helfen, das Parteiorgan – ich glaube es hieß "Vorwärts" – aus Finanznöten zu retten; ob ich hierin richtig gehandelt habe, wage ich nicht zu entscheiden).

            Einige Worte in Bezug auf die deutsche Gruppenhilfe: Ich bin dafür von deutschen Genossen schwer kritisiert worden, aber ich bin noch heute überzeugt, daß ich nicht anders handeln durfte, als ich es tat. Es war für mich als amerikanischen Genossen, unbedingte Pflicht, mich

13. [Blatt][Seite] 38

nicht in die internen Konflikte anderer Parteien einzumischen. Ein solcher Konflikt bestand in der deutschen Parteigruppe, und zwar hauptsächlich zwischen der völlig illegal lebenden Leitung (Paul Bertz) und der mehr oder weniger legal lebenden Gruppe, die sich um das "Freie Deutschland" scharte[184]. Paul Bertz war für mich der rechtmäßige Chef, vor allem bestätigt durch Paul Merker. Solange Merker, oder eine ähnliche höhere Instanz, mich nicht anwies, Bertz zu verlassen, musste Bertz mein Leiter bleiben, ganz unabhängig vom internen Streit; meine eigenen Ansichten durften dabei keine Rolle spielen (ich war nicht immer mit Bertz einverstanden[,] und wir haben uns oft gestritten; aber seine Befehle waren für mich verpflichtend). Bei der Hilfe an die deutsche Gruppe hielt ich mich deshalb streng an die Anweisungen von Bertz (bis zu seiner Abreise) und das Geld für die deutschen Genossen ging zum größten Teil durch seine Hände. Die andere Gruppe versuchte mich mehrmals von Bertz abzuspalten, und verlangte sogar einmal von mir, zu einem geheimen Treff in einer Kleinstadt zu kommen[185]: ich habe den Treff nicht eingehalten. Im übrigen setzte ich meine kameradschaftlichen Beziehungen zu einzelnen Mitgliedern und Leitern dieser Opposition fort und arbeitete, nach der Abreise von Bertz[186], mit ihnen zusammen (Langhoff[187], Teubner[188]). Ich spreche von dieser ganzen Angelegenheit nur deshalb, weil ich vermute (bitte, es ist nur eine Vermutung), daß die damals entstandene Kritik und sogar Feindschaft gegen mich (der sich auch Hans von Fischer von der CSS[189] und besonders seine deutsche Frau[190] anschloß) eine gewisse Rolle in der Genesis meines jetzigen Wohnsitzes gespielt hat.

            Auch einige Worte zur jugoslavischen Gruppenhilfe:

in den Verhören wurde mir der Vorwurf gemacht, daß ich die Titogruppe unterstützte. Aber ich bitte, – es handelte sich doch um die Jahre 1943-44, als die jugoslavische Partei (außer der sovietischen Partei) bei allen Kommunisten als Kampfpartei den höchsten Ruf und die größte Liebe genoß. Woher sollte ich, ein kleiner Genosse, voraussehen, daß diese Partei vier Jahre später aus der Gemeinschaft der Bruderparteien ausgestoßen sein würde? Ja, meine Hilfe an die jugoslavische Gruppe

14. [Blatt][Seite] 39

war verhältnismäßig groß; aber auch die Gruppe selbst war groß, und dazu noch besonders bedrängt: von den Behörden und der Polizei, von der jugosl.[awischen] Gesandtschaft, von ihren eigenen Landsleuten (der Mihailovic Gruppe[191]). Was aus meinem hauptsächlichen Vertrauensmann, Mischa Lompar[192], geworden ist, weiß ich nicht, aber ich nehme an, daß er bei Tito verblieb (sein jüngerer Bruder war[,] glaube ich[,] Adjutant bei Tito). Auch ist mir eine vage Erinnerung geblieben, daß er mir einmal in irgend einem Zusammenhang sagte, daß er "Dulles kenne" (mehr sagte er nicht).

            Einen wichtigen Teil der Gruppenhilfe bildeten die illegalen und äußerst geheimen Geldsendungen nach Frankreich für die deutschen Genossen und für Spanienkämpfer; das ganze Geld ging durch Vermittlung der französischen Widerstandsbewegung an Kreikemeyer[193], zuerst in Marseille, später in Paris. Ich erinnere mich nicht an die Gesamtsumme, aber sie überstieg, wenn ich nicht irre, 100 Tausend Schweizer Franken (einschließlich die berüchtigten 2 Tausend Dollar (8,000 Franken) von Dulles). Kreikemeyer hat darüber eine genaue Abrechnung an die Partei gemacht[194], desgleichen Paul Bertz (auf Grund meiner Angaben); die Ziffern können, nach Umrechnung des jeweiligen (illegalen) Kurses leicht verglichen werden.

            Neben der Gruppenhilfe bestand noch eine ausgedehnte Individualhilfe, sowohl für Genossen, wie für Nichtgenossen; erstere auf Grund von Empfehlungen der jeweiligen Parteigruppe. Dies war das besondere Arbeitsgebiet meiner Frau.

            Auf Grund des in der Schweiz aufgebauten Prestiges, das in keinem Verhältnis zur Größe der Organisation stand, gelang es mir mehrmals, bei gemeinsamen Aktionen der verschiedenen Hilfswerke, diese in einem für die Partei günstigen Sinn umzubiegen. So gelang es mir, bei der Schaffung des Zürcher Schulungskurses für Nachkriegshilfe, die Leitung einer Genossin zuzuspielen (Elsie Haus). Resultat: im ersten Kurs unter (wenn ich nicht irre) etwa 40 Teilnehmern, drei oder vier Genossen (darunter Alfred Häsler[195], Tonia Lechtman[196], Paula Acker-Löffler[197]); im zweiten Kurs, beinahe die Hälfte Genossen (bei völliger Illegalität der Partei!)[198]. Später: die Koordinationsstelle für Flüchtlingshilfe[199], geleitet von Alfred Häsler und Dora Staudinger[200] (beides Genossen), aus der dann die

15. [Blatt][Seite] 40

berühmte Auskunftsstelle hervorging, für die Häsler ins Gefängnis kam[201]. Mein Einsatz zugunsten von Häsler, als im Jahre 1944 eine Gruppe von Kursteilnehmern (bestehend aus Trotzkisten und Reaktionären) seinen Ausschluß verlangte, stellt den Ausgangspunkt des offenen Kampfes der Trotzkisten gegen mich und gegen [das] USC dar.

            Mit der Befreiung von Paris im August 1944 begann der Wiederaufbau der USC-Arbeit in Frankreich auf enorm erweiterter Basis. Schon mehrere Monate vor der Befreiung hatte ich, auf Grund einer Empfehlung der deutschen Parteileitung in Paris, durch einen mit synthetischer Tinte beschriebenen Zettel, die Genossin Jo Tempi zur "Direktorin für Frankreich" ernannt (um den Plänen Bostons zuvorzukommen und ein "fait accompli" zu schaffen). Jo (Herta) Tempi war die Frau des in einem deutschen Konzlager sitzenden Werner Jurr[202] (1947 gestorben); nach ihrer Flucht aus Deutschland (vor dem Kriege) hatte sie durch eine Scheinehe den Namen Tempi und das französische Bürgertum[203] erlangt. Sie war Mitglied der französischen Partei und aktiver Teilnehmer an der Widerstandsbewegung. Ich war seit 1940 mit ihr befreundet. Anfang 1945 und dann wieder im Sommer desselben Jahres reiste ich mit ihr durch die befreiten Gebiete, um die Grundlagen der entscheidend wichtigen USC-Arbeit in Frankreich zu schaffen (das Joint Antifascist Committee hatte beträchtliche Summen dafür in Aussicht gestellt). Es würde zu weit führen, die Arbeit in Frankreich zu beschreiben. Zur Zeit des Höhepunkts (1945 und Anfang 1946) gab es Filialen in Anmasse (nur kurze Zeit), Lyon, Marseilles und Toulouse, alle von Genossinnen geleitet. Es gab das von der spanischen Partei geleitete Spital in Toulouse, das Heim für spanische  Parteikader in der Nähe von Pau (als "Konvaleszentenheim" getarnt); das spanische Kinderheim; das internationale Erholungsheim – zuerst in Monetor bei Genf und dann in Henday an der spanischen Grenze, geleitet von dem spanischen Genossen Bosc und von der amerikanischen Sympathisantin Elly Clark, u.s.w. – Trotzdem weitaus der größte Teil unseres französischen Budgets für Hilfe an Genossen verausgabt wurde,

16. [Blatt][Seite] 41

war die Arbeit mit solchem Geschick getarnt, daß eine von Boston geschickte Untersuchungskommission (auf Grund sich häufender Beschuldigungen durch die Trotzkisten) im Sommer 1946 – nach Besichtigung der ganzen Arbeit – nichts zu kritisieren fand und später einen Bericht veröffentlichte, der uns völlig entlastete. Im [...][204] Sommer 1947 – kurz vor unserem Sturz – wurden unsere Bücher (Genf und Paris) von einem eigens aus Boston hergeschickten Bankrevisor wochenlang inspiziert; auch er fand nichts. Gerade darüber fühlte ich wirklich einen gewissen Stolz. Die endlose Nachtarbeit, die ich in den vorhergehenden Jahren einsam damit verbracht hatte, unsere Finanzen durch dreifache und vierfache Buchführung zu tarnen und zu verwirren, war damit gerechtfertigt. Ich glaube wirklich behaupten zu können, daß noch selten eine bürgerliche Institution so gründlich für Parteizwecke ausgenützt wurde, ohne dabei den leisesten Finanzskandal zu verursachen. Wir sind kaputt gegangen, ja, aber ohne jeden Geldskandal, und das ist selten. Im Übrigen war es Zeit, kaputt zu gehen. Die Aufgabe war erfüllt[,] und USC war nicht mehr nötig (dieses habe ich aber damals noch nicht begriffen).

            In Bezug auf die anderen befreiten Länder, so war die USC-Arbeit im Vergleich mit Frankreich von sehr geringem Ausmaß. Mein Hauptziel war dabei, Boston so weit wie möglich zuvorzukommen und, ähnlich wie in Frankreich, ein fait accompli zu schaffen. Zu diesem fait accompli gehörte übrigens auch der Posten eines "Direktors für Europa". Er existierte bis 1946 gar nicht, d.h. formell. Ich war Direktor für die Schweiz und Frankreich[,] und hatte in anderen Ländern nichts zu suchen. Ich wusste aber, daß Boston sich besonders für die Tschechoslovakei (dortige unierte Kirche) und für Polen (große polnische Bevölkerung in [den] U.S.A.) interessierte, und arbeitete deshalb besonders für diese beiden Länder gemeinsam mit meinen polnischen und tschechischen Freunden an konkreten Plänen, die eine kommunistische Kontrolle sichern würden (Tonia Lechtman, Gejza Pavlik[205]). Später kamen noch Österreich (Elsie Haus[206]) und Ungarn (Ilona Kojsza[207]) [...][208] hinzu. Auf Einzelheiten will ich

17. [Blatt][Seite] 42

hier nicht eingehen. Den Behörden und Parteien der betreffenden Länder ist wohl alles bekannt. Hauptsache ist: alles ging in einem ständigen Kampf mit Boston vor sich, das sich immer stärker einmischte; das "fait accompli" gelang nur teilweise, besonders in personeller Hinsicht. Immerhin, Elsi Haus wurde Leiterin in Wien, Kojsza in Budapest (später im Verein mit dem sympathisierenden Carleton Fisher). Tonia Lechtman hatte zwar nur die zweite Stelle in Polen, war aber immerhin die Hauptberaterin der Direktorin (Jones), die stark unter ihrem Einfluß stand. Nur die Wahl Pavliks erwies sich als Fehlschlag: Boston konnte sich mit ihm nicht abfinden, das besondere unitarische Interesse war vorherrschend; auch wurde Pavlik selbst sehr bald als Kommunist bekannt, was mir in Boston schwer angekreidet wurde. Immerhin ergab sich auch in Prag nach einer Zeit des Wirrwarrs eine günstige Lösung: Karel Haspl, Chef der Unitarischen Kirche und zumindest ein Sympathisant (vielleicht auch Genosse ?) wurde zum Leiter des USC in Prag.

            Während meines amerikanischen Aufenthalts (1945-46) brachte ich einen großen Teil meiner Zeit im Kampf um das leitende Personal zu. Jo Tempi sollte durch einen Amerikaner ersetzt werden; es gelang mir, diesen auf die Rolle eines "Mitdirektors" zu beschränken, und ich setzte meinen eigenen Kandidaten, den Genossen William Cary, durch. Für Prag hatte man schon einen Direktor ernannt, die erzantikommunistische Martha Sharp[209] (Frau des in Prag berüchtigten Waitstill Sharp); ich wurde sie dadurch los, daß ich sie persönlich beleidigte. Als man für Deutschland nach einem "einflußreichen" Kandidaten suchte und ich niemand geeigneten vorzuschlagen wusste, bot ich mich selbst zeitweilig für den Posten an, in der Hoffnung, unterdes jemanden zu finden. Dies erwies sich als ein Fehler meinerseits: Erstens war in Deutschland, unter der Diktatur der amerikanischen Militärbehörden nichts wirklich nützliches zu erreichen; mehr als ein halbes Jahr lang, plagte ich mich damit herum, Hilfssendungen so weit wie möglich in die Richtung der eigentlichen Opfer des Faschismus zu leiten, aber ohne nennenswerten Erfolg (außer, daß ich mich bei den Militärbehörden verdächtig machte, die dem Bostoner Comité mitteilten, daß ich zukünftig in Deutschland "persona non grata" sein würde). Zweitens war ich

18 [Blatt][Seite] 43

von meinem Genfer Büro abwesend eben zu der Zeit, als der erste trotzkistisch-reaktionäre Ansturm gegen mich begann, und musste 2 mal von Deutschland aus nach Paris eilen, um mich ziemlich unvorbereitet zu verteidigen. – Dies bringt mich zum letzten Kapitel dieser Anlage. [Siehe Addendum auf der Gegenseite.]

 [Rückseite von Blatt 18 – BRB:]

 Addendum zu Seite 43, nach der 6. Zeile:

            Hiermit ein paar Beispiele von nicht direkt mit USC verbundener Parteitätigkeit:

1. Propaganda: Für die deutsche Partei schrieb ich eine Broschüre über einen großen, von den Genossen organisierten Gefängnisausbruch in Südfrankreich (Castres), durch den etwa 40 Genossen entkamen, von denen ein Teil in nächster Zeit nach Deutschland abtransportiert werden sollte. Diese illegale Broschüre wurde nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland verbreitet.

2. Verhaftung von Leo Bauer: Bauer, deutscher Parteivertreter in Genf, wurde im Oktober 1942 verhaftet[210], wobei viel gefährliches Material gefunden wurde, darunter eine Reihe von handschriftlichen Berichten von mir (für Paul Bertz bestimmt), die ich zum Glück nur mit meinem Parteinamen[211] unterzeichnet hatte[212]; auch mehrere Tausend Franken aus der Parteikasse. Während seiner langen, geheimen Untersuchungshaft (über ein Jahr)[213] stand ich – durch meine Pflegetochter Erica Glaser, die mit meiner Frau und mir zusammen wohnte und durch einen sympathisierenden Gefängniswärter – mit Bauer in ständigem Kontakt[,] (Erica hat ihn sogar mehrmals während der Nacht in seiner Zelle besucht). Wir erhielten dadurch innerhalb von 24 Stunden genaue Berichte über alle Verhöre, konnten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, andere warnen, und Bauer selbst über die Entwicklung der Dinge informieren[214]. Als ich selbst verhört wurde, wusste ich genau, was Bauer über mich ausgesagt hatte, und am nächsten Tag hatte auch er einen Bericht über mein Verhör. Ich schickte ihm eine fiktive Quittung zur Unterschrift, wonach er das bei ihm gefundene Geld von mir erhalten hätte (für Flüchtlinge); mit dieser Quittung gelang es mir, das ganze Geld wieder für die Partei freizubekommen[215]. – Außer Bauer wurde niemand verurteilt[216].

3. Das österreichische Geld. Im Zusammenhang mit dem Hochgehen der Auskunftsstelle (Häsler), bestand große Gefahr der Aufdeckung einer Geldschiebung von (wenn ich nicht irre) etwa 25 Tausend Franken für die österreichische Partei. Im Oktober 1947 (kurz nach meiner Entlassung) gab ich den österreichischen Genossen eine von mir unterzeichnete Quittung, wonach ich diese Summe zum Ankauf von Liebesgabenpaketen in Amerika für Österreich erhalten hätte. Diese Quittung sollte bei einer erwarteten Haussuchung der Polizei in die Hände gespielt werden. Über den weiteren Verlauf weiß ich nichts, ein Skandal ist jedenfalls nicht entstanden.

                                                                                              [Ende des Addendums][217]

                                                           __________________

[Fortsetzung Blatt 18 / Seite 43 – BRB]

 

4. Niedergang von USC; mein Sturz.

            Dieses Memorandum ist schon mehr als doppelt so lang geraten, als ich mir vorgenommen hatte, und ich habe mich deshalb entschlossen, das Kapitel über meinen Sturz im Wesentlichen auszulassen. Für meine Frau und mich bedeutete dieser Sturz praktisch das Ende unseres eigentlichen Lebens. Vom Parteistandpunkt aus ist er aber kaum von großem Interesse und ich gebe deshalb nur kurz die entscheidenden Etappen an.

            Der äußere Anlass war – so blöd es klingen mag – eine ziemlich abgeschmackte Liebesaffäre. Wie ich schon früher schrieb: Unserer "de facto" (und von Boston nicht anerkannten) Pariser Leiterin, Jo Tempi – einer zu allem anderen noch aussergewöhnlich schönen Frau – gelang es im Sommer 1945 den nach Europa gereisten Generaldirektor, Dr. Joy, dermaßen um den Finger zu wickeln, daß er zu allen unseren Vorschlägen "ja und amen" sagte und es später in Boston durchsetzte, daß Jo Tempi nicht nur als Leiterin für Frankreich, sondern auch als "Vize-Direktorin für Europa" anerkannt wurde. Aber dieser alte Großpapa verlor völlig den Kopf und bestand darauf, im Sommer 1946 einen Triumphzug für die wunderbare Jo in Amerika zu veranstalten. Jo reiste schließlich – gegen meinen Rat – nach Boston. Als sie einige Monate später zurückkehrte, war Joy fristlos entlassen, und sie selbst nur dadurch zeitweilig gerettet, weil ich mit meiner eigenen Demission gedroht hatte. Ich will auf das, was in Amerika geschah, nicht eingehen. Die Liebesgeschichte war natürlich nur Vorwand. Jo wurde auf Schritt und Tritt von den Trotzkisten außerhalb und den Reaktionären innerhalb der Bostoner Zentrale und insbesondere von Agenten des FBI (Geheimdienst) verfolgt und bewacht. Als man ihr keinen politischen Fehltritt nachweisen konnte, griff man zur Erotik. Doch genug davon. – Von der Untersuchungskommission desselben Spätsommers habe ich schon berichtet. – Der

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Kampf ging weiter. Im Januar 1947 wurde ich nach Boston beordert, wo ich einen mehrwöchigen Kampf um Jo Tempi und mich selbst bestand; ihre Ersetzung wurde nochmals verschoben. In den folgenden Monaten regnete es Briefe von den Trotzkisten (besonders aus Toulouse), die mir von Boston zur "Kommentierung" geschickt wurden. Im [...][218] Frühsommer kam der neue Generaldirektor, Bragg[219], nach Europa und verlangte von mir, daß ich Tempi entlassen solle (er selbst hatte dazu nicht den Mut und machte ihr sogar den Hof!). Ich weigerte mich. Im Juni entließ er sie schriftlich aus Boston. Ich wollte demissionieren, aber nach Parteiberatung (besonders mit Arthur London[220], der unsere Arbeit kannte), beschloss ich die Initiative Boston zu überlassen, und schrieb eine lange, geharnischte Epistel an die Zentrale, in der ich sie bezichtigte, schlechte Unitarier zu sein, Antidemokraten, Verräter an allen ihren Grundprinzipien, u.s.w.

Im August erfolgte meine Entlassung (auf den 1. Oktober).

            Fehler? Zweifellos machten wir Fehler, sowohl Jo Tempi, wie ich selbst. Aber es ist sinnlos, darauf einzugehen. Denn früher oder später wäre das Resultat dasselbe gewesen. Im Hintergrund stand die Truman-Reaktion, der sich entwickelnde Angriff des Imperialismus. Der Sturz von USC war nur eine winzige Episode in diesem Geschehen. USC selbst war ein überreifes Überbleibsel aus der Roosevelt-Epoche.

            Nur noch dies: Intern war es ein Kampf zwischen Boston und USC (Europa): alle meine Mitarbeiter (mit Ausnahme von Berg und Héroys) scharten sich um mich, bestürmten Boston mit Protesten und in einer allgemeinen Stabskonferenz in Genf im September (von fast allen Filialen beschickt und in Gegenwart des schwitzenden Generaldirektors Bragg) wurden Loyalitätskundgebungen für mich veranstaltet. Die große Mehrheit des Pariser Stabes demissionierte.

            All dies erklärt, warum ich auch nach meiner Entlassung von allen Filialen weiterhin als "Ihriger" angesehen wurde und meine Besuche willkommen waren. So wohnte ich, z.B., wochenlang als Gast des USC in Polen (im Sommer 1948). Auch die Nichtgenossen meines Stabes blieben mir befreundet – z.B. meine Nachfolgerin, Matthey; der zweite Nachfolger von Tempi in Paris, Arthur Lee, u.s.w.

                                                                                  Noel Field, 21. III. 54.

                                                           ______________      

                                                           ______________      

 

20. [Blatt][Seite] 45

III. Meine Beziehungen zu Dulles und [dem] OSS.

            Ich stand, vom Herbst 1942 an und bis zum Frühjahr 1945 (d.h. bis Kriegsende), in gelegentlichem Kontakt mit [dem] OSS und insbesondere (seit Anfang 1943) mit Allen Dulles persönlich. Dies sei von allem Anfang an klar und deutlich ausgesprochen. Ich habe es nie bestritten und auch nie ein Geheimnis daraus gemacht. Handelte es sich um eine Spionagebeziehung? Stand ich in irgend einer Weise in OSS-Diensten? Nein und nein und nein! Beweis? Einen direkten, absoluten Beweis gibt es nicht und kann es nicht geben: Wer kann beweisen, was sich zwischen Dulles und mir zutrug, was ich ihm sagte, was er mir gab, was ich ihm gab? Aber die indirekten Beweise sind so überwältigend, daß mir unverständlich ist, wie man sie, in ihrer kumulativen Wirkung, bezweifeln kann. Das Entscheidende dabei ist: das absolute Fehlen jeglichen Gegenbeweises; denn was nicht ist und niemals war, das kann auch keinen Beweis hinterlassen.

            Man bedenke doch Folgendes: Wenn meine vermeintliche Spionagetätigkeit sich auf den Nachrichtendienst beschränkt hätte, so wäre das Fehlen von Gegenbeweisen nicht unbedingt schlüssig; denn ein geschickter Spion kann – wenigstens theoretisch – Nachrichten sammeln, ohne Spuren zu hinterlassen und ohne, daß diejenigen, von denen er die Nachrichten einheimst, zu wissen brauchen, wer er ist. Aber in meinem Falle handelte es sich doch um etwas ganz anderes: In Bezug auf Informationen konnte ich, in meiner Lage, für Dulles kaum von großem Interesse sein; dafür hatte er wahrlich bessere Quellen. Mein Hauptnutzen konnte nur in der Werbearbeit liegen – in der Anwerbung von Agenten unter den Antifaschisten, besonders unter den Genossen. Für solche Arbeit war ich natürlich in idealer Lage. Aber Agenten können doch nicht angeworben werben, ohne daß sie selbst (wenigstens auf die Dauer) etwas davon wissen. Der größte Teil der Genossen, mit denen ich im Kontakt stand, kehrte in die Länder des anti-imperialistischen Lagers zurück und war deshalb den Untersuchungsbehörden direkt zugänglich; auch die übrigen waren parteimäßig zu erreichen. Ist es denkbar, daß alle, aber auch alle ohne Ausnahme, "dicht" geblieben sind, das heißt ihre "Anwerbung" oder wenigstens meinen "Versuch", sie anzuwerben, "verschwiegen" haben? Woher

21. [Blatt][Seite] 46

ich dies weiß? Aber ich bitte, ich muß es doch wissen, besser als irgend jemand in der Welt! Was nicht ist, das kann auch nicht sein! – Ja, ich habe selbst falsche "Geständnisse" gemacht, ich weiß es zu meiner Schande. Aber ich war ein Schwächling – und dennoch habe ich nach kurzer Zeit meine falschen Aussagen als solche denunziert. Ich bin überzeugt, daß die Genossen ihre heilige Parteipflicht, die Wahrheit und nur die Wahrheit zu sprechen, erfüllt haben, und daß ich der einzige Schwächling, – bitte, wozu mich zieren, – der einzige Feigling war.

            Dieses Argument bezieht sich natürlich nicht auf die Zeit nach meiner Entlassung.[221] Meine Tätigkeit in Polen und der Tschechoslovakei konnte tatsächlich als Spionagearbeit erscheinen. Wenn ich auch nie nach Staatsgeheimnissen gesucht habe (die Aussagen von Dutzenden, mit denen ich gesprochen habe, werden dies bestätigen), so habe ich mich natürlich weit über das Gebiet hinausbegeben, mit dem sich der durchschnittliche bürgerliche Journalist zufrieden gibt. Aber ich war eben Kommunist[,] und als solcher habe ich mich für alles[,] was vorging[,] noch weit brennender interessiert, als der dressierteste Spion. Letzten Endes hängt hier alles von meiner Vorgeschichte ab: Wenn ich in den USC-Jahren (und auch vorher) als loyaler Genosse gehandelt habe, zu einer Zeit, da ich dem Druck und der Versuchung durch [das] OSS ausgesetzt war, dann ist es höchst unglaubwürdig, daß ich mich ein Jahr später in einen ausgekochten Spion verwandeln würde.

            Doch genug des Argumentierens. Ich gehe zu den Tatsachen über:

            1. Erste Kontakte.

            Im Spätsommer 1942 kam der Lissabonner Direktor von USC, Robert Dexter[222], auf einer Inspektionsreise nach Marseille. Er blieb mehrere Wochen, inspizierte unsere Klinik und auch die Arbeit in einigen Lagern, aber ohne großes Interesse (er war ein krankhaft dicker und äußerst fauler Mensch), saß stundenlang im Büro herum, störte die Arbeit, hatte gelegentlich Besucher und machte selbst (allein) Besuche, reiste auch – in meiner Begleitung – für einige Tage in die Schweiz. Sein Hauptinteresse schien den liberalen Kirchen und Pfarrern zu gelten (z.B. Toureille[223] in Frankreich, ein Genfer Pastor mit liberal-

22. [Blatt] [Seite] 47

unitarischen Tendenzen, u.s.w.).

            Von ihm lernte ich erstmalig von der Existenz von [dem] OSS (mein Kontakt mit dem amerikanischen Konsulat in Marseille beschränkte sich auf die Visum-Abteilung, wo ich mich gelegentlich für Einreisebewilligungen gefährdeter Flüchtlinge einsetzte). Er teilte mir mit, daß er nebenher auch für [das] OSS arbeitete und legte mir nahe, dasselbe zu tun. Ich gab ihm nicht sogleich Antwort, sondern beriet mich zuerst mit meinem Parteikontakt, Kreikemeyer[224], der meine geplante Antwort billigte. Bei einem darauffolgenden Besuch mit Dexter im Konsulat stellte er mich dem dortigen OSS-Vertreter vor. Ich erklärte darauf gegenüber beiden, daß ich aus Gewissensgründen eine Mitarbeit ablehnen müsse, daß ich aber, als Bürger des kriegführenden Amerika, natürlich meine Pflicht erfüllen würde, falls mir militärisch wichtige Informationen in die Hände gelangen würden (die ich bereitwillig weiterberichten würde). Genau die gleiche Antwort gab ich einige Monate später (Dezember 1942 oder Anfang 1943) an Allen Dulles, als dieser mich zu sich auf das Genfer Konsulat bestellte. In beiden Fällen gab man sich wohl oder übel damit zufrieden. Meine Antwort war völlig unverbindlich und verpflichtete mich zu nichts. Tatsächlich habe ich mein Versprechen auch nicht ausgeführt: Den Marseiller OSS-Mann sah ich überhaupt nicht wieder. Dulles erhielt von mir nichts, als was ich im Parteiauftrag überbrachte (darüber mehr weiter unten).

            Habe ich richtig gehandelt? Ich glaube, ja. Wenn ich einen Fehler beging, so höchstens, daß ich allzu negativ war. Ich hätte – vielleicht mit Nutzen für die Partei – eine begrenzte und bedingte Zusammenarbeit für ausschließlich militärische, gegen die Hitlerfaschisten gerichtete Informationen zusagen und auch erfüllen können, natürlich nur mit dem Wissen und Einverständnis der Partei. Denn erstens: [das] OSS war nicht nur Spionagedienst, sondern eine ausgedehnte, besonders für den Krieg geschaffene Institution, die einen riesigen Aufgabenkreis hatte, darunter die Organisierung und Förderung von Sabotage und Partisanentum, und, später, die ausschließliche Befugnis zur Ermächtigung von Reisen in und durch amerikanisch besetztes Gebiet (was z.B. bei der Repatriierung von Ungarn und Jugoslaven aus der Schweiz eine große Rolle spielte). Und

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zweitens: nicht Roosevelt[,] sondern Hitler war damals der Hauptfeind. Der Krieg ging seinem Höhepunkt entgegen. Amerika war der Verbündete der Sovietunion (was für ein "Verbündeter" war damals und in diesem Zusammenhang nicht die Frage). Die Periode der Spaltung in das imperialistische und anti-imperialistische Lager war noch in weiter Ferne. Für jeden Kommunisten war es Pflicht, dort, wo er stand, in den Kampf gegen Hitler einzugreifen und damit der Sovietunion zu dienen, unter zeitweiser Hintansetzung des Kampfes gegen den eigenen Imperialismus. Nun, das ist eine rein akademische Erörterung. Tatsache ist, daß ich die Mitarbeit abgelehnt habe.

            Dexter hatte in meinem Büro eine kurze Zusammenkunft mit Kreikemeyer, bei der ich dolmetschte. Das Gespräch war belanglos und von einer Anwerbung (oder auch nur einem Versuch dazu) war keine Rede. Dexter interessierte sich überhaupt nicht für Kreikemeyer und erwähnte ihn nachher nie wieder. Er kam natürlich auch mit Zimmer[225] zusammen; erst nach der Befreiung erfuhr ich, daß er ihn angeworben hatte. (*)[226]

            2. Leo Bauer. Während des Genfer Aufenthaltes von Dexter, machte ich Leo Bauer (auf Wunsch des Letzteren) mit ihm bekannt und nahm an dem Gespräch teil. Bauer hatte in der Partei schon seit Jahren in Flüchtlingsfragen eine Rolle gespielt (eine Zeit lang war er zum Beispiel Assistent des Hochkommissars für Flüchtlinge). Was er von diesem Gespräch erhoffte, weiß ich nicht; er glaubte offenbar, daß Dexter in seiner doppelten Rolle (ich hatte Bauer natürlich über Dexter informiert) für die Rettung von gefährdeten Parteikadern irgendwie nützlich sein könnte (ich erinnere noch einmal daran, daß [das] OSS nicht nur Spionage betrieb). Er machte durch seine Kenntnisse einen tiefen Eindruck auf Dexter (ganz anders, als Kreikemeyer) und Dexter ging ziemlich offen zur Anwerbung über, indem er ihm mitteilte, er werde ihn mit dem OSS-Vertreter in Bern in Verbindung setzen (ich erinnere mich nicht an den Namen[227], Dulles war noch nicht in der Schweiz[228]). Bauer trat sofort den Rückzug an und gab schließlich, um sich abzudecken und Zeit zur Konsultation mit der Parteileitung zu gewinnen, die Adresse meiner Pflegetochter (und seiner Sekretärin), Erica Glaser, an[229].

24. [Blatt] [Seite] 49

            Nach meiner Flucht aus Marseille erfuhr ich von Erica, daß sie tatsächlich von jemandem aus Bern aufgesucht worden sei, sie spielte aber den Dummkopf und ließ ihn wieder abziehen, da die Parteileitung (Bertz[230]) unterdessen jeden weiteren Kontakt verboten hatte. Um jene Zeit herum, fand die Verhaftung Bauers[231] statt.

            Wie schon berichtet, stand ich mit Bauer während seiner Untersuchungshaft in geheimem Kontakt. Auf seine Anweisung hin wandte ich mich an verschiedene Persönlichkeiten und Institutionen, um sie zu seinen Gunsten zur Intervention zu bewegen[232] (Völkerbund, Rotes Kreuz, Hochkommissar für Flüchtlinge, verschiedene schweizerische Hilfswerke), und schließlich auch an Dulles (mein erster Besuch bei ihm in [...][233] Bern). Bei Dulles berief ich mich auf Bauers große Verdienste um die Rettung von Flüchtlingen aus der Tschechoslovakei; ich nannte auch Dexters Interesse für ihn. Dulles (sowie auch alle anderen) verweigerte jede Intervention, und teilte mir zudem ein Gerücht mit (er betonte, daß es nur ein Gerücht sei), das er aus englischer Quelle erhalten hätte, wonach Bauer einmal eine dubiose Reise nach Deutschland gemacht hätte, ohne von der Gestapo belästigt worden zu sein. Ich übermittelte dies an Bauer, der mir darauf ein Curriculum Vitae zur Übersendung an Dulles zuschickte. Dulles reagierte nicht darauf.

            3. Die ungarische Gruppe. Irgendwann in der ersten Hälfte 1944, womöglich schon 1943 (ich habe dafür keinen politischen Anhaltspunkt), besuchte mich Franz Weiss (Vági)[234] – den ich als einen der Leiter der ungarischen Parteigruppe kannte – mit dem Auftrag, ein längeres Denkschreiben über die Tätigkeit der MNFF[235] in der Schweiz an Dulles zu übergeben, mit der Bitte, eine Vertretung der MNFF zu empfangen. Dulles teilte mir mit, er müsse sich vorerst über die Zuverlässigkeit der Gruppe vergewissern und würde seinen Vorgesetzten in Zürich, Opprecht[236], dazu beauftragen. Nachdem ich dies Vági mitgeteilt hatte, hörte meine Rolle in dieser Sache völlig auf. Erst im Februar 1945, als ich, während meiner USC-Reise mit Jo Tempi, die ungarische Gruppe zufällig in Marseille traf, erfuhr ich, daß sie mit der Hilfe von [dem] OSS und der Militärbehörden repatriiert werde. Bei der Repatriierung leistete ich keine Hilfe, erstens, weil man mich nicht dazu aufforderte, zweitens, weil ich dazu gar nicht die Mittel besaß. Prinzipiell stand

25. [Blatt] [Seite] 50

meiner Hilfe nichts im Wege; die Repatriierung von Genossen war ein Teil unserer Aufgabe und ich habe später bei der unvergleichlich billigeren Repatriierung der deutschen und österreichischen Genossen beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt. Meine einzige Hilfe bei den Ungarn war, daß ich sie – zusammen mit den jugoslavischen Genossen – bei der relativ reichen jüdischen "OSE"[237] eingeführt habe, wo sie Geldmittel zu erhalten hofften, im Austausch gegen ein Versprechen, die Flucht jüdischer Kinder aus Ungarn zu den jugoslavischen Partisanen zu organisieren.

            Im Jahre 1946 (Frühjahr, Sommer?) besuchte Vági auf einer Handelsmission die Schweiz. Ich habe eine äußerst unsichere und ungewisse Erinnerung, daß er sich in Genf zu irgendeiner Besprechung mit jemandem im U.S.A.-Konsulat begab. Alles Übrige, was ich darüber gesagt und geschrieben habe, ist nach meiner festen Überzeugung Hirngespinst, das ich, wie so vieles andere, im Sommer 1949 teils selbst erfand, teils unter Suggestion mir aneignete, ohne mir selbst darüber klar zu sein, was Wahrheit, was Dichtung war.

            Während seines Besuches in der Schweiz, teilte mir Vági mit, daß Ilona Kojsza[238] (USC-Vertreterin in Budapest), sich weigere, mit dem für amerikanische Organisationen zuständigen Militärbeamten in Arbeitsbeziehung zu treten, wodurch die ganze Arbeit gefährdet werde, da ohne seine Einwilligung keine Zuwendungen (Geld oder andere Lieferungen) freigegeben würden. Ich schrieb deshalb an Kojsza einen Brief mit dem Auftrag, sich den Amerikanern gegenüber diplomatischer zu verhalten. (Elsie Haus hatte übrigens in Wien dasselbe Problem und löste es, ohne sich irgendwie in politischer Hinsicht zu binden).

            Und dies ist alles: Was ich im Sommer 1949 sonst noch zusammengedrechselt habe, entspricht nicht der Wahrheit. Die Sache mit Vági und mit Kojsza gehört eigentlich überhaupt nicht in diesen Bericht.

Bei Kojsza war es eine arbeitstechnische Sache, die von ihrer (Kojszas) Geschicklichkeit abhing. Wenn die Amerikaner ungebührliches von ihr verlangten, so hatte sie natürlich abzulehnen. Jeder Genosse hat im täglichen Leben derartige Probleme zu bewältigen, innerhalb der ihm von der Partei gegebenen Instruktionen.

1. [Blatt][239] [Seite] 51

            Was das berüchtigte Übermitteln von Informationen betrifft, über das ich im Sommer 1949 so viel Unsinn zusammenredete und schrieb, so lohnt es sich kaum[,] hier viel Worte darüber zu verlieren. Ich habe Dulles keine Informationen übermittelt, weder mündlich noch schriftlich. Aus Ungarn verlangte ich Berichte, ja; desgleichen von allen USC Filialen. Aber es handelte sich um Berichte für meinen, für [den] USC-Gebrauch. Anders hätten wir gar nicht funktionieren können. Im Verlauf der Verhöre wurden aber allmählich und fast unmerklich aus Arbeitsberichten politische Berichte und aus diesen schließlich Spionageberichte. Doch man bedenke: In Budapest hatten doch die Amerikaner ihre eigenen Vertreter, darunter auch sicherlich OSS-Vertreter. Es wäre doch der ungereimteste Nonsense, eine "geheime" Nachrichtenübermittlung zu organisieren, wobei einige heimgekehrte Flüchtlinge auf mysteriösen Privatwegen Geheimberichte an eine Privatadresse in der Schweiz senden, um sie schließlich in die Hände von Dulles gelangen zu lassen! Angenommen, ich wäre Dulles mit so einer Idee gekommen, er hätte mir geantwortet: "Mein Lieber, gehen sie für einige Wochen in ein Sanatorium, Sie sind ein wenig überarbeitet." Das Wunderlichste und Unglaublichste daran ist, daß ich damals (im Sommer 1949) tagelang mich selbst zu überzeugen versuchte, daß wirklich so etwas vielleicht existiert habe, und daß ich es nur vergessen hätte!!

            Die Frage stellt sich, wäre es damals meine Pflicht gewesen, mich zu weigern, den Auftrag Vagis in Bezug auf MNFF auszuführen? Ich kann nicht einsehen, wie man dies bejahen kann. Ich war kein hoher Parteifunktionär, ich stellte mich den Genossen zur Verfügung. Natürlich habe ich nicht jeden Auftrag irgend eines Genossen bedingungslos ausgeführt, sondern sorgte so gut wie möglich dafür, daß der Auftrag von verantwortlicher leitender Parteistelle ausging. Vági und Szönyi[240] waren von der schweizerischen Partei anerkannte Parteileiter; ich hatte kein Recht, dies anzuzweifeln. Wenn ich einen offensichtlich verräterischen Auftrag erhalten hätte, so war es selbstverständlich meine Pflicht, ihn nicht nur abzulehnen, sondern auch die schweizerische Parteileitung zu informieren. Ich kann

2. [Blatt] [Blatt] 52

aber nicht einsehen, daß die Kontaktnahme mit [dem] OSS an sich schon einen Verrat darstellte; wobei ich erneut betone, daß [das] OSS nicht nur Spionageorganisation war. Wenn die Aufnahme von Beziehungen zu[m] OSS vom Standpunkt der ungarischen Partei aus unrichtig war, so ist das eine interne Frage der damaligen Leitung in der Schweiz und den höheren Parteiinstanzen. Auf jeden Fall, wenn ich, im Parteiurteil, unrichtig gehandelt habe, so war es ein Fehler und kein Verbrechen.

            Noch in Kürze eine andere prinzipielle Frage: Durften die ungarischen Genossen [das] OSS für die Repatriierung ausnutzen? Dies ist selbstverständlich eine Frage, die zu entscheiden mir nicht zusteht. Ich möchte nur in aller Bescheidenheit meine Meinung vorlegen, ohne von ihrer Richtigkeit unbedingt überzeugt zu sein. Es scheint mir, daß das Prinzip der Ausnutzung des Feindes schon längst feststeht. Ich erinnere nur an Lenins Heimreise aus der Schweiz im Frühjahr 1917. Wenn aber ein schwacher Genosse, bei einer solchen Ausnutzung, der Versuchung, in feindliche Dienste zu treten, nicht widersteht, so wird er selbst zwar zum Verräter, das Prinzip wird davon aber nicht berührt. Die Kampfprinzipien der Partei sind nicht für die schwächsten, sondern für die stärksten Genossen geschaffen.

            4. Ester Zamboni. Im Jahre 1944 (zur Zeit der norditalienischen Partisanenkämpfe) bat mich die von der italienischen Partei für den Kontakt mit mir befugte Genossin, Ester Zamboni, eine Besprechung mit Dulles für sie zu arrangieren; es handelte sich um die Fallschirmbelieferung kommunistischer Kampfgruppen. Ich teilte dies Dulles mit, aber der Kontakt kam nicht zustande; ich erinnere mich nicht, ob Dulles ablehnte oder ob die italienische Partei einen anderen Beschluß fasste.

            5. Kreikemeyer – Bertz. BERTZ [nicht BERG!][241] Nach der Wiederaufnahme des Courierverkehrs zwischen Kreikemeyer und Bertz durch meine Vermittlung (siehe Seite 35), bedrängte mich Kreikemeyer in seinen Briefen immer mehr, Geld und wieder Geld zur Hilfe und Rettung der Genossen zu schicken. Ich sagte, er bedrängte "mich"; es wäre richtiger zu sagen, "uns", d.h., Bertz und mich, denn seine an mich gerichteten Briefe und Berichte waren in der Hauptsache für Bertz bestimmt; meine Antworten

3. [Blatt] [Seite] 53

waren auch immer nach Rücksprache mit Bertz geschrieben, oft wortwörtlich nach seinen Anweisungen. Wir taten alles, um Geldmittel zu beschaffen und ich zweigte vom USC Budget so viel ab, als ich verantworten konnte. Durch verschiedene Mittelspersonen (zu denen auch ich zählte) gelang es Bertz eine bürgerliche Sammelorganisation ins Leben zu rufen (Verein zur Unterstützung von Flüchtlingen in Südfrankreich), die ihre gesamten Mittel dem USC zur Verfügung stellte; das ganze Geld dieses Vereins ging an Kreikemeyer.

            In einem seiner Briefe (diese Briefe befinden sich in meinem Genfer Archiv), verlangte Kreikemeyer, zu versuchen, bei den "Amerikanern" Geld "locker zu machen" (der Ausdruck ist mir im Kopf geblieben) und fügte den Namen "Texter" hinzu. Es war mir klar, daß er Dexter meinte und vorschlug, bei [dem] OSS anzuklopfen. Ich beriet mich mit Bertz, der mir freistellte, zu versuchen, von Dulles Geld zu bekommen, unter der Bedingung, daß keinerlei Gegenleistung versprochen werde und die Identität meines Kontaktes in Frankreich (also Kreikemeyer) nicht verraten werde. Um Dulles zu beweisen, daß ich wirklich mit einer ernsthaften Kampfgruppe in Beziehung stehe, erlaubte Bertz mir, Dulles einige Exemplare des Propagandamaterials zu geben, das Kreikemeyer uns geschickt hatte (Flugblätter, illegale Zeitungen – z.B. "Der Soldat am Mittelmeer"[242] –, Broschüren, – alles für die Zersetzung der deutschen Truppen in Frankreich bestimmt). Ich sollte hier vielleicht vermerken, daß bei allen meinen Sitzungen mit Bertz (durchschnittlich alle zwei Monate, in illegalen Quartieren) immer ein gewisser "Arthur" zugegen war, ein junger Süddeutscher, dessen Namen ich nicht kenne und der nur zuhörte, ohne sich aktiv an den Gesprächen zu beteiligen.[243]

            Ich tat, wie mit Bertz vereinbart, und erhielt von Dulles eine erstmalige Summe von tausend Dollar (d.h., 4000 Schw. Franken). Wahrscheinlich hätte ich mehr bekommen können, vielleicht ein Vielfaches. Aber ich wollte nicht riskieren, daß er mir Bedingungen stellt. Einige Monate später, als ich von Kreikemeyer eine neue Sendung illegaler Literatur erhielt, brachte ich Dulles wieder einige Exemplare mit und

4. [Blatt] [Seite] 54

erhielt noch einmal Tausend Dollar (4000 Fr.).

Es handelte sich bei diesem Material immer um von Bertz selbst ausgewählte Doppel (ein Exemplar blieb für das Parteiarchiv).

            Dieser zweite Beitrag war, nach meiner Erinnerung, auch der letzte. Es ist möglich, aber sehr unwahrscheinlich, daß ich noch einen dritten Beitrag von Tausend Dollar auf der gleichen Grundlage erhielt. Die Gesamtsumme war also Zwei Tausend (höchstens Drei Tausend) Dollar (8.000-12.000 Schw. Fr.). Die Höhe der Summe ist unwichtig. Sie war auf jeden Fall lächerlich klein, sowohl im Verhältnis zu den Mitteln, die Dulles besaß, als zu den Summen, die ich selbst schickte. Die ganze Summe 8.000 Fr. wurde als Teil einer durch Courier übermittelten Bargeldsumme von etwa 80.000 Fr. an Kreikemeyer gesandt (also etwa 10 % einer einmaligen Sendung). Dabei erhielt Kreikemeyer noch mehrere weitere Geldsendungen. Entscheidend aber ist, daß Dulles nie erfahren hat, an wen das Geld ging und daß er keinerlei Bedingung stellte. Sein Vertreter in Genf, Shoop[244], [...][245] bedrängte mich mehrmals, einen meiner deutschen "Freunde" in Frankreich an die Grenze kommen zu lassen zur direkten Kontaktnahme. Ich beklagte mich darüber bei Dulles und sagte ihm, daß es sich um antifaschistische Patrioten handle, die unter keinen Umständen auf Spionage eingehen würden. Von da an ließ mich Shoop in Ruhe.

            Außer dem oben Berichteten, habe ich von Dulles, oder sonst von [dem] OSS, weder direkt noch indirekt Geld erhalten.

            6. OSS-Besprechung in Paris. Anfang Januar 1945 reiste ich zur Neuaufnahme der USC-Arbeit nach Paris, und zwar mit Hilfe von [dem] OSS (durch Dulles vermittelt: siehe unten 9. Kapitel). Dort nahm ich mit Tempi und der deutschen Partei den Kontakt auf (Maria Weiterer, Kreikemeyer, Otto Niebergall[246] vom "Freien Deutschland"). Nach etwa einer Woche meldete ich mich bei[m] OSS und wurde zu einer Besprechung über das "Freie Deutschland, Sektion Frankreich" ("CALPO")[247] eingeladen. Meine Erklärung in den Verhören, daß ich von Dulles zu dieser Besprechung geschickt wurde, war irrtümlich.

5. [Blatt] [Seite] 55

Die Tage bis zur OSS-Besprechung nützte ich zu eingehenden Besprechungen mit Otto Niebergall und schrieb mit seiner Hilfe ein längeres Memorandum über "Calpo" und dessen Arbeit[248]; eine Kopie übergab ich Samuel Reber, einem Mitarbeiter des bekannten "politischen Beraters" Robert Murphy[249] (ich kannte Reber aus der State Department Zeit); eine andere Kopie überreichte ich [dem] OSS[250]; die dritte behielt ich selbst (sie ist in meinem Genfer Archiv[251]). Es wurde mit Niebergall vereinbart, daß ich mich bei der Besprechung darauf konzentrieren solle, für die offizielle Anerkennung des "Freien Deutschland" (Calpo) als antifaschistische Organisation und für eventuelle materielle Hilfe einzutreten. In der Besprechung, die etwa 2 Stunden dauerte, intervenierte ich mit einer kurzen Erklärung auf Grund des mit Niebergall Vereinbarten, aber ohne jeden Erfolg. Von einer Anerkennung konnte keine Rede sein und auch die materielle Hilfe wurde verweigert. Statt dessen, wurde beschlossen, unter Umgehung der Calpo-Leitung, einzelne Mitglieder für Fallschirm- und Sabotage-Aktionen hinter der Front anzuwerben, und dazu eine Gruppe von OSS-Agenten in die verschiedenen französischen Gebiete zu schicken, in denen sich deutsche antifaschi­stische Flüchtlinge befanden.

            Nach der Sitzung (an der auch Dulles teilnahm), machte ich einen eingehenden Bericht zuerst an Niebergall für das Freie Deutschland und dann an Maria Weiterer für die Partei (sie war damals Mitglied der Parteileitung in Paris). Maria Weiterer trug mir auf, mit sonst niemandem über die Besprechung zu reden; bei einer Indiskretion konnte es für mich die standrechtliche Erschießung bedeuten.

            Irgend welche "Aufträge" wurden mir in der Besprechung natürlich nicht erteilt; – ich war ein als Flüchtlingssachverständiger zugelassener "Outsider". Meine stenographischen Notizen über die Sitzung sind ebenfalls im Genfer Archiv. – Nach der Sitzung widmete ich mich nur noch der USC-Arbeit.

            Ich bin in den Verhören im Zusammenhang mit dieser Sache schwer beschuldigt worden. Dabei bin ich der festen Ansicht, daß es eine meiner verdienstvollsten und ehrenvoll­sten Handlungen als Kommunist war. Jawohl, ich habe damals "spioniert" – aber für die Partei gegen [das] OSS, und nicht umgekehrt. Mein Bericht half den Genossen, der geplanten Werbeaktion zuvorzukommen, und die verstreuten Genossen vor Ankunft der Agenten zu warnen[252]. (Siehe Addendum auf Gegenseite)

[Rückseite von S. 55 – BRB:]

Addendum zum Schluß von Seite 55:

            Ich möchte in Bezug auf die "Ehrenhaftigkeit" meines damaligen Handelns noch einige Worte hinzufügen. Ich erinnere an die in der ersten Anlage beschriebenen "Loyalitätskonflikte", die mich in der Washingtoner Zeit noch hemmten. Mein Handeln in Paris im Januar 1945 ist das Wahrzeichen dafür, daß dieser Konflikt nunmehr (und schon seit langer Zeit), völlig überwunden war. Während der Sitzung stand für mich innerlich außer Zweifel, daß ich als Kommunist unter Feinden saß, und ich verspürte nicht das leiseste Zögern, der Partei über alles, was ich gehört hatte, rückhaltlos zu berichten.

            Trotzdem, ich bin und bleibe Amerikaner. Habe ich Amerika, dem amerikanischen Volk gegenüber, Verrat geübt, als ich der deutschen Partei über eine Geheimsitzung des amerikanischen OSS Bericht erstattete? Ich bin überzeugt, daß ich das nicht getan habe. Ich behaupte sogar, als guter Amerikaner gehandelt zu haben, so paradox es klingt. Doch es würde zu weit führen, diese Gedanken hier weiter zu entwickeln. Ich hoffe, die Partei wird mich verstehen.

6. [Blatt] [Seite] 56

7. Erica Glaser. Im Frühjahr 1945, beauftragte mich die deutsche Parteileitung (Teubner[253]), zu versuchen, Erica Glaser in [das] OSS einzubauen. Dulles verwies mich an einen jungen Mitarbeiter (ich vergesse seinen Namen), der mir ein langes, gedrucktes Formular für Erica zum Ausfüllen und Einsenden gab. Kurz nach Kriegsende wurde Erica als Sekretärin angestellt und verreiste zur neu eröffneten OSS-Zentrale in Wiesbaden. Über ihre dortige halbjährige Arbeit haben zweifellos ihre Parteichefs berichtet (besonders Leo Bauer). Ich will nur sagen, daß ich mich für ihre damalige absolute Loyalität und Ergebenheit mit meinem Leben einsetze. Ich weiß, wovon ich spreche; denn, außer meiner Frau, kenne ich keinen Menschen so gut wie Erica Glaser[254].

8. Repatriierung deutscher Genossen. Der größte Teil der deutschen Genossen in der Schweiz ging entweder illegal nach der Heimat oder später auf normal-legalem Wege. Für einige deutsche Genossen versuchte die Parteileitung, um die Rückreise zu beschleunigen, die Einwilligung von [dem] OSS zu erlangen. Hier handelte es sich nicht, wie bei den Ungarn, um komplizierte Reisen, sondern mehr um eine Art Visum-Angelegenheit. Als ich mit dem jungen Mitarbeiter von Dulles über Erica Glaser sprach, erzählte er mir, daß die schweiz. Gruppe des Freien Deutschland eine Anzahl Leute für die Repatriierung empfohlen habe, daß es aber schwer sei, ihre antinazistische Zuverlässigkeit zu kontrollieren, und es könnte von Nutzen sein, falls einzelne darunter bei USC bekannt seien, meine Empfehlung zu erhalten. Ich besprach mich mit Hans Teubner und auf dessen Veranlassung sandte ich [dem] OSS eine Mitteilung, daß ich die und die deutschen Flüchtlinge als sichere Antifaschisten kenne (es handelte sich, soweit ich mich erinnere, um eine ganz kleine Gruppe von höchstens 6 Genossen). In wie weit dieser Heimweg tatsächlich benutzt wurde, weiß ich nicht[255]. Ich kenne nur einen konkreten Fall, den von Langhoff (Wolfgang)[256], wobei es sich allerdings nicht um eine offizielle OSS-Aktion handelte, sondern um die individuelle, unautorisierte Handlung des subalternen OSS-Beamten (und Sympathisanten), Hans Holstein[257], der Langhoff ohne Wissen seines Chefs in seinem Wagen nach Deutschland brachte; gerade diese Tatsache macht mich seither glauben, daß sich die geplante offizielle Aktion zerschlug, aber ich weiß darüber nicht Bescheid.

7. [Blatt] [Seite] 57

9. USC-Angelegenheiten. In einigen Fällen versuchte ich in rein arbeitstechnischen Angelegenheiten Allen Dulles für USC auszunützen; – in diesen Fällen handelte ich auf eigene Faust und ohne Parteiauftrag. Ich erinnere mich an drei solche Fälle:

            a. Geldüberweisung: In den Jahren 1943-44 machte uns die schweizerische Nationalbank ungeheure Schwierigkeiten bei der offiziellen Überweisung unserer Finanzmittel aus Amerika und wir mußten immer häufiger zu illegalen Devisenschiebungen greifen, wobei wir riesige Verluste erlitten (3 bis 3 1/2 Franken für den Dollar, bei offiziellem Kurs, wenn ich nicht irre, von etwa 4 1/2). Ich versuchte deshalb, Dulles zu bewegen, die Überweisung des USC-Geldes auf irgend eine halboffizielle Art zu ermöglichen (also Einzahlung durch Boston[258] an [das] OSS in Amerika und Auszahlung durch [das] OSS in der Schweiz; wohlgemerkt, eine rein technische Benutzung von [dem] OSS als Bank). Aber Dulles lehnte dies ab.

            b. Telegrammverkehr mit Boston. Bei völlig fehlendem Briefverkehr und durch die Hitlerfaschisten überwachtem Telegrammverkehr[259] bat ich Dulles, mir zu ermöglichen, meine Telegramme an Boston durch [das] OSS (also chiffriert) leiten zu können. Dulles war zuerst nicht abgeneigt, mir entgegenzukommen, und ich habe die vage Erinnerung (aber sie ist so unsicher, daß es sich um eine Täuschung handeln kann), daß er von mir ein Versuchstelegramm entgegennahm und auch übermittelte. Auf jeden Fall: die Sache zerschlug sich, wahrscheinlich weil man am Washingtoner Ende ablehnte. Es handelte sich übrigens von allem Anfang an nicht darum, alle meine Berichte durch [das] OSS zu senden, sondern nur um eventuelle gelegentliche Telegramme, deren Inhalt für die Gestapo von Interesse sein konnten[,] und die ich deshalb überhaupt nicht schicken konnte. (Boston hatte z.B. lange Zeit keine Ahnung, daß ein erheblicher Teil unseres "schweizerischen" Budgets für Flüchtlingshilfe in Frankreich verwendet wurde.)

            c. Reise nach Paris, Anfang 1945. Während der letzten Monate des Jahres 1944, bestürmte ich das Genfer Konsulat um Bewilligung zur Reise nach Frankreich (die Franzosen gaben damals das Einreisevisum nur bei vorgängiger Ermächtigung der Amerikaner). Das Konsulat vertröstete mich von Tag zu Tag, und zeigte mir schließlich ein Telegramm vom State Department, in welchem das Konsulat angewiesen wurde, die Ermächtigung zu verweigern, als Strafe für meinen in der Presse bekannt gewordenen illegalen Aufenthalt

8. [Blatt] [Seite] 58

bei den Partisanen im vorhergehenden August. Für die Zukunft von USC wäre eine weitere Verzögerung meiner Reise katastrophal gewesen, und so wandte ich mich Ende 1944 verzweifelt an Dulles und bat, nein bettelte, um seine Hilfe (ich konnte mir eine solche "Manier" erlauben, da es sich um eine rein technische Sache handelte). Dulles willigte nach einigem Zögern ein und verschaffte mir die nötige Dokumentation, mit der ich dann auch das französische Visum erlangte. Der einzige "Auftrag", den er mir dabei erteilte, war, mich irgendwann bei[m] OSS in Paris anzumelden; als formellen Vorwand für die Reise teilte er [dem] OSS in Paris mit, daß ich in Flüchtlingsfragen bewandert sei. Dulles wusste genauso gut wie ich, daß ich ausschließlich für meine USC-Arbeit nach Frankreich reiste; seine technische Hilfe war eine persönliche Akkomodation, die ihn nichts kostete. Dies mag in Europa unwahrscheinlich erscheinen; ich glaube, ein Amerikaner würde daran nichts seltsames finden: Dulles war – wenn es auch viele Jahre zurücklag – ein Ex-Kollege von mir und der kollegiale Geist (in rein oberflächlichen Beziehungen) ist in Amerika äußerst stark und verpflichtend. So nannten Dulles und ich uns z.B. beim Vornamen, was in Europa auf enge Freundschaft hindeuten würde; aber in Amerika nennen sich Kollegen vom ersten Tage an und auf Lebzeiten (über alle spätere Feindschaft hinaus) beim Vornamen, und für alle meine Kollegen (ganz unabhängig vom Rang) aus der State Department-Zeit bin ich auch heute noch einfach "Noel". Ich habe diesen kleinen Exkurs nicht ohne Absicht gemacht: In meinem Genfer Archiv ist zweifellos auch meine Korrespondenz mit Dulles aufgefunden worden[260], die jedem Europäer den Eindruck intimer Freundschaft vermitteln muß (nur damit kann ich mir erklären, daß man von Dulles immer und immer wieder als von meinem "intimen Freund" gesprochen hat): "Dear Noel ... Dear Allen". Ich betone deshalb noch einmal: Dulles war weder ein Freund von mir, noch auch ein guter Bekannter. Aber er war Ex-Kollege und das bedeutete in äußerlichen Beziehungen sehr viel; ohne dies zu begreifen, sind meine Kontakte mit Dulles überhaupt unverständlich. Zum Beispiel, wenn ich ihn sehen wollte, so konnte ich ihn (was sicherlich die wenigsten seiner Agenten durften) persönlich ans Telephon rufen und ihm sagen, daß ich vorbeikommen würde ("drop in to see you", wie man in Amerika sagt).

Tatsache ist, ich habe damals [das] OSS nur für die Einreisen und die Ausreise benutzt. Während meines etwa 2-monatigen Aufenthaltes hatte ich (außer der Pariser Besprechung) keinerlei

9. [Blatt][Seite] 59

Beziehung mit [dem] OSS. – Meine nächste Reise, einige Monate später, machte ich schon mit gewöhnlicher konsularischer Erlaubnis.

            10. Schluß.  In den vorhergehenden Abschnitten sind meine gesamten Beziehungen zu Dulles, zu[m] OSS und überhaupt zum amerikanischen Geheimdienst dargestellt. Ich habe Dulles – nach dem Antrittsbesuch – fünf oder höchstens sechsmal (immer auf meine Initiative hin, nie auf seine) aufgesucht, das letzte Mal im Frühjahr 1945 (Glaser). Mit diesem letzten Besuch (und der anschließenden "Empfehlung" einiger Repatriierten – siehe 8. Kapitel) kamen meine Beziehungen zum Geheimdienst ein für alle mal zum Abschluß (nicht erst im Jahre 1946, wie ich im Sommer 1949 fälschlich aussagte).

                                                                       Noel H. Field.  22. III. 54

                                                           ______________

                                                           ______________

 

IV. Die Periode meiner Arbeitslosigkeit.

            Um dieses überlange Dokument nicht noch mehr zu verlängern, lasse ich das meiste, was ich hier schreiben wollte, aus. Über meinen 1948-er Aufenthalt in Polen und der Tsch.[echo]-Sl.[owakei] besitzen die Behörden: 1. Mein im Winter 1948-49 in Genf auf Grund der Steno-notizen in meinem Taschenkalender getipptes Tagebuch[261]. 2. Meine zur selben Zeit getippte Abschrift sämtlicher in Polen verfertigter Stenogramme über meine Gespräche mit Beamten und Genossen in Polen (die Abschrift wollte ich eben in Prag beginnen, als ich verhaftet wurde); im September 1949 ließ man mich die ersten Seiten dieses Stenogramms abschreiben, unterbrach aber die Arbeit nach einigen Stunden. – Meine in den Verhören gemachten Aussagen in Bezug auf diese Reisen sind, soweit ich mich erinnere, im Großen und Ganzen richtig, was das rein faktische Tatsachenmaterial betrifft. Hauptsache ist, daß ich weder direkt noch indirekt, weder mündlich noch schriftlich, irgendwelche während der Reise gesammelten Informationen an irgendwelche mit amerikanischen oder anderen imperialistischen Kreisen in Beziehung stehende Menschen mitgeteilt habe. Ich habe das gesammelte Material überhaupt nicht verwertet. Warum nicht? Teils, weil ich dazu noch ungenügend vorbereitet war und der größte Teil des Materials noch ungesichert war (je ein Koffer voll in Polen und in Prag), teils – und hauptsächlich – weil die öffentlichen Beschuldigungen gegen mich in Amerika jede publizistische Arbeit, auch in der Linkspresse ausschlossen. Die neugegründete Zeitung der Wallace-Partei ("National Guardian") hatte mich zu ihrem Korrespondenten gemacht und ich schrieb für sie einen ersten längeren

10. [Blatt][Seite] 60

Artikel in Warschau, den ich aber nicht einsandte, weil meine Frau (auf deren Urteil ich mich zu verlassen pflegte) ihn für qualitativ ungenügend hielt (er befand sich im Mai 1949 unter meinen Prager Dossiers). Nach dem Angriff auf mich schrieb ich dem National Guardian einen Brief, in dem ich meine Mitarbeit aus "Gesundheitsgründen" zurückzog[262]. Aber ich plante, während meiner "Emigrationszeit" in Prag, 1949, meine Kenntnisse gründlich zu organisieren und zu vervollkommnen, und eine Reihe von Artikeln wenigstens im Entwurf niederzuschreiben, in der Hoffnung, sie schließlich doch veröffentlichen zu können, wenn nicht in Amerika, so doch in Europa, z.B. in Frankreich (ich hatte diesbezüglich schon mit einigen französischen Genossen gesprochen). Es kam aber die Verhaftung, und alles war schließlich "für die Katz".

            Nach meiner Entlassung[263] (Oktober 1947) war ich ein halbes Jahr lang schwer krank (Magengeschwür), musste oft das Bett hüten und sonst viel ruhen. Eine Zeit lang half ich meiner Nachfolgerin, Mme Matthey, bei der Liquidation des alten USC. Ich las viel, – und ich machte Pläne für die Zukunft, über die ich auch schon einige links stehende Freunde und Bekannte in Amerika informierte, in der Hoffnung, bei der Wallace-Partei Interesse zu wecken.

            Zu Anfang des Winters hatte ich eine Zusammenkunft mit Prof. Robert Rompe[264] aus Berlin, dem Erica Glaser (mit der er befreundet war) über mich erzählt hatte[265]. Unser Gespräch drehte sich in der Hauptsache um: 1. meine eigene Zukunft, wobei die Möglichkeit meiner Anstellung als Professor in der geplanten Volksuniversität in Leipzig besprochen wurde (ich stellte mich dazu negativ, weil ich meine Brücke nach Amerika nicht endgültig hinter mir abbrennen wollte); 2. die Zukunft von Erica Glaser, bei der sich seit einiger Zeit Demoralisierungserscheinungen  zu entwickeln begannen, die ihre Parteizukunft gefährdeten; ich vertrat die Ansicht (schon seit 1946, wie Bauer bezeugen kann), daß man Erica Glaser so rasch wie möglich aus der ungesunden Atmosphäre des Westens herausreißen solle und sie irgendwo in der Ostzone in die positive Aufbautätigkeit einspannen solle, zumindestens eine Zeit lang; leider ist nichts dergleichen geschehen, und im Frühjahr 1948 reiste sie auf Urlaub zu ihrem sterbenden Vater in England und ist nicht wieder zurückgekehrt, womit eine zu den größten Hoffnungen berechtigende Kraft verloren ging. (Ich zwinge mich, nichts weiter darüber zu schreiben, es würde ein ganzes Buch daraus werden.)

            Ende April 1948 machte ich eine kurze Reise nach England, um Erica Glaser zu besuchen und gleichzeitig mit dortigen Linkskreisen (z.B. Zilliacus[266]) und linken Verlagen (z.B. New Statesman and Nation) die Möglichkeit publizistischer Arbeit zu besprechen.

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            Kurz nach meiner Rückkehr aus England, reisten meine Frau und ich im Wagen des USC-Genf, das dem USC-Polen zugeteilt worden war, über Prag nach dem USC-Spital in Polen, wo wir einige Wochen als Gäste unserer früheren Mitarbeiter weilten. Dann begaben wir uns nach Warschau, wo wir den größten Teil des Sommers verbrachten, unterbrochen von einer längeren Reise in andere Gebiete und einem Ferienaufenthalt in Krynica. Von meinen Anstrengungen, in Warschau und in Prag meine Parteilage zu klären, habe ich schon gesprochen. Mitte September reisten wir nach Prag, von wo aus wir spätestens am 20. Oktober nach Genf zurückzukehren planten, um dort unsere Pässe zu erneuern (auch der Pass meiner Frau würde in Bälde ablaufen) und mit der Verwertung des gesamten Materials zu beginnen, worauf wir im folgenden Sommer nach Ungarn zu reisen gedachten, sowie (wenn möglich) in die sovietischen Zonen Österreichs und Deutschlands, um unsere vergleichenden Studien fortzusetzen.

            In Prag erwartete mich Leo Bauer, der einen Erholungsurlaub im Tatragebirge hinter sich hatte. Unser mehrtägiges Gesprächsthema war dasselbe, wie ein Jahr vorher mit Robert Rompe: meine Zukunft und die Zukunft Erica Glasers. Was mich betraf, so hatte sich meine Lage in zweifacher Weise zugespitzt: erstens hatte mir das in Polen zutage getretene Misstrauen gezeigt, wie dringend eine Abklärung meiner Parteilage war; zweitens hatte ich aus meiner Lektüre der amerikanischen Presse (im Auswärtigen Amt in Warschau) ersehen, daß die Schnüffeleien des "Unamerikanischen Komités" in Washington immer brenzliger in die Nähe meiner eigenen Türe rückten. Damit rückte die Idee einer Professur an der Leipziger Hochschule als Eventuallösung auf die Tagesordnung. Über die Gespräche mit Bauer (der auch Paul Merker und Rompe vertrat) und ihre Folgen, habe ich schon in der ersten Beilage berichtet. Was Erica betraf (die sich in Paris befand), so ging es um einen letzten Versuch, sie für die deutsche Partei zu retten; sie sollte zu einem kurzen Besuch nach Prag kommen, um über sich selbst Bericht zu erstatten, u.s.w.; aber aus technischen Gründen kam die Reise nicht zustande. Ich sagte eben "für die deutsche Partei zu retten"; denn noch im folgenden Mai (1949) hielt ich mich für berechtigt, einen weiteren Versuch zu unternehmen, sie für die Partei überhaupt zu retten, trotzdem sie in der deutschen Partei suspendiert (nicht ausgeschlossen) war[268]; ich hatte unterdessen lange Gespräche mit ihr in Paris geführt (zuletzt noch am Tag vor meiner Abreise nach Prag) und es war mir über jeden Zweifel klar, daß sie, trotz ihrer schweren Fehler, weder in Gedanken[,] noch in Handlungen irgend etwas begangen hatte, das auch nur entfernt an Verrat grenzte, und sie war bei ihrer Loslösung von der Parteiarbeit tief unglücklich. Ich wollte deshalb versuchen, sei es in Prag, sei es in Polen, Arbeit für sie zu finden. – Was aus ihr geworden ist, weiß ich

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natürlich nicht, und dieses Unwissen, zusammen mit dem Bewusstsein, daß ich nichts für sie tun konnte, ist nicht der geringste Teil meines eigenen Elends. Doch ich bin abgeschweift und habe in diesem Bericht Erica Glasers Namen schon allzu oft erwähnt. Ich bitte um Verzeihung; es ist schwer, nach bald fünfjährigem Schweigen, über Dinge nicht zu sprechen, die mich tief bewegen. Ich bitte aber die Partei, meiner Beteuerung zu glauben, daß ich mich niemals aus rein persönlichen Gründen für einen Menschen einsetzen würde; ich habe während meines Lebens mehr als einmal bewiesen, daß die Partei für mich höher steht als jede Freundschaftsbeziehung; nein, das ist falsch ausgedrückt, – ich kann mit einem Menschen nur gut Freund sein, wenn er auch ein guter Genosse ist; und wenn er aufhört, Genosse zu sein, so ist er auch nicht mehr Freund.

            Am 17. Oktober las ich in der Pariser Ausgabe der New York Herald Tribune von dem Angriff auf mich[269]. Er kam nicht völlig unerwartet, was den Inhalt anging, wohl aber überwältigte mich die ungeheure Sensation: Von einem Tag zum andern war ich das Gesprächsthema ganz Amerikas geworden. Sämtliche Zeitungen, auch in der Provinz, und vor allem die "gelbe Presse" brachten die Nachricht auf der ersten Seite oft unter riesigen Schlagzeilen (Freunde und Bekannte sandten mir haufenweise Ausschnitte nach Genf, von wo aus sie nach Prag gelangten). Meine übermäßige Nervosität war zum Teil eine Reaktion auf diese Sensation – denn nichts war mir innerlich verhasster als Publizität. Nun, über all das schrieb ich bereits in Anlage 1. Meine Frau kehrte, wie ursprünglich geplant, nach Genf zurück, da ihr Pass noch bis folgenden Juni gültig war. Auch ich reiste, mit meinem neuen Pass, Anfang Dezember nach Paris und dann nach Genf, wo wir den Winter verbrachten (einschließlich Schiferien in Megève und später in Arosa). Während dieser Zeit mieden wir sorgfältig jeden offiziellen amerikanischen Kontakt, da wir eine Vorladung durch das "Unamerikanische Komité" erwarteten (nach dem Gesetz mußte eine solche Vorladung von einem beauftragten Beamten persönlich in meine Hände gelegt werden, um Gültigkeit zu haben). Das Telefon und die Türklingel wurden nur von meiner Frau beantwortet; ich mied die Umgebung des Konsulats. Unterdessen verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit mit der Lektüre der offiziellen Verhörstenogramme des "Unamerikanischen Komités" (ein Freund von mir und Sympathisant, Bibliothekar des Internationalen Arbeitsamtes, hatte sie mir verschafft), um mich möglichst für alle Eventualitäten vorzubereiten. – Schließlich liquidierte ich mein langjähriges Domizil in Genf (Steuerbehörden, u.s.w.), arbeitete an den Stenogrammen des vergangenen Sommers, bereinigte meine persönlichen (einschließlich geheimen USC) Archive, mietete auf dem Land ein Zimmer für ihre Unterbringung und für unser Mobiliar, u.s.w., u.s.f.

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Mit Prag und Warschau führte ich eine ziemlich einseitige Korrespondenz. Denn zu meinem wachsenden Erstaunen erhielt ich zumeist keine Antworten. Tonia Lechtman[270], die die Übersendung meiner polnischen Dokumentensammlung übernommen hatte (die Sammlung hätte lange vor mir in Genf sein sollen, kam aber nie), hüllte sich in Schweigen. Schließlich wandte ich mich an die USC-Leiterin, Dorothea Jones, die mir antwortete, ich sei in Polen als Spion verschrien und für Tonia Lechtman sei die Bekanntschaft mit mir eine Gefahr. Diese Entwicklung bestärkte meinen Entschluß, nach Prag und vor allem nach Berlin zu reisen, um meine Lage endgültig zu klären[271]. Meine Abreise verzögerte sich aber durch Visum-Schwierigkeiten. Die tschechische Gesandtschaft, die mir früher, während des Winters, erklärt hatte, ich könne mein Einreisevisum jederzeit haben, machte, als ich im März die Eingabe machte, Schwierigkeiten. Schließlich reisten wir ohne das tschechische Visum nach Paris, wo ich von der tschechischen Botschaft schließlich das Visum erhielt, auf Grund meiner Teilnahme am Kongress der Friedenspartisanen[272] (als Gast der französischen Delegation). Bei der ersten darauffolgenden Fluggelegenheit reiste ich dann nach Prag. Für das Visum meiner Frau wollte ich dann direkt im Prager Auswärtigen Amt einen Antrag stellen.

            Zwei Dinge sind vielleicht (ich kann es nicht wissen) von Bedeutung [fehlende Worte "im Zusammenhang" nach dem Wort "Bedeutung"][273] mit zukünftigen Entwicklungen nach meinem Verschwinden: 1. Von meiner Rückkehr nach Prag wussten nur meine engsten Freunde – in Amerika nur mein Bruder[274] und meine Schwester[275]. Die U.S.A. Behörden konnten darüber nichts wissen (es sei denn, daß ich, ohne es zu bemerken, von amerikanischen Agenten beobachtet wurde, was ich bezweifle). 2. Meine Frau erwartete mein plötzliches, heimliches Verschwinden aus Prag: nämlich nach Berlin; sie rechnete damit, daß ich ein bis 2 Monate abwesend sein würde. Mein tatsächliches Verschwinden konnte sie also in der ersten Zeit kaum überraschen; vor allem aber musste sie den Mund halten, denn meine Reise nach Berlin musste geheim bleiben, vor allem gegenüber den Amerikanern. Das Schlimmste dabei war, daß ihr eigener Pass im Sommer ablief; als naturalisierte Bürgerin lief sie Gefahr, ausgebürgert und damit staatenlos zu werden. Nun, ich darf hierüber nicht weiter schreiben; es gibt Dinge, über die ich mich selbst einer eisernen Gedankenzensur unterworfen habe, um nicht dem

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drohenden Irrsinn zu verfallen; dazu gehört in erster Linie das Schicksal meiner Frau, das – was immer auch geschah – unendlich viel entsetzlicher war als das meine.[276]

                                                                                              Budapest, den 23. März 1954

                                                                                              Noel H. Field

Nachwort

            Es war ursprünglich meine Absicht, noch eine fünfte Anlage zu schreiben, bestehend aus Kurzbiographien der mir am nächsten bekannten Genossen (Glaser, Bauer, Bertz, Lechtman, u.s.w.). Ich ließ aber diese Idee fallen, weil ich keine Ahnung habe, ob alle diese Genossen nach fünf Jahren noch am Leben sind (und für Tote wird sich die Partei hier kaum interessieren); auch weil ich befürchten musste, daß die erste dieser Biographien (Glaser) unvermeidlich aus einer Kurzbiographie in eine Langbiographie übergehen würde: denn der Fall Glaser ist so kompliziert, daß er durch skizzenhafte Behandlung nur Schaden erleiden kann.

            Ich stehe aber selbstverständlich zur Verfügung, über diese Genossen, und überhaupt, über alles zu berichten, was die Partei auch wünschen möge. Mehr: ich habe keinen tieferen Wunsch, als zu arbeiten – und arbeiten in meiner jetzigen Lage kann nur bedeuten: Schreiben! Wenn es möglich wäre: mit der Maschine, um diese furchtbare Handschrift zu vermeiden. Ich wollte leserlich schreiben, aber im Laufe der Arbeit, vergass ich es.

                                                                                              N.H.F. – 23. III. 54

Nachtrag zur Vierten Anlage

            Ich sehe eben, daß ich nichts darüber gesagt habe, wovon ich nach meiner Entlassung lebte und weiterhin (bis ich wieder verdienen könnte) zu leben gedachte:

            Zur Zeit meiner Entlassung hatte ich in Amerika an Ersparnissen etwa 15,000 Dollar (teils noch aus der State Department Zeit und einschließlich den Überresten des väterlichen Erbes, das im Krach von 1929 fast gänzlich vernichtet wurde); davon lebten meine Frau und ich bis zu meiner Verhaftung. Im Jahre 1947 starb meine Mutter[277] und mein mütterlicher Erbteil (in Wertpapieren) stellte sich Ende 1948 auf etwa 40,000 Dollar. Das Einkommen von diesem Erbe war noch ungewiss, (der Treuhänder arbeitete noch an Reinvestitionen) aber ich hoffte auf etwa 1,500 jährlich. Der Verdienst war also bei der Arbeitssuche nicht das Wesentliche.

– N.H.F. – 23. III. 54

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Schlußerklärung

            Die vorliegende Arbeit ist von mir heute, am 24. März 1954, noch einmal durchgelesen worden. Sie enthält, nach meiner Überzeugung, alles für die Beurteilung meines Falles Wesentliche. Unter Vorbehalt etwaiger unwesentlicher Gedächtnisfehler (besonders was Kalenderdaten betrifft), stellt sie die volle und rückhaltlose Wahrheit dar. Ich übergebe sie der Partei in dem Vertrauen, daß sie ihr eine gerechte Beurteilung nicht verweigern wird.

                                                                                  Budapest, den 24. März 1954.

                                                                                                          Noel H. Field«

 


[1] Vorabdruck aus der Quellenedition mit mehr als 130 Dokumenten zur Affäre um Noel Field, die zur Zeit beim BasisDruck Verlag vorbereitet wird: Barth, Bernd-Rainer/Schweizer, Werner (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Schlüsselfigur der Schauprozesse in Osteuropa. Verhöre und Selbstzeugnisse 1948–1957. Eingeleitet, kommentiert und übersetzt von Bernd-Rainer Barth. Mit einem Vorwort von G. H. Hodos. Berlin 2002.

[2] Einen Überblick über die osteuropäischen Schauprozesse bietet: Hodos, Georg Hermann: Schauprozesse. Stalinistische Säuberungen in Osteuropa 1948–54. Berlin 2001.

[3] Lewis, Flora: Bauer im roten Spiel. Das Leben des Noel H. Field. Frankfurt am Main, Berlin 1965.

[4] Ebenda, S. 15.

[5] Der lautlose Krieg. 39 berühmte Spionagefälle ausgewählt und kommentiert von Allen W. Dulles. München 1968, S. 326.

[6] So der ehemalige ungarische KP-Chef Mátyás Rákosi in seinen in den 50er und 60er Jahren im sowjetischen Exil verfaßten Memoiren, »Visszaemlékezések 1940–1956« [Erinnerungen 1940–1956], Budapest 1997, 2 Bde., 1122 S.; hier Bd. 2, S. 745.

[7] So der Historiker und ehemalige OSS-Mitarbeiter Arthur Schlesinger jr. in: New York Review of books, 11. Februar 1965.

[8] Der Nachlaß von Noel H. Field und Herta K. Field befindet sich im Archiv des Instituts für Politikgeschichte, Budapest (Politikatörténeti Intézet Levéltára – im weiteren: PIL) – einem Teilbereich des ehemaligen Parteiarchivs der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei – und umfaßte 1996 153 Archiveinheiten sowie weiteres unerschlossenes Archivgut.

[9] Die bisher überlieferten Bestände der ungarischen Staatssicherheitsbehörde bzw. ihrer Vorläufer- und Nachfolge-Organisationen befinden sich seit 1997 im Archiv des neu geschaffenen »Történeti Hivatal« [Amt für Geschichte] in Budapest, (im weiteren: TH-Archiv). Andere historische Bestände lagern offenbar weiterhin bei den verschiedenen ungarischen Nachfolgediensten im »Amt für Nationale Sicherheit« und sollen – so die Intention des Gesetzgebers – schrittweise dem TH-Archiv übergeben werden. – Zur Archivsituation in Ungarn vgl. auch: Barth, Bernd-Rainer: Die Archivsituation und die zeitgeschichtliche Forschung in Ungarn nach 1989, In: Deutscher Bundestag (Hrsg.): Materialien der Enquete-Kommission »Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit«. Band VI: Gesamtdeutsche Formen der Erinnerung an die beiden deutschen Diktaturen und ihre Opfer. – Archive. Baden-Baden 1999, S. 765–801.

[10] Államvédelmi Hatóság (Behörde für Staatssicherheit/Staatssicherheitsdienst). Der ungarische Staatssicherheitsdienst existierte in dieser zentralisierten Form zwischen 1949 und Sommer 1953 – bzw. versteckt in den Strukturen des Innenministeriums bis zum Herbst 1956. Vgl. dazu: Boreczky, Beatrixe: Az Államvédelmi Hatóság szervezete, 1950–1953. [Die Organisation der (ungarischen) Behörde für Staatssicherheit, 1950–1953], in: Trezor 1. A Történeti Hivatal évkönyve 1999. [Tresor 1. Jahrbuch des Amtes für Geschichte.] Budapest: 1999. S. 91–111.

[11] Die Untersuchungsvorgänge zu Noel H. Field und seiner Frau Herta K. Field umfassen zusammen insgesamt zwölf Bände mit ca. 4000 Blatt.

[12] Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte Noel Fields (die in wesentlichen Teilen durch die neu zugänglichen Quellen gestützt wird) bietet das bereits erwähnte Buch von Flora Lewis »Bauer im roten Spiel«. Vgl. daneben auch das Kapitel »Die Field-Verbindung – Wahrheit und Legenden« in Georg Hermann Hodos zuerst 1987 publizierter Studie: Schauprozesse. Stalinistische Säuberungen in Osteuropa 1948–54. Neuausgabe Berlin 2001, sowie zu den deutschen Bezügen der Field-Affäre: Kießling, Wolfgang: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker. Berlin 1994. – Zur Vorgeschichte und den Hintergründen der Field-Affäre auf der Grundlage neuer Quellen vgl. Barth, Bernd-Rainer: Wer war Noel Field? Die unbekannte Schlüsselfigur der osteuropäischen Schauprozesse, in: Leo, Annette/Reif-Spirek, Peter (Hrsg.): Vielstimmiges Schweigen. Neue Studien zum DDR-Antifaschismus. Berlin 2001, S. 197–221.

[13] Mehrere frühere derartige Versuche wurden vor seinen Augen zerrissen, da sie der vorgegebenen »Konzeption« nicht entsprachen.

[14] Zum Begriff der Parteiautobiographie vgl. Studer, Brigitte/Unfried, Berthold: Der stalinistische Parteikader. Identitätsstiftende Praktiken und Diskurse in der Sowjetunion der dreißiger Jahre. Köln [u.a.] 2001, S. 122 ff.

[15] Dieser Bestand im TH-Archiv umfaßt in insgesamt 247 Bänden Untersuchungsdossiers zu 114 Personen, die im Kontext der »Angelegenheit Rajk« im Sommer 1949 verhaftet und im Hauptprozeß bzw. in späteren Nebenprozessen verurteilt wurden, oder ohne Urteil (wie auch Noel und Herta Field) in Haft blieben.

[16] Erste Forschungsergebnisse zur Vorgeschichte des Rajk-Prozesses bietet Hajdu, Tibor: A Rajk-per háttere és fázisai [Hintergrund und Phasen des Rajk-Prozesses], in: Társadalmi Szemle, 47 (1992), 11, S. 17–36.

[17] In der ungarischen Literatur und Publizistik hat sich statt »Schauprozeß« der Begriff »Konzeptionsprozeß« oder »konzeptionelle Verfahren« eingebürgert.

[18] Vgl. dazu ausführlicher: Barth, Wer war Noel Field?, a.a.O., S. 202-205.

[19] Vgl. dazu im folgenden Dokument: Beilage IV. Die Periode meiner Arbeitslosigkeit, (Sept. 1947 bis Mai 1949), S. 59–64.

[20] Über diese Verbindungen, die Noel Field im Parteiauftrag (von Paul Bertz, Maria Weiterer, Otto Niebergall u.a.) zum OSS unterhielt, und die alle darauf abzielten, das OSS für die kommunistische Widerstandsarbeit auszunutzen, waren die Parteiführungen in Moskau und Berlin bereits kurz nach Kriegsende durch entsprechende Berichte der zurückgekehrten Westemigranten informiert. Vgl. etwa Franz Dahlem: Betr. Noel Field und seine Verbindungen. (Notizen von Franz Dahlem, 13. 11. 1946), in: SAPMO-BArch DY 30/IV 2/4/106, Bl. 196; Merker an Franz Dahlem, 26. 11. 1946, Betrifft: Noel Field und seine Verbindungen, in: Ebenda, Bl. 216–217. – Da Noel Field in der Schweiz über sowjetische Kontakte verfügte bzw. sich in seinem Bekanntenkreis sowohl NKWD- als auch GRU-Agenten befanden, ist davon auszugehen, daß auch über diese Linien Berichte über Fields Aktivitäten in der Schweiz und in Frankreich an die jeweilige Moskauer Zentrale gelangten.

[21] Hier erwähnt Noel Field in einem kurzen Lebenslauf auch seine nachrichtendienstlichen Kontakte zu den Sowjets und die Umstände seiner geheimen Parteimitgliedschaft, die seinen später in der Haft gemachten Angaben entsprechen. Im Begleitbrief an Bermann betont er, die Klärung seiner Situation sei für ihn und seine Frau »im Wortsinne eine Frage von Leben und Tod. Denn nach all den Schwierigkeiten, die wir durchgestanden haben, gibt es für uns außerhalb der Partei, ohne eine aktive Parteiarbeit kein Leben.« Eine zeitgenössische Fotokopie des deutschen Originals dieses Briefes ist erhalten geblieben: »Kurze Parteigeschichte von Noel H. Field« mit dem handschriftlichen Zusatz von Noel Field »Streng geheim«, geschrieben in Warschau am 9. September 1948, sowie der Begleitbrief gleichen Datums an Jakub Bermann in französisch, von dem jedoch nur die ungarische Übersetzung überliefert ist. Vgl. TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107-b (V-142755/2), Bl. 179-182, bzw. der Begleitbrief Bl. 170–171.

[22] Vgl. dazu Igor Lukes: Der Fall Slansky. Eine Exilorganisation und das Ende des tschechoslowakischen Kommunistenführers 1952. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 47 (1999), 4, S. 459–501, hier S. 476. Die Datierungen der ungarischen Ereignisse der Field-Affäre sind hier jedoch weitgehend fehlerhaft.

[23] Noel Field hatte als Gast am »1. Weltfriedenskongreß der Kämpfer für den Frieden« teilgenommen, der vom 20.–25. April 1949 in Paris stattfand. Erst in Paris erhielt er das Einreisevisum für die Tschechoslowakei, um das er sich zuvor vergeblich bemüht hatte. Laut Igor Lukes wurde Noel Field mit der Legende nach Prag gelockt, seine abgerissenen sowjetischen Verbindungen sollen »geklärt« werden. Vgl. Lukes, Der Fall Slansky, a.a.O., S. 476.

[24] Vgl. dazu: »Szigoruan titkos! Különösen fontos! Jelentés Noel Haviland Field ügyében. Budapest, 1954. november 5.« [Streng geheim! Besonders wichtig! Bericht in der Angelegenheit des Noel Haviland Field. Budapest, 5. November 1954] Unterzeichner: Lajos Hullay, Major der ÁVH, in: TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, V-142755/7 (I/107-g számú vizsgálati dosszié), Bl. 156–158.

[25] In der Literatur wird Bjelkin durchgehend mit falschem Vornamen als »Fjodor Bjelkin« angegeben.

[26] Vgl. dazu Szász, Béla: Freiwillige für den Galgen. Die Geschichte eines Schauprozesses. Nördlingen 1986.

[27] Zeugenvernehmung des Ingenieurs Iván Földi durch die Generalstaatsanwaltschaft in Budapest, am 13. 9. 1956. In: V-150019/2 (Farkas Mihály és társai ügye, II. kötet [Angelegenheit Mihály Farkas und andere, Band II.]), Bl. 61–63.

[28] Die Vernehmer waren in dieser Zeit fast ausschließlich die ÁVH-Offiziere György Szendy und Dr. Miklós Bauer. Vgl. dazu: Interview des Autors mit Dr. Miklós Bauer am 19. 7. 2000 in Budapest, und: Aussage von György Szendy vom 22. 5. 1954. In: TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, V-142755/5 (I/107-e számú vizsgálati dosszié), Bl. 76.

[29] Szendy György: »Tárgy: Noel H. Field és Herta K. Field kihallgatása. Jelentés. Budapest, 1951 december 17-én.« [Bericht des ÁVH-Majors György Szendy vom 17. Dezember 1951 über das am gleichen Tag geführte Verhör von Noel H. Field und Herta K. Field], in: TH-Archiv Budapest, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107 (V-142755), Bl. 7–8.

[30] Zum historischen Kontext allgemein vgl. Rainer, János M: Der Neue Kurs in Ungarn 1953, in: Kleßmann, Christoph/Stöver, Bernd (Hrsg.): 1953. Krisenjahr des Kalten Krieges in Europa. Köln [u.a.], 1999, S. 71–92. Vgl. auch ders.: Ungarn 1953–1956: Die Krise und die Versuche ihrer Bewältigung, in: Wilke, Manfred/Hegedüs, András B. (Hrsg.): Satelliten nach Stalins Tod. Der »Neue Kurs«. 17. Juni 1953 in der DDR. Ungarische Revolution 1956. Berlin 2000, S. 137–217. – Zur widersprüchlichen Rehabilitierungspraxis vgl. Magdolna, Baráth: Az MDP vezetése és a rehabilitáció (1953-1956) [Die Führung der Partei der Ungarischen Werktätigen (MDP) und die Rehabilitierungen (1953-1956)], in: Múltunk. Politikatörténeti folyóirat [Unsere Vergangenheit. Zeitschrift für Politikgeschichte], 44 (1999) 4, S. 40–97.

[31] »An die Behörden«. In: TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107-c (V-142755/3), Bl. 160–161.

[32] Vgl. ÁVH-Major Árpád Kretschmer: »Untersuchungs-Plan in der Angelegenheit des O.S.S.- Agenten Noel H. Field« vom 17. 5. 1954, in: TH-Archiv Budapest, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107 (V-142755), Bl. 26–28.

[33] Diese Bemerkung stammt offensichtlich von Fields Vernehmer ÁVH-Major Árpád Kretschmer, im 17. Verhör vom 4. 8. 1954.

[34] Gemeint ist der »Brief an die Partei«.

[35] Field, Noel: Erklärung vom 4. 8. 1954, in: TH-Archiv Budapest, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107-a (V-142755/1), Bl. 332–333.

[36] Oberst Józef Swiatlo, stellv. Leiter der Abteilung X (Parteiabwehr) der polnischen Staatssicherheit, war bereits im Dezember 1953 zu den Amerikanern übergelaufen.

[37] Vgl. dazu die Darstellung Rákosis in seinen Memoiren: Rákosi, Mátyás: Visszaemlékezések 1940–1956. II. kötet. [Erinnerungen 1940–1956. Band II.], a.a.O., S. 970–971.

[38] Aus der ursprünglichen Paginierung ist ersichtlich, daß es noch ein Deckblatt gegeben haben muß, welches nicht überliefert ist. – Ein enger Freund des Ehepaars Field, Gábor Vályi, ab 1955 im Budapester Corvina-Verlag Noel Fields Vorgesetzter, berichtete dem Herausgeber von einem Gespräch Anfang der sechziger Jahre mit András Tömpe, einem hochrangigen Funktionär des ungarischen Partei- und Sicherheitsapparates (Anfang der sechziger Jahre Leiter der Administrativen Abteilung des ZK der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei/MSZMP), der zu dieser Zeit als Sekretär einer Sonderuntersuchungskommission mit der Überprüfung jener Staatssicherheitsangehörigen beauftragt war, die an der Vorbereitung und Durchführung der Schau- und Geheimprozesse der frühen fünfziger Jahre beteiligt waren. Tömpe berichtete Vályi damals, daß Noel Field diesen Brief ursprünglich an Stalin gerichtet habe. Ernö Gerö habe den Brief zunächst zurückgehalten, und erst nach einiger Zeit den sowjetischen Beratern übergeben. (Gespräch des Hrsg. mit Gábor und Erzsébet Vályi am 25. Juli 2000 in Budapest). Überprüft werden konnten diese Informationen nur teilweise, da die Quellenlage diesbezüglich äußerst lückenhaft ist. Belegen läßt sich jedoch die Tatsache, daß die sowjetischen Berater über einzelne Schritte der ungarischen Staatssicherheit im Fall Noel Field ab März 1954 unterrichtet wurden.

[39] Die von Noel Field benutzte Seitennummerierung sowie der Seitenumbruch wurde bei der vorliegenden Druckfassung beibehalten, da er selbst im Text Fußnoten – von ihm mit (*) gekennzeichnet – einfügt und im Brief sowie in den Anlagen mehrfach auf den eigenen Text verweist und dabei die eigene Paginierung angibt.

[40] Fehler dieser Art (Gebrauch der Valenz von Verben) werden – sofern sie nicht sinnentstellend sind –  im weiteren nicht gesondert vermerkt. Eigenheiten Fields in der Zeichensetzung (insbesondere der Kommasetzung) wurden bewußt beibehalten, fehlende Worte, Buchstaben oder Satzzeichen stehen in eckigen Klammern.

[41] Der in runde Klammern gesetzte Satz wurde von Field nachträglich eingefügt.

[42] Die Grundlagen der außerordentlichen Sprachbegabung Noel Fields liegen in seiner Kindheit in der Schweiz. Noel Field berichtet darüber in der Beschreibung seines Bildungsweges: »Meine Muttersprache war englisch; vom Kindermädchen hatte ich hochdeutsch gelernt. In der Schule [in Zürich – BRB] musste ich nun Schweizerdeutsch und dann – im Alter von 9 Jahren – noch italienisch lernen« (er besuchte zeitweilig eine italienischsprachige Privatschule in Lugano); daneben erlernte er  in seiner Jugend französisch, brachte sich in den dreißiger Jahren in Washington aus Sympathie für die Sowjetunion im Selbststudium russisch bei, beschäftigte sich ab 1947 im Zusammenhang mit seinen Übersiedlungsplänen nach Osteuropa mit der polnischen Sprache und erlernte nach seiner Haftentlassung aus dem Budapester Staatssicherheitsgefängnis (Ende 1954) die ungarische Sprache, die er ab 1956/57 so weit beherrschte, daß er am »Parteileben« seiner ungarischen Parteigruppe im Budapester Corvina-Verlag teilnehmen konnte. Vgl. dazu: Eigenhändig geschriebene Aussage vom 19. Juni 1954 (»Meine Bildung«), in: Budapest, Történeti Hivatal Levéltára [Archiv des Amts für Geschichte, im weiteren: TH-Archiv] Noel Field vizsgálati dosszié [Untersuchungsakte Noel H. Field], I/107-c számú vizsgálati dosszié (V-142755/3) [Untersuchungsdossier Nr. I/107-c V-142755/3], Bl.173 (im weiteren werden nur die Archivsignaturen der Dossiers angegeben); sowie: »A Corvina Könyvkiadó pártszervezetének jelentései, munkatervei, jegyzökönyvei, 1955-1971.« [Berichte, Arbeitspläne, Protokolle der Parteiorganisation des Corvina-Verlages, 1955-1971], in: Nachlaß Herta und Noel Field, Budapest, Politikatörténeti Intézet Levéltára (Archiv des Instituts für Politikgeschichte, im weiteren: PIL), 903 f./48 ö.e.

[43] Fields Aussagen, Verhörprotokolle und schriftliche Aufzeichnungen aus dem frühen Haftzeitraum (Mai 1949 bis Juli 1951) sind in den derzeit zugänglichen Untersuchungsakten der ungarischen Staatssicherheitsbehörde (Államvédelmi Hatóság/ÁVH) nicht überliefert. Sie wurden – wie auch die entsprechenden Unterlagen der anderen in die Prozesse verwickelten Personen – ab Mitte 1959 auf interne Weisung des Innenministers (auf der Grundlage eines entsprechenden Politbürobeschlusses), vernichtet. Die präzis geführten Vernichtungsprotokolle über Unterlagen aus der Vorbereitungsphase des Rajk-Prozesses sind teilweise in den einzelnen Personen-Dossiers abgeheftet, und finden sich gesammelt in: »›Rajk-ügy‹. Jelentések, javaslatok, jegyzökönyvek az iratok megsemmisítése, meghagyása, rendezés ügyében.« [»Angelegenheit Rajk«. Berichte, Vorschläge, Protokolle bezüglich der Vernichtung, des Behalts und der Ordnung von Schriftgut], TH-Archiv, IX/31. – Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß sich Kopien von nachweislich vernichteten Materialien in anderen (zum Teil noch nicht zugänglichen) Beständen erhalten haben. So ist beispielsweise eine Kopie des vernichteten Verhörprotokolls vom 7. Juni 1949 erhalten geblieben, als Innenminister János Kádár und Verteidigungsminister Mihály Farkas den bereits von schwerer Folter gezeichneten Hauptangeklagten László Rajk »verhörten«, d.h. zu einem Geständnis im Sinne der Prozeßkonzeption zu überreden versuchten. Vgl. dazu die Quellenedition: Varga László (szerk.): Kádár János birái elött. Egyszer fent, egyszer lent 1949-1956. [László Varga (Hrsg.): János Kádár vor seinen Richtern. Einmal oben, einmal unten 1949-1956.] – Budapest: Osiris, 2001, S. 157-170.

[44] Die Blätter 2-13 (also der Brief an das ZK der KPdSU ohne Anlagen) wurden unmittelbar nach der Niederschrift gesondert verwahrt. Darauf verweist die im März 1954 angefertigte erste – qualitativ schlechte und offenbar unter großem Zeitdruck entstandene – ungarische Übersetzung des Textes, in welcher der anonyme ÁVH-Übersetzer anmerkt (Bl. 2): »Seite 2-13 fehlen im Original«. Diese ungarische Übersetzung findet sich in: TH-Archiv, I/107-j (V-142755/9), Bl. 1-80. Das Original des eigentlichen Briefes (Bl. 2-13) war auch Anfang der sechziger Jahre noch nicht wieder aufgetaucht. Als die ungarische Partei MSZMP in Folge des XXII. Parteitages der KPdSU im November 1961 eine dreiköpfige ZK-Kommission mit der Untersuchung des Komplexes »Entstehung, Ablauf und Folgen der in der Periode des Personenkultes begangenen Gesetzesverletzungen« beauftragte und anschließend die sowjetische Seite über deren Ergebnisse informierte, wurde dem Kommissions-Bericht eine Fotokopie des deutschen Originals (ohne die Blätter 2-13) sowie der gesamte Brief Noel Fields in russischer Übersetzung als Anlage beigefügt. Die fehlenden 12 Seiten wurden dabei aus der (oben erwähnten) ungarischen Übersetzung von 1954 (deren Grundlage das deutsche Original war) ins Russische übertragen. Vgl. Béla Biszku (ZK-Sekretär und Leiter der ZK-Untersuchungskommission) an Wladimir Jefimowitsch Semitschastnij (seit November 1961 Vorsitzender des KGB), Budapest den 5. September 1962, in: »Szovjet vonatkozásu anyagok« [Materialien mit sowjetischem Bezug], in: TH-Archiv, Z/1. a-b, S. 8-14, hier S. 14. – Wann und woher das (erhalten gebliebene) deutsche Original (mit den fehlenden 12 Seiten) wieder auftauchte, war nicht zu ermitteln.

[45] Alle Unterstreichungen so im Original; einige Fieldsche Abweichungen von den Regeln der deutschen Orthographie und Zeichensetzung wurden bewußt beibehalten, einige wenige sinnentstellende Fehler stillschweigend bereinigt.

[46] Anmerkungen Noel Fields am unteren Seitenrand: »* Formeller Beitritt 1938, retroaktiv um 2 Jahre, in Moskau über die amerikanische Sektion des Exekutivkomitees der Komintern; bestätigt im Frühjahr 1943.« Die Worte »bestätigt im Frühjahr 1943.« wurden von Noel Field mit andersfarbiger Tinte einen Tag später, am 19. März 1953, hinzugefügt.– Anmerkungen Noel Fields sind im folgenden wie im Original mit * markiert.

[47] Noel Field war (zusammen mit seiner Frau Herta) während seiner einzigen Reise in die Sowjetunion (29. Mai bis 15. Juli 1938) von seinen NKWD-Vorgesetzten angeboten worden, »Mitglied der Partei« zu werden, wobei ihm freigestellt wurde, ob er der KPdSU oder der amerikanischen KP beitreten wolle. Der Zeitpunkt seines formellen Parteibeitritts wurde auf Wunsch Fields (er berief sich dabei auf seine »spezielle Parteiarbeit« für den sowjetischen Nachrichtendienst) um zwei Jahre zurückdatiert. Dies wird durch ein nicht datiertes, jedoch nach 1954 entstandenes sowjetisches Dokument bestätigt, vgl. »Sprawka« (russ.), o.D. in: »Szovjet vonatkozásu anyagok« [Materialien mit sowjetischem Bezug], in: TH-Archiv, Z/1. a-b, S. 7. Im Frühjahr 1943 wurde ihm diese Parteimitgliedschaft von einem Mitarbeiter des NKWD (»Max«) bei einem Treffen in der Schweiz mündlich bestätigt. Vgl. ebenda, S. 8. – Siehe auch Fields Darstellung im vorliegenden Dokument, Bl. 19 (Fieldsche Zählung).

[48] Noel Field war am 11. Oktober 1949 von einem Spezialobjekt der ÁVH (einer konspirativen Villa in der Eötvös utca in den Budaer Bergen) in das Gefängnis der Staatssicherheit (»ÁVH Toloncház«) in der Conti-Straße verlegt worden.

[49] Field bezieht sich hier auf sein Verhalten während der ersten Verhörphase ab Mai 1949 in Budapest, wo er sich – nach schwerer physischer Folter durch ungarische AVH-Offiziere bzw. Angehörige eines speziellen »Folterkommandos« der ÁVH – zu massiven Falschaussagen zwingen ließ, die u.a. den gerade verhafteten Kaderchef der ungarischen Partei, Tibor Szőnyi, belasteten und die später zur Belastung László Rajks benutzt wurden. Kurze Zeit später (vermutlich noch im Juli, sicher aber ab August 1949) widerrief er diese erpreßten Falschaussagen und blieb auch – trotz massiver Drohungen – in der folgenden Haftzeit bei dieser Haltung.

[50] Henry Wallace (1888-1965), amerikanischer Agrarexperte und Politiker, in der Periode des New Deal unter Präsident Roosevelt Landwirtschaftsminister (1933-1940), 1941-45 Vizepräsident der USA; 1947 Mitbegründer und Präsidentschaftskandidat der Progressive Party, in der sich die von den Demokraten abgespaltenen enttäuschten New-Deal-Liberalen sammelten, und die auch von vielen amerikanischen Kommunisten unterstützt wurde; nach der schweren Wahlniederlage seiner Partei (November 1948) Rückzug aus dem politischen Leben.

[51] Noel und Herta Field hielten sich vom Mai 1948 bis zum 15. September in Polen auf, anschließend und vom 15. September bis 21. November in Prag. Vgl. dazu FBI-Report vom 13.1.1950, In: U.S. Department of Justice, Federal Bureau of Investigation, FOIPA-Dossier #393284.

[52] Gemeint ist das House Un-American Activities Committee (HUAC) – der Kongreßausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung.

[53] Am 15. Oktober 1948 erschien in der New York Herald Tribune eine Zusammenfassung des HUAC-Zwischenberichts, worin Field durch Aussagen von Whittaker Chambers als Kommunist bzw. als möglicher sowjetischer Agent bezeichnet wurde. Vgl. dazu auch: Sam Tanenhaus: Whittacker Chambers. A biography. New York 1998, S. 328.

[54] Noel Field flog am 5. Mai 1949 von Paris nach Prag.

[55] Field bezieht sich hier auf Bemühungen der SED-Politbüromitglieder Paul Merker und Franz Dahlem, ihm in der Sowjetischen Besatzungszone eine neue Existenz zu schaffen. Diese – anfänglich inoffiziellen – Bemühungen scheiterten jedoch an der Haltung der sowjetischen Behörden, die auf entsprechende Vorstöße (die auch über das Büro Wilhelm Pieck liefen) nicht reagierten. Überliefert ist ein Brief von Franz Dahlem an den Chef der SMAD-Propaganda- bzw. Informationsverwaltung, Oberst Sergej I. Tjulpanow vom 15. Dezember 1948: »Betr.: Noel Field. Werter Genosse T[j]ulpanow! Es handelt sich um einen amerikanischen Genossen, der nach unserer Auffassung seit Jahren getarnt für Eure Organe arbeitet. Wir lernten ihn durch seine Hilfe für die in Frankreich internierten Kommunisten kennen. Die direkte Verbindung mit ihm hatte Paul Merker [...] Wir haben den Genossen Geminder vom ZK der KP der Tschechoslowakei gebeten zu veranlassen, daß Noel Field Aufenthaltserlaubnis in diesem Lande solange bekommt, bis eine endgültige Klärung in seiner Angelegenheit beigeführt ist. Es besteht nämlich die Gefahr, daß er bei einer Rückreise in die Schweiz von dort ausgewiesen wird, was in diesem Fall die Auslieferung an die Behörden der USA bedeuten würde. Ich bitte um Mitteilung, inwieweit wir von uns, nachdem wir uns in dieser Sache für Noel Field stark engagiert haben, Stellung nehmen sollen oder nicht. – 15.12.48  Franz Dahlem«, BStU, AS 251/56, Bd. 9d, Bl. 6. – Doch auch auf diesen Brief gab es keine Reaktion, wie die Notiz Leo Bauers an Franz Dahlem vom 31. Januar 1949 bezeugt: »Aktennotiz. Ich sollte Dich noch einmal an Field erinnern. Er schrieb mir wieder und wartet ziemlich verzweifelt auf die Möglichkeit, nach hier zu kommen, um die Sache zu klären. Leo Bauer«, darunter handschriftlich: »Eilt! Genn. Elly Winter! Bitte um Mitteilung, ob und wann das Schreiben in der Angelegenheit Field nach Karlshorst weitergegeben wurde, damit die Sache weiter verfolgt werden kann. Franz Dahlem, 20.2.1949«, SED-Hausmitteilung von Abt. West Ba. / Fr. an Dahlem, in: BStU, UA 192/56, Bd. 1 (Paul Merker), Bl. 50. – Elly Winter (1898-1987), die Tochter Wilhelm Piecks, war zu diesem Zeitpunkt Hauptreferentin im Büro Pieck im Zentralsekretariat der SED in der Lothringerstr. 1.

[56] Sowjetische Militäradministration.

[57] Noel Field war als »spionageverdächtige Person« bereits Anfang November 1948 in Prag von der tschechoslowakischen Geheimpolizei StB verhaftet, nach kurzer Zeit jedoch wieder entlassen worden, nachdem er sich den verblüfften StB-Vernehmern als sowjetischer Aufklärer zu erkennen gegeben hatte und mit dem sowjetischen Nachrichtendienst in Kontakt gebracht werden wollte. Vgl. Igor Lukes: Der Fall Slánský. Eine Exilorganisation und das Ende des tschechoslowakischen Kommunistenführers 1952, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 47 (1999), 4, S. 459-501, hier S. 476.

[58] Noel Field war – auf Drängen Mátyás Rákosi's bei Klement Gottwald – im Zuge einer »operativen Kombination« der tschechischen Staatssicherheitsorgane am Spätnachmittag des 11. Mai 1949 auf einer Prager Vorortstraße »unter konspirativen Umständen« verhaftet worden. Er wurde in der Nacht vom 11. zum 12. Mai vom stellvertretenden ÁVH-Chef Oberst Ernö Szücs und dem ÁVH-Major Ferenc Vándor im Auto nach Budapest in die ÁVH-Zentrale gebracht. Vgl. dazu: »Szigoruan titkos! Különösen fontos! Jelentés Noel Haviland Field ügyében. Budapest, 1954. november 5.« [Streng geheim! Besonders wichtig! Bericht in der Angelegenheit des Noel Haviland Field. Budapest, 5. November 1954, von Lajos Hullay, Major der ÁVH], in: TH-Archiv, I/107-g (V-142755/7), Bl. 156-158.

[59] Allen W.[elsh] Dulles (1893-1969), amerikanischer Diplomat und Nachrichtendienstler (Einsatz u.a. in Wien, während des Ersten Weltkriegs als Gesandtschaftssekretär in Bern, später in Berlin) sowie Rechtsanwalt; 1916-1926 Beamter im Department of State, ab 1922 Chef der Abteilung für Near-Eastern Affairs des State Department; nach einer Wall Street-Karriere als Anwalt für Internationales Recht (1927-1941 in dem von seinem Bruder gegründeten New Yorker Anwaltsbüro Sullivan & Cromwell) übernahm er im Auftrag von OSS-Chef William J. Donovan im Dezember 1941 die Leitung des COI (Coordinator of Information)-Büros in New York (einer von Präsident Roosevelt neu geschaffenen Koordinierungsbehörde für die Nachrichtendienste); ab November 1942 bis Mai 1945 war er Leiter der OSS-Zentrale für Zentraleuropa in Bern (getarnt als »Sonderassistent« von Leland Harrison, dem US-Gesandten in Bern). Nach Kriegsende war er Mitbegründer, 1951-1953 Vizedirektor und 1953-1961 Direktor der CIA. Noel Field kannte Dulles als Kollegen aus seiner Zeit im State Department seit 1926; Dulles war auch als Rechtsberater der US-Regierung in Fragen der Rüstungsbegrenzung tätig, ein Gebiet, für das Noel Field im State Department zuständig war. Zu Allen Dulles vgl. die Biographie von James Srodes: Allen Dulles. Master of Spies. Washington 1999.

[60] Ursprünglich: »vorweggen«, – von Noel Field gestrichen.

[61] Da nur wenige Aussagen Fields zu dieser Periode überliefert sind, sei hier seine Aussage vom 29. 7. 1954 zitiert (der Periode, in der sein Fall bereits »überprüft« wurde), in der er seine damalige »Schwäche« einem jüngeren Kollegen der Folterer von damals zu erklären versucht: »Heute Nachmittag ist mir ein Auszug aus einer meiner eigenhändigen Aussagen aus der ›Villa‹-Periode vorgelesen worden. Aus meiner Erklärung, daß ich wisse, man würde mich zu Tode foltern, wenn ich nicht die Wahrheit spreche, ist heute die Folgerung gezogen worden, daß ich zur Zeit, da ich dieses Dokument schrieb, nicht mehr gefoltert wurde und daß ich darin die Wahrheit schrieb. Ich glaube[,] ich kann beweisen, daß das Gegenteil der Fall war: 1. Ich bin 100% überzeugt, daß ich einen so furchtbaren Satz, wie den eben zitierten, niemals geschrieben haben würde, außer unter dem unmittelbaren Einfluß einer soeben vorangegangenen Folterung, aus der ich die Überzeugung gewann, daß ich die nächste Folterung nicht überleben würde. Dieses Dokument kann ich also nur zur Zeit der schlimmsten Folterung unterschrieben haben, also während der letzten Tage in der Villa (vor Ende Mai). 2. Mein zitierter Satz bedeutet unter diesen Umständen gerade das Gegenteil von dem, was darin steht. Denn: Was sagt ein Mann, oder besser gesagt, nicht ein Mann, sondern ein Feigling, wenn er soeben gefoltert worden ist und jetzt in Todesangst ist, daß man ihn erschlagen wird? Er sagt: ›Nein, nein, bitte foltern Sie mich nicht, ich werde ja die Wahrheit sagen, ganz gewiss werde ich jetzt nur die Wahrheit sagen.‹ – Aber in Wirklichkeit meint er damit: ›Ich werde das sagen, was Sie von mir wünschen; ich werde das sagen, was Sie für die Wahrheit halten. Ich werde nicht sagen, was ich für die Wahrheit halte, denn eben deswegen bin ich ja gefoltert worden.‹ Genau das ist der Sinn meines Satzes.«. Zitiert aus: »Bezüglich meine[r] schriftliche[n] Aussage von Ende Mai (ungefähr zwischen dem 24. und 28. Mai?) 1949 über Szöni [Tibor Szőnyi].« Eigenhändig geschriebene Aussage Noel Fields vom 29. 7. 1954, in: TH-Archiv, I/107-a (V-142755/1), Bl. 210-211. – Der »furchtbare Satz«, auf den Field sich hier bezieht, ist nicht überliefert.

[62] Im Zuge der von der Kádár-Führung angeordneten »Überprüfung der Fälle konzeptioneller Prozesse« nach 1956 wurden 1959 sowie 1962/63 (in Einzelfällen auch später) fast alle Verhörprotokolle, Unterlagen, Tonbänder usw. der erpreßten »Geständnisse« aus der Voruntersuchungsphase der verschiedenen Schau- und Geheimprozesse vernichtet. In den überlieferten Untersuchungsakten der ungarischen Staatssicherheit zu Noel und Herta Field sind nur wenige Abschriften seiner Aussagen zwischen 1949 und 1951 enthalten. Vgl. auch Fußnote 6.

[63] Vgl. dazu die Aussage des damaligen Vernehmers von Noel Field, des ehemaligen ÁVH-Majors György Szendy, der im Spätsommer 1956 mit mehreren anderen ehemaligen ÁVH-Offizieren verhaftet worden war: »Als ich [im Juli 1949 – BRB] die Vernehmung Fields übernahm, erhielt ich keinerlei Angaben über ihn, ich wußte nicht einmal wie er heißt. [...] Später konnte ich mich dann mit dem Untersuchungsmaterial Fields vertraut machen. Daraus ging hervor, daß er bereits zahlreiche, ihn selbst und andere schwer belastende Aussagen gemacht hatte. Mir gegenüber widerrief er diese Aussagen nach einigen Tagen Verhör, bzw. bestritt diese Angaben.« Vernehmungsprotokolle des Untersuchungshäftlings György Szendy durch den stv. Militärstaatsanwalt der Volksrepublik Ungarn vom 6.-16. Oktober 1956 (ungarisch), in: TH-Archiv, Untersuchungsakte Mihály Farkas und Komplizen Bd.5, V-150019/4, Bl. 183-212, hier Bl. 188.

[64] Das damalige Staatssicherheitsgefängnis in der Conti Straße in Budapest.

[65] Vgl. dazu den Bericht des Field-Vernehmers ÁVH-Major György Szendy vom 17. Dezember 1951 über das am gleichen Tag geführte Verhör von Noel H. Field und Herta K. Field: »Während seiner Vernehmung legte Field eine ähnliche Haltung an den Tag, wie er sie schon bisher gezeigt hat. Er war bemüht, sich selbstsicher zu geben und betonte, an seiner Haltung werde sich nichts ändern. Seit August 1949 sage er nur noch ›die Wahrheit‹, und dabei werde er bleiben. Er sei kein Spion, er sei auch kein Spion gewesen, und er sei nicht bereit, mit falschen Geständnissen unschuldige Menschen ins Verderben zu stürzen. Das betonte er mindestens zwanzig Mal, und als ich ihn fragte, warum er schauspielere, wie lange er gebraucht habe, dies einzustudieren, antwortete er mir, er sei gezwungen gewesen in kompakten Sätzen seine ›Wahrheit‹ einzustudieren, weil wir ihm nicht erlaubten, sich auszusprechen, weil wir auf die vollständige Wahrheit nicht neugierig seien.« So in: »Szendy György: Noel H. Field és Herta K. Field kihallgatása. Jelentés. Budapest, 1951 december 17-én.« [György Szendy: Bericht über das Verhör von Noel und Herta K. Field vom 17. Dezember 1951], TH-Archiv, I/107 (V-142755), Bl. 7-8, hier Bl. 7.

[66] Auch diese Erklärungen sind in den derzeit zugänglichen Unterlagen zu Noel Field nicht überliefert.

[67] Von Noel Field gestrichen.

[68] Das Office of Strategic Services – strategischer und taktischer Geheimdienst der USA (1942-1945). Er war aus dem im Juni 1941 gegründeten, von William J. Donovan geleiteten Büro des Coordinator of Information (COI) – dem ersten zentralen geheimen Nachrichtendienst der USA – hervorgegangen. Das OSS wurde am 13. Juni 1942 von Präsident Roosevelt als Nachrichtendienst und Organisation für »covert actions« nach dem Vorbild der britischen SOE gegründet, und nach Kriegsende, am 1. Oktober 1945 von Präsident Harry S. Truman offiziell aufgelöst; gilt als Vorläufer der CIA.

[69] Anmerkung Fields am unteren Seitenende: »(*) Siehe Anlage 3.«

[70] Erica Glaser, verh. Wallach-Glaser (1922-1993), Tochter des deutsch-jüdischen Arztes Willy Glaser aus Schlawe (Pomm.), der Ende 1935 aus politischen und »rassischen« Gründen mit seiner Familie nach Spanien emigrierte. Sie arbeitete im Spanischen Bürgerkrieg (seit ihrem 14. Lebensjahr) als Krankenschwester in verschiedenen Lazaretten der republikanischen Armee. Gegen Ende des Bürgerkrieges flüchtete sie – schwer erkrankt – nach Frankreich. Sie wurde 1939 von Noel und Herta Field auf Bitten ihrer Eltern aus einem südfranzösischen Internierungslager gerettet und in Absprache mit ihren Eltern als Pflegetochter aufgenommen; Schulbesuch in Genf und Zürich, arbeitete in dieser Zeit konspirativ für die KPD in der Schweiz, war u.a. Kurier zwischen dem verhafteten KPD-Funktionär Leo Bauer u. Noel Field bzw. der KPD-Leitung in der Schweiz; sie wurde im August 1950 durch einen Brief von Leo Bauer (der unter Druck handelte) nach Ost-Berlin gelockt und dort von sowjetischen Organen verhaftet; zusammen mit Leo Bauer im Dezember 1952 von einem sowjetischen Militärgericht in Ost-Berlin wegen Spionage zum Tode verurteilt, nach sechs Monaten in einer Moskauer Todeszelle begnadigt und im Juli 1953 zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt; Haft in Workuta; im Oktober 1955 mit offizieller Entschuldigung der sowjetischen Regierung entlassen, lebte sie ab 1957 in den USA. Vgl. ihren autobiographischen Bericht: Erica Wallach: Licht um Mitternacht. Fünf Jahre in der Welt der Verfemten. München 1969, sowie den Dokumentarfilm »Verdammte Lügnerin oder Meine Karriere als Nackttänzerin.« von René A. Zubühl, Werner Schweizer und Thomas Grimm, Zürich /Berlin 1991.

[71] Das konspirative »Einbauen« Erica Glasers in den OSS war auf Vorschlag der KPD-Leitung in der Schweiz (Fritz Sperling, Hans Teubner, Bruno Fuhrmann) und durch Vermittlung Noel Fields bei Allen Dulles erfolgt. Erica Glaser war zunächst Mitarbeiterin des Leiters der OSS Labor Section in Bern, Gerhard van Arkel (vgl. dazu und zur OSS Labor Division: Christof Mauch: Schattenkrieg gegen Hitler. Stuttgart 1999, S. 397 bzw. S. 233 ff.) Von Juli bis Dezember 1945 war sie Sekretärin des OSS-Majors Richard Watt in Wiesbaden bzw. Frankfurt am Main. Ihre konspirative Verbindung zur KPD lief hauptsächlich über Leo Bauer. Über diese Arbeit war auch der für die geheimen »Apparate« in Westdeutschland zuständige Kaderchef der KPD/SED in Berlin, Franz Dahlem, informiert. Vgl. zum ganzen Komplex die ausführliche Darstellung in Noel Fields eigenhändiger Aussage vom 1. August 1954 (»Erica Glasers ›Verrat‹«), in: TH-Archiv, I/107-a (V-142755/1), Bl. 314-328.

[72] Ursprünglich: »mir bewusst bin.« – von Noel Field gestrichen.

[73] Ursprünglich: »und« – von Noel Field gestrichen.

[74] Gemeint ist Robert C. Dexter, vgl. Fußnote 119.

[75] Humbert-Droz, Jules (1891-1971), pazifistischer Pfarrer und Linkssozialist, 1920 Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei der Schweiz, KPS- und Kominternfunktionär, 1921-31 EKKI-Sekretär in Moskau, zuständig für die Anleitung der Kommunistischen Parteien der romanischen Länder; 1931/32 und 1936-41 Leiter der KPS; Mitte 1943 aus der illegalen KPS ausgeschlossen, trat er daraufhin im Juli 1943 der SP der Schweiz bei; Dezember 1946 – Juni 1958 Sekretär bzw. Zentralsekretär der SP der Schweiz.

[76] Gemeint ist Paul W. Massing (1902-1979), Funktionär des KPD-M-Apparats, Soziologe und Agrarwissenschaftler. Paul Massing war nach dem Reichstagsbrand in Berlin verhaftet worden, im Columbia-Haus gefoltert und im KZ Oranienburg interniert worden; nach seiner Entlassung flüchtete er nach Paris und schrieb dort unter dem Pseudonym Karl Billinger einen der ersten Berichte über die Schrecken der NS-Diktatur (»Schutzhäftling 880«. Paris 1935). Er und seine Frau, Hede Gumperz, verh. Massing, arbeiteten seit Ende der zwanziger Jahren für die sowjetische Militäraufklärung (GRU), später für das NKWD. Sie waren seit 1934 vornehmlich in den USA eingesetzt und unterstanden der illegalen NKWD-Residentur von Boris Basarow (Codename »Nord«). Hede Massing hatte durch Vermittlung von Marguerite Young die Fields kennengelernt und (nach einer längeren »Bearbeitungsphase«) Anfang 1935 für das NKWD angeworben (Noel Field erhielt den Decknamen »Ernst«). – Nach den »Moskauer Prozessen« und dem Hitler-Stalin-Pakt wandten sich die Massings vom Kommunismus ab, verhielten sich aber – zumindest noch bis Ende des Krieges – ihren nachrichtendienstlichen Auftraggebern gegenüber loyal. Vgl. dazu: Allen Weinstein / Alexander Vassiliev: The haunted wood: Soviet espionage in America – the Stalin era. New York 1999, und: Bernd-Rainer Barth : Wer war Noel Field? Die unbekannte Schlüsselfigur der osteuropäischen Schauprozesse. In: Annette Leo/Peter Reif-Spirek (Hrsg.): Vielstimmiges Schweigen. Neue Studien zum DDR-Antifaschismus. Berlin 2001, S. 197-221

[77] Hede Massing, geb. Tune, gesch. Gumperz (1900-1981) hatte in erster Ehe den deutschen Kommunisten Gerhart Eisler geheiratet, von dem sie sich 1926 scheiden ließ. Anschließend heiratete sie den amerikanischen Universitätsprofessor und Mitglied der KP USA, Julian Gumperz. Später heiratete sie den Sozialwissenschaftler Paul Massing, mit dem sie 1930 das erste Mal nach Moskau fuhr, wo Paul Massing am Internationalen Agrarinstitut arbeitete. Hede Massing war laut eigenen Angaben 1929 durch Richard Sorge als Mitarbeiterin für Ignaz Reiss (»Ludwig«, einem der Spitzenkader der GRU) rekrutiert worden. Sie wurde ab 1933 als Kurier in die USA eingesetzt (sie hatte durch ihre Heirat mit Julian Gumperz Ende 1927 die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben), und arbeitete ab 1934 in den USA u.a. als »Talentsucherin« und Anwerberin. Vgl. »Personal History of Hede Massing«, S. 1-12, Hoover Institution on War, Revolution and Peace, Stanford; vgl. auch ihren autobiographischen Bericht, Hede Massing: Die große Täuschung. Geschichte einer Sowjetagentin. Freiburg/Basel/Wien, o.J. [1967]. Zu ihrer nachrichtendienstlichen Karriere, wie sie aus den freigegebenen KGB-Akten ersichtlich wird, vgl. Allen Weinstein/Alexander Vassiliev: The haunted wood: Soviet espionage in America – the Stalin era. New York 1999. – Noel Field wird in den Verhören vom Sommer 1954 mehrfach nach den Massings befragt.

[78] Anmerkung Noel Fields am Seitenende: »(*) Der 3. Punkt meiner Erklärung (Seite 7 oben) bezieht sich selbstverständlich nicht auf derartige ›Genossen‹, mit denen ich nach ihrem Verrat gebrochen habe.«

[79] Das Addendum Noel Fields auf der Rückseite von Blatt 9 lautet:

»Addendum zu Seite 9, achte Zeile:

als 13. Verdachtsmoment wirkte auch meine komplizierte, unabgeklärte Parteilage, das Resultat der anormalen Art meines Beitritts und des Fehlens jedes dokumentarischen Beweises auf meiner Seite, so daß meine Behauptungen als Hochstaplerei erscheinen mussten.«

[80] Ursprünglich: »gezwungen« – von Noel Field gestrichen.

[81] Ursprünglich: »besonders« – von Noel Field gestrichen.

[82] Im Original von Noel Field gestrichen.

[83] Bei diesem »Kammeragenten« handelt es sich um Sándor Cseresnyés (1909-1971), der nach 1945 bereits für einen besonderen sowjetischen Apparat die ungarische Parteispitze, aber auch die kommunistischen Remigranten aus der Schweiz beobachtete hatte und als ehemaliger Spanienkämpfer und Westemigrant ebenfalls im Zuge der Field-Rajk-Affäre im Mai 1949 verhaftet worden war und 1950 zu 6 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. In einem als »Streng geheim! Besonders wichtig!« klassifizierten internen Bericht aus der Überprüfungsphase nach Stalins Tod heißt es zu dieser nachrichtendienstlichen Kombination: »Laut den Berichten von Csereresnyés erwog Field die Möglichkeit, inwieweit man der amerikanischen Botschaft in Budapest einen Brief zukommen lassen könne, in welchem er seinen Aufenthalt in Budapest andeuten würde und die Amerikaner um Hilfe bei seiner Befreiung bitten würde. Laut Aussage von Field habe Cseresnyés diese ganze Frage initiiert und auf ihre Durchführung gedrungen.

Sándor Cseresnyés meldete diese Angelegenheit seinem Vernehmer, worauf Gábor Péter [Chef der ungarischen Staatssicherheit ÁVH – BRB] persönlich Instruktionen zur Anfertigung dieser Meldung [des Kassibers – BRB] und zu den Umständen des »Hinausschmuggelns« gab, die dann auch entsprechend durchgeführt wurden. Die von Noel Field geschriebene Meldung wurde beschlagnahmt und später offen gegen ihn benutzt und so wollte man den Genannten zu einer ehrlichen Aussage bringen. Mit der offenen Benutzung der Meldung wurde der Zelleninformator dekonspiriert und die ganze Provokation wurde für Noel Field offensichtlich.« [Alles so im ungarischen Original – BRB], »Jelentés Noel Haviland Field ügyében« [Bericht in der Angelegenheit Noel Haviland Field], unterzeichnet vom stellv. Leiter der Untersuchungsabteilung des Innenministeriums, ÁVH-Major Lajos Hullay am 5. 11. 1954, TH-Archiv, I/107-g (V-142755/7), Bl. 156-158, hier Bl. 157/158.

[84] In den Field-Dossiers ist eine zeitgenössische ungarische Übersetzung des Kassibers überliefert, die weitgehend identisch ist mit dem hier von Field erinnerten Wortlaut. Vgl. »Tárgy: Field amerikaiakhoz intézett levelének fordítása.« [Betrifft: Übersetzung des an die Amerikaner gerichteten Briefes Fields.], in: TH-Archiv, I/107-d (V-142755/4), Bl. 190.

[85] Richtig: »Dutko«, vgl. folgende Anmerkung.

[86] Im FBI-Report des Washington Field Office vom 13. 1. 1950, Titel: »Noel Haviland Field«, wird aus den Akten der Paßabteilung des State Department zitiert (Bl.1): »These files indicate that a passport was issued October 29, 1948, to NOEL HAVILAND FIELD, being Passport N° 59, issued at Praha, Czechoslovakia, by PAUL M. DUTKO. It expires October 28, 1950.« In: U.S. Department of Justice, Federal Bureau of Investigation, FOIPA-Dossier # 393284. – In den ÁVH-Dossiers wird jedoch durchgehend die falsche Schreibweise »Dudka« beibehalten, obwohl den ungarischen Untersuchungsorganen der Paß Noel Fields zur Verfügung stand.

[87] Anmerkung von Field am Seitenende: »(*) ″Third degree″ – berüchtigte Terrormethoden der amerikanischen Polizei; ich wollte damit eine Ausnützung des Zettels zu Propagandazwecken unterbinden. Ein armseliger Skrupel!«

[88] Field wurde bis zu seiner Entlassung am 17. November 1954 über das Schicksal seiner Frau Herta, die zeitweise im selben Zellentrakt untergebracht war, im ungewissen gelassen.

[89] Ein Hinweis, der dies bestätigen würde, konnte im Archiv der ungarischen Staatssicherheit bisher nicht gefunden werden.

[90] Das Addendum Fields auf der Rückseite von Blatt 12 hat folgenden Wortlaut: »Addendum zur letzten Zeile von Seite 12:

                Mein gestriger Gebrauch des Wortes ″Ernährer″ könnte zu irriger Interpretation Anlass geben. Das Wort drängte sich mir auf durch die Erinnerung daran, wie ich eben zu jener Zeit eine längere, unfreiwillige ″Hungerkur″ durchmachte. Als Ernährer schwebte mir symbolisch die bürgerliche Gesellschaft im Allgemeinen vor, sowie die Tatsache, daß ich 15 Jahre lang auf Staatskosten lebte (Regierung von Massachusetts – State Department – Völkerbund).

                Weshalb habe ich in dem Zettel neben dem Botschafter und Chargé auch Dudka genannt ? Weil ich sonst niemanden dort auch nur dem Namen nach kannte und weil mich dort niemand kannte. Es ging um meine Identifizierung und ich hoffte, daß Dudka sich vielleicht an mich erinnern würde.    <s>19. III. 54.</s>

                Als ″Referenz″ wollte ich selbst nur den <s>mit</s> mir <s>befreundeten</s> gut bekannten Gesandten in der Schweiz (früher Konsul in Genf) nennen, aber mein ″Mitgefangener″ bestand auf der Nennung von Dulles, mit der Begründung, daß es ohne die Nennung einer ″Berühmtheit″, dem Überbringer des Zettels unmöglich gelingen würde, bis zum Botschafter zu gelangen.

                Bitte, ich entschuldige nichts und will nichts abschwächen. Aber im Interesse der Abklärung dieser ganzen Affäre, ist es wichtig, den Sinn des Zettels nicht zu verdrehen.

                                                                                                              19. III. 54.«

[91] Ursprünglich: »viel« – von Noel Field gestrichen.

[92] Dr. Herbert Haviland Field (1868-1921), amerikanischer Zoologe, Biologe und Bibliograph. Er entstammte einer Familie von Neu-England Quäkern, sein Studium absolvierte er an der Harvard Universität in Boston, sowie an den Universitäten Freiburg (Schweiz), Leipzig und Paris. Sein Lebenswerk war die Gründung und Leitung des Concilium bibliographicum in Zürich (ab 1895), eines Instituts für wissenschaftliche Bibliographie, welches die Zielsetzung hatte, eine vollständige Bibliographie der damaligen weltweiten wissenschaftlichen Forschung zusammenzutragen.

[93] Nina Eschwege (1867-1947), Engländerin, Hausfrau, heiratete 1903 Herbert H. Field. Seit dem 1. Weltkrieg nannte sie sich nach ihrer Großmutter Nina Foote Field. Sie hatte ihren späteren Mann bei einem Urlaub in den Schweizer Alpen kennengelernt. Das Ehepaar lebte in Zürich, nur zur Geburt des ersten Kindes – Noel – war sie nach London zu ihren Eltern gefahren. Nach dem Tod ihres Mannes und der Übersiedlung in die USA begann sie sich zunehmend für politische Fragen zu interessieren. Hede Massing, die Nina Foote Mitte der dreißiger Jahre kennenlernte, erinnert sich an sie als »eine große, schlanke, vornehm aussehende Quäkerin. Auch sie war, genau wie Noel, ungewöhnlich. Beide waren geistige Menschen, die ihren Überzeugungen lebten, kein Durchschnitt. Ihr Lebensstandard war der des frugalen Yankees, selbständig, einfach, bescheiden, obgleich sie eine vermögende Dame war.« Hede Massing: Die große Täuschung, a.a.O., S. 165.

[94] Hermann Field (1910-2001), amerikanischer Architekt, war seit den dreißiger Jahren linker Sympathisant, jedoch nie Parteimitglied. Er wurde bei der Suche nach seinem verschwundenen Bruder am 22. August 1949 auf dem Flughafen in Warschau verhaftet und verbrachte fünfeinhalb Jahre in einer Kellerzelle ohne Sonnenlicht, zum Teil in Einzelhaft. Vgl. seinen autobiographischen Bericht: Hermann und Kate Field: »Departure Delayed«. Stalins Geisel im Kalten Krieg. Hamburg 1996.

[95] Elsie Doob war nur für kurze Zeit Mitglied der KP USA.

[96] Welche konkrete Form dieses Engagement seiner Mutter annahm, beschreibt Hede Massing in ihren Erinnerungen: »Sie [Nina Foote – BRB] hörte mir gebannt zu, wenn ich über den Faschismus in Deutschland sprach und wenn ich von Pauls Zeit im Columbia-Haus erzählte. Im allgemeinen kühl und zurückhaltend, zeigte sie eine erstaunliche Reaktion auf meine Erzählungen. Sie wollte helfen. Wie konnte sie helfen? Was konnte sie tun? [...] Innerhalb kurzer Zeit war sie zu Paul gefahren, und in einigen Monaten hatte Paul sie zu einem sehr erfolgreichen Kurier ausgebildet, der von der Schweiz aus nach Deutschland fuhr. Ein gefährliches, schwieriges Unternehmen für eine ältere Dame. Paul erzählte mir, daß sie ihre Missionen hervorragend erfüllte, und nicht nur das, sondern daß sie jedesmal voll von wichtigen Informationen über Naziaktivitäten zurückkam.« Hede Massing: Die große Täuschung, a.a.O., S. 165.

[97] Diese Aufzeichnungen sind in den zwölf Bänden der Untersuchungsakten von Noel und Herta Field nicht enthalten.

[98] Ursprünglich: »völlig« – von Noel Field gestrichen.

[99] Herta Katherine Vieser (1904-1980), stammte aus Stuttgart.

[100] Eigenhändige Anmerkung Fields am Seitenende: »(*) Diese Furcht habe ich erst im Verlauf des vergangenen Jahres endgültig überwunden.«

[101] Herbert H. Field starb am 5. April 1921.

[102] Sacco und Vanzetti-Fall: Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, zwei italienischstämmige Anarchisten aus Massachusetts, waren 1921 verhaftet worden und 1927 (obwohl sie bis zuletzt ihre Unschuld beteuerten und trotz weltweiter Bedenken) in einem umstrittenen Indizien-Prozeß wegen bewaffneten Raubes und Mordes verurteilt und später hingerichtet worden.

[103] Henry Barbusse (1873-1935), französischer Schriftsteller, der in seinen Werken hauptsächlich das Grauen des Krieges behandelte, und unter dem Eindruck seiner Kriegserlebnisse zum Pazifi­sten wurde. Er schloß sich später der kommunistischen Bewegung an. [...]

[104] Gemeint sind die u.a. von den Gewerkschaften und der KP USA in der Zeit der Depression Anfang der dreißiger Jahre organisierten Hungermärsche (National Hunger March). Im Zusammenhang mit Forderungen nach der Einführung einer Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfeleistungen für die Hungernden und Obdachlosen kam es im Dezember 1931 zu einem »Hungermarsch« in nationalem Maßstab, der am 7. Dezember 1931 in Washington eintraf. Noel Field hatte (unerkannt von seinen Kollegen im State Department) in Washington an den Protesten teilgenommen. Die spätere brutale Niederschlagung eines Sternmarsches ehemaliger Kriegsteilnehmer nach Washington durch die Truppen General Douglas MacArthurs hinterließ tiefe Spuren bei ihm.

[105] Dieser nach seinem Vorsitzenden, dem texanischen Kongreß-Abgeordneten der Demokratischen Partei Martin Dies (1901-1972) benannte Kongreß-Ausschuß war 1938 reaktiviert worden. Nach einigen vagen Anfängen – die Vorläuferausschüsse waren das Fish Committee (1930-1932) und das McCormack-Dickstein Committee (1934-1935) – wurde das Special Committee on Un-American Activities (später House Un-American Activities Committee/HUAC), inoffiziell auch Dies-Committee – ab 1938 zunehmend zu einem konservativen Konkurrenten des FBI bei der Jagd auf wirkliche und vermeintliche radicals. Diese Ausschüsse bzw. das HUAC hatten ursprünglich die Aufgabe, nazistische oder faschistische Umtriebe in den USA zu untersuchen. Unter der Leitung von Martin Dies und J. Parnell Thomas »entdeckte« das HUAC, daß der wirkliche Feind nicht rechts, sondern links stünde, von Ausländern kontrolliert werde und den New Deal als »cross between Communism and Fascism« verehre. (So: Martin Dies: The Trojan Horse in America. New York 1940, S. 362.)

[106] Die zwei Vertreter im 1933 in Washington eröffneten Büro der offiziellen KP-Zeitung »Daily Worker« waren Marguerite Young und Seymor Waldman. Die Journalistin Marguerite Young, eine Freundin des damaligen Parteivorsitzenden Earl Browder, brachte Field mit zahlreichen Gleichgesinnten zusammen; später kam er durch sie auch in Kontakt mit dem sowjetischen Nachrichtendienst. Vgl. Noel H. Field: Eigenhändig geschriebene Aussage vom 6. 7. 1954, in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 128. – Siehe auch Fußnote 39.

[107] Gemeint sind Paul und Hede Massing (früher verh. Gumperz). Vgl. Fußnote 39 und 40. – Über dieses erste Kennenlernen (bzw. in der Fachterminologie: die nachrichtendienstliche Anbahnung oder Kontaktaufnahme) schreibt Hede Massing 1967: »Ich hatte Noel und Herta Field durch Marguerite Young kennengelernt. Sie erzählte mir, daß die Kapitel von Pauls Buch ›Fatherland‹ [d.i. die englische Übersetzung seines Buches ›Schutzhäftling 880‹ – BRB], die in den ›New Masses‹ erschienen waren, in Washington grosses Aufsehen erregt hätten und viel besprochen wurden. Einigen hatte sie erzählt, daß sie die Frau des Autors kenne, wie zum Beispiel Noel Field. Er und seine Frau waren höchst begierig, mich kennenzulernen. Marguerite glaubte, daß ich sie gerne mögen würde, Herta sei eine Deutsche, und Noel sei klug und gut informiert, arbeite in der Westeuropäischen Abteilung des State Department und würde als ein ›kommender‹ junger Beamter angesehen. Das interessierte mich natürlich sehr.« Hede Massing: Die große Täuschung, a.a.O., S. 159.

[108] In diesem Punkt irrt Noel Field, was er zum Zeitpunkt der Niederschrift freilich nicht wissen konnte. Doch auch nach seiner Entlassung aus dem ÁVH-Gefängnis wurde er von den ungarischen Sicherheitsbehörden bzw. Parteiinstanzen über die wahren Hintergründe seines Falles nie aufgeklärt.

[109] Diese Aufzeichnungen sind – wie fast alle schriftlichen Zeugnisse aus der ersten Verhörperiode (Mai 1949 bis 1951) – Ende der fünfziger bis Mitte der sechziger Jahre vernichtet worden. Über seine Anwerbung durch die Massings und seine nachrichtendienstliche Arbeit berichtet Field jedoch in den Verhören im Spätsommer 1954 ausführlich; vgl. dazu das Verhör vom 23. 9. 1954, in: TH-Archiv, I/107-e (V-142755/5), Bl. 302-321.

[110] Hede Massing war bereits seit Winter 1928 die Lebensgefährtin von Paul Massing, trug jedoch noch den Namen aus ihrer zweiten Ehe mit Julian Gumperz. Erst 1936 fand die offizielle Trauung mit Paul Massing statt.

[111] Über diesen Teil der nachrichtendienstlichen Arbeit Fields heißt es in einer als »Streng Geheim!« klassifizierten Zusammenfassung einer Untersuchungskommission der USAP vom September 1962: »Den Angaben von Noel H. Field zufolge lautete sein Auftrag, laufend über seine Arbeit im amerikanischen Außenministerium zu berichten, die dort laufenden Dinge aufmerksam zu verfolgen. Field verfaßte Berichte über seine Kollegen. Er verschaffte sich den Bericht des amerikanischen Botschafters in Moskau [William C. Bullit – BRB] über die Vorbereitung und den Ablauf der im Winter 1935/36 in London stattfindenden Flottenkonferenz. Im Jahre 1936 wechselte er vom State Department zum Sekretariat des Völkerbundes, von wo er ebenfalls Berichte lieferte.« – So in: »TÁJÉKOZTATÓ JELENTÉS a Szovjetunió Kommunista Pártja Központi Bizottsága részére a személyi kultusz idején elkövetett magyarországi törvénysértésekkel kapcsolatosan.« [Informationsbericht für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bezüglich der zur Zeit des Personenkultes in Ungarn begangenen Gesetzesverletzungen], in: TH-Archiv, »Szovjet vonatkozású anyagok« [Materialien mit sowjetischem Bezug], Z/1 a.-b., Bl.2.

[112] Anmerkung Noel Fields.

[113] Diese vier »Vorgesetzten« des NKWD, die angesichts der Stalinschen Säuberungen zu »Verrätern« wurden, waren Paul und Hede Massing, Ignaz Reiss (»Ludwig«), sowie kurzzeitig Walter G. Krivitsky (d.i. Samuel Ginzberg). Während die Massings 1938 aus der Sowjetunion ausreisen konnten, trotz ideologischer Bedenken aus vornehmlich antinazistischen Motiven heraus für den NKWD weiterarbeiteten und erst ab 1946 bzw. 1951 zu ersten Aussagen gegenüber amerikanischen Behörden über ihre nachrichtendienstliche Tätigkeit bereit waren, wurde Ignaz Reiss, der im Juli 1937 abgesprungen war und in einem Brief seine Mitarbeiter aufgefordert hatte, seinem Beispiel zu folgen, im September 1937 in der Nähe von Lausanne von einem mobilen Mordkommando des NKWD erschossen. – Vgl. dazu Peter Huber: Die Ermordung des Ignaz Reiss durch die Auslandsabteilung des NKWD (1937) in: ders.: Stalins Schatten in die Schweiz. Zürich 1994, S. 343-362; sowie die Erinnerungen der Witwe von Ignaz Reiss: Elisabeth K. Poretsky: Our Own People. A Memoir of »Ignace Reiss« and his Friends. London [u.a.] 1970. – Walter Kriwitsky wurde am 10. Februar 1941 in Washington in einem Hotelzimmer erschossen aufgefunden. Vgl. dazu: Flora Lewis: Who killed Krivitsky? 25 years ago, a Soviet Master Spy was shot here; some called it suicide, others cried murder. In: Washington Post, 13. 2. 1966, und das Nachwort von Hellmut G. Haasis, in: Walter G. Krivitsky: Ich war Stalins Agent. Grafenau 1990.

[114] Im Original fälschlich »1948« – offensichtlicher Schreibfehler Fields. Die Reise der Fields durch die Sowjetunion dauerte von Ende Mai bis zum 15. Juli 1938. Vgl. dazu die tagebuchartigen Briefe aus der Sowjetunion an Familienmitglieder in den USA, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903 f. 71 ö.e., Bl. 84-97.

[115] In einer späteren Aussage – im Zusammenhang mit seinen erfolglosen Bewerbungen bei staatlichen US-Stellen nach seiner Entlassung aus dem Völkerbundsekretariat im Sommer 1940 – erwähnt Noel Field diesen »Dienst« innerhalb des State Department noch einmal: »Es ist mir nie ganz klar geworden, wie sich diese Dinge in Washington im Einzelnen abspielten. Als ich nach dem Kriege mit [Laurence] Duggan darüber sprach, gab er mir zu verstehen, dass zu jener Zeit im State Department ein geheimer Kampf um mich getobt habe: für mich waren Duggan, [Alger] Hiss und noch einige andere [...]; gegen mich eine Reihe meiner früheren Arbeitskollegen und vor allem der Leiter einer neu gegründeten Abteilung, von der man munkelte, dass sie unter einem harmlosen Schild, das Zentrum der internen Spionage (Beobachtung von State Department und Foreign Service Beamten) bilde. Ich glaube, dieser Leiter hiess Kelly, war aber nicht identisch mit dem Robert Kelly, der zu meiner Zeit die Osteuropa-Abteilung leitete.« So in: Noel Field: »Berufliche Tätigkeit. Eigenhändig geschriebene Aussage vom Juni 1954«. TH-Archiv, I/107-c (V-142755/3), Bl. 188-224, hier Bl. 205/206.

[116] Diese Aussagen bzw. Berichte sind vermutlich ebenfalls vernichtet worden. Vgl. Fußnote 25.

[117] Zu Fields Tätigkeit im Völkerbundsekretariat vgl. Flora Lewis: Bauer im Roten Spiel, Frankfurt am Main/Berlin 1965, S. 75ff.

[118] Die Fields wohnten seit Juni 1936 in der Villa »La Chotte« in Vandoeuvres. (Vgl. Mietvertrag mit Monsieur René Baezner, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903 f./1 ö.e., Bl. 4).

[119] Der Ministerpräsident der spanischen Volksfrontregierung Juan Negrín hatte am 21. September 1938 vor der Völkerbundversamlung den Beschluß seiner Regierung verkündet, alle ausländischen Freiwilligen, die auf republikanischer Seite gekämpft hatten, zurückzuziehen. Diese Ankündigung war mit dem Antrag verbunden worden, der Völkerbund möge eine internationale Kommission zur Kontrolle und Überwachung des Rückzugs bzw. der Repatriierung der ausländischen Freiwilligen einsetzen. Am 30. September 1938 beschloß der Völkerbund, diesem Ersuchen zu entsprechen. Noel Field war als Mitarbeiter des Völkerbundsekretariats von diesem gegen Ende des spanischen Bürgerkrieges, vom Oktober 1938 bis Anfang Februar 1939, als Sekretär (Zahlmeister) dieser Sonderkommission des Völkerbundes eingesetzt worden – zunächst an verschiedenen Orten in Spanien, zuletzt in der französischen Grenzstadt Perpignan. – Aus der Tatsache, daß diese Kommission die ausländischen Spanienkämpfer namentlich registrierte (was zu ihren mit der Volksfrontregierung vereinbarten Aufgaben gehörte), wurde 1949 in den Schauprozeßkonstruktionen in Budapest ein weiterer »Beweis« für die angebliche Spionagetätigkeit Noel Fields.

[120] Diese Berichte sind in den derzeit zugänglichen Unterlagen der ungarischen Staatssicherheit nicht überliefert.

[121] Vgl. dazu Fußnote 10.

[122] In einem späteren sowjetischen Bericht heißt es dazu: »Er wurde durch die amerikanische Sektion des Exekutivkommitees der Komintern als Geheimmitglied der KPUSA registriert. Aus Gründen der Konspiration erhielt er damals keinen schriftlichen Nachweis seiner Parteimitgliedschaft.« Vgl. »Sprawka« (russ.), o.D. in: »Szovjet vonatkozásu anyagok« [Materialien mit sowjetischem Bezug], in: TH-Archiv, Z/1. a-b, S.7.

[123] Zu diesem für Fields Leben, aber auch für die späteren Verwicklungen seines komplizierten Falls, entscheidenden Umstand, wird er im Sommer 1954 von ÁVH-Offizieren mehrfach ausführlich befragt. So berichtet er am 6. 7. 1954: »Wir verließen die S.U. voller Hoffnung. Alles schien geregelt. (...) Die Pariser Adresse, die man mir zur Aufnahme des Kontaktes mitgegeben hatte, stellte sich als Fehladresse heraus. Ich suchte den angegebenen Ort zwei oder drei mal auf, aber es war ein offensichtlich unbewohntes und baufälliges Haus. Es blieb uns nichts übrig als zu warten, ohne organisierte politische Tätigkeit, was uns immer mehr bedrückte.« Eigenhändig geschriebene Aussage Fields vom 6. 7. 1954, in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 142.

[124] Im ÁVH-Verhör vom 6. Oktober 1954 bezeichnet Field diesen Vertreter des NKWD als »Max«. In einer früheren Aussage erinnert sich Field an diesen Kontaktversuch des NKWD wie folgt: »Gerade um die Zeit (..) besuchte mich in Genf ein sovietischer Genosse, der mir das in Moskau vereinbarte Kennwort ›Brooks‹ nannte. Dies muss Anfang 1943, spätestens im Februar gewesen sein oder Anfang März, da es vor der Auflösung der Komintern im April desselben Jahres geschah. ›Brooks‹ teilte mir und meiner Frau mit, dass er uns schon über ein Jahr suche, dass aber irrtümlich mein Name falsch geschrieben worden sei – ich glaube ›Haviland‹ /mein Mittelname/ als Familienname. Durch meine frühere Schwägerin in Zürich [Jeanne Liebermann – BRB] sei er schließlich auf die richtige Spur gelangt. Alles sei parteimässig in Ordnung, d.h. er könne uns definitiv unsere Aufnahme in die Partei bestätigen« Noel H. Field: Eigenhändig geschriebene Aussage vom 6. 7. 1954, in: Ebenda, Bl. 173.

[125] In Fields Aussage vom 6. 7. 1954 heißt es dazu: »Er [der Kontaktmann des NKWD] sei gekommen, um unsere zukünftige Arbeit mit uns zu besprechen. Dabei stellte es sich heraus, dass er von meiner neuen Tätigkeit keine Ahnung hatte, sondern annahm, dass ich wie in der VB-Zeit [Arbeit im Völkerbundsekretariat – BRB] nur bürgerliche und amtliche Kontakte habe. Sobald ich von meiner Parteiarbeit zu sprechen begann, verlangte er von mir den raschesten Abbruch all dieser Beziehungen und die Wiederaufnahme meiner früheren Tätigkeit [gemeint ist die nachrichtendienstliche Arbeit – BRB], mit entsprechender Lebenshaltung (eigenes Haus, Bedienstete, u.s.w.), wofür mir die Mittel zur Verfügung gestellt würden.« in: Ebenda, Bl. 173.

[126] Im Original »Berz« (was im weiteren Text stillschweigend berichtigt wurde) – d.i. der führende KPD-Funktionär Paul Bertz (1886-1950), den Field in der Schweiz nur unter seinem Decknamen »Johann« kannte. Bertz hatte 1937-1939 im Pariser Sekretariat der KPD-Auslandsleitung das Schlüsselressort als Kaderchef und Abwehrleiter inne, d.h. er war u.a. verantwortlich für die Kaderauswahl und Absicherung von Kurieren und Verbindungsleuten (bzw. Quellen in Deutschland) aller Abschnittsleitungen der KPD. Nach der bei Kriegsausbruch erfolgten Internierung der meisten KPD-Emigranten in Frankreich (Bertz war zuletzt in Le Vernet interniert) gehörte er mit seiner umfangreichen Personenkenntnis zu den gefährdetsten KPD-Kadern, weshalb im Sommer 1940 seine Flucht in die Schweiz organisiert wurde (mit dem französisch sprechenden Leo Bauer als Begleiter). Paul Bertz war – als ranghöchster KPD-Emigrant in der Schweiz – ab Juli 1940 inoffizieller Leiter der KPD-Emigration in der Schweiz. – Zum engen, freundschaftlichen Verhältnis zwischen Bertz und Field vgl. u.a. den letzten Brief von Paul Bertz aus der Schweiz an Noel Field »im August 1944« in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL, 903f./33 ö.e., Bl. 528., auch zitiert in: Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«. Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker. Berlin 1994. S. 110-111. Der Brief befand sich im Nachlaß von Paul Bertz, der im Zuge der ZPKK-Untersuchung in der »Angelegenheit Field« am 19. April 1950 in seiner Wohnung in Chemnitz (vermutlich) Selbstmord begangen hatte, nachdem ihm die Anklagepunkte zur Field-Angelegenheit vorgelegt worden waren. Wie die ZPKK vermerkte, »entzog [er] sich so seiner Verhaftung«. SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/108 u. 149. Als offizielle Todesursache wurde Herzversagen angegeben. Zur Biographie von Paul Bertz siehe: Müller-Enbergs et. al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Berlin 2000.

[127] Dieser Brief war das Ergebnis der erwähnten Beratung Noel Fields mit Paul Bertz. »Dieser [Paul Bertz – BRB] gab mir den Rat, einen Brief an das EKKI zu schreiben und den sovietischen Genossen zu bitten, ihn zu überbringen. In diesem Brief solle ich meine jetzige Arbeit und meine völlig veränderte Lage beschreiben und das EKKI bitten, mir nach Berücksichtigung der berichteten Tatsachen, Anweisungen zu geben, die ich dann gewissenhaft auszuführen bestrebt sein würde.« Eigenhändig geschriebenen Aussage Fields vom 6. 7. 1954, in: TH-Archiv, I107-i (V-142755/9), Bl. 173-174.

[128] Ursprünglich: »beschrieb« – von Noel Field gestrichen.

[129] Ursprünglich: »Ich bewahrte« – von Noel Field gestrichen.

[130] Der vom 21. Mai 1943 datierte Beschluß über die Auflösung der Komintern wurde offiziell am 22. Mai 1943 bekanntgegeben. Bereits am 15. Mai 1943 hatte Stalin dem Reuters-Korrespon­denten in Moskau ein Interview zur Liquidierung der Komintern gegeben. Vgl. zum Gesamtkomplex auch: Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933-1943. Band 1 und 2. Hrsg. von Bernhard H. Bayerlein, Wladislaw Hedeler u.a. Berlin 2000, Bd. 1, S. 690-695.

[131] Der Brief wurde versiegelt bei einer halb erblindeten Schweizer Genossin (Dora Staudinger, vgl. Fußnote 163) hinterlegt, der Chiffre-Schlüssel wurde von Herta Field in einen alten Schlafrock eingenäht. (Vgl.: Eigenhändig geschriebene Aussage Fields vom 6. 7. 1954, a.a.O., Bl. 174. Zu Dora Staudinger vgl. auch ebenda, Bl. 149.

[132] Maria Weiterer (1899-1976), KPD-Funktionärin. Zu biographischen Angaben siehe: H. Müller-Enbergs et al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2000.

[133] »Ich schrieb diesen Brief mit der Hilfe von Mia [Weiterer], die ihn dann chiffrierte – d.h., sie ersetzte alle politischen Ausdrücke durch Nummern, die in einem separaten Schlüssel erläutert wurden. Ich sollte dem sovietischen Genossen sowohl Brief wie Schlüssel übergeben und ihm die Art der Übermittlung überlassen.« Eigenhändig geschriebene Aussage Fields vom 6. 7. 1954, a.a.O., Bl. 174.

[134] Vgl. dazu den zusammenfassenden Bericht der Abteilung Auswertung der schweizerischen Bundesanwaltschaft vom 4. 12. 1967, in dem es u.a. heißt: »Über Noel Fields Verbindung zur illegalen KP der Schweiz führte Humbert-Droz aus, dieser habe sich während des Krieges an ihn gewandt und ihm versichert, er sei ›ein überzeugter Kommunist und ein russischer Agent‹. Nach Rückfrage in Moskau habe er Field in die KP der Schweiz aufgenommen. Field habe als treuer Kommunist auf ausdrückliches Verlangen Moskaus den in Not geratenen militanten Kommunisten geholfen.« Bundesanwaltschaft Auswertung (Riehme): »Bericht über Jules Humbert-Droz und seine politische Tätigkeit«, Bern, 4. 12. 1967, in: Schweizerisches Bundesarchiv Bern (im weiteren BAR Bern), E 4320 (B), 1975/40 Bd. 2, C.8.118 (Dossier Humbert-Droz), o. pag. – In einem Begleitschreiben des Berichterstatters Riehme an den Chef der Bundespolizei Dr. André Amstein vom 4. 12. 1967 heißt es: »Über Humbert-Droz’ Beziehungen zu hohen sowjetischen Parteifunktionären befinden sich keine Angaben in den Akten. Die Angaben über Noel Field stammen aus einem Zeitungsartikel.« Riehme an Dr. Amstein, 4. 12. 1967, in: Ebenda, o. pag.

[135] Gleichzeitig mit Noel Field wurde auch seine Frau Herta (unter dem Namen »Senta Wolf«) in die illegale Kommunistische Partei der Schweiz aufgenommen. Aus Gründen der Konspiration erhielten sie keine Parteibücher, sondern zahlten ihre Mitgliedsbeiträge über den mit ihnen befreundeten Salomon (Sali) Liebermann. Vgl. Brief von Noel Field »An die zuständigen Genossen« der MSZMP, Budapest, 9. 4. 1957, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903 f./1 ö.e., Bl. 7.

[136] Jules Humbert-Droz wurde, nach Konflikten mit der Moskauer Komintern-Zentrale, 1942 als Parteivorsitzender durch Karl Hofmaier (1897-1988) abgelöst und mußte sich von jeder Parteiarbeit fernhalten. Mitte 1943 wurde er, da er sich einer Aufforderung Dimitroffs widersetzte, denunziatorische Berichte über die neue Parteileitung der KPS nach Moskau zu liefern, von Karl Hofmaier (dem er empört über Dimitroffs Ansinnen berichtet hatte), wegen »Verletzung der Parteidisziplin« ausgeschlossen. Hofmaier selbst wurde im Juli 1947 nach einem Finanzskandal ausgeschlossen. Vgl. dazu u.a.: »Das Urteil im Prozess um ›Hofmaiers Millionen‹«, in: Neue Zürcher Zeitung, 25. 11. 1948; Karl Hofmaier: Memoiren eines schweizer Kommunisten 1917-1947. Zürich: rotpunkt, 1978, und: Humbert-Droz, Jules: Dix ans dans la lutte anti-fasciste: Les Mémoires de Jules Humbert-Droz, 1931-1941. Vol. 3. Neuchâtel: A la Baconnière, 1972.

[137] Offenbar hat Field – so wie vorher schon gegenüber Georg Stibi und Maria Weiterer – auch Paul Merker gegenüber die »Massing-Episode« nur unvollständig wiedergegeben und seine frühere (wichtigere) Spionagearbeit für die Massings im State Department verschwiegen. Paul Merker erinnerte sich 1966 im Gespräch mit Wolfgang Kießling: »Field wußte, daß Paul und Hedwig Massing Verbindungsleute zu sowjetischen Behörden [damit ist das NKWD gemeint - BRB] waren, als er ihnen das unbedeutende Völkerbundsmaterial überließ. Man wollte ihn nur testen, ob er für geheime Dienste taugt. Er hat die Probe nicht bestanden. Der Beweis? Er hat mir, Stibi und anderen von der versuchten Verführung erzählt. Außerdem wäre Field, trotz seines bei anderen Gelegenheiten bewiesenen Mutes, für solche Aufgaben viel zu nervös gewesen. Aber, ich sagte es ihm, wundern dürfe er sich nicht. Nach Herkunft und Bildung und mit seinen Karrierechancen im Staatsdienst sei er eine Idealgestalt für die geheime Mission gewesen. Doch jetzt, als Absender von Lebensmittelpaketen an unliebsame Ausländer sei sein Wert bei denen, die etwas von ihm wollten, rapide gesunken.« Zitiert nach: Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 51.

[138] Gemeint ist die politisch motivierte Entlassung Fields aus dem USC im August/September 1947.

[139] Im Original »Bermann« - d.i. Jakub Berman (1901-1984), polnischer KP-Funktionär, seit 1924 Mitglied der KP Polens, ab 1928 ZK-Mitglied; nach 1939 Emigration in die UdSSR, Direktor der politischen Sektion der Kominternschule, Führungsmitglied der polnischen Emigrationsgruppe, 1944 Rückkehr nach Polen; Berman galt als zweiter Mann der polnischen Führungstroika Bierut-Berman-Minc, war im Politbüro verantwortlich für Ideologie, Kultur, Propaganda und Staatssicherheit. - In den Field-Untersuchungsakten befindet sich eine Kopie dieses Schreibens vom 9. September 1948 (»Streng geheim: Kurze Parteigeschichte von Noel H. Field« [deutsch]) und die ungarische Übersetzung des in französisch verfaßten Begleitbriefs an Jakub Berman. Vgl. TH-Archiv, I/107-b (V-142755/2), Bl. 179-182. Vgl. zu dieser Episode auch die spärlichen Auskünfte Bermans im Interview mit Teresa Toranska in: dies.: Die da oben. Polnische Stalinisten zum Sprechen gebracht. Köln 1987, S. 321ff.

[140] Im Original »Durac«, d.i. Anna Duracz (1923-1976), polnische Kommunistin, Säuberungsopfer; sie war während des Krieges in der kommunistischen Untergrundbewegung tätig, wurde 1943 von der Gestapo verhaftet und in ein KZ eingeliefert; nach 1945 Sekretärin von Jakub Berman; im Zusammenhang mit der Field-Affäre 1949 verhaftet und schwer gefoltert, wurde sie 1954 entlassen und rehabilitiert; emigrierte 1968 wegen der antisemitischen Kampagne in Polen nach Schweden, später nach Israel.

[141] Max Bedacht (1883-1972), einer der Gründer der KPUSA; geb. in München, ging 1901 in die Schweiz, wo er als Barbier arbeitete und Mitglied der Sozialistischen Partei wurde; wanderte 1908 in die USA aus, wo er sich der German Socialist Movement anschloß, war Herausgeber deutschsprachiger sozialistischer Zeitungen in Detroit und San Francisco; schloß sich ab 1919 der kommunistischen Bewegung an und war Anfang der 20er Jahre amerikanischer Vertreter im Exekutivkomitee der Komintern in Moskau (Deckn. »Marshall«); in den 20er Jahren gehörte er zur Lovestone-Fraktion, wurde später im Sekretariat der KP von Earl Browder abgelöst, ab 1930 leitete er die Abt. Agitation und Propaganda der KPUSA; er wurde zunehmend zu einer »grauen Eminenz« im illegalen »Apparat« der Partei (Nachrichtendienst der KPUSA) unter Leitung des Ungarn József Péter (in der Literatur oft fälschlich als J. Peters bezeichnet) involviert, u.a. als Verbindungsmann und Werber des sowjetischen Nachrichtendienstes; er rekrutierte u.a. Whittaker Chambers für die Untergrundarbeit der KP. Vgl. dazu Harvey Klehr/John Earl Haynes/ Fridrikh Igorevich Firsov: The Secret World of American Communism. New Haven/London, 1995, S. 25/26.

[142] Leo Bauer (1912-1972), KPD/SED-Funktionär, Mitglied der KPD seit 1932, Funktionär des M-Apparates, 1933 Emigration über Prag, nach Frankreich; war in Paris u. Prag zuständig für Flüchtlingsfragen; nach Internierung in verschiedenen Lagern in Frankreich, flüchtete er im Juli 1940 aus einem Lager bei Nimes, und brachte den KPD-Spitzenfunktionär Paul Bertz im Parteiauftrag in die Schweiz; lebte in Genf unter der Identität des Bankangestellten Paul-Eric Perret; Teilnahme an der Widerstandsbewegung und »Spezialarbeit«; gehörte zu den engsten Parteikontakten Noel Fields in der Schweiz; wurde im Herbst 1942 von der Bundespolizei festgenommen u. verurteilt (vgl. dazu ausführlicher Fußnote 173); nach 1945 war er u.a. Vorsitzender der KPD-Fraktion im Hessischen Landtag, nach einem Autounfall ab 1947 zur Genesung in der SBZ, Chefredakteur des Ost-Berliner »Deutschlandsenders«; er wurde am 23. August 1950 im Zusammenhang mit der Field-Affäre verhaftet und im Dezember 1952 zusammen mit Erica Glaser von einem sowjetischen Gericht in Ost-Berlin wegen Spionage zum Tode verurteilt, im Sommer 1953 in Moskau zu 25 Jahren Arbeitslager begnadigt; im Oktober 1955 wurde er entlassen und kehrte in die Bundesrepublik zurück; war zunächst Redakteur beim »Stern«, später als SPD-Mitglied Chefredakteur der Zeitschrift »Die Neue Gesellschaft«, zuletzt Berater von Bundeskanzler Willy Brandt. - Zum gesamten Komplex vgl. Leo Bauers Bericht »Die Patei hat immer recht«. Bemerkungen zum geplanten deutschen Rajk-Prozeß (1950), In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung »Das Parlament« B XXVII/56 vom 4. Juli 1956, S. 405-419.

[143] Bereits im August 1948 war Fields Name in den Befragungen vor dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) erwähnt worden. Im Oktober 1948 hatte Whittaker Chambers vor dem HUAC über die Verbindung zwischen Alger Hiss und Noel Field ausgesagt. Vgl. dazu u.a. New York Times, 14. 10. 1948: »Secret Files Tell of New Red Group«.

[144] George Shaw Wheeler (1908-?), Ökonom, war zwischen 1934 und 1942 einer der Wirtschaftsberater von US-Präsident F. D. Roosevelt, ab 1942 Major in der US Army; 1945 Chef der Entnazifizierungsabteilung der U.S.-Militärregierung in Deutschland. Nach Angriffen durch das HUAC flüchtete er 1947 in die CSR, wo er politisches Asyl erhielt; Autor zahlreicher antiwestlicher Propagandawerke zu ökonomischen Themen, ab 1963 korr. Mitglied der tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften.

[145] In einer späteren Aussage kommt Noel Field auch auf die möglichen Hintergründe für die überraschende Lösung seines Paßproblems zu sprechen: »Er [George Wheeler - BRB] vermute, dass Dudka ein Sympathisant sei. Ich ging also zu Dudka und bekam ohne die geringste Schwierigkeit einen neuen Pass, wobei mir Dudka überhaupt keine politischen Fragen stellte. Entweder hatte er meinen Namen in der Presse nicht vermerkt, oder es war, wie Wheeler meinte, ein absichtliches Durchschlüpfenlassen meinerseits.« Noel Field: »Geschichte meiner politischen Tätigkeit.« Aussage vom 6. Juli 1954, TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 215.

[146] Ein früherer kommunistischer Kurier, J. B. Matthews, hatte in seiner Aussage vom 7. November 1938 vor dem »Dies-Komitee für unamerikanische Umtriebe« Noel Field als einen ihm bekannten Kommunisten erwähnt. Vgl. dazu: Matthews testimony, Nov. 7, 1938, HUAC, vol. 3 (1939), p. 2172. Matthews wurde bald darauf einer der leitenden Untersuchungsbeamten des HUAC.

[147] Der Vorgesetzte Fields im Völkerbundsekretariat war der griechische Diplomat Thanassis Aghnides.

[148] Laurence Duggan (Deckn. »19«, »Frank«, »Prinz«), seit 1930 Beamter des U.S. State Department, wurde eine der engsten Freunde Noel Fields in Washington. Ebenfalls von Hede Massing angeworben war er in den dreißiger und vierziger Jahren eine der wichtigen Quellen der New Yorker »illegalen« NKWD-Residentur unter Boris Basarow und Ischak Achmerow; er war 1938-45 Staatssekretär im State Department. Duggan wurde in der Vorbereitungsphase des 1. Prozesses gegen Alger Hiss vom FBI vernommen. Am 20. Dezember 1948 wurde in New York sein zerschmetterter Körper auf dem Vordach unterhalb seines Büros im sechzehnten Stock eines Hochhause an der Fifth Avenue gefunden; es blieb unklar, ob es sich dabei um Selbstmord, Mord oder einen Unfall gehandelt hatte.

[149] Dr. Charles R.[hind] Joy (1885-1978), Pfarrer der Unitarischen Kirche, Vizepräsident der American Unitarian Association, leitete 1941 zunächst das europäische USC-Hauptquartier in Lissabon, war später geschäftsführender Direktor der USC-Zentrale in Boston/Mass.

[150] YMCA = Young Men’s Christian Association.

[151] Laut Flora Lewis, der Unterlagen des USC zur Verfügung standen, betrug das Jahreseinkommen für Noel und Herta Field zusammen in dieser Zeit 5750 Dollar. »Für meinen und meiner Frau Lebensunterhalt (später, in Genf, auch noch für Erica) musste ich aus dem allgemeinen Hilfsgeld nach meinem Gutdünken die nötigen Summen abzweigen. [...] Nicht nur von den Vertretern des Boston Hauptquartiers, sondern auch von manchen Genossen wurden wir wegen unserer eines ›Direktors‹ unwürdigen Lebenshaltung kritisiert. Aber die anormale Art unserer Bezahlung machte uns die Sache zur Gewissensfrage; denn jeder von uns persönlich ausgegebene unnötige Dollar bedeutete tatsächlich Diebstahl an den Flüchtlingen.« Noel Field, eigenhändig geschriebene Aussage vom 23. Juni 1954, in: TH-Archiv, I/107-c (V-142755/3), Bl. 211.

[152] Ursprünglich: »kurze« – von Noel Field gestrichen.

[153] Dieses erste Büro befand sich in der Rue Fortune.

[154] Gemeint ist The Christian Register, die Monatszeitschrift der American Unitarian Association (Boston/Mass.).

[155] Im Original »Stephan Fritchman«, d.i. Stephen H. Fritchman (1902-1981), Studium an der University of Pennsylvania und an der Ohio Wesleyan University, Reverend der Unitarian Church, war 1938-1947 Leiter der Jugendarbeit der American Unitarian Association (AUA) in Boston / Mass., gleichzeitig 1942-1947 Herausgeber der AUA-Zeitschrift The Christian Register. Nach einer heftigen Kontroverse um seine Person innerhalb der Bostoner Zentrale der Unitarian Church (»the Fritchman crisis«) - ihm war u.a. vorgeworfen worden, eine prokommunistische, die sowjetische Politik unterstützende Linie in der konfessionellen Zeitschrift zu verfolgen -, gab er Ende 1947 seinen Rücktritt bekannt. Er übersiedelte nach Los Angeles und wurde Minister der First Unitarian Church of Los Angeles, ein Amt, welches er bis zum Ruhestand 1969 bekleidete. Vgl. auch seine Autobiographie: Stephen H. Fritchman: Heretic. A Partisan Autobiography. Boston 1977.

[156] Dr. Robert Cloutman Dexter (1887-1955), Harvard-Absolvent, Soziologe, bis 1940 Direktor der Abteilung für soziale und internationale Beziehungen der American Unitarian Association (AUA) in Boston/Mass. Er war 1938 und Anfang 1940 von der Unitarian Association in das besetzte Europa geschickt worden (u.a. in die Tschechoslowakei), um die allgemeine Situation zu studieren und über die Notwendigkeit bzw. die Möglichkeiten, gefährdeten Menschen zu helfen, zu berichten. Die von Dexter gelieferten Berichte erschütterten die Amerikaner zutiefst und führten im Mai 1940 zur Gründung des USC, dessen europäisches Hauptquartier sich zunächst in Lissabon befand. Dexter war 1941 bis 1944 (zusammen mit seiner Frau Elizabeth) Leiter des USC-Büros in Lissabon, arbeitete ab 1942 auch für das OSS und wurde 1944 Attaché der US-Botschaft in Lissabon; anschließend bekleidete er hohe Funktionen in kirchlichen Organisationen (so war er u.a. 1946-48 Generalsekretär der World Alliance for Friendship through the Churches).

[157] Herta Jurr-Tempi (genannt »Jo«), als Herta Sommerfeld 1907 in Berlin geboren, war KJVD/KPD-Funktionärin in Berlin, in erster Ehe mit dem KPD-Funktionär Werner Jurr verheiratet; sie arbeitete vor 1933 illegal in verschiedenen Ländern für einen der Komintern-Apparate (Deckn. »Maria Sorn«, »Karin Bergeron«); ab 1933 arbeitete sie illegal für die KPD in Deutschland (Partei-Deckn. »Johanna«), emigrierte 1935 nach Paris und war später Sekretärin von Willi Münzenberg bzw. Mitarbeiterin im von Münzenberg geleiteten »Rassemblement Universal de la Paix« (RUP); erwarb 1938 durch eine Paßehe mit dem Franzosen Raoul Tempi die französische Staatsbürgerschaft; nachdem Münzenberg im Mai 1938 aus dem ZK der KPD ausgeschlossen bzw. im April 1939 sein Ausschluß aus der KPD bekannt gegeben worden war, blieb ihre Parteimitgliedschaft eine zeitlang ungeklärt, sie arbeitete jedoch weiter im RUP. Die Fields lernte sie im Herbst 1940 in Genf kennen, ab 1941 entwickelte sich aus dieser Bekanntschaft eine enge Freundschaft; sie arbeitete mit ihnen in Toulouse und Marseille im Rahmen der USC-Hilfstätigkeit zusammen, war gleichzeitig für die Résistance als Kurier tätig. Großen Anteil hatte sie u.a. an der Rettung hunderter jüdischer Kinder, die sie illegal aus Südfrankreich in die Schweiz brachte. Ab Herbst 1944 war sie wieder im befreiten Paris und wurde von Noel Field (in Absprache mit der KPD-Leitung in Paris) ab 1945 zur Leiterin der USC-Filiale in Paris ernannt. Auch sie wurde – ähnlich wie Noel Field – im Sommer 1947 aus politischen Gründen aus dem USC entlassen. Im Herbst 1949 wurde sie wegen ihrer Kontakte zu Noel Field als »Trotzkistin« aus der französischen KP ausgeschlossen. Vgl. dazu das Dossier der Schweizer Bundesanwaltschaft, BAR Bern, E 4320 (B) 1991/243, Bd. 84, Dossier C.13.1079 »Tempi-Sommerfeld Herta 1907« (1939-1959). Zu ihrer politischen Arbeit vgl. auch: Flora Lewis: Bauer im Roten Spiel, a.a.O., S. 111ff., und: Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 116-118 und 128ff.

[158] In Klammern gesetzte Anmerkung Fields.

[159] Im Original falsch: Strunski. Vgl. »Confidential Report« von Charles R. Joy an Noel Field, 24. 7. 1946, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903f./33 ö.e., Bl. 161.

[160] Zur Geschichte und den Aktivitäten des 1940 eingerichteten New Yorker »Emergency Rescue Committee«, dessen Vertreter in Frankreich der damals 33-jährige Historiker und Journalist Varian Fry war, der in Marseille das »Centre Américain de Secours« (CAS) leitete, vgl. dessen Erinnerungen: Varian Fry: Surrender on Demand. New York 1945; deutsch: Auslieferung auf Verlagen. München, Wien 1986. Das ERC schloß sich 1942 mit der International Relief Association zum International Rescue and Relief Committee (IRRC) zusammen und konzentrierte sich vor allem auf die Rettung prominenter, demokratisch gesinnter Künstler, Schriftsteller und Politiker (u.a. Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Marc Chagall, Max Ernst). Zur ERC-Arbeit vgl. die Darstellung von Wolfgang D. Elfe: Das Emergency Rescue Committee, in: Spalek, John M. / Strelka, Joseph (Hrsg): Deutsche Exilliteratur seit 1933. Bd. I. Bern, München 1976, S. 290-293. sowie: Hans-Albert Walter: Deutsche Exilliteratur 1933-1950. Bd. 3. Stuttgart 1988, S. 318-342 und 358-372.

[161] Gemeint ist das »Centre Américain de Secours«, vgl. Fußnote 123.

[162] Ursprünglich: »antifaschistischer« – von Noel Field gestrichen.

[163] Anmerkung Noel Fields am Seitenende: »(*) Das Joint Antifascist Committee wurde während der Truman-Reaktion vom Congress verfolgt und seine leitenden Persönlichkeiten zum Gefängnis verurteilt, darunter der bekannte Schriftsteller Howard Fast.« – Howard Fast (*1914) eigtl. Howard Melvin (weiteres Ps.: Walter Ericson), amerikanischer Schriftsteller, schrieb vor allem historische Romane und Biographien; seit 1943 Mitglied der KP USA, opferte er für die KP sein als Schriftsteller erworbenes Vermögen und nahm auch Gefängnishaft auf sich: 1946 wurde Fast als erster prominenter Schriftsteller in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des »Joint Anti-Fascist Refugee Committee« vor das HUAC geladen und 1950 wegen »antiamerikanischer Tätigkeit« zu einer Gefängnisstrafe verurteilt; im Wahlkampf 1952 war er Kandidat der KPUSA, 1953 wurde er mit dem Stalin-Friedenspreis ausgezeichnet. Ende 1956 sagte er sich öffentlich vom Kommunismus los. Vgl. dazu Howard Fast: The naked god. The writer and the Communist Party. New York 1957.

[164] Dr. med. René Zimmer, Elsässer, verheiratet mit einer Jüdin. Er war ab Juni 1941 Leiter der vom USC getragenen Poliklinik in Marseille. Nach Noel Fields Abreise aus Marseille unterstützte er weiterhin illegal jüdische Emigranten mit Geldmitteln. Vgl. auch die Aussage von Willi Kreikemeyer in der MfS-Haft, zit. in: Wolfgang Kießling: »Leistner ist Mielke«, Berlin 1999, S. 162.

[165] Ursprünglich: »Kurze Zeit darauf« – von Noel Field gestrichen.

[166] Anmerkung Noel Fields am unteren Seitenrand: »(*) Siehe Addendum auf der Gegenseite.«

[167] Nachträgliche Anmerkung von Noel Field. – Nach dem Korrekturlesen am letzten Tag der Niederschrift (24. März 1954) wurde ihm sein Irrtum in Bezug auf die Berg-Hérois-Episode bewußt, den er in der »Korrektur vom 22. März 1954« richtigstellte. Siehe S. 30

[168] Anmerkung Noel Fields hinter dem Addendum: »(*) Im August 1944 machte ich eine erste kurze Reise in das von den Partisanen befreite Alpengebiet, wo ich meine ›militärische‹ Feuertaufe erlebte: Mit einer kleinen Partisanengruppe gelangte ich aus Versehen in deutsches Gebiet; es folgte: Flucht im Auto; Umkippen des rasenden Wagens an einer Straßenkrümmung; langes Dahinkriechen durch Feld und Sumpf unter mehrmaliger Beschießung durch ein deutsches Flugzeug. Ich kam mit Schürfungen und einer Kopfverletzung davon.«

[169] Nachträglich von Noel Field eingefügt.

[170] Anmerkung Noel Fields am Seitenende: »(*) Aber siehe hierzu die Korrektur auf der Rückseite von S. 31!«

[171] Die Centrale Sanitaire Suisse (CSS), auch »Schweizer Ärztehilfe« genannt, wurde von der KP der Schweiz (vermutlich im Komintern-Auftrag) 1937 als linke Ärzte-Hilfsorganisation im Zusammenhang mit der »Spanienhilfe« gegründet. Vgl. dazu die Selbstdarstellung: Von der Spanischen Republik zu den Partisanen Titos. Bericht über die Arbeit der Centrale Sanitaire Suisse in den Jahren 1937-1945, Zürich 1945.

[172] Dr. Hans von Fischer (1900-1961), Arzt, Mitglied der Schweizer KP, Mitbegründer und erster Leiter der Centrale Sanitaire Suisse (CSS), die teilweise vom Apparat Walter Krivitskys als legale Abdeckung benutzt wurde. Laut einer Analyse des französischen Auslandsnachrichtendienstes (verfaßt ca. 1948/1949) fungierte die CSS auch als Geldwaschanlage der Komintern. Vgl. SAPMO-BArch DY 30/IV 2/4/106.

[173] Siegfried Rädel (1893-1943), KPD-Funktionär, Mitglied des ZK der KPD und 1924-33 Mitglied des Reichstags, leitete ab 1936 die KPD-Abschnittsleitung Süd in der Schweiz, wurde Ende 1936 in Zürich verhaftet und nach Frankreich ausgewiesen; dort bis 1939 Leiter der KPD-Emigration, ab Oktober 1939 in Le Vernet interniert, von dort 1942 nach Deutschland ausgeliefert, 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Zu seiner Biographie vgl. Elfriede Fölster / Maria Weiterer: Siegfried Rädel. Aus seinem Leben. Berlin 1980. – Maria Weiterer war seit 1928 die Lebensgefährtin Siegfried Rädels, der seitdem von seiner Ehefrau, die auch nach seiner Flucht in Deutschland blieb, getrennt lebte.

[174] Gemeint ist: Hilda Maddalena, KPD-Mitglied, Frau des KPD-Reichstagsabgeordneten Max Maddalena; sie emigrierte in die Schweiz, dann nach Frankreich, war 1939/40 im Fraueninternierungslager Rieucros interniert; gelangte Anfang 1942 nach Mexiko.

[175] Max Maddalena (1895-1943), KPD-Funktionär, Reichstagsabgeordneter und Gewerkschafter, ab 1932 in Moskau, ab 1935 illeg. in Deutschland, März 1935 in Berlin verhaftet, 1937 vom VGH zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, Oktober 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden an einer Magenerkrankung gestorben. Zur Biographie vgl.: Weber, Hermann: Die Wandlung des deutschen Kommunismus, Frankfurt/M. 1960, Bd. 2., S. 212, und: Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Düsseldorf ³1994.

[176] Diese Bestätigung gab der damalige Vorsitzende der Schweizer KP, Karl Hofmaier, schriftlich an die zuständigen KPD-Funktionäre Paul Merker und Lex Ende. Hofmaier schrieb, Noel Field »sei Kommunist, vertrauenswürdig und absolut zuverlässig.« Dies wurde auch durch den für die französische Schweiz zuständigen KPS-Verantwortlichen, Léon Nicole bestätigt. Vgl. Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 43. – Ausführlicher zu den ersten Kontakten Noel Fields mit Maria Weiterer, Hilda Maddalena, Henny Stibi und anderen KPD-Emigranten in Südfrankreich siehe: Vernehmungsprotokoll des MfS-Häftlings Paul Merker vom 12. Dezember 1952, BStU UA 192/56, Bd. 1, Bl. 107-108.

[177] Dazu Noel Field in einer späteren Aussage: »Um Merkers Ausreise nach Mexiko zu ermöglichen, vereinbarte ich mit meinem Kontakt in der Präfektur (Mme. Esmiol, Leiterin der Ausreiseabteilung), dass sie, wenn sich Merker mit verändertem Gesicht - er ließ [sich] einen Bart wachsen - und mit falschen Papieren bei ihr erscheinen würde, sie ihm ohne Fragen zu stellen das Ausreisevisum erteilen würde, was auch geschah.« Eigenhändig geschriebene Aussage Noel Fields, 6. Juli 1954 (»Geschichte meiner politischen Tätigkeit«), in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 155. Paul Merker konnte Marseille unter dem Namen »Siegmund Ascher« am 4. Mai 1942 auf der »Guinée« Richtung Lissabon und Mexico verlassen. Vgl. zum gesamten Komplex auch Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 73-75.

[178] Henny Stibi, geb. Piepenstock (1902-1982) KPD-Funktionärin, 1937-39 Mitarbeiterin der Komintern-Kaderabteilung in Moskau, dort u.a. Sekretärin von Wilhelm Pieck u. Walter Ulbricht, ab 1939 in Paris, kontrollierte im NKWD-Auftrag den Kaderchef des ZK in der Pariser Auslandsleitung der KPD, Paul Bertz; sie war 1940 für 7 Monate in den Lagern Gurs und Bompard interniert; den Auftrag, die Verbindung zu Noel Field – die bisher durch Maria Weiterer gehalten worden war - zu übernehmen, erhielt sie im Mai 1941 von Paul Merker; sie führte diesen Parteiauftrag bis zu ihrer Ausreise nach Mexiko im Oktober 1941 aus, dann übernahm Willi Kreikemeyer diese Verbindungsarbeit. Vgl. dazu u.a. den für die ZPKK unmittelbar nach dem Rajk-Prozeß gefertigten Bericht von Henny Stibi vom 21. November 1949: »Betr.: Field in Marseille im Jahre 1941«, in: SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/112, Bl. 108-111, sowie ihre Befragung durch die ZPKK vom 31. Mai 1950 in: ebenda, Bl. 112-114.

[179] Im Original »Kreikemeier«, was im weiteren Text stillschweigend berichtigt wurde. – Willi Kreikemeyer (11. 1. 1894 – angebl. 31. 8. 1950), KPD-Funktionär aus Magdeburg, Parteifunktionär u.a. in Nordbayern, Mecklenburg, Hannover und Danzig, emigrierte 1933 im KPD-Auftrag in die Schweiz, arbeitete illegal im Saargebiet, in Frankreich, kämpfte ab 1936 in den Internationalen Brigaden in Spanien (Deckn. »Viktor«), war Kapitän und Politkommissar der XI. Brigade, später Chefadjutant der Kaderabteilung aller Brigaden; erhielt im August 1938 den ZK-Auftrag zur Grenzarbeit in Luxemburg und Belgien; war 1939/40 in Le Vernet interniert; ab Oktober 1941 im KPD-Auftrag der Kontaktmann zu Noel Field, über den die Unterstützungsgelder des USC flossen, sowie alle Nachrichten zwischen der KPD-Leitung in Frankreich bzw. der Schweiz liefen. Nach 1945 war er u.a. Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn in der SBZ bzw. der DDR. In der Zeit der »Parteisäuberungen« ab 1949 wurde ihm der Kontakt zu Noel Field und die Kenntnis der Namen der vom USC unterstützten illegalen KPD-Emigranten zum Verhängnis. (Finanzielle Unterstützung durch das USC erhielten z.B. der in Frankreich illegal lebende spätere Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, der in sowjetischen Diensten stehende spätere Vertrauensmann Walter Ulbrichts in Kaderfragen, Anton Joos, oder der in Frankreich ebenfalls als NKWD-Agent agierende spätere Leiter des »Abwehr«-Referats im zentralen SED-Parteiapparat, Bruno Haid.) Willi Kreikemeyer wurde im Zusammenhang mit dem Beschluß des ZK der SED zur Field-Affäre am 25. August 1950 verhaftet, und kam (angeblich bereits am 31. August 1950) unter bis heute ungeklärten Umständen in der MfS-Haft ums Leben. Zum gesamten Komplex siehe: Wolfgang Kießling: »Leistner ist Mielke«. Schatten einer gefälschten Biographie. Berlin 1998.

[180] Anmerkung in eckigen Klammern von Field, um die bei früheren Verhören aufgetretenen Mißverständnisse bei der Identifizierung von Personen zu vermeiden. – An den spanischen Kommunisten Felix Llanos erinnert sich Field in seiner ausführlichen, eigenhändig geschriebenen Aussage vom 6. Juli 1954 wie folgt: Die spanische KP »bestand auf direkter Verbindung, und der zu diesem Zweck ernannte Genosse Felix Llanos wurde von mir zum bezahlten USC-Mitarbeiter gemacht. Dies war vielleicht ein Fehler, denn gegen Ende meiner Marseiller Zeit wurde er verhaftet und ich selbst einem ziemlich schwierigem Verhör unterworfen. Er blieb bis zur Totalbesetzung im Gefängnis und wurde dann nach Deutschland deportiert, von wo er nach dem Krieg schwer tuberkulös nach Paris zurückgelangte und von [dem] USC im Spital betreut wurde [...].«, so in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 154.

[181] Vgl. dazu Fields Aussage vom 6. Juli 1954: »(...) es handelte sich – wie Merker oder Kreikemeyer sich ausdrückte – vor allem um Kaderschutz-Arbeit, d.h., neben einer allgemeinen materiellen Hilfe an notleidende Genossen überhaupt, konzentrierte sich die Hilfe vor allem auf die Rettung der wichtigsten und gefährdetsten Genossen.« (»Geschichte meiner politischen Tätigkeit«), a.a.O., Bl. 154; zum kommunistischen Terminus »Kaderschutz« bzw. »Kaderrettung« vgl. auch Niethammer, Lutz (Hrsg.): Der ›gesäuberte‹ Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald. Berlin 1994.

[182] Bei dieser Frau handelt es sich um die bereits erwähnte Anna Esmiol, Leiterin der Ausreiseabteilung in der Ausländerbehörde der Präfektur in Marseille, die unter anderem bei der illegalen Ausreise Paul Merkers nach Mexiko behilflich war. Laut Angaben von Lex Ende (der als »Apparate-Mann« in dieser Hinsicht eine glaubwürdige Quelle ist) war Mme. Esmiol eine Mitarbeiterin des Nachrichtendienstes der französischen KP: »...« SAPMO BArch ...; Siehe dazu auch André Fontaine: Internierung in Les Milles (September 1939 - März 1943), in: Grandjonc, Jaques/ Theresa Grundtner (Hrsg.): Zone der Ungewißheit: Exil und Internierung in Südfrankreich 1933–1944. Reinbek bei Hamburg 1993, S. 249-291, hier S. 286 – bzw. ausführlicher: Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 63-65 u. 74-75.

[183] Die KP der Schweiz (sowie weitere kommunistische Organisationen, darunter die Schweizer Rote Hilfe) war am 26. November 1940 durch Bundesratsbeschluß verboten worden.

[184] Zu den führenden Exponenten dieser Gruppe von KPD-Emigranten, die in einem längeren Prozeß in Opposition zu Paul Bertz gerieten, gehörten u.a. Wolfgang Langhoff, Hans Teubner, Bruno Fuhrmann und Fritz Sperling. Vgl. zusammenfassend: Hans Teubner und Bruno Fuhrmann an Walter Ulbricht, o.D. [30. 7. 1945]: »Tätigkeitsbericht der Parteiabschnittsleitung Süd (Schweiz) für die Zeit von 1939 bis 1945«, in: SAPMO BArch BY 30/IV 2/4/114, Bl. 35-53.

[185] Vgl. dazu den Brief der KPD-Gruppe im Internierungslager Bassecourt an Noel Field vom 18. 9. 1944: »Werter Herr! Durch die besonderen Verhältnisse der Internierung sehen sich die verantwortlichen Freunde im Lager B. veranlaßt, sich auf diesem Weg an Sie um finanzielle Unterstützung für die bevorstehende Repatriierung zu wenden. Die verantwortlichen Freunde haben deshalb beschlossen, sich zum Zweck der Regelung dieser Frage direkt an Sie zu wenden, um mit ihnen persönlich die Möglichkeit und Durchführung der finanziellen Hilfe zu besprechen. Für die Regelung der Angelegenheit wurde unser Freund F.[ritz] S.[perling] beauftragt. Wir schlagen Ihnen vor, daß wir unseren Freund F.S. am Sonntag, den 24. 9. nach Biel reisen lassen, um Sie dort um 12 Uhr vor dem Stadttheater zu treffen. Tragen Sie bitte in der rechten Rocktasche eine Schweizer Illustrierte (welsche Ausgabe). F.S. wird Sie um Feuer für seine Zigarette bitten. Sollten Sie an diesem Tag verhindert sein, so teilen Sie dem Überbringer dieses Briefes den von Ihnen festgelegten Tag mit. Ort und Zeit bleibt. Überbringer ist Ort nicht mitzuteilen. [...] Mit freundlichen Grüßen Ihre Freunde« SAPMO-Barch, DY 30/IV 2/4/115, Bl. 247.

[186] Paul Bertz (seit Anfang 1945 von der KPD-Emigrationsgruppe isoliert) verließ die Schweiz illegal (zusammen mit dem letzten ihm verbliebenen Mitarbeiter, dem »Apparate«-Mann und GRU-Agenten Walter Plitt) Mitte Mai 1945.

[187] Im Original »Langhof«, d.i. Wolfgang Langhoff (1901-1966), Schauspieler, Regisseur, KPD-Mitglied, KZ-Haft (»Die Moorsoldaten«), ab 1934 Emigration in der Schweiz. Er war Kopf der illegalen KPD-Zelle am Schauspielhaus Zürich, später Intendant des Deutschen Theaters in Berlin. Zur Biographie siehe: H. Müller-Enbergs et al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2000.

[188] Im Original: »Täubner«; d.i. Hans Teubner (1902-1992), KPD-Funktionär, seit 1923 im M-Apparat der KPD tätig, 1927-30 Schüler der Internationalen Lenin-Schule in Moskau, Komin­terninstrukteur in Rumänien, Mitarbeiter der GRU, Spanienkämpfer, ab Jan. 1939 Leiter der KPD-Abschnittsleitung Süd, Sept. 1939-1944 in der Schweiz interniert, ab 1941 Mitglied und Sekretär der im Lager Gordola gebildeten KPD-Landesleitung; ab Dezember 1944 offizieller KPD-Vertreter in der Landesleitung der »Bewegung Freies Deutschland« in der Schweiz. Zu seiner Biographie siehe: Helmut Müller-Enbergs et al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2000.

[189] Centrale Sanitaire Suisse – siehe Fußnote 134.

[190] D.i. Anni von Fischer, geb. Wiedmann (1902-1972), verh. Anna Leibbrandt, später Anna Schlotterbeck; KPD-Mitglied seit 1924, hatte in der Schweizer Emigration ihren späteren Mann, Hanns von Fischer, kennengelernt und leitete mit diesem seit 1937 die Schweizer Ärztehilfsorganisation »Centrale Sanitaire Suisse«. Sie hatte bereits 1945/46 mehrfach die KPD/SED-Führung (namentlich Grete Keilson und Franz Dahlem) vor Noel Field und Leo Bauer als »amerikanischen Agenten« gewarnt. 1949 warnte sie die Parteiinstanzen vor Paul Merker. Gemeinsam mit ihrem Mann, Friedrich Schlotterbeck, verband sie diese prophetischen Denunziationen in Briefen an Hermann Matern mit dem Vorwurf an Franz Dahlem, ihre Mitteilungen über Field und Bauer mißachtet zu haben. Der ZPKK warfen sie vor, die Untersuchung gegen die »deutschen Agenten Fields« fehlgelenkt und deshalb erst im August 1950 entlarvt zu haben (vgl. SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/119). Die ZPKK leitet daraufhin paradoxerweise eine Untersuchung gegen beide ein, in deren Ergebnis sie 1951 aus der SED ausgeschlossen und im Februar 1953 vom MfS wegen »verbrecherischer Beziehungen zum amerikanischen Agenten Noel H. Field« verhaftet wurden. 1954 in einem Geheimprozeß zu viereinhalb Jahren (ihr Mann zu sechs Jahren) Zuchthaus verurteilt, wurden beide im Februar 1956 entlassen u. Anfang 1957 parteiintern rehabilitiert. Vgl. ihr 1968 verfaßtes Manuskript »Hohenschönhausen, Zelle 51«, das erst 1990 publiziert wurde (Anna Schlotterbeck: Die verbotene Hoffnung: Aus dem Leben einer Kommunistin. Hamburg 1990).

[191] Gemeint ist die Bewegung der Četniks unter ihrem Führer, dem serbischen General Dragoljub (Draža) Mihailović (1893-1946). Mihailović war ab 1942 Kriegsminister der jugoslawischen Exilregierung in London, wurde 1944 von seiner Funktion entbunden und 1946 vom jugoslawischen Volksgerichtshof wegen der Zusammenarbeit mit den deutschen Okkupanten zum Tode verurteilt und hingerichtet.

[192] Mihailo Lompár (auch Miso, Mischa), geb. am 2. 11. 1915, Jurist, jugoslawischer Parteifunktionär und Partisan; ab Dezember 1945 Leiter des Jugoslawischen Generalkonsulats in Zürich, ab 1946 jugoslawischer Vizekonsul in Genf. Nach Erkenntnissen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft galt er »als militanter Kommunist und OZNA-Agent« (so in: BAR Bern, E 4320, 1987/187, Bd. 90, C. 12. 2902 (Dossier Noel Field), Schweizerische Bundesanwaltschaft, Polizeidienst, Bericht des Insp. H. Fatzer vom 4. 2. 1953: »Verrats- und Spionageprozesse in den Volksdemokratien«, Bl. 4). Anfang 1947 nach Belgrad zurückgerufen, wirkte er anschließend bis 1949 als Botschaftssekretär an der Jugoslawischen Gesandtschaft in Bukarest. Den Erinnerungen des ehemaligen Leiters der ungarischen Aufklärung, Vladimir Farkas zufolge, forderte Rákosi im Herbst 1949 (vermutlich kurz nach dem Rajk-Prozess) vom rumänischen Parteiführer Gheorghiu-Dej die Verhaftung und Auslieferung Lompars – eine in der Diplomatiegeschichte beispiellose Forderung, der Gheorghiu-Dej jedoch – offenbar in Absprache mit Moskau – nicht nachkam. Lompar wurde lediglich aufgefordert, das Land zu verlassen. Vgl. dazu: Vladimir Farkas: Nincs mentség. Az ÁVH alezredese voltam. [Es gibt keine Vergebung. Ich war Oberstleutnant der Staatssicherheit], Budapest 1990, S. 225-227.

[193] Die geheimen Geldsendungen liefen unter anderem über indirekte Kanäle wie die Singer-Nähmaschinenfabrik. Vgl. dazu die Forschungen von Heike Bungert in: dies.: Das Nationalkomitee und der Westen. Die Reaktion der Westalliierten auf das NKFD und die Freien Deutschen Bewegungen 1943-1948. Stuttgart 1997, S. 201/202.

[194] Dazu schreibt Noel Field im Juli 1954: »Kreikemeyer hat über jeden Franken genau Buch geführt und die Abrechnungen nach dem Kriege der deutschen Partei übergeben.« Eigenhändig geschriebene Aussage Noel Fields vom 6. Juli 1954 (»Geschichte meiner politischen Tätigkeit«), a.a.O., Bl. 155. – Dazu Willi Kreikemeyer gegenüber der ZPKK (Herta Geffke und Anton Joos) am 5. 6. 1950: »Ich habe eine Abrechnung gegeben, als ich nach Deutschland kam. Wenn ich nicht irre, an die Kasse. Da kann man genau ersehen, was ich von F. bekommen habe und von welchen Organisationen.« Diese Abrechnungslisten (die bisher nicht gefunden werden konnten) wurden von der SED 1950 gegenüber Kreikemeyer im Verhör durch die ZPKK als belastendes Beweismaterial für seine »Agententätigkeit« benutzt. Vgl. dazu: ZPKK-Befragungsprotokoll Willi Kreikemeyers vom 5. 6. 1950, in: SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/109, Bl. 169-192.

[195] Alfred A. Häsler (1921), Schweizer, Typograph, seit Herbst 1944 Mitglied der Partei der Arbeit der Schweiz; er hatte Noel Field als Teilnehmer des ersten Kurses für soziale Nachkriegsarbeit (Mai bis Oktober 1944) in Zürich kennengelernt, geriet deshalb in den 50er Jahren als PdA-Mitglied in den Sog der Verfolgungen, wurde von den eigenen Genossen als amerikanischer Agent denunziert; 1956 Austritt aus der PdA, später arbeitete er als Journalist und Publizist, engagierte sich u.a. in der Aufarbeitung der Schweizer Flüchtlingspraxis (Alfred Häsler: Das Boot ist voll...: Die Schweiz und die Flüchtlinge 1933-1945. Zürich 1967).

[196] Tonia Lechtman (1918-1996), Mitglied der polnischen KP, war neben Maria Weiter eine der engsten Vertrauten Fields in der Schweiz, Mitarbeiterin des USC, wurde 1949 wegen ihrer Verbindung zu Noel Field verhaftet und schwer gefoltert, 1954 entlassen und später rehabilitiert; emigrierte später nach Israel. Vgl. den umfangreichen Briefwechsel mit den Fields ab 1957, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903 f./88 ö.e./I.+II. köt.

[197] Paula Löffler, später verh. Acker (1913-1989), KPD-, später SED-Funktionärin. Zu ihrer Biographie siehe: Müller-Enbergs et al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR, Berlin 2000.

[198] Die Namen der Kursteilnehmer (laut Erinnerung der Frau Bruno Goldhammers) finden sich in: SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/114b, Bl. 597 (Esther Goldhammer an LPKK Berlin, 22. 7. 1951) sowie in: ebenda, Bl. 600ff. (LPKK Berlin, 19. 7. 1951. Aktenvermerk, betr.: Esther Goldhammer).

[199] Koordinationsstelle für soziale Nachkriegsarbeit in Zürich. Vgl. dazu die Untersuchungsergebnisse der ZPKK der SED, o.D. [Sommer 1950] in: SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/106, Bl. 142.

[200] Dora Staudinger-Förster (1886-1964), geb. in Halle als Tochter eines Theologieprofessors, 1906 Heirat mit Hermann Staudinger;  lebte ab 1912 in Zürich, wo sie Kontakte zur Bewegung des religiösen Sozialismus hatte; kannte Noel Field schon seit seiner Jugend in Zürich; engagierte sich in den 20er Jahren für das Genossenschaftswesen, für den sozialen Wohnungsbau und für Frauenfragen; war seit den 30er Jahren Mitglied der KPS, später der PdA; sie verwahrte u.a. für Paul Bertz und Noel Field besonders vertrauliche Materialien und Archive.

[201] Nach Kriegsende war auf Initiative des jüdischen Kinderhilfswerks Œvre de Secours aux Enfants / à lénfance (OSE) (Dr. Joseph Weil) und des USC (Noel Field) in Genf eine Koordinationsstelle der Hilfswerke gebildet worden (»Auskunfts- und Vorbereitungsstelle für soziale Nachkriegsarbeit« / »Centre d’Orientation et de Formation Sociale d’après-guerre« /COFSAG/, Leiterin: Hèléne Matthey) – mit einer Filiale in Zürich. An die komplizierte Entwicklung erinnert sich Field im Juli 1954 gegenüber seinen Vernehmern wie folgt: »Offiziell wurde die Zürcher Filiale zusammen mit dem Genfer Zentrum im Jahre 1946 liquidiert; an ihre Stelle trat aber sofort – mit dem gleichen Personal[,] aber jetzt unter der Leitung der Partei – die ›Auskunftsstelle‹, die sich zur wichtigsten Organisation für die Hilfsaktionen in den Volksdemokratien entwickelte [...] Im Jahre 1947 ging die Auskunftsstelle durch Polizeiaktion hoch (ein Spitzel hatte sich eingeschlichen), worauf Häsler und Dora Staudinger, und ich glaube noch einige andere angeklagt wurden. Häsler erhielt 6 Monate Gefängnis [...] Die Auskunftsstelle wurde bezichtigt, Hilfsgelder, die aus öffentlichen Sammelaktionen stammten, für Parteizwecke verwendet zu haben [...]«. Noel Field: Geschichte meiner politischen Tätigkeit. Eigenhändig geschriebene Aussage vom 6. Juli 1954, in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 189.

[202] Werner Jurr (1906-1947), KPD-Mitglied seit 1924, KJVD- und RFB-Funktionär, 1929 Parteiausschluß, Mitglied der KPO, 1932 Wiedereintritt in die KPD, illegale Arbeit in Stuttgart, 1934 verhaftet, bis 1940 Haft im Zuchthaus Brandenburg  und KZ Sachsenhausen, ab 1943 Strafdivision 999, 1944 erneut verhaftet; war 1945 Leiter der Personalabteilung der DVdI, zu seiner Biographie vgl. Weber, Wandlung, Bd. 2, S. 174.

[203] Gemeint ist: die französische Staatsbürgerschaft. Vgl. Fußnote 120.

[204] Ursprünglich: »Frühsommer« – von Noel Field gestrichen.

[205] Gejza Pavlik (1884-1964) (urspr. Politzer) ungarisch-jüdischer KPC-Funktionär, 1919 Teilnahme an der Räterepublik in Ungarn, Parteiarbeit in der Slowakei, Emigration in Belgien, Frankreich und in der Schweiz, wo er 1944 durch den ungarischen KP-Emigranten Ferenc Vági die Bekanntschaft Noel Fields machte. Field ernannte ihn 1945 zum provisorischen Bevollmächtigten des USC für die Tschechoslowakei, mußte ihn jedoch bereits nach einem halben Jahr von diesem Posten ablösen, nachdem der USC-Zentrale in Boston bekannt geworden war, daß Pavlik Kommunist war. Ab 1946 wurde Pavlik in Prag Leiter des staatlichen Reisebüros CEDOK. Er wurde zusammen mit seiner ungarischen Frau im Mai 1949 im Zusammenhang mit der Field-Affäre in Prag verhaftet, zeitweilig zu Verhören nach Budapest überstellt, wo er schwer gefoltert wurde; im Juni 1950 in Prag verurteilt, 1956 entlassen und später rehabilitiert.

[206] Elsie Haus – später verh. Kende – (1908-2000), Schweizerin, Mitgl. der illegalen KP der Schweiz, nach Kriegsende Leiterin der USC-Filiale in Wien, Mitgl. der KP Österreich; sie wurde im Sommer 1949 im Kontext der Field-Affäre vom sowjetischen Geheimdienst in Wien kurzzeitig verhaftet.

[207] Ilona Kojsza (1904-1995) Deckn. in Frankreich »Liliane Prevost Simone«, ungarische KP-Funktionärin, seit 1928 Mitglied der KP Ungarns (KMP), ab 1931 in Wien; arbeitete für die Ungarische Rote Hilfe, Presse-, Verbindungs- und Kurierarbeit in Wien und Prag, ab 1938 in Paris, 1941 kurzzeitig in Frankreich interniert; danach Kurier für die KPD und die MKP, 1944/45 Grenzarbeit an der französisch-schweizerischen Grenze (in Zusammenarbeit mit Heinz Priess), u.a. Grenzschleusung von kommunistischen Kadern, die durch OSS-Kanäle nach Deutschland gebracht wurden; ab Oktober 1945 USC-Vertreterin in Budapest, anschl. in verschiedenen Hilfsorganisationen, 1948 kurzzeitig Mitarbeiterin der Militärpolitischen Abteilung des ungarischen Verteidigungsministeriums; sie wurde im Mai 1949 wegen ihrer Kontakte zu Noel Field verhaftet, schwer gefoltert, u. in einem der Nebenprozesse des Rajk-Prozesses 1950 zu acht bzw. in zweiter Instanz zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt; 1955 nach Überprüfung ihres Falles entlassen, jedoch erst 1963 parteiintern rehabilitiert; später Mitarbeiterin der Zentralen Parteikontrollkommission der MSZMP; gestorben in Budapest. Vgl. Untersuchungsakten Ilona Kojsza (3 Bände), in: TH-Archiv I-85 / a-b (V-142697/1-2).

[208] Ursprünglich: »nach Beratung mit Vági und Földi« – von Noel Field gestrichen.

[209] D.i. Martha Sharp, später Sharp Cogan (1905-1999); sie gehörte mit ihrem Mann Waitstill Sharp zu den ersten Unitariern, die 1938/39 in der Tschechoslowakei umfangreiche Flüchtlingshilfe für Verfolgte der Nationalsozialisten leisteten. Nach 1940 war sie zeitweilig Leiterin des USC-Büros in Lissabon, arbeitete während des Krieges u.a. im besetzten Frankreich.

[210] Leo Bauer wurde am 27. Oktober 1942 in seiner Genfer Wohnung (Rue Bergalone 5, bei Marcel Surdez) von Marcel Rosset (Inspektor der Geheimpolzei, Genf) verhaftet, wo er seit 1941 unter falscher Identität als Bankangestellter Paul-Eric Perret, (geb. 1912, »employe de banque, 19 route de Florissants«) lebte. In einem Bericht des Abwehrapparats der KPD in der Schweiz heißt es zur Verhaftung Leo Bauers (im Bericht »Emil« genannt): »Die Ursache ist nach bisher gemachten Feststellungen außer Achtlassung der konspirativen Regeln durch Emil selbst, wie durch den Mann, bei dem er wohnte. Die ermittelten Umstände sind folgende: Der Wohnungsinhaber [Marcel Surdez - BRB], der außerhalb seiner Wohnung noch eine Werkstatt hatte, übernahm [es], die ›Travail‹ herzustellen und ging dabei hoch. Er hat den Auftrag übernommen, ohne die Auftraggeber darauf aufmerksam zu machen, daß jemand bei ihm wohne. Nach der Verhaftung des Mannes in der Werkstatt wurde in Anwesenheit der Frau die Wohnung durchsucht [...] Die Frau[,] befragt, ob in dem zweiten Zimmer jemand wohne, verneinte das. Man brach dann den von Emil verschlossenen Wandschrank auf und frug die Frau, ob das alles ihrem Mann gehöre. Angesichts des Inhalts gab die Frau dann zu, daß doch jemand dort wohne. Die Beamten haben dann in der Wohnung auf Emil gewartet.« Handschriftlicher Bericht zur »Verhaftung von Emil« von »Jenny« [d.i. Maria Weiterer], o.D. In: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/146.

[211] In der illegalen Parteiarbeit benutzte Noel Field den Decknamen »Hauser«. Vgl. dazu: »Geschichte meiner politischen Tätigkeit. Eigenhändig geschriebene Aussage, 6. Juli 1954«, in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 166.

[212] Abschriften dieser handschriftlichen Berichte von Noel Field sind (neben anderen beschlagnahmten Materialien) im Leo Bauer-Dossier des Eidg. Militärdepartements überliefert. Die Berichte – Teile der über Noel Field laufenden Kommunikation zwischen Paul Bertz (Basel) und der KPD-Leitung in Südfrankreich (Marseille bzw. Toulouse) –, konnten jedoch (u.a. wegen der Verwendung von Decknamen) von den Schweizer Behörden nicht entschlüsselt werden. Vgl. dazu: Bericht von Inspektor H. Fatzer an den Chef des eidg. Polizeidienstes Bern, 6.1.1943, in Sachen: Bauer Leopold, genannt Katz Rudolf ..., in: BAR Bern, Bestand Militärjustiz: E 5330 1982/1, Bd. 95, Dossier 98/43/125 »Bauer Leopold alias Katz Rudolf« (1943).

[213] Leo Bauer befand sich vom 27. Oktober 1942 bis zum 21. Oktober 1943 in Untersuchungshaft im St.-Antoine-Gefängnis in Genf. Vgl. zum gesamten Komplex auch das Dossier der Schweizerischen Bundesanwaltschaft, BAR Bern, E 4320 (B) 1991/243, Bd. 108, Dossier C.13.1673.

[214] Diesen Kontakt hielt Erica Glaser auch noch nach Leo Bauers Verurteilung aufrecht, wie Noel Field in einer späteren, ausführlicheren Aussage berichtet: »Es war nicht einfach ein gelegentlicher, sondern ein fast täglicher Kontakt, der Erica 2 Jahre lang Tag für Tag in Genf festhielt und ihr selbst die kleinsten Wochenendausflüge unmöglich machte. Tag für Tag brachte sie die Hälfte ihrer Lebensmittelration ins Gefängnis, übermittelte oder empfing heimliche Briefe. In Ausführung von Bauers Aufträgen suchte sie gefährdete Genossen auf, vereinbarte ihre Zeugenaussagen u.s.w. (...) Nach seiner Verurteilung führte sie sogar eine doppelte Korrespondenz mit ihm – neben den Geheimbriefen schrieb sie ihm als seine Braut Dutzende von offiziellen Liebesbriefen, die alle vorher nach Bern zur Überprüfung durch die Bundespolizei gingen und in denen sie die Rolle eines unpolitischen, verliebten Gänschen spielte.« So in »Ausschnitte aus Erica Glasers Leben, 1942-45 (Genf). Eigenhändige Aussage, 8. August 1954.«, PIL Budapest, Nachlaß Noel und Herta Field, 903f./49 ö.e., Bl. 5-6, hier Bl. 5. – Vgl. auch die identische Schilderung durch Leo Bauer in der MfS-Haft: Nachtrag zum Bericht vom 20. Oktober [1950], 1. 11. 1950, BStU AS 251/56, Bd. 13, Bl. 10-11.

[215] Diese Darstellung Noel Fields wird durch die Prozeßakten Leo Bauers bestätigt, vgl. BAR Bern, Bestand Militärjustiz: E 5330 1982/1, Bd. 95, Dossier 98/43/125 bzw. SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/146.

[216] Leo Bauer wurde am 21. Oktober 1943 vom Territorialgericht I wegen illegaler Einreise und Aufenthalt, Mißbrauch von Ausweisschriften, Fälschung von Ausweisen, politischen Nachrichtendienstes, kommunistischer Betätigung, Gerüchteverbreitung u.a. zu 30 Monaten Gefängnis und 15 Jahren Landesverweisung verurteilt. Am 15. 3. 1944 revidierte das Militärkassationsgericht dieses Urteil, wobei Bauer von der Anklage des politischen Nachrichtendienstes und kommunistischer Tätigkeit freigesprochen wurde. Für die anderen Vergehen wurde er zu 2 Jahren Gefängnis unter Abzug von 505 Tagen Untersuchungshaft und 15 Jahren Landesverweisung verurteilt. Vgl. dazu Schreiben des Chefs der Bundespolizei an Herrn Botschafter / Eidgenössisches Politisches Department / vom 17. März 1971, in: BAR Bern, E 4320 (B) 1991/243, Bd. 108, Dossier C.13.1673.

[217] Anmerkung Noel Fields.

[218] Ursprünglich: »Juli« – von Noel Field gestrichen.

[219] Generaldirektor Ray Bragg. Vgl. dazu die Schilderung von Flora Lewis in: dies.: Bauer im roten Spiel, a.a.O., S. 147 ff.

[220] Gemeint ist: Artur London (1915-1985), tschechischer KP-Funktionär und Schriftsteller, Spanienkämpfer, Kämpfer in der Résistance, ab 1942 Haft im KZ Mauthausen, nach Kriegsende Aufenthalt in Frankreich und ab April 1947 in der Schweiz, wo ihm durch Vermittlung von Noel Field vom USC eine Lungenheilkur finanziert wurde; London ging 1948 nach Prag, war 1949-1951 stellvertretender Außenminister der CSR. Er wurde im Januar 1951 wegen seiner Kontakte zu Noel Field verhaftet und 1952 im Slánskỳ-Prozeß zu lebenslanger Haft verurteilt; nach seiner Freilassung und Rehabilitierung 1956 übersiedelte er 1968 nach Paris. Berühmt wurde sein autobiographischer Bericht über den Slánskỳ-Prozeß »L'Aveu« (Das Geständnis), Paris 1968/dt: »Ich gestehe. Der Prozeß um Rudolf Slánskỳ.« Hamburg 1970 (1969 von Costa-Gavras verfilmt). Neue Archivfunde des Historikers Karel Bartosek zeigen, daß Artur London seine politische Biographie in wesentlichen Teilen gefälscht hat: so verschwieg er seine Beteiligung an stalinistischen »Säuberungsaktionen« in Spanien und seine Spionagetätigkeit für östliche Nachrichtendienste (insbesondere für den tschechischen) in Frankreich und der Schweiz Ende der 40er Jahre. Arthur London war einer der ersten (jedoch nicht der einzige), der Noel Field als vermeintlichen amerikanischen Agenten »demaskierte«. Vgl. Karel Bartosek: Les Aveux des Archives: Prague – Paris – Prague, Paris 1996. - Zur französischen Debatte um Bartoseks Buch vgl.: Jürg Altwegg: »Bestellte Geständnisse. Spion und Stalinist: Artur London fälschte seine Biographie«, in: Franfurter Allgemeine Zeitung, 4. 12. 1996 und »Wenn die Archive »gestehen«. Französische Debatte um Stalinismus-Archive.«, in: Neue Zürcher Zeitung, 5. 4. 1997, S. 45.

[221] Gemeint ist seine Entlassung vom USC im August bzw. September 1947.

[222] Dr. Robert C. Dexter war Anfang 1940 von der American Unitarian Association in das besetzte Europa geschickt worden, um die Situation zu studieren und über die Notwendigkeit und Möglichkeiten, gefährdeten Menschen zu helfen, zu berichten. Die von Robert Dexter gelieferten Berichte (sowie die Berichte des Ehepaars Martha und Waitstill Sharp, die bereits ab Februar 1939 in Prag im Auftrag der Unitarian Church Flüchtlinge betreut und gerettet hatten) erschütterten die amerikanischen Unitarier zutiefst und führten im Mai 1940 zur Gründung des Unitarian Service Committee, dessen europäisches Hauptquartier sich zunächst in Lissabon befand. Vgl. Fußnote 119.

[223] Der französische protestantische Pastor Pierre Charles Toureille (1900-1976) gehörte zu den weniger bekannten Rettern zahlloser jüdischer Flüchtlinge. Er war zeitweilig der protestantische Hauptseelsorger für die Internierungs- und Transitlager in Südfrankreich, operierte zwischen Südfrankreich und der Schweiz, leitete in der Nähe von Nîmes eine kleine, aber sehr effiziente Fluchthilfe-Agentur. Er gehörte auch zu den Verbindungen der Bewegung Freies Deutschland für den Westen / CALPO /. (Vgl. dazu: Ergänzungen zum Gesamtbericht, 8. 5. 1945. In: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/123, Bl. 38.) Nach Kriegsende emigrierte er in die USA. Er wurde später von verschiedenen Regierungen, darunter auch der israelischen, für seine Verdienste geehrt. Vgl. zur Person: Tela Zasloff: Pastor Pierre Charles Toureille – Righteous Among the Nations, in: Jerusalem Post, 8. 5. 2000.

[224] D.i. Willi Kreikemeyer, vgl. Fußnote 142.

[225] Dr. René Zimmer, Mitarbeiter der USC-Filiale in Marseille, zeitweilig Leiter des dortigen medizinischen Dienstes. Vgl. »Unitarian Service Committee ... List of Stuff, March 1946« in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL, 903f./33 ö.e., Bl. 111.

[226] *[Anmerkung Fields am Seitenende] »Ich vergass zu sagen, daß ich Dulles von meinem ersten Jahr im State Department (1926/7) her kannte: ich war ihm als Kollegen einer anderen Sektion mehrmals [...] begegnet, hatte aber sonst weder amtliche noch persönliche Beziehungen mit ihm, und nach meinem ersten Jahr sah ich ihn nicht mehr, da er Privatmann wurde.«

[227] Bei diesem Vertreter könnte es sich um den als Finanzattaché der US-Gesandtschaft getarnten Charles B. Dyar gehandelt haben, der als einer der ersten OSS-Vertreter im Mai 1942 in Bern eingetroffen war.

[228] Die Ankunft Allan Dulles’ in der Schweiz fiel auf den Tag der Landung der Alliierten in Nordafrika: den 8. November 1942.

[229] Es kam noch zu mindestens einem weiteren Treffen von Leo Bauer mit Robert Dexter und einem weiteren OSS-Mitarbeiter (der sich »Fred« nannte), an dem Noel Field jedoch nicht teilnahm, und von dem er offenbar auch nichts erfuhr. Zu diesem Komplex vgl. P. Brandt/J. Schumacher/G. Schwarzrock/K. Sühl: Karrieren eines Außenseiters: Leo Bauer zwischen Kommunismus und Sozialdemokratie. Berlin, Bonn 1983. S. 101-102.

[230] Zu Paul Bertz vgl. Fußnote 89.

[231] Leo Bauer war am 27. Oktober 1942 von der Schweizer Bundespolizei wegen des »dringenden Verdachts des militärischen Nachrichtendienstes zum Nachteil eines fremden Staates« verhaftet worden. Wie Erica Glaser-Wallach rückblickend berichtet, geschah die Verhaftung »aufgrund eines Nachrichten-Fragebogens, den man in seiner Tasche gefunden hatte. Er hatte ihn ein oder zwei Tage zuvor in meiner Anwesenheit von einem von Allen Dulles’ Leuten erhalten. Ich wußte, daß Dulles ein hoher Beamter bei der amerikanischen Botschaft in Bern war, der sich für jede Information über Deutschland interessierte. Es kam mir gar nicht in den Sinn, daß er in Wirklichkeit der Leiter des Office of Strategic Services in Europa war. Der Schreibmaschinenbogen, den Leo erhalten hatte, enthielt die Standardfragen über militärische, wirtschaftliche und politische Nachrichten aus Deutschland. Leo teilte Dulles’ Vertreter mit, es verstoße gegen die Anweisungen der Kommunistischen Partei, in Spionagegeschichten verwickelt zu werden, er sei aber bereit, die Möglichkeit einer politischen Zusammenarbeit zu untersuchen.« Erica Glaser: Licht um Mitternacht. München 1969, S. 51f. – Das Original des OSS-Fragebogens findet sich im Leo Bauer-Dossier der Eidg. Militärjustiz, BAR Bern, Bestand Militärjustiz: E 5330 1982/1, Bd. 95, Dossier 98/43/125 »Bauer Leopold alias Katz Rudolf«.

[232] Leo Bauer war durch die Anklage wegen Militärspionage der Gefahr ausgesetzt, im Falle einer Verurteilung sofort nach Deutschland ausgeliefert zu werden. Die Schweizer Bundespolizei konnte zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen, warum sie bei einem der kommunistischen Propaganda Angeklagten einen Fragekatalog gefunden hatte, der ganz offensichtlich nicht von einem sowjetischen, sondern von einem westlichen Nachrichtendienst stammte. (Leo Bauer gab in den Vernehmungen an, den Fragebogen von einem Schweizerbürger, der für den schweizerischen Nachrichtendienst arbeite, erhalten zu haben.) U.a. deshalb wurde er in der Revisionsverhandlung von der Anklage der Militärspionage (»politischer Nachrichtendienst«) freigesprochen, und nur wegen illegalen Aufenthalts, verbotener kommunistischer Betätigung und Schriftenverbreitung, Verletzung der Sicherheit und Neutralität der Schweiz zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Vgl. ebenda

[233] Ursprünglich: »Genf« – von Noel Field gestrichen.

[234] Im Original »Vagi«, d.i. Ferenc Vági (urspr. Franz Karl Weisz) (1918-1950), Chemieingenieur, ungarischer KP-Funktionär, geb. in Wien, lebte ab 1926 in Budapest, mußte aus politischen und »rassischen« Gründen in die Schweiz emigrieren, Chemie-Studium an der TH Zürich, 1938 KP-Mitglied, wurde kurz vor Studienabschluß aus politischen Gründen relegiert; mehrfach in der Schweiz verhaftet; gehörte ab 1943 zur Leitung der ungarischen KP-Gruppe in der Schweiz; Noel Field hatte er 1944 durch Erica Glaser kennengelernt. Ferenc Vági kehrte 1945 nach Ungarn zurück, war ab 1948 stv. Leiter der Presseabteilung der Parteizentrale, dann Leiter der Presseabteilung des Ministerpräsidenten. Er wurde als Mitglied der sog. »schweizer Gruppe« in Vorbereitung des Rajk-Prozesses am 18. Mai 1949 in Budapest verhaftet, und war – trotz schwerster Folter – nicht bereit, falsche »Geständnisse« zu liefern. In einem der Nebenprozesse des Rajk-Prozesses wurde er zusammen mit zwei weiteren Angeklagten zum Tode verurteilt und am 26. Mai 1950 hingerichtet. Vgl. Untersuchungsakten Ferenc Vági, TH-Archiv I/47 (V-142689) und I/47-a (V-142689/1), insbesondere den Bericht eines der führenden Vernehmer zu den Foltermethoden, die bei Vági angewandt wurden: Bericht von Antal Bánkuti, Ebenda, Bl. 111.

[235] MNFF = »Magyar Nemzeti Függetlenségi Front« [Ungarische Nationale Unabhängigkeitsfront] – gemeint ist hier die Schweizer Organisation MNFF, (eine Organisation gleichen Namens wurde auf Initiative der Ungarischen Kommunistischen Partei am 2. Dezember 1944 im von sowjetischen Truppen bereits befreiten südungarischen Szeged gegründet, um als »Bündnis der demokratischen ungarischen Parteien« im Nachkriegs-Ungarn die verdeckte kommunistische Einflußnahme zu gewährleisten). Die Schweizer MNFF wurde auf Initiative von Dr. Tibor Szőnyi Anfang 1943 auf der Grundlage eines Aufrufs des Moskauer Senders »Radio Kossuth« als illegale Organisation gegründet. Mit der Konstituierung der Provisorischen Nationalen Regierung im befreiten Ungarn konnte auch die MNFF ab Ende 1944 legal wirken. – Vgl. dazu ausführlich: »A Magyar Nemzeti Független Front svájci szervezete iratai.« [Unterlagen der Schweizer Organisation der Ungarischen Nationalen Unabhängigkeitsfront] in: PIL, 274.f. 10/109. ö.e., hier insbesondere: »A Magyar Nemzeti Független Front Svájci Szervezetének adatai. Beküldi: Szőnyi Tibor« [Angaben zur Schweizerischen Organisation der Ungarischen Nationalen Unabhängigkeitsfront – eingereicht von Tibor Szőnyi], o.D. [Frühjahr 1945] in: Ebenda, Bl.9

[236] Opprecht – ein in der Schweiz stationierter amerikanischer Vorgesetzter von Allen Dulles mit diesem Namen konnte nicht ermittelt werden. Vorausgesetzt, daß Field sich richtig erinnert (»sein Vorgesetzter in Zürich«), könnte dies ein Beispiel für eine professionelle Desinformation durch Allen Dulles sein. Bei »Opprecht« handelt es sich eindeutig um Emil Oprecht (1895-1952), den Zürcher Buchhändler und Verleger, der mit Dulles eng befreundet war – jedoch höchstwahrscheinlich nicht in direkten Diensten des OSS stand, sondern durch seine weitreichenden Verbindungen zu Schweizer Antinationalsozialisten und Emigranten eine Art Vermittler und Kontaktmann wurde, wovon sowohl die Amerikaner, als auch die Briten profitierten. Der Historiker Peter Stahlberger beschreibt Emil Oprecht als »eine Art Fixpunkt, ein Vertrauensmann im ganzen verwirrenden Spionagebetrieb in der Schweiz, ohne aber selber aktiv nachrichtendienstlich tätig zu sein.« (Peter Stahlberger: Der Zürcher Verleger Emil Oprecht und die deutsche politische Emigration 1933-1945. Zürich 1970, S. 300). Gestützt wird diese Darstellung auch durch folgendes Beispiel: In der Untersuchungsakte Tibor Szőnyi findet sich eine 1954 protokollierte Zeugenaussage eines ungarischen (nichtkommunistischen) Emigranten – Lajos Purjesz –, der Emil Oprecht 1942 in Zürich kennengelernt hatte. Purjesz hatte bis 1944 telephonischen und brieflichen Kontakt zu Károly Peyer, einem der wichtigsten Vertreter des sozialdemokratischen Widerstands gegen das Horthy-Regime. Oprecht, der von diesem Kontakt Kenntnis hatte, stellte Purjesz deshalb bei einer Gelegenheit Allen Dulles vor, als jemand »der Kontakt hält zu einem der Führer der ›linken‹ Bewegung in Ungarn«. Dulles forderte daraufhin Purjesz auf, die aus seinem Kontakt mit Peyer gewonnenen Informationen über die politische und wirtschaftliche Lage in Ungarn an ihn weiterzuleiten, ohne Peyer davon zu informieren. (Protokoll der Zeugenvernehmung von Lajos Purjesz, geb. 1912 in Budapest, vom 10. September 1954, in: Szőnyi Tibor vizsgálati dosszié [Untersuchungsakte Tibor Szőnyi], TH I/2-a (V-142675/1), Bl. 115-118, hier Bl. 116.)

[237] OSE = Œvre de Secours aux Enfants / à lénfance (jüdisches Kinderhilfswerk).

[238] Siehe Fußnote 170.

[239] Mit Seite 51 beginnt Field die Zählung der Blätter wieder mit 1. Dies ist offenbar der Tatsache geschuldet, daß ihm die fertigen Teile vorläufig abgenommen wurden, da sich die Niederschrift über mehrere Tage erstreckte. Erst nach Beendigung der Niederschrift erhielt er den gesamten Text noch einmal zum Korrekturlesen.

[240] Im Original »Szöni«, d.i. Dr. Tibor Szőnyi (urspr. Hoffmann) (1903-1949), Arzt und Psychiater, ungarischer KP-Funktionär; nach Niederschlagung der Räterepublik 1919 Emigration nach Wien, dort Studium der Medizin; 1930 Mitlied der illegalen Ungarischen KP, im Parteiauftrag nach Prag, Ende der dreißiger Jahre in die Schweiz; dort Leiter der Ungarischen KP-Gruppe, Mitarbeiter der psychiatrischen Klinik der Universität Zürich; nach seiner Rückkehr nach Ungarn im Januar 1945 (die durch Fields Vermittlung, teilweise finanziert von der OSE, mit logistischer Hilfe des OSS und des jugoslawischen Nachrichtendienstes erfolgte), zunächst Stellvertretender Leiter der Organisationsabteilung der MDP, ab September 1947 Mitglied des ZK der MDP und Leiter der Kaderabteilung des ZK. Er wurde am 16. Mai 1949 in Vorbereitung des Rajk-Prozesses verhaftet, am 24. September 1949 vom Budapester Volksgerichtshof im Rajk-Prozeß zum Tode verurteilt und am 15. Oktober 1949 zusammen mit László Rajk und András Szalai hingerichtet. Wurde im November 1955 parteiintern rehabilitiert.

[241] Von Noel Field nachträglich eingefügt, um Namensverwechselungen vorzubeugen, da er in früheren Verhören entsprechende Erfahrungen gemacht hatte.

[242] Eine von neun illegalen Zeitungen bzw. Periodika zur »antifaschistischen Agitation und Propaganda« unter Wehrmachtsangehörigen, die ab September 1943 bis zur Befreiung im Herbst 1944 in Südfrankreich von der KPD-Organisation und der Bewegung »Freies Deutschland« für den Westen, unterstützt von der FKP und der Résistance, herausgegeben wurde.

[243] »Arthur« ist der Deckname von Wilhelm Fels (15. 6. 1905-?), der zu dieser Zeit als Mitglied der KPD-Abschnittsleitung Süd bzw. der KPD-Parteileitung in der Schweiz »technischer Mitarbeiter« und Verbindungsmann des in strengster Illegalität in Basel lebenden Paul Bertz war. Eine ausführlichere Beschreibung »Arthurs« gibt Noel Field in einer späteren Aussage: »... ein schweigsamer junger Schwabe, der selten den Mund auftat, aber sorgfältig zuhörte und vermutlich hinterher für das Archiv Protokolle herstellte.« Eigenhändig geschriebene Aussage Noel Fields, 6. Juli 1954 (»Geschichte meiner politischen Tätigkeit.«), in: TH-Archiv, I/107-i (V-142755/9), Bl. 171. – Wilhelm Fels war einer der wenigen Mitglieder der Abschnittsleitung Süd, der allen Verhaftungen entging. Er stellte sich Anfang 1945 im Konflikt zwischen der KPD-Emigrationsleitung in der Schweiz (Teubner, Fuhrmann, Sperling) und Paul Bertz gegen letzteren. Nach dem Krieg wurde er KPD-Landesvorsitzender in Südbaden, eine Funktion, in der er auch auf dem Höhepunkt der Field-Affäre in der SED bzw. KPD (1950) verblieb, da ihm die ZPKK (Max Sens) bescheinigte, »dass er zu Bertz in heftiger Opposition stand und mit Field nach dem Bruch mit Bertz keine Verbindung mehr hatte. Genosse Fels ist einer der wenigen Genossen, die auf Grund ihres Klassenbewusstseins gegen Field stets misstrauisch waren.« SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/439, Bl. 171, Anhang zum Protokoll der ZPKK-Sitzung vom 11. 12. 1950 (Überprüfung des Parteivorstandes und der Landessekretariate in Westdeutschland). – Vgl. dazu auch Wolfgang Kießling: Partner im »Narrenparadies«, a.a.O., S. 62/63.

[244] Max Shoop, Rechtsanwalt und ehemaliger Kollege Allen Dulles’ aus der New Yorker Anwalts­kanzlei Sullivan & Cromwell, bis 1942 in deren Pariser Büro tätig, hatte als OSS-Vertreter in Genf (wo er unter der Legende eines internationalen Rechtsanwalts ein Büro eröffnete) die Aufgabe, die Kontakte zu den französischen Maquisards herzustellen; später war er mit der Finanzierung und technischen Unterstützung zahlreicher italienischer und französischer Widerstands- und Partisanengruppen betraut und kam so auch mit Noel Field in Kontakt.

[245] Ursprünglich: »versuchte« – von Noel Field gestrichen.

[246] Otto Niebergall (1904-1977), KPD-Funktionär, war ab Frühherbst 1943 Präsident des »Komitees Freies Deutschland für den Westen«. Zur Biographie vgl. Müller-Enbergs et. al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR, Berlin 2000. Niebergall war – laut Heike Bungert – einer der drei deutschen Kommunisten (neben Willi Kreikemeyer und Harald Hauser), die über die Geldtransfers von Noel Field (auch über die Unterstützung vom OSS) unterrichtet waren. Vgl. Heike Bungert: Das Nationalkomitee und der Westen. Die Reaktion der Westalliierten auf das NKFD und die Freien Deutschen Bewegungen 1943-1948. a.a.O., S. 202.

[247] Comité »Allemagne Libre« Pour l'Quest – nach der Befreiung Frankreichs ab 1944 gebrauchte Bezeichnung für das im Herbst 1943 gegründete »Komitee Freies Deutschland für den Westen« (KFDW).

[248] Vgl. dazu: Dulles an OSS Paris, 20. 1. 1945, in: Neal H. Petersen (Hrsg): From Hitlers Doorstep: The Wartime Intelligence Reports of Allen Dulles, 1942-1945. University Park, PA 1996, S. 431.

[249] Robert D. Murphy (1894-1978), amerikanischer Diplomat, war ab 1944 politischer Berater General Dwight D. Eisenhowers und ab Juni 1945 bis 1949 politischer Berater der amerikanischen Militärregierung in Deutschland im Range eines Botschafters. (Director, Political Division of US Group Control Council). Zur biographischen Würdigung des Wirkens Murphys als amerikanischer Diplomat während des Zweiten Weltkriegs siehe: Luca Dainelli: Robert Murphy. In: Rivista di Studi Politici Internazionali, 1978/1, S. 118-123. – Vgl. auch seine Autobiographie, Robert Murphy: Diplomat unter Kriegern. Zwei Jahrzehnte Weltpolitik in besonderer Mission. Berlin 1965.

[250] Dieses Exemplar des »Memorandum by Mr. Field regarding ›CALPO‹« befindet sich in: National Archives and Record Administration, Washington, D.C. (NARA), RGG 59, Lot 55D374, B 3, F G-800 Brewster Morris Reports.

[251] Das Genfer Archiv Noel Fields wurde auf dessen Betreiben – gegen die Einwände der Familie – Mitte der 50er Jahre auf diskretem Weg nach Budapest gebracht. Es bildet heute einen großen Teil des Nachlaßbestandes von Noel und Herta Field im Archiv des Instituts für Politikgeschichte (PIL) in Budapest.

[252] Bestätigt wird diese erfolgreiche Warnung durch zahlreiche Berichte und Aussagen, welche die ZPKK in den Jahren 1949-1954 im Zusammenhang mit der Untersuchung von Kontakten von Parteimitgliedern zum OSS sammelte bzw. anfertigte: Vgl. dazu u.a. SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/123.

[253] Vgl. Fußnote 34.

[254] Vgl. Fußnote 33.

[255] Zur frühzeitigen illegalen Rückkehr deutscher Kommunisten aus der Schweiz mit Hilfe »amerikanischer Stellen« vgl. den parteiinternen Abschlußbericht über die KPD-Emigration in der Schweiz: Hans Teubner/Bruno Fuhrmann an Walter Ulbricht, o.D. [30.7.1945]: »Tätigkeitsbericht der Parteiabschnittsleitung Süd (Schweiz) für die Zeit von 1939 bis 1945«, in: SAPMO BArch NY 4182/851, Bl. 335. (Ein Durchschlag dieses Berichtes findet sich auch im ZPKK-Bestand, Untersuchungen zur Angelegenheit Noel Field, Bd. 9 in: SAPMO BArch BY 30 / IV 2/4/114, Bl. 35-53.) Fields Hilfe bzw. die des OSS wird auch in den Berichten der direkt an illegalen Einsätzen in Deutschland Beteiligten erwähnt: so etwa bei L. Ficker, A. Kühn,  S. Wimmer, H. Schäffner u.a.; über OSS-Kanäle reisten neben Wolfgang Langhoff u.a. auch Arthur Baumgarten, Hans Teubner, Hans Mayer u.a. nach Deutschland.

[256] Zu Wolfgang Langhoff siehe Fußnote 150.

[257] Leutnant Hans Holstein, deutscher Emigrant in den USA, im Krieg Fallschirmjäger in der US Army und Ausbilder französischer Partisanen, die als Fallschirmagenten eingesetzt wurden, kam gegen Ende des Krieges zum OSS. War 1946/47 in der Abteilung Bildungswesen der OMGUS in Berlin beschäftigt. (Zur Person Holstein vgl.: Antworten von Prof. Robert Rompe auf Fragen des KGB – vermittelt durch die ZPKK/Max Sens, 11. 5. 1953, in: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/122, Bl. 42-43.) Ltn. Holstein war einer jener (mit dem Kommunismus sympathisierenden) OSS-Offiziere, die in den Anfang der fünfziger Jahre durchgeführten Untersuchungen der ZPKK der SED im Kontext der Field-Affäre als »verdächtige« Kontakte deutscher Kommunisten aus der Zeit des Kriegsendes bzw. der Nachkriegszeit genannt werden. Vgl. etwa die ZPKK-Befragung von Wolfgang Langhoff am 8. Juli 1950 in: SAPMO BArch DY 30IV 2/4/115, Bl. 30-46, sowie »Bemerkungen in Sachen Leo Bauer etc.« von Prof. Dr. Hans Mayer, Leipzig, vom 11. Oktober 1950, in: Ebenda, Bl. 127-131, hier Bl. 129 und 130; vgl. auch den denunziatorischen Brief Wolfgang Harichs an die ZPKK vom 4. September 1950 zu verdächtigen Kontakten Hans Holsteins und John Sullivans zu Wolfgang Langhoff, Josef Naas und Robert Rompe, in: SAPMO BArch DY 30/IV 2/4/122, Bl. 148-150 – und Harichs nachträgliche Einschätzung dieser Kontakte in: ders.: Ahnenpaß. Versuch einer Autobiographie. Hrsg. von Thomas Grimm. Berlin 1999, S. 174-175.

[258] Die Zentrale des Unitarian Service Committee hatte ihren Sitz in Boston, Mass.

[259] Ein großer Teil des Telegrammverkehrs der Schweiz wurde nach Angaben des SS-Sturmbannführers und SD-Offiziers Dr. Wilhelm Hoettl von der ungarischen Funkaufklärung an den deutschen Nachrichtendienst (SD) geliefert. Vgl. dazu Walter Hagen (d.i. W. Hoettl): Die Geheime Front. Linz, Wien 1950.

[260] Obwohl Noel Fields Genfer Archiv in den Nachlaßbestand »Noel und Herta Field« in Budapest (Archiv des Instituts für Politikgeschichte – PIL) eingegliedert wurde, konnte die hier erwähnte Korrespondenz dort nicht gefunden werden.

[261] Weder das hier erwähnte Tagebuch, noch die weiteren von Field erwähnten Unterlagen, die sich zum Zeitpunkt seiner Verhaftung im Prager Palace-Hotel befanden (so etwa Teile seiner Materialsammlung für das geplante Buch über die »Länder der Volksdemokratien«) – sind in den Untersuchungsakten der ungarischen Staatssicherheit oder im Nachlaß Noel Fields überliefert. Auch in den penibel geführten »Vernichtungsprotokollen« des ungarischen Innenministeriums, in denen die ab 1959 durchgeführte Vernichtung von sog. »Unterlagen mit konzeptionellen Elementen« dokumentiert wurde, tauchen diese umfangreichen Materialien nicht auf. Dagegen ist die Korrespondenz Noel Fields bis zum Tag seiner Verhaftung in Prag in den ungarischen Untersuchungsakten überliefert.

[262] Eine ungarische Übersetzung dieses Briefes ist in den ÁVH-Untersuchungsakten Noel Fields erhalten geblieben (Noel Field an Mr. Belfrage. Hotel Palace, Prag, den 3. Oktober 1948. Übersetzung aus dem Englischen.), in: TH-Archiv, I/107-b (V-142755/2), Bl. 193.

[263] Gemeint ist die Entlassung vom USC.

[264] Prof. Robert Rompe (1905-1993), wichtiger DDR-Physiker und KPD/SED-Funktionär; er hatte in den dreißiger Jahren für den BB-Apparat der KPD bzw. für einen sowjetischen Apparat in Berlin Industriespionage betrieben; arbeitete nach dem Krieg weiter für den MWD/KGB u.a. als »Tipper« (nachrichtendienstlicher Fachbegriff für Hinweisgeber auf Kontaktmöglichkeiten, Ansprechkandidaten und Werbemöglichkeiten). Prof. Rompe wurde später vom KGB an die HV A übergeben, für die er bis in die achtziger Jahre aktiv war. – Im Zeitraum seiner Kontakte mit Noel Field und Erica Glaser war er (bis 1949) Hauptabteilungsleiter für Hochschule und Wissenschaft in der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung, ab 1946 Professor, später Direktor des II. Physikalischen Instituts der Humboldt-Universität Berlin. – Während Franz Dahlem und Paul Merker sich auf »höchster Ebene« für Fields Übersiedlung in die SBZ einsetzten (vgl. Fußnote 18), lag die Lösung der konkreten Fragen einer beruflichen Existenz und der direkte Kontakt zu Noel Field – wie spätere ZPKK-Untersuchungen feststellten – in den Händen von Leo Bauer und Robert Rompe. In der »Erklärung des Zentralkomitees und der Zentralen Parteikontrollkommission der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zu den Verbindungen ehemaliger deutscher Emigranten zu dem Leiter des Unitarian Service-Committee Noel H. Field« vom 24. August 1950, veröffentlicht am 1. September 1950 im »Neuen Deutschland«, wurden jedoch die Namen Rompe und Dahlem nicht genannt: »Leo Bauer und Paul Merker haben sich noch im Jahr 1948 für eine Anstellung Fields in der damaligen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands verwandt.« Vgl. »Erklärung ...«, in: Dokumente der SED. Bd. III, Berlin 1952, S. 197-213, hier S. 211. – Eine beginnende Untersuchung der ZPKK gegen Rompe im Kontext der Field-Affäre, wurde – offenbar auf Weisung der Sowjets – durch Walter Ulbricht persönlich unterbunden (siehe dazu: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/122). Vgl. auch: Werner Stiller: Im Zentrum der Spionage. Mainz 1986; zur Biographie Rompes siehe: Müller-Enbergs et. al. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR, Berlin 2000.

[265] Erica Glaser hatte Robert Rompe im September 1945 in Berlin kennengelernt.

[266] Im Original »Ziliacus« – gemeint ist: Konnie Zilliacus (1894-1967), britischer Schriftsteller, Journalist und Labourpolitiker, seit den zwanziger Jahren Mitglied im Völkerbundsekretariat, ab 1945 Mitglied des Unterhauses, wurde 1949 wegen Kritik an ihrer Außenpolitik aus der Labour Party ausgeschlossen, 1952 wieder aufgenommen.

[267] Mit Seite 61 bricht die gesonderte Zählung der Blätter durch Noel Field wieder ab.

[268] Eine »Parteiakte« bzw. Kaderakte von Erica Glaser konnte bisher im KPD-Archiv bzw. in den Beständen des ehem. Zentralen Parteiarchivs der SED nicht gefunden werden. Ihre formelle Mitgliedschaft in der KPD begann – laut glaubhafter Angabe Leo Bauers – im März 1945 in der Schweiz (vgl. Leo Bauer vor der ZPKK/Herta Geffke am 12. Juli 1950, in: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/114, Bl. 223-255). In der Zeit ihrer klandestinen »Parteiarbeit« beim OSS-Bern bzw. in der OSS-Zentrale in Wiesbaden agierte sie in Abstimmung mit der Parteileitung in der Schweiz (Fritz Sperling) bzw. später der KPD-Zentrale in Frankfurt am Main (Bruno Fuhrmann), ihr Verbindungsmann war Leo Bauer. Zur ungeklärten Frage der Beendigung ihrer Parteimitgliedschaft vgl. die Untersuchung der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) der SED zur »Angelegenheit Field«, Band 1, in: SAPMO BArch, DY 30/IV 2/4/106, Bl. 130ff.

[269] Vgl. Fußnote 16.

[270] Tonia Lechtman war neben Maria Weiter eine der engsten Vertrauten Fields in der Schweiz; Mitarbeiterin des USC, wurde 1949 wegen ihrer Verbindung zu Noel Field verhaftet und schwer gefoltert, 1954 entlassen und später rehabilitiert. Vgl. den umfangreichen Briefwechsel mit den Fields ab 1957 in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903f./88 ö.e./I.+II. köt.

[271] Vgl. dazu Fußnote 18.

[272] Gemeint ist der »1. Weltfriedenskongreß der Kämpfer für den Frieden«, der vom 20.-25. 4. 1949 in Paris stattfand. Auf diesem Kongress traf Field – wie aus späteren Abhörprotokollen der Gespräche zwischen Noel und Herta Field in der ersten Nacht nach ihrer Entlassung (28./29. Oktober 1954) hervorgeht – u.a. eine von der ÁVH nicht identifizierte Person, die in den Protokollen der ungarischen Staatssicherheit als »Jeycki(?)« erscheint. Dabei handelt es sich offensichtlich um den Schweizer Arzt, KP-Mitglied und Spanienkämpfer, François Jäggi, geb. 1913. Vgl. dazu: TH-Archiv, I/107-a (V-142755/1), Bl.162. Im Abhörbericht der Unterabteilung IX/8 des Innenministeriums vom 11. November 1954 (»Streng Geheim! Betrifft: Beobachtung der Linie 220/Noel H. Field«) heißt es: »Später [...] kommen sie auf das von Krivitsky herausgegebene Buch zu sprechen. Field erzählt, in Übereinstimmung mit seiner früheren Aussage, daß er auf dem Friedenskongress in Paris Jeicky /?/ getroffen habe, dem er von seinem Plan der Übersiedlung nach Prag berichtet habe und dies mit den gegen ihn erhobenen Anklagen des House Committee on Un-American Activities begründete. Jeicky habe darauf erwidert, daß dies die Schweizer nicht überraschen würde, da sie in Krivitskys Buch dem Namen Field bereits begegnet seien.« In: TH-Archiv, I/107-h (V-142755/8), Bl. 67. – Bei Krivitskys Buch handelt es sich um: Walter G. Krivitsky: In Stalins Secret Service: An Exposé of Russia's Secret Policies by the Former Chief of the Soviet Intelligence in Western Europe. London; New York: Harper, 1939. Fields Name wird darin jedoch nicht erwähnt!

[273] Handschriftliche Ergänzung von Noel Field am Seitenende in eckigen Klammern.

[274] Hermann Field, vgl. Fußnote 57.

[275] Dr. Elsie Doob, Ärztin in Urbana / Ill.; sie war neben der Frau Hermann Fields, Kate, diejenige, die sich unermüdlich für die Aufklärung des Schicksals der verschwundenen Fields einsetzte. Vgl. neben vielen anderen ihren Brief an den ungarischen Parteichef Mátyás Rákosi vom 10. Oktober 1954, in welchem sie die Freilassung ihres Bruders und ihrer Schwägerin forderte, in: Nachlaß Noel und Herta Field, Budapest, PIL 903 f./53 ö.e., Bl. 1-6.

[276] Wie spätere Dokumente zeigen, wurde Noel Field bis kurz vor seiner Haftentlassung am 17. November 1954 über das Schicksal seiner Frau (von der er lediglich wußte, daß sie ebenfalls von der ungarischen Staatssicherheit verhaftet worden war) im unklaren gelassen. – Vgl. dazu Fields Brief an seinen ÁVH-Vernehmer (»Lieber Genosse Untersuchungsrichter!«) vom 20. Juni 1954, in dem er u.a. schreibt: »Ich habe mich nach langem inneren Kampf entschlossen, eine Frage an Sie zu richten. Vor mehreren Jahren fasste ich zwar den Beschluss, diese Frage nie wieder zu stellen, teils weil ich mich nicht darauf verlassen konnte, dass man mir die Wahrheit sagen werde, teils, weil ich mich vor der Antwort fürchtete und es für besser hielt, im Ungewissen zu bleiben. [...] Vielleicht ist es auch jetzt für mich besser, nichts zu wissen. Aber in allen Verhören und bei allem, was ich schreibe, steht diese eine Frage wie ein Gespenst zwischen uns. Auch habe ich das Vertrauen, dass Sie mir entweder die Wahrheit sagen werden oder mir mitteilen, dass Sie nicht antworten können. [...] Ich stelle die Frage schriftlich, um einen gegenseitig peinlichen Auftritt zu vermeiden, auch, um nicht schon aus Ihrem Gesichtsausdruck die Antwort zu erraten. Ich bitte Sie deshalb auch, mir die Antwort schriftlich zu geben, damit ich sie lesen kann, wenn ich allein bin. Es genügt ein einfaches »Ja« oder »Nein«. Die Frage ist: Lebt meine Frau oder lebt sie nicht?

[Unterschrift] Noel H. Field.

P.S.: Damit Sie verstehen, was diese Frage gerade für mich für eine Bedeutung hat, füge ich hier die wichtigste Tatsache meiner ganzen persönlichen Autobiographie hinzu – ich habe in meinen Aussagen nur andeutungsweise davon gesprochen –: dass ich von meinem 9. Jahr an – also schon über 40 Jahre – ein und dieselbe Frau geliebt habe.« TH-Archiv, Untersuchungsakte Noel H. Field, I/107-a (V-142755/1), Bl. 306. – Vor dem Hintergrund dieses Zitats, und angesichts der Tatsache, daß er während seiner Haftzeit streng isoliert war, bleibt unklar, was er mit obiger Aussage über das Schicksal seiner Frau ausdrücken will. Möglicherweise lebte er in der Befürchtung, daß seine Frau einer ähnlichen physischen Folter ausgesetzt gewesen war, wie er selbst im Sommer 1949. Herta Fields bruchstückhaft überlieferter, nicht datierter Bericht über ihre Hafterlebnisse läßt darauf schließen, daß sie nicht körperlich mißhandelt wurde, sondern verschiedenen Arten psychischer Folter ausgesetzt war. Vgl. Herta K. Field: »Was ich von meinem Mann weiss, oder zu wissen glaube, seit meiner Verhaftung an der slowakisch-ungarischen Grenze, Ende August 1949.« In: TH-Archiv, Untersuchungsakte Herta K. Field, I/106-a (V-142754), Bl. 73-86.

[277] Nina Foote (Field) starb am 31. Juli 1947.

Inhalt – JHK 2002

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