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Sklaverei

JHK 2002 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 179-198 | Aufbau Verlag

Autor/in: Rosa Luxemburg

Die Tendenz der Markgenossenschaft ist es, sich zu zersetzen und neuen Verhältnissen Platz zu machen, wenn das auch überall je nach dem Milieu unter anderen Bedingungen und anderen Folgen vor sich geht.

Die älteste Form, die sich nach der Markgenossenschaft einwurzelt – mehr oder weniger in der alten Welt – ist die Sklaverei, die älteste Form der Klassenherrschaft und der ökonomischen Ausbeutung.

Engels sagt in seinem Anti-Dühring (S. 162-195) dass, nachdem das Privateigentum aufkam, die Möglichkeit geschaffen war, eine oder mehrere fremde Arbeitskräfte zu beschäftigen. Das eigene Gemeinwesen und der Verband, dem es angehörte, lieferte keine überschüssigen Arbeitskräfte. Aber der Krieg lieferte sie; die Kriegsgefangenen, die bisher erschlagen, ja noch früher verspeist worden waren, wurden jetzt als Arbeitskräfte verwendet. (Siehe Anti-Dühring S. 188-189).

Diese Erklärung kann uns genauer genommen nicht genügen.

Über die Tatsachen der Sklavenwirtschaft und ihre Entstehung sind wir leider viel zu mangelhaft orientiert. Bis in die neueste Zeit hinein gibt es unter den bürgerlichen Forschern Streitigkeiten über die Bedeutung, die Ausdehnung der Sklaverei und die Art und Weise ihrer Entstehung. Wir sind mehr oder weniger auf Hypothesen angewiesen.

Es ist notwendig, dass man sich die historische Entstehungsweise der Sklaverei aus der Markgenossenschaft und der Gentilverfassung heraus vorstellt. Wenn wir danach suchen, wo die Mark und die Gens uns schon die ältesten Formen der Ausbeutung und Knechtung zeigen, so werden wir zwar zunächst nicht auf die Sklaverei kommen, aber auf andere Formen, die uns vielleicht zu ihr hinführen.

Wir brauchen nicht, wie Engels, die Ausbeutung erst hinter die Entstehung des Privateigentums zu setzen. Die Markgenossenschaft selbst lässt Raum für Ausbeutung und Knechtung. Das Aufpfropfen einer fremden Markgenossenschaft auf eine andere erlaubt und schafft ein Ausbeutungs- und Knechtungs-Verhältnis nach aussen hin. (Die Mark verbürgt zwar den Kommunismus nach innen, aber nicht nach aussen.) Ein Beispiel dafür ist das Inka-Reich. Das Inkareich lehrt überdies noch ein anderes: Trotzdem die Eroberer, die Inkas, selbst in Markgenossenschaften zusammenlebten, finden wir bei ihnen schon 4 herrschende Geschlechter, deren Vertreter an der Spitze der 4 Provinzen standen, in die das Land eingeteilt war. Die Inkas hatten schon ein stehendes Heer notwendig zur Aufrechterhaltung der Eroberung. Es gab also schon eine gewisse Aristokratie innerhalb der Mark. Wie ist die entstanden?

Die vier Geschlechter werden die Eroberung in die Hand genommen haben. Diese vier Geschlechter hätten wahrscheinlich immer mehr eine besondere Stellung eingenommen, wenn nicht die spanische Eroberung diesem Prozess ein Ende gemacht hätte.

Ähnliche Beispiele, dass sich..................... Mark verträgt, haben wir noch mehrere. Z. B.: Das älteste historische Zeugnis von der Insel  K r e t a  ist, dass sie von Doriern erobert wurde. Die Dorier waren einer der Hauptstämme der Griechen. Die Eroberung fand in vorhistorischer Zeit statt. Wer auf Kreta wohnte, wissen wir nicht. Die eroberte Bevölkerung auf Kreta musste den ganzen Ertrag ihrer Äcker abzüglich des für sie und ihre Familien erforderlichen Unterhalts abliefern an die Eroberer. Aus diesen Abgaben der unterjochten kretischen Bevölkerung wurden die Kosten der gemeinsamen Ma[h]lzeiten der Freien bestimmt. (bestritten). Daraus ergibt sich, dass die Dorier im Kommunismus lebten. Ein Beispiel, dass sich die Markgenossenschaft sehr wohl mit der Ausbeutung anderer Marken verträgt. Das Land gehörte weiter der kretischen Bevölkerung, sie hatte nur die Abgaben zu leisten. (Die griechische Sage von dem Minotaurus, der die Jünglinge und Jungfrauen fraß, erklärt sich daraus, dass die Unterworfenen den Eroberern auch Jünglinge und Jungfrauen liefern mussten, ebenso wie die Keshua-Stämme im Inkareich.)

Ähnliche Verhältnisse gab es noch sonst wo in Griechenland.

In Thessalien wurden die früheren Einwohner, die vor den Griechen dort wohnten, von den Äoliern unterworfen und zu höheren Zinsbauern herabgedruckt. Sie hatten einen Namen, der „arme Leute“ bedeutete. Ursprünglich war dieser einer ihrer Volksnamen.

Die ............. sind von ........... nach Kleinasien eingewandert, haben Bithynien erobert und sich die dortigen Einwohner gleichfalls unterworfen und sich zinspflichtig gemacht.

Das interessanteste und reifste Beispiel aber ist Sparta selbst. In Sparta finden wir noch sehr starke Überlieferungen der Gentil-Verfassung. Die Spartaner haben die unterworfene Bauernbevölkerung der Heloten als Staatssklaven verwendet. Sie wurden vom Staate, d.h. von der Markgenossenschaft, den Einzelnen überlassen. Die Einzelnen durften aber die Sklaven nicht töten oder nach auswärts verkaufen, weil die Sklaven Gemeineigentum waren. Die Heloten bebauten die Ackerlose der Spartaner und mussten einen festen Ertrag abliefern. Was sie darüber hinaus gewannen, gehörte ihnen. Das Land aber gehörte den Spartanern. Es war ihnen von diesen genommen worden, und sie arbeiteten also auf einem ihnen nun fremden Lande, das ihnen vordem gehört hatte. Sie waren auch kriegspflichtig.

Die Spartaner heirateten auch die Helotinnen. Die Kinder aus solchen Ehen waren, wenn sie spartanisch erzogen wurden, nicht nur frei, sondern auch Bürger. Die Erziehung gab also dafür den Ausschlag. Sie hießen: Mothaken = Mischlinge.

Ausser den Spartanern und Heloten gab es in Sparta noch eine Bevölkerung, die Periöken, d.h.: um die Stadt wohnende (daher das Wort Peripherie). Die Periöken waren politisch ohne Rechte, aber persönlich frei.

Die Spartaner lebten noch in der Gens. Innerhalb der Gens war die Heirat verboten, es bestand das Gentil-Erbrecht, d.h. das Vermögen blieb in der Gens. Die Heirat innerhalb der Gens war nur den Erbinnen erlaubt, damit das Vermögen innerhalb der Gens blieb. Aus den Abgaben der Heloten wurde in Sparta ein kommunistischer Haushalt geführt. Die kommunistischen Ma[h]lzeiten[1] in Sparta werden von bürgerlichen Historikern meist ausgelegt als militärische Klubma[h]lzeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Kreta und Sparta?

In Kreta war das Land Eigentum der Einwohner geblieben, auch nach der Eroberung durch die Dorier, die nur Abgaben von den Eroberten forderten.

In Sparta wurde den Heloten das Land von den Spartanern genommen und die Heloten gezwungen, dieses Land für die Spartaner zu bearbeiten. Die Heloten konnten nur dann exi­stieren, wenn sie ihren Herrn und dadurch sich selbst ernährten. Sie wurden von der Markgenossenschaft der Spartaner im ganzen beherrscht und den Einzelnen zugeteilt, wurden also wie eine Sache behandelt. Sie dienen also als Arbeitskraft auf fremden Boden. Sie haben keinen eigenen sozialen Zusammenhalt mehr, sind eingegliedert in die Markgenossenschaft der Spartaner. Aber sie sind nicht ein aktiver Teil der Mark der Spartaner, sondern nur die Arbeitskräfte ihrer Ausbeuter. Sie haben keinen Boden mehr, der die wirtschaftliche Grundlage ihres sozialen Zusammenhangs war. Sie können nur Spartaner werden, wenn sie Kinder von Spartanern mit Helotinnen sind, und wenn sie als solche spartanisch erzogen werden, ausser dem kann nur Auszeichnung i[m] Kriegsdienst sie zu vollberechtigten Gliedern der spartanischen Mark machen. Sie sind also schon Sklaven, sie leben in einem Klassenstaat.

Wenn wir die Peruaner, Kreta und Sparta nebeneinander stellen, so müssen wir als ältere Formen die in Peru und Kreta setzen und als jüngere Form die spartanische. In Peru und Kreta sind die Eroberten noch keine Sklaven. Sie sind Markgenossen wie früher. Es herrscht dort noch keine Klassenherrschaft, keine Klassengesellschaft. Eine Klassengesellschaft ist die Gliederung von Klassen innerhalb einer Gesellschaft. In Peru und Kreta aber handelt es sich um die Ausbeutung einer Gesellschaft durch eine andere Gesellschaft.

Die Heloten aber gehören mit den Spartanern in einen sozialen Verband. Darum leben sie in einer Klassengesellschaft.

Die Sklaverei beschleunigt die Auflösung des kommunistischen Verbandes und geht Hand in Hand mit dem Aufkommen des Privateigentums. Das steht im Widerspruch zu Engels, der die Sklaverei erst nach dem Privateigentum entstehen lässt.

Die Sklaverei trat natürlich auch in verschiedenen Phasen auf, je nach dem Entwicklungsgrad der betreffenden Gesellschaft.

Der erste Beginn der Sklaverei ist eine Art Fronverhältnis. Der Kommunismus wird weitergeführt, nur gewisse Abgaben müssen geleistet werden. Das wirkt zersetzend auf die Eroberten, wie die Eroberer. Auf späterer Stufe wird den Eroberten das Land entzogen, es tritt schon Sklaverei ein. Aber die Eroberten werden noch kommunistisch ausgebeutet. Dann Zersetzung des Kommunismus. Aufkommen des Privateigentums. Dadurch werden auch die Sklaven Privateigentum. Während vorher die Sklaven nicht getötet und verkauft werden durften, weil sie Gemeineigentum waren, darf, wenn das Privateigentum aufkommt, der Einzelne mit dem Sklaven tun, was er will.

Die Ausbeutung einer Mark durch die andere wirkt auf die ausbeutende Mark zersetzend, das zeigen schon die Inkas. Der Zersetzungsprozess wird beschleunigt. Zuerst findet die Eroberung statt, dann findet eine Umänderung der Organisation statt. Um sie zu befestigen, entwickelt sich ein gewisser Stand, das Militär; dadurch Ungleichheit in der Mark. Die Vorsteherschaft entwickelt sich schneller, wo Eroberungen und Kriege vorkommen.

 

Die Entwicklung der Sklaverei bei den Griechen

Zu der Zeit, wo die Griechen in die Geschichte eintreten, befinden sie sich in dem Zustand einer zersetzten Gens. Zwar sind noch starke Überbleibsel der Gentil-Verfassung da, aber immerhin besteht schon ein bäuerliches Privateigentum und freies Verfügungsrecht über das Land. Der Bauernstand steckt schon in starker Verschuldung. Neben ihm gibt es einen Adel. Seine Ansätze sind schon in der Gentil-Verfassung zu finden. Die Adligen sind die Nachkommen der Inhaber der öffentlichen Ämter in der Gentil-Verfassung: Markvorsteher, Hirten usw. Sie werden in der Mark hauptsächlich erhalten aus der ungeteilten Mark und legen mit der Zeit immer mehr und mehr Beschlag auf sie. Dadurch erhalten sie grössere Güter, und mit dem Aufkommen der Erblichkeit der Ämter werden sie mehr und mehr eine Masse, die von der Masse der Bauern erhalten wird. So entsteht der Kleinadel, der schon Vorrechte und Güter hat. Die früheren Markgenossen sind schon die verschuldeten Bauern, die Abgaben leisten müssen an den Adel.

Die Verhältnisse wurden sehr beeinflusst durch die Kultur des Orients, die älter und weiter gediehen war. Um alle Geschehnisse in der antiken Welt, in Griechenland und Rom, verstehen zu können, muss überhaupt der Einfluss des Orients in Betracht gezogen werden, also Vorderasien, Assyrien, Babylonien, Aegypten und Phönizien. Die Historiker und Prähistoriker betonen den Einfluss Vorderasiens sehr stark. Die Kriegstechnik des Orients zumal hat vor allem grossen Einfluss gehabt. Die Kriegswagen der Griechen stammen aus Vorderasien.

Namentlich ausschlaggebend war der Warenaustausch mit dem Orient. Es waren Luxuswaren zur Verfeinerung der Lebensweise, die ausgetauscht wurden. Sie herbeizuholen, war der Zweck des Austauschs. Denn in den alten Reichen war schon keine starke Differenzierung der Klassen eingetreten; die oberen Schichten lebten sehr luxuriös. In Griechenland bestand bereits im 10., 9. Jahrhundert vor Christi eine starke Zersetzung innerhalb der Gesellschaft.

Der Austausch mit dem Orient führte zu zweierlei:

1. gab er dem Adel Anreiz, verschiedene Produkte herstellen zu lassen, die er für Luxuswaren aus dem Orient eintauschen konnte. Dazu gehörten Öl, Wein und Metalle.

2. verbreitete sich im Zusammenhang mit dem Austausch anstatt der früheren Naturalwirtschaft eine Geldwirtschaft, denn aus dem Orient kommt als Austauschmittel Metall. Bei der Naturalwirtschaft werden alle Produkte nur für den Lebensunterhalt erzeugt und zwar hauptsächlich von den Menschen selbst, die sie verzehren, abgeben oder austauschen. Der Markvorsteher erhielt zu seiner Erhaltung Lebensmittel. Nun, da er sich in den Adel verwandelt hatte und die Geldwirtschaft aufkam, mussten die öffentlichen Abgaben in Geld, in Naturalien entrichtet werden. Das verursacht, dass die Bauernwirtschaft immer mehr in Schulden [gegenüber][2] grösseren Grundbesitzern verfällt.

Zur Zeit Homers, etwa der gleichen Zeit wie die Zeit der Völkerwanderung bei den Germanen, überwog in Griechenland noch die Viehzucht über den Landbau, der [damals] schon bedeutend war. Der Adel nahm in dieser Zeit, nach Homer zu schließen, noch selbst an der Produktion teil. Er stellte die Krieger, er hatte den Austausch mit dem Orient in der Hand. Das lässt sich auch aus der Mark ableiten. Die Mark hatte auch schon einen Austausch, aber ausserhalb, nicht in ihren eigenen Grenzen. Die Mark als Ganzes tauschte aus. Da die Mark als solche aber den Austausch nicht führen konnte, so ergab sich, dass die natürlichen öffentlichen Ämter zugleich die natürlichen öffentlichen Organe des Austauschs waren. Und aus diesen öffentlichen Organen wurde ja später der Adel.

Als Sitze des herrschenden Kriegsadels gab es schon Burgen, also eine ständige Einrichtung des Militarismus. Die Burgbauten waren Fronarbeiten des umgebenden Landvolks. Je mehr die früheren Ämter in der Mark erblich wurden, je mehr wuchsen die Abgaben der Bauern. Statt Geld hatten sie nun Fronarbeiten zu leisten. Es waren dies Fronarbeiten, weil sie ja nicht mehr für ein gewähltes Organ geleistet wurden. Ein historisch überkommenes, verkehrtes Verhältnis von ehemals.

Die Verfeinerung der Lebensweise des Adels führte zu einer immer größeren Scheidung zwischen ihm und den Bauern. Es entstand auf der einen Seite die Masse der Bauern, die alle Arbeit leistete, auf der andern Seite das kleine Häuflein adliger Familien, die nur das Kriegswesen und den zur Hebung ihrer Lebensweise bestimmten Austausch als ihre Beschäftigung ansahen. Der Adel hört schliesslich auf, am Produktionsprozess teilzunehmen. Das steigert die Lebensweise noch mehr. Aus dieser Steigerung wieder ergibt sich ein grösserer Austausch, und damit er ermöglicht wird, muss die Produktion danach eingerichtet werden.

Der passive Handel geht in den aktiven Handel über. Das heißt, während der Adel früher nur den Überschuss über die Konsumtion zum Austausch brachte, lässt er jetzt auf seinen Gütern mehr Austauschprodukte herstellen: Öl, Wein, Metalle. Die werden ausgetauscht gegen feines Linnen, Wohlgerüche, Purpur usw. Mit de[m] zunehmenden Handel kommt Metall immer mehr in Gebrauch. Die Bauern müssen mehr und mehr ihre Abgaben in Geld liefern, sie geraten mehr und mehr in Verschuldung.

Das führt zur Einrichtung der Schuldsklaverei. Bauern, die ihre Abgaben nicht leisten können, verwandeln sich in Sklaven, die dem Adel auf Tod und Leben überantwortet sind und alles, was sie arbeiten, für ihn arbeiten müssen.

Im Zusammenhang damit bildet sich eine neue soziale Form heraus, die antike Stadt. Das war der Umkreis, in dem der Adel wohnte. Er hatte in der Stadt Häuser und ausserhalb der Stadt seine Güter. In der Stadt wohnen, das bedeutete, dass man nicht am Produktionsprozess teilnahm, denn der Acker lag auswärts, der damals noch die Hauptquelle war.

Um in der Stadt leben zu können, war es notwendig, dass der Adel Handwerker um sich herum hatte und städtische Händler, die für ihn den Austausch vermittelten; ausserdem gehörten dazu eine ganze Reihe von persönlichen Bedienten. Hier erst entwickelt sich die Grundlage der eigentlichen Sklaverei, wie wir sie nachher in Griechenland sehen.

Schon bei Homer Spuren der Sklaverei, nur in adligen Familien und in geringer Zahl. In dieser ersten Phase der Sklaverei überwiegt das weibliche Element. Sklavinnen werden benutzt als Kebsweiber, Ammen, Mägde im Hause, die neben der Hausfrau und unter ihrer Leitung arbeiten.

Dann kommt mit dem Verfall des Bauernstandes die Schuldsklaverei hinzu.

Diese Verhältnisse führen im 6. Jahrhundert schon zu Revolutionen in Griechenland.

Der ruinierte Bauernstand rebelliert und verlangt Neueinteilung des Grund und Bodens, eine utopische Forderung, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollte. Wenn auch dieser Ruf in der Solonischen Revolution 594 unerhört verhallen musste, so hat die Rebellion doch eins herbeigeführt: die Aufhebung der Schuldsklaverei. (Siehe im „Ploetz“.) (Solon war der Gesetzgeber, solonische Revolution ist hier aufzufassen als Umwälzung.)

Aus diesen Verhältnissen ist der frappante Zug der Geschichte in Griechenland zu erklären, dass dort die Klassenherrschaft die originelle Form der Herrschaft der Stadt über das Land annahm.

Zugleich mit dem Adel entwickeln sich Sklaverei und Handel.

Nachdem die Sklaverei zunächst zur persönlichen Bedienung eingeführt worden war, musste der Adel mit der Steigerung seiner Lebensweise dazu kommen, Sklaven zu kaufen, um durch sie Austauschprodukte herstellen zu lassen. In Griechenland sehen wir zum ersten Mal, dass bestimmte Werkstätten hergerichtet wurden, in denen Sklaven Austauschprodukte herstellten. Verwendung von Sklaven auf Oel- und Weinplantagen und massenhafte Verwendung von Sklaven in den Bergwerken. Die Sklaven treten direkt als Konkurrenten der proletarisierten Bauern auf, die eventuell auf den grossen Gütern des Adels Verwendung finden könnten. Im Bergwerk wurde die freie Arbeit gänzlich durch Sklavenarbeit verdrängt. Zunächst verrichteten die fronenden Bauern auch die Handwerksarbeit für den Adel. Mit der Verfeinerung der Bedürfnisse aber genügen sie nicht mehr; es bilden sich Spezialisten heraus, die viel feinere Arbeit im Handwerk leisten. Schliesslich wird der freie Handwerker massenhaft durch Sklaven verdrängt.

So sehen wir denn in Griechenland, namentlich in Attika, dass reiche Griechen ganze Werkstätten errichten, in denen Sklaven Produkte  für den Austausch herstellen. Demosthenes, der Vater des berühmten Redners, hatte eine Werkstätte, in der 30 Sklaven als Schwertfeger-Waffenschmiede unter Aufsicht arbeiteten.

Infolge der solonischen Revolution wurde nicht nur die Schuldsklaverei abgeschafft, sondern auch die Kriegspflicht der Bauern eingeführt. Sie wurden sozusagen zu vollberechtigten Bürgern. Das trug aber bei den gegebenen Verhältnissen zur noch rapideren Zersetzung der Bauern bei. Denn mit der Entwicklung des Handels, der in Griechenland zum großen Teil Seehandel ist, kam eine Handels- und eine Kriegsflotte auf. Dadurch grosse Militärlasten auf dem ganzen Volk. Die Lasten zur Kriegsflotte war eine der stärksten Lasten der Bauern.

Nachdem die Schuldsklaverei abgeschafft worden war, wurden die Kriegsgefangenen immer mehr das Material für die Sklaverei. Später, im 7. Jahrhundert, mehr und mehr die Kaufsklaverei. Die Kaufsklaven waren die Völker, die um das Schwarze Meer herum wohnten. Zum Teil auch stammten sie aus wenig kultivierten Gegenden aus dem Westen, dem heutigen Spanien, heutigen Gallien. Die Griechen hatten dort nämlich überall Kolonien. Die Kolonisation war eine der Ursachen des Bauernverfalls. Wo eine Masse von Griechen einen Fleck eroberten, namentlich war es immer am Ufer des Meeres, da gründeten sie sich fest mit ihren Einrichtungen, und es wurde eine griechische Stadt. So war Chios, eine Insel, eine griechische Kolonie; hier war ein grosser Austauschmarkt für Sklaven.

Namentlich massenhaft war die Sklavenwirtschaft in Zentren, wo sich grosse Bergwerke und Plantagen befanden, also auf Sizilien und in Attika (Attika ist Athen mit einem gewissen Umkreis), in Korinth und anderen.

Nach der solonischen Revolution gab es also: gefangene, gekaufte und im Hause geborene Sklaven.

 

Angaben über die Größe der Sklaverei

Die Frage nach der Grösse der Sklaverei in Griechenland und überhaupt in der alten Welt ist ein Streitpunkt unter den Gelehrten, den Oekonomen und Historikern.

Rodbertus hat sich verdient gemacht durch die Schilderung der alten griechischen Eukenwirtschaft (Eukus ist das Haus, die Familie, zusammen mit Knechten, Mägden und Sklaven). Er hat durch diese Schilderung den Eindruck hervorgerufen, dass das gesamte ökonomische Leben in der Alten Welt auf der Sklavenarbeit beruhte. Diese Auffassung akzeptierte Professor Bücher, nach dem die erste Phase der ökonomischen Entwicklung die geschlossene Hauswirtschaft ist, auf der Sklavenarbeit basierend. Nach Bücher hat diese Hauswirtschaft bis zum Mittelalter geherrscht.

Gegen diese Auffassung hat sich in der letzten Zeit sehr scharf Professor Eduard Meyer erhoben. Zwei Schriften von ihm sind empfehlenswert:

1. Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums. Ein Vortrag, 1895.

2. Die Sklaverei im Altertum. 1898.

Die erstere Schrift hat Kautsky im „Ursprung des Christentums“ mehrfach zitiert.

Dann ist im Handwörterbuch der Staatswissenschaften in mehreren Artikeln von Professor Eduard Meyer (unter „Bevölkerung im Altertum“) seine Ansicht niedergelegt.

Bei Professor Eduard Meyer ist leider das entgegengesetzte Extrem eingetreten. Er weist hauptsächlich nach, dass die Sklaverei ziemlich geringe Bedeutung im Altertum hatte, und stützt seine Einschätzung darauf, dass die Anzahl der Sklaven der Anzahl der Freien entweder gleich oder noch geringer als diese war (ausgenommen geringe Epochen).

Diese seine Begründung ist nicht stichhaltig. In der heutigen Gesellschaft herrscht kapitalistische Produktion. In ihr stehen die Industriearbeiter. Die Landarbeiter, die kleinen Handwerker, die Schicht der gebildeten Berufe usw. gehören nicht zu ihnen. Aber sie, die Indu­striearbeiter, prägen ihre Existenzbedingungen auch immer mehr den anderen Schichten auf. Nach ihnen ist die heutige Gesellschaft gestaltet, und doch sind sie die Minderheit der Bevölkerung.

So können auch die Sklaven die Minderheit der Bevölkerung gewesen sein, und doch kann das gesamte ökonomische Leben der alten Welt auf ihnen geruht haben. Nicht die Zahlen sind massgebend, sondern die Gesamtsumme der Tendenzen, die sich daraus ergeben, ist massgebend.

([...][3] Eduard Bernstein kam nach der Volkszählung von 1905 auch damit an, dass er sagte, es existieren noch so und so viele Handwerker, Gewerbetreibende usw. Aber das besagt nichts dagegen, dass das Proletariat der Unterbau der heutigen Gesellschaft ist. Mit Zahlen darf man da nicht kommen.)

Die ersten genauen Angaben über die Arbeit der Sklaven haben wir namentlich aus dem 5. Jahrhundert, aus Perikles Zeiten, der 444-429 lebte. Er stand vor in Attika und hatte grossen Einfluss. Damals gab es in Attika nach den neuesten Berechnungen von Beloch 130-150.000 Freie, 100.000 Sklaven. Die Gesamtbevölkerung ganz Griechenlands betrug 2.250.000. Darunter zählte Beloch 850.000 Sklaven zu derselben Perikles’schen Zeit.

Professor Meyer hat die Zahlen noch revidiert. Nach ihm kommen um das Jahr 431, zu der Perikles’schen Zeit, in Attika: 170.000 Freie, Metöken, die Nachkommen der Bürger mit den Sklaven, Mischlinge, und 150.000 Sklaven. (Das heutige [...] Griechenland hat über 2 Mill. Einwohner, ist also ungefähr stabil geblieben.)

Nachher verschärfen sich die Verhältnisse in Griechenland, nach der Periklesschen Zeit Wendepunkt. 431-404 vor Christi der Peloponnesische Krieg zwischen Sparta und Athen. In diesem Krieg ging eine kolossale Masse der freien Bauern zugrunde, weil sie ja die Infanterie ausmachten. Nachher nimmt die Sklaverei noch mehr zu. Für Attika im 4. Jahrhundert, 317-307, die folgende Statistik: 90.000 freie Bürger, 40.000 Metoken, 400.000 Sklaven.

Diese Zahlen werden von Professor Meyer nicht bestritten, die beweisen, dass nach dem Krieg die Anzahl der Sklaven die der anderen Bevölkerung übertrafen. Er sagt nur, vorher sei das nicht gewesen und auch dann nicht in ganz Griechenland, sondern nur in einigen Zen­tren. Übrigens spricht Professor Meyer von Industrie und Fabriken in Griechenland, ein typisch bürgerlicher Zug.

Nun, wo die Sklaven so überhand nahmen, wurden sie nicht nur im Handwerk, Bergwerk und auf den Plantagen verwendet, sondern sehr stark zu persönlichen Diensten. Sklaven wurden zu dem Gut eines freien Bürgers gehörig betrachtet. Einzelne Bürger besaßen 50, andere aber auch 1000 Sklaven. Es wird im 4. Jahrhundert zur Mode, dass ein Freier keinen Schritt in der Stadt tut, ohne vor und hinter sich eine Schar von Sklaven zu haben. Als in Athen die Stutzer aufkamen, trugen die Sklaven für die Stutzer Stühle mit, liessen den Herrn aller paar Schritte niedersitzen und verscheuchten ihm durch Wedeln die Hitze. (wedelten ihm Kühlung zu).

Sehr stark kommen durch Aristoteles (geboren 384 vor Christi gestorben 322 v. Chr.) die Zeitverhältnisse, die Ansichten der damaligen Zeit zum Ausdruck. In seinem Werk „Die Politik“, das aus 8 Büchern besteht, schreibt er:

„Das ist erst ein vollständiger Haushalt, der aus Sklaven und Freien besteht.“

Aus dem Buch I der „Politik“:

„Die Wissenschaft des Herrn reduziert sich darauf, seine Sklaven richtig zu gebrauchen. Er ist der Herr, nicht weil er der Eigentümer eines Menschen ist, sondern weil er sich seiner Sache bedient. Der Sklave bildet einen Teil des Reichtums der Familie.

Aus dem Buch III der „Politik“:

„Die Natur selbst hat die Sklaverei geschaffen. Tiere teilen sich in männliche und weibliche. Das Männliche ist das Vollkommenere, es herrscht. Das weibliche ist unvollkommen, es gehorcht. Nun, es gibt im Menschengeschlecht Individuen, die anderen ebenso untergeordnet sind, wie der Leib der Seele, wie das Tier dem Menschen. Das sind jene Wesen, die nur zur körperlichen Arbeit taugen, und die zu nichts Vollkommenerem geeignet sind. Diese Individuen sind von der Natur zur Sklaverei bestimmt, weil es für sie nichts Besseres gibt, als zu gehorchen. Besteht denn in der Tat ein so grosser Unterschied zwischen dem Sklaven und dem Tiere? Ihre Dienste gleichen einander, nur durch ihren Körper sind sie uns nützlich. Aus diesen Prinzipien können wir schliessen, dass die Natur Menschen für die Freiheit und andere für die Sklaverei geschaffen hat, dass es nützlich und gerecht ist, dass der Sklave gehorcht.“

Es herrschte ein vollständiger Bruch zwischen geistiger und körperlicher Arbeit. Nach Aristoteles hat die Natur die Sklaven geschaffen, und die physische Arbeit, die Grundlage der Produktion, ist nach ihm auch die Grundlage der Unfreiheit.

Die freien Bauern waren zugleich Mitglieder der Gesellschaft, zugleich Bürger, nahmen noch an vielen öffentlichen Angelegenheiten teil.

Mit der Zeit kommt auf, dass jeder Adlige in der Stadt wohnen und seine Hauptbeschäftigung sein muss, sich mit Staatsgeschäften zu befassen, abgesehen von der Beschäftigung mit Wissenschaft, Kunst, Kriegsdienst. Die Bauern werden proletarisiert, finden nirgends Arbeit, weil überall Sklaven sind. Sie werden überflüssig, zählen nicht.

Der Sklave hat als Fremder gar keine Möglichkeit, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Er hat keine öffentlichen Pflichten. Deshalb volles Verfügungsrecht des Herrn über ihn; weil keine Bürgerrechte, kein Schutz des Staates.

Wenn auch die Sklaven die weniger Zahlreichen waren, sie waren doch die Hauptsache. Sie proletarisierten die Bauern. Trennung des geistigen Lebens vom Produktionsprozess.

Das sind die Früchte der Sklaverei. Daraus musste sich der Verfall der griechischen Gesellschaft ebenso wie der römischen ergeben.

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Schlussfolgerungen:

In Griechenland führte die Sklaverei die Trennung des Wissens vom Produktionsprozess herbei. Vorher war das Wissen nicht von der Arbeit in der Produktion getrennt. Das Wissen wurde gemeinschaftlich gesammelt in der Produktion. Alle arbeiteten, und alle arbeiteten zusammen. Wissen war immer notwendig. Um einen Stein zu behauen, um Werkzeuge herzustellen, dazu waren naturwissenschaftliche Kenntnisse notwendig; um die Einteilung in der Mark vorzunehmen, dazu gehörte schon eine Menge Wissen.

Die nächste Form ist, dass das Wissen bei den Priestern ruht. Sie durften, so in Indien, nicht am Ackerbau teilnehmen. Dadurch gewannen sie Zeit zu ausgedehnterer geistiger Arbeit. Die war notwendig, um z. B. im Orient die grossen Wasserleitungen, die Kanalisation zu leiten, die nicht von einer Mark ausgeführt wurden, sondern von mehreren. Die Priester hatten innige Fühlung mit der Natur, schon weil sie den Kultus zu versehen hatten, der ja damals ein Naturkult war.

Die nächste Form, in der das Wissen sich von der Produktion trennte, war die Sklaverei. Und zwar fand in ihr gleich eine vollständige Scheidung zwischen körperlicher und geistiger Arbeit statt.

Das kam der Wissenschaft und der Kunst zugute. Sie konnten jetzt, ohne an die Produktion gebunden zu sein, frei in der Luft schweben, der Zeit vorauseilen. Die Kunst gelang in Griechenland zu einer Blüte, die bis heute nicht erreicht worden ist. Aristoteles hatte ohne die Sklaverei nie das werden können, was er war. In allem, was es heute gibt, knüpfen wir an die antike griechische Welt an, an Aristoteles. In diesem Sinne können wir sagen: Ohne die Sklaverei gäbe es keinen Sozialismus.

Auch dem Produktionsprozess kam das Wissen noch zugute.

Der Ausschluss der Sklaven vom geistigen Leben führte natürlich auch dazu, dass die Herrschenden Gesetze gaben, die natürlich ihrem Interesse dienten, aber von den Sklaven mitgehalten werden mussten, obwohl sie nicht an dem Zustandekommen beteiligt waren. Viel anders ist es ja heute noch nicht. Es herrschte also und gab Gesetze eine Klasse, die gar nicht am Produktionsprozess teilnahm. Diejenigen, die alle Werte schufen, mussten sich ihr fügen.

In der sozialistischen Gesellschaft wird das Wissen Gemeingut aller sein. Alle Arbeitenden werden das Wissen haben.

 

Die Sklaverei in Rom.

Die Geschichte der römischen Sklaverei ist eine spätere, als die der griechischen, wie auch die ganze römische Geschichte eine spätere ist. Rom wurde erst im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet. In Griechenland reicht die vorhistorische Homerische Zeit bis ins 10., 11. Jahrhundert v. Chr., wo ja schon die Sklaverei, wenn auch nur in geringem Umfang, bestand. Rom übernahm sozusagen die Sklaverei von Griechenland; sie tritt daher in Rom auch schon fertiger auf.

Im allgemeinen unterscheiden wir 3 Perioden der Sklaverei in Rom:

Die erste reicht bis zu den punischen Kriegen, also bis ins 3. Jahrhundert v. Chr.;

die zweite von den punischen Kriegen bis zur Kaiserzeit, das ist kurz vor und kurz nach Chr. Geburt; im 1. Jahrhundert;

die dritte vom 1. Jahrhundert, d.i. von der Zeit um Chr. Geb. bis zum Verfall des römischen Reiches.

In der ersten Periode ist der Typus des wirtschaftlichen Lebens in Italien die Bauernwirtschaft. Es ist freilich schon ein Adel vorhanden, ein grösserer adliger Grundbesitz, Differenzierung ist schon da. Adel und Bauern leiten wir, wie in Griechenland, aus der Mark ab; die Bauern sind frühere Markgenossen, der Adel diejenigen, die in der Mark die öffentlichen Aemter inne hatten.

Die Produktionsweise auf dem adligen Gut unterscheidet sich fast gar nicht von der auf dem bäuerlichen Gut, der Unterschied liegt nur im Umfang. Zur wirtschaftlichen Umwälzung sind noch keine grösseren Grundlagen vorhanden.

Die Sklaverei ist in dieser ersten Periode schon eingeführt, aber noch in beschränktem Umfang. Auf dem adligen Grundbesitz gibt es etwas mehr Sklaven, auf dem bäuerlichen weniger. Manche ärmeren Bauern haben auch gar keine Sklaven. Die Sklaven sind hier noch ländliche Arbeiter. Da die Bauernwirtschaft der Typus der Verhältnisse ist (es wurden nur die Bedürfnisse befriedigt), so ist dadurch ein gewisser patriarchalischer Zustand auch bei den Sklaven gegeben. Sie arbeiten bei einem Bauern neben seiner Familie, bei den Adligen oder den Pächtern neben den anderen Ackersknechten. (Die Adligen gaben vielfach Land in Pacht, das wurde wie das bäuerliche Land bearbeitet.)

Die Sklaven werden also als landwirtschaftliche Arbeiter neben den Freien, zusammen mit den Freien beschäftigt. Es sind meistens schon gekaufte Sklaven. Sie werden meist mit 20 Jahren gekauft; wenn sie alt und krank werden, werden sie meist zu billigen Preisen verkauft. Der Grundbesitz eines Adligen hiess in der ersten Periode in Rom: Villa rustica, d.h. Landgut. Es bestand gewöhnlich aus einem Wohnhaus für den Villicus, den landwirtschaftlichen Leiter des Betriebs, einen Beamten des Gutes. Er hat zusammen mit den Sklaven ein Wohnhaus. Daneben Viehställe, Speicher usw. Für den Herrn wurde oft ein besonderes [...] gebaut. Alle Sklaven in einem solchen Betriebe bekamen periodisch und in bestimmten Mengen alle Lebensmittel. Kleider und Schuhe wurden gewöhnlich auf dem Markte gekauft. Jeden Monat bekamen sie ein Mass Weizen, (Roggen und Hafer waren damals noch unbekannt,) und jeder musste sich dieses [im] Haus selbst mahlen. Ausserdem Salz, Oliven, gesalzene Fische, Wein und Oel. Sie lebten also in der ersten Zeit so, dass wir sie nicht bedauern können. Ein und dasselbe gehörte zum Leben der Sklaven, der Bauern und mit wenigen Unterschieden auch des Adels.

Neben dem Villicus gab es eine Villa, die Wirtschafterin, die für das gesamte Gesinde das Essen kochte, und alle nahmen ihre Mahlzeit gemeinsam ein. Etwa fluchtverdächtige Sklaven oder solche, die sich ernstlich vergangen hatten, wurden gefesselt und zur Strafe in unterirdische Verliesse gelassen, aber das war in der ersten Periode nur Ausnahme und geschah nur in Fällen von Verschuldung der Sklaven. Der Sohn der Familie wurde damals oft in derselben Weise bestraft wie der Sklave. Beide standen unter der unbeschränkten Gewalt des Familienvaters.

Bei grösseren Arbeiten, die eine Anhäufung grösserer Arbeitskräfte in kurzer Zeit erforderten, reichten die Sklaven nicht aus, und es wurden freie Tagelöhner hinzugenommen, die mit den Sklaven die Arbeit erledigten, z. B. bei der Ernte. Olivenlese und Weinlese wurden gleichfalls gewöhnlich freien Unternehmern mit Sklaven übergeben; d.h., es gab solche, die die Erledigung solcher Arbeiten übernahmen, und sie brachten eigene Sklaven mit. Dafür kriegten sie ihre Entschädigung. Im allgemeinen war die Ernährung und Behandlung der Sklaven eine gute. An Feiertagen wurden sie von der Arbeit befreit. Und da sie in Rom zur Familie gehörten, so nahmen sie an den religiösen Kulten, den Familienkulten teil. (Es gab in Rom nicht nur Staatsgötter, sondern jede Familie hatte auch ihre Hausgötter.)

 

Zweite Periode.

Im Schosse der römischen Gesellschaft treten tiefe Umwälzungen um das 3. Jahrhundert ein. Es beginnt der Kampf um die Bildung des Weltreichs Rom. Er wird eingeleitet durch eine endlose Reihe von Kriegen. Wendepunkt sind die punischen Kriege. Fast kein Jahr vergeht ohne Krieg.

Zunächst die punischen Kriege mit Karthago. Der 3. Krieg, der mit dem Siege endete, war 146 beendet.

Dann beginnen gleichzeitig mazedonische Kriege. (Mazedonien war damals ein Teil Griechenlands im Norden.) Drei mazedonische Kriege:

der erste                                                               215 – 205            
der zweite                                                            200 – 197            
der dritte                                                              171 – 168.

Dann fast gleichzeitig ein Krieg mit Antiochas und Syrien, in Asien, südöstlich von Kleinasien, 192–189.

Dann der griechische Krieg mit dem [Aetorischen] Bund 146, also gleichzeitig mit dem 3. punischen.

Dann der Krieg in Spanien, die Unterwerfung Spaniens, 143-133.

Dann folgt der Krieg mit Numidien, liegt in Afrika (im Atlas von Putzger, 1909, Seite 3a, östlicher Teil der alten Welt), 111-105 v. Chr.

Ein Krieg mit Cimbern und Teutonen, 113-101 (Atlas von Putzger Seite 9 im Norden).

Ein Krieg mit dem pontischen Königreich in Kleinasien, 88-64 (Atlas v. Putzger Seite 9 im östl. Teil).

Mit Kelten, gallischer Krieg, im heutigen Frankreich, 58-51.

Darauf die sogenannten alexandrinischen Kriege in Aegypten im 30. Jahr v. Chr. Geb.

Das ist die Zeit, die die 2. Periode in der römischen Sklaverei umfasst.

Ein Knäuel von Kriegen in immer weiterem Umfang, ein Zusammenstoss der griechisch-römischen Kultur mit allen umwohnenden zurückgebliebenen Völkerschaften.

Alle diese Kriege waren siegreich für Rom. Sie endeten mit der Gründung des römischen Reiches, Verwandlung aller dieser Länder in römische Provinzen, Tributpflicht, mit der Einführung des römischen Rechts dort.

Die Bauern waren das grosse Material in den Kriegen. Sie waren die Soldaten. Das brachte den völligen Verfall der bäuerlichen Wirtschaft mit sich, und die war der Eckstein des ganzen ökonomischen Lebens des Landes. Es werden der bäuerlichen Wirtschaft die Arbeitskräfte entzogen und ihr eine ungeheure Steuerlast aufgebürdet. Denn die Führung der Kriege erforderte Geldmittel, die das römische Reich durch Steuern aufbrachte; sie fielen auf die bäuerliche Wirtschaft.

Diese beiden Wirkungen zeitigen die erste Phase der 2. Periode: den Ruin der bäuerlichen Wirtschaft und die Bildung des Grossgrundbesitzes. Die letztere kommt dadurch zustande, dass die Grossgrundbesitzer die Bauern von ihrem Eigentum trennen, wenn sie ihre Schulden nicht zahlen können.

Da dem freien Bauern der eigene Boden unter den Füssen fortgezogen wurde, so hätte er zur Arbeitskraft des Grossgrundbesitzers werden können, da er aber ständig unter der Drohung stand, in den Krieg gerufen zu werden, so ist es für den Grossgrundbesitzer, – auch wo er die Möglichkeit hat, freie Bauern einzustellen –, unbequem, ihn zu nehmen. Auch in den Pausen des Krieges stand der Bauer unter der Gefahr der Einberufung.

Einerseits verliert der Bauer den eigenen Boden, und andererseits wird er für die Grossgrundbesitzer als Arbeitskraft zu unbequem.

Ausserdem verringert sich die Zahl der freien Bauern durch die Kriege bedeutend, so dass sie für die Grossgrundbesitzer gar nicht mehr ausgereicht hätten.

Die Grossgrundbesitzer müssen also mehr Sklaven einstellen. Die liefern die Kriege in Massen.

Die unaufhörliche Kriegführung endete durchweg mit der Unterjochung neuer grosser Provinzen. Die besiegten Völkerschaften wurden in römische Untertanen verwandelt und mussten Abgaben leisten, Steuern, zum Teil in Geld, zum Teil in Naturalien. Die letzteren bestanden vor allem in Getreide. Man beginnt, das überseeische Getreide einzuführen. Kornkammern Roms sind: Afrika, Sizilien und Spanien.

Der römische Staat verwendet das Getreide vor allem für die Erhaltung des Heeres; das römische Heer wird ausschliesslich mit ausländischem Getreide ernährt. Die Ausplünderung der fremden Provinzen brachte immer mehr Getreide in das Land, als das Heer brauchte. Dieses Getreide verkaufte der Staat zu Spottpreisen. Das inländische Getreide wurde bald überflüssig, der römische Bauer fand keinen Absatz mehr für sein Getreide. Er wurde zum Proletarier. (Proles: Einer, der viel Kinder zeugt.)

Was machen die Bauern? Die eigene Wirtschaft haben sie verloren, die Grossgrundbesitzer beschäftigen Sklaven. Die Grossgrundbesitzer lassen alles, was sie brauchen, entweder von den Sklaven herstellen oder beziehen es aus den Provinzen.

Die völlig existenzlosen Bauern strömten nach Rom, und zwar war Rom damals die Stadt, das Zentrum, das zugleich politisches Zentrum war. Sie strömten dahin, um vom Staate Exi­stenzmittel zu verlangen. Diese Bauern sind zugleich freie Bürger. (Rom ist Republik, es hatte die gleiche Revolution durchgemacht wie Griechenland.) Der Adel bediente sich dieses Proletariats in seinen eigenen inneren Kämpfen. Es hatte politische Rechte und Einfluss auf den Staat. Dieses Proletariat musste erhalten werden, denn sonst wäre es eine ständige Gefahr für Rom gewesen. Es übernachtete buchstäblich auf den Strassen Roms.

Es wird auf dem römischen Markt von Staatswegen an Proletarier Getreide verteilt, gleichfalls überseeisches Getreide.

Diese Einfuhr des Getreides aus den Provinzen hatte also grosse Bedeutung.

Auf Grund dieser Verhältnisse hat Sismondi in seiner Untersuchung der römischen Verhältnisse den klassischen Ausspruch getan:

„Es gab in Rom ein Proletariat wie heutzutage. Aber während das heutige Proletariat die Gesellschaft erhält, hat sich das römische Proletariat von der Gesellschaft erhalten lassen.“

Das ist der Unterschied zwischen dem Proletariat von heute und von damals.

Endlich kommt noch ein Moment zu denen hinzu, die auf die bäuerliche Wirtschaft her­einbrachen, um sie aus der Welt zu schaffen. Das ist die rapide Entwicklung der Geldwirtschaft. Durch den Zusammenstoss mit den orientalischen Ländern entwickelte sich die Geldwirtschaft in Rom sehr schnell. Der römische Staat fördert sie mit allen Kräften, indem er alle grösseren staatlichen Unternehmungen, z. B. auch die Erhebung von Steuern, nicht durch eigene Leute betreibt, sondern sie reichen Leuten in Pacht gibt, die dem Staate sofort eine Pauschalsumme zahlen mussten. Sie durften die Steuern noch erhöhen, wenn sie nur dem Staate gleich eine bestimmte Summe ablieferten.

Die Geldwirtschaft war damals für die reichen Leute eine ebenso ergiebige Quelle, wie es heute die Staatspapiere sind. Im 2. Jahrhundert gab es schon reiche Bankiers, die dem Staate Geld vorschossen, wenn es nötig war, und die Geldgeschäfte besorgten.

Die Ruinierung der bäuerlichen Wirtschaft in ein paar Jahrhunderten ging natürlich nicht ohne Kampf und Widerstand der Bauern vor sich. Im 2. Jahrhundert v. Chr. Geb. grosse Revolutionen der Bauern, ein Schrei nach Neueinteilung der Ländereien, und zwar der Staatsländereien. (Das sind die im Namen des Staates als öffentliche Ländereien eingenommenen Gemeindeländereien, ungeteilten Ländereien, Almenden.)

Wodurch scheiterte diese Forderung? Nicht bloss durch das Aufkaufen der Güter durch den Adel, sondern auch dadurch, dass der Adel die Staatsländereien in Bebauung genommen hatte. Der Adel begann, sich grosse Staatsdomänen zu Spottpreisen schenken zu lassen, und da er herrschte, war ihm das nicht unmöglich. Die Domänen gingen wirklich an ihn über und liessen den Grossgrundbesitz noch wachsen.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren zu weit vorgeschritten, daher war die Forderung der Bauern eine rückschrittliche. Sie hatten genau dieselben Bestrebungen wie die heutigen Mittelständler.

Es gab erschütternde Revolutionen des proletarisierten Bauerntums in Rom um diese Ländereien. Die berühmteste darunter ist die Gracchus’sche Revolution 133-121. Gajus und Tiberius Gracchus, zwei Brüder aus dem höchsten Adel, stellten sich an die Spitze dieser Revolution. Tiberius Gracchus hielt dabei eine berühmte Rede vor dem Senat:

„Die Tiere Italiens haben ihren Unterschlupf und ihr Lager. Aber die, welche für Italien kämpfen und sterben, können nichts ihr eigen nennen als Luft und Licht. Heimatlos müssen sie mit Weib und Kind umherirren, und die Feldherren lügen, wenn sie vor der Schlacht sie auffordern, für ihre ererbten Gräber und Heiligtümer zu kämpfen. Denn keiner hat mehr ein väterliches Heiligtum oder ein Ahnengrab von all den Scharen römischer Krieger. Sondern sie, die man Herren der Welt nennt, kämpfen für den Reichtum und das Prassen fremder Leute, während sie selbst auch nicht eine Erdscholle besitzen.“

Die beiden Gracchen suchten durch eine bestimmte Reform die Sache zu erledigen. Sie forderten die Zuweisung von Staatsländereien an die Bauern, eine rein utopische Maßnahme.

Tiberius Gracchus drückte 134 v. Chr. ein Gesetz durch, das die Zurücknahme der Domänen von dem Adel und ihre Aufteilung in Bauerngüter zu 30 Morgen festlegte, die zu mässigem Zins an einzelne proletarisierte Bauern gegeben werden sollten.

Das Resultat war, dass Tiberius mit 300 seiner Anhänger vom Adel und dessen Anhängern ermordet wurde. Sein Bruder Gajus stellte sich darauf an die Spitze der Bewegung und suchte die Reform noch weiter zu treiben, da die Massnahme von Tiberius die kolossale Proletarisierung nicht aufheben konnte. Auch die verpachteten Domänen wurden in Bauernkolonien verwandelt. Dann führte er die kostenlose Verteilung von Getreide durch, um die umherliegenden (obdachlosen?) Proletarier zu ernähren. Auch in den überseeischen Kolonien wurden Bauernkolonien eingerichtet. Darin aber lag der Bankerott der Bauern, denn das zeigt, dass man im eigenen Lande es nicht zurückführen konnte, dass die Bauern auf eigener Scholle sassen.

Ein gewaltiger Widerstand des Adels darauf; Gajus musste fliehen und gab sich selbst auf der Flucht den Tod. Darauf scheiterte die ganze Reform.

Professor Meyer sagt: Diese Reform hat leider nur Revolutionen hervorgerufen, indem die beiden Gracchen ermordet wurden und die Reform scheiterte.

Die agrarischen Revolutionen haben nur zu Erschütterungen im Staate geführt und keine Abänderungen hervorgebracht.

Schon seit Jahrhunderten wurde durch Gesetze dagegen angekämpft, dass die freien Arbeiter immer mehr durch Sklaven verdrängt wurden. 367 v. Chr. ein Gesetz, das die Gutsbesitzer zu verpflichten suchte, eine den Sklaven entsprechende Zahl der Freien zu verwenden.

Zu Cäsars Zeiten, im 1. Jahrhundert, also 4 Jahrhunderte nach jenem Gesetz, ein neues Gesetz, durch das die Grossgrundbesitzer verpflichtet werden sollten, wenigstens ein Drittel Freier einzustellen. Das hatte natürlich keine Aussicht auf Erfolg. Die ökonomischen Verhältnisse waren stärker als das Gesetz. Der Bauer war noch ein Bürger mit Rechten und Pflichten, der Sklave war eine ausschliessliche Arbeitskraft.

So ging es mit den Gesetzen in Rom wie mit allen Gesetzen, die sich gegen die ökonomische Entwicklung stemmen; sie blieben toter Buchstabe. Ein Beweis dafür ist, dass nach vier Jahrhunderten das neue Gesetz kam.

Zum Schluss haben wir die grosse Masse der proletarisierten Bauern im Staate ohne jede Verwendung. Sie blieben bis zur letzten Periode.

Zunächst verschwindet die Form der kleinen Pacht, die dafür massgebend war, dass der Grossgrundbesitz wirtschaftlich noch an die Methoden der bäuerlichen Wirtschaft gebunden war. Jetzt haben wir Grosskultur, und zwar deshalb, weil jetzt grosse Massen verfügbarer Arbeitskräfte vorhanden waren.

Da aus den Provinzen das Getreide eingeführt wird, so wird die Produktion von Getreide eingeschränkt. Der Getreidebau wird verdrängt hauptsächlich durch die Viehzucht, durch Weinkultur und Olivenkultur.

Es wird jetzt für den Handel produziert, nicht mehr wie früher in der bäuerlichen Wirtschaft für den eigenen Bedarf.

Die Viehzucht ergab Wolle; sie wurde, weil auch für den Handel, in denkbar grösstem Massstab betrieben. Kleine Güter, die früher für Getreide bestimmt waren, wurden zusammen in grosse Gebiete für die Viehzucht umgewandelt. Genau so wurde der Wein- und Olivenbau betrieben.

Es bilden sich die Latifundien, die die andere Seite des Zusammenbruchs der bäuerlichen Wirtschaft sind. Sie werden selbstverständlich durch Sklaven bewirtschaftet. Es bilden sich grössere Kolonnen von Sklaven unter Aufsehern und gänzliche Trennung ihrer Lebensweise von der der Herren. Der Herr wohnt in Rom, hat aber auf dem Land noch ein Landhaus.

Auf den Landgütern werden namentlich entwickelt: Grosse Gartenkulturen, Ziergärten, weil Blumen zur luxuriösen Lebensweise in Rom gehörten; luxuriöse Geflügelzucht (Pfauenzungen und Nachtigallenzungen), Obstkulturen in ausgesuchtester Weise, gleichfalls im Grossen betrieben und für die eigenen Konsumtionsbedürfnisse.

Vorwiegend aber tritt eine Verödung und Entvölkerung des ganzen Landes durch die Wein- und Olivenplantagen ein, eine sehr ungenügende Entwicklung des Handwerks, nur zur Befriedigung der Bedürfnisse und für Werkzeuge, sonst wird alles aus Kleinasien eingeführt, auch die besten Werkzeuge werden von dort bezogen.

Wo früher 100-150 Bauernwirtschaften waren, bestand jetzt ein Latifundium, von 50 Sklaven bearbeitet. Die Sklaven waren unverheiratet, durften sich nicht verheiraten. Die Bauern wurden entweder als Soldaten in allen möglichen Ländern verwendet oder lebten als beschäftigungsloses Proletariat in Rom.

Blieb schliesslich noch die reiche Klasse und der Adel (Mommsen und Meyer sprechen immer von römischen Kapitalisten; sie verstehen darunter einfach reiche Leute.)

In Rom, der späteren Periode als der griechischen, war sozusagen keine Funktion für diese Klasse da. Griechenland wurde politisch von Rom unterjocht, aber geistig herrschte es bis ins Mittelalter. Die griechische Philosophie, Kunst, alles, was auf dem Boden der antiken Sklavenwirtschaft zu erreichen war, hatte Griechenland bereits vollendet. Rom hatte sich das nur anzueignen. Rom lebte daher sozusagen als Schmarotzer.

Deshalb lösen sich die herrschenden Klassen in Rom auch von der geistigen Arbeit vollständig los. In der 2. Periode sind die Sklaven schon nicht bloß die Arbeitskräfte auf den Gütern, sondern sie übernehmen auch in der Stadt alle Funktionen, auch die geistigen. Sklaven sind Bankhalter, Buchhalter, Lehrer, Künstler, Schauspieler, Tänzer, Musikanten, Architekten. Es gab keinen Zweig des öffentlichen Lebens, der nicht von Sklaven verrichtet wurde.

Dass sie die intelligenten Berufe ausfüllen konnten, lag daran, dass sie vielfach aus Kriegsgefangenen bestanden, die aus kulturell entwickelten Ländern stammten und vorher freie Bürger waren. Es waren z.B. sehr viele ehemalige adlige griechische Geschlechter später als Sklaven in Rom. Für die Arbeit auf den Plantagen nahm man zurückgebliebenere Völkerschaften, in der Stadt die intelligenten.

Rom kommt zu der Konsequenz: Alles, was Arbeit ist, ist Sklavenarbeit, sowohl körperliche wie geistige. In Griechenland war nur die körperliche Arbeit Sklavenarbeit.

So ist in Rom die Konsequenz der Entwicklung so weit gegangen: Auf der einen Seite wird die Masse der Bauern überflüssig für den Produktionsprozess, auf der anderen begibt sich die herrschende Klasse aller Arbeit.

So lebte in Rom schliesslich die ganze Gesellschaft tatsächlich von den Sklaven und Unterjochten.

Das Getreide kam aus Sizilien, und dort war der Betrieb schon durch die Karthager in Sklavenarbeit verwandelt, und das trieb die Römer auf die äusserste Spitze.

Nun musste natürlich auch in der Lebenslage der Sklaven eine Aenderung eintreten. Sie sind jetzt vollständig reduziert auf die nackte Arbeitskraft. Sie sind in der Landwirtschaft eine Arbeitskraft, die für die Zwecke des Handels verwendet wird. Die ganze Gestaltung geht dahin, das äusserst Mögliche aus den Sklaven heraus zu schlagen. Es ist zu unterscheiden zwischen den Sklaven in den Bergwerken und Plantagen und denen in der Stadt. Während sie in der Stadt die eigentliche Intelligenz und die Kultur in Rom darstellten, verfielen sie auf dem flachen Lande ..., wurden regelmäßig gekettet mit Peitschen auf die Arbeit getrieben und zur Nacht in unterirdische Verliesse eingesperrt. Man brandmarkte sie auf die Stirn, damit man sie als Sklaven erkannte. Aus dem Gelass wurden sie nur hinausgeführt, um auf die Arbeit getrieben zu werden. Verheiraten durften sie sich nicht.

Das war jene Periode, wo sie gänzlich die freie Arbeit verdrängt haben und auch für die Ausfuhr arbeiteten.

Diese Verhältnisse mussten zu Aufständen der Sklaven führen, gerade weil die Sklaven vorher Freie waren.

Im 2. Jahrhundert wird Rom erschüttert durch gewaltige Sklavenaufstände.

184 v. Chr. ein Sklavenaufstand in Apulien. Bei der Unterdrückung dieses Aufstandes wurden 7000 Sklaven getötet.

Im Jahre 195 v. Chr. ein grosser Aufstand in Etrurien. Bei diesem Aufstand gab es förmliche Schlachten mit römischen Heeren.

Im Jahre 197 in Latium, wo auch Rom liegt.

Später beginnen die bedrohendsten sizilianischen Aufstände.

In den Jahren 143-141 ein gewaltiger Aufstand, an dem 7000 bewaffnete Sklaven teilnahmen. Auch hier kam es zu förmlichen Schlachten. Nach der Unterdrückung wurden 20.000 Sklaven gekreuzigt.

Im Jahre 130 wieder eine Reihe von Aufständen in Italien, wobei 4.600 Sklaven hingerichtet wurden.

Im Jahre 113 der zweite sizilianische Sklavenaufstand, der zwei Jahre dauerte.

Im Jahre 73 der dritte sizilianische Sklavenaufstand mit dem berühmten Spartakus an der Spitze.

Dann in Griechenland in Attika Aufstände der Sklaven. Hier werden sie so rebellisch, dass sie nur mit Waffen zur Arbeit getrieben werden.

 

Dritte Periode.

Im ersten Jahrhundert nach Christi beginnt die 3. Periode in der Geschichte der römischen Sklaverei. Wir brauchen nur die Konsequenzen der vorhergegangenen Entwicklung zu ziehen, um das Bild vor uns zu haben.

Die Sklaven bestanden aus Kriegsgefangenen. Aber die Folge der Kriege war die Gründung des Weltreichs. Nun war für die Kriege eine Grenze gestellt. Als sie erreicht war, versiegte die Zufuhr von Kriegsgefangenen aus den Ländern.

Gleichzeitig wurden die Bauern, die die ökonomische Basis der römischen Weltherrschaft waren, und die für die Kriege notwendig waren, vernichtet oder ruiniert. Wir haben den Zusammenbruch der Bauernwirtschaft gesehen. Das Bauerntum verwandelt sich aus einem Stand, der auf eigener Scholle sitzt und Interesse am Staate hat, zu einer Masse, die nur als Kanonenfutter im Interesse des Adels dient. Zum Kriege gehört nicht nur eine gewisse Anzahl von Soldaten mit Waffen, sondern ein gewisses Interesse an den Kriegen. Der verlumpte Bauer verlor die moralische und physische Kraft. Mit dem Verfall des Bauerntums sinkt die Ernährung. Im 2. Jahrhundert verschwindet aus der Nahrung der Bauern Fleisch und Milch. Infolgedessen sind immer weniger von ihnen waffenfähig.

Es beginnt das Werbeheer. Fremde, barbarische, hauptsächlich germanische Völker werden angeworben. So sehen wir, dass die Germanen gegen römische Untertanen in den Krieg als Geworbene geführt werden.

Sämtliche Völker und Länder sind im römischen Heere vertreten. Nur die Feldherren sind Römer. Es muss sich rächen, dass nur fremde, zusammengelaufene Leute den Krieg führen. Sie bekommen schliesslich eine grosse Macht, und sie wurden es, die schliesslich die Kaiser auf den Thron setzten. Sie setzen einen Kaiser auf den Thron, der ihnen imponiert hatte, weil er ungeheure Massen von Schweiss abzusondern verstand. Das ist eine schöne Illustration auf die Heiligkeit des Kaisertums. Das waren die letzten Konsequenzen der fremden Werbeheere.

Was ergab sich daraus für die Latifundienwirtschaft und die Sklaven selbst?

Vor allem: In der Sklaverei selbst trat ein Umschwung ein. Die in der zweiten Periode übliche Behandlung wurde unmöglich. Da die Sklaven nicht mehr aus jedem Kriege frisch zu haben waren, mussten sie anders geschätzt werden. Seit dem 1. Jahrhundert tritt daher eine viel mildere Form der Sklaverei ein. Es heisst immer, das Christentum habe das herbeigeführt. Es ist ausschliesslich Folge der Tatsache, dass eine jede solche Arbeitskraft nun geschätzt wurde, weil man keinen Überfluss mehr hatte.

Jetzt musste man gestatten, dass die Sklaven sich verheirateten, damit sie sich vermehrten. Schon diese Tatsache bedingt eine bessere Lebenshaltung der Sklaven. Ein Sklave muss anders behandelt werden, wenn er selbst eine Familie hat, wenn er Kinder besitzt; er muss so viel bekommen, dass er die Kinder erhalten kann.

Die Hauptsache auf den Latifundien war vorher vor allem die Viehzucht, Wein und Olivenöl. Das Getreide wurde eingeführt. Man kann aber nicht immer von Getreide leben, das anderen fortgenommen wird, die dadurch verkommen. Das geht nicht. Durch diese Ausnutzung verkamen die Unterjochten.

Je mehr Proletariat sich in Rom ansammelte, je mehr es notwendig war, die Soldaten reichlich zu bedenken, je mehr man das Proletariat durch Geschenke im Zug halten musste, umsomehr musste man die Fremden in den unterjochten Provinzen auspressen. Das führte zum Verfall der unterjochten Bevölkerung, so dass die Getreidezufuhr versiegte.

So musste Rom zum Getreidebau zurückkehren. Die Viehstrecken wurden in Getreidefelder umgewandelt.

Die Latifundien waren mit Sklavenkräften betrieben worden. Der Getreidebau war jedoch mit der bisherigen Sklavenarbeit nicht möglich. Erstens war die Anzahl der Sklaven zu gering, zweitens waren sie auf Wein- und Olivenbau eingedrillt. Der Getreidebau aber bedeutete eine Rückkehr zu einer höheren intensiven Kulturform.

So kam die Rückkehr zur kleinbäuerlichen Bewirtschaftung.

Die Latifundien wurden in einzelne Parzellen geteilt, die teils an Sklaven mit Familien, teils an freie Bauern gegeben wurden gegen gewisse Abgaben, zumeist Abgaben in Naturalien; denn es war ja den vorher existenzlosen Bauern zunächst unmöglich, Geld zu zahlen. Dafür erhielten die die Pacht Uebernehmenden Schutz gegen Kriege usw. Also Rückkehr in eine Art Frondienst.

In Rom hieß das Kolonat. (Davon können wir im Mittelalter die ersten Anfänge der Fronwirtschaft ableiten.)

Noch eine andere Notwendigkeit zwang zur Rückkehr zum Kolonat. Die Ernährung der Sklaven war zu mangelhaft. Für die Wirtschaft selbst musste sich ergeben, dass das Interesse der Sklaven an der Arbeit immer geringer wurde. Hier ist wieder ein sehr belehrendes Beispiel: Es ist ein Irrtum, anzunehmen, man brauche nur die Macht in der Hand zu haben, um die Kraft ausbeuten zu können, ohne dass es sich selbst an dem Ausbeuter rächt.

In Rom war das Resultat ein gänzliches Versagen der Arbeitskraft.

Z.B. die Sklaven im Bergbau ......................   

Die geistige Kraft der Ausgebeuteten brach durch die Ausbeutung.

Hier musste der Produktionsprozess brechen, weil die Arbeitskraft durch die Ausbeutung ruiniert wurde.

Noch so primitive Arbeit durch die Sklaven konnte nie ohne Werkzeuge verrichtet werden. Die Verhältnisse brachten es mit sich, dass die Sklaven einen furchtbaren Hass gegen die Werkzeuge hegten. Sie zerstörten die Werkzeuge und das Material zur Arbeit. Es wurde ein solcher Hass zwischen der lebendigen Arbeitskraft und den toten Produktionsmitteln geschaffen, dass ein ständiger Krieg zwischen ihnen herrschte.

Die Sklaven entwickelten sich allmählich zu den teuersten und unbequemsten Produktionskräften und wurden dazu immer seltener.

Also zusammengenommen:

Die Sklavenwirtschaft hat durch sich selbst abgewirtschaftet.

Das ist so in der Hauptsache der Schluss, in den sich der Kreis der historischen Entwicklung der Sklaverei im römischen Reich schliesst.

Überall eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen. Das zeigt, dass nicht erst die Germanen es zur Zerstörung brachten. Rom war bereits eine fertige Beute für die fremden Eroberer, nachdem es solche Konsequenzen aus der Entwicklung gezogen hatte.

 

Welche Fortschritte hat die Sklaverei gezeitigt?

Die griechisch-römische Kultur ist etwas Ganzes, wenn wir auch die Gestaltungen unterscheiden.

1. Die Sklaverei hat die Trennung der geistigen von der körperlichen Arbeit durchgeführt. Das ist bis heute so geblieben, ist eine grundlegende Tatsache für die ganze Weiterentwicklung der Klassengesellschaft. Ohne sie wäre die geistige Entwicklung von heute nicht möglich.

In Griechenland ist diese grundlegende Tatsache als Unterschied zwischen Freien und Sklaven geschaffen worden und hat dann verschiedene Formen angenommen. Sie ist aber durch das römische Reich mit fortererbt.

Das Christentum entstand im römischen Reich (Rom dabei nicht als Staat genommen). Ohne die griechische Philosophie wäre es nicht entstanden, sie ist eine der Hauptwurzeln des Christentums. Und die griechische Philosophie beruhte auf der Sklavenarbeit. Und da das Christentum sozusagen das Vermächtnis des alten römischen Reiches an die ganze Neuzeit geworden ist: Ohne Christentum, das durch die Sklaverei erzeugt wurde, wäre das Mittelalter und der Kapitalismus nicht zu denken, nicht die moderne Gruppierung der Klassen, und ohne diese ist der Sozialismus nicht denkbar. Erst die sozialistische Umwälzung wird die letzten Reste dieses Vermächtnisses aus Rom vernichten. (Das Christentum ist sozusagen ein Beweis dafür, dass Rom sich auf Griechenland stützt.)

Der Staat als Gewalt einer Klassengesellschaft ist auf dem Boden der Sklaverei in Griechenland entstanden, und in Rom sahen wir die Fortsetzung bis zum Aeussersten. Der staatliche Apparat wurde in Rom viel ausgedehnter und entwickelter.

Ein Beweis dafür ist die Gründung des römischen Weltreichs.

In Griechenland waren die führenden Staaten Sparta und Athen, und das sind Städte; also nur ein kleiner Umfang an Land.

In Rom aber die Zusammenfassung vieler Länder, die als Provinzen Roms unter dieselben bindenden Rechtsnormen gestellt wurden wie die Römer. Zum ersten Mal eine Zusammenfassung eines so ungeheuren Reiches, regiert von einem Zentrum her und einheitlich. Es musste aus ökonomischen Ursachen zerfallen, nicht aus Mangel an politischen Einrichtungen.

Eine solche einheitliche Organisation ist ein gewaltiger Fortschritt. Auch hierin hat das römische Reich viel gewaltigere Konsequenzen gezogen als Griechenland.

[In Griechenland entstand durch die Sklaverei eine Verfeinerung des Handwerks, wie sie ohne sie nicht möglich gewesen wäre. In Rom ist im Gegenteil das Handwerk in eine gewisse Rückbildung getreten. Nur die rohesten Werkzeuge zum eigenen Gebrauch wurden von den Sklaven oder Bauern produziert, alle feineren wurden aus den unterjochten Ländern eingeführt. In dieser Beziehung brachte die römische Sklaverei also keinen Fortschritt.][4]

Warum konnten die Sklaven nicht als Arbeitskraft für eine höhere Kultur im Sinne einer Grosskultur ausreichen?

....

Da die Sklaven schon die rohesten Werkzeuge zerstörten, wie konnte man ihnen bessere geben? Es wurden zuletzt nur ganz grobe Produktionsmittel benutzt.

Die Sklavenarbeit selbst war hier ein Hemmschuh des technischen Fortschritts.

Die innere Tendenz der Sklaverei ist, sich bis zur Zerstörung der Arbeitskraft zu entwickeln. Auch heute ist das so. Der drastischste Ausdruck ist der ständige Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit. Aber andere Umstände bringen es mit sich, dass der Bestand der kapitalistischen Gesellschaft selbst es erfordert, dass das nicht geschieht.

Sonst würde eine Sterblichkeit eintreten, die die Gesellschaft zerstören würde.

In den Südstaaten der Vereinigten Staaten Nordamerikas wurde durch die Einführung der Baumwoll-, Zucker- und Reisplantagen die Ausbeutung auf rein kapitalistischer Basis so weit getrieben, dass die Sklaven durchschnittlich in 7 Jahren zu Tode gerieben wurden. Das ist der Beweis dafür, dass auch der Kapitalismus die Tendenz hat, die Arbeitskraft zu vernichten.

Da diese Tendenz zur Vernichtung der Arbeitskraft in der Sklaverei bestand, so ist damit gegeben, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht weiter schritt.

Die Sklavenaufstände sind die ersten welthistorischen gewaltigen Klassenkämpfe gegen die Ausbeuter. Nicht die freien Bauern, nicht die Proletarier in Rom.

Diese Aufstände waren (in Sizilien 70 000 Sklaven) völlig resultatlos. Sie wurden geschlagen von dem elenden verfaulten Rom. Die Sklaven wollten zurückkehren in die Heimat, sich gänzlich loslösen von der Gesellschaft. Sie hatten nur insoweit teilweise Erfolg, dass sie entliefen, zum Teil in ihre Heimat, zum Teil wurden sie zu Räuberbanden, Seeräubern.

Die Sklavenaufstände blieben ergebnislos, weil sich ihre Forderungen nicht auf die Tendenzen der wirtschaftlichen Entwicklung stützten. Die wirtschaftliche Entwicklung war damals in eine Sackgasse geraten.

Der Verfall des römischen Reiches hat im genauesten Sinn, dass es zu den Formen zurückkehren musste, die vorher existierten. Deshalb sind die Aufstände der Sklaven aussichtslos gewesen.

Diese wirtschaftliche Form erschöpft sich selbst. Die wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht keine höhere Form.

Man darf die grossen Züge nicht vergessen, die Rom trotz seines Verfalls zeitigte.

Das gesamte geistige Leben wurde wie das materielle in Rom konzentriert.

Die Götter aller unterjochten Völker wurden nach Rom geschleppt, so dass dort auch eine Konzentration aller Religionskulte stattfand.

 

Das römische Reich fiel im wörtlichen Sinne in die Barbarei zurück.

Erst etwa im 10. Jahrhundert n. Chr. beginnt der Handel in Italien sich wieder zu heben.

Sobald im Mittelalter die Klassenscheidung der neuen germanischen, auf dem Boden Roms entstandenen Gesellschaft gediehen war, so dass sie aufnahmefähig für die höhere geistige Bildung war, knüpfte man an die griechische Bildung an; die Zeit der Renaissance, der Humanisten.

Nichts ist von Rom an geistiger Kultur verloren gegangen.

Das Christentum hat die Germanen aus der Barbarei gerissen. Trotzdem die Germanen das römische Reich in Stücke schlugen, übernahmen sie doch geistig das Christentum. Und dieses Christentum war vorbereitet durch das römische Reich; es hatte politisch die Basis für eine Weltrevolution vorbereitet.

Das Handwerk erlebt in Griechenland eine Verfeinerung, wie sie ohne die Sklaverei nicht möglich gewesen wäre. In Rom aber wurde es durch den Weltverkehr im Gegenteil in eine gewisse Rückbildung gedrängt. Nur die rohesten Werkzeuge zum eigenen Gebrauch wurden von den Sklaven oder Bauern produziert, alle feineren wurden aus den unterjochten Ländern eingeführt. In dieser Beziehung brachte die römische Sklaverei also keinen Fortschritt.

Ein Fortschritt war die Ausbildung der Gärtnerei. Auch heute noch gründen wir auf ihr. Auch heute noch ist die Gärtnerei dazu da, wie in Rom, zur Verfeinerung der Lebensweise der Herrschenden zu dienen.

Die Viehzucht nahm grösseren Umfang an. Aber zu ihr wurden die rohesten Schichten der Sklaven verwendet. Sie waren es auch, die zuerst die Aufstände machten, weil sie ganz auf sich angewiesen waren. Die Viehzucht wurde sehr extensiv, sehr roh betrieben, es kam hauptsächlich auf die Masse an.

Der Ackerbau wurde durch die Viehzucht zurückgedrängt, das ist ein Rückschritt. In Rom fängt die Sklaverei an, direkt rückschrittlich zu wirken.

Die Geflügelzucht dagegen war ein Fortschritt.

Die Bewirtschaftung der grossen Güter ist vorbildlich gewesen. In den Villen Karls des Grossen haben wir Produkte der bestimmten Fortschritte in der Agrarkultur, die Rom in seiner Sklavenwirtschaft erreicht hat.

Rom hat also sowohl fortschrittlich wie rückschrittlich gewirkt.

Auch im Orient gab es Sklaverei, aber sie ist mehr oder weniger dort in den anfänglichen Stadien geblieben. Und soweit sie gediehen war, wurde sie durch Eroberungen zerstört. Entwickelt wurde die Sklaverei zuerst in Griechenland und Rom.

 

Literatur zur »Sklaverei«.

Dietzgen: Wesen der menschlichen Kopfarbeit.

Vorländer: Geschichte der Philosophie.

Engels: Eugen Dührings Umwälzung der Wirtschaft.

Eduard Beyer: Die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums, Ein Vortrag, 1895.

Eduard Beyer: Die Skalverei im Altertum, 1898.

Eduard Beyer: Mehrer Artikel im »Handwörterburch der Staatswissenschaften« unter »Bevölkerung im Altertum«.

Kautsky: Vorläufer des neueren Sozialismus. Erster Band: Plato.

Kautsky: Ursprung des Christentums.[5]

Engels: Feuerbach und der Ausgang der klassischen Philosophie.

Beloch: Griechische Geschichte.

Prof. Bücher: Entstehung der Volkswirtschaft.

Mommsen: Römische Geschichte. (Ist das Fundamentalwerk)

Prof. Max Weber: Im „Handwörterbuch der Staatswissenschaften“ unter „Agrarverhältnisse“

Paul Ernst: Artikel über „Griechenlands Geschichte“ oder „Griechische Sklaverei“ in der „Neuen Zeit“, 11. Jahrgang, 2. Band. (Wahrscheinlich 1894 oder 1893)

Kinderbeilage der „Gleichheit“: Nr. 13, Nr. 14, Nr. 15, Jahrgang 1908/09: „Aus der römischen Geschichte“.

Kinderbeilage der „Gleichheit“: (? ? Nr.): „Der Sklavenaufstand in Sizilien“

                (Beides entweder von Rosa oder von Clara.)

 


[1] In eckigen Klammern stehende Buchstaben oder Wörter stellen Korrekturen durch den Verlag dar, die einem besseren Verständnis dienen sollen. Sie sind als solche gekennzeichnet, um den Text möglichst authentisch erscheinen zu lassen.

[2] Unlesbare Stelle in der Vorlage; sinngemäße Ergänzung.

[3] Im Original »Genosse« durchgestrichen.

[4] Diese in eckige Klammern gesetzte Passage ist in der uns verfügbaren Vorlage durchgestrichen. Vgl. außerdem eine inhaltlich ähnliche Passage weiter unten.

[5] Zu Kautsky „Ursprung des Christentums“:

Kautsky beleuchtet darin die Rolle der Sklaven ein wenig anders als Rosa Luxemburg. Er fasst die Sklaverei ausschliesslich auf als eine Norm des Verfalls und des Rückschritts; das kommt daher, weil er die römische Sklaverei im Auge hat. Entscheidend aber in der Weltgeschichte ist die griechische Sklaverei. Die römische Geschichte kann nur betrachtet werden als Fortsetzung der griechischen. In ihrer Ansicht über die Sklaverei stimmt die Genossin Luxemburg mit Marx und Engels überein, nämlich in der Ansicht, dass die Sklaverei Ausgangspunkt wichtiger Fortschritte ist.

Inhalt – JHK 2002

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