...

 

Stalinismus und Widerstand in Polen – Die Affäre Lipski und die Neugründung der Kommunistischen Partei Polens

JHK 2002 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 319-335 | Aufbau Verlag

Autor/in: Bernhard H. Bayerlein

Eines der düstersten Kapitel der Stalinschen »Machttechnologie« (Foucault) betrifft die Geschichte Polens und der Kommunistischen Partei Polens in der Zwischenkriegszeit. Stalins Allianz mit Hitler als Präludium zum Zweiten Weltkrieg besiegelte auch die Unterjochung des polnischen Volkes mitsamt der in Polen lebenden nationalen Minderheiten (ausgenommen die deutsche Minderheit). Ostpolen war das Pfand der Allianz mit Hitler. Kurz zuvor wurde in einem beispiellosen Akt des Terrors und der Verstiegenheit politischer Herrschaft, an dem Dimitroff als Generalsekretär der Komintern seltsam unbeteiligt scheint, die KP Polens aufgelöst (»liquidiert«). Als vorgeschobene Begründung diente das Argument, sie sei in der Hand von »Provokateuren und Agenten«. Ein ähnliches Schicksal erlitten die Kommunistische Partei Westbelorußlands und die Kommunistische Partei der Westukraine. Dimitroff war für die Auflösung der Kommunistischen Partei Polens und die Massaker an polnischen Kommunisten mitverantwortlich. Die Auflösung dieser multinationalen Partei mit starkem ostjüdischen und ukrainischen Einfluß war Teil der Vorbereitungen des Stalin-Hitler-Pakts, der für die kommunistische Partei und die in die Zange der beiden Diktaturen genommene polnische Nation in ihrer staatlichen und historischen Gestalt ein gewaltsames Ende bedeutete. Stalin hatte ein Verdikt gefällt. Wie Dimitroff in seinen Tagebüchern authentisch überliefert, sprach Stalin in zynischer Weise Polen als eine Art kollektiv-krimineller Nation das Existenzrecht ab. Wie aufgrund neuerer polnischer und russischer Veröffentlichungen deutlicher wird[1], gab es in Polen einen Widerstand nicht nur gegen den Nationalsozialismus und die deutsche Besatzung, sondern auch gegen den in Moskau geplanten Vernichtungsfeldzug gegen die kommunistische Partei und ihre Mitglieder. Die folgende biographische Skizze beleuchtet die Affäre Lipski, die politische Biographie eines polnischen Kommunisten, der, wie sich nun herausstellt, diese doppelte Widerstandstradition verkörpert.

Die multinationale und seit ihrer Gründung internationalistisch orientierte KP Polens[2] mit ihrer starken polnischen, jüdischen und ukrainischen (Ruthenen) Anhängerschaft[3] paßte in der Tat nicht in das politische Kalkül des »großen Hausherrn« (Chosjajn) in Moskau.[4] Ihre als »Auflösung« bürokratisch umschriebene Vernichtung endete mit der Ermordung Tausender kommunistischer Mitglieder und Kader, darunter fast aller 37 ZK-Mitglieder und der alten Führungsgarde, von denen die meisten in die Sowjetunion geflohen waren.[5] Darunter waren der über 60 Jahre alte Warski, ein Mitstreiter Rosa Luxemburgs, Maria Koszutska (Kostrzewa), der langjährige Generalsekretär Julian Leszynski (Lenski) und der Leiter der Bauerninternationale Tomasz Dabąl (Dombal). Ausnahmen waren die (insofern glücklicherweise) vom polnischen Militärregime inhaftierten Mitglieder wie der spätere Generalsekretär der PVAP[6], Władysław Gomułka. Das Vorgehen gegen die polnischen Kommunisten unterscheidet sich von den Mechanismen des Terrors, die gegen einzelne Personen oder ganze Gruppen von Mitarbeitern der Länderparteien oder der Komintern gerichtet waren. Es ging um die methodisch-systematische Auslöschung einer traditionellen Partei und damit zugleich einer spezifischen Denkart, einer Kultur des Denkens. Dem »Politozid« fielen Tausende zum Opfer.[7] Das durch polnische Historiker veröffentlichte Zahlenmaterial ergibt, daß von den 17 302 erfaßten Parteimitgliedern im Januar 1936 3817 als KPP-Emigranten in der Sowjetunion registriert waren. Von diesen knapp 4000 Personen, die nicht einmal die in die KPdSU (b) überführten enthielt, haben, wie Nazarewicz ermittelt hat, nicht mehr als 100 überlebt.[8] Parallel zum gezielten politischen Massenmord erfolgten in Abstimmung zwischen Stalin, Ježov und Berija die sogenannten »nationalen Operationen« zur »Zerschlagung der Spionage- und Sabotagegruppen«, die alle Polen betraf. Im Januar 1938 monierte Ježov, daß noch immer 20 000 bis 30 000 Polen in der Sowjetunion in Freiheit lebten. Bereits am 11. August 1937 hatte Ježov die Verhaftung aller Flüchtlinge aus Polen verfügt. Zirka 65 000 von insgesamt 134 519 Polen wurden daraufhin im Rahmen einer »außergerichtlichen und vereinfachten Prozedur« bis 1938/1939 abgeschlachtet.[9]

 

Mechanismen einer Liquidierung

Ein kleiner Kreis um Stalin, dem neben den Verantwortlichen des NKVD von der Komintern Dimitroff, Moskvin und Manuil'skij angehörten, brachte diesen Mechanismus in Gang, den wir im Rahmen der vorliegenden biographisch orientierten Skizze nur in seinen Hauptetappen umreißen können. Im November 1937 wurde in Moskau via Geheimbeschluß der KPdSU (b) die Liquidierung der KP Polens beschlossen.[10] In Dimitroffs Tagebüchern[11] findet sich unter dem 23. 11. 1937 folgender Eintrag: »In ›Wolynskoje‹. Man[uilski], Kuus[inen], Pieck (Beschluß über die Auflösung der Kommunistischen Partei Polens.).[12] Dimitroff sandte daraufhin den Entwurf einer Resolution des Präsidiums des EKKI an Stalin, er beabsichtigte, einen »offenen Brief« an die Mitgliedschaft der KP vorzubereiten, der den ungewöhnlichen Schritt »erklären« sollte. Doch ein solcher Brief wurde nie abgeschickt. Dafür schrieb am 2. 12. 1937 Stalin an Dimitroff, die Auflösung der KP Polens erfolge zwei Jahre zu spät. Sie müsse jetzt unbedingt durchgeführt werden.[13] Zugleich verstärkte sich der sowjetische Druck auf Polen. So beschloß das Politbüro des ZK der KPdSU (b) am 31. 1. 1938, daß polnische Überläufer, d. h. polnische Bürger, die auf der Flucht aus Polen die Grenze zur Sowjetunion illegal überschreiten, zu erschießen seien.[14] In der Kominternpresse war die Rede von einer erfolgreichen Unterwanderung der Partei durch »trotzki­stische Agenten« (Februar 1938).[15] Die blutige »Säuberung«, die allerdings wie eine »normale« Parteisäuberung »von unten« aussehen sollte, setzte im März 1938 ein. Am 8. 4. 1938 begann unter der Leitung des Bulgaren und Dimitroff-Vertrauten Anton Ivanov (Ps.: Bogdanov) und des Polen Bolesław Molojec in Paris und Spanien eine Initiativgruppe der Komintern, die Exilstrukturen der KP Polens (»Pariser Gruppe«) und die polnischen Freiwilligenverbände im spanischen Bürgerkrieg aufzulösen.[16] Die ersten polnischen Kommunisten wurden nach Moskau beordert, die meisten von ihnen dort exekutiert.[17] Auf Weisung Stalins an Dimitroff wurde der Beschluß und seine Ausführung geheimgehalten. Erst am 12. 7. 1938 wurde das Verfahren durch einen Beschluß des ZK der KP Polens (Veröffentlichung am 16. 8. 1938) zumindest notdürftig formalisiert (wie wir noch sehen werden, ist dieser Beschluß nicht einstimmig erfolgt). Am 29. 7. 1938 wurde in Moskau Pjatnickij erschossen; ebenso der langjährige Leiter des Mitteleuropäischen Ländersekretariats der Komintern (MELS), der Lette Knorin, und der Parteiführer Lénski als Angehöriger einer »rechtstrotzkistischen Antikominternorganisation«. Am 12. 7. 1938, also dem Tag, an dem die Fünfergruppe ohne Lipski die Auflösung beschloß, hatte dieser bereits ein Kommuniqué herausgegeben. Die Nachricht, die Komintern habe die Partei aufgelöst, wurde hierin als falsch bezeichnet.[18] Schließlich bequemte sich auch das formal höchste Gremium der Komintern zu einer Stellungnahme. Ein entsprechender nachträglicher Beschluß des Präsidiums des EKKI vom 16. 8. 1938 bleibt allerdings kryptisch. Er erfolgte in sogenannter fliegender Abstimmung unter sechs von 18 Mitgliedern (!) dieses ranghöchsten Leitungsorgans der Komintern (Kongresse waren schon längst abgeschafft). Unterzeichner waren neben Dimitroff Manuil'skij, der Geheimdienstverantwortliche Moskvin-Trilisser, der Finne Kuusinen, der Deutsche Florin und der Italiener Togliatti. Der streng geheime Beschluß der Komintern gegen »Spionage, Diversion und Provokation« liegt nun in polnischer und deutscher Sprache vor.[19] Dieser Beschluß löste einen weiteren in seiner Auswirkung brutalen Mechanismus aus. Von nun an wurde jede Person, die sich auf die Mitgliedschaft in der KP berief, automatisch zum »Provokateur«. Zur Umsetzung der Entscheidung wurde in Paris, das Durchgangsstation für hunderte polnischer Kommunisten und Freiwilliger des spanischen Bürgerkriegs war, eine von »Jean« (d. i. Anton Kosinarov Ivanov, Ps. Bogdanov) geleitete Troika eingesetzt, der als Mitglieder »Franc« (d. i. Jan Sobecki), »Chilek« (d. i. Chil Szraga) und »Kowacsek« (d. i. Stefan Duchlinski) angehörten.[20] In Polen selbst wurde zu diesem Zweck ein Fünferkomitee (»quintette«) eingesetzt, dem auch Lipski (Ps.: Lukacz) angehörte. Komintern und sowjetische Dienste ergänzten dieses Netzwerk.

 

Lipskis antistalinistische Überzeugung

Bisher kaum bekannt (und auch in den Dimitroff-Tagebüchern nicht notiert) ist, daß polnische Kommunisten gegen die Auflösung opponierten, ja den Moskauer Beschluß konterkarierten. Briefen aus dem Land zufolge gab es sogar zwei Gruppen, die sich gegen den Beschluß stellten, neben einer Gruppe von »Lukasz und anderen« (d. i. Lipski) auch die von »Zygmunt und anderen«.[21] Der ehemalige Parteisekretär Leon Lipski, ein Mitglied des polnischen Fünferkomitees, sprach sich kategorisch gegen die Auflösung aus, er ging (zu dieser Zeit noch) davon aus, daß die Komintern einen solchen Beschluß nicht gefaßt haben konnte. Der 1902 im Dabrowie Bassain geborene Lipski war mit 18 Jahren Mitglied der KP Polens, verantwortliche Funktionen nahm er zuerst als Sekretär des Stadtteilkomitees von Zaglebie, dann als Sekretär des Regionalkomitees Poznan und ebenso des Warschauer Regionalkomitees und schließlich 1937 als Leiter des nationalen Sekretariats ein. Er nahm am V. und VI. Parteikongreß teil. Seit 1933 war er in Moskau im Apparat der Roten Gewerkschaftsinternationale (RGI) tätig, zwischen 1922 und 1938 verbrachte er sieben Jahre in polnischen Gefängnissen. Ab 1937 war er vermutlich unter den schwierigen Bedingungen in Polen wichtigster Parteifunktionär im Lande selbst. Lipski hatte zwei Brüder, Ludwig und Antoni, die als Mitglieder der KP Polens 1937 und 1938 vom NKVD verhaftet und erschossen wurden. Dies konnte er jedoch zu dieser Zeit nicht wissen, Stalins Geheimbefehle waren ihm ebensowenig bekannt. Nach Lipskis Ablehnung des Auflösungsbeschlusses kam die polnische Führungsgruppe ohne ihn zusammen und befolgte unterwürfig die Moskauer Vorgaben. Doch er gab sich nicht geschlagen, sammelte eine Reihe polnischer Kommunisten um sich, forderte Maßnahmen zum Schutz der polnischen Kommunisten vor der Repression in der Sowjetunion und rief zur Vorbereitung einer nationalen Konferenz der Partei auf, um den Mitgliedern zu ermöglichen, über die Auflösung abzustimmen.[22] Mit einigen Dutzend, vielleicht sogar mehr als hundert polnischen Kommunisten gründete er später trotz und gegen die Liquidierungspolitik Stalins und der Komintern eine (illegale) Kommunistische Partei Polens. Lipski verfaßte einen Appell gegen die Auflösung, in dem er u. a. auch den (inzwischen in Moskau erschossenen) Lénski gegen die Moskauer Beschuldigungen verteidigte. Insgesamt sei – so Lipski – die neue Kominternlinie fundamental gegen die Interessen einer kommunistischen Politik für Polen gerichtet.

Gewisse Eintragungen in Dimitroffs Tagebuch lassen 1938 allerdings partielle Widersprüche in der Kominternpolitik erkennen, die noch nicht völlig auf das brutale Kalkül Stalins abgestellt war. So versuchte Dimitroff, als Reaktion auf das Münchner Abkommen gegen die Appeasement-Politik der westlichen Demokratien angesichts der Agressionspolitik Hitlers, die Position Polens zu stärken. Wohl letztmalig erhielt Polen damit im Rahmen einer antifaschistischen Strategie eine Funktion zugewiesen, bevor ihm Stalin die Existenzberechtigung kurzerhand absprach. Die Unabhängigkeit Polens – so Dimitroff – müsse geschützt werden. Zu diesem Zweck sollte Bogdanov schnellstens ins Land geschickt werden, die Initiativgruppe sei entsprechend anzuleiten. Verteidigung des unter dem Druck Hitlers stehenden Polen auf der einen Seite, Liquidierung der kommunistischen Partei auf der anderen. Als Folge dieses Spagats instruierte der »Steuermann der Komintern« (so hatte Stalin Dimitroff halbironisch tituliert) seine Sekretäre Manuil'skij und Moskvin folgendermaßen: »Einen Appell an die Arbeiterklasse wegen der Auflösung der kommunistischen Partei vorbereiten. Darauf hinweisen, daß die kommunistische Bewegung in Polen durch die Auflösung der kommunistischen Partei nicht liquidiert ist, sondern im Gegenteil nach der Vertreibung der Agenten der Defensive aus ihren Reihen Bedingungen für ihr wahres Wachstum und ihre Entwicklung entstehen.«[23]

 

»Teufelspakt« zwischen Hitler und Stalin – Pfad zum Zweiten Weltkrieg

Mit dem Stalin-Hitler-Pakt vom 20/21. 8. 1939, dem geheimen Zusatzprotokoll, das den Antifaschismus der Komintern definitiv ad acta legte, wurde die Liquidierung Polens und der Beginn des Zweiten Weltkriegs antizipiert. Zwei Tage nach der Bekanntgabe des Paktes erhielten die Kommunistischen Parteien neue Instruktionen für diese ungewohnte Situation. Sie sollten nun gegen den imperialistischen (in erster Linie durch den englischen Imperialismus drohenden Krieg (!) agitieren und zugleich die verräterische Politik der Sozialdemokratie denunzieren. Das (paranoiahafte) antisozialdemokratische und antiwestliche Leitmotiv hatte sich definitiv durchgesetzt, aller Realität zum Trotz. Dafür erntete der Kremlherr Goebbels Lob. Über einen Izvestija-Artikel Ždanovs, in dem England als »Kriegsbrandstifter« tituliert wurde, äußerte sich der nationalsozialistische Propagandaminister in seinem Tagebuch: »Er kommt uns im Augenblick außerordentlich zupaß und wird mit Dankbarkeit vermerkt. Die Russen haben bis jetzt alle Versprechungen gehalten.«[24] Der lange vorbereitete Krieg begann mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen am 1. 9. 1939. Angesichts »außergewöhn­licher Schwierigkeiten« und offensichtlicher Argumentationszwänge bat Dimitroff – wie er es in solchen Situationen immer tat – fünf Tage nach der Invasion Polens um ein Gespräch mit Stalin. Am 7. September erklärte ihm der »große Hausherr« des Kreml, es sei »nicht schlecht«, wenn Deutschland die Lage der reichsten kapitalistischen Länder (vor allem Englands) ins Wanken brächte. Jeden Unterschied zwischen faschistischen und demokratischen Staaten erklärte er kurzerhand für Unsinn. Das Todesurteil für Polen war gesprochen. Unter solchen Bedingungen wirke sich auch das Verschwinden der polnischen Nation positiv aus: »Was ist Schlechtes daran, wenn wir im Ergebnis der Zerschlagung Polens das sozialistische System auf neue Territorien und die Bevölkerung ausdehnen.«[25] Am 17. 9. 1939 machte Stalin durch die Besetzung Ostpolens deutlich, was er im Gespräch mit Dimitroff gemeint hatte. Die Invasion, die nicht nur in der PPS[26] blankes Entsetzen hervorrief, wurde von der sowjetischen Regierung mit dem »Schutz von Leben und Eigentum der blutsverwandten Bevölkerung der Westukraine und Westbelorußlands« begründet.[27] De facto durfte es ein »Restpolen« nicht mehr geben. Zugleich gab die Komintern den Antifaschismus und die Volksfrontpolitik definitiv preis: »Die Kommunistischen Parteien, besonders Frankreichs, Englands, Belgiens und der Vereinigten Staaten Amerikas, welche im Gegensatz zu dieser Einstellung auftraten, müssen sofort ihre politische Linie ändern«[28], hieß es in den Komintern-Instruktionen.

 

Lipskis Widerstand gegen Nationalsozialismus und Stalinismus

Lipski hatte sich nach Kriegsausbruch bei der Armee gemeldet, doch als gerichtlich verurteilter Kommunist wurde er abgelehnt. Nach dem Schock des 17. September floh er nach Białystok. Dort wurde er nach offen vorgetragenen Aufforderungen an seine Landsleute, ins Land zurückzukehren und Widerstand zu leisten, vom NKVD verhaftet und in das Gefängnis Minsk verbracht. Vermutlich gelang ihm die Flucht, als die Gefangenen aufgrund des deutschen Vormarsches weiter nach Osten verlegt wurden. Er kehrte illegal nach Warschau zurück und öffnete aus Tarnungsgründen ein kleinen Laden. Mit Sczot Jerzy und Anselm Konstanty gründete er nun (vermutlich 1940 oder 1941)[29] die Kommunistische Partei Polens, die trotz deutscher Besatzung und Moskauer NKVD-Über­wachung eine literarisch-politische Monatszeitschrift mit dem Titel Lewą Marsz (Marschiere links) herausgab (nachgewiesen werden konnten die Ausgaben 2 bis 7 für den Zeitraum Dezember 1942 bis Dezember 1943, Chefredakteure waren Teofil Glowacki und Stanislaw Ryszard Dobrowolski).[30] In dieser Publikation wurden die Unterdrückung durch das NKVD sowie die linksradikale und prinzipienlose Politik der Komintern kritisch analysiert. Auch die Gründe für die ungerechtfertigte Auflösung der KP Polens wurden thematisiert. Angesichts der spezifischen außenpolitischen Interessen Moskaus könne eine eigene polnische Stimme im Namen des Kommunismus nur schaden. Außerdem trage die Einschätzung der internationalen Situation durch die Komintern mit ihren »Zickzacks« zur Deprimierung der polnischen Arbeiter bei. Es sei notwendig, im Kampf gegen die deutschen Besatzer eine selbstbestimmte, sowohl von inneren wie äußeren Einflüssen unabhängige sozialistisch-revolutionäre Partei zu schaffen, die die Arbeiter zum Kampf für die Unabhängigkeit Polens und den Sozialismus anleiten könne.[31] Die von Lipski neu gegründete KP Polens führte Widerstandsaktionen gegen die deutsche Besatzung durch. Wie die russischen Historiker Lebedeva und Narinskij schreiben, »intervenierte [sie] gegen die deutschen Eindringlinge und sprach sich für eine von Moskau unabhängige Politik der KP Polens aus. Die Besatzungsautoritäten sahen in ihr eine der für sie gefährlichsten Organisationen.«[32]

 

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion: Die Todesmaschinerie läuft weiter

Über die kominternoffiziellen Aktivitäten in der Zwischenzeit liegen nur spärliche Informationen vor. Sicher ist, daß Dimitroff (wohl in Zusammenarbeit mit dem NKVD) das Schicksal der versprengten polnischen Kommunisten weiter verfolgte. In einem Beschluß des Organisationsbüros des ZK der KPdSU(b) war die Rede davon, daß er eine »Notiz […] über die ehemaligen polnischen politischen Gefangenen und die ehemaligen Mitglieder der KP und des KJV[33] Polens« verfaßt hatte. Für diese Notiz interessierte sich auch der Leiter des NKVD, der todbringenden Instanz par excellence. Das Organisationsbüro forderte Dimitroff am 20. 8. 1940 auf, diese Notiz »Gen. Berija zur Prüfung vorzulegen«.[34] Zwar war die Welle der Massenverhaftungen abgeebbt, doch wurden auch weiterhin »verdächtige« Personen, darunter nicht nur Lipski, sondern auch der Dichter Władysław Broniewski und die Schriftsteller Aleksander Wat und Marian Czuchnowski von sowjetischen Behörden verfolgt.[35]

Nach der Wende des Jahres 1941 wurde die sowjetische Politik erneut fundamental umgestellt. Stalin hatte bis zum Tag des Überfalls auf die Sowjetunion gezögert, die Zusammenarbeit mit Hitler aufzugeben. Eines seiner Hauptaugenmerke galt nun wiederum Polen, um das durch die Liquiderung der KP geschaffene Vakuum aufzufüllen. Zu diesem Zweck erfolgte unter Dimitroffs Anleitung der Aufbau der PPR (Polnische Arbeiterpartei)[36] als Partei neuen Typs, die mit Waffen, Personal und Geld unterstützt wurde. Allerdings gelang es nicht, die Beziehungen zur Exilregierung von Władysław Sikorski[37] zu stabilisieren (»Katyn«).[38] Ein Krisenzeichen für die PPR war die Ermordung ihres ersten Parteiführers Nowotko und die anschließende Exekutierung seines Stellvertreters Molojec durch die verbliebenen Parteiführer, über die Dimitroff erst nach Vollzug informiert wurde.

In seinem Buch über die polnische Volksarmee hat Ryszard Nazarewicz auch Quellen des antikommunistischen Nachrichtendienstes der polnischen Armee auswerten können, die Aufschluß über die Tätigkeit Lipskis nach der deutschen Invasion der Sowjetunion geben. In einem Bericht vom 18. 4. 1942 wird Lipski als »einer der wichtigsten kommunistischen Führer vor dem Krieg« bezeichnet. Eine Rede auf einer Versammlung des Warschauer Straßenbahnpersonals wird folgendermaßen zitiert: »Die gesamte Bauernbewegung und die Intelligenz müssen sich vereinen im Kampf gegen den Nationalsozialismus und zur Unterstützung der Sowjetunion. […] Aus diesem Grund muß man den russischen Fallschirmspringern und den Kriegsgefangenen helfen, Guerilla-Abteilungen zu bilden, militärische Ziele zu zerstören usw. Es handelt sich um einen gemeinsamen Kampf zur Befreiung der Menschheit […]«[39]

Seit Herbst/Winter 1941 wurden verstärkt sogenannte Initiativgruppen (zum Aufbau der Polnischen Arbeiterpartei) mit konkreten Aufträgen hinter die Linien nach Polen entsandt. Nowotko, Molojec und Finder waren Mitglieder der ersten Parteigruppe, die nach einem Gespräch mit Dimitroff am 29. 8. 1941 die provisorische Führung einer neuen Arbeiterpartei innerhalb des Landes schaffen und mit einem kommunistischen Programm ausgestattet, jedoch formal nicht mit der Komintern verbunden sein sollte. Ende Dezember trafen Nowotko, Finder und Molojec zur Formierung der PPR ein.[40] Im Laufe des Jahres 1942 folgten systematischere Instruktionen für eine gezielte Partisanentaktik und einen (wenn auch sehr vorsichtigen) Aufbau der neuen Partei.[41] Die Nachricht über die Ermordung Nowotkos angeblich auf Anordnung von Bołesław Molojec (am 28. 11. 1942) so­wie wiederum dessen Ermordung durch die Freunde Nowotkos hat Dimitroff sichtlich schockiert. Bis heute sind die Hintergründe dieses Dramas in den Spitzen des polnischen Widerstands nicht geklärt.[42] Während diese Ereignisse in den Dimitroff-Tagebüchern relativ breit notiert werden, bleibt Lipski ungenannt. Die Einträge aus den Jahren 1942 beziehen sich auf die Kontakte zu Finder und betreffen den Partisanenkampf und das Programm der Arbeiterpartei, das Dimitroff scharf kritisiert hat.

Die militärische Abwehr berichtete derweil aus dem Generalgouvernement über eine kämpfende oppositionelle Gruppe unter Lipski, die sich den Namen Kommunistische Partei Polens gegeben habe. Lipski soll versucht haben, Mitglied der PAP zu werden, doch aufgrund der seinerzeitigen Appelle gegen die Auflösung der KP Polens durch die Komintern sei er nicht zugelassen worden.[43]

Dimitroff wurde von den höchsten Spitzen des NKVD über den Fall Lipski informiert,[44] was die Vermutung nahelegt, daß Lipski und seine Organisation auch für die nach Stalingrad erneut geänderten Planungen Stalins eine Gefahr darstellten. Der mit seinem Namen verbundene Affront gegen die sowjetische Politik konnte nicht ungesühnt bleiben. Am 28. 2. 1943 wandte sich Pavel Fitin, der Leiter der Auslandsabteilung des NKVD, schriftlich an Dimitroff und informierte ihn recht ausführlich über Lipski. Seine Sicht über dessen Aktivitäten gab er folgendermaßen wieder: Lipski habe unter der Bezeichnung Kommunistische Partei Polens eine »antisowjetische Organisation« gegründet, die eine Zeitung Lewą Marzs herausgebe und gegen die Komintern eine ausschließlich polnische Arbeiterpartei gründen wolle, die den Kampf gegen eine mögliche sowjetische Okkupation führen solle. Fitin fuhr fort: »Die Deutschen halten diese Organisation für eine der ihnen am feindlichsten gesinnten. Lipski und seine Gruppe nehmen gegenüber der Regierung Sikorski eine feindliche Haltung ein, obwohl sie ihn offiziell anerkennen, denn sie streben an, nach dem Krieg ihre eigene Regierung zu bilden.«[45] Lipski habe sich im Jahre 1938 mit einem Appell an die ehemaligen Mitglieder der KP Polens gerichtet, in dem er dazu aufforderte, die Entscheidung der Komintern, die Partei aufzulösen, nicht umzusetzen.

Dimitroff lieferte Fitin am 6. 3. 1943 seinerseits negative Einschätzungen von Lipski, die wohl aus dem Kaderarsenal der Komintern stammten. Lipski sei – so hieß es – als Trinker (!) und moralisch unzuverlässiges Element bekannt. Bei den Genossen genieße er keinerlei Autorität, die Partei, die Komintern und das NKVD hätten zahlreiche ihn »entlarvende Denunziationen« erhalten.[46]

Unschwer läßt sich erkennen, daß es sich bei der Replik Dimitroffs de facto um eine Zustimmung zur physischen Liquidierung Lipskis handelte. Das »politische« Urteil sprach Pawel Finder in Polen – es erschien somit als Ergebnis eines innerparteilichen Meinungsbildungsprozesses. Ein erster Vorschlag, Lipski bei der Gestapo zu denunzieren, wurde nicht umgesetzt. Es wäre dann schwierig gewesen, ihn post mortem als Gestapo-Agenten darzustellen. Eine am 19. 3. 1943 über Polen abgesprungene Gruppe der russischen Dienste nahm in Warschau Kontakt mit Finder[47] auf, u. a., um die Modalitäten der »Behandlung« Lipskis festzulegen. Am 21. Juni 1943 schließlich drangen drei Angehörige der »Gwardia Ludowa«[48], des bewaffneten Teils der im Januar 1942 rekonstituierten Polnischen Arbeiterpartei (PPR), in den Laden ein, den Lipski in Warschau unter dem Namen Stanislas Lebkowski betrieb, und ermordeten entsprechend ihrem Auftrag einen »Gestapoagenten«, bei dem es sich um Lipski handelte.[49] Leiter der Gruppe soll Franciszek Józwiak gewesen sein.[50] Zu dieser Version will allerdings nicht unbedingt passen, daß der vermeintliche Mörder, Franciszek Prozel, selbst wenige Wochen später von der Gestapo ermordet wurde, nachdem er vermutlich als Mitwisser denunziert worden war.

Zwischenzeitlich hatte sich ein für die kommunistische Bewegung und den gesamten polnischen Widerstand folgenreicher Bruch zwischen sowjetisch beeinflußtem und nationalem Widerstand vollzogen. Im April 1943 drangen Informationen über das »Massaker von Katyn« an die Öffentlichkeit. Stalin hatte durch einen Beschluß des Politbüros der KPdSU(b) vom 5. 3. 1940 die Ermordung von 15 000 Angehörigen der polnischen Armee und Polizisten (und darüber hinaus von 11 000 Gefangenen) verfügt.[51] Die verbliebenen Familienangehörigen wur­den nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Auch die Komintern war an der Konterpropaganda-Kampagne beteiligt. Wie aus seinem Tagebuch hervorgeht, übernahm Dimitroff gemeinsam mit der polnischen Rundfunkredaktion in Moskau persönlich die Durchführung einer Kampagne gegen das, was er als »faschistische Provokation« bezeichnete.[52] Nach Bekanntwerden des Massakers, das zum Bruch zwischen der Exilregierung und der sowjetischen Regierung führte, war Dimitroff für die Konterpropaganda der Komintern zuständig. Er versandte entsprechende Instruktionen an die kommunistischen Parteien, in denen er dazu aufforderte, gegen diese »Kampagne im Zusammenhang mit der faschistischen Provokation über die angeblich von der Sowjetmacht umgebrachten polnischen Offiziere in Smolensk«, entschieden einzuschreiten.

Über die Ermordung Lipskis wurden die höchsten sowjetischen Stellen und Stalin selbst unterrichtet. Am 9. 7. 1943 übermittelte Dimitroff schriftlich an Stalin, Molotov, Ščerbakov und Merkulov eine chiffrierte Nachricht des ZK der Polnischen Arbeiterpartei, daß das polnische ZK seine Liquidierung als feindlicher Agent beschlossen habe. Dimitroff führte weiter aus: »Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Lukasz Lipski sich durch seine Aktivität der Sabotage unter den Parteimitgliedern wie durch seine öffentlichen Interventionen gegen die Partei in der Presse und in den Versammlungen vollständig als Agent des Faschismus entlarvt hat, der für uns äußerst gefährlich ist, hat das Zentralkomitee beschlossen, ihn zu liquidieren. Dieser Beschuß ist bereits ausgeführt worden. Uns scheint es für den Augenblick nicht ratsam, diese Tatsache publik zu machen.«[53] Aufschlußreich ist auch, daß keine der Lipski betreffenden Ereignisse von Dimitroff als Tagebuchnotiz aufgeschrieben wurden.

Lipski wurde am 8. 11. 1963 durch die Kontrollkommission der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei rehabilitiert – seine Opposition gegen den tragischen Beschluß der Parteiauflösung sei, wie es in dem Beschluß hieß, seiner tiefen Verbindung zur Partei geschuldet, es gebe keinerlei Grundlage, die politische Position des Genossen Lipski zu disqualifizieren. Unter welchen konkreten Umständen er ermordet wurde, wurde allerdings nicht gesagt.

 

Kurzbiographien erwähnter Personen [54]

 

Dabal (Dombal), Tomasz. Ps.: Chlopski, Tomasz, Ordon, Lasowiak, Niezlomny, Tegeborski, Debur. 1890 Sobów – 1938 Sowjetunion. Polnischer Sozialist, später sowjetischer und Kominternfunktionär. Leiter der Bauerninternationale. 1920 Mitglied der KP Polens. Kommunistischer Abgeordneter im Sejm. 1921–1923 inhaftiert. Nach seiner Freilassung in die Sowjetunion. Dort führend in der Bauerninternationale (Krestintern) bis 1929, wegen seiner Haltung in der Bauernfrage in Lateinamerika kritisiert (Mexiko). 1932–1934 Mitglied des ZK der KP Weißrußlands. Opfer der Stalinschen Säuberungen als angebliches Mitglied des polnischen Nachrichtendienstes.

 

Finder, Pawel. 17. 9. 1904 Leszcyny, Bielsko-Biala – 26. 7. 1944 Warschau. Ps.: Fritz, Fryc, Fred, Brunon, Mrowiec, Pawel, Paul, Reynot, Robert, Ryszard, Jan Wysocki. Funktionär der polnischen, österreichischen und deutschen Arbeiterbewegung. Seit 1922 Mitglied der KP Österreichs. 1928 aus Frankreich ausgewiesen und nach Polen zurückgekehrt. Seit 1930 Sekretär der KP Polens. Im Herbst 1933 Mitglied des ZK der KP Polens. Leiter des Warschauer Parteikomitees, als solcher Vorgänger Lipskis. Ging 1939 in die von der UdSSR besetzten polnischen Gebiete. Mitarbeiter der MOPR. Seit Juli 1941 in Moskau. Mitbegründer der PPR. Einsatz im Rahmen der Initiativgrupppe in Warschau. 1943 von der Gestapo verhaftet, in das Gefängnis Pawiak gebracht und später erschossen.

 

Fitin, Pavel Michailovič. 1907 Osogino, Gouvernement Tobolsk – 1971 Moskau. Russischer Kommunist und Geheimdienstoffizier. 1920–1927 in einer Verbrauchergenossenschaft tätig, danach Komsomolfunktionär. 1928–1931 Hochschulstudium. 1934–1935 Armeedienst, 1936–1938 Journalist und Redakteur im Landwirtschaftsverlag. Seit März 1938 Studium an der Zentralen Schule des NKVD in Moskau, Mitarbeiter des NKVD, 1938–1939 als Nachfolger von Dekanozov Leiter der 5. Abteilung der Hauptverwaltung Aufklärung der Staatssicherheit, 1939–1946 Leiter der 5. Verwaltung im Volkskommissariat Staatssicherheit, bis 1947 Stellvertretender Bevollmächtigter des Ministeriums für Staatssicherheit der UdSSR in Deutschland, 1947 bis November 1953 Führungsmitglied des NKVD im Gebiet Sverdlovsk bzw. der Kasachischen SSR. In Unehren entlassen. Seit 1959 für die VOKS tätig.

 

Ivanov, Anton Kosinarov. Ps.: Bogdanov, Ivan Borisovič; Luka; Spiridon; Stareca; Anton. 26. 10. 1884 Koprivčica – 23. 7. 1942 Sofia. Bulgarischer Kommunist, Komintern-Emissär. Vertrauter Dimitroffs. Metallarbeiter. 1904 Mitglied der Tesnjaki (Engherzige), dem linken Flügel der Bulgarischen Sozialistischen Partei in Varna. 1907–1919 Sekretär der Metallarbeiter-Föderation. 1918 Parteisekretär in Sofia (nach DTB 1919 Parteimitglied). 1919 Parlamentsmitglied, 1919–1920 des Hohen Parteirates, November 1920 Mitbegründer der Gewerkschaftlichen Balkan-Föderation. 1922 Mitglied des ZK der BKP(b), im September 1923 Leiter des Revolutionären Aufstandskomitees in Sofia. Nach der Niederlage Verhaftung und Inhaftierung bis 1925. Im sowjetischen Exil seit 1925, Mitglied des Exekutivkomitees der RGI 1928–1930, zugleich als technischer Sekretär für das Auslandsbüro der KPB(b) tätig. Nach dem VII. Weltkongreß der Komintern von Dimitroff mit wichtigen politischen Missionen betraut, 1938–1941 stellvertretender Parteivorsitzender, im Kominternauftrag zur Auflösung der Auslandsorganisationen der KP Polens nach Paris (»Pariser Gruppe«) und Spanien (Internationale Brigaden, Bataillon Dąbrowski) unter Ps. Bogdanov und Jean. Dezember 1940 illegal nach Bulgarien zurückgekehrt, dort Mitglied des PB. Verhaftung durch die Polizei im April 1942, zum Tode verurteilt und erschossen.

 

Knorin, Vil'gel'm Georgijevič. 17.(29.) 8. 1890 Ligatne – 29. 7. 1938 Sowjetunion. Ps.: Sokolik. Lettischer Kommunist, hoher Funktionär der Komintern und der KPdSU(b). Sohn einer lettischen Bauernfamilie. 1910 Mitglied der sozialdemokratischen Partei Lettlands. Vor dem Ersten Weltkrieg Übertritt zu den Bolschewiki. Während der Oktoberrevolution in der zaristischen Armee. Im Februar 1917 Mitbegründer, im Mai 1917 Sekretär des Sowjets in Minsk. Mitglied des ZK der KP(b) Belorußlands. 1922–1925 Mitarbeit im ZK der KPR(b). Leiter der Informationsabteilung, danach der Agitprop-Abteilung im Moskauer Komitee der KPR(b). 1927/28 Sekretär des ZK der KP Belorußlands. 1928–1925 Sekretär des EKKI, 1929 Leiter des Mitteleuropäischen Ländersekretariats (MELS) in Moskau. 1932 am Institut der Roten Professur Direktor des Instituts für Parteigeschichte. Als Sekretär des EKKI abgesetzt. 1935 stellvertr. Abteilungsleiter im ZK der KPdSU(b). Juni 1937 Parteiausschluß, September 1937 Verhaftung. Nach Schnellverfahren erschossen.

 

Kostrzewa, Wera (Kostrszewa). Ursprünglich: Maria Koszutska. 2. 2. 1876 – 9. 7. 1939. Ps.: Kocheva. Olga Schwager; Facetka, Wera, M. Zboinska. Polnische Sozialistin und Kommunistin, Opfer Stalins. Als Jugendliche bereits in der Sozialistischen Partei Polens aktiv, auf ihrem linken Flügel. Nimmt 1905 und 1906 an den revolutionären Ereignissen teil. Seit Bestehen Mitglied des ZK der KP Polens. Zeitweise in der Bauerninternationale tätig, wurde zweimal von Stalin abberufen – 1924/1925 nach Stalins Leitung der polnischen Kommission und 1929 auf dem VI. ZK-Plenum. Seit 1930 in der Sowjetunion, dort verhaftet und 1939 im Gefängnis exekutiert.

 

Leński, Julian (Ps.). Ursprünglich: Leszczyński, Julian. 8. 1. 1889 Plock, Polen – 21. 9. 1937 in der Sowjetunion »liquidiert«. Ps.: G. Julin, Kalina, Laskowski, André Dubois. Polnischer Kommunist, 1925–1937 Mitglied des Exekutivkomitees der Komintern, 1930–1935 Generalsekretär der KP Polens. Arbeiterfamilie, 1905 Mitglied der SDKPiL, Studium in Krakau, 1913 Treffen mit Lenin, zwangsexiliert zusammen mit Dzierżyński, in Rußland Teilnahme an der Oktoberrevolution, dann im Nationalitätenkommissariat der russischen Partei. Lektor an der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens, anschl. im Kominternauftrag u. a. in Frankreich 1925 (als Mg. des ZK der KP Frankreichs). Mitglied des ZK des PB der KP Polens (1925), von Stalin und der Komintern gefördert, des EKKI, später auch des Präsidiums. 1929–1937 Generalsekretär, nahm an allen Weltkongressen und den meisten EKKI-Plena teil. 1930–1935 in Moskau, 1936 Leiter des Auslandsbüros der KP Polens (Paris). Nach Moskau zitiert, am 17. 6. 1937 »bei Jezov« (Dimitroff-Tagebücher), vom NKVD verhaftet, angeklagt und erschossen. Broué legt nahe, daß er mit Bela Kun oppositionell zusammengearbeitet hat. Das angebliche Komplott von Leński und Neumann (»Anti-Kominternblock«) diente als Grundlage, um im großen Stil gegen die Komin­tern-Kader vorzugehen. Sein Ausschluß als »Volksfeind« wird erst am 3. 7. 1938 vom Präsidium des EKKI bestätigt. Die biographische Notiz von Peter Huber in: J. Gotovitch, M. Narinskij u. a.: Komintern: L'histoire et les hommes, Paris, Leséditions ouvrières, 2001, 390 ist ungenau und irreführend. Maßgebliche Quellen (bspw. Broué) bleiben ungenannt.

 

Manuil'skij, Dimitrij Zacharovič, 21. 9. 1883 Svjatec – 22. 2. 1959 Kiev. Ukrainischer und sowjetischer Kommunist. 1903 Mitglied der SDAPR, 1907 Emigration nach Frankreich, 1917 Rückkehr nach Rußland, 1923–1939 Mitglied des ZK der KPdSU(b), seit 1924 des Präsidiums des EKKI, 1928–1943 Sekretär des EKKI, 1928/29 Leiter des WEB, 1929–1933 exponierteste Figur der Komintern. Als Sekretär und Stellvertreter Dimitroffs nach 1935 u. a. für die Kaderabteilung zuständig – leitete mit Moskvin die Säuberungen innerhalb der Komintern, steuerte auch die Repression gegen Emigranten. 1943/44 Mitarbeiter der politischen Hauptverwaltung der Roten Armee, 1946–1953 stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats. 1953 aus Krankheitsgründen von seinen Funktionen entbunden.

 

Merkulov, Vsevolod Nikolaevič. 1895 Sakataly, Kaukasus – 23. 12. 1953 Moskau. Sowjetischer Kommunist, hoher Staats- und Geheimdienstfunktionär. Seit 1921 im Apparat der OGPU. 1931–1934 Mitarbeiter Berijas im ZK der KP(b) Georgiens, seit September 1938 Führungsmitglied des NKVD der UdSSR. 1943–1945 Volkskommissar für Staatssicherheit, 1947–1953 Minister für Außenhandel bzw. Staatskontrolle. Am 22. 5. 1953 auf Beschluß des Ministerrates der UdSSR für vier Monate aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt, am 18. 9. 1953 verhaftet. Am 23. 12. 1953 von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt und erschossen.

 

Molojec, Bronisław (Bolesław). Ps.: Edward; Edwards. 1909 – 29. 12. 1942. Polnischer Kommunist. 1929 Mitglied der KP Polens. Exil in der Sowjetunion. 1937 verhaftet, vermutlich aufgrund einer Intervention Dimitroffs gerettet. Danach diverse Tätigkeit für die sowjetischen Dienste, u. a. in Frankreich (Unterstützung der KJI) und im spanischen Bürgerkrieg u. a. im Bataillon Dimitroff, Kaderabteilung in Albacete, Chef des Dąbrowski-Batallions, Sekretär der Parteiorganisation der Brigaden, Parteiarbeit an der Ebro-Front, Batallionsschef während des Rückzugs, stellvertretender Brigadechef, Chef der Verteidigung am Ebro, nach dem Rückzug Chef der internationalen Kräfte der 35. Division. 1938 Mitglied der »Pariser Gruppe« zur »Säuberung« der polnischen Kommunisten im westlichen Ausland. Rückkehr in die Sowjetunion, dort Angehöriger des Komitees zur Gründung einer Polnischen Arbeiterpartei. Im Dezember als Mitglied der Initiativgruppe per Fallschirm über Polen abgesetzt. Neubegründer der PPR, beschuldigte dessen Vorsitzenden Nowotko der Zusammenarbeit mit der Gestapo. Nach der Ermordung Nowotkos auf Beschluß der restlichen Führung selbst als »Verräter« umgebracht.

 

Nowotko, Marceli. 8. 8. 1893 – 28. 11. 1942. Ps.: Max, Marian, Stary. Funktionär der KP Polens und der PPR. Seit 1918 in der kommunistischen Bewegung. 1939–1941 Emigrant in der UdSSR. Gehörte mit Molojec und Finder zur im Dezember 1941 von Moskau aus nach Polen entsandten Initiativgruppe zur Gründung der PPR. 1941 Erster Sekretär des ZK der PPR. Unter ungeklärten Umständen erschossen.

 

Pjatnickij, Iosif Aronovič. Ursprünglicher Name: Iosif Aronovič Tarsis. 18. 1. 1882 Vil'komir bei Kaunas – 30. 10. 1939 Moskau. Sozialdemokrat und Bolschewik lettischer Herkunft, später ZK-Mitglied der KP Rußlands und Organisationschef der Komintern. Schneider. 1898 Mitglied der RSDAP, 1903 Bolschewik, aktiv beim Transport der Iskra nach Rußland, 1905 Mitglied des Parteikomitees in Odessa, 1917 Sekretär des Parteikomitees in Moskau, 1921 Sekretär des EKKI, 1927 und 1934 ins ZK der RKP(b) gewählt (bis 1937). Bis 1935 die bestinformierte Person über die Komintern, zuständig für die gesamte Organisation in Moskau wie im Ausland und Mitglied des Präsidiums, verantwortlich für die Abteilung für internationale Verbindungen (OMS) und den illegalen Verbindungsapparat. 1938 inhaftiert, Stalin ließ ihn als deutschen Spion denunzieren, Tod im Gefängnis.

 

Sikorsky, Władysław. 1881–1943. Polnischer General und Politiker. 1939–1943 Premier der polnischen Exilregierung.

 

Trilisser, Michail. Ursprünglich: Meier Abramovič. Ps.: Moskvin. 1883 – 2. 6. 1940 (offizielles Todesdatum des NKVD). Russe, »Alter Bolschewik«, später hoher Funktionär der GPU bzw. des NKVD und zugleich Kominternfunktionär. Parteimitglied 1901. Wurde zu zehn Jahren Zwangsarbeit in Katorga verurteilt. Ab 1921 diverse Kominterntätigkeiten, zuerst in der Abteilung für internationale Verbindungen. Trat bereits 1923 als Funktionär der GPU gegen die Opposition in der RKP(b) auf. 1926–1930 stellvertretender Leiter der Auslandsabteilung der OGPU, mit Jagoda 2. Mann der GPU hinter Mensinskij. Bereits 1925 Angehöriger einer Mandatprüfungskommission des EKKI. Aufgrund von Beschönigungen in der Biographie Jagodas bzw. »Rechtsabweichung« von Stalin aus dem Amt entlassen. 1931–1934 stellvertretender Volkskommissar der Arbeiter- und Bauerninspektion. Wurde Pjatnickij als oberstem Organisationschef der Komintern beigegeben, was Jagoda immer dann zu tun pflegte, wenn leitende Personen ausgetauscht werden sollten (Orlov). Ab 1935 Nachfolger Pjatnickijs als Leiter der OMS, verantwortlich für die Kaderabteilung des EKKI. 1939 verhaftet.

 

Warski-Warszawski, Adolf. 1868 Warschau – 1937 Sowjetunion. Ps.: Czerniawski, Jerzy, Jerzynski, Michalowski. Polnischer Sozialdemokrat, Veteran des polnischen Kommunismus und Angehöriger der Komintern. 1889 Mitbegründer der Union der polnischen Arbeiter, später der SDPPL. 1906 Mitglied des ZK der SDPPL, als Gegner der Burgfriedenspolitik ihr Vertreter auf den Konferenzen von Zimmerwald 1915 und Kienthal 1916. 1916–1917 in Deutschland inhaftiert. Anhänger der Oktoberrevolution, 1918 Begründer (mit Walecki und Kostrzewa) der KP Polens, 1923 und 1927 Mitglied des ZK, 1922 Mitglied der EKKI-Delegation auf der Konferenz der Exekutiven der Komintern, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Parteien und der Londoner Internationale in Berlin, im Präsidium des IV. Weltkongresses der Komintern 1922, nahm Anfang 1924 an den Präsidiumssitzungen des EKKI zur Bilanz des Deutschen Oktober teil, wurde (mit Walecki und Kostrzewa) von der Parteiführung ausgeschlossen, weil er sich gegen das Vorgehen der russischen Parteiführung in Sachen Deutscher Oktober und für die Kritik Trockijs ausgesprochen hatte. 1926 Vorsitzender der Kommunistischen Fraktion im Sejm. 1929 Flucht nach Rußland, arbeitete im Marx-Engels-Institut. Während der Stalinschen Säuberungen umgekommen.

 


[1] Während das Thema nach der Publikation erster Dokumente durch die russischen Historiker Lebedeva und Narinskij zunächst kaum Beachtung fand, wurde es vor kurzem vom polnischen Historiker Ryszard Nazarewicz vertieft und daraufhin von französischen Historikern aufgegriffen. So bspw.: Dziewanowski, M. K.: The Communist Party of Poland. An Outline of History, Cambridge Mass., Harvard University Press, 2nd Ed. 1959. XII. 419 S. (Russian Research Center Studies. 32). Der Fall Lipski wurde u. a. in folgenden Veröffentlichungen erwähnt: Lebedeva, Natal'ja/Mitzner, Piotr: Wyrok na odstępcę, Karta, Warschau (1994), 22, S. 69–91; Lebedeva, Natal'ja/Narinskij, Michail (Hrsg.): Komintern i Vtoroja Mirovaja Vojna. Rossijskaja Akademija Nauk. Instityt Vseobščej Istorii, Gosudarstvennaja Archivnaja Služba Rossii, Rossijskij Centr Chranenija i Izučenija Dokumentov Novejšej Istorii. 2 Bde. Moskva, Pamjatniki Istoričeskoj Mysli. Bd 1: Do 22 Ijunja 1941 g., 1994, 554 S.; Bd 2: Posle 22 Ijunja 1941 g., 1998, 594 S.; Nazarewicz, Ryszard: Armia Ludowa. Dylematy i dramaty, Warschau 2. Aufl. 2000 (1. Aufl. Armii Ludowej dylematy i dramaty, wydawnictwo: Oficyna Drukarska, 1998). Ryszard Nazarewicz ist ehemaliger Widerstandskämpfer und Historiker des Widerstandes der polnischen Linken gegen die faschistische Okkupation und die Unterdrückung durch den Stalinismus (Siehe die Rezension von Werner Röhr, in: Bulletin für Faschismus und Weltkriegsforschung (1999), 13, 108). Außer in Rußland und in Polen selbst wurde der Fall Lipski bisher vor allem in Frankreich (durch Jean Jacques Marie und Pierre Broué) rezipiert. Siehe: Le »non« de Léon Vikenti Lipski (1943), Cahiers du mouvement ouvrier, Paris (1999), 6, S. 99–105; »Léon Vikenti Lipski – fondateur du PC polonais indépendant«, ibid. (1998), 4, S. 139–143; Nazarewicz, Ryszard: Le massacre des communistes polonais. L'affaire Léon Lipsi, Cahiers Léon Trotsky, Grenoble (2001), 73, S. 85–96. In deutscher Sprache siehe die wichtige, allerdings nur schwer zugängliche Broschüre: Nazarewicz, Ryszard: Die Vernichtung der KP Polens im Lichte der Akten des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (Redaktion: Eva Seeber und Manfred Neuhaus), Leipzig, Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, 1998. 53 S.

[2] Komunistyczna Partia Polski, gegründet am 16. 12. 1918 als Komunistyczna Partia Robotnicza Polski. Zur Geschichte der KP Polens siehe: Kowalski, Józef: Komunistyczna Partia Polski 1935–1939, Warschau 1975; Cimek/Lucjan Kieszynski: Komunistyczna Partia Polski 1918–1938, Warschau 1984; Czubinski, Lucjan: Komunistyczna Partia Polski 1918–1938, Warschau 1985. Maciszewski, Jarema (ed.): Tragedia Komunistycznej Partii Polski, Warszawa, Ksiazka i Wiedza, 1989. 239 pp.

[3] Siehe hierzu: Holzer, Jerzy: Zwischen Nationaler Gebundenheit und übernationaler Klassensolidarität. Die Multinationale Arbeiterbewegung im polnischen Staat 1918–1939, Paper, Masch., o. O., o. J. 43 S.

[4] Mentalstrukturen und Handlungsmaxime Stalins auf dem Gebiet der internationalen Politik werden in den Dimitroff-Tagebüchern deutlicher.

[5] Neben dem zitierten Werk Tragedia KPP gibt R. Nazarewicz an neuerer Spezialliteratur zur Stalinschen Repression gegen Polen und die KP Polens an: Kieszynski, Lucjan: Represje stalinowskie w ZSSR wobec dzialaczy polskiego ruchu robotniczego. In: Oblicza lewicky. Losy idei i ludzi, Warschau 1992, S. 293–357; System Zbrodni, in: Niezalezne pismo historyczne, Karta, Warschau (1993), 11, S. 3–24; Pietrow, Nikita: Polska operacja NKWD, ibid., S. 24–45.

[6] Polska Zjednoczona Partia Robotnicza (PZPR). Gegründet 15. 12. 1948 als Vereinigung von PPS und PPR.

[7] Die neueren empirischen Aufarbeitungen dieses Komplexes (siehe zu den polnischen Quellen weiter unten) stützen sich in großen Teilen auf die Dimitroff-Tagebücher. Siehe: Firsov, F. I/ Jażborovskaja, I. S.: Komintern i Kommunističeskaja partija Pol'ši [»The Comintern and the Communist Party of Poland«], Voprosy Istorii KPSS (1988), 11, S. 20–35; 12, S. 40–55; Firsov, F. I.: »Mechanism of power realization in the Comintern« . In: Centenaire Jules Humbert-Droz, Colloque sur l'Internationale Communiste, La Chaux-de-Fonds, Fondation Jules Humbert-Droz, 1992. 565 S., S. 449–466; Broué, Pierre: Histoire de l'Internationale Communiste, Paris, Fayard, 1997. 1120 S., besonders S. 707–733.

[8] Ryszard Nazarewicz: Die Vernichtung der KP Polens, S. 7.

[9] Siehe mit entsprechenden Quellenangaben: Nazarewicz: Die Vernichtung der KP Polens, S. 9.

[10] Am 28. 11. 1937 (Siehe: R. Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 87 – vermutlich jedoch früher).

[11] Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933–1943. Hrsg. von Bernhard H. Bayerlein. Aus dem Russischen und Bulgarischen von Wladislaw Hedeler und Birgit Schliewenz. 2 Bde. Bd. II.: Kommentare und Materialien zu den Tagebüchern 1933–1943. Herausgegeben von Bernhard H. Bayerlein und Wladislaw Hedeler unter Mitarbeit von Birgit Schliewenz und Maria Matschuk. Berlin 2000, 712 und 773 S.

[12] Dimitroff: Tagebücher 1933–1944, I, S. 167.

[13] Ibid., II, S. 104f.

[14] Ibid., S. 108.

[15] L'Internationale communiste, février 1938.

[16] Nazarewicz, R.: Le massacre des communistes polonais, S. 87; der zitiert: Maciszewski, Jarema (Red.)/Cimek, Henryk/Firsow, Friedrich/Jazborowska, Inessa/Kieszczynski, Lucjan/Nazare­wicz, Ryszard (Eds.): Tragedia Komunistycznej Partii Polski, Warschau 1989.

[17] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, II, S. 112.

[18] RGASPI 425/125/40, 19–24. Zit. in: Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 88.

[19] Siehe: Nazarewicz: Die Vernichtung der KP Polens, S. 33–37.

[20] Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 88.

[21] Ibid., 89.

[22] Cahiers du mouvement ouvrier, Paris (1999), 6, S. 102f.

[23] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, I, 178. Vgl. erneut den Eintrag vom 30. 9. 1938, hier letztmals im Rahmen einer geplanten internationalen Beratung kommunistischer Parteien in Paris mit einer Vertretung der KP Polens.

[24] Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte und mit Unterstützung des Staatlichen Archivdienstes Rußlands, hrsg. und bearb. von Elke Fröhlich, Teil I, Aufzeichnungen 1923–1941, Bd. VII, München 1998, S. 145f.

[25] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, I, S. 273.

[26] Polska Partia Socjalistyczna (PPS), Polnische Sozialistische Partei. Gegründet am 17.–23. 10. 1892.

[27] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, II, S. 144.

[28] Ibid., I, S. 275.

[29] Nach den mir zur Verfügung stehenden Quellen vor der Gründung der PPR im Januar 1942.

[30] Lewa Marsz. Czasopismo spoleczno-literackie.

[31] Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 93.

[32] Lebedeva/Narinskij: Komintern i Vtoroja Mirovaja Vojna, II, S. 384.

[33] KJV: Kommunistischer Jugendverband.

[34] Dimitroff: Tagebücher, 1933–1943, I, S. 300.

[35] Zu Aleksandr Wat siehe die Rezension seines Erinnerungsbuches von Schlott, Wolfgang, in: The International Newsletter of Communist Studies (2002), der zusammen mit dem Jahrbuch erscheint.

[36] Polska Partia Robotnicza (PPR). Polnische Arbeiterpartei. Gegründet am 5. 1. 1942 mit der ausdrücklichen Weisung des EKKI, die KP Polens nicht wieder aufzubauen.

[38] Zum Fall Katyn und zur Rolle Dimitroffs siehe weiter unten.

[39] Nach Dokumenten aus dem Archiwum Akt Nowych (AAN) zit. in: Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 91.

[40] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, I, S. 463.

[41] Ibid., S. 556.

[42] Siehe hierzu: Ryszard Nazarewicz: Zabóstwo Marcelego Nowotki w swietle dokumentow z lat 1942–1943, Warschau 1990; id.: Die Vernichtung der KP Polens, S. 22f.

[43] Zit. aus: Lebedeva/Mitzner: Wyrok na odstępcę, Karta, in: Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 91.

[44] Cahiers du mouvement ouvrier, S. 104f.

[45] Cahiers du mouvement ouvrier, Paris (1999), 6, S. 105.

[46] Ibid., S. 105.

[47] Gomułka zufolge habe sich Finder ihm gegenüber als der Urheber des Mordbefehls decouvriert. Es gibt auch abweichende Darstellungen. Siehe: Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 94.

[48] Gwardia Ludowa (»Volksgarde«). Im Frühjahr 1942 von der PPR gegründete bewaffnete Abteilung, die sich im Januar 1944 trotz ihrer zahlenmäßig geringeren Stärke gegenüber der Armja Krajowa (»Volksarmee«) nach der Vereinigung mit den Milizen der linken sozialistischen Partei als Armja Ludowa durchsetzen konnte.

[49] Ryszard Nazarewicz: Armia Ludowa, dylematy i dramaty, 1998, zit. in: Le cas de Léon Lipski, Cahiers du mouvement ouvrier, Paris (1999), 6, S. 101–105.

[50] Ryszard Nazarewicz: Le massacre des communistes polonais, S. 86.

[51] Nazarewicz erwähnt zusätzlich einen von Stalin unterzeichneten Erschießungsbefehl für 25 700 polnische Offiziere und Beamte, die in russischen Gefängnissen und Kriegsgefangenenlagern einsaßen (Nazarewicz: Die Vernichtung der KP Polens). Zum Gesamtkomplex siehe: Pichoja, Rudolf et al. (Hrsg.): Katyn. Plenniki neob’javlennoj vojny. Dokumenty i materialy, Moskau, 1997.

[52] Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, I, 681.

[53] Lebedeva, N./Narinskij, M.: Komintern i Vtoroja Mirovaja Vojna, II, 383–384 (RGASPI 495/74/424, S. 34–35).

[54] Zu den polnischen und russischen Biographien siehe u. a.: Tych, Feliks (Red.): Museum Historii Polskiego Ruchu Rewolucyjnego: Slownik Biograficzny Dzialaczy Polskiego Ruchu Robotniczego. Bd. I, A–D, Bd. II, E–J; Bd. III, K, Redaktor Naczelny: Feliks Tych, Warszawa, Ksiazka i Wiedza, 1978. 679 S., 1987. 751 S.; 1992 (Bd. III); Dimitroff: Tagebücher 1933–1943, II. Zu den deutschen Biographien siehe u. a.: NDB; Weber, Hermann: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. 2 Bde., Frankfurt am Main 1969, Bd. II. Allgemein bekannte Personen (Berija, Dimitroff, Gomułka, Molotov, Pieck, Stalin und Togliatti) wurden nicht aufgenommen.

Inhalt – JHK 2002

Copyright:

Eventuell enthaltenes Bildmaterial kann aus urheberrechtlichen Gründen in der Online-Ausgabe des JHK nicht angezeigt werden. Ob dieser Beitrag Bilder enthält, entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument.