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Die Waffen der Schwachen: Alltäglicher Widerstand der chinesischen Bauern in der Ära der kollektiven Landwirtschaft (1953 bis 1982)

JHK 2007 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 11-30 | Aufbau Verlag

Autor/in: Felix Wemheuer

Oben gibt es die politischen Richtlinien, unten die Gegenmaßnahmen.[1]

Lange war im Westen der Mythos verbreitet, China habe unter Mao Zedong ein bauernfreundliches Modell des Sozialismus entwickelt. Waren viele Sinologen bis Anfang der 60er Jahre unter dem Einfluss der Totalitarismus-Theorie blind für die chinesischen Besonderheiten, übersahen in den 70er Jahren viele westliche Beobachter des neuen Paradigmas »Wir machen das anders als Moskau«[2] die Gemeinsamkeiten von Maos und Stalins Modell. Nicht nur im Westen, sondern auch in vielen Ländern der »Dritten Welt« war der Glaube verbreitet, dass beim chinesischen Weg die Entwicklung der ländlichen Gebiete im Vordergrund stand. In Maos China sei jeder Chinese durch die »eiserne Reisschüssel« abgesichert gewesen und keiner habe gehungert.

Heute wird die Frage erneut aufgeworfen, ob sich das Wirtschaftsmodell und das politische System der Mao-Ära (1949 bis 1976) überhaupt grundlegend von ihren Vorbildern in der Sowjetunion unterschieden oder ob es sich um eine Art »chinesischen Stalinismus« handelte.[3] Wie in der Sowjetunion wurde in China die Industrialisierung durch die »Ausbeutung« der Bauern finanziert. Von 1953 bis Mitte der 80er Jahre mussten die Bauern dem Staat Getreide und andere Agrarprodukte zu Dumpingpreisen verkaufen. Der Staat konnte auf diese Weise die Industrialisierung finanzieren, die auch in China unter dem Primat der Schwerindustrie forciert wurde.

Außerdem konnten die Löhne der Arbeiter in den staatlichen Arbeitseinheiten auf niedrigem Niveau gehalten werden. Aus den Erfahrungen der Hungernöte in der Sowjetunion 1932/33 und 1946/47 lernten die chinesischen Kommunisten wenig. Durch den »Großen Sprung nach vorne« (1958 bis 1961) wurde eine Hungersnot ausgelöst, durch die 15 bis 45 Millionen Menschen starben.[4]

Der Mythos vom großen Bauernfreund Mao ist nur vor dem Hintergrund der chinesischen Revolutionsgeschichte zu verstehen: Im Unterschied zu Russland stützte sich die chinesische Revolution in erster Linie auf die ländlichen Gebiete und die Bauern. »Vom Land die Städte einkreisen« war die Strategie der KPCh, die sie 1949 an die Macht brachte. Umstritten ist heute allerdings, in wel- chem Ausmaß die chinesischen Bauern die Volksbefreiungsarmee unterstützen. Lu- cien Bianco wies darauf hin, dass sich viele der unabhängigen Bauernbewegungen in den 30er und 40er Jahren nicht von den Kommunisten vereinnahmen ließen.[5] Johnson stellte die These auf, dass erst durch die existenzielle Bedrohung des japanischen Einmarsches nach 1937 die KPCh die Bauern unter dem Banner des Nationalismus gewinnen konnten.[6] Dem widersprach Mark Selden, der die Attraktivität des Modells in dem roten Stützpunkt im Gebiet von Yan’an als Hauptgrund für den Erfolg Maos ansieht.[7] Dort hatten die Kommunisten auf eine radikale Revolution verzichtet und stattdessen eine Pachtreduzierung für die Bauern durchgesetzt und auch private Kleinunternehmer in die Einheitsfront gegen Japan eingebunden.

Einige unkonventionelle Wissenschaftler aus der Volksrepublik China beginnen nun den Mythos von der Bodenreform (1947 bis 1950) als große Bauernbefreiung in Frage zu stellen. Gemäß dem offiziellen Kanon befreite die KPCh die Bauern von der »halbfeudalen« Herrschaft der Großgrundbesitzer. Durch die Neuverteilung von 43 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche seien die Bauern zu loyalen Anhängern der Partei geworden. In den neueren Untersuchungen erscheint die Bodenreform nicht mehr nur als Sozialreform, sondern als brutale Vernichtung der ländlichen Elite und der Selbstorganisation des Dorfes. In jedem Dorf mussten »Großgrundbesitzer« gefunden werden, selbst wenn es nach der Definition der Partei keine gab, da sonst keine Mobilisation der armen Bauernstattfinden konnte.[8] Chinesische Forscher, die Zugang zu Kreisarchiven hatten, berichten von über tausend Toten in einem Kreis.[9] Die Bodenreform stand im Zusammenhang mit den Kampagnen zur »Ausrottung der Banditen und Konterrevolutionäre«. 

Im Unterschied zur Sowjetunion, wo die ländliche Elite der Kulaken und die Dorfkirchen im Zuge der Kollektivierung von 1929 bis 1932 liquidiert wurden, vernichtete die KPCh die ländliche Elite schon mit der Bodenreform. In Form der Parteikomitees wurde zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte der Staat auf den Dörfern etabliert. Im Kaiserreich war der Kreis die unterste Ebene des Staatsapparates. Die chinesischen Kommunisten waren schon vor der Kollektivierung stärker auf dem Dorf verankert als ihre russischen Genossen. Während der Bodenreform wurde der Klassenstatus der Dorfbewohner festgelegt (Großgrundbesitzer, reicher Bauer, Mittelbauer, armer Bauer oder Landarbeiter), der bis Ende der 70er Jahre die Stellung des Einzelnen in der Dorfhierarchie bestimmen sollte und nur in seltenen Fällen geändert werden konnte.[10]

Bevor zwischen 1953 bis 1956 die Kollektivierung in China im Vergleich zur Sowjetunion relativ friedlich durchgeführt werden konnte, hatte die Kommunistische Partei den Machtkampf auf den Dörfern bereits für sich entschieden. In diesem Artikel soll untersucht werden, wie die Bauern auf die Kollektivierung der Landwirtschaft reagierten. Wie sahen alltägliche Widerstandsformen der Bauern in den Kollektiven aus und wie kämpften sie während der Hungersnot in den Volkskommunen ums Überleben? Schon Stalin hatte befürchtet, dass die Kolchosen sich in Organisationen der Bauern gegen den Staat verwandeln könnten. Deswegen sollen hier auch die Gegenmaßnahmen des Staates gegenüber den Bauern analysiert werden. Der Artikel konzentriert sich auf die Zeit vom Beginn der Kollektivierung 1953 bis zur Dekollektivierung Anfang der 80er Jahre. 

Da alltägliche Widerstandsformen häufig verdeckt und heimlich praktiziert wurden und die Bauern in der offiziellen Geschichtsschreibung Chinas nur als gesichtslose Masse auftreten, ist es schwierig, anhand von offiziellen Dokumenten den Umfang dieses Widerstandes in der VR China einzuschätzen. Dieser Artikel setzt sich deshalb in erster Linie mit regionalen Beispielen auseinander, die in Feldstudien oder Oral-History-Projekten untersucht wurden. Da in der MaoÄra die Gesellschaft auf einer strikten Trennung zwischen Stadt und Land beruhte, steht die Erforschung der hidden transcripts[11] der ländlichen Gesellschaft in China erst am Anfang. Relativ gut dokumentiert wurde von staatlicher Seite dagegen der offene Widerstand der Bauern gegen die Kollektivierung in der Krise von 1956/57.

Widerstand gegen den staatlichen Getreideaufkauf 1954/55

Die erste große Veränderung im Leben der Bauern nach dem Abschluss der Bodenreform war die Einführung des staatlichen Zwangsaufkaufs von Getreide (tonggou tongxiao), der mit dem 1. Fünfjahresplan 1953 etabliert wurde. Vor allem die Preispolitik führte zu Spannungen zwischen Staat und Bauern. Der führende Wirtschaftsexperte und Finanzminister, Chen Yun, gab auf der Allchinesischen Getreidekonferenz offen zu, dass der Zwangsaufkauf die Bauern an die Maßnahme der japanischen Besatzer erinnern würde.[12] Chen machte sich Sorgen, dass ohne den Zwangsaufkauf die Städte und die Armee nicht mehr ernährt werden könnten.[13] China werde sich weiterhin auf einen Mangel an Getreide einstellen müssen. Das Land war Anfang der 50er Jahre noch viel ärmer als die Sowjetunion am Vorabend der Kollektivierung 1928. Der Ertrag der chinesischen Getreideproduktion pro Einheit belief sich nur auf die Hälfte des sowjetischen.[14] 

Li Huaiyin untersuchte die Reaktionen der Bauern auf die Einführung des staatlichen Getreidemonopols in den Kreisen Dongtai und Songjiang in der Provinz Jiangsu in Ostchina. Da 1953/54 vom Staat zunächst keine festen Abgabequoten festgelegt wurden, hatten die Bauern das Gefühl, den gesamten Überschuss ihrer Produktion abliefern zu müssen. Im Kreis Dongtai reagierten Parteikader mit einer doppelten Buchführung, wodurch die tatsächliche Produktion vor den höheren Stellen geheim gehalten wurde.[15] In Songjiang, wo die Kader weniger flexibel reagierten, kam es 1955 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Hunderte Bauern zogen mehrfach zu den Gemeindebehörden und verprügelten Kader. Die Partei zog in dieser Auseinandersetzungen die Lehre, dass sie den Widerstand gegen den staatlichen Aufkauf von Getreide, an dem sich in erster Linie arme Bauern und Mittelbauern beteiligten, nicht wie während der Bodenreform mit einer Inszenierung eines Klassenkampfes gegen die »Großgrundbesitzer« brechen konnte. Diese Einsicht mündete 1956 schließlich in Mao Zedongs Theorie von den nicht antagonistischen Widersprüchen innerhalb des Volkes, die durch Erziehung und Propaganda und nicht durch Gewalt gelöst werden sollten.[16]

Der junge chinesische Historiker Tian Xiquan wertete die Dokumente des Kreises Tanghe in der Provinz Henan aus und entdeckte vielfältige Widerstandsformen gegen das staatliche Getreidemonopol: Bauern und Kader organisierten Schwarzmärkte.[17] Andere versuchten alles aufzuessen, was sie noch hatten. Über 800 Menschen bettelten. Kam es zu Naturkatastrophen, übertrieben die Bauern die Schäden, um eine Senkung der Quoten zu erreichen. Mit ihren permanenten Klagen über ihre schlechte Lage setzten sie die Parteikader unter Druck. Die übergeordneten Partei- und Staatsorgane konnten nur schwer in Erfahrung bringen, ob diese Klagen berechtigt waren. Da 1957 der staatliche Aufkaufsplan für Getreide bei weitem nicht erfüllt werden konnte, wurde der gesamte Parteiapparat mobilisiert. In Tanghe wurde die Bürokratie massiv ausgedehnt, und die Aktivsten der Getreidebeschaffung erhielten Waffen.[18] Schon 1954 erhielten die Forderungen nach Erfüllung der Quoten einen stark moralisierenden und politischen Unterton. Der Aufkauf sei für die Unterstützung der Industrialisierung der Gebiete, die von Naturkatastrophen getroffen waren und für die Befreiung von Taiwan.[19] Damit wurde die Erfüllung der Quoten zur Frage von Revolution und Konterrevolution.

Die Parteiführung gelangte zu der Erkenntnis, dass der Widerspruch zwischen der staatlichen Planwirtschaft und der kleinbäuerlichen Privatwirtschaft auf Dauer nicht tragbar sei. Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde daher als Möglichkeit gesehen, das Dorf besser in das staatliche Wirtschaftssystem zu integrieren und den Widerstand gegen das staatliche Getreidemonopol zu brechen.

Die Bewegungen der Massenaustritte aus den Kollektiven (1956/57)

Nach dem Abschluss der Bodenreform plante die KPCh zunächst die Landwirtschaft Schritt für Schritt zu kollektiveren. In insgesamt drei Fünfjahresplänen sollte die Bauernschaft über die »Gruppen zur gegenseitigen Hilfe« (huzhuzu) und die halbsozialistische Genossenschaft (chujishe), in der eingebrachter Boden und die Arbeitsgeräte bei der Lohnauszahlung einflossen, in sozialistische Genossenschaften (gaojishe) überführt werden. Diese Strategie war nicht nur eine Lehre aus der Kollektivierung der Sowjetunion, sondern auch Resultat der negativen Erfahrungen, die die KPCh mit radikalen Kollektivierungsversuchen in den roten Stützpunkt-Gebieten in Südchina Anfang der 30er Jahren gemacht hatte.

Anfang 1955 kam es nach Naturkatastrophen in der Provinz Zhejiang und anderen Gebieten zum Zusammenbruch des Genossenschaftswesens. Der Agrarexperte der Zentralregierung, Deng Zihui, forderte die Festigung des Bestehenden und die Verlangsamung des sozialistischen Aufbaus. Bei der Gründung von Genossenschaften müsse die Partei sich strikt an das Freiwilligkeitsprinzip halten.[20] Bis Mai 1955 unterstützte Mao noch diese Politik. Nichtfunktionierende Genossenschaften sollten aufgelöst und die funktionierenden gefestigt werden. Im Zuge dieser Politik nahm die Zahl der Genossenschaften um 20 000 ab, davon wurden allein in Zhejiang über 15 000 aufgelöst. Außerdem kam es im Frühjahr 1955 in 15 Gemeinden zu mehr als 60 Massenaufständen.[21]

Mit der Einführung der vollsozialistischen Genossenschaften 1955/56 mussten die Bauern entschädigungslos ihr Eigentum an Arbeitsgeräte und Tiere aufgeben. Der eingebrachte Boden spielte keine Rolle mehr. Das Einkommen der »reichen Bauern« und auch vieler »Mittelbauern« nahm in der Folge ab. Mit dieser Offensive gab die Partei das ursprüngliche Stufenmodell auf. Da sich im Juni 1955 noch 85 Prozent der Haushalte nur zu »Gruppen zur gegenseitigen Hilfe« zusammengeschlossen hatten, übersprangen viele Dörfer einfach die Stufe der halbsozialistischen Genossenschaften und stiegen »mit einem Schritt in den Himmel« (yi bu deng tian) auf, d. h. sie gründeten die vollsozialistischen Genossenschaften sofort.[22] Der Plan zur schrittweisen Kollektivierung wurde aufgegeben.

Zu offenen Auseinandersetzungen zwischen Partei und Bauern kam es wieder im Winter 1955/56, als in vielen Provinzen tausende Bauern von ihrem Austrittsrecht Gebrauch machten und die Kollektive verließen. Die Partei hatten ihnen die Freiwilligkeit der Teilnahme und somit auch das Austrittsrecht zugesichert.

Viele »reiche Bauern« und »Mittelbauern« traten aus den Genossenschaften aus, weil ihr Einkommen sank. Das Ziel, alle Genossenschaftsmitglieder auf das Niveau der ehemaligen Mittelbauern zu heben, konnte die KPCh nicht erreichen. Aber auch Handwerker, Einzelhändler und »arme Bauern« verließen die Genossenschaften. Viele leitende Parteikader waren mit dem Management überfordert.

Nach dem »sozialistischen Aufschwung« im Sommer, der die Austritte wieder rückgängig machte, sah sich die Partei im Winter 1956 erneut mit einer riesigen Austrittswelle in wichtigen Provinzen konfrontiert.[23] In der Provinz Zhejiang wollten in einigen Gebieten über 20 Prozent der Bauern aus den Kollektiven austreten.[24] In der Provinz Guangdong verließen ca. 70 000 Bauern die Genossenschaften.[25] Ähnliche Berichte kamen auch aus den Provinzen Henan und Liaoning. Der Parteiführer von Henan, Pan Fusheng, sagte 1957 bezüglich der Bauern-Unruhen, die Partei sitze auf einem Vulkan.[26]

Lokale Kader reagierten auf die Krise in der Provinz Zhejiang im Kreis Yongjian mit der Einführung eines neuen Agrarsystems. Der Boden und die Produktionsmittel blieben Kollektiveigentum, aber die Verantwortung für die Erfüllung der staatlichen Getreidequote wurde auf die Familien übertragen und diese wurden entsprechend der Ablieferung entlohnt. Dieses System (baochan daohu), das nach 1982 in ganz China eingeführt wurde, verurteilte das Zentralorgan der Partei Renmin ribao im November 1957 als Wiedereinführung der kapitalistischen Kleinbauernwirtschaft.[27] Der verantwortliche Parteikader Li Yun musste dafür 20 Jahre Zwangsarbeit leisten.[28]

Im Juli 1957 leitete die Kommunistische Partei die »Antirechtskampagne« ein, die in den Städten in erster Linie gegen Intellektuelle gerichtet war. Die KPCh reagierte zugleich auf die Welle der Genossenschaftsaustritte auf dem Land mit einer Gegenoffensive. Der staatliche An- und Verkauf wurde auf fast alle Agrarprodukte ausgedehnt, die private Nutzung von Parzellen (ziliudi) eingeschränkt und freie Märkte geschlossen. Den freien Verkauf oder die Zurückhaltung von Getreide stellte die Partei unter schwere Strafe. Gleichzeitig beschloss das ZK die Einbeziehung der gesamten Landbevölkerung in diese »Sozialistische Erziehungskampagne«. Fortan war es unmöglich, aus den Genossenschaften auszutreten, und wer bereits ausgetreten war, war gezwungen, erneut Mitglied werden. Der Umfang der Repressionen ist leider wenig erforscht. In der Provinz Guangdong wurden während dieser Kampagne 16 000 Menschen verurteilt.[29] 1957 während der Sozialistischen Erziehungskampagne kritisierte die Partei in der nationalen Presse, Klagen über zu wenig zu essen als rechte Abweichung. Das Getreideproblem sei in Wirklichkeit ein ideologisches Problem.[30] So entwickelte sich eine mörderische Dynamik. Als während des »Großen Sprungs« die Hungersnot ausbrach, konnte niemand den Mangel an Nahrungsmitteln ansprechen, ohne als «Rechtsopportunist» gebrandmarkt zu werden.

Um die Landflucht der Bauern in die Städte zu verhindern, führte der Staat 1958 ein Haushaltsregister-System (hukou) ein. Den Bauern war deshalb bis Anfang der 80er Jahre verboten, ihr Dorf ohne Erlaubnis zu verlassen. Da die Zuteilung von Getreidekarten, die es nur für die Stadtbevölkerung gab, an den hukou gebunden war, konnte sich ein illegaler Stadtbewohner nicht versorgen.

Die Getreideproduktion nahm immer langsamer zu. 1957 stieg sie nach offiziellen Angaben nur um 1,2 Prozent. 1956 waren es noch 4,8 Prozent gewesen. Der Viehbestand nahm um 4,5 Prozent ab, da viele Bauern ihr Vieh aus Protest gegen die Kollektivierung schlachteten oder es wegen schlechten Managements im Kollektiv einging. Die sozialistische Landwirtschaft steckte 1957 in einer tiefen Krise.

Nicht zu vergessen ist, dass 1956/57 nicht nur die Bauern gegen die Partei rebellierten. Viele Intellektuelle hatten die »Hundert-Blumen-Kampagne« zu einer grundsätzlichen Kritik an der Partei genutzt. Außerdem erlebte die Volksrepublik die größte Streikwelle ihrer Geschichte.[31]Vor dem Hintergrund der Aufstände in Ungarn und Polen 1956 musste die Regierung um die Stabilität des Systems fürchten. 

»Weniger berichten, um heimlich zu verteilen«: Organisierte Unterschlagung 

Zum offenen Widerstand der Bauern mit Aufständen und Massenaustritten aus den Kollektiven wie 1956/57 sollte es später nicht mehr kommen. Im Alltag der Genossenschaften und der späteren Volkskommunen spielte jedoch versteckter Widerstand eine wichtige Rolle, besonders wegen des staatlichen Getreideaufkaufs.

Vom Abschluss der Kollektivierung 1956 bis zur Auflösung der Volkskommune Anfang der 80er Jahre hatte die KPCh, mit dem Problem »Weniger berichten, um heimlich zu verteilen« (manchan sifen) zu kämpfen. Jeder über 30-jährige chinesische Dorfbewohner weiß sofort, was damit gemeint ist: Der oberen Ebene, der Brigade, wurde ein zu niedriges Produktionsergebnis gemeldet und der Rest heimlich unter den Familien verteilt oder in »schwarzen« Speichern angelegt (hei ku). Die unterste Ebene des Kollektivs, die Produktionsgruppe, inklusive der Kader, musste zusammenhalten, sonst konnte es nicht durchgeführt werden. Im Gegensatz zu den Parteikadern auf Kreisebene wurden die Kader der Produktionsgruppe nicht vom Staat bezahlt und konnten die Interessen der Bauern, die schließlich ihre Nachbarn und Verwandten waren, nicht vollständig ignorieren. Wie Gao Wangling zeigt, war diese Form des Widerstandes 1956/57 in vielen Provinzen weit verbreitet.[32] Die Sozialistische Erziehungskampagne von 1957 versuchte durch politischen Druck diese Praxis zu unterbinden, was aber nur teilweise gelang.  

Der Überlebenskampf der Bauern  während der »Großen Sprung«-Hungersnot (1958 bis 1961)

Mit dem »Großen Sprung nach vorne« trat Mao 1958 die Flucht aus der Krise an. Der Staat ließ innerhalb weniger Monate die gesamte Bauernschaft in Volkskommunen organisieren. Mit Hilfe der militarisierten, bäuerlichen Arbeitsarmee sollte eine ländliche Industrialisierung durchgeführt und durch den Bau neuer Dämme und Bewässerungssysteme die ständige Gefahr von Naturkatastrophen beseitigt werden. Die größte Veränderung brachte die Einführung der Volksküchen mit sich, in denen alle Dorfbewohner essen mussten. Die Parzellen zur privaten Nutzung und die Vorräte wurden eingezogen und die Bauern verloren so ihre Subsistenzgrundlage. Damit wurden sie vollständig von der Versorgung durch die Kommune abhängig. Niemals war die Macht der Kader so groß wie in den Jahren 1958 bis 1961, weil die Lebensmittelversorgung in ihrer Hand war. 

Im Frühjahr 1959 brach in einigen Gebieten Chinas eine Hungersnot aus, die 1960 ihren Höhepunkt erreichen sollte. Heute ist selbst in China unter führenden Parteihistorikern unbestritten, dass die Politik des Staates und nicht die Naturkatastrophen der Hauptgrund für die 15 bis 40 Millionen Toten waren. Schon 1962 sagte der damalige Präsident Liu Shaoqi, dass die Krise zu 70 Prozent von Menschen und nur zur 30 Prozent von der Natur verursacht sei.[33] Die Faktoren, die die Hungersnot auslösten, sind vielfältig: Der Staat zog von den Dörfern zuviel Getreide ab, durch die Stahlkampagne wurde die Landwirtschaft vernachlässigt, unsinnige Anbaumethoden führten zu Ernteausfällen, und in den Volksküchen wurde Getreide verschwendet. Auch hier entwickelte sich eine Dynamik, die 1959/60 die Hungersnot verstärkte. Aufgrund von Falschmeldungen über angebliche Rekordernten setzte der Staat die Aufkaufsquoten in die Höhe. In den Jahren 1959/60 war die staatliche Aufkaufsquote von Getreide die höchste seit 1953, die tatsächliche Produktion pro Kopf aber die niedrigste seit Jahren.[34] Da die Bauern die Quoten nicht erfüllen konnten, vermutete der Staat, sie würden das Getreide verstecken. Bei der Kampagne gegen »Weniger berichten, um heimlich zu verteilen« wurde den Bauern in einigen Gebieten der Provinz Henan sogar das Viehfutter und Saatgetreide abgenommen.[35] Die Städte sowie Parteikader und Intellektuelle, zwei Gruppen die ohnehin privilegiert waren, wurden vom Staat bei der Lebensmittelversorgung bevorzugt. Die Millionen Opfer der Hungersnot waren in erster Linie Bauern. Wie Mao später eingestand, hatte man den Teich ausgetrocknet, um die Fische zu fangen.[36]

Da die Forschung in China sich auf die Politik des Staates gegenüber den Bauern konzentriert und nicht auf die Bauern selbst, müssen wir bei der Untersuchung des Überlebenskampfes auf den Dörfern auf Oral History zurückgreifen. 2005 interviewte ich in Dörfern der Provinz Henan über 30 Bauern und lokale Kader. Die Oral-History-Forschung von Thaxton im Norden Henans bestätigt, dass diese Widerstandsformen auch in anderen Dörfern weit verbreitet waren.[37] 

Eine alltägliche Maßnahme im Überlebenskampf war Diebstahl. Die Bauern gingen nachts auf die Felder und stahlen unreifes Getreide, das sie häufig roh verzehrten (chiqing) oder an Ort und Stelle gegrillten. Die Kader versuchten die Ernte zu schützen. In der Regel wurden die Diebe an einem Seil aufgehängt und geschlagen, wie der spätere Parteikader der Produktionsgruppe Chen Chuwu berichtete. Er erinnerte sich: »Auch wenn du Angst hattest, musstest du trotzdem stehlen. Damals stahlen alle. Wer nicht stahl, verhungerte. Damals war jeder ein Dieb, egal ob Alt oder Jung.« Auf die Frage, ob sich die Menschen in der Not gegenseitig geholfen hätten, antwortete Chen: »Wer hätte sich um so etwas kümmern können. Jeder musste sich selbst helfen.«[38] Die Menschen bestahlen sogar ihre eigenen Familienmitglieder. Wie andere Interviewpartner auch berichtete die alte Bäuerin Li Xiaoliang, dass sie damals Angst hatte, im eigenen Haus Feuer zu machen. Entdeckten die Kader Rauch, seien sie gleich gekommen, um die Wohnung nach versteckten Lebensmitteln zu durchsuchen. Dorfbewohner, die als Verwalter oder Köche in den Volksküchen arbeiteten, nutzten ihren Zugriff auf die Vorräte aus und zweigten für ihre eigenen Familien etwas ab. Li erinnerte an ein Sprichwort der damaligen Zeit: »Auch wenn der Himmel drei Jahre lang trocken bleibt, verhungert der Küchenchef nicht«.[39] Bei den Interviews gaben einige Kader offen zu, dass sie sich satt aßen und zugleich den Hunger als Waffe einsetzten. Die häufig schon kranken Bauern schickten sie zum Arbeiten auf die Felder.[40] 

Thaxton behauptet sogar, der Diebstahl von unreifem Getreide und Gemüse habe auf den Feldern ein solches Ausmaß angenommen, dass der Staat 1960 nur durch die Einführung eines neuen Verantwortlichkeitssystems wieder die Kontrolle über die Ernte erlangte. Mit dem System der Familienverantwortlichkeit, das 1960/61 wieder in einigen Provinzen eingeführt wurde, ließ sich der Diebstahl besser unterbinden, da die Bauernfamilien selbst für die Erfüllung der Quoten haftbar gemacht werden konnten.[41]

Traditionelle Reaktionen auf Hungersnöte, wie Flucht oder Betteln, versuchte der Staat zu unterbinden. Das hukou-System verbot den Bauern das Dorf zu verlassen. Ganze Regionen wurden abgeriegelt und an allen wichtigen Verkehrsknotenpunkten die Volksmiliz stationiert. Im Süden Henans, im Xinyang-Gebiet, war die Hungersnot jedoch so schlimm, dass in dem Dorf, in dem ich Interviews durchführte, die Bauern und Kader der Produktionsgruppe gemeinsam nach Westchina in die abgelegene Provinz Qinghai geflohen waren. Dort konnten sie Brachland urbar machen und überleben. Die Frauen, Kinder und Alten ließen sie zurück. Nach ihren Aussagen verhungerte die Hälfte der Dorfbewohner.[42] Erst als die Männer in Qinghai 1961 hörten, dass in ihrer Heimat die private Nutzung von Parzellen wieder zugelassen wurde, kamen sie zurück. Die Hungersnot nahm in abgelegenen Regionen, die keiner starken Kontrolle des Staates unterworfen waren, häufig ein geringeres Ausmaß an. Ein Kader einer Produktionsgruppe aus Osthenan berichtete, dass er zeitweise in die Berge geflohen war.[43] In dieser Region existierte sogar noch ein Schwarzmarkt.

Die Maßnahmen des Staates gegen die Landflucht scheinen während der Hungersnot nicht erfolgreich gewesen zu sein. Die Stadtbevölkerung wuchs 1960 auf über 40 Prozent an. Zwar hatten die ländlichen Arbeitskräfte keinen Anspruch auf Getreidekarten, sie konnten jedoch auf den gigantischen Baustellen und Industrieprojekten des »Großen Sprungs nach vorn« als Tagelöhner oder kurzfristig Beschäftigte arbeiten. 1962 wurden die häufig gescheiteren Industrieprojekte eingestellt und Millionen Menschen wieder zurück auf die Dörfer geschickt. Ein Anreiz nach Hause zurückzukehren, war die schon erwähnte Wiederzulassung der Parzellen zur privaten Nutzung.

Es wäre falsch, die Bauern zu Widerstandkämpfern zu stilisieren. Während der Hungersnot hatten sie keine Wahl. Wenn sie ihr Leben retten wollten, mussten sie Regeln übertreten. Überlebenskampf kann auch sehr egoistische Züge annehmen, wie die Flucht der Männer zeigt, die ihre Frauen, Kindern und Eltern zum Sterben zurückließen. Die Millionen toter Bauern kann man auch als Ausdruck der Auseinandersetzung zwischen Staat und Landbevölkerung um Getreide und Ressourcen betrachten. Zwar gelang es dem Staat 1959/60 den Bauern Rekordquoten bei der Ablieferung von Getreide zu diktieren, doch auf Dauer ließen sich die Bauern weder die Militarisierung der Arbeit noch die »kommunistische« Volkskommune von 1958 aufzwingen, in der es fast kein Privateigentum mehr gab. Wie schon 1920 in Russland scheiterte in China das Experiment des Kriegskommunismus. Die Antwort der Bolschewiki war die NÖP (Neue Ökonomische Politik), in China hingegen folgte auf die Hungersnot eine Phase der Neuorientierung.

Die Zementierung des Status quo: Die Volkskommune von 1962 bis 1982

Die chinesische Regierung beschloss 1961 einen Kurswechsel. Die neue Ordnung auf dem Land wurde in der 60-Punkte-Verfassung der Volkskommune festgeschrieben: Die Kommunen wurden verkleinert und entsprachen nun der Größe eines Dorfes. Die Brigade wurde zum entscheidenden Eigentümer und Grundlage des Organisationsaufbaus. Eine Produktionsgruppe, die unterste Einheit der Volkskommune, setzte sich aus mehreren Bauernfamilien zusammen. Die Parzellen zur privaten Nutzung und die Bauernmärkte wurden wieder zugelassen. Die Volksküchen schaffte man ab, die Bauern durften wieder zu Hause essen. Der »Große Sprung« hatte den traditionellen Strukturen des Dorfes und der Familie den Krieg erklärt und wollte die »natürlichen« Grenzen aufheben. Die neue Volkskommune musste nun wieder auf der Familie und dem traditionellen Dorf (ziran cun) aufbauen. Die Volkskommune, die in China in dieser Form zwischen 1962 bis 1982 existierte, unterschied sich damit grundlegend von der »kommunistischen« Volkskommune der Jahre 1958 bis 1961 und ähnelte der sozialistischen Genossenschaft.

Die Agrarpreise wurden um 20 Prozent erhöht und die staatliche Aufkaufspolitik gelockert. Den Produktionsgruppen verbot die Regierung zeitweise, den Volkskommunen sogar ganz, Stahlproduktion zu betreiben, da die Ernte vernachlässigt worden war. Erst Anfang der 70er Jahre wurde die ländliche Industrialisierungsstrategie wieder forciert. Während der Hungersnot exportierte China Rekordmengen ins Ausland,[44] nun wurde zur Ernährung der Bevölkerung Getreide sogar importiert. Das Streben nach Autarkie gab die KPCh auf.

Da die Bauern wieder über ihre eigene Subsistenzgrundlage verfügten und die Volksküchen abgeschafft wurden, gab es größere Spielräume für die alltäglichen Formen des Widerstandes. Seit 1962 nahm die Praxis des »Weniger berichten, um heimlich zu verteilen« wieder zu. Gao Wangling hat errechnet, dass es den Bauern von Anfang der 60er Jahre bis Mitte der 70er Jahre gelang, etwa 20 Prozent der Getreideproduktion zu unterschlagen.[45] Auch Diebstahl von Getreide, einige Bauern nannten es »Stibitzen«, gehörte in diesem Zeitraum zum Alltag. Diebstahl war im Dorf moralisch jedoch nur solange akzeptiert, wie es sich um Eigenbedarf handelte. 

Mit der Zementierung der Volkskommune der 60-Punkte-Verfassung war der Weg zu einer »höheren Eigentumsform« versperrt. Zwischen Staat und Bauernschaft bestand von 1962 bis 1979 eine Patt-Situation. Der Staat war nicht in der Lage den Status quo aufzubrechen und die Bauernschaft war zu schwach, um die unbeliebte Volkskommune abzuschütteln. Eine effektive staatliche Kontrolle der Produktion war in der Volkskommune nach 1962 nicht mehr möglich, weil die Dominanz der Verwandtschafts- und Familienbeziehungen nicht überwunden werden konnte.

In den Auseinandersetzungen Anfang der 60er Jahre hatte Mao eine defensive Position eingenommen. Nach der Hungersnot stellte er die Volkskommune nicht in Frage und wagte keine radikale Umwälzung des Dorfes mehr. Die Partei traute sich vor Maos Tod nicht mehr, die bestehende Form der Eigentumsverhältnisse anzutasten. Auch während der »Kulturrevolution« (1966 bis 1976) versuchte die KPCh nur in einigen Modell-Dörfern den Status quo aufzuheben.[46] Während der »Kulturrevolution« stellte sich Mao – zumindest in der Landwirtschaftspolitik – gegen die Ultralinken in der Partei.[47] In vielen Volkskommunen gab es während der »Kulturrevolution« zudem eine ständige Auseinandersetzung zwischen Bauern und Kadern um die Größe der Parzellen zur privaten Nutzung und die Frage, ob das Kollektiv oder die Familien das Brachland urbar machen durften.[48]

Die »Kulturrevolution« war in erster Linie eine urbane Bewegung, in der die Dörfer nur eine geringe Rolle spielten. Im Gegensatz zu den urbanen Intellektuellen stellte deshalb für die Bauern nicht die »Kulturrevolution«, sondern der »Große Sprung nach vorne« die größte Katastrophe dar. Der in den USA unterrichtende chinesische Forscher Han Dongping geht sogar soweit zu behaupten, dass die Bauern von der »Kulturrevolution« profitierten, weil die Dörfer während des Machtkampfes in den Städten und des zeitweiligen Zusammenbruches der staatlichen Ordnung neuen Freiraum erhielten.[49] Bauern mit anerkanntem Klassenstatus nutzten das Vokabular der »Kulturrevolution« wie die Kritik an den »Machthabern des kapitalistischen Weges«, um korrupte Parteikader zu kritisieren. Besonders die »armen und unteren Mittelbauern« lernten die maoistische Symbolik einzusetzen und als »revolutionärste Elemente» des Dorfes ihre eigenen Interessen ins Spiel zu bringen. Thaxton zeigt in seiner Oral-History-Untersuchung in einem Dorf in der Provinz Henan, dass die Bauern während der »Kulturrevolution« die Gunst der Stunde nutzten, um sich an den Kadern zu rächen, die während der Hungersnot des »Großen Sprungs« korrupt waren und den Verhungernden nicht halfen.[50] In den meisten ländlichen Gebieten Chinas war die »Kulturrevolution« im Gegensatz zu den Städten eher eine Periode der wirtschaftlichen Stabilität und schließlich der Stagnation.

Dekollektivierung von unten oder oben?

Nach Maos Tod 1976 hielt die KPCh zunächst an der Volkskommune fest. Selbst die berühmt-berüchtigte 3. Plenarsitzung des XI. Parteitages im Dezember 1978, auf der Deng Xiaoping die Reformpolitik einleitete, verbot ausdrücklich die Auflösung der Volkskommunen durch die Einführung der Familienverantwortlichkeit. Umstritten ist in der westlichen Forschung, ob der spontane Widerstand der Bauern zur Dekollektivierung führte oder ob sie von oben durch die Zentralregierung eingeleitet wurde. Daniel Kelliher und Kate Zhou vertreten die These, dass die Bauern in einer stillen Revolution von unten nach 1979 spontan die Volkskommunen auflösten. Gedeckt von lokalen Funktionären erfuhr das System der Familienverantwortlichkeit eine Wiederbelebung, das schon 1957, 1959 und 1962 zeitweise in einigen Gegenden erprobt, aber von der Zentralregierung immer wieder verurteilt wurde. 

Die Partei unter Führung von Deng Xiaoping stellte sich schließlich an die Spitze der Umwälzung von unten.[51] Die Familienverantwortlichkeit wurde in ganz China als verpflichtendes System etabliert. Jonathan Unger bestreitet hingegen nicht, dass in einigen Gegenden die Volkskommunen von unten aufgelöst wurden, er verweist jedoch darauf, dass es auch Widerstand von unten gegen die Dekollektivierung gab – besonders in funktionierenden Volkskommunen, die bereits Mitte der 70er Jahre florierende Nebengewerbe aufgebaut hatten.[52] 

Wenn die These von Zhou und Kelliher zutrifft, hieße das, dass die versteckten Widerstandsformen der Bauern schließlich zu offenen übergingen und einen Systemwechsel herbeiführen konnten. Ohne die Unentschlossenheit der Zentralregierung und die Unterstützung durch Parteikader – die bekanntesten sind die Provinzführer von Anhui, Wang Li, und Sichuan, Zhao Ziyang – wäre die Auflösung von Volkskommunen durch die Bauern kaum möglich gewesen. Ein Element der Familienwirtschaft existierte bereits zuvor. In Form der privaten Nutzung von Parzellen war sie seit 1962 innerhalb der Volkskommune vorhanden. Die Dekollektivierung könnte man daher auch als weitere Ausdehnung dieses Elements betrachten.

Die Marktwirtschaft auf dem Boden einer egalitären Agrarordnung, die Mitte der 80er Jahre etabliert wurde, hatte mit klassischem Sozialismus nichts mehr zu tun. Mao Zedongs Konzeption einer kollektiven Landwirtschaft wurde Geschichte. Die KPCh lernte aus ihrer Niederlage und bezeichnete das System der Familienwirtschaft auf staatlichem Boden als »Sozialismus mit chinesischer Besonderheit« (zhongguo tese shehuizhuyi).

Eine Bilanz der kollektiven Landwirtschaft

Zieht man vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Staat eine Bilanz der Ära der kollektiven Landwirtschaft, so kommt man zu einem sehr durchwachsenen Ergebnis. In der Zeit von 1952 bis 1978 wurde die Getreideproduktion von ca. 327 auf 609 Milliarden Pfund gesteigert. Die Produktion hatte sich damit fast verdoppelt, aber nicht in wenigen Jahren, wie die KPFührer Mitte der 50er annahmen, sondern innerhalb eines Viertel Jahrhunderts.  Relativ erfolgreich war das Modell der kollektiven Landwirtschaft bei dem Transfer von Ressourcen vom Dorf in die Stadt – allerdings mit abnehmender Tendenz. Der Agrarexperte Wen Tiejun stellt folgende Rechnung auf: Von 1959 bis 1984 kaufte der Staat von den Bauern 1,25 Billionen Kilo Getreide. Die Preisdifferenz zwischen dem staatlichen Preis und dem Marktpreis lag bei 250 Milliarden Yuan. Der Staat investierte in diesen 25 Jahren 220 Milliarden Yuan in die Landwirtschaft.[53] Deshalb konnte er allein aus dem Getreideaufkauf 30 Milliarden Yuan einnehmen und für andere Zwecke einsetzen. Der Staat konnte aber nach dem »Großen Sprung« den Bauern nie mehr so einen großen Anteil der Ernte abnehmen wie in den 50er Jahren. Nachdem die Steuerlast in den ersten Jahren der Hungersnot des »Großen Sprunges« 1959 ca. 14 Prozent des Einkommens der Bauern betrug, sank dieser Anteil bis Ende der 60er Jahre auf 6,7 und Mitte der 70er Jahre sogar auf 4,9 Prozent.[54] Die Bauern taugten immer weniger als »Melkkühe« für den Aufbau des Sozialismus und der Schwerindustrie. Die Höhe der Steuerlast sowie der staatlichen Aufkaufsquote von Getreide, kann als Barometer für das Kräfteverhältnis zwischen Staat und Bauern gelten.

Der Produktionsfortschritt wurde außerdem vom Bevölkerungswachstum »aufgefressen«. Die Landbevölkerung wuchs im Zeitraum von der Staatsgründung bis Ende der 70er Jahre von ca. 500 auf 840 Millionen und die Gesamtbevölkerung auf 960 Millionen. Der Getreidekonsum pro Kopf und Jahr steigerte sich nur von 302 (1957) auf 317 Kilogramm (1978).[55] Somit hatten die Chinesen 1978 kaum mehr zu essen als 1957, als die sozialistische Kollektivierung der Landwirtschaft vollständig abgeschlossen war. Die Produktivitätsrate in der Landwirtschaft und die Produktionsmenge sanken in diesem Zeitraum sogar.[56] Letztendlich konnte keines der erprobten Entlohnungssysteme den Bauern im Kollektiv einen Arbeitsanreiz bieten.

Die Strategie, durch die Steigerung der Arbeitsintensivität und Heranziehung der Frauen in die Agrarproduktion, sprich durch harte körperliche Arbeit – der Armut zu entkommen, passte zu den rückständigen Dörfern im Norden Chinas, schreibt Gao Wangling. In entwickelteren Gebieten im Süden sei das Nebengewerbe schon seit langem die Haupteinnahmequelle der Bauern gewesen, meint der Experte für die Geschichte der Qing-Dynastie.[57] Für diese Gebiete besaß die KPCh keine Strategie. Mit der Kollektivierung zerfielen der Sektor des Nebengewerbes und die Kreisstädte als Marktzentren regelrecht. Auch wenn es nach dem Ende des »Großen Sprungs« kein Massensterben mehr gab, lebte die Mehrzahl der Bauern bis Mitte der 80er Jahre in Armut. Dadurch fehlte auch der Leichtindustrie ein Markt. So war es kein Wunder, dass Deng Xiaoping die Erhöhung der Einkommen der Bauern zum Hauptziel der ländlichen Reformen erklärte.

Die Hektarerträge stiegen mit der Verbesserung der Bewässerungssysteme und der Anbaumethoden. Die Ernteerträge bei Getreide stiegen von 1952 bis 1978 von 1,32 auf 2,54 t/ha.[58] Diese Entwicklung verdeutlicht die neue Organisationsstärke des Staates seit der Gründung der Volksrepublik. Die Kommunisten waren in der Lage, die Bauern zu Arbeitseinsätzen zu mobilisieren. In dem Zeitraum vom Beginn der Reformen 1978 bis zum Jahr 1997 wuchs der Ernteertrag je Hektar weiter.[59] 

Die Einführung der Kollektivwirtschaft verband Mao mit der rationalen Verwendung von landwirtschaftlichen Maschinen. Erst während der »Kulturrevolution« (1966 bis 1976) konnte der Staat den Bauern jedoch in nennenswertem Umfang Maschinen liefern. Von 1965 bis 1978 wuchs die mit Maschinen bestellte Fläche um ca. 266 Prozent.[60] Trotz der beeindruckenden Vermehrung der landwirtschaftlichen Maschinen, darf man nicht vergessen, dass die Mechanisierung nicht zur Steigerung der Produktivität insgesamt führte.

Vor der Kollektivierung hatten die Kommunisten für die Bewertung der Modernisierung der Gesellschaft zwei Maßstäbe gesetzt: Die Verstädterung der Gesellschaft und die Verwandlung von Bauern in Arbeiter. Nur so konnte das Proletariat zur Mehrheit der Gesellschaft werden und die politisch für unzuverlässig gehaltenen Bauern ersetzen. Seit dem »Großen Sprung nach vorne« setzte Mao auf eine ländliche Industrialisierung. Nach diesen Maßstäben scheiterte die Modernisierung völlig. Das Verhältnis von Stadt und Land sowie von Arbeitern und Bauern änderte sich von 1957 bis 1978 nicht dauerhaft und verharrte im Verhältnis von ca. 20 zu 80. Durch das hukou-System wurden die Bauern an das Dorf gefesselt und die traditionellen Strukturen damit konserviert. Erst mit den Reformen und der Auflösung der Volkskommune erlebten ländliche Unternehmen, die die von der Landwirtschaft freigesetzten Arbeitskräfte aufsogen, einen Boom. Durch massenhaftes Abwandern in die Städte unterhöhlten die bäuerlichen Wanderarbeiter das hukou-System und setzten so eine Mobilität der Arbeitskraft durch, die für die Entwicklung des Kapitalismus unabdingbar ist.

Die Waffen der Schwachen gestern und heute

Das Bild, das Jung Chang und Jon Halliday in ihrem Weltbestseller[61] zeichnen, wird in diesem Artikel grundsätzlich in Frage gestellt. Es war keineswegs so, dass auf der einen Seite der Herrscher Mao stand und auf der anderen Seite ein gleichgeschaltetes wehrloses chinesisches Volk. Die Bauern waren sehr geschickt, die Regierungspolitik von unten zu hintertreiben und den Staat zu hintergehen. Durch diese subversiven Verhaltensweisen, die oft Ausdruck eines nackten Überlebenskampfes war, musste die Partei nicht selten ihre Politik neu ausrichten oder korrigieren. Ein chinesisches Sprichwort sagt: »Oben gibt es die politischen Richtlinien, unten die Gegenmaßnahmen«. Menschen, die in Diktaturen leben und damit keine Möglichkeit zur offenen Demonstrationen oder zur Abwahl einer Regierung haben, entwickeln verdecktere Formen von Widerstand im Alltag. Ein sozialistischer Staat ist dafür besonders anfällig, da sich die Produktionsmittel und der Grund und Boden in seinen Händen befinden. Arbeiter, die durch Bummelei die Produktivität senken, können nicht einfach entlassen werden. 

Der Staat kann den Bauern zwar die Privatwirtschaft verbieten, er ist aber von der Ernte der Kollektive abhängig. Senken die Bauern mangels Arbeitsanreizes die Produktion, kann der Staat entweder mit Terror oder Propaganda reagieren. Beide haben selten Erfolg. Die Formen von Bummelei (moyanggong) und »so tun, als ob man arbeitet« waren bei den chinesischen Bauern sehr vielfältig. Diebstahl und Unterschlagung konnten nur schwer verhindert werden, wenn die vom Staat geschaffenen kollektiven Organisationen, wie die Produktionsgruppen, zusammenhielten. Enteignungen und Verstaatlichung hatten den Respekt vor privatem Eigentum erschüttert. Ein tschechisches Sprichwort besagt: »Wer nicht stiehlt, der stiehlt sich von seiner Familie weg«. Milos Forman hat darüber 1967 während des Prager Frühlings die Satire »Hoři, má panenko« (The Firemen’s Ball) gedreht. Er zeigt, wie im Laufe des Balls der Feuerwehrmänner fast alle Tombola-Preise gestohlen werden. 

Können alltägliche Handlungen wie Diebstahl und Unterschlagung von Getreide überhaupt als Widerstand bezeichnet werden?[62] Diese Maßnahmen waren weder dorfübergreifend organisiert, noch hatten sie das Ziel, die Macht der KPCh zu stürzen. Die alltäglichen Widerstandshandlungen waren vielmehr Teil des Überlebenskampfes der Bauern in der Volkskommune, die weder die Versorgungsmängel beseitigen konnte, noch Arbeitsanreize schuf. In der Summe fügte die tausendfache Unterschlagung von Getreide dem Staat großen Schaden zu. Es wäre allerdings einseitig, Kader und Bauern als Feinde darzustellen. Ohne die Unterstützung der Kader auf der untersten Ebene, deren eigenes Einkommen und Ansehen im Dorf von der Produktionsgruppe abhing, konnten die Formen des alltäglichen Widerstandes nicht erfolgreich sein. 

So paradox es scheinen mag, nach der Auflösung der Volkskommune haben die Bauern in der Auseinandersetzung mit dem Staat an Einfluss verloren – die Unterschlagung von Getreide hat in einer Marktwirtschaft keinen Sinn mehr. Eine absichtliche Senkung der Produktivität trifft in erster Linie die Bauern selbst. Die relativ homogene Masse der Bauern in den Produktionsgruppen ist nun in atomisierte Familien zerfallen. Die Bauern sind heute vom Staat unabhängiger und sie schätzen es sehr, dass sie über eine eigene Subsistenzgrundlage verfügen. In den Interviews bezeichneten sie das heutige Agrarsystem zwar als frei.[63] Neue effektive Formen des Widerstands müssen aber erst noch gefunden werden.

Die Erfahrung mit Hungersnot und Volkskommune prägen noch immer das Verhältnis zwischen Bauern und Staat. Bis heute reagieren die Bauern mit tiefem Misstrauen auf alle Versuche des Staates, wieder stärker in die Dörfer einzugreifen. Während arbeitslose Arbeiter vom Staat erwarten, dass er ihnen hilft, wollen die meisten Bauern von ihm in Ruhe gelassen werden. So sind z. B. alle Bemühungen der Regierung, in den letzten Jahren auf den Dörfern wieder eine kollektive Gesundheitsversorgung einzuführen, nicht zuletzt an diesem Misstrauen gescheitert. 

Die Expansion der Bürokratie, hohe Abgaben und Schulgebühren, illegaler Landverkauf und Korruption führen im heutigen China immer wieder zu lokalen Aufständen. Aufgrund der Abwesenheit eines Sozialstaates auf den Dörfern verteidigen die Bauern ihr Nutzungsrecht des Bodens energisch, da es praktisch ihre Lebensversicherung ist. Entschädigungslose Landnahme durch Kader ist der häufigste Grund für diese lokalen Bauernaufstände. Die Ein-Kind-Politik des Staates wird aus den gleichen Gründen sabotiert und ist auf den Dörfern nicht durchzusetzen. Viele Bauernfamilien verloren in der »Großen Sprung«-Hungersnot ihre Kinder. Bei mehreren Kindern haben sie eine größere Absicherung gegen Unglücksfälle oder eine erneute Hungersnot.[64]

Heute können die Bauern gegenüber dem Staat nur zu offenen Widerstandsformen greifen. Im Gegensatz zum versteckten Widerstand in der Ära der kollektiven Landwirtschaft, laufen die Bauern dabei allerdings Gefahr, eine gewaltsame Reaktion der Repressionsapparate des Staates auszulösen. Die KPCh hat diese Gefahr mittlerweile erkannt, denn sie weiß: Wer die Bauern verliert, der verliert China.

 


[1]  Chinesisches Sprichwort. Es lautet im Original: Shangmian you zhengce, xiamian you duice. 

[2]  Stellvertretend für dieses Paradigma ist Martin, Helmut (Hrsg.): Mao Tse-tung: Das machen wir anders als Moskau – Kritik an der sowjetischen Politikökonomie, Reinbek bei Hamburg 1975.

[3]  Meliksetov, Arlen/Pantsov, Alexander: The Stalinization of the People’s Republic, in: Kirby, William C. (Hrsg.): Realms of Freedom in Modern China, Stanford 2004, S. 198–233.

[4]  Zur Debatte um die Todesziffern siehe Wemheuer, Felix: Chinas »Großer Sprung nach vorne« (1958–1961): Von der kommunistischen Offensive in die Hungersnot – Intellektuelle erinnern sich, Münster 2004, S. 26–28.

[5]  Bianco, Lucien: Peasant Responses to CCP Mobilization Policies, 1937–1945, in: Saich, Tony/ van de Ven, Hans (Hrsg.): New Perspectives on the Chinese Communist Revolution, New York 1995.

[6]  Johnson, Clamers: Peasant Nationalism and Communist Power, Stanford 1962.

[7]  Selden, Mark: The Yenan-Way in Revolutionary China, Cambridge 1971. Eine kritischere Darstellung bei Chen, Yung-fa: Suspect History and the Mass Line: Another Yan’an Way, in: Wasserstrom, Jeffrey (Hrsg.): Twenty-Century China – New Approaches, London 2003.

[8]  Huang, Philip C. C.: Rural Class Struggle in the Chinese Revolution, in: Modern China 21 (1995), H. 1, S. 115 f.

[9]  Luo, Pinghan: Tudi gaige yungdong shi [Die Geschichte der Bodenreform-Kampagne], Fuzhou 2005, S. 198.

[10]  Zhang, Xiaojun: Land Reform in Yang Village – Symbolic Capital and Determination of Class Status, in: Modern China 30 (2004), H. 1, S. 15.

[11]  Zu den theoretischen Grundlagen der Debatte um alltäglichen Widerstand von Bauern allgemein siehe Scott, James C.: The Weapons of the Weak – Everyday Forms of Peasants Resistance, New Haven 2005; Scott, James C.: The Moral Economy of the Peasant: Rebellion and Subsistence in Southeast Asia, New Haven 1976.

[12]  Chen, Yun: Shixing liangshi tonggou tongxiao [Verwirklicht den einheitlichen An- und Verkauf von Getreide durch den Staat], in: Zhonggong zhongyang wenxian yanjiushi [Forschungsbüro des ZK der KPCh für Dokumente] (Hrsg.): Jianguo yilai zhongyao wenjian xuanbian [Eine Auswahl wichtiger Dokumente seit der Staatsgründung], Beijing 1993, Bd. 4, S. 452.

[13]  Ebenda, S. 447.

[14]  Becker, Jasper: Hungry Ghosts – China’s Secret Famine, London 1996, S. 55.

[15]  Li, Huaiyin: The First Encounter: Peasant Resistance to State Control of Grain in East China in the Mid-1950, in: China Quarterly 2006, H. 185, S. 149.

[16]  Ebenda, S. 161 f.

[17]  Tian, Xiquan: Liangshi gouxiao zhidu de xingcheng jiqi zai tanghe xian de yunzuo [Die Etablierung des Ein- und Verkaufssystems von Getreide im Kreis Tanghe]. Unveröffentlichte Doktorarbeit an der Fudan University, Shanghai 2004, S. 113 f.

[18]  Ebenda, S. 86.

[19]  Ebenda, S. 89.

[20]  Bo, Yibo: Ruogan zhongshi dayueci yu shijian de huigu [Ein Rückblick auf einige wichtige Entscheidungen und Ereignisse], Beijing 1993, Bd. 1, S. 353.

[21]  Yang, Dali L.: Calamity and Reform in China, Stanford 1996, S. 27.

[22]  Durau, Joachim: Arbeitskooperation in der chinesischen Landwirtschaft, Bochum 1983, S. 338.

[23]  Zhonghua renmin gongheguo guojia nongye weiyuanhui bangongting [Staatliches Büro des Komitees für Landwirtschaft der Volksrepublik China] (Hrsg.): Nongye jitihua zhongyao wenjian huibian [Sammlung wichtiger Dokumente zur Kollektivierung der Landwirtschaft], Beijing 1981, Bd. 1, S. 655–657 sowie S. 676–680.

[24]  Ebenda, S. 655.

[25]  Ebenda, S. 649.

[26]  Zhongzhou pinglun [Kommentare aus Zhongzhou] Nr. 2 vom 1. August 1958, S. 5.

[27]  Renmin ribao [Volkszeitung] vom 26. November 1956.

[28]  Xu, You: Baochan daohu [Die Produktionsquoten auf Grundlage der einzelnen Haushalte festlegen], Hainan 1998, S. 50.

[29]  Dangdai Zhongguo nongye hezuohua bianjishi [Redaktionsbüro zur Kollektivierung der Landwirtschaft im Modernen China] (Hrsg.): Zhongguo hezuohua lishi ziliao [Materialien zur Geschichte der Kollektivierung in China], Beijing 1987, Bd. 1, S. 34.

[30]  Liangshi wenti he sixiang wenti [Das Getreideproblem und ideologische Probleme], in: Renmin Ribao [Volkszeitung] vom 5. August 1957.

[31]  Siehe Perry, Elizabeth: Challenging the Mandate of Heaven, Social Protest and State Power in China, New York 2002, S. 206–237.

[32]  Gao, Wangling: Tou yu manchan sifen – Jitihua shidai Zhongguo nongmin fanxingwei de diaocha yu sikao [Diebstahl und Weniger berichten, um heimlich zu verteilen – Untersuchungen und Überlegungen zu alltäglichen Widerstandsformen der chinesischen Bauern in der Epoche der Kollektivierung]. Paper presented on the International Conference »As China meets the World«, Vienna 17–19 May 2004, S. 4 f.

[33]  Bo: Ruogan zhongshi dayueci (Anm. 20), Bd. 2, S. 1023.

[34]  Walker, Kenneth R.: Food Grain Procurement and Consumption in China, Cambridge 1984, S. 167.

[35]  Deng, Liqun/An, Pingsheng: Dangdai Henan jianshi 1949–1998 [Kurze Geschichte des modernen Henan 1949–1998], Beijing 1999, S. 136.

[36]  Walker: Food Grain Procurement (Anm. 34), S. 155.

[37]  Thaxton, Ralph: China’s Hidden Crisis: Memory, Voice and Contention in the Aftermath of the Catastrophe of Maoist Rule, im Druck.

[38]  Interview des Autors in Baotou (Henan) am 12. Februar 2005.

[39]  Interview des Autors in Baotou (Henan) am 13. Februar 2005.

[40]  Interview des Autors in Baotou (Henan) am 11. Februar 2005.  

[41]  Thaxton: China’s Hidden Crisis (Anm. 37).

[42]  Interview des Autors in Judong (Henan) am 8. August 2005.

[43]  Interview des Autors in Wangcun (Henan)am 13. Februar 2005.

[44]  Kraus, Willy: Wirtschaftliche Entwicklung und sozialer Wandel in der Volksrepublik China, Berlin 1979, S. 543.

[45]  Gao: Tou yu manchan sifen (Anm. 32), S. 9.

[46]  Yang: Calamity and Reform (Anm. 22), S. 101.

[47]  Zweig, David: Agrarian Radicalism in China 1968–1981, London 1989, S. 33.

[48]  Zweig, David: Struggling over Land in China: Peasant Resistance after Collectivization 1966– 1986, in: Colburn, Forrest D.: Everyday Form of Peasant Resistance, New York 1989, S. 157 f.

[49]  Siehe Han, Dongping: The Unknown Cultural Revolution: Educational Reforms and Their Impact on China's Rural Development, 1966–1976, New York 2002.

[50]  Thaxton: China’s Hidden Crisis (Anm. 37).

[51]  Zur Debatte siehe Kelliher, Daniel: Peasant Power in China – The Era of Rural Reform, 1979–1989, Yale 1993 und Zhou, Kate Xiao: How the Farmers Changed China: Power of the People, Boulder 1996.

[52]  Unger, Jonathan: The Transformation of Rural China, New York 2002, S. 95–118.

[53]  Wen, Tiejun: Zhongguo nongcun jiben jingji zhidu yanjiu [Forschungen zum wirtschaftlichen Grundsystem des chinesischen Dorfes], Beijing 2000, S. 175. Unklar an dieser Rechnung ist allerdings, wie der Marktpreis bestimmt wird, wenn es zeitweise gar keinen Markt gibt.

[54]  Jiang, Dongping: Zhongguo nongmin fudan lishi [Die Geschichte der Lasten der chinesischen Bauern], Beijing 1994, Bd. 4, S. 411.

[55]  Hermann-Pillath, Carsten/Lackner, Michael (Hrsg.): Länderbericht China, Bonn 1998, S. 616.

[56]  Ling, Zhijun: Lishi bu zai paihuai – renmingongshe de xingqi he shibai [Die Geschichte wird nicht wieder zaudern – Aufstieg und Niedergang der Volkskommune], Beijing 1996, S. 323 und Xin, Yi: Shilun remmingongshe de lishi diwei [Über die geschichtliche Stellung der Volkskommune], in: Dangdai Zhongguo shi yanjiu [Forschungen zur Geschichte des modernen Chinas] vom Mai 2001, S. 37.

[57]  Gao, Wangling: Zhengfu zouyong he juese wenti de lishi kaocha [Untersuchung zur Geschichte des Problems von Funktion und Rolle der Regierung], Beijing 2002, S. 226.

[58]  Ash, Robert: Getreide, in: Staiger, Brunhild/Friedrich, Stefan/Schütte, Hans-Wilm (Hrsg.): Das große China-Lexikon, Darmstadt 2003, S. 261.

[59]  Ebenda, S. 261.

[60]  Xin, Yi: Shilun remmingongshe de lishi diwei (Anm. 56), S. 33.

[61]  Chang, Jung/Halliday, Jon: Mao: Das Leben eines Mannes und Schicksaal eines Volkes, München 2005.

[62]  Debatte siehe Scott, James: Everyday Forms of Resistance, in: Colburn, Forrest D.: Everyday Form of Peasant Resistance, New York 1989, S. 21 f.

[63]  Interview des Autors in Baotao (Henan) im Februar 2005 und in Judong (Henan) im August 2005. 

[64]   Thaxton: China’s Hidden Crisis (Anm. 37).

Inhalt – JHK 2007

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