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Dissens in Nordvietnam. Die »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« (1956 bis 1958) und die »Antipartei-Revisionismus-Affäre« (1963 bis 1967)

JHK 2007 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 31-57 | Aufbau Verlag

Autor/in: Martin Grossheim

Die 1941 gegründete Viet Minh, die mit der siegreichen »Augustrevolution« 1945 den Grundstein für die Ausrufung der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) durch den KP-Führer Ho Chi Minh am 2. September des gleichen Jahres legte, war eine Einheitsfront, die sich auf alle patriotischen Kräfte stützte. An dieser »Einheitsfrontlinie« hielten die Viet Minh auch weiter fest, nachdem es im Dezember 1946 nach gescheiterten Verhandlungen mit den Franzosen zum Ausbruch des ersten Vietnamkrieges (1946 bis 1954, auch als Indochinakrieg bezeichnet) kam. Sie zogen sich zunächst in die schwer zugängliche Bergregion Viet Bac im Norden des Landes und in Teile Zentralvietnams zurück und begannen einen klassischen Guerillakrieg gegen die zu Anfang weit überlegenen französischen Truppen.[1]

Was als lokal begrenzter antikolonialer Kampf begonnen hatte, wurde ab Ende der 1940er Jahre in den Kalten Krieg hineingezogen. 1949/50 vollzog sich die »Internationalisierung« des indochinesischen Kriegsschauplatzes. Als Gegengewicht zur Demokratischen Republik Vietnam (DRV) wurde der »Staat Vietnam« unter dem früheren Kaiser Bao Dai gegründet. Die diplomatische Anerkennung durch die USA und andere westliche Staaten erfolgte Anfang 1950. Die sozialistischen Staaten reagierten mit der offiziellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der DRV im Januar und Februar 1950.

Noch entscheidender für den weiteren Kriegsverlauf und die innenpolitische Entwicklung in Vietnam waren aber der Sieg der Truppen Mao Zedongs und die Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949. Nach der Einnahme der wichtigsten französischen Stellungen im vietnamesisch-chinesischen Grenzgebiet durch die Viet Minh im September 1950 konnten Waffen und andere Hilfsgüter fast ungehindert nach Vietnam strömen.[2] Die Unterstützung durch die Volksrepublik China war allerdings nicht nur materieller Natur – ab 1950 kamen hunderte chinesischer Berater nach Nordvietnam, um den Viet Minh »Nachhilfeunterricht« in militärischen und ideologischen Fragen zu geben. Außerdem schickte die Kommunistische Partei Indochinas (KPI) ihre Kader zur Ausbildung nach China. Vietnamesische Intellektuelle mit Chinesisch-Kenntnissen übersetzten ab 1950 im Viet Bac in Tag- und Nachtarbeit wichtige Schriften von Mao und seinen Kampfgenossen.[3]

Mit dem »Import« wesentlicher Elemente des Maoismus nach Vietnam wandelte sich das Gesicht des vietnamesischen Kommunismus. Während die Viet Minh in den ersten Kriegsjahren noch an den Patriotismus aller Vietnamesen ungeachtet ihres Klassenhintergrundes appelliert und aus taktischen Gründen radikale Forderungen wie eine umfassende Landreform zurückgestellt hatten, wurde diese »Einheitsfrontlinie« ab Anfang der 1950er Jahre mehr und mehr von der »Klassenkampflinie« verdrängt. Damit wurde auch die Saat für die fundamentalen Auseinandersetzungen zwischen Parteiführung und Intellektuellen gelegt, die sich vor dem Hintergrund der Krise des sozialistischen Systems und innenpolitischer Spannungen (Fehler bei der Landreform) 1956 entwickeln sollten. 

Nach der offiziellen Neugründung der Kommunistischen Partei unter dem Namen Dang Lao Dong Viet Nam (Partei der Werktätigen Vietnams, dt. Abkürzung: PWV) im Februar 1951 wurde Mitte 1952 nach maoistischem Vorbild eine Kampagne zur »Reorganisation« (chinh don) der Partei eingeleitet. Ziel war es, die Partei von Mitgliedern mit nicht-adäquatem Klassenhintergrund zu säubern, die sich in der Periode der Einheitsfrontlinie vor allem aus Patriotismus dem antikolonialen Befreiungskampf angeschlossen hatten. Ähnliche Säuberungen wurden in der Armee (chinh quan) durchgeführt.[4] In stundenlangen Kritik- und Selbstkritiksitzungen (kiem thao) musste der Einzelne seine »Fehler« bekennen und beweisen, dass er nach der Reinigung von bürgerlichem Gedankengut und der Überwindung von Zweifeln (thac mac) eine korrekte politische Haltung (lap truong) einnahm. Diese rituellen »Selbstreinigungen« gingen z. T. mit erheblichem psychischem und physischem Druck einher und hatten zur Folge, dass sich eine Reihe von Intellektuellen von den Viet Minh abwandten und aus dem Viet Bac in das von den Franzosen kontrollierte Hanoi zurückkehrten.[5] Sie wandten sich auch gegen die verschärfte Kontrolle und Instrumentalisierung durch die Viet Minh.

Schon 1948 hatte KPI-Generalsekretär Truong Chinh sie auf den »Sozialistischen Realismus« eingeschworen und Vorstellungen von einer autonomen Kunst eine klare Absage erteilt.[6]

Parallel zu diesen Entwicklungen wandte sich das Kriegsglück mehr und mehr zugunsten der Viet Minh. Die französische Kolonialmacht wurde schließlich 1954 in der Schlacht von Dien Bien Phu, einem Talkessel in der Nähe der laotisch-vietnamesischen Grenze, entscheidend geschlagen. Unter schweren Verlusten gelang es den Viet Minh, die französischen Stellungen einzunehmen. Der Fall der Festung Dien Bien Phu am 7. Mai 1954 bedeutete zugleich das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina. 

Auf der Genfer Friedenskonferenz wurde im Juli 1954 die provisorische Zweiteilung Vietnams am 17. Breitengrad beschlossen. Der Einflussbereich der DRV beschränkte sich auf das Gebiet nördlich der Demarkationslinie – im Süden bestand die Republik Vietnam. Nach den Bestimmungen des Genfer Friedensabkommens waren nach zwei Jahren, also 1956, gesamtvietnamesische Wahlen vorgesehen, die zu einer Wiedervereinigung des Landes führen sollten. Dazu kam es aber nicht – die Wahlen wurden durch den südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem boykottiert, der Südvietnam mit Unterstützung von US-Präsident Dwight D. Eisenhower zu einer antikommunistischen Bastion ausbaute.

In Nordvietnam konzentrierte sich die Lao-Dong-Partei zunächst auf die Konsolidierung der Macht, den Wiederaufbau des Landes und den Aufbau des Sozialismus. Erst ab Ende der 1950er Jahre schenkte sie der Frage der Wiedervereinigung wieder größere Aufmerksamkeit. Im Dezember 1960 wurde die National Front for the Liberation of South Vietnam (NLF) gegründet. Sie gewann schnell eine große Anhängerschaft, gleichzeitig bröckelte die Machtposition des südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem. Auch der Putsch gegen Diems und sein Ermordung durch die südvietnamesische Generalität im November 1963 brachte keine Stabilisierung der Lage. Nach dem Tonkin-Zwischenfall Anfang August 1964, bei dem angeblich die Zerstörer USS Maddox und USS Turner Joy von nordvietnamesischen Schnellboten attackiert wurden, erfolgte die direkte militärische Intervention der USA – zunächst bombardierten US-Bomber Ziele in Nordvietnam, im März 1965 landeten dann die ersten Bodentruppen am Strand von Da Nang. 

Der zweite Vietnamkrieg (1965 bis 1975) hatte begonnen und damit eine der längsten militärischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts.[7] Trotz massiver Truppenpräsenz und dem Einsatz modernster Waffen konnten die USA und Südvietnam die NLF und die DRV nicht besiegen. 1969 leitete der neue USPräsident Richard Nixon die »Vietnamisierung« des Krieges und den schrittweisen Rückzug der US-Truppen ein. Nach zähen Verhandlungen wurde im Januar 1973 in Paris ein Waffenstillstand beschlossen, doch der Krieg ging weiter. Die Schlussoffensive regulärer nordvietnamesischer Truppen ab Ende 1974 traf nur noch auf vereinzelten Widerstand seitens der südvietnamesischen Verbände. Am 30. April 1975 fiel Saigon. Die Lao-Dong-Partei hatte damit gegen einen zunächst übermächtig scheinenden Gegner gesiegt – der Kampf um die Wiedervereinigung Vietnams war gewonnen.

Dieser Sieg gegen die amerikanische Supermacht stellt nach wie vor eine der wichtigsten Legitimationsquellen der KP Vietnams dar. Die offizielle vietnamesische Geschichtswissenschaft propagiert dabei unverändert das Bild einer geeinten, starken kommunistischen Partei, die das vietnamesische Volk geschlossen zum Sieg über das südvietnamesische Marionettenregime und die amerikanischen Aggressoren führte. Brüche in der Geschichte des vietnamesischen Kommunismus und die Vielfalt unterschiedlicher Ansichten innerhalb der KP Vietnams vor und während des Vietnamkriegs werden damit ausgeblendet.[8]

Dies gilt zum einen für die so genannte »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« (1956 bis 1958), dem Aufbegehren von Schriftstellern und anderen Intellektuellen gegen einen immer autoritäreren sozialistischen Staat. Die nordvietnamesische Führung reagierte erst 1958 mit einer massiven Kampagne gegen den »Revisionismus« und gewann die Hegemonie über die Intellektuellen zurück. Diese »vietnamesische Hundert-Blumen-Bewegung« gilt heute als Symbol für den Dissens gegen die Hegemonie und Orthodoxie der Partei schlechthin. Die Interpretation der »Affäre« spiegelt in ihrer Bandbreite die unterschiedlichen politischen Interessen wider: »[…] to some it is an anti-socialist conspiracy; to others, it is a paradigmatic example of communist repression of freedom«[9]. Unstrittig ist, dass die Affäre einen Wendepunkt in der politischen und kulturellen Entwicklung Nordvietnams darstellte und zu einem repressiven intellektuellen Klima führte, das bis zum Beginn der Reformpolitik in den 1980er Jahren bestimmend war. 

Der zweite Bruch in der Geschichte der KP Vietnams ist ein innerparteilicher Konflikt von 1963 bis 1967, also kurz vor bzw. zu Beginn des zweiten Vietnamkrieges, der als »Antipartei-Revisionismus-Affäre« (vu an Xet Lai – Chong Dang) bekannt geworden ist. Die Auseinandersetzung gipfelte 1967 in der Verhaftung hunderter Parteikader und Intellektueller. Teilweise wurden auch 1967 noch Beschuldigte festgenommen. In der Folge verstummte die Opposition aus den Reihen der Partei bis in die 1980er Jahre. Bis heute wird die Vielfalt der Sichtweisen von einem richtigen Weg zur Wiedervereinigung und vom Aufbau des Sozialismus, die in diesem Streit zum Ausdruck kamen, von der vietnamesischen Geschichtswissenschaft ignoriert.[10] Im Folgenden wird auf der Grundlage neu zugänglicher vietnamesischer Originalquellen und von Beständen aus deutschen

Archiven eine Neubewertung der beiden Affären vorgenommen.[11]

 

 

»Hundert Blumen blühen in Vietnam«: Offener Dissens in den 1950er Jahren

 

Nach dem Ende des Indochina-Krieges 1954 hofften viele Intellektuelle, dass die Partei nunmehr die rigide Kontrolle aller kulturellen Aktivitäten lockern würde und sie damit größere Freiräume genießen könnten. Das Gegenteil war jedoch der Fall: »[…] the central authorities circumscribed intellectual activity in the name of ongoing revolution and defense against enemies foreign or domestic.«[12] Aufgrund dieser starren Haltung der Lao-Dong-Partei begann es ab Winter 1954/55 zunächst unter Schriftstellern und Künstlern in der Abteilung für Kunst und Literatur der Volksarmee zu gären. Ihr Versuch, eine Debatte über eine kulturelle Neuorientierung von Partei und Staat zu initiieren und mehr künstlerische Freiräume in der Armee zu erlangen, scheiterte zwar,[13] doch das Unbehagen vieler Intellektueller verstärkte sich immer weiter.

Anfang Februar 1956 erschienen zum vietnamesischen Neujahrsfest die Schönen Werke des Frühlings (Giai Pham Mua Xuan), eine Sammlung von Gedichten, kurzen literarischen Texten und Liedern. Im Zentrum des Bandes stand ein längeres Gedicht von Tran Dan mit dem Titel »Siegesgewiss« (Nhat dinh thang)[14], das aus der Sicht eines jungen Liebespaares das Chaos der Nachkriegsgesellschaft in Nordvietnam beschreibt. Das Gedicht endete zwar mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft Vietnams, doch es hatte in den Augen der Kulturzensoren der Partei literarische Tabus verletzt. Die Partei ergriff schnell Maßnahmen: die Schönen Werke des Frühlings wurden konfisziert, der Verfasser des umstrittenen Gedichtes, Tran Dan (1926 bis 1997), verhaftet und in der Parteipresse massiv attackiert.[15]

In den folgenden Monaten lockerte die Partei jedoch ihre harte Linie gegenüber den kritischen Intellektuellen, da der wachsende Protest gegen die Exzesse bei der Landreform bedingt, der die Parteiführung stark verunsichert hatte. Seit Dezember 1953 hatte die Lao-Dong-Partei in verschiedenen »Wellen« eine radikale Landreformkampagne durchgeführt, die sich eng an maoistische Vorbilder anlehnte.[16] In den Dörfern stützte sie sich dabei nicht auf bestehende Organisationen, sondern entsandte externe Landreformteams, die über umfassende Vollmachten verfügten und sich quasi im rechtsfreien Raum bewegten. Vor allem in den Wellen 4 und 5 (Mitte 1955 bis Mitte 1956), die proportional den größten Anteil der ländlichen Bevölkerung erfassten, richtete sich eine übertriebene revolutionäre »Wachsamkeit« (canh giac) und Paranoia gegen Unschuldige – darunter viele verdiente Parteikader: Circa 5 000 bis 15 000 Personen, die als »grausame und despotische Großgrundbesitzer« (dia chu cuong hao gian ac) eingestuft worden waren, wurden auf »Volkstribunalen« zum Tode verurteilt und in den meisten Fällen an Ort und Stelle erschossen. Ihre Angehörigen wurden systematisch isoliert. Darüber hinaus beging eine unbekannte Anzahl von »Großgrundbesitzern« Selbstmord.[17]

Nachdem im August 1956 Ho Chi Minh persönlich zur Mäßigung aufrufen musste, wurde die Landreform gestoppt. Die Lao-Dong-Partei stürzte damit in ihre bis dahin schwerste Krise: Auf einer Sitzung des ZK im September und Oktober 1956 zog die Parteiführung personelle Konsequenzen: Generalsekretär Truong Chinh musste sein Amt aufgeben, behielt allerdings seinen Sitz im Politbüro. Darüber hinaus leitete die Partei eine »Korrekturkampagne« ein. Das eigentliche Ziel, schnell für Ruhe und Ordnung auf dem Lande zu sorgen, ließ sich allerdings nicht so schnell erreichen: Es kam zu Zusammenstößen zwischen »Kader-Aktivisten« (cot can), die einzig aufgrund ihrer ärmlichen sozialen Herkunft und ihres Eifers bei der Landreform wichtige Positionen in den örtlichen Partei- und Volkskomitees erhalten hatten, und alten Kadern, die sie aus dem Amt gedrängt hatten, sowie anderen zurückgestuften Dorfbewohner.[18]

Außerdem wurde Nordvietnam im November 1956 durch eine Bauernrebellion in der zentralvietnamesischen Provinz Nghe An, der Heimatprovinz Ho Chi Minhs und einer Bastion der Viet Minh während des Widerstandskampfes, erschüttert. Dabei handelte es sich um einen lokal begrenzten Aufstand vor allem katholischer Bauern, bei dem auch länger schwelende Gegensätze zwischen vietnamesischen Katholiken und den Behörden zum Ausbruch kamen.[19] Hanoi musste schließlich sogar die Armee schicken, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen.[20]

Die politische Atmosphäre in der DRV wurde auch massiv durch umwälzende Ereignisse im sozialistischen Block wie die auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 eingeleitete Entstalinisierung und die im Mai 1956 in der Volksrepublik China ausgerufene Hundert-Blumen-Kampagne bestimmt.[21] Viele kritische Intellektuelle in der DRV schöpften aus der selbstkritischen Auseinandersetzung mit dem Stalinismus und dem Personenkult in der Sowjetunion sowie der kulturellen Liberalisierung in China den Mut, nun ihrerseits eine Debatte über Auswüchse und Fehlentwicklungen des sozialistischen Systems in der DRV zu entfachen: »Der XX. Parteitag der KPdSU hat den nach Gedankenfreiheit, nach künstlerischer Freiheit, nach Meinungsfreiheit dürstenden Seelen das Licht gebracht […].«[22] 

In einer kurzen liberalen Phase von August bis November 1956 erschienen in Nordvietnam eine Reihe von kritischen Zeitungen und Zeitschriften.[23] Der Titel der wichtigsten Zeitung Nhan Van (Humanismus) war dabei Programm: Die Humanität sollte wieder in das von maoistischen Landreformexzessen, Parteisäuberungen und rigider Kontrolle der Bevölkerung geplagte Nordvietnam zurückkehren.[24] Nhan Van erschien in insgesamt fünf Nummern in wechselnder Auflage vom 20. September bis zum 20. November.[25] Einige Autoren von Nhan Van waren auch an den Schönen Werken des Herbstes (Giai Pham Mua Thu) und den Schönen Werken des Winters (Giai Pham Mua Dong) beteiligt, die im gleichen Zeitraum gedruckt wurden. Darüber hinaus erschienen eine Reihe weiterer Zeitungen und Zeitschriften wie Dat moi (Neues Land), eine Studentenzeitschrift, Tram hoa (Hundert Blumen), Noi that (Die Wahrheit sagen) und Tap san phe binh (Kritische Zeitschrift). Selbst orthodoxe Parteiblätter wurden von der liberalen Welle erfasst und veröffentlichten für einen kurzen Zeitraum vergleichsweise kritische Artikel.[26] Der durchgängige Tenor in fast allen Artikeln und literarischen Texten in Nhan Van und Giai Pham war die Kritik an der immer stärkeren Einschränkung persönlicher Freiheiten durch das »System der Parteiherrschaft« (che do Dang tri).[27] Zunächst richtete sich die Kritik in Nhan Van vor allem gegen die Hegemonie der Partei über alle künstlerischen und intellektuellen Aktivitäten.

Viele Autoren kritisierten den Umgang des Staates mit den Intellektuellen und forderten die Autonomie der Kunst ein.[28] In enger Anlehnung an die Entwicklungen in der VR China wandte sich z. B. Tran Duy in seinem programmatischen Artikel »Dafür kämpfen, dass hundert Blumen miteinander wetteifern und blühen« gegen eine autoritäre Kulturpolitik, die den Schriftstellern und Künstlern nach Befehlsmuster (lam theo com-mang) die Einhaltung bestimmter vorgegebener Schablonen und propagandistischer Denkmuster abverlangte und damit ihr kreatives Potential einschränkte.[29] Tran Duy und andere betonten die Autonomie der Kunst und die Freiheit des individualistischen Genies im Gegensatz zum von inkompetenten Parteikadern »ferngesteuerten, automatisierten Schriftsteller« (thi si may).[30] 

Der Ruf nach mehr Freiheit wurde auch an der Universität Hanoi laut. Der renommierte Historiker Dao Duy Anh beklagte, dass die Wissenschaft in der DRV zu sehr den engen ideologischen Vorgaben der Partei unterworfen sei. Wissenschaft würde so zu einem gefährlichen »Drahtseilakt« und Konformismus breite sich immer mehr aus.[31] Grund hierfür – so Dao Duy Anh – sei auch, dass häufig wenig kompetente Parteikader Schlüsselpositionen an den Universitäten einnähmen. Politische und wissenschaftliche Tätigkeit müssten klar voneinander ge trennt werden.[32] Wie ein Beitrag in der Studentenzeitschrift Dat Moi deutlich machte, drang die Partei sogar in das Privatleben der Studenten ein, was zu »Wachsamkeit« (canh giac) gegenüber den anderen und Klassendenken (chu nghia thanh phan) im persönlichen Umfeld führte.[33] Diese übertriebene »revolutionäre Wachsamkeit« in der nordvietnamesischen Gesellschaft gegenüber vermeintlichen Feinden war ein weiteres zentrales Thema in Nhan Van und in den Giai Pham. Die paranoide Furcht vor Feinden während der Landreform führte dazu, dass viele Parteiorganisationen in den Dörfern und mit ihnen alt gediente Parteikader unter den Generalverdacht gerieten, von zersetzenden Elementen beherrscht zu sein.

Die Exzesse, zu denen es in diesem Klima kam, waren nach Meinung des Philosophen Tran Duc Thao und anderer erst so spät gestoppt worden, weil die Bevölkerung keine Möglichkeit zur direkten Kritik gehabt habe.[34] Offene Kritik durch die Bevölkerung - so Tran Duc Thao - sei aber ein unverzichtbares Regulativ das die Führung durch die Partei sogar noch stärken würde.[35] Auch um die Vorwürfe aus Südvietnam, im Norden mangele es an Demokratie, zu entkräften, müsse die Regierung die Möglichkeiten schaffen, damit der einzelne Bürger die Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Anspruch nehmen könne.[36] Die Partei solle Vertrauen in die Fähigkeit der Bürger haben, ihre Grundrechte verantwortungsvoll wahrzunehmen. Die Bevölkerung als »unreif« darzustellen, heiße eigentlich, sie zu verachten.[37] Mit der Betonung individueller Freiheitsrechte rüttelte Tran Duc Thao an den Grundfesten eines politischen Systems, das während des Widerstandskampfes gegen die Franzosen und auch nach dem Friedensschluss 1954 vom Einzelnen die selbstlose Aufopferung für das Kollektiv unter Zurückstellung persönlicher Interessen und Rechte gefordert hatte.[38]

Neben dem Mangel an Demokratie wurde das Fehlen eines Rechtssystem von dem langjährigen Parteimitglied Nguyen Huu Dang und dem Rechtsanwalt Nguyen Manh Tuong als eine der Ursachen für die vielen Übergriffe durch Kader bei der Landreform herausgestellt.[39] Die Verachtung des »bürgerlichen« Rechts sei zu einer Verachtung jeglichen Rechts geworden. Nicht das Recht, sondern die »korrekte politische Einstellung« und die Klassenzugehörigkeit seien Richtschnur des Handelns geworden.[40] Ausdruck der dadurch entstehenden Willkür von Kadern und des Eindringens des Staates in die Privatsphäre seien auch die übertriebene Kontrolle der Bevölkerung über Melderegister (ho khau), die Kontrolle des privaten Briefverkehrs und die Zensur.[41] Nguyen Huu Dang und Nguyen Manh Tuong forderten deshalb den Aufbau eines Rechtsstaates, in dem sich die Partei dem Gesetz unterordnen muss und von der Nationalversammlung erlassene Gesetze die Parteidekrete ersetzen.[42]

Die fünfte Nummer von Nhan Van vom 20. November 1956 stand eindeutig unter dem Eindruck der Ereignisse in Polen und Ungarn. In einem Artikel hob Nguyen Huu Dang hervor, die Ursache für die Entwicklungen in Polen und Ungarn lägen in einem Mangel an Demokratie, nicht in einem »Mangel an Diktatur«. In der DRV seien zwar die Grundrechte in der Verfassung verankert und das 10. Plenum der Lao-Dong-Partei habe auch die Ausweitung der Demokratie beschlossen, doch in der Realität gebe es eine gegenläufige Tendenz. Die Verfassung der VR China von 1954 sei noch progressiver, weil sie den Staat verpflichte, die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Grundrechte wie der Demonstrationsfreiheit zu schaffen. Wenn man gegenüber der Bevölkerung auf diktatorische Mittel zurückgreife, müsse man vorsichtig sein. Der Schaden könne groß sein.[43]

Die Parteiführung interpretierte den Artikel von Nguyen Huu Dang als offenen Aufruf zu Demonstrationen und nahm dies zum Anlass, Nhan Van am 15. Dezember zu verbieten.[44] Das Verbot betraf auch alle anderen kritischen Zeitungen und Zeitschriften. Ab Mitte Dezember 1956 lief im offiziellen Parteiorgan Nhan Dan (Das Volk) und in anderen Zeitungen eine Pressekampagne. Nhan Dan druckte Beiträge von Intellektuellen und Leserbriefe ab, die Nhan Van verurteilten, und meldete fast täglich den Eingang von Unterschriftenlisten, die das Verbot der Zeitschriften unterstützten.[45]

Das Verbot der Veröffentlichungen war allerdings noch nicht mit weitergehenden persönlichen Konsequenzen für die Protagonisten von »Nhan-Van/GiaiPham« verbunden.[46] Während die »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« 1956 ihre kritische Haltung noch mit dem Verweis auf das Tauwetter in der Sowjetunion und die Hundert-Blumen-Kampagne in der VR China rechtfertigen konnten, war dies ab Ende 1957 nicht mehr möglich: Mit der auf der Moskauer Konferenz im November 1957 verabschiedeten Deklaration, in der China und die Sowjetunion eine gemeinsame Sprachregelung im Kampf gegen den »Revisionismus« fanden, hatten sich die politischen Kräfteverhältnisse im sozialistischen Block zugunsten der orthodoxen Kräfte geändert.[47]

Die Führung der Lao-Dong-Partei hatte damit die notwendige ideologische Rückendeckung für drastische Maßnahmen gegen die kritischen Intellektuellen, die das liberale Klima im sozialistischen Block 1956 genutzt hatten. In einer Resolution vom Januar 1958 forderte das Politbüro, »subversive Elemente« aus den Schriftstellerorganisationen auszuschließen und Schriftsteller einer ideologischen Schulung zu unterziehen.[48] Im Februar und März 1958 fanden zwei Schulungskurse mit Beteiligung von fast 600 Schriftstellern, Künstlern und anderen Intellektuellen statt, in denen die einzelnen Mitglieder der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« sich der Kritik und Selbstkritik unterwerfen mussten.[49] 

Seit Januar 1958 lief parallel in der nordvietnamesischen Presse eine Kampagne gegen die »Saboteure an der ideologischen und kulturellen Front«[50]. Im April und Mai wurden im Parteiorgan Nhan Dan Selbstkritiken von prominenten Mitgliedern der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« abgedruckt. Außerdem schrieben parteinahe Schriftsteller, Künstler und andere Intellektuelle Artikel, in denen sie die »Fehler« der einzelnen Protagonisten der offenen Debatte von 1956 offen legten und auch vor persönlichen Verunglimpfungen nicht halt machten.[51]

Im Juni 1958 lieferte To Huu, ZK-Mitglied und oberster »Kulturwächter« der Partei, auf einer Konferenz von ca. 1 000 Schriftstellern, Künstlern, Kulturkadern und anderen Intellektuellen in Hanoi eine umfassende Analyse der Ereignisse von 1956.[52] Die Ironie des Schicksals wollte es, dass während der von To Huu initiierten Kampagne die üblichen ideologischen und moralischen Verdammungen verbreitet wurden, mit denen sich Tran Duc Thao und andere 1956 bereits präventiv auseinandergesetzt hatten.[53] Sie waren nur leicht angereichert durch neue »antirevisionistische« Kritikschablonen. Die Hauptvorwürfe gegen die »Nhan-Van/Giai-Pham- Clique« (bon Nhan Van-Giai Pham) – so die neue offizielle Bezeichnung – waren:

1.              Sie hätte unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Personenkult dieMassen gegen die Lao-Dong-Partei aufgehetzt und die Probleme um die Landreform aufgebauscht, um die Errungenschaften beim Aufbau des Sozialismus in Nordvietnam zu verunglimpfen.[54] 

2.        Unter Missbrauch des Slogans »Lasst Hundert Blumen blühen« hätte sie »individualistische« und »bürgerliche« Auffassungen von der Rolle der Literatur und der Kunst verbreitet. Dabei hätten sie die Führungsrolle der Partei in Frage gestellt, obwohl »die Partei der Kompass sei, die Seele der Revolution, im Bereich der Kunst und Literatur wie auch in allen anderen Bereichen.«[55]

3.        Sie seien hedonistisch, liebten das kleinbürgerliche, dekadente Leben in denStädten, fürchteten sich vor Arbeit und hassten die arbeitende Bevölkerung.[56]

Von der klassenübergreifenden Solidarität aller Intellektuellen und dem vergleichsweise offenen Klima in den ersten Jahren des antikolonialen Kampfes war in den Traktaten, die während der Kampagne 1958 in der nordvietnamesischen Presse erschienen, nichts mehr zu spüren. Es dominierte die dichotomische Einteilung in »Freund« und »Feind«. Den Intellektuellen blieb jetzt nur noch die Möglichkeit, als »Ingenieure der Seele« (ky su tam hon) unter der Führung der

Lao-Dong-Partei zu dienen.[57]

Die endgültige Unterordnung aller Künstler, Schriftsteller und anderer Intellektueller unter die kommunistische Partei wurde ab Sommer 1958 durch weitere Maßnahmen sichergestellt: Im Sommer und Herbst wurden das Gros der Schriftsteller, Künstler, Studenten, Universitätsangehörige, aber auch Mitarbeiter des Kulturministeriums aufs Land geschickt, um dort die »Realität kennen zu lernen«, d. h. sich im Kontakt mit Bauern und Arbeitern der letzten Reste »feudaler« und »bürgerlicher« Auffassungen zu entledigen und ideologisch gestärkt und gereinigt in die Städte zurückzukehren.[58]

Die Mitglieder der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« wurden mit unterschiedlichen Strafen belegt: Einige wurden dauerhaft aus dem Schriftsteller- und Künstlerverband ausgeschlossen, andere nur für drei Jahre. Renommierte Wissenschaftler wie der Historiker Dao Duy Anh, der Jurist Nguyen Manh Tuong und der Philosoph Tran Duc Thao verloren ihre Positionen an der Universität Hanoi. Fünf Personen - darunter Nguyen Huu Dang - wurden 1960 in einem Prozess unter abenteuerlichen Spionagevorwürfen zu Gefängnisstrafen von fünf bis 15 Jahren verurteilt. Andere Intellektuelle verschickte die Partei aufs Land, um in landwirtschaftlichen Kooperativen zu arbeiten. Ihre Hoffnung, nach Ablauf ihrer Strafe wieder veröffentlichen zu dürfen, erwies sich als trügerisch. Fast alle in die »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« verwickelten Personen waren, bis zum Beginn der Reformpolitik in Vietnam und der Lockerung der Kulturpolitik unter Generalsekretär Nguyen Van Linh 1987 mit einem inoffiziellen Berufsverbot belegt und fristeten ein kümmerliches Dasein am Rande der Gesellschaft.[59] Wie viele Personen insgesamt Opfer der Kampagne gegen die »Nhan-Van/Giai-PhamClique« wurden, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass nicht nur die bekannten Schriftsteller und andere Intellektuelle betroffen waren, sondern auch viele Namenlose, die mit den Zeitschriften des Jahres 1956 verbunden waren - ob als Leser, als finanzieller Förderer oder in anderer Funktion.[60]

Interner Dissens im Vorfeld des Vietnamkrieges

Die DDR-Botschaft in Hanoi begrüßte die Niederschlagung der »Nhan-Van/GiaiPham-Bewegung«. In seinem Bericht schloss sich Kulturattaché Kittler der parteioffiziellen Interpretation der Vorgänge an: »Die dreijährige Tätigkeit der feindlichen revisionistischen Gruppe war Ausdruck des Klassenkampfes beim Aufbau des Sozialismus, der sich in der DRV auch auf dem Gebiet der Kunst und Literatur widerspiegelte.«[61] Der DDR-Vertreter folgerte zufrieden, dass »die volksdemokratische Ordnung in der DRV aus diesem Kampf nicht geschwächt, sondern entscheidend gestärkt hervorgegangen ist«[62].

Tatsächlich hatte die Lao-Dong-Partei mit der Ausschaltung der »NhsnVan/Giai-Pham-Gruppe« die Hegemonie über die Literatur und Kunst (wieder-) gewonnen und verstärkte systematisch die Überwachung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Angesichts eines immer perfekter funktionierenden staatlichen Kontroll- und Zensurapparates war offener Dissens nicht mehr möglich – Schriftsteller, Journalisten und andere Intellektuelle konnten ihren Widerspruch nur noch in sehr indirekter, »kodierter« Form äußern.[63]

Wie bereits erwähnt, widmete sich die Führung in Hanoi ab Ende der 1950er Jahre der Frage der Wiedervereinigung wieder größere Aufmerksamkeit und betonte nun stärker den militärischen Kampf neben dem politischen. Die NLFGründung im Dezember 1960 war Ausdruck dieser neuen Politik. Der neue starke Mann in der Parteiführung in Hanoi, der für den militanteren Kurs stand, war der aus der zentralvietnamesischen Provinz Quang Tri stammende Le Duan. Er wurde auf dem III. Parteitag der Lao-Dong-Partei im September 1960 formell als Erster Sekretär der Partei gewählt. In Verbindung mit Le Duc Tho, dem Leiter des neu geschaffenen Parteiorganisationskomitees, gelang es ihm, in relativ kurzer Zeit seine Machtposition auszubauen und den Einfluss des bereits kränkelnden Ho Chi Minh und anderer »moderaterer« Politiker wie Vo Nguyen Giap zurückzudrängen.[64] Dies zeigte sich auch in der Haltung Nordvietnams im sinosowjetischen Streit. Während die DRV zunächst noch eine neutrale Position im Konflikt eingenommen hatte und der auf der internationalen kommunistischen Bühne respektierte Ho Chi Minh als aktiver Vermittler zwischen Moskau und Peking aufgetreten war, wurden in der DRV selbst immer mehr Warnungen vor dem schädlichen Einfluss des »sowjetischen Revisionismus« laut.[65] Die Le-DuanFraktion wandte sich ab Anfang der 1960er Jahre verstärkt gegen Parteikader und Intellektuelle, die sich analog zu Nikita Chruščevs Politik der »Friedlichen Koexistenz« für eine friedliche Lösung der Frage der Wiedervereinigung Vietnams aussprachen und gleichzeitig den forcierten Aufbau des Sozialismus in Nordvietnam kritisierten. Interne Debatten in der DRV wurden damit mehr und mehr von der ideologischen Auseinandersetzung zwischen der Sowjetunion und der VR China überlagert.[66] 

Der Dissens gegen die militante und zunehmend »pro-chinesische« Linie der Parteiführung um Le Duan artikulierte sich im Staatlichen Komitee für Sozialwissenschaften, dem Institut für Philosophie, dem Verlag Su That (Verlag der Wahrheit) sowie im Umkreis von General Vo Nguyen Giap und wurde vor allem von »technokratischen« Intellektuellen getragen, die in der Sowjetunion studiert hatten, und älteren Parteikadern, die zumeist in den späten 1920er Jahren durch die Kaderschmiede der Universität der Werktätigen des Ostens in Moskau gegangen waren.[67] Abweichende Meinungen kamen z. B. in der Armeezeitung Quan Doi Nhan Dan in sehr subtiler Form wie dem Layout oder im Umfang der Berichterstattung über die Sowjetunion und die VR China zum Ausdruck.[68]

Im Laufe des Jahres 1963 näherte sich die DRV mehr und mehr chinesischen Positionen an.[69] Der Druck auf Parteimitglieder, die »prosowjetische« Auffassungen vertraten, wurde erhöht. In einem programmatischen Artikel in Nhan Dan im September 1963 kritisierte Le Duc Tho, der enge Vertraute von Le Duan, dass einige Parteimitglieder unter dem Einfluss des »Revisionismus« ständen und Zweifel an der Parteistrategie zur Wiedervereinigung des Landes hegten.[70] Gleichzeitig eröffnete Hoc Tap, das Theorieorgan der Partei, eine Offensive gegen »bürgerliche« Einflüsse in der vietnamesischen Kunst und Literatur.[71] So berichtete der Kulturattachee der DDR-Botschaft in Hanoi, Klaus Matzke, leicht irritiert über ein Gespräch mit hochrangigen Mitarbeitern des DRV-Kulturministeriums im August 1963 zum Ursprung der »bürgerlichen Einflüsse« unter den vietnamesischen »Kunst- und Literaturschaffenden«: »Die Quellen dieser schädlichen Auffassungen seien weder in Thailand noch in der SV [Südvietnam], sondern in der SU«[72] zu suchen, so seine vietnamesischen Gesprächspartner.

Auf dem 9. Plenum des ZK der Lao-Dong-Partei Ende 1963 kam der schwelende Konflikt zwischen »pro-chinesischen« und »pro-sowjetischen« Kräften innerhalb der Partei zum offenen Ausbruch.[73] Thema des Plenums war vor allem der weitere Kurs der Partei in der Frage der Wiedervereinigung. Vor dem Hintergrund der Schwächung Südvietnams durch den Coup d’Etat gegen Präsident Ngo Dinh Diem und seinen Bruder Ngo Dinh Nhu im November 1963 plädierte die Parteiführung um Le Duan für eine stärkere Betonung des militärischen Kampfes und eine enge ideologische Anlehnung an die VR China.

Bereits vor dem Plenum hatten ca. 50 mittlere Kader Briefe mit der Forderung an das ZK geschickt, die Lao-Dong-Partei solle sich nicht zu sehr chinesischen Positionen annähern.[74] Auch auf dem Plenum selbst protestierten ZK-Mitglieder wie der frühere Außenminister Ung Van Khiem, der stellvertretende Minister für Kultur und frühere Stabschef bei der Schlacht von Dien Bien Phu, Le Liem, sowie Ta Quang Buu und Bui Cong Trung, beide stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees der Wissenschaften, gegen den neuen militanten Kurs.[75] Die Fraktion um Parteichef Le Duan konnte sich jedoch schließlich durchsetzen. Das ZK verzichtete zwar noch auf die Entsendung von Truppen in den Süden, doch die Entscheidung, in Südvietnam verstärkt auf den bewaffneten revolutionären Kampf zu setzen, war Ende 1963 gefallen.

Nach dem Plenum initiierte die Partei eine Kampagne gegen den »Revisionismus« in der DRV, um die Parteimitglieder bzw. die gesamte Bevölkerung auf den neuen Kurs einzuschwören und diejenigen Parteikader, die zuvor abweichende Meinungen geäußert hatten, zu isolieren.[76] Nach Einschätzung der DDRBotschaft in Hanoi, die zuvor sehr enge Kontakte zu einigen der »Parteiabweichler« gehabt hatte, handelte es sich um eine: »ideologische Offensive zur Einschüchterung der marxistisch-leninistischen Kräfte und zur Überwindung ihres Widerstandes«[77].

Le Duc Tho gab in einer Serie von Artikeln in der Parteizeitung Nhan Dan den Startschuss für die Kampagne der ideologischen Umerziehung.[78] Er beklagte, dass auch einige Mitglieder der Lao-Dong-Partei vom »modernen Revisionismus« und »bürgerlichen Ideen« beeinflusst und zu »pessimistisch« seien. Um solche »fraktionalistischen und spalterischen Aktivitäten«[79] zu stoppen, kündigte er politische Schulungen an, auf denen alle Parteimitglieder neuen Resolutionen studieren und »rechtsabweichlerische« Selbstkritik üben sollten.

Tatsächlich wurden die Parteikader, die sich auf dem 9. Plenum kritisch geäußert hatten, in den ersten Monaten des Jahres 1964 durch die »AntirevisionismusKampagne« mehr und mehr isoliert.[80] Die ohnehin schon angespannte politische Stimmung in Nordvietnam wurde weiter angeheizt, als Duong Bach Mai, Mitglied des ZK, des Präsidiums der Vaterländischen Front und des Ständigen Ausschusses der Nationalversammlung, Anfang April 1964 plötzlich unter mysteriösen Umständen verstarb. Er galt als einer der schärfsten Kritiker des neuen politischen Kurses von Parteichef Le Duan und hatte in den Jahren zuvor enge Beziehungen zur DDR-Botschaft und zum ADN-Korrespondenten in Hanoi unterhalten.[81] 

Im Frühjahr wurde die Kampagne gegen den »modernen Revisionismus« auch auf den Bereich der Literatur und Kultur ausgeweitet. In einer Serie von Artikeln warnten prominente Kulturkader wie To Huu, Hong Chuong und andere vor dem Einfluss des »Revisionismus« auf die Kunst und Literatur Nordvietnams.[82] Werke »revisionistischen« Inhalts hätten auf dem Weg des kulturellen Austauschs auch den Weg nach Vietnam gefunden, vor allem Filme (z. B. »Die Ballade des Soldaten« und »Der 41. Mann« des sowjetischen Regisseurs Grigorij Čuchraj), die »gefährliches« Gedankengut wie den Glauben an einen allgemeinen »Humanismus« jenseits aller Klassenzugehörigkeit verbreiteten und die Unterschiede zwischen dem »gerechten« und dem »ungerechten« Krieg verwischten.[83] Ähnliche Tendenzen – so die Kritiker – ließen sich bereits in Nordvietnam beobachten. Der Roman Vao Doi (Ins Leben eintreten, 1963) von Ha Minh Tuan und einige andere Bücher würden das persönliche Glück überhöhen, die Interessen des Kollektivs, die Notwendigkeit des Klassenkampfes und zudem den Aufbau des Sozialismus in Nordvietnam diskreditieren.[84] Eine Reihe von Autoren hätte außerdem die Tendenz, »Pessimismus«, »Defätismus« und Vorstellungen von einem klassenübergreifenden »Humanismus« oder wie Phu Thang in Pha vay (Aus der Umzinglung ausbrechen, 1963) sogar »pazifistische Ideen« zu verbreiten und damit Furcht vor dem revolutionären Befreiungskampf in Südvietnam zu erzeugen.[85] 

In einer Phase, in der sich die DRV auf den bewaffneten Kampf um die Wiedervereinigung des Landes vorbereitete, war insbesondere der »Defätismusvorwurf« mit schwerwiegenden Konsequenzen für die als »revisionistisch« eingestuften Autoren verbunden. Phu Thang und Ha Minh Tuan wurden wie schon viele Mitglieder der »Nhan-Van/Giai-Pham-Clique« vorher mit einem Berufsverbot belegt.[86]

Die Kampagne gegen den »Revisionismus« in der DRV führte zu einer Belastung der Beziehungen zu anderen sozialistischen Ländern wie der Sowjetunion und der DDR, die intern in Hanoi als »revisionistisch« eingestuft waren. So wurde die Überwachung der Botschaften in Hanoi verstärkt und der Kontakt von Vietnamesen zu Ausländern allgemein eingeschränkt. Franz Faber, der 1954 als erster deutscher Journalist Nordvietnam besucht hatte und ab 1964 für den ADN in Hanoi arbeitete, bemerkte deutlich, wie die meisten Vietnamesen auf Distanz gingen: »Im übrigen hat bis heute noch kein Vietnamese ohne Genehmigung das ADN-Haus betreten. Jeder hat Angst vor dem anderen. Keiner wagt es mehr, persönliche Kontakte mit Ausländern zu pflegen.«[87]

Ein besonderes Problem ergab sich, als die nordvietnamesische Regierung im Sommer 1964 die im sozialistischen Ausland studierenden Vietnamesen aufforderte, zu politischen Schulungskursen nach Hause zurückzukehren.

Alleine in der Sowjetunion weigerten sich ca. 50 Personen, der Rückrufaktion Folge zu leisten – darunter hohe Kader wie Van Doan, Chefredakteur der Armeezeitung Quan Doi Nhan Dan, die von der Parteiführung um Le Duan wegen ihrer zu »pro-sowjetischen« Berichterstattung kritisch beäugt wurde.[88] Weniger bekannt ist, dass auch ca. 20 vietnamesische Studenten in der DDR eine Rückkehr nach Nordvietnam ablehnten und politisches Asyl beantragten, weil sie aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber der neuen politischen Linie der Parteiführung in ihrer Heimat Repressalien befürchteten. Vertreter der DRV-Botschaft in Ostberlin wurden zwar wiederholt bei DDR-Behörden vorstellig, um die Ausreise der Studenten zu erreichen, doch die Aufenthaltsgenehmigung der vietnamesischen Studenten wurde stillschweigend verlängert.[89]

Insgesamt gesehen war die Kampagne gegen den »Revisionismus« jedoch erfolgreich. Sie zielte darauf ab, die Partei und die Bevölkerung in Nordvietnam propagandistisch auf den bevorstehenden Waffengang einzustimmen und die innerparteiliche Opposition gegen den militanten Kurs der Le-Duan-Fraktion auszuschalten. Insbesondere sollten letzte Reste von Dissens unter Schriftstellern und anderen Intellektuellen bekämpft werden und der endgültige Schritt zu ihrer Unterordnung und Instrumentalisierung für die Ziele der Partei vollzogen werden.

 

 

Die Verhaftungswelle von 1967

 

Nach Beginn des Krieges 1965 verbesserten sich die Beziehungen der DRV zur Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten, und die nordvietnamesische Propagandamaschine stoppte umgehend ihre Angriffe gegen den »modernen Revisionismus«. Für die 1964 als »revisionistisch« abgestempelten Parteimitglieder und Intellektuellen bedeutete dies jedoch keine »Amnestie«. Im Gegenteil – im Juli 1967 erfolgte die Festnahme von Hoang Minh Chinh, dem Direktor des Instituts für Philosophie, einem der Wortführer der »pro-sowjetischen« Kritiker von 1963, und vier anderer Intellektueller und Journalisten. Im Oktober und Dezember 1967 wurden weitere Personen festgenommen, darunter Parteikader, Journalisten, Intellektuelle und vor allem General Vo Nguyen Giap nahe stehende Armeeangehörige, denen z. T. abenteuerliche Vorwürfe wie die Spionage für ausländische Mächte in der DRV gemacht wurden.[90] Das Gros der Verhafteten saß bis zum Kriegsende

1975 ohne jegliches Gerichtsverfahren in entlegenen Gefängnissen.[91]

Die DDR-Botschaft in der DRV berichtete bereits im August 1967 von Gerüchten, nach denen einige Personen verhaftet oder unter Hausarrest gestellt worden seien.[92] Auffällig ist jedoch, dass sie – anders als bei der »Antirevisionismus-Kampagne« 1964 – über keine detaillierten Informationen mehr verfügte. Dies zeigt, dass der nordvietnamesische Führung 1967 gelungen war, die Ausschaltung der Parteikritiker geheim zu halten – im Gegensatz zur Niederschlagung der »Nhan-Van/Giai-Pham-Clique« in den 1950er Jahren waren die Festnahmen von 1967 z. B. von keiner Pressekampagne begleitet. Zum anderen

machte sich der Umstand bemerkbar, dass die DDR-Botschaft trotz bester freundschaftlicher Beziehungen zur DRV nicht mehr auf die vietnamesischen Informanten zurückgreifen konnte, die ihr noch vor Kriegsbeginn zur Verfügung standen – eben ein Ergebnis der verschärften Überwachung sozialistischer Botschaften in der DRV seit der Kampagne 1964. Die Bewegungsfreiheit sowjetischer Diplomaten wurde z. B. ab Anfang 1968 – also ungefähr zeitgleich zu den Verhaftungen – noch weiter eingeschränkt.[93]

Die Parteiführung um Le Duan und Le Duc Tho hatte mit der »Antirevisionismus-Kampagne« und mit der späteren Verhaftungswelle von 1967 ihre Machtposition endgültig gefestigt und ein Exempel für den Umgang mit innerparteilicher Opposition geschaffen.[94] Die geschlossene, von einem gut ausgebauten Sicherheitsapparat kontrollierten Gesellschaft Nordvietnams war in den folgenden Jahren bis zum Kriegsende geprägt vom aufopferungsvollen Kampf jedes Einzelnen gegen die USA und Südvietnam. Kreativität und offener Dissens wie 1956, dem Krisenjahr der nordvietnamesischen Führung, gehörten der Vergangenheit an. Auch nach dem Fall Saigons am 30. April 1975 und der Wiedervereinigung des Landes 1976 änderte sich das politische Klima in Vietnam zunächst nicht grundsätzlich. Der Kambodscha-Konflikt, die militärischen Auseinandersetzungen Vietnams mit der VR China und die damit verbundenen Isolierung des Landes führten zu einer erneuten »Disziplinierung« und Überwachung der vietnamesischen Gesellschaft durch den Sicherheitsapparat.[95] Erst der Tod des langjährigen Parteichefs Le Duan im 10. Juli 1986 und das Ende des Kalten Krieges machten den Weg frei für Reformen und eine Öffnung der vietnamesischen Gesellschaft.

 

 

Vietnam seit Beginn der Reformpolitik: der Umgang mit der Vergangenheit

 

Im Zentrum der Reformpolitik (doi moi) steht der Umbau des Wirtschaftssystems, doch lässt sich seit Ende der 1980er Jahren in Vietnam auch eine gewisse politische und kulturelle Liberalisierung beobachten. Die meisten Opfer der »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« wurden ab Ende der 1980er Jahre stillschweigend rehabilitiert. In den letzten Jahren erschienen Neuauflagen älterer Werke von Mitgliedern der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« sowie viele neue Werke der Schriftsteller, die seinerzeit mit Publikationsverbot belegt worden waren.[96]

Das Beispiel des Philosophen Tran Duc Thao, der sich 1956 durch seine Forderungen nach mehr Freiheit und Demokratie den Zorn der Partei zugezogen hatte, ist typisch für den ambivalenten Umgang der Partei mit dem Erbe der »NhanVan/Giai-Pham-Affäre«. Tran Duc Thao durfte nach 1989 wieder veröffentlichen – außerdem erlaubten ihm die Behörden, nach Frankreich auszureisen, wo er schließlich 1993 verstarb. 2001 erhielt er sogar posthum den Ho-Chi-Minh-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen des vietnamesischen Staates.[97] In offiziellen Texten zu seinem Tod und der Preisverleihung wurden allerdings die übliche Interpretation der Ereignisse von 1956 bis 1958 übernommen bzw. die entscheidenden Jahre in seinem Leben einfach übergangen. Gleichzeitig wird er als einer der größten vietnamesischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts gefeiert.[98] Entscheidend für die Entwicklung der »Erinnerungskultur« in Vietnam in den letzten Jahren ist auch, dass neben der staatlich sanktionierten Geschichtsversion »NhanVan/Giai-Pham-Affäre« verstärkt »Gegenversionen« der privaten Erinnerung in Form von Biographien, kurzen Zeitungsartikeln u. a. den Weg in die Öffentlichkeit finden. Als 2006 ein Sammelband mit Aufsätzen zum Leben und Werk Tran Duc Thaos erschien, äußerte sich Viet Phuong, Sekretär von Pham Van Dong (Ministerpräsident Nordvietnams bzw. der SR Vietnam von 1955 bis 1987), in einem Interview bemerkenswert kritisch und offen. Thao sei ein Opfer der Zeitumstände geworden und an einem »Bollwerk«, das Dogmatiker und Opportunisten errichtet hatten, gescheitert.[99] Eine ähnliche Wertung nimmt Pham Thanh Hung in seinem Porträt Tran Duc Thaos auf der Website der Nationalen Universität Vietnam/Hanoi vor, auf der die bekanntesten Wissenschaftler vorgestellt werden, die die Universität in ihrem bisherigen hundertjährigen Bestehen hervorgebracht hat.[100] 

Während die Namen von Tran Duc Thao oder des Historikers Dao Duy Anh häufig in der vietnamesischen Presse auftauchen und zumindest ihre Reputation als Wissenschaftler wiederhergestellt zu sein scheint,[101] finden andere Opfer der »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« wie Nguyen Huu Dang, der 15 Jahre in einem Straflager saß und danach noch einmal 15 Jahre in seinem Heimatdorf unter

Hausarrest gehalten wurde, nur selten Erwähnung.[102]

Eine offizielle Rehabilitation der Intellektuellen, die ihre Forderungen nach mehr Freiheit von 1956 mit langen Jahren Berufsverbot bezahlen mussten, steht noch aus. Dass 2006 – also genau 50 Jahre nach den Ereignissen – insgesamt vier Schriftsteller der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« (Tran Dan, Phung Quan, Hoang Cam, Le Dat) zu Kandidaten für den vietnamesischen Nationalpreis auserkoren wurden, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.[103] Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Ereignisse in 1950er Jahren ist die Veröffentlichung der Tagebücher des vietnamesischen Schriftstellers Nguyen Huy Tuong (1912-1960), der sich darin bemerkenswert kritisch zur Politik der Partei gegenüber den Intellektuellen äußert und offen mit der »Nhan-Van/Giai-Pham-Gruppe« sympathisiert.[104]

Von einer inoffiziellen, geschweige denn offiziellen Rehabilitation kann hingegen bei den Opfern der der »Antipartei-Revisionismus-Affäre« von 1963 bis 1967 noch keine Rede sein. Die Affäre ist nach wie vor Tabuthema. Opfer der Affäre wie Hoang Minh Chinh und Vu Dinh Huynh sowie Witwen von mittlerweile verstorbenen Opfern der Affäre sandten in den 1990er Jahren Briefe an oberste staatliche und Parteibehörden mit der Forderung, den Fall noch einmal zu untersuchen und die damals verhafteten Personen zu rehabilitieren – aber ohne Erfolg. Auch ein Brief von Nguyen Trung Thanh, der in den 1960er Jahren als damaliger Chef des Sicherheitsbüros des ZK selbst mit den Säuberungsmaßnahmen betraut und nach seiner Pensionierung zu dem Schluss gekommen war, dass die damaligen Verhaftungen ohne schlüssige Beweise erfolgt waren, blieb ohne Antwort. Thanh wurde 1995 aus der Partei ausgeschlossen.[105] 

Wenn die KP Vietnams die Opfer der »Affäre« von 1963 bis 1967 rehabilitieren würde, so hätte dies tatsächlich weit reichende Folgen. Die Partei würde damit eine Diskussion über die Frage entfachen, ob die Entscheidung des 9. Plenums von 1963, auf den militärischen Kampf als einzigen Weg zur Wiedervereinigung zu setzen und den Tod von Millionen von Soldaten in Kauf zu nehmen, richtig war – oder ob nicht der Vorschlag der damals als »revisionistisch« eingestuften Parteikader, einen friedlichen Weg für die Wiedervereinigung Nord- und Südvietnams zu suchen, auch seine Berechtigung hatte. Der Sieg gegen die Supermacht USA ist jedoch nach wie vor eine der zentralen Legitimationsquellen für die KP Vietnams. Ein offener Umgang mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte Nordvietnams ist deshalb in nächster Zeit nicht zu erwarten. So müssen sich die Opfer der »Antipartei-Revisionismus-Affäre« damit zufrieden geben, dass ihre Namen in unverfänglichem Kontext in der Presse auftauchen oder sie Artikel zu ebenso unverfänglichen Themen schreiben dürfen.[106] Auch ist es für die Angehörigen von verstorbenen Opfern wie Bui Cong Trung und Minh Tranh ein gewisser Trost, dass letztere in Darstellungen zur Geschichte ihrer früheren Institutionen Erwähnung finden.[107]

 


[1]  Zum Verlauf der militärischen Auseinandersetzung zwischen den Viet Minh und Frankreich und dem internationalen Kontext des Konfliktes siehe Duiker, William J.: Sacred War. Nationalism and Revolution in a Divided Vietnam, New York u. a. 1995, S. 53–94.

[2]  Zur Unterstützung der Viet Minh durch die VR China während des Widerstandskampfes gegen Frankreich siehe im Einzelnen die Untersuchung von Zhai, Qiang: China and the Vietnam Wars, 1950–1975, Chapel Hill 2000, S. 10–64.

[3]  Siehe Nhu Phong: Intellectuals, Writers and Artists, in: China Quarterly, January–March 1962, S. 51.

[4]  Die Begriffe chinh don und chinh quan sind aus dem Chinesischen entlehnt. Zur Übernahme der maoistischen Rektifikationstechniken siehe Boudarel, Georges: L’Idéocratie importée au Vietnam, in: Ders. (Hrsg.): La Bureaucratie au Vietnam, Paris 1983, S. 31–106.

[5]  Ein prominentes Beispiel war der berühmte vietnamesische Komponist Pham Duy. Siehe Boudarel, Georges: 1946: In the Footsteps of the Colonial Sûreté, in: Ders./Nguyen Van Ky: Hanoi. City of the Rising Dragon, Lanham u. a. 2002, S. 104; Nhu Phong: Intellectuals, Writers and Artists (Anm. 3), S. 51 f. Zur Durchführung der Säuberungskampagne siehe Kim N. B. Ninh: A World Transformed. The Politics of Culture in Revolutionary Vietnam, 1945–1965, Ann Arbor, Mich. 2002, S. 112–117. 

[6]  Siehe Truong Chinh: Chu nghia Mac va van hoa Viet-Nam [Der Marxismus und die vietnamesische Literatur], in: Ders.: Cach mang dan toc dan chu nhan dan Viet-Nam, Tac pham chon loc, Tap II [Die national-demokratische Revolution des vietnamesischen Volkes. Ausgewählte Werke, Teil II ], Hanoi 1975, S. 227. Siehe hierzu auch Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 39–47 u. Marr, David G.: A Passion for Modernity: Intellectuals and the Media, in: Luong Van Hy (Hrsg.): Postwar Vietnam. Dynamics of a Transforming Society, Lanham 2003, S. 267 f.

[7]  Zum Vietnamkrieg siehe die Überblicksdarstellungen von Duiker: Sacred War (Anm. 1) und Frey, Marc: Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums, 8. Aufl. München 2006.

[8]  Siehe Quinn-Judge, Sophie: Rethinking the History of the Vietnamese Communist Party, in: McCargo, Duncan (Hrsg.): Rethinking Vietnam, London/New York 2004, S. 27 f. und McHale, Shawn: Vietnamese Marxism, Dissent, and the Politics of Postcolonial Memory, in: Journal of Asian Studies 61 (2002), H. 1, S. 7 f.

[9]  McHale: Vietnamese Marxism (Anm. 8), S. 9. Auch die neue mehrbändige, noch nicht erschienene offizielle Geschichte Vietnams (Lich Su Viet Nam), die dem Verfasser als Manuskript vorliegt, bietet keine neue Interpretation, sondern wiederholt die orthodoxe Verurteilung der Bewegung. Die Bände wurden von Mitarbeitern der Fakultät für Geschichte der Universität für Sozial- und Humanwissenschaften Hanoi verfasst.

[10]  Vgl. z. B. die Darstellung des entscheidenden 9. Plenums 1963 und die Beziehung der LaoDong-Partei zur KPdSU und KPCh in The Military History Institute of Vietnam: Victory in Vietnam. The Official History of the People’s Army of Vietnam, 1954–1975. Translated by Merle L. Pribbenow, Lawrence, KS 2002, S. 124–126.

[11]  Dieser Beitrag beschäftigt sich explizit nicht mit dem »Alltagswiderstand« vietnamesischer Bauern in der Zeit der Kollektivwirtschaft, der einen erheblichen Einfluss auf die Einleitung der Reformpolitik durch die Lao-Dong-Partei ab 1986 hatte. Siehe dazu Kerkvliet, Benedict J. Tria: The Power of Everyday Politics. How Vietnamese Peasants Transformed National Policy, Ithaca/London 2005.

[12]  Marr: A Passion for Modernity (Anm. 6), S. 269.

[13]  Zur Stimmung unter vielen Künstlern in der Armee siehe Botschafter der DDR in der DRV Pfützner: Oppositionelle Bewegungen der Schriftsteller und Künstler gegen die Politik des ZK der Lao-Dong-Partei in Fragen der Literatur und Kunst, Hanoi, vom November 1956, in: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (im Folgenden: PA), MfAA A 8420, Bl. 31 f. Siehe außerdem Boudarel, Georges: Cents Fleurs Ecloses dans la Nuit du Vietnam. Communisme et Dissidence 1954–1956, Paris 1991, S. 89–93; Ders.: Intellectual Dissidence in the 1950s. The Nhan Van Giai Pham Affair, in: The Vietnam Forum 13 (1990), S. 158; Schütte, Heinz: Kurzlebige Hundert Blumen in Vietnam 1955–1957, in: Internationales Asienforum 33 (2002), H. 3/4, S. 278–282; Nhu Phong: Intellectuals, Writers and Artists (Anm. 3), S. 57 f.

 

[14] Tran Dan: Nhat dinh thang, in: Giai Pham Mua Xuan, Hanoi 1956, S.13–25

[15] Hintergrund seiner Festnahme war auch eine nicht parteikonforme Liaison des Dichters mit einer Katholikin aus Hanoi. Siehe Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 287– 290; Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 136–141, und Thuy Khue phong van Le Dat, Hoang Cam, Nguyen Huu Dang [Thuy Khue interviewt Le Dat, Hoang Cam, Nguyen Huu Dang], in Hop Luu 81 (2005), <http://www.hopluu.net/tryenhaingoai/ thuykhue-ledat.htm> am 01. Juni 2006, S. 7–14.

[16]  Zum Ablauf der Landreform siehe Moise, Edwin E.: Land Reform in China and North Viet-nam. Consolidating the Revolution at the Village Level, Chapel Hill/London 1983; Phm Quang Minh: Zwischen Theorie und Praxis. Agrarpolitik in Vietnam seit 1945 (= Berliner Südostasien-Studien, Bd. 3), Berlin 2003, S. 207–267; Großheim, Martin: Nordvietnamesische Dorfgemeinschaften: Kontinuität und Wandel. Vom Beginn der Kolonialzeit bis zum Ende der Vietnamkriege (= Mitteilungen des Instituts für Asienkunde, Bd. 282), Hamburg 1997, S. 197–221.

[17]  Diese Schätzung des Verfassers beruht auf Angaben in Uy Ban Cai Cach Ruong Dat lien khu Viet Bac, Doan Uy Bac Ninh: Bao cao khai mac hoi nghi tong ket cai cach ruong dat dot 5 [Landreformkomitee der Viet Bac-Interzone. Komitee für Bac Ninh: Bericht zur Eröffnung der Konferenz zum Abschluss der 5. Welle der Landreform], o. O. 1956, S. 4, und entspricht den Zahlen, die von Moise: Land Reform (Anm. 16), S. 222, genannt werden.

[18]  Zur Korrekturkampagne und den dabei auftretenden Problemen siehe Großheim: Nordvietnamesische Dorfgemeinschaften (Anm. 16), S. 207 f. u. 217–220; Pham Quang Minh: Zwischen Theorie und Praxis (Anm. 16), S. 236–260.

[19]  Siehe Nguyen Quang Hung: Katholizismus in Vietnam von 1945 bis 1975 (= Berliner Südostasien-Studien, Bd. 4), Berlin 2003, S. 204–206 und Moise: Land Reform (Anm. 16), S. 259 f.

[20]  Siehe Fall, Bernard B.: The Two Viet-Nams. A Political and Military Analysis, 3. Aufl. New York 1967, S. 156 f. und Moise: Land Reform (Anm. 16), S. 258 f. Das tatsächliche Ausmaß und die Hintergründe der Rebellion lassen sich aufgrund der schlechten Quellenlage nicht erfassen. Die These der südvietnamesischen Propaganda von einem »südostasiatischem Ungarn« scheint jedoch übertrieben zu sein. Siehe Vietnam Chapter of the Asian People’s AntiCommunist League. The Quynh Luu Uprisings o. D., in: The Vietnam Archive, Texas Tech University, Folder 12, Box 08, Douglas Pike Collection: Unit 11 – Monographs, Item Num ber: 2390812005 (Record #: 113786), S. 14, 24 u. 44. Siehe hierzu auch White, Christine P.; Agrarian Reform and National Liberation in the Vietnamese Revolution, 1920–1957. Ph. D. diss. Cornell University, Ithaca, NY 1981, S. 408.

 

[21] Zur Reaktion der nordvietnamesischen Führung auf den XX. Parteitag der KPdSU siehe Duiker, William J.: Ho Chi Minh. A Life. New York 2000, S. 481 f. Zur Bedeutung für die weitere Entwicklung im Kulturbereich siehe z. B. Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 290 f. Zur Hundert-Blumen-Kampagne siehe Goldman, Merle: Literary Dissent in Communist China, Cambridge, MA 1967, S. 129–242.

[22]  Truong Tuu: Benh sung bai ca nhan trong gioi lanh dao van nghe [Der Personenkult in der Führung von Kunst und Literatur], in: Giai Pham Mua Thu, Hanoi 1956, Bd. 2, S. 13. Siehe hierzu auch Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 286 f.

[23]  Siehe hierzu Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 161 und Thuy Khue phong van Le Dat (Anm. 15), S. 14 f.

[24]  Zum Begriff Nhan Van siehe Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 143.

[25]  Die erste Nummer erreichte eine Auflage von 2 000 Exemplaren, die zweite eine von 6 000, die dritte eine von 7 000 und die vierte Auflage eine von 12 000 Exemplaren. Siehe ebenda, S. 144. 

[26] Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 161.

[27]  Siehe Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 144.

[28]  Siehe z. B. Phan Khoi: Phe binh lanh dao van nghe [Kritik an der Führung von Kunst und Literatur], in: Giai Pham Mua Thu (Anm. 22), Bd. 1, S. 3–16, und Truong Tuu: Benh sung bai ca nhan (Anm. 22), S. 12–14. Siehe hierzu Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5, S. 149 f.)

[29]  Tran Duy: Phan dau cho tram hoa dua no [Dafür kämpfen, dass hundert Blumen miteinander wetteifern und blühen], in: Nhan Van Nr. 2 vom 30. September 1956, S. 1. Siehe auch Truong Tuu: Benh sung bai ca nhan (Anm. 22), S. 12 und H. L.: Khong co ly do ma khong tan thanh tram hoa dua no [Es gibt keinen Grund, es nicht zu begrüßen, dass hundert Blumen miteinander wetteifern und blühen], in: Nhan Van Nr. 5 vom 20. November 1956, S. 1.

[30]  Tran Duy: Phan dau (Anm. 29), S. 2. Siehe auch Sy Ngoc: Lam cho hoa no bon mua [Die Blumen in vier Jahreszeiten blühen lassen], in: Giai Pham Mua Dong, Hanoi 1956, Bd. 1, S. 27–33.

[31]  Siehe Dao Duy Anh: Muon phat trien hoc thuat [Um die Wissenschaft zu entwickeln], in: Giai Pham Mua Dong (Anm. 30), Bd. 3, 38–46.

[32]  Ebenda, S. 36 f. u. 41. Siehe auch Chung toi phong van ve van de mo rong tu do va dan chu. Y kien cua Luat su Nguyen Manh Tuong Giao Su Dai Hoc [Wir interviewen zum Problem der Ausweitung der Freiheit und Demokratie, die Meinung von Rechtsanwalt Nguyen Manh Tuong, Universitätsprofessor], in: Nhan Van vom 20. September 1956, Nr. 1, S. 5, sowie O. Ngoc va T. Hong: Phe binh lanh dao sinh vien [Kritik an der Führung der Studenten] , in: Dat moi, 1956, S. 10–12. Siehe hierzu auch Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 146.

 

[33]  Ngoc/Hong: Phe binh (Anm. 32), S. 8 f.

[34] Siehe Tran Duc Thao: Noi dung xa hoi va hinh thuc tu do [Der soziale Inhalt und die Form der Freiheit], Giai Pham Mua Dong (Anm. 30), Bd. 1, S. 18 und Tran Le Van: Khong so dich loi dung [Sich nicht vor dem Missbrauch durch den Feind fürchten], in: Nhan Van Nr. 2 vom 30. September 1956, S. 1. Siehe auch Tran Duy: Gop y kien ve phan tu do dan chu trong nghi quyet T. U. lan thu muoi [Kommentar zum Abschnitt über Freiheit und Demokratie in der Resolution des 10. (Plenums des) ZK], in: Nhan Van Nr. 5 vom 20. November 1956, S. 1 u. 5.

[35]  Siehe Tran Duc Thao: No luc phat trien tu do dan chu [Sich bemühen, die Freiheit und Demokratie zu entwickeln], in: Nhan Van Nr. 3 vom 15. Oktober 1956, S. 1 u. 5. Ähnlich argumentiert Chu Ngoc: Quan chung da chan nghe loi »chan hong« ay roi [Die Massen empfinden Widerwillen gegen die Methode des »Abwürgens«], in: Ebenda, S. 5.

[36]  Siehe Tran Duc Thao: No luc phat trien (Anm. 35), S. 5. Ähnlich äußerte sich Dao Duy Anh: Chung toi phong van ve van de mo rong tu do va dan chu, y kien cua O. Dao Duy Anh, nha su hoc [Wir interviewen zum Problem der Ausweitung der Freiheit und Demokratie, die Meinung von Dao Duy Anh, Historiker], in: Nhan Van Nr. 2 vom 30. September 1956, S. 1 f.

[37] Siehe Tran Duc Thao: Noi dung xa hoi (Anm. 34), S. 18 f. 

[38] Siehe hierzu McHale: Vietnamese Marxism (Anm. 8), S. 17 f.

[39] Nguyen Huu Dang: Can phai chinh quy hon nua [Es ist mehr Legalität nötig], in: Nhan Van vom Nr. 4 vom 5. November 1956, S. 1 u. 5. Siehe hierzu Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 153 f. und Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 165 f.

[40] Nguyen Manh Tuong: Qua nhung sai lam trong Cai cach Ruong dat – Xay dung quan diem lanh dao [Über die Fehler bei der Landreform – Auffassungen über die Führung entwickeln], <http://www.talawas.org/talaDB/showFile.php?res=4412&rb=0505> am 15. Juni 2006.

[41] Nguyen Huu Dang: Can phai chinh quy hon nua (Anm. 39), S. 5. 

[42] Ebenda und Nguyen Manh Tuong: Qua nhung sai lam (Anm. 40), S. 4–9.

[43] Nguyen Huu Dang: Hien phap Viet Nam 1946 va hien phap Trung-Hoa bao dam tu do dan chu the nao? [Wie garantieren die vietnamesische Verfassung von 1946 und die chinesische Verfassung Freiheit und Demokratie?], in: Nhan Van Nr. 5 vom 20. November 1956, S. 2. Siehe auch »Nguoi quan sat«: Bai hoc Ba-Lan va Hung-Ga-Ri [»Der Beobachter«: Die Lehren aus Polen und Ungarn], in: Ebenda, S. 1 u. 5.

[44] Zur Bedeutung des Artikels von Nguyen Huu Dang siehe Thuy Khue phong van Le Dat (Anm. 15), S. 28–30. Zum Verbot von Nhan Van siehe Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 154 f.

[45] In der Ausgabe vom 29. Dezember 1956, S. 3 wurde z. B. gemeldet, dass bereits 1 415 Leserbriefe eingetroffen seien, die die Zeitung Nhan Van kritisierten.

[46] Siehe hierzu Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 155, Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 297 und das Interview Thuy Khue phong van Le Dat

(Anm. 15), S. 30 f.

[47] Zu Bedeutung der Moskauer Konferenz siehe im einzelnen Kurihara, Hirohide: Changes in the Literary Policy of the Vietnamese Workers’ Party, 1956–1958, in: Shiraishi, Takashi/Furuta, Motoo (Hrsg.): Indochina in the 1940s and 1950s. Translation of Contemporary Japanese Scholarship on Southeast Asia, Ithaca, NY 1992, S. 183–191; Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 299; Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 170 f. Zum chinesischen Einfluss auf die »Nhan-Van/Giai-Pham-Affäre« siehe Yinghong Cheng: Beyond Moscow-Centric Interpretation: An Examination of the China Connection in Eastern Europe and North Vietnam during the Era of De-Stalinization, in: Journal of World History 14 (2004), H. 4 <http://www.historycooperative.org/journals/jwh/15.4/cheng.html> vom 1. Juni 2006, S. 26–49.

[48]  Kurihara, Hirohide: Changes in the Literary Policy (Anm. 47), S. 183.

[49]  Zu den Kursen siehe Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 171, Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 299, Thuy Khue phong van Le Dat (Anm. 15), S. 36–39.

[50]  Zitiert bei Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 171. Ein typischer Artikel ist: Nhu Phong: Bo mat that cua nhom pha hoai »Nhan van – Giai Pham« [Das wahre Gesicht der zerstörerischen »Nhan-Van/Giai-Pham«-Gruppe], in: Nhan Dan vom 14. April 1958, S. 3 f.

[51]  Siehe hierzu Kim N. B. Ninh: A World Transformed (Anm. 5), S. 160, Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 299 und McHale: Vietnamese Marxism (Anm. 8), S. 19 f. Siehe als Beispiel: Doan Gioi: Tu tuong phan dong trong sang tac cua Phan Khoi [Reaktionäres Gedankengut im Werk von Phan Khoi], in: Van Nghe 8 (1958), H. 15, S. 91–99.

[52]  To Huu: Qua cuoc dau tranh chong nhom pha hoai »Nhan Van – Giai Pham« tren mat tran van nghe [(Lehren) aus dem Kampf gegen die zerstörerische »Nhan-Van/Giai-Pham«Gruppe an der Kunst- und Literaturfront], in: Van Nghe (7-1958), Nr. 14, S. 1–25. Siehe auch Nguyen Dinh Thi: Chong chu nghia xet lai trong van nghe [Gegen den Revisionismus in der Kunst und Literatur], in: Hoc Tap (3-1958), S. 5–22.

[53]  Siehe Tran Duc Thao: Noi dung xa hoi (Anm. 34), S. 18 f.; Sy Ngoc: Bat man? [Unzufrieden?], in: Nhan Van Nr. 3 vom 15. Oktober 1956, S. 6; Truong Tuu: Benh sung bai ca nhan (Anm. 22), S. 7.

[54]  Nguyen Dinh Thi: Chong chu nghia xet lai (Anm. 52), S. 6 f.

[55] To Huu: Qua cuoc dau tranh (Anm. 52), S. 10. Siehe auch Nguyen Dinh Thi: Chong chu nghia xet lai (Anm. 52), S. 7–10.

[56] To Huu: Qua cuoc dau tranh (Anm. 52), S. 6.

[57] Siehe ebenda, S. 14 und Nguyen Dinh Thi: Chong chu nghia xet lai (Anm. 52), S. 10 f.

[58] Siehe hierzu den Bericht von Hoai Thanh: Di vao thuc te [In die Wirklichkeit gehen], in: Van Nghe Nr. 15 vom August 1958), S. 6–8, Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 299 f.; Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 172.

[59] Siehe hierzu Schütte: Kurzlebige Hundert Blumen (Anm. 13), S. 300 f. und Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 171–173. Siehe auch die Aussagen von Le Dat und Hoang Cam: Thuy Khue phong van Le Dat (Anm. 15), S. 44–49. 

[60] Thuy Khue phong van Le Dat (Anm. 15), S. 55–57.

[61] Botschaft der DDR in der DRV, Kittler: Über den Kampf gegen rechte Elemente in der Literatur und Kunst der Demokratischen Republik Vietnam [1958?] in: PA, MfAA/A 8494, Bl. 87.

[62] Ebenda, Bl. 87 f.

[63] Siehe Heng, Russell Hiang-Khng: Of the State, for the State, Yet Against the State: The Struggle Paradigm in Vietnam’s Media Politics. Ph. D. diss. Australian National University, Canberra 1999, S. 127 u. 131.

[64]  Zu Le Duan und Le Duc Tho siehe Duiker: Ho Chi Minh (Anm. 21), S. 497–505.

[65]  Siehe Heng: Of the State (Anm. 63), S. 117 f. Zur Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion in dieser Phase siehe Gaiduk, Ilya V.: The Soviet Union and the Vietnam War, Chicago 1996, S. 3–11 und Ders.: Confronting Vietnam: Soviet Policy toward the Indochina Conflict, 1954–1963, Stanford 2003, S. 200–204.

[66] Siehe Heng: Of the State (Anm. 63), S. 118–120.

[67] Siehe ebenda, S. 124 f.

[68] Siehe ebenda, S. 129 f.

[69] Dies zeigte sich in der Haltung der DRV zum Atombomben-Teststoppabkommen. Siehe u. a. Qiang Zhai: China and the Vietnam Wars (Anm. 2), S.122–124; Allgemeine Deutsche Nachrichtenagentur (ADN) Hanoi, Pommerening: Zur politischen Situation in der DRV vom 31. August 1963, in: Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (im Folgenden: SAPMO-BArch), DC 900/54, Bl. 1.

[70]  Le Duc Tho: Phat huy truyen thong cach mang, tang cuong suc manh chien dau cua Dang [Die revolutionäre Tradition weiterentwickeln und den Kampfeswillen der Partei stärken], in: Nhan Dan vom 2. September 1963, S. 2 u. 4.

[71]  Hong Chuong: Do la van de tu tuong hoac la van de nghe thuat? [Ist dies ein Problem der Ideologie oder der Kunst?], in: Hoc Tap vom August 1963, S. 50. Siehe hierzu Heng: Of the State (Anm. 63), S. 131 f. und Tran Thu: Tu tu xu ly noi bo (hoi ky) [Zum Tode verurteilt, interne Regelung (Memoiren)], o. O. [Kalifornien/USA] 1996, S. 120–124.

 

[72] Botschaft der DDR in der DRV, Matzke: Aktenvermerk Nr. 117/63, Vermerk über eine gegenseitige Information im Ministerium für Kultur der DRV am 23. August 1963 vom 7. September 1963 in: SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/907/100, Bl. 1.

[73] Zur Analyse des 9. Plenums siehe Duiker: Ho Chi Minh (Anm. 21), S. 534–538 und Vu Thu Hien: Dem giua ban ngay: Hoi ky chinh tri cua mot nguoi khong lam chinh tri [Nacht mitten am Tag: Politische Memoiren eines Nicht-Politikers], Westminster, CA 1997, S. 273–275.

[74] Siehe u. a. Informationsbericht des ADN-Korrespondenten in Hanoi, Pommerening: Information über das 9. Plenum des ZK der PWV, Jan. [?] 1964, in: PA, MfAA/A 8749, Bl. 065. 

[75] Botschaft der DDR Hanoi, Botschafter Bergold: Vermerk über das Novemberplenum der PWV und die Entwicklung innerhalb der Partei vom 10. Dezember 1963, in: PA, MfAA/GA 324, Bl. 124–127.

[76]  Eine detaillierte Diskussion der Thematik findet sich in Großheim, Martin: Revisionism in the Democratic Republic of Vietnam: New Evidence from the East German Archives, in: Cold War History 5 (2005), H. 4, S. 451–477 und Ders.: Dissens in Nordvietnam: Die »AntiPartei-Affäre« und der Krieg (1963–1967), in: Internationales Asienform 37 (2006), H. 1/2, S. 119–142.

[77] Botschaft der DDR Hanoi, Bibow: Einschätzung der Entwicklung der politischen Situation in der DRV nach dem 9. Plenum des ZK der PWV im Dez. 1963/Januar 1964 vom 27. Mai 1964, in: PA, MfAA/G-A 324, Bl. 073.

[78] Le Duc Tho: Tang cuong mat tran tu tuong de cung co Dang [Die ideologische Front festigen, um die Partei zu stärken], in: Nhan Dan vom 3.–5. Februar 1964, S. 2.

[79] Ebenda. 

[80] Siehe z. B. Botschaft der DDR Hanoi: Einschätzung der Entwicklung (Anm. 77), Bl. 074.

[81] Zur Einschätzung des Todes von Duong Bach Mais siehe Informationsbericht des ADNKorrespondenten in Hanoi, Pommerening vom 27. April 1964, in: SAPMO-BArch, DY 30/IV A2/20/441; Botschaft der DDR Hanoi: Einschätzung der Entwicklung (Anm. 77), Bl. 079, 1. Außereuropäische Abteilung (1. AEA), Sektion Vietnam, Mehlig vom 29. April 1964, Betr.: Haltung der PWV zu den Meinungsverschiedenheiten in der internationalen Arbeiterbewegung, in: PA, MfAA/A 8725, S. 66 sowie die Darstellung in Vu Thu Hien: Dem giua ban ngay (Anm. 73), S. 275 f.

[82]  Siehe To Huu: Dung vung tren lap truong giai cap vo san, nang cao nhiet tinh cach mang va tinh chien dau trong van nghe [Fest auf dem proletarischen Klassenstandpunkt stehen, den revolutionären Enthusiasmus und den Kampfgeist in der Literatur und Kunst stärken], in: Hoc Tap vom Oktober 1964, S. 1–23; Hong Chuong: Hai quan niem ve chu nghia nhan dao [Zwei Ansichten über den Humanismus], in: Hoc Tap vom Oktober 1964, S. 24–35. Siehe hierzu Botschaft der DDR Hanoi, Matzke: Einschätzung über die Kulturpolitik und kulturelle Entwicklung in der DRV, unter besonderer Berücksichtigung der Verwirklichung der Beschlüsse des 9. Plenums des ZK der Partei der Werktätigen Vietnams auf dem Gebiete der Kunst und Literatur vom 24. November 1964, in: SAPMO-BArch, DY 30/IV A2/20/437.

[83]  Tatsächlich waren die Filme Čuchrajs Produkte des Tauwetters in der Sowjetunion und fanden auch im Westen großen Anklang. Zur Kritik siehe Hong Chuong: Hai quan niem (Anm. 82), S. 29–32. Zum »schädlichen« Einfluss von Kulturgütern aus sozialistischen Staaten siehe auch To Huu: Dung vung (Anm. 82), S. 10–13. 

[84]  Siehe To Huu: Dung vung (Anm. 82), S. 16. 

[85]  Siehe To Huu: Dung vung (Anm. 82), S. 18 und Hong Chuong: Hai quan niem (Anm. 82), S. 34.

[86]  Zur Kampagne allgemein siehe Vu Thu Hien: Dem giua ban ngay (Anm. 73), S. 131 f. u. 186– 189 und Tran Thu: Tu tu (Anm. 71), S. 122–124. Zu den »Fällen« Ha Minh Tuan und Phu Thang siehe Boudarel: Intellectual Dissidence (Anm. 13), S. 172 bzw. Tran Dang Khoa: Chan dung va doi thoai: Binh luan van chuong [Porträts und Gespräche. Kommentare zur Literatur], Hanoi 1999, S. 61–75.

[87]  ADN-Auslandsstelle Hanoi/Vietnam, Faber: An Genossin Wieland vom 14. Oktober 1964, in: SAPMO-BArch, DC 900/296a.

[88]  Văn Doãn beging später in Moskau Selbstmord. Stowe, Judy: »Revisionnisme« au Vietnam, in: Communisme 65/66 (2001), S. 238.

[89]  Siehe hierzu die Akten in Probleme bei der Ausbildung vietnamesischer Studenten in der DDR vom November 1963 bis 1964, in: PA, MfAA/A 8738; Ausbildung vietnamesischer Studenten, Aspiranten, Fachschüler und Praktikanten in der DDR 1965–1969, in: PA, MfAA/C 865/72; Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, MfS Abt. X SA 339 sowie Feige, Michael: Vietnamesische Studenten und Arbeiter in der DDR und ihre Beobachtung durch das MfS, (= Sachbeiträge. Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Sachsen-Anhalt, H. 10) Magdeburg 1999, S. 21–38.

[90]  Die Verhaftung erfolgte auf der Grundlage eines neuen Gesetzes: Phap lenh trung tri cac toi phan cach mang [Gesetz zur Bestrafung konterrevolutionärer Verbrechen], in: Hoc Tap 1968, H. 4, S. 71–75. Zur Verhaftungswelle siehe Stowe: »Revisionnisme« (Anm. 88), S. 5–7, Boudarel, Georges: 1965–75: War or Peace, in: Ders./Nguyen Van Ky: Hanoi (Anm. 5), S. 136–140. Warum die Festnahmen erst 1967 durchgeführt wurden, ist nach wie vor unklar. Siehe die neuesten Erklärungsversuche in Quinn-Judge, Sophie: The Ideological Debate in the DRV and the Significance of the Anti-Party Affair, 1967–68, in: Cold War History 5 (2005), H. 4, S. 479– 500, und Lien-Hang T. Nguyen: The War Politburo: North Vietnam’s Diplomatic and Political Road to the Tet Offensive, in: Journal of Vietnamese Studies 1 (2006), H. 1-2, S. 26–28.

[91]  Siehe hierzu vor allem die Erinnerungen von Vu Thu Hien: Dem giua ban ngay (Anm. 73). 

[92]  Siehe u. a. Botschaft DDR Hanoi, Bergold: An MfAA [Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten], Abt. Ferner Osten, Schneidewind vom 24. August 1967, in: PA, MfAA/G-A 358, Bl. 44. Im Januar 1968 waren der Botschaft immerhin die Namen von zwei Verhafteten bekannt. Siehe ADN Hanoi, Feldbauer: An Korr-Büro Ausland, ADN-Berlin vom 3. Januar 1968, in: SAPMO-BArch, DC 900, Zg. 73, Az. 5210.

[93]  Siehe hierzu Gaiduk: The Soviet Union (Anm. 65), S. 71.

[94]  Siehe hierzu Quinn-Judge: The Ideological Debate (Anm. 90), S. 494.

[95]  Siehe hierzu Marr: A Passion for Modernity (Anm. 6), S. 274–276.

[96]  Dies erbrachte eine Recherche im Online-Katalog der Nationalbibliothek Hanoi »http://www.nlv.gov.vn/opac/« vom 18. Juli 2006.

[97] Auch der frühere Geschichtsprofessor Dao Duy Anh, der wie Thao nach 1958 seine Professur an der Universität Hanoi verlor, erhielt diese Ehrung.

[98] Siehe hierzu McHale: Vietnamese Marxism, (Anm. 8), S. 24. 

[99] Thu Ha: Thu tuong giu ban thao cho nha triet hoc [Der Ministerpräsident bewahrt die Manuskripte für den Philosophen auf], in: <http://www.tuoitre.com.vn/Tianyon/Index.aspx?Article ID=141600&ChannelID=3> vom 18. Juli 2006.

[100] Pham Thanh Hung: Triet gia lu hanh Tran Duc Thao [Der reisende Philosoph Tran Duc Thao], in: <http://100years.vnu.edu.vn:8080/BTDHQGHN/Vietnamese/C1778/C1779/ 2006/03/7321> vom 18. Juli 2006. 

[101] Auch Dao Duy Anhs Bücher wurden seit Ende der 1980er Jahre wieder veröffentlicht. Wie Tran Duc Thao zählte er wieder offiziell zur Phalanx der hervorragendsten vietnamesischen Wissenschaftler. Siehe hierzu Phan Huy Le: GS Dao Duy Anh, Nha su hoc va nha van hoa lon [Professor Dao Duy Anh, ein großer Philosoph und Kulturwissenschaftler], in: <http://100years.vnu.edu.vn:8080/BTDHQGHN/Vietnamese/C1778/C1779/2006/05/N 7673/> vom 18. Juli 2006.

[102] Er durfte z. B. einen Artikel in der Geschichtszeitschrift Xua & Nay veröffentlichen. Siehe hierzu Marr, David G.: History and Memory in Vietnam Today: The Journal Xua & Nay, in: Journal of Southeast Asian Studies 3 (2000), S. 15 f. Außerdem wird auf seine Rolle während der August-Revolution 1945 hingewiesen. Siehe An Nhi: Ba cau chuyen: »chon nguoi theo viec« cua Ho Chu Tich [Drei Geschichten über drei von Präsident Ho Chi Minh je nach Aufgabe ausgewählten Personen], in: <http://www.vnn.vn/ chinhtri/2006/05/572495 vom 17. Juli 2006.

[103] Nguyen Hoa: Giai thuong van chuong – Quy che va tac pham [Literaturpreise – Reglements und Werke], in: <http://www.tienphongonline.com.vn/Tianyon/Index.aspx?Article ID=53549&ChannelID=7> am 17. Juli 2006.

[104] Nguyen Huy Tuong: Nhat ky, 3 Tap [Tagebücher. 3 Bde.], Hanoi 2006. Siehe insbesondere den dritten Band: Nghe si & Cong dan [Künstler und Bürger]. 

[105] Siehe hierzu Tran Thu: Tu tu (Anm. 71), S. 218–275 und Abuza, Zachary: Renovating Politics in Contemporary Vietnam, Boulder, Col. 2001, S. 62–65.

[106] Plattform ist wiederum die Zeitschrift Xua & Nay. Siehe Marr: History (Anm. 102), S. 16 f.

[107] Minh Tranh in dem Band 50 nam Vien Su Hoc: Nhung bai viet chon loc (1953–2003) [50 Jahre Institut für Geschichte: Ausgewählte Beiträge], Hanoi 2003, und Bui Cong Trung in: Nhung van de kinh te Viet Nam [Wirtschaftliche Probleme Vietnams]. Hanoi 2005. 

Inhalt – JHK 2007

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