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Tod dem Roten Terror! Antikommunismus, gesellschaftlicher Konsens und Widerstand in Lettland 1943 bis 1946

JHK 2007 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 137-159 | Aufbau Verlag

Autor/in: Björn M. Felder

Feste Schläge hämmerten am Abend des 30. Oktober 1945 gegen die Haustür. Verschreckt öffnete der Leiter der Fischerbrigade des lettländischen Küstenortes Pilsberg (Jūrkalne). Der Fischer ahnte nichts Gutes, kannte er doch die willkürliche Gewalt der neuen sowjetischen Besatzer, die im Mai 1945 die männlichen Bewohner Kurlands kollektiv in so genannte »Filtrationslager« gesperrt hatten: Viele wurden dort misshandelt, tausende von dort nach Osten deportiert. Ein Trupp schwer bewaffneter Rotarmisten stürmte das Haus. Der Truppführer, ein Offizier in der Uniform der sowjetischen Staatssicherheit NKVD, schrie auf den Fischer in Russisch ein, ein Soldat übersetzte: Dies sei eine streng geheime Sonderoperation gegen »faschistische Banditen« – gemeint waren antisowjetische Partisanen. Er solle sofort ein Boot klarmachen, mit ausreichend Sprit versehen und die Soldaten aufs Meer fahren. Der Brigadeleiter folgte den Anweisungen. Wenig später schob sich das Boot mit dem Namen »Irbīte« an den Barrikaden vorbei, die den Hafen versperren und nahm Kurs auf das offene Meer. Erste Zweifel kamen dem Fischer, als sie weiter ab am offenen Strand weitere Menschen aufnahmen und der NKVD-Offizier anschließend befahl, nach Westen zu steuern. Am nächsten Morgen hatte die »Irbīte« die Ostsee überquert und die schwedische Insel Gotland erreicht.[1] Die Mitglieder der vermeintlichen NKVD-Spezialeinheit waren tatsächlich antisowjetische Partisanen. Sie waren Mitglieder der Organisation der lettischen Nationalpartisanen (Latvijas Nacionālo partizaņu organizācija, LNPO), der größten Vereinigung von Widerstandskämpfern in Kurland. Für mehrere der 17 Passagiere bedeutete die Überfahrt die Flucht in den freien Westen. Die LNPOMitglieder kontaktierten in Schweden den Lettischen Zentralrat (Latvijas Centrālā padome, LCP), um weitere Widerstandsaktionen zu koordinieren.

Der Krieg in Europa war zwar offiziell zu Ende, doch im von Stalin eroberten Mittelosteuropa ging der bewaffnete Konflikt weiter. Zahlreiche Widerstandsgruppen widersetzten sich den neuen sowjetischen Herrschern. Vom Baltikum über die Ukraine bis nach Rumänien flammte 1944 ein Guerillakrieg auf, der bis in die 50er Jahren anhielt und von beiden Seiten erbarmungslos geführt wurde. Im Gegensatz zu den Volksaufständen in anderen Ländern, wie 1953 in der DDR und 1956 in Ungarn, ist der baltische Widerstand nach 1945 im westlichen Europa kaum bekannt. Sieht man davon ab, dass das Baltikum ohnehin in Westeuropa bis 1991 kaum wahrgenommen wurde, lag dies zum einen daran, dass kaum Flüchtlinge von dort in den Westen gelangten. Die »Irbīte« war eines der letzten baltischen Flüchtlingsboote, die bis 1990 den Westen erreichten.[2] Der Eiserne Vorhang verlief direkt über die baltischen Küsten, die zum Sperrgebiet erklärt wurden und mit Wachtürmen, Grenzposten und Stacheldraht abgeriegelt waren. Zum anderen war dies ein Erfolg der sowjetischen Propaganda, die die baltischen Widerstandskämpfer kollektiv als »faschistische Agenten«, »Nazi-Kollaborateure« oder schlicht als »Banditen« diffamierte. Tatsächlich hatten sich einige Gruppen von den Deutschen ausrüsten lassen oder sich vor Ende des Krieges an deutschen Vorbereitungen für den Partisanenkrieg beteiligt, wie etwa die LNPO. Die baltischen Widerstandsgruppen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit rekrutierten ihre Mitglieder jedoch aus sämtlichen Bevölkerungsschichten und repräsentierten das gesamte politische Spektrum von der äußersten Rechten bis zu den Sozialdemokraten. Diese nationale »Volksfront« war gleichsam antikommunistisch wie antinazistisch und bestrebt, ein unabhängiges Lettland zu restituieren. Dieser nationale Konsens war eine Folge des Prozesses der starken politischen Ethnisierung in Mittelosteuropa. Seit der lettischen Staatsgründung 1918 und der Zurückschlagung der militärischen Intervention Sowjetrusslands war das nationale Selbstverständnis zum zentralen Moment der sozialen und politischen Integration geworden. Abgesehen davon, dass Lettland bis zum Zweiten Weltkrieg ein Agrarstaat war, betrachteten sich auch lettische Arbeiter immer zuerst als Letten. Die Entstehung des Antikommunismus war durch das Hervorgehen des lettischen Staates aus dem Kampf gegen die Rote Armee (1918 bis 1920) vorgezeichnet. Die sowjetische Besatzung 1940/41, von der lettischen Bevölkerung vor allem als Fremdherrschaft wahrgenommen, hatte zudem durch Terror und Massendeportationen sowohl den Antikommunismus als auch xenophobe Denkweisen in der Bevölkerung radikalisiert. So war der Partisanenkrieg im Baltikum von 1944 bis 1953 kein »Bürgerkrieg«, wie manche Historiker glauben,[3] also einer meist ideologischen Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien innerhalb einer Nation, sondern vielmehr ein Kampf zwischen der autochthonen Bevölkerung und der sowjetischen Besatzungsmacht, die sich offen als »russisch« bezeichnete und die auch, was die Machtinstanzen Partei, Militär und Staatssicherheit anging, zumeist aus Russen bestand. Die russische Minderheit Lettlands, die bereits vor 1940 dort lebte, war aus einer nationalistischen Disposition heraus in einem nicht unerheblichen Maße prosowjetisch, spielte aber in der neuen sowjetischen Verwaltung keine herausragende Rolle. Nach dem Zensus von 1935 waren von den 1,9 Mio Bewohnern Lettlands ca. 75,5 % Letten, 10 % Russen, 4,5 % Juden und 3,1 % Deutsche.

Am Beispiel von drei bedeutenden Widerstandsorganisationen wird im Folgenden der nationale und antikommunistische Konsens der baltischen Widerstandsgruppen und ihrer Netzwerke im dargestellt. Bei den drei Organisationen handelt es sich um: 1. den überparteilichen, demokratischen Lettischen Zentralrat (LCP), 2. die nationalistischen Wächter Lettlands (Latvijas Sargi) und 3. die ursprünglich von der deutschen Besatzungsmacht initiierte Organisation der lettischen Nationalpartisanen (LNPO). Zuvor wird auf die bisherige Geschichtsschreibung zum Thema und auf den Antikommunismus in der lettischen Gesellschaft von 1918 bis Ende der 40er Jahre eingegangen.

Zur Historiographie über die lettischen »Waldbrüder«

Die Forschung zum Nachkriegswiderstand im Baltikum begann erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 und der Öffnung der Archive. Sie wurde zunächst hauptsächlich von baltischen Wissenschaftlern betrieben.[4] In den 80er Jahren war eine historische Gesamtdarstellung der baltischen Staaten vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart erschienen, die von baltisch-amerikanischen Wissenschaftlern in den USA verfasst worden war und dem Nachkriegswiderstand ein Kapitel widmete.[5] Während des Kalten Krieges war die Geschichtsschreibung eine wichtige Frontlinie. Für die Emigranten im Westen war der antisowjetische Widerstand ein wichtiges Argument gegen die sowjetische Propaganda von der »Befreiung« der baltischen Staaten, deren »freiwilligen« Beitritt zur Sowjetunion und den angeblich »demokratischen« Charakter der baltischen Sowjetrepubliken, so auch für Ādolfs Šilde in seinem Buch über die Nachkriegspartisanen, die im Baltikum als »Waldbrüder« bezeichnet werden.[6] Sonst erschienen aufgrund der fehlenden Informationen aus Sowjetlettland kaum Arbeiten. Diejenigen Widerständler, die nach dem Krieg verhaftet wurden und den Gulag überlebten, konnten erst seit den 70er Jahren in den Westen auswandern. Außerdem waren manche Emigranten in Aktionen westlicher Geheimdienste involviert, die zu Beginn der 50er den dortigen Widerstand zum Teil unterstützten und das Baltikum zur Einschleusung von Agenten in die Sowjetunion nutzten.[7] So sollte Freds Launags, ein Partisan, der an jenem Oktobertag 1945 mit der »Irbīte« über die Ostsee floh, später sowohl für schwedische und amerikanische Dienste als Ausbilder arbeiten.[8] 

In der Lettischen SSR war das Thema des antikommunistischen Widerstandes bis in die Perestrojka-Zeit Tabu. Der Stalinsche Befreiungsmythos des «Großen Vaterländischen Krieges» und die sowjetische Staatsdoktrin ließen keinen Platz für Abweichungen.[9] Die antisowjetischen Partisanen kamen in der offiziellen Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg so gut wie nicht vor und wurden, wenn sie überhaupt erwähnt wurden, als »faschistische Banditen« dämonisiert.[10] Es war bis 1991 die Strategie Moskaus, das nationale Selbstverständnis der nichtrussischen Völker als »Nationalismus« oder »Faschismus« zu denunzieren und nur auf folkloristischem Niveau zu tolerieren. Als zur Zeit des »nationalen Erwachens« in den 80er Jahren in den baltischen Staaten Fürsprecher der Unabhängigkeitsbewegungen die Widerstandskämpfer aus den 40er Jahren zu neuen nationalen Ikonen erhoben, wurde dies von der sowjetischen Führung heftig bekämpft. Sie wurden kollektiv als »NS-Kollaborateure« und »faschistische Agenten« bezeichnet und für die Verbrechen der deutschen Nationalsozialisten verantwortlich gemacht.[11] Der KGB recherchierte sogar in seinen Akten über Personen, die nach dem Krieg verurteilt worden waren, nach belastendem Material und führte erneut Verhöre durch.[12] Jānis Dzintars, Mitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften, verfasst für den lettischen KGB Propagandaschriften, die unter Titeln wie »Die lettische faschistische Bourgeoisie in der Knechtschaft der Hitlerischen Geheimdienste« den gesamten antisowjetischen Widerstand als von den Nationalsozialisten initiiert desavouieren sollten.[13] Dieses Bild wurde im Westen sehr häufig unreflektiert übernommen und spiegelte sich noch nach 1990 in der westlichen Berichterstattung über die Unabhängigkeitsbewegungen im Baltikum wider. 

In der neuen Lettischen Republik von 1991 wurden die »Waldbrüder« zu einem wichtigen Teil des nationalen Selbstverständnisses. Ehemalige Mitglieder hatten nach Haft und jahrzehntelanger gesellschaftlicher Ächtung nun die Möglichkeit, ihre Erlebnisse offen zu artikulieren. Es entstanden Sammelbände, in denen Erinnerungen zusammen mit Quellen und Forschungsberichten publiziert wurden und die zum Teil eine undifferenzierte Sichtweise auf den antisowjetischen Widerstand aufweisen.[14] Doch entstand in Lettland seit 1991 keine staatliche Heldenverehrung wie der sowjetische Partisanenkult. Die Geschichtswissenschaft beschäftigte sich zunächst mit den Partisanengruppen der Nachkriegszeit und der Bekämpfung des Widerstandes durch die Sowjetmacht. Für zeitgenössische lettische Historiker kämpften die Widerständler für einen unabhängigen lettischen Staat. Die Lettische Historikerkommission (Latvijas Vēstures komisija), die 1998 zur Aufklärung der Verbrechen der totalitären Regime gegründet wurde, widmete sich auch dem Nachkriegswiderstand.[15] Heinrihs Strods schrieb ein umfangreiches Werk zu den Nachkriegspartisanen und gab zwei Quelleneditionen zum Partisanenkrieg heraus.[16] Strods sieht eine Kontinuität des antisowjetischen Widerstandes von 1944 bis 1990.[17] Sein deskriptiver Ansatz lässt wenig Raum für Analyse, wird dennoch oft in der lettischen Forschung übernommen.[18] Allgemein ist man bemüht, die Verbindungen des lettischen Widerstands und der Dienststellen der nationalsozialistischen Besatzer zu marginalisieren. Besonders Interesse gilt dem Lettischen Zentralrat (LCP), einem Zusammenschluss aus Mitgliedern der lettischen Vorkriegsparteien von 1943, der heute als demokratische Tradition des antisowjetischen Widerstands gesehen wird.[19] Zuletzt widmeten sich auch westliche Historiker wie Geoffrey Swain den Nachkriegspartisanen.[20] Auch der Autor hat bereits auf den pragmatischen Kurs des lettischen Widerstandes hingewiesen, der 1944 mit Organen des Reichssicherheitshauptamts kooperierte, um ihren antisowjetischen Widerstandes zu organisieren.[21]

Lettische Gesellschaft und Antikommunismus

Der antikommunistische Konsens innerhalb der lettischen Gesellschaft war ein entscheidender Faktor für die Entstehung des antisowjetischen Widerstandes seit 1944. Zum einen war dies Folge der Entwicklung des nationalen Selbstverständnisses seit 1918, das die lettische Nation und den lettischen Staat als höchsten Wert ansah und soziale Unterschiede in den Hintergrund drängte. So wurde beim sowjetischen Einmarsch im Juni 1940 die Rote Armee keineswegs von den lettischen Arbeitern als »Befreier« begrüßt. Auch der NKVD berichtete 1940 von einer »ungesunden Stimmung« innerhalb der lettischen Arbeiterschaft.[22] In der Tat wurde die sowjetische Besatzung von einer breiten lettischen Bevölkerungsmehrheit als politische und ethnische Fremdherrschaft wahrgenommen. Der lettische Staat mit seinen Institutionen wurde zerschlagen und der Staatsführer Kārlis Ulmanis in die Sowjetunion deportiert, wo er 1942 starb. Ulmanis, der 1918 eine führende Rolle bei der Gründung Lettlands gespielt hatte und später mehrmals Ministerpräsident des Landes gewesen war, hatte sich 1934 an die Macht geputscht und eine autoritäre, aber wenig gewaltsame Herrschaft aufgebaut. Gleichwohl verbanden viele Letten die Ulmanis-Diktatur mit ihrem Begriff von »Lettland«. Hinzu kam, dass sich 1940 die neuen Institutionen wie die Kommunistische Partei, Rote Armee und Staatssicherheit in der Mehrheit aus NichtLetten zusammensetzten. Die Kommunistische Partei Lettlands (LKP) bestand im Herbst 1940 nur zu einem Drittel aus ethnischen Letten, während sich die anderen Mitglieder zwei Drittel je aus Russen und Juden rekrutierten.[23] Für Stalin, der stark in ethnischen Kategorien dachte, galten Letten grundsätzlich als »konterrevolutionär«. 1937 hatte er die Letten in der Sowjetunion zur »Feindnation« erklärt und ließ sie die Partei von ihnen »säubern«. 1940 wurde folglich die Lettische SSR von Nicht-Letten kontrolliert und gegen die Titularnation ausgespielt.[24] Eine Strategie, die auch in den übrigen baltischen Staaten und den besetzten polnischen bzw. westukrainischen Gebieten zur Anwendung kam. Der sowjetische Terror und die Massendeportation vom Juni 1941, bei der etwa 15 400 Menschen, meist Angehörige der lettischen Elite, verschleppt wurden, steigerten den Antikommunismus der lettischen Bevölkerung noch mehr. Die furchtbaren Ereignisse wurden in der Bevölkerung damals als Genozid wahrgenommen. So bildeten sich nach dem deutschen Angriff am 22. Juni 1941 erste Partisanengruppen, die gegen die abrückenden Rotarmisten kämpften.[25] Viele Letten begrüßten die deutschen Besatzer als »Befreier«, wurden in ihren Erwartungen aber bereits binnen weniger Wochen enttäuscht. Weder erfüllte sich ihr Traum eines lettischen Freistaates, noch wurden Letten von den Nationalsozialisten als gleichwertige Partner anerkannt, vielmehr zeigte sich rasch der rassistische und kolonialistische Charakter des neuen Besatzungsregimes.[26] Bereits im Herbst 1941 formierten sich erste Widerstandsgruppen neu, die zumeist schon unter den Sowjets 1940 bestanden hatten. So verurteile etwa die Latviešu Nationalistu savienība (Vereinigung der lettischen Nationalisten) in ihrer Flugschrift Tautas balss (Volksstimme) nicht nur die Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung, sondern kritisiert auch, dass für diese Aktionen im Spätsommer 1941 von der deutschen Sicherheitspolizei vor allem lettische Polizisten abkommandiert worden waren, um den Erschießungen einen »lettischen« Anstrich zu geben.[27] Die Sowjets wurden von den Widerständlern zu »Todfeinden« erklärt.[28] Zugleich wollten zehntausende Letten freiwillig gegen Stalin kämpfen, wurden aber von den Nationalsozialisten selten an der Front eingesetzt, sondern in schlecht ausgerüsteten Polizeibataillonen im Partisanenkampf verheizt. Bis zur allgemeinen Zwangsmobilisierung der lettischen Bevölkerung im März 1943 hatten sich über 40 000 Männer aus einer Mischung aus Nationalismus und Antikommunismus freiwillig für den »Kreuzzug gegen den Bolschewismus« gemeldet.[29]

Der Lettische Zentralrat (LCP) und der nationale Konsens von 1943

Als sich Anfang 1943 die Kriegswende abzeichnete, begann eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen lettischen Untergrundgruppen. Die Niederlage der Achsenmächte bedeutete vor allem die Rückkehr der Sowjets, was von den meisten Letten mit einer nationalen Katastrophe gleichgesetzt wurde. Es zeichnete sich eine Allianz von der äußersten Rechten bis zu den Sozialdemokraten ab. Der Lettische Zentralrat (Latvijas Centrālā Padome, LCP) war Ausdruck dieses nationalen Konsenses zur Wiedererrichtung eines lettischen Nationalstaates. Dort fanden sich im Sommer 1943 Mitglieder der ehemaligen bürgerlichen Parteien, Beamten, Militärs und andere Systemträger der Lettischen Republik und des UlmanisRegimes unter der Leitung des Universitätsprofessors Konstantīns Čakste zusammen.[30] Sie lehnten die sowjetisch-russische Herrschaft ebenso ab wie die nationalsozialistisch-deutsche. Viele LCP-Mitstreiter hatten bis zu diesem Zeitpunkt Ämter in der lettischen Zivilverwaltung unter deutscher Kontrolle innegehabt. Čakste lehrte weiterhin an der Lettischen Universität in Riga. Alberts Klīve, vormals Staatspräsident der Lettischen Republik, wurde 1943 Generaldirektor für Justiz in der »Landeseigenen Verwaltung«.[31] Doch waren für ihr Engagement in der Zivilverwaltung mehr patriotische als opportunistische Motive ausschlaggebend. Bereits im Juni 1940, nach Beginn der sowjetischen Besatzung, hatten sich Čakste und sein Bruder Mintauts in bürgerlichen Kreisen für den antisowjetischen Widerstand stark gemacht. Zusammen mit anderen Intellektuellen gründeten sie den Demokratischen Block, der in der von den Sowjets ausgerufenen Wahl gegen den kommunistischen Einheitsblock antreten sollte. Da dies den Besatzern nicht in ihr Konzept der inszenierten Wahl passte, wurde die Wahlliste verboten und viele Mitglieder verhaftet.[32] Auch nach dem deutschen Einmarsch wurden die konspirativen Netzwerke aufrechterhalten. Die Mitglieder des LCP hofften vor allem auf westliche Unterstützung. Seit 1940 informierten sie über ihre ehemaligen Botschafter die Regierungen der USA und Großbritanniens über die Ereignisse in Lettland unter sowjetischer und nationalsozialistischer Besatzung.[33] 1943 versuchte der LCP bei den Westalliierten – die USA hatte die sowjetische Okkupation Lettlands nie anerkannt –, Hilfe für einen unabhängigen Nachkriegsstaat zu erhalten. 

Die Widerständler des LCP versuchten eine breite antikommunistische Volksfront zu schmieden. Hierfür wurden sämtliche politischen und gesellschaftlichen Gruppen miteinbezogen oder zumindest angesprochen. Die Zusammenarbeit mit den Kommunisten aber, die als politische Kraft bis 1940 in Lettland bedeutungslos gewesen waren, nur aus einige hundert Anhänger bestanden und das Dasein einer fanatischen Sekte geführt hatten, wurde nach den jüngsten Erfahrung kategorisch von allen Beteiligten abgelehnt. Zudem kämpften die wenigen verbliebenen Kommunisten für die Rückkehr des Sowjetsystems. Trotzdem waren große ideologische Gräben und politische Konflikte zu überbrücken.[34] So mussten sich etwa die Mitglieder des Bauernbundes (Zemnieku Savienība) und ehemalige Beamte für die Unterstützung des Diktators Ulmanis rechtfertigen. Als schwierig erwies sich auch die Integration der Sozialdemokraten, deren Parteiführer wie Bruno Kalniņš und Fricis Cielēns seit Ende der 30er Jahre für ein Bündnis mit Moskau optiert und 1940 das sowjetische System unterstützt hatten. Manche hatten auch aktiv an der sowjetischen Gewaltpolitik beteiligt.[35] Durch die Erlebnisse unter sowjetischer Besatzung hatten sie sich jedoch einige von ihren stalinistischen Utopien distanziert und folgten im Juli 1941 der Roten Armee nicht nach Osten. Kalniņš wurde 1943 zu einer wichtigen Figur innerhalb der Führung des LCP.[36] 

So bestanden etwa Kontakte zur bereits erwähnten konservativ bis nationalistischen Latviešu Nacionalistu savienība (Vereinigung lettischer Nationalisten).[37] Selbst der extremistische Pērkonkrusts (Donnerkreuz) wurde in die Koalition mit eingebunden. Ihr Führer Gustavs Celmiņš traf sich 1943 sogar persönlich mit dem Sozialdemokraten Kalniņš.[38] Noch in den 30er Jahren hatten sich die Donnerkreuzler und Sozialdemokraten blutige Straßenschlachten und Schießereien geliefert. Ein Teil der Ultranationalisten hatten sich bereits seit 1942 am Widerstand beteiligt, nachdem sie sich die Donnerkreuz-Bewegung erfolglos den Deutschen als »lettische Nationalsozialisten« angeboten hatten. Zwar hatten Adolfs Šilde und andere Donnerkreuz-Führer der deutschen Sicherheitspolizei (Sipo) im Juli 1941 geholfen, ein Hilfskommando aufzustellen, das bald darauf unter seinem Kommandeur Viktors Arājs traurige Berühmtheit für die Ermordung lettländischer Juden erlangen sollte. Die Donnerkreuz-Bewegung hatte jedoch auf die Aktivitäten dieser Einheit keinen Einfluss und wurde schon nach wenigen Wochen verboten.[39] Lediglich die Lettische Kartei, ein lettisches Informationsbüro des deutschen Sicherheitsdienstes (SD) konnte legal bis 1943 weiter bestehen.[40] Auch die Donnerkreuzler beteiligten sich seit 1942 an den Untergrundnetzwerken, und Donnerkreuz-Führer Celmiņš gab seit 1943 sein eigenes Untergrundflugblatt, die Brīvā Latvija (Das freie Lettland), heraus.

Der überparteiliche LCP bemühte sich gegenüber internationalen Partnern, die enge Zusammenarbeit mit der Donnerkreuz-Fraktion unter Celmiņš, dem ehemaligen »blinden Vollstrecker der deutschen Politik«, zu rechtfertigen. Auf einem Treffen mit Vertretern litauischer Widerstandsgruppen im Januar 1944 betonten die LCP-Vertreter zwar, dass sich die verbündeten Donnerkreuzler nun als »demokratisch« bezeichneten, aber dennoch nicht in das »politische Zentrum« des Widerstandes aufgenommen worden seien.[41] Konstantīns Čakste beteuerte gegenüber dem ehemaligen lettischen Botschafter in Schweden Voldemārs Salnais, die Donnerkreuzler hätten sich gewandelt: »Ihre Führung hat erklärt, dass sie für eine parlamentarisch-demokratische Regierung stünde«.[42] Auch Celminš war bemüht, seine Anhänger in der Brīvā Latvija auf eine Allianz mit den ehemaligen Feinden einzuschwören.[43]

Der politische Burgfriede im Zeichen des Antinazismus und des Antikommunismus sollte über das Kriegsende 1945 hinausreichen. Gegenüber den Westmächten versuchte der LCP als legitimer Vertreter Lettlands aufzutreten, um von dort Unterstützung für einen lettischen Staat zu erhalten, bevor die Sowjets zurückkehrten. Auch wurde versucht, Einfluss auf die von den Deutschen eingesetzte lettische »Landeseigene Verwaltung« auszuüben. Am 17. März 1944 unterschrieben 190 ehemalige Politiker, Beamte, Akademiker und andere Vertreter der lettischen Elite eine Deklaration, worin die Erneuerung der lettischen Souveränität der Verfassung, des Staatsapparates sowie der Armee gefordert wurde. Zudem wurde gegen die Besatzung des Landes durch sowjetische und nationalsozialistische Mächte protestiert, speziell gegen die Zwangsmobilisierung durch die deutschen Besatzer.[44] Die Deklaration wurde auch ehemaligen lettischen Militärs wie Bangerskis, Plensners, Silgailis und Veiss (seit 1943 Offiziere in der Waffen-SS) übergeben, die allerdings ihre Unterstützung verweigerten und weiterhin die deutschen Kriegsanstrengungen unterstützten wollten.[45] Die deutsche Sicherheitspolizei gelangte ebenfalls in Besitz des Dokuments. Als ihr im April 1944 in Estland ein Kurier des LCP in die Hände fiel, begann die Auflösung der Widerstandsorganisation: Die Brüder Čakste wurden am 29. April 1944 verhaftet, Konstantīns sollte die Haft im KZ Stutthof nicht überleben.[46] Viele Mitglieder flüchteten daraufhin nach Schweden, wo eine neue Zentrale der Organisation installiert wurde. In Schweden wurde der LCP v. a. als Flüchtlingshilfsorganisation aktiv, intensivierte aber gleichzeitig seine Gespräche mit den Westalliierten. Nachdem die Rote Armee im Sommer 1944 die lettische Ostgrenze erreicht hatte, dachten viele Letten daran, ihr Land zu verlassen. Als im August 1944 ein sowjetischer Panzerkeil von Litauen aus in Kurland einfiel und Riga kurzzeitig von der Westküste abschnitt, brach unter der Bevölkerung Panik aus, die in eine Massenflucht mündete. Die deutschen Besatzer unterbanden schließlich die allgemeine Fluchtbewegung vor allem deswegen, weil viele Letten nicht nach Deutschland, sondern nach Schweden flüchten. Vertreter des LCP in Windau (Ventspils), darunter der ehemalige Leiter des Historischen Museums in Riga, der Archäologe Valdis Ģinters, organisierten seit August 1944 einen illegalen Bootsverkehr zur schwedischen Insel Gotland und retteten so etwa 2 500 Menschen.[47] Im Oktober 1944 erreichte die Rote Armee Riga. Die Wehrmacht zog sich in das westlich gelegene Kurland zurück, wo die Armeegruppe Nord bis Kriegsende ausharrte.

Der LCP hatte sich weitere Optionen offen gelassen, dazu gehörten auch militärische Aktionen. Schon 1943 hatte sich ein Gremium innerhalb des LCP gebildet, das einen militärischen Arm des Widerstandes aufbauen sollte. Als Leiter war der ehemalige General Jānis Kurelis mit seinem Adjutanten Kristaps Upelnieks vorgesehen. Trotz Verhaftungen und der Flucht der LCP-Führung nach Schweden entstand im Sommer 1944 die so genannte Kurelis-Armee.[48] Die Gruppe sollte einerseits die Deutschen an weiterer Demontage hindern, andererseits als Partisanen gegen die Rote Armee kämpfen. Versehen mit Ausweisen von Jānis Veide, dem lettischen Polizeichef von Riga, warb Kurelis im Juni 1944 in der Nähe von Riga Mitglieder für seine Einheit an. Gefördert wurde das Unternehmen durch die LCP-Führer in Schweden und die Versprechen englischer und schwedischer Regierungsstellen, einen entsprechenden lettischen Freiheitskampf militärisch zu unterstützen. Kurelis-Offiziere wie Upelnieks vertrauten auf die Angebote, die vorsahen, in nächtlichen Aktionen Waffen und Ausrüstung an die nordkurländische Küste zu transportieren. Upelnieks ging zudem davon aus, dass das sowjetische Imperium ebenso wie das Dritte Reich in kürzester Zeit zusammenbrechen würde. Ein lettisches Freikorps würde, wie im Jahre 1918, mit westlicher Hilfe den Kern einer lettischen Wehrmacht bilden und in Wiederholung der Ereignisse von vor 26 Jahren den lettischen Staat erkämpfen.[49] Angesichts der riesigen sowjetischen Streitmacht, die sich kontinuierlich ihren Weg westwärts erkämpfte, scheint dieses mit dem Mut der Verzweiflung geführte lettische Unternehmen grotesk. 

Die Kurelis-Armee erhielt aber praktische Unterstützung allein von deutschen Dienststellen, die bemüht waren, möglichst viele Letten gegen die Sowjets zu mobilisieren. Das Kurelis-Unternehmen bot den Strategen im Stab »Fremde Heere Ost« und im Reichssicherheitshauptamt die Möglichkeit, die vielen tausend lettischen Deserteure und Wehrdienstflüchtigen zu erreichen.[50] Für die Militärs des LCP war diese Kooperation der einzige Weg, ihre Truppe auszurüsten und zu schulen. So wurden etwa 2 000 Mann bis Oktober 1944 von Offizieren der »Fremde Heere Ost« ausgebildet. Doch die politischen Gegensätze konnten nicht lange ausgeglichen werden, das tragische Schicksal dieser Soldaten war vorherbestimmt. Im November 1944 beschloss der Höhere Polizei- und SS-Führer (HPSSF) Friedrich Jeckeln, der im kurländischen Brückenkopf die politische Verwaltung übernommen hatte, die Auflösung der lettischen Einheit. Ihr Nationalismus und ihre Germanophobie machte sie in den Augen Jeckelns unkontrollierbar und gefährlich, zumal Kurelis über den LCP in Schweden immer noch mit westlichen Diensten in Verbindung stand.[51] Die meisten der Kurelis-Soldaten kamen in deutsche Konzentrationslager. Außer Kurelis wurden alle Offiziere von einem SS-Standgericht in Libau (Liepāja) zum Tode verurteilt und hingerichtet.[52] Einige leisteten gegen die Verhaftung Widerstand. Unter Leutnant Rubenis lieferten sich einige hundert Kurelis-Leute bis Ende Dezember 1944 schwere Gefechte mit den Besatzern. Bei den Kämpfen im nördlichen Kurland am Usmaitischen See (Uzmas ezers) wandten die deutschen Jagdkommandos die brutale Strategie an, die sie im Partisanenkampf in Weißrussland und der Ukraine entwickelt hatten. So ließ Jeckeln mehrere Dörfer niederbrennen und deren Einwohner ermorden. Etwa 70 Zivilisten kamen ums Leben.[53] Es ist bemerkenswert, dass sich die Kurelis-Partisanen nicht mit den ebenfalls in Nordkurland operierenden sowjetischen Partisanen der Gruppe Sarkanā Bulta (Der Rote Pfeil) verbündeten, obwohl die Kommunisten ihnen dies anboten. Erst nach der völligen Zerschlagung der Rubenis-Gruppe schlossen sich einige wenige Überlebende den sowjetischen Partisanen an, weniger aus politischer Überzeugung, als vielmehr aus reinem Überlebenstrieb.[54] Für den LCP wurden so die Pläne für den bewaffneten antisowjetischen Widerstand vorerst zunichte gemacht, doch bestanden in Kurland bis Kriegsende immer noch Netzwerke der Widerstandsorganisation, und man blieb auf der Suche nach neuen Verbündeten.

Der Widerstand der Wächter Lettlands

Der Widerstand und die nationalen und antikommunistischen Aktivitäten der chaotischen Wendezeit 1944 bis 1945 gingen nicht nur vom Lettischen Zentralrat aus. Ein Beispiel hierfür sind die Wächter Lettlands (Latvijas Sargi), die sich im Frühjahr 1944 formierten, deren Mitglieder, sowohl aus Studenten, urbaner Mittelschicht, aber auch aus Angestellten und Arbeitern zusammensetzten. Dies geht aus einer Fahndungsliste des lettischen NKVD vom März 1945 hervor, die 72 angebliche Mitglieder der Wächter Lettlands aufführt.[55] Laut Arnolds Avotiņš, der sich gegenüber der sowjetischen Staatssicherheit als Anführer ausgab und dafür im Sommer 1945 hingerichtet wurde, war die Organisation 1944 wiedergegründet worden, um sowohl gegen nationalsozialistische als auch sowjetische Besatzer zu kämpfen.[56] 

Die Wächter Lettlands waren bereits 1926 als Veteranenorganisation des lettischen Unabhängigkeitskrieges (1918 bis 1920) gegründet worden. Sie entstand im Umfeld des Latviju Nacionālais klubs (Lettischer Nationalklub), führender Verfechter eines radikalen Nationalismus, der sich zum Teil am italienischen Faschismus orientierte und aus dem 1932 die rechtsradikale Donnerkreuz-Bewegung hervorging.[57] Schon 1940 hatten sich die Wächter Lettlands im antisowjetischen Widerstand organisiert und sie beteiligten sich auch nach dem deutschen Einmarsch am erfolglosen Versuch, eine lettische Regierung zu etablieren.[58] 1944 war die Gruppe immer noch militärisch organisiert und hatte hochrangige ehemalige Militärs als Leiter, wie den General Nikolajs Dūze und Oberst Robert Osis. Zudem behauptete Avotiņš, dass er in die Aktivitäten des LCP involviert gewesen sei. Er habe sogar an einer geheimen Zusammenkunft von Mitgliedern des Zentralrats und estnischer Widerstandsorganisationen im Frühjahr 1944 teilgenommen, auf der auch der LCP-Führer Konstantīns Čakste anwesend gewesen sei. Damals habe man die Organisation eines baltischen Untergrundnetzwerkes und der Vorbereitung von antisowjetischen Partisaneneinheiten besprochen. Auch habe Avotiņš mit Dūze Informationen über die Situation in Lettand gesammelt, die der LCP nach Westen weitergegeben habe. Ein Mitverschwörer bestätigte, dass Avotiņš Kontakte zum LCP gehabt hatte.[59] Tatsächlich war General Dūze einer der 190 Unterzeichner der Deklaration des Lettischen Zentralrates vom März 1944.[60] Kontakte zwischen dem demokratischen LCP und dem radikalen Avotiņš spiegeln durchaus die antikommunistische Volksfront jener Jahre wieder. 

Nach dem deutschen Einmarsch war Avotiņš wieder Mitglied des Rigaer Polizeikorps geworden. Offensichtlich hatte er schon vor dem Krieg enge Kontakte zu nationalistischen Gruppen. So kannte er den Arzt und Schriftsteller Jānis Davis, der sich durch Veröffentlichung antisemitischer Bücher hervorgetan hatte. Über die Anti-Alkoholliga, die offensichtlich ein Treffpunkt lettischer Nationalisten war, lernte er 1941 den Pfarrer Hermanis Lūsis kennen.[61] Dieser war 1941 Donnerkreuz-Mitglied und publizierte in deren »Antisemitischen Institut« Propagandaschriften für die Nationalsozialisten.[62] Später wurde er als Mitglied einer lettischen Einheit der Sicherheitspolizei nach Weißrussland abkommandiert. Die lettische Einheit wurde dort zum Teil bei Erschießungen von Juden eingesetzt, ob Lūsis an solchen Aktionen beteiligt war, ist jedoch ungewiss.[63] 1944 jedenfalls kam er zur Organisation Līdumnieks (Pioniere), die 1943 vom deutschen Sicherheitsdienst etabliert wurde, um unter der lettischen Bevölkerung die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten.[64] Im Sommer 1944 wurde er in die Dienststelle des Unternehmens »Zeppelin« übernommen, die damals begann, antisowjetische Partisanen zu rekrutieren. 1944 wurde Lūsis Mitglied der Wächter Lettlands und führte im Herbst 1944 eine solche Partisanengruppe im östlichen Lettland. Er wurde von den Sowjets gefasst und im Januar 1946 erschossen.[65] 

Auch Avotiņš war Mitarbeiter des Līdumnieks.[66] Dies belegen auch Dokumente des »Reichskommissariats Ostland« (der deutschen Zivilverwaltung), das ab Dezember 1941 die ehemaligen Staaten Lettland, Litauen, Estland sowie Weißrussland umfasste.[67] Unklar bleibt, ob die Wächter Lettlands ebenfalls auf Initiative des deutschen Sicherheitsdienstes entstanden. Dieser war damals bestrebt, so viel Letten wie möglich für den antisowjetischen Widerstand zu mobilisieren. Verschiedene Mitglieder des lettischen Untergrundes ließen sich damals von deutschen Dienststellen anwerben, um an finanzielle Mittel und Ausrüstung zu gelangen. Von den 72 Personen der NKVD-Fahndungsliste sollen aber nur 17 vormals Mitglieder des Līdumnieks gewesen sein.[68]

Auch Jēkabs Sildegs-Milleris, der im August 1944 zu den Wächtern Lettlands stieß, dort eine Führungsposition einnahm und im Sommer 1945 hingerichtet wurde, stammte aus nationalistischen Kreisen. Er war Mitglied des Donnerkreuzes und der neuheidnischen Dievturi-Bewegung.[69] Sildegs war 1941 Mitarbeiter der Lettischen Kartei, die vom Donnerkreuz dominiert wurde, und tauchte 1942 unter, als er nach Weißrussland abkommandiert werden sollte. Spätestens seit 1944 wurde er von der deutschen Sicherheitspolizei steckbrieflich gesucht. Für die Sipo stand fest, dass er ein enger Vertrauter des Donnerkreuz-Führers Čelmiņš war, maßgeblich an der Herausgabe dessen illegaler Zeitung Brīvā Latvija beteiligt war und die Untergrundaktivitäten der Donnerkreuzler organisierte.[70] Seit 1943 gab er die Flugschrift Lāčplēsis (Bärentöter – eine literarische, lettischnationale Heldenfigur) heraus, die zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten und zum Boykott der Mobilisierung zur Waffen-SS aufrief. Sildegs war ein Radikalnationalist, für den Lettland weder eine Kolonie der deutschen Nationalsozialisten noch der russischen Sowjets werden sollte. Für die Erlangung seines Traums, des unabhängigen lettischen Staates, nützt er jegliche Möglichkeiten. 1943 soll er sich mit Čakste getroffen haben, dem Leiter des Zentralrates, um unter anderem Texte von Flugblättern zu besprechen.[71] 

Doch engagierten sich nicht nur Nationalisten bei den Wächtern Lettlands. Die Mehrheit der einfachen Mitglieder hatte kein politisches Vorleben wie Avotiņš und Sildegs. Der Kunststudent Kārlis Dagda, ein Schulfreund von Sildegs, behauptete, bis 1934 Parteigänger der lettischen Sozialdemokraten gewesen zu sein.[72] In der antisowjetischen Stimmung jener Jahre war dies keine Seltenheit. Sildegs berichtete über Kontakte zu verschiedensten Gruppen und Personen, darunter auch Sozialdemokraten.[73] Auch das Adressbüchlein von Avotiņš dokumentiert Verbindungen in jene antikommunistischen Netzwerke, in die unterschiedlichste Personen involviert waren. Der unvorsichtige Widerständler hatte sowohl die Adressen seiner Mitverschwörer, als auch die Namen seiner Kontaktleute wie Konstantīns Čakste oder General Bangerskis, Leiter des lettischen Stabes der Lettischen Legion, festgehalten.[74] Dagda tauchte 1944 unter, um der Wehrpflicht zu entgehen. Er sah es als seine patriotische Pflicht an, sich am lettischen Widerstand zu beteiligen. Zusammen mit den Mitverschwörern Jānis Niedra, Visvaldis Garlājs gaben Dagda und Sildegs 1944 den Lāčplēsis und ab September die Flugschrift Par Latviju (Über Lettland) heraus, in denen sie zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer und deren Mobilisierungspraxis aufriefen und eine »souveräne lettische Republik« forderten.[75] Nachdem die Rote Armee im Juli 1944 die lettische Grenze erreichte und dies unter der lettischen Bevölkerung Panik und Massenflucht auslöste, forderten sie ihre Landsleute mit Parolen wie »Letten, bleibt in eurem Land« zum Verbleib in der Heimat, und zum Kampf gegen die neuen Besatzer, die Sowjets, auf.[76] Die Gruppe sammelte Waffen und plante im Oktober 1944 sogar einen militärischen Aufstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer. Damals hatte die Wehrmacht das gesamte östliche Lettland geräumt und bereitete sich auf die Evakuierung Rigas vor. Die Wächter Lettlands planten im Zusammenspiel mit anderen Widerständlern und lettischen Offizieren einen Putsch. Die Soldaten in den lettischen Einheiten der Waffen-SS sollten sich gegen die deutschen Befehlshaber erheben, Riga besetzen, die Unabhängigkeit ausrufen und weiter gegen die Rote Armee kämpfen, doch der Plan scheiterte.[77] So erwarteten die Mitglieder die Rückkehr der Sowjets. Noch im September 1944 hatten sich die Wächter Lettlands Waffen organisiert, die sie über Netzwerke des lettischen Untergrundes aus Beständen des Unternehmens »Zeppelin« des Sicherheitsdienstes erhalten hatten.[78] Doch Gelegenheiten zum Partisanenkampf ergaben sich für die Wächter Lettlands kaum. Die sowjetische Staatsicherheit verhaftete noch vor Ende des Jahres 1944 die ersten Widerständler und rollte die Organisation anschließend auf. Im Juli 1945 wurde den Mitgliedern der Wächter Lettlands nach den üblichen stalinistischen Verfahrensweisen, also Geheimverfahren ohne Verteidiger, bei denen das Urteil von vornherein feststand, der Prozess gemacht. Diejenigen, die als Anführer ausgemacht wurden, erhielten wie üblich die Todesstrafe, die Übrigen wurden samt ihren Familienangehörigen zu 15 Jahren Lagerhaft verurteilt.[79] Noch 1989, ein Jahr vor dem Ende der UdSSR, bestätigte die Staatsanwaltschaft der Lettischen SSR die stalinistischen Strafen von 1945.[80]

Die Partisanen in Kurland: die LNPO

Überall artikulierten Einheimische nach dem Einmarsch der Roten Armee ihre antisowjetische Haltung und ihren Willen zur nationalen Selbstbestimmung.[81] Die bewaffnete Widerstandsbewegung erlebte bis zur Jahreswende 1946/47 ihren Höhepunkt, ließ dann aber nach, als Unterstützung aus dem Westen ausblieb. Sie verstärkte sich nochmals 1949 nach der Zwangskollektivierung und den Massendeportationen. Die meisten Gruppen wurden aber bis zu Beginn der 50er von der sowjetischen Staatssicherheit vernichtet.[82] Für Stalin und die sowjetische Führung war der baltischen Widerstand ein weiterer Beweis für die »konterrevolutionäre« Gesinnung der Bevölkerung. Es folgten Terror und Gewalt. Etwa 120 000 Menschen wurden laut Parteiberichten von 1944 bis zu Stalins Tod im Jahre 1953 allein aus Lettland deportiert, davon waren etwa 30 000 Mitglieder von Widerstandsgruppen.[83] Die Partisanen richteten ihre Angriffe gegen die Rote Armee und die Repräsentanten der neuen Besatzungsmacht auf dem Land (Miliz, NKVD und Partei). Da die »Waldbrüder« die lokalen Parteifunktionäre und teilweise deren Familien ermordeten, hatten die Sowjets in den ländlichen Gebieten bis 1946 große Schwierigkeiten beim Aufbau ihrer Strukturen. Die Gruppen beruhten auf spontanen Zusammenschlüssen. Nicht selten wurden die Partisanen von der ländlichen Bevölkerung unterstützt. 

Die Organisation der lettischen Nationalpartisanen (Latvijas Nacionālo partizaņu organizācija, LNPO) war nicht unbedingt ein typisches Beispiel für eine damalige Widerstandsgruppe, doch kam ihr eine besondere Stellung im antisowjetischen Untergrund zu, da sie über die Ostsee die Verbindung zwischen dem Zentralrat in Schweden und anderen Organisationen in Lettland herstellte. Im Gegensatz zu anderen lettischen Partisanengruppen hatten bei Gründung der LNPO deutsche Dienststellen eine nicht unbedeutende Rolle gespielt.[84] Die Nationalsozialisten organisierten in der zweiten Jahreshälfte 1944 antisowjetische Partisanengruppen. Geleitet wurden diese Maßnahmen vom Reichssicherheitshauptamt, wo Walter Schellenberg im Sicherheitsdienst unlängst den Geheimdienst der Wehrmacht, das »Amt Abwehr«, übernommen hatte. Unter der Leitung von Otto Skorzeny wurden überall an der Ostfront und später auch an der Westfront, Widerstandsgruppen aufgebaut, ähnlich wie später der »Werwolf« in Deutschland.[85] In Lettland entstand offensichtlich das Politprojekt dieser »weißen« Partisanenaktion. Bereits im Sommer 1944 bildete der SD ein Partisanenzentrum in Riga.[86] Der Führungsstab des Unternehmens, das ab Oktober 1944 die Tarnbezeichnung »Wildkatze« trug, und dem SS-Jagdverband Ost zugeordnet wurde, waren zum Teil Letten, die seit 1941 in der Sicherheitspolizei und dem SD Dienst taten und als Exekutoren der Nationalsozialisten teilweise an Mordaktionen beteiligt waren.[87] Die Mehrheit der etwa 2 000 einfachen Mitglieder des SSJagdverbandes waren Letten im wehrpflichtigen Alter aus der Region Kurland. Doch arbeiteten dort auch Mitglieder aus dem antideutschen Widerstand. Teodors Jansons, Oskars Mitrevics, Romans Šternbergs und nicht zuletzt Freds Launags, ehemalige Mitarbeiter der Lettischen Kartei, die alle seit 1943 für ihre Widerstandsaktivitäten in Konzentrationslagern inhaftiert waren, wurden zur »Frontbewährung« für die Tätigkeit in jenem Unternehmen entlassen. Die Donnerkreuzler konnten auf diese Weise ähnlich wie der LCP mit der Kurelis-Armee Logistik und Ausrüstung der Nationalsozialisten für eigene Interessen nutzen und antisowjetische Widerstandsgruppen organisieren. Über die Ablehnung des deutschen Besatzungsregimes bestand kein Zweifel, zumindest was die Behandlung der lettischen Bevölkerung anging. Zur Jahreswende 1944/45 schrieb der Jansons-Stab, eine Nachrichtenabteilung innerhalb des SS-Jagdverbandes Ost, in einem Bericht für das RSHA in Berlin: »Für die Letten ist klar, dass die deutsche Zivilverwaltung der größte Feind unseres Volkes ist.«[88] Jene Donnerkreuzler galten innerhalb der lettischen Untergrundgruppen im Gegensatz zu den SDKräften nicht als »Volksfeinde«.[89] Zu ihren Kontakten gehörte etwa die KurelisArmee und auch die Wächter Lettlands wurden von ihnen ausgerüstet. Auch andere Widerständler wurden im Spätsommer und Herbst 1944 vom Jansons-Stab in die sowjetisch besetzen Teile des Landes entsandt wie Pēteris Supe, der in Lettgale die Vereinigung der lettischen Partisanen (Latvijas partizaņu apvienība) sowie die Vereinigung der Wächter des lettischen Vaterlands (Latvijas Tēvijas sargu apvienība) aufbaute, oder die Brüder Rusovs, die in Südlettland Partisanengruppen gründeten.[90] Der Jansons-Stab arbeitete bis Kriegsende die Struktur einer Partisanenorganisation LNPO aus, und am 8. Mai 1945 wurde aus dem SSJagdverband Ost tatsächlich die LNPO. Doch wurde die LNPO zu einer völlig neuen Organisation, die mehr einen losen Verband verschiedener Kleingruppen als eine monolithische Organisation darstellte. In ihren Grundsatzpapieren bekannte sich die Gruppe zu einem »unabhängigen Lettland mit demokratischer Ordnung«.[91] Vor allem in der Führung konnten sich die ehemaligen SDMitarbeiter nicht etablieren. In Nordkurland führte Miervaldis Ziedainis ab Sommer 1945 die Gruppen der LNPO, der zuvor Oberstleutnant in einer Fronteinheit der lettischen Waffen-SS gewesen war.[92] So bestand der Großteil der Partisanen in Kurland nach dem 8. Mai 1945 aus 4 000 bis 5 000 Mitgliedern der lettischen Division der Waffen-SS, die bis Kriegsende gegen die Rote Armee gekämpft hatten, oder seither desertierte waren und in den umliegenden Wäldern auf das Kriegsende gewartet hatten.[93] Zu ihnen gehörte auch Fricis Sirsniņš, der sich nach der Kapitulation mit Kameraden seiner Einheit von der Front nach Nordkurland abgesetzt hatte und sich dort einer Partisanengruppe anschloss, die zur LNPO gehörte.[94] Leonids Brombergs, ein ehemaliger Polizist, der in die Lettische Legion eingezogen wurde und 1944 während der chaotischen Verhältnissen in Kurland bei Bekannten untertauchte, kam ebenfalls zu einer Gruppe der LNPO. Er war einer der Passagiere auf dem eingangs erwähnten Boot »Irbīte«.[95] Die kleinen Gruppen der LNPO versteckten sich in den weiten Wald- und Sumpfgebieten Nordkurlands. Jansons war bereits im Mai 1945 bei einem Gefecht mit Rotarmisten ums Leben gekommen, so koordinierten nun Launags, Šternbergs und Krastiņš die Netzwerke der Gruppen in Nordkurland. Zusammen mit Ziedainis und anderen Widerständlern organisierten sie im September 1945 eine geheime Zusammenkunft nordkurländischer Partisanen im Wald bei Schlock (Zlēkas).[96] Launags und seine Freunde arbeiteten auch sehr eng mit den verbliebenen Mitgliedern des LCP zusammen, zu denen seit 1944 Kontakte bestanden. Im September 1944 half der Jansons-Stab bei der Organisation des Flüchtlingsbootsverkehrs nach Schweden. Nach der Auflösung der Kurelis-Armee versteckten sie deren Angehörige. So verhalf der Jansons-Stab dem Kurelis-Offizier Indulis Dišlers zu neuen Papieren und nahm über ihn Kontakt zum Zentralrat in Schweden auf. Dort war man sehr interessiert an der Arbeit des Stabes und versprach per Funk im März 1945, die zukünftige LNPO als offizielle Partisanenorganisation des LCP in Lettland anzuerkennen.[97] Daher waren nach Kriegsende die Netzwerke der LNPO und des LCP insbesondere in Nordkurland eng verflochten.[98] Man war nicht sehr wählerisch bei der Suche nach Verbündeten. So war praktisch jeder mit »nationaler« bzw. antikommunistischer Haltung in den Widerstandgruppen willkommen, was sich in ihren Parolen wie »Tod dem Roten Terror!« widerspiegelte.[99] So wurden auch ehemalige Mitarbeiter der Sicherheitspolizei aufgenommen, die als »Feinde des Lettischen Volkes« aber oft einen schweren Stand innerhalb der Widerstandgruppen hatten.[100] 

Unterstützung erhielten die LNPO-Gruppen in Kurland vielfach von der Bevölkerung. So »legalisierte« sich Sirsniņš im Sommer 1945 und erhielt Arbeit in einem Sägewerk. Auch der Partisanenführer Ziedainis ging einer Tätigkeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb nach. Unterstützt wurde ihre Gruppe von Sympathisanten, die in der lokalen Parteiorganisation arbeiteten.[101] Doch wurden diese Netzwerke bald von den Sowjets aufgerollt. Die verbliebenen LNPO-Führer gingen dem NKVD bald ins Netz. Krastinš fiel Ende des Jahres in einem Gefecht und Šternbergs wurde im Januar 1946 verhaftet.[102] Launags dagegen avancierte nach seiner Flucht auf der »Irbīte« in Schweden unter dem Pseudonym Alfreds Vanags zum Leiter der »Kontaktgruppe für die Guerilla- und Widerstandgruppen in Lettland« innerhalb des LCP.[103] Die baltischen Emigranten suchten nun nach neuen Verbündeten, die den Widerstand im Baltikum unterstützen würden, und fanden sie zunächst im schwedischen Staat. Launags wurde bald »Agent« des schwedischen »T-Büros«, des Militärischen Nachrichtendienstes.[104] Ende der 40er Jahre begannen sich auch britische und US-Dienste für die Emigranten zu interessieren. Nun fuhren einige Emigranten wieder über die Ostsee zurück, im Auftrag britischer oder US-amerikanischer Dienste. Darunter LCP-Mitglieder wie Osvalds Bileskalns, der 1951 von der sowjetischen Staatssicherheit in Riga gefasst und erschossen wurde. Leonids Brombergs, der erst 1945 auf der »Irbīte« geflüchtet war, überquerte 1954 nochmals die Ostsee, wurde gefasst und verbrachte Jahrzehnte im sowjetischen Lagern.[105] Der Kalte Krieg hatte begonnen und mit ihm die westöstlichen Agentenspiele im Baltikum. Aufgrund der zögerlichen Unterstützung aus dem Westen und durch die radikale Bekämpfungsmaßnahmen der sowjetischen Machthaber war der Partisanenkrieg Anfang der 50er Jahre zu Ende. Doch resistente Haltungen, die eng mit dem ethnischen Selbstverständnis verbunden waren, sollten sich noch viel länger erhalten. Auch in der Emigration blieb der antikommunistische Konsens über die politischen Lager hinweg lange bestehen.


[1]  Siehe Aussage von M. Ķirpe im NKVD-Verhör vom 2. März 1946, in: Latvijas Valsts Arhīvs/Lettisches Staatsarchiv (im Folgenden: LVA) 1986/1/28736, Bl. 20. Lasmane, Valentine

(Hrsg.): Pāri jūrai 1944./1945.g. 130 liecinieku atmiņas sakārtojusi V. Lasmane [Übers Meer 1944– 1945. 130 Erinnerungen von Zeitzeugen gesammelt von V. Lasmane], Riga 1993, S. 255; Dziļums, Alfreds: Kurzemes sirds vēl dzīva [Das Herz von Kurland schlägt noch], Riga 1998, S. 306–317. Der Roman von Dziļums entstand auf der Grundlage der Erinnerungen von Beteiligten.

[2]  Lasmane: Pāri jūrai (Anm. 1).

[3]  Weiner, Amir: Between Two Seas: Sovereignty, Borders, and Violence Between the Baltic and the Black Seas, 1930s–50s. Vortrag auf der Konferenz: »Borderlands/Grenzländer im 19. und 20. Jahrhundert«, Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, Eberhard-KarlsUniversität Tübingen, 12.–14. Mai 2006.

[4]  Zu Estland siehe z. B. Laar, Mart: War in the Woods, Washington, D. C. 1992; Ders.: The Armed Resistance Movement in Estonia from 1944 to 1956, in: Anuškauskas, Aevydas (Hrsg.): The AntiSoviet Resistance in the Baltic States, Vilnius 2000, S. 209–241. Zu Litauen siehe z. B. Mekaitė, Rima (Hrsg.): War after War. Armed anti-Soviet Resistance in Lithuania in 1944–1953. Vilnius 2005.

[5]  Misiunas, Romuald/Taagepera, Rein: The Baltic States. The Years of Dependence 1940–1980, Berkeley 1983.

[6]  Šilde, Ādolfs: Resistance Movement in Latvia, Stockholm 1973. Šilde war führendes Mitglied der rechtsradikalen und antisemitischen Donnerkreuzler. Er wird weiter unten im Text erwähnt. 

[7]  Brower, Tom: The Red Web, London 1989; Jürjo, Indrek: Operations of Western Intelligence Services and Estonian Refugees in Post-War Estonia and the Tactics of KGB Counterintelligence, in: Anušauskas, Aevydas (Hrsg.): The Anti-Soviet Resistance in the Baltic States, Vilnius 2000, S. 242–271. 

[8]  Launags, Fredis: Latviešu Nacionālo partizānu organizācija (LNPO): Latviešu nacionālo partizānu pēckara karš [Organisation der lettischen Nationalpartisanen. Der Nachkriegskrieg der lettischen Nationalpartisanen], in: Archīvs. Raksti par latviskām problēmām 27 (1987), S. 184–191. Zu Launags Aktivitäten nach dem Krieg siehe Ērglis, Dzintars: Latvijas Centrālās Padomes vēstures nezināmās lappuses [Unbekannte Fakten über den Lettischen Zentralrat], Riga 2003. 

[9]  Zur Stalinschen Umdeutung des Zweiten Weltkrieges siehe Weiner, Amir: Making Sense of War. The Second World War and the Fate of the Bolshevik Revolution, Princeton, Oxford 2001.

[10]  Siehe Samson, Villis: Partizanskoe dviženie v severnoj Latvii v gody Velikoj Otečestvennoj vojny [Die Partisanenbewegung in Nordlettland in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges], Riga 1951; Ders.: Kurzemes katlā. Partizāņu un frontes izlūku cīņas 1944–1945 [Im Kessel von Kurland. Kampf der Partisanen und Frontaufklärer], Riga 1969; Ders.: Kurzemes meži šalc … Partizāņu un izlūku cīņa kara pēdējā gadā Kurzemē 1944–1945 [Kurlands Wälder rauschen … Kampf der Partisanen und Frontaufklärer im letzten Kriegsjahr in Kurland], Riga 1974; Dzintars, Jānis: Neredzamā fronte [Die unsichtbare Front ], Riga 1970.

[11]  Dzintars, Jānis: Vai hitlerisko divesantu kaps ir tautas svētvieta [Ist das Grab von hitlerischen Diversanten ein Heiligtum des Volkes?], in: Padomu Jaunatne vom 1. Februar 1989, S. 2.

[12]  Siehe die KGB-Untersuchungsakte von J. Aire, in: LVA, 1986/1/17022, Bl. 129–143.

[13]  Dzintars, Jānis: Latviešu fašistiskā buržuāzija hitleriešu izlūkdienesta kalpībā [Die lettische faschistische Bourgeoisie in der Knechtschaft der Hitlerischen Geheimdienste], in: Latvijas PSR Zinātņu Akadēmijas Vēstis 10 (1984), H. 423, S. 52–69. Bereits früher hatte Dzintars die demokratische Widerstandsgruppe Lettischer Zentralrat als Organisation von Kriegsverbrecher denunziert. Ders.: Kāpēc Jekelns likvidēja paša izlolotos kureliešus? [Warum liqudierte Jekeln die Kurelis-Leute, nachdem er sie zuvor unterstützt hatte?], in: Dzimtenes Balss vom 9. September 1971.

[14]  Kalvāns, Aleksanders (Hrsg.): Uz ežiņas galvu liku … [Auf den Feldrain bette ich mein Haupt …]. 2. Bde., Riga 1995; Aļķis, Ivars (Hrsg.): Pretestības kustība okupācijas varām Latvijā. Atmiņās un dokumentos no 1941. līdz 1956. gadam [Die Widerstandsbewegung gegen die Besatzungsmächte in Lettland. Erinnerungen und Dokumente von 1941 bis 1956], Riga 1997.

[15]  Caune, Andris (Hrsg.): Nacionālā pretošanās komunistiskajiem režīmiem Austrumeiropā pēc Otrā pasaules kara: Starptautiskās konferences materiāli, 2005 gada 7.–8. jūnijs, Riga/The National Resistance to Communist Regimes in Eastern Europe after World War II: Materials of an International Conference 7–8 June 2005, Riga (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 17), Riga 2006.

[16] Strods, Heinrihs: Latvijas Nacionālo partizāņu karš 1944–1956 [Der Krieg der lettischen Nationalpartisanen], Riga 1997; Ders. (Hrsg.): Latvijas Nacionālo partizāņu karš 1944–1956. Dokumenti un materiāli [Der Krieg der lettischen Nationalpartisanen. Dokumente und Materialien Teil II], Riga 1999; Strods, Heinrihs (Hrsg.): Latvijas Nationālo partizāņu karš III. Dokumenti, apcerējumi un atmiņas [Der Krieg der lettischen Nationalpartisanen. Dokumente, Abhandlungen und Erinnerungen Teil 3], Riga 2003.

[17] Strods, Heinrihs: Resistance in Latvia 1944–1991, in: Nollendorfs, Valters /Oberländer, Er-win (Hrsg.): The Hidden and Forbidden History of Latvia under Soviet and Nazi Occupations 1940–1991. Selected Research of the Commission of the Historians of Latvia (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 14), Riga 2003, S. 286–297.

 

[18]  So z. B. Dreimane, Inese: Latvijas kristīgo konfesiju garīdznieki nacionālās pretošanās kustībā (1944–1953) [Geistliche der christlichen Konfessionen Lettlands in der Widerstandsbewegung], in: Caune, Andris (Hrsg.): Okupācijas režīmi Latvijā 1940.–1956. gadā. Latvijas Vēsturnieku komisijas 2001. gada pētījumi/Occupation Regimes in Latvia in 1940–1956: Research of the Commission of the Historians of Latvia (2001) (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 7), Riga 2002, S. 221–284. Turčinskis, Zigmārs: Ziemeļvidzemes nacionālie partizāni: 1945.–1953. gads [Nationale Partisanen in Nordlettland], in: Ebenda, S. 285–368; Jansons, Ritvars: Bruņotās pretošanās kustības Latvijā 1944.–1956. gadā: vēstures izpētes stāvoklis un tālākie pētniecības vierzieni [Die bewaffneten Widerstandsbewegungen in Lettland in den Jahren 1944 bis 1956: Stand der Forschung und zukünftige Forschungsrichtungen], in: Ebenda, S. 343–357.

[19]  Siehe Ērglis: Latvijas Centrālās Padomes (Anm. 8); Andersons, Edgars/Siliņš, Leonids: Latvija un Rietumi. Latviešu nacionālā pretestības kustība 1943–1945 [Lettland und der Westen. Die nationale lettische Widerstandsbewegung], Riga 2002.

[20]  Swain, Geoffrey: Between Stalin and Hitler. Class war and Race War on the Dvina, 1940–46, London/New York 2004.

[21]  Felder, Björn: »Mit Lettland leben, mit Lettland sterben«. Der SS-Jagdverband Ost – Unternehmen »Wildkatze« und die Vorbereitung von antisowjetischen Partisanen in Lettland (1944– 1945), in: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 54 (2005), H. 1, S. 98–127. Felder, Björn: Underground Networking. National and International Connections of the anti-Soviet Resistance in Latvia 1944–1950, in: Caune, Andris (Hrsg.): Nacionālā pretošanās komunistiskajiem režīmiem Austrumeiropā pēc Otrā pasaules kara: Starptautiskās konferences materiāli, 2005 gada 7.–8. jūnijs, Riga/The National Resistance to Communist Regimes in Eastern Europe after World War II: Materials of an International Conference 7–8 June 2005, Riga (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 17). Riga 2006, S. 124–135.

[22] Dūra, Danute/ Gundare, Ieva/Zujeva, Dzidra: Okupācijas vara un Latvijas sabiedrība »Nationālās sardzes« dokumentos [Die sowjetische Besatzung und die lettische Gesellschaft in den Dokumenten der Organisation »Die nationale Wache«], in: Caune, Andris (Hrsg.): Okupācijas režīmi Latvijā 1940.–1956. gadā. Latvijas Vēsturnieku komisijas 2001. gada pētījumi. Occupation Regimes in Latvia in 1940–1956: Research of the Commission of the Historians of Latvia (2001) (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 7). Riga 2002, S. 80–106, hier S. 86.

 

[23] Siehe die Aufnahmeprotokolle des Zentralkommitees der LKP: LVA, PA–101/1/7, Bl. 1–300.

[24] Siehe hierzu ausführlich Felder, Björn: Lettland im Ausnahmezustand. Sowjetische und nationalsozialistische Besatzung und die Reaktionen der Bevölkerung 1940–1946. Dissertation: Universität Tübingen, Tübingen 2006.

[25]  Siehe Ciganovs, Juris: Pretošanas padomju okupācijas režīmam Latvijā 1940.–1941. gadā [Widerstand gegen das sowjetische Besatzungsregime in Lettland], in: Kaņepe, Vija (Hrsg.): Subjugation under Soviets and Nazis (= Yearbook of the Museum of Occupation of Latvija 2000), Riga 2001, S. 45–56; Viļums, Jānis: Pretošanas okupācijai Latvijā 1940.–1941. gadā [Widerstand gegen die Besatzung in Lettland], in: Strods, Heinrihs. (Hrsg.): Powers unleashed (= Yearbook of the Museum of Occupation of Latvia 2002), Riga 2003, S. 127–160.

[26]  Siehe Ezergailis, Andrew: The Holocaust in Latvia 1941–1944. The Missing Center, Riga 1996. Bassler, P. Gerhard: Alfred Valdmanis and the Politics of Survival, Toronto/Buffalo/London 2000.

[27]  Siehe die Tautas balss Nr. 7 vom 15. Juli 1942. Zum Holocaust in Lettland siehe Ezergailis: Holocaust (Anm. 26). Zum Judenmord wurden im Juli und August 1941 lettische Polizisten abkommandiert, später wurden die nationalsozialistischen Mordaktionen von dem so genannten Arājs-Kommando der Sicherheitspolizei und deutschem Personal durchgeführt. Für »spontane« Mordaktionen aus der lettischen Bevölkerung gibt es bisher keine Belege. Dies gilt auch für den Anteil der lettischen Zivilverwaltung, den Generaldirektorien, die allerdings die antijüdischen Anordnungen der Besatzer befolgten und versuchten, in den Besitz des enteigneten jüdischen Eigentums zu gelangen.

[28] Tautas balss Nr. 3 vom 15. März 1942.

[29]  Siehe die Statistik des Höheren Polizei und SS-Führers Ostland [September 1943], in: Latvijas Vēstures Valsts Arhīvs/Lettisches historisches Staatsarchiv (im Folgenden: LVVA), P–82/1/20, Bl. 16. Siehe auch Memorandum in Stichworten über den Arbeitseinsatz in Lettland vom 10. Mai 1944, in: Bundesarchiv Berlin (im Folgenden: BArch Berlin), R–92/18, Bl. 179 f. Im Januar 1943 waren allein 32 000 lettische Schutzleute im Einsatz. Protokoll einer deutsch-lettischen Sitzung vom 27. Januar 1943, in: Latvijas Zinātņu akadēmijas Centrālais arhīva/Zentralachiv der lettischen Akademie der Wissenschaften (im Folgenden: LZA CA), P–40/5/2, Bl. 120 f.

[30]  Zum Lettischen Zentralerat (LCP) siehe Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), sowie Ērglis: Latvijas Centrālā Padome (Anm. 8).

[31]  Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 35. Die »Landeseigene Verwaltung« bildeten auf Anordnung der deutschen Besatzungsmacht seit Ende 1941 Teile ehemaliger Ministerien und untere Verwaltungsbehörden. Sie bestand bis zum Abzug der Wehrmacht als Verwaltungsvollzugsorgan und besaß keine Regierungsvollmachten.

[32]  Ebenda, S. 18 f.

[33]  Siehe etwa Statement on the Situation in Latvia and in other Baltic States, Latvian SocialDemocratic Labour Party [1943]: Hoover Institution of War, Revolution and Peace Archives (im Folgenden: Hoover), F. Cielens Collecton, Box 1, Folder 1, Bl. 30. Zu den Berichten der lettischen Diplomaten an alliierte Dienststellen während des Krieges siehe Ezergailis, Andrew: Stockholm Documents. The German Occupation of Latvia, 1941–1945. What did America know? (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 5), Riga 2002.

[34]  Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 35 f.

[35]  Felder: Lettland im Ausnahmezustand (Anm. 24), S. 122–126.

[36]  Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 28 f.

[37]  Atmiņas par okupācijas laiku, Erinnerungen von A. Neparts in: Latvijas Kara muzejs/Lettisches Kriegsmuseum (im Folgenden: LKM), 5–602–DK/p, II–24.

[38]  Schreiben des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) Lettlands, Dr. Lange, an das RSHA, Amt IV vom 25. Januar 1944, in: LVVA, P–252/1/26, Bl. 10.

[39]  Die Donnerkreuzler hatten als Organisation keinerlei Einfluss auf den Verlauf der Judenmordaktionen. Zur Verbindung zwischen Donnerkreuzler und Sicherheitspolizei im Juli 1941 siehe Felder: Lettland im Ausnahmezustand (Anm. 24), S. 226– 232. Zum lettischen Hilfskommando der Sicherheitspolizei siehe ausführlich bei Ezergailis: Holocaust (Anm. 26).

[40]  Die Institution sollte dem Sicherheitsdienst Informationen über lettische Kommunisten liefern. Siehe Felder, Björn: »Die Spreu vom Weizen trennen …« Die Lettische Kartei – Pērkonkrusts im SD Lettland 1941–43, in: Nollendorfs, Valters (Hrsg.): Sphere of Influence (=Yearbook of the Museum of Occupation of Latvia 2003), Riga 2004, S. 47–68.

[41]  Protokoll einer lettisch-litauischen Geheimkonferenz: Mitteilung über die vom 8. bis 9. Januar diesen Jahres [1944] in Riga stattgefundene Konferenz der Litauer und Letten, in: BArch Berlin, R–6/45, Bl. 30–37, hier Bl. 32.

[42]  Zitiert nach Andersons/Siliņš: Latvia un Rietumi (Anm. 19), S. 64.

[43]  Brīvā Latvija Nr. 3 vom 20. August 1943, in: LVVA, P–252/1/26, Bl. 41.

[44]  Ein Faksimile der Erklärung findet sich bei Andersons/Siliņš: Latvia un Rietumi (Anm. 19), S. 420–434.

[45]  Ebenda, S. 71.

[46]  Ebenda, S. 81 f. Celmiņš war bereits im März 1944 verhaftet worden. Schreiben von Lange, 30. Mai 1944, in: LVVA, P–252/1/26, Bl. 133.

[47]  Siehe dazu Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 214–240; Lasmane: Pāri jūrai (Anm. 1).

[48]  Siehe hierzu Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 249–344. Biezais, Haralds: Kurelieši – Nacionālās pretestības liecinieki [Kurelisleute: Zeugen der nationalen Widerstandsbewegung], Ithaca 1991; Ērglis, Dzintars: Centrālā Padome un kurelieši [Der Lettische Zentralrat und die Kurelis-Leute], in: Latvijas Vēstures Institūta Žurnāls 33 (1999), H. 3, S. 84–103; Erglis: Latvijas Centrālā padome (Anm 8); Felder: »Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), 114–117. Handrack, Hans-Dieter: Die Kurelis-Verbände, in: Jahrbuch des baltischen Deutschtums 25 (1978), S. 136–140.

[49]  So charakterisierte A. Dravnieks die Motivation des Kurelis-Kommandeurs Upelnieks. Dravnieks, Arvīds: Es atceros, Latvijas skolas un skolotāji [Ich erinnere mich. Schulen und Lehrer in Lettland], o. O. 1970, S. 209.

[50]  Felder: »Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 115 f.

[51]  Siehe den Bericht Jeckelns über die Auflösung der Kurelis-Armee vom 25. November 1944, in: BArch Berlin, R–90/4, Bl. 8.

[52]  Felder: »Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 155.

[53]  Auszug aus dem »Bandenlagebericht« des Rückwärtigen Armeekommandos 584 vom 28. Dezember 1944, in: Bundesarchiv – Militärarchiv Freiburg, RH 20–116/614.

[54]  Siehe dazu die Zeitzeugenaussagen der ehemaligen Rubenis-Partisanen V. Meliuss von 1960 und A. Štrauss von 1985, in: LZA CA, P–40/5/22.

[55]  An alle Abteilungsleiter des NKVD der Lettischen SSR, Volkskommissar des Inneren

A. Eglite vom 10. März 1945, in: Strods: Latvijas Nacionālo partizaņu karš, 1999 (Anm. 16),

S. 138–146.

[56]  Aussage im NKVD-Verhör vom 9. März 1945, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 106–111.

[57]  Siehe Krēsliņš, Uldis: Aktīvais nacionālisms Latvijā 1922–1934 [Der Aktive Nationalismus in Lettland], Riga 2005.

[58]  Avotinš war am 12. Juli 1941 vom Zentralstab der Organisation in das nationale Zentrum abkommandiert worden. Dort versuchten verschiedene politische Parteien, eine lettische Regierung zu bilden, was von den deutschen Besatzern verhindert wurde. Aussage von Avotiņš vom 22. November 1944, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 40. Zu den Ereignissen im Juli 1941 in Riga siehe Ezergailis: Holocaust (Anm. 26), S. 203–238.

[59]  Aussage Avotiņš im NKVD-Verhör vom 9. März 1945, in: LVA, 1986/1/63/1, Bl. 111. Hermanis Lūsis behauptete, Avotiņš habe 1944 sowohl K. Čakste als auch Gustavs Zemgals, den ehemaligen lettischen Staatspräsidenen, getroffen. Ausage im NKVD-Verhör vom 23. März 1945, in: LVA, 1986/1/28579/1, Bl. 67.

[60]  Faksimile der Erklärung in Andersons/Siliņš: Latvija und Rietumi (Anm. 19), S. 426.

[61]  Aussage Avotiņš im NKVD-Verhör, 16. April 1945: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 131.

[62]  Ebenda. Zum Antisemitischen Institut siehe Dribins, Leo: Antisemītisms un tā izpausmes Latvijā [Antisemitismus und seine Ausprägung in Lettland] (= Symposium of the Commission of the Historians of Latvia, Bd. 4), Riga 2002, S. 120 f u. 125 f.; Felder: »Die Spreu vom Weizen trennen …« (Anm. 40), S. 53.

[63]  Bericht von Lūsis für den NKVD vom 2. Oktober 1945, in: LVA, 1986/1/28579, Bl. 88–91. Er erwähnt keine Erschießungsaktionen. Zum Einsatz lettischer Hilfskräfte der Sipo siehe Ezergailis: Holocaust (Anm. 26).

[64]  Zu Līdumnieks siehe Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 110.

[65]  Das Todesurteil vom 24. November 1945 gegen Lūsis findet sich in dessen NKVD-Akte, in: LVA 1986/1/28579, Bl. 282–284.

[66]  Ansis Krūklis, ebenfalls ein Donnerkreuz-Mitglied und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sagte aus, Avotiņš sei als Propagandaleiter ein Führungsmitglied des Līdumnieks gewesen.

Aussage von Krūklis im NKVD-Verhör vom 16. Juni 1945, in: LVA, 1986/1/28579, Bl. 134.

[67]  Schreiben von Avotiņš als Mitarbeiter des Lettischen Vereins Līdumnieks an die Propagandaabteilung des Generalkommissariats in Riga vom 12. Januar 1944, in: BArch Berlin, R–92/1/30.

[68]  An alle Abteilungsleiter des des NKVD der Lettischen SSR, Volkskommissar des Inneren

A. Eglite vom 10. März 1945, in: Strods: Latvijas Nacionālo partizaņu karš, 2003. (Anm. 16),

S. 138–146

[69]  Zu Sildegs siehe Felder: »Die Spreu vom Weizen trennen …« (Anm. 40), S. 61 u. 63–65. Siehe auch dessen NKVD-Akte, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 150–259.

[70]  Schreiben von Dr. Lange, Kommandeur des SD und der Sicherheitspolizei in Lettland, 26. Januar 1944, in: LVVA, P–252/1/26, Bl. 7; Schreiben von Dr. Lange vom 30. Mai 1944, in: LVVA, P–252/1/26, Bl. 133.

[71]  Erinnerung von Jānis Niedra, Mitglied der Latvijas Sargi vom 4. Mai 1998: LKM, 5–563–DK/p.

[72] Aussage von Dagda im NKVD-Verhör vom 15. Februar 1945, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 271.

[73]  Aussage Sildegs im NKVD-Verhör vom 12. Februar 1945, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 174–183.

[74]  LVA, 1986/1/62/9, Bl. 611–679. Die Lettische Legion bezeichnete die lettischen Divisionen der Waffen-SS, war zugleich aber auch ein Sammelgriff für alle Letten in deutschen militärischen Diensten, Mitglieder der Polizeibataillone oder Wehrmachts-Hilfswillige (Hiwis).

[75]  Siehe Par Latviju Nr. 2 vom September 1944.

[76]  Par Latviju Nr. 1 vom September 1944.

[77]  Aussage von Avotiņš im NKVD-Verhör vom 5. Januar 1945, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 36. Ähnliches berichte auch J. Niedra: Erinnerungen vom 4. Mai 1998, in: LKM, 5–563–DK/p.

[78]  Aussage Dagda im NKVD-Verhör vom 17. Februar 1945, in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 286. Von Seiten des SD bezeugte dies der lettische Kriminalbeamte Juris Aire, der Waffen und Ausrüstung lieferte. Siehe die NKVD-Aire, in: LVA, 1986/1/17922/1, Bl. 324–331. Auch Sildegs räumte dies später ein. Aussage im NKVD-Verhör o. D.: LVA, 1986/1/17022/1/, Bl. 171–173.

[79]  Siehe das Urteil vom 3. August 1945, in: LVA, 1986/1/62/11, Bl. 250; Erinnerungen von J. Niedra vom 4. Mai 1998, in: LKM, 5–563–DK/p; V. Garlājs, von 1998: LKM, 5–555–DK/p.

[80]  Abschlussbericht des Staatsanwalts der LSSR V. B. Daukšis vom 25. Oktober 1989, in: LVA, 1986/1/62/10, Bl. 79; das Urteil findet sich in: LVA, 1986/1/62/1, Bl. 92–96.

[81]  Siehe den Bericht von Berija an Stalin Über den Kampf des NKVD mit bewaffneten Banditen in Lettland vom 5. August 1945, in: Library of Congress, Nachlass Dimitrij Volkogonov, Reel 14, Container 22. Zu Litauen siehe ein Schreiben von Berija an Stalin Über die antisowjetische nationalistische Bewegung in Litauen vom 30. Juli 1945, in: Ebenda.

[82]  Für Lettland siehe auch Strods: Latvijas Nacionālo partizaņu karš, 1997 (Anm. 16); Swain: Between Stalin and Hitler (Anm. 20), S. 163–185.

[83]  Rede des lettischen Parteisekretärs J. Kalnbērziņš vom 22. Juni 1953, in: LVA, PA– 101/16/10, Bl. 7.

[84]  Andere Widerstandsgruppen wie etwa jene in Nordlettland entstanden ohne deutsches Zutun. Siehe Turčinskis: Ziemeļviedzemes nacionalie partizāni (Anm 18).

[85]  Siehe Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 106–110. Zur den Widerstandsgruppen an der Westfront siehe German Sty-Behind Plans in the Rhineland, France and the Low Countries, OSS Counter Intelligence Branch vom 9. Februar 1945, in: National Archives, Washington D. C., RG 226, Entry 210, Box 8, Folder 1.

[86]  Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 106–110. Im Unternehmen Zeppelin wurden in Nachahmung der sowjetischen Partisanen seit 1942 vom SD Sabotagetrupps aus russischen Kriegsgefangenen gebildet und in den Rücken der Roten Armee entsandt. Siehe Mallmann, Klaus-Michael: Der Krieg im Dunkeln. Das Unternehmen »Zeppelin« 1942–1945, in: Wildt, Michael (Hrsg.): Nachrichtendienst, politische Elite, Mordeinheit. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, Hamburg 2003, S. 324–346.

[87]  Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 117 f.

[88]  Bericht über die deutsch-lettischen Beziehungen vom Januar 1945, in: LZA CA, P–40/5/2, Bl. 61.

[89]  So bezeichneten die Offiziere der Kurelis-Verbände lettische Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Siehe das Tagebuch des Kurelis-Adjutanten Gregors, in: Andersons/Siliņš: Latvija un Rietumi (Anm. 19), S. 336.

[90]  Zu Supe siehe Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 111. Zu Rusovs siehe die Erinnerungen von Kārlis Rusovs vom Juli 2000 in Strods: Latvijas Nacionālo partizaņu karš, 2003 (Anm. 16), S. 177–205.

[91]  LNPO-Deklaration, in: LZA CA, P–40/5/2, Bl. 56.

[92]  Ziedainis hatte zuvor keinen Kontakt zum SS-Jagdverband gehabt. Er wurde später durch den NKVD zum Tode verurteilt und erschossen. NKVD-Akte Ziedainis: LVA 1986/2/P–10905; »Abschluss der Anklage« im Verfahren gegen R. Šternbergs vom 11. Dezember 1946, in: LVA, 1986/1/41886/6, Bl. 201. Erinnerungen von F. Sirsniņš von 1992, in: LKM, 5–95–DK/p.

[93]  Strods: Latvijas Nacionālo partizaņu karš, 1997 (Anm. 16), S. 163.

[94]  Erinnerungen von Sirsniņš von 1992, in: LKM, 5–95–DK/p.

[95]  Zu Brombergs siehe dessen CIA-Akte, in: National Archives, Washington D. C., RG–263, Personal Files, Box 8, Folder »Brombergs«. Seine Zugehörigkeit zur »Irbīte«-Mannschaft belegt das Dokument: Report by Albert Kalme, contact man in the USA of the Latvian resistance movement, to the Central Intelligence Agency of the US, in: Hoover, Jules Feldmanis Collection, Box 8, Folder 1.

[96]  Erinnerungen von Sirsniņš von 1992, in: LKM, 5–95–DK/p.

[97]  Aussage von Dišlers im NKVD-Verhör vom 5. Dezember 1945, in: LVA, 1986/1/781, Bl. 160–166.

[98]  Ērglis: Latvijas Centrālā Padome (Anm. 8), S. 104–109.

[99]  Die Parole stand am Ende eines Aufrufs, den lettische Emigrantenkreise im Umfeld des LCP mit einer »Anweisung des englischen Geheimdienstes« im Herbst 1945 nach Lettland vermittelt hatten, und der in verschiedenen Gruppen kursierte. LVA, 1986/1/41886/6, Bl. 196–222 u. LVA, 1986/1/30641/3, Bl. 76 f.

[100]  So konnte Boris Jankvas, Leiter des SS-Jagdverbands Ost und ehemaliges Mitglied des Arājs-Kommandos, nach Kriegsende nicht Leiter der LNPO werden. Felder: » Mit Lettland leben […]« (Anm. 21), S. 125.

[101]  Erinnerungen von Sirsniņš von 1992, in: LKM, 5–95–DK/p.

[102]  Abschluss der Anklage vom 11. Dezember 1946, NKVD-Akte Šternbergs, in: LVA, 1986/1/41886/6, Bl. 200.

[103]  Report by Albert Kalme, contact man in the USA of the Latvian resistance movement, to the Central Intelligence Agency of the US […], in: Hoover, Jules Feldmanis Collection, Box 8, Folder 1.

[104]  Siehe Felder: Underground Networking (Anm. 21), S. 131.

[105]  Der KGB hatte die baltischen Emigrantenkreise und den britischen Geheimdienst erfolgreich unterwandert. Ērglis: Latvijas Centrālā Padome (Anm. 8), S. 135–169; Brombergs KGB-Untersuchungsakte, in: LVA, 1986/1/40596. 

Inhalt – JHK 2007

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