...

 

»Das macht das stärkste Ross kaputt.« Willi Münzenbergs Abrechnung mit dem Apparat der Komintern und ein Moskauer Drehbuch für den Amsterdamer Kongress 1932

JHK 2010 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 243-266 | Aufbau Verlag

Autor/in: Reinhard Müller

Auch die neuere Forschung konnte die jahrelangen internen Querelen Willi Münzenbergs mit Moskauer Emissären und die Auseinandersetzungen mit Funktionären des Komintern-Apparats nicht ausreichend beleuchten. Dies ist nicht zuletzt dem immer noch mangelnden Zugang zu wichtigen Beständen des Komintern-Archivs geschuldet. Sowohl für eine Biografie Münzenbergs1 wie auch für die Rekonstruktion der von Münzenberg initiierten »Massenorganisationen« und Bewegungen, seines Verlags- und Zeitungsimpe­ri­ums sollten der Pjatnickij-Fond2 und die Dimitrov-Bestände3 im Russischen Staats­archiv für sozio-politische Geschichte (RGASPI) herangezogen werden. Dabei liefern nicht nur die ausführlichen Berichte des Komintern-Emissärs Šmeral neue Einblicke in Münzenbergs Pariser Exil und die Politik der Volksfront,4 sondern auch die umfangreiche Kaderakte Münzenbergs5 und seine an Stalin gerichteten Briefe im Archiv des Präsidenten der Russischen Föderation. Dieses war der westlichen Forschung, wie auch das Zentralarchiv des Föderalen Sicherheitsdienstes, allerdings bisher weitgehend verschlossen. Im Moskauer »Sonderarchiv« blieben auch zahlreiche Münzenberg betreffende Dokumente des »Deuxième Bureau« von der Forschung ungenutzt. Sie wurden 1939 von der Gestapo in Paris beschlagnahmt und inzwischen teilweise wieder an Frankreich zurückgegeben. Ebenfalls 1939 in Paris beschlagnahmt wurde der Redaktionsbestand der von Münzenberg herausgegebenen Zeitschrift Die Zukunft, der sich jetzt im Moskauer Staatsarchiv für Literatur und Kunst findet.

Das Berliner Archiv der Stiftung Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR im Bundesarchiv enthält neben einer von Wilhelm Pieck in Moskau angelegten »Münzenberg-Akte«6 und den Nachlässen von Pieck und Ulbricht auch bereits 1988 / 89 ausgewählte Fotokopien aus dem Moskauer Komintern-Archiv.7

Für seine Münzenberg-Biografie8 nutzte Sean McMeekin in Moskauer Archiven allenfalls ausgewählte Bestände des RGASPI, die inzwischen auch bei comintern-online zugänglich sind.9 Diese selektiven Quellen liefern zwar wichtige Hintergründe zum »Moskauer Gold«, die über die verstreuten Hinweise von Babette Gross10 hinausgehen und dementieren allzu romantisierende Darstellungen des Münzenberg-Konzerns.11 Ausgeklammert werden dabei jedoch die politischen Differenzen mit der KPD-Führung, die Münzenbergs relative Autonomie und enge Anbindung an die Komintern permanent verfolgten. So sah sich Münzenberg nach der Ausschaltung von Heinz Neumann gezwungen, eine devote Unterwerfungs- und Kapitulationserklärung zu verfassen.12 Eine KPD-Kommission, der auch Herbert Wehner angehörte, untersuchte im November 1932 den eigenständigen Vertrieb von Zigaretten durch die Internationale Arbeiterhilfe (IAH).13 Ein durchsichtiger Vorwand, um Münzenbergs Autonomie gegenüber dem ZK einzuschränken. Während Münzenberg sich auf eine Abmachung mit »russischen Genossen« zur Steigerung des Tabakexports aus der Sowjetunion berief, hielt es Thälmann bereits für einen Skandal, dass »ohne unsere Zustimmung Bilder von Stalin, Molotow, Woroschilow, Thälmann, Klara Zetkin den Zigaretten beigelegt wurden«.14 Die »leidige Zigarettenfrage« und nicht etwa die faschistische Gefahr war Anlass für Münzenberg, einen vierseitigen Brief an Thälmann zu verfassen und ein ausführliches Memorandum anzukündigen.15

Nicht nur die internen Invektiven des ZK der KPD relativieren das öffentliche Bild Münzenbergs als mächtigen Medienmogul und nahezu autonom agierenden Impresario von Kongressen und Bewegungen. Sein überbordendes Selbstbewusstsein und sein rastloser Gründungseifer mussten zwangsläufig mit dem Apparat der Komintern-Bürokratie kollidieren. Viele Beobachtungen von Babette Gross finden in dem hier abgedruckten Beschwerdebrief Münzenbergs an den Sekretär des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) Osip Pjatnickij16 ihre Entsprechung (siehe Dokument 1).

McMeekins Meinung, dass Paris Münzenberg 1933 als Himmel auf Erden erscheinen musste, wird jedoch durch diesen Brief dementiert.17

Die in Dokument 2 von der Komintern im Befehlston abgefassten »Direktiven für die innere Kommission für die Leitung des Antikriegsprozesses« geben Aufschluss über die politischen Vorgaben, organisatorischen und personellen Anweisungen der Politkommission des EKKI und des Komintern-Apparates für den Amsterdamer »Weltkongress gegen den imperialistischen Krieg« (1932). In seinem Brief an Pjatnickij (siehe Dokument 1) beklagt sich Münzenberg, dass er zwar die Initiative für den Kongress entwickeln durfte, aber schnell durch »faktische Sekretäre« wie Alfred Kurella von allen Sitzungen und Entscheidungen ausgeschlossen wurde.

Als Gebrauchsmuster findet sich diese Komintern-Direktive in zahlreichen kommunis­tisch dominierten Kongressen und Friedensbewegungen18 wieder bis hin zum »Weltkongress der Kämpfer für den Frieden« (1949) und zum »Krefelder Appell« (1984). Kongresse, Appelle und Bewegungen wurden scheinbar überparteilich inszeniert, und als Aushängeschilder dienten jeweils gutgläubige Prominente und langjährige »fellow traveller«, die ins Präsidium des Kongresses gewählt werden sollten. Die eigentlichen Entscheidungen wurden jedoch von einer »inneren Kommission« und der »geschäftsführenden Kommission« vorbereitet und gefällt. Bei der Besetzung der »geschäftsführenden Kommission« galt es, »unbedingt« die Mehrheit zu sichern. Die personelle Zusammensetzung des vom Kongress zu wählenden »ständigen Komitees« sollte von der »inneren Kommission« ebenso bestimmt werden wie das zukünftige Sekretariat eines Büros. Durch die »vollendete Meis­terschaft der Inszenierung« (Babette Gross) sollten sowohl die Finanzierung wie auch die politische Instrumentalisierung durch die Moskauer Komintern abgeschirmt werden. Eine Inszenierung, die auch in den Berichten an die Moskauer Auftraggeber ausführlich als Weltbewegung beschrieben wurde.19 Kritische Zeitgenossen hinterfragten diese Inszenierungen jedoch, und dies kann nun auch durch Einsicht in die hier abgedruckten Dokumente geleistet werden.20

Dokument 1

Brief Willi Münzenbergs an Osip Pjatnickij21

20. Juli 1933

Lieber Genosse!

Diesen Brief wollte ich vor zwei Jahren schreiben, dann vor einem Jahre, dann bestimmt vor drei Monaten. Ich habe es immer verschoben, da ich im Allgemeinen vom Briefeschreiben nicht viel halte. Aber jetzt, wo durch meine lange Abwesenheit von dort22 sich verschiedene Fragen gehäuft haben, wo ein Freund fährt, dem ich den Brief mitgeben kann und wo ich mich an die Vorwürfe von Lenin am III. Kongress erinnere, dass ich ihm nicht früher geschrieben habe, entschloss ich mich, Ihnen diesen Brief zu senden.

Ich kenne niemanden außer X23, dem ich einen solchen Brief schreiben würde und von dem ich die Gewissheit habe, dass er ihn so entgegennehmen wird, wie er gemeint ist. Irgendjemanden24 in der Welt muss man einmal ohne Reserve und Zurückhaltung seine Meinung sagen können. Das können für mich nur Sie sein.

In diesem Briefe will ich nichts schreiben über allgemeine und ideologische Fragen und nicht über taktische Probleme der kommunistischen Bewegung. Sie wissen, dass ich gerade in taktischen Fragen sehr oft differenziert25 habe von der Leitung der kommunistischen Partei, aber auch – ich erinnere nur an die Jugendfrage im Jahre 1921 – von der Komintern.26 Trotz dieser Differenzierungen in taktischen Fragen war für mich, seitdem ich im Jahre 1914 mit der Leningruppe in der Schweiz zusammenging, die Disziplin und die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe das ausschlaggebende und wird es bleiben.

Ich bin heute mehr denn je von der Richtigkeit meiner Auffassung in der Jugendfrage im Jahre 1921 tief überzeugt. Ich bin gewiss, dass die Ablehnung meiner Linie damals – nicht vom Jugendkongress, denn dort hatte ich ja bekanntlich die Mehrheit, sondern von der Politkommission – und besonders die in den darauf folgenden Jahren außerordentlich extreme, doktrinäre, dogmatische, steife, starre, formale Propaganda wesentlich daran Schuld ist, dass die breiten Massen der Jugendlichen, die wir während des Krieges gesammelt hatten, der kommunis­tischen Bewegung verloren gingen und dass sie dem Nationalsozialismus und dem Chauvinismus als leichte Beute zufielen.

Es ist charakteristisch, dass in Deutschland diejenigen, die am häufigsten übergegangen sind und von der chauvinistischen Welle mitgerissen wurden, Jugendliche sind, während es umgekehrt während des Krieges die Jugend war, die sich zuerst gegen den Krieg sammelte und wirklich große Massenbewegungen, wie z. B. bei den internationalen Jugendtagen durchführen konnte.

Ich bin tief überzeugt, dass der damalige Knick in der proletarischen kommunis­tischen Jugendbewegung viel Schuld an diesem Verlust der Jugend für den Kommunismus trägt, denn was wir heute in den westeuropäischen Ländern haben, sind nicht mehr als die kümmerlichen Ansätze.

Das war für mich die herbste Enttäuschung meines Lebens, die Lenin zu mildern versuchte, indem auf sein persönliches Eingreifen ich in der Jugendexekutive verblieb und mit der Gründung der IAH betraut wurde.27

Ich erinnere nur an diese Stunden, die mich politisch und seelisch am schwers­ten trafen, weil ich damals keine Minute geschwankt habe in meiner restlosen Verbundenheit mit der bolschewistischen Partei und mit Moskau. Ich habe wegen dieses schlimmsten Schlages, der mich treffen konnte, in diesen Stunden nicht eine Minute den Kopf hängen lassen und bin, wie Sie wissen, losgegangen, um die Hilfsaktion für die Wolgadeutschen zu organisieren.

Das wird immer so sein.

Auch in den letzten Jahren habe ich wiederholt in taktischen Fragen stark differenziert. Es gibt dort verschiedene Freunde, die vorübergehend, hauptsächlich 1929 / 30 in Deutschland waren, die mir bestätigten, dass ich die faschistische Entwicklung in Deutschland signalisiert habe. Sie werden sich erinnern, dass ich bereits im Jahre 1923 ein besonderes Büro mit einer besonderen Zeitung28 zum Studium der nationalsozialistischen Fragen geschaffen hatte und diese Frage gestellt habe. Ich habe hier differenziert besonders mit meinem mir kameradschaftlich sehr nahe stehenden Freunde H. N.29, aber auch mit der parteioffiziellen Terminologie, wie sie besonders in der Tagesagitation zum Ausdruck kam und dies speziell um die Jahreswende 1933, wo gesagt wurde, dass die national-sozialistische Gefahr für Deutschland überwunden sei.

Besondere Differenzen bestanden, wie sie wissen, in der Frage der Massenpropaganda und der Mittel und Methoden einer solchen Propaganda. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass ich in diesen Auffassungen absolut und hundertprozentig Recht gehabt habe. Die sonst erfindungsreichen Propagandisten des Dritten Reiches greifen auf die »Welt am Abend«, auf die »AIZ« [Arbeiter-Illustrierte-Zeitung], auf unsere Filmbeispiele zurück, auf die Art und Methoden, wie wir unsere Feste und Massenaktionen organisiert haben, die mir in parteioffiziellen Kreisen den Verruf des amerikanischen Schreiers eingebracht haben. Ich erinnere mich mit einer außerordentlichen Dankbarkeit, dass Sie es waren, mit wenigen Freunden dort, die mir überhaupt diese Arbeit ermöglicht hatten, aber an Ort und Stelle musste ich diese Arbeit gegen den Widerspruch und die Erschwerung der offiziellen Partei und ihres Apparates durchführen. Ihnen kann ich sagen, dass ich in den ersten Stunden nach der Reichstagsbrandgeschichte, aber besonders nach den Lobeshymnen auf die unvergleichliche Propagandatätigkeit von Goebbels und Konsorten geradezu eine körperliche Wut darüber empfand. Ich fühlte, dass, wenn man mir nicht Steine in den Weg geschmissen hätte, mir die Freiheiten in den eigenen Reihen gegeben hätte, die die nationalsozialistischen Propagandisten in ihren Reihen haben, ich mich jeden Tag mit ihnen gemessen hätte und bereit bin, mich morgen mit ihnen zu messen.

Ich habe mich bei all diesen taktischen Differenzen, die seit 1921 gewesen sind, ständig unterworfen, nicht pro forma und mit leeren Beteuerungen, sondern: die Mehrheit hatte entschieden, die Linie ist eine andere, als ich glaube, dass sie sein muss, und ich habe, das muss Freund und Feind in der Bewegung mir zugeben, diese meine Meinung zurückgestellt und mich immer mit ganzer Kraft für die aktive Arbeit eingesetzt.

Ich weiß sehr gut, dass ich mich in verschiedenen Fragen geirrt habe und dass ich in anderen Fragen, wie z. B. in der Jugendfrage, der Frage der Einschätzung des deutschen Faschismus, der Frage der Mittel und Methoden der Massenarbeit, Recht habe, aber über alle diese Fragen stand bei mir, steht bei mir, und wird bei mir immer stehen die zügelloseste Arbeitsgier in der Bewegung und ich schreibe diesen Brief an Sie, lieber Genosse, heute nicht, um Ihnen irgendwelche Bedenken oder Bauchschmerzen über politische und taktische Fragen mitzuteilen, sondern ich wende mich heute an Sie als einen Freund, vielleicht den objektivsten und deshalb gerechtesten Freund seit Lenins Tod, weil heute Zustände bei uns einzureißen drohen, die einfach die Arbeit, unberücksichtigt von taktischen Einstellungen, die rein praktische Arbeit für die Bewegung drohen unmöglich zu machen.

Ich weiß nicht, ob Sie in einer ruhigen Stunde die Möglichkeit hatten, die Entwicklung der Kaders und der einzelnen Personen in der KI [Komintern] seit 1919 an sich vorüberziehen zu lassen, wie ich das auf meinen Irrfahrten von Deutschland nach hier getan habe. Dabei drängte sich bei mir die Feststellung auf, dass wir, und dies besonders in den letzten Jahren, eigentlich keine starken, aus der Jugend emporgewachsenen Persönlichkeiten entwickelt haben, weder auf dem theoretischen noch auf dem politischen Gebiete, noch auf den Gebieten der Agitation, der Organisation und der Propaganda.

Ich glaube, und zu dieser Feststellung kommt eine Überprüfung meiner Tätigkeit – bei der größten Ruhe und bei der größten Nüchternheit – dass die Schuld nicht nur darin liegt, dass nicht genügend starke Persönlichkeiten vorhanden sind, die sich entwickeln könnten, sondern auch daran, dass, vielleicht ohne Ihr Wissen, und davon bin ich sogar überzeugt, dass diese Tatsache mit bedingt wird durch die Schwere und besondere Kompliziertheit des Apparates.

Darüber will ich heute schreiben, und wenn ich dabei meine eigenen Erfahrungen besonders mitsprechen lasse, dann nicht, weil ich meine Frage für eine interessante Frage halte – auf eine mehr oder weniger kommt es nicht an und auch nicht darauf, ob einer mehr oder weniger leisten darf, sondern deshalb, weil sie für mich die lebendigste ist und weil ich weiß, dass das wirklich ist, was ich schreibe. Aber ich wiederhole, dass das, was ich erlebt habe und woran ich seit Jahren leide, keine Frage von mir ist, sondern eine Frage von hunderten und hunderten kräftiger, talentierter, arbeitswilliger, begeisterter und bis zum Tode treu ergebener Genossen der kommunistischen Bewegung. Deshalb schreibe ich Ihnen diesen Brief und deshalb schildere ich Ihnen einige meiner Erlebnisse und Erfahrungen. Ich schreibe Ihnen, weil ich hoffe, dass diese Schilderung mithelfen wird, eine Überprüfung der Arbeitsweise unserer Bewegung vorzunehmen und um hunderten, zur Arbeit drängenden Genossen eine gewisse Bewegungsmöglichkeit in der Entfaltung einer eigenen Initiative zu geben.

Ich will nicht alle Fälle aufzählen und alle Erlebnisse, die ich gehabt habe, um diese These zu beweisen, dass die Schwere des Apparates und die Art, wie er arbeitet, nicht die Initiative fördert, sondern sie ihn lähmt und tötet und damit auch die Bewegung schädigt. Ich will nur einige dafür klassische Beispiele für diese meine These schildern.

Die antiimperialistische Liga. Die ersten Vorschläge zur Schaffung dieser Liga reichte ich Ihnen um die Mitte des Jahres 1926 ein. Die ersten Vorschläge wurden sehr skeptisch und zurückhaltend beurteilt. Ich entwickelte eine eigene Initiative, ohne, das gestehe ich heute, besondere Vollmachten und Mandate dazu zu haben. Erst nachdem sich im Winter 1926 die Konturen des kommenden Kongresses abzeichneten, wurde festgestellt, dass ich mit einer Unterstützung von dort rechnen kann und später wurden mir auch Helfer und Ratgeber zur Verfügung gestellt. Nachdem schon alles organisiert, alles vereinbart war, nachdem indische Delegierte sich zum ersten Male mit Vertretern der europäischen Arbeiterbewegung treffen wollten, nachdem eine Delegation von China unterwegs war und andere Delegierte ihre Reise angetreten hatten, kam plötzlich die Order, den Kongress zu verschieben.30 Ich gestehe, dass ich damals diese Order nicht befolgt habe und durchgesetzt habe, dass der Kongress zur festgesetzten Stunde eröffnet und durchgeführt wurde. Der Besuch und Verlauf des Kongresses in Brüssel war so überwältigend, dass ich damals nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, sondern dass man später festgestellt hat, dass diese Linie richtig war. Der Kongress war ein großer Erfolg. Damit war die ganze Frage der Kolonialpropaganda und der antiimperialistischen Propaganda im Weltmaßstab aufgerollt. Auf dem Kominternkongress wurde das untersucht und bestätigt und das wurde auch festgestellt und bestätigt in andern Resolutionen. Es ging nur ungefähr ein halbes Jahr und dann wurde durch irgendwelche Einflüsse des Apparates die zentrale Stellung, die ich von den ersten Initiativschritten bis zum Kongress hatte und eine kurze Zeit nach dem Kongress hatte, aufgehoben. Ich wurde nicht gerade abgesetzt, aber ich war jetzt nur noch ein Teil, einer von Vieren oder Fünf, die damals dafür bestimmt worden sind.

Da ich auch noch andere Arbeiten zu erfüllen hatte, war es mir unmöglich, mich in tägliche Kämpfe mit den zur Leitung bestimmten Freunden einzulassen und meine Arbeit in dieser Liga musste verkümmern. Es kam der Frankfurter Kongress, eine letzte große Demonstration der Liga. Die Durchführung dieses Kongresses führte zu einer weiteren Verschärfung der Auffassung über die Leitung der Liga und nach dem Frankfurter Kongress war ich wohl noch formal Generalsekretär, aber faktisch, wie Sie wissen, dies nur noch dem Namen nach. Die faktischen Sekretäre wurden geschickt, ohne dass man mit mir gesprochen hatte. Diese Sekretäre haben dann in der Liga gearbeitet, ohne mich zu fragen, ohne sich mit mir zu verständigen, sie haben politisch, organisatorisch und finanziell disponiert wie sie wollten, sie erhielten sämtliche Zuschriften, sämtliche andere Zustellungen31 usw.. Sie haben mich wiederholt gestellt wegen meiner Liga, einer Organisation in der ich seit 1929 nichts mehr beeinflussen konnte. Erst als man die Wirkung dieser Sache sah, entschloss man sich im Januar 1933 den Zustand von vor dem Brüsseler Kongress wieder herzustellen und mich allein dafür verantwortlich zu machen. Es war zu spät, die deutschen Ereignisse kamen, und ich ging hierher. Man hatte mir dort Instruktionen, Hilfe und jede Unterstützung versprochen, man hatte das nicht gehalten. Ich habe dann vorgeschlagen, das ganze Sekretariat zu verlegen, man hatte dem zugestimmt, ohne dann aber das neue Sekretariat in die neue Lage zu setzen, seine Arbeit aufzunehmen. Aber auch hier hatte man wiederum beschlossen gehabt, ich bleibe Generalsekretär und nur das faktische Sekretariat32 geht nach England, ich hatte wiederum gebeten, überhaupt von dieser Arbeit befreit zu werden oder aber solche Voraussetzungen zu schaffen, dass seine Initiative entwickelt und wirklich fruchtbare Arbeit entfaltet werden kann. Diesem Vorschlag hat man geglaubt nicht zustimmen zu können, es kam nun diese Teilung wieder: drüben gelte ich weiter als Verantwortlicher, in Wirklichkeit habe ich gar nichts mit der Sache zu tun. Derartige Zustände halte ich für ungesund und für die Bewegung schädlich.

Eine Einzelheit, die aber typisch ist. Im Herbst 1932 hatte ich vorgeschlagen und den Plan eines Antikriegskongresses in Shanghai entwickelt. Sie erinnern sich, dass zuerst wenig Interesse vorhanden war und dass erst, nachdem Barbusse mit einem Freunde gesprochen hatte, das Interesse wesentlich wuchs und entsprechende Beschlüsse gefasst wurden. Durch verschiedene Faktoren hat sich dann, die ursprünglich im Frühjahr geplante Reise bis in die letzten Wochen verschoben. Vor vier Wochen wurde in der strengsten Weise gefordert, die rascheste Beschleunigung dieser Delegation nach Shanghai und eine besondere Verpflichtung, ein englisches Mitglied zu gewinnen, das nun ja auch mitgefahren ist. Ich habe alles getan, um diesen Mann zu gewinnen und auf Grund von verschiedenen Erfahrungen, die der Mann in unserer gemeinsamen Arbeit machte, gewann er ein starkes persönliches Vertrauen, gab schließlich dem Vorschlage nach und erklärte sich zur Mitfahrt bereit. Ich telegrafierte, dass unter den Verhältnissen in China, die besonders in den letzten Wochen außerordentliche Veränderungen erfahren hatten, es ratsam sei, gewisse Vorbereitungen zu treffen und erhielt als Antwort, dass diese Vorbereitungen nicht erforderlich seien, dass alle Maßnahmen getroffen sind und dass die Leute abfahren können. Ich drahtete, dass die Leute sich in mehreren Sitzungen zusammengefunden hätten, dass ein Programm aufgestellt sei, und dass sie am 14. Juli abfahren würden. Zwei Tage vor diesem Abreisetermin erhielt ich plötzlich aus heiterem Himmel ein Telegramm: nicht fahren. Das Telegramm ist gleichzeitig an zwei weitere Freunde gerichtet, um das kategorische der Forderung zu unterstreichen. Die Leute, besonders der englische Freund waren unterdessen in Marseille. Ich telegrafiere »Wir schicken Vaillant.«33 Wir teilen mit, dass auf Grund der chinesischen Verhältnisse die Reise verschoben werden müsse. Der englische Freund setzte sich telefonisch mit den japanischen und chinesischen Gesandtschaften in Verbindung, die ihm beruhigende Erklärungen und Erklärungen für die Sicherheit der Delegation geben. Die Delegation beschließt zu fahren. Ein Tag nach ihrer Abreise kommt ein Telegramm, in dem mitgeteilt wird, dass, wenn die Leute Visen haben, sie abfahren können. Warum um alles in der Welt musste durch dieses Durcheinander das kaum geschaffene Vertrauen zwischen diesem Manne, uns und besonders mir, gefährdet werden.

Aber genug mit der Liga. Den Zustand der Organisation kennen Sie und die Tatsache, dass wiederholt über ihre Liquidation gesprochen wurde, enthebt mich jeder weiteren Feststellung. Was ich hier feststellen muss ist, dass mir seit 1929 effektiv und faktisch die Möglichkeit genommen war, die Initiative zu entwickeln, die ich einsetzen konnte, um die Organisation im Jahre 1927 zu schaffen. Ein anderes Beispiel, das noch näher liegt: die Amsterdamer Antikriegsbewegung.34 Die ersten Vorschläge habe ich eingereicht im Frühjahr 1932.

Gleichzeitig organisierte ich den Aufruf ›Romain Rolland und Henri Barbusse‹. Die Sache kam in Fluss. Bis kurz vor dem Kongress hatte ich die Vollmachten und es war möglich eine solche Initiative zu entwickeln, dass es zu dem Kongress kam, den Sie kennen.

Kurz vor dem Kongress, einige Wochen vorher, wurde die Initiative gefesselt. Man gab mir eine Kommission. Diese Kommission beschloss gegen meinen Protest nach Amsterdam zu gehen. Dafür dass ich mich als einziger damals der Mehrheit fügte, wollten Sie mir später das bekannte Telegramm schicken. In Paris wäre der Kongress doppelt so stark gewesen und hätte eine dreifache Wirkung gehabt, aber auch in Amsterdam wurde er zu dem stärksten Einheitskongress, den wir seit Kriegsende hatten.

Bis zum Kongress selbst konnte ich noch eine relativ eigene Initiative entwickeln. Nach dem Kongress war damit Schluss. Ich wurde, wie sich dort ein Freund ausdrückte, »einer der Berater«, das Schwergewicht wurde auf andere Freunde gelegt und andere Freunde wurden mit der internen Leitung bestimmt. Trotzdem macht man mich, – freilich, ohne mir das offiziell mitzuteilen, sodass ich noch nicht einmal dagegen protestieren kann, – für die verschiedenen Entwicklungsphasen in der Amsterdamer Antikriegsbewegung verantwortlich. Ein hierher zurückgekehrter Freund unterrichtete mich u. a. davon, dass dort geraunt wird, dass ich Schuld sei an der plötzlichen Namensänderung der Bewegung und an der Zusammenlegung der antifaschistischen und der Antikriegskomitees.35

Ich nehme an, dass alle beteiligten Freunde, wie Barbusse, Jerram36 und Kurella37 nicht zögern werden, einer derartigen Verdrehung und Entstellung der Tatsachen entgegenzutreten.

Ich stelle fest,

a. dass ich, seitdem ich hier bin, höchstens zu 2 bis 3 Sitzungen zugezogen wurde und da diese Sitzungen keine Resultate gezeitigt haben, hat man kein Verlangen, solche Sitzungen zu forcieren.

b. dass mich niemand gefragt hat, niemand meine Einwilligung eingeholt, niemand mit mir gesprochen hat, über die Namensänderung der Amsterdamer Bewegung und dass die Namensänderung ohne mein Zutun von dem Sekretariat der Amsterdamer Bewegung beschlossen wurde, dem ich nicht angehöre.

c. Dasselbe trifft zu für die Beschlüsse über die Zusammenlegung der antifaschis­tischen- mit den Antikriegskomitees.38 Niemand hat mich gefragt, niemand hat mich informiert. Ich war selber so überrascht, wie jemand in Berlin, drüben oder in New York. Das ist die Tatsache, das ist die Wahrheit. Trotzdem lässt man dort aus leicht erkenntlichen, vielleicht fraktionellen Gründen Gerüchte verbreiten, dass ich der große Schieber hinter den Kulissen bin, und diese ganze Sache von mir geschoben sei.

Es hat keine Sitzung stattgefunden, zu der ich eingeladen war, die sich mit der Jugendfrage beschäftigt hat. Trotzdem erhielt ich ein Telegramm, dass der Jugendkongress auf den 1. Oktober verschoben werden muss. Ich war nie zu einer Sitzung hinzugezogen, wo über den Jugendkongress verhandelt und wo über die Frage des Termins gesprochen wurde.

Man beschließt dort Personenänderungen, man ändert die zentrale Figur, man schaltet die alte zentrale Figur, die den Kongress gemacht hat, aus, und plötzlich, ein halbes Jahr später, macht man die gleiche Figur verantwortlich für alles, was irgendwo geschehen ist.

Das sind ungesunde Methoden, die die Arbeitsentwicklung hemmen und zerstören müssen.

Ein anderes Kapitel: der Antifaschistische Kongress.

Ende März erhalte ich Nachricht, erreicht mich der erste Brief mit der Mitteilung über die Organisierung des Antifaschistischen Kongresses, ein wüster, unerhörter unqualifizierter Schimpfbrief, wie ich ihn in meinem Leben noch nicht erhalten habe. Einige Wochen später habe ich eine heftige Auseinandersetzung mit dem für die Organisierung des Kongresses verantwortlichen und damit beauftragten Genossen K.39 mit dem Resultate, dass nicht nur ich, sondern eine große internationale Organisation von jeder weiteren Mitarbeit an dem Kongress ausgeschlossen wird. Es ist schon ein Skandal, dass wegen einer Auseinandersetzung, bei der mir, wie ich heute noch tief überzeugt bin, das bitterste Unrecht seit Jahren geschehen ist, ich als einer der bekanntesten Antifaschisten, der von der deutschen Bourgeoisie mit Recht oder Unrecht, als einer der stärksten Träger des antifaschistischen Kampfes und als aktiver Kämpfer gegen den Faschismus in der Presse bezeichnet und verfolgt wird, vollkommen ausgeschaltet bin von jeder Sitzung, ausgeschaltet bin von jeder Besprechung, sogar von der Teilnahme am Kongress, so ist es ein unverzeihlicher politischer Skandal, dass eine Organisation wie die IAH, nur deshalb, weil ich ihr Sekretär bin und mit einem der Organisatoren des Antifaschistischen Kongresses eine Auseinandersetzung hatte, auf dem Kongress wie Dreck behandelt wurde. Alle andern Organisationen hatten Redner, durften den Kongress offiziell begrüßen, der IAH wurde das verweigert. Für die andern Organisationen wurden Resolutionen angenommen, für die IAH wurde das verweigert.

In den angenommenen Beschlüssen spielt eine Hauptfrage die Organisierung von Streiks gegen den Faschismus und die Unterstützung dieser Streiks, eine Aufgabe, die eine spezifische und historische Aufgabe der IAH ist. In den Thesen davon kein Wort, wird der Name der IAH nie erwähnt, während die Rote Hilfe mehrmals erwähnt ist. Die IAH wird zu keiner internen Sitzung oder andern Sitzungen hinzugezogen. In den Körperschaften sind Vertreter der verschiedensten Organisationen. Die R. H. [Rote Hilfe] hat allein 3 oder 4. Die IAH ist weder im erweiterten noch im engeren Ausschuss vertreten.

Alle politischen Gründe, alle Beschlüsse der Komintern und ihrer Kongresse verpflichten alle Organisationen und alle Genossen für die größte und stärkste Unterstützung der IAH, und wegen einer persönlichen Auseinandersetzung wird geduldet, dass an dem entscheidenden Schnittpunkt der kommunistischen Tätigkeit und Aktion im antifaschistischen Kampfe durch einen Mann diese Organisation vollkommen ausgeschaltet wird.

Lieber Genosse, das sind Methoden, die ungesund, die unerträglich sind und nicht nur jede Arbeitskraft des einzelnen zerstören, sondern die Bewegung überhaupt und auf das Schwerste politisch und in ihrer Entwicklung schädigen. Und doch geschieht es, und niemand korrigiert es das, und eine derartige Sache reiht sich an die andere.

Ein anderer Fall. Auf meine Anfrage im Januar teilen Sie mir mit: bleiben bis zur letzten Stunde, vorbereiten die Übersiedlung und dann draußen weiter arbeiten. In den entscheidenden Tagen steigert die faschistische Presse ihre Hetze gegen mich ins Maßlose. Ich bin in Süddeutschland. Ich versuche mich zu halten, solange das möglich ist. Die faschistische Propaganda macht mich verantwortlich für die ganzen angeblichen Provokationsdokumente, für Brunnenvergiftungen, Geiselmorde und der Teufel weiß noch wofür. Ich bin verantwortlich für die Überführung wichtiger Organisationen und Unternehmungen. Ich entschließe mich nach der Überführung auf den Frontabschnitt zu gehen, den Sie bestimmen. Ich gehe also nach dem Ausland, so schwer wie ich selten einen Weg gegangen bin, trotzdem mir alle Vernunftgründe sagen, es ist richtig, das Gefühl sträubt sich dagegen. Ich kann nicht, das Gefühl wird immer wieder lebendig; die andern sind drüben, du bist hier. Ich finde nur ein Mittel, um darüber hinwegzukommen: die fieberhafteste, gesteigertste Arbeitsleistung, die nur möglich ist. Ich versuche das Maximum von Agitation zur Unterstützung unserer deutschen Freunde zu organisieren, ich versuche die ins Ausland geflüchteten Leute zusammenzufassen. Es ist niemand hier außer mir. Ich versuche Komitees zu schaffen, Geld aufzubringen, weil niemand dazu die Hände rührt und es gelingt tatsächlich, die erste Welle von draußen zu erzeugen. Da nach wenigen Wochen, kommen die Kommissionen, die Unterkommissionen, die Subkommissionen, die Beauftragten, die Unterbeauftragten, stellen fest, dass die Initiative natürlich gut sei, aber man darf sie nicht ausüben. Initiative wird in Resolutionen gefordert, aber man darf sie nicht entwickeln, wenn die kompetenten Stellen sie nicht entwickeln. Im ersten größten Aufschwung der Bewegung funkt man dazwischen, zerstört hunderte von Verbindungen, verbietet weitere Initiative, beschwert sich, droht mit Verfahren, richtet Briefe nach dort40, sendet Kuriere nach dort, telegrafiert jeden Tag, dass hier ein Mensch sitzt, der zuviel arbeitet und zuviel Initiative hat.

Typisch dafür ist das Geschick des Versuches, nichtproletarische Kreise für die finanzielle Hilfeleistung zu organisieren. Für mich war es von der ersten Stunde klar, dass es nur möglich war, größere Geldmittel aus nichtproletarischen Kreisen zu schaffen, genau wie 1921 für Rußland, später für den englischen Bergarbeiterstreik usw.. Mein strategischer Plan ist, um einen proletarischen Kern breite Gruppen von Intellektuellen, Kleinbürgern, Mittelschichten usw. zu gruppieren. In einem Lande finde ich Verständnis und Unterstützung: England. Es gelingt das nach meinem Verständnis vorbildlichste Hilfskomitee für die Opfer des Faschismus zu schaffen. Das Komitee hat bis jetzt außergewöhnlich gute Propaganda entwickelt, veranstaltet Riesenkundgebungen, wie sie seit dem Generalstreik nicht mehr waren, hat eine ganz große Presse »Manchester Guardian«, »Daily Herald« u. a. beeinflusst, die Demonstration gegen Rosenberg41 organisiert und veranlasst die Interpellationen im Oberhaus und Unterhaus, gibt als erstes Komitee Geld aus dem Lande nach Deutschland, hat bisher rund 80.000 ffrs. aufgebracht und ist nach den Erklärungen von Pollitt42 eine außergewöhnlich starke Hilfe für die Entwicklung der Einheitsfrontbewegung in England.

In dieser gleichen Linie wurde versucht in Frankreich, in Holland, in andern Ländern zu arbeiten. Weil der Plan richtig ist, erheben sich wieder Widerstände. Teilweise wie in der Schweiz, wurde die Entwicklung einer solchen Arbeit vernichtet und unmöglich gemacht, aber dort wo wir diese Komitees nicht geschaffen haben, wurden sie auch von andern Organisationen nicht geschaffen.

Der Kampf um die Komitees geht weiter, der Kampf darüber, wer helfen darf und wer nicht helfen darf und nimmt nahezu groteske Formen an.43

Die Vertreter der Partei verlangen mit Recht, mehr für die Kinder und mehr Kinder aus Deutschland herauszuholen. Wir gaben darauf an die Rote Hilfe 8.500.– ffrs., damit sie aus Deutschland Kinder schicken kann. Die von der Partei geforderte so nützliche Aktion, die sich auch für die Rote Hilfe nur günstig auswirken kann, wird beantwortet mit einem Protest nach drüben. Ich erhalte eine Mitteilung von Misiano,44 dass wir uns in solche Sachen nicht hineinzumischen haben. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Ein anderer Fall: Wir erhalten Instruktionen und Befehle, dass in der Zeit vom 17. bis 25. Juni eine Sammelwoche der Roten Hilfe durchgeführt wird. Wir werden besonders darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit allen Kräften die Rote Hilfe zu unterstützen haben und keine eigenen Sammlungen durchführen dürfen. Auf Grund dieser Instruktionen und nach den Verhandlungen der Dreier-Kommission schicken wir Instruktionen an unsere IAH-Organisationen, dass sie in dieser Woche keine eigenen Veranstaltungen machen, keine eigenen Sammlungen durchführen und dass sie die Rote Hilfe mit allen Kräften unterstützen sollen. Die IAH-Organisationen und Gruppen sammeln in dieser Woche auf den Listen der Roten Hilfe, verkaufen ihre Marken und Broschüren. Ich schicke diese Direktiven herüber. Man stellt fest, dass alles richtig ist. Plötzlich erhalte ich heute ein Telegramm, indem ich aufgefordert werde, innerhalb von 5 Tagen mitzuteilen, die Durchführung der internationalen Woche für die Opfer des deutschen Faschismus, mit den genauen Angaben der Sammelergebnisse, und welche Summen an die Rote Hilfe abgeführt sind, trotzdem bekannt ist, dass wir überhaupt keine Sammelwoche gemacht haben, sondern gemäß den Instruktionen und Befehlen die Rote Hilfe unterstützt haben, denn nur sie hat in dieser Woche für die deutschen Emigranten und Gefangenen gesammelt.

Eine andere Frage: Der Gegen-Prozeß. Im März treffe ich hier den Freund M.,45 und der mir u. a. Ihren persönlichen Wunsch übermittelt, mit Hilfe von Romain Rolland einen Gegen-Prozeß zu organisieren. Ich nehme mich mit Eifer der Sache an. Es gelingt zehn der bekanntesten Juristen der Welt zu bekommen. Die ganze Presse wird aufmerksam. Der Gegen-Prozeß rückt in den Mittelpunkt des ganzen öffentlichen Interesses. Wiederholt wird das von drüben bestätigt. Genaue Instruktionen kommen. Es wird eine Dreier-Kommission von drüben eingesetzt, die intern alles führen soll. In dieser Dreier-Kommission wird alles bis auf die letzte Zeile und das letzte Flugblatt besprochen. Da bekommt die Rote Hilfe plötzlich ein Telegramm, einen gleichen Gegen-Prozeß wie in Haag in Paris zu organisieren. Die Leute müssen sich natürlich an die gleichen Juristen wenden und die Juristen halten uns entweder für wahnsinnig oder für Hochstapler. Und so geht das fort.

Wir haben erreicht, dass in England, in Spanien, in Holland tausende führende Intellektuelle, die uns bisher absolut fern standen, zum ersten mal für eine Aktion gewonnen wurden und aktiv arbeiten und jeden Tag hat man nichts anderes zu tun als alle Angriffe abzuwehren, damit die Komitees nicht auseinander gehauen und zerschlagen werden. 90 % aller Kraft braucht man, um die Störungen abzuwehren und nur 10 % bleiben, um weiter nach draußen zu arbeiten. Das macht das stärkste Ross kaputt. So kann man nicht mehr arbeiten.

Ein anderer Fall: Als erstes Komitee bringt das von uns geschaffene englische Komitee 300 Pfund auf. Wie eine Mär verbreitet sich diese Nachricht. Mit dem englischen Komitee sind alle Vereinbarungen getroffen, die garantieren, dass das englische Komitee vor der englischen Arbeiterschaft und Öffentlichkeit beweisen kann, dass die Gelder unparteiisch an Familien verhafteter Kommunisten und Sozialisten verteilt werden. Trotzdem kommt nach England eine Vertreterin der KPD mit Auftrage, das Geld zu holen. Wenige Wochen später, kommt die zweite Delegierte, Maria Reese mit dem gleichen Auftrag und behauptet, dafür auch ein Mandat der Politkommission zu haben. Wenige Tage später kommt die dritte Delegierte, die Frau von dem Roten Hilfe-Sekretär Koska, Berlin. Wenige Tage darauf kommt der zweite Sekretär der Roten Hilfe, Miller,46 der das Geld holen will. Es ist klar, dass auf diese Weise das stärkste Misstrauen lebendig wird und wertvolle Arbeit zerstört wird.

Über die Finanzfrage der Komitees berichte ich separat. Es genügt hier festzustellen, dass die von uns geschaffenen Komitees bisher rund 100.000.– ffrs. aufgebracht haben, die restlos für ihre Aufgaben, die Unterstützung der politischen Gefangenen und Emigranten und große Teile davon über die Rote Hilfe eingesetzt wurden und werden. Wir haben in diesem Falle nicht 1% Organisationsspesen verrechnet, sondern alle Reisen, Delegationen, Apparatunkosten usw. auf unser Konto genommen und dafür rund 20.000 ffrs. Gelder der IAH-Kasse verwendet. Wir haben darüber der dafür von der Politkommission47 eingesetzten und für diese Frage einzig und allein verantwortlichen Kommission eingehend berichtet und ihr alle Unterlagen gegeben.

Es bedeutet unabsehbaren Schaden, wenn trotz dieser klaren Verhältnisse, Kameraden wie Maria Reese48 in London die Sekretärin des Hilfskomitees fragt, ob ihr bekannt sei, aus welchen Mitteln die Angestellten der IAH in Paris bezahlt würden. Die parteilosen und sozialistischen Mitglieder des englischen Komitees, haben in scharfer Weise gegen die Anzapfung protestiert und Leute wie Ellen Wilkinson haben mit Betonung erklärt, dass sie Münzenberg für einen der gerissensten kommunistischen Macher halte, doch sei sie fest überzeugt, dass auch der letzte Schilling der gesammelten Gelder restlos für seine Aufgaben, also für die Opfer des Faschismus Verwendung findet.

Die sozialistischen Führer müssen hier also unqualifizierte Angriffe von beauftragten Vertretern von drüben, zurückweisen.

Genug.

Je mehr ich schreibe, umso mehr Neues, geradezu unglaubliches Material fällt mir ein. Ich schenke es mir. Nur noch eine Sache. Der Kampf gegen die Unternehmen:49 Sie wissen, dass dieser Kampf mit einer Leidenschaft, mit einer Zähigkeit, und mit der Aufbietung von Parteienergien betrieben wurde, die wahrlich einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Ohne ihre Hilfe hätte man überhaupt diese Arbeit nicht machen können. Ich glaubte, dass wenigstens nach den Vorgängen in Deutschland der Kampf aufhören würde, wo unter den denkbar schwierigsten polizeilichen, finanziellen und organisatorischen Verhältnissen, mit Druckereien in zwei bis drei Ländern, mit außergewöhnlichen Transportschwierigkeiten, gearbeitet werden muss. Ich habe mich getäuscht. Der Kampf gegen die Unternehmen wird heute noch weiter geführt. Niemand kann dabei etwas gewinnen. Nur die Bewegung kann verlieren, aber man führt diesen Kampf nur, um zu beweisen, dass Münzenberg nichts Besseres leisten kann.

Welche geradezu ungeheuerliche Schärfe dieser Kampf annimmt, darüber informiert Sie beiliegender Brief, den der Ihnen und besonders auch Bela K.50 bekannte radikale Schriftsteller von Brentano51 an einen Pariser Freund geschrieben hat. Die in diesem Brief gemachten Mitteilungen waren für mich so ungeheuerlich, das ich lange gezögert habe, den Brief weiterzugeben und ich gebe ihn erst heute weiter, nachdem ich von anderer Seite eine Bestätigung über die Richtigkeit der in dem Briefe aufgestellten Behauptungen erhalten habe, und meine Frau das in dem Brief erwähnte Zirkular selbst einsehen konnte.

Aus diesem Briefe von Brentano ergeben sich folgende Tatsachen. Kurz nach dem Reichstagsbrand, haben die 3 Versöhnler52 Humbert-Droz, Otto Heller und Robert Volk53 den wegen trotzkistischen Abweichungen aus der Komintern ausgeschlossenen Tranquilli54 aufgesucht, der in Zürich mit Unterstützung sozialdemokratischer Kreise eine Monatsschrift »Information« herausgibt, und der unter dem Namen Silone einen ausgezeichneten geradezu vorbildlichen antifaschistischen Roman geschrieben hat. Die 3 Versöhnler haben Tranquilli erklärt, dass jetzt eine neue Welle kommt und dass sie an die Macht kommen. Von ihm haben sie die Zurverfügungstellung seines Blattes verlangt und ihm dafür versprochen, ihn in die Partei aufzunehmen und ihn in die neue italienische Leitung vorzuschlagen. Tranquilli hat zugesagt. Es sind mehrere Artikel von Heller unter einem Pseudonym erschienen und es ging ein Zirkular heraus von dem Vertreter des Kominternverlages an die Litstellen, dass in Zukunft nicht mehr »Unsere Zeit« vertrieben werden sollte, die mit der trotzkistischen »Weltbühne« auf eine Stufe gestellt wurde, sondern in Zukunft nur noch die »Informationen«. Bald aber kam es zum Krach. Heller versuchte Tranquilli von der redaktionellen Stelle zu verdrängen. Dann kam es zum Bruch. Tranquilli hat heute noch Artikel von Heller, die er unter Pseudonym geschrieben hat und die sich gegen die Gewerkschaftslinie der Komintern aussprechen. Nach dem Bruch proklamierten die Versöhnler den Boykott der »Information« und taten ihren Mitverschwörer Tranquilli in Acht und Bann. Die Universum-Bücherei, die u. a. Werke von Schiller, Heine und Goethe herausgebracht hat, hatte unterdessen den Roman Silones übernommen, der auch von dem Komintern-Verlag für andere Übersetzungen erworben wurde. Daraufhin organisierten die Versöhnler und der von ihnen beeinflusste Leiter der Parteilitstelle, Bickel in Zürich, ein offizielles Schreiben des ZK der Schweizerischen Partei, in dem gedroht wurde, einen Massenboykott gegen die AIZ durchzuführen und Anzeige bei der Komintern zu erstatten, wenn der Roman von uns vertrieben würde. Die schweizerische Partei und ihr Litvertrieb, ein Spielball bei den Manövern einer Versöhnlergruppe.

Um das Durcheinander voll zu machen, kommt einige Wochen später ein Vertreter der KPD nach der Schweiz mit dem Auftrag, ein überparteiliches Komitee zu bilden. Der Mann ist begeistert, als er einen ausgezeichneten Mann gefunden hat, der über alle Intellektuelle verfügt, der das Zentrum einer solchen Bewegung sein könnte und sein muss: Silone. Also geschehen vor wenigen Wochen, im Jahre 1933 in der schweizerischen Sektion der KI.

Ein anderer Fall: Wir führen den erbittertsten Kampf gegen die faschistische »Welt am Abend« und öffentlich und in der Presse gegen einen Verräter, der seine Sache mitmacht, um seine Wohnung zu retten. Wir strengen zivilrechtliche und strafrechtliche Prozesse an usw.. In diesem Moment erreicht uns die Nachricht, dass in Berlin eine neue »Arbeiter Bilder Zeitung« unter dem Namen »ABZ«55 erscheinen soll. Der ursprünglich geplante Name »AIZ« war von der Staatspolizei verboten worden, weil man dadurch eine Behinderung der Verfolgung der heute schon zu Tausenden nach Deutschland gebrachten wirklichen »AIZ« befürchtete. Diese Bilder-Zeitung ist eine ausgesprochen faschistische Bilderzeitung, genau wie die »Welt am Abend«, von den gleichen Hintermännern gemacht, von den gleichen faschistischen Staatsministern zugelassen. An dieser Zeitung arbeiten eine Reihe der besten Parteifunktionäre und Instrukteure vom Wedding mit, wie ihnen gesagt wurde, auf Beschluss des ZK der KPD.

Alle unsere Versuche drüber Klarheit zu schaffen, eine Verständigung zu erreichen, ein gemeinsames Vorgehen zu sichern, sind gescheitert. Es ist klar, dass wenn es sich bewahrheiten sollte, wofür verschiedenes u. a. auch ein Bericht des Genossen Holm56 spricht, dass das ZK der KPD aus irgendwelchen Gründen seinen Funktionären erlaubt hat, mitzuarbeiten, und das begünstigt, dass dann unser Kampf gegen die faschistische »Welt am Abend« außerordentlich erschwert ist.57

Trotz aller Schwierigkeiten ist es uns gelungen, was Sie uns durch Ma.58 übermitteln ließen, einen großen Teil des »Konzerns« wieder aufzubauen. Die »AIZ« erscheint [in der] deutschen [Ausgabe] regelmäßig. Jetzt wird eine tschechische Ausgabe vorbereitet, in Frankreich erscheint 14 tägig »Regards«, vorbereitet wird eine Nummmer in Spanien. »Unsere Zeit« erscheint weiter, trotz des Zirkulars an die Litstellen und komm.[unistischen] Buchhandlungen in der Schweiz, mit einer Auflage von 6000. Vorläufig erscheint der »Gegenangriff«, dessen Auflage von Nummer zu Nummer steigt, die heute 16.000 erreicht hat. Der »Gegenangriff« wird ab 1. September wöchentlich erscheinen und zwar in 2 Ausgaben: der Ausgabe a), die in Paris gedruckt wird und die Ausgabe b), die in Prag gedruckt wird.

Aber meine Hauptarbeit habe ich in den letzten Wochen und Monaten konzentriert auf die Mitarbeit bei der Herstellung eines »Braunbuches über Reichstagsbrand und Hitlerterror«.59 Das Buch ist jetzt in der Maschine, wird ca. 400 Seiten umfassen, in 8 Tagen ausgeliefert werden und in rascher Folge englisch in England und Amerika, französisch, holländisch, schwedisch und spanisch erscheinen.

Das Buch hat sicher politische und literarische Schwächen, aber es ist einzigartig in der Zusammenstellung des Materials, das durch seine Fülle einfach erdrückt. Die Gegner reagieren heute schon. Der »Völkische Beobachter« hat seit einer Woche fortgesetzt Artikel dagegen gebracht, gegen einen der hauptbeteiligten Mitarbeiter, Otto Katz,60 erschien gestern ein Artikel mit einer unverhüllten und klaren Aufforderung zum Mord. Die größten englischen Blätter »Manches­ter Guardian«, »Daily Herald« und viele darüber hinaus, haben das Buch bereits vorangekündigt. Große Konferenzen haben stattgefunden und ich glaube, dass das Buch nicht nur ein starker literarischer, sondern ein noch stärkerer ideologischer Erfolg werden wird. Verschiedene Teile werden sofort als Massenbroschüre erscheinen.

Ich kann diesen Brief nicht schließen, ohne mit einem Wort meine Stellung innerhalb der Partei zu präzisieren. Ich habe Ihnen persönlich vor ungefähr Jahresfrist die Erklärung abgegeben, und später wiederholt, dass ich mich nicht fraktionell betätigen werde. Sie haben mir geglaubt. Ich kann Ihnen heute nur sagen, dass ich mein Wort gehalten habe.

Ich habe in einer neuen Erklärung Ende des letzten Jahres auf dem Z. K. als einen meiner Fehler festgestellt, dass ich zu lange geglaubt habe, durch Verhandlungen zwischen den einzelnen Mitgliedern der Spitze der Weddinger Parteizentrale vermitteln zu können. Ein Fehler, der mit verursacht wurde dadurch, dass ich durch Gespräche die ich mit verschiedenen Genossen, auch mit Teddy führte, die Meinung gewann, dass diese Verhandlungen nicht ungern gesehen werden.

Ich habe, was Sie auch in Ihren Gesprächen mit mir als eine Selbstverständlichkeit bezeichneten, auch später noch meine Verbindungen und Korrespondenzen mit einzelnen Freunden aufrecht erhalten und ich glaube, dass ich ein wesentliches Teil dazu beigetragen habe, Entgleisungen von verschiedenen Freunden zu verhindern, die sie vielleicht noch weiter vom Zentrum der Parteiarbeit entfernt hätten, wie das heute schon der Fall ist.

Lieber Genosse, der Brief ist länger geworden als ich ursprünglich disponiert und geglaubt hatte und ich habe ihn nach ungefähr 12 Seiten nur im Telegrammstil weitergeführt. Aber ich glaube, dass die wenigen Beispiele, die ich Ihnen so kurz gedrängt mitteilen musste, wiederholt sich hundertfach und in anderer Form bei anderen Genossen. Das beweist, dass irgendwie die inneren Arbeitsmethoden, das Verhältnis des Apparates zu den einzelnen Genossen, die Frage der Verantwortlichkeit, die Frage des Rechtes der Initiative, ich möchte sagen, der Pflicht zur Initiative festgestellt und geregelt werden müssen. Diese Arbeitsmethoden können nicht andauern. Dürfen nicht weiter bleiben, weil sie hunderte vielleicht tausende jüngerer, aktiverer, arbeitswilliger Kräfte einfach in der Entwicklung und überhaupt an einer fruchtbaren Arbeit behindern. Noch einmal: Es geht nicht um mich. Ich gebe nur diese Beispiele, weil ich sie selbst erlebt habe. aber da ich sehe, wer nachwächst, und sehe welche Persönlichkeiten auf den einzelnen Frontabschnitten wirken und schaffen, bin ich überzeugt, dass ähnliche schlechte Erfahrungen hunderte anderer Mitarbeiter machen. Deshalb schreibe ich Ihnen. Und ich will mit diesem Briefe weiter gar nichts bezwecken. Ich will keine größere Beachtung, als ich bisher gefunden habe. Ich will keine irgendwelche repräsentative Feststellung. Wenn ich auch nicht verstehe, dass Ihre Kommission der Zetkinschriften dort beschließt, dass ein kurzer Nachruf von mir, der in der ganzen Presse gestanden hat, von nur einer Druckseite, in einer Broschüre wegbleiben soll, die Klara nach letzten Besprechungen mit mir geschrieben hat und die in unserm Verlage erscheint. Aber das sind Kleinigkeiten. Das ist eine ganz sekundäre Sache. Ich möchte nur eines erreichen, dass mir und hundert andern, die arbeiten wollen und arbeiten können, die Möglichkeiten zur Arbeit gegeben werden. Dass sie alle ganz und mit aller Kraft für unsere Bewegung und für die proletarische Revolution arbeiten dürfen, ohne dass man versucht ihnen dreimal täglich die Knochen zu brechen.

Mit dem Ausdruck der festesten und unverbrüchlichsten Waffenkameradschaft bin ich und verbleibe ich

Willi [handschr.]

P. S. Zu dem Kapitel »Antifaschistischer Kongress« noch ein kurzer Nachtrag. Es wurden drüben längere Ausführungsbestimmungen über die Zusammenarbeit der Amsterdamer und antifaschistischen Bewegung angenommen. Ich habe davon nur zufällig gehört. Trotzdem ich Mitglied der leitenden Fraktion der Amsterdamer Bewegung bin, wurden mir die Richtlinien nicht zugestellt. Es wurde darin beschlossen, dass gemeinsame Sitzungen zwischen diesen leitenden Fraktionen stattfinden. Ich wurde nicht eingeladen. Die eingeladenen Freunde des Amsterdamer Büros haben protestiert. Ich habe auch zur zweiten Sitzung keine Einladung erhalten.

Dokument 2

Drehbuch der Komintern für den Amsterdamer Kongress (1932)61

6. 7. [1932]

Streng vertraulich

Direktiven für die innere Kommission für die Leitung des Antikriegskongresses.

1) Zur Leitung der kommunistischen Delegierten des Antikriegskongresses sowie des Kongresses selbst wird folgende innere Kommission eingesetzt:

Ein Mitglied des Polbüros der K.P.D. als Vorsitzender (zu bestimmen ist vom Polbüro der KPD); Sekretäre: Münzenberg und Walecki; Mitglieder: zwei Mitglieder der Delegation aus der S.U.; Heckert (RGI), Duclos (Frankreich), Vertreter der KP Englands, der KP der Tschechoslowakei, der USA; De Visser (KP Holland), Helmuth (Vertreter der EBF), Braun (RGI).

2) Das Präsidium des Kongresses soll aus 76 Mitgliedern bestehen aus Vertretern der Literatur, der Wissenschaft, aus Arbeitervertretern, aus Vertretern der nationalen Komitees. Ins Präsidium soll eine entsprechende Zahl der Delegierten aus den kolonialen Ländern und Frauen und Jugenddelegierten gewählt werden. Das Präsidium soll eine geschäftsführende Kommission wählen, welche die Geschäfte des Kongresses in Verbindung mit der inneren Kommission führt. In der geschäftsführenden Kommission soll die Mehrheit unbedingt gesichert werden. In die geschäftsführende Kommission sollen ungefähr folgende Delegierte vorgeschlagen werden: Romain Rolland, Barbusse, Gorki, Tom Mann, Münzenberg, Beguschewitsch, Nejedli und zwei uns nahe stehende Arbeiter.

3) Kalendarischer Plan der weiteren Vorbereitung:

Am 24. August Sitzung der inneren Kommission zur Führung des Kongresses; am 25. VIII. Sitzg. des offiziellen Büros des Initiativkomitees, am 26. VIII. Sitzg. des erweiterten Initiativkomitees mit den Vertretern der nationalen Komitees, Referentenbesprechung und Pressebesprechung; am 27. VIII. Eröffnung des Kongresses. Tagungszeit 27. und 28. VIII. 1932. Im Falle, dass es politisch und organisatorisch notwendig ist, kann die Tagung am 29. VIII. fortgesetzt werden.

4) Das Büro des Initiativkomitees soll vom 26. VIII. an eine zeitweilige Mandatsprüfungskommission in Amsterdam einsetzen, welche erst auf dem Kongress bestätigt wird. Die provisorische Mandatsprüfungskommission erteilt für gewählte Delegierte Mandate, für Einzelpersonen Legitimationskarten, die dann von der gewählten Mandatskommission gegen Mandate ausgetauscht werden. Die Parteien, deren Länder eine größere Anzahl von Delegierten schicken, sollen bis zum 26. VIII. einen Bevollmächtigten nach Amsterdam schicken, welcher nach Anweisung des Gen. Münzenberg der Mandatsprüfungskommission in ihrer Arbeit behilflich sein soll. Diese Direktive wird der K.P. Deutschlands, Frankreichs, der Tschechoslowakei telegrafisch mitgeteilt.

5) Es wird vorgeschlagen, dass der Kongress von Romain Rolland eröffnet und das Hauptreferat von Henry (!, R. M.) Barbusse gehalten wird. Als erster Redner soll Maxim Gorki auftreten und dann abwechselnd die führenden Intellektuellen der Hauptländer und Arbeiter besonders aus der Rüstungsindustrie, der chemischen Industrie, des Seetransportes, aus der Veteranenbewegung der USA, gewesene Kriegsteilnehmer etc.. Auf eventuelle Angriffe sozialdemokratischer, anarchistischer, pazifistischer und Renegatengruppen sollen in erster Reihe die Genossen Smeral und Münzenberg, ein deutscher und ein französischer Arbeiter antworten. Genosse Cachin soll sich für eine Begrüßungsrede von Seiten der K. I. vorbereiten, ob sie gehalten wird, wird die Politkommission später entscheiden. Genosse Katayama wird wohl zum Kongress fahren, der tschechischen Partei mitgeteilt, dass Gen. Smeral durch eine untere Massenorganisation zu dem Kongress delegiert werden soll.

6) Das durch den Kongress zu wählende ständige Komitee gegen den imperialistischen Krieg und die militärische Intervention soll aus 60 bis 70 Delegierten mit Heranziehung der Vertreter aller teilnehmenden Länder, der Frauen und der Jugend zusammengestellt werden.

Die Liste soll von dem Inneren Komitee ausgearbeitet werden und das ständige Komitee gegen den imperialistischen Krieg und die militärische Intervention soll ein Büro aus 11 bis 16 Mitgliedern wählen, dessen Sitz in Paris sein soll. Die ständige Arbeit des Büros soll durch ein Sekretariat geführt werden, bestehend aus drei Mitgliedern, welche von der innern Kommission noch vor dem Kongress zur Bestätigung vorgeschlagen werden sollen. Als einer der Sekretäre wird Barbusse vorgeschlagen.

7) Das Manifest des Kongresses soll von allen Teilnehmern unterschrieben werden. Das Protokoll der Verhandlungen soll stenografisch aufgenommen werden; über die Veröffentlichung des Protokolls soll später entschieden werden.

8) Der holländischen Partei wird vorgeschlagen, in Amsterdam und anderen holländischen Städten und Industrieorten Demonstrationen zu veranstalten.

9) Die kommunistische Internationale soll eine Erklärung zum Abschluss an den Kongress vorbereiten, die Innere Kommission entscheidet nach der Notwendigkeit, ob diese Anschlusserklärung veröffentlicht werden soll.

10) Besondere Konferenzen (Gewerkschaften, Frauen, Kriegsteilnehmer, Studenten, Ärzte etc.) sollen durch die Innere Kommission sorgfältig vorbereitet werden. Für die Konferenz der Gewerkschaftler tragen noch die Genossen Heckert, Schwernik und Braun die besondere Verantwortung. Auf diesen Konferenzen sollen im Geiste des Manifestes des Internationalen Antikriegskongresses entsprechend konkrete Resolutionen über die Aufgaben der Bekämpfung des imperialistischen Krieges angenommen werden, die zuvor von der Kommission geprüft sind.


1 Kurzbiografien Münzenbergs in: Hermann Weber / Andreas Herbst (Hg.): Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, überarb. und stark erweiterte Aufl. Berlin 2008, S. 622 ff.; Reinhard Müller: Willi Münzenberg, in: Manfred Asendorf / Rolf von Bockel (Hg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. Ein Lexikon, Stuttgart,Weimar 1997, S. 439 ff.

2 Siehe Rossijskij gosudarstvennij archiv social’noj i političeskoj istorii / Russisches Staatsarchiv für sozio-politische Geschichte (im Folgenden: RGASPI), F. 495, op. 19.

3 Siehe RGASPI, F. 495, op. 73 u. op. 74.

4 Abschlussbericht abgedruckt in: Reinhard Müller: Bericht des Komintern-Emissärs Bohumir Šmeral über seinen Pariser Aufenthalt 1937, in: Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch, Bd. 9, München 1991, S. 236–261.

5 Siehe RGASPI, F. 495, op. 205, d. 7000.

6 Nahezu ausschließliche Quelle bei Harald Wessel: Münzenbergs Ende: ein deutscher Kommunist im Widerstand gegen Hitler und Stalin, die Jahre 1933 bis 1940, Berlin 1991.

7 Herangezogen z. B. bei Tania Schlie: Alles für die Einheit. Zur politischen Biographie Willi Münzenbergs (1936–1940), Mag. Arbeit, Hamburg 1990; dies.: Der »Fall Münzenberg« in den Akten von KPD und Komintern, in: Tania Schlie / Simone Roche (Hg.): Willi Münzenberg (1889–1940). Ein deutscher Kommunist im Spannungsfeld zwischen Stalinismus und Antifaschismus, Frankfurt a. M. 1995, S. 195–203; Ursula Langkau-Alex: Deutsche Volksfront 1932–1939: Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau, Bd. 1–3, Berlin 2004–2005.

8 Siehe Sean McMeekin: The Red Millionaire. A Political Biography of Willi Münzenberg. Moscow’s Secret Propaganda Tsar in the West, New Haven, London 2003.

9 Benutzt wurden von McMeekin die Bestände der Internationalen Arbeiterhilfe. Siehe dazu RGASPI, F. 538 und F. 495, op. 60, Kommission des EKKI zur Führung der Kampagnen gegen Krieg und Faschismus (Antikriegskommission) unter Leitung von Bela Kun.

10 Gross berichtet, dass »über Münzenbergs Apparat« für den Amsterdamer Kongress 38 000 Dollar ausgegeben wurden, die dann bei Pjatnickij in Moskau abgerechnet wurden. Siehe in: Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie (= Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Bd. 14 / 15), Stuttgart 1967, S. 240.

11 Siehe Rolf Surmann: Die Münzenberg-Legende: Zur Publizistik der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung 1921–1933, Köln 1983.

12 Siehe Münzenberg an das Sekretariat des ZK der KPD, 3. November 1932, in: RGASPI, F. 495, op. 19, d. 526, Bl. 180–181.

13 Siehe Aussprache mit dem Genossen Münzenberg, 11. November 1932, in: RGASPI, F. 495, op. 19, d. 526, Bl. 160–163.

14 Thälmann an Pjatnickij, 13. November 1932, in: RGASPI, F. 495, op. 292, d. 61, Bl. 164.

15 Siehe Münzenberg an Thälmann, 12. November 1932, in: RGASPI, F. 495, op. 292, d. 61, Bl. 147–149.

16 Nach dem IV. Weltkongress der Kommunistischen Internationale war Pjatnickij Mitglied des Organisationsbüros und der Budgetkommission; 1923–1935 Mitglied des EKKI und des Sekretariats; als Vorsitzender des Org.büros des EKKI zuständig u. a. für Finanz- und Personalfragen; »graue Eminenz« der Komintern; 1935 von seinen Funktionen in der Komintern abgelöst, dann in das ZK der KPdSU als Leiter der Politisch-Administrativen Abteilung abgeschoben; am 7. Juli 1937 verhaftet; nach barbarischer Folter als Leiter der »faschistischen und Spionageorganisation der Trotzkisten und Rechten in der Komintern« am 28. Juli 1938 zum Tode verurteilt und erschossen. Siehe Reinhard Müller: Der Fall des Antikomintern-Blocks – ein vierter Moskauer Schauprozeß?, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (im Folgenden: JHK) 1996, S. 187–214; Vladimir Pjatnickij: Zagovor protiv Stalina [Verschwörung gegen Stalin], Moskau 1998.

17 Siehe Sean McMeekin: The Red Millionaire (Anm. 8), S. 264.

18 Siehe Michel Dreyfus: Willi Münzenberg und die Massenorganisationen der Komintern (1923–1936), in: Schlie / Roche (Hg.): Willi Münzenberg (Anm. 7), S. 125–139; Yves Santamaria: D’ Amsterdam à Stockholm 1932–1952: Deux générations dans la »Lutte pour la Paix« [Von Amsterdam nach Stockholm 1932–1952: Zwei Generationen im »Kampf für den Frieden« ], in: Communisme 2004, H. 78 / 79, S. 177–188.

19 Siehe Bilanz des ersten Jahres der Amsterdamer Bewegung, in: RGASPI, 495, op. 60, d. 242, Bl. 64–79.

20 Siehe auch den vertraulichen Bericht von Bohumir Šmeral vom 21. April 1933, der als Komintern-Vertreter aus Paris über das Amsterdamer Komitee berichtet, in: RGASPI, F. 495, op. 19, d. 329, Bl. 107–115.

21 Münzenbergs Brief war 1993 der Kaderakte (RGASPI, F. 495, op. 205, d. 7000) lose beigelegt und durch eine Vollmacht des Sohnes von Babette Gross zugänglich. In der neugeordneten Kaderakte Münzenbergs fehlt dieses Dokument. Fotokopie des Briefes siehe Sammlung Willi Münzenberg, Archiv Hamburger Institut für Sozialforschung. Der Adressat des Briefs ist zwar nicht genannt, wurde aber aus einem ähnlichen Beschwerdebrief Münzenbergs an Pjatnickij vom 3. Januar 1935 erschlossen, in: RGASPI, F. 495, op. 19, d. 337, Bl. 4–9.

22 dort, gemeint ist Moskau.

23 X, gemeint ist hier Stalin.

24 [Anmerkung der Redaktion: Grammatikalische Ungenauigkeiten wurden grundsätzlich aus dem Dokument übernommen und nicht berichtigt.]

25 differenziert, gemeint ist hier differiert.

26 Münzenberg unterlag 1921 im Kampf um die Selbstständigkeit der Jugendinternationale; der Sitz der Jugendinternationale wurde von Berlin nach Moskau verlegt. Siehe Gross: Willi Münzenberg (Anm. 10), S. 115–124; zur Sicht der Komintern siehe Alfred Kurella: Gründung und Aufbau der Kommunistischen Jugendinternationale, Berlin 1929.

27 Siehe Willi Münzenberg: Solidarität. 10 Jahre internat. Arbeiterhilfe 1921–1931, Berlin 1931; Gross: Willi Münzenberg (Anm. 10), S. 125–131.

28 Die Zeitschrift »Chronik des Faschismus« erschien 1923.

29 D. i. Heinz Neumann. Zur Biographie siehe Reinhard Müller: Heinz Neumanns Bußrituale – auch ein Nachtrag zum Protokoll der »Brüsseler Konferenz« der KPD, in: JHK 2008, S. 319–328.

30 Siehe Mustafa Haikal: Willi Münzenberg und die »Liga gegen den Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit«, in: Schlie / Roche (Hg.): Willi Münzenberg (Anm. 7), S. 141–153.

31 Gemeint sind hier finanzielle Zuwendungen.

32 Kurt Sauerland, seit 1923 Mitglied der KPD, 1923 bis 1927 im illegalen Nachrichtendienst der KPD, 1929–1931 Mitglied des Sekretariats der IAH, Redakteur des »Roten Aufbau«; veröffentlichte 1932 das von der KPD kritisierte Buch »Der dialektische Materialismus«, im März 1933 Emigration nach Paris, Redakteur von »Unsere Zeit«, dann als Sekretär der Liga gegen den Imperialismus nach London, im August 1934 nach Moskau, Komintern-Mitarbeiter bei Bela Kun; am 15. Mai 1937 verhaftet, am 22. März 1938 als Mitglied der »illegalen trotzkistischen Neumann-Remmele-Gruppe« zum Tode verurteilt und erschossen.

33 Paul Vaillant-Couturier, Anwalt und Schriftsteller, 1920 Mitglied der KP Frankreichs (im Folgenden: KPF), 1926–1929 Chefredakteur der »Humanité«, 1929 Rückzug aus Parteiämtern, 1935 erneut Chefredakteur der »Humanité«.

34 Siehe dazu Jocelyne Prézeau: Zur Bewegung Amsterdam-Pleyel am Beispiel der französischen Sektion (1932–1936), in: Sigrid Bock / Wolfgang Klein / Dietrich Scholze (Hg.): Die Waffen nieder! Schriftsteller in den Friedensbewegungen des 20. Jahrhunderts, Berlin 1989, S.184–192; Yves Santamaria: L’enfant du malheur: le Parti communiste francais dans la lutte pour la paix (1914–1947) [Kind des Unglücks: Die Kommunistische Partei Frankreichs im Kampf für den Frieden], Paris 2002. Allenfalls die Schauseite wird geschildert bei Rosemarie Schumann: Amsterdam 1932: der Weltkongreß gegen den imperialistischen Krieg, Berlin 1989.

35 Zur Zusammenlegung und Umbenennung in »Weltkomitee gegen Krieg und Faschismus« siehe Ursula Langkau-Alex: Deutsche Volksfront 1932–1939, Bd. 1: Vorgeschichte und Gründung des Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, Berlin 2004, S. 96 ff.

36 Guy Meredith Jerram, 1921 Mitglied der KPF, seit 1933 Sekretär der französischen Sektion der Amsterdam-Pleyel-Bewegung.

37 D. i. Alfred Kurella. Zu seiner Biographie siehe Reinhard Müller (Hg.): Die Säuberung. Moskau 1936: Stenogramm einer geschlossenen Parteiversammlung, Reinbek 1991, S. 64 f.

38 Jetzt »Weltkomitee gegen Krieg und Faschismus«.

39 Alfred Kurella, seit September 1932 Sekretär des »Internationalen Komitees zu Kampf gegen den imperialistischen Krieg« von der Komintern mit der »Reorganisation« beauftragt, notierte 1936 in Moskau: »Im Sommer 1933 hatte ich schwere Gegensätze mit dem Bevollmächtigten des EKKI für die Vorbereitung des Antifa-Kongresses, Karolski, über die Anwendung der Direktiven des EKKI (Wahl des Kongressortes, soziale Zusammensetzung, Trennung oder Verbindung der Fragen Krieg und Faschismus). Ich warf ihm damals direkt ›Schädlingsarbeit‹ vor. Im Juli vertrat ich mit der ganzen Fraktion des Int. Komitees und mit dem Pol.Büro der KPFr. den Standpunkt der Verschmelzung der Antikriegs- und Antifa-Bewegung, was im damaligen Augenblick den letzten Direktiven des EKKI widersprach. In beiden Fällen wurde der von mir vertretene Standpunkt später als richtig anerkannt. Für wiederholtes selbstständiges den Direktiven des EKKI widersprechendes Handeln wurde ich aber von diesem Posten abberufen.« Siehe RGASPI, F. 495, op. 205, d. 6339, (I), Bl. 353.

40 dort, gemeint ist Moskau.

41 Der Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP Alfred Rosenberg besuchte im Mai 1933 England.

42 Harry Pollitt, seit 1929 Generalsekretär der KP Großbritanniens, Mitglied des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale.

43 Siehe ergänzender Bericht »Über die Schwierigkeiten unserer Zusammenarbeit mit dem Hilfskomitee«, in: RGASPI, F.495, op. 60, d. 242a, Bl. 184-203.

44 Francesco Misiano, 1922–1924 zusammen mit Münzenberg in der Leitung der IAH, 1924–1935 Leiter der russischen Sektion der IAH in Moskau.

45 Nicht ermittelt.

46 Joseph Miller, 1932 Organisationssekretär der Roten Hilfe Deutschlands, 1933 Auslandsvertretung der Internationalen Roten Hilfe in Frankreich.

47 Politische Kommission des EKKI.

48 Maria Reese trat von der SPD zur KPD über und war bis 1933 Reichstagsabgeordnete der KPD, dann NS-Propagandistin.

49 Münzenberg meint hier seine Verlage, Zeitungen und Zeitschriften.

50 D. i. Bela Kun, Mitbegründer der KP Ungarns und Führer der ungarischen Räterepublik; 1924–1929 Leiter der Agitprop-Abteilung des EKKI, seit September 1933 im EKKI verantwortlich für das Weltkomitee gegen Krieg und Faschismus, verhaftet am 28. Juni 1937 und als einer der Führer des »Antikomintern-Blocks« erschossen.

51 Bernard von Brentano plante zusammen mit Bertolt Brecht und Walter Benjamin 1932 die Herausgabe einer Zeitschrift »Kritik und Krise«, emigrierte 1933 in die Schweiz.

52 Zur Geschichte der Versöhnler siehe Bernhard H. Bayerlein: Die unbekannte Geschichte der »Versöhnler« in der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Partei Deutschlands. Kein Randproblem der historischen Kommunisforschung, in: Avgust Lešnik: Kriza socialnih idej: Britovškov zbornik; a festschrift for Marjan Britovšek [Krise der sozialen Idee: Britovškov Sammelband, eine Festschrift für Marjan Britovšek], Ljubljana 1996, S. 321–340.

53 D. i. Karl Volk, zur Biografie siehe Reinhard Müller: Herbert Wehner – Moskau 1937, Hamburg 2004, S. 301.

54 Ignazio Silone trat 1931 aus der KP Italiens aus und lebte als Schriftsteller in der Schweiz; er lieferte Informationen für die faschistische Geheimpolizei.

55 Von der A B Z erschienen 1933 in Berlin mindestens 32 Nummern. Titelseite, Layout und Fotomontagen waren nach dem Vorbild der AIZ und John Heartfields gestaltet.

56 D. i. Hans Holm.

57 In einer Mitteilung »Betr. Frage der A.B.Z.« beschwerte sich Münzenberg, dass die Herausgabe der A.B.Z. »mit Einverständnis der Parteizentrale« erfolgte. Münzenberg bittet Pjatnickij um Klärung der Frage, da dieser Frontwechsel ohne Rücksprache mit ihm stattgefunden habe. Siehe RGASPI, F. 495, op. 19, d. 329, Bl. 157.

58 Dimitrij Manuil’skij, Sekretär des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale.

59 Zum Braunbuch siehe jetzt Anson Rabinbach: Staging Antifascism: The Brown Book of the Reichstag Fire and Hitler Terror, in: New German Critique 103 35 (2008), H. 1, S. 97–126.

60 Otto Katz, einer der Hauptmitarbeiter am Braunbuch; zur Biografie siehe Reinhard Müller: Der Fall des Genossen Otto Katz. Ein unbekannter Brief Piscators, in: Die Gazette (2006), H. 10, S. 81–85; Anson Rabinbach: Von Hollywood an den Galgen. Die Verfolgung und Ermordung des Otto Katz, in: Zeitschrift für Ideengeschichte, Bd. 2 (2008), H. 1, S. 24–36.

61 Siehe Direktiven für die Innere Kommission für die Leitung des Antikriegskongresses, 6. Juli 1932, RGASPI, F. 495, op. 19, d. 329, Bl. 123-125. Aus Platzgründen finden sich hier keine weiterführenden Fußnoten. 

Inhalt – JHK 2010

Copyright:

Eventuell enthaltenes Bildmaterial kann aus urheberrechtlichen Gründen in der Online-Ausgabe des JHK nicht angezeigt werden. Ob dieser Beitrag Bilder enthält, entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument.