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Antistalinismus oder Antikommunismus? Ruth Fischer als »Kronzeugin« gegen die »kommunistische Verschwörung« in den USA

JHK 2011 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 205-222 | Aufbau Verlag

Autor/in: Mario Keßler

Ruth Fischer (1895–1961) war in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts eine der prominentesten Frauengestalten in Deutschland, sogar in Europa. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte sie zu den Begründern der Kommunistischen Partei Österreichs und erlangte 1924/25 als Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands internationale Berühmtheit. Nach 1945 wurde sie in den USA als »Kronzeugin« gegen die in der Öffentlichkeit immer wieder beschworene »kommunistische Gefahr« bekannt, für deren Anwachsen nicht zuletzt ihr eigener Bruder Gerhart Eisler als »gefährlichster sowjetischer Agent« verantwortlich war, so Ruth Fischer.

Weniger bekannt ist, dass sie 1956 nach dem XX. Parteitag der KPdSU wieder Hoffnungen in die Sowjetunion setzte. Diese könne nunmehr die Erblast des Stalinismus abwerfen. Sie sei keine Antikommunistin, wohl aber Antistalinistin, teilte Ruth Fischer Isaac Deutscher im November des gleichen Jahres in London mit. Nachdem dieser zuerst ein Treffen abgelehnt, aber dann doch mit ihr gesprochen hatte, schrieb er seinem Freund Heinrich Brandler, Ruth Fischers altem Rivalen aus KPD-Zeiten: »Sie drückte mir gegenüber ihr Bedauern aus wegen der Haltung, die sie in den vergangenen Jahren eingenommen hatte, und gestand, dass sie sich in vielerlei Hinsicht geirrt hatte. Ganz allgemein sprach sie recht einfühlsam zur Sache, als ob das Gewissen einer alten Kommunistin wieder in ihr erwacht sei.«1

Die folgenden Bemerkungen versuchen Ruth Fischers antistalinistische Haltung nachzuzeichnen. War diese, erstens, die spezifische, individuelle Version eines linken Antikommunismus und orientierte sie sich, zweitens, an demokratischen Werten, die ihrerseits einer genauen Bestimmung bedürfen? Im Zentrum des Beitrags steht Ruth Fischer als politische Akteurin in den USA ab 1941. Nach einem Überblick ihrer wechselvollen politischen Entwicklung bis zur Ankunft in New York und einer Diskussion ihrer Haltung und Handlungen in den Jahren danach, wird zuletzt gefragt, inwieweit ihre Neuorientierung ab 1956 eine demokratisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Kommunismus oder gar eine demokratische Variante kommunistischen Denkens bedeutete.

Ruth Fischer als Kommunistin

Ruth Fischer wurde am 11. Dezember 1895 in Leipzig geboren. Ihre Eltern gaben ihr den Vornamen Elfriede und heirateten erst kurz nach ihrer Geburt. So erhielt sie den Mädchennamen Eisler. Sie wuchs in Wien auf, wo ihr Vater Rudolf Eisler (1873–1926) als Philosophiedozent an der Universität arbeitete, aber, da er sich als agnostischer Jude nicht taufen ließ, keine Professur bekam. Ihre aus Leipzig stammende Mutter Ida geb. Fischer (1876–1929) war Protestantin und bis zur Heirat als Haushaltshilfe tätig. Ruth Fischers Brüder Gerhart (1897–1968) und Hanns (1898–1962) erlangten internationale Bedeutung: Gerhart Eisler als kommunistischer Politiker und Hanns Eisler als Komponist.

Ab 1914 studierte Elfriede Eisler in Wien Pädagogik, Ökonomie und Philosophie und schloss ihr Studium im Oktober 1918 mit einer sozialwissenschaftlichen Staatsexamensarbeit ab.2 Unmittelbar nach Kriegsbeginn 1914 gründete sie zusammen mit ihren Brüdern eine strikt den Krieg ablehnende Studentengruppe. Außerdem gehörte sie zum Kreis um den Psychologen Siegfried Bernfeld, einen linksgerichteten Freudianer, den sie wahrscheinlich durch ihren Bruder Gerhart kennengelernt hatte.3 Ein anderes Mitglied des Kreises war ihr Kommilitone Paul Friedländer, den sie 1917 heiratete. Im Dezember des gleichen Jahres wurde ihr Sohn (Friedrich) Gerhard geboren. Fast ein Jahr später, am 3. November 1918, gründete eine achtköpfige Gruppe die Kommunistische Partei Österreichs. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten, neben ihr selbst, auch der Ehemann und die Brüder von Elfriede Eisler. Diese erhielt die Mitgliedskarte Nummer Eins und führte fortan in der Öffentlichkeit den Namen Ruth Fischer, angelehnt an den Mädchennamen ihrer Mutter.4

Schon bald danach entschied sie sich, nach Deutschland zu gehen, wo sie im August 1919 mit ihrem Sohn eintraf. Ihr Ehemann war in Wien geblieben, 1922 wurde die Ehe geschieden. Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, ging Ruth Fischer ein Jahr darauf eine Scheinehe mit dem KPD-Funktionär Gustav Golke ein. Mithilfe Paul Levis fand sie eine Anstellung im Frauensekretariat der KPD und arbeitete später, vermittelt durch Karl Radek, im Westeuropäischen Sekretariat der Komintern.

Im Oktober 1920 gehörte Ruth Fischer zu den KPD-Delegierten, die in Halle mit dem linken Flügel der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei) die VKPD (Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands) konstituierten. Ihre politische Umtriebigkeit empfahl sie für das Amt der Vorsitzenden des Parteibezirks Berlin-Brandenburg, der größten Provinz-organisation der Partei. Sie fand Unterstützung in Arkadij Maslow, der ihr politischer Weggefährte und Lebenspartner wurde.5

Maslow (1891–1941), in der Ukraine unter dem Namen Isaak Čemerinskij geboren, hatte vielversprechende Karriereaussichten sowohl als Konzertpianist wie als Mathematiker aufgegeben, um sein Leben der Politik zu widmen. Im November 1920 wurde er in das Zentralkomitee der KPD gewählt, und ab 1921 leitete er mit Ruth Fischer die Bezirksorganisation Berlin-Brandenburg. Im gleichen Jahr wurde er auch Redakteur der Roten Fahne und war verantwortlich für den außenpolitischen Teil der Zeitung. Die linksradikale Gruppe um Fischer und Maslow wurde bekannt als »Berliner Opposition«, die jeden Versuch einer politischen Zusammenarbeit mit der SPD kritisierte.5

1923 spitzte sich durch die französisch-belgische Ruhrbesetzung und die Inflation die politische Lage in Deutschland zu. Die KPD-Zentrale verließ sich jedoch (anders als früher) auf Anweisung der Komintern nicht auf revolutionäre Aktionen, sondern zunächst auf die Bildung von KPD-SPD-Koalitionsregierungen in Sachsen und Thüringen. Im Oktober setzte Reichspräsident Ebert aber beide Regierungen ab. Daraufhin entschied sich ein Teil der KPD, von der sowjetischen Führung angestachelt, für den revolutionären Aufstand, den der KPD-Vorsitzende Heinrich Brandler allerdings angesichts der ungleichen Kräfteverhältnisse zu verhindern suchte. Durch mangelnde Abstimmung kam es schließlich nur in Hamburg zum Aufstand, der jedoch niedergeschlagen wurde. In der Folge wurde die KPD für ein halbes Jahr verboten, und die Spitzen von Komintern und sowjetischer KP schoben Brandler das Scheitern des angeblichen »deutschen Oktober« in die Schuhe. Die bisherige Parteiführung wurde abgesetzt.

Mit dem Frankfurter Parteitag im April 1924 übernahmen die ultralinken Kräfte um Fischer und Maslow die Führung der Partei. Ruth Fischer gelangte als Vorsitzende an deren Spitze. Maslow wurde Ko-Vorsitzender. Fischer wurde auch Kandidatin des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI) und ab Mitte 1924 Reichstagsabgeordnete sowie Abgeordnete des preußischen Landtages für die KPD.6 Sie war maßgeblich an der »Bolschewisierung« der KPD beteiligt, d. h. an der Unterordnung der deutschen Partei unter die Moskauer Gebote.

Nur einige Monate später, im August, geriet die als »Gruppe Maslow-Fischer« bezeichnete Parteispitze wegen »ultralinker Tendenzen« in die Kritik der sowjetischen und der Komintern-Führung, denn Ruth Fischer ließ realistischere Ansätze in ihrer Politik erkennen.7 Im Juli 1925 korrigierte der X. KPD-Parteitag in Berlin auf Druck Zinov’evs und mit Unterstützung Fischers die unrealistische Prognose, wonach der deutsche Kapitalismus dem Ende entgegengehe.8

Nach einer Unterredung mit Stalin in Moskau wurde Ruth Fischer von August 1925 bis Juni 1926 an einer Rückkehr nach Deutschland gehindert.9 Währenddessen wurde Maslow in Berlin wegen »Hochverrats« zeitweilig in Untersuchungshaft festgehalten. Am 20. August 1925 unterschrieb Fischer in Moskau den von einer EKKI-Kommission unter Bucharins Leitung abgefassten Offenen Brief, der eine »proletarische« Führung für die KPD einforderte.10 Dies ermöglichte Ernst Thälmann de facto am 1. September, offiziell am 1. November die Führung der KPD zu übernehmen.

Im August 1926 wurden Fischer und Maslow schließlich aus der Partei ausgeschlossen. Als Mitglieder der Reichstagsgruppe Linke Kommunisten versuchten sie in der Folgezeit gemeinsam mit Zinov’ev, die Arbeit der Linksopposition gegen die Politik Stalins und (damals noch) Bucharins zu koordinieren. Kurzzeitig schlossen sie sich 1928 der KPD-Linksabspaltung Leninbund an, verließen die Gruppierung jedoch wieder, weil sie eine mit der KPD konkurrierende Kandidatur zu den Reichstagwahlen ablehnten. Ihre Hoffnung, nach der Kapitulation Zinov’evs und Kamenevs von Stalin wieder in die KPD aufgenommen zu werden, war jedoch vergeblich.11 So zog sich Ruth Fischer nach dem Verlust des Reichstagsmandates aus der aktiven Politik zurück und arbeitete bis 1933 als Sozialhelferin. Mit dem befreundeten Kinderarzt Franz Heimann schrieb sie die Deutsche Kinderfibel, eine Untersuchung der erschütternden Zustände, in denen sich Kinder in durch die Weltwirtschaftskrise verelendeten Proletarierfamilien befanden.12

Mit Beginn der Naziherrschaft mussten Fischer, die auf der ersten Ausbürgerungsliste des Regimes stand, und Maslow fliehen. Über Prag entkamen sie nach Paris. Fischers minderjähriger Sohn wurde trotz seines österreichischen Passes zunächst von der Gestapo festgenommen und verhört, bevor er schließlich nach England gelangte. Ruth Fischer fand eine Anstellung als Sozialarbeiterin bei der Stadtverwaltung von St. Denis.13 Sie wurde durch eine zweite Scheinehe französische Staatsbürgerin und hieß jetzt offiziell Elfriede Pleuchot. In Artikeln linkskommunistischer Blätter griff sie das Stalinregime als neue Klassengesellschaft an und überwarf sich wegen der Frage nach dem Klassencharakter der Sowjetunion auch mit Trockij, dem sie zeitweilig nahegestanden und den sie in seinem Exil in Barbizon besucht hatte. Dennoch ernannte Trockij sie zum Mitglied des Internationalen Sekretariats, des Leitungsgremiums der zunächst nur auf dem Papier existierenden Vierten Internationale.14 Dies fand eine sehr drastische Antwort in Moskau: Im August 1936 wurden Fischer und Maslow im ersten Moskauer Prozess in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Moissej Lurje, ihr einstiger Freund, wurde durch Zwang zum »Geständnis« genötigt, er habe ihnen Hinweise übermittelt, die dazu dienten, Stalin umzubringen.15

Die deutsche Invasion Frankreichs bedrohte 1940 auch Ruth Fischers Leben. Es gelang ihr und Maslow, aus Paris über Marseille nach Lissabon zu fliehen. Mithilfe Varian Frys erhielt sie eine Einreisegenehmigung für die USA, die Maslow jedoch verweigert wurde. So blieb ihm nichts anderes übrig, als nach Kuba zu gehen, dem einzigen Land, das ihm die Einreise gestattete. Am 20. November 1941 verstarb er völlig unerwartet in Havanna. Nach dem offiziellen Obduktionsbefund war ein Herzstillstand die Todesursache. Ruth Fischer war und blieb hingegen überzeugt, dass Maslow im Auftrag Stalins ermordet worden war.16

Im Zeugenstand gegen Stalin und ihre Brüder: Ruth Fischer in den USA

Bis zu Maslows Tod führte Ruth Fischer, die sich seit dem 21. April 1941 in New York aufhielt, ein zurückgezogenes Leben. Zunächst betätigte sie sich als Sozialarbeiterin und erhielt zusätzlich finanzielle Unterstützung von Freunden. Nach Maslows Tod war sie fast ein Jahr krank; sechs Monate lang konnte sie die Wohnung nicht verlassen. Maslow war die große Liebe ihres Lebens gewesen. Nach seinem Tod wollte sie nicht mehr mit einem anderen Mann zusammen sein.

Doch äußerlich erholte sie sich bald von dem Schicksalsschlag und beantragte eine Reihe von Forschungsstipendien. Im Oktober 1942 erhielt sie vom Emergency Committee in Aid for Displaced Foreign Scholars ein einjähriges Stipendium. Für ein weiteres Jahr wurde sie vom Institute for International Education, einer gewerkschaftsnahen Einrichtung, unterstützt.17 Sie schrieb an einem Manuskript, The End of Socialism in Europe, das sie als Aufruf zur Einheit der antistalinistischen Linken verstand, doch blieb die Arbeit im fragmentarischen Stadium stecken.18 In einer ihrer ersten Publikationen in den USA warnte Ruth Fischer vor einem »Kollektivismus ohne die ›Bill of Rights‹«, der, wie es in Stalins Russland der Fall sei, »nichts als eine Sklaverei« hervorrufe.19 Doch in der Zeit der amerikanisch-sowjetischen Allianz war diese Haltung sogar unter stalinkritischen Linken kaum populär.

Mithilfe finanzieller Unterstützung der American Federation of Labor (AFL) begann Ruth Fischer 1944 The Network zu publizieren, eine Zeitschrift, die sie mit dem ehemaligen KPD-Mitglied Adolph Weingarten herausgab. Die anderen namentlich nicht genannten Autoren waren Weingartens Frau Carola, Heinz Langerhans und Helmut Wickel.20 The Network stellte sich (in anonym verfassten Artikeln) die Aufgabe, »antistalinistische Aufklärungsarbeit in Form eines Rundbriefes zu betreiben, der sich mit stalinistischen Organisationen und Organisationsformen befasst. Darüber soll vom Standpunkt eines Beobachters berichtet werden, der die stalinistischen Praktiken wie auch die rapide anwachsende stalinistische Bewegung in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten von innen her kennt.«21

Ein Aufsatz von The Network trug die Überschrift »Who is who among the Free Germans in the United States«. Es sollte versucht werden klarzustellen, dass die gesamte »Parteihierarchie« der KPD, einschließlich der im Exil tätigen Organisationen »eine Abteilung der GPU« bilde, die von »russischen Agenten und Werkzeugen« angeleitet werde. Die deutschen Kommunisten würden dabei »noch immer vom Ansehen der Parteigründer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zehren«, die einst »viele der Besten aus der deutschen Arbeiterklasse« begeistert hatten.22

Spätere Ausgaben der Zeitschrift waren mit dem Untertitel »Information Bulletin on Stalinist Organizations and Organizational Forms« überschrieben. The Network »setzte sich zum Ziel, die Mechanismen der fortschreitenden Stalinisierung Europas zu enthüllen« und jene »Progressiven« zu warnen, die »sich leicht vom scheinbar demokratischen Verhalten der Stalinisten übertölpeln« ließen.23 Dies sollte eine Warnung vor dem Free German Committee und seinem Nachfolger, dem Council for a Democratic Germany bedeuten, dem der protestantische Theologe Paul Tillich vorstand. Beide Organisationen verstanden sich als linke Sammlungsbewegungen, die Pläne für den Wiederaufbau Deutschlands nach Hitler entwarfen. Doch bestehe, laut Ruth Fischer, ihr wahrer Zweck darin, die westlichen Demokratien und deren Arbeiterbewegungen zu unterwandern. Der »stalinistischen Unterwanderung« der Gewerkschaften werde »besondere Aufmerksamkeit zuteil«, wie Ruth Fischer in einem Memorandum an ihre Förderer in der AFL schrieb.24 Sie setzte diese Aktivitäten in der Nachfolgepublikation des Network fort, die von 1946 bis 1947 unter dem Titel The Russian State Party: Newsletter on Contemporary Communism herauskam, doch schon nach nur vier Nummern ihr Erscheinen wieder einstellte.

Noch zur Jahreswende 1942/43 hatte Ruth Fischer ihren Bruder Hanns und dessen Frau Lou in Kalifornien besucht.25 Doch spätestens 1944 kam sie zu der Ansicht, dass ihre Brüder, vor allem Gerhart, einen Anteil an der stalinistischen Hetzkampagne gegen sie und Maslow gehabt hätten. Seit 1925 hatten Fischer und Gerhart Eisler in der KPD gegensätzliche politische Positionen vertreten. Eisler, obgleich als sogenannter »Versöhnler« zeitweilig im Konflikt mit der Thälmann-Führung, war ein wichtiger Funktionär in der KPD und der Komintern. Von 1929 bis 1931 war er als Komintern-Beauftragter in China und anschließend in den USA tätig gewesen. Im Spanischen Bürgerkrieg leitete er den Radiosender Deutscher Freiheitssender 29,8. 1939 wurde er für mehr als zwei Jahre in Frankreich interniert und kehrte 1941 in die USA zurück, wo er entscheidend an der Bildung des Council for a Democratic Germany beteiligt war.26 In New York hoffte Ruth Fischer auf eine Wiederannäherung ihrer beiden Standpunkte, was sich jedoch als unmöglich erwies.

Am 27. April 1944 schrieb sie einen Brief an Gerhart, Hanns und Lou Eisler. Darin klagte sie ihre Verwandten an, diese hätten jede Einzelheit aus ihrem und Maslows Leben, die ihnen bekannt war, nach Moskau an die GPU berichtet. »Ich habe einen Augenblick geglaubt«, schrieb sie, »dass der russisch-deutsche Vertrag 1939–1941 Euch echt vom Apparat getrennt hätte. [...] Ich lebte einen Moment in der Illusion, dass Menschen, die so tief Einblick haben in die Brutalität dieses Herrschafts- und Unterdrückungssystems, nicht mehr zurückkehren könnten oder würden. Diese, meine unentschlossene, nicht ernsthaft zu Ende gedachte Haltung habe ich teuer bezahlt.« Jetzt aber würde sie bis zuletzt darum kämpfen, dass die stalinistischen Machenschaften in der Öffentlichkeit bekannt würden. »Ich organisiere mich gegen Euch und zwar gründlich. Dabei kann ich natürlich doch den kürzeren ziehen.« Dies sei vor allem an Gerharts Adresse gerichtet, »dessen Ausbildung in 15 Jahren Verrat« an seinen Genossen bestehe.27

Nunmehr griff Ruth Fischer ihren Bruder also als Schlüsselfigur im kommunistischen Netzwerk in den USA an, der unter dem Namen Hans Berger die diesbezüglichen Aktivitäten steuere.28 Sie bezeichnete ihn sogar als das »Haupt der deutschen Kommunisten in der westlichen Hemisphäre« sowie als »einen der Schlüsselagenten des kommunistischen Apparates hier und eine Schlüsselfigur der amerikanischen kommunistischen Partei«.29

Zugleich informierte sie das OSS (Office for Strategic Services), den Vorgänger der CIA, über den Council for a Democratic Germany.30 Aufgrund ihrer Informationen fertigte das OSS einen Bericht zu politischen Aktivitäten ausländischer Organisationen in den USA an und hielt darin ausdrücklich fest, dass »Antistalinisten, unter denen Ruth Fischer die wichtigste ist«, die besten Informanten seien. Weiterhin warnte er vor kommunistischer Agitation unter deutschen Kriegsgefangenen in den USA.31

Am 17. November 1944 schrieb FBI-Direktor J. Edgar Hoover dem Botschaftsattaché in Lissabon, dass Gerhart Eisler ein »Komintern-Agent« sei. Eislers Frau Brunhilde könne »gleichfalls eine Reihe kommunistischer Aktivitäten nachgewiesen werden«.32 Doch diese blieben während des amerikanisch-sowjetischen Bündnisses gegen Hitler ohne Folgen für die Betroffenen. Mit Beginn des Kalten Krieges änderte sich jedoch das politische Klima in den USA drastisch. Ende 1946 belebte das US-Repräsentantenhaus das bereits 1938 gegründete Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit (House Un-American Activities Committee, HUAC), das zunächst zur treibenden Kraft des Antikommunismus wurde. Das Komitee begann seine Nachkriegsarbeit mit jener Untersuchung, die als »Eisler-Fischer-Affäre« alsbald Gegenstand eines breiten Medieninteresses wurde. Ab Februar 1950 übernahm der mit dem Namen Joseph McCarthys verbundene Untersuchungsausschuss des Senats diese Rolle.33

Am 24. Januar 1947 wurde Ruth Fischer in ihrer New Yorker Wohnung von einem Spezialagenten des FBI befragt. Sie informierte ihn umfassend über Gerhart Eislers Rolle in der KPD und der Komintern sowie über seinen politischen Werdegang.34 Zur gleichen Zeit bezeichnete auch der andere »Kronzeuge« dieser Kampagne, Louis Budenz, ein früherer Chefredakteur des KP-Organs Daily Worker, Gerhart Eisler als »Moskaus Kommunist[en] Nummer Eins« in den Vereinigten Staaten.35

Unter dem Vorwand, er habe bei seiner Einwanderung falsche Angaben zur Person gemacht, wurde Eisler am 4. Februar 1947 in New York festgenommen. Zwei Tage darauf wurde er zur Anhörung vor das HUAC geladen. Dessen Vorsitzender J. Parnell Thomas erklärte, das Komitee sehe »die Kommunistische Partei der Vereinigten Staaten als eine subversive Organisation, und die Untersuchung des Denkens und des Handelns jeder einzelnen Person«, die mit dieser Partei in Verbindung stehe, »liege in der Vollmacht dieses Komitees«. Eisler erklärte, er sehe sich als politischer Gefangener der USA. Er lehne es ab, sich vereidigen zu lassen, solange es ihm nicht erlaubt sei, einige Bemerkungen in eigener Sache zu machen. Das Komitee wies dies zurück und beantragte, Eisler wegen »Missachtung« zu belangen. Er wurde dem Bezirksgericht der US-Hauptstadt Washington überstellt.36

Unmittelbar nach Eislers Anhörung trat Ruth Fischer in den Zeugenstand.37 Sie wurde zur entscheidenden Belastungszeugin gegen ihren Bruder, den sie als »Haupt der Komintern-Aktivitäten in diesem Land« bezeichnete, »oder, um es besser auszudrücken, als das Haupt eines Agentennetzwerkes der russischen geheimen Staatspolizei«.38 Robert Stripling, der Vorsitzende des Hauptausschusses des Komitees, forderte Ruth Fischer auf, wichtige Stationen ihrer Biografie darzulegen und insbesondere die Frage zu beantworten, wie sie und ihr Bruder zur kommunistischen Bewegung gekommen waren. Sie erklärte:

»Ich war ein Gründungsmitglied der österreichischen kommunistischen Partei, und als mein Bruder aus dem Krieg zurückkam, trat er ihr – wir waren beide sehr jung – auf mein Drängen hin bei. In Berlin, wo ich mich in der kommunistischen Organisation sehr aktiv betätigte, wurde Gerhart rasch zum Organisator und Propagandisten in der KPD. Zu dieser Zeit war unsere Beziehung sehr gut, nicht nur wegen der gemeinsamen familiären Herkunft – wir sind fast gleichaltrig und zusammen aufgewachsen –, sondern auch, weil wir die gleichen politischen Anschauungen vertraten. Diese politische und persönliche Freundschaft dauerte bis zum Jahre 1923, dem Jahr der Ruhrbesetzung durch die französische Armee, als wir eine schwere Auseinandersetzung wegen der Politik der kommunistischen Partei hatten. Von diesem Moment an war unsere politische Beziehung zerbrochen, und im Jahre 1926 wurde ich aus der KPD wegen meiner Opposition gegenüber Stalin, der Komintern und dem Politbüro ausgeschlossen. Meine Beziehung zu Gerhart wurde zunehmend feindlicher und erreichte den Punkt, an dem ich mich gezwungen sehe, gegen ihn auszusagen, da ich ihn als einen der gefährlichsten Terroristen sowohl gegenüber dem amerikanischen wie dem deutschen Volk ansehe. Er möchte nach Deutschland zurückkehren, das er vorgibt, so sehr zu lieben.«39

Nach Aussage seiner Schwester war Gerhart Eisler für die Festlegung der jeweiligen taktischen Linie der amerikanischen KP hauptverantwortlich, sowohl bei den kommunistischen Angriffen auf Präsident Roosevelt, der als »Faschist« gebrandmarkt worden war, als auch bei der Wendung hin zur Volksfront-Politik, zur »Einheitsfront mit all jenen Elementen, die mit Russland und den Kommunisten gemeinsam kämpfen wollten«.40 Sie fuhr fort:

»Die russische Staatspartei mag zu bestimmten Zeiten die kommunistischen Aktivitäten zügeln und sie zu anderen Zeiten befördern. Das macht die Sache für den Außenstehenden so schwer durchschaubar, aber es gibt dabei immer den einen springenden Punkt, den des russischen Staatsinteresses, und alle kommunistischen Organisationen stehen unter Kontrolle des kommunistischen Staates. Wenn das Politbüro aus dem einen oder anderen Grund die Aktivitäten ganz oder teilweise stoppen will, dann werden diese gezügelt oder gestoppt und später wieder aufgenommen. Aber die gesamte Organisation ist ein Geheimbund, der mit dem System der Geheimpolizei verbunden ist, die in jedem Fall die Befehle erteilt.«41

Ruth Fischer ging so weit, ihren Bruder zu bezichtigen, er habe bei der Ermordung von Nikolaj Bucharin und Hugo Eberlein »seine Hand im Spiel« gehabt, ebenso wie bei der Auslieferung deutscher Kommunisten von Stalin an Hitler im Gefolge des deutsch-sowjetischen Paktes von 1939.42 Eisler wies dies zurück. Er betonte, er sei zum Zeitpunkt von Maslows Tod noch in einem französischen Konzentrationslager gefangen gehalten worden, obwohl er sich damals tatsächlich bereits in den USA befand.43 Nach seiner Ankunft in New York am 13. Juni 1941 war er zunächst in Ellis Island interniert, im September jedoch wieder entlassen worden.44

Richard Nixon, einer der Mitglieder des Ausschusses, fragte Fischer, inwieweit sie noch immer »Sympathie mit der marxistischen Philosophie und mit den Zielen [hat], die der Kommunismus zu vertreten vorgibt«, und nur Stalins Methoden ablehne. Sie antwortete: »Was wir zu diesem Zeitpunkt sehen, ist ein Stalin’sches Weltreich, das sich anschickt, in vielen Ländern Fuß zu fassen. Wir müssen dessen terroristische Methoden bekämpfen und alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Bewegung zu stoppen.«45 Fischer betonte, dass die Beziehung zu ihrem Bruder Hanns ebenso feindlich sei und dass es »einige Tausend« Kommunisten in den USA gäbe, die von Moskau kontrolliert würden.46

Am 16. Juni 1947 bekräftigte sie vor dem Washingtoner Bezirksgericht ihre Aussage, wonach ihr Bruder in die USA geschickt worden sei, um hier die »idiotische kommunistische Parteilinie [...] aufzupolieren«.47 Sie bezeichnete ihn erneut als »gefährlichsten Terroristen« und als »perfekten Terroristentypen«.48 Zwei ehemalige Mitglieder der KP der USA erklärten darüber hinaus, Eisler habe die Kommunisten aufgefordert, für eine »unabhängige Negerrepublik« zu kämpfen.49 Als »Mann aus Moskau« habe »er in einer Welt gelebt, in der Ehre, Freundschaft, sogar die Familie nichts bedeutete«.50

Im September 1947 wurde Hanns Eisler vom HUAC vernommen. Der Zweck der Befragung war der gleiche wie bei seinem Bruder: Es ging allgemein um den versuchten Nachweis kommunistischer Betätigung und speziell um eine Mitgliedschaft in der KPD sowie die Zusammenarbeit mit kommunistischen Organisationen in der Sowjetunion und in den USA.51 Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht hatte auch dieser am 
30. Oktober 1947 vor dem Komitee zu erscheinen.52

Bereits im April 1944 hatte Ruth Fischer ihren einstigen Freund Brecht als »Minnesänger der GPU« angegriffen. Sie bezeichnete Brechts Stück Die Maßnahme, das dieser 1931 in enger Zusammenarbeit mit Hanns Eisler verfasst hatte, als eine literarische Vorwegnahme der Stalin’schen Schauprozesse.53 Ihr Urteil über Brechts Maßnahme spielte eine wesentliche Rolle während seiner Anhörung vor dem HUAC, als Stripling verschiedene Passagen des Stückes verlas, um seinen Autor des Kommunismus zu bezichtigen.54

Gerhart Eisler wurde zu einer Haftstrafe von ein bis drei Jahren verurteilt, aber schon bald gegen Kaution freigelassen. Einer drohenden erneuten Verhaftung entzog er sich im Mai 1949 durch die Flucht mit einem nach England auslaufenden polnischen Frachter. Von England aus ging er dann nach Ost-Berlin. Seine Frau Hilde wurde dagegen in den USA verhaftet, interniert und später abgeschoben. Sie folgte ihrem Mann nach Ostdeutschland. Auch Brecht ging nach Ost-Berlin und entfaltete dort die bekannte kulturelle und kulturpolitische Wirksamkeit.

Am 10. Mai 1949 sagte Ruth Fischer vor einer Abteilung des Rechtsauschusses des US-Senats aus, dem Unterausschuss für Fragen der Einwanderung und Einbürgerung. Vorsitzender dieses Unterausschusses war der offen faschistische Sympathien bekundende Senator Patrick McCarran. Einst ein Linker, hatte er sich zum vehementen Verteidiger von Diktatoren entwickelt, die wie Franco die demokratischen Freiheiten in ihren Ländern gewaltsam beseitigt hatten.55

Fischer warnte den Unterausschuss davor, die kleine KP der USA zu unterschätzen. Die Partei sei nichts als ein Werkzeug der sowjetischen Botschaft. Einige Tausend Menschen, grundsätzlich alle amerikanische Kommunisten, würden für Sabotageakte trainiert. Mithilfe amerikanischer Mitläufer Stalins hätten Tausende ausländische Kommunisten in die USA einwandern können und dort lukrative Jobs gefunden. Hingegen sei es vielen früheren Kommunisten verwehrt, das Land auch nur besuchsweise zu betreten. Fischer schlug »eine enge Zusammenarbeit« offizieller amerikanischer Stellen mit denen vor, »die aus ihrer persönlichen Erfahrung gelernt haben, dass der Stalinismus die reaktionärste Kraft in der Welt ist und die diesen bekämpfen wollen«. Keine Anstrengung sei zu scheuen, um »die hiesigen Agenten einer fremden Macht am Betreten der USA zu hindern oder, falls sie schon hier sind, sie zu deportieren«. Ehemalige Kommunisten, die »ein und für allemal« mit ihrer früheren Überzeugung gebrochen hätten, sollten hingegen jederzeit in das Land einreisen dürfen.56

Ruth Fischer war nicht zu stoppen: Zu jenen Personen, so erklärte sie weiter, die ihr amerikanisches Visum zur kommunistischen Unterwanderung der Gesellschaft missbraucht hätten, gehörten Marie-Claude Vaillant-Couturier, die Generalsekretärin der kommunistisch gesteuerten Internationalen Frauenföderation, die Physikerin Irène Joliot-Curie und Hermann Budzislawski, inzwischen Professor in Leipzig. Weiterhin seien Heinrich und Thomas Mann geradezu »Heilige innerhalb der kommunistischen Familie«. Erika Mann sei, »ich muss es so sagen, eine Agentin«, Alfred Kantorowicz sei offiziell ein »Verbindungsoffizier« der Interbrigaden, in Wahrheit jedoch ein GPU-Agent in Spanien gewesen.57 Ruth Fischer nannte immer weitere Namen. McCarran lobte sie: »Wir sind Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie vor dem Komitee ausgesagt haben.«58

Es war jener McCarran, der die als Internal Security Act bekannte Verordnung initiierte, die im September 1950 vom US-Kongress, der Präsident Trumans Veto überstimmen konnte, verabschiedet wurde. Obgleich Jahre später Teile der Verordnung als verfassungswidrig galten, gab sie die Handhabe zur Überwachung von Millionen Amerikanern, gleich ob diese von Regierungsstellen beschäftigt wurden oder nicht. Sie wurden systematischen »Loyalitätsprüfungen« unterworfen und mussten nicht nur über ihre politische Einstellung, sondern auch über ihr Privatleben bis hin zu ihrer Kindheit Auskunft geben. Ruth Fischers Beitrag zu dieser unheilvollen Entwicklung ist nicht zu unterschätzen. Sie wurde in der amerikanischen Presse – oft reißerisch – als »die frühere Rote« dargestellt, die »Bescheid weiß«.59 Sie habe entscheidend dazu beigetragen, ihren Bruder als Schlüsselfigur des groß angelegten kommunistischen Komplotts zu entlarven. Mit der Nennung vieler Namen habe sie im Kampf gegen Moskau wichtige Hilfe geleistet, hieß es in zahlreichen Presseberichten, die seit Februar 1947 erschienen.60

Zum Hintergrund dieser Geschehnisse gehörte natürlich der Vormarsch des internationalen Kommunismus an so vielen Fronten. Die Spaltung Deutschlands, die kommunistische Machtübernahme in der Tschechoslowakei, der erste sowjetische Atombombentest und der Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg waren Marksteine der politischen Entwicklung, und überall mussten die USA Niederlagen einstecken. Die deshalb weiter wachsende Furcht vor Kommunisten verleitete einige der politischen Meinungsführer der USA dazu, Stärke und Wirkungsgrad der Kommunisten innerhalb der USA grotesk zu überschätzen. Dennoch, die Furcht vor einer »fünften Kolonne« der Sowjetunion in den USA, so sehr sie übertrieben wurde, war nicht ganz grundlos, wie neuere Studien zu sowjetischen Geheimdienstaktivitäten in den USA gezeigt haben. Allerdings machten die Ergebnisse des Venona-Projektes auch deutlich, dass Gerhart Eisler kein sowjetischer Geheimdienstagent war, sondern das, was schon zeitgenössische FBI-Beobachter festgestellt hatten: ein Agent der Komintern. Zwar hatte sich auch die Komintern, wo immer es ihr nötig schien, einer konspirativen Arbeitsweise bedient, doch war Eislers Wirkungsgrad mit der Auflösung der Organisation 1943 deutlich eingegrenzt worden. Bereits am 29. Mai 1944 wurde in einer Denkschrift des FBI festgehalten, dass Eisler »selbst nicht mit der GPU in Verbindung steht, da er dafür zu gebildet ist«.61

Inzwischen hatte Ruth Fischer ihr Buch Stalin and German Communism fertiggestellt. Es erschien 1948 bei der Harvard University Press und zwei Jahre später im Verlag der Frankfurter Hefte in der Übersetzung von Heinz Langerhans. Das Buch behandelt die wechselvolle Geschichte der KPD und speziell ihr Verhältnis zur Sowjetunion in der Zeit der Weimarer Republik. Eine ausführliche Inhaltsangabe liegt jenseits des Anliegens dieses Aufsatzes, doch sei festgehalten, dass Fischer einige frühere politische Positionen – ohne diese explizit zu benennen – korrigierte. So schrieb sie, dass die »Katastrophe des deutschen Kommunismus im Jahre 1923 [...] einerseits der inneren Struktur der Sozialdemokratie und des Kommunismus in Deutschland zuzuschreiben [war], ihrer angeborenen Schwäche, der Unreife der Kommunistischen Partei und der Behäbigkeit der Sozialdemokratischen Partei, andererseits der Tatsache, dass die Übertragung der leninistischen Grundsätze auf ein hochindustrialisiertes westliches Land mehr enthalten musste als die Übersetzung einer Anzahl dogmatischer Formeln aus dem Russischen ins Deutsche«.62

Darüber hinaus widmete Ruth Fischer weite Passagen des Buches jener Entwicklung, die sie zu Recht als Stalinisierung der KPD bezeichnete, für die sie aber mit der Bolschewisierungs-Kampagne einst selbst eine wichtige Weichenstellung geliefert hatte. Sie legte detailliert dar, in welchem Maße die innerparteiliche Opposition nach ihrer Absetzung als KPD-Führerin unterdrückt wurde, scheute sich aber nicht, ihre sehr persönlich gefärbten Vorwürfe beispielsweise gegen Bertolt Brecht zu wiederholen. Stalins Apparat-Leute hätten schließlich jene Partei zerstört, die sie, Ruth Fischer, einst »mitaufgebaut hatte«.63

Die Reaktionen auf das Buch waren unterschiedlich. Während George Orwell es als antistalinistisches Meisterwerk pries,64 äußerten sich die Rezensenten teilweise kritischer. Ein Kritiker lobte Fischers »beeindruckende Selbstdisziplin und Objektivität«.65 Hingegen schrieb Time, dass sie wie viele Ex-Kommunisten »dazu neigt, Lenin zu verherrlichen und alle Schuld auf Stalin abzuladen«.66 Philip Mosely betonte, dass laut Fischer eine sowjetische Einmischung in Angelegenheiten der deutschen Partei »stets dann gerechtfertigt war, wenn diese zugunsten ihrer Politik erfolgte«.67 Für E. H. Carr war ihre Arbeitsweise als Historikerin ebenso von Ressentiments bestimmt wie einst ihre Politik.68 Die Ereignisse seien, so William Harvey Maehl, in dem gleichzeitig publizierten Buch Ossip Flechtheims über Die KPD in der Weimarer Republik weit zuverlässiger dargestellt.69

Das Buch wurde nicht nur zum oft zitierten Referenztext im Kalten Krieg, sondern sicherte auch die materielle Existenz seiner Autorin, die seit 1947 Staatsbürgerin der USA war. Die Widener Library der Harvard University stellte sie als Dokumentalistin für europäische Literatur zur Arbeiterbewegung und Kommunismusforschung an, und auch als sie 1955 ihren Wohnsitz nach Paris verlegte, blieb sie der Bibliothek verbunden, nun als auswärtige Mitarbeiterin. Eine umfangreiche Vortragstätigkeit, vor allem bei der SPD und dem DGB, trug daneben zur Aufbesserung ihres Gehaltes bei.

Mit ihrem Buch und noch mehr mit ihren publikumswirksamen Auftritten schien Ruth Fischer einen Teil ihrer Ressentiments begraben zu haben. Jedenfalls wurde der Ton ihrer publizistischen Beiträge allmählich sachlicher. Der Kommunismus müsse nicht auf den Stalinismus beschränkt bleiben, und es sei abzuwarten, in welche Richtung die Entwicklung in Jugoslawien verlaufe.70 Dabei blieb Fischer auch praktisch-politisch aktiv: 1949 gehörte sie zu den Initiatoren des Kongresses für kulturelle Freiheit, nahm jedoch, wohl wegen der Nähe zum sowjetischen Herrschaftsbereich, nicht an dessen Gründungsveranstaltung 1950 in West-Berlin teil.71 Eine wichtige, auch von ihren Freunden so kaum erwartete nochmalige politische Wende vollzog sie jedoch nach dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956.

Die letzte Wendung

Im Jahre 1954 beantragte Ruth Fischer bei der Bundesregierung eine finanzielle Kompensation für die durch die Nazis erlittene Verfolgung. Dies wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Antragstellerin habe in der Weimarer Republik alles getan, um »die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes [zu] bekämpfen«. Sie sei daher von jeder finanziellen »Wiedergutmachung« ausgeschlossen.72

Diese Entscheidung trug angesichts der Tatsache, dass ehemalige Nazibeamte teilweise hohe Pensionen bezogen, sicher dazu bei, dass Ruth Fischer davon Abstand nahm, in der Bundesrepublik ihren Wohnsitz zu nehmen. Auch Österreich schied aus, da es teilweise noch von sowjetischen Truppen besetzt war. Erst 1957, zwei Jahre nach Abschluss des Staatsvertrages und dem Abzug der Sowjetarmee aus Wien, kehrte Ruth Fischer besuchsweise in die Stadt ihrer Jugend zurück.

Ihre verständliche Furcht, sich in die Nähe sowjetischer Macht zu begeben, hinderte sie nicht an einer politischen Neubewertung der UdSSR nach Chruščëvs »Geheimrede« auf dem XX. KPdSU-Parteitag. Dies zeigte sich in ihrem Buch Von Lenin zu Mao. Kommunismus in der Bandung-Ära, das Ende 1956 herauskam, wie auch in der zwei Jahre später erschienenen Dokumentation über Die Umformung der Sowjetgesellschaft, die Buchausgabe ihrer in den Frankfurter Heften in acht Folgen publizierten »Chronik der Entstalinisierung«. Eine Biografie ihres Lebenspartners Maslow blieb unvollendet.

Voller Zuversicht meinte Ruth Fischer, der XX. Parteitag leite »eine neue Phase, die Phase der Umformung der Parteidiktatur in ein System der Partei- und Sowjetdemokratie, ein«. Ungeachtet aller Schwierigkeiten, diesen Reformkurs beizubehalten, sei »eine Rückkehr zum Stalinismus nicht mehr möglich«.73 Sogar die sowjetische Intervention in Ungarn sei nur ein zeitweiliger Rückschlag in diesem Reformprozess.74 Von dieser optimistischen Bewertung ausgehend entwarf sie ein detail- und facettenreiches Bild der kommunistischen Bewegungen in Europa und Asien. Sie stellte dem Buch Von Lenin zu Mao eine Sequenz aus Bertolt Brechts Bei Durchsicht meiner ersten Stücke voran und zitierte ihn mit den Zeilen: »Die Geschichte macht vielleicht einen reinen Tisch, aber sie scheut den leeren.« Doch war Ruth Fischer selbst auch nur halbherzig bereit, reinen Tisch zu machen: Ihre Aussagen zur Politik der Sowjetunion waren in der Tat von einem neuen Geist geprägt. Lenin wurde als qualitativ verschieden von Stalin geschildert, doch nicht als unfehlbarer Führer. Jedoch vermissten informierte Leser – wie auch schon in Fischers vorherigem Buch – jede selbstkritische Reflexion über eigene Versäumnisse und Fehlurteile der Vergangenheit.

Dies lässt sich an ihrer Bewertung der Rolle Senator McCarthys belegen. Der McCarthyismus, so schrieb sie, stelle »eine eigentümliche amerikanische Abart des Stalinismus dar, indem er genau wie sein großes Vorbild zunächst einen Hauptschuldigen fixiert, den ›Kommunisten‹, der im selben Atemzuge als ›der Spion einer ausländischen Macht‹ definiert wird. Es gab keine anderen Kommunisten als Spione und kaum andere Spione als Kommunisten. In derselben Weise verfuhr Stalin bekanntlich mit Trotzkij und den Trotzkisten.«75

Ruth Fischer hatte natürlich Recht, wenn sie schrieb, dass »in Amerika die Verfolgungswelle niemals diese terroristische Rasanz« erreichte wie unter Stalin. Doch ihre Ansicht, dass den Opfern des McCarthyismus »im allgemeinen nichts Schlimmeres zu[stieß], als aus Staats- oder Universitätsfunktionen entfernt zu werden«, war eine Beschönigung der Situation.76 Die antikommunistische Hysterie der frühen Fünfzigerjahre trug bittere Früchte, deren Langzeitwirkung nicht übersehen werden darf. Über die systematische und massenhafte Zerstörung beruflicher Existenzen hinaus – nicht nur im Staats- oder Universitätsbereich – bewirkte der McCarthyismus, auch nachdem sein Protagonist politisch entmachtet worden war, ein noch lange spürbares Klima der Angst und des Duckmäusertums.77 Ruth Fischers Anteil an der Frühphase der antikommunistischen Kampagne kann schwerlich übersehen werden, auch wenn sie diesen Anteil später dem historischen Vergessen überantworten wollte.

Entgegen ihren späteren Beteuerungen war Ruth Fischer am Ende der Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts nicht nur eine Antistalinistin, sondern eine aktive Antikommunistin.78 Bekanntlich deckt der Antikommunismus ein weites Feld politischer Grundhaltungen ab und kann sich jeweils in spezifischer Weise gegen den Kommunismus als Ideologie, Bewegung und Herrschaftsform richten oder seine sozialutopische Dimension verwerfen. Oftmals aber spielen Antikommunisten die Vielgestaltigkeit und inneren Widersprüche kommunistischer Theorie und Praxis, vor allem innerkommunistischer Opposition gegen kommunistische Diktaturen, herunter. Indem Ruth Fischer mit ihren Aussagen vor dem HUAC, dem Washingtoner Bezirksgericht und dem Rechtsausschuss des Senates die kommunistische Bewegung als bloße von Moskau gesteuerte Verschwörung zeichnete, machte sie sich zur Sprecherin einer undifferenzierten, liberal-demokratische Werte infrage stellenden Variante des Antikommunismus. In ihrem Buch über Stalin und den deutschen Kommunismus beschrieb sie zwar die Existenz verschiedener Fraktionen innerhalb der KPD, die auch unterschiedliche ethisch-moralische Ansprüche und Zielvorstellungen hatten, doch sprach sie nur den Anschauungen, die sie – retrospektiv – sich selbst zubilligte, ein moralisch positives Werturteil zu. Den Sieg Stalins, Thälmanns und ihrer Parteigänger erklärte sie teilweise korrekt mit den inneren Widersprüchen der KPD sowie der wachsenden Abhängigkeit der Partei von der Sowjetunion. Da sie sich selbst jedoch von jeder Verantwortung für die der Stalinisierung vorausgehende Bolschewisierung der KPD ausnahm, legte sie ihrer Leserschaft geradezu zwingend nahe, eine innerparteiliche Opposition gegen Stalin müsse in jene Haltung münden, die Ruth Fischer als militante Antikommunistin am Ende der Vierzigerjahre vertrat.

Sie ersetzte die rationale Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, der eine engagierte Kritik beinhalten konnte, durch eine klassische Verschwörungstheorie. Dabei orientierte sie sich keineswegs an demokratischen Werten: Ihr Engagement für die amerikanische Gesellschaft bemaß sich nicht an der Verteidigung bürgerlicher Grundrechte, sondern nur daran, inwieweit diese Gesellschaft bereit war, Ruth Fischers Gesinnung Rechnung zu tragen. Von einem Antikommunismus, der auf sozialistischen oder liberalen Grundsätzen beruhte, war nichts zu spüren; vielmehr war sie zur Zusammenarbeit mit Kräften bereit, die in Teilen der damaligen Öffentlichkeit sowie später in der gesamten ernsthaften Forschung als rechtsradikal galten.

Wie sich Ruth Fischer von dieser Besessenheit aber schließlich löste, zeigt eindrucksvoll die Korrespondenz mit ihrem Neffen, dem damals in Wien lebenden Maler Georg Eisler (1928–1998). Hanns Eislers Sohn hielt auch in der Zeit schwerster familiärer Konflikte den Kontakt mit ihr aufrecht. Ihm schrieb Ruth Fischer 1958 voller Hoffnung, dass sich die Sowjetunion »in guter Richtung hin« entwickele.79 Chruščëv habe »sich solche Mühe gegeben [...], die ›Friedenspartei‹ in Amerika anzusprechen«, meinte sie 1960, kurz nach dem Abschuss eines amerikanischen Spionageflugzeuges über der Sowjetunion.80 Wenig später berichtete sie von einem Angebot, über die Entstehung der KP Österreichs zu publizieren, das sie ablehnte, da es in einer »ganz blödsinnig antikommunistisch« orientierten Zeitschrift erscheinen sollte.81

Der Kontakt mit den Brüdern ließ sich nicht wieder herstellen, obgleich Ruth Fischer dies nun leidenschaftlich wünschte.82 Doch nicht nur Wolfgang Abendroth, der 1953 die »Sehr geehrte Frau Fischer« um Auskünfte bat, trug ihrer geänderten Einstellung Rechnung, als er 1960 einen Brief an die »Liebe Genossin Ruth Fischer« richtete.83 Nach vielen Wandlungen und Brüchen, nachdem ihr kommunistischer Erlösungsglaube sich als irrig und der Antikommunismus sich als fragwürdiges Gegengift erwiesen hatte, rang Ruth Fischer zuletzt um ein demokratisches Verständnis des Kommunismus. Diese Suche hätte in eine rationale, demokratische Variante kommunistischen Denkens einmünden können – eine Suche, die mit ihrem Tod am 13. März 1961 in Paris abbrach.


1 Isaac Deutscher an Heinrich Brandler, Brief vom 30. November 1956, in: Hermann Weber (Hg.): Unabhängige Kommunisten. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Brandler und Isaac Deutscher 1949 bis 1967, Berlin 1981, S. 157.

2 Siehe Elfriede Friedländer: Sexualethik des Kommunismus. Eine prinzipielle Studie, Wien 1920.

3 Siehe Ronald Friedmann: Ulbrichts Rundfunkmann. Eine Gerhart-Eisler-Biographie, Berlin 2007, S. 18 f.

4 Siehe Hans Hautmann: Die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916–1919, Wien 1970, S. 60 f.

5 Zur Biografie Fischers und Maslows siehe Peter Lübbe (Hg.): Ruth Fischer-Arkadij Maslow: Abtrünnig wider Willen. Aus Reden und Manuskripten des Exils, München 1990, S. 1–48 (zit. als: Abtrünnig wider Willen); Sabine Hering/Kurt Schilde (Hg.): Kampfname Ruth Fischer. Wandlungen einer deutschen Kommunistin, Frankfurt a. M. 1995, S. 7–75. Wichtig sind Fischers »Autobiographical Notes« [1944],in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen, S. 442–477. Lübbes Dokumentation beruht hauptsächlich auf Ruth Fischers Nachlass in der Houghton Library, Harvard University, Cambridge, MA. (Im Folgenden wird die Sammlung (bMS Ger 204: Ruth Fischer Papers) als Ruth Fischer Papers zitiert.)

6 Siehe Fischers Reichstagsreden mit scharfer Kritik am Parlamentarismus und besonders an der SPD, z. T. abgedruckt in: Hering/Schilde: Kampfname Ruth Fischer (Anm. 5), S. 154–241.

7 So wandte sie sich gegen die nunmehr als »ultralinks« bezeichneten putschistischen Tendenzen innerhalb der KPD um Karl Korsch und Iwan Katz. Siehe Ossip K. Flechtheim: Die KPD in der Weimarer Republik, 4. Aufl. Frankfurt a. M. 1976, S. 205–211; Ben Fowkes: Communism in Germany under the Weimar Republic, New York 1984, S. 122–125; Klaus Kinner: Die Weimarer Zeit (= Der deutsche Kommunismus. Selbstverständnis und Realität, Bd. 1), Berlin 1999, S. 67–78.

8 Siehe Bericht über die Verhandlungen des X. Parteitages der Kommunistischen Partei Deutschlands (Sektion der Kommunistischen Internationale), abgehalten in Berlin vom 12. bis 17. Juli 1925, Berlin 1925, bes. S. 167–177.

9 Siehe Fischer: Autobiographical Notes, in: Lübbe: Abrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 460.

10 Der Offene Brief erschien am 20. September 1925 in der Roten Fahne und in anderen KPD-Zeitungen.

11 Siehe Rüdiger Zimmermann: Der Leninbund. Linke Kommunisten in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1978, bes. S. 107–117, 177–182.

12 Siehe Ruth Fischer/Franz Heimann: Deutsche Kinderfibel, Berlin 1933. Neudruck Düsseldorf 1986.

13 Über die wie in Berlin erschütternden sozialen Zustände, unter denen ein Großteil der Proletarierkinder in St. Denis leben musste, berichtet Fischer in ihren Autbiographical Notes, siehe in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 440–442.

14 Siehe The Houghton Library, Harvard University, bMS Russ 13.1, The Trotskii Collection: Briefwechsel Trotzki-Fischer, Nr. 1001–1015.

15 Siehe Prozessbericht über die Strafsache des trotzkistisch-sinowjewistischen terroristischen Zentrums, Moskau 1936, S. 106–109.

16 Siehe Ruth Fischers Korrespondenz mit Heinrich Brandler und Franz Pfemfert in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 143–153.

17 Siehe New York Public Library, Manuscript and Archives Division, Emergency Committee in Aid of Displaced Foreign Scholars, Akte Ruth Fischer: Institute of International Education, New York, Assistant Director, Brief an Ruth Fischer vom 23. November 1943.

18 Siehe Ruth Fischers Brief an Arkadij Gurland vom 24. Januar 1944, in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 157 f. und Gurlands kritische Bemerkungen vom 25. März 1944 in: Ruth Fischer Papers (Anm. 5), Mappe 138.

19 Ruth Fischer: Germany after Hitler, in: The Workmen’s Circle Call, Dezember 1944, S. 4 f.

20 Siehe Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 27.

21 Ruth Fischer: Memorandum on The Network (November 1944), in: ebd., S. 481.

22 Siehe The Network 1 (Mai 1944), H. 5, S. 3.

23 Siehe The Network, 2 (Dezember 1944), H. 11, S. 2.

24 Das Memorandum vom November 1945 ist abgedruckt in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), 
S. 481–483.

25 Siehe Jürgen Schebera: Hanns Eisler. Eine Biographie in Texten, Bildern und Dokumenten, Mainz 1998, S. 198 f.

26 Zur Biografie Gerhart Eislers siehe Friedmann: Ulbrichts Rundfunkmann (Anm. 3).

27 Ruth Fischers Brief an Hanns, Gerhart und Lou Eisler ist abgedruckt in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 160 f.

28 Siehe The Network (Anm. 22), S. 7.

29 Frederick Woltman: Kremlin Agent in U.S. Identified, in: World Telegram vom 17. Oktober 1946. Dieser und zahlreiche weitere Zeitungsberichte befinden sich in der in Anm. 32 genannten FBI-Akte Gerhart Eislers, die auch die relevanten Informationen über seine Schwester enthält.

30 Siehe FOIA CIA Electronic Reading Room: Office of Strategic Services, Interoffice Memo, 6 May 1944: Ruth Fischer Comment on Council for a Democratic Germany, in: www.foia.cia.gov/browse_docs_full.asp, ges. am 29. Juni 2010.

31 Siehe Foreign Nationality Groups in the United States. Memorandum by the Foreign Nationalities Branch to the Director of Strategic Services, 12 May 1944, in: ebd.

32 Eine Kopie von Eislers FBI-Akte befindet sich jetzt in den Robert F. Wagner Labor Archives der Tamiment Library in New York. Siehe Collection FBI, Freedom of Information/Privacy Acts Releases, Series/Contents: Gerhart Eisler (im Folgenden: Gerhart Eisler FBI File), hier Box 1, Mappe 5: J. Edgar Hoover an D. A. Flinn, Lisbon, Portugal, Brief vom 17. November 1944.

33 Die offizielle Bezeichnung des Ausschusses lautete Subcommittee on the Investigation of Loyalty of State Department Employees [Unterausschuss zur Überprüfung der Staatstreue von Angestellten des Außenministeriums].

34 Siehe den FBI-Bericht NY 100-12376 (Confidential) in: Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), Box. No. 2, Folder 5, Bl. 17.

35 Siehe Ex-Editor of Daily Worker Names Director of U.S. Reds, in: Washington Post vom 18. Oktober 1946; Louis F. Budenz: This is my Story, New York/London 1947, S. 241.

36 Eislers Befragung ist abgedruckt in: House Committee on Un-American Activities, 80th Congress, 
1st Session, Washington, D.C. 1947. Sie ist z. T. wiederabgedruckt in: Eric Bentley (Hg.): Thirty Years of Treason: Excerpts from the Hearings before the House Committee on Un-American Activities, 1938–1968, New York 1971, hier S. 57–59. Seine Befragung durch das Washingtoner Bezirksgericht befindet sich in mehreren Kopien in Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), Box No. 3, verschiedene Folder.

37 Ihre Befragung ist dokumentiert in: House Committee (Anm. 36), S. 29–35 u. 46–55, und wiederabgedruckt in: Bentley (Hg.): Thirty Years (Anm. 36), S. 59–73 (daraus wird hier zitiert).

38 Ebd., S. 67.

39 Ebd., S. 61.

40 Ebd., S. 66.

41 Ebd., S. 70.

42 Ebd., S. 72.

43 Siehe Gerhart Eisler: My Side of the Story. The Statement the Newspapers Refused to Print, hg. vom Civil Rights Congress, New York 1947.

44 Siehe Friedmann: Ulbrichts Rundfunkmann (Anm. 3), S. 156 f.

45 Bentley (Hg.): Thirty Years (Anm. 36), S. 71.

46 Ebd., S. 73.

47 Ted Ayers: Sister Says Eisler Hit Party Line of U.S. Commies as »Idiotic«, in: Washington Times Herald vom 17. Juli 1947; Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), Box Nr. 2, Mappe 2.

48 Sister Testifies Again Today on Eisler Link to Communist Party, in: Washington Evening Star vom 17. Juli 1947; Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), Box Nr. 2, Mappe 2.

49 Ted Ayers: Eisler Plotted Negro Republic in South, Ex-Communists Testify, in: Washington Times Herald vom 18. Juli 1947; Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), Box Nr. 2, Mappe 2.

50 Communists: The Man from Moscow, in: Time vom 17. Februar 1947.

51 Siehe Bentley (Hg.): Thirty Years (Anm. 36), S. 73–109; Hanns Eisler Backs His Brother, in: Daily Worker vom 8. Februar 1947.

52 Siehe Bentley (Hg.): Thirty Years (Anm. 36), S. 207–225.

53 Ruth Fischer, Bert Brecht: Minstrel of the GPU, in: Politics (April 1944), S. 88 f.

54 Siehe Bentley (Hg.): Thirty Years (Anm. 36), S. 207–225 u. 959–976. Die Hanns Eisler und Bertolt Brecht überwachenden FBI-Agenten analysierten Die Maßnahme sorgfältig. Siehe ihre FBI-Akten, die z. T.. im Internet (FBI Electronic Reading Room) einzusehen sind. Siehe Hanns Eislers Akte: 
foia.fbi.gov/eisler/eisler1a.pdf, ges. am 29. Juni 2010, S. 25–74, sowie D. M. Ladd, Office Memorandum, 28. Februar 1947, in: foia.fbi.gov/eisler/eisler2a.pdf, ges. am 29. Juni 2010, 
S. 24–31, mit Informationen u. a. von Ruth Fischer.

55 Zu McCarran siehe Michael Ybarra: Washington Gone Crazy. Senator Pat McCarran and the Great American Communist Hunt, Hanover, NH 2004.

56 Communist Activities among Aliens and National Groups: Hearings before the Subcommittee on Immigration and Naturalization of the Committee on the Judiciary, U.S. Senate, 81st Session, 
Washington 1950, S. 33.

57 Ebd., S. 35. Doch unterhielt Erika Mann selbst Kontakte zum FBI. Siehe Alexander Stephan: Im Visier des FBI. Deutsche Exilschriftsteller in den Akten amerikanischer Geheimdienste, Berlin 1998, 
S. 109–121.

58 Communist Activities (Anm. 56), S. 40.

59 Communists: The Brain, in: Time vom 28. Oktober 1947.

60 I Started Gerhart on Red Road, Sister Says, in: Washington Times Herald vom 7. Februar 1947; Plot to Overthrow U.S. Government Is Charged to Eisler: Commie Agent Dangerous Terrorist, Sister Tells Un-American Committee, in: ebd., 17. Februar 1947. Zahlreiche weitere Beispiele finden sich in: 
Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32).

61 Gerhart Eisler FBI File (Anm. 32), hier Box No. 1, Mappe 1: Memorandum, Re: Gerhart Eisler alias Hans Berger, 29. Mai 1944. Das Standardwerk zur amerikanischen und britischen Gegenspionage gegen sowjetische Geheimdienstaktivitäten erwähnt Gerhart Eisler nur kurz im Zusammenhang mit seinem falschen Pass, den er zwischen 1935 und 1941 benutzt hatte. Siehe John Earl Haynes/Harvey Klehr: Venona. Decoding Soviet Espionage in America, New Haven/London 2000, S. 81.

62 Ruth Fischer: Stalin und der deutsche Kommunismus. Der Übergang zur Konterrevolution, Frankfurt a. M. [1950], S. 766.

63 Ebd., S. 625.

64 Siehe Orwells Brief an Ruth Fischer vom 21. April 1949, abgedruckt in: Lübbe: Abtrünnig wider Willen (Anm. 5), S. 256 f.

65 David Harris in: The American Historical Review 54 (1949), H. 3, S. 597 f.

66 Communists: Of all the Virtues ..., in: Time vom 27. September 1948.

67 Philip E. Mosely in: Political Science Quarterly 64 (1949), H. 1, S. 131.

68 E. H. Carr: Russian and German Communism, in: Soviet Studies 1 (1950), H. 4, S. 347.

69 William Harvey Maehl in: The Journal of Modern History 22 (1949), H. 1, S. 172.

70 Siehe ihre Beiträge: Tito contra Stalin: Gegenwartsprobleme der Komintern-Strategie, in: Der Monat 
1 (1949), H. 7, S. 444–457; Tito und Trotzki: Der Unabhängigkeitskampf der kommunistischen Parteien, in: Der Monat 2 (1950), H. 16, S. 398–409.

71 Zu Ruth Fischers Anteil an der Vorbereitung der Gründung des Kongresses für kulturelle Freiheit siehe Peter Coleman: The Liberal Conspiracy. The Congress for Cultural Freedom and the Struggle for the Mind of Postwar Europe, New York/London 1989, S. 15 f.; Michael Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive? Der Kongress für kulturelle Freiheit und die Deutschen, München 1998, S. 219–221; Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt ... Die CIA und die Kultur im Kalten Krieg, Berlin 2001, S. 76 f.

72 Die Entscheidung des Bonner Innenministeriums ist abgedruckt in: Hering/Schilde: Kampfname Ruth Fischer (Anm. 5), S. 289–293, Zitat S. 291 f.

73 Ruth Fischer: Von Lenin zu Mao. Kommunismus in der Bandung-Ära, Düsseldorf 1956, S. 9.

74 Siehe ebd., S. 218.

75 Ebd., S. 85.

76 Ebd., S. 86.

77 Siehe u. a. David Caute: The Great Fear. The Anti-Communist Purge under Truman and Eisenhower, New York 1978; Ellen Schrecker: Many are the Crimes. McCarthyism in America, Princeton 1998.

78 Ihrem Sohn gegenüber betonte sie in den Fünfzigerjahren, sie habe sich auch in ihrer Kritik an Stalin »trotz allem noch als Kommunistin« gefühlt. Siehe das Interview mit Gerhard Friedländer, abgedruckt in: Hering/Schilde: Kampfname Ruth Fischer (Anm. 5), S. 77–89, Zitat S. 87.

79 Ruth Fischer Papers (Anm. 5), Mappe 1273, Bl. 5: Brief an Georg Eisler vom 23. April 1958.

80 Ebd., Bl. 17: Brief an Georg Eisler vom 24. Mai 1960.

81 Ebd., Bl. 20: Brief an Georg Eisler vom 28. Juli 1960.

82 Siehe ebd., Mappe 216, Bl. 4: Brief Georg Eislers an Ruth Fischer vom 8. April 1958.

83 Ebd., Mappe Nr. 2, Bl. 1 und 8: Briefe Wolfgang Abendroths an Ruth Fischer vom 22. März 1953 und vom 30. August 1960.

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