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Der Antikommunismus in Polen im Spiegel der Vierteljahresschrift Wschód 1930–1939

JHK 2011 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 15-30 | Aufbau Verlag

Autor/in: Zaur Gasimov

Geteilt in zwei ideologische Fronten – die Anhänger der Nationaldemokratie einerseits und die Anhänger Józef Piłsudskis (1867–1935) andererseits – verstanden sich die polnischen Eliten in der Zwischenkriegszeit als ein antikommunistischer Vorposten. Die Nationaldemokraten (endecy) um den polnischen Politiker Roman Dmowski (1864–1939) zeichneten sich weniger durch eine feindselige Haltung gegenüber Russland, als vielmehr durch eine besonders ausgeprägte »Germanophobie« gepaart mit Antisemitismus aus. Auch sollten Dmowski zufolge die nicht-polnischen Minderheiten in Polen einer kontinuierlichen Polonisierung ausgesetzt werden.1

Um Marschall Józef Piłsudski, der von 1926 bis 1935 Polen autoritär regierte, versammelten sich dagegen diejenigen polnischen Politiker und Intellektuellen, die in Russland und nicht in Deutschland die größte Gefahr für die polnische Staatlichkeit sahen. Ihrer Auffassung nach sollte Polen eine Konföderation der Anrainerstaaten (Ukraine, Litauen und Belarus) organisieren, um dem russischen Einfluss entgegenzuwirken. Im Gegensatz zu einer zwanghaften Polonisierung der Nicht-Polen wurde eine enge Zusammenarbeit der Völker der Rzeczpospolita2 angestrebt. Der Antikommunismus der Piłsudski-Anhänger beruhte auf einer traditionellen Russlandskepsis, die sich in Polen als Folge der Teilungen im 18. Jahrhundert, der eklatanten Russifizierungspolitik und der brutalen Zerschlagung der polnischen November- und Januaraufstände (1830, 1863/64) verbreitet hatte. Dabei hatte die polnische Kommunismuskritik eine relativ alte Tradition, die mit dem »Sonderweg« des polnischen Sozialismus und der spezifischen sozialdemokratischen Entwicklung in Zusammenhang stand.

Für die Genese des polnischen Antikommunismus ergab sich die folgende Ausgangssituation. Die Zerschlagung der Roten Armee durch die polnischen Truppen bei Warschau 1920 (das sogenannte Wunder an der Weichsel)3 und somit eine erfolgreiche Verteidigung der im November 1918 wiedererrichteten polnischen Staatlichkeit, fanden zeitgleich mit einem Erstarken des Kommunismus in Russland statt. Die Zwangssowjetisierung der Ukraine und der Kaukasusrepubliken 1920/214 führte zu einer Massenemigration von ukrainischen und kaukasischen Intellektuellen und Politikern, von denen sich viele in Europa und vor allem in Polen niederließen. Der Antikommunismus-Diskurs in Polen wurde dadurch sowohl auf weite Kreise der Bevölkerung als auch inhaltlich ausgeweitet. Auch verfügte der wiedererrichtete polnische Staat über ausreichende Kapazitäten für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kommunismus-Phänomen. In der Tat versuchte die polnische Staatsführung die antikommunistische Aufklärungsarbeit in den lokalen Medien zu stärken und zahlreiche Vertreter der von Moskau zurückeroberten nicht-russischen Peripherien des ehemaligen Zarenreiches in diesen Prozess mit einzubeziehen. Dem Antikommunismus sollten sich auch weitere Länder widmen. »[…] dafür sollte ein defensives Vertragssystem entstehen, welches Polen mit Rumänien und den baltischen Staaten eingeht und das alle Völker des europäischen und asiatischen Ostens kulturell unterstützt.«5 Die vom US-amerikanischen Historiker Timothy Snyder als die »Internationale des Antikommunismus«6 bezeichnete Ideologie des polnischen Prometeizm7 wurde damit begründet und von zahlreichen Intellektuellen, Journalisten und Politikern mitgestaltet.8 »Die prometheische Idee«, schrieb Włodzimierz Bączkowski,9 »bedeutet für uns eine vertragliche Abkürzung eines politischen Konzepts, welches die Teilung Russlands (des roten ebenso wie des weißen) in eine Reihe von souveränen nationalstaatlichen Organismen anstrebt.«10

Im Jahre 1930 wurde in Warschau die vierteljährlich erscheinende Fachzeitschrift Wschód [Orient] gegründet, die sich der Analyse politischer, sozialer und kultureller Prozesse in Osteuropa widmete. Der Antikommunismus war das ungeschriebene Leitmotiv der Zeitschrift, die formal das Publikationsorgan der wissenschaftlichen Vereinigung Orientalistyczne Koło Młodych [Orientalistischer Zirkel der Jugend] beim Warschauer Instytut Wschodni [Ostinstitut] war, tatsächlich aber vom polnischen Generalstab finanziert und unterstützt wurde. Inspiriert und mitgestaltet vom Publizisten Jerzy Giedroyć11 und geleitet vom Historiker Włodzimierz Bączkowski, stellte Wschód ein Forum für polnische und ausländische Sowjetologen dar. Die sowjetische Nationalitätenpolitik, die Kluft zwischen den Worten und Taten der Kommunisten in Russland und die sozialen Missstände in der UdSSR gehörten zu den Themen, die von den Wschód-Autoren häufig aufgegriffen wurden. Es wurde intensiv nach den Gründen für den Erfolg des Kommunismus in Russland gesucht. Waren die russisch-orthodoxe Tradition, die jahrhundertelange uneingeschränkte Herrschaft der Zaren und die Unfähigkeit der russischen Aristokratie, dem Kommunismus die Stirn zu bieten die Gründe dafür, dass die kommunistische Ideologie ihren Siegeszug in Moskau feierte? Einige Autoren sehen in diesen Besonderheiten russischer Geschichte die Antwort, andere erklären den sowjetischen Kommunismus mit der kulturellen Zugehörigkeit Russlands zu Asien. Letztere These ist insbesondere angesichts der Tatsache interessant, dass viele Wschód-Publizisten Orientalisten und Sinologen (z. B. Włodzimierz Bączkowski) waren.

Das Ziel dieses Beitrags ist die Analyse des polnischen Antikommunismus anhand der Auswertung der Zeitschrift Wschód unter besonderer Berücksichtigung der Artikel von Vertretern der politischen Emigration aus der Ukraine, Georgien und Aserbaidschan, die – geflohen vor den Bolschewiki – politisches Asyl in Polen erhielten.

Es gibt zwar einige Publikationen zur Entwicklung der Sowjetologie in Polen zur Zwischenkriegszeit aus der Sicht polnischer Historiker,12 jedoch fehlt eine Analyse des »osteuropäischen« Antikommunismus-Diskurses, wie er in der Zeitschrift Wschód in den Dreißigerjahren stattfand. Diese Lücke möchte der Beitrag füllen.

Antibolschewismus als Antikommunismus: Der polnische Fall

Engels’ Definition von 1847 zufolge war der Kommunismus »die Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats«.13 Das theoretische Konzept, das noch auf die Tradition der französischen Frühsozialisten zurückging, erlebte im 20. Jahrhundert vor allem in Russland eine beispiellose Entwicklung. Der Bolschewismus wurde zur wichtigsten Strömung des Kommunismus seit 1903 und vor allem seit der Oktoberrevolution 1917. Die polnische Intellektuellenschicht sah die Gefahr nicht in der abstrakten marxistischen Theorie, sondern im Bolschewismus und im Leninismus. Der polnische Antikommunismus in der Zwischenkriegszeit reduzierte sich somit auf den Antibolschewismus und auf die Kritik Lenins und Stalins. Der Wschód-Kolumnist Stanisław Glass schrieb 1933: »Es gibt nicht so viele Beispiele der sozialen Bewegungen, die dermaßen verbunden und gänzlich von ihrem Begründer gestaltet wären wie der Bolschewismus.«14 Glass zufolge seien die Broschüre Lenins Was tun? von 1902 sowie der elf Jahre später veröffentlichte Artikel »Wie W. Sassulitsch das Liquidatorentum erledigt« die Grundlagenwerke des Bolschewismus.15

1938 gab die Katholische Universität Lublin einen Sammelband mit zahlreichen Beiträgen polnischer Wissenschaftler zum Thema Bolschewismus heraus. Der Lubliner Theologe Józef Pastuszka hob den gegenwärtigen Kampf gegen den Kommunismus hervor, der eine »Kraft, die über eine mächtige Armee verfügt« und eine »mächtige Ideenströmung« in den Bereichen Religion, Philosophie, Kunst, Wissenschaft und Literatur darstelle.16 Der Bolschewismus sei nicht nur das politische Regime. »Er ist eine vielseitig ausgebaute Weltanschauung, die ein ökonomisches und soziologisches System umfasst. Er ist eine neue Lebensform, eine neue Moral und eine neue Religion.«17 Weitere Autoren wie Ignacy Czuma und Henryk Dembiński wiesen darauf hin, dass das Totalitäre in der Sowjetunion die Lebenswelt und den Alltag bestimme und die Sowjetunion die Bolschewisierung (bolszewizacja) der Welt plane.18

Der polnische Antibolschewismus war somit eine Reaktion auf den russischen bzw. sowjetischen Kommunismus, der seit 1917 zur staatstragenden Ideologie in Russland wurde. Während man in Russland verkündete, dass die Grundlagen der Gleichheit, Abschaffung des Privateigentums und Entkulakisierung, einzuhalten bzw. durchzuführen seien, wiesen die polnischen Publizisten und Wissenschaftler auf die Verlogenheit der Ziele und Taktiken der Moskauer Kommunisten hin. Damit reagierten sie auf das Handeln der sowjetischen Ideologen und auf das politische Geschehen in der Sowjetunion. Die UdSSR wurde in Polen vor allem seit der erneuten Machtübernahme Piłsudskis 1926 bis zur deutsch-sowjetischen Okkupation Polens im September 1939 als bedeutendster außenpolitischer Gegner wahrgenommen.

Die Zeitschrift Wschód

Die Zeitschrift Wschód ist das erste Medium in Europa, das einen Kontakt zwischen Europa und Asien auf der Grundlage der Gleichheit, der Bruderschaft, der gegenseitigen Freundschaft und des kulturellen Austausches anstrebt.19                                                            Mahomet-Bej Czukua, 1930

Die Vierteljahresschrift Wschód ging aus der Zusammenarbeit der Russland- und Osteuropaexperten des polnischen Außenministeriums, des Generalstabes, des Geheimdienstes und der wissenschaftlichen Einrichtungen des Außenministeriums (z. B. Instytut Wschodni) hervor. Sie war ein integraler Bestandteil der von den polnischen Eliten unterstützten Prometeizm-Politik.20 Mithilfe der Zeitschrift wurde ein Transfer der osteuropäischen Kommunismus-Diskussion von Ost nach West angestrebt, die den russischen Kommunismus als antiwestlich, antiliberal und das Abendland als Bedrohung definierte.

Unter den Autoren der Zeitschrift waren Geheimdienstler (z. B. Jerzy Niezbrzycki21), prominente polnische und internationale Russlandexperten (z. B. Stanisław Glass), Politologen (Tadeusz Radwański), Historiker sowie Intellektuelle und Exilpolitiker aus der Ukraine (Roman Smal’-Stockyj) und dem Kaukasus (MEmmEdEmin REsulzadE, Noe Žordania). Die sowjetische Ideologie der Lüge zu bezichtigen und ihre Mythen zu entlarven, waren die Hauptziele des polnischen Antikommunismus in der Zwischenkriegszeit. Man wollte auch die Kommunismuseuphorie in den westeuropäischen Staaten dämpfen, in der die polnischen Intellektuellen eine Russophilie erkannten.22 In Wschód-Beiträgen wurde der polnische Antikommunismus vor allem durch die Kritik an den in Moskau verkündeten Dogmen über das Selbstbestimmungsrecht der Völker, an der in der UdSSR stattfindenden Russifizierung der nichtrussischen Sprachen und Kulturen sowie an der sowjetischen Planwirtschaft und Außenpolitik zum Ausdruck gebracht. Den Kommunismus zu entlarven und das Bild Russlands im Westen zu beschädigen, gehörte ebenfalls zu den Absichten der Zeitschrift, die die wichtigsten Ideenströmungen der polnischen sowie der ukrainischen und kaukasischen Intellektuellen in den Dreißigerjahren widerspiegelte.

Alle Artikel erschienen auf Polnisch, beinhalteten aber in der Regel ein detailliertes Resümee auf Englisch, Deutsch, Französisch oder Italienisch. Somit stand Wschód in der Tradition der polnischen Russlandberichterstattung aus dem 19. Jahrhundert, als die polnische Intellektuellenschicht und Exilanten versuchten, Europa über das »wahre Russland« zu informieren und aufzuklären.23

Kommunismus als Erbe des Zarenreiches

Der Politologe Tadeusz Radwański zitierte während seines Vortrags am 6. November 1935 in Warschau aus dem Statut von Orientalistyczne Koło Młodych: »We are building up the status of Poland as a Power upon the basis of the greatest possible number of freed nations and those emerging to freedom.«24 Zwei Elemente sollten dabei besonders hervorgehoben werden: »The first is a firm faith in the historical mission of Poland in Eastern Europe, her aversion to every form of coercion and violence, and in inherent sympathy for all those peoples who are fighting for independence and for their right to self-determination.«25 Mit dem demonstrativen Verzicht auf Gewalt, zu dem die polnischen Intellektuellen auf den Seiten von Wschód aufriefen, ging die Beschreibung des russischen Kommunismus als einer gewalttätigen Politik einher. Man versuchte dadurch sämtliche Gegner der kommunistischen Eroberungen anzusprechen. Auch dem Freiheitsbegriff wurde eine besondere Bedeutung beigemessen. Die Prometheisten um Wschód beanspruchten, den Freiheitsbegriff neu zu definieren. Es ging nicht um eine abstrakte Befreiung des Proletariats, sondern um die Befreiung des Menschen und der Nationen. Radwański griff die Gedanken des polnischen Historikers Dąbrowski auf: »Writing in his Polska a przyszla wojna [Polen und der künftige Krieg], Professor J. Dąbrowski states unequivocally that the disintegration of Russia into her former component parts is to the fundamental interest of the Republic of Poland, and the attainment of that objective is one of the prime motives of a wise and far-sighted policy on the part of Polish statesmen.« Radwański schrieb weiter: »The nations subjected by Russia sprang to armes at the same epoch but one by one they succumbed to the superior power of the oppressor.«26 Im polnischen Originaltext des Artikels wurden die Begriffe von panruscyzm [Panrussismus] und panbolszewizm [Panbolschewismus] verwendet,27 die in der englischen Version als Pan-Russianism und interessanterweise als Pan-Communism übersetzt wurden.28 Hieran lässt sich eine Gleichstellung des Kommunismus mit dem Bolschewismus erkennen. Der Kommunismus und das Zarenreich wurden somit nicht als Gegner, sondern verwandte Ideologien, die sich ähnlicher Methoden und Vorgehensweisen bedienten, betrachtet.

Laut der Wschód-Autoren seien die Grundlagen des russischen Kommunismus nicht nur in der Lehre von Marx und Engels, sondern auch in der Tradition des Zarenreiches zu suchen. Wschód empfahl die Lektüre von Fëdor Dostoevskijs Dämonen allen, die den Kommunismus in Russland begreifen wollten. Dieses Werk sei »eine geniale Enzyklopädie des Bolschewismus (und Russlands generell)«, was auch der Essenz der heutigen UdSSR entspreche.29 Die Stachanov-Bewegung30 in der UdSSR sei beispielsweise »eine neue Version der sowjetischen ›Legende‹«.31

Die Vergleiche der sowjetischen Gegenwart mit der zaristischen Geschichte gingen in Wschód noch weiter. In der Sowjetunion sei eine Idealvorstellung von Ivan dem Schrecklichen realisiert. Dieser träumte von einem Zwei-Stände-Staat (Opričnina32 und Zemščina33), d. h. von einem Stand der Administratoren, also der Steuersammler, und dem Stand der Steuerzahler. Dieses »Ideal« werde auch von den Eliten in der Sowjetunion mit einem Diktator an der Spitze geteilt. Jedoch benötigte die UdSSR eine soziale Brücke zwischen der bolschewistischen Opričnina und der bolschewisierten Zemščina. Es sollte ein Minimum an sozialer Harmonie erreicht werden, da man ein solches Zusammenleben durch die Karabiner der GPU34 nicht gewährleisten könne.35

Der prominente polnische Intellektuelle Władysław Pelc schrieb 1936 einen Artikel »Kom-intern – ZSSR – Rosja« [Kommunistische Internationale – UdSSR – Russland], in dem er Parallelen zwischen dem »historischen Russland«, der UdSSR und der Organisation der Kommunistischen Internationale (Komintern) zog. »Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Engels schrieb Marx das Evangelium des Kommunismus, dessen Ideen er im Kommunistischen Manifest popularisierte. Das Manifest machte den Klassenkampf zu einem Dogma und appellierte an das Proletariat […]. Die Religion dieses Proletariats sollte der Kommunismus sein.«36 »Der Bolschewismus formulierte und brachte ins Leben die Grundlage des Fatalismus eines revolutionären Kampfes«, so Pelc, »d. h. des Regimewechsels, der von der Gewaltanwendung gegen den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt begleitet wurde.«37 Pelc zufolge sollte man auch in der russischen Orthodoxie nach den Wurzeln des russischen Kommunismus suchen, die die zaristische Außenpolitik mit missionarischem Gedankengut versorgte und im Abendland traditionell einen Feind sah. Pelc schrieb: »Eine weitere schreckliche Besonderheit des russischen Bolschewismus, der sich in Moskau entwickelte und stark vom Moskauer Stil geprägt wurde, besteht im messianischen Imperialismus. Bolschewismus wurde zu einem Bastard aus dem Moskauer Byzantinertum und der marxistischen Ideologie.«38 Pelc verstand die Komintern als ein Instrumentarium in den Händen Moskaus, welches immer noch die Weltrevolution vorbereite, vor der Europa und die Welt sich zu fürchten hätten.

Die Gedanken bezüglich der historischen Evolution vom Zarenreich bis zur Sowjetunion, die mit einer Zunahme der russischen Bevölkerung und territorialer Expansion Moskaus einherging, griff auch der Chefredakteur von Wschód, Bączkowski auf.39 Die Komintern sollte ihm zufolge treffender als »Moskwintern«40 oder sogar als eine »neue Gestalt des russisch-moskowiter Ausdehnungsstrebens«41 bezeichnet werden.42

Die UdSSR ein »Völkerkerker«?

Es war Lenin, der das Zarenreich als Völkerkerker (tjur’ma narodov43) bezeichnete und seinen Völkern die Selbstbestimmung und Achtung ihrer Sprachen und Kulturen versprach.44 Die Korenizacija-Politik [Verwurzelungspolitik] in den frühen Zwanzigerjahren sollte die zwangssowjetisierten Nicht-Russen für die Sache des Kommunismus gewinnen. Relativ schnell löste jedoch die Russifizierung die verkündete Verwurzelung ab. Der bolschewistische Kampf gegen die Nationen nahm unter Stalin bekanntlich zu. »The national policy of the Soviet government and its efforts directed to the solving of numerous national problems is a most interesting phenomenon in the life of that huge country«,45 schrieb 1931 Michal Kowalewski in der Juli-Ausgabe von Wschód. »Although Russian communism proclaimed that it acknowledged the right of these nations to home-rule, even though it involved their separation from Russia, however, when it came to the practical realization of this theory, it would neither agree to the moving of the Russian frontier several thousands kilometres eastward, nor to the loss of the rich Ukrainian and Caucasian territories.«46 Somit wurde auf den Hauptwiderspruch der sowjetischen Nationalitätenpolitik hingewiesen. »So the Ukrainian and the Georgian literatures must get rid of their historical and national romanticism and be imbued with the development of the new communistic social forms and the new cultural values, created in modern Soviet Rome – Moscow.«47

Der Begriff des »sowjetischen Roms« wurde von den polnischen Kommunismuskritikern immer wieder aufgegriffen und steht dabei im Zusammenhang mit dem traditionellen russischen Anspruch, sich in Anlehnung an die Idee des russischen Mönchs Filofej aus dem 16. Jahrhundert als das »Dritte Rom« zu positionieren. In der von Moskau angestrebten weltweiten Verbreitung des Kommunismus sahen die Polen Ähnlichkeiten zum russischen Expansionismus unter den Romanovs und der mission civilisatrice, zu der sich Russland in Asien berufen fühlte. Das Studium der Nationalitätenfrage im sowjetischen Russland und in der UdSSR wurde zu einem wichtigen Anliegen der polnischen Antikommunisten.

Vom 15. bis 16. Mai 1932 fand in Warschau der erste Kongress des Orientalistyczne Koło Młodych statt, zu welchem Sinologen und namhafte Osteuropahistoriker aus Warschau, Krakau, Posen und Lemberg eingeladen wurden. Eröffnet wurde die erste Sitzung vom Vorsitzenden dieser Organisation und Chefredakteur von Wschód, Włodzimierz Bączkowski, sowie vom Vorsitzenden des Instytut Wschodni, Stanisław Siedlecki. Die Teilnehmer des Kongresses wurden vom Generalsekretär des Instytut Wschodni, Olgier Górka begrüßt, dessen Eröffnungsvortrag dem Thema »Die Mission Polens im Osten« (Misja Polski na Wschodzie) gewidmet war. Górka zufolge sollte Polen, das zwischen zwei mächtigen Blöcken Europas liege, im Rahmen seiner defensiven Taktik im Westen wie im Osten offensiv vorgehen. »Unsere politische Offensive im Osten soll sich von deutschen und russischen Methoden von Grund auf unterscheiden.«48 Die polnische Politik sollte eher auf einem Soft-Power-Ansatz beruhen und den Kampf der nicht-russischen Nationen gegen Moskau mit allen Mitteln unterstützen.

Die Exilpolitiker und Repräsentanten der sogenannten »prometheischen Völker«49 meldeten sich ebenfalls zu Wort. »Und unter dem Joch solcher Machthaber, die Terror, Hass, Rache zu einem Kult erhoben, müssen auch solche nicht-russischen geknechteten Völker leben, die niemals ihre Bakunins, Nečaevs und Tkačevs hatten. […] Im Kaukasus, in der Ukraine und in Turkestan wird der Kampf mit den Vertretern der Moskauer Machthaber sowohl an der ideologischen als auch an der militärischen Front fortgesetzt«,50 referierte Kosta Zangi.

Eine bemerkenswerte Veranstaltung war die dreitägige Tagung der »Sprachwissenschaftlichen Versammlung der geknechteten Völker der UdSSR«, die vom 31. Mai bis 2. Juni 1936 in Warschau durchgeführt wurde. Begleitartikel und Kommentare in Wschód analysierten die Zusammenkunft. An dem Kongress nahmen die bekanntesten Osteuropahistoriker, Slawisten, Turkologen und Linguisten teil, wie z. B. Leon Wasilewski,51 Stanisław Siedlecki, Stanisław Poniatowski, Najman Mirza-Kryzynski, Włodzimierz Bączkowski, Dżafer Sajdamet und andere. Smal’-Stockyj eröffnete die Tagung und erklärte, dass die Russifizierung in der UdSSR seit 1929 mit einer außerordentlichen Intensität durchgeführt würde. Die Aufgabe der Tagung, so Smal’-Stockyj, sei sowohl die Vorbereitung der Verteidigung gegen die Russifizierung als auch des Protests gegen diese Politik.52 Leon Wasilewski referierte zum Thema »Geschichte des polnischen Widerstandes gegen die Russifizierung«. Poniatowski kritisierte die sowjetische Sprach- und Nationalitätenpolitik. Ihm zufolge beruhe die Wissenschaft in der Sowjetunion auf dem Unwissen, der Lüge und dem Terror. Die Teilnehmer der Tagung analysierten insbesondere Lenin’sche und Stalin’sche Politiken gegenüber den nicht-russischen Nationen. Das Streben Stalins, in der UdSSR die Annäherung und die anschließende Verschmelzung der Völker zu erreichen, wurde verurteilt. Das Hauptziel der kommunistischen Nationalitätenpolitik sei die Verschmelzung aller Kulturen in einer einheitlichen Kultur mit einer Sprache, dem Russischen, das als Sprache Lenins, des Proletariats und der Oktoberrevolution propagiert wird. Die sowjetische Nationalitätenpolitik, die durch ihre Formel »sozialistisch dem Inhalt und national der Form nach« bekannt wurde, strebe im Endeffekt die Auslöschung der nicht-russischen Völker an. »Die Methoden der Russifizierung sind dermaßen perfide und werden besonders in dem Bereich der Sprachpolitik mit einer solchen Brutalität durchgeführt, dass die Vertreter dieser von Moskau eroberten Völker und vor allem die Vertreter ihrer Exilgemeinschaften mit der Frage konfrontiert werden, wie man die eigenen Sprachen verteidigen kann, um diesen barbarischen Mitteln entgegenzuwirken, mit deren Hilfe die ›liberalste und demokratischste Regierung‹ der Sowjets und die Kommunistische Partei das nationale Anderssein [zniszczenie odrębności narodowej] der geknechteten Völker vernichtet.«53 Im Ergebnis wandten sich die Teilnehmer der Tagung an die Polnische Akademie der Wissenschaften sowie jeweils an die Finnische, Rumänische und Italienische Akademie der Wissenschaften, um Unterstützung gegen die Russifizierung zu erhalten.54

In den Jahren 1937 bis 1939 widmeten sich die polnischen Publizisten verstärkt dem Thema der sowjetischen Nationalitätenpolitik. Wschód veröffentlichte diesbezüglich mehrere Beiträge von Exilanten zur Situation im Kaukasus55 sowie in der Ukraine56.

Kommunismus und Bolschewismus – europafeindlich und zivilisationsfremd

Wir sind die Häftlinge eines freien Landes,

wo es keine Schikanen und Folter gibt.

Wir werden nicht bestraft, sondern umerzogen –

Das ist kein Geheimnis […]

Und im Ausland gibt es so etwas nicht! 57

Bączkowski schrieb 1932, dass die Beziehungen der UdSSR zum Ausland von einer besonderen Art und beispiellos in der bisherigen Geschichte seien.58 Ihm zufolge sei die UdSSR ein »kämpfender Staat« und stelle eine Gefahr für die internationale Gemeinschaft dar. Bączkowski betonte dabei die gegenwärtige Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft und machte die polnischen sowie die europäischen Leser darauf aufmerksam, dass sich die UdSSR vor allem um die Armee kümmere und auf diese setze.59 Für die Analyse wertete der Autor die ukrainischsprachigen Medien aus Kiew (z. B. die Zeitung Visti) sowie die russische Zeitung aus Charbin, Charbinskoe Vremja, und Moskauer Zeitungen wie Izvestija aus, sodass ein ziemlich genaues Bild von der Sowjetunion entstand. Das Hauptmerkmal des »kämpfenden Staates« sei, so Bączkowski, der Wunsch dieses Staates, die Nachbarländer zu zerschlagen. Dies solle auf eine »billige Art und Weise« vollzogen werden, ohne dabei mit den Mitteln eines klassischen Krieges, mit Munition und Waffen, vorzugehen. Darüber hinaus sei ein Merkmal die Gestalt des Roten Russlands als einer »riesigen Fabrik-Festung« (ogromna fabryka-forteca).60

Der Publizist Józef Iskierka kritisierte die Stalin’sche Verfassung in seinem Artikel »Die dritte sowjetische Verfassung« scharf.61 Er hob hervor, dass es sich bereits um die dritte Verfassung handele und diese ausschließlich einer weiteren Zentralisierung und Stärkung der Macht diene.

Władysław Pelc warnte vor einer »Unsicherheit, die den Fundamenten der westlichen Kultur droht«. Der russische Kommunismus sorge für diese Unsicherheit und habe ein Ziel: »Eine vollständige Zerstörung der Alten Welt, um auf ihren Ruinen das Experiment zu wiederholen«.62 Die Zeit spiele für die Interessen der Weltrevolution, lautete die pessimistische Schlussfolgerung von Pelc.

Die Sowjet- und Kommunismuseuphorie einiger euro-kommunistischer Publizisten 
wurde ebenfalls von den Wschód-Kolumnisten registriert und rezipiert. Die Bücher des deutschen Journalisten Artur Rundt63 und des US-amerikanischen Journalisten H. R. Knickerbocker64 wurden bereits 1932 in Warschau auf Polnisch gedruckt. Die beiden Publikationen entstanden als Folge ihrer jeweiligen Russlandreisen und basierten auf ihren Beobachtungen hinsichtlich der Entwicklung und der Industrialisierung der dortigen Wirtschaft. Dasselbe gilt auch für die Broschüre des französischen Journalisten Emile Schreiber65 Comment on vit en U.R.S.S. [Wie man in der UdSSR lebt] von 1931, die von einem unbekannten Autor in Wschód rezensiert wurde. Diese warnte vor dem positiven Bild der Sowjetunion im Westen und wies darauf hin, dass die Wirtschaftsentwicklung in der Sowjetunion »typisch für jede antiliberale Regierung«66 wäre. Der Industrialisierung liege eine unmenschliche Ausbeutung der eigenen Bevölkerung zugrunde. Schreiber hätte denselben Eindruck gehabt, so der unbekannte Rezensent, wenn er die Bauprojekte von Peter dem Großen beobachtet hätte. »Jedoch war dafür weder die GPU, noch das Butyrka67 oder Soloveckij68 vonnöten«69. Andere Autoren mokierten sich in Wschód über den sowjetischen Proletariat-Begriff und das Arbeitsverständnis: »Es gibt in der Sowjetunion keinen anderen Begriff, der dermaßen verdrossen, abstrakt und sogar mystifiziert wäre, wie das Wort ›Arbeit‹ [trud]«70, schrieb einer 1936.

Die wirtschaftliche Entwicklung in der UdSSR auf Kosten der Ausbeutung der Häftlinge wurde in einem längeren Aufsatz »Arbeitslager in der UdSSR« eines unbekannten Autors M. fortgesetzt.71 Beschrieben wurde das gesamte Arbeitslagernetzwerk im europäischen und asiatischen Teil der Sowjetunion. »Das sowjetische Arbeitslager ist […] die größte Todesfabrik und stellt ähnlich wie die Tscheka, die GPU […] kein Novum in der russischen Geschichte dar.«72 Der Autor wertete die bis dahin erschienenen Publikationen über das Lager- und Gefängnissystem der Sowjetunion aus. In diesen Systemen sah er die Fortsetzung der zaristischen Ausbeutung der Bevölkerung.73

Deutlich distanzierte sich Wschód von den Einsichten Roman Dmowskis, dessen nationalistisch-antisemitisches Gedankengut einen Teil der polnischen Intellektuellenschicht beeinflusste. 1932 veröffentlichte die Zeitschrift eine Rezension des im selben Jahr erschienenen Buches von Dmowski über die Nachkriegswelt und Polen. Dort wurde auch seine anti-ukrainische Haltung scharf kritisiert.74 In Wschód plädierte man für eine liberale Nationalitätenpolitik in Polen, die die Integration der ethnischen Minderheiten in die polnische Gesellschaft fördern sollte, anstatt eine zwanghafte Assimilation wie in der UdSSR voranzutreiben. Die Ukrainer, deren Siedlungsgebiet im östlichen Polen (das ländliche Galizien) und in der ukrainischen Teilrepublik der UdSSR lag, standen dabei besonders im Fokus. Das Vorgehen der polnischen Regierung gegen die Ukrainer unterschied sich erheblich von der sowjetischen. Während es in den Dreißigerjahren nur zu einzelnen Polonisierungsmaßnahmen im polnischen Galizien kam, stellte Moskau die ursprüngliche Ukrainisierungspolitik der frühen Zwanzigerjahre um 1929 ein und verfolgte fortan eine vehemente Russifizierungspolitik gegenüber den Ukrainern.75 »Only the U.S.S.R is striving, in opposition to the general trend, to impose its neo-universalistic conception on a sixth part of the world. The Soviet Ukraine is the terrain on which the conflict between these two tendencies has assumed its most dramatic form«,76 schrieb man im Vorwort einer Wschód-Ausgabe von 1933.

Ein unbekannter Autor schrieb im Wschód Ende 1935: »Die Machtorgane der UdSSR unternahmen und unternehmen alles, um die multinationalen ›Massen‹ in der Tat in eine struktur- und gesichtslose Masse umzuwandeln, die der eigenen Intellektuellenschicht und jeglicher ökonomischer Grundlage zur eigenständigen Existenz als Mensch und Volk beraubt wird. Die gesamte Last der Fünfjahrespläne und der Industrialisierung sowie die Rivalität mit Europa und Amerika und die ›sozialistischen Errungenschaften‹ mit der fleißig geheim gehaltenen Inflation, Arbeitslosigkeit und immenser Ausrüstung usw. ruhen im ›Land der Werktätigen‹ auf den Knochen der physisch erschöpften und moralisch verstümmelten Arbeitermassen, des sowjetischen Plebs, der als einziger der sowjetischen Klassen tatsächlich arbeitet und produziert; leider nicht für sich, sondern für die oberen sozialen Klassen, in denen die stumpfe sowjetische Aristokratie die Arbeit imitiert.«77 Somit wurde eines der Hauptprinzipien des Kommunismus als eine Lehre über die Befreiung des Proletariats infrage gestellt.

Fazit

Wie zuvor versucht wurde zu zeigen, beinhaltete der polnische Antikommunismus der Wschód-Publizisten, der sich von 1930 bis 1939 entwickeln konnte, die Popularisierung der folgenden Aspekte in Polen und in Europa:

– Der Kommunismus als die in Russland 1917 ausgerufene Staatsideologie sei eine antiwestliche Ideenströmung, die einen gewalttätigen Umsturz der legitimen Regierungen weltweit und vor allem in Europa plane.

– Die rhetorische Distanzierung der Moskauer Kommunisten vom Zarenreich stimme mit der Realpolitik nicht überein, denn die Kommunisten seien die Erben und Fortführer der aggressiven zaristischen Außenpolitik (z. B. Eroberung der Nachbarländer und -territorien) und der zaristischen Innenpolitik (z. B. Russifizierung).

– Der Kommunismus und der sowjetische Staat hätten sich zwar das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker auf die eigenen Fahnen geschrieben, jedoch würde dieses Recht in der Realität nicht eingehalten. (Die Ukraine und der Kaukasus wurden erobert, das Baltikum und Polen würden bedroht.)

– Das Gleichheitsprinzip, das von den russischen Kommunisten verkündet und propagiert wurde, würde ebenfalls nicht gewährleistet. Die Kommunisten Russlands betrieben die Russifizierungspolitik an den nicht-russischen Peripherien.

– Die Industrialisierung in der Sowjetunion beruhe auf einer rücksichtslosen Ausbeutung des »Proletariats« und der sowjetischen Bevölkerungsmassen in den Arbeitslagern.

– Die Kommunismus-Euphorie in einigen Intellektuellenkreisen im Westen sei mit einer traditionellen Russophilie verbunden, die auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass die Westeuropäer die »tatsächlichen und wahren Ziele Russlands« noch nicht erkannt hätten. (Die antikommunistische publizistische Aufklärungsarbeit der polnischen Intellektuellen erfolgte daher auch in den europäischen Sprachen.)

Für die Wschód-Autoren war der Kommunismus ein Synonym für Terror und russische Expansion. Im Grunde genommen handelte es sich demnach um die Fortsetzung der zaristischen Eroberungspolitik. Der Antikommunismus wurde dagegen zum Mittel der Selbstverteidigung und des Überlebens. Den polnischen, georgischen und ukrainischen Intellektuellen im Warschau der Dreißigerjahre ging es nicht primär um die Auseinandersetzung mit der Marx’schen Klassenlehre, sondern um die ideologische Bekämpfung der sowjetischen Kommunisten, die mit einem neuen Glauben, einer neuen Orthodoxie – dem Kommunismus – die Welt zu beherrschen anstrebten. Diesem entgegenzuwirken und die politische, ökonomische und nationale Struktur des sowjetischen Staates kritisch zu beschreiben und »aufzudecken«, gehörten zu den wichtigsten Aufgaben des Antikommunismus, wie ihn die Wschód-Autoren vertraten.

Der polnische Antikommunismus war ein übernationales und überkonfessionelles Phänomen, welches nach 1939 aufgrund der deutsch-sowjetischen Eroberung Polens zwangsläufig marginalisiert wurde und nur im Exil fortgesetzt werden konnte.

1 Die wichtigsten Werke Dmowskis waren die 1903 in Florenz und 1904 in Krakau erschiene Broschüre Myśli nowoczesnego Polaka [Die Gedanken eines modernen Polen] und das 1908 in Lemberg veröffentlichte Buch Niemcy, Rosja a sprawa polska [Deutschland, Russland und die polnische Frage]. Siehe Deutschland, Russland und die polnische Frage (Auszüge), in: Andrzej Chwalba (Hg.): Polen und der Osten, Texte zu einem spannungsreichen Verhältnis, Frankfurt a. M. 2005. Dmowski prägte die innenpolitischen Diskurse in Polen bis zu seinem Tod 1938; er gehörte jedoch immer der politischen Opposition an. Im Unterschied zu seinem ideologischen Gegner Piłsudski gelang es Dmowski nicht, in Polen an die Macht zu kommen.

2 Dazu zählten die Polen, Ukrainer, Weißrussen, Litauer und Tataren.

3 Der polnischen Armee, unter der Führung Józef Piłsudskis, gelang es unter geringen Verlusten, die sowjetischen Truppen, die von Michail Tuchačevskij geführt wurden, kurz vor Warschau zu zerschlagen. (Zum Ablauf des Krieges siehe Norman Davies: White Eagle, Red Star. The Polish-Soviet War. 1919–20, London 1972.) In der polnischen Exil- und postkommunistischen Historiografie wurde die Schlacht bei Warschau zum »Wunder an der Weichsel« (Cud nad Wisłą) stilisiert. Beispielhaft sind die Publikationen von Marek Tarczyński, Józef Szaniawski und die Memoiren von Franciszek A. Arciszewski. Siehe Franciszek A. Arciszewski: Cud nad Wisłą. Rozważania żolnierza [Wunder an der Weichsel. Abwägungen eines Soldaten], London 1957; Józef Szaniawski: Marszałek Piłsudski i Polacy w obronie Europy – cud nad Wisłą 1920 [Marschall Piłsudski und die Polen bei der Verteidigung Europas – Wunder an der Weichsel 1920], 2. Aufl. Warschau 2007; Marek Tarczyński: Cud nad Wisłą. Bitwa warszawska 1920 [Wunder an der Weichsel. Die Schlacht von Warschau 1920], Warschau 1990. Grund für diesen unerwarteten Sieg der polnischen Armee über die sowjetischen Truppen war vor allem, dass es den Kryptoanalytikern des polnischen Militärs gelungen war, die Nachrichten und Meldungen der sowjetischen Armeeführung und dementsprechend die Route der Bewegungen der sowjetischen Truppen rechtzeitig zu entziffern. Siehe Jan Bury: Polish Codebreaking during the Russo-Polish War of 
1919–1920, in: Cryptologia 28 (2004), H. 3, S. 193–203.

4 Im April 1920 wurde die Republik Aserbaidschan, im November 1920 Armenien und im Februar 1921 Georgien von Sowjetrussland erobert.

5 Pierwszy zjazd Orientylistycznych Koł Młodych [Die erste Sitzung des Orientalistischen Zirkels der Jugend], S. 109, in: Wschód 3 (1932).

6 Timothy Snyder: Sketches from a Secret War: A Polish Artist’s Mission to Liberate Soviet Ukraine, 
Yale 2005, S. 40.

7 Prometeizm bezeichnet die »Zerstückelung« der Sowjetunion nach nationalem Prinzip, die durch eine gezielte Unterstützung der Freiheitsbestrebungen der nicht-russischen Nationen in der UdSSR erfolgen sollte: »Die Grundlage des Prometeizm ist die Verbindung der polnischen Interessen mit dem Interesse der Völker und Nationen, die durch den Moskauer Imperialismus bereits erobert oder einer solchen Bedrohung ausgesetzt sind, …« Siehe J. R. (wahrscheinlich Jan Reyman): Z dziejów prometeizmu polskiego [Aus der Geschichte des polnischen Prometeizms], in: Wschód 8 (1937), H. 1–2, S. 1–19, hier S.1; zur Geschichte der Prometeizm-Bewegung bei Richard Woytak: The Promethean Movement in Interwar Poland, in: East European Quarterly 18 (1984), H. 3, S. 273–78; Sergiusz Mikulicz: Prometeizm w polityce II Rzeczypospolitej [Der Prometeizm in der Politik der Zweiten Republik], Warschau 1971; 
Jan Lewandowski: Federalizm, Litwa i Białoruś w polityce obozu belwederskiego [Föderalismus, Litauen und Belarus in der Politik des Regimes in Belveder], Warschau 1962; Andrzej Nowak: Polska i trzy Rosje. Studium polityki wschodniej Józefa Piłsudskiego (do kwietnia 1920 roku) [Polen und drei Russland. Das Studium der Ostpolitik von Józef Piłsudski (bis April 1920)], Krakau 2001; ders.: Jak rozbić rosyjskie imperium? Idee polskiej polityki wschodniej 1733–1921 [Wie kann man das russische Imperium zerstören? Die Ideen der polnischen Ostpolitik 1733–1921], Warschau 1995; Marek Kornat: Bolszewizm, totalitaryzm, rewolucja, Rosja. Początki sowietologii i studiów nad systemami totalitarnymi w Polsce (1918–1939) [Bolschewismus, Totalitarismus, Revolution, Russland. Die Anfänge der Sowjetologie und der Totalitarismusforschung in Polen (1918–1939)], Krakau 2003; ders.: Polska szkola sowietologiczna. 1930–1939 [Polnische sowjetologische Schule 1930–1939], Krakau 2003; ders.: Polityka równowagi (1934–1939). Polska między Wschodem a Zachodem [Die Politik des Gleichgewichts (1934–1939). Polen zwischen dem Osten und dem Westen], Krakau 2007; Włodzimierz Bączkowski: O wschodnich problemach Polski. Wybór pism [Über die östlichen Probleme Polens. Eine Auswahl der Schriften], Krakau 2000; Andrzej Grzywacz/Marcin Kwiecień/Grzegorz Mazur (Hg.): Zbiór dokumentów ppłk. Edmunda Charaszkiewicza [Die Sammlung der Dokumente von Oberst Edmund Charaszkiewicz], Krakau 2000; Tat’jana Simonova: Prometeizm vo vnešnej politike Pol’ši 1919–1924 gg. [Prometeizm in der Außenpolitik Polens 1919–1924], in: Novaja i novejšaja istorija (2002), H. 4, S. 47–63.

8 Die Vorreiter waren die Zeitschriften, die kurzfristig nach der Wiederherstellung des polnischen Staates gegründet wurden. Besonders erwähnenswert sind dabei Przymierze [Union] (1920–1921) und Wschód polski [Der polnische Osten] (1920–1922). Die Autoren der beiden Zeitschriften widmeten sich intensiv der Analyse und Kritik des russischen Kommunismus.

9 Włodzimierz Bączkowski wurde 1905 als Sohn einer Familie polnischer Deportierter in Sibirien geboren. 
Er nahm am Unterricht einer russischen Schule teil und wurde somit bereits als Kind mit dem Problem der Russifizierungspolitik im Zarenreich konfrontiert. Nach der Rückkehr nach Polen gehörte Bączkowski zu den wichtigsten Aktivisten der Prometeizm-Bewegung. Er redigierte die Zeitschriften Wschód und Biuletyn polsko-ukraiński [Polnisch-ukrainisches Bulletin]. Nach der deutsch-sowjetischen Okkupation Polens 1939 ging er ins Exil. 2000 starb Bączkowski in den USA. Siehe Włodzimierz Bączkowski: O wschodnich problemach Polski. Wybór pism [Über die Ostprobleme Polens. Eine Auswahl der Schriften], Krakau 2000.

10 Włodzimierz Bączkowski: Betrachtungen über die deutsche Russlandpolitik, in: Wschód 9 (1938), H. 3, S. 9–20, hier S. 10.

11 Jerzy Giedroyć wurde 1906 in Minsk geboren, studierte Jura in Warschau und gehörte bereits in den Dreißigerjahren zu den Unterstützern des polnischen Engagements in Osteuropa. Er gründete die Zeitung Bunt Młodych [Die Auflehnung der Jugend] und redigierte die erste Ausgabe von Wschód. Von 1947 bis 2000 gab er die bekannte Emigrantenzeitschrift Kultura in Paris heraus, die zu einem wichtigen Forum für polnische wie für ukrainische, weißrussische und russische Dissidenten und Exilhistoriker wurde. 2000 starb Giedroyć in der Nähe von Paris. Siehe Krzysztof Pomian (Hg.): Jerzy Giedroyć. Redaktor, polityk, człowiek [Jerzy Giedroyć. Redakteur, Politiker, Mensch], Lublin 2001.

12 Der Warschauer Historiker Marek Kornat behandelt in seiner Monografie die Anfänge der polnischen Sowjetologie und der Totalitarismusforschung 1918–1939. Der Zeitschrift Wschód widmet er dabei leider sehr wenig Aufmerksamkeit. Siehe Marek Kornat: Bolszewizm, totalitaryzm, rewolucja, Rosja (Anm. 7), S. 117 f.

13 Siehe Marx-Engels Werke, Bd. 4, Berlin 1974, S. 361–380, zitiert nach: www.mlwerke.de/me/me04/me04_361.htm, ges. am 9. Juni 2010.

14 Stanisław Glass: Z zagadnień rozwojowych bolszewizmu (1903–1933 r.) [Zu den Entwicklungsphasen des Bolschewismus (1903–1933)], in: Wschód 4 (1933), H. 3–4, S. 5.

15 Ebd., S. 7.

16 Józef Pastuszka: Filozofia komunizmu – materializm [Die Philosophie des Kommunismus ist der Materialismus], in: Bolszewizm. Praca zbiorowa [Der Bolschewismus. Ein Sammelband], Lublin 1938, S. 1.

17 Ebd., S. 1 f.

18 Siehe Henryk Dembiński: Kolektywizm i totalizm jako zasady życiowe [Kollektivismus und Totalitarismus als Lebensprinzipien], S. 71–82 sowie Ignacy Czuma: Państwo sowieckie [Der sowjetische Staat], in: Bolszewizm (Anm. 16), S. 83–108.

19 Mahomet-Bej Czukua war ein nordkaukasischer Exilpolitiker. Mahomet-Bej Czukua: Kaukaz a Rosja [Der Kaukasus und Russland], in: Wschód 1 (1930), H. 2, S. 22.

20 Der Geheimdienstler Edmund Charaszkiewicz schrieb im Londoner Exil am 1. Dezember 1939 in einem Bericht zur Finanzfrage der Prometeizm-Bewegung, dass »ihm die Betreuung der Prometeizm-Angelegenheit 1927 anvertraut wurde und er sich seitdem um die finanziellen Aspekte dieser Angelegenheit kümmerte«. (Edmund Charaszkiewicz: Strona finansowa problemu prometejskiego [Die finanzielle Seite des prometheischen Problems], in: Grzywacz/Kwiecień/Mazur (Hg.): Zbiór dokumentów ppłk (Anm. 7), S. 81). Das Instytut Wschodni wurde dabei auf Initiative des polnischen Außenministeriums gegründet. Derjenige, der den Begriff Prometeizm einführte und die Kontakte zu nicht-russischen Exilanten im Nahen Osten und in Osteuropa aufnahm, war Tadeusz Schaetzel, der Militärattaché der polnischen Botschaft in Ankara (1924–1926). (Siehe Marek Kornat: Bolszewizm, totalitaryzm, rewolucja, Rosja (Anm. 7), S. 62 f.). Während man beim Funktionieren des Prometheisten-Netzwerkes eine Verflechtung und Zusammenarbeit der polnischen Behörden beobachtet, war die Idee des Prometeizm zweifelsohne mit Józef Piłsudski und seiner Russlandvision verbunden.

21 Niezbrzycki leitete das Ostreferat des polnischen Auslandsnachrichtendienstes (Oddział II Sztabu Głównego). In Wschód veröffentlichte er unter dem Pseudonym M. M. (Siehe Kornat: Bolszewizm, totalitaryzm, rewolucja, Rosja (Anm. 7), S. 118).

22 Wschód-Chefredakteur Włodzimierz Bączkowski warnte auch vor den polnischen Russophilen. Siehe Włodzimierz Bączkowski: Problem prometejski [Das prometheische Problem], in: Wschód 9 (1938), H. 1, S. 1.

23 Erwähnenswert sind hier Artikel in den Zeitschriften Le Polonais und Portofolio. Portofolio wurde vom Fürsten Czartoryski und und dem polnischen Adeligen Jan Zamoyski gegründet. Es erschien auf Französisch und Englisch. Die Wschód-Autoren sahen in diesen Zeitschriften ihre Vorläufer. Siehe hierzu auch detailliert den Artikel des Autors J. R. von 1937: Z dziejów prometeizmu polskiego (Anm. 7), S. 1–19 und ders.: Polityka wschodnia ks. A. Czartoryskiego w świetle najnowszych badań naukowych [Die Ostpolitik des Fürsten Czartoryski im Spiegel der neuesten wissenschaftlichen Forschungen], in: Wschód 9 (1938), H. 3, S. 65–76.

24 Tadeusz Radwański: The Geopolitical Situation of Poland and the Promethian Movement (Summary), in: Wschód 7 (1935/1936), H. 4–1, S. 21.

25 Ders.: Idea prometejska na tle geopolityki Polski [Die prometheische Idee vor dem Hintergrund der polnischen Geopolitik], in: ebd., S. 17.

26 Ders.: The Geopolitical Situation (Anm. 24), S. 23.

27 Ebd., S. 21.

28 Ebd., S. 23.

29 M.: Zamiast kroniki Z. S. S. R. [Anstatt der Chronik der UdSSR], in: ebd., S. 43.

30 Die Stachanov-Bewegung wurde gerade in den Dreißigerjahren populär und stand in einem engen Zusammenhang mit der von den Kommunisten angestrebten Planübererfüllung. Der russische Arbeiter Aleksej Stachanov übererfüllte den Plan in einer Kohlengrube in der Ostukraine und wurde deswegen zum Helden der Arbeit beschworen und sollte als Musterknabe für die sowjetischen Werktätigen dienen.

31 M.: Zamiast kroniki Z. S. S. R. (Anm. 29), S. 44.

32 Die berüchtigte Bestrafungsgarde des Zaren Ivan des Schrecklichen.

33 Das Territorium, das zu Herrscherzeiten Ivans des Schrecklichen von russischen Boyaren verwaltet wurde.

34 GPU (Gosudarstvennoe političeskoe upravlenie) ist die Abkürzung der Staatlichen Politischen Verwaltung, der sowjetischen Geheimpolizei. Die GPU war die Nachfolgeorganisation der berüchtigten Tscheka und wurde 1934 in das sowjetische Innenministerium eingegliedert.

35 M.: Zamiast kroniki Z. S. S. R. (Anm. 29), S. 49.

36 Władysław Pelc: Komintern – ZSSR – Rosja [Die Komintern – UdSSR – Russland], in: Wschód 7 (1936), H. 4, S. 29–39, hier S. 29.

37 Ebd., S. 30.

38 Ebd., S. 31.

39 Siehe Bączkowski: Problem prometejski (Anm. 22), S. 1–10.

40 Bączkowski: Betrachtungen (Anm. 10), S. 12.

41 Ebd.

42 Interessant ist auch die Auseinandersetzung Arnold Jaskowskis mit der Komintern. Er stellte diese als eine Bedrohung der Weltgemeinschaft dar, die aus dem militärischen, politischen, ökonomischen sowie literarischen und ideologischen Bereich stamme. Siehe Arnold Jaskowski: Komintern a przyszła wojna [Komintern und der zukünftige Krieg], in: Wschód 10 (1939), H. 7, S. 28–40.

43 Darüber schrieb Lenin in seinem Artikel O nacional’noj gordosti velikorossov [Über das nationale Gefühl von Stolz bei den Großrussen], der in der Zeitung Social-Demokrat am 12. Dezember 1914 veröffentlicht wurde. Siehe www.pkokprf.ru/data/37/gordost_velikorosov.htm, ges. am 9. Juni 2010.

44 Das Selbstbestimmungsrecht der Nationen wurde von Lenin 1916 thematisiert. Siehe Vladimir Il’ič Lenin: Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen, in:

www.mlwerke.de/le/le22/le22_144.htm, ges. am 9. Juni 2010.

45 Michał Kowalewski: Gigantyczna walka nowoczesnego prometeusza [Ein gigantischer Kampf des modernen Prometheus], in: Wschód 2 (1931), H. 2, S. 3.

46 Ebd., S. 4.

47 Ebd., S. 5.

48 Prierwszy Zjazd Orjentalistycznych Koł Mlodych [Die erste Tagung des Orientalischen Zirkels der Jüngeren], in: Wschód 3 (1932), S. 109.

49 Gemeint waren die Ukrainer, die Nord- und Südkaukasier, die Krim- und Wolgatataren, die Völker Zentralasiens, Sibiriens und Kareliens.

50 Kosta Zangi: Kult nienawiści i teroru [Der Kult des Hasses und des Terrors], in: Wschód 7 (1935/1936), 
H. 4–1, S. 87–89, hier S. 88.

51 Leon Wasilewski kannte viele der georgischen und ukrainischen Sozialdemokraten und Sozialisten noch von den gemeinsamen Treffen 1904/05.

52 Wschód 7 (1936), H. 2–3, S. 53.

53 Ebd.

54 Ebd., S. 58.

55 Siehe Grigori Uratadze: Rola ludzi i warunków w dziejach upadku republik kaukaskich [Die Rolle der Menschen und die Umstände des Untergangs der kaukasischen Republiken], S. 71–80 sowie Jerzy Nakaszydze: Idea niepodległościowa w literaturze gruzińskiej XIX wieku [Der Unabhängigkeitsgedanke in der georgischen Literatur des 19. Jahrhunderts], in: Wschód 8 (1937), H. 1–2, S. 99–102; A. [vermutlich Arschak] Dżamalian: Współczesna sytuacja narodu ormiańskiego [Die aktuelle Lage des armenischen Volkes], in: Wschód 9 (1938), H. 3, S. 46–64. 1938 wurde eine größere Monografie des aserbaidschanischen Emigranten REsulzadE, Azerbajdżan w walce o niepodległość [Aserbaidschan im Kampf für Unabhängigkeit], in Warschau herausgegeben, von der einzelne Teile vorher in Wschód abgedruckt worden waren.

56 Siehe Jan Lipowiecki: Ukraina w sowieckim »kolonizacyjnym marszu« na Wschód [Die Ukraine im sowjetischen »Kolonisierungszug« gen Osten], in: Wschód 9 (1938), H. 4, S. 23–30.

57 Aus einem bekannten Lied sowjetischer Häftlinge. Zitiert nach M.: Katorga w Z.S.S.R [Arbeitslager in der UdSSR], in: Wschód 8 (1937), H. 1–2, S. 91.

58 Włodzimierz Bączkowski: Wojujące państwo [Der kämpfende Staat], in: Wschód 3 (1932), H. 1–2, S. 43.

59 Ebd., S. 45.

60 Ebd., S. 49.

61 Józef Iskierka: Trzecia konstytucja sowiecka [Die dritte sowjetische Verfassung], in: Wschód 7 (1936), 
H. 2–3, S. 34–41.

62 Pelc: Komintern – ZSSR – Rosja (Anm. 36), S. 32.

63 Artur Rundt: Sowiety budują nowego człowieka, Warschau 1932. Zum deutschen Original siehe Arthur Rundt: Der Mensch wird umgebaut. Ein Rußlandbuch, Berlin 1932.

64 H. R. Knickerbocker: Czerwony Handel Grozi [Der rote Handel droht], Warschau 1932.

65 Emile Schreiber: Comment on vit en U.R.S.S. [Wie man in der UdSSR lebt], Paris 1931.

66 Sowiety w oczach francuskiego dziennikarza [Die Sowjets in den Augen eines französischen Journalisten], in: Wschód 3 (1932), H. 3–4, S. 119.

67 Butyrka steht als Abkürzung für Butyrskaja tjur’ma [Butyrskaja-Gefängnis]. Butyrka war eine Haftanstalt in der Nähe von Moskau, in der Tausende von politischen Häftlingen insbesondere während des Stalin’schen Terrors, aber auch später eingesperrt worden sind.

68 Gemeint ist damit das damalige Lager auf der Soloveckij-Insel für politische Gefangene und Regimekritiker.

69 Sowiety w oczach francuskiego dziennikarza (Anm. 66), S. 119.

70 O pracy w ZSSR [Über die Arbeit in der UdSSR], in: Wschód 7 (1936), H. 6, S. 21.

71 Siehe M.: Katorga (Anm. 57), S. 80–94.

72 Ebd., S. 81.

73 Vor allem bezog er sich auf die Broschüre des ukrainischen Autors Witalij Jurczenko: Piekło na Sołowkach [Hölle auf Solowki], Lemberg 1931 und den von L. Czykalenko 1931 in Warschau herausgegebenen Sammelband Sołowiecka katorga [Arbeitslager in Solowki] sowie auf das 1936 in Schanghai erschienene Buch von Nikolaj Kiselev-Gromov Obozy śmierci w ZSSR [Todeslager in der UdSSR].

74 Z zagadnień ukraińskich [Zur ukrainischen Frage] Wschód 3 (1932), S. 113.

75 Besonders wichtig zu erwähnen ist die genozidale Vorgehensweise der Moskauer Regierung in den ukrainischen Gebieten 1930–1932, die in der Historiografie als Hungersnot bzw. Holodomor bekannt ist.

76 Wschód 4 (1933), H. 3–4, S. 3 f.

77 M.: Zamiast kroniki Z.S.S.R. (Anm. 29), S. 50–52. [Hervorhebungen gemäß Original.]

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