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Der »neue Mensch« auf ausgetrampelten Pfaden. Kommunistische Bewährung und politischer Massenmarkt im postfaschistischen Italien

JHK 2012 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 145-158 | Aufbau Verlag

Autor/in: Claudia Christiane Gatzka

Ferruccio Preti, kommunistischer Genosse an der Bologneser Basis, schilderte 1950 in einer Autobiografie, die er im Auftrag der Parteischule verfasste, seine persönlichen Schwächen. In sehr schlechtem Italienisch schrieb er, er bringe nicht genug Mut auf, sich gegenüber den Genossen in der Partei zu äußern. Denn er habe aufgrund seines begrenzten Wortschatzes Angst, etwas Falsches zu sagen. Außerdem lese er zu selten Bücher, die ihm dabei helfen könnten, eine bessere Ausdrucksweise zu entwickeln. Auch was die Präsenz in der Partei anbetreffe, sei er anfangs nachlässig gewesen. Zwar habe er sich verbessert und sei daraufhin mit wichtigen Posten in seiner Zelle betraut worden. Aber immer noch, so Preti selbstkritisch, sei sein Einsatz für die Partei nur minimal. »Doch ich werde versuchen, mehr zu arbeiten und all meine Fähigkeiten dafür einzusetzen, den Sozialismus zu erringen – was meine Pflicht ist.«1

Solche Selbstzeugnisse dokumentieren Innenansichten des werdenden »neuen Menschen« – ein typisches Merkmal kommunistischer Selbstbespiegelung dieser Zeit.2 Der Partito Comunista Italiano (PCI) formte die Identität seiner Genossen in den Parteischulen und lokalen pädagogischen Zirkeln, indem er sie dazu anhielt, über ihre eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu reflektieren und all dies unter dem Rubrum von »Fortschritt« zu fassen. Häufig resultierten daraus Geschichten des edlen Armen, den die Partei aus seiner Unmündigkeit und seinem Nicht-Bewusstsein, teilweise auch aus seiner Immoralität herausgeführt hatte, und dem, je mehr er lernte, umso klarer wurde, dass er noch lange nicht am Ziel war.3

In einem Staat, wo anders als in Osteuropa die Mittel des Terrors nicht verfügbar waren, zielte die kommunistische Utopie des »neuen Menschen« vor allem auf die eigenverantwortliche »Transformation des Selbst«4 jedes Genossen. Erklärtes Ziel dieser Selbsttransformation war es, zum optimalen Diener der Partei zu avancieren und damit am Aufbau einer besseren Gesellschaft mitzuwirken, die sich auf diese Weise schließlich in eine sozialistische Gesellschaft verwandeln sollte. Zum »neuen Menschen« aufzusteigen, wurde damit zur Erfolgserwartung zweckrationalen Handelns, denn nur die Stärke der Partei versprach die Aussicht auf die Wahrung der individuellen Interessen. Doch die objektiven Qualitäten dieses »neuen Menschen« waren nicht klar definiert. Er blieb insofern Utopie, als dass er sich immer nur im »Noch nicht« zeigte, in der Benennung von Schwächen und Unzulänglichkeiten des Einzelnen. Sich selbst im Geiste der Partei neu zu erfinden, war eine Aufgabe, bei der jeder Genosse ganz nach seinen persönlichen Qualitäten und Schwächen eigene Lösungswege suchen musste. Antonio Gramsci hatte diesen Weg der individuellen Emanzipation vorgegeben und sich damit ausdrücklich von der totalitären Massenmanipulation absetzen wollen, die er den Faschisten attestierte.5 Dennoch gab die Partei gegenüber ihren Genossen immer wieder ähnliche Handlungs- und Verhaltensmuster vor, in denen sich der »neue Mensch« als ein kollektives Konstrukt schemenhaft abzeichnete.

Im Folgenden wird es darum gehen, den »neuen Menschen« des italienischen Kommunismus im Medium des »guten Genossen« in seiner sozialen und lokalen Umgebung zu suchen, und ihn darin als eine spezifisch italienische Figur zu verorten. Denn die Transformation des Selbst im Dienste der Partei war nicht nur reiner Selbstzweck, sondern sollte anziehend auf andere wirken – was die zähe Forschungsmeinung, die italienischen Kommunisten lebten spirituell und habituell in einem eigenen sowjetmythologischen Kosmos oder einer »Gegengesellschaft«, häufig ignoriert.6 Freilich existierte ein starker sowjetischer Mythos gerade in der hier betrachteten Phase der Vierziger- und Fünfzigerjahre.7 Doch wenn die katholische Presse von »arme[n] menschliche[n] Maschinen« sprach, die sich der PCI unaufhörlich als Sklaven heranzüchte, so musste das die italienischen Kommunisten einigermaßen beunruhigen – denn schließlich waren sie auf ihrem »nationalen Weg zum Sozialismus«, wie Palmiro Togliatti ihn verkündet hatte, beständig auf neue Sympathisanten und neue Mitglieder angewiesen.8

Aufgrund der strategischen Ausrichtung des postfaschistischen PCI diente der kommunistische Genosse – als Träger des neuen Menschenbildes – stets auch der Außendarstellung: ein Akt der Kommunikation mit dem nichtkommunistischen Italien, insbesondere mit der katholischen Hegemonialkultur. Dies führt zu der Frage, wie »neu« dieser kommunistische Mensch im katholischen, demokratischen Italien sein konnte und wie sehr er sich in der Suche nach Wählergunst und neuen Sympathisanten den autochthonen Traditionen anzupassen hatte.9 Wollten die knapp 400 000 Menschen, die zwischen 1951 und 1953 in den PCI eintraten, alle »neue Menschen« werden? Und wollten die knapp 375 000 Menschen, die zur gleichen Zeit ihre Mitgliedschaft im PCI nicht verlängerten, wieder zurück in ihr altes Leben?10 Es waren die Massen, die der »partito nuovo« [die »neue Partei«] in Bewegung brachte, und die Utopie des »neuen Menschen« im italienischen Kommunismus der Nachkriegszeit ist nicht ohne den politischen Massenmarkt zu denken, wie er sich mit der Gründung der Ersten Republik Italiens im Jahr 1946 entfaltete.

Volksnähe und Verbesserungskult. Der ideale Genosse als »neuer Mensch«

Ferruccio Preti brachte in seiner Autobiografie zum Ausdruck, was er im Geiste der Kommunistischen Partei wollen sollte: die ständige persönliche Verbesserung. Die Partei verstand sich als großes pädagogisches Institut, das nicht nur erzog, sondern auch zur Selbsterziehung heranzog. Die italienischen Kommunisten waren von der säkularen Idee eines Menschen beseelt, dessen Wesen sich im Diesseits verändern und vervollkommnen ließ und der damit zum Subjekt des innerweltlichen geschichtlichen »Fortschritts« wurde, der für die Moderne so kennzeichnend war, und der nicht ohne sein Gegenstück, den »Rückschritt« oder den Niedergang, vorstellbar ist.11

Die »Rückschrittlichkeit« ihres eigenen Landes hatten die italienischen Kommunisten stets vor Augen; sie bildete das Fundament der pädagogischen Initiative des PCI, die auf Antonio Gramsci zurückging. Dem nach Turin migrierten Sarden Gramsci begegnete die Rückschrittlichkeit nicht nur in den dekadenten bürgerlichen Lebensweisen der Großstädte, sondern vor allem in den autochthonen Traditionen der ländlichen Massen: in ihrer Religiosität, ihrem Analphabetismus, ihren patriarchalischen und klientelistischen Strukturen. Gleichzeitig sah er hier aber auch ein Reservat an Ursprünglichkeit und volkstümlicher Authentizität, das zur Kraftquelle der Partei werden konnte.12 Nicht zufällig kamen die Genossen, die im Auftrag des PCI ihre Autobiografien verfassten, meist aus ärmlichen ländlichen und illiteraten Verhältnissen. Der persönliche »Fortschritt« unter der Obhut der Partei, der hier in erster Linie durch Bildung erreicht wurde, konnte dadurch besonders deutlich werden.

Der »partito nuovo« Palmiro Togliattis orientierte sich als territorial verankerte Massenpartei am Vorbild der deutschen Sozialdemokratie, stellte jedoch eine kommunistische Partei sui generis dar. Nicht nur im Festhalten Togliattis am demokratischen Zentralismus wurden Residuen der leninistischen Kaderpartei deutlich.13 Die Quadratur des Kreises wurde vor allem dadurch angestrebt, dass die neue Partei Togliattis eine Massenpartei der Besten sein sollte. Togliatti selbst wurde im kommunistischen Milieu il migliore [der Beste] genannt. Die Utopie eines »neuen Menschen« richtete sich an die Genossen selbst, die nicht mehr »nur« Avantgarde sein sollten – selbstbewusst und elitär –, sondern eine Avantgarde, die durch die ständige pädagogische Heranzüchtung neuer »bester« Genossen gewissermaßen an ihrem eigenen Untergang arbeitete. Um inmitten der Massen pädagogisch wirken zu können, musste man aber selbst volkstümlich sein oder werden, ihre Orte aufsuchen, eine einfache Sprache sprechen und nicht nur durch Schriften und Reden, sondern auch durch ein angenehmes Auftreten und einen tadellosen Leumund vorleben, was es hieß, Kommunist zu sein und den Fortschritt zu wollen. Gramscis neuer Intellektueller, der sich von den abstrakten Ideen und den Elfenbeintürmen löste und sein Bewusstsein für die vielfältigen Reize seiner sozialen Umwelt öffnete, der nach dem grundlegenden Sinn seiner Existenz suchte und nach Möglichkeiten fragte, in der Welt, die ihn umgab, aktiv tätig zu werden, war der Prototyp dieses Hybrids aus Volksnähe und Avantgarde. Der »organische« Intellektuelle Gramscis war zuallererst Handelnder und erst dann Denkender, eingelassen in eine soziale Welt, in der er – nachdem er sich selbst moralisch erneuert hatte – die anderen dabei anleiten sollte, ihr subjektives Bewusstsein zu formen.14 Die Rolle des »organischen« Intellektuellen, der aus der kommunistischen Kultur und den popularen Schichten selbst erwuchs, konnte grundsätzlich jeder Genosse einnehmen, ohne dabei höherer intellektueller Ausbildung zu bedürfen. Er brauchte nur das richtige Bewusstsein und pädagogischen Missionarsgeist. Gramscis Intellektuellen-Begriff ist mithin breiter zu fassen, als es häufig geschieht.15

Der ideale Genosse des postfaschistischen, des Gramsci’schen PCI brauchte also beides: das »richtige« Bewusstsein und Engagement sowie das nötige volkstümliche Charisma, das ihm das Vertrauen der Massen einbrachte, weil er als »einer von ihnen« erkannt wurde. Togliatti hatte dies bereits in seinem »Kurs über die Feinde« an der Internationalen Lenin-Schule 1935 in Moskau angedeutet, als er gegenüber seinen italienischen Genossen einräumte, die Kommunisten hätten die Bedürfnisse der Massen zu lange ignoriert, Mussolini hingegen habe sie erkannt und sie mithilfe der Massenorganisation Dopolavoro und ihrer Freizeit- und Vergnügungsangebote in das System integriert. Togliatti forderte seine Genossen damals auf, sich zu den Massen herabzubegeben und direkt im Dopolavoro subversiv tätig zu werden.16

Diese Taktik konnte sich nach der Gründung der Italienischen Republik vollends entfalten, denn Togliattis Strategie der democrazia progressiva [fortschreitende Demokratie] sah statt des gewaltvollen Umbruchs den parlamentarischen Weg und den Konsens der Massen vor. Er folgte damit der Konzeption des »Stellungskrieges«, die Gramsci in den Gefängnisheften skizziert hatte.17 Hier ging es darum, zunächst über die Kanäle der Zivilgesellschaft die gesellschaftliche Hegemonie zu erkämpfen und erst in einem zweiten Schritt den Staat zu Fall bringen und zur sozialistischen Gesellschaftsordnung überzugehen. Die parlamentarische Demokratie, durch die Erfahrung des europäischen Faschismus bei Gramsci aufgewertet, galt Gramsci wie Togliatti als geeigneter Nährboden für die Erringung von Hegemonie, weil sie, wenngleich eine Form der bürgerlichen Herrschaft, den fortschrittlichen Kräften die Möglichkeit zur Verfügung stellte, auf die Menschen Einfluss zu nehmen. Auch an der Basis derjenigen PCI-Generation, die in der Resistenza-Phase zur Kommunistischen Partei gestoßen war – ohne in der Regel jemals zuvor eine marxistische Schrift konsultiert zu haben –, hatte neben der Befreiung des Landes die Gründung einer neuen demokratischen Ordnung das entscheidende Motiv für politisches Engagement dargestellt.18

Der italienische Weg zum Sozialismus sollte über die Demokratie führen, und in beinahe logischer Konsequenz bemühten sich die italienischen Kommunisten, vorbildliche Demokraten zu sein. »Demokratisch«, »tolerant«, »zivil« waren die zentralen Attribute, die das öffentliche Verhalten kommunistischer Genossen im Lokalen prägen sollten.19 Auch Pietro Secchia, ein Freund des gewaltsamen Umsturzes und interner Rivale Togliattis, konnte sich dieser Selbstverpflichtung nicht erwehren, als er zu Beginn des nationalen Wahlkampfes 1953 an die Genossen appellierte: »In diesen Wochen hat ohne Zweifel der fortschrittlichste, politisch aktivste Teil des Landes verstanden, worum es geht, ist in Bewegung geraten, hat seinen Willen manifestiert, hat seinen Protest spürbar werden lassen. Doch es ist nicht nur der fortgeschrittenste Teil des Volkes, der verstehen muss, der seine Stimme und seinen Willen spürbar werden lassen muss. Es geht darum, Millionen von Menschen zu lenken, der großen Mehrheit der Bürger ins Bewusstsein zu rufen, welche Gefahr die Verfassung der Republik bedroht.«20

Die »Fortschrittlichkeit«, von der Secchia hier sprach, äußerte sich im fleißigen politischen Aktionismus der Kommunisten. Nach dem Verständnis der kommunistischen Führung galt die Mitgliedschaft im PCI auch im »partito nuovo« als scelta di vita [Entscheidung fürs Leben]. Die Parteistatuten bezeichneten alle Genossen als Aktivisten, die ihr Leben auf die Partei ausrichten sollten und ständig zu politisch-pädagogischer Arbeit in ihrem sozialen Umfeld verpflichtet waren. Dazu zählte es, sich stets als Repräsentant der Partei zu fühlen und einen dementsprechend vorbildlichen Leumund zu haben.21

Möglichkeiten besonderer Bewährung boten die nationalen Wahlkämpfe, die im Geiste von Togliattis »fortschreitender Demokratie« stets die Tür zur erhofften sozialistischen Gesellschaft öffneten, würden nur genug Wähler überzeugt. Die Wahlkämpfe wurden so zu Gelegenheiten intensivierter pädagogischer Tätigkeit nach außen und extensiver Mobilisierung nach innen. In beiden Fällen oszillierten die Verhaltensmuster der kommunistischen Genossen zwischen den beiden Blöcken, die Pietro Secchia angesprochen hatte: dem Ideal des »fortschrittlichen« Teils der Bevölkerung und den Realitäten der »großen Mehrheit der Bürger«.

Zwischen Authentizität und Mediokrität. Die Krux der Massenpartei

In einer durch Bürgerkrieg und Blockkonfrontation aufgeheizten Atmosphäre kursierten in der italienischen Nachkriegszeit mit Blick auf die Kommunisten weniger Vorstellungen von einem »neuen Menschen«, sondern vielmehr Schreckensbilder eines neuen sowjetischen »Unmenschen«. Kommunisten fraßen Kinder, verstanden ihre Ehefrauen als kollektives Eigentum, deportierten Italiener in sibirische Arbeitslager und verkauften das Vaterland an Stalin – so die gängigsten Zuschreibungen antikommunistischer und darin hegemonialer Provenienz, die vonseiten der Genossen als großes Problem angesehen wurden.22 Der PCI Togliattis hatte sich, gerade weil er sich anschickte, Massenpartei zu werden und demokratische Wahlen zu gewinnen, von Beginn an gegen solche Zuschreibungen zu verteidigen, noch bevor er mit eigenen Konzepten werben konnte. Es galt daher bei aller »Fortschrittlichkeit« auch unter Beweis zu stellen, dass die Kommunisten »ganz normale Italiener« waren, keine »fünfte Kolonne« Stalins.

Angesichts dessen bemühten sich die Kommunisten, nicht nur die Normen und Sitten des eigenen Landes zu beherzigen, sondern sich in moralischer Hinsicht besonders zu bewähren – um gewissermaßen »bessere« Katholiken zu sein. Die Familie hatte in der kommunistischen Welt eine ebenso zentrale Stellung wie in der katholischen. Der ideale Genosse lebte monogam, kümmerte sich um Ehefrau und Kinder, indem er ihnen partnerschaftlich zur Seite stand, ging selten in Bars, trank nicht, spielte nicht und ließ sich nicht scheiden. Mit der Entwicklung zur Massenpartei stieg jedoch das Risiko, den ganz typischen, »sündhaften« Katholiken und lasterhaften Italiener auch in den eigenen Reihen zu haben. Vor allem in erzkatholischen Regionen, wo die klerikale Polemik gegen die »Immoralität« der Kommunisten besonders stark war, galten bereits öffentlich Wein trinkende oder Karten spielende Genossen als Risiko für das lokale Ansehen der Partei und wurden mit Disziplinarstrafen gemaßregelt. Nachrichten über solche Maßnahmen verführten zum Teil die alten Revolutionäre in der Partei, verächtlich auf die »plebejischen« Neumitglieder des »partito nuovo« herabzublicken. Im Umgang mit den Massen schwang bei den führenden Kommunisten, ganz im Gegensatz zu Gramsci, häufig eine tiefe Verachtung volkstümlicher Kultur mit.23

Dort, wo die Kommunisten stark waren, gingen auch sie dazu über, den politischen Gegner der Immoralität zu bezichtigen. In Bologna startete das kommunistische Wochenblatt Due Torri, eine Art Journal der kommunalen Stadtregierung, im Wahlkampf 1958 eine Kampagne gegen lokale Mönche und bediente damit das ganze Arsenal stereotyper Bilder vom Klerus als prassende Frauenliebhaber und fanatische Volksverhetzer.24

Den kommunistischen Gegenentwurf lieferten die puri sanpaolini [die »reinen Sanpaolaner«] in Turin, dem Zentrum der kommunistischen Führerauslese. Die asketische und strebsame Lebensweise der Genossen im Turiner Arbeiterviertel Borgo San Paolo brachte die kommunistische Utopie des »neuen Menschen« am prägnantesten zum Ausdruck. Sie lebten monogam und waren ausdauernd in der Fabrik, sie waren den Wirtshäusern und Bordellen abgeneigt, großzügig und aufopferungsvoll ihren Nächsten gegenüber. Deutlich grenzten sie sich etwa von ihren Mailänder Kollegen ab, die in der Hochphase der Prostitution, Mitte und Ende der Vierzigerjahre, regelmäßig in Bordellen verkehrten und dafür aus Turin strengen Tadel erfuhren.25

Auch Palmiro Togliatti brach recht schnell die eigenen moralischen Regeln, als er sich 1946 in eine Liaison mit der 27 Jahre jüngeren Genossin Nilde Jotti begab. Nach anfänglicher Geheimhaltung verließ Togliatti schließlich, aller Missbilligung seiner führenden Parteigenossen zum Trotz, seine Ehefrau, um mit Jotti zusammenzuleben. Als die »illegitime« Verbindung nach dem Attentat auf Palmiro Togliatti im Sommer 1948 öffentlich bekannt wurde, empörten sich auch die Kommunisten an der Basis, insbesondere über Jotti, der nun das Stigma der unlauteren Genossin anhaftete. Bei Teilen des Führungskaders – viele davon, einschließlich Togliatti, kürzlich erst aus jahrelangem Moskauer Exil zurückgekehrt – weckte die Begegnung mit der jungen Frau aus Reggio Emilia hingegen folkloristische Fantasien. Sie galt als unermüdlich-mustergültige Militante aus dem roten Zentrum Italiens und als kraftvolle Frau mit einem »gesunden Emilianer Körper« und Emilianer Eleganz. Togliatti war von der Erscheinung Nilde Jottis, die er im Kreise der verfassunggebenden Nationalversammlung kennengelernt hatte, derart angetan, dass er gar den kommunistischen Deputierten empfahl, sich einen gehobeneren Kleidungsstil zuzulegen. Wüssten sie nicht, wie sie das anstellen sollten, könnten sie es von der Abgeordneten aus Reggio Emilia lernen.26

Mochten Verweise auf die äußerlichen Attribute Nilde Jottis den männlichen Parteiführern intern und hinter vorgehaltener Hand dazu dienen, die moralischen Verfehlungen Togliattis zu entschuldigen, so galten die politischen Traditionen ihrer Heimatstadt als quasi objektiver Nachweis ihrer wahrhaft kommunistischen Natur, die Jotti an vorderster Front der PCI-Frauenorganisation Unione Donne Italiane (UDI) und als Parlamentarierin tatkräftig unter Beweis stellte. In den Fünfzigerjahren stieg sie zu einem der prominentesten weiblichen Gesichter des PCI auf, doch ihr Privatleben mit Togliatti blieb in der kommunistischen Öffentlichkeit unsichtbar. Waren die politischen Karrieren beider durch ihre illegitime Verbindung auch nicht beeinträchtigt, so war propagandistischer Zugewinn durch ein prominentes Führungspaar angesichts einer kommunistischen Moral, die Ehebruch und »wilde Ehen« verurteilte und angesichts des Außendrucks auch verurteilen musste, dennoch undenkbar. Gerade auf dem Feld der Familie sahen sich die Kommunisten der Bigotterie eines Landes unterworfen, dessen moralische Interessen nach 1945 stärker als je zuvor vom Katholizismus vertreten wurden. Vor allem Nilde Jotti schien sich des Regelbruchs, den sie begangen hatte, dauerhaft bewusst zu sein. »Wir haben bereits alle Verhaltensregeln gebrochen«, soll sie Togliatti erwidert haben, als dieser ihr seinen Kinderwunsch bekundete.27 Sie entschlossen sich schließlich, ein Kind zu adoptieren. Ihre Nähe zum christlichen Wertehorizont brachte Nilde Jotti später selbst sinnfällig zum Ausdruck, denn sie sprach rückblickend von einer »seltsame[n] Familie, in der es keinen wahren Ehemann, keine wahre Mutter, kein wahres Kind gab, aber die glücklich und vereint war«.28

Die Ähnlichkeiten zwischen kommunistischer und katholischer Moral sind frappierend, und das mag kaum überraschen, führt man sich vor Augen, dass Kommunisten und Katholiken nicht voneinander abgeschottet lebten, sondern in den lokalen Gemeinschaften miteinander in Kontakt kamen und einander ständig beobachteten. Um einen Eindruck davon zu erhalten, genügt ein Blick in die Lokalblätter, die den politischen Gegner ständig im Blick hatten. Auch in der kommunistischen Hochburg Bologna, der Stadt mit dem größten kommunistischen Parteiverband diesseits des Eisernen Vorhangs, standen Kommunisten, Katholiken und Liberale, vertreten durch ihre Lokalzeitungen, in einem Dauerwettstreit darum, wer die besten Bürger hervorbringe. Gerade die moralischen Ingredienzien eines vorbildlichen Lebens ähnelten einander so sehr, dass sie sich gegenseitig verstärkten. Wer moralisch verwerflich handelte, konnte kein guter Katholik mehr sein – aber ebenso wenig ein guter Kommunist. Was hier innerhalb eines übergreifenden kulturellen Systems geformt wurde, war das Bild von einem »guten Italiener«, das die Erfahrung moralischer Deprivation während der Kriegsjahre vergessen machen sollte.29

Doch um als »normal« gelten zu können, mussten sich die Kommunisten nicht nur in ihren Moralvorstellungen als kultureller Teil Italiens zu erkennen geben. So zu sein wie alle anderen hieß auch, fehlbar zu sein und Schwächen zu haben. Der Fall Nilde Jotti blieb nicht der einzige Störfaktor im moralischen Gefüge kommunistischer Genossen; auch in anderen Fällen wurden moralische Prinzipien bisweilen über Bord geworfen. Häufig wurde an der kommunistischen Basis über außereheliche Beziehungen und Kontakte zu Prostituierten hinweggesehen. Getreu dem Motto, nicht überall die Besten sein zu müssen und letztendlich »Männer wie alle anderen« zu sein, lautete das Credo der italienischen Kommunisten hier, den anderen Männern in nichts nachstehen zu dürfen und gewisse »physiologische Bedürfnisse« gestatten zu müssen, sofern man dadurch nicht seine familiären Pflichten verletzte. Mitunter kam es vor, dass ganze PCI-Sektionen wie in Grossetto geschlossen das lokale Bordell aufsuchten und die führenden Funktionäre dabei sicherheitshalber die Hintertür benutzten, um keinen lokalen Skandal auszulösen.30 Virilität galt, gerade unter Männerbünden, wie es die kommunistischen Zellen und Sektionen zumeist waren, im Zweifel mehr als Enthaltsamkeit, denn sie lehnte sich nicht nur an das sowjetische Vorbild, sondern auch an die maskulinen Codes der italienischen Kultur an, die Mussolini in exzessiver Form wiederbelebt hatte.31

Massenpartei zu sein und den anderen Italienern ähnlich sein zu müssen, hatte widersprüchliche Anforderungen an den idealen Genossen zur Folge: Denn einerseits sollten Kommunisten sich von Bars und Kneipen fernhalten. Andererseits sollten sie sich gerade an den Orten des Alltags zeigen, wo man wie selbstverständlich politischen Einfluss ausüben konnte – also eben in der Bar oder in der Kneipe. Hier sollten die Genossen ihre Nachbarn in politische Gespräche verwickeln und für den Sozialismus gewinnen, hier konnte sich der Kommunist als guter Freund und Nachbar erweisen.32 Der politisch-pädagogische Aktionismus der Kommunisten nutzte alle Kanäle, die eine Stadt mit ihren dörflichen Alltagsstrukturen bot: Nachbarschaften, Bekanntschaften und Fabrikbelegschaften stellten das Revier des Genossen dar. Der PCI Togliattis nutzte also gerade seinen Charakter als wachsende Massenpartei, die ihm mit jedem Neumitglied auch ein neues, sich aus dem persönlichen Umfeld des Genossen ergebendes Netz möglicher Sympathisanten bescherte. Eine Regel dieser Strategie war es, nicht zu agitieren, sondern sich als höflicher und sympathischer Zeitgenosse zu präsentieren. Damit wollte die Partei offensiv gegen das Stereotyp des fanatischen, streitsüchtigen, fremdbestimmten Kommunisten vorgehen, begab sich aber in die Gefahr, am Ende auch nur »ganz normale Italiener« hervorzubringen.

Die katholische Presse hielt die »Normalwerdung« der Kommunisten freilich für eine große Maskerade. Den Versuch des PCI, sich als offene, freundliche und debattenfreudige Partei zu präsentieren und beispielsweise auch Wahlveranstaltungen im Gewand heiterer Umtrunkabende im häuslichen Wohnzimmer durchzuführen, kommentierte der Bologneser L’Avvenire d’Italia mit den Worten: »Die Genossen haben sich in gute Bürgerliche verwandelt.« Das Blatt mahnte seine Leserinnen, vor der Anwerbung durch kommunistische Frauen, die sich als »ganz normale Nachbarinnen« ausgaben und zu bunten Filmabenden zu sich nach Hause einluden, auf der Hut zu sein. Eine Kreuzung aus kommunistischer und »normaler« Identität schien dem Blatt unvorstellbar: »Es ist die alte Angst, den eigenen Namen zu nennen, die alte Angst, zu sagen, wer man wirklich ist.«33

War das Konzept des in seinem Alltag politisch tätig werdenden Genossen bereits ein Zugeständnis an den Massencharakter der Partei, der etwa das Ideal des abstinenten Genossen, der nur selten in Bars ging, nicht trank und nicht spielte, immer utopischer werden ließ, so erwiesen sich die Mitglieder des »partito nuovo« zudem nicht selten in ihren Alltagsgepflogenheiten als recht starrsinnig. Gerade fremde Menschen in den Bars anzusprechen oder Nachbarn, mit denen man es sich nicht verscherzen wollte, politisch umzustimmen, fiel ihnen offenkundig schwer. Mit Wählerinnen politische Gespräche zu führen, empfanden viele männliche Genossen als entwürdigend.34

So sehr die Partei sich menschlicher Ressourcen bediente, so sehr stieß sie auch an menschliche Grenzen. In den so wichtigen Wahlkampfphasen war auf viele Genossen kein Verlass: Sie verteilten das Propagandamaterial an ihresgleichen anstatt an die Wähler. Die vielen kleinen lokalen Wahlveranstaltungen wurden zum Teil schlecht vorbereitet, und nach dem Beitrag des Hauptredners waren die kommunistischen Organisatoren manchmal schneller verschwunden als die Wähler, für deren Fragen sie eigentlich zur Verfügung stehen sollten.35

Es war die Krux der Massenpartei, mit der Volksnähe auch die bequemen und die durchschnittlichen Genossen einzukaufen – und solche, die in Ermangelung einer hinlänglichen Bildung nicht so hilfreich sein konnten, wie sie sollten. Auch den literaten Genossen, die sich mit ihren profunden politischen Kenntnissen eigentlich unters Volk mischen sollten, musste das nationale kommunistische Aktivistenmagazin Quaderno dell’attivista noch 1953 erklären, wie sie eine Zeitung zu lesen hatten, um sich den Inhalt gewinnbringend zu erschließen.36 Noch 1958 bekannten Absolventinnen eines Frauenkurses an der Bologneser Parteischule, sie hätten vor dem Kurs kaum Zeitungen oder Bücher gelesen und keine Idee gehabt vom Leben der Partei, vom italienischen Weg zum Sozialismus und davon, was sie dazu beitragen könnten.37

Aus der zentralen Parteischule in Rom schilderten die Parteipädagogen die Schwierigkeiten im Umgang mit Genossinnen. Grüppchenbildungen, neidische Blicke auf den Teller der Tischnachbarin in der Mensa, ständiges Heimweh, Klatsch und Gefühlsduselei sowie die Angewohnheit, sich im Internatszimmer zu verschanzen und Strickarbeiten zu verrichten, galten den führenden Genossen als Beweis für einen kleinbürgerlichen und typisch weiblichen Charakter.38 Es gab noch viel zu erziehen in der Massenpartei, doch gerade am Beispiel der Frauen zeigt sich die innere Widersprüchlichkeit der kommunistischen Kultur Italiens, die nicht nur in den Handlungsanleitungen, sondern auch nolens volens in den kulturellen Prägungen der italienischen Genossen verankert war. Während Togliatti optimistisch seine Genossen dazu aufrief, die weibliche Emanzipation zu unterstützen, diskutierten die männlichen Genossen in den Sektionskomitees, ob Frauen aufgrund ihrer »natürlichen« kognitiven Schwächen und ihres »bürgerlichen Geistes« überhaupt erzogen werden könnten.39

Fazit

Den »neuen Menschen« des »partito nuovo« verkörpert die Figur des idealen Genossen, der sich unter der Obhut der Partei permanent zu einem besseren Menschen formt, ohne dabei seine Authentizität aufzugeben. Er blieb nicht nur deshalb Utopie, weil das Ziel der Vervollkommnung einen nicht endenden Prozess induzierte und deshalb vor allem immer auf das konkrete Handeln im Jetzt und Hier bezogen war – insofern wurde der »neue Mensch« vor allem im Modus des Scheiterns und der Unvollkommenheit lebendig. Er blieb auch deshalb Utopie, weil er einen zentralen Widerspruch produzierte: Der ideale Genosse war zugleich so wie alle und besser als alle anderen. Der italienische Weg zum Sozialismus, wie ihn Gramsci und Togliatti konzeptioniert hatten, führte über die Massen – als Mitglieder und als Wähler – und bediente sich ihrer Authentizität, um das Stigma der Vaterlandsverräter abzustreifen und um attraktiv auf neue Anhänger zu wirken: um Volkspartei zu werden. Das erforderte, keinen kulturellen Wandlungsdruck auszuüben und nicht so sehr zu betonen, worin man »anders« war, sondern zu zeigen, worin man »gleich«, aber »besser« war. So wurde der ideale Genosse ein besserer Katholik, ein besserer Demokrat und ein guter Nachbar. Insofern er aber volksnah sein und authentisch bleiben sollte, blieb er stets unvollkommen. Es waren gerade die Konformität und die Mittelmäßigkeit des »partito nuovo« als Massenpartei, die die Kommunisten einerseits als »ganz normale Italiener« erkennbar und wählbar machten, andererseits aber den »neuen Menschen« auf ausgetrampelte Pfade schickten.


1*  Mein Dank gilt der Fritz Thyssen Stiftung für die großzügige Förderung des an der Humboldt-Universität angesiedelten Forschungsprojekts »Wahlkampf als demokratische Alltagskultur – Studien zur politischen Kommunikation im 20. Jahrhundert«, in dessen Rahmen dieser Beitrag entstanden ist.

1 Autobiografie des Ferruccio Preti, 14. Februar 1950, in: Mauro Boarelli: La fabbrica del passato. Autobiografie di militanti comunisti (1945–1956) [Die Vergangenheitsfabrik. Autobiografien kommunistischer Aktivisten (1945–1956)], Mailand 2007, S. 195.

2 Siehe auch Marco Mietto/Maria G. Ruggerini: Storie di fabbrica. Operai metallurgici a Reggio Emilia negli anni ’50 [Geschichten aus der Fabrik. Metallarbeiter in Reggio Emilia in den Fünfzigerjahren], Turin 1988, S. 101; Franziska Meier: Mythos der Erneuerung. Italienische Prosa in Faschismus und Resistenza, Göttingen 2002, S. 163.

3 Zur Betonung moralischer Transformationen in Autobiografien siehe Sandro Bellassai: Mascolinità e relazioni di genere nella cultura politica comunista [Maskulinität und Geschlechterbeziehungen in der kommunistischen politischen Kultur] (1947–1956), in: ders./Maria Malatesta (Hg.): Genere e mascolinità. Uno sguardo storico [Geschlecht und Maskulinität. Ein historischer Blick], Rom 2000, S. 265–301, hier S. 273 f.

4 Sandro Bellassai: La morale comunista. Pubblico e privato nella rappresentazione del PCI [Die kommunistische Moral. Das Öffentliche und das Private in der Vorstellung des PCI] (1947–1956), Rom 2000, S. 47.

5 Siehe Remo Bodei: Colonizzare le coscienze. Forme della politica e società di massa in Gramsci [Das Bewusstsein kolonisieren. Formen der Politik und die Massengesellschaft bei Gramsci], in: Giuseppe Vacca (Hg.): Gramsci e il Novecento [Gramsci und das 20. Jahrhundert], Bd. I, Rom 1999, S. 177–186, hier S. 182. Siehe zudem die Beiträge bei Stefano Salmeri/Rosario S. Pignato (Hg.): Gramsci e la formazione dell’uomo. Itinerari educativi per una cultura progressista [Gramsci und die Bildung des Menschen. Wege der Erziehung für eine fortschrittliche Kultur], Acireale/Rom 2008.

6 Beispielhaft für diese Forschungsmeinung siehe Luciano Pellicani: Gramsci, Togliatti e il PCI. Dal moderno Principe al post-comunismo [Gramsci, Togliatti und der PCI. Vom modernen Fürsten zum Postkommunismus], Rom 1990, S. 119, 141; Simon Parker: Political Identities, in: David Forgacs/Robert Lumley (Hg.): Italian Cultural Studies: an introduction, Oxford 1996, S. 107–128.

7 Siehe u. a. Giorgio Petracchi: Russofilia e russofobia. Mito e antimito dell’URSS in Italia [Russophilie und Russophobie. Mythos und Antimythos der UdSSR in Italien] (1943–1948), in: Ennio Di Nolfo u. a. (Hg.): L’Italia e la politica di potenza in Europa [Italien und die Machtpolitik in Europa] (1945–1950), Mailand 1990, S. 655–675; Pier Paolo D’Attorre (Hg.): Nemici per la pelle. Sogno americano e mito

8 sovietico nell’Italia contemporanea [Busenfeinde. Amerikanischer Traum und sowjetischer Mythos im zeitgeschichtlichen Italien], Mailand 1991; Andrea Mariuzzo: »La Russia com’è«. L’immagine critica dell’Unione sovietica e del blocco orientale nella pubblicistica italiana [»Das Russland wie es ist«. Das kritische Bild der Sowjetunion und des Ostblocks in der italienischen Publizistik] (1948–1955), in: Ricerche di storia politica 10 (2007), H. 2, S. 157–176.

L’Avvenire d’Italia [Bologna] vom 16. Mai 1953.

9 Zum Eingewobensein der italienischen Kommunisten ins kulturelle Netz des eigenen Landes siehe Giuseppe C. Marino: Autoritratto del PCI staliniano [Selbstporträt des stalinistischen PCI], 1946–1953, Rom 1991 und Bellassai: La morale comunista (Anm. 4). Zur Andersartigkeit der politischen Kultur des PCI siehe hingegen Angelo Ventrone: La cittadinanza repubblicana. Forma-partito e identità nazionale alle origini della democrazia italiana [Die republikanische Bürgerschaft. Parteiform und nationale Identität an den Ursprüngen der italienischen Demokratie] (1943–1948), 2. Aufl. Bologna 2008, S. 42 u. 179.

10 Siehe Gianfranco Poggi u. a. (Hg.): L’organizzazione partitica del PCI e della DC [Die Parteiorganisation des PCI und der DC], Bologna 1968, S. 343–345.

11 Siehe Gottfried Küenzlen: Der Neue Mensch. Eine Untersuchung zur säkularen Religionsgeschichte der Moderne, 2. Aufl. München 1994; Reinhart Koselleck: ›Fortschritt‹ und ›Niedergang‹ – Nachtrag zur Geschichte zweier Begriffe, in: ders.: Begriffsgeschichten. Studien zur Semantik und Pragmatik der politischen und sozialen Sprache, Frankfurt/M. 2006, S. 159–181.

12 Siehe Antonio Gramsci: Heft 1 § 62. Gefängnishefte, hg. v. Klaus Bochmann und Wolfgang Fritz Haug, Bd. 1, Hamburg 1991, S. 133.

13 Zur parteisoziologischen Einordnung des »partito nuovo« siehe Sidney Tarrow: Peasant Communism in Southern Italy, New Haven 1967. Zur Betonung des demokratischen Zentralismus als leninistisches Residuum im PCI siehe Pellicani: Gramsci, Togliatti e il PCI (Anm. 6), S. 106 f.

14 Siehe Antonio Gramsci: Gli intellettuali e l’organizzazione della cultura [Die Intellektuellen und die Organisation der Kultur], Turin 1949, S. 7. Siehe dazu auch Niva Lorenzini: Gramsci, Serra e ›l’uomo nuovo‹ [Gramsci, Serra und der ›neue Mensch‹], in: Istituto Gramsci Emilia-Romagna (Hg.): Antonio Gramsci e le tradizioni politiche dell’Emilia-Romagna [Antonio Gramsci und die politischen Traditionen der Emilia-Romagna], Bologna 1999, S. 67–78, hier S. 76 f. und Raul Mordenti: Gramsci e la rivoluzione necessaria [Gramsci und die notwendige Revolution], Rom 2007, S. 81 f.

15 Für einen »klassischen« Blick auf die Intellektuellen siehe Thomas Kroll: Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa. Frankreich, Österreich, Italien und Großbritannien im Vergleich (1945–1956), Köln/Weimar/Wien 2007, insbesondere S. 434–439.

16 Siehe Palmiro Togliatti: Corso sugli avversari. Le lezioni sul fascismo [Kurs über die Feinde. Vorlesungen über den Faschismus], hg. v. Francesco M. Biscione, Turin 2010, S. 107–109.

17 Siehe Antonio Gramsci: Heft 7, § 16. Gefängnishefte (Anm. 12), Bd. 4, Hamburg 1992, S. 873 f.

18 Siehe Eric J. Hobsbawm/Giorgio Napolitano: Auf dem Weg zum ›historischen Kompromiß‹. Ein Gespräch über Entwicklung und Programmatik der KPI, Frankfurt/M. 1977, S. 41. Zu Gramsci siehe Nadia Urbinati: L’individuo democratico tra Tocqueville, Gramsci e Dewey [Das demokratische Indivi-
duum zwischen Tocqueville, Gramsci und Dewey], in: Vacca (Hg.): Gramsci e il Novecento (Anm. 5), S. 295–319 und Graziella Scuderi: Gramsci teorico di una pedagogia dell’emancipazione [Gramsci als Theoretiker einer Pädagogik der Emanzipation], in: Salmeri/Pignato (Hg.): Gramsci e la formazione (Anm. 5), S. 115–123, hier S. 122.

19 L’Unità [edizione di Bologna] vom 9. April 1953 und vom 10. April 1953. Siehe dazu Stefano Cavazza: La Costituzione in piazza. Il tema costituzionale nelle campagne elettorali del dopoguerra (1948–1958) [Die Verfassung auf der piazza. Das Verfassungsthema in den Wahlkämpfen der Nachkriegszeit (1948–1958)], in: Augusto Barbera/Marco Cammelli/Paolo Pombeni (Hg.): L’apprendimento della Costituzione [Das Erlernen der Verfassung] (1947–1957), Mailand 1999, S. 155–197.

20 Quaderno dell’attivista Nr. 1 vom 1. Januar 1953, S. 3. Die Gefahr, von der Secchia sprach, war das von den Christdemokraten per Gesetz eingeführte neue Wahlsystem, das vom Prinzip der reinen Verhältniswahl abrückte.

21 Siehe Ventrone: La cittadinanza repubblicana (Anm. 9), S. 41–43; Bellassai: La morale comunista 
(Anm. 4), S. 55 f.

22 Siehe dazu Verbale della riunione di Comitato Federale [Protokoll der Sitzung des Verbandskomitees] vom 16. Juni 1953, in: Fondazione Istituto Gramsci Emilia-Romagna, Archivio del P.C.I. Federazione provinciale di Bologna/Stiftung Institut Gramsci Emilia-Romagna, Archiv des Bologneser Provinzver-
bandes des PCI (im Folgenden: IGER-PCI), s. 5, ss. 2, f. 2, Bl. 14 f. Zu den symbolischen (bildlichen, grafischen, sprachlichen) Formen solcher Zuschreibungen siehe Angelo Ventrone: Il nemico interno. Immagini, parole e simboli della lotta politica nell’Italia del Novecento [Der innere Feind. Bilder, Begriffe und Symbole des politischen Kampfes im Italien des 20. Jahrhunderts], Rom 2005; Gianluigi Falabrino: 
I comunisti mangiano i bambini. La storia dello slogan politico [Die Kommunisten fressen die Kinder. Die Geschichte des politischen Slogans], Mailand 1994.

23 Siehe Bellassai: La morale comunista (Anm. 4), S. 65 f. u. 125 f.

24 Siehe Due Torri [Bologna] vom 15. April 1958.

25 Siehe Giovanni De Luna: Partiti e società negli anni della ricostruzione [Parteien und Gesellschaft in den Jahren des Wiederaufbaus], in: Francesco Barbagallo u. a. (Hg.): Storia dell’Italia repubblicana, Bd. 1, La costruzione della democrazia [Geschichte des republikanischen Italien, Bd. 1, Der Aufbau der Demokratie], Turin 1994, S. 719–776, hier S. 759. Siehe auch Liliana Lanzardo: Personalità operaia e coscienza di classe. Comunisti e cattolici nelle fabbriche torinese del dopoguerra [Arbeiterpersönlichkeit und Klassenbewusstsein. Kommunisten und Katholiken in den Turiner Fabriken der Nachkriegszeit], Mailand 1989.

26 Sergio Barbero: Il migliore e la dama rossa. L’Italia di Palmiro Togliatti e Nilde Jotti (1946–1964) 
[Der Beste und die Rote Dame. Das Italien von Palmiro Togliatti und Nilde Jotti (1946–1964)], Turin 2002, S. 13, 25 u. 87.

27 Ebd., S. 113.

28 Ebd., S. 114. Zum Ethos der »Normalität« in Abgrenzung zu moralischer Degeneration siehe auch Bellassai: La morale comunista (Anm. 4), S. 139.

29 Siehe dazu De Luna: Partiti e società (Anm. 25).

30 Siehe Bellassai: Mascolinità (Anm. 3), S. 294–299.

31 Siehe dazu Gigliola Gori: Model of Masculinity: Mussolini, the ›New Italian‹ of the Fascist Era, in: James A. Mangan (Hg.): Superman Supreme. Fascist Body as Political Icon – Global Fascism, Portland 2000, S. 27–61. Siehe zur sowjetischen Virilität jüngst Lilya Kaganovsky: How the Soviet Man Was Unmade. Cultural Fantasy and Male Subjectivity under Stalin, Pittsburgh, PA 2008.

32 Siehe Quaderno dell’attivista Nr. 8 vom 16. April 1953, S. 258 f.

33 L’Avvenire d’Italia [Bologna] vom 8. Mai 1953 und vom 16. Mai 1953.

34 Siehe La Lotta [Bologna] vom 15. Mai 1953; Bellassai: Mascolinità (Anm. 3), S. 290.

35 Siehe La Lotta [Bologna] vom 8. Mai 1953 und vom 15. Mai 1953. Siehe dazu auch Ventrone: 
La cittadinanza repubblicana (Anm. 9), S. 91 u. 255.

36 Siehe Quaderno dell’attivista Nr. 3 vom 1. Februar 1953, S. 69 f. und Nr. 8 vom 16. April 1953, S. 257.

37 Osservazioni consuntive sul corso elaborate da parte delle allieve [Abschließende Beurteilung des Kurses vonseiten der Schülerinnen], in: IGER-PCI, Subfondo Istituto di studi Anselmo Marabini, s. 2, ss. 3, f. 8, o.P.

38 Siehe Bellassai: Mascolinità (Anm. 3), S. 291.

39 Ebd., S. 283 f.

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