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Im regionalen Unterbewusstsein: Fragmente kommunistischer Erinnerung im ethnisch gespaltenen Gedächtnis Südtirols

JHK 2014 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 47-62 | Metropol Verlag

Autor/in: Joachim Gatterer

»Geschichten, welche im Geschichtsbuch fehlen, sind immer die, um die sich alles dreht.«
Erich Kästner
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Am Wochenende des 21. Januar 1956 organisierte der Partito Comunista Italiano [Kommunistische Partei Italiens, PCI] anlässlich seines 35-jährigen Bestehens eindrucksvolle Massenkundgebungen. In allen größeren Städten des Landes erinnerten hochrangige Repräsentanten an die Gründung der Partei im Jahr 1921, an die schwere Verfolgung ihrer Mitglieder im antifaschistischen Untergrund, aber auch an die führende Beteiligung der Kommunisten am Befreiungskampf gegen die nationalsozialistische Okkupation der Jahre 1943 bis 1945. In Bozen, der nördlichsten Provinzhauptstadt des Landes, referierte Senator Mauro Scoccimarro zum Thema: »Die Kommunistische Partei und die Südtirolfrage«.2 Der regionale Bezug im Titel des Vortrags war dabei kein Zufall.3

Knapp acht Jahre zuvor, als sich der Beginn des Kalten Krieges abzuzeichnen begann, waren die Kommunisten auf nationaler Ebene aus der Koalitionsregierung gedrängt worden. Als zweitstärkste Kraft, aber im römischen Parlament dauerhaft isoliert, versuchten sie seither konsequent, in Regionen und Kommunen Gegenpole zur regierenden Democrazia Cristiana [Christdemokratische Volkspartei, DC] aufzubauen. Jede lokalpolitische Krise, die sich jenseits der kommunistischen Hochburgen in Nord- und Mittelitalien ereignete, eröffnete der Partei dabei günstige Gelegenheiten, um aus der politischen Isolation herauszutreten.4 Auch in Bozen, wo der akute Streit um die Umsetzung verfassungsrechtlich garantierter Sonderrechte für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung gerade in eine heiße Phase mündete, versuchte der PCI durch öffentliche Vermittlung von Sachkompetenz und Lösungsstrategien politisch an Boden zu gewinnen. Der 35. Jahrestag der Parteigründung bot nun die Gelegenheit, den kommunistischen Standpunkt zur Südtirolfrage medienwirksam zu präsentieren. Scoccimarros historisch untermauerter Vortrag zielte dabei in erster Linie darauf ab, die dominante ethnische Sammelpartei der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler, die Südtiroler Volkspartei (SVP), von deren bestehendem Bündnis mit der DC abzubringen und eine Partnerschaft mit den »besseren Autonomisten«, den Kommunisten, einzugehen.5

Silvio Flor, ehemals kommunistischer Landessekretär im antifaschistischen Untergrund, übte Tage später in einem persönlichen Brief Kritik an der kommunizierten Parteilinie. Er sei darüber verwundert, schrieb Flor an Scoccimarro, dass in Bozen explizit nur ein zehnjähriges Bestehen der Provinzorganisation gefeiert wurde – immerhin habe es in den Zwanzigerjahren eine Südtiroler Landessektion gegeben, von deren Existenz auch die Senatoren Flecchia und Polano zu berichten wüssten. Im Übrigen sei es auch politisch bedenklich, die eigene Parteigeschichte zu verkürzen, denn es würde der Südtiroler Volkspartei nunmehr leicht gemacht, den PCI als landesfremden, italienischen Regionalimport der Nachkriegszeit abzustempeln. »Ich denke es wäre sinnvoller, die historische Wahrheit zu bestätigen, dass nur die Existenz einer totalitären Partei faschistischen Typs gerade die Entwicklung der Arbeiterbewegung in dieser Nachkriegszeit behindert hat, ganz abgesehen von den Ursachen für die groben Fehler, die von ungeschulten wie zwielichtigen Personen in den Arbeiterparteien dieser Provinz gemacht wurden, und deren Hinterlassenschaft auf jenen lastet, die heute dafür die Verantwortung tragen.«6

Die Gründung einer kommunistischen Landessektion Südtirols (»Federazione dell’Alto Adige«) lässt sich für den Januar 1925 anhand eines Berichts in der Mailänder Parteizeitung L’Unità mittlerweile nachweisen7 – aber wie ist die Entstehung der Gedächtnislücken im Selbstverständnis des PCI zu erklären? Die Assmann’sche Gedächtnistheorie liefert für die Beantwortung dieser Frage nützliche Anhaltspunkte, denn im Gegensatz zur landläufigen Unterscheidung zwischen »Erinnern« und »Vergessen« erfasst sie historisches Denken als fließenden Prozess des Bewusstwerdens, was temporäres Abgleiten in Stadien der Bewusstlosigkeit sowie potenzielles Wiedererwachen daraus – wie im Brief Flors an Scoccimarro geschehen – mit einschließt.8

Den Grad an Bewusstheit eines historischen Ereignisses in den Windungen kollektiver Gedächtnisse beeinflussen dabei zwei wesentliche Faktoren. Zum einen bestimmt die materielle Beschaffenheit von Speichermedien (z. B. das Papier eines Briefs) die zeitliche Haltbarkeitsdauer historischer Tatsachen. »Kommunikative Gedächtnisse«, in denen Erfahrungen ausschließlich mündlich weitergegeben werden, sind dabei auf die stetige Aufrechterhaltung sozialer Kontakte angewiesen, während materiell gesicherte Erinnerung grundsätzlich ohne menschliches Zutun über Generationen erhalten bleiben kann.9

Zum anderen unterliegt kollektive Erinnerung zu jedem Zeitpunkt praktizierter »Gedächtnispolitik«. Sie umfasst die notwendigen Bearbeitungs- und Selektionsverfahren, die sowohl die Speicherung von Erlebtem als auch die Aktivierung ausgewählter Erinnerungen erst ermöglichen. In »Speichergedächtnissen« (Archiven) können historische Bruchstücke (Quellen) passiv strukturiert und als Geschichte haltbar gemacht werden. Gedenkfeiern, Schulunterricht und andere massenmediale Formatierungen ermöglichen darauf aufbauend die punktuelle Aktivierung ausgewählter Erzählungen an der geistigen Oberfläche, im »Funktionsgedächtnis« einer Gemeinschaft.10 Historisches wird dabei genaugenommen niemals direkt aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt; jede Geschichtserzählung ist – wie auch Scoccimarros Darstellung aus dem Jahr 1956 – letztlich Produkt ihrer Zeit, in dem sich Fragmente aus der Vergangenheit mit den Geschichtsdeutungen der Gegenwart vermischen.11

Im Folgenden wird es darum gehen, den Bewusstseinsstand der kommunistischen Regio-
nalerinnerung in Südtirol für den Verlauf des 20. Jahrhunderts umfassender zu erörtern. Eine grobe Skizze, in der zentrale Ereignisse kommunistischer Regionalgeschichte benannt und die Dichte der Quellenbestände dargestellt werden, soll einen Eindruck vom Umfang des kommunistischen Regionalgedächtnisses vermitteln und seine Verflechtung mit anderen Erinnerungsstrukturen im regionalen wie überregionalen Rahmen offenlegen. Daran anschließend zeigt eine Darstellung praktizierter Erinnerungsstrategien, mit welchen Methoden die Kommunistische Partei vor Ort am Aufbau ihres kollektiven Gedächtnisses arbeitete. Dabei wird auch zu klären sein, wie stark antikommunistische Erinnerungspolitik die Entwicklung eines kommunistischen Geschichtsbewusstseins in der Region behinderte.

Bausteine der Erinnerung: Weitverstreutes Sediment mit tiefen 
Schleifspuren

Die Biografie des kommunistischen Landessekretärs Flor, der 1903 als Sohn eines Gewerkschaftsfunktionärs in der Südtiroler Kleinstadt Meran geboren wurde, führt zurück an die Anfänge der Arbeiterbewegung des habsburgischen Kronlandes Tirol, wo sich Sozialdemokraten 1890 erstmals als Partei konstituierten.12 Auf diese periphere Organisation trafen von Beginn an jene historiografischen Defizite in verstärktem Ausmaß zu, die der Wiener Parteivorsitzende Victor Adler noch 1906 für die gesamte sozialistische Arbeiterbewegung der Monarchie formuliert hatte: Vorarbeiten zum Abfassen einer eigenen Parteigeschichte, das Sammeln, Ordnen und Konservieren von Quellen und nicht zuletzt die Arbeit der Verschriftlichung waren für eine kleine Regionalpartei nicht zu leisten, deren Aktivisten sich intensiv den tagespolitischen Auseinandersetzungen zu widmen hatten.13 Bis weit in die Zwanzigerjahre hinein kann die stark agrarisch-handwerklich geprägte Tiroler Arbeiterbewegung wohl auch deshalb weniger als Reservoir für aktiv praktizierte Erinnerung betrachtet werden (der bescheidene Umfang einer vermutlich ersten historischen Abhandlung aus dem Jahr 1924 mag es verdeutlichen),14 vielmehr waren Tiroler Sozialdemokraten in größerem Ausmaß geistesgegenwärtige Akteure, die im politischen Alltag bessere Lebensbedingungen und somit Grundlagen für zukünftige Erinnerung schaffen wollten.

Trotz allem konnten in den Jahren um die Jahrhundertwende lokal begrenzte Streiks und Arbeitskämpfe,15 aber auch der Einzug der ersten Sozialdemokraten in den österreichischen Reichsrat und den Tiroler Landtag in diverse Gedächtnisformationen eingeprägt werden. Während vor allem Polizeiprotokolle eine Außensicht auf die Partei und die Unterdrückung ihrer Mitglieder dauerhaft konservierten, musste vieles an originär sozialdemokratischer Erinnerung (etwa an die Ereignisse der ersten Maikundgebung im Jahr 1890)16 demgegenüber auf die flüchtige, kommunikative Erinnerung der unmittelbar Beteiligten beschränkt bleiben. Zieht man Wahlergebnisse als Gradmesser für die gesellschaftliche Reichweite dieses sozialen Kurzzeitgedächtnisses heran, so kann davon ausgegangen werden, dass bis Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Tirol rund 15 bis 20 Prozent der städtischen Bevölkerung mit der sozialistischen Arbeiterbewegung in latenter gedanklicher Verbindung standen.17

Aus diesem bescheidenen Umfeld konnte entsprechend nur eine geringe Anzahl an zeitbeständigen Geschichtsmedien in den Gesamttiroler Kontext gestellt werden. Neben der eigenen Parteipresse, die seit 1892 in Innsbruck erschien (und heute an der Universitätsbibliothek Innsbruck als fragmentarische Sammlung abgelagert ist),18 ist hier speziell für die Südtiroler Arbeiterbewegung der Bezug eines eigenen Gewerkschaftshauses von Bedeutung. Es fungierte in Bozen ab dem Jahr 1909 nicht nur als organisatorisches Zentrum und Wissensspeicher, sondern verkörperte im öffentlichen Raum vor allem die symbolische Konstitution der Arbeiterbewegung im kollektiven Bewusstsein der Stadt.19

Von Anfang an stand die sozialistische Traditionsbildung »von unten« jedoch einem bereits existierenden, sehr viel massiver kommunizierten Tiroler Geschichtsbild katholisch-antiaufklärerischen Zuschnitts gegenüber, das stark von der habsburgischen Erinnerungspolitik der Restaurationszeit beeinflusst und gestützt wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten sich vor dem Hintergrund des italienischen Risorgimento und der deutschen Reichsgründung zudem starke nationalistische Färbungen darin einprägen können, die nicht zuletzt das internationalistische Selbstverständnis der deutsch- und italienischsprachigen Arbeiterbewegung Tirols überlagerten, um es im politischen Wettstreit am Vorabend des Ersten Weltkriegs aggressiv zu zersetzen.20 Auch diesbezüglich bildete die Tiroler Sozialdemokratie jedoch kein wesentliches regionales Spezifikum, sondern muss vielmehr im Trend des ideologischen Zerfalls betrachtet werden, von dem die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAP) als sprichwörtliche »Kleine Internationale« auch in anderen nationalen Grenzräumen der Monarchie wie etwa Böhmen und Triest betroffen war.21

Bemerkenswert scheint hingegen die intensive »Schleifung« des sozialdemokratischen Regionalgedächtnisses, welche nach der Teilung Tirols im Jahr 1919 vor allem im südlichen, nunmehr italienischen Landesteil einsetzte. Sie ist auf mehrere überregionale Faktoren zurückzuführen, die sich in Südtirol punktuell zu einer vernichtenden Kraft vereinten.

Bereits in den ersten Nachkriegsmonaten verhinderte die starke italienische Militärpräsenz in den ehemals österreichischen Gebieten eine umfangreiche Reaktivierung der sozialdemokratischen Parteitätigkeit und nicht zuletzt das Knüpfen intensiver Kontakte zu revolutionären Zentren in Wien, Bayern und Oberitalien.22 Den Südtiroler Sozialdemokraten gelang es in dieser Umbruchphase jedoch noch, Parteipresse und Wahllisten für die italienischen Parlaments- und lokalen Gemeindewahlen der Jahre 1921 bzw. 1922 zu aktivieren. Vor allem die genannte Gründung der Landessektion des Partito Comunista d’Italia [Kommunistische Partei Italiens, PCd’I] um zwei ehemalige Sozialdemokraten (den genannten Flor und den Arzt Gebhard Haslinger) unterstreicht dabei das Vorhandensein sozialistischer Aktivitäten in der Region und deren Anbindung an überregionale Entwicklungen.23

Die Speicherung dieser Ereignisse im kommunikativen Gedächtnis der Beteiligten wurde jedoch durch die Zerstörung dafür notwendiger Personennetzwerke erschwert. Neben den Kriegsereignissen und der bald darauf einsetzenden faschistischen Verfolgung hatte vor allem die 1920 eingeführte Regelung von Staatsbürgerschaftsrechten dabei negative Konsequenzen erwirkt, zumal sie ehemals österreichische Arbeiter und Eisenbahner in überproportionalem Ausmaß zur Abwanderung nach Norden gezwungen hatte.24 Der Bevölkerungsrückgang wurde in den Dreißigerjahren unter faschistischen Vorzeichen durch staatlich forcierte Zuwanderung italienischer Arbeiter mehr als ausgeglichen;25 damit waren allerdings auch neuerliche Umschichtungen des kommunikativen Gedächtnisses verbunden, die letztlich mit dazu führten, dass die 1945 gegründete, zweite Landessektion des Südtiroler PCI über keine bedeutenden Bezugspunkte mehr zur Vorgängerorganisation verfügte: Gebhard Haslinger hatte sich 1928 im Exil das Leben genommen; Silvio Flor war nach Jahren in Wien, Paris und einer abgebrochenen Schulung an der Moskauer Lenin-Schule zwar zurückgekehrt, aus dem rundum erneuerten PCI aber bereits nach wenigen Monaten wieder ausgetreten. Neben persönlichen Auseinandersetzungen vor Ort hatte ihn die kommunistische Kehrtwende in der Nationalitätenpolitik zu diesem Schritt bewogen.26 Der Beschluss des IV. Parteikongresses aus dem Jahr 1931, mit dem die Kommunisten den Kampf der Südtiroler um nationale Selbstbestimmung »bis zur Loslösung vom italienischen Staat« ausdrücklich unterstützt hatten, war von den Kriegsereignissen der Folgejahre schlichtweg überrollt worden. Nach den Erfahrungen der deutschen Besatzung, so Parteisekretär Palmiro Togliatti im September 1945, müsse Italien großdeutschen Einfällen in die Poebene am strategisch bedeutenden Brennerpass um jeden Preis einen Riegel vorschieben.27

Auch ein materialisiertes, geordnetes »Speichergedächtnis« der Südtiroler Arbeiterbewegung, welches den jüngeren Genossen jenseits der mündlichen Überlieferung mögliche Anknüpfungspunkte geboten hätte, existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Das Bozner Gewerkschaftshaus war von den italienischen Faschisten bereits 1923 im Zuge der staatsweiten Zerschlagung sozialistischer Organisationen beschlagnahmt worden. Bald darauf wurde es zum Sitz der faschistischen Freizeitorganisation Dopolavoro umfunktioniert und durch einschneidende bauliche Umgestaltungen Mitte der Dreißigerjahre aus dem Stadtbild getilgt.28

1945, als der PCI nunmehr als Volkspartei des italienischen Widerstands gegen die deutsche Okkupation auch in Bozen in eine neue Ära startete29 (deren Geschichte im römischen Parteiarchiv fortan genau dokumentiert wurde),30 bestand die Erinnerung an die ersten Jahre der kleinen Südtiroler Landessektion insgesamt betrachtet aus weit verstreuten »Splittern« und »Schleifspuren«. Sie hatten sich über die Jahre der Diktaturen in staatliche Geheimdienstprotokolle und menschliche Erinnerungen eingeprägt und kamen vielfach erst Jahrzehnte später als singuläre Fragmente ans Tageslicht – etwa 1969, als sich eine Bürgerin der Nordtiroler Gemeinde Bad Häring auf Anfrage dazu bereit erklärte, weiterhin kostenlos das Grab des Dr. Haslinger zu pflegen, weil ihr Mann seinen ehemaligen Arzt in guter Erinnerung behalten habe.31

Erinnerungsstrategien: Ausgrenzen, vereinnahmen oder umdeuten?

Die sozialistischen Parteien blieben im kollektiven Erinnerungsdiskurs Südtirols nicht ausschließlich aufgrund ihrer geringen Mitgliederzahl langfristig marginalisiert. Ein wesentlicher Grund ihres Verschwindens im kollektiven Unterbewusstsein liegt auch darin, dass sie in zentralen Konflikten um Zusammensetzung und Ausdeutung öffentlicher Erinnerung eigene Erlebnisse nicht thematisieren und nicht zuletzt eigene Sichtweisen auf regionale Geschichte gegen die erzeugten Geschichtserzählungen ihrer politischen Konkurrenten nicht durchsetzen konnten.

Der italienische Sozialist Cesare Battisti, 1916 als »Vaterlandsverräter« in Trient hingerichtet (weil er als Irredentist gegen Österreich in den Krieg gezogen war), wurde nicht zuletzt aufgrund der Monumente, die ihm die Faschisten postum errichteten, jahrzehntelang als italienischer Nationalheld verehrt, ohne dass sein Scheitern am sozialistischen Internationalismus kritisch hinterfragt worden wäre.32 Das erste Todesopfer der faschistischen Gewaltübergriffe in Südtirol, den 1921 ermordeten Lehrer Franz Innerhofer, stilisierten die deutschnationalen Südtiroler ihrerseits zum »jüngsten Märtyr[er] der Tiroler Heimat«33 und lieferten dadurch vielen lokalen Wählern kurz vor den ersten italienischen Parlamentswahlen ein eindringliches Argument, um deutsch bzw. antiitalienisch abzustimmen. Demgegenüber stellten die geschlagenen Sozialdemokraten die Ermordung Innerhofers ein Jahr nach ihrer verheerenden Wahlniederlage (sie hatten nur zehn Prozent der Stimmen gegen die 90 Prozent des Deutschen Verbandes [DV] mobilisieren können) in den gesamtstaatlichen Kontext. Sie gedachten »auch jener Parteigenossen in Italien, die seit seinem [Innerhofers] Tode den faschistischen Gewalttaten zum Opfer gefallen sind«.34

Die Auseinandersetzungen um Geschichtsdeutungen mussten speziell in den Zwanziger- und Dreißigerjahren für Südtiroler Sozialdemokraten und Kommunisten verloren gehen, weil beide Parteien in dieser Zeit de facto über keinen Zugriff auf strategische Ressourcen zur Geschichtsvermittlung mehr verfügten. Mussolinis Faschisten praktizierten hingegen bald nach ihrer Machtergreifung über staatliche Institutionen eine geistige Kolonialpolitik, die darauf abzielte, das ehemals österreichische Gebiet und dessen Bevölkerung als Alto Adige gewaltsam zu assimilieren. Über staatlich finanzierte Presse (die u. a. auf der beschlagnahmten Druckerpresse aus dem Bozner Gewerkschaftshaus gedruckt wurde)35 und italienischen Sprachunterricht in sämtlichen Pflichtschulen vermittelten sie jene Geschichtsinhalte, die der Geograf, Sprachwissenschaftler und glühende Nationalist Ettore Tolomei in seinem 1906 gegründeten Archivio per L’Alto Adige systematisch gesammelt, teils schlichtweg erfunden hatte.36

Im Gegensatz zu den sozialistischen Organisationen konnten die verwurzelten bürgerlichen Parteien aus altösterreichischer Elitentradition im Schutz der katholischen Kirche ein Mindestmaß an politischer Tätigkeit aufrechterhalten und im Athesia-Verlag mit Einschränkungen bis ins Jahr 1943 auch eine eigene Zeitung publizieren.37 Hochkarätigen deutschnationalen Exilanten, wie dem DV-Parlamentarier Eduard Reut-Nicolussi, bot nicht zuletzt die Tiroler Landesuniversität Innsbruck ein geistiges Rückzugsgebiet, zumal sie jenseits der Staatsgrenze in Österreich lag. Als Universitätsprofessor (und nach 1945 als Rektor) konnte Reut-Nicolussi weiterhin politisch Einfluss nehmen, auch wenn er sich dafür bald mit den Nationalsozialisten arrangieren musste.38 Die Südtiroler Bevölkerung prägten in dieser Zeit vor allem jene illegalen »Katakombenschulen«, die von katholischen Honoratioren, bald auch von Südtiroler Nationalsozialisten mit deutscher Auslandshilfe organisiert wurden.39 Hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung sind diese Bildungsinitiativen durchaus mit den erfolgreichen Alphabetisierungskampagnen vergleichbar, die in Lateinamerika und Südostasien nationalen Befreiungsbewegungen Jahrzehnte später eine kommunistische Prägung verleihen sollten.40 Als einige Südtiroler in einem Rundschreiben an UNO-Delegierte noch Anfang der Sechzigerjahre afrikanische Nationen als »Negerstaat[en]« bezeichneten, musste auch der damalige österreichische Außenminister Bruno Kreisky konsterniert feststellen: »Sie haben gar nicht gemerkt, wie sehr sie durch nazistisches Gedankengut verdorben waren.«41

Den Südtiroler Kommunisten gelang es hingegen zu keinem Zeitpunkt, eine breit angelegte Bildungspolitik zu betreiben. Im Innsbrucker Universitätsbetrieb hatte die Arbeiterbewegung traditionell keine Sympathisanten unter der Professorenschaft; in der Zwischenkriegszeit wurden kommunistische Studenten wie der Eisenbahnersohn Emmerich Übleis im Verdachtsfall vielmehr »auf ewig« vom Studium suspendiert.42 Kommunistische Propaganda zur Südtirolfrage beschränkte sich in einer Zeit des europaweiten Zusammenbruchs demokratischer Rechtsstaaten im Wesentlichen auf Silvio Flors sporadisch verfasste Flugschriften und Pressebeiträge aus dem Pariser Exil, in denen er ein antifaschistisches Bündnis der Südtiroler Bauern mit den italienischen Arbeitern einforderte, um über den revolutionären Kampf auch das nationale Selbstbestimmungsrecht für die Südtiroler zu erreichen. Als illegale Schmuggelware mit bescheidener Auflage fanden diese Schriften aber nicht den Weg an eine breite regionale Öffentlichkeit.43 Demgegenüber hatte Hitler mit dem Anschluss Österreichs spätestens 1938 konkrete Tatsachen geschaffen, die unter vielen Südtirolern eine trügerische Hoffnung auf baldige Befreiung vom italienischen Faschismus nährten. Die anschließende Initiative zur Umsiedlung in das Deutsche Reich, Ereignisse des Krieges und die deutsche Okkupation Norditaliens verursachten in den Folgejahren jene schweren Traumata, die im Täter-Opfer-Diskurs der Nachkriegsjahrzehnte als zentrale Bezugspunkte fungieren sollten.44 Charismatische Ereignisse des kommunistischen Widerstands – etwa die Teilnahme einiger Südtiroler am Spanischen Bürgerkrieg aufseiten der Republikaner45 – blieben hingegen stets auf den Erfahrungshorizont von Einzelpersonen beschränkt, deren Geschichten zu keinem Zeitpunkt in einer breiten Öffentlichkeit artikuliert werden konnten.

Mit dem Aufbau des PCI als neuer Massenpartei (partito nuovo) konnten die italienischen Kommunisten ab 1945 zwar auch in Südtirol öffentliche Kommunikationskanäle öffnen (wobei das Zentralkomitee zum Teil erhebliche Summen in kurzlebige deutschsprachige Periodika investierte);46 die Partei blieb in der Region aber letztlich vor allem aufgrund historischer Hypotheken über Jahre »eine Pflanze ohne Wurzeln«, wie der römische Parteiinspektor Cesare Colombo in einem seiner Berichte aus dem Jahr 1949 schonungslos feststellte.47

In Südtirol wurden unter Einfluss des breiten westeuropäischen Entlastungsdiskurses der ersten Nachkriegsjahrzehnte die ethnozentrischen Erinnerungsstrategien fortgeschrieben. Im deutschsprachigen Regionalgedächtnis blieben dabei Italiener als Faschisten pauschal in der Täterrolle; im italienischen Äquivalent begriff man sich mit umgekehrten Vorzeichen als Opfer der Südtiroler Nazikollaborateure.48 Beide Gedächtnisformationen waren dabei essenziell aufeinander bezogen und entwickelten ein entsprechend dominantes, phasenweise neurotisches Bezugsverhältnis, das sämtlichen Diskussionsraum in der regionalen Öffentlichkeit beanspruchte.49

Dem PCI gelang es in diesem Kontext nicht, sich als fortschrittliche, sprachgruppenübergreifende Alternative zwischen den dominanten Gegenpolen durchzusetzen; vielmehr blieb die Partei langfristig zwischen den ethnischen Stühlen sitzen. Auf italienischer Seite schuf der Gründungsmythos des nationalen Widerstands (Resistenza) den Kommunisten unter der Arbeiterschaft in Bozen zwar eine bescheidene Ausgangsbasis, die dauerhaft größer blieb als jene der Zwanzigerjahre. Die Resistenza wurde in Bozen aber letztlich in starkem Ausmaß im gesamtstaatlichen Kontext erinnert, weil die Lebenswelt der meisten italienischen Arbeiter ihre ursprünglichen Heimatorte außerhalb Südtirols mit einschloss. Gleichzeitig war gerade der italienische Regionalcharakter Südtirols in den vorangegangenen Jahrzehnten entscheidend von den Faschisten, nicht vom Widerstand geprägt worden, was ein Anknüpfen an lokale italienische Traditionen erschwerte.50

Nicht zuletzt aus strategischen Überlegungen investierten die Kommunisten ihrerseits einen Großteil der lokalen Ressourcen, um sich in das umfangreichere Regionalgedächtnis der deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung einzuschreiben. Wie in der gesamtstaatlichen Auseinandersetzung mit der Democrazia Cristiana versuchten sie sich den Südtirolern dabei als »bessere« Volkspartei zu präsentieren.51 Cesare Colombo hatte diesbezüglich bereits 1953 auf historische Bildungslücken unter den Parteigenossen hingewiesen und einen beachtlichen Katalog an Themenschwerpunkten für eine regionalgeschichtliche Abhandlung formuliert.52 Seine fundierten, 1981 postum veröffentlichten Ausführungen53 atmen nicht von ungefähr den Geist jenes Interesses für die ländliche Volkskultur, wie er auch in Arbeiten der bekannten Kommunisten Pier Paolo Pasolini, Bernardo Bertolucci oder des Verlegers Giangiacomo Feltrinelli spürbar ist.54 Gerade die Lebenswelt der italienischen Arbeiter der Bozner Industriezone tangierte dieses Geschichtsbild jedoch nur am Rande.55 Als die Umsetzung der Südtirolautonomie Anfang der Achtzigerjahre für sie nachweisbar den Verlust von Arbeitsplätzen bedeutete, wollten viele Kommunisten vom Dialog mit den Südtirolern endgültig nichts mehr wissen. Die antiautonomistischen Neofaschisten erzielten bei Wahlen in Bozen von nun an landesweite Spitzenergebnisse.56

Auch auf deutschsprachiger Seite zeitigten die ambitionierten Projekte des PCI langfristig keine durchschlagenden Erfolge. Über gewerkschaftliches Engagement gelang es zwar seit Kriegsende, vereinzelt Arbeiter, Kleinbauern und Intellektuelle aus den Randschichten der deutsch-katholischen Dorfmilieus zu rekrutieren. Diesen Genossen, die in ihren Heimatgemeinden erheblichen Anfeindungen ausgesetzt waren, konnte der oppositionelle PCI aber nur bedingt soziale Aufstiegschancen bieten, weshalb langfristige Parteibindungen – wie jene des kommunistischen Landtagsabgeordneten Josef Stecher – Ausnahmefälle blieben.57 Engagierte Basisarbeit von Funktionären scheiterte dabei seltener an vordergründigen Sprachbarrieren; häufiger versandete sie in unproduktiven Theoriedebatten, in denen mitunter ungewollt auch manch übersteigerte Selbstwahrnehmung »moderner« italienischer Arbeiter gegenüber »rückständigen« Tirolern zum Vorschein kam.58

In der politischen Öffentlichkeit nahm die Südtiroler Volkspartei Bekenntnisse der Kommunisten zum ethnischen Minderheitenschutz wiederum bestenfalls wohlwollend zur Kenntnis, ohne den PCI jedoch in regionale Regierungsbündnisse einzubeziehen. Die Macht, staatliche Zugeständnisse an die Provinz abzutreten, hielten in Rom auf Dauer die regierenden Christdemokraten in Händen – und letztlich standen bei der Ausgestaltung der Südtirolautonomie vor allem gesellschaftliche Einflusssphären auf dem Spiel, die sich die konservativen Schwesterparteien DC und SVP entlang ethnischer Demarkationslinien untereinander aufteilten.59 Die kategorische Ausgrenzung 
der Kommunisten rechtfertigte dabei der westeuropäische Antikommunismus des Kalten Krieges, der im fortschrittsskeptischen Klerus und unter alteingesessenen Bauern- und Bürgerfamilien ohnehin seit Generationen fest verwurzelt war. Besonders in den Siebzigerjahren, als sich die Lebenswelt vieler deutschsprachiger Südtiroler im Zuge der wirtschaftlichen Veränderungen allmählich zu öffnen begann, steigerte die SVP ihre aggressive Abwehrrhetorik, zumal der PCI auf Basis des italienweiten Trends kurzzeitig auch in Bozen in neue Wählerschichten vordrang. Im 365 Seiten starken Pamphlet Eurokommunismus. Der große Bluff aus der Feder des SVP-Parlamentariers Hans Benedikter sollten 1978 vor allem jüngere Südtiroler vor einem »tödliche[n] Bazillus« gewarnt werden.60

Eine politische Partnerschaft mit den italienischen Sozialisten, wie sie der Journalist und Historiker Claus Gatterer den führenden Regionalpolitikern bereits 1962 nahegelegt hatte (»Der Freund stand links«), blieb weitgehend auf Formalitäten beschränkt, die die Koalitionsstrategien der DC zu keinem Zeitpunkt durchkreuzten. Aus dem kommunistischen Umfeld konnten dementsprechend erst die Nachfolgeparteien des PCI in regionale Regierungsbündnisse eintreten, als sich die politischen Rahmenbedingungen Anfang der Neunzigerjahre in Europa, in Rom und in Bozen in mehrfacher Hinsicht gewandelt hatten.61

Eine Aufarbeitung kommunistischer Regionalgeschichte hatte in Ansätzen etwas früher, Ende der Siebzigerjahre begonnen, auf Eigeninitiative engagierter Jungakademiker und Gewerkschafter, die sich an den Arbeiten Gatterers und am zeitgenössischen Trend einer »Geschichtsschreibung von unten« orientierten. In teilweise überdimensionalen Abschlussarbeiten konnten erstmals zahlreiche Quellen der kommunistischen Regionalgeschichte gesammelt und in universitäre Gedächtnisspeicher eingearbeitet werden.62 Ihre Rezeption blieb aber auf ein regionales Fachpublikum beschränkt; Anschlüsse an überregionale Netzwerke (etwa das damalige Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung) kamen nicht zustande, und die wenigsten der Autoren konnten langfristig im universitären Umfeld Fuß fassen.63 Die Veröffentlichung einer Biografie des 1974 verstorbenen Silvio Flor erfolgte im Jahr 2007 – zu einem Zeitpunkt, als das Forschungsinteresse an der Geschichte der Arbeiterbewegung bereits seit geraumer Zeit auch im überregionalen Rahmen schon wieder stark abgeklungen war.64

Fazit: Ausgeblendet, aber nicht vergessen

Die Erfahrungen von Kommunisten blieben in der kollektiven Erinnerung Südtirols über den gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts weitgehend unberücksichtigt. Die nummerische Schwäche der Tiroler Arbeiterschaft im 19. Jahrhundert und ihre Bindung an überschaubare, kleinstädtische Lebenswelten kann die überproportionale Marginalisierung im kollektiven Gedächtnis der Region jedoch nur ansatzweise erklären. Eine erinnerungsgeschichtliche Beobachtungsperspektive zeigt vielmehr, dass die kategorische Ausgrenzung sozialistischer Arbeiterparteien in Südtirol wesentlich von den Auswirkungen praktizierter Erinnerungspolitik beeinflusst wurde. Ein Zusammenwirken mehrerer überregionaler Trends begünstigte dabei bereits im 19. Jahrhundert eine dominante Ausbildung nationalkonservativer deutsch- bzw. italienischsprachiger Regionalgedächtnisse bei gleichzeitiger Zersetzung sich entwickelnder sozialistischer Gedächtnisstrukturen. Faschismus und Nationalsozialismus erreichten in den Zwanziger- und Dreißigerjahren schließlich die nahezu vollständige Zerstörung sozialdemokratisch-kommunistischer Erinnerungsnetzwerke. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte der Partito Comunista Italiano in Südtirol eigenmächtig Akzente in der regionalen Gedächtnispolitik setzen, blieb dabei aber von historischen Hypotheken belastet. Die stärker verwurzelten bürgerlichen Parteien konnten über ihren Zugriff auf solide nationale Geschichtsfundamente auch nach 1945 konstant aktive Erinnerung generieren. Demgegenüber scheiterte die kommunistische Strategie, regionale Erinnerungskultur über kritische Ausdeutung nationaler Gedächtnisse aktiv mitzugestalten, an den internationalen Rahmenbedingungen des Kalten Krieges und einer Reihe regional verwurzelter Ressentiments (gegen Italien, gegen besitzlose Arbeiter, gegen die fortschrittlich-säkulare Tradition der Aufklärung). Eine kritische Reflexion der kommunistischen Regionalgeschichte begann Ende der Siebzigerjahre in ersten Ansätzen. Über wissenschaftliche Arbeiten wurden verstreute, unbewusste Erinnerungen erstmals gesammelt, strukturiert und in passive regionale »Speichergedächtnisse« eingeschrieben, wo sie heute fragmentarische Anknüpfungspunkte für künftige aktive Erinnerung bieten.

1 Erich Kästner: Ein alter Herr geht vorüber, in: ders.: Werke. Band II, München u. a. 1998, S. 364.

2 Die Südtirolfrage entsprang analog zu den prägenden Entwicklungen im Baskenland, in den Sudeten und anderen europäischen Grenzregionen dem Prozess der Nationalstaatsbildung des 19. und 20. Jahrhunderts. Infolge des Ersten Weltkrieges wurde der südliche Teil des habsburgischen Kronlandes Tirol an das Königreich Italien angeschlossen. Mit der Machtergreifung der italienischen Faschisten erlebte das mehrheitlich deutschsprachig (in zwei Talschaften ladinisch/rätoromanisch) besiedelte Südtirol ab Mitte der Zwanzigerjahre gewaltsame Italianisierungsmaßnahmen. 1939 gipfelte diese Politik in einem Umsiedlungsabkommen der beiden Diktatoren Hitler und Mussolini. Die staatlich forcierte Abwanderung der rund 250 000 Südtiroler in das Deutsche Reich endete 1943 vorzeitig mit der deutschen Besetzung Norditaliens. 1946 garantierte die Republik Italien gegenüber Österreich erstmals besondere Rechte zum Schutz der kulturellen Eigenart der Südtiroler. Nachdem die konkrete Umsetzung der zugesicherten Maßnahmen von der italienischen Regierung über Jahre verzögert worden war, unternahm Österreich 1960 auf Ebene der Vereinten Nationen entscheidende diplomatische Initiativen. Daran anschließende Verhandlungsetappen mündeten Anfang der Siebzigerjahre in die Verabschiedung eines erweiterten Autonomiestatuts für Südtirol im italienischen Parlament. Separatistische Bombenanschläge deutschnationaler, zum Teil neonazistischer Inspiration beeinflussten das politische Klima in der Region zeitgleich bis in die späten Achtzigerjahre. Ebenso wie die neofaschistische Fundamentalopposition gegen die Autonomie Südtirols blieben sie langfristig erfolglos. Siehe Thomas Benedikter: Autonomien der Welt, Bozen 2007, S. 80–83.

3 Siehe L’Unità [Roma, edizione nazionale], 22. Januar 1956, S. 1 u. 24. Januar 1956, S. 2.

4 Siehe Aldo Agosti: Storia del Partito comunista italiano 1921–1991 [Die Geschichte der Kommunistischen Partei Italiens 1921–1991], Bari 1999, S. 54–62. Zur Rolle des PCI im Kalten Krieg informieren ausführlich Elena Aga Rossi/Victor Zaslavsky: Stalin and Togliatti. Italy and the Origins of the Cold War, Stanford 2011.

5 Mauro Scoccimarro: Die kommunistische Politik in Südtirol. Rede gehalten am 22. Januar 1956 in Bozen, Bozen 1956, 48 Seiten.

6 Brief von Flor an Scoccimarro vom 1. Februar 1956, in: Südtiroler Landesarchiv, Nachlass Silvio Flor, lfd. Nr. 122.

7 Siehe L’Unità [Milano, edizione nazionale], 28. Januar 1925, S. 4.

8 Siehe Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, 4. Aufl. München 2009, S. 409.

9 Siehe Gerald Echterhoff: Das kommunikative Gedächtnis, in: Christian Gudehus/Ariane Eichenberg/Harald Welzer (Hg.): Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart 2010, S. 102–108.

10 Siehe Helmut König: Das Politische des Gedächtnisses, in: Gudehus/Eichenberg/Welzer (Hg): Gedächtnis und Erinnerung (Anm. 9), S. 115–118.

11 Siehe Siegfried Kracauer: Geschichte – Vor den letzten Dingen. Werke. Band 4, Frankfurt a. M. 2009, S. 103–110.

12 Siehe Klara Rieder: Silvio Flor. Autonomie und Klassenkampf. Die Biografie eines Südtiroler Kommunisten, Bozen 2007, S. 17 u. 25.

13 Zum Briefwechsel Adlers mit Andreas Scheu siehe Peter Goller: »Während der Schlacht ist es schwer, Kriegsgeschichte zu schreiben ...«. Geschichtsschreibung der österreichischen Arbeiterbewegung bis 1934, Wien 2009, S. 19–26.

14 Siehe Martin Rapoldi: Unser Aufstieg. Dreißig Jahre Arbeit auf steinigem Boden. Die Entwicklung der Sozialdemokratischen Partei in Tirol, achtseitige Broschüre, bearbeitet von A. Aricochi, Innsbruck 1924, S. 1–7.

15 Siehe Werner Hanni: Zur Geschichte der Arbeitskämpfe in Tirol und Vorarlberg von 1870–1918, unveröffentlichte Dissertation, Innsbruck 1983, S. 569.

16 Siehe Gerhard Oberkofler: Die erste internationale Arbeiterkundgebung zum 1. Mai 1889 [sic!, 1890] in Tirol, in: Südtiroler Panorama [Bozen], Juli-Ausgabe 1978, S. 4.

17 Siehe ders.: Die Tiroler Arbeiterbewegung, 2. Aufl. Wien 1986, S. 146 f. Horst Schreiber: Die Geschichte der Tiroler Sozialdemokratie im Überblick, in: Rainer Hofmann/ders. (Hg.): Sozialdemokratie in Tirol. Die Anfänge, Krailing 2003, S. 24.

18 Zur sozialdemokratischen »Volkszeitung« in Tirol siehe Zeitungsbestände der Universitätsbibliothek Innsbruck.

19 Siehe Günther Rauch: Die schwarzen Jahre (1920–1923), Bozen 1978, S. 7.

20 Siehe Eric Hobsbawm: Mass-Producing Traditions: Europe, 1870–1914, in: ders./Terence Ranger (Hg.): The Invention of Tradition, 8. Aufl. Cambridge 2000, S. 264 f. Laurence Cole: Vom Sonderfall zum europäischen Normalfall? Zur kollektiven Identitätsbildung in Tirol um 1809, in: Marco Bellabarba u. a. (Hg.): Eliten in Tirol zwischen Ancien Régime und Vormärz, Innsbruck u. a. 2010, S. 139–141. Hans Heiss: La Nazione lontana. Tirolo e Trentino di fronte all’unità d’Italia [Die weit entfernte Nation. Tirol und Trentino vor dem Hintergrund der Einigung Italiens], in: Studi Trentini. Storia 90 (2011), H. 2, S. 349–360.

21 Siehe Raimund Löw: Der Zerfall der »Kleinen Internationale«. Nationalitätenkonflikte in der Arbeiterbewegung des alten Österreich (1889–1914), Wien 1984, S. 177–182. Marina Cattaruzza: Sozialisten an der Adria. Plurinationale Arbeiterbewegung in der Habsburgermonarchie, Berlin 2011, S. 170–176.

22 Siehe Claus Gatterer: Innsbruck wird das Herz und Hirn Tirols bleiben, in: Michael-Gaismair-Gesellschaft (Hg.): Claus Gatterer. Aufsätze und Reden, Bozen 1991, S. 120.

23 Siehe L’Unità [Milano, edizione nazionale], 28. Januar 1925, S. 4 u. 14. April 1926, S. 2. Zu bestehenden Ortsgruppen in Meran und Bozen mit jeweils 18 Mitgliedern im Jahr 1923 siehe Palmiro Togliatti: La formazione del gruppo dirigente del Partito comunista italiano nel 1923–24 [Die Zusammensetzung der Führungsgruppe der Kommunistischen Partei Italiens 1923–24], Roma 1971, S. 367.

24 Siehe Stefan Lechner: Die Erste Option. Die Vergabe der italienischen Staatsbürgerschaft an die Südtiroler in Folge der Annexion 1920, in: Hannes Obermair/Stephanie Risse/Carlo Romeo (Hg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung, Wien u. a. 2012, S. 232.

25 Siehe Hermann Atz: Verschobene Grenzen. Strukturwandel und ethnische Arbeitsteilung, in: Anton Holzer u. a. (Hg.): Nie nirgends daheim. Vom Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen in Südtirol, Bozen 1991, S. 155–164.

26 Siehe Leopold Steurer: I Flor. Approccio biografico tra scienza e utopie concrete [Die beiden Flor. Eine biografische Annäherung zwischen Wissenschaft und konkreten Utopien], in: Quinto Antonelli/Diego Leoni (Hg.): Se non c’è Amore che Storia è? [Wenn keine Liebe dabei ist, welche Geschichte ist es dann?], Rovereto 2008, S. 207–210. Joachim Gatterer: »Alles geben, nichts erwarten!«. Die Kommunistische Partei Italiens in der Provinz, in: Obermair/ Risse/ Romeo (Hg.): Regionale Zivilgesellschaft (Anm. 24), S. 304 f.

27 Edizioni di Coltura Sociale (Hg.): Il IV congresso del Partito comunista d’Italia [Der IV. Kongress der Kommunistischen Partei Italiens], Paris 1931, S. 15 u. 81 f. L’Unità [Milano, edizione settentrionale], 14. September 1945, S. 1. Zur militärstrategischen Bedeutung Tirols lieferte Friedrich Engels bereits 1859 eine ausführliche Analyse. Friedrich Engels: Po und Rhein, in: Karl Marx/ders.: Werke. Band 13,7, Berlin 1961, S. 225–268. Einen Überblick über die marxistische Theoriedebatte zur Nationalitätenfrage gibt John Schwarzmantel: Marxist Theories on Nation Building and the Collapse of Communism, in: Winfried R. Garscha/Christine Schindler (Hg.): Arbeiterbewegung und nationale Identität (= ITH-Tagungsberichte, Bd. 30), Wien 1994, S. 35–54.

28 Siehe Rauch: Die schwarzen Jahre (Anm. 19), S. 28–30 u. 33.

29 Siehe Bruno Groppo/Filippo Focardi: The Changing Memories of World War II and the Resistance in Italy and France: A Comparative View, in: Jürgen Mittag/Berthold Unfried (Hg.): Arbeiter- und soziale Bewegungen in der öffentlichen Erinnerung. Eine globale Perspektive (= ITH-Tagungsberichte, Bd. 45), Wien 2011, S. 80.

30 Der Nachlass der PCI-Landessektion Südtirol für die Jahre nach 1945 ist heute im Besitz der Stiftung Fondazione Istituto Gramsci in Rom (im Folgenden: FIG). Für die Zwischenkriegszeit finden sich Überwachungsakten zu Südtiroler Kommunisten im Bestand Casellario Politico Centrale des Archivio Centrale dello Stato in Rom. Zu Silvio Flor existieren Akten in Moskauer Kominternbeständen. Hierzu Michael Buckmiller/Klaus Meschkat (Hg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte der Kommunistischen Internationale, Berlin 2007, beiliegende CD-ROM.

31 Brief von Hans Exenberger an Emmy Haslinger vom 10. Oktober 1969, in: Gemeindeamt Bad Häring, Friedhofsverwaltung. Grab Gebhard Haslinger.

32 Siehe Claus Gatterer: Unter seinem Galgen stand Österreich. Cesare Battisti. Portrait eines Hochverräters, Wien u. a. 1967, S. 106–110.

33 Michael Gehler: Eduard Reut-Nicolussi und die Südtirolfrage 1918–1958, Bd. 1, Innsbruck 2007, S. 50 f.

34 Volksrecht [Bozen], 26. April 1922, S. 1.

35 Siehe Rauch: Die schwarzen Jahre (Anm. 19), S. 33.

36 Zur Italianisierungspolitik siehe Stefan Lechner: Die Eroberung der Fremdstämmigen. Provinzfaschismus in Südtirol, Innsbruck 2005, S. 388–404.

37 Siehe Leo Hillebrand: Getrennte Wege. Die Entwicklung des ethnischen Mediensystems in Südtirol, in: Günther Pallaver (Hg.): Die ethnisch halbierte Wirklichkeit. Medien, Öffentlichkeit und politische Legitimation in ethnisch fragmentierten Gesellschaften, Innsbruck u. a. 2006, S. 41.

38 Siehe Peter Goller/Georg Tidl: »Jubel ohne Ende ...!« Die Universität Innsbruck im März 1938, Wien 2012, S. 125 f.

39 Die »Katakombenschulen« entstanden unmittelbar nach Verbot des deutschsprachigen Schulunterrichts im Jahr 1923. Der Begriff wurde von ihrem Hauptinitiator, dem Geistlichen Kanonikus Michael Gamper, in Anlehnung an die antiken Christenverfolgungen geprägt. Schulunterricht erhielten Kinder dabei illegal, in privaten Verstecken, ergänzend zum italienischen Pflichtschulunterricht. Materielle und didaktische Hilfestellung boten deutschnationale Schulvereine, vor allem der »Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA)«. Ab Mitte der Dreißigerjahre unterhielt der nationalsozialistische »Völkische Kampfring Südtirols (VKS)« eigene illegale Deutschkurse, die 1939, mit Abschluss des Umsiedlungsabkommens zwischen Hitler und Mussolini, für Auswandererkinder legalisiert wurden. 1943 führte die nationalsozialistische Besatzung deutschen Schulunterricht wieder flächendeckend ein; die italienische Schule faschistischen Typs blieb formal bestehen, geriet bis Kriegsende aber ins Hintertreffen. Siehe Rolf Steininger: Südtirol im 20. Jahrhundert. Vom Leben und Überleben einer Minderheit, 3. Aufl. Innsbruck u. a. 2004, S. 144–150. Rainer Seberich/Claus Conrad: Das Südtiroler Schulwesen im Schatten des Großdeutschen Reiches, in: Gerald Steinacher (Hg.): Südtirol im Dritten Reich 1943–1945, Innsbruck u. a. 2003, S. 61–72.

40 Siehe Thomas Hugh: Cuba. A History, London u. a. 2010, S. 908 f. Seberich/Conrad: Das Südtiroler Schulwesen im Schatten des Großdeutschen Reiches (Anm. 39), S. 79.

41 Kreisky zitiert nach Günther Pallaver: Bruno Kreisky, Pate der Südtirolautonomie, in: Frank Deppe/Wolfgang Meixner/ders. (Hg.): Widerworte. Festschrift für Jörg Becker, Innsbruck 2011, S. 169. Siehe auch Bruno Kreisky: Im Strom der Politik. Der Memoiren zweiter Teil, Wien 1988, S. 152.

42 Goller/Tidl: »Jubel ohne Ende ...!« (Anm. 38), S. 13 u. 204.

43 Siehe S. Gassmayer [Pseud. Silvio Flor]: La Questione del Tirolo Meridionale [Die Südtirolfrage], in: Lo Stato Operaio. Rassegna di politica proletaria 3 (1929), H. 2, S. 132–146. Junius [Pseud. Silvio Flor]: Um Südtirols Befreiung, in: Günther Pallaver/Gerhard Oberkofler (Hg.): Für Brot, Arbeit und Freiheit. Dokumente zur Zeitgeschichte Südtirols, Bozen 1985, S. 50–79.

44 Siehe Martha Verdorfer: Geschichte und Gedächtnis. Die Erinnerung an die Option von 1939, in: Günther Pallaver/Leopold Steurer (Hg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol, Bozen 2011, S. 376–380.

45 Siehe Friedrich Stepanek: Südtiroler im Kampf für die Spanische Republik, in: Der Schlern 86 (2012), H. 12, S. 4–25.

46 Die ersten fünf Ausgaben der Zeitschrift »Der Südtiroler« (1951–1953) kosteten die Partei »beinahe eine Million Lire«. Ispezione a Bolzano per l’esame della situazione del Suedtiroler (10–11 dicembre 1951) [Inspektion in Bozen zur Prüfung der Situation rund um den »Südtiroler« (10. bis 11. Dezember 1951)], in: FIG, Fondo PCI, Regioni e Province, Anno 1951, MF 0335, Pagg. 1191–1193.

47 Ispezione Federazione Bolzano [Inspektion der Provinzsektion Bozen]. Dokument vom Juni 1949, in: FIG, Fondo PCI, Regioni e Province, Anno 1949, MF 0301, Pag. 0893.

48 Siehe Verdorfer: Geschichte und Gedächtnis (Anm. 44), S. 368–371.

49 Siehe Siegfried Baur: Ethnische Sprech- und Argumentationsmuster, in: Günther Pallaver (Hg.): Die ethnisch halbierte Wirklichkeit. Medien, Öffentlichkeit und politische Legitimation in ethnisch fragmentierten Gesellschaften, Innsbruck u. a. 2006, S. 115.

50 Siehe Giorgio Delle Donne: Storiografia in lingua italiana ed uso pubblico della storia in Alto Adige/Südtirol [Geschichtsschreibung in italienischer Sprache und öffentlicher Umgang mit Geschichte in Alto Adige/Südtirol], in: La Fabbrica del Tempo (Hg.): Il contributo italiano alla storiografia altoatesina [Der italienische Beitrag zur Südtiroler Geschichtsschreibung], Bozen 1998, S. 41. Carlo Romeo: Anerkennung nach langer Zeit. Die schwierigen Beziehungen zwischen dem deutschen und italienischen Widerstand in Südtirol, in: Pallaver/Steurer (Hg.): Deutsche! Hitler verkauft euch! (Anm. 44), S. 281–306.

51 Claudia Christiane Gatzka: Der »neue Mensch« auf ausgetrampelten Pfaden. Kommunistische Bewährung und politischer Massenmarkt im postfaschistischen Italien, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2012, Berlin 2012, S. 39.

52 Siehe Alcune note su Bolzano [Einige Notizen zu Bozen]. Dokument vom 23. November 1953, in: FIG, Fondo PCI, Regioni e Province, Anno 1953, MF 0403, Pagg. 3198–3200.

53 Siehe Cesare Colombo: Notizie su una provincia di frontiera. L’Alto Adige dal 1918 al 1945 [Aufzeichnungen über eine Grenzregion. Südtirol von 1918 bis 1945], in: Federazione autonoma altoatesina [del PCI] (Hg.): La questione altoatesina ieri e oggi [Die Südtirolfrage gestern und heute], Rom 1981, S. 11–72.

54 Exemplarisch Pier Paolo Pasolini: Canzoniere italiano. Antologia della poesia popolare [Italienische Gedichtsammlung. Eine Anthologie der Volksdichtung], 2. Aufl. Mailand 2006. Feltrinelli hegte Sympathien für die separatistischen Attentäter der Sechzigerjahre, von denen einige vom Kommunisten Sandro Canestrini vor Gericht verteidigt wurden. Giambattista Lazagna brachte 1975 den Justizskandal um den Südtiroler Hans Pircher ins Rollen, der wegen antinazistischer Widerstandsaktionen noch 1954 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war. Nach medialem Aufsehen wurde Pircher vom ital. Staatspräsidenten ein Straferlass gewährt. Gerald Steinacher: Giangiacomo Feltrinelli, ein Flugblatt und Südtirols Bombenjahre, in: Skolast. Zeitschrift der Südtiroler Hochschülerschaft 45 (2003), H. 2, S. 74–80. Sandro Canestrini: Plädoyer. Allgemeiner Teil. Vor dem Ersten Schwurgericht von Mailand, in: Der Mailänder Prozeß. Plädoyers der Verteidigung, Wien u. a. 1969, S. 305–396. Giambattista Lazagna: Der Fall des Partisanen Pircher, Innsbruck 1985.

55 Eine italienische Sozialgeschichte jüngeren Datums verfasste Paolo Valente: Sinigo. Con i piedi nell’acqua. Storia di un insediamento italiano nell’Alto Adige degli anni Venti [Sinich. Mit den Füßen im Wasser. Geschichte einer italienischen Ansiedlung im Südtirol der Zwanzigerjahre], Meran 2010.

56 Vor allem die neu geregelte Zuteilung von öffentlichen Geldmitteln und Beamtenstellen nach »ethnischem Proporz« benachteiligte die nummerisch schwächere italienische Regionalbevölkerung, während sich für deutschsprachige Südtiroler vormals verschlossene Erwerbsbranchen öffneten. Steininger: Südtirol im 20. Jahrhundert (Anm. 39), S. 515–525.

57 Exemplarisch die Geschichte des Josef Gamper aus Lana, der aufgrund seines Engagements in der kommunistisch dominierten Gewerkschaft vom örtlichen Pfarrer öffentlich diffamiert und aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt worden war. Othmar Kiem: Harte Arbeit – karger Lohn. Lebensgeschichten von »Fabriklern« und anderen Lananern, Lana 1995, S. 44. Zu Josef Stecher siehe Gatterer: »Alles geben, nichts erwarten!« (Anm. 26), S. 316 u. S. 324.

58 Cesare Colombo bemängelte 1960 in einem Bericht das »Desinteresse« der italienischen Genossen an den sozialen Problemen vor Ort, stellte aber gleichzeitig fest, dass sich die Südtiroler Genossen nicht für die Herausforderungen des PCI im restlichen Italien interessierten. Cesare Colombo: Riunione C.F. Bolzano, 29 Novembre 1960 [Versammlung Landesleitung Bozen, 29. November 1960], in: FIG, Fondo PCI, Regioni e Province, Anno 1960, MF 0470, Pagg. 2352–2353. Siehe auch Alexander Langer: Wie ich kein Kommunist wurde, in: ders.: Die Mehrheit der Minderheiten, Berlin 1996, S. 32 f.

59 Siehe Günther Pallaver: Südtirol, die Südtiroler Volkspartei und der Kalte Krieg, in: Hans Mikosch/Anja Oberkofler (Hg.): Gegen üble Tradition, für revolutionär Neues, Innsbruck u. a. 2012, S. 174–182.

60 Siehe Flavia Pristinger: Ethnic conflict and modernization in the South Tyrol, in: Charles R. Foster (Hg.): Nations without a State, New York 1980, S. 166–185. Hans Benedikter: Eurokommunismus. Der große Bluff, Bozen 1978, S. 6. Zum Eurokommunismus in Italien siehe Silvio Pons: Berlinguer e la fine del comunismo [Berlinguer und das Ende des Kommunismus], Turin 2006.

61 Siehe die vierteilige Artikelserie von Claus Gatterer: Der Freund stand links (I–IV), in: Forum IX (1962), H. 101–105. Lucio Giudiceandrea: Spaesati. Italiani in Südtirol [In der Fremde. Italiener in Südtirol], Bozen 2006, S. 57–59.

62 Exemplarisch Heinz-Rudolf Othmerding: Sozialistische Minderheitenpolitik am Beispiel Südtirol, unveröffentlichte Dissertation, Hamburg 1984. Für eine umfassende Auflistung der Arbeiten siehe Gatterer: »Alles geben, nichts erwarten!« (Anm. 26), S. 318–321.

63 Siehe Gerhard Oberkofler: Erfahrungen mit der Regionalgeschichtsschreibung der Arbeiterbewegung in Österreich, in: Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung 1981 (= ITH-Tagungsberichte, Bd. 16), bearbeitet von Reinhard Kannonier, Wien 1983, S. 531.

64 Siehe Rieder: Silvio Flor (Anm. 12), S. 5. Das Buch basiert auf einer akademischen Abschlussarbeit aus dem Jahr 1989.

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