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»Es war mir nicht möglich, zu schweigen über das Erlebte.« Über die Bedeutung des Kravčenko-Prozesses 1949 in Paris für die politische Entwicklung Margarete Buber-Neumanns

JHK 2015 | Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung | Seite 161-180 | Metropol Verlag

Autor/in: Sebastian Voigt

Am 23. Februar 1949 betrat Margarete Buber-Neumann den Gerichtssaal der 17. Strafkammer in Paris. Sie war geladen, um in einem Zivilverfahren für den Kläger auszusagen. Als Zeugen der Gegenseite traten unter anderem auf: der Chemie-Nobelpreisträger und Hochkommissar für Atomtechnologie Frédéric Joliot-Curie, der ehemalige Résistance-Kämpfer und Schriftsteller Jean Bruller, der unter dem Pseudonym Vercors mit seinem 1942 verfassten Roman Le silence de la mer (Das Schweigen des Meeres) international bekannt geworden war, sowie das Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs Roger Garaudy. Im Vergleich zu diesen Persönlichkeiten schien Margarete Buber-Neumann eher eine Nebenrolle zuzukommen. Eine Annahme, die sich jedoch im Prozessverlauf als falsch herausstellen sollte. Ihre eindringlichen Schilderungen der Zustände in den sowjetischen Lagern, der stalinistischen Verbrechen, ihrer Auslieferung durch den NKWD an Deutschland im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts und der darauf folgenden fünfjährigen Haft im nationalsozialistischen Konzentrationslager Ravensbrück hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Anwesenden. Sowohl der Richter, die zahlreichen Pressevertreter als auch die Zuschauer – darunter Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Arthur Koestler – waren stark berührt. Bei dem Verfahren handelte es sich um eine Verleumdungsklage des ehemaligen sowjetischen Diplomaten Viktor Kravčenko gegen die beiden Redakteure der kommunistischen Zeitung Les Lettres françaises André Wurmser und Claude Morgan.1

In der Rückschau, so die hier vertretene These, erweist sich der Prozess als einschneidend für die politische Entwicklung Margarete Buber-Neumanns. Durch ihre Zeugenaussage kratzte sie am moralischen Nimbus, der der Sowjetunion aufgrund ihrer Rolle bei der Zerschlagung des Nationalsozialismus und der Befreiung von Konzentrations- und Vernichtungslagern seinerzeit weit über die kommunistischen Parteien hinaus in Westeuropa zugesprochen wurde. Dadurch erlangte Buber-Neumann internationale Bekanntheit. Seitdem intensivierte sie erfolgreich ihre Bemühungen, einer größeren Öffentlichkeit ihr Schicksal darzulegen, in dem sich viele Aspekte der Geschichte des Kommunismus spiegeln. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1989 blieb Buber-Neumann eine engagierte Intellektuelle.

Im Folgenden werden zunächst auf Basis des Nachlasses von Margarete Buber-Neumann im Frankfurter Exilarchiv der Hintergrund und die Bedeutung des Kravčenko-Prozesses erläutert. Ohne diese Gerichtsverhandlung und ihre Implikationen ist Buber-Neumanns Wandlungsprozess von einer linkssozialistischen zu einer rechtskonservativen Antikommunistin nicht zu verstehen. Die Forschung zu Margarete Buber-Neumann behandelt den Prozess bislang eher am Rande. Er markiert jedoch ein formatives Ereignis mit Blick auf die Quintessenz ihrer historischen Erfahrungen und selbst auferlegten Verpflichtungen: »Es war mir nicht möglich, zu schweigen über das Erlebte.«2 Der Kravčenko-Prozess bot Margarete Buber-Neumann erstmalig die Möglichkeit, ihr Schweigen öffentlichkeitswirksam zu brechen.

Der Pariser Prozess

Der eigentliche Protagonist des Prozesses, Viktor Kravčenko, war als Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Washington D.C. für die sogenannte Einkaufskommission tätig gewesen, die sich im Zweiten Weltkrieg vor allem mit dem Erwerb von Waffen befasste. Am 1. April 1944 erläuterte er einem amerikanischen Journalisten seine Motivation zum Überlaufen. Wenige Tage später berichtete die New York Times auf der Titelseite über die Flucht und druckte die Erklärung Kravčenkos, sich von nun an unter den Schutz der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten von Amerika zu begeben.3 Das Überlaufen eines sowjetischen Beamten war 1944 eine äußerst heikle Angelegenheit, die zu einer Belastungsprobe im Verhältnis der beiden damals in der Anti-Hitler-Koalition verbündeten Staaten hätte werden können. Die sowjetische Botschaft gab zunächst für einige Tage keinerlei Stellungnahme ab. Die kommunistische Zeitung Daily Worker beschimpfte Kravčenko aber als »trotzkistischen Verräter«, der im Auftrag Hitlers handele.4

Nichtsdestotrotz gewährten die Vereinigten Staaten von Amerika Kravčenko politisches Asyl. Zwei Jahre später, 1946, rechnete er in Ich wählte die Freiheit mit der Sowjetunion ab.5 Als Ingenieur war er Zeuge der Hungersnot in der Ukraine geworden und hatte die Verhältnisse in den Arbeitslagern beobachtet. Die französische Übersetzung seines Buches erschien wenig später. Am 13. November 1947 veröffentlichte Les Lettres françaises schließlich auf der Titelseite das Pamphlet Comment fut fabriqué Kravchenko (Wie Kravcˇenko gemacht wurde) von Sim Thomas.6 Der Autor warf Kravčenko vor, das Buch nicht selbst verfasst zu haben, vielmehr ein Agent des amerikanischen Geheimdienstes, ein Vaterlandsverräter und Alkoholiker zu sein. Daraufhin strengte der Beschuldigte eine Verleumdungsklage an. Nach einigen Verzögerungen begann der gut zwei Monate dauernde Prozess Ende Januar 1949 in Paris.7 Die angeklagten Redakteure, Claude Morgan und André Wurmser, die statt des Autors vor Gericht erschienen, erfuhren nicht nur tatkräftige Unterstützung durch hohe Sowjetfunktionäre, sondern auch durch die frühere Ehefrau Kravčenkos. Sie prangerte die vermeintlichen charakterlichen Schwächen ihres Ex-Gatten an. Außerdem traten ehemalige Widerstandskämpfer und angesehene französische Intellektuelle für die Angeklagten auf. Kravčenko hingegen lud vor allem emigrierte Opfer des stalinistischen Terrors vor, die als Displaced Persons in Westeuropa lebten und äußerlich zumeist verwahrlost erschienen. Daneben hatten Kravčenkos Anwälte Margarete Buber-Neumann gebeten, als Zeugin nach Paris zu kommen. In einer nachträglichen Reflexion beschrieb sie die Situation folgendermaßen: »Als ich in Paris ankam, sah ich zu meinem Erstaunen, dass mich Kravčenko offensichtlich nicht erwartet hatte. Auf jeden Fall hatte er mich nicht nach dort rufen lassen. Auch war ich nicht aus eigener Initiative gefahren, sondern Freunde hatten meinen Namen an die Advokaten weitergegeben. Das ließ mich meine Aussage wesentlich unbeschwerter machen.«8 Das Buch Kravčenkos hatte Margarete Buber-Neumann bereits in Schweden gelesen, als sie gerade an ihrer Autobiografie Als Gefangene bei Stalin und Hitler arbeitete. Die Lektüre bewegte sie tief, hinterließ aber einen ambivalenten Eindruck.9 So sehr ihre eigenen Erfahrungen sich mit den Schilderungen des Autors deckten, so unzureichend erschienen ihr diese: »Denn Kravčenko konnte nur von den Leiden der russischen Bevölkerung berichten, die sich noch in zweifelhafter Freiheit befand. Den Augenzeugenbericht über die Sklavenlager des europäischen und asiatischen Russland konnte er nicht liefern. Über das Schicksal der unzähligen gläubigen ausländischen Kommunisten, die begeistert in das Paradies des Proletariats fuhren, um zu Tausenden in den Kellern der Gefängnisse oder in Sibirien zugrunde zu gehen, konnte er nichts aussagen. Seine Berührung mit dem komplizierten Apparat des NKWD war eine viel zu oberflächliche, um über dessen Wirksamkeit eine erschöpfende Aussage zu machen.«10 Um diesen Mangel zu beheben, habe sie ihr eigenes Buch zügig beendet und sei der Aufforderung zur Aussage in dem Prozess nachgekommen.

Die Zeugenaussage Buber-Neumanns

Im Zeugenstand am 23. Februar 1949 befragten die beiden Anwälte Kravčenkos Buber-Neumann zu ihren Erlebnissen in der Sowjetunion. Sie begann ihre Aussage mit folgenden Worten: »Ich bin als Zeugin hierher gekommen, weil ich fünf Jahre als deutsche Kommunistin in Sowjetrussland war und am eigenen Leib zu spüren bekam, wie das Stalinregime ist.«11 Sie schilderte ihren Werdegang als 1901 in Potsdam geborene Tochter aus gutbürgerlichem Hause, die über die Jugendbewegung zum Kommunistischen Jugendverband kam, dem sie von 1921 bis 1926 angehörte.12 Damals war sie noch mit Rafael Buber, dem Sohn Martin Bubers, verheiratet. Die Ehe, aus der auch zwei Töchter hervorgingen, wurde jedoch Ende der 1920er Jahre geschieden. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) lernte sie bei ihrer Arbeit für Inprekorr, der Zeitschrift der Kommunistischen Internationale, Heinz Neumann kennen, Reichstagsabgeordneter und führendes Mitglied im KPD-Politbüro. Wenig später wurden sie ein Paar und heirateten kurz darauf. Als seine Ehefrau traf Margarete Buber-Neumann nahezu alle wichtigen Persönlichkeiten der internationalen kommunistischen Bewegung jener Jahre.13 Der rasante Aufstieg Heinz Neumanns in der KPD vollzog sich zur Zeit des sogenannten ultralinken Kurses. Sein bedingungsloses Vorgehen gegen parteiinterne Abweichler und seine kompromisslose Agitation gegen die als »Sozialfaschisten« diffamierten Sozialdemokraten machten ihn zum »Sprachrohr Stalins«.14 Darüber hinaus befürwortete Neumann die Politik der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO), die auf die Spaltung des mehrheitlich sozialdemokratischen und reformorientierten Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) abzielte. Hierfür nahm die KPD auch eine Zusammenarbeit mit der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) in Kauf.15

Die Veränderung der sowjetischen Außenpolitik ließ Neumann schließlich in Ungnade fallen. Neben der Sozialfaschismustheorie hatte er nämlich auch den Kampf gegen den Nationalsozialismus propagiert und die Parole »Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft« geprägt. Die Haltung der Sowjetunion gegenüber dem Nationalsozialismus wurde aber zunehmend pragmatisch. So habe sich Stalin im Dezember 1931 mit den Worten an Neumann gerichtet: »Glauben Sie nicht, Genosse Neumann, dass der Nationalsozialismus, falls er in Deutschland die Macht übernimmt, so sehr mit dem Westen beschäftigt sein wird, dass wir in Ruhe den Sozialismus in Russland aufbauen können.«16 Die Komintern enthob Heinz Neumann zunächst aufgrund dieser Meinungsverschiedenheiten im April 1932 aller Funktionen und beorderte ihn nach Moskau zurück, sandte ihn dann 1933 für ein knappes Jahr nach Spanien und schließlich 1934 nach Zürich. Dort nahm die Polizei Neumann und seine Ehefrau fest. Sie liefen nun Gefahr, ins nationalsozialistische Deutschland abgeschoben zu werden.17 Die Schweizer Behörden verweigerten sich aber letztlich dem Gesuch des NS-Regimes. Das Ehepaar reiste daraufhin im Mai 1935 auf Anordnung der Komintern in die Sowjetunion, wo es zusammen mit vielen anderen ausländischen Kommunisten im Moskauer Hotel Lux logierte.18 Im Zuge der Großen Säuberung des Jahres 1937 wurde Heinz Neumann vom NKWD verhaftet und zum Tode verurteilt. Margarete Buber-Neumann bemühte sich, Informationen über den Verbleib ihres Mannes zu erhalten, war jedoch lange über sein Schicksal im Unklaren. Frühzeitig vermutete sie, dass er ermordet worden war.19 Sie selbst wurde im April 1938 vom Geheimdienst verhaftet und nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt in das Lager Karaganda nach Kasachstan deportiert. Als Grund für die Verhaftung nannte Buber-Neumann vor dem Pariser Gericht ihre »konterrevolutionären« Aktivitäten in der KPD 1931/32. Der Richter bohrte nach, worum es sich dabei genau gehandelt habe, schließlich sei es doch nicht möglich, ohne konkreten Vorwurf und spezifische Taten verhaftet zu werden. Buber-Neumann wiederholte daraufhin ihre Antwort: »Der Ermittlungsrichter hat mich niemals mit präzisen Tatsachen konfrontiert, sondern nur mit meiner oppositionellen Haltung in der Kommunistischen Partei Deutschland.«20 Mehrere Presseartikel zitierten diese Aussage als Beleg dafür, wie weit die westliche und die sowjetische Vorstellung von Gerechtigkeit auseinander lägen.21

Das Lager Karaganda sei doppelt so groß wie Dänemark gewesen, führte Margarete Buber-Neumann in der Vernehmung weiter aus. Sie habe dort die Zustände in den stalinistischen Arbeitslagern zwei Jahre lang am eigenen Leib erfahren. Maître Blumel, der einzige nicht-kommunistische Anwalt der Angeklagten und ehemalige Kabinettsleiter des sozialistischen Präsidenten Léon Blum, bezweifelte, dass es sich bei dieser Größe um ein Lager gehandelt habe: »Ich stelle eine Frage, um zu verstehen: Ist dieser Platz eingezäunt? Gibt es dort eine Mauer?« Buber-Neumann verneinte, wies aber darauf hin, dass sie in einer riesigen Steppe gelebt hätten, die von NKWD-Truppen durchgekämmt worden sei. »Also«, fuhr der Anwalt fort »[...] ist es kein Lager, im Französischen nennt man dies ein Gebiet. [...] Ein französisches Lager ist ein Ort, wo es Mauern gibt. Das nennt man in Frankreich einen Zwangsaufenthaltsort.«22 Der Anwalt intendierte, die Glaubwürdigkeit Buber-Neumanns zu untergraben. Deshalb hielt er ihr vor dem Hintergrund einer verbreiteten antinazistischen Stimmung in der Nachkriegsgesellschaft mehrmals vor, die Sowjetunion mit dem nationalsozialistischen Deutschland gleichzusetzen. Dadurch beschmutze sie die Rolle der Roten Armee bei der Zerschlagung des NS-Regimes und damit auch bei der Befreiung Frankreichs.

Buber-Neumann hielt der konfrontativen Befragung stand. Mit der Schilderung ihres weiteren Schicksals schockierte sie das im Saal anwesende Publikum und die Anwälte. Nach zwei Jahren im kasachischen Lager lieferte die Sowjetunion sie im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts an das nationalsozialistische Deutschland aus. Zusammen mit einer Gruppe von circa 30 Personen wurde sie an einer Brücke bei Brest-Litowsk vom NKWD an die Gestapo übergeben.23 Drei Gefangene hätten sich der Abschiebung widersetzt, ein ungarischer Jude namens Bloch, ein junger Arbeiter aus Leipzig, der vom NS-Regime zum Tode verurteilt worden war, und ein deutscher Lehrer: Alle seien mit Gewalt über die Brücke getrieben worden. Die ebenfalls anwesenden SS-Männer hätten sie sofort ihre Wut und Brutalität spüren lassen.

Als deutsche Soldaten die Identität der überstellten Personen überprüften und auf die Ehefrau von Heinz Neumann stießen, gingen sie davon aus, dass sie eine Agentin des NKWD oder der Komintern sein müsse. Deshalb verhörte die Gestapo Margarete Buber-Neumann tagelang im Berliner Hauptquartier, bevor sie ins Konzentrationslager nach Ravensbrück gebracht wurde. Dort war Buber-Neumann die nächsten fünf Jahre eingesperrt, bis ihr kurz vor der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee die Flucht gelang, die sie wagte, um nicht wieder den Sowjets in die Hände zu fallen.24

Buber-Neumann war der lebende Beweis dafür, dass Stalin aus machtpolitischen Gründen Hunderte deutscher Kommunisten an das NS-Regime und damit in ihren fast sicheren Tod hatte ausliefern lassen. Damit wurde das Image der antifaschistischen Sowjetunion grundlegend erschüttert. Die Zentralität dieses Aspekts belegen auch die Reaktionen der Presse nach Buber-Neumanns Zeugenaussage.25 So schrieb der Spiegel in einer längeren Reportage: »Es war einer der Höhepunkte des Prozesses, als Frau Neumann, die auch die Schwiegertochter des deutschen Philosophen Buber war und die heute in Stockholm lebt, am Abend des 14. Verhandlungstages ihre Aussage machte. [...] Sie enthüllte auch, wie die Bolschewiken sie 1940 – zur Zeit des deutsch-russischen Nichtangriffspaktes – zusammen mit anderen Kommunisten den Nazis auslieferten.«26

Die kommunistischen Zeitungen diskreditierten die Zeugin weiter, indem sie auf den vermeintlich fragwürdigen moralischen Lebensstil Buber-Neumanns verwiesen, die schon mehrmals verheiratet war. Außerdem wurde immer wieder angedeutet, dass sie wohl zu Recht in der Sowjetunion als Agentin inhaftiert gewesen sei und mit dem NS-Regime kooperiert habe. So druckte beispielsweise das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Frankreichs, L’Humanité, nach der Befragung einen Artikel, in dem Buber-Neumann als Trotzkistin und antisowjetische Provokateurin beschrieben wird. Kravčenko hingegen wurde als Deserteur diffamiert.27 Wenig später, am 14. März 1949, schrieb die kommunistische Niedersächsische Volksstimme: »Heute setzt Frau Buber-Neumann, die in Wirklichkeit weder Buber noch Neumann heißt, ihre anti-sowjetischen Provokationen fort. Gestern stand sie im Dienste der amerikanischen Imperialisten. Immer arbeitet sie für die Feinde der Demokratie und des Sozialismus, für die Kriegshetzer. Das ist das Schicksal der Trotzkisten, das Schicksal aller Renegaten des Kommunismus.«28

Allerdings verfehlte die Verleumdungsstrategie ihr Ziel. Das Gericht sprach Viktor Kravčenko am 4. April 1949 letztlich eine Entschädigung von 150 000 Francs zu, wohingegen die Angeklagten André Wurmser und Claude Morgan jeweils zu einem Bußgeld von 5000 Francs verurteilt wurden. Diese Summe lag zwar weit unter der ursprünglichen Forderung des Klägers, aber dennoch markierte der Prozessausgang einen symbolischen Sieg: Ein Einzelner hatte das einflussreiche kommunistische Establishment in Frankreich herausgefordert und – trotz aller Unterstützung der Gegenseite durch die Sowjetunion – juristisch besiegt.29 Auch die zweite Strafkammer in Paris bestätigte das Urteil im Berufungsprozess Ende 1949.

Es erwies sich für die weitere Entwicklung Margarete Buber-Neumanns als bedeutsam, dass sie durch ihre Zeugenaussage im Kravčenko-Prozess weltweit bekannt geworden war. Dadurch eröffneten sich ihr neue Möglichkeiten der politischen Tätigkeit. Ihr Auftritt in Paris verlieh ihren Aktivitäten große Aufmerksamkeit. Ihre Aussagen hatten enthüllt, dass das stalinistische Russland deutsche Kommunisten an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert hatte. Ihre Schilderung schürte selbst bei einigen kommunistischen Intellektuellen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Ideologie.30 In der ersten Ausgabe der von ihr neu gegründeten Zeitschrift Aktion beschrieb Buber-Neumann den Pariser Prozess als wichtige Motivation für ihr Engagement: »Die Kommunisten waren zahlreich erschienen. Sie empfingen jeden einzelnen der Zeugen Kravčenkos mit dem gleichen stereotypen Gebrüll: ›Kollaborateur! Spion! Vaterlandsverräter!‹ [...] Es war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens, als den kommunistischen Zuhörern bei meiner Geschichte das Geschrei im Halse stecken blieb. Einige aus dieser ritterlichen Phalanx haben bald darauf die Konsequenzen gezogen. [...] Hier in Paris, angesichts der heulenden Derwische, angesichts der intelligenten, in ihrem Fach jeweils bedeutenden Europäer, die trotz aller Enthüllungen bereitwillig den Ungeist verteidigten, hier erkannte ich, dass ein Privatleben eine Vermessenheit wäre in dieser Zeit. Ich habe damals erlebt, dass Kommunisten ihre Parteibücher zerrissen, als sie hörten, Stalin habe politische Emigranten an Hitler ausgeliefert. Die Welt weiß immer noch zu wenig.«31

Margarete Buber-Neumann kam durch ihren Auftritt in engeren Kontakt mit anderen ehemaligen Kommunisten, allen voran Arthur Koestler, der dem Kravčenko-Prozess als Zuschauer beigewohnt hatte. So beteiligte sie sich auch an der Gründung des Kongresses für kulturelle Freiheit (KKF).32 Als Reaktion auf die Aktivitäten des prosowjetischen Kongresses der Kulturschaffenden zum Schutze des Friedens schlossen sich antitotalitäre Intellektuelle unterschiedlicher politischer Herkunft zu einer losen Bewegung zusammen. Eine wichtige Rolle spielten dabei frühere Kommunisten wie Arthur Koestler und Manès Sperber. Auch der Italiener Ignazio Silone, der Brite Stephen Spender und der Afro-Amerikaner Richard Wright waren entweder Mitglieder der Kommunistischen Partei oder Sympathisanten gewesen.33 Der erste KKF tagte Ende Juli 1950 in West-Berlin.34 Nicht wenige Teilnehmer waren in stalinistischen, faschistischen oder nationalsozialistischen Lagern inhaftiert gewesen. Diese Erfahrungen trugen auch zu dem sich zum ideologischen Kern verdichtenden, moralisch argumentierenden Antitotalitarismus bei.35 Zu Beginn des Kongresses schrieb Buber-Neumann: »Erst wenn die Menschen an ihrer eigenen Haut verspüren mussten, was der Verlust der Freiheit bedeutet, sind sie bereit, für deren Erhaltung mit allen Kräften zu kämpfen.«36 Im Kontext des KKF lernte sie auch David Rousset kennen, der den Kravčenko-Prozess ebenfalls intensiv verfolgt hatte. Die klare Stellungnahme Buber-Neumanns vor Gericht regte ihn im Oktober 1950 zur Gründung der Commission internationale contre le régime concentrationnaire (CICRC, Internationale Kommission gegen das Konzentrationslagerregime) an. Der ehemalige trotzkistische Widerstandskämpfer war nach seiner Verhaftung 1943 durch die Gestapo gefoltert worden und in den Konzentrationslagern Buchenwald und Neuengamme inhaftiert gewesen. Darüber hatte er bereits 1946 L’univers concentrationnaire (Das Konzentrationslager-Universum) und wenig später den Roman Les jours de notre mort (Die Tage unseres Todes) geschrieben.37 Die Kommission gegen die Konzentrationslager widmete sich den Zuständen in der Sowjetunion, aber auch in Jugoslawien, Spanien und Griechenland.38 Nachdem Rousset in Les Lettres françaises als »trotzkistischer Fälscher« verunglimpft worden war, strengte er ebenfalls einen Prozess an und gewann hauptsächlich mithilfe der Aussagen Alexander Weißberg-Cybulskis.39 Außerdem hatte Rousset Margarete Buber-Neumann als Zeugin nach Paris geladen.40

Somit hatte der Kravčenko-Prozess den Weg für eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Stalinismus in Frankreich bereitet. Er stellte einen frühen Markstein der Entwicklung dar, die in den 1970er Jahren zum massiven Bedeutungsverlust des Kommunismus bei französischen Intellektuellen und schließlich in den 1980er Jahren zum Niedergang des Einflusses der Kommunistischen Partei Frankreichs im politischen System führte.41

Die Auswirkungen des Prozesses in der Bundesrepublik

Doch die Nachwirkungen des Kravčenko-Prozesses spürte Buber-Neumann nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Bundesrepublik Deutschland. Besonders die KPD setzte die Diffamierungskampagne fort. Anlässlich der Verurteilung eines vermeintlichen früheren Gestapo-Spitzels in den Reihen der KPD hieß es in den parteieigenen Informationen vom 17. Juli 1949: »Seine Verurteilung als V-Mann hat jetzt die Legende von der Auslieferung durch die GPU zerstört und die Trotzkistin Grete Buber, die heute als amerikanische Agentin arbeitet, wird gut daran tun, in Zukunft andere Romane zu erzählen.«42 Deshalb reichte Buber-Neumann gegen den verantwortlichen Redakteur Ernst Eichelsdörfer vor dem Amtsgericht Frankfurt-Höchst eine Klage wegen übler Nachrede und Beleidigung ein.43 Der Prozess wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt, weil der eigentliche Verfasser des Artikels der KPD-Funktionär, Landtagsabgeordnete und jüdische Kommunist Emil Carlebach war.44 Die Angriffe auf Buber-Neumann verschärfte Carlebach in der Sozialistischen Volkszeitung noch weiter: »Aber das größte Pech hat die Dame Buber damit, dass sie in ihrem Buch [...] offen für die Clique um Tuchatschewski, Jakir, usw. Stellung nimmt, die als Spione und Putschisten für die Hitler-Spionage vor Gericht gestellt, verurteilt und erschossen wurden. [...] Die Sowjetregierung hat diese Bande und ihren gesamten Anhang unschädlich gemacht. Die Rädelsführer und Hauptverbrecher wurden an die Wand gestellt, der Rest dahin geschickt, wo er hingehörte.«45

Carlebach, der selbst jahrelang in Buchenwald inhaftiert gewesen war, rechtfertigte die stalinistischen Säuberungen und implizit die Deportation Buber-Neumanns nach Kasachstan. Die Hauptverhandlung fand im Januar 1951 vor dem Amtsgericht Frankfurt-Höchst statt.46 In dem Prozess trat als Zeuge für Buber-Neumann auch Alexander Weißberg-Cybulski auf, der bereits für David Rousset ausgesagt hatte. Er berichtete von seiner Inhaftierung in der Sowjetunion und der Auslieferung im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts in Brest-Litowsk 1940 an das NS-Regime. Den Verhandlungsverlauf kommentierte die damals bedeutende Neue Zeitung folgendermaßen: »Die Aussagen der Zeugen, die Frau Buber-Neumanns Buch in vollem Umfang unterstützten, zerstörten restlos das Bild der sogenannten fünften Kolonne.«47 Der Prozess machte deutlich, dass auch andere Personen ein ähnliches Schicksal wie Margarete Buber-Neumann durchlitten hatten und von der Sowjetunion an das nationalsozialistische Deutschland ausgeliefert worden waren. Sie war folglich keine subversive Agentin, die im Auftrag einer fremden Macht mithilfe von Lügen und Verleumdungen auf die Zerstörung der Sowjetunion hingearbeitet hat, wie das in der kommunistischen Presse oft verwendete Bild der »fünften Kolonne« suggerierte.

Das Gericht verurteilte Emil Carlebach wegen übler Nachrede und Beleidigung zu 200 DM Strafe, ein Ausgang, der keine der beiden Parteien zufriedenstellte. Sowohl die Klägerin als auch der Angeklagte gingen in Revision. Buber-Neumann kritisierte besonders, dass der Richter die ganze Angelegenheit als Privatsache gewertet und den politischen Kontext ausgeblendet habe. Außerdem kontaktierte sie Benedikt Kautsky, den Sohn des bekannten sozialdemokratischen Politikers Karl Kautsky. Bevor er nach Auschwitz deportiert wurde, hatte er im Konzentrationslager Buchenwald Carlebach als Funktionshäftling erlebt. Trotz großer Bedenken, Wasser auf die Mühlen des reaktionären Antikommunismus zu kippen, erklärte sich Kautsky bereit, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben.48 Er charakterisierte Carlebach als linientreuen Parteifunktionär, der gegen vermeintliche Abweichler mit aller Härte vorgegangen sei und an der Erstellung von Häftlingstransportlisten mitgewirkt habe, was faktisch einem Todesurteil für die Betroffenen gleichgekommen sei. Carlebachs Verleumdungen und Beschimpfungen Buber-Neumanns kommentierte Kautsky folgendermaßen: »Dass Emil Carlebach ohne weiteres imstande ist, die Unwahrheit zu sagen, falls er dies im Interesse seiner Partei für nötig findet, halte ich für absolut sicher. Wenn Carlebach behauptet, es seien aus Russland keine deutschen Kommunisten an die Gestapo ausgeliefert worden, so ist das nicht nur objektiv, sondern zweifellos auch subjektiv unwahr.«49 Doch weder Kautsky noch der ebenfalls als Zeugin geladenen Ex-Kommunistin Ruth Fischer wurde vor Gericht das Wort erteilt.50 Nachdem der ehemalige Buchenwald-Häftling und SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Brill bezeugt hatte, dass Carlebach andere Häftlinge geschlagen habe, wurde er von diesem als bezahlter Agent denunziert. Als der Richter Brill aufforderte, sich zu seiner Tätigkeit für die amerikanische Militärverwaltung zu äußern, fragte dieser empört zurück, ob er sich etwa vor einem sowjetischen Gericht befinde.51 Am 8. Mai 1951 wurde das Urteil aus erster Instanz bestätigt. Beide Parteien legten erneut Berufung ein, aber die nächsthöhere Instanz verwies das Verfahren zurück nach Frankfurt. Das dortige Gericht verurteilte Carlebach im Oktober 1952 doch noch wegen Beleidigung und übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat.52

Seinerzeit verstand sich Margarete Buber-Neumann noch als demokratische Sozialistin und Antikommunistin. Seit 1946 war sie mit führenden Sozialdemokraten in Kontakt.53 Unter anderem hatte sie Kurt Schumacher getroffen und neben Politikern der CDU und FDP sowohl Carlo Schmid als auch Willy Brandt und Otto Suhr als Unterstützer für ihr im Herbst 1951 gegründetes Institut für politische Erziehung in Jagsthausen/Odenwald gewinnen können.54 Bereits ein Jahr zuvor, im Oktober 1950, hatte sie die Gründung des Befreiungskomitees für die Opfer totalitärer Herrschaft angestoßen. Ihre politische Einstellung in den frühen 1950er Jahren brachte Buber-Neumann im Editorial der ersten Ausgabe der Aktion zum Ausdruck: »Ich hatte Zeit und Gelegenheit genug gehabt, den Verfall der kommunistischen Idee zu beobachten. [...] Ich lernte aber auch die Tragödie des gläubigen Kommunisten kennen, der sich gezwungen sieht, den endgültigen Bruch zu vollziehen. Er gehört dann meist – so wie ich – zur sogenannten heimatlosen Linken.«55

Zugleich lehnte Buber-Neumann jede Konzession an die Ostblockstaaten und die Anerkennung der DDR strikt ab. Jegliche Schwäche würde von den Kommunisten ausgenutzt. Deshalb wandte sich Buber-Neumann sowohl gegen einen Pazifismus, der die einseitige Abrüstung der westlichen Staaten forderte, als auch gegen einen Neutralismus des Dritten Weges, der die Bundesrepublik Deutschland zwischen dem kapitalistischen Westen und staatssozialistischen Osten verortete. Derartige Positionen vertrat sie in der Aktion und später in der von Paul Rütti gegründeten Zeitschrift Frei-Sein, die Buber-Neumann ab 1955 mit herausgab.56 Sie entfaltete eine rege Vortragstätigkeit, reiste durch das ganze Land und bald auch ins deutschsprachige Ausland, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Nicht zu schweigen, sondern über ihre eigenen Erlebnisse und sowohl die stalinistischen als auch die nazistischen Verbrechen aufzuklären, begriff sie als ihre eigentliche Aufgabe. Bald musste sie aber die Erfahrung machen, dass die meisten Menschen sich entweder nur für die Lager des Gulag oder nur für die nationalsozialistischen Konzentrationslager interessierten. Die Linke wollte den gesellschaftlich breit verwurzelten und politisch wirkmächtigen Antikommunismus nicht durch Gräuelgeschichten über den Stalinismus befeuern, und die Rechte nutzte die kommunistischen Verbrechen, um die Brutalität des NS-Regimes zu relativieren. Buber-Neumann saß folglich zwischen den Stühlen und war im wahrsten Sinne des Wortes politisch heimatlos.

Zu ihrer zunehmenden Verbitterung dürfte beigetragen haben, dass sie über das weitere Schicksal ihres Ehemannes nach dessen Verhaftung nur Mutmaßungen anstellen konnte. Sie vermutete, dass Herbert Wehner, ehemals Kommunist und Mitglied des Zentralkomitees der KPD, indirekt für den Tod Heinz Neumanns verantwortlich war.57 Ferner witterte sie die Gefahr einer Unterwanderung in wichtigen gesellschaftlichen Organisationen, eine Taktik, die sie selbst in der internationalen kommunistischen Bewegung kennengelernt hatte und die nach 1945 von den realsozialistischen Staaten weiter betrieben wurde. So hielt sie beispielsweise Wehner für einen sowjetischen Agenten und sparte auch sonst nicht mit Kritik an der SPD. Diese Haltung führte bald zum Bruch.58 Auch viele kritische Sozialisten distanzierten sich von Buber-Neumann, als sich konservative und rechte Organisationen für ihre Erfahrungen im stalinistischen Gulag und ihre bedingungslose Opposition gegen den Kommunismus zu interessieren begannen und sie öfter zu Vorträgen einluden.

Ebenso negierte Buber-Neumann selbst bald jede Differenz zwischen dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus. Dabei hatte sie noch 1952 in einem Vortrag vor Studenten in Mainz die Spezifik der nationalsozialistischen Vernichtungslager hervorgehoben, indem sie ausführte, dass diese »obschon von furchtbarer Realität, doch so unvorstellbare Stätten des Grauens [sind], solche Grenzfälle menschlicher Möglichkeiten, dass sie nicht mehr gemessen werden können mit den Maßstäben des tatsächlichen Geschehens allein«.59 Nur einige Jahre später hingegen betonte sie die Identität beider totalitärer Regime. In einem Bericht des Hamburger Abendblatts über einen Vortrag Buber-Neumanns in Hamburg am 13. Juli 1960 wird sie mit folgenden Worten zitiert: »Aufs Haar gleicht der Kommunismus in seiner unmenschlichen Härte der Nazi-Diktatur – mit einem Unterschied: Das Hitlerreich ist vergangen, aber der Kommunismus ist drohende Gegenwart.«60 Die Einschätzung, dass der Kommunismus gefährlicher sei als der Nationalsozialismus, weil die Sowjetunion noch existiere, das NS-Regime aber untergegangen sei, sollte in den folgenden Jahren zu einer weiteren Annäherung Buber-Neumanns an (rechts-)konservative Positionen führen, die Ende der 1960er Jahre aufgrund der veränderten politischen Umstände noch beschleunigt wurde.61

Bereits zehn Jahre zuvor war Buber-Neumann vom KKF angefragt worden, ob sie bereit sei, Berichte über die interne Situation in der Bundesrepublik zu verfassen. Besonderes Augenmerk sollte sie dabei auf die neutralistischen Strömungen und Gruppen legen, die sich gegen die atomare Bewaffnung einsetzten.62 Seit dieser Zeit war Buber-Neumann auch mit dem ehemaligen Kommunisten Erich Wollenberg in Briefkontakt, der nach einer Kritik an der KPD und namentlich an Walter Ulbricht in den frühen 1930er Jahren in Ungnade gefallen war, nachdem Ulbricht zusammen mit Herbert Wehner eine interne Untersuchung gegen Wollenberg angestrengt hatte. Er war in den Besitz einer Rechtfertigungsschrift gelangt, die Wehner im Moskauer Exil angefertigt hatte. In einem Brief vom 17. Januar 1959 schrieb Wollenberg: »Liebe Grete, Ich lese gerade die ›vertrauliche‹ Denkschrift von Herbert Wehner mit den niederträchtigen Angriffen gegen Remmele, Neumann und alle anderen, die zu Wehners Regierungszeit im ZK der KPD von Ulbricht, ihm und der GPU verfolgt und liquidiert wurden.«63 Buber-Neumann sah sich dadurch in ihrer Annahme bestätigt, dass Wehner noch immer ein kommunistischer Agent sein müsse. Seine Befürwortung der Neuen Ostpolitik verstärkte ihre Skepsis. Sie sammelte Material über Wehner, um ihre Vermutung zu untermauern, dass er ein »gesamtdeutscher Ulbricht« werden wolle.64

Ihr kompromissloser Antikommunismus und ihre vehemente Kritik an jeder Annäherung an die DDR brachte Buber-Neumann mehrere Einladungen des überparteilichen Kuratoriums Unteilbares Deutschland. In einem Vortrag über die Auswirkungen von 1968 rechnete sie mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund und anderen Studentenorganisationen ab, die sie für Schrittmacher der kommunistischen Bestrebungen hielt. Wenn ihre Ideologie von dem »Marcuse-Wust« befreit werde, trete ihr marxistisch-leninistischer Kern zum Vorschein.65 Zur Distanzierung Buber-Neumanns von den Achtundsechzigern trugen sicherlich auch die unkritische Begeisterung nicht geringer Teile der Studentenbewegung für nationale Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und die bisweilen ressentimentgeladene Kritik an den Vereinigten Staaten von Amerika bei, die Buber-Neumann als Garantiemacht der Freiheit und einzigen Schutz gegen die sowjetische Bedrohung begriff. Dass die Unterstützung der chinesischen Kulturrevolution oder gar der Roten Khmer in Kambodscha durch deutsche Studenten Buber-Neumann vor dem Hintergrund ihres Lebenswegs mehr als suspekt erschien, liegt auf der Hand.

Sie hielt jedoch auch die Gewerkschaften für kommunistisch infiltriert und hegte den Verdacht, dass die Bundeswehr systematisch unterwandert werde, um die nationale Verteidigungsfähigkeit zu unterminieren. Letztlich mache die kommunistische Subversion auch vor den Kirchen nicht halt. Der Antikommunismus Buber-Neumanns barg bereits frühzeitig verschwörungstheoretische Tendenzen in sich, die sich aus ihren Erlebnissen in der Zwischenkriegszeit herleiteten. Sie wusste aus persönlicher Erfahrung, wie die Komintern agierte, und sie hatte die Skrupellosigkeit erlebt, wenn Menschen sich dem Dienst einer höheren Sache verschrieben. Diese nachvollziehbare Position steigerte sich bei Buber-Neumann aber im Laufe der Jahre zu einer geradezu paranoiden Sicht, die überall Feinde witterte und reale Gefahren für die bundesrepublikanische Gesellschaft nicht mehr von Übertreibungen und Einbildungen zu unterscheiden vermochte.66 Ihre Annäherung an revisionistische Positionen provozierte eine Auseinandersetzung mit Erich Wollenberg, der sich für die Anerkennung der politischen Realitäten und damit der Existenz der DDR aussprach. Eine kritische Haltung erfordere die Anpassung an neue Gegebenheiten. In einem Brief vom 27. März 1971 an Buber-Neumann formulierte er diese Position: »Damals, in den Jahren nach 1945, war es auch meiner jetzigen Meinung nach richtig, die Rückgabe der von Stalin und seinen Satelliten annektierten deutschen Ostgebiete zu verlangen. Jetzt leben und arbeiten in diesen Ostgebieten Millionen russische und polnische Menschen, von denen 60 % bereits dort geboren sind. Heute […] die Oder-Neiße-Grenze und die DDR nicht anzuerkennen, ist meines Erachtens eine verbrecherische Demagogie und gefährdet jede friedliche Regelung in unserem armen Europa ...«67 Er sei eben ein kritischer Kommunist und damit Antistalinist geblieben, während sich Buber-Neumann der CDU/CSU und den Vertriebenenverbänden angenähert habe.

Von der KPD zur CDU

Ihre Ablehnung gegenüber der sozial-liberalen Politik beabsichtigte Buber-Neumann noch öffentlichkeitswirksamer zum Ausdruck zu bringen. Im Jahre 1975 trat sie deshalb dem hessischen Landesverband der CDU bei, der unter dem Vorsitzenden Alfred Dregger als besonders rechts galt.68 Anfang der 1980er Jahre wurde sie auch Mitglied im Bund Freiheit der Wissenschaft und revidierte ihren Kirchenaustritt von 1926.69 Zu ihren Geburtstagen erhielt Buber-Neumann Ehrungen von CDU-Parteigremien und besonders von der Presse aus dem Springer-Verlag. 1981 wurde ihr das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.70 Nach ihrer Einstellung gefragt, antwortete sie: »Ich bin konservativ und Mitglied der CDU.«71

Für die wenigen Linken, die sich überhaupt noch mit Buber-Neumann befassten, war ihr Engagement für den CSU-Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß, den sie als Hauptantagonisten von Herbert Wehner sah, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.72 Eine Annäherung an die CSU hatte sich bereits im Laufe der 1970er Jahre angebahnt, nachdem Buber-Neumann einen Artikel im Bayernkurier zu einer WDR-Dokumentation über das Hotel Lux in Moskau publiziert hatte, in der Wehner, aber nicht sie selbst zu Wort gekommen war.73

Aufgrund ihres politischen Wandels wurde Margarete Buber-Neumann von der Linken geschmäht. Eine Beschäftigung mit ihren doppelten Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Stalinismus, also der Inhaftierung im kasachischen Gulag, der Auslieferung an das NS-Regime und der Haft in Ravensbrück, fand selbst bei Linksliberalen kaum noch statt.74 Buber-Neumanns Entwicklung von der linkssozialistischen Antikommunistin, die bereits unmittelbar nach 1945 eine Beschäftigung mit dem stalinistischen Totalitarismus forderte, hin zu einer rechtskonservativen Publizistin, die mit revisionistischen Organisationen kooperierte und anscheinend einer verschwörungstheoretischen Weltsicht verfallen war, machte es ihren Kritikern äußerst einfach, sie schlichtweg zu ignorieren. Diese Abkehr verhinderte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Schicksal Buber-Neumanns in der Linken. Zugleich war jedoch die verbreitete Nichtthematisierung der stalinistischen Verbrechen in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein Grund für Margarete Buber-Neumann gewesen, sich von ihrer politischen Herkunft zu entfernen. Ein nicht geringer Teil der westdeutschen Linken wollte im Kontext des Kalten Krieges nicht der hegemonialen antikommunistischen Stimmung in die Hände spielen und zog es vor, zu schweigen. Diese Haltung war für Buber-Neumann angesichts ihrer persönlichen Erlebnisse unmöglich. Sie erblickte in der schonungslosen Auseinandersetzung mit dem Stalinismus vielmehr eine Prämisse für die Erneuerung einer demokratisch-sozialistischen Position, unabhängig vom gesellschaftlich hegemonialen Antikommunismus. Diese Differenz hinsichtlich des Umgangs mit dem Stalinismus steigerte sich zu einer Entfremdung, die letztlich nicht mehr zu überbrücken war und zum endgültigen Bruch Buber-Neumanns mit der Linken führte.75

Ihre Verbitterung über die inkrementelle Annäherung der Bundesrepublik an die Staaten des Ostblocks, die Verständigungspolitik, aber auch die Liberalisierung der westdeutschen Gesellschaft im Zuge der Achtundsechzigerbewegung schlug sich in einer dogmatischen Verhärtung ihrer Haltung nieder. Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde eine derartige Entwicklung ehemaliger Kommunisten als Möglichkeit antizipiert: »Der bekehrte Kommunist erliegt leicht der Gefahr, zu weit in die entgegengesetzte Richtung zu pendeln. Er neigt dazu, gerade die Dogmen zu übernehmen, um deren Zerstörung es ihm ehemals gegangen war. Seine Enttäuschung ist so groß, dass er bereit ist, seine Bundesgenossen da zu nehmen, wo sie sich ihm bieten. Das ist verhängnisvoll, wenn auch begreiflich.«76 Die Autorin dieser Zeilen ist Margarete Buber-Neumann.

1 Ihre eigene Sicht auf den Kravčenko-Prozess legte Margarete Buber-Neumann im dritten Teil ihrer Autobiografie dar: Margarete Buber-Neumann: »Freiheit, du bist wieder mein …«. Die Kraft zu überleben, München/Wien 1978, S. 241–255. Siehe auch Gisela Rassow: »Weil ich meine Erfahrungen nicht begraben konnte.« Margarete Buber-Neumann, Berlin 2004, S. 123–127.

2 Margarete Buber-Neumann: Mein Weg zur Aktion, in: Die Aktion 1 (1951), H. 1, S. 3–8, hier S. 4.

3 Siehe Soviet Official Here Resigns. Assails »Double-Faced« Policies. Red Official Here Denounces Stalin, in: New York Times vom 4. April 1944.

4 Daily Worker Scores Red for Resignation. Calls Kravchenko a »Petty Traitor« in »Hitler’s Nets«, in: New York Times vom 6. April 1944. Kurz darauf ließ die sowjetische Botschaft in Washington verlautbaren, dass Kravčenko ein Deserteur sei, der dem Dienst in der Armee entgehen wolle, und verlangte die Auslieferung. Siehe Kravchenko Denounced. Soviet Embassy Calls Accuser an Army Deserter, in: New York Times vom 7. April 1944.

5 Englische Originalfassung: Victor Kravchenko: I Chose Freedom, New York 1946. Deutsche Ausgabe: Wiktor Krawtschenko: Ich wählte die Freiheit. Das private und politische Leben eines Sowjetbeamten, Zürich 1947. Das Buch wurde in 22 Sprachen übersetzt. Allein in Frankreich verkauften sich 500 000 Exemplare. Siehe Louis Bodin: Autour de Kravchenko. Relectures [Rund um Kravčenko. Re-Lektüren], in: Politix 5 (1992), H. 18, S. 129–136. Kravčenko wurde 1966 in einem New Yorker Hotel unter ungeklärten Umständen erschossen aufgefunden.

6 Siehe Sim Thomas: Comment fut fabriqué Kravchenko [Wie Kravcˇenko gemacht wurde], in: Les Lettres françaises vom 13. November 1947, S. 1. Bereits vor dem Prozess wurden Zweifel an der Existenz von Sim Thomas geäußert, weil er nicht ausfindig zu machen war. Die Vermutung, dass es Sim Thomas gar nicht gibt, legte der ehemalige Zeitschriftenherausgeber nahe. Siehe Claude Morgan: Les »don Quichotte« et les autres [Die »don Quichotte« und die anderen], Paris 1979, S. 189. Später stellte sich heraus, dass André Ullmann den Artikel geschrieben hatte, der für den sowjetischen Geheimdienst arbeitete.

7 Der Prozess wurde stenografiert. Maurice Garçon (Hg.): Le procès Kravchenko. Compte rendu sténographique [Der Kravčenko-Prozess. Stenografischer Bericht], Paris 1949. Auszüge in deutscher Übersetzung finden sich in Nina Berberova: Die Affäre Krawtschenko, Hildesheim 1991 und Boris Nossik: Der seltsame Prozess oder ein Moskauer Überläufer in Paris, Berlin 1992. Nina Berberova war Prozessbeobachterin für eine russische Exilzeitschrift in Paris.

8 So Buber-Neumann in dem Manuskript »Warum ich auf dem Krawtschenko-Prozess aussagte«, das sich in ihrem Nachlass in der Deutschen Nationalbibliothek, Deutsches Exilarchiv 1933–1945, Frankfurt am Main (im Folgenden: DEA) befindet. Siehe DEA, Nachlass Buber-Neumann,
EB 89/193, II. F. 001. Ich danke Karin Kokot für die hilfreiche Unterstützung bei der Archivrecherche. Mein besonderer Dank gebührt Judith Buber-Agassi, die mir die Erlaubnis zur Einsicht in den Nachlass ihrer Mutter gewährte.

9 Siehe Buber-Neumann: Freiheit (Anm. 1), S. 234.

10 Buber-Neumann: »Warum ich auf dem Krawtschenko-Prozess aussagte« (Anm. 8).

11 Zitiert nach Nossik: Der seltsame Prozess (Anm. 7), S. 292. Die gesamte Aussage von Buber-Neumann, die auf Deutsch ausgesagt hat, aber für das Gericht übersetzt wurde, findet sich auf Französisch hier: Déposition de Mme Margarete Buber-Neumann [Zeugenaussage von Frau Margarete Buber-Neumann], in: Garçon: Le procès Kravchenko (Anm. 7), S. 261–282.

12 Siehe Geburtsurkunde Anna Margarethe Thüring, Potsdam am 24. Oktober 1901, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, II.A. 001. Später änderte sie die Schreibweise ihres Rufnamens in Margarete.

13 Siehe hierzu vor allem Margarete Buber-Neumann: Von Potsdam nach Moskau. Stationen eines Irrwegs, München 1957.

14 Biografie Heinz Neumanns, in: Hermann Weber/Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2004, S. 531–533, hier S. 532.

15 Das prominenteste Beispiel für eine Zusammenarbeit zwischen KPD und NSDAP ist der Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben im November 1932. Damals war Neumann zwar innerparteilich bereits kaltgestellt, er hatte die Politik der RGO aber selbst jahrelang forciert. Siehe Margarete Buber-Neumann: Kriegsschauplätze der Weltrevolution. Ein Bericht aus der Praxis der Komintern 1919–1943, Stuttgart 1967, S. 188.

16 »Ne croyez-vous pas, camarade Neumann, que, si le national-socialisme prend le pouvoir en Alle-
magne, il sera suffisamment occupé à l’Ouest de telle sorte que nous pourrions tranquillement construire le socialisme en Russie.« Déposition de Mme Margarete Buber-Neumann [Zeugenaussage von Frau Margarete Buber-Neumann], in: Garçon: Le procès Kravchenko (Anm. 7), S. 261–282, hier S. 262. Nossik übersetzt hier nicht »Nationalsozialismus«, sondern »Faschisten«, was einen nicht zu unterschätzenden inhaltlichen Unterschied darstellt.

17 Der bedeutende Funktionär der internationalen kommunistischen Bewegung Willi Münzenberg und Ehemann von Babette Gross, der Schwester Buber-Neumanns, initiierte eine Solidaritätskampagne gegen die Auslieferung. Münzenberg selbst verfasste den Aufruf »Die Auslieferung des Genossen Heinz Neumann an die faschistischen Henker muß verhindert werden!«, in: Rundschau, Nr. 1 vom 3. Januar 1935, S. 39 f. Dieser Artikel und andere Solidaritätserklärungen, etwa der Internationalen Roten Hilfe, finden sich in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, II.A. 013. Zu Münzenberg siehe Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie, Stuttgart 1967.

18 Siehe Hermann Weber: Hotel Lux. Die deutsche kommunistische Emigration in Moskau, in: Die politische Meinung, Nr. 443 vom Oktober 2006, S. 55–61. Diese Stationen beschreibt Margarete Buber-Neumann auch in ihrem am 22. September 1936 in Moskau verfassten »Parteilebenslauf«, den der Historiker Reinhard Müller im Komintern Archiv gefunden, dokumentiert und kommentiert hat. Siehe Reinhard Müller: Linie und Häresie. Lebensläufe aus den Kaderakten der Komintern (II): Erich Birkenhauer, Otto Unger, Margarete Buber-Neumann, in: EXIL. Forschung, Erkenntnisse, Ergebnisse 11 (1991), H. 1, S. 46–69.

19 Auch nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Margarete Buber-Neumann, Informationen über das Schicksal ihres Ehemannes herauszufinden. So wandte sie sich unter anderem 1959 an das Rote Kreuz, erhielt aber keine Auskunft über den Verbleib von Heinz Neumann. Das Antwortschreiben vom 18. Februar 1960 des Deutschen Roten Kreuzes mit einem Auszug aus der Antwort des Sowjetischen Roten Kreuzes vom 23. Juli 1959 findet sich in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, II.A. 013.

20 »Le juge d’instruction ne m’a jamais reproché de faits précis, mais seulement mon attitude d’opposition à l’intérieur du Parti communiste allemande.« Déposition de Mme Margarete Buber-Neumann, in: Garçon: Le procès Kravchenko (Anm. 7), S. 261–282, hier S. 266.

21 So hieß es in einem Bericht des Continental News Service vom 4. März 1949: »A brief exchange between President Durkheim an Frau Buber-Neumann, [...] the most impressive witness brought forward by Maître Izard for Kravchenko, epitomised the gulf between Soviet and Western justice, which has revealed before astonished French eyes. President Durkheim asked Mrs. Neumann why she was sentenced by Soviet authorities to the Karaganda Camp in Kazakhastan. She replied: ›Because of my oppositional activities in the German Communist Party in 1930–1931.‹ Durkheim was completely at a loss and explained: ›No, I am asking you what are the precise facts and activities with which you were reproached.‹ And Mrs. Neumann, half smiling, repeated: ›No other facts. My oppositional activities in the German Communist Party in Germany in 1930–1931.‹«

22 »Je pose une question pour comprendre: est-ce que cet espace est clos? Y a-t-il un mur? [...] Alors, monsieur le Président, ce n’est pas un camp en français, c’est ce qu’on appelle une zone. [...] Un camp français c’est un endroit où il y a des murailles. Cela s’appelle, en France, une résidence forcée.« Déposition de Mme Margarete Buber-Neumann, in: Garçon: Le procès Kravchenko (Anm. 7), S. 261–282, hier S. 268.

23 Generell zur Auslieferung deutscher und österreichischer Antifaschisten siehe Hans Schafranek: Zwischen NKWD und Gestapo. Die Auslieferung deutscher und österreichischer Antifaschisten aus der Sowjetunion an Nazideutschland, 1937–1941, Frankfurt/M. 1990.

24 Die Flucht aus Ravensbrück beschreibt sie in ihrer Autobiografie: Margarete Buber-Neumann: Als Gefangene bei Stalin und Hitler. Eine Welt im Dunkel, Stuttgart 1958, S. 295–308. Zur Interpretation der autobiografischen Schriften Buber-Neumanns siehe Hermann Kuhn: Bruch mit dem Kommunismus. Über autobiografische Schriften von Ex-Kommunisten im geteilten Deutschland, Münster 1990, S. 37–51. Generell zu Selbstdarstellungen von »Renegaten« siehe die allerdings stark psychologisch argumentierende Darstellung von Ernst-August Roloff: Exkommunisten. Abtrünnige des Weltkommunismus. Ihr Leben und ihr Bruch mit der Partei in Selbstdarstellungen, Mainz 1969.

25 Siehe auch Materialsammlung zum Kravčenko-Prozess, Paris 1949, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193 II.F. 001. Es berichteten nicht nur französische und deutschsprachige Zeitungen, sondern auch spanische, skandinavische und englischsprachige. Siehe zur französischen Berichterstattung etwa: Le coup de grâce. Mme Neumann démontre que c’est Staline qui livra les communistes allemands à la hache de Hitler [Der Todesstoß. Frau Neumann beweist, dass es Stalin war, der die deutschen Kommunisten an die Axt Hitlers auslieferte], in: L’Aurore. France Libre vom 24. Februar 1949; Des Bagnes de Sibérie à Ravenbruck. Dramatique déposition au procès Kravchenko [Von den Strafkolonien Sibiriens nach Ravensbrück. Dramatische Aussage im Kravčenko-Prozess], in: Figaro vom 24. Februar 1949; »J’ai été déportée en Russie puis livrée aux nazis« affirme Mme Neumann communiste allemande [»Ich wurde nach Russland deportiert und dann an die Nazis ausgeliefert«, behauptet die deutsche Kommunistin Frau Neumann], in: Combat vom 24. Februar 1949.

26 »Wenn meine Großmutter Räder hätte«, in: Der Spiegel vom 26. Februar 1949, S. 9–13, hier S. 12. In einem anderen Artikel hieß es: »Die eigentliche Sensation, die auch in der Auslandspresse unter stärksten Schlagzeilen hervorgehoben wurde, bildete aber die Aussage von Frau Buber-Neumann [...].« Der Gnadenstoß. Moralische Hinrichtung, in: Echo der Woche vom 4. März 1949.

27 Le clan kravchenkiste s’est servi hier d’un condamné à mort de trotzkystes et d’un déserteur [Die Kravchenko-Sippe bediente sich gestern eines zum Tode Verurteilten Trotzkisten und eines Deserteurs], in: L’Humanité vom 24. Februar 1949.

28 Auch dieser Artikel findet sich in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, Materialsammlung zum Kravčenko-Prozess, EB 89/193 II.F. 001.

29 Zur Urteilsverkündung und den Reaktionen der Anwälte siehe Berberova: Affäre (Anm. 7), S. 313–319.

30 Siehe die Aussagen von Dominique Desanti, die für die kommunistische Presse über den Prozess berichtete, und von Edgar Morin – bis 1951 KPF-Mitglied – in der Fernsehdokumentation von Bernard George: L’affaire Kravchenko. La guerre froide à Paris [Die Kravčenko-Affäre. Der Kalte Krieg in Paris], 2012.

31 Margarete Buber-Neumann: Mein Weg zur Aktion, in: Die Aktion 1 (1951), H. 1, S. 3–8, hier S. 6. Zur Tiefenwirkung des Kravčenko-Prozesses siehe auch Wolfgang Kraushaar: Sonnenuntergang. Das Verhältnis europäischer Intellektueller zum Kommunismus im Spiegel dreier Prozesse (1993), in: ders.: Linke Geisterfahrer. Denkanstöße für eine antitotalitäre Linke, Frankfurt/M. 2001, S. 31–58. Eine linkssozialistische Zeitschrift gleichen Namens hatte Franz Pfemfert bereits 1911 gegründet. Auch die Zeitschrift von Buber-Neumann verstand sich bei ihrer Gründung als linkssozialistisch, rückte von dieser Linie jedoch mehr und mehr ab. Als Pfemfert im mexikanischen Exil erfuhr, dass die Zeitschrift von Buber-Neumann »Aktion« hieß, verfasste er einen erbosten Leserbrief: »Man will mir Die Aktion rauben! […] Die Frau des deutschen Stalinvertreters Heinz Neumann, den Stalin liquidieren ließ wie andere lästige Mitwisser, Frau Margarete Buber-Neumann beabsichtige, meine Zeitschrift ›Die Aktion‹ herauszugeben.« Franz Pfemfert, Leserbrief im »Aufbau« (New York) vom 13. April 1951, in: Margarete Buber-Neumann. Mit einem Essay von Michaela Wunderle (= Reihe apropos, Bd. 17), Frankfurt/M. 2001, S. 89 f. Pfemfert strengte einen Urheberrechtsprozess gegen Buber-Neumann an, den er allerdings 1952 in zweiter Instanz verlor.

32 Siehe Michael Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive? Der Kongress für kulturelle Freiheit und die Deutschen, Oldenburg 1998; zur Bedeutung der ehemaligen kommunistischen Intellektuellen im KKF siehe Daniela Muraca: Die Rolle der exkommunistischen Intellektuellen beim Kongress für kulturelle Freiheit, in: Ulrich Mählert u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2011, Berlin 2011, S. 155–176.

33 Ihre Abrechnung mit dem Kommunismus sowie die Geschichten der früheren kommunistischen Weggefährten André Gide und Louis Fischer finden sich in: Richard Crossmann (Hg.): The God that failed. A Confession, New York 1949.

34 Zur Entwicklung des KKF siehe Peter Coleman: The Liberal Conspiracy. The Congress for Cultural Freedom and the Struggle for the Mind of Postwar Europe, New York/London 1989. Nachdem aufgrund eines Artikels in der »New York Times« die Finanzierung des KKF durch den amerikanischen Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) ruchbar geworden und die Reputation zerstört war, löste sich die internationale Gemeinschaft antikommunistischer Intellektueller 1967 auf.

35 In der wissenschaftlichen Debatte ist der Totalitarismusbegriff umstritten und sein Gebrauch vielfältig. Zu unterschiedlichen Totalitarismustheorien siehe Wolfgang Wippermann: Totalitarismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute, Darmstadt 1997 und Achim Siegel (Hg.): Totalitarismustheorien nach dem Ende des Kommunismus, Köln/Weimar 1998. Speziell zur linken Totalitarismuskritik siehe Mike Schmeitzner: Totalitarismuskritik von links. Deutsche Diskurse im 20. Jahrhundert, Göttingen 2007.

36 Siehe den Bericht des Magazins »Stern« über die Gründung des Kongresses für Kulturelle Freiheit, H. 28, 3. Jg. vom 9. Juli 1950, S. 28 f., hier S. 29. Dort ist auch ein Foto von Margarete Buber-Neumann abgedruckt. Zur Gründung des KKF aus Sicht Buber-Neumanns, siehe dies.: Freiheit (Anm. 1), S. 271–273.

37 Siehe David Rousset: L’univers concentrationnaire [Das Konzentrationslager-Universum], Paris 1946 und ders.: Les jours de notre mort [Die Tage unseres Todes], Paris 1947.

38 Zur Situation in der Sowjetunion siehe die von der Kommission erstellten Publikationen: David Rousset: Police-State Methods in the Soviet Union, Boston 1953; ders.: Coercion of the Worker in the Soviet Union, Boston 1953.

39 Alexander Weißberg-Cybulski wurde um 1900 in einer jüdischen Familie im Habsburgerreich in Krakau geboren. Er war Kommunist und wurde ein berühmter sowjetischer Physiker. Während des Großen Terrors wurde er verhaftet und 1940 vom NKWD an die Deutschen ausgeliefert. Bereits Anfang der 1950er Jahre schrieb er ein Buch, das maßgeblich den stalinistischen Terror in Westeuropa bekannt machte. Siehe Alexander Weißberg-Cybulski: Hexensabbat. Rußland im Schmelztiegel der Säuberungen, Frankfurt/M. 1951. Dass Arthur Koestler in der Neuauflage von 1977 das Vorwort verfasste, ist alles andere als zufällig.

40 Der entsprechende Brief vom 17. Juli 1950 ist enthalten in: DEA, Nachlass Buber-Neumann,
EB 89/193, I.A. 591. Siehe außerdem das offizielle Schreiben des französischen Konsulats in Frankfurt am Main vom 7. November 1950, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.B. 137.

41 Bedeutsam für die Entstehung einer antitotalitären Denkrichtung in Frankreich war die Gruppe der »Nouveaux Philosophes«, zu der unter anderem Bernard-Henri Lévy, André Glucksmann und Alain Finkielkraut zählten. Als Gründungstext gilt Bernard-Henri Lévy: Les Nouveaux Philosophes. Le dossier [Die Neuen Philosophen. Das Dossier], in: Les Nouvelles Littéraires vom 10. Juni 1976, S. 15–22. Die Neuen Philosophen forcierten auch die Auseinandersetzung mit Aleksandr Solženicyns »Archipel Gulag«.

42 Zitiert nach Kraushaar: Sonnenuntergang (Anm. 31), S. 47.

43 Frau Buber-Neumann verklagt kommunistischen Redakteur, in: Neue Zeitung vom 25. Mai 1950.

44 »Der kommunistische Landtagsabgeordnete und Chefredakteur der SVZ, Emil Carlebach, war von Eichelsdörfer als der Verfasser des von der Klägerin beanstandeten Artikels benannt worden. Carlebach hielt die darin aufgestellten Behauptungen auf Befragen vor Gericht aufrecht.« Zusammenarbeit NKWD – Gestapo? Vor dem Prozess Grete Buber-Neumann gegen Carlebach, in: Neue Zeitung vom 25. Mai 1950.

45 Emil Carlebach: Trotzkisten und Unternehmervertreter – die USA-Propagandakoalition gegen die Werktätigen, in: Sozialistische Volkszeitung, Nr. 119 vom 25. Mai 1950.

46 Auch hierzu sammelte Buber-Neumann Zeitungsartikel, siehe in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193; IV. E. 001.

47 Lenin und der Codex Justinianeus. Prozeß Margarete Buber-Neumann contra Carlebach vor dem Amtsgericht Frankfurt-Höchst, in: Neue Zeitung vom 19. Januar 1951.

48 Die Verwendung des Begriffs Antikommunismus ist sehr vielfältig. Zur Genese und Differenzierung unterschiedlicher Konnotationen siehe Andreas Wirsching: Antikommunismus als Querschnittsphänomen politischer Kultur 1917–1945, in: Stefan Creuzberger (Hg.): »Geistige Gefahr« und »Immunisierung der Gesellschaft«. Antikommunismus und politische Kultur in der frühen Bundesrepublik, München 2014, S. 15–28. Außerdem Bernd Faulenbach: »Antikommunismus« als Problem der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Skizze über einen ungeklärten Begriff der Nachkriegsgeschichte, in: Hermann Weber u. a. (Hg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2008, Berlin 2008, S. 231–238.

49 Zitiert aus: Um Recht und Wahrheit. Der Prozess Marg. Buber-Neumann gegen Carlebach, Aktion. Sonderdruck, Frankfurt/M. 1951, S. 4. Die gesamte eidesstattliche Versicherung vom 4. Mai 1951 von Benedikt Kautsky ist abgedruckt in: Schafranek: NKWD (Anm. 23), S. 201–208. Im Nachlass von Buber-Neumann finden sich auch insgesamt sechs Briefe dazu, die zwischen dem 14. Juli 1949 und dem 21. Mai 1951 verfasst wurden: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.A. 324.

50 Mit Ruth Fischer war Buber-Neumann in Briefkontakt. Siehe die Korrespondenz in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.A. 189.

51 »Stehe ich vor einem sowjetischen Gericht?« Der Prozeß Buber-Neumann gegen Carlebach vor dem Landgericht Frankfurt, in: Neue Zeitung vom 9. Mai 1951.

52 Die Auseinandersetzung sollte über vierzig Jahre später noch ein Nachspiel haben. Als der österreichische Historiker Hans Schafranek den Prozess zwischen Buber-Neumann und Carlebach in seinem Buch »Zwischen NKWD und Gestapo« aufgriff, strengte Carlebach eine Zivilklage an, die er jedoch in den meisten Punkten verlor. Siehe hierzu Kraushaar: Sonnenuntergang (Anm. 31), S. 53–57.

53 Siehe die Beschreibung eines Treffens im Haus des ehemaligen deutschen Emigranten und jetzigen US-Leutnants Sigi Höxter, bei dem einige hohe Parteifunktionäre, darunter Kurt Schumacher, anwesend waren, in: Buber-Neumann: Freiheit (Anm. 1), S. 90–93. Darauf nimmt auch ein Brief des SPD-Parteivorstands vom 1. Dezember 1946 Bezug, der sich im Nachlass befindet: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB89/193, I.B. 315.

54 Siehe Ernst Cincera: Die Erfahrungen von Margarete Buber-Neumann mit der SPD, in: Konrad Löw (Hg.): Verratene Treue. Die SPD und die Opfer des Kommunismus, Köln 1994, S. 19–36, hier S. 33.

55 Buber-Neumann: Mein Weg zur Aktion (Anm. 2), S. 7.

56 Die erste Ausgabe von »Frei-Sein. Schweizerische Widerstandsschrift für Männer und Frauen, Jünglinge und Töchter« erschien im Januar 1951. Druckbelege der Zeitschrift in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193 III.K. 001.

57 Zum Verhältnis von Buber-Neumann und Herbert Wehner siehe Bernd Faulenbach: Der Umgang mit den Emigrationserfahrungen ehemaliger Kommunisten in der bundesdeutschen Öffentlichkeit – die Beispiele von Margarete Buber-Neumann und Herbert Wehner, in: Horst Möller/Aleksandr Cubar’jan (Hg.): Mitteilungen der Gemeinsamen Historikerkommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, Bd. 4, München 2010, S. 140–148.

58 Das zerstörte Verhältnis wurde schon in einem Brief des SPD-Parteivorstands vom 24. Mai 1952 deutlich: »Wir haben dagegen eine Reihe von Mitgliedern der SPD, die ursprünglich als Förderer Ihres Institutes genannt wurden, über die gegen die SPD gerichtete publizistische Tätigkeit informiert, für die Sie als Herausgeberin der Zeitschrift ›Aktion‹ verantwortlich sind. Wir glauben, dass die in Ihrer Zeitschrift veröffentlichten und zum Teil maßlosen Attacken Sozialdemokraten nicht die Möglichkeit geben, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.«, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.B. 315. Zum Verhältnis Buber-Neumanns zur SPD siehe Ernst Cincera: Die Erfahrungen von Margarete Buber-Neumann mit der SPD, in: Löw (Hg.): Verratene Treue (Anm. 54), S. 19–36.

59 Margarete Buber-Neumann: Versöhnung mit Israel. Ein Vortrag, gehalten am 24. Januar 1952 vor Studenten der Universität Mainz, in: Aktion 2 (März 1952), H. 13, S. 15–18, hier S. 15.

60 Der Artikel findet sich in: DEA, Nachlass Buber-Neumanns EB 89 /193, I.B. 216.

61 Siehe Eva Oberlosekamp: »Kalte Kriegerin« oder Kämpferin für Demokratie und Menschenrechte? Die Kommunismuskritik Margarete Buber-Neumanns und die Bundesrepublik der 1960er Jahre, in: Bernhard Gotto u. a. (Hg.): Krisen und Krisenbewusstsein in Deutschland und Frankreich in den 1960er Jahren, München 2012, S. 245–256.

62 Buber-Neumann erhielt für ihre Arbeit über mehrere Jahre für sich und ihre Schwester, Babette Gross, ein Stipendium von vierteljährlich 210 Dollar. Die Korrespondenz mit dem europäischen Hauptquartier des Kongresses in Paris befindet sich im Nachlass: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.B. 076.

63 Erich Wollenberg an Margarete Buber-Neumann, Brief vom 17. Januar 1959, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.A. 844. Zu Wehners Exil in Moskau, siehe Reinhard Müller: Die Akte Wehner. Moskau 1937–1941, Berlin 1993 und ders.: Herbert Wehner. Moskau 1937, Hamburg 2004.

64 So Buber-Neumann in einem nie veröffentlichten Manuskript, das unter dem Titel »Moskaus Mann in Bonn. Ist Wehner ein Sowjetagent?« als politische Biografie geplant war. Buber-Neumann war überzeugt, dass Wehner eine Mitschuld am Tod ihres Ehemannes trage, mehrmals zu Geheimtreffen nach Ost-Berlin gereist sei und auch den Sturz Willy Brandts als Bundeskanzler nach der Spionageaffäre um Günter Guillaume herbeigeführt habe. Über Wehners Charakter schreibt sie: »Er ist aggressiv, feige, verlogen, unsicher und voller Selbstmitleid, falls jemand wagt, ihn anzugreifen.« Das Manuskript und eine umfangreiche Materialsammlung über Wehner befinden sich ebenfalls in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193 III.B. 006.

65 So wird aus einem Vortrag Buber-Neumanns bei der Jahresversammlung des »Kreiskuratoriums Waldeck. Unteilbares Deutschland« in einem Artikel der Waldeckischen Allgemeinen vom 30. April 1969 zitiert. Einladungen des Kuratoriums und Zeitungsberichte dazu in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.B. 226a.

66 Ein Beispiel dafür ist auch: Margarete Buber-Neumann: Der kommunistische Untergrund. Ein Beitrag zur Geschichte der kommunistischen Geheimarbeit, Mühlheim 1970. Darin finden sich Kapitel wie »Kirche und Unterwanderung«, »Infiltration der Gewerkschaften und Betriebe« und »Die Zersetzung der Bundeswehr«. Buber-Neumann ging davon aus, dass die kommunistische Taktik sich auch nach 1945 nicht geändert habe und das Ziel noch immer die Weltrevolution sei, wie sie es in ihrer aktiven Zeit in der Komintern erlebt hatte. Siehe hierzu Margarete Buber-Neumann: Kriegsschauplätze der Weltrevolution. Ein Bericht aus der Praxis der Komintern 1919–1943, Stuttgart 1967.

67 Brief von Wollenberg an Buber-Neumann, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, I.A. 844.

68 Buber-Neumann erhielt die Mitgliedsnummer 10147 und ihr Ausweis trägt den Datumsstempel vom 15. September 1975, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, II.A. 007.

69 Siehe die Urkunde über den Rücktritt zur Evangelischen Kirche vom 21. März 1982, in: DEA, Nachlass Buber-Neumann, EB 89/193, II.A. 008.

70 Aus diesem Anlass telegrafierte ihr Axel Springer persönlich: »Wie sollte man sich nicht herzlich freuen, wenn die tapferste der Tapferen, die geliebte Margarete Buber-Neumann öffentlich ausgezeichnet wird.« Zitiert nach: »Behüte Gott« die tapferste der Tapferen, in: Welt am Sonntag vom 15. Februar 1981.

71 Sie kennt das Geheimnis des Überlebens. Margarete Buber-Neumann sprach in der Frankfurter B’Nai-B’Rith-Loge, in: Frankfurter Neue Presse vom 27. März 1981.

72 Siehe Gabriele Schnell: Margarete Buber-Neumann. Ein Jahrhundertschicksal, in: dies. (Hg.): Potsdamer Frauen. Zehn Frauenschicksale vom Kaiserreich bis heute, Potsdam 1993, S. 99–108, hier S. 107.

73 Siehe Margarete Buber-Neumann: So verwischt man blutige Spuren. Wehner und die Sendung über das Hotel »Lux«, in: Bayernkurier vom 28. Juli 1973.

74 Eine Ausnahme ist Esther Schapira: Die ungeratene Tochter, in: Pflasterstrand, Nr. 215 vom
27. Juli–9. August 1985, S. 16–20.

75 Zum Bruch der Anti-Hitler-Koalition, der Ablösung des Antifaschismus durch den Antitotalitarismus in den westlichen Demokratien nach 1945 und der Instrumentalisierung des Antifaschismus als Staatsideologie in den realsozialistischen Ländern siehe Enzo Traverso: Im Bann der Gewalt. Der europäische Bürgerkrieg 1914–1945, München 2006, S. 298–303. Bei aller Kritik am Kommunismus und der Nutzung des Antifaschismus als stalinistische Legitimationsideologie wendet sich Traverso doch gegen den heutigen antitotalitären Konsens, der zu Unterscheidungen nicht mehr willens ist und ausblendet, welche Rolle der antifaschistische Kampf und auch die revolutionäre Gewalt für die Etablierung liberal-demokratischer Staaten gespielt haben.

76 Buber-Neumann: Mein Weg zur Aktion (Anm. 55), S. 7.

Inhalt – JHK 2015

Kurzbiografie

Abstract

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