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Gedenkstätte für die Häftlinge des Frauenlagers ALŽIR, Akmolinsk, Kasachstan

Ausstellungen | Gedenkstätte
Eingang zur Gedenkstätte  für die Häftlinge des Frauenlagers ALŽIR, Urheber: Ninaras, Lizenz: CC-BY 4.0
Eingang zur Gedenkstätte für die Häftlinge des Frauenlagers ALŽIR, Urheber: Ninaras, Lizenz: CC-BY 4.0

Die am 31. Mai 2007, dem nationalen Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen, vom kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew eröffnete Gedenkstätte befindet sich am historischen Ort des einstigen "Akmolinsker Lager für die Ehefrauen von Vaterlandsverrätern" (ALŽIR). Von Dezember 1937 bis zu seiner Auflösung im Juni 1953 bestand ALŽIR als zentraler Inhaftierungsort für Frauen und Kinder von als "Volksfeinden" stigmatisierten Opfern politischer Verfolgung. Heute gibt es auf dem Gelände neben einem "Museum für die Opfer der politischen Repression und des Totalitarismus" einen Gedenkpark, mehrere Skulpturengruppen sowie die Monumentalbauten "Bogen der Trauer" und eine Granitwand mit den Namen von 7.259 hier inhaftierten Frauen.

Die Familienangehörigen von bereits Inhaftierten wurden nach dem Prinzip der Sippenhaft ebenfalls verhaftet. Insgesamt bestanden auf dem Gebiet der Sowjetunion drei Sonderlager für Familienangehörige: in Mordwinien, in Westsibirien nahe der Stadt Tomsk sowie in Kasachstan bei Akmolinsk. Das „Akmolinsker Lager für Ehefrauen von Vaterlandsverrätern“ unterstand dem Komplex der Karagandinsker Lager, dem KARLag. Es befand sich in einem von den übrigen Haftorten isolierten Gebiet an den Ufern des Sees Selonas in der Nähe von Akmolinsk, das im Kasachischen „weißes Grab“ bedeutet. Im Unterschied zu den anderen Standorten des KARLag galt in ALŽIR ein verschärftes Lagerregime. Dies ging mit der Isolation der politischen Gefangenen, aber auch mit dem Verbot jeglicher Korrespondenz, schwerer körperlicher Arbeit sowie erhöhten Arbeitsnormen einher. Im Oktober 1938 wurde in Spassk, in der Nähe der Stadt Karaganda, eine ebenfalls dem KARLag unterstehende „Sonderfiliale“ des Frauenlagers eröffnet. Dort befanden sich bis zu seiner Umfunktionierung in ein Kriegsgefangenenlager in den 1940er-Jahren 3.000 inhaftierte Frauen. Insgesamt durchliefen mehr als 18.000 Frauen das Sonderlager bei Akmolinsk.

Die Ausstellung des "Museums für die Opfer der politischen Repression und des Totalitarismus" thematisiert die Entstehungsgeschichte der Besserungsarbeitslager sowie ihre politische, administrative und wirtschaftliche Bedeutung im Staatsgefüge der Sowjetunion der 1930er bis 1950er-Jahre. Es werden die individuellen Schicksale von Opfern sowjetischer Repressionspolitik, deren einziges „Vergehen“ darin bestand Mütter, Ehefrauen, Töchter oder Schwestern der als "Volksverräter" stigmatisierten Männer zu sein, dargestellt. Die zweiteilige Dauerausstellung des Museums stellt die „Politische Geschichte Kasachstans im 19. und 20. Jahrhundert" sowie den Haftalltag und das Internierungsregime des Akmolinsker Frauenlagers dar. Besucher können an Führungen durch die Ausstellung in Englisch, Russisch oder Kasachisch teilnehmen. Das museale Angebot wird durch ein breites Veranstaltungsspektrum wie Lesungen und Vortragsreihen zum Thema Repression und Verfolgung sowie Gesprächen mit ehemaligen Insassinnen und der Vorführung thematischer Dokumentarfilme ergänzt.

Vor der Errichtung des heutigen Gedenkstättenkomplexes befand sich seit 1989 ein kleines Museum auf dem einstigen Gelände des Lagerfriedhofs. Seine Bestände wurden in die Gedenkstätte übernommen. Ein massiver Torbogen aus schwarzem Granit unter einer aus Stahlnetzen verwobenen Kuppel bildet den Eingang zur heutigen Gedenkstätte. Auf dem Gelände befinden sich außerdem die originalgetreue Nachbildung einer Häftlingsbaracke sowie die Skulpturenkompositionen „Verzweiflung und Ohnmacht“ und „Kampf und Hoffnung“. Die erste Bronzeskulptur zeigt einen kauernden Mann mit vor Trauer gebeugtem Haupt. Ihm gegenüber befindet sich die Skulptur einer ausgezehrten, aber hoffnungsvoll blickenden Frau. Die Gedenkwand mit den eingravierten Namen der in ALŽIR inhaftierten Frauen trägt Inschriften in Kasachisch, Russisch und Englisch in Erinnerung an die Oper der totalitären Repressionen.

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