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Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

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Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung

Das „Königliche Centralgefängnis“ wurde im April 1860 eröffnet und als Haftanstalt für Männer, Frauen und Jugendliche genutzt. Unter den Nationalsozialisten erhielt das Zuchthaus ein neues Profil: zunächst diente es als Jugendgefängnis, war dann kurze Zeit Männergefängnis, bis es später als Frauenzuchthaus fungierte. Die Mehrzahl der Frauen saß wegen krimineller Delikte. Erstmals gab es jedoch auch eine größere Zahl von politischen Häftlingen, wie z. B. Widerstandskämpferinnen der „Weißen Rose“ aus Hamburg. Im Februar 1945 wurde das Gefängnis bei einem Bombenangriff fast gänzlich zerstört. Doch bereits im Sommer 1945 begann der Wiederaufbau der Haftanstalt. 1950 übernahm das Ministerium des Innern (MdI) die Verantwortung über alle Strafvollzugsanstalten in der DDR, so auch über das Cottbuser Gefängnis. Die medizinische Versorgung, die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse blieben über lange Zeit mangelhaft.

Nach dem Mauerbau 1961 konzentrierte das MdI in Cottbus „Republikflüchtlinge“. Andere politische Gefangene in Cottbus waren wegen angeblicher „Spionage“, „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ oder „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt worden. Bei allen ermittelte das MfS. Seit den 1970er Jahren waren etwa 80 Prozent der Insassen politisch Verurteilte. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten nutzte das Land Brandenburg das Gefängnisareal bis 2002 als Justizvollzugsanstalt (JVA). Danach stand es mehrere Jahre leer.

Im Oktober 2007 gründete sich das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. (MRZ), dem vor allem ehemalige politische Gefangene aus Cottbus angehören. Das Anliegen des Vereins war die Bewahrung des historischen Ortes und die Einrichtung einer Gedenkstätte im früheren Gefängnis. Das Hafthaus wurde jedoch im selben Jahr an einen privaten Investor versteigert. Ein Gebäude sowie eine Teilfläche übergab das Land Brandenburg an die Stadt Cottbus. Dieser Teil des Geländes wurde 2008 vom Land Brandenburg an das Menschenrechtszentrum zur Einrichtung einer Gedenkstätte übergeben. Im Mai 2011 konnte der Verein mit Unterstützung des Landes Brandenburg und privater Spender schließlich das gesamte Gefängnisareal erwerben und ist nun alleiniger Eigentümer der drei Hafthäuser, des Torhauses, der ehemaligen Produktionsstätten des VEB Pentacon und des VEB Sprela, des Ambulanzgebäudes und dreier Wachtürme. Die vom Menschenrechtszentrum betriebene Gedenkstätte finanziert sich größtenteils durch Spenden und ist politisch unabhängig.

Während der Sanierung durch das Menschrechtszentrum wurden Teile der Haftanstalt zurückgebaut, um den Zustand des Gefängnisses vor 1990 wiederherzustellen. Am 4. September 2012 wurde die Gedenkstätte mit einem Benefizkonzert von Wolf Biermann in der zur Kulturhalle umfunktionierten Produktionshalle des VEB Pentacon eingeweiht.

Am 10. Dezember 2013 wurde im Beisein des Ministerpräsidenten von Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke (SPD), des stellvertretenden Beauftragten für Kultur und Medien, Günter Winands, sowie des Präsidenten des Landtages Brandenburg, Gunter Fritsch, die Dauerausstellung in der Gedenkstätte eröffnet. Die multimediale Schau trägt den Titel „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933-1989“ in Anlehnung an das Buch „Karierte Wolken“ von Pfarrer Matthias Storck, einem ehemaligen Häftling in Cottbus. Sie thematisiert politisches Unrecht in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sowie während der SED-Diktatur. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern werden 28 Häftlingsbiografien sowie Berichte politischer Gefangener präsentiert. Das Konzept wurde gemeinsam von ehemaligen politischen Häftlingen und Historikern erstellt. Das Menschenrechtszentrum bietet Führungen durch die Ausstellung an, die mit den Interessen der Besucher abgestimmt und auf verschiedene Zielgruppen angepasst werden können.

Am 13. Juni 1998 wurde auf Initiative der Bezirksgruppe Cottbus der VOS e.V. neben dem Eingang des ehemaligen Zuchthauses ein Gedenkstein enthüllt. Den aus einem Tagebau stammenden Stein hat der Steinmetzmeister Manfred Schaffarzick, der in den Speziallagern Ketschendorf und Fünfeichen inhaftiert war, zum Gedenkstein umgearbeitet. Er trägt die Inschrift: „Den / unschuldigen / Opfern / politischer / Verfolgung / 1933–1945 / 1945–1989“. Dieser Gedenkstein steht seit Eröffnung der Gedenkstätte im Hof der Einrichtung.

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