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Museum der Revolution vom 16.-22. Dezember 1989, Temeswar, Rumänien

Memorialul Revoluţiei 16-22 Decembrie 1989

Ausstellungen | Museum
Museum der Revolution vom 16.-22. Dezember 1989, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Ronny Heidenreich
Museum der Revolution vom 16.-22. Dezember 1989, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Ronny Heidenreich

Der am 26. April 1990 gegründete Verein „Memorial der Revolution vom 16. bis 22. Dezember 1989 in Temeswar” richtete unter der Leitung von Traian Orban ein Dokumentations- und Forschungszentrum ein. „Wir verstehen uns als Institution gegen das Vergessen“, erklärte Orban, der bis zum Aufstand als Tierarzt arbeitete, während der Proteste angeschossen und danach in Wien operiert wurde. Seither war er gehbehindert. Der Verein will die rumänische Revolution in ihrem europäischen Kontext aufarbeiten. Mit staatlicher Unterstützung wurde in der Innenstadt von Temeswar ein Gebäude restauriert und ausgebaut. Dort sind Ausstellungsräume des Museums, eine Bibliothek sowie ein Archiv untergebracht. Im Innenhof des Dokumentationszentrums wurde eine ökumenische Kapelle als Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Helden von 1989 geschaffen.

Das nahe der ungarischen Grenze gelegene Temeswar ist mit ca. 360 000 Einwohnern die größte Stadt Westrumäniens. Hier begann am 16. Dezember 1989 die rumänische Revolution, die mit der Hinrichtung des Diktators Nicolae Ceaușescu und seiner Ehefrau Elena am 25. Dezember zum Sturz des kommunistischen Regimes im Land führte. Auslöser der Proteste war die bekannt gewordene Zwangsumsiedlung des reformierten ungarischen Pastors László Tőkés, der bereits seit Längerem von der berüchtigten Geheimpolizei Securitate wegen regimekritischer Äußerungen beobachtet worden war. Im Laufe des 16. September versammelten sich über 1000 Menschen im Stadtzentrum, sie erhoben sozialpolitische Forderungen und verlangten die Absetzung Ceaușescus. Die Securitate trieb die Menge mit Gummiknüppeln auseinander, verhaftete dutzende Demonstranten, bekam aber den Aufruhr nicht mehr unter Kontrolle. Am nächsten Tag schlossen sich viele Arbeiter den Protesten an, die Menge skandierte antikommunistische Losungen, es kam auch zu Akten roher Gewalt und zu Plünderungen. Die Einsatzkräfte gingen äußerst brutal gegen die Aufständischen vor, am Nachmittag gab es Verletzte und Tote. Bis zum 20. Dezember verloren in Timişoara über 100 Menschen ihr Leben, dann stellte sich die dort stationierte Armee auf die Seite des Volkes. Timişoara war die erste Stadt Rumäniens, die sich von der Ceaușescu-Diktatur befreit hatte.

Nach der Übernahme eines Flügels der ehemaligen Armeebaracke Nr. 1079 konnte das Museum 2011 den Ausstellungsbereich erweitern. Anhand einer umfassenden Fotodokumentation, von Plakaten und Informationstafeln, Video- und Audioelementen, Faksimile und Originalexponaten wird die Geschichte der Revolution 1989 dargestellt. Ein besonderer Schwerpunk liegt auf den Ereignissen in Temeswar, die nach Meinung verschiedener Historiker und Zeitzeugen bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Rumänien wird auch in den europäischen Kontext der Systemtransformation gestellt. Besucher können an Führungen durch das Museum teilnehmen. Diese werden in Rumänisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Ungarisch und Serbisch angeboten. Das Nationale Dokumentations-, Forschungs- und Informationszentrum über die Revolution von 1989 wirkt aktiv an der Aufklärung des rumänischen Kommunismus mit. Seit 2011 gibt der Verlag des Zentrums wissenschaftliche Publikationen heraus.

Am 20. Dezember 2012, dem Jahrestag der rumänischen Revolution, enthüllten Klaus Christian Olasz, Konsul der Bundesrepublik Deutschland, und Dr. Traian Orban auf dem Gelände des Museums ein Originalsegment der Berliner Mauer als Mahnmal an die Überwindung des Eisernen Vorhanges in Europa. Die Schenkung des Berliner Senats erfolgte auf Anregung von Dr. Anna Kaminsky, der Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Außer dem Mauersegment, welches während der deutsch-deutschen Teilung auf dem Potsdamer Platz stand, befinden sich zahlreiche Skulpturen rumänischer Künstler auf dem Areal. In der Stadt wurden an zentralen Schauplätzen in Erinnerung an die Ereignisse von 1989 weitere zwölf Skulpturen und Mahnmale aufgestellt.

Zwischen 1990 und 1999 entstand auf dem Heldenfriedhof der Stadt auf Initiative des Temeswarer Vereins „Memorial der Revolution vom 16. bis 22. Dezember“ eine Gedenkanlage für die Opfer der Dezemberrevolution. Sie wurde nach den Entwürfen der rumänischen Architekten Pompiliu Alâmoreanu, Ionel Pop und Liviu Brebe realisiert. Für die über siebzig namentlich bekannten Toten wurden symbolische Gräber errichtet. In die einheitlich gestalteten schwarzen Grabsteine wurden die Namen der Toten eingraviert. Neben einer offenen Kapelle aus schwarzem und weißem Marmor befindet sich das zentrale Mahnmal der Anlage: eine hohe Wand aus schwarzen und weißen Marmorquadern, in deren Mitte ein goldenes Kreuz eingelassen ist. In einem Steinbehälter unmittelbar vor der Gedenkwand brennt eine ewige Flamme.

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