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Screenshot von berlinischegalerie.de

Ausstellung

Die Novembergruppe

vom 09.11.2018 | bis zum 11.03.2019

Vom 9. November 2018 bis zum 11. März 2019 findet in der Berlinischen Galerie eine Ausstellung von Werken derjenigen Künstlerinnen und Künstler statt, die sich unter dem Namen „Novembergruppe“ zusammengefunden hatten. Die Novembergruppe wurde im Zuge der revolutionären Umbrüche im Winter 1918/19 in Berlin als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“ gegründet. Die für alle Stilrichtungen – von Kubismus, Neue Sachlichkeit und Futurismus bis hin zu Expessionismus und Dada – offene Vereinigung definierte sich weniger über einen gemeinsamen künstlerischen Stil als über die geteilte Überzeugung, durch ihre Kunst zur Schaffung einer neuen, liberaleren Gesellschaft beitragen zu können. Bis 1932 präsentierte die Gruppe an die 3.000 Werke von über 470 Kunstschaffenden. Mit dem Ende der Weimarer Republik und dem Aufkommen der Diktatur ging auch das Wirken der Novembergruppe zu Ende – die Ausstellung erlaubt Besucherinnen und Besuchern, sich einen Eindruck vom Wirken dieser Gruppe zu verschaffen. Unter anderem werden Wekre von Rudolf Belling, Hans Brass, Otto Dix, Max Dungert, Theo van Doesburg, Max Ernst, Otto Freundlich, Paul Goesch, Walter Gropius, George Grosz, Hannah Höch, Raoul Hausmann, Issai Kulvianski, Paul Klee, El Lissitzky, Erich Mendelsohn, Ludwig Mies van der Rohe, Laszlo Moholy-Nagy, Piet Mondrian, Otto Möller, Moriz Melzer, Oswald Herzog, Max Pechstein, Iwan Puni, Emy Roeder, Georg Scholz, Fritz Stuckenberg, Max und Bruno Taut und Georg Tappert ausgestelt. 

Plakatausstellung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter" - © Bundesstiftung Aufarbeitung

Ausstellung

Der Kommunismus in seinem Zeitalter

Gerd Koenen

2017 jährt sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Der zur Oktoberrevolution mystifizierte Putsch der Bolschewiki war die Geburtsstunde des Kommunismus, der zur größten und tiefgreifendsten Massenbewegung des 20. Jahrhunderts wurde. Aus diesem Anlass zeigt die Plakatausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ den Aufstieg und Niedergang der kommunistischen Bewegungen. Diese waren im 20. Jahrhundert dazu angetreten, nicht nur die Welt, sondern auch die Menschen grundlegend zu verändern. Ihr totalitärer Anspruch mobilisierte rund um den Globus Millionen und entwickelte sich zum Albtraum von Abermillionen, die Opfer kommunistischer Gewaltregime wurden. Die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die mit Filmdokumenten im Internet verlinkt sind. Herausgeber der Ausstellung sind die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Deutsche Historische Museum Berlin. Ihr Autor ist der Frankfurter Historiker Gerd Koenen.

Screenshot von visitberlin.de

Ausstellungen

Die Revolution in Berlin 1918/19. Fotografie, Film, Musik, Alltag, Museum für Fotografie, Berlin

vom 09.11.2018 | bis zum 03.03.2019

Vom 9. November 2018 bis zu 3. März 2019 findet im Museum für Fotografie Berlin die Ausstellung "Die Revolution in Berlin 1918/19. Fotografie, Film, Musik, Alltag" statt. Die Ausstellung versammelt Bildmaterial in Form von Fotografien aber auch Filmen, welche im Winter 1918/19 in Berlin entstanden sind. Sowohl denjenigen Aspekten des Berliner Lebens, das von den revolutionären Ereignissen unbeeinflusst wurde, als auch denjenigen, die stark von ihnen geprägt wurden, biete die Ausstellung dabei Platz. Darüber hinaus bietet die Ausstellung durch den Einbezug von Unterhaltungsmusik als wichtiges Medium des Revolutionswinters eine bislang oft vernachlässigte Perspektive auf die Ereignisse des Jahres 1918/19. Das Datum der Ausstellungseröffnung markiert den 100. Geburtstag der doppelten Ausrufung der Republik durch Karl Liebknecht und Philipp Scheidemann, die nach teils blutigen Auseinandersetzungen das endgültige Ende der Monarchie in Deutschland markierte und schließlich in der Gründung der Weimarer Republik münden würde. Die Ausstellung geht dabei über eine schlichte Präsentation des Materials hinaus und stellt die Frage, welche Rolle Bildern bei der Vermittlung von Informationen zukommt.

Gedenkstätte Bautzen 2016, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna v. Arnim-Rosenthal

Gedenkstätte

Gedenkstätte Bautzen

Der Name der sächsisches Stadt Bautzen steht wie kaum ein anderer für Unrecht und politische Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und in der DDR. Bautzen umfasst als Gefängnisstandort die unter dem Namen „Gelbes Elend“ bekannt gewordene Strafvollzugsanstalt Bautzen I und das Gefängnis Bautzen II, das als „Stasi-Gefängnis“ traurige Berühmtheit erlangte. In beiden Gefängnissen wurden während des NS-Regimes, der sowjetischen Besatzungszeit und der SED-Diktatur Menschen aus politischen Gründen unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. Anfang 1992 wurde der ehemalige „Stasi-Knast“ Bautzen II als Gefängnis geschlossen und im darauffolgenden Jahr dank des Einsatzes des Bautzen-Komitees, einem Verband ehemaliger politischer Häftlinge, vom Freistaat Sachsen zur Gedenkstätte erklärt. Seit 1994 befindet sich die Gedenkstätte Bautzen unter dem Dach der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft. Seit 1998 fördern der Bund und der Freistaat Sachsen die Gedenkstätte. Die Gedenkstätte Bautzen befindet sich am Ort der ehemaligen Stasi-Sonderhaftanstalt Bautzen II. Trotz mehrerer Baumaßnahmen ist das Haus größtenteils in dem baulichen Zustand der 1980er-Jahre verblieben. Das Gefängnis vermittelt konkrete Eindrücke der Haftbedingungen der späten DDR. Neben Dauerausstellungen zu den einzelnen Verfolgungsperioden ist das ehemalige Gefängnis mit all seinen Haftbereichen, Arrestzellen („Tigerkäfige“), dem Isolationstrakt, den Fahrzeuggaragen und Gefangenentransportern, den Kellerarbeitsräumen und Freihöfen, dem alten Kinoraum usw. das Hauptexponat selbst. Nahezu alle Bereiche können von den Gedenkstättenbesuchern frei besichtigt oder im Rahmen von Führungen besucht werden.

Außenansicht der Gedenkstätte, Urheber: Spiridon Manoliu, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Gedenkstätte

Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und des Widerstandes, Sighet, Rumänien

Sighet. Die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und des Widerstands wurde 1994 von der Stiftung Bürgerakademie (Fundatia Academia Civica) gegründet und nach Abschluss umfassender Renovierungsarbeiten im Jahr 2000 der Öffentlichkeit übergeben. Die Initiative für die Errichtung einer Gedenk- und Begegnungsstätte in dem ehemaligen Gefängnis für politische Häftlinge geht auf die Schriftstellerin Ana Blandiana und ihren Ehemann Romulus Rusan zurück. In den über 80 zu Ausstellungsräumen umfunktionierten Zellen, die sich auf drei Stockwerke des Gebäudes verteilen, werden verschiedene Aspekte politischer Verfolgung in Rumänien von 1944 bis zur Revolution 1989 anhand von Überblicksdarstellungen und einzelnen Haftschicksalen veranschaulicht. Sighet dient auch als Ort des Gedenkens und der Erinnerung. Ein besonderes Anliegen der Einrichtung ist die Aufklärung der rumänischen und internationalen Öffentlichkeit über Formen der Unterdrückung und des Widerstandes während der kommunistischen Diktatur im Land. Das Gefängnis Sighet wurde 1897 als Haftanstalt des öffentlichen Rechts erbaut. Zwischen 1918 und 1945 fungierte es als reguläre Haftanstalt. Nach 1945 wurde Sighet zunächst als Durchgangsstation für Gefangene und Deportierte aus der Sowjetunion genutzt. Als die kommunistische Rumänische Arbeiterpartei (PMR) im Jahr 1947 die Macht übernahm, entwickelte sich die Haftanstalt zu einem der schlimmsten politischen Gefängnisse des Landes. Bis 1964 internierte das Regime unter Führung des Diktators Gheorghe Gheorghiu-Dej in Sighet über 200 Personen ohne juristischen Prozess oder Gerichtsurteil. Darunter befand sich fast die gesamte politische religiöse und intellektuelle Elite des Landes. Mehr als 50 Personen verstarben aufgrund von Misshandlungen und miserablen Haftbedingungen. Zumeist wurden die sterblichen Überreste nachts auf einem Feld außerhalb der Stadt in Gräbern verscharrt. Erst als die Massengräber 1994 offengelegt wurden, konnten die Gebeine der Toten in Gräbern bestattet werden. In den Jahren von 1955 bis 1977 diente das Gefängnis Sighet als reguläre Haftanstalt. Als der seit 1965 amtierende Generalsekretär der Rumänischen KP Nicolae Ceaușescu im April 1977 eine allgemeine Amnestie und die Kampagne zur Erziehung der Häftlinge am Arbeitsplatz ausrief, wurde das Gefängnis geschlossen. Das Gebäude diente in den folgenden Jahren als Salzdepot, Gemüselager und Besenfabrik. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes im Dezember 1989 fanden hier mehrere Jahre lang Obdachlose Zuflucht. Erst als sich die Stiftung Bürgerakademie Mitte der 1990er Jahre des im Verfall begriffenen Gebäudes annahm, wurde die Geschichte der Einrichtung rekonstruiert und im Rahmen einer museologisch konzipierten Ausstellung aufgearbeitet. Die zu thematischen Ausstellungsräumen umfunktionierten Zellen veranschaulichen das weit verzweigte Repressionssystem im kommunistisch regierten Rumänien. So vermittelt der „Kartensaal“ eine topographische Vorstellung von den über 230 Orten der Internierung, Zwangsarbeit, Aussiedlung, Deportation, Repression und Zwangspsychiatrisierung, an denen zwischen 1945 und 1989 etwa 600.000 Menschen gefangen waren. Hunderttausende von ihnen waren bis zu zehn Jahren interniert, ohne jemals einen rechtsstaatlichen Prozess erlebt zu haben. Gegenstände und Faksimile veranschaulichen den Haftalltag, Grafiken und Informationstexte stellen die Funktionen und Besonderheiten des kommunistischen Strafsystems in Rumänien vor. Eingegangen wird auch auf das so genannte „Piteşti-Experiment“ in den Jahren 1949 bis 1952, als die damals noch Siguranța genannte rumänische Geheimpolizei Gefangene durch Folter und Erniedrigung zu „neuen Menschen“ umerziehen wollte. Dokumentiert werden in weiteren Teilen der Ausstellung die ostentativ zu Gunsten der Kommunistischen Partei manipulierten Wahlen des Jahres 1946, die systematische Ausschaltung der etablierten demokratischen Vereinigungen und die endgültige Eliminierung des Mehrparteiensystems zugunsten einer Einparteiendiktatur im Februar 1948. An den Wänden der Rampe zum unterirdischen Andachtsraum sind die Namen von 8.000 bislang identifizierten Opfern der kommunistischen Diktatur eingraviert. In dem sogenannten Kenotaph, einem sakralen Rundbau, sollen die Besucher einen Moment der Meditation und Reflexion erleben. In der Mitte des Raums befindet sich eine von Wasser bedeckte runde Steinplatte, auf ihr spiegelt sich der kreuzförmige Durchbruch in der kuppelartigen Decke. Im Innenhof der Gedenkstätte stehen Steinplatten mit den Namen weiterer ehemaliger Insassen von Sighet und die vom rumänischen Künstler Aurel Vlad gestaltete Skulpturenkomposition „Der Konvoi der Geopferten“. Die 18 sich auf die Gefängniswand zu bewegenden amorphen Bronzefiguren sollen eine sich in Agonie befindende Gesellschaft symbolisieren. Zur Gedenkstätte gehört auch ein unweit der Anlage gelegener Armenfriedhof. Dort wurden einige der 53 Menschen anonym verscharrt, die zwischen 1950 und 1955 im Gefängnis verstarben. Um sie zu würdigen, wurden Bäume gepflanzt und 2005 ein Altar aufgestellt, der als Ehrenmal den Opfern aus allen kommunistischen Gefängnissen, Lagern und Orten der Deportation gewidmet ist.Die Gedenkstätte Sighet erweitert ihr Bildungs- und Informationsangebot durch zahlreiche Konferenzen, Symposien und Fortbildungen. Seit 1998 veranstaltet die Einrichtung jährlich eine internationale Sommerschule, deren Teilnehmer in einem Essaywettbewerb ermittelt werden. Der Stiftung Bürgerakademie angegliedert ist das Internationale Zentrum für Kommunismusstudien mit Sitz in Bukarest, wo die wissenschaftliche Aufarbeitung durch den Aufbau von Archiven und Dokumentationen vorangetrieben wird. Am 9. Mai 2013 wurde eine Außenstelle der Gedenkstätte in Bukarest eröffnet.

GULAG: Soviet Forced Labor Camps and the Struggle for Freedom

Online-Ausstellung | Gedenkstätte

GULAG: Soviet Forced Labor Camps and the Struggle for Freedom

Die Onlineausstellung GULAG informiert über das Entstehen der sowjetischen Arbeitslager, ihren Bedeutungsgewinn in der Zeit Stalins und den Einfluss der Menschenrechtsbewegung in den 1960er- und 70er-Jahren. Auch die Bedeutung für das heutige Russland spielt eine Rolle, in dem die Geschichte der Arbeitslager aufgearbeitet werden soll. Die Onlineausstellung basiert auf dem Museum in den Räumen des ehemaligen Lagers „Perm 36“, das von der NGO Perm-36 erarbeitet und 2014 verstaatlicht wurde. Der Schwerpunkt liegt auf dem Lager „Perm 36”, das als Hochsicherheitslager für politische Gefangene diente. In der Online-Ausstellung findet der Nutzer Informationen sowohl zu verschiedene Facetten des Lagerlebens wie der Situation von Frauen, Arbeitsbedingungen, Gründe für Inhaftierungen als auch zur Dissidentenbewegung nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 und den Wandel mit dem Ende der Sowjetunion. Zur Onlineausstellung gelangen Sie hier.

Screenshot der Website des Museums

Museum

House of Leaves. The Museum of Secret Surveillance, Tirana, Albanien

Das Museum „Shtëpia me Gjethe“ (dt. „Haus der Blätter“) ist der Zeit totalitärer Herrschaft in Albanien gewidmet. Das Museumsgebäude, ursprünglich ein Krankenhaus, wurde während der faschistischen Besatzung Albaniens zwischen 1943 und 1944 von der Gestapo genutzt und anschließend von der albanischen Geheimpolizei Sigurimi. Eine Ausstellung erinnert hier an die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die dem Regime während seiner Herrschaft zwischen 1944-1991 zum Opfer fielen. Ein Kernelement der Macht des Regimes über die Bevölkerung lag in der möglichst lückenlosen Überwachung durch die Geheimpolizei. Ein Fokus der Ausstellung liegt daher auf der Technik, die zur Bespitzlung der albanischen Bürgerinnen und Bürger genutzt wurde. Ziel des Museums ist es, das dunkle Kapitel der albanischen Geschichte im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern und Mechanismen zur Aufarbeitung zu entwickeln. Wichtige Schritte auf diesem Weg waren in den vergangenen Jahren die Öffnung der Geheimdienstarchive im Jahr 2015 sowie die Umgestaltung der zahlreichen Bunker, von denen viele im ganzen Land verteilt sind, zu Erinnerungsstätten. 

Screenshot der Website des Museums

Museum

KGB Cells museum, Tartu, Estland

Das KGB Kongide Muuseum (dt. KGB Kerker Museum) ist eine Zweigstelle des Stadtmuseums Tartu. Es befindet sich im sogenannten „Grauen Haus“, in dem sich in den 1940er und 1950er-Jahren die Quartiere des sowjetischen Geheimdienstes befanden. Das Museum wurde 2001 auf Initiative von ehemaligen Gefangenen und Mitgliedern der studentischen Widerstandsbewegung eröffnet. Die Dauerausstellung, die sich in den ehemaligen Zellen befindet, behandelt verschiedene Aspekte der sowjetischen Besatzung Estlands. Die einzelnen Räume bzw. Zellen sind unter anderem dem Zweiten Weltkrieg, den darauf folgenden Kämpfen um die Unabhängigkeit Estlands, den Verbrechen des Sowjetregimes und den Bedingungen der politischen Gefangenen gewidmet. Die Exponate sind vielfältiger Natur und reichen von Fotos und Gegenständen aus sibirischen Gefangenenlagern über Materialien der estnischen Partisaninnen und Partisanen bis zu Informationen zur Geschichte der estnischen Widerstandsbewegung und zu Alexander Solschenizyns Beziehung zu Estland. Estland wurde 1940 zusammen mit Lettland und Litauen gemäß der Bestimmungen des deutsch-sowjetischen Nicht-Angriffspaktes von der Sowjetunion annektiert. Zwischen 1941 und 1944 war das Land von deutschen Truppen besetzt, wurde jedoch anschließend wieder als Estnische Sozialistische Sowjetrepublik in die Sowjetunion eingegliedert und erlangte erst 1991 seine Unabhängigkeit zurück.

Museum der Revolution vom 16.-22. Dezember 1989, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Ronny Heidenreich

Museum

Museum der Revolution vom 16.-22. Dezember 1989, Temeswar, Rumänien

Der am 26. April 1990 gegründete Verein „Memorial der Revolution vom 16. bis 22. Dezember 1989 in Temeswar” richtete unter der Leitung von Traian Orban ein Dokumentations- und Forschungszentrum ein. „Wir verstehen uns als Institution gegen das Vergessen“, erklärte Orban, der bis zum Aufstand als Tierarzt arbeitete, während der Proteste angeschossen und danach in Wien operiert wurde. Seither war er gehbehindert. Der Verein will die rumänische Revolution in ihrem europäischen Kontext aufarbeiten. Mit staatlicher Unterstützung wurde in der Innenstadt von Temeswar ein Gebäude restauriert und ausgebaut. Dort sind Ausstellungsräume des Museums, eine Bibliothek sowie ein Archiv untergebracht. Im Innenhof des Dokumentationszentrums wurde eine ökumenische Kapelle als Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Helden von 1989 geschaffen. Das nahe der ungarischen Grenze gelegene Temeswar ist mit ca. 360 000 Einwohnern die größte Stadt Westrumäniens. Hier begann am 16. Dezember 1989 die rumänische Revolution, die mit der Hinrichtung des Diktators Nicolae Ceaușescu und seiner Ehefrau Elena am 25. Dezember zum Sturz des kommunistischen Regimes im Land führte. Auslöser der Proteste war die bekannt gewordene Zwangsumsiedlung des reformierten ungarischen Pastors László Tőkés, der bereits seit Längerem von der berüchtigten Geheimpolizei Securitate wegen regimekritischer Äußerungen beobachtet worden war. Im Laufe des 16. September versammelten sich über 1000 Menschen im Stadtzentrum, sie erhoben sozialpolitische Forderungen und verlangten die Absetzung Ceaușescus. Die Securitate trieb die Menge mit Gummiknüppeln auseinander, verhaftete dutzende Demonstranten, bekam aber den Aufruhr nicht mehr unter Kontrolle. Am nächsten Tag schlossen sich viele Arbeiter den Protesten an, die Menge skandierte antikommunistische Losungen, es kam auch zu Akten roher Gewalt und zu Plünderungen. Die Einsatzkräfte gingen äußerst brutal gegen die Aufständischen vor, am Nachmittag gab es Verletzte und Tote. Bis zum 20. Dezember verloren in Timişoara über 100 Menschen ihr Leben, dann stellte sich die dort stationierte Armee auf die Seite des Volkes. Timişoara war die erste Stadt Rumäniens, die sich von der Ceaușescu-Diktatur befreit hatte. Nach der Übernahme eines Flügels der ehemaligen Armeebaracke Nr. 1079 konnte das Museum 2011 den Ausstellungsbereich erweitern. Anhand einer umfassenden Fotodokumentation, von Plakaten und Informationstafeln, Video- und Audioelementen, Faksimile und Originalexponaten wird die Geschichte der Revolution 1989 dargestellt. Ein besonderer Schwerpunk liegt auf den Ereignissen in Temeswar, die nach Meinung verschiedener Historiker und Zeitzeugen bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Rumänien wird auch in den europäischen Kontext der Systemtransformation gestellt. Besucher können an Führungen durch das Museum teilnehmen. Diese werden in Rumänisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Ungarisch und Serbisch angeboten. Das Nationale Dokumentations-, Forschungs- und Informationszentrum über die Revolution von 1989 wirkt aktiv an der Aufklärung des rumänischen Kommunismus mit. Seit 2011 gibt der Verlag des Zentrums wissenschaftliche Publikationen heraus. Am 20. Dezember 2012, dem Jahrestag der rumänischen Revolution, enthüllten Klaus Christian Olasz, Konsul der Bundesrepublik Deutschland, und Dr. Traian Orban auf dem Gelände des Museums ein Originalsegment der Berliner Mauer als Mahnmal an die Überwindung des Eisernen Vorhanges in Europa. Die Schenkung des Berliner Senats erfolgte auf Anregung von Dr. Anna Kaminsky, der Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Außer dem Mauersegment, welches während der deutsch-deutschen Teilung auf dem Potsdamer Platz stand, befinden sich zahlreiche Skulpturen rumänischer Künstler auf dem Areal. In der Stadt wurden an zentralen Schauplätzen in Erinnerung an die Ereignisse von 1989 weitere zwölf Skulpturen und Mahnmale aufgestellt. Zwischen 1990 und 1999 entstand auf dem Heldenfriedhof der Stadt auf Initiative des Temeswarer Vereins „Memorial der Revolution vom 16. bis 22. Dezember“ eine Gedenkanlage für die Opfer der Dezemberrevolution. Sie wurde nach den Entwürfen der rumänischen Architekten Pompiliu Alâmoreanu, Ionel Pop und Liviu Brebe realisiert. Für die über siebzig namentlich bekannten Toten wurden symbolische Gräber errichtet. In die einheitlich gestalteten schwarzen Grabsteine wurden die Namen der Toten eingraviert. Neben einer offenen Kapelle aus schwarzem und weißem Marmor befindet sich das zentrale Mahnmal der Anlage: eine hohe Wand aus schwarzen und weißen Marmorquadern, in deren Mitte ein goldenes Kreuz eingelassen ist. In einem Steinbehälter unmittelbar vor der Gedenkwand brennt eine ewige Flamme.

Museum of Socialist Art, Muzey na sotsialisticheskoto izkustvo, Sofia, Bulgaria

Museum

Museum of Socialist Art, Sofia, Bulgarien

Das Museum of Socialist Art (Muzey na sotsialisticheskoto izkustvo) in Sofia, im September 2011 auf Initiative des bulgarischen Kulturministeriums eröffnet, stellt Skulpturen, Bilder und Plakate aus der Zeit von 1945 bis 1989 aus. Viele Ausstellungsstücke wurden im Auftrag der Regierung zu Propagandazwecken von einigen der renommiertesten Künstler Bulgariens geschaffen. Häufig sind sowjetische Führer oder entscheidende Personen der Zeitgeschichte wie Lenin dargestellt. Andere Werke glorifizieren das Leben der Arbeiterklasse. Über 70 nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems an ihren bisherigen Standorten abgebaute Büsten und Statuen sind auf dem Außengelände des Museums zu besichtigen. Das Museum soll vor allem eine Attraktion für Touristen und jüngere Bulgaren sein und die Zeit des Sozialismus im Land endlich „dorthin stellen, wo sie hingehört: in ein Museum“ (Vezhdi Rashidov, ehemaliger Kulturminister Bulgariens bei der Eröffnung des Museums). Trotzdem solle aber dem künstlerischen Wert der Arbeiten Beachtung geschenkt werden. Das Museum verfügt über keine eigene Webpräsenz, lediglich über einen Facebook-Auftritt.

Screenshot des Eintrags auf der Website Tourist-Informationszentrum der Gemeinde Varna

Museum

Retro Museum of Socialism, Warna, Bulgarien

Das Retro Museum of Socialism in Varna stellt Alltagsgegenstände und Kultobjekte aus den Jahren 1945 bis 1989 aus. Unter anderem Modelle bekannter Automarken, Motorräder, Luxusgüter und Haushaltsgegenstände, die in den Ostblock-Staaten produziert wurden. Zur Ausstellung gehören auch Wachsfiguren berühmter sozialistischer Herrscher. Durch Spenden und Schenkungen aus ganz Bulgarien soll die Sammlung stetig vergrößert werden. Der Gründer des Museums ist der bulgarische Geschäftsmann Tsvetan Atanasov. Die Räumlichkeiten des Museums sind in einem Einkaufzentrum untergebracht, eine eigene Museums-Website existiert nicht, die Facebookseite wird ausschließlich in kyrillischer Schrift unterhalten. Die Ausrichtung des Hauses und das Narrativ der Ausstellung sind somit nur schwer einschätzbar.

Die frühere Zentrale des MfS in der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg © Bundesstiftung Aufarbeitung

Museum

Stasimuseum Berlin

Im Haus 1 des Gebäudekomplexes der Normannenstraße 22 befand sich seit 1961 die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Bis zum Ende der DDR befehligte von hier aus Erich Mielke, der seit 1957 Minister für Staatssicherheit war, den riesigen Unterdrückungsapparat der SED, der sich selbst als „Schild und Schwert der Partei“ verstand. Das MfS agierte als Instrument zur „offensiven Unterstützung der Umsetzung der Beschlüsse der Partei“ und war gleichzeitig Geheimpolizei, Nachrichtendienst und Untersuchungsorgan zur Strafverfolgung und Vorbereitung von Prozessen. Im Jahr 1989 arbeiteten für das MfS 91.016 hauptamtliche Angestellte und mindestens 173.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM). Etwa 15.000 IM waren in Westdeutschland und West-Berlin tätig. Etwa acht Hektar umfasste das Areal des MfS zwischen Magdalenen-, Rusche- und Normannenstraße, das 1989 Arbeitsplatz von 20.000 Mitarbeitern war. In der Zentrale wurde die Arbeit des gesamten Ministeriums koordiniert. Von hier aus wurden grundsätzliche Entscheidungen getroffen und die untergeordneten Einheiten kontrolliert. Darüber hinaus gehörten zu den zentralen Aufgaben des MfS die Passkontrolle an der innerstädtischen Grenze sowie die Überwachung von Journalisten aus dem westlichen Ausland. Im Zuge der Friedlichen Revolution drangen am Abend des 15. Januar 1990 tausende Demonstranten in das Gelände ein. Das Berliner Bürgerkomitee übernahm das Hauptquartier in der Normannenstraße und begann seine Arbeit zur Auflösung des MfS bzw. des „Amtes für Nationale Sicherheit“, wie es seit Mitte November 1989 hieß. Eine Woche später entschied der Zentrale Runde Tisch, im Haus 1 eine Forschungs- und Gedenkstätte zum politischen System der DDR einzurichten. Die mit der Wahl vom 18. März 1990 frei gewählte DDR-Regierung fasste am 16. Mai einen entsprechenden Beschluss, der jedoch nicht mehr umgesetzt wurde. Deshalb gründeten im August 1990 Mitglieder des Bürgerkomitees und Bürgerrechtler den Verein Antistalinistische Aktion Normannenstraße e. V. (ASTAK). Am 7. November 1990 wurde die „Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße“ mit der Ausstellung „Wider den Schlaf der Vernunft“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mittelpunkt des historischen Ortes sind seither die im Originalzustand belassenen Amts- und Arbeitsräume Erich Mielkes. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das denkmalgeschützte Haus 1 im Januar 2012 wiedereröffnet. Im dortigen Stasi-Museum informiert seit dem 17. Januar 2015 die neue Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ über die Tätigkeit des MfS, zeigt Facetten des politischen Systems und beleuchtet Formen von Widerstand und Opposition in der DDR. Realisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein ASTAK e.V. und dem BStU. Seit Juni 2016 zeigt die Robert-Havemann-Gesellschaft die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall” auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale. Die zweisprachige Dauerausstellung dokumentiert die wichtigsten Stationen der Friedlichen Revolution in der DDR und ist rund um die Uhr kostenfrei zugänglich.

Screenshot zur Ausstellung auf friedhof-der-maerzgefallenen.de

Dauerausstellung

100 Jahre Revolution 1918/19, Friedhof der Märzgefallenen Berlin

Seit dem 3. September 2018 ist eine neue Dauerausstellung unter dem Titel "100 Jahre Revolution 1918/19" auf dem Friedhof der Märzgefallenen Berlin zu sehen. Es ist ein Teil einer zweiteiligen Außenausstellung, die aus zwei "Revolutionsinseln" besteht: eine zur Märzrevolution 1848 und eine zur Novemberrevolution 1918/19. Diese bestehen aus fünf bzw. aus sieben Ausstellungstafeln. Auf diesen Tafeln werden die jeweiligen Ereignisse dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf der Vermittlung durch Bilder liegt: großformatige Abbildungen, zum Beispiel von Barrikadenkämpfen, bilden das wichtigste Element, während die (zweisprachigen) Begleittexte bewusst knapp gehalten sind. Ergänzt werden diese Elemente zukünftig noch durch Informationsstehlen, die auf dem Weg von den nächsten ÖPNV-Haltestellen aufgestellt sind und die über die Bedeutung des Ortes selbst sowie über die Geschichte des Friedhofs informieren. Der Friedhof wurde 1848 eigens für die 225 Opfer der Märzrevolution angelegt, später wurden die Gefallenen der Novemberrevolution ebenfalls hier beigesetzt. Die Eröffnung des Ausstellungsteils zur Revolution von 1848 und zur Geschichte des Ortes folgt im Mai 2019. Eine kostenlose Führung findet im Herbst/Winter jeden 1. und 3. Sonntag im Monat um 14:30 Uhr statt. Begleitend zur neuen Dauerausstellung wird ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm angeboten.  

Außenansicht des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Museum

Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst thematisiert in seiner Dauerausstellung den „Großen Vaterländischen Krieg“. So wurde in der Sowjetunion der Deutsch-Sowjetische Krieg 1941-1945 bezeichnet. Nach dem Betreten des Gebäudes müssen sich die Besucher entscheiden, ob sie sich dem Thema zuerst aus der deutschen oder der russischen Perspektive nähern möchten, symbolisiert durch zwei Türen, die mit „8. Mai 1945“ und „9 мая 1945“ beschriftet sind. Im Gebäude des Museums wurde an diesem Tag die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet, was es zu einem historischen Ort macht. Die unterschiedlichen Daten ergeben sich aus dem Umstand, dass in der Sowjetunion  die Kapitulation erst nach null Uhr bekanntgegeben wurde. Zum 50. Jahrestag des Kriegsendes in Europa wurde das Museum am 10. Mai 1995 eröffnet und präsentiert neben der Dauerausstellung auch Sonderausstellungen und veranstaltet Gedenkfeiern sowie wissenschaftliche Tagungen.

Engels-Haus in Wuppertal, Urheber: Manos, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Museum

Engels-Haus, Wuppertal

Das Engels-Haus des Historischen Zentrums Wuppertal beschäftigt sich mit dem Leben und Werk von Friedrich Engels (1820–1895). Es befindet sich in einem ehemaligen Wohnhaus auf dem Anwesen der Familie Engels in Wuppertal. Die Ausstellung arbeitet mit Originalobjekten und soll veranschaulichen, wie Engels’ persönliche Erfahrungen als junger Erwachsener und Auszubildender in der englischen Textilindustrie seine kritischen Ansichten und sein politisches sowie theoretisches Wirken beeinflusst haben. Besondere Berücksichtigung findet seine Freundschaft und gemeinsame Arbeit mit Karl Marx. Es wird also sowohl die persönliche Geschichte Engels’ als auch eine damit verbundene Intellektuellen- und Theoriegeschichte des 19. Jahrhunderts nachgezeichnet. Das Museum ist ein beliebter außerschulischer Bildungsort und kann ebenso von interessierten Einzelpersonen besichtigt werden.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Gedenkstätte

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist einer der wichtigsten Erinnerungsorte für Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Auf dem Gelände befand sich ab Juni 1945 zeitweilig ein sowjetisches Speziallager. Nach dessen Auflösung nutzte die sowjetische Besatzungsmacht  die ehemalige Großküche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt als ihr zentrales Untersuchungsgefängnis in Deutschland. Ab 1951 bis zum Untergang der DDR nutzte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) den Bau ebenfalls als zentrales Untersuchungsgefängnis. Im Herbst 1989 wurden alle politischen Gefangenen freigelassen. Vorübergehend wurde das Gefängnis dem DDR-Innenministerium unterstellt. Nach der Wiedervereinigung wurde es am 3. Oktober 1990 geschlossen. Im Oktober 1991 empfahl der Berliner Senat die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem früheren Gefängnisgelände. Das Abgeordnetenhaus stimmte dem 1992 zu. Die Haftanstalt wurde im selben Jahr unter Denkmalschutz gestellt und 1994 für Besucher geöffnet. Die Gedenkstätte bietet entgeltpflichtige Führungen durch die Haftanstalt an, die von ehemaligen Insassen durchgeführt werden. Kostenfrei kann die Dauerausstellung „Gefangen in Hohenschönhausen: Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989“ besucht werden. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Opfer während ihrer Haft.

Die Gedenkstätte Vojna Lešetice, Urheber: Michal Ritter, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gedenkstätte

Gedenkstätte Vojna Lešetice, Lešetice, Tschechien

Auf Antrag der Konföderation der ehemaligen politischen Häftlinge entschied die Regierung der Tschechischen Republik im Juli 1998, auf dem Gelände des ehemaligen Uran-Zwangsarbeitslagers Vojna – der einzigen authentisch erhalten gebliebenen Anlage dieser Art aus der kommunistischen Zeit – eine Gedenkstätte zu schaffen. Nach der Beräumung des Geländes, das bis zum Jahr 2000 von der tschechischen Armee genutzt wurde, fanden umfassende Rekonstruktions- und Sicherungsarbeiten statt. 2001 wurde das gesamte Areal zum Kulturdenkmal erklärt. Im Mai 2005 konnte schließlich die Gedenkstätte Lager Vojna in einem Festakt der Öffentlichkeit übergeben werden. Sie soll als Zweigstelle des Bergbaumuseums Příbram die Erinnerung an das hier praktizierte Unrecht wachhalten. In Kooperation mit dem Museum des Dritten Widerstands in Příbram und der Vereinigung der politischen Häftlinge in der Tschechischen Republik entstand auf dem Gelände der Gedenkstätte eine Dauerausstellung. Sie illustriert die politische Verfolgung in der Tschechoslowakei nach der Machtergreifung der Kommunisten am 25. Februar 1948, beleuchtet Aspekte des antikommunistischen Widerstands und zeigt die Entwicklung des Uranbergbaus. Zwischen 1945 und 1962 wurden etwa 5.000 deutsche Kriegsgefangene, 7.000 nichtausgesiedelte Sudetendeutsche, 100.000 tschechoslowakische politische Häftlinge sowie etwa 260.000 tschechische Zivilarbeiter zwangsweise in den Uranabbaugebieten in Joachimsthal, Schlaggenwald und Příbram für die sowjetische Atomwaffenindustrie ausgebeutet. Offiziell gegründet wurde das Uran-Zwangsarbeitslager (Tábory Nucené Práce – TNP) Příbram-Vojna am 22. November 1949. Zum 3. März 1950 befanden sich dort 530 Männer, im Frühjahr 1951 war ihre Zahl auf 761 angestiegen. Bis 1. Juli 1950 entstanden zudem die Zweigstellen TNP Příbram-Brod, die zum 20. Januar 1951 jedoch wieder aufgelöst wurde, sowie TNP Třebsko, das ab Herbst 1950 als eigenständiges Lager fungierte. Im selben Jahr hatten die „Zöglinge“ die Urangruben Nr. 4 (Lešetice), Nr. 5 und Nr. 6 in Brod und Nr. 7 (Třebsko) abgeteuft. Wie an den anderen Standorten – zum Jahresende 1949 existierten in der ČSR 26 Zwangsarbeitslager mit 5.618 Insassen – waren die Arbeitsbedingungen aufgrund des rücksichtslosen Strebens nach immer größeren Abbaumengen unmenschlich. Überhöhte Ablieferungsquoten und die Nichteinhaltung der einfachsten Sicherheitsvorkehrungen führten immer wieder zu Unfällen mit schweren Verletzungen und Todesfolgen. Die Arbeit mit radioaktivem Material, das unzureichende Lüftungssystem in den Schächten, der Konsum radioaktiv verseuchten Wassers und das Einatmen des radioaktiven Staubes zersetzten die Gesundheit der Gefangenen und verursachten schwerwiegende Folgeschäden. Da die Häftlingsbarracken zur „optimalen Nutzung des Arbeitskräftepotenzials“ unmittelbar zwischen den Urangruben Vojna 1 und 2 errichtet wurden, waren die Internierten auch außerhalb der Gruben ständig einer unkontrolliert hohen unmittelbaren Strahlenbelastung ausgesetzt. Anfang 1951 kam es zu einer Reorganisation des Lagersystems. Einige Standorte wie Joachimsthal wurden aufgrund der geringer werdenden Fördermengen stillgelegt. Die Internierten überführte man in andere Strafvollzugseinrichtungen, die als Besserungsarbeitslager (Nápravně Pracovní Tábor – NTP) bezeichnet wurden. So wandelte sich auch das vormalige „Zwangsarbeitslager Vojna“ zum „Besserungsarbeitslager“ mit der Bezeichnung NPT-U. Verbannt wurden in die Uran-Lager nun vor allem Menschen, die zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren. Aus Sicht der Lagerleitung waren die politischen Häftlinge, welche die Justiz zu dieser Zeit besonders zahlreich generierte, wesentlich nützlicher für den Uranabbau als die Internierten der Zwangsarbeitslager, deren Verbleib „immer zu kurz“ gewesen ist. Entsprechend dem Gesetz Nr. 231/1948 zum „Schutz der Volksdemokratischen Republik“ wurden Häftlinge mit Freiheitsstrafen von zehn oder mehr Jahren bei der Uranförderung eingesetzt. Ins NPT-U Vojna eingeliefert wurden daraufhin die „allergefährlichsten, insbesondere die hinsichtlich der staatlichen Sicherheit relevanten Verbrecher“. Dabei handelte es sich meist um demokratisch gesinnte Bürger aller Gesellschaftsschichten vom Arbeiter und Bauern bis zum obersten Offizier der tschechoslowakischen Armee oder ehemaligen Fabrikdirektor, die des Hoch- und Landesverrats, der Spionagetätigkeit oder der Unterminierung der volksdemokratischen Ordnung überführt worden waren. Zum Häftlingskontingent zählten auch gewöhnliche Kriminelle, Schwarzhändler und Wirtschaftskriminelle. Für die Bewachung des Lagers eingesetzt wurde ab Mai 1950 die selbstständige Kompanie der Spezialeinheit des Korps der Nationalen Sicherheit (SNB) mit der Bezeichnung „Kranich III“ (Jeřáb). Nach der Teilamnestie im Jahre 1960 wurde das Besserungsarbeitslager Vojna zum 1. Juni 1961 aufgelöst. Die noch verbleibenden Häftlinge überstellte man in das nahegelegene Lager Bytíz – das größte aller Uran-Lager auf dem Territorium der ČSSR mit einer Aufnahmekapazität von bis zu 2.000 Verurteilten. Das Areal des NTP-U Vojna nutzten zwischen 1961 und 2000 zunächst die tschechoslowakischen (1992) und anschließend die tschechischen Streitkräfte. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind wesentliche Teile der Anlage bis heute erhalten geblieben, darunter die Küchenbaracke, die Wohnbaracke 1, die Sanitätsstation, die Sonderstrafbaracke, der unterirdische „bunkr“ sowie das Maschinengebäude des Förderschachts. Dieser „Altbestand“ vermittelt zusammen mit den rekonstruierten Elementen den Besuchern des Museums nicht nur einen Eindruck von den Verhältnissen im Lager Vojna, sondern auch von den Bedingungen in den übrigen Lagern des „Geheimgebiets Joachimsthal“.

Haupteingang des Museums © Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Museum

Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn

Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vermittelt die deutsche Zeitgeschichte in anschaulichen Dauer-, Wechsel- und Wanderausstellungen. Ihre Arbeit trägt dazu bei, historisches Wissen zugänglich zu machen, Diskussionen anzuregen und zur Bildung kritischer Meinungen beizutragen.  Die erste Initiative zum Aufbau einer „Sammlung zur deutschen Geschichte seit 1945“ in Bonn ging 1982 von Bundeskanzler Helmut Kohl aus. Auf Grundlage des Gutachtens einer Sachverständigenkommission arbeitete seit 1986 ein Aufbaustab an der Vorbereitung der Ausstellung. Am 28. Februar 1990 verabschiedete der Deutsche Bundestag schließlich das „Gesetz zur Errichtung einer selbständigen Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. 1994 wurde das Haus mit einer Dauerausstellung eröffnet, die man im Juli 2001 teilweise überarbeitete und unter das Motto „Geschichte neu erleben“ stellte. Eine weitere Neugestaltung der Schau erfolgte zehn Jahre später. Sie wurde im Mai 2011 vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wiedereröffnet und präsentiert unter dem Titel „Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945“ die Geschichte Deutschlands vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die Gegenwart. Auf 4.000 Quadratmetern werden über 7.000 Ausstellungsstücke und 150 Medienstationen zur deutschen Zeitgeschichte angeboten. Die Dauerausstellung wird regelmäßig durch aktuelle Wechsel- und Wanderausstellungen ergänzt. Das Haus der Geschichte in Bonn verfügt zudem über ein Informationszentrum, das als Bibliothek und Mediathek dazu einlädt, sich näher mit der deutschen Zeitgeschichte auseinanderzusetzen. Dort finden interessierte Besucher auch eine Spezialbibliothek zur Geschichte der DDR.

Screenshot eines Beispieleintrags aus der Online-Ausstellung

Online-Ausstellung

Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa

Die Online-Ausstellung ist das Ergebnis eines Projekts, das von Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Jahr 2015 erarbeitet wurde. Sie zeigt Aspekte der Inszenierung und Medialisierung politischer Justiz in Osteuropa anhand von zehn Schauprozessen aus vier osteuropäischen Staaten. Präsentiert werden Bilder, Auszüge aus Zeitungsartikeln, Audio- und Videosequenzen sowie den Prozessprotokollen. Die Beispiele stammen aus der Sowjetunion der 1920er- und 1930er-Jahre, aus Ungarn, der Tschechoslowakei und der DDR in der Anfangszeit des Kalten Krieges. Ihnen wird die westliche Rezeption der medial vermittelten Prozesse gegenübergestellt. Neben einer Einführung zu den Themen „politische Justiz“ und „Schauprozesse“ bietet die Webseite ein Personenregister mit den wichtigsten Informationen zu den historischen Akteuren.

Okkupationsmuseum in Riga © Bundesstiftung Aufarbeitung

Museum

Lettisches Okkupationsmuseum, Riga, Lettland

Das Lettische Okkupationsmuseum wurde am 1. Juli 1993 eröffnet. Es befindet sich im Gebäude des ehemaligen Museums der „Roten lettischen Schützen“, bewaffneter Militäreinheiten, die sich zum Ende des Ersten Weltkriegs mit den Bolschewiki verbündeten und an der Seite der Roten Armee für die Durchsetzung der kommunistischen Herrschaft kämpften. Das Museum wurde 1970 errichtet, 1990 – noch zu Sowjetzeiten – aber wieder geschlossen. Nach geringfügigen baulichen Veränderungen bezog 1991 das Okkupationsmuseum die Räume. Es verdankt seine Entstehung hauptsächlich dem Engagement lettischer Emigranten aus Westeuropa und Übersee, die nach der staatlichen Unabhängigkeit die Einrichtung einer Institution inhaltlich und finanziell unterstützten, die an die Besetzungen Lettlands durch Nazideutschland und die Sowjetunion erinnert. Zum gleichen Zweck wurde auch die „Stiftung Okkupationsmuseum“ ins Leben gerufen. Seit 1997 hat der lettische Staat die Schirmherrschaft über das Museum inne. Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte der Besatzungsregime in Lettland seit 1940. Sie beginnt mit den Auswirkungen und Folgen des Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August 1939. Im Anschluss an die erste sowjetische Okkupation 1940/41 wird die Darstellung chronologisch mit der nationalsozialistischen deutschen Besatzungsherrschaft von 1941 bis 1944 und dem Holocaust fortgesetzt. Einen dritten Schwerpunkt bildet die Darstellung der zweiten sowjetischen Besatzung ab 1944, die mit der Porträtierung der Unabhängigkeitsbewegung in den 1980er Jahren ihren Abschluss findet. Gezeigt werden soll, welche Auswirkungen die jeweiligen politischen Systeme auf die lettische Bevölkerung hatten. Es ist ein Erweiterungsbau des lettisch-amerikanischen Architekten Gunnar Birkerts geplant. Auch die Dauerausstellung soll umgestaltet werden. Nachdem das lettische Parlament dem Museum am 20. September 2016 den Status eins „Objekts nationalen Bedeutung“ zugesprochen und zusätzliche Mittel für den Umbau in Aussicht gestellt hat, ist die Neueröffnung der Einrichtung für Oktober 2018 geplant. Während der Rekonstruktionsarbeiten kann die Dauerausstellung in den Räumlichkeiten der ehemaligen amerikanischen Botschaft auf dem Raiņa Boulevard besichtigt werden. Das Okkupationsmuseum verfügt über eine Forschungs- und Dokumentationsabteilung. Zum Bildungsangebot gehören neben geführten Touren auf Lettisch, Englisch, Russisch und Deutsch auch Seminare und Konferenzen sowie thematische Veranstaltungen. Darüber hinaus bietet die Einrichtung auf ihrer Internetpräsenz die Möglichkeit, das „Virtuelle Museum der Okkupationen Lettlands“ zu erkunden.

Logo des Museums der Verbrechen und der Opfer des Kommunismus

Museum

Museum der Verbrechen und der Opfer des Kommunismus , Bratislava, Slowakei

Am 25. März 2013, dem 25. Jahrestag der Kerzendemonstration in der slowakischen Hauptstadt 1988, wurde das Museum der Verbrechen und der Opfer des Kommunismus offiziell für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einige Monate zuvor, am 16. November – dem symbolischen Datum der samtenen Revolution in der ehemaligen Tschechoslowakei 1989 – hatte das Museum bereits eine kurze vorläufige Eröffnung gefeiert, bevor es zur endgültigen Fertigstellung zwischenzeitlich wieder schloss. Die Initiative zur Errichtung eines „Museums der Verbrechen und der Opfer des Kommunismus“ stammte vom Vorsitzenden des Bürgervereins „Stille Helden“ František Neupauer sowie dem Bund der ehemaligen politischen Gefangenen in der Slowakei. Bis zum Regierungswechsel im März 2012 wurde das Vorhaben aktiv von der damaligen Ministerpräsidentin Iveta Radičová unterstützt. Gegenwärtig erhält die Einrichtung jedoch keine staatliche Unterstützung und finanziert sich ausschließlich aus Spendeneinnahmen. Die Ausstellungsräumlichkeiten des Museums wurden von der Universität für Gesundheit und Sozialarbeit „Heilige Elisabeth“ zur Verfügung gestellt. Im weitläufigen Dachgeschoss der Hochschule dokumentiert die Ausstellung anhand von Schautafeln und authentischen Objekten den Zeitraum zwischen dem kommunistischen Putsch im Februar 1948 und dem Zusammenbruch des Regimes im Herbst 1989. Im Fokus der Präsentation stehen dabei die individuellen Schicksale der vielen „stillen Helden“, deren Geschichten von Widerstand und Opposition bisher nicht öffentlich bekannt gewesen sind. Für die Zukunft ist der weitere Ausbau der Ausstellung geplant mit dem langfristigen Ziel auch totalitäre Regime außerhalb Europas zu dokumentieren und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Mitarbeiter des Museums organisieren neben Führungen durch die Ausstellung auch Konferenzen, Seminare und Vorträge und bieten verschiedene Bildungsangebote für Schulen an.

Museum of socialist curiosities, Múzeum socialistických kuriozít, Hnusta, Museum, Slowakei

Museum

Museum of Socialist Curiosities, Hnúšťa, Slowakei

Das slowakische Museum of Socialist Curiosities (Múzeum socialistických kuriozít) zeigt das Alltagsleben unter der kommunistischen Herrschaft in drei Wohnräumen, die in der Stadt Hnúšťa in einem ehemaligen Amphitheater errichtet wurden. Die Ausstellung umfasst rund 100 Objekte und Bilder, die sich auf Küche, Kinderzimmer und Wohnzimmer verteilen. Anhand dieser plastischen Alltagsdarstellung soll jüngeren Generationen der Einfluss eines sozialistischen Regimes auf das Leben der Einwohner vor Augen geführt werden. Hnúšťa ist die ehemalige Hochburg der slowakischen Schwerindustrie und steht somit sinnbildlich für die Situation der Arbeiterklasse. Heute ist Hnúšťa durch wirtschaftliche Rezession geprägt. Die aufwendig gestaltete Website ist ausschließlich auf slowakischer Sprache verfügbar.

Revolution! Revolution? Hamburg 1918-1919: Ankündigung der Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte, Screenshot von der Website

Sonderausstellung

Revolution! Revolution? Hamburg 1918-1919

vom 25.04.2018 | bis zum 25.02.2019

Als eines der größten stadthistorischen Museen Europas, zeigt das Museum für Hamburgische Geschichte die vielfältige Entwicklungsgeschichte der Stadt Hamburg von ihren Anfängen um 800 bis zur Gegenwart. Die Revolution von 1918/19 markiert dabei eines der wichtigsten Ereignisse in der Hansestadt und steht nicht nur für den Beginn einer modernen demokratischen Ordnung des Stadtstaates, sondern stellt zugleich einen der frühen historischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts in Hamburg dar: An den Fronten des Ersten Weltkriegs schwiegen die Waffen, der Kaiser und die deutschen Bundesfürsten dankten ab. Soldaten und Arbeiter erzwangen den Beginn der ersten demokratischen Republik in Deutschland. In Hamburg kam es zu Demonstrationen, Straßenkämpfen und heftigen politischen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern des Umbruchs, die auch 1919 anhielten. Zugleich lebten viele Menschen in größter Not. Die Ausstellung fokussiert nicht nur die Revolution in Hamburg selbst, sondern zeigt auch die Abläufe auf dem Weg in die erste demokratische Stadtverfassung und ermöglicht die vergleichende Auseinandersetzung mit historischen und gegenwärtigen demokratischen Konfliktlösungsstrategien.

Logo The State Museum of Political History of Russia

Ausstellung

The Russian Revolution 1917-1922, St. Petersburg, Russland

Die Ausstellung zur Russischen Revolution ist Teil der permanenten Exposition des Museums der Politischen Geschichte Russlands in St. Petersburg. In der ersten Sektion der Ausstellung wird erklärt, welche politischen und gesellschaftlichen Bedingungen zum Fall des Zaren 1917 führten, und welche Versuche unternommen wurden, um ein neues demokratisches System zu etablieren. Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich intensiv mit der Oktoberrevolution, der Machtergreifung der Bolschewiki und dem ab Sommer 1918 ausbrechenden Bürgerkrieg auf dem Territorium des früheren Russischen Zarenreiches. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Entwicklungen in den verschiedenen nationalen Regionen Russlands gelegt. In der letzten Sektion schließt die Ausstellung mit dem Ende des Bürgerkriegs und der Etablierung des neuen Staates, der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, sowie mit der Zwangsmigration von mehr als zwei Millionen Einwohnern Russlands aus ihren Heimatregionen.

Screenshot zur Ausstellung von stadtmuseum.de

Sonderausstellung

Berlin 18/19. Das lange Leben der Novemberrevolution, Märkisches Museum, Berlin

vom 23.11.2018 | bis zum 19.05.2019

Vom 23. November 2018 bis zum 19. Mai 2019 ist im Märkischen Museum Berlin die Ausstellung "Berlin 18/19. Das lange Leben der Novemberrevolution" zu sehen. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung und Hintergründe wichtiger Ereignisse in diesem Zeitraum nach: Welche Vorgeschichte hatte der Januaraufstand – auch Spartakusaufstand genannt – 1919, während dessen Verlauf über 150 Menschen ums Leben kamen, die bekanntesten unter ihnen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht? Was geschah während der sogenannten Märzkämpfe, bei denen 1919 mehr als 1200 Menschen starben und ganze Stadtviertel Berlins zu bürgerkriegsähnlichen Gebieten machten? Neben der Darstellung dieser großen Ereignisse spürt die Ausstellung aber ebenso dem Alltäglichen im Revolutionären nach – wie gestaltete sich der Alltag der Berlinerinnen und Berliner in diesen ereignisreichen Monaten? Mit multimedialen Präsentationen sowie einer diversen Auswahl an Artefakten unternimmt die Ausstellung Antwortversuche. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. 

Logo Deutsches Historisches Museum

Museum

Deutsches Historisches Museum, Berlin

Das Deutsche Historische Museum ist das nationale Geschichtsmuseum der Bundesrepublik Deutschland. Sein Auftrag ist es, deutsche Geschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart im europäischen und internationalen Zusammenhang darzustellen. Es wurde 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin von der damaligen Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl sowie dem Land Berlin gegründet. Schon am 3. Oktober 1990, im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, übertrug die Bundesregierung dem noch jungen Deutschen Historischen Museum die Gebäude und Sammlungen des Museums für Deutsche Geschichte, dem zentralen Geschichtsmuseum der DDR, das im September 1990 geschlossen worden war. Damit wurde das Zeughaus von 1695, das älteste Gebäude Unter den Linden, zum Sitz des Deutschen Historischen Museums. Von 1991 bis Ende 1998 zeigte das Deutsche Historische Museum im Zeughaus eine Vielzahl von Sonderausstellungen zu historischen, kultur- und zeitgeschichtlichen Themen sowie zahlreiche Fotoausstellungen. Darüber hinaus präsentierte es im Obergeschoss ab 1994 bis Ende 1998 Bilder und Zeugnisse der Deutschen Geschichte. Um den Anforderungen eines modernen Museums zu entsprechen, wurde das barocke Zeughaus ab 1999 umfangreich restauriert und modernisiert. Im spannungsvollen Kontrast dazu entwarf der amerikanisch-chinesische Architekt I. M. Pei eine mit dem Gebäude verbundene Ausstellungshalle, die durch ihre eindrucksvolle, moderne Architektur ebenso zum Markenzeichen des Museums wurde. 2003 wurde das Haus eröffnet und zeigt seit dem wechselnde Sonderausstellungen. Seit Mai 2006 ist die Dauerausstellung „Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen“ im Zeughaus zu sehen. Auf 8.000 Quadratmetern werden mehr als 7.000 Exponate gezeigt, die durch alle Epochen deutscher Geschichte führen. Das Deutsche Historische Museum versteht sich als Ort lebendiger Geschichtsvermittlung und bietet seinen Besucherinnen und Besuchern neben den vielfältigen Ausstellungen ein umfangreiches Begleitprogramm an. Dazu gehören Führungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Tagungen. Das virtuelle Geschichtsportal LeMO (Lebendiges Museum Online), das in Kooperation mit dem Haus der Geschichte in Bonn erarbeitet wurde, ist für alle Interessierten frei zugänglich.

Eingang der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Copyright ENM, Foto: Andreas Tauber

Erinnerungsstätte

Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Berlin

Zum Thema Flucht und Ausreise aus der DDR ist die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde nicht nur ein zentrales Museum in Deutschland, sondern auch als persönlicher Erinnerungsort für die vielen betroffenen und beteiligten Menschen, die die Flucht aus der DDR und die Übersiedlung nach Westdeutschland wagten. Rund vier Millionen Menschen verließen zwischen 1949 und 1990 die DDR in Richtung Bundesrepublik. 1,35 Millionen von ihnen passierten das 1953 gegründete Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde, wo sie untergebracht und versorgt wurden und das notwendige Verfahren durchliefen, um eine Aufenthaltsgenehmigung für die Bundesrepublik und West-Berlin zu erhalten. Aufgabe der Erinnerungsstätte ist es, die Geschichte der deutschen Teilung, der Fluchtbewegung aus der DDR und des Neuanfangs in der Bundesrepublik zu dokumentieren und an nachfolgende Generationen zu vermitteln. Dies gelingt mittels einer Dauerausstellung, einem vielfältigen Bildungs- und Veranstaltungsprogramm, Sonderausstellungen und Forschungsprojekten.

Fenster des Gedenkens in der Gedenkstätte Berliner Mauer, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna v. Arnim-Rosenthal

Gedenkstätte

Gedenkstätte Berliner Mauer

Die Gedenkstätte Berliner Mauer ist der zentrale Erinnerungsort an die Teilung der Stadt Berlin und die deutsche Teilung. Die Gedenkstätte ist Teil der Stiftung Berliner Mauer und zeigt im ehemaligen Grenzstreifen an der Bernauer Straße auf einer Länge von 1,4 Kilometern die Folgen des Mauerbaus für das Land und die Stadt Berlin und deren Umland sowie insbesondere die Lebenswege der Anwohner der Straße. Die neue Dauerausstellung „1961 | 1989. Die Berliner Mauer“ im Dokumentationszentrum erläutert darüber hinaus den politisch-historischen Kontext der Berliner Mauer und erschließt anhand von Biografien, welche Folgen die Teilung für die Menschen hatte. Erste Initiativen für den Erhalt eines Mauerabschnitts als Erinnerungsort gehen auf das Jahr 1990 zurück. Am 2. Oktober 1990 erklärte der Ost-Berliner Magistrat den 212 Meter langen Mauerabschnitt entlang des Friedhofs der Sophiengemeinde zum Baudenkmal. Am 13. August 1991 beschloss der Berliner Senat den Bau der Gedenkstätte. Es sollte sieben Jahre dauern, bis das Denkmal in der Bernauer Straße offiziell eingeweiht werden konnte. Es besteht aus zwei sieben Meter hohen Stahlwänden, die ein siebzig Meter langes Stück der Grenzanlagen einschließen. Damit befindet sich heute auf dem Gelände der Gedenkstätte das letzte Stück Berliner Mauer, das in seiner Tiefenstaffelung – mit Hinterlandmauer, Signalzaun, Wachturm, Todesstreifen und Mauer – erhalten ist. Am 9. November 1999 eröffnete das Dokumentationszentrum, ein Jahr später wurde die Kapelle der Versöhnung eingeweiht. Nach einem internationalen Wettbewerb zur Neugestaltung der Gedenkstätte wurde das Gedenkstättenareal in seiner heutigen Form 2015 fertig gestellt. Es umfasst heute 4,4 Hektar. Ergänzt wurde unter anderem das „Fenster des Gedenkens“, eine zwölf Meter lange Wand aus Cortenstahl. In die Wand sind Nischen eingelassen, in denen mit schwarz-weißen Porträtfotografien an die mindestens 140 Todesopfer der Berliner Mauer erinnert wird. Der Eintritt zu allen Ausstellungen ist frei. Die Außenausstellung ist jederzeit frei zugänglich, Dokumentations- und Besucherzentrum sind dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Blick in die Ausstellung

Ausstellung

Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus

Das „Königliche Centralgefängnis“ wurde im April 1860 eröffnet und als Haftanstalt für Männer, Frauen und Jugendliche genutzt. Unter den Nationalsozialisten erhielt das Zuchthaus ein neues Profil: zunächst diente es als Jugendgefängnis, war dann kurze Zeit Männergefängnis, bis es später als Frauenzuchthaus fungierte. Die Mehrzahl der Frauen saß wegen krimineller Delikte. Erstmals gab es jedoch auch eine größere Zahl von politischen Häftlingen, wie z. B. Widerstandskämpferinnen der „Weißen Rose“ aus Hamburg. Im Februar 1945 wurde das Gefängnis bei einem Bombenangriff fast gänzlich zerstört. Doch bereits im Sommer 1945 begann der Wiederaufbau der Haftanstalt. 1950 übernahm das Ministerium des Innern (MdI) die Verantwortung über alle Strafvollzugsanstalten in der DDR, so auch über das Cottbuser Gefängnis. Die medizinische Versorgung, die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse blieben über lange Zeit mangelhaft. Nach dem Mauerbau 1961 konzentrierte das MdI in Cottbus „Republikflüchtlinge“. Andere politische Gefangene in Cottbus waren wegen angeblicher „Spionage“, „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“ oder „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt worden. Bei allen ermittelte das MfS. Seit den 1970er Jahren waren etwa 80 Prozent der Insassen politisch Verurteilte. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten nutzte das Land Brandenburg das Gefängnisareal bis 2002 als Justizvollzugsanstalt (JVA). Danach stand es mehrere Jahre leer. Im Oktober 2007 gründete sich das Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. (MRZ), dem vor allem ehemalige politische Gefangene aus Cottbus angehören. Das Anliegen des Vereins war die Bewahrung des historischen Ortes und die Einrichtung einer Gedenkstätte im früheren Gefängnis. Das Hafthaus wurde jedoch im selben Jahr an einen privaten Investor versteigert. Ein Gebäude sowie eine Teilfläche übergab das Land Brandenburg an die Stadt Cottbus. Dieser Teil des Geländes wurde 2008 vom Land Brandenburg an das Menschenrechtszentrum zur Einrichtung einer Gedenkstätte übergeben. Im Mai 2011 konnte der Verein mit Unterstützung des Landes Brandenburg und privater Spender schließlich das gesamte Gefängnisareal erwerben und ist nun alleiniger Eigentümer der drei Hafthäuser, des Torhauses, der ehemaligen Produktionsstätten des VEB Pentacon und des VEB Sprela, des Ambulanzgebäudes und dreier Wachtürme. Die vom Menschenrechtszentrum betriebene Gedenkstätte finanziert sich größtenteils durch Spenden und ist politisch unabhängig. Während der Sanierung durch das Menschrechtszentrum wurden Teile der Haftanstalt zurückgebaut, um den Zustand des Gefängnisses vor 1990 wiederherzustellen. Am 4. September 2012 wurde die Gedenkstätte mit einem Benefizkonzert von Wolf Biermann in der zur Kulturhalle umfunktionierten Produktionshalle des VEB Pentacon eingeweiht. Am 10. Dezember 2013 wurde im Beisein des Ministerpräsidenten von Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke (SPD), des stellvertretenden Beauftragten für Kultur und Medien, Günter Winands, sowie des Präsidenten des Landtages Brandenburg, Gunter Fritsch, die Dauerausstellung in der Gedenkstätte eröffnet. Die multimediale Schau trägt den Titel „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933-1989“ in Anlehnung an das Buch „Karierte Wolken“ von Pfarrer Matthias Storck, einem ehemaligen Häftling in Cottbus. Sie thematisiert politisches Unrecht in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sowie während der SED-Diktatur. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern werden 28 Häftlingsbiografien sowie Berichte politischer Gefangener präsentiert. Das Konzept wurde gemeinsam von ehemaligen politischen Häftlingen und Historikern erstellt. Das Menschenrechtszentrum bietet Führungen durch die Ausstellung an, die mit den Interessen der Besucher abgestimmt und auf verschiedene Zielgruppen angepasst werden können. Am 13. Juni 1998 wurde auf Initiative der Bezirksgruppe Cottbus der VOS e.V. neben dem Eingang des ehemaligen Zuchthauses ein Gedenkstein enthüllt. Den aus einem Tagebau stammenden Stein hat der Steinmetzmeister Manfred Schaffarzick, der in den Speziallagern Ketschendorf und Fünfeichen inhaftiert war, zum Gedenkstein umgearbeitet. Er trägt die Inschrift: „Den / unschuldigen / Opfern / politischer / Verfolgung / 1933–1945 / 1945–1989“. Dieser Gedenkstein steht seit Eröffnung der Gedenkstätte im Hof der Einrichtung.

Museum Haus des Terrors, Terror Háza Múzeum, Budapest

Museum

Haus des Terrors, Budapest, Ungarn

Das Museum Haus des Terrors (Terror Háza Múzeum) erinnert an die Leiden Ungarns unter den Regimen des 20. Jahrhunderts: die Herrschaft der Pfeilkreuzler und den Sozialismus. Das Gebäude, in dem das Museum seit 2002 untergebracht ist, hatte unter beiden Diktaturen eine maßgebliche Funktion: Zum einen diente es als Sitz und Gefängnis der Pfeilkreuzlerpartei und nachfolgend als Hauptquartier des kommunistischen Staatsicherheitsdienstes und als dessen Foltergefängnis. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die Erinnerung an die Opfer zu wahren, die an diesem Ort der Willkür der Regime ausgesetzt waren. Das House of Terror steht immer wieder in der Kritik, durch das gewählte Narrativ politisch unterschiedliche Diktaturen gleichzusetzen, durch parteipolitische Anbindung historische Themen wie das Horthy-Regime auszuschließen oder den ungarischen Einfluss auf den Holocaust durch die gewählte Opferdarstellung zu marginalisieren.

Karl Marx Geburtshaus, Urheber: Berthold Werner, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Museum

Karl-Marx-Haus

Am 5. Mai 1818 wird der Philosoph, Ökonom und Revolutionär Karl Marx in Trier geboren. Sein Geburtshaus beherbergt heute ein Museum, betrieben von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Kernstück des Karl-Marx-Hauses ist eine Dauerausstellung zu Leben, Werk und Wirkung des politischen Philosophen. Besucher können sich unter anderem über die Lebensumstände Marx', seine Immigration nach London, sein Verhältnis zur Arbeiterbewegung und seine Freundschaft zum Gesellschaftstheoretiker Friedrich Engels informieren. Das Kommunistische Manifest von Marx und Engels ist in einem digitalen Buch in mehreren Sprachen zu lesen. Ein Teil der Ausstellung ist dem "Kapital", dem berühmten unvollendeten Hauptwerk Marx' gewidmet. Auch die weltweite Ausbreitung der marxistischen Ideen sowie die Geschichte des Kommunismus in der Sowjetunion und im übrigen Ostblock werden in der Ausstellung behandelt. Im Garten des im 16. Jahrhundert erbauten Hauses sind drei lebensgroße Marx-Skulpturen des Bildhauers Klaus Kammerichs zu sehen. Das Karl-Marx-Haus wird bis zum 5. Mai 2018 saniert und öffnet dann mit einer neuen Dauerausstellung pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx wieder.

Litauisches Museum für die Opfer des Genozids und Widerstands, Urheber: Algirdas, Lizenz: CC-BY-SA 3.0.

Museum

Litauisches Museum für die Opfer des Genozids und Widerstands, Vilnius, Litauen

Das Museum für die Opfer des Genozids und des Widerstands wurde 1992 auf Initiative litauischer Häftlings- und Deportiertenverbände gegründet. Seit 1997 ist die Einrichtung Bestandteil des staatlichen Forschungszentrums für Genozid und Widerstand, einer Institution, die sich der Erforschung der nationalsozialistischen und sowjetischen Besatzung Litauens widmet. Die Dauerausstellung thematisiert die Repressionen der Okkupationsregime gegen die litauische Bevölkerung sowie den antisowjetischen und antinazistischen Widerstand. Das klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich heute das Museum befindet, ist sowohl ein zentraler Erinnerungsort an die Repressionsregime in Litauen, als auch ein historischer Tatort: Das Gebäude war während der sowjetischen Besatzungszeiten und der NS-Herrschaft bis zur nationalen Unabhängigkeit des Landes im Herbst 1991 Sitz der Hauptverwaltung des KGB der Litauischen Sowjetrepublik bzw. der Gestapo. Seit seiner Erbauung 1899 diente das Haus in der heutigen Aukų gatve 2 A, der "Straße der Opfer", als Gerichts-, Verwaltungs- und Schulgebäude. Im Juni 1940 bezog das NKWD den Gebäudekomplex und richtete im Kellergeschoss über fünfzig Zellen für Untersuchungshäftlinge ein. Während der deutschen Okkupation Litauens zwischen Juni 1941 und Juli 1944 diente das Haus als Gestapo-Hauptquartier. Mit der zweiten sowjetischen Besetzung des Landes ab Juli 1944 kehrte das NKWD in das Gebäude zurück und die Haftanstalt wurde durch neue Zellentrakte erweitert. Nach der Niederschlagung des bewaffneten antisowjetischen Widerstandes wurden viele Zellen in den frühen 1960er-Jahren in Lagerräume des KGB-Archivs umgewandelt. Mehr als 20 Internierungszellen wurden allerdings weiterhin genutzt, um Regimegegner und Menschenrechtsaktivisten einzusperren. Die Ausstellung thematisiert die Verfolgung der litauischen Bevölkerung durch sowjetische und deutsche Besatzer. Ein Großteil der Ausstellungsfläche befindet sich in rekonstruierten Zellen im Kellergeschoss des Gebäudes. Dokumentiert werden hier neben dem Erfassungsprozedere der Inhaftierten, der Haftbedingungen in den verschiedenen Verfolgungsperioden auch die Hinrichtungen des KGB. Die Installation in der ehemaligen Hinrichtungszelle dient dabei als zentraler Gedenkraum. Sie hält die Erinnerung an die 1.000 in dem Gefängnis erschossenen oder in den Zellen verstorbenen Menschen sowie an alle Opfer der totalitären Systeme wach. Seit 2011 widmet sich ein Teil der Dauerausstellung dem Gedenken der über 200.000 litauischen Holocaustopfer. Nachgezeichnet werden neben dem nationalsozialistischen Vernichtungsregime der deutschen Besatzer die Nutzung des Gestapo-Gefängnisses und Schicksale seiner Opfer. Eingehende Betrachtung finden auch die Geschichte des Vilniusser Ghetto sowie die Massenexekutionen in der größten litauischen Erschießungsstätte der SS in Ponary. Weitere Ausstellungsräume sind verschiedenen Aspekten der sowjetischen Okkupationen 1940/41 sowie zwischen 1944 und 1991 gewidmet. Überblicksdarstellungen und Einzelschicksale geben Aufschluss über die Repressionen, die Massendeportationen sowie die Untergrundbewegung in den Nachkriegsjahren. Beleuchtet werden der bewaffnete antisowjetische Widerstand zwischen 1944 und 1953 und die Dissidentenbewegung der sechziger und siebziger Jahre. Seit Dezember 2008 obliegt dem Museum außerdem die Verwaltung des Memorialen Komplexes im Tuskulenai Friedenspark. Von 1944 bis 1947 vollstreckte die sowjetische Geheimpolizei in den Kellerzellen des ehemaligen KGB-Gefängnisses 767 Todesurteile. Die sterblichen Überreste der Opfer wurden in Massengräbern auf dem Territorium der Parkanlage verscharrt. Erst bei archäologischen Grabungsarbeiten 1994 wurden sie entdeckt und in einer Urnenhalle beigesetzt. Die Ausstellung „Geheimnisse des Tuskulenai Guts“ informiert über den Vernichtungsapparat des totalitären Sowjetregimes. Das Museum bietet neben Führungen auf Litauisch und Englisch auch speziell konzipierte Bildungsprogramme an, in deren Rahmen Exkursionen und Seminare durchgeführt werden. An der Gebäudefassade erinnern die eingemeißelten Namen von 199 zwischen 1945 und 1946 ermordeten litauischen Bürgern an die Opfer des sowjetischen Repressionsregimes.

Screenshot von der Website des Museums

Ausstellungen

Museum des Kapitalismus

Das Museum des Kapitalismus setzt sich zum Ziel, die Mechanismen dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsform erlebbar zu machen. Hinter dieser ambitionierten Idee stehen zwei Grundannahmen: Zum einen die, dass der Kapitalismus in den Alltag der meisten Menschen auf eine so selbstverständliche Weise integriert ist, dass Alternativen undenkbar erscheinen. Und, zum anderen, dass Alternativen denkbar sind – dazu aber zunächst einmal das bestehende System verstanden werden muss. Dazu möchte das Museum beitragen, indem es durch Modelle, Installationen, Filme und Spiele Zusammenhänge anschaulich darstellt. Neben so grundlegenden Begriffen wie Arbeit werden auch Begleiterscheinungen des Kapitalismus, wie Kolonialismus und Gentrifizierung kritisch präsentiert. Die Betreiberinnen und Betreiber möchten das Museum als für alle zugänglichen Ort, der zu Austausch und Diskussion anregt, gestalten. Daher ist der Eintritt kostenlos, die Räumlichkeiten barrierefrei und die Ausstellung mehrsprachig. Das Museum ist mittwochs und donnerstags von 16 bis 20 Uhr sowie sonntags von 14 bis 20 Uhr geöffnet. 

Screenshot von www.lonckoho.lviv.ua

Museum

National Museum and Memorial to the Victims of Occupation, Lwiw, Ukraine

Das ehemalige Lonzki-Gefängnis (ukrainisch: Тюрма на Лонцького) im ukrainischen Lwiw ist heute Museum und Gedenkstätte. Die Ausstellung besteht in erster Linie aus der Bewahrung der ursprünglichen Räumlichkeiten, die durch zusätzliche Informationen zur Geschichte des Gebäudes und zu den Schicksalen der dort Inhaftieren ergänzt werden.  Das Lonzki-Gefängnis war das größte Gefängnis der Westukraine; nacheinander wurde es von den drei Besatzungsmächten genutzt. Als Lwiw Teil der Zweiten Polnischen Republik (1918-1939) war, wurden hier vornehmlich "regierungsfeindliche" Akteurinnen und Akteure wie ukrainische Nationalistinnen und Nationalisten interniert. Mit Besetzung der Polnischen Republik durch die Sowjetunion 1939 wurde das Gebäude zum zentralen Gefängnis des NKWD, der damaligen sowjetischen Geheimpolizei. Nach dem Überfall der Stadt durch deutsche Truppen 1941 wurde es zum Untersuchungsgefängnis der deutschen Geheimpolizei Gestapo. 1944 wurde das Gefängnis durch Kämpferinnen und Kämpfer der Widerstandsorganisation "Polnische Heimatarmee" im Zuge des sogenannten "Lemberger Aufstands" befreit. Nur kurze Zeit danach besetzte jedoch die Rote Armee die Stadt und nutzte das Gebäude wieder als NKDW- und später KGB-Gefängnis. In der Ukraine ist dies das erste Mal, dass ein Gefängnis zur Gedenkstätte umgewidmet wurde; die Eröffnung fand 2009 statt.  

Logo Risiko Freiheit

Online-Ausstellung

Risiko Freiheit

In dieser Online-Ausstellung erzählen fünf Multimedia-Touren von Flucht und Fluchthilfe aus der DDR in die Bundesrepublik oder nach Westberlin. Die Inhalte der Webseite beruhen auf einer Ausstellung, die 2014/15 in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde gezeigt wurde. Die zwischen 1961 und 1989 angesiedelten Touren sind in thematische Abschnitte unterteilt, die über Fluchtwege, professionelle Fluchthilfegruppen und private Fluchthelfer, ihre Motive und Methoden sowie die damit verbundenen Risiken Auskunft geben. Nachzulesende Erläuterungen, die auch von einem Sprecher vorgetragen werden,  Quelldokumente, historische Filmaufnahmen, Fotografien sowie Zeitzeugeninterviews veranschaulichen geglückte und gescheiterte Aktionen sowie öffentliche Reaktionen darauf. Zwei Karten zeigen Fluchthilfewege im geteilten Berlin sowie die Fluchtrouten über Osteuropa. Gesetzestexte belegen die unterschiedliche Bewertung von Fluchthilfe in der Bundesrepublik und der DDR.

 Das GULAG History Museum in Moskau, Screenshot von der Website

Museum

The State Museum of the History of GULAG, Moskau, Russland

Das Moskauer Gulag-Museum zeichnet die Geschichte der Millionen von Menschen nach, die in dem riesigen Netz von Gefängnissen und Zwangsarbeitslagern der Sowjetunion verschwanden. Das Museum wurde 2001 von Anton Antonov-Ovseenko, selbst ein Gefangener in Stalins Arbeitslagern, gegründet und besteht aus einem dokumentarischen Archiv, Briefen und Memoiren, persönlichen Gegenständen ehemaliger GULAG-Häftlinge, sowie einer Sammlung von Kunstwerken, die die eigene Sicht der Häftlinge auf das Leben in den Arbeitslagern darstellen. Die integrierte Ausstellung widmet sich der Geschichte des Aufstiegs, der Entwicklung und des Niedergangs des sowjetischen Arbeitslagersystems, einem wesentlichen und integralen Bestandteil der sowjetischen Staatsmaschinerie in den 1930er- und 1950er-Jahren und ihrer politischen, administrativen und wirtschaftlichen Rolle. Der Ausstellungsraum zeigt auch persönliche Schiksale von verschiedenen Personen, die Opfer der sowjetischen repressiven Politik wurden und zu Arbeitslagerstrafen verurteilt wurden. Im Juni 2013 wurde zudem das Projekt "My GULAG" gestartet, dessen Ziel es ist, ein Archiv von Reminiszenzen und Interviews zu schaffen, die an das GULAG-Thema gebunden sind. Die Erinnerungen Betroffener und Angehöriger werden dabei in den Vordergrund gestellt.  

Plakat Der Kalte Krieg. Ursachen – Geschichte – Folgen

Ausstellung

Der Kalte Krieg. Ursachen – Geschichte – Folgen

Bernd Greiner

Die Ausstellung besteht aus 22 Plakaten, die den Ost-West-Konflikt vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Auflösung der Sowjetunion thematisieren. Die Ursachen des Kalten Krieges in globaler Perspektive werden ebenso herausgearbeitet wie die Dynamik des nuklearen Rüstungswettlaufs und die „heißen Kriege“ in der Dritten Welt, die bis heute Traumata und ökonomische Entwicklungsdefizite verursachen. Schließlich widmet sich die Ausstellung diplomatischen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die den Kalten Krieg mindestens zeitweilig eindämmten. Damit bietet die Ausstellung zugleich Anknüpfungspunkte, sich mit aktuellen internationalen Konflikten zu befassen. Es werden rund 160 zeithistorische Fotos, Dokumente und Schaubilder gezeigt. Über QR-Codes können außerdem zeitgenössische Filmdokumente zu den Ausstellungsthemen online abgerufen werden. Die Plakate eignen sich für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit und können an öffentlichen Orten, wie Rathäusern, Volkshochschulen, Stadtbibliotheken oder Kirchen präsentiert werden.

Screenshot zur Ausstellung von muenchner-stadtbibliothek.de

Ausstellungen

Dichtung ist Revolution. Kurt Eisner, Gustav Landauer, Erich Mühsam, Ernst Toller

vom 09.11.2018 | bis zum 30.06.2019

Vom 9. November 2018 bis zum 30. Juni 2019 ist in der Monacensia im Hildebrandhaus die Ausstellung "Dichtung ist Revolution" zu sehen. Im Fokus steht die Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Politik. Ein Antwortversuch wird beispielhaft anhand des Lebens und Wirkens von Kurt Eisner, Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst Troller unternommen – vier Schriftsteller, die zu bedeutenden politischen Figuren wurden. Sie alle sind Befürworter der Revolution und überzeugt davon, dass das geschriebene Wort ein wichtiges Mittel des gesellschaftlichen Wandels sei. Mit ihren Schriften schaffen sie sich auch viele Feinde – Eisner und Landauer werden ermordet, Mühsam und Toller zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Ausstellung präsentiert zahlreiche biografische Dokumente, Manuskripte, Tagebücher, Briefe, Objekte und Fotografien, mit denen Besucherinnen und Besucher einen Einblick ins Leben der vier Schriftsteller erhalten. Die Ausstellung wird durch ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm begleitet. Die Ausstellung ist Montag bis Mittwoch sowie Freitag von 9.30 – 17.30 Uhr geöffnet, Donnerstag von 12.00 – 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr; der Eintritt ist frei. 

Außenansicht des Zentrums, Urheber: Justyna Malinowska, Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Museum

Europäisches Zentrum der Solidarność, Danzig, Polen

Das am 30. August 2014 eröffnete Europäische Zentrum der Solidarność befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Leninwerft. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der freien Gewerkschaft Solidarność in Polen sowie der Bürgerbewegungen in anderen Staaten Mittel- und Osteuropas. Die Gründung des Europäischen Zentrums geht auf eine Initiative des polnischen Kulturministeriums und des Gewerkschaftsbundes NSZZ Solidarność zurück. Der 20.000 Quadratmeter große Gebäudekomplex vereinigt in sich ein Museum, ein Zentralarchiv, eine Multimedia-Bibliothek, ein Forschungs- und Bildungszentrum sowie Büroräume für zivilgesellschaftliche Organisationen. In die Gesamtkonzeption einbezogen wurden der geschichtsträchtige „Platz der Solidarität“, an dem sich auch das Denkmal für die gefallenen Werftarbeiter befindet, das berühmte „Tor 2“ der Danziger Leninwerft sowie die einstige Arbeitsschutzhalle, welche die Gewerkschaftsaktivisten während der legalen Phase ihrer Arbeit als Konferenzsaal nutzten und welche heute als Gedenkstätte dient. Komplettiert wird das Ensemble durch einen mehrgliedrigen Neubau, in dem sich die ständige Ausstellung des Zentrums befindet. Die vom kommunistischen Staat unabhängige Gewerkschaft Solidarność entstand im September 1980 im Ergebnis der Auguststreiks sowie der Danziger Vereinbarungen zwischen der polnischen Regierung und den streikenden Arbeitern. Nach den ersten im Juli 1980 einsetzenden Proteste stellte die zweite Streikwelle, die am 14. August mit der Arbeitsniederlegung in der Danziger Werft ihren Anfang nahm, ein einschneidendes Ereignis dar. Innerhalb kürzester Zeit erfasste die Streikbewegung Hunderte von Betrieben in Danzig und Gdingen. Am 16. August gründete sich unter der Leitung von Lech Wałęsa das „Überbetriebliche Streikkomitee“. Die wichtigste Forderung an den Staat war die Anerkennung des Rechts zur Gründung freier Gewerkschaften. Aufgrund der rasanten Ausbreitung der Streiks sah sich die Staatsführung gezwungen, Verhandlungen mit dem Überbetrieblichen Streikkomitee aufzunehmen und Vereinbarungen zu unterzeichnen. Damit erkannte sie den unabhängigen selbstverwalteten gewerkschaftlichen Pluralismus an, gestand den Arbeitern das Streikrecht zu und sicherte eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung der Zensurauflagen zu. Außerdem verpflichtete sich der Staat zur Freilassung aller im Zusammenhang mit den Protesten inhaftierten politischen Gefangenen sowie zur Rücknahme aller nach den Streiks im Dezember 1970 und Juni 1976 ausgesprochenen Kündigungen. Die von diesem Zeitpunkt an überall in Polen entstehenden Gewerkschaften vereinigten sich schließlich am 17. September 1980 zur Unabhängigen Selbstverwalteten Gewerkschaft „Solidarność“ (Niezależny Samorządny Związek Zawodowy – NSZZ „Solidarność“). Innerhalb von wenigen Monaten zählte sie bereits mehr als neun Millionen Mitglieder. Innerhalb kürzester Zeit hatte die Solidarność allein durch ihre Existenz das staatliche Monopol auf Organisation der Bevölkerung durchbrochen. Ihre Gründung und ihr beispielloser Erfolg hatten über die Arbeiterschaft hinaus zahlreiche andere soziale Gruppen – wie die Bauernschaft und die Studenten – zur Loslösung von der sozialistischen Behördenkontrolle bewogen. Alle wichtigen Entscheidungen in Wirtschafts- und Sozialpolitik, Bildung und Kultur konnte die Partei nicht mehr im Alleingang entscheiden. Fortan war sie auf die Konsensfindung mit Vertretern der in Gewerkschaften und Verbänden organisierten Bevölkerung angewiesen. Die Entstehung und Existenz der Solidarność stand im eklatanten Widerspruch zum Wesen des kommunistischen Systems. In den Rängen der PVAP-Führung setzte sich immer stärker das Streben nach Wiedererlangung des Machtmonopols durch, was sich am 13. Dezember 1981 in der Ausrufung des Kriegsrechts manifestierte. Mit Verhängung der Maßnahmen, die bis zum 22. Juli 1983 andauern sollten, waren nicht nur die Solidarność, die von da an lange Jahre als Untergrundorganisation agierte, sondern nahezu alle gesellschaftlichen Vereinigungen verboten worden. Drakonische Strafmaßnahmen sollten den Widerstandswillen der Bevölkerung brechen. Innerhalb eines Jahres wurden rund 9.700 Personen in Gefängnissen interniert. Weitere fast 12.300 Personen wurden bis zum Juli 1983 abgeurteilt. Jeglichen Protestversuchen begegneten die staatlichen Sicherheitsorgane mit rücksichtsloser Härte. Diffamierende Propagandakampagnen zielten auf die Unterminierung des Solidarność-Mythos und die Diffamierung der Wortführer der Bewegung. Denn obwohl sie in den Untergrund abgetaucht war, agierte die Solidarność durch den sogenannten Provisorischen Koordinierungsausschuss weiter – sein Leitungsgremium bildeten die Gewerkschaftsführer der Regionen Danzig, Masowien, Niederschlesien und Kleinpolen. Der bis 1987 bestehende Ausschuss handelte im Selbstverständnis einer auf gewerkschaftlichen Strukturen fußenden „Untergrundgesellschaft“, die sich bei ihren Aktivitäten auf ein Netzwerk unabhängiger Interessensgruppen stützte. Ende der 1980er-Jahre gelang es der Bewegung, ihren Einfluss wieder zu erweitern. Nach großen Streikwellen im Mai und August 1988 zeigte sich die Staatsführung erneut zu Gesprächen mit den Gewerkschaftsführern bereit. Bei den Verhandlungen am Runden Tisch, die vom 6. Februar bis zum 5. April 1989 andauerten, konnte die von Lech Wałęsa angeführte Solidarność-Delegation die offizielle Wiederzulassung der Bewegung erwirken. Außerdem setzten die Verhandlungsführer die Verabschiedung eines politischen Reformpakets durch, welches unter anderem die freie Wahl von einem Drittel der Sejmsitze vorsah. Bei den ersten „halbfreien“ Wahlen am 4. Juni 1989 gelang es den Kandidaten der politischen Vereinigung der Gewerkschaften – dem Bürgerkomitee – beim ersten Wahlgang alle laut der Vereinbarung möglichen Sitze einzunehmen. Damit war der Erfolgskurs der demokratischen Reformkräfte um die Solidarność nicht mehr aufzuhalten. Bereits am 24. August 1989 wurde mit dem katholischen Publizisten, Bürgerrechtler und Aktivisten der Solidarność, Tadeusz Mazowiecki, der erste nichtkommunistische Ministerpräsident Polens seit vierzig Jahren gewählt. Die Dauerausstellung des Europäischen Zentrums der Solidarność informiert auf einer Gesamtfläche von 3.000 Quadratmetern über die Entstehungsgeschichte und das Wirken der gewerkschaftlichen Massenbewegung. In sechs chronologisch strukturierten Themeneinheiten wird der Untergangsprozess des Kommunismus in Polen und den anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks dargestellt. Es wird von den Anfängen der oppositionellen Tätigkeit rund um den Streiksommer 1980 bis hin zur Gründung der ersten Freien Gewerkschaften in der Volksrepublik Polen berichtet. Andere Ausstellungssäle beleuchten Aspekte des Alltags im sozialistischen Volkspolen, das Wirken der antikommunistischen Opposition vor 1980, die Tätigkeiten des staatlichen Repressionsregimes, den „Weg zur Demokratie“ sowie den „Triumph der Freiheit“. Ein Raum der Stille lädt den Besucher zur Reflexion ein. Die Dauerausstellung zeichnet sich nicht zuletzt durch die Zusammenführung zahlreicher historischer Originalexponate und multimedialer Elemente aus. Gleichzeitig bieten einzigartige Originalexponate einen besonderen Blick auf erlebte Geschichte. Die gesamte Präsentation ist in Polnisch und Englisch gestaltet und behindertengerecht konzipiert, Audiobeiträge und Braille-Texte machen Inhalte auch für Blinde nachvollziehbar.

Eingang zur Gedenkstätte  für die Häftlinge des Frauenlagers ALŽIR, Urheber: Ninaras, Lizenz: CC-BY 4.0

Gedenkstätte

Gedenkstätte für die Häftlinge des Frauenlagers ALŽIR, Akmolinsk, Kasachstan

Die am 31. Mai 2007, dem nationalen Gedenktag für die Opfer politischer Repressionen, vom kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew eröffnete Gedenkstätte befindet sich am historischen Ort des einstigen "Akmolinsker Lager für die Ehefrauen von Vaterlandsverrätern" (ALŽIR). Von Dezember 1937 bis zu seiner Auflösung im Juni 1953 bestand ALŽIR als zentraler Inhaftierungsort für Frauen und Kinder von als "Volksfeinden" stigmatisierten Opfern politischer Verfolgung. Heute gibt es auf dem Gelände neben einem "Museum für die Opfer der politischen Repression und des Totalitarismus" einen Gedenkpark, mehrere Skulpturengruppen sowie die Monumentalbauten "Bogen der Trauer" und eine Granitwand mit den Namen von 7.259 hier inhaftierten Frauen. Die Familienangehörigen von bereits Inhaftierten wurden nach dem Prinzip der Sippenhaft ebenfalls verhaftet. Insgesamt bestanden auf dem Gebiet der Sowjetunion drei Sonderlager für Familienangehörige: in Mordwinien, in Westsibirien nahe der Stadt Tomsk sowie in Kasachstan bei Akmolinsk. Das „Akmolinsker Lager für Ehefrauen von Vaterlandsverrätern“ unterstand dem Komplex der Karagandinsker Lager, dem KARLag. Es befand sich in einem von den übrigen Haftorten isolierten Gebiet an den Ufern des Sees Selonas in der Nähe von Akmolinsk, das im Kasachischen „weißes Grab“ bedeutet. Im Unterschied zu den anderen Standorten des KARLag galt in ALŽIR ein verschärftes Lagerregime. Dies ging mit der Isolation der politischen Gefangenen, aber auch mit dem Verbot jeglicher Korrespondenz, schwerer körperlicher Arbeit sowie erhöhten Arbeitsnormen einher. Im Oktober 1938 wurde in Spassk, in der Nähe der Stadt Karaganda, eine ebenfalls dem KARLag unterstehende „Sonderfiliale“ des Frauenlagers eröffnet. Dort befanden sich bis zu seiner Umfunktionierung in ein Kriegsgefangenenlager in den 1940er-Jahren 3.000 inhaftierte Frauen. Insgesamt durchliefen mehr als 18.000 Frauen das Sonderlager bei Akmolinsk. Die Ausstellung des "Museums für die Opfer der politischen Repression und des Totalitarismus" thematisiert die Entstehungsgeschichte der Besserungsarbeitslager sowie ihre politische, administrative und wirtschaftliche Bedeutung im Staatsgefüge der Sowjetunion der 1930er bis 1950er-Jahre. Es werden die individuellen Schicksale von Opfern sowjetischer Repressionspolitik, deren einziges „Vergehen“ darin bestand Mütter, Ehefrauen, Töchter oder Schwestern der als "Volksverräter" stigmatisierten Männer zu sein, dargestellt. Die zweiteilige Dauerausstellung des Museums stellt die „Politische Geschichte Kasachstans im 19. und 20. Jahrhundert" sowie den Haftalltag und das Internierungsregime des Akmolinsker Frauenlagers dar. Besucher können an Führungen durch die Ausstellung in Englisch, Russisch oder Kasachisch teilnehmen. Das museale Angebot wird durch ein breites Veranstaltungsspektrum wie Lesungen und Vortragsreihen zum Thema Repression und Verfolgung sowie Gesprächen mit ehemaligen Insassinnen und der Vorführung thematischer Dokumentarfilme ergänzt. Vor der Errichtung des heutigen Gedenkstättenkomplexes befand sich seit 1989 ein kleines Museum auf dem einstigen Gelände des Lagerfriedhofs. Seine Bestände wurden in die Gedenkstätte übernommen. Ein massiver Torbogen aus schwarzem Granit unter einer aus Stahlnetzen verwobenen Kuppel bildet den Eingang zur heutigen Gedenkstätte. Auf dem Gelände befinden sich außerdem die originalgetreue Nachbildung einer Häftlingsbaracke sowie die Skulpturenkompositionen „Verzweiflung und Ohnmacht“ und „Kampf und Hoffnung“. Die erste Bronzeskulptur zeigt einen kauernden Mann mit vor Trauer gebeugtem Haupt. Ihm gegenüber befindet sich die Skulptur einer ausgezehrten, aber hoffnungsvoll blickenden Frau. Die Gedenkwand mit den eingravierten Namen der in ALŽIR inhaftierten Frauen trägt Inschriften in Kasachisch, Russisch und Englisch in Erinnerung an die Oper der totalitären Repressionen.

Gedenkstätte zur Geschichte der politischen Repression "Perm 36", Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna v. Arnim-Rosenthal

Gedenkstätte

Gedenkstätte zur Geschichte der politischen Repression "Perm 36", Kutschino, Russland

Die Gedenkstätte auf dem Gelände des früheren Straflagers »Perm 36« war einzigartig in der Russischen Föderation. Die Existenz der Einrichtung ist der langjährigen und beharrlichen Rekonstruktionsarbeit engagierter Aktivisten zu verdanken. Seit 1993 bemühten sich insbesondere die regionale Abteilung der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial in Perm sowie ehemalige Häftlinge der Lageranstalt darum, das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In den zwanzig Jahren ihres Bestehens entwickelte sich „Perm–36“ unter zivilgesellschaftlicher Leitung von einem regionalen Erinnerungsort im Ural zu einem international angesehenen Museum, Mahnmal und Weiterbildungszentrum. Neben Praxisseminaren, Sommerschulen, Jugendbegegnungen und internationalen Fortbildungsprogrammen fand an diesem Ort auch das bekannte zivilgesellschaftliche Forum „Pilorama“ statt. Menschenrechtler, Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Journalisten, sowjetische Dissidenten und ehemalige Lagerhäftlinge aus dem In- und Ausland kamen im Rahmen der Veranstaltung alljährlich zusammen, um über die historische Aufarbeitung des Sowjetregimes zu diskutieren und einen kritischen Dialog über Demokratie, Menschenrechte und politisch-gesellschaftliche Fragen zu führen. Mit der Rückkehr Wladimir Putins ins Präsidentenamt im Mai 2012 wurde die zivilgesellschaftlich getragene Gedenkstätte – geleitet von Tatjana Kursina und Viktor Schmirow – legalistischen Repressionen ausgesetzt und unter Druck der lokalen Regierung 2014 verstaatlicht. Seither befindet sich das gesamte Gelände zusammen mit der umgestalteten Ausstellung und den historischen Hinterlassenschaften im Besitz der Permer Gebietsverwaltung. Durch die Neukonzeption der Ausstellung im Sinne einer national-patriotisch motivierten Umdeutung der Geschichte wird die Repressions- und Leidensgeschichte der Opfer der kommunistischen Diktatur bagatellisiert und relativiert, zugleich die systematische Vermittlung eines verfälschten Geschichtsbildes staatlich gefördert. „Perm 36“ kam bei der Verfolgung der Dissidenten eine besondere Bedeutung zu. 1980 wurde hier eine Zone des »besonderen Regimes« eingerichtet, wo Aktivisten der Bürgerrechts- und Nationalbewegungen isoliert wurden. Hier waren vor allem jene inhaftiert, die bereits mehrmals aufgrund ihres Engagements mit dem sowjetischen System in Konflikt geraten waren. Unter ihnen befanden sich Sergej Kowaljow, Lewko Lykjanenko, Anatolij Martschenko, Lew Timofejew, Wasyl Stus und Vasil Gajauskas. Mit Beginn der Perestroika begann der endgültige Niedergang des sowjetischen Straflagersystems. Nach einer Amnestie im Jahr 1988 wurde ein kleiner Teil der Insassen entlassen und die verbliebenen Häftlinge nach Perm 35 überstellt. Perm 36 war damit aufgelöst. Erst im Februar 1991 erlangten die letzten Insassen des „Permer Dreiecks“ die Freiheit, wobei das Lager offiziell bis 1992 bestand. Nach der Schließung begann der Geheimdienst mit der systematischen Zerstörung des Geländes. Fast alle Gebäude und Sicherungsanlagen wurden mit Bulldozern eingeebnet. Die ursprünglich von zivilgesellschaftlichen Kräften getragene Gedenkstätte beherbergte das 1995 eröffnete GULag-Museum, das in Kooperation mit dem Andrej-Sacharow-Zentrum Moskau und der Gebietsverwaltung Perm entstand. Für museale Zwecke wurden zwei Bereiche des Lagers kontinuierlich rekonstruiert. Neben dem Hochsicherheitsbereich für »unverbesserliche« politische Häftlinge und Dissidenten wurden auch Teile der »gemäßigten Lagerzone« wieder errichtet. Im Hochsicherheitslager wurden die Absperrungen, Wachtürme, Schlaf- und Arbeitsbaracken wiederhergestellt. Neben der Rekonstruktion leistete die Gedenkstätte Öffentlichkeitsarbeit. In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Publikationen herausgegeben und der Aufbau eines Zeitzeugen- und Videoarchivs vorangetrieben werden. Der Wiederaufbau des Lagergeländes erfolgte im Rahmen von internationalen Freiwilligenprojekten. Zusätzlich wurden Schüler und Studenten aus der Region in diese Arbeiten einbezogen. Das Museum konzipierte in dieser Zeit auch Wanderausstellungen zur Geschichte der politischen Repression. Ende 2013 sah sich die Gedenkstättenleitung gezwungen, die Einrichtung in staatliche Trägerschaft zu überführen, um der Stigmatisierung als „ausländischer Agent“ zu entgehen – eine Einschätzung, die sich seit dem Erlass der scharf kritisierten NGO-Gesetzgebung auf den Erhalt ausländischer Stiftungsgelder bezieht. Unter diffamierenden Anschuldigungen wurde die Mitbegründerin und langjährige Gedenkstättenleiterin durch eine neue Leitung ersetzt. Seit der Wiedereröffnung des Museums, nun unter ausschließlicher Trägerschaft der Permer Gebietsverwaltung, wird anstelle des Gedenkens an die Opfer der Repressionen der Beitrag der Inhaftierten zum sowjetischen Sieg über den Hitlerfaschismus in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Die Repressionen werden als ein notwendiges Übel zum Erhalt der Sowjetunion interpretiert. Die Häftlinge – so die neue Darstellung – hätten durch ihren Arbeitseinsatz zum Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ beigetragen. In geleiteten Führungen durch die Ausstellung wird hervorgehoben, dass alle Insassen des Strafvollzugs „Feinde der Sowjetunion“ und „Kriminelle“ und daher zurecht inhaftiert gewesen seien. Neue Installationen wie etwa ein medizinisches Untersuchungszimmer, ein Umkleideraum sowie eine Lagerbibliothek vermitteln den Eindruck passabler Haftbedingungen. Keines dieser neu konstruierten Geschichtsbilder gibt Auskunft über die tatsächliche Realität des Lebens in den Lagern des GULags.

Horchposten 1941

Wanderausstellung

Horchposten 1941 / я слышу войну

Andreas von Westphalen, Jochen Langner

Der „Horchposten 1941“ bezeichnet sowohl eine interaktive Audioinstallation als auch ein zweiteiliges Hörspiel des Deutschlandfunks. Das deutsch-russische Dialog-Projekt sammelte Dokumente und Tagebucheinträge, die von russischen und deutschen Sprechern vertont wurden. Die Installation erzählt die Geschichte der Stadt St. Petersburg im Zweiten Weltkrieg. Hitler hatte beschlossen, an Leningrad (wie die Stadt zwischen 1924 und 1991 genannt wurde) ein Exempel zu statuieren und die Stadt dem Erdboden gleich zu machen. Für Stalin war die Leningrad das Tor zu Europa und deshalb strategisch wichtig, aber auch verdächtig. Die Installation schildert die Erfahrungen von Zivilisten und Soldaten, von Opfern und Tätern, Deutschen und Sowjets zwischen den Fronten des Nationalsozialismus und Stalinismus. Der Besucher sitzt auf Stühlen in einem Raum und hört die eingesprochenen Texte von Zeitzeugen. Aufgeteilt ist der Raum in fünf Zonen, die einen multiperspektivischen Blick ermöglichen. Das Projekt wird ebenfalls von Deutschlandfunk, Radio Echo Moskwy und dem Westdeutschen Rundfunk als Hörspiel ausgestrahlt.

Haupteingang des Katyń-Museums, Urheber: Adrian Grycuk, Lizenz: CC BY-SA 3.0 PL

Museum

Katyń-Museum, Warschau, Polen

Das Katyń-Museum in Warschau wurde am 29. Juni 1993 als Abteilung des Museums der Polnischen Armee in den Kasematten des aus dem 19. Jahrhundert stammenden russischen Forts Sadyba im Stadtteil Mokotów eröffnet. Es dient der Sammlung und Präsentation von Erinnerungsstücken, die während der Exhumierungen an den Orten der Massengräber in Katyń, Mednoje und Charkiw zu Beginn der 1990er-Jahre gefunden wurden. Außerdem sammelt es Erinnerungsstücke von den Angehörigen der Opfer. Die Gründung des Museums geht auf die Initiative des „Verbandes der Katyń-Familien“ zurück, die einen würdigen Ort für die Fundstücke schaffen wollten. In Zusammenarbeit mit dem Museum der Polnischen Armee organisierte der Verband in den Jahren 1991/1992 zwei Ausstellungen von Fotografien und Exponaten der Ausgrabungen. Im Dezember 1991 wurde die Gründung eines Katyń-Museums beschlossen und im Juni 1993 eröffnet. Durch Fundstücke aus den bis 1996 fortgeführten Ausgrabungen an den Orten der Massengräber wuchsen die Bestände des Museums weiter an. Dennoch konnte nur ein kleiner Teil der Bestände in den Ausstellungssälen und einem „Saal des Gedenkens“ präsentiert werden. Nach der Schließung der Räume im Fort Sadyba wurde seit dem 17. September 2011 im Hauptgebäude des Museums der Polnischen Armee eine Sonderausstellung des Katyń-Museums gezeigt. Im Zuge des Umzugs des Museums der Polnischen Armee auf die Warschauer Zitadelle, einem Festungskomplex aus dem 19. Jahrhundert, konnte dort 2015 eine mit modernsten Mitteln gestaltete neue Ausstellung eröffnet werden. Das 2,5 Hektar große Außengelände ist von tiefer Symbolik geprägt: ein Appellplatz, ein Holzkreuz, ein kleiner Wald, der von der „Allee der Nichtanwesenden“ durchschnitten wird. Über 20.000 Pflastersteine wurden gesetzt – einen für jeden Ermordeten. Die Namen der Toten sind in ein Epitaph eingraviert, das aus 15 Tafeln besteht. Eine Glocke mit einem Durchschuss soll ein Zeichen für die Exekution der Häftlinge sein. Die Ausstellung gliedert sich in die Ebenen „Entdeckung“ und „Zeugnis“. In der ersten Ebene werden die Vorgeschichte und die Ausführung des Verbrechens, seine Instrumentalisierung durch die deutschen Entdecker und die sowjetischen Täter, das Verschweigen und Verleumden der Gewalttaten sowie schließlich ihre offizielle Aufdeckung dargestellt. Im Hintergrund sind ratternde Züge, tropfendes Wasser und Glockenschläge zu hören. Auf der zweiten Ebene des Museums werden über 6.000 bei den Exhumierungen der Massengräber zutage geförderte persönliche Gegenstände der Hingerichteten gezeigt. Der letzte Raum konfrontiert den Besucher mit den für das Massaker von Katyń verantwortlichen Tätern. Die historische Chiffre „Katyń“ steht nicht nur in Polen symbolhaft für die verbrecherische Terrorpolitik der sowjetischen Machthaber an der polnischen Gesellschaft. In erster Linie bezeichnet sie jedoch den Massenmord an fast 22.000 Repräsentanten des polnischen Staates – etwa 15.000 polnischen Zivilisten und 7.000 Offizieren –, die aufgrund eines Beschlusses des Politbüros vom 5. März 1940 erschossen wurden. Die überwiegende Mehrheit der Opfer gehörte der polnischen Elite und Oberschicht an. Im April und Mai 1940 wurden die rund 15.000 Kriegsgefangenen aus den Lagern in Kosselsk im Kreis Kaluga, Ostaschkow auf der Insel Stolobny bei Seligersee und Starobielsk im Kreis Luzansk mit Zügen zu den Exekutionsstätten in Katyń, Twer und Charkiw gebracht. Nach ihrer brutalen Hinrichtung verscharrte man die sterblichen Überreste der Ermordeten in namenlosen Massengräbern an mindestens fünf verschiedenen Orten auf dem Gebiet der UdSSR. Über den Massengräbern pflanzten Soldaten junge Bäume. Die Leichen der in Twer Hingerichteten wurden in Mednoje sowie in Charkiw nahe der Vorstadtsiedlung Pjatichatki vergraben. Die übrigen Gefangenen wurden in verschiedenen Gefängnissen erschossen. Ihre Leichname verscharrte man an mindestens zwei Orten in der Belarussischen SSR in Kurapaty am nördlichen Stadtrand von Minsk sowie in der Ukrainischen SSR in Bykiwnja, einem Waldgebiet im Osten Kiews. Der Kampf um die Erinnerung war seit der Entdeckung der Massengräber im Frühjahr 1943 auch dadurch geprägt, dass die wahre Urheberschaft dieses auf Befehl der obersten sowjetischen Führung unter Stalin ausgeführten Verbrechens verschleiert wurde.

Haupteingang des Museums der Okkupationen und des Freiheitskampfes © Bundesstiftung Aufarbeitung

Museum

Museum der Okkupationen und des Freiheitskampfes, Tallinn, Estland

Das estnische Museum der Okkupationen und des Freiheitskampfes wurde am 27. Juni 2003 aus Anlass des Jahrestages der ersten sowjetischen Besatzung 1940 eingeweiht. Die amerikanisch-estnische Kistler-Ritso-Stiftung hatte 1998 das Projekt zur Errichtung des Museums initiiert. Die Ausstellung zeigt einen chronologischen Abriss der drei Okkupationen Estlands im zwanzigsten Jahrhundert, angefangen von der sowjetischen Besatzung 1940/41 über die Herrschaft der Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1944 bis zur erneuten sowjetischen Okkupation von 1944 bis 1991. Anhand von offiziellen Zeugnissen und persönlichen Hinterlassenschaften ehemaliger Häftlinge und Verfolgter sowie zahlreicher audiovisueller Medien werden verschiedene Aspekte von Unterdrückung, Anpassung und Widerstand illustriert. Im Zentrum des Ausstellungsbereichs befinden sich zwei große, abstrakt gestaltete Lokomotivnachbildungen. Ein mit dem Symbol der Swastika versehenes Exemplar repräsentiert dabei die nationalsozialistische deutsche Besatzungszeit Estlands, während eine andere mit dem Roten Stern gekennzeichnete Lok die zwei sowjetischen Okkupationen des Landes darstellen soll. Das Okkupationsmuseum führt in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen Seminare und Konferenzen durch. Die Einrichtung bietet zudem Exkursionen zu den Verstecken der „Waldbrüder“ an.

Logo des Museum of Communism

Museum

Museum of Communism, Prag, Tschechien

Das Museum will das Leben in der Tschechoslowakei von der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1948 bis zum Zusammenbruch des Regimes im November 1989 veranschaulichen. Es ist das erste und einzige Museum in Prag, das die Geschichte des im sowjetischen Herrschaftsbereich etablierten Systems aus der tschechischen Perspektive aufbereitet. Thematisiert werden das Alltagsleben, Bildung, Sport und Kunst, aber auch Politik, Staatssicherheit und Arbeitslager sowie Medienpropanda und Zensur. Seit 2001 können in den Räumen „Kommunismus – Der Traum“, „Die Realität“ und „Der Albtraum“ auf 500 Quadratmetern originale Gegenstände und Installationen besichtigt werden. Dazu gehören auch ein historisches Klassenzimmer sowie ein Verhörraum.

Die dem River Irwell zugewandte Seite des People's History Museum, Urheber: Patyo1994, Lizenz: CC-BY-SA 4.0.

Museum

People’s History Museum, Manchester, Großbritannien

Das People’s History Museum in Manchester ist das nationale Museum für Demokratie in Großbritannien. Es unterstützt und fördert die Erhaltung von demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Besucherinnen und Besuchern zu verdeutlichen, dass „es schon immer Ideen gab, für die es sich lohnte, zu kämpfen“. Das Museum öffnete erstmals 1975 seine Türen, damals als National Museum of Labour History und in London. Der Umzug nach Manchester erfolgte 15 Jahre später, nachdem der Stadtrat von Manchester das Museum vor der Schließung retten und eine langfristige Finanzierung zusichern konnte. Seitdem wurde der Bestand kontinuierlich erweitert. Es verfügt heute über die größte Sammlung von Exponaten über die Arbeiterbewegung und -organisation, ergänzt durch Ausstellungsstücke über den Kampf für ein für alle geltendes  Wahlrecht in Großbritannien. Die Sammlung politischer (Wahl-)Plakate und der Exponate zur Geschichte der Gewerkschaften ist weltweit eine der größten.

Soviet Epoch: Between Utopia And Reality, Screenshot von der Website des State Museum of Political History of Russia

Ausstellungen

Soviet Epoch: Between Utopia And Reality, St. Petersburg, Russland

Die Ausstellung widmet sich der sowjetischen Zeit Russlands und zeigt in sechs Ausstellungshallen über 1.000 Exponate, die die Hauptstadien der sowjetischen Staatssystembildung und die wichtigsten Elemente des sozialen und privaten Lebens des sowjetischen Volkes darstellen. Der erste Teil der Ausstellung zeigt den Mechanismus von Stalins Macht, die volle Kontrolle über alle Lebensbereiche des Landes zu nehmen. Der zweite Teil betont die allmähliche Überwindung des Erbes von Stalin durch die sowjetische Gesellschaft. Plakate und Slogans, künstlerische Darstellungen sowjetischer Führer und Massenverbrauchsgüter mit sowjetischer Symbolik zeigen Methoden, die für die Propaganda des neuen Staatssystems und die Schaffung des Machtkultes weit verbreitet waren. Zudem sind die rekonstruierten Innenräume einer Kaserne, sowie einer Küche in einer Gemeinschaftswohnung zu sehen, die ein reales und atmosphärisches Bild davon schaffen, wie der Großteil der Bevölkerung der UdSSR in den 1930er- und 1940er-Jahren lebte.

Tuol-Sleng-Genozid-Museum, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Anna Kaminsky

Gedenkstätte

Tuol-Sleng-Genozid-Museum, Phnom Penh, Kambodscha

Das ehemalige Tuol-Svay-Prey-Gymnasium in der 103. Straße der kambodschanischen Hauptstadt beherbergt seit der Niederwerfung des Terrorregimes der Roten Khmer 1979 das Tuol-Sleng-Genozid Museum. Es befindet sich am historischen Ort, an dem die Rote Khmer nach der Vertreibung der Stadtbevölkerung aufs Land 1975 das berüchtigte „Sicherheitsbüro 21“ („S21“) errichtet hatte. Der aus mehreren Gebäuden bestehende Komplex bildete das zentrale „Sicherheitsgefängnis“ der Roten Khmer. In der Zeit seiner vierjährigen Schreckensherrschaft nutzte es das Regime zur Internierung, Folter und Hinrichtung von etwa 15.000 bis 20.000 Menschen aus ganz Kambodscha, darunter auch ehemalige Mitglieder der Roten Khmer. Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum dient der Erinnerung an die Verbrechen im ehemaligen Sicherheitsgefängnis S21. Unterstellt war das „S21“ dem Verteidigungsministerium unter der Führung von Son Sen. Aber auch dem Gefängniskomplex selbst waren mehrere Haft- und Exekutionsstätten untergeordnet, darunter das Prey Sar Gefängnis („S24“) sowie Choeung Ek, eine Hinrichtungsstätte etwa 15 Kilometer westlich von Phnom Penh. Etwa 1.700 Menschen zählten zum Gefängnispersonal. Nach der Übernahme des Schulgeländes durch die Rote Khmer wurde der gesamte Campus von einem elektrischen Stacheldrahtzaun eingefasst. Auch die einzelnen Verbindungsgänge zwischen den Gebäudetrakten sowie die Fenster der zu Gefängnis- und Folterzellen umfunktionierten Klassenräume wurden mit Stacheldraht umzäunt. Verzweifelten Gefangen sollte damit die Möglichkeit genommen werden, sich in den Freitod zu stürzen. Die Internierung erfolgte je nach Kategorie der Gefangenen in jeweils unterschiedlichen Gebäudeteilen. Ehemals hochrangige Mitglieder der Roten Khmer, die vom Regime als „Verräter“ gebrandmarkt wurden, kerkerte man in zwei Räumen im Erdgeschoss des Gebäudes A ein. In den Klassenzimmern der als B, C und D bezeichneten Gebäudeteile wurden winzige Isolationszellen im Umfang von 1,6 Quadratmetern errichtet. In den Obergeschossen befanden sich Massenarrestzellen für 40 bis 50 Internierte. Untereinander sprechen war den Gefangenen strengstens untersagt. Jede Bewegung der am Boden festgeketteten Häftlinge – auch das Aufstehen, Hinsetzen oder Umdrehen – bedurfte der Zustimmung des Wachpersonals. Die Nichteinhaltung der Regeln wurde mit Folter bestraft. An den Haupttrakt angrenzende Gebäude dienten der Gefängnisleitung zum Verhör und zur Folter der Inhaftierten. Nach den erzwungenen Geständnissen wurden diejenigen, die die grausame Folter und menschenverachtenden Haftbedingungen überlebten, auf den Killing Fields außerhalb der Stadt brutal hingerichtet. Häufig waren die Gefangenen gezwungen, ihre eigenen Gräber auszuheben. Nach dem Zusammenbruch des „Steinzeitkommunismus“ der Roten Khmer und der Befreiung Phnom Penhs durch vietnamesische Interventionstruppen Anfang 1979 konnten in Tuol Sleng nur noch zwölf Gefangene, darunter vier Kinder, der Hinrichtung entgehen. Die vierzehn aus weißem Stein errichteten Grabmahle im Innenhof der Anlage symbolisieren die letzten vierzehn ums Leben gekommenen Folteropfer des Gefängnisses, die auf dem Gelände von Tuol Sleng gefunden worden waren. Daneben befinden sich die Überreste eines vom Wachpersonal zu einem Galgen zweckentfremdeten Gerüsts. Die am historischen Ort zu besichtigende Dauerausstellung zeigt die von den Roten Khmer zu Gefängniszellen umfunktionierten Klassenräume des ehemaligen Tuol-Svay-Pray-Gymnasiums. Eingehend beleuchtet wird darin die Geschichte der Terrorherrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 sowie ganz besonders die im Tuol-Sleng-Gefängnis begangenen Verbrechen. Breiter Raum wird dabei der Darstellung tausender Fotos der im „S21“ internierten Personen eingeräumt. Ausgestellt werden im Museum darüber hinaus die Gemälde des Tuol-Sleng Überlebenden Vann Nath, der in seinen Werken die menschenverachtenden Haftbedingungen und die Folter verarbeitet. Neben der ständigen Exposition werden im Museum auch stets wechselnde Ausstellungen präsentiert. Ihr Bildungsangebot erweitert die Einrichtung durch verschiedene Veranstaltungsformate wie Filmvorführungen, Zeitzeugengespräche, Seminare, Konferenzen, Weiterbildungen und Workshops.