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Verband

Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen

Die 1991 gegründete Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Häftlinge des sowjetischen Speziallagers Nr. 9 engagiert sich in der Entwicklung und kontinuierlichen Pflege der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen sowie in der Aufklärung der Öffentlichkeit über die sowjetischen Speziallager in der SBZ/DDR. Das von den Nationalsozialisten als Kriegsgefangenenlager genutzte Gelände in Fünfeichen, wurde von Juni 1945 bis November 1948 vom sowjetischen Geheimdienst NKWD als Speziallager betrieben, in dem über 15.000 Menschen inhaftiert waren. Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen liegt in der ständigen Betreuung und Beratung ihrer Mitglieder, vor allem bei der Durchsetzung von Rehabilitierungs- bzw. Entschädigungsansprüchen und der Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung auch für Hinterbliebene und nahe Angehörige. Die Arbeitsgemeinschaft erteilt zudem Auskünfte über die im Speziallager Nr. 9 verstorbenen Häftlinge und deren Ruhestätte. Sie ist Mitglied in der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)

Denkmal für die im Osten Gefallenen und Ermordeten, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Anna Kaminsky

Denkmal

Denkmal für die im Osten Gefallenen und Ermordeten, Warschau, Polen

Das Denkmal für die im Osten Gefallenen und Ermordeten wurde am 17. September 1995 auf dem Mittelstreifen der Muranowska-Straße feierlich eingeweiht. Es besteht aus einem nachgebauten Bahnsteig, auf dem ein acht Meter langer offener Güterwagon steht. Auf dieser monumentalen Bronzeplastik von Maksymilian Biskupski befinden sich zahllose Kreuze, die durch Stacheldraht verbunden und in verschiedene Richtungen geneigt sind. Davor liegen auf einer weiteren mit Feldsteinen gepflasterten Schräge 40 ebenfalls aus Bronze gegossene Bahnschwellen mit den Namen von Lagern und Exekutionsorten auf dem Gebiet der Sowjetunion, die mit dem Leiden und der Ermordung polnischer Bürger verbunden sind. An einer Seite des Waggons ist das in Bronze gegossene Wappen der Polnischen Armee, der gekrönte Adler mit der Pelte, befestigt. Der Adler ist mit einem Seil gefesselt, das Schild zu seinen Füßen trägt das Datum „17 IX 39“, an diesem Tag fiel die Rote Armee nach dem Hitler-Stalin-Pakt von Osten her in Polen ein. Um die konfessionelle Vielfalt der Opfer ins Bewusstsein zu rufen, befinden sich auf dem Waggon christliche und orthodoxe Kreuze sowie Grabplatten mit jüdischen und muslimischen Symbolen. Eines der Kreuze ist dem am 20. Januar 1989 mutmaßlich wegen seines Engagements für das Gedenken an Katyń ermordeten Priester Stefan Niedzielak, Probst in der Warschauer Borromäus-Kirche, gewidmet. Die Errichtung des Denkmals wurde von einer im September 1989 gegründeten Stiftung unter der Leitung von Wojciech Ziembiński betrieben. Ihr Anliegen war es ein ausdrucksstarkes, zentrales Denkmal für die 500.000 Opfer von Massendeportation und Verfolgung zu schaffen, die Polen während der sowjetischen Okkupation im Zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte. Eine Jury wählte im Februar 1991 den Entwurf von Maksymilian Biskupski aus. Die Arbeiten an der Umsetzung des Entwurfs, die Sicherstellung der vor allem aus staatlichen Mitteln stammenden Finanzierung sowie die Suche nach einem angemessenen Standort in Warschau dauerten viereinhalb Jahre. An der Einweihungszeremonie nahmen der polnische Staatspräsident Lech Wałęsa, der Primas von Polen, Kardinal Józef Glemp, der Generalstabschef der Polnischen Armee sowie der Warschauer Stadtpräsident Marcin Święcicki und Angehörige der Opfer teil. Während seiner siebten Pilgerreise in sein Heimatland betete Papst Johannes Paul II. am 11. Juni 1999 vor dem Denkmal. Daran erinnert ein weiterer Gedenkstein an der Rückseite des Denkmals.

Denkmal zum 17. Juni 1953, Platz des Volksaufstandes von 1953, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Annabelle Ziegler

Denkmal

Gedenken an den Volksaufstand am 17. Juni 1953, Berlin

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 markierte kaum vier Jahre nach der Gründung der DDR die erste große Erhebung gegen ein kommunistisches Regime nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Aufstand wurde durch sowjetische Panzer mit Waffengewalt niedergeschlagen. Während des Aufstands wurden 18 Menschen standrechtlich erschossen. Weitere ca. 50 Personen starben während der Demonstrationen durch sowjetische Kugeln. Etwa 15.000 Menschen wurden nach dem Aufstand verhaftet und zu teilweise langen Haftstrafen verurteilt. Insgesamt kam es bis 1955 zu über 1.800 politischen Urteilen im Zusammenhang mit dem Aufstand. In der Folgezeit wurden der Aufstand und die Aufständischen in der DDR diffamiert und kriminalisiert. Die offizielle Erklärung der SED-Führung lautete, dass es sich bei den Protesten um einen von Saboteuren und Provokateuren aus dem Westen organisierten und gesteuerten faschistischen Putsch gehandelt habe. Insgesamt wurde der Aufstand zum gesellschaftlichen Tabu-Thema. Trotzdem blieben die Juni-Ereignisse der kommunistischen Führung als Mahnung und Warnung bis zum Ende der DDR im Gedächtnis präsent. Die ersten Mahnmale und Denkmäler zur Erinnerung an den Aufstand und seine Opfer entstanden im damaligen West-Berlin. Zum zentralen Ort des Gedenkens an die Opfer des Aufstands im Westen der Stadt Berlin wurde der Städtische Urnenfriedhof an der Seestraße im Bezirk Wedding. Dort wurden am 23. Juni 1953 acht Opfer des Aufstandes, die in West-Berliner Krankenhäusern gestorben waren, beigesetzt. Stellvertretend für alle Opfer wurde hier am 17. Juni 1955 ein Mahnmal eingeweiht, an dem bis heute alljährlich die offiziellen Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen der Bundesregierung und des Berliner Senats stattfinden. Das zentrale Denkmal in Berlin, das sich auf dem Platz vor dem einstigen Haus der Ministerien – dem heutigen Bundesfinanzministerium – befindet, erinnert seit 2000 an den Volksaufstand. Das Haus der Ministerien spielte während des Aufstands eine zentrale Rolle. Am 16. Juni 1953 zogen Tausende Bauarbeiter hierher, um der Regierung ihre Forderungen zu überbringen. Bereits im Jahr 1993 war neben dem Wandbild von Max Lingner, das die Vorzüge der sozialistischen Gesellschaft preist, eine Gedenktafel angebracht worden. Auf Initiative des Arbeitskreises 17. Juni und der Arbeitsgemeinschaft 13. August konnten 1994 an der Fassade des unter Denkmalschutz stehenden Hauses große Fotografien angebracht werden, die dem Platz einen sichtbaren historischen Bezug zum Aufstand und seiner Niederschlagung gaben. In den Folgejahren wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den der Künstler Wolfgang Rüppel gewann. Sein Bodendenkmal „Denkmal für die Ereignisse des siebzehnten Juni Neunzehnhundertdreiundfünfzig“ besteht aus einem in den Boden eingelassenen, mehrfach vergrößerten und grob gerasterten Foto. Es zeigt Streikende auf dem Weg zum damaligen Haus der Ministerien, die untergehakt einen Protestzug bilden. Auf dem Areal an der Ecke Leipziger Straße/Wilhelm-Straße befinden sich inzwischen auch Informationsstelen des Landes Berlin. Anlässlich des 60. Jahrestages 2013 und auf Antrag des Bundesfinanzministeriums wurde der Platz in „Platz des Volksaufstandes von 1953“ umbenannt.

Gedenkstätte Gloria Victis, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Ruth Gleinig

Denkmal

Gloria Victis Memorial, Csömör, Ungarn

Die Gedenkstätte Gloria Victis wurde anlässlich des 50. Jahrestages des ungarischen Volksaufstandes von 1956 in Erinnerung an die etwa „100 Millionen Opfer des Weltkommunismus“ errichtet. Das Monument des Bildhauers János Víg wurde im Auftrag der gemeinnützigen Stiftung Gloria Victis erstellt und aus öffentlichen Spenden und mit der Hilfe des Bürgermeisteramtes der Großgemeinde Csömör erbaut. Es besteht aus einer Bogenmauer („Weltmauer“) zur Darstellung der Dimensionen der Verbrechen des Kommunismus auf vier Kontinenten. Ergänzt wird sie durch einen  Stacheldrahtzaun, den auf der Mauer symbolisch für die Opfer angebrachten Stahlkreuzen sowie einem Glockenturm. An der Rückseite der Bogenmauer ist auszugsweise in Ungarisch, Englisch und Deutsch die Resolution Nr. 1481 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 25. Januar 2006 über die „Notwendigkeit einer internationalen Verurteilung der Verbrechen totalitärer kommunistischer Regime“ zu lesen. Gegenüber der „Weltmauer“ liegt in Form eines „Flaggenschiffs“ das bogenförmige Denkmal der 1956er Revolution. Aus diesem Bereich ragt die Revolutionsfahne heraus, die anstellte des kommunistischen Wappens in der Mitte mit einem Loch versehen ist. Im Zuge des „Tauwetters“, der von Staats- und Parteichef der Sowjetunion Nikita Chruschtschow auf dem XX Parteitag der sowjetischen Kommunistischen Partei im Februar 1956 eingeleiteten Entstalinisierung, war es bereits im Juni 1956 zu einem Aufruhr der Posener Arbeiter gegen das kommunistische Regime gekommen. Am 23. Oktober 1956 versammelten sich Studenten in Budapest, um ihre Solidarität mit den Reformen in Polen zu bekunden. Sie forderten freie Wahlen, die Freilassung aller politischen Häftlinge, die Abschaffung der Zensur und den Abzug sowjetischer Truppen aus dem Land. Das brutale Vorgehen der Staatssicherheit gegen die Demonstranten ließ die friedliche Massenkundgebung in einen bewaffneten Konflikt umschlagen. Für die Moskauer Führung bestand die Gefahr, Ungarn könne sich aus ihrem Machtbereich lösen. Die im Land stationierten sowjetischen Truppen sollten die Reformbewegung mit Gewalt eindämmen. Die Erhebung wandelte sich binnen weniger Tage zu einem nationalen Freiheitskampf des ungarischen Volkes gegen die „sowjetische Besatzungsmacht“. Am 28. Oktober 1956 zogen sich die sowjetischen Truppen vorerst aus Budapest zurück. Als sich aber die neu gebildete Regierung unter dem populären Reformkommunisten und Ministerpräsidenten Imre Nagy am 1. November die Neutralität Ungarns sowie den Austritt des Landes aus dem Warschauer Pakt verkündete, entschloss sich die sowjetische Führung zur gewaltsamen Niederschlagung der Erhebung. Sie forderte auf ungarischer Seite rund 2.500 Todesopfer und fast 20.000 Verletzte. Auf sowjetischer Seite kamen über 700 Soldaten ums Leben, weitere 1.450 wurden verletzt. In der Folgezeit setzte eine Verfolgungs- und Terrorwelle gegen Anhänger und Sympathisanten der Revolution ein. In Schauprozessen wurden bis 1958 wichtige Persönlichkeiten der Reformbewegung  zum Tode verurteilt und hingerichtet. Insgesamt ergingen 800 Todesurteile, 400 von ihnen wurden vollstreckt. Etwa 15.000 Personen kamen in Arbeitslager, 20.000 Menschen mussten langjährige Haftstrafen verbüßen. Rund 200.000 Ungarn flohen aus dem Land.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 20. Kongresses der Inter-Asso „Widerstand gegen Diktatur – eine zeitlose Verpflichtung“, Juni 2013 in der Bundesstiftung Aufarbeitung, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung.

Opferverband | Dachverband

Internationale Assoziation ehemaliger politischer Gefangener und Opfer des Kommunismus (Inter-Asso)

Als die Inter-Asso im Jahr 1991 ihre Arbeit aufnahm, war es ihr Anliegen, die Opfer länderübergreifend zu einem Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung zusammenzubringen und sich gemeinsam für eine Rehabilitierung, Entschädigung und eine juristische Verfolgung der Täter einzusetzen. Die Inter-Asso sieht ihre vornehmliche Aufgabe darin, Zugang zu den Akten der Staatssicherheitsdienste zu erhalten, die kommunistischen Verbrechen aufzuarbeiten, die Opfer zu würdigen und eine juristische Ahndung der Verbrechen zu erreichen. Die Opferverbände treffen sich regelmäßig bei Kongressen u.a. in Rumänien, Kroatien, Tschechien und Deutschland, um das gegenseitige Kennenlernen und den Erfahrungsaustausch zu fördern. Seit dem Berliner Kongress 1998 ist die Inter-Asso als Dachverband für internationale Vereine und Organisationen tätig, die sich in ihren Ländern für die Belange von Opfern der kommunistischen Diktaturen einsetzen. Sie vereinigt heute mehr als 13 Verbände und Initiativen in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Tschechien, Estland, Deutschland, Ungarn, Litauen, Lettland, Moldawien, Rumänien, der Slowakei und Slowenien. Die Verbände werden hier vorgestellt.

Mahnmal für die Opfer der politischen Repression „Trauernder Engel“, Urheber: Трубин Валера, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Denkmal

Mahnmal für die Opfer der politischen Repression „Trauernder Engel“, Toljatti, Russland

Das Mahnmal „Trauernder Engel“ wurde am 30. Oktober 2005 im Zentrum von Toljatti im Kulturpark auf der Allee der Veteranen eingeweiht. Initiator war die Vereinigung „Opfer der politischen Repression“ Toljatti, die dabei von der Stadt- und Gebietsverwaltung unterstützt wurde. Der Vorsitzende des Verbandes, N. A. Jalymow, entwarf zusammen mit dem Künstler Igor Burmistenko die ersten Skizzen des Mahnmals, allerdings verstarb Burmistenko vor der Fertigstellung. Dessen Werk vollendete daraufhin Igor Prokopenko, die Umsetzung übernahm der Bildhauer Wiktor Fomin. Die 2,5 Meter hohe Bronzeskulptur eines sitzenden Engels hält ein Buch mit den Namen der Toten in den Händen. Auf dem Buchdeckel ist das Abzeichen des Opferverbandes, eine mit Stacheldraht umwundene Erdkugel, zu sehen. Hinter der Skulptur sind drei Steinquader in das weitläufige Fundament eingelassen, auf denen Auszüge aus der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen, der Verfassung der Russischen Föderation sowie des Gesetzes zur Rehabilitierung der Opfer politischer Repression zu lesen sind. Darüber hinaus ist ein Nekrolog von 171 Einwohnern aus Toljatti zu sehen, die von der sowjetischen Geheimpolizei hingerichtet wurden. Der Beschluss, das Mahnmal zu errichten, geht auf das Jahr 1998 zurück. Allerdings herrschte lange Zeit Unklarheit über seinen Standort und die Finanzierung. Im Sommer 2003 erklärten sich die Stadtverwaltung Toljatti und die Gebietsverwaltung Samara bereit, die Kosten für den Bau des Mahnmals zu übernehmen. Die Bauarbeiten konnten daraufhin beginnen.

Mahnmal für die Opfer von Katyń, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Jens Schöne

Denkmal

Mahnmal für die Opfer von Katyń, Jersey City, USA

Das zehn Meter hohe Bronzemahnmal für die Opfer des Massakers von Katyń wurde am 19. Mai 1991 im Rahmen einer feierlichen Enthüllungszeremonie der Öffentlichkeit übergeben. Gestiftet wurde das Vorhaben vom Johnson Atelier Mercerville, die Gestaltung des Monumentalbaus wurde vom polnisch-amerikanischen Künstler Andrzei Pityński übernommen. Die Finanzierung des Projekts erfolge durch Privatspenden, die über das Katyń Forest Monument Committee gesammelt wurden. Besonders regen Anteil an der Verwirklichung des Monuments nahm der ehemalige polnische Widerstandskämpfer Stanisłlaw Paszul, der als Mitglied der Heimatarmee (Armia Krajowa; AK) elf Jahre in Sibirien interniert war. Paszul setzte sich nach seiner Entlassung aus der Haft und seiner Übersiedelung in die USA im Jahr 1963 für die Schaffung eines Erinnerungsortes zum Gedenken an die Opfer von Katyń ein. Den Mittelpunkt des Mahnmals bildet – auf einem mehrere Meter hohen Granitsockel positioniert – die in dramatischer Haltung erstarrte lebensgroße Bronzefigur eines rücklings mit einem Bajonett niedergestochenen polnischen Offiziers. Die Skulptur zeigt den geknebelten Offizier, der seine am Rücken gefesselten Hände durchstreckt, im Moment der unmittelbaren Hinrichtung. An allen Seiten des Granitsockels sind Inschriften und Reliefs eingemeißelt. So befindet sich an der Frontseite ein Bronzerelief in Form des seit 1989 vom polnischen Militär genutzten Wappenadlers. Darunter ist die Inschrift „KATYŃ 1940“ eingraviert. Am 12. September 2004 wurde am Fuße des Sockels außerdem ein Bronzerelief in Gedenken an die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 angebracht. Auf der Hudson River zugewandten Seite des Mahnmals wird der gesamte Sockel von einem Bronzerelief mit der Aufschrift „Siberia 1939“ ausgefüllt. Zu sehen sind die ausgemergelten Gestalten einer Mutter, die ihr sterbendes Kind in den Armen hält, eines zu ihrer Rechten stehenden Jungen und eines zu ihrer Linken vor Erschöpfung und Verzweiflung in sich zusammengesunkenen weiteren Kindes.

Website Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft

Opferverband | Dachverband

Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. (UOKG)

Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft wurde 1991 als Dachverband der Opferverbände und Ansprechpartner für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft gegründet. Sie vereinigt heute mehr als 30 Verbände und Initiativen. Die UOKG sieht ihre vornehmliche Aufgabe in der Koordination aller Opfer- und Häftlingsverbände, in der Aufklärung und Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen, in der Beratung und Unterstützung aller Opfer, in der Vertretung ihrer Forderungen bei Parlamenten und Regierungen, in der Klärung des Schicksals Verschleppter, in der Auffindung und würdigen Gestaltung von Gräbern und Grabfeldern und in der Herausgabe von Publikationen. Die UOKG steht auch deutschen Organisationen offen, die sich mit der Geschichte der SBZ/DDR beschäftigen und keine expliziten Verfolgtenverbände sind. Sie ist Mitherausgeberin der Informationszeitschrift „Der Stacheldraht“. Die Mitgliedsverbände der UOKG werden hier vorgestellt.

Screen Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945–1950 e. V.

Beratungsangebot | Aufarbeitungsinitiative

Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945–1950 e. V.

Die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945–1950 e. V. wurde 1991 gegründet. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht die Beratung und Betreuung von ehemaligen Inhaftierten des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen Nr. 7/Nr. 1 bzw. politisch Verfolgten in der SBZ/DDR und deren Angehörigen, sowie die Ermittlung von Schicksalen ehemaliger Inhaftierter des Speziallagers Sachsenhausen. Darüber hinaus hält der Verein die Erinnerung an die Opfer des Speziallagers wach. Die Arbeitsgemeinschaft verfügt über eine Sammlung von Materialien und Dokumenten zur Geschichte dieses Ortes. In dem ehemaligen Konzentrationslager inhaftierte sie sowjetische Geheimpolizei zwischen 1945 und 1950 etwa 60.000 Personen, von denen bis zu 25.000 ums Leben kamen. Die Arbeitsgemeinschaft ist Mitglied in der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG).

Denkmal für die Opfer der kommunistischen Deportationen, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Dr. Sabine Kuder

Denkmal

Denkmal für die Opfer der kommunistischen Deportationen, Chişinău, Moldawien

Auf dem Bahnhofsvorplatz in der moldauischen Hauptstadt befindet sich seit dem 23. August 2013 das Denkmal für die Opfer der kommunistischen Deportationen. Der Grundstein zum Bau des Denkmals wurde bereits 1990 auf Initiative der Vereinigung ehemaliger Deportierter gelegt. Realisiert werden konnte das Projekt, dessen Finanzierung aus Mitteln der Stadtregierung erfolgte, allerdings erst 23 Jahre später. Der Öffentlichkeit übergeben wurde das Denkmal schließlich am symbolischen Datum des 74. Jahrestags der Unterzeichnung des Deutsch-Russischen Nichtangriffsvertrages von 1939, dessen geheimes Zusatzprotokoll Osteuropa in Einflusssphären zwischen Hitler und Stalin aufteilte. An der Einweihungszeremonie nahmen neben dem Bürgermeister Chişinăus, Vertretern der städtischen Verwaltung und Journalisten auch Überlebende der Deportationen und ihre Angehörige teil. Die im Volksmund auch als „Zug des Schmerzes“ genannte Bronzeskulptur wurde vom Bildhauer Iurie Platon geschaffen. Sie ist vor dem Bahnhof angebracht, von dem aus in den 1940er- und 1950er-Jahren die Deportationen aus den annektierten Gebieten Bessarabiens und der Nordbukowina in entlegene Steppengebiete Kasachstans und nach Sibirien stattgefunden haben. Die drei Meter hohe und zwölf Meter lange Skulptur besteht aus einem steinernen – nach hinten flach abfallenden – Fundament, auf dem die aus Bronze gegossenen Darstellungen dicht aneinander gedrängter Menschen angebracht ist. Während die Gestalten an der Frontseite des Denkmals noch als menschliche Figuren zu erkennbar sind, nimmt die Darstellung des Menschenzuges immer abstraktere Formen an bis schließlich am hinteren Ende der Skulptur nur noch die Andeutung von Achsen und Rädern eines Deportationstransportes auszumachen sind. In nur wenigen Metern Entfernung befindet sich auf demselben Platz zudem ein Denkmal für die Opfer stalinistischer Repressionen. Nachdem Bessarabien und die Nordbukowina infolge des geheimen Zusatzprotokolls des Deutsch-Russischen Nichtangriffsvertrages – auf Bestimmung der UdSSR – der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik zugeschlagen wurden, kam es 1940 und 1941 zu Deportationen von über 22.000 Personen, die von der sowjetischen Regierung als „gesellschaftlich gefährliche Elemente“ erachtet wurden. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges führten die sowjetischen Behörden zwischen 1949 und 1951 erneute Deportationen durch, in deren Folge weitere mehr als 32.000 Menschen nach Sibirien oder Kasachstan verschleppt wurden.

Gedenkstein und Gedenkkreuze, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Gedenkstätte

Gedenkstätte für die Opfer der Repression „Kurapaty“, Minsk, Belarus

Die Gedenkstätte Kurapaty liegt am nördlichen Stadtrand von Minsk. Hier befindet sich ein Gräberfeld, auf dem Zehntausende Menschen zwischen 1937 und 1941 durch die sowjetische Geheimpolizei hingerichtet wurden. Nach der Annexion der ehemals polnischen Gebiete in Westbelarus im Herbst 1939 durch die Sowjetunion setzten erneut Massenexekutionen ein. Betroffen waren vor allem Angehörige der polnischen sozialen, militärischen und politischen Eliten, die in das Zentralgefängnis der BSSR nach Minsk verbracht und anschließend zu tausenden in Kurapaty erschossen und anonym verscharrt wurden. Nach dem Rückzug der deutschen Truppen und der Befreiung von Minsk durch die sowjetische Armee im Sommer 1944 begannen Angehörige der sowjetischen Geheimpolizei mit der Beseitigung einiger Gräber. Die eingesunkenen Massengräber wurden teilweise aufgefüllt und das Gelände aufgeforstet. In den 1960er Jahren erfolgte der Bau einer Straße sowie einer Gaspipeline durch das Gräberfeld. Die im Zuge dieser Arbeiten aufgefundenen sterblichen Überreste wurden beseitigt. In den 1970er Jahren entstand eine Neubausiedlung, die bis unmittelbar an Kurapaty heranreichte. Das Waldstück wurde zu einem beliebten Naherholungsort für die Anwohner. In den 1970er Jahren bestätigten Berichte von Zeitzeugen aus den umliegenden Dörfern die Existenz der Massengräber. In der Zeit von Glasnost und Perestroika wurden sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Mai 1988 konnte ein kleines Team von Archäologen mit Genehmigung der Militärstaatsanwaltschaft erste Suchgrabungen durchführen. Ihr in Auszügen veröffentlichter Bericht holte die bis dahin tabuisierten Verbrechen zurück in das öffentliche Bewusstsein. Die Vereinigung „Martyraloh Belarusi“ trat für eine unabhängige Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit ein. Die Staatsmacht reagierte auf diese Entwicklung mit Repressionen. Allerdings zwang der zunehmende Machtverfall die Staats- und Parteiführung im Frühjahr 1989 einzulenken und die Verbrechen auch offiziell anzuerkennen. Dem Gräberfeld wurde der Status eines nationalen Mahnmales zugesprochen und im Januar 1989 ein vom Ministerrat der BSSR initiierter Gedenkstein errichtet. Die ersten Gedenkzeichen, ein sechs Meter hohes Holzkreuz, wurden unter der Anteilnahme von etwa 50.000 Menschen in einer Prozession nach Kurapaty getragen und dort eingesegnet. Im Frühjahr 1990 begann die provisorische Umgestaltung des Geländes. Gegenüber dem Märtyrerkreuz wurde eine Hinweistafel aufgestellt und Kreuze auf den einzelnen Grabstellen errichtet. 1991 änderte die Regierung ihren Kurs. Die Toten von Kurapaty wurden nun zu Opfern der Deutschen Wehrmacht erklärt, was durch weitere Suchgrabungen zweielsfrei widerlegt wurde. Die stalinistischen Verbrechen traten in den Hintergrund. Dies änderte sich im Herbst 2001, als auf einen Präsidialerlass hin die Erweiterung der durch das Gräberfeld führenden Straße in Angriff genommen wurde. Die „Initiative zur Bewahrung von Kurapaty“ („Za utrawannje Kurapaty“) und die Vereinigung „Jugend für Kurapaty“ protestierten dagegen. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, aber der Bau konnte nicht verhindert werden. Als Zugeständnis wurde eine Unterführung angelegt, durch die das Gräberfeld heute zu erreichen ist. Verschiedene Organisationen, Religionsgemeinschaften sowie Angehörige der Opfer regten die Aufstellung zahlloser neuer Kreuze an. Bis heute bemühen sich Vereinigungen und Parteien in Belarus um die Umgestaltung des Areals in eine nationale Gedenkstätte. Bislang scheiterte dieses Vorhaben am Widerstand des Staates. Dennoch steht der Name Kurapaty in weiten Teilen der belarussischen Gesellschaft als Synonym für die Verbrechen des Stalinismus.

Screen Initiativgruppe Buchenwald 1945–1950 e. V.

Beratungsangebot | Aufarbeitungsinitiative

Initiativgruppe Buchenwald 1945–1950 e. V.

Die Initiativgruppe Buchenwald 1945–1950 e. V. wurde 1990 gegründet und ist eine Interessenvertretung ehemaliger Häftlinge der Speziallager des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, insbesondere des Speziallagers Nr. 2 Buchenwald. Die Initiativgruppe unterstützt die Aufarbeitung der Geschichte des Speziallagers und wirkt mit an der Gestaltung der Gedenkstätte und der Gräberfelder auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Darüber hinaus berät und unterstützt die Initiativgruppe ehemalige Häftlinge bzw. deren Hinterbliebene bei der Klärung von Einzelschicksalen sowie bei der Durchsetzung von Entschädigungszahlungen und Beihilfen. Die Initiativgruppe ist Mitglied in der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und arbeitet eng mit anderen Vereinigungen zusammen, die sich mit den Menschenrechtsverletzungen in den ehemaligen kommunistischen Staaten Europas beschäftigen.

Logo der  Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e. V.

Menschenrechtsorganisation | Aufarbeitungsinitiative

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e.V.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wurde am 8. April 1972 in Frankfurt a.M. gegründet. Sie setzt sich für die Verwirklichung von Menschenrechten ein und unterstützt diejenigen, die verfolgt werden, weil sie diese Rechte einfordern. Die IGFM stützt sich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 und andere Menschenrechtsdokumente. Initiator der IGFM war Iwan Agrusow, der während des Zweiten Weltkriegs im Alter von 20 Jahren aus Pskow in der Russischen Sowjetrepublik als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden war. Weil die sowjetische Regierung die zurückkehrenden Zwangsarbeiter nach dem Krieg wie Verräter behandelte und zum Teil in Arbeitslager deportierte, entschied sich Agrusow, in Deutschland zu bleiben. Das Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen in der damaligen Sowjetunion und den Ländern im sowjetischen Machtbereich prägte die Arbeit der IGFM von Beginn an. Neben vielen Aktivitäten weltweit unterstützt sie auch heute u.a. Wiedergutmachungsangelegenheiten für die Opfer der SED-Diktatur.

Mahnmal für die Opfer des Holodomor in der Ukraine 1932/33, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Mahnmal für die Opfer des Holodomor in der Ukraine 1932/33, Kiew, Ukraine

Das Mahnmal für die Opfer des Holodomor 1932/33 wurde am 12. September 1993 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Hungerkatastrophe auf dem Michaelplatz eingeweiht. Das Denkmal aus Granit und Bronze zeigt ein ausgespartes Kreuz, in dessen Mitte sich die Silhouette der "Mutterbeschützerin", Symbol der Ukraine, befindet. Den Entwurf für das schlichte Mahnmal legten der Künstler l. W. Pereswalskyj und der Architekt M. Kyslyj vor. Das Denkmal wurde im Beisein der ukrainischen Regierung von Staatspräsident Leonid Kutschma der Öffentlichkeit übergeben und gilt bis heute als eines der zentralen Mahnmale für die Opfer des Holodomor in der Ukraine. An der dahinter befindlichen Außenmauer des Michaelsklosters wurden in den vergangenen Jahren von Memorial Kiew gestaltete Tafeln angebracht, die über die Hungerkatastrophe informieren.

Mahnmal „Solowezki-Stein“, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Mahnmal „Solowezki-Stein“, Moskau, Russland

Der „Solowezkijj-Stein“ für die Opfer der politischen Repression wurde am 30. Oktober 1990 vor dem Hauptquartier der ehemaligen sowjetischen Geheimpolizei am Rande des Lubjanka-Platzes eingeweiht. Der Stein ist eines der ersten großen Gedenkzeichen für die Opfer politischer Verfolgung auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Initiiert wurde er von der Vereinigung Memorial, die den Stein nach Moskau bringen und auf einen Sockel aus Marmorplatten setzen ließ. Die Moskauer Stadtregierung beteiligte sich finanziell an dem Unternehmen, das jedoch zum Großteil aus von Memorial gesammelten Spenden finanziert wurde. Den Entwurf für das zunächst als Provisorium gedachte Mahnmal lieferte der Künstler S. I. Smirnow, der ihn von dem Architekten W. E. Korsi umsetzen ließ. In den Sockel ist eine Inschrift eingelassen, die auf die Bedeutung des Steines verweist. Am Rande des Platzes wurde in den 1990er-Jahren eine Tafel aufgestellt, die weitere Informationen in russischer und englischer Sprache bietet. Mit Gründung der Vereinigung Memorial 1988 wurde die Forderung nach Errichtung eines Denkmals für die Opfer politischer Verfolgung in der Sowjetunion zu einem der wichtigsten Anliegen der Gesellschaft. Die sowjetische Staats- und Parteiführung wehrte sich lange gegen den Bau eines derartigen Mahnmals, musste aber schließlich dem öffentlichen Druck nachgeben. Die Initiative für das Vorhaben lag damit bei Memorial. Als in Archangelsk im Frühjahr 1990 eine Expedition der dortigen Aufarbeitungsinitiative „Sowjest“ zu den Solowezkij-Inseln aufbrach, um von dort einen Stein für ein Mahnmal der Opfer politischer Repression in der Stadt zu holen, schloss sich Memorial dieser Unternehmung an und orderte seinerseits einen eigenen Stein für das Moskauer Mahnmal. Die Einweihung auf dem Lujbjanka-Platz erfolgte mit Unterstützung der Moskauer Stadtregierung. Der symbolträchtige Ort vor dem Hauptquartier der sowjetischen Geheimpolizei, die als Lubjanka bekannt wurde, war bewusst gewählt worden. Noch vor Einweihung des Denkmals erhielt der damalige Dsherzynski-Platz seine ursprüngliche Bezeichnung Lubjanka-Platz zurück, während das Denkmal für den Gründer der sowjetischen Geheimpolizei Feliks Dscherschinski bis August 1991 stehen blieb. Der nach Moskau verbrachte Solowezkij-Stein wurde etwas abseits des Lubjanka-Platzes in einer Grünanlage vor dem Polytechnischen Museum aufgestellt. Zur Einweihung am 30. Oktober 1990 zogen tausende Menschen durch die Straßen Moskaus. Der ehemalige Solowezkij-Häftling Oleg Wolkow sowie der verbannte Priester Gelb Jakunin nahmen die Einweihungszeremonie vor. Von Seiten Memorials sprachen Anatoli Shigulin und Sergej Kowaljow. Der unbehauene Stein sollte in der Vorstellung der Initiatoren im Verlaufe der Jahre durch ein neues „bearbeitetes“ Mahnmal ersetzt werden. Trotz verschiedener Initiativen in den folgenden Jahren blieb der Solowezkij-Stein ein Provisorium, gewann aber aufgrund seiner Bedeutung dennoch eine hohe symbolische Bedeutung.

Logo Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.

Opferverband

Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V.

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. / Gemeinschaft von Verfolgten und Gegnern des Kommunismus e.V. (VOS) vertritt die Interessen von Opfern politischer Verfolgung und setzt sich für die Aufarbeitung kommunistischen Unrechts ein. Die VOS wurde am 9. Februar 1950 von den aus sowjetischem Gewahrsam zurückgekehrten Internierten, Kriegsgefangenen und zu langen Haftstrafen verurteilten Bürgern der Bundesrepublik Deutschland in Berlin gegründet. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Unterstützung von Mitgliedern bei Anträgen auf Rehabilitierung und Entschädigung. Zudem kämpfte die VOS für Gesetze und staatliche Einrichtungen, die sich um die Belange von ehemaligen politischen Häftlingen kümmern. Eine ihrer Forderungen ist die angemessene Entschädigung von DDR-Zwangsarbeitern. Die VOS gibt die monatlich erscheinende Zeitschrift Freiheitsglocke heraus, in der über Vereinsaktivitäten und sie betreffende politische Ereignisse berichtet wird.

Gedenkveranstaltung an der Gräberstätte Karnickelberg am 25. Mai 2016, Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna v. Arnim Rosenthal

Aufarbeitungsinitiative

Bautzen Komitee e. V.

Das Bautzen Komitee e. V. wurde 1990 von ehemaligen Häftlingen des Speziallagers Bautzen und der Strafvollzugseinrichtung der Staatssicherheit (Bautzen II) gegründet. Das Komitee berät und betreut ehemalige Häftlinge und deren Hinterbliebene zu Fragen der Rehabilitierung und Wiedergutmachung. Überdies widmet sich der Verein der Aufklärung und Aufarbeitung der Verbrechen der kommunistischen Gewaltherrschaft in der SBZ/DDR und möchte die Erinnerung an das Leid der unschuldigen Opfer aufrechterhalten. Auf Initiative des Komitees wurden intensive Suchgrabungen hinter der Justizvollzugsanstalt Bautzen vorgenommen. Es konnten Massengräber der im Speziallager Verstorbenen freigelegt sowie in Erinnerung an die Opfer eine Gräberstätte und eine Gedenkkapelle eingerichtet werden. Zwischen 1945 bis 1956 sind im Speziallager Bautzen etwa 3.000 Inhaftierte an den Folgen der Haft gestorben. In Zusammenhang mit dem alljährlich stattfindenden Bautzen-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung findet auch das Treffen der Mitglieder des Bautzen-Komitees statt.

Das Denkmal für die Verfolgten 1945-1989 in Jena, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Denkmal für die Verfolgten 1945-1989, Jena

In Anwesenheit des Erfurter Oberbürgermeisters Dr. Albrecht Schröter und des DDR-Bürgerrechtlers Roland Jahn wurde am 17. Juni 2010 ein Denkmal für die Verfolgten der kommunistischen Diktatur enthüllt.  Die Grundsteinlegung erfolgte bereits 2003 hinter dem Jenaer Rathaus. Der Exil-Jenaer Karl-Heinz Johannsmeier, in den 1950er-Jahren politischer DDR-Häftling, wollte, nachdem er in den USA als Unternehmer zu Wohlstand gekommen war, seiner Heimatstadt ein Denkmal für die Opfer kommunistischer Gewalt stiften. Sein eigener Entwurf hatte 2001 eine große Debatte unter Thüringer Historikern ausgelöst. Mit der Siegerin des eigens ausgeschriebenen Künstlerwettbewerbes, Sibylle Mania, weigerte er sich hingegen strikt zusammenzuarbeiten. Er lehnte ihr Konzept ab, haderte zudem mit den steigenden Kosten und der Verzögerung des Bauvorhabens. Nach heftigen und langwierigen Diskussionen über Johannsmeiers Rolle als Stifter sowie die inhaltliche und ästhetische Umsetzung des Denkmals, wurde 2009 ein neuer Wettbewerb ausgeschrieben – ohne Beteiligung Johannsmeiers. Den Siegerentwurf reichten schließlich die bereits bekannte Sibylle Mania und der Künstler Martin Neubert ein. Das Denkmal besteht aus 285 gestapelten Aktenbehältern, die aus gefärbtem Beton nachgebildet wurden, und soll die Tätigkeit des Unterdrückungsorgans der kommunistischen Diktatur bzw. die damit einhergehenden Einzelschicksale symbolisieren. Auf den Behältern stehen 54 historische Daten, darunter die Namen von DDR-Oppositionellen wie Roland Jahn, Oskar Brüsewitz oder Robert Havemann. Als neuer Standort wurde, anders als zuvor geplant, die Gerbergasse 18 gewählt. Dort befand sich der mittlerweile abgerissene Sitz der Jenaer Staatssicherheit. Die Inschrift am Fuße des Denkmals lautet: „All denen, deren Menschenwürde verletzt wurde, / den Verfolgten, die gegen kommunistische Diktatur / aufrecht für Demokratie und Menschenrechte / einstanden. 1945–1989“.

Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Berlin

Im Jahre 1881 wurde der Friedhof in Friedrichsfelde eingeweiht. Seit der Beisetzung des Revolutionärs und sozialistischen Politikers Wilhelm Liebknecht im Jahre 1919, an der mehr als 120.000 Menschen teilnahmen, entwickelte sich der Friedhof zu einem Begräbnisort führender Vertreter der Arbeiterbewegung. Gründer der Sozialdemokraten und führende Gewerkschafter fanden hier ihre letzte Ruhe. Im Januar 1919 wurden nach dem gescheiterten Spartakusaufstand die beiden Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet. Für sie wurde auf dem Friedhof in Friedrichsfelde eine eigene Abteilung als Gedenkstätte der KPD und ihrer Anhänger eingerichtet. 1926 wurde ein Revolutionsdenkmal des Architekten Mies van der Rohe eingeweiht, das von den Nationalsozialisten 1935 abgerissen wurde. Bereits während der Weimarer Republik wurde alljährlich an einem Sonntag im Januar mit einer Gedenkfeier der beiden Ermordeten gedacht. Bis heute findet diese Demonstration am zweiten Sonntag im Januar statt. Im Jahre 1951 wurde durch die SED-Führung die „Gedenkstätte der Sozialisten“ mit Grab- und Gedenksteinen für führende Arbeiterführer und einem Prophyrblock eingeweiht, dessen Inschrift lautet:  „Die Toten / mahnen / uns.“ Auf dem Friedhof wurden zudem führende Politiker der DDR beigesetzt. Gegenwärtig erinnert eine Dauerausstellung auf dem Gelände an die Geschichte des Friedhofs und der Gedenkstätte und gibt biographische Informationen über die hier beigesetzten Persönlichkeiten. An die Opfer stalinistischer Säuberungen in der Arbeiterbewegung wurde auf dem Friedhof bisher nicht erinnert, obwohl sich einige Gräber hier befinden, zum Beispiel das von Paul Merker. Auf Initiative des Förderkreises Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde wurde am 11. Dezember 2006 am Rande der Gedenkstätte der Sozialisten ein Gedenkstein aus rotem Porphyr enthüllt. Seine Inschrift lautet: „Den Opfern / des / Stalinismus.“ Mit dem Gedenkstein soll der Opfer politischer Repression in der Sowjetunion, der SBZ und DDR gedacht werden. Während der Einweihung kam es zu Protesten von Anhängern der Linkspartei.PDS und der DKP, die den Gedenkstein als Verunglimpfung hochrangiger Kommunisten und den Begriff „Stalinismus“ als Antikommunismus interpretieren. Auch die „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ (VOS) kritisierte den Gedenkstein, weil er in unmittelbarer Nähe zum SED-Ehrenmal errichtet wurde, sie sahen darin eine Vermischung von Tätern und Opfern.

Gedenkstein Speziallager Jamlitz, By J.-H. Janßen (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Beratungsangebot | Aufarbeitungsinitiative

Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz e. V.

Schwerpunkte der Tätigkeit der 1992 gegründeten Initiativgruppe Internierungslager Jamlitz sind die Aufarbeitung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers Jamlitz, die Beratung von Opfern politischer Verfolgung, die Klärung von Schicksalen ehemaliger Lagerinsassen sowie die Pflege des Kontaktes zu den Familien der Opfer des Lagers. Darüber hinaus stehen die Mitglieder der Initiativgruppe als Zeitzeugen für Gespräche an Schulen bzw. mit interessierten Personen oder Institutionen zur Verfügung. Zwischen 1943 und 1945 war auf dem Gelände ein Außenlager des KZ-Sachsenhausen untergebracht. Im September 1945 richtete die sowjetische Geheimpolizei NKWD hier das Speziallager Nr. 6 ein, in dem bis April 1947 Menschen ohne Urteil interniert wurden. Etwa 3.300 von ihnen überlebten das Lager nicht und wurden in den Wäldern um Jamlitz in Massengräbern verscharrt. Die Initiativgruppe ist Mitglied in der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG).

Aufarbeitungsinitiative

Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion

Die Lagergemeinschaft wurde auf Initiative von Sigurd Binski und dem Sprecher Horst Schüler gegründet. Das erste ihrer jährlichen Zusammentreffen fand 1994 im ehemaligen Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle statt und versammelte Menschen, die ein gemeinsames Schicksal teilen: Sie wurden Opfer des sowjetischen Geheimdienstes NKWD oder der sowjetischen Militärjustiz in der Sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg. Die meisten wurden zu 25 Jahren Haft in einem der so genannten „Besserungs-Arbeitslager“ verurteilt und in die Sowjetunion deportiert, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen in Lagerkomplexen wie Workuta Zwangsarbeit leisten mussten. Die Lagergemeinschaft erinnert auch an die Frauen und Männer, die zum Tode verurteilt und Moskau erschossen wurden. Die überwiegende Zahl der zu Lagerhaft und zum Tode verurteilten Deutschen wurde mittlerweile von der Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation in Moskau rehabilitiert.

Mahnmal für die Opfer des Kommunismus, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Mahnmal für die Opfer des Kommunismus, Prag, Tschechien

Das Mahnmal für die Opfer des Kommunismus wurde am 22. Mai 2002 am Fuße des Petrin-Hügels (Laurenziberg) auf der Prager Kleinseite eingeweiht. Die Konföderation der politischen Häftlinge der Tschechischen Republik hatte sich seit Mitte der 1990er-Jahre für die Errichtung eines Denkmals eingesetzt. Unterstützt wurde der Verband vom Bürgermeister der Stadt Prag sowie von der Bezirksverwaltung des Stadtteiles Prag 1. Der Bildhauer und ehemalige politische Häftling Olbram Zoulbek entwarf die 60 Meter lange und sieben Meter breite Anlage. Auf einer weißen, immer enger werdenden Treppe stehen auf sechsundzwanzig Stufen sieben stilisierte, aus Bronze gestaltete Männerskulpturen. Vom Fuße der Anhöhe aus betrachtet, lösen sich die Figuren, je weiter die Treppe emporsteigt, immer mehr auf, bis sie schließlich nur noch als Fragmente auszumachen sind. Die Männerfiguren repräsentieren symbolhaft einen Menschen, der zur Liquidierung bestimmt wurde (auf Tschechisch „Muž určený k likvidaci“, Abkürzung „Mukl“). Entlang der Treppe verläuft ein Bronzestreifen mit eingravierten Angaben zu den Opfern des Kommunismus in der ehemaligen ČSSR. Am Fuße der Anlage befindet sich ein mit Inschriften versehener Granitsockel. Umgesetzt wurde das Mahnmal von den Architekten Zdenék Hölzel und Jan Kerel aus Prag.

Monument „Maske des Kummers“ in Magadan, Urheber: Сергей Ковалев, Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Denkmal

Monument „Maske des Kummers“, Magadan, Russland

Zur Erinnerung an die Opfer des Lagerverbundes Dalstroj wurde am 12. Juni 1996 auf der Spitze des Berges Krutaja das Mahnmal „Maske des Kummers“ eingeweiht. Der Bildhauer Ernst Neizwestnij und der Architekt Kamil Kasaew schufen die 18 Meter hohe Betonskulptur, die ein menschliches Gesicht zeigt, in das ein Kreuz eingearbeitet wurde. Das Mahnmal trägt die Bezeichnung „Maske des Kummers“ und ist heute zentraler Erinnerungsort an die Leiden der Insassen der Lager des Kolyma-Gebietes. Errichtet wurde die Anlage aus Mitteln der Russischen Föderation und Spenden der Städte Nowosibirsk, Moskau, Samara, Sankt-Petersburg, Tambow und Magadan. Der Lagerverbund des Dalstroj wurde als Verwaltung für die Bauarbeiten im Fernen Osten im Dezember 1931 auf Beschluss des Arbeits- und Verteidigungsministeriums der UdSSR gebildet. Er umfasste Dutzende größere und kleinere Lager oberhalb des Polarkreises, die sich im Gebiet um den Fluss Kolyma befanden. Der Lagerverbund entwickelte sich zum größten Wirtschaftsunternehmen in der Sowjetunion, in dem die sowjetische Geheimpolizei NKWD unter menschenunwürdigen Bedingungen hunderttausende Häftlinge ausbeutete. Die Zwangsarbeiter waren zu Beginn der 1930er-Jahre vor allem mit der Erschließung der großen Goldvorkommen an der Kolyma beschäftigt. Aufgrund der dem Bergbau beigemessenen Bedeutung, nahm das Dalstroj mit seinem Hauptsitz in Magadan eine Sonderstellung innerhalb des Gulagsystems ein und konnte so auf ein schier unerschöpfliches Reservoir an Arbeitskräften bauen. Vor allem in den ersten Jahren waren die Haftbedingungen für die Insassen durch Hunger, Kälte, Krankheiten und extreme körperliche Belastungen schlecht. Die Todesrate in den Lagern lag nach Schätzungen zwischen 25 und 30 Prozent. Dennoch expandierte der Lagerverbund weiter und umfasste in den 1940er-Jahren fast den gesamten Fernen Osten der UdSSR. Gleichzeitig wurde durch die Häftlinge die Siedlung Magadan zum Regional- und Verwaltungszentrum ausgebaut und der Ferne Osten durch den Bau von Fernstraßen und Hafenanlagen erschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Lagerkomplex zum Kriegsgefangenenlager für Japaner erweitert, die in verschiedenen Bereichen des Dalstroj eingesetzt waren. Im Februar 1948 wurde das Dalstroj durch das bei Magadan befindliche Speziallager Nr. 5 erweitert, das für politische Häftlinge eingerichtet wurde und sich durch ein besonders verschärftes Haftregime auszeichnete. Mit der Umstrukturierung des Gulagsystems 1953 wurde das Dalstroj mit mehr als 175 000 Häftlingen dem Ministerium für Bergbauindustrie unterstellt.

Victims of Communism Memorial Foundation, Washington, NGO

Aufarbeitungsinitiative

Victims of Communism Memorial Foundation, Washington D.C., USA

Die 1994 ins Leben gerufene amerikanische Victims of Communism Memorial Foundation ist eine nicht-gewinnorientierte Organisation mit Sitz in Washington DC. Sie verfolgt die Absicht, aktuelle und zukünftige Generationen über Ideologie, Geschichte und Vermächtnis des Kommunismus aufzuklären. Sie verleiht jährlich die Truman-Reagan Medal of Freedom, die den Einsatz für Frieden und Demokratie und Opposition gegenüber dem Kommunismus und anderen Formen der Diktatur auszeichnet. Sie betreibt u.a. die Webseiten „Virtual Exhibits on Communism“ und „The Gulag Museum of Communism“, die einen interaktiven Zugang zum Thema erlauben. Auf ihrer eigenen Website stellt die Organisation mit dem „Witness Project“ Zeitzeugenberichte aus kommunistischen Regimes weltweit in Videoform bereit. Die Victims of Communism Memorial Foundation organisiert zudem Veranstaltungen und stellt Material für schulische Bildung zum Kommunismus zur Verfügung.

Aufarbeitungsinitiative

Bund der Stalinistisch Verfolgten e.V.

Der Bund der Stalinistisch Verfolgten e.V. (BSV) wurde 1990 in Leipzig als zweitgrößter Zusammenschluss von Opfern und Verfolgten der sowjetischen Besatzungs- oder DDR-Sicherheitsorgane gegründet. Von den damaligen Landesverbänden besteht heute nur noch der Landesverband Berlin-Brandenburg. Der Landesverband Sachsen e.V. wurde 2013/14 unabhängig vom früheren Bundesverband gegründet. Der BSV sieht sich als Interessenvertretung der Personen und ihrer Angehörigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone willkürlich verhaftet, interniert oder von Sowjetischen Militärtribunalen (SMT) verurteilt wurden, in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert waren oder andere Repressionen erleiden mussten. Ziel des BSV ist die historische Aufarbeitung und das Wachhalten der Erinnerung an begangenes Unrecht; aber auch die Rehabilitierung der von SMT unschuldig Verurteilten und die Wiedergutmachung für erlittene Schäden durch Haftzeiten und andere Benachteiligungen. Der BSV gibt mit seinem Förderverein und der UOKG die Zeitschrift „der Stacheldraht“ heraus, die neunmal im Jahr erscheint.

Denkmal „Schwerter zu Pflugscharen“ vor der Kreuzkirche, Urheber: Ulrike Lehmann, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 DE

Denkmal

Denkmal „Schwerter zu Pflugscharen“, Dresden

Das Denk- und Mahnmal „Schwerter zu Pflugscharen – Steine des Anstoßes für eine Bewegung, die das Land veränderte“ erinnert seit Anfang Oktober 2010 vor der Kreuzkirche im Dresdner Stadtzentrum an die friedliche Protestbewegung. Initiiert wurde die Aufstellung des Denkmals von ehemaligen Beteiligten wie dem Oberlandeskirchenrat i.R. Harald Bretschneider. Für die Beschaffung der finanziellen Mittel zeigen sich Dipl.-Ing. Jürgen Bönninger und die Renate & Gerhart Baum-Stiftung verantwortlich. Die Skulptur besteht aus zwei je sieben Tonnen schweren Granitquadern. Diese bildeten einst das Fundament eines Baldachins über dem Hochzeitsportal der Kreuzkirche, dienten seit 1982 immer wieder als Ablageort von Kerzen und konnten so, bearbeitet und gesandstrahlt, vor der Entsorgung bewahrt werden. In den unteren Stein ist das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ nach einem Entwurf des Dresdner Bildhauers Lothar Beck als Metallguss eingelassen. Darunter ist das Gründungsdatum des „Friedensforums“, der 13. Februar 1982, verewigt. Auf der Rückseite des unteren Blockes befindet sich die Inschrift: „Schwerter / zu Pflugscharen / Friedens und Protest / Bewegung die das Land veränderte / Tausende Menschen / mit Kerzen / stimmen an / dona nobis pacem“. Jedes Jahr wird eine Plakette mit dem Namen „Schwerter zu Pflugscharen“ an einen besonders herausragenden Friedensaktivisten oder eine entsprechende Initiative überreicht. Bisher wurden die evangelische Schule „Talitha Kumi“ in Bait Dschala bei Bethlehem, der Liberianer George Togba und der ungarische Bischof Tamás Fabiny ausgezeichnet. Das Bibelzitat „Schwerter zu Pflugscharen“ aus dem Buch Micha des Alten Testaments entwickelte sich in den 1980er Jahren zum wohl bekanntesten Motto der christlich geprägten Friedensbewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, mit gewaltfreiem Widerstand gegen das DDR-System und die zunehmende Militarisierung zu protestieren. Das Zitat befand sich u.a. auf Aufnähern, die von den Jugendgruppen der Kirchengemeinden verteilt wurden. Kreiert hatte das Symbol der damalige Jugendpfarrer Harald Bretschneider. Wer mit dieser Symbolik aufgegriffen wurde, musste mit Repressalien rechnen. Etwa 5.000 Menschen versammelten sich am 13. Februar 1982 in Dresden, um angesichts der zunehmenden Militarisierung des zivilen Lebens an den Trümmern der Frauenkirche an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 zu erinnern. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens hatte, um Zusammenstöße der Demonstranten mit den bewaffneten Sicherheitskräften zu vermeiden, ein „Forum Frieden“ in der Kreuzkirche als Alternative zur illegalen Versammlung angeregt. Die SED-Leitung hatte dem Vorschlag zugestimmt, um eine öffentliche Demonstration zu vermeiden. Während die Staatsmacht sich bemühte, möglichst wenige „Verdächtige“ ins Stadtgebiet zu lassen, versuchten kirchliche Mitarbeiter die Menschen, die sich an der Frauenkirche versammelten, dazu zu bewegen, in die Kreuzkirche zu gehen. Einige hundert Demonstranten zogen es vor, an der Ruine zu verharren, während die überwiegende Mehrheit sich zunächst am Forum in der Kreuzkirche beteiligte. Entgegen dem ausdrücklichen Rat der Kirchenleitung zogen viele von ihnen im Anschluss schweigend mit Kerzen zur Frauenkirche. Das offene Diskussionsforum und das schweigende Gedenken wurden seither jährlich am 13. Februar in Dresden begangen.

Das Karl-Liebknecht-Haus in der Weydingerstraße 14/16 in Berlin-Mitte, Urheber: Jörg Zägel, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Denkmal

Gedenktafel für die Opfer des Stalinismus, Karl-Liebknecht-Haus, Berlin

Im Dezember 2013 wurde am Karl-Liebknecht-Haus in Berlin-Mitte, der Parteizentrale der Partei Die Linke, eine Gedenktafel für die Opfer des Kommunismus enthüllt. Die Glastafel wurde von der Künstlerin Helga Lieser gestaltet und soll an die Antifaschisten und Kommunisten erinnern, die dem Großen Terror in der Sowjetunion zum Opfer fielen. Vorausgegangen war eine langwierige Debatte innerhalb der Partei und in der Öffentlichkeit, nach dem die Anregung für die Tafel von der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) gekommen war. Die Inschrift lautet: „Ehrendes Gedenken an Tausende deutsche Kommunistinnen und Kommunisten, Antifaschistinnen und Antifaschisten, die in der Sowjetunion zwischen den 1930er und 1950er Jahren willkürlich verfolgt, entrechtet, in Straflager deportiert, auf Jahrzehnte verbannt und ermordet wurden.“ Das Gebäude in der Kleinen Alexanderstraße wurde 1926 von der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) erworben und nach Karl Liebknecht benannt. Es war u.a. der Sitz des Zentralkomitees (ZK) der KPD und der KPD-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Lausitz-Grenzmark. Nachdem die SA das Gebäude im März 1933 besetzt hatte, diente es der Drangsalierung von Gegnern des Nationalsozialismus und später als Sitz der Abteilung zur Bekämpfung des Bolschewismus der Politischen Polizei, dann der Gestapo. Nach einem Umbau war es seit 1935 der Sitz des Katasteramts der preußischen Finanzverwaltung und ab 1937 der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg. Im Dezember 1947 übergab die sowjetische Militäradministration das beschlagnahmte Gebäude der SED, die 1946 durch die Vereinigung von KPD und SPD im Ostteil Deutschlands entstanden war. Ab 1949 wurde es auf Beschluss der SED-Führung mit geringen Fassadenveränderungen sowie um ein Geschoss erweitert erneut aufgebaut. Das Gebäude benutzten zunächst zentrale Dienststellen der SED, deren Führung im nahen „Haus der Einheit“ amtierte, später das „Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED“ als Büro- und Gästehaus. Das Karl-Liebknecht-Haus ist heute Sitz der Bundesgeschäftsstelle und der Berliner Landesgeschäftsstelle der Partei Die Linke.

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Initiativgruppe Internierungslager Ketschendorf / Speziallager Nr. 5 e. V.

Die 1990 gegründete Initiativgruppe Internierungslager Ketschendorf / Speziallager Nr.5 e. V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerungen an die Leiden und Opfer des sowjetischen Internierungslagers Ketschendorf wach zu halten und ihr Andenken zu ehren. Ende April 1945 wurde die Wohnsiedlung des Reifenwerkes Ketschendorf von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und in ein Speziallager umgewandelt. Zwischen Mai 1945 und Februar 1947 lebten in der für 500 Personen ausgelegten Siedlung zeitweise mehr als 9.000 Menschen. Nach Auflösung des Lagers wurden die überlebenden Häftlinge in andere Speziallager verlegt oder in die Sowjetunion verschleppt. Im sogenannten Wäldchen, wo die Toten des Lagers verscharrt wurden, befindet sich heute eine Gedenkanlage. Die Initiativgruppe sammelt Materialien zur Geschichte des Lagers und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Verein ist Mitglied in der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG).

Logo der Union der Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft

Denkmal

Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Diktaturen, Berlin (in Planung)

Die „Initiative Mahnmal“ der Union der Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG) setzt sich mit der Unterstützung von DDR-Bürgerrechtlern seit vielen Jahren für ein Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Diktaturen in Deutschland ein. An einem zentralen Ort in der politischen Mitte Berlins soll es an jene Menschen erinnern, die unter der kommunistischen Diktatur in Deutschland zwischen 1945 und 1989 Opfer politischer Verfolgung wurden. Die Initiatoren verweisen auf die zentralen Denkmäler für die Opfer des Kommunismus in vielen ostmittel- und osteuropäischen Staaten und sehen vor allem das Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Prag als Vorbild. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützt das Vorhaben. Zwar hat sich insbesondere in Berlin eine differenzierte und vielfältige Gedenkstätten- und Erinnerungslandschaft entwickelt, deutschlandweit erinnern viele Denkmäler dezentral an die verschiedenen Opfergruppen des SED-Regimes. Dennoch beschäftigen sich die Erinnerungsorte mit einzelnen Opfergruppen und Repressionsformen und richten damit den Fokus jeweils auf eine bestimmte Gruppe, einen Zeitabschnitt oder einen Ort. Ein nationales Denkmal im Herzen Berlins wäre mehr als ein öffentlich sichtbares Bekenntnis von Parlament und Regierung. Es wäre ein öffentliches Symbol, das nicht nur der Erinnerung an die Opfer einen Ort gibt, sondern auch Widerstand und Zivilcourage würdigt und daran erinnert, dass Menschen sich zu allen Zeiten um den Preis ihrer eigenen Freiheit, ihrer Gesundheit, ihres Fortkommens und sogar ihres Lebens für Freiheit und Demokratie eingesetzt haben. Ein solcher Ort würde auch dazu beitragen, dass die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur und ihren Folgen nicht allein als ein ostdeutsches Thema verstanden wird. Der Bundestag hatte bereits im Oktober 2015 anlässlich des 25. Jahrestags der deutschen Einheit auf Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD den Beschluss gefasst, in Berlin an zentraler Stelle ein Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft zu errichten. Das Gedenkstättenkonzept des Bundes sollte in diesem Sinne weiterentwickelt und noch in dieser Legislaturperiode eine konkrete Initiative des Parlaments für ein solches Mahnmal auf den Weg gebracht werden. Der Beschluss wurde im Februar 2017 im Rahmen eines Fachgesprächs des Kulturausschusses mit vier Sachverständigen von allen Fraktionen noch einmal bekräftigt. Seit Juli 2017 zeichnet sich ab, dass der Bundestag in dieser Legislaturperiode keinen Errichtungsbeschluss mehr verabschieden wird.

Mahnmal für die Opfer des Kommunismus, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung, Prof. Hope Harrison

Denkmal

Mahnmal für die Opfer des Kommunismus, Washington D.C., USA

Das Mahnmal für die Opfer des Kommunismus wurde am 12. Juni 2007 aus Anlass des 20. Jahrestages des Berlin-Besuches des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan in Berlin 1987 eingeweiht. Die aufgestellte Bronzestatue in der Nähe des Kongressgebäudes ist eine Nachbildung der 10 Meter hohen Pappmache-Figur „Göttin der Demokratie“, die chinesische Studenten wenige Tage vor den blutig niedergeschlagenen Kundgebungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking am 4. Juni 1989 errichtet hatten. Zugleich weist die drei Meter hohe Skulptur einer jungen Frau, die eine Fackel in die Höhe hält, deutliche Ähnlichkeiten mit der New Yorker Freiheitsstatue auf. An der Einweihungszeremonie nahmen der US-Präsident George Bush sowie ranghohe Vertreter der amerikanischen Regierung und internationaler Organisationen teil. Der Bau des Mahnmals geht auf einen Beschluss des US-Kongresses zurück, demzufolge für die Opfer des Kommunismus weltweit ein Denkmal in Washington errichtet werden sollte. Das erste diesbezügliche Dekret wurde bereits 1993 unter der Präsidentschaft von Bill Clinton verabschiedet. Im folgenden Jahr gründete sich die Memorial Foundation Victims of Communism, die den Bau vorantrieb. Ihr gehörten neben US-amerikanischen Politikern, Menschenrechtlern und Wissenschaftlern wie Jeane Kirkpatrick, Bob Dole, Caliborne Pell und Jane Kirkland auch Persönlichkeiten wie Václav Havel, Lech Wałęsa, die Frau von Andrej Sacharow, Elena Bonner und der litauische Präsident Vytaustas Landsbergis an. Die Kosten für das Mahnmal wurden auf etwa 825.000 US-Dollar beziffert. Nachdem im Sommer 2006 die Summe durch eine weltweite Spendenkampagne aufgebracht und mit der Stadt Washington der Platz für die Errichtung des Mahnmals ausgehandelt worden war, erfolgte am 27. Juni 2006 die Grundsteinlegung.

Nationales Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung in der Gedenkstätte Berliner Mauer, Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung

Denkmal

Nationales Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung, Berlin

Im Zuge der Neugestaltung des Areals der Gedenkstätte Berliner Mauer lobte der Bund, vertreten durch das Deutsche Historische Museum, im April 1994 einen Wettbewerb für die Gestaltung des nationalen Denkmals für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung aus, das seinen Platz am historischen Ort in der Bernauer Straße finden sollte. Realisiert wurde der Gestaltungsvorschlag von Kohlhoff&Kohlhoff. Dieser Entwurf sah die Integration überlieferter Sachspuren der originalen Grenzanlage an der Bernauer Straße vor und suchte diese durch gestalterische Mittel zu verstärken und zu überhöhen. Dem Wettbewerb war eine mehrjährige kontroverse Debatte über die angemessene Form und Gestaltung des Gedenkens vorangegangen. Am 13. August 1998 wurde das Denkmal, dessen zwei Stahlwände ein 70 Meter langes original erhaltenes Stück der Grenzanlagen einschließen, offiziell eingeweiht. Die Inschrift am Denkmal lautet: „In Erinnerung an die Teilung der Stadt vom 13. August 1961 bis 9. November 1989 und zum Gedenken an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft“. Die Bernauer Straße wurde durch den Bau der Berliner Mauer zu einem der zentralen Symbole für die Teilung der Stadt. Die Grenze verlief entlang der Häuserfront der Grenzhäuser auf der Ost-Berliner Seite. Der Bürgersteig davor gehörte bereits zum Westsektor. Die Straße erlangte aufgrund der zahlreichen Fluchtversuche, der Todesopfer, dem Abriss der Grenzhäuser, der Sprengung der Versöhnungskirche 1985, der Flucht Conrad Schumanns und dem Fall der Berliner Mauer traurige Berühmtheit.