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Screen Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung

Zeitschrift

Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden (Hrsg.)

Totalitarismus und Demokratie ist eine seit 2004 vier Mal im Jahr erscheinende Zeitschrift, die Beiträge zur vergleichenden Erforschung nichtdemokratischer Systeme der Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht. Studien zu den beiden deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert sowie zu Regimen und Bewegungen in Europa und der Welt sollen darin Historikern, Politikwissenschaftlern, Soziologen, Religionswissenschaftlern und anderen Fachöffentlichkeiten zugänglich gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen die politischen, gesellschaftlichen, sozialpsychologischen und kulturellen Konstellationen, in denen demokratische oder nichtdemokratische Gesellschaften entstehen. Die Zeitschrift möchte darüber hinaus den interdisziplinären Austausch über Funktionsweisen und die Auswirkungen autokratischer Systeme fördern.

Buchcover Gerhard Hirscher, Marc Lazar, Patrick Moreau (Hrsg.): Der Kommunismus in Westeuropa. Niedergang oder Mutation?

Fachbuch

Der Kommunismus in Westeuropa. Niedergang oder Mutation?

Gerhard Hirscher, Marc Lazar, Patrick Moreau (Hrsg.)

Der Band ist das Ergebnis einer Tagung, die u.a. von der Akademie für Politik und Zeitgeschichte der Hanns-Seidel-Stiftung im Herbst 1996 veranstaltet wurde. Die Autoren untersuchen die Geschichte verschiedener kommunistischer und postkommunistischer Parteien in Westeuropa, wobei sie darauf hinweisen, dass nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus kommunistische Ideen und Organisationsformen nicht vollständig verschwunden sind. Die Kapitel sind nach Ländern oder Regionen Europas gegliedert: Mittelmeerraum, Nordeuropa, den Benelux-Staaten und den Niederlanden sowie Großbritannien und Irland. Zum Schluss werden transnationale Fragen und die Gefahr einer „internationalistischen“ Kooperation der Linken für die Gegenwart Europas erörtert.

Buchcover "Mehr Reichtum, mehr Armut", Campus 2017

Fachbuch

Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Hartmut Kaelble

Der renommierte Sozialhistoriker Hartmut Kaelble versucht in seinem Buch "Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart" die historischen Entwicklungen sozialer Differenzen in Europa und insbesondere in Deutschland in den Blick zu bekommen. Das als Überblickswerk angelegte Buch fokussiert dabei auch auf die Zeit nach den Weltkriegen, um Argumenten entgegenzutreten, dass nur Umstürze oder historische Einschnitte wirkliche Veränderungen bringen. Das längste Kapitel ist aber dem Wiederanstieg der Diskrepanz seit den 1980er-Jahren gewidmet. Den Argumenten der Alternativlosigkeit oder Zwangsläufigkeit setzt Kaelble die Analyse positiver Entwicklungen entgegen, die etwa durch politische Intervention und Bildungspolitik hervorgebracht worden seien. So liefert er einen Beitrag zu einer anhaltenden politischen Debatte über soziale Ungleichheit aus historischer Perspektive.

Cover des Buches "Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept", Bloomsbury Publishing

Sammelband

Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept

Jürgen Kocka, Marcel van der Linden (Hrsg.)

Jürgen Kocka und Marcel van der Linden haben in ihrem 2016 erschienen Sammelband „Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept” neun Autoren versammelt, die nach der grundlegenden Definition des Kapitalismus, seiner globalen Ausformungen und der Möglichkeit der Nutzbarmachung des Begriffs für die historische Forschung fragen. Der Fokus des Bandes liegt auf der Untersuchung des Kapitalismus als historisches Konzept, wofür eine umfassende Übersicht aktueller Forschung und Anregungen für weitere Studien bereitgestellt werden. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor der Begriff „Kapitalismus“ zunächst seinen ideologischen und polemischen Zug und bot sich der Historiographie als heuristisches Instrument an. Es dominierten um die Jahrtausendwende die kulturwissenschaftlichen Zugänge zur Geschichte und erst im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 2007 wagten sich wissenschaftliche Studien wieder verstärkt an wirtschaftswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Themen. "Der Sozialismus ist gescheitert, der Kapitalismus ist bankrott und was kommt als nächstes?" fragte Eric Hobsbawn in einem Beitrag im Guardian von 2009.

Cover der DAMALS-Ausgabe "Oktober 1917 – Europa und die Russische Revolution", Konradin Mediengruppe

Fachzeitschrift

DAMALS: Oktober 1917. Europa und die Russische Revolution.

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

Im Jahr 2017 jährt sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Dies nimmt die Redaktion der Zeitschrift DAMALS zum Anlass, um im Heft „Oktober 1917. Europa und die Russische Revolution“ die Ereignisse und Folgen der Umbrüche in Russland zu thematisieren. Dafür behandeln die Autorinnen und Autoren nicht nur die Verläufe der bürgerlichen Februar- und der bolschewistischen Oktoberrevolution, sondern auch die Hoffnungen und Versprechen, die mit dem Aufstieg des Kommunismus verbunden wurden. Die Folgen der Revolution für Russland und Europa kommen ebenfalls zur Sprache: Gewaltsame Repressionen, Verstaatlichung der Produktions- und Verkehrsmittel, Flucht und Vertreibung. Neben diesen dem Themenschwerpunkt zugordneten Beiträgen finden sich auch Aufsätze zu generellen Entwicklungen in der Geschichtswissenschaft und zu historischen Ereignissen jenseits der Russischen Revolution. Das Heft verweist außerdem auf die Ausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“ des Deutschen Historischen Museums. Sie können das Heft über diesen Link bestellen.

Buchcover

Fachbuch

Politics and Left Unity in India. The United Front in Late Colonial India

William F. Kuracina

In "Politics and Left Unity in India. The United Front in Late Colonial India" widmet sich William F. Kuracina der Geschichte der linken Gruppierung aus sozialistischen und kommunistischen Gruppierungen in Indien. Bisherige Analysen der Bewegung tendieren dazu anzunehmen, dass unter kommunistischen Teilen der Bewegung interne Absprachen existierten, deren Ziel es war, die Sozialistische Partei CSP zu unterlaufen und zu zerstören; tatsächliche Einheit sei nie ein Ziel der Bewegung gewesen. Kuracina liefert eine neue Lesart der vorhandenen Quellen und kommt zu dem Schluss, dass eine geschlossene linke Bewegung sehr wohl das Ziel der beteiligten Gruppen gewesen sei – dass dieses Bestreben aber langfristig nicht umsetzbar war. Der Autor konzentriert sich bei der Analyse auf die Jahre zwischen 1934 und 1939 und liefert somit einen wertvollen Beitrag zum Verständnis dazu, wie die Ideen der Oktoberrevolution in den Jahrzehnten nach der Revolution nicht auf die nördliche Hemisphäre beschränkt blieben, sondern international Zulauf fanden und Politik in den jeweiligen Staaten und Regionen mitgestalteten. 

Buchcover Wolfgang Leonhard: Am Vorabend einer neuen Revolution? Die Zukunft des Sowjetkommunismus

Fachbuch

Am Vorabend einer neuen Revolution? Die Zukunft des Sowjetkommunismus

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach seinem Bruch mit dem Stalinismus flüchtete er im März 1949 nach Jugoslawien, im Herbst 1950 siedelte in die Bundesrepublik über. In diesem Buch fügt Leonhard politische, soziale und ökonomische Analysen zu einem Bild der Sowjetunion zusammen. In fünf Kapiteln zeichnet er zunächst eine chronologische Ereignisgeschichte nach, um dann auf die demographische und politische Situation als Triebfeder für zukünftigen Wandel und andere von ihm prognostizierte Veränderung des Landes einzugehen. Auf die Frage, ob in der Sowjetunion eine neue Revolution bevorsteht, gibt Leonhard keine eindeutige Antwort. Er rechnet mit einer Entwicklung, die sich vollständig von der stalinistischen Herrschaft löst, aber auch in den inneren Zusammenbruch des Landes führen kann.

Buchcover Wolfgang Leonhard: Was ist Kommunismus? Wandlungen einer Ideologie

Fachbuch

Was ist Kommunismus? Wandlungen einer Ideologie

Wolfgang Leonhard

Das Buch von Wolfgang Leonhard (1921-2014), einem der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, ist das Ergebnis eines Dialogs mit Hans-Wolfgang-Krohn über den Wandel der kommunistischen Ideologie in der Sowjetunion. Zunächst wird ein historischer Überblick zur Geschichte des Kommunismus von Marx und Engels, über Lenin, Stalin und Chruschtschow bis hin zu Breschnew gegeben. Nach einer Erläuterung des zeitgenössischen sowjetischen Verständnisses vom Marxismus dreht sich die Diskussion um die sowjetische Außenpolitik, insbesondere in Bezug auf Europa. Dabei verheimlicht Leonhard nicht, dass er Sympathien für den Eurokommunismus hegt und von diesem die Transformation zu einem demokratischen Sozialismus erwartet. Er plädiert aber auch für einen vorsichtigen und überlegten Umgang mit den osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion.

Buchcover Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936–1953

Sammelband | Fachbuch

Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936–1953

Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.)

Neun Studien deutscher, russischer und tschechischer Historiker und Historikerinnen sowie zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente beleuchten den Terror als zentrales Herrschaftsinstrument der stalinistischen Diktatur, innerkommunistische Parteisäuberungen und Schauprozesse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band verdeutlicht Unterschiede bei der Herrschaftssicherung zwischen den Kommunistischen Parteien der Sowjetunion und der Tschechoslowakei nach 1945. Am Beispiel der SED wird die Überwachung einer „Bruderpartei“ durch die sowjetische Besatzungsmacht illustriert.

Buchcover Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hrsg.): "Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus

Fachbuch

"Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus

Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hrsg.)

Der Sammelband ist eine Reaktion auf die Veröffentlichung des Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror (hrsg. u.a von Nicolas Werth, Andrzej Paczkowski) und die daran anschließende Debatte seit 1997. In ihrer Kritik argumentieren die beiden Herausgeber und die 15 weiteren Autoren, dass das Schwarzbuch die kommunistischen Verbrechen nicht bewiesen und deren jeweiligen historischen Kontext nicht berücksichtigt habe. Ihr Anliegen ist dabei auch, einer Diskreditierung der Linken und des Antifaschismus entgegenzuwirken, indem sie etwa die Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus zurückweisen, worin sie eine Relativierung des Holocaust sehen. Dem Schwarzbuch werden methodische und sachliche Mängel und Fehler unterstellt, so dass auch die Wissenschaftlichkeit des kritisierten Buches angezweifelt wird.

Buchcover

Analyse

Die Volksrepublik China

Klaus Mühlhahn

Klaus Mühlhahns Übersichtswerk "Die Volksrepublik China" erscheint als 44. Band in der Reihe "Grundriss der Geschichte", die bei DeGruyter Oldenbourg herausgegeben wird. Der Autor verortet China dabei stets als globalen Akteur, dessen Entscheidungen sowohl Auswirkungen auf das Weltgeschehen haben als auch von internationalen Entwicklungen beeinflusst wird. In dieser Rolle Chinas im Netz globaler Interdependenz liegt auch die Notwendigkeit dieses geschichtswissenschaftlichen Lehrwerks: ein Verständnis für die Entwicklung der Weltgeschichte ist ohne fundiertes Grundwissen über China nicht denkbar. Das Buch ist das erste, welches in deutscher Sprache die Geschichte der Volksrepublik China von ihrer Gründung 1949 bis zur Gegenwart darstellt. Dabei verfolgt der Autor einen breiten historischen Ansatz, der neben Politik auch andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens beleuchtet. Die Analyse unterscheidet sich von vielen anderen Publikationen zum Thema in der Hinsicht, dass die Darstellung der maoistischen Phase nicht im Vordergrund steht, sondern vielmehr die – inzwischen deutlich länger andauernde – Phase der Reform und Öffnung des Landes. Klaus Mühlhahn unterrichtet seit 2010 chinesische Geschichte an der Freien Universität Berlin. 

Screenshot von ostpol.de vom 28.06.2017

On­line­ma­ga­zin

Ostpol

n-ost: Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung e.V.

Ostpol ist das Osteuropa-Onlinemagazin des in Berlin ansässigen Journalistennetzwerkes und der Medien-NGO n-ost. Die Artikel gliedern sich nach verschiedenen Ländern und Themenschwerpunkten. Neben Artikeln über die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Situationen in den unterschiedlichen Regionen Osteuropas, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Thematisierung von journalistischer Arbeit. Das Selbstverständnis junger Journalisten in Osteuropa, transnationale Recherchenetzwerke oder aber generelle methodische Fragen zu journalistischen Arbeiten werden in den Artikeln behandelt. Aktuelle Themen wie der krieg in der Ukraine, die politische Situation in Ungarn oder der Rechtsruck in Polen werden genauso diskutiert wie Literatur aus dem Baltikum oder Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten Region. Das Blog begleitet somit die noch nicht abgeschlossenen Transformationsprozesse in den postsowjetischen Gesellschaften als aufmerksamer und kritischer Beobachter.

Webseite marx200.org

Online-Plattform

Marx200

Helle Panke; Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.)

Im Herbst 2017 jährt sich die Veröffentlichung von Karl Marx "Das Kapital" zum 150 mal und 2018 das Erscheinen des "Kommunistischen Manifestes" zum 170 mal. Desweiteren steht 2018 der 200. Geburtstag von Karl Marx bevor. Neben diesen marxspezifischen Jahrestagen finden 2017 und 2018 auch die Centennials der Revolutionen in Deutschland und Russland und 2018 das 50-jährige der 68er-Bewegung, statt. Diese Anlässe möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Helle Panke e. V. nutzen, um mit dem Multimediaprojekt marx200 die Jahrestage zu begleiten und nach der Aktualität marxistischer Theorie zu Fragen. Auf der Seite werden Quellen, Bilder, Texte, Videos und Audios präsentiert, auf aktuelle Veranstaltungen hingewiesen und neue Publikationen sowie die Arbeit der Rosa-Luxemburg Stiftung zu diesen Themen vorgestellt. Über den Twitteraccount der Webseite werden "live" Lebensdaten aus Marx Biografie getwittert.

Cover: Ralf Höller: Das Wintermärchen. Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919, Berlin: Edition Tiamat 2017.

Fachbuch

Das Wintermärchen. Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919

Ralf Höller

In den Wirren des endenden Weltkrieges und der sich anbahnenden Novemberrevolution im Deutschen Reich, kommt es am 7. November in München zu Demonstrationen und der Gründung der Räterepublik München. Die soziale Bewegung besetzt öffentliche Einrichtungen, gründet eine Regierung und versucht Bayern mit kommunistischen Räten zu regieren. Das in der öffentlichen Wahrnehmung fast vergessene rätekommunistische Experiment in Bayern existiert nur 175 Tage. Es kommt zu Gewaltexzessen und einem Bürgerkrieg an dessen Ende die Räte niedergeschlagen werden. Ralf Höller interpretiert dieses Ereignisse in seiner quellengestützten Analyse aus der Perspektive der damals in München lebenden Schriftsteller. Zwischen euphorischer Begeisterung bis hin zur Übernahme von Regierungsämtern und der totalen Ablehnung der Revolution, stellt Höller verschiedene Protagonisten des geistigen Lebens in München dieser Zeit vor. Unter ihnen befinden sich so bedeutende Personen wie Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Ernst Toller, Gustav Landauer, Erich Mühsam oder Lion Feuchtwanger. Die von Höller entworfene Collage an zeitgenössischen Kommentaren zum Revolutionsgeschehen zeigt die Ambivalenzen dieses Umsturzversuches in Bayern auf.

Cover des Onlinemagazins "1956. Symptome einer Revolution", KARTA Zentrum

On­line­ma­ga­zin

1956. Symptome einer Revolution

KARTA Zentrum

Mit dem Tod Josef Stalins begann eine Periode des „Tauwetters“, des politischen und sozialen Wandels in den sowjetisch dominierten Staaten. Nikita Chruschtschow machte die Entstalinisierung mit seiner Rede auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 zur offiziellen Parteilinie. Den Ereignissen des Jahres 1956 widmet sich das Onlinemagazin „1956. Symptome einer Revolution“, das vom Zentrum KARTA in Warschau herausgegeben wurde. Im Fokus stehen dabei vier Länder: Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei und die DDR. Chronologisch sortiert werden Zitate der staatlichen Machthaber präsentiert und zentrale Dokumente des Geschehens im Jahr 1956 zitiert. Ebenso zu Wort kommen Teilnehmer der dargelegten Ereignisse und einfache Bürger, die ihre Meinung zum Geschehen mitteilten. Kontextualisiert werden diese Auszüge von kurzen Überblickstexten zur jeweiligen Nation, die die Ereignisse des betreffenden Tages zusammenfassen. Das reich illustrierte Magazin legt einen deutlichen Fokus auf den Ungarischen Volksaufstand im Oktober 1956, verliert aber das Geschehen in den drei weiteren betrachteten Ländern nie aus dem Blick. Das Magazin möchte ein Gesamtbild entwerfen, um eine Antwort auf die Frage zu geben, was in diesem Teil Europas in dem Jahr passierte, „das als Wende in die Geschichte eingegangen ist, aber dessen Ende nichts mehr mit dem Beginn des politischen Tauwetters gemein hatte.“

Buchcover Gern Koenen: Was war der Kommunismus?

Fachbuch

Was war der Kommunismus?

Gerd Koenen

Der deutsche Publizist und Historiker Gerd Koenen möchte mit seinem Buch den Kommunismus historisieren. Er wirft die Frage auf, wie es Kommunisten in vielen Ländern gelungen ist, trotz ihres Scheiterns die Geschichte des 20. Jahrhunderts so maßgeblich zu prägen. Dieses Phänomen versucht Koenen aus der Perspektive der postkommunistischen Welt und der Krise des Kapitalismus zu erklären. Im Mittelpunkt seines Essays stehen die Sowjetunion und das kommunistische China, deren Entwicklungen Koenen als Abfolgen von Massenverbrechen und Entspannung beschreibt. Er lehnt die Totalitarismustheorie ab und betont, dass die kommunistischen Regime die Massen immer wieder neu mobilisieren mussten, wie es etwa Stalin nach dem Terror der 1930er-Jahre im Großen Vaterländischen Krieg tat. Einen Grund dafür, dass sich Menschen derart instrumentalisieren lassen, sieht Koenen in der Sehnsucht nach Gemeinschaft in komplexen Gesellschaften.

Cover der Ausgabe 15 (2017), 4

Zeitschrift

DAMALS: Karl Marx. Der besessene Gelehrte

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

Die Zeitschrift DAMALS widmet das Schwerpunktthema ihrer Ausgabe 15 (2018), Heft 4 dem Menschen und dem Philosophen Karl Marx. In mehreren Artikeln nähern sich die Autorinnen und Autoren der Person Marx aus verschiedenen Perspektiven an. Zunächst liefert ein Beitrag einen biografischen Überblick, der die persönlichen Erfahrungen Karl Marx‘ und ihren Einfluss auf seine Theorien darlegt. Es folgt ein Porträt von Marx‘ engem Freund Friedrich Engels, dessen Sozialstudien Marx‘ Theorien um wichtige Punkte ergänzten. Der nächste Beitrag widmet sich Marx als politischem Journalisten, der sich vehement für das Recht auf Pressefreiheit einsetzte. Ein weiterer Beitrag, „Entzauberung des Kapitalismus“, stellt die Frage, die im Zuge der internationalen Finanzkrise zunehmend an Popularität gewonnen hat – in wie weit treffen Marx‘ Beobachtungen auch und gerade auf die moderne Ökonomie zu, und welche Handlungsräume können sie eröffnen? Der letzte Artikel widmet sich ebendieser Popularität der Frage nach Marx‘ Relevanz und dem Schwanken zwischen Historisierung und Aktualisierung, das diesbezüglich offenbar wird.

Buchcover: Hannes Lachmann: Die "Ungarische Revolution" und der "Prager Frühling" Eine Verflechtungsgeschichte zweier Reformbewegungen zwischen 1956 und 1968, Essen: Klartext Verlag, 2017.

Fachbuch

Die "Ungarische Revolution" und der "Prager Frühling". Eine Verflechtungsgeschichte zweier Reformbewegungen zwischen 1956 und 1968

Hannes Lachmann

Hannes Lachmann widmet sich in deiner Studie den Ereignissen der Ungarischen Revolution und des Prager Frühlings. Lachmanns Analyse liefert eine neue Perspektive auf die beiden ausgiebig erforschten Reformbewegungen. Anstatt, wie bei vorherigen Studien oft geschehen, einen nationalgeschichtlichen Blickwinkel auf die jeweiligen Phänomene einzunehmen, bemüht sich Lachmann, die Verflechtungen zwischen den beiden Bewegungen zu beleuchten und daraus neue Erkenntnisse über die Erfolgsbedingungen von Reformprozessen in sozialistischen Gesellschaftssystemen abzuleiten. Die Studie gliedert sich in vier Kapitel, in denen der Autor zunächst die Situationen in Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei im Jahre 1956 darstellt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Ungarischen Revolution von tschechoslowakischer Seite. Im dritten analysiert Lachmann ungarische und tschechoslowakische Reformdynamiken im Laufe der 1960er-Jahre. Den Abschluss bildet das vierte Kapitel, welches die ungarische Sichtweise auf die Reformbestrebungen in der Tschechoslowakei darlegt. Das Buch erschien 2017 im Klartext-Verlag in der Reihe “Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa”.  

Buchcover Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus und Reformkommunismus

Fachbuch

Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus und Reformkommunismus

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach seinem Bruch mit dem Stalinismus ging er 1950 in die Bundesrepublik. In seiner politikwissenschaftlichen Analyse des Marxismus kommt u. a. zu der Erkenntnis, dass es „Marxismus-Leninismus“ nicht gibt, sondern nur „Marxismus“ oder „Leninismus“. Leninismus sei lediglich die Anwendung des Marxismus unter den spezifischen Bedingungen in Russland. Den wissenschaftlichen Kommunismus – in der Form, wie er in den 1960er-Jahren von der Sowjetunion repräsentiert wurde – hält Leonhard für ein Mittel zur Aufrechterhaltung des Zentralismus innerhalb und die führende Rolle der Sowjetunion außerhalb des Landes. Seine Hoffnungen setzt der Autor auf den Reformkommunismus ungarischer, tschechoslowakischer und jugoslawischer Prägung, der im Kampf gegen den stalinistischen Terror entstanden sei und den Marxismus zurück zum Humanismus und zum humanen Sozialismus bringen möchte.

Buchcover Borys Lewytzkyj: Die Kommunistische Partei der Sowjetunion. Porträt eines Ordens

Fachbuch

Die Kommunistische Partei der Sowjetunion. Porträt eines Ordens

Borys Lewytzkyj

50 Jahre nach der Oktoberrevolution beschreibt Borys Lewytzkyj die Entwicklung der KPdSU und ihre Funktion beim Aufstieg der Sowjetunion zur zweitstärksten Weltmacht. Lenins Partei von „Berufsrevolutionären“ bezeichnet er in seiner Studie als eine nach dem Vorbild religiöser Orden strukturierte Organisation. Ihre Elite, die jedoch – anders als in der Lehre von Marx und Engels – nicht aus der Arbeiterklasse stammte, sollte den Kern der sozialistischen Bewegung darstellen. Den Mitgliedern dieses „Ordens“, die auf den Marxismus eingeschworen waren, kam die Aufgabe zu, die kommunistischen Ideen und den Willen der Partei unter dem sowjetischen Volk zu verbreiten.

Buchcover: Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.): Verbrechen im Namen der Idee. Terror im Kommunismus 1936–1938

Fachbuch

Verbrechen im Namen der Idee. Terror im Kommunismus 1936–1938

Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.)

Zehn namhafte internationale Historiker untersuchen in dem Sammelband das Ausmaß der Verbrechen während des Großen Terrors in der Sowjetunion der 1930er-Jahre. Die Säuberungen in der sowjetischen Militärspionage, das gezielte Vorgehen gegen Deutsche, die Massenverbrechen in der Ukraine und der Widerstand gegen den Stalinismus in Polen sind einige der behandelten Themen. Die in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion gegründete Menschenrechtsorganisation Memorial präsentiert Thesen zu den Auswirkungen der stalinistischen Vergangenheit auf die Gegenwart in der Russischen Föderation. Ihr Plädoyer gilt einer gesamtgesellschaftlichen und staatlichen Auseinandersetzung mit dieser Geschichte in Russland. Der vorliegende Band wurde von den Herausgebern als Anregung zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Stalinismus im deutschen Sprachraum zusammengestellt.

Das Vorbild kennen, um es nicht zu wiederholen. Die Russische Revolution von 1917 und die lateinamerikanische Linke, Screenshot vom Cover der Online Publikation

Onlinedossier

Das Vorbild kennen, um es nicht zu wiederholen

Klaus Meschkat

"Viel würden wir gewinnen, viel gewönne die menschliche Gerechtigkeit, wenn alle Völker unseres Amerikas und alle Nationen des alten Europas verstünden, dass die Sache des revolutionären Mexikos und die Sache Russlands die Sache der Menschheit sind, das höchste Interesse aller unterdrückten Völker", schrieb Emiliano Zapata, einer der mexikanischen Revolutionsführer, im Februar 1918 an einen Freund. Während die Bolschewiki die Russische Revolution als Auftakt einer bevorstehenden Weltrevolution sahen, deren revolutionäre Hoffnungen sich zunächst auf das Proletariat der industriell entwickelten Länder in unmittelbarer Nachbarschaft des russischen Großreichs richteten, hatte in Mexiko bereits vor der Oktoberrevolution eine der großen Revolutionen des 20. Jahrhunderts begonnen. Ihr Echo war jedoch im Europa des Ersten Weltkriegs mit seinen unmittelbaren Nachwirkungen nur wenig hörbar und während in Mexiko der radikalere Flügel der Revolution durchaus die weltgeschichtliche Bedeutung der Russischen Revolution wahrnahm und eine Verbindung herzustellen suchte, lag Lateinamerika für die Bolschewiki lange Zeit sehr fern. Der Sturz der alten Ordnung in Russland war eine Ermutigung für die Ausgebeuteten und Unterdrückten der lateinamerikanischen Länder, sich gegen die überkommene Herrschaft zu erheben. Doch die anfängliche Begeisterung schlug schnell in Enttäuschung und Distanzierung von den Bolschewiki um, als deren rein instrumentelles Verhältnis zur Rätedemokratie zutage trat.  Hier gibt es die Publikation als PDF zum Herunterladen.

Cover des Buches

Fachbuch

Das demokratische Zeitalter. Eine politische Ideengeschichte Europas im 20. Jahrhundert

Jan-Werner Müller

Das demokratische Zeitalter ist eine umfassende Ideegeschichte des politischen Denkens in Europa von 1918 bis zum Ende der 1980er-Jahre. Jan-Werner Müller, Politwissenschaftler, Autor und Mitgründer des European College of Liberal Arts (ECLA), erarbeitet Geistes- und Kulturgeschichte verbindend eine Gesamtschau einflussreicher, aber auch vergessener Theoretiker. Er portraitiert Max Weber, die Vordenker des Faschismus, die Frankfurter Schule, die Ideengeber der ’68-er Bewegung sowie neoliberale Denker wie die Mont Pelerin Society. Darüber hinaus stellt Müller die These auf, die Christdemokratie habe sich als prägendste also auch erfolgreichste politische Strömung im westlichen Europa nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt. Im abschließenden Kapitel „Antipolitik – und das Ende der Geschichte?“ untersucht er die Entwicklung hin zum bis heute andauernden „postdemokratischen Status quo“.

Cover: Wolfgang Niess: Die Revolution von 1918/19 in der deutschen Geschichtsschreibung. Deutungen von der Weimarer Republik bis ins 21. Jahrhundert, Berlin-Boston: de Gruyter 2013.

Rezension

Wolfgang Niess: Die Revolution von 1918/19 in der deutschen Geschichtsschreibung. Deutungen von der Weimarer Republik bis ins 21. Jahrhundert

Rezensent: Ottokar Luban

Der Rezensent Ottokar Luban ist Berliner Historiker. Er widmet sich der Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung, insbesondere der Novemberrevolution und dem Wirken der Spartakusgruppe. Rezensiert für The International Newsletter of Communist Studies XXII/XXIII (2016/17), S. 86-94. Angesichts des Näherrückens des 100. Jahrestages der deutschen Novemberrevolution 1918/19 könnte das vorliegende handbuchartige Werk mit einer detaillierten, ausführlichen Darstellung der Revolutionsrezeption zu einer ausgewogeneren Bewertung des bis heute – zeitweise sehr heftig – umstrittenen Ereignisses beitragen. Mit dieser voluminösen analysierenden Literaturübersicht, basierend auf einer 2011 an der Universität Stuttgart vorgelegten Dissertationsschrift, verfolgt Niess das Ziel, „am konkreten Beispiel der Revolution von 1918/19 das Verhältnis von Geschichtskultur, Geschichtswissenschaft und Geschichtspolitik in Deutschland über einen Zeitraum von mehr als neunzig Jahren“ zu untersuchen. Schon in der Einleitung stellt er als vorweggenommenes Ergebnis – wenig überraschend – fest, „dass Veränderungen der historischen Einordnung und Bewertung meist nicht auf neue Forschungsergebnisse zurückzuführen sind, sondern in aller Regel auf veränderte politische Ausgangskonstellationen und neue gesellschaftliche Problemstellungen.“ (jeweils S. 14). Der politische Raum und die gesellschaftliche Entwicklung werden daher von Niess in einer gelungenen, überzeugenden Weise im starken Maße mitberücksichtigt und jeweils der eigentlichen historiografischen Rezeption vorangestellt. Die vollständige Rezension von Ottokar Luban finden Sie hier.

Edition Suhrkamp: "Die Russische Revolution 1905–1921", Screenshot vom Cover

Fachbuch

Die Russische Revolution. 1905–1921

Manfred Hildermeier

In diesem Werk erläutert Manfred Hildermeier den wirtschaftlichen und sozialen Wandel des Zarenreichs im ausgehenden 19. Jahrhundert, die schwere Krise des alten Regimes 1905/07, den Zusammenhang von Krieg und Revolution, die Gründe für das Scheitern des einzigen demokratischen Regimes der russischen Geschichte, sowie die Ursachen und inneren Folgen der Durchsetzung der Sowjetmacht im Bürgerkrieg. Einen besonderen Fokus legt der Autor darauf, wie es zur Revolution der Bolschewiki kam und wie die Machtergreifung der Bolschewiken ermöglicht und anschließend im Verlaufe des Bürgerkrieges abgesichert werden konnte. Das Buch umfasst eine kurze, nach Volksgruppen und zentralen Ereignissen gegliederte Zusammenfassung, die die Verhältnisse und Entwicklungen in Russland vor 1905 erläutert. Anschließend folgt ein überwiegend chronologisch aufgebauter Text, der auf unterschiedlichen Betrachtungsebenen die Zusammenhänge verschiedenster Ereignisse und der dabei beteiligten Gruppen für den Leser verständlich wiedergibt.

Screenshot von kritika.georgetown.edu

Fachzeitschrift

Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History

Andrew Jenks, Susan Morrissey, Williard Sunderland (ed.)

Die Zeitschrift „Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History“ ist der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur Russlands und Eurasiens gewidmet. Anspruch der Zeitschrift ist es, die internationale Relevanz des Forschungsfeldes zu erweitern und diese einem weiten, interdisziplinären Publikum von Akademikerinnen und Akademikern zugänglich zu machen. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift veröffentlicht Beiträge aus einer Vielzahl von geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen  Disziplinen. Die Zeitschrift möchte über die Curricula der nordamerikanischen Russlandstudien hinausgehen; hierzu veröffentlicht sie in jeder Ausgabe Rezensionen zu russischen, europäischen und eurasischen Werken, die ansonsten im nordamerikanischen Raum nicht viel Beachtung erfahren. Die Zeitschrift wird an der Georgetown University in Washington, D.C. herausgegeben.

Cover Philippe Kellermann (Hrsg.): Anarchismus und Russische Revolution, Verlag Dietz

Sammelband

Anarchismus und Russische Revolution

Philippe Kellermann (Hrsg.)

In einem neuen Band mit dem Titel „Anarchismus und Russische Revolution“ stellt der Publizist Philippe Kellermann Beiträge zum Verhältnis der russischen und europäischen anarchistischen Bewegung zur Russischen Revolution von 1917 zusammen. Zum einen werden die Beziehungen zwischen Anarchismus und Marxismus innerhalb der Linken bis zum Ersten Weltkrieg dargestellt. Zum anderen diskutieren die Beiträge die Bedeutung des Sieges einer sich als marxistisch verstehenden Partei, der Bolschewiki, in der Revolution über den Anarchismus, der sich bis dahin als revolutionärer Flügel der Linken betrachtete. Zudem werden die Rolle des Anarchismus während der Revolution und die Rezeption der Ereignisse in Russland durch anarchistische Bewegungen in Europa analysiert. Das Buch möchte damit einen neuen Blick auf die internationale anarchistische Bewegung dieser Zeit werfen und die Wahrnehmungsgeschichte der Revolution von 1917 außerhalb Russlands kontextualisieren. Besonders hervorzuheben ist das internationale Spektrum der Autoren: So finden sich neben deutschen auch russische und italienische Historiker.

Kolakowski, Marxismus, Entstehung, Entwicklung, Zerfall

Fachbuch

Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall

Leszek Kolakowski

Leszek Kołakowskis dreibändige Darstellung „Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall“ erschien auf Deutsch 1977 respektive 1978 und 1979 im Piper Verlag, mittlerweile sind die Bände in der dritten Auflage erhältlich. In diesem monumentalen Werk von annähernd 1700 Seiten Gesamtumfang beleuchtet der polnische Philosoph die Anfänge marxistischen Denkens unter Einbeziehung von Wegbereitern. So betrachtet der Autor die Werke Plotins und Jakob Böhmes, um die Ideenbildung bei Marx verständlich zu machen. Leo Kofler, damaliger Neomarxist und Professor für Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, wirft in einer wissenschaftlichen und hochgestochen formulierten Besprechung des Buches im Spiegel Kołakowski aber bereits im Titel „Zahllose Missverständnisse“ bei der Interpretation Marx’ vor.

Screenshot von damals.de

Zeitschrift

DAMALS

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

DAMALS ist ein populärwissenschaftliches Geschichtsmagazin, welches in der Konradin Mediengruppe erscheint. 1969 wurde das Magazin von Hans Rempel gegründet. Das monatlich erscheinende Magazin richtet sich an ein historisch interessiertes Publikum im weiteren Sinne. Anders als bei vielen anderen populärwissenschaftlich ausgerichteten Magazinen, in denen die Beiträge oft von Journalistinnen und Journalisten verfasst werden, schreiben für DAMALS in der Regel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Expertise auf ihrem jeweiligen Gebiet besitzen. Neben den Artikeln bietet DAMALS außerdem Buchrezensionen, ein TV- und Radioprogramm und Nachrichten aus der Forschung. Jedes Heft beinhaltet ein Schwerpunktthema, welches etwa 40 Seiten des jeweiligen Heftes umfasst. Zudem erscheint jährlich ein Sonderheft, das einem spezifischen Thema gewidmet ist. Auszüge aus den Schwerpunktartikeln der jeweils aktuellen Monatsausgabe, Jahresinhaltsverzeichnisse sowie das Artikel-Archiv mit kurzen Inhaltsangaben können online eingesehen werden.  

Screenshot der Website "Biografien deutscher Gulag-Häftlinge"

Online-Ressource

Biografien deutscher Gulag-Häftlinge

Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion

Die von der Lagergemeinschaft Workuta / Gulag Sowjetunion betriebene Website ist ein umfangreiches Biografien- und Zeitzeugenportal Portal, das sich den ehemaligen Häftlingen des im hohen Norden Russlands gelegenen Gulag Workuta widmet. Zur Zeit werden 43 Biografien von Zeitzeugen aufgeführt sowie 166 Namen von Häftlingen genannt. Auf der Startseite kann der Nutzer über eine Kachelmatrix 9 Würfel umdrehen und gelangt so jeweils zu einem thematischen Text, wie z.B. über die sowjetische Militärjustiz. Die auf dem Portal verzeichneten Personen sowie die sich vorstellenden Zeitzeugen wurden alle nach dem gleichen Schema verschleppt: Zwischen 1945 und 1953 erfolgte die Verhaftung in der SBZ bzw. der DDR, dann die Verurteilung durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) und schließlich die Deportation in das Zwangsarbeitslager Workuta. Die Biografien der verzeichneten Opfer der kommunistischen Repressionen beinhalten Selbstzeugnisse, Fotos sowie private und offizielle Dokumente. Die Website konzentriert sich bei ihrer Arbeit auf die Porträts von Zeitzeugen, die bisher nicht auf ähnlichen Portalen dokumentiert sind. Es finden sich Verlinkungen auf diese Portale (http://www.von-potsdam-nach-workuta.de), wenn eine Biografie an anderer Stelle ebenso verzeichnet ist.

Buchcover Wolfgang Leonhard: Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West

Fachbuch

Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, untersucht in seinem Buch, welche Folgen der Bruch westeuropäischer kommunistischer Parteien mit der sowjetischen Führung Mitte der 1970er-Jahre hatte. Er beschreibt die Entwicklung insbesondere der italienischen und spanischen KP und die verschiedenen Wege der Sozialdemokratisierung dieser Parteien. Für die Sowjetunion sei die starke Ablehnung, die ihr von Seiten vieler Eurokommunisten entgegenschlage, eine Herausforderung. Für die westlichen Industriestaaten liege die Herausforderung des Eurokommunismus vor allem in der Entstehung einer neuen Linkspartei, die sich einerseits klar vom Sowjetkommunismus abgrenze, andererseits aber wirtschafts- und sozialpolitische Reformen des kapitalistischen Systems anstrebe.

Buchcover Marcel van der Linden: Von der Oktoberrevolution zur Perestroika. Der westliche Marxismus und die Sowjetunion

Fachbuch

Von der Oktoberrevolution zur Perestroika. Der westliche Marxismus und die Sowjetunion

Marcel van der Linden

In einer Vielzahl an Deutungen hat die westliche marxistische Linke im 20. Jahrhundert versucht, die Sowjetunion und vor allem den Stalinismus zu erklären. Einige dieser Autoren und ihre Argumente in der Debatte über Entstehung, Charakter und Entwicklung der Sowjetunion zwischen 1917 und 1985 stellt van der Linden vor. Gegliedert ist das Buch chronologisch nach den Epochen sowjetischer Geschichte, auf die sich die untersuchten Theorieansätze bezogen haben. Aus marxistischer Perspektive analysiert und kritisiert er die Erklärungsversuche als zumeist unzutreffend oder unzureichend. Zugleich versucht er Phänomene der Sowjetgesellschaft selbst theoretisch auf den Begriff zu bringen.

Online-Plattform | Zeitschrift

Mass Violence and Resistence - Research Network

Mass Violence and Resistence - Research Network

Das Portal Mass Violence & Resistance (MV&R) ist ein interdisziplinäres Online-Journal, das sich mit den Themen Massengewalt, Völkermord sowie lokalem Widerstand im 20. und 21. Jahrhundert beschäftigt. Der Fokus liegt auf der Vermittlung von zuverlässigen Informationen über schwer zu dokumentierende Ereignisse, die in der individuellen und kollektiven Erinnerung verwurzelt sind und damit Einfluss nehmen auf aktuelle politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Ziel ist es, Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Repression und Widerstand zu gewinnen. Die hauptsächlich französischsprachigen Beiträge verbinden empirische Forschung zu historischen Ereignissen mit theoretischen Überlegungen darüber, wie diese erinnert werden. Sie durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren und richten sich sowohl an eine akademische als auch an die breite interessierte Leserschaft.

Buchcover „State, Society and Memories of the Uprising of 17 June 1953 in the GDR“, Palgrave

Analyse

State, Society and Memories of the Uprising of 17 June 1953 in the GDR

Richard Millington

Am 17. Juni 1953 erschütterte ein Aufstand die damalige DDR. Es kam zu einer Protestwelle, zahlreichen Streiks und Demonstrationen, die wirtschaftliche und politische Forderungen beinhalteten. Von den kommunistischen Diktaturen und der DDR-Führung wurde dieser Aufstand als faschistischer Putsch verurteilt und von der Sowjetarmee niedergeschlagen. In den westlichen Demokratien wurden die Unruhen als demokratischer „Volksaufstand“ gegen die Diktatur bewertet. Der Autor Richard Millington untersucht in seinem Buch State, Society and Memories of the Uprising of 17 June 1953 in the GDR die Erinnerungen der Bürger und Bürgerinnen an den Aufstand und analysiert die Konturen der Staatsmacht in der ehemaligen DDR. Die empirische Grundlage dieser Studie wird gebildet durch Interviews, die der Autor mit insgesamt 39 Personen zu diesem Thema geführt hat. Räumlich beschränkt sich die Studie auf die Stadt Magdeburg als einer der Hochburgen des Aufstandes vom 17. Juni 1953. Millington geht auch dezidiert auf die westdeutsche Berichterstattung über den Aufstand ein, da durch diese die Wahrnehmungen und Erinnerungen in der DDR-Bevölkerung stark geprägten wurden. Der Autor versucht vor allem die Frage zu beantworten, wie der "Volksaufstand" konkret in der DDR von unten erinnert und diskutiert wurde. In insgesamt acht Kapiteln zeichnet Richard Millington die Entstehung und Ereignisgeschichte des 17. Juni nach und zeigt, wie der Aufstand im Rahmen des Offizialdiskurses der SED-Diktatur dargestellt wurde. Analytisch legt der Autor in seiner Studie dar, dass der Aufstand vom 17. Juni kein Tabu-Thema in der DDR gewesen war, wie es vielfach von Zeitzeugen geäußert wurde.

Buchcover Wolfgang Müller, Francesco Di Palma (Hrsg.): Kommunismus und Europa. Europapolitik und -vorstellungen europäischer kommunistischer Parteien im Kalten Krieg

Sammelband | Fachbuch

Kommunismus und Europa. Europapolitik und -vorstellungen europäischer kommunistischer Parteien im Kalten Krieg

Wolfgang Müller, Francesco Di Palma (Hrsg.)

Der Sammelband fragt nach den Europabildern der europäischen kommunistischen Parteien. Es werden ihre Vorstellungen von europäischer Integration, ihre Theoriediskussionen sowie ihre transnationale Zusammenarbeit vor dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus 1989/1991 untersucht. In Fallstudien zu West- und Osteuropa wird das Spannungsfeld deutlich, in dem sich die kommunistischen Parteien Europas befanden. Auf der einen Seite ordneten sie sich den Vorgaben aus Moskau unter; auf der anderen Seite versuchten sie im nationalen, aber auch internationalen Bereich Freiräume für eigenständiges Handeln und die westeuropäische Integration zu erschließen. Inwiefern sich die Europapolitik und die Europabilder der KPs vor dem Hintergrund der Volksaufstände in der DDR 1953, in Polen und Ungarn 1956 sowie in der Tschechoslowakei 1968 wandelten, möchten die Autoren verdeutlichen.

Cover: Günther Nollau: Die Internationale. Wurzeln und Erscheinungsformen des proletarischen Internationalismus, Köln/ Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 2. Aufl. 1961.

Fachbuch

Die Internationale. Wurzeln und Erscheinungsformen des proletarischen Internationalismus

Günther Nollau

Der Rechtsanwalt und frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Günther Nollau (1911–1991), stellt die Geschichte der Internationalen seit 1864 dar, wobei sein Fokus auf der 1919 gegründeten Kommunistischen Internationale (Komintern) liegt. Diese III. Internationale sollte den Weg zur „Weltrevolution“ ebnen. Um die Wirksamkeit der Komintern zu sichern, wurde 1920 ein Exekutivkomitee gegründet, das als zentrale Führung fungieren sollte. Nollau will verdeutlichen, was „hinter Thesen und Resolutionen der Bolschewisten verborgen liegt“. Er zeigt, dass der freiwillige Zusammenschluss Kommunistischer Parteien sehr schnell von der Sowjetunion dominiert wurde und die Auflösung der Komintern im Juni 1943 von den Interessen der sowjetischen Außenpolitik bestimmt wurde. Einen Ausblick gibt Nollau auf das ebenfalls von Moskau beherrschte Kominform (Kommunistische Informationsbüro) zwischen 1947 und 1956 sowie die Entwicklung der internationalen kommunistischen Bewegung nach dem Tod Stalins.

Hirscher, Linksextremismus, Hanna-Seidel-Stiftung

Sammelband

Linksextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven

Gerhard Hirscher

Der von Gerhard Hirscher herausgegebene Sammelband „Linksextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven“ erschien bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in der Reihe „Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen“. Linksextremismus ist in Deutschland nach Analyse des Herausgebers Hirscher als extremistische Position weit weniger wissenschaftlich betrachtet worden als etwa Rechtsextremismus und radikaler Islamismus. In sechs Studien widmen sich die Autoren der Einordnung des Linksextremismus, der Linkspartei wie auch der militanten Linken in Deutschland. Auch kulturelle Bezüge (Themen, Feindbilder, Funktion linksextremistischer Musik), regionale Fallbeispiele wie der Linksextremismus in Bayern und der Umgang mit Rechts- und Linksextremismus stehen im Blickpunkt. Der Band ist online kostenlos als PDF zugänglich.

Buchcover „New World Disorder. The Leninist Extinction“, University of California Press

Monographie

New World Disorder. The Leninist Extinction

Ken Jowitt

Ken Jowitt begreift Leninismus in seinem vorgelegten Buch als spezifisch autoritäre und russische Form eines Marxismus. Er nähert sich dem Begriff des Leninismus über eine Analyse von Ideologie, Theorie und  diktatorischer Machtausübung der Bolschewiki. Der Autor Ken Jowitt beschäftigt sich in seinem Buch „New World Disorder. The Leninist Extinction“ näher mit dem Phänomen des Leninismus, das zahlreiche Menschen faszinierte, verängstigte, anzog oder abstieß. In seiner Studie analysiert Jowitt genauer den außergewöhnlichen Charakter des leninistischen Regimes und der politischen Korruption und erlaubt dem Leser einen neuen Blick auf diese Epoche. In insgesamt neun Kapiteln behandelt der Autor Ken Jowitt unter anderem den Leninismus als Phänomen, die Kultur in leninistischen Regimen, das Erbe des Leninismus und den Neotraditionalismus.

Cover „Höllensturz: Europa 1914 bis 1949“

Fachbuch

Höllensturz: Europa 1914 bis 1949

Ian Kershaw

Der britische Historiker Ian Kershaw untersucht in Höllensturz die Geschichte Europas in der Zeit von 1914 bis 1949. Er leistet darin eine Analyse von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft Europas, wobei der Fokus auf ethnischen Auseinandersetzungen, Klassenkonflikten, aggressivem Nationalismus und der Krise des Kapitalismus liegt (vgl. Rezension Randomhouse). Dabei arbeitet Kershaw immer wieder die nationalen Unterschiede der Länder aber auch ihre Gemeinsamkeiten knapp und klar heraus. Die Kolonialpolitik Europas wird in Höllensturz allerdings kaum untersucht (Vgl. FAZ vom 16.10.2016). Eine Besonderheit des historischen Panoramas ist die Hervorhebung von Einzelpersonen beziehungsweise Einzelschicksalen. Ian Kershaw, der bis zu seiner Emeritierung als Professor für Modern History an der University of Sheffield arbeitete, wurde vor allem mit seiner Biografie Adolf Hitlers bekannt. Sie gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung (veröffentlicht in zwei Teilen 1998 und 2000).

Buchcover " #1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii"

Analyse

#1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii

Boris Kolonitski

2017 jährte sich die Russische Revolution von 1917 zum 100. Mal. Sie stellt eines­­ der einschneidendsten historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts dar. Anlässlich 100 Jahre Russische Revolution veröffentlichte der russische Historiker Boris Kolonitski den Sammelband #1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii. Der Band besteht aus insgesamt 17 Kapiteln, wobei jedes Kapitel einen Essay umfasst. Inhaltlich beschäftigen sich die Essays in chronologischer Reihenfolge mit den Ereignissen der letzten Jahre der Zarenherrschaft bis hin zum Januar 1918, als die Bolschewiki die verfassungsgebende Versammlung auflösten. Der Autor berücksichtigt in seinem Band auch Politik-, Sozial-, Kultur- und Alltagsgeschichte, wodurch die Revolutionszeit anschaulich aufbereitet wird. Die Ereignisse werden in ihren jeweiligen kulturgeschichtlichen Kontext und in die Mentalität der damaligen Zeit eingebettet. Die Essaysammlung eignet sich für Historiker und Wissenschaftler, aber auch für Nichtakademiker.

Buchcover "Invasion Prag168" , Schirmer Mosel Verlag

Sachbuch

Invasion Prag 1968

Josef Koudelka

Der Bildband Invasion Prag 1968 von Josef Koudelka beschäftigt sich thematisch mit dem Prager Frühling von 1968. Die Bezeichnung „Prager Frühling“ bezieht sich auf die Bemühungen der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPČ) unter Führung von Alexander Dubček im Frühjahr 1968 eine Wirtschaftsreform durchzusetzen. Diese verfolgte das Ziel, eine sozialistische Marktwirtschaft und einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu errichten. Die Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten, die den Reformbewegungen misstrauisch gegenüberstanden, marschierten in der Nacht zum 21. August in die damalige Tschechoslowakei ein und beendeten gewaltsam die Reformbestrebungen der KP-Spitze. An dieser gewaltsamen Niederschlagung waren circa eine halbe Million Soldaten aus der Sowjetunion, Ungarn, Polen und Bulgarien beteiligt. Der tschechische Photograph Josef Koudelka erlebte diese Ereignisse mit und hielt sie in seinen Fotografien fest. Es gelang Koudelka die Bilder rechtzeitig dank mehrerer Helfer außer Land zu bringen und sie in den Westen zu schmuggeln. Sein Bildband dokumentiert das gewaltsame Ende des Prager Frühlings und zeichnet ein eindrucksvolles Gesamtbild von den Ereignissen von 1968 in der Tschechoslowakei. Josef Koudelka gilt heute als einer der bedeutendsten tschechischen Dokumentarfotografen.

Screenshot der Website des Dossiers

Onlinedossier

Linksextremismus in Deutschland. Dossier des BR

Jürgen P. Lang

Das Dossier des Bayerischen Rundfunks „Linksextremismus in Deutschland“ widmet sich aktuell den als linksextrem eingestuften Bewegungen in Deutschland. Das online verfügbare Dossier ist in vier Unterkategorien aufgeteilt. Unter der Rubrik „Geschichte“ findet sich ein Abriss, der von Marx über die Weimarer Republik bis zur DDR eine Entwicklung linker Bewegungen nachzeichnet. „Ideologien und Strömungen“ liefert einen Überblick über unterschiedliche linke Strömungen, angefangen mit dem Marxismus-Leninismus über den Reformkommunismus bis hin zu Anarchismus, Antiimperialisten und Antideutschen. Unter „Organisationen“ widmet der Autor des Dossiers der DKP und DFU, K-Gruppen, der MLPD, Trotzkistischen Gruppen und der PDS/Die Linke jeweils einen Beitrag. Unter dem Punkt „Bewegung und Aktion“ finden sich schließlich Erläuterungen zur RAF sowie zu autonomen Gruppen. Anspruch des Dossiers ist es, einen Überblick über Ursprünge und Erscheinungsformen linksextremistischer Gruppen in Deutschland zu liefern, wobei das Dossier einen extremismustheoretischen Ansatz verfolgt. Die Anwendung dieses Ansatzes wird in den Sozialwissenschaften aufgrund ihrer antithetischen und dichotomen Gegenüberstellung von Demokratie und Extremismus als unterkomplex und der Realität nicht gerecht werdend kritisiert. 

Cover: Wolfgang Leonhard: Völker hört die Signale. Die Gründerjahre des Weltkommunismus 1919–1924, München: Goldmann, 1. Aufl. 1984.

Fachbuch

Völker hört die Signale. Die Gründerjahre des Weltkommunismus 1919–1924

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014) kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach dem Bruch mit dem Stalinismus flüchtete er im März 1949 nach Jugoslawien, im Herbst 1950 siedelte in die Bundesrepublik über. In dieser einführenden Überblicksdarstellung zur Geschichte der Kommunistischen oder auch III. Internationale (kurz: Komintern). schildert Leonhard die Phase zwischen dem ersten Weltkongress 1919 in Moskau, wo die Komintern auf Initiative Lenins gegründet wurde, und dem fünften 1924, kurz nach Lenins Tod. Dabei stützt er sich vor allem auf die Berichte und Memoiren ehemaliger Mitglieder kommunistischer Parteien und anderer Zeitzeugen.

Buchcover Richard Löwenthal: Chruschtschow und der Weltkommunismus

Fachbuch

Chruschtschow und der Weltkommunismus

Richard Löwenthal

Der Politikwissenschaftler Richard Löwenthal (1908–1991) hat eine Studie über die Außenpolitik des Staatschefs und Führers der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Nikita Chruschtschow, vorgelegt. Er beschreibt zudem die Netzwerke kommunistischer Parteien auf der ganzen Welt, ihre Beziehungen untereinander und zur KPdSU sowie zu den Staaten, in denen sie existieren. Einen Fokus legt Löwenthal auf das Verhältnis Chruschtschows zu Mao Zedong und Josip Tito. Löwenthal bezeichnet die Geschichte der kommunistischen Bewegung als Kritik an ihrer eigenen Ideologie durch die Realität. Auch deshalb schwinde die Autorität der KPdSU derzeit, erklärt Löwenthal, und die kommunistischen Parteien würden demokratischer werden, zumindest in Westeuropa.

Cover des Buches "1917", Verlag Nomos

Sammelband | Fachbuch

1917. 100 Jahre Oktoberrevolution und ihre Fernwirkungen auf Deutschland

Tilman Mayer, Julia Reuschenbach (Hrsg.)

Der von Tilman Mayer und Julia Reuschenbach herausgegebene Sammelband „1917. 100 Jahre Oktoberrevolution und ihre Fernwirkungen auf Deutschland“ nimmt den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917 zum Anlass, sich mit den Ursprüngen und Folgen dieses revolutionären Umsturzes zu befassen. In einem vergleichenden Blick nach Deutschland, der nicht nur wegen Karl Marx und Friedrich Engels lohnt, spielen die Revolutionserwartungen Anfang der 1920er-Jahre, der Anteil des Stalinismus an der Teilung Deutschlands und der Schutz der DDR durch die Sowjetunion eine Rolle. Ebenso fragen die Autoren nach der heutigen Sicht Russlands auf die Oktoberrevolution und der Stellung sowjetischer Dissidenten in der Literatur. Der Band enthält unter anderem Beiträge von Jan Behrends, Egon Flaig, Markus Gloe, Xuewu Gu, Lutz Haarmann, Anna Kaminsky, Leonid Luks, Ekaterina Makhotina, Michael Mayer, Tilman Mayer, Günther Rüther, Gerhard Simon und Manfred Wilke, sowie einer Dokumentation mit Beiträgen von Martin Kriele und Richard Löwenthal.

Cover des Buches "Die Erfindung des Marxismus", Verlag Siedler

Fachbuch

Die Erfindung des Marxismus

Christina Morina

Christina Morina schildert in ihrem Werk „Die Erfindung des Marxismus“ die Genese der marxistischen Bewegung. Hierfür fertigt sie Porträts von neun führenden Köpfen an, die den Marxismus zu einer paneuropäischen Bewegung machten: Der Prager Karl Kautsky, der Deutsche Eduard Bernstein, die gebürtige Polin Rosa Luxemburg, Victor Adler in Wien, Jean Jaurès und Jules Guesde in Paris, der russische Philosoph Georgi W. Plechanow, Wladimir I. Lenin und der deutsch-russische Ökonom Peter B. Struve bilden das Gerüst für eine Geschichte des Marxismus mit einer biographischen Perspektive. Morina illustriert, wie diese Protagonisten von Marx‘ Ideen zusammengebracht wurden und wie sie dem folgend den Marxismus als politische Bewegung gründeten. Darüber hinaus wird auch das Privatleben dieser Marxisten der ersten Generation thematisiert, ihre Erziehung und ihr Liebesleben. In der Form eines Gruppenporträts zeichnet Christina Morina auf diese Weise die Entstehungsgeschichte des Marxismus nach und zeigt wie sich aus dem Ideengerüst eine politische Bewegung geformt hat.

Buchcover

Aufsatzsammlung

The Socialist Camp and World Power: 1941–1960s

Norman Naimark, Silvio Pons, Sophie Quinn-Judge (Hrsg.)

“The Socialist Camp and World Power 1941-1960s” ist das zweite Buch der dreiteiligen Reihe “The Cambridge History of Communism”. Die Beiträge beschäftigen sich mit einer Zeit, die als Hochphase des Kommunismus gelten kann: Während sich die Einflusssphäre der Sowjetunion in Zentral- und Osteuropa mit dem Sieg der Alliierten immens vergrößert, gewinnen die kommunistischen Parteien in Europa zusehends Zulauf. Thematischer Fokus der Beiträge sind die kontinuierliche Spannugen zwischen dem “Zentrum” des Kommunismus - Moskau - und der kommunistischen Peripherie in Form kommunistisch regierter Staaten zum einen, und den oppositionellen kommunistischen Parteien in Ländern der westlichen und dritten Welt zum anderen. Anspruch der Buchreihe ist es, die Geschichte des Kommunismus in den größeren Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Das umfangreiche Referenzwerk versammelt zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Kommunismus und stellt den immensen internationalen  Einfluss kommunistischer Ideen und Bewegungen auf die politischen und gesellschaftlichen Prozesse des 20. Jahrhunderts dar.  

Buchcover Ernst Nolte: Deutschland und der Kalte Krieg

Fachbuch

Deutschland und der Kalte Krieg

Ernst Nolte

Der Historiker und Philosoph Ernst Nolte (1923–2016) widmet sich der Bedeutung Deutschlands im Kalten Krieg zwischen 1947 und 1972. Deutschland ist für ihn vor allem der Raum, in dem er die Geschichte moderner Ideologien nachzeichnet. Das faschistische Deutschland, die USA und die Sowjetunion bezeichnet er als die drei staatlichen Hauptträger moderner Ideologien im 20. Jahrhundert. Als im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs eine dieser Ideologien zerstört wurde, hätten die USA und die Sowjetunion unvermeidlich aufeinandertreffen und die Teilung Deutschlands vollziehen müssen. Nolte spricht sich für den Vergleich antifaschistischer, antikommunistischer und antikapitalistischer Sichtweisen auf den Kalten Krieg aus und stellt fest, dass nach dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion die USA „vom Throne der Selbstverherrlichung herabgerissen“ (S. 2) werden. In seinem Nachwort zur zweiten Auflage plädiert Nolte auch dafür, die friedliche Koexistenz vielfältiger Gesellschaftsentwürfe in der Welt zu akzeptieren.