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Buchcover "Mehr Reichtum, mehr Armut", Campus 2017

Fachbuch

Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Hartmut Kaelble

Der renommierte Sozialhistoriker Hartmut Kaelble versucht in seinem Buch "Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart" die historischen Entwicklungen sozialer Differenzen in Europa und insbesondere in Deutschland in den Blick zu bekommen. Das als Überblickswerk angelegte Buch fokussiert dabei auch auf die Zeit nach den Weltkriegen, um Argumenten entgegenzutreten, dass nur Umstürze oder historische Einschnitte wirkliche Veränderungen bringen. Das längste Kapitel ist aber dem Wiederanstieg der Diskrepanz seit den 1980er-Jahren gewidmet. Den Argumenten der Alternativlosigkeit oder Zwangsläufigkeit setzt Kaelble die Analyse positiver Entwicklungen entgegen, die etwa durch politische Intervention und Bildungspolitik hervorgebracht worden seien. So liefert er einen Beitrag zu einer anhaltenden politischen Debatte über soziale Ungleichheit aus historischer Perspektive.

Buchcover "Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972", Routledge Verlag

Fachbuch

Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972

Scott H. Krause

Der Autor Scott H. Krause beschäftigt sich in seinem Werk Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972 mit der Neugründung und Etablierung der Demokratie in Westberlin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Westberlin von den drei westlichen Besatzungsmächten USA, Vereinigtes Königreich und Frankreich verwaltet, während der östliche Teil Berlins unter der Verwaltung der kommunistisch ausgerichteten Sowjetunion stand. Im Westen wurden nach Vorbild der Alliierten der Kapitalismus und die parlamentarische Demokratie etabliert, im Osten dagegen wurde nach dem Vorbild des Kommunismus die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gegründet. Der westliche Teil Berlins grenzte sich somit ab von dem kommunistisch ausgerichteten Ostteil Berlins. Die Neugründung der Demokratie im Westteil Berlins stellte ein gemeinsames Projekt remigrierter deutscher Sozialdemokraten und amerikanischer Cold War Liberals dar. Der Autor Scott Krause knüpft mit seinem Buch an vorherige Studien an, aber fokussiert sich vor allem auf das Netzwerk als zentralen Akteur und weniger auf Einzelpersonen als tragende Kraft. Der Autor zeichnet nach, wie Westberlin das Image als „Vorposten der Freiheit” zugeschrieben bekam und wie sich der Bau der Berlinr Mauer auf das deutsch-amerikanische Projekt auswirkte und dessen Fragilität deutlich zum Vorschein brachte.

Cover des Buches "Roter Stern über Russland Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins", Mehring Verlag

Fachbuch

Roter Stern über Russland. Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins

David King

In seinem Bildband Roter Stern über Russland. Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins präsentiert der britische Fotohistoriker David King über 550 Fotografien, Plakate und Zeichnungen zusammen mit informativen Begleittexten. Der Bildband behandelt die Zeit von 1917 bis zum Tod Stalins 1953. Josef Stalin war von 1927 bis 1953 der Diktator der Sowjetunion. Nach Lenins Tod übernahm Stalin 1922 das Amt des Generalsekretärs der Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU). Stalin ließ eine totalitäre Diktatur errichten, mehrere Millionen Menschen im Rahmen politischer „Säuberungen“ verhaften und zahlreiche Menschen in Gulags und Strafarbeitslager deportieren, in denen viele ums Leben kamen. David King verfügt über eine umfassende Sammlung an sowjetischen Fotodokumenten, die er auf seinen Forschungsreisen sammelte und die in diesem Bildband zu sehen sind. King beleuchtet eine aufregende Zeit, die geprägt war von Verzweiflung und Verlust, aber auch von Ehrgeiz und Hoffnungen. Die Sowjetunion wurde erschüttert von revolutionären Aufständen, Bürgerkrieg und Hungersnöten. Der Autor richtet den Blick in seinem Werk auf einzelne Ereignisse, ausgehend von den prägenden historischen Ereignissen dieser Zeit. Erstmals sind auch die streng verwahrten Fotografien zu sehen, die in den 1930er-Jahren während der stalinistischen Schauprozesse entstanden sind. Der Betrachter sieht sich mit sehr bewegenden und einprägsamen Bildern konfrontiert, die einen eindrucksvollen Einblick in diese ereignisreiche Zeit geben.

Cover des Buches "Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept", Bloomsbury Publishing

Sammelband

Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept

Jürgen Kocka, Marcel van der Linden (Hrsg.)

Jürgen Kocka und Marcel van der Linden haben in ihrem 2016 erschienen Sammelband „Capitalism. The Reemergence of a Historical Concept” neun Autoren versammelt, die nach der grundlegenden Definition des Kapitalismus, seiner globalen Ausformungen und der Möglichkeit der Nutzbarmachung des Begriffs für die historische Forschung fragen. Der Fokus des Bandes liegt auf der Untersuchung des Kapitalismus als historisches Konzept, wofür eine umfassende Übersicht aktueller Forschung und Anregungen für weitere Studien bereitgestellt werden. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor der Begriff „Kapitalismus“ zunächst seinen ideologischen und polemischen Zug und bot sich der Historiographie als heuristisches Instrument an. Es dominierten um die Jahrtausendwende die kulturwissenschaftlichen Zugänge zur Geschichte und erst im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 2007 wagten sich wissenschaftliche Studien wieder verstärkt an wirtschaftswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Themen. "Der Sozialismus ist gescheitert, der Kapitalismus ist bankrott und was kommt als nächstes?" fragte Eric Hobsbawn in einem Beitrag im Guardian von 2009.

Cover der DAMALS-Ausgabe "Oktober 1917 – Europa und die Russische Revolution", Konradin Mediengruppe

Fachzeitschrift

DAMALS: Oktober 1917. Europa und die Russische Revolution.

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

Im Jahr 2017 jährt sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Dies nimmt die Redaktion der Zeitschrift DAMALS zum Anlass, um im Heft „Oktober 1917. Europa und die Russische Revolution“ die Ereignisse und Folgen der Umbrüche in Russland zu thematisieren. Dafür behandeln die Autorinnen und Autoren nicht nur die Verläufe der bürgerlichen Februar- und der bolschewistischen Oktoberrevolution, sondern auch die Hoffnungen und Versprechen, die mit dem Aufstieg des Kommunismus verbunden wurden. Die Folgen der Revolution für Russland und Europa kommen ebenfalls zur Sprache: Gewaltsame Repressionen, Verstaatlichung der Produktions- und Verkehrsmittel, Flucht und Vertreibung. Neben diesen dem Themenschwerpunkt zugordneten Beiträgen finden sich auch Aufsätze zu generellen Entwicklungen in der Geschichtswissenschaft und zu historischen Ereignissen jenseits der Russischen Revolution. Das Heft verweist außerdem auf die Ausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“ des Deutschen Historischen Museums. Sie können das Heft über diesen Link bestellen.

Buchcover "Invasion Prag168" , Schirmer Mosel Verlag

Sachbuch

Invasion Prag 1968

Josef Koudelka

Der Bildband Invasion Prag 1968 von Josef Koudelka beschäftigt sich thematisch mit dem Prager Frühling von 1968. Die Bezeichnung „Prager Frühling“ bezieht sich auf die Bemühungen der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPČ) unter Führung von Alexander Dubček im Frühjahr 1968 eine Wirtschaftsreform durchzusetzen. Diese verfolgte das Ziel, eine sozialistische Marktwirtschaft und einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu errichten. Die Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten, die den Reformbewegungen misstrauisch gegenüberstanden, marschierten in der Nacht zum 21. August in die damalige Tschechoslowakei ein und beendeten gewaltsam die Reformbestrebungen der KP-Spitze. An dieser gewaltsamen Niederschlagung waren circa eine halbe Million Soldaten aus der Sowjetunion, Ungarn, Polen und Bulgarien beteiligt. Der tschechische Photograph Josef Koudelka erlebte diese Ereignisse mit und hielt sie in seinen Fotografien fest. Es gelang Koudelka die Bilder rechtzeitig dank mehrerer Helfer außer Land zu bringen und sie in den Westen zu schmuggeln. Sein Bildband dokumentiert das gewaltsame Ende des Prager Frühlings und zeichnet ein eindrucksvolles Gesamtbild von den Ereignissen von 1968 in der Tschechoslowakei. Josef Koudelka gilt heute als einer der bedeutendsten tschechischen Dokumentarfotografen.

Screenshot der Website "Biografien deutscher Gulag-Häftlinge"

Online-Ressource

Biografien deutscher Gulag-Häftlinge

Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion

Die von der Lagergemeinschaft Workuta / Gulag Sowjetunion betriebene Website ist ein umfangreiches Biografien- und Zeitzeugenportal Portal, das sich den ehemaligen Häftlingen des im hohen Norden Russlands gelegenen Gulag Workuta widmet. Zur Zeit werden 43 Biografien von Zeitzeugen aufgeführt sowie 166 Namen von Häftlingen genannt. Auf der Startseite kann der Nutzer über eine Kachelmatrix 9 Würfel umdrehen und gelangt so jeweils zu einem thematischen Text, wie z.B. über die sowjetische Militärjustiz. Die auf dem Portal verzeichneten Personen sowie die sich vorstellenden Zeitzeugen wurden alle nach dem gleichen Schema verschleppt: Zwischen 1945 und 1953 erfolgte die Verhaftung in der SBZ bzw. der DDR, dann die Verurteilung durch ein sowjetisches Militärtribunal (SMT) und schließlich die Deportation in das Zwangsarbeitslager Workuta. Die Biografien der verzeichneten Opfer der kommunistischen Repressionen beinhalten Selbstzeugnisse, Fotos sowie private und offizielle Dokumente. Die Website konzentriert sich bei ihrer Arbeit auf die Porträts von Zeitzeugen, die bisher nicht auf ähnlichen Portalen dokumentiert sind. Es finden sich Verlinkungen auf diese Portale (http://www.von-potsdam-nach-workuta.de), wenn eine Biografie an anderer Stelle ebenso verzeichnet ist.

Cover des Buches "Vom Linksliberalismus zur Sozialdemokratie. Politische Lebenswege in historischen Richtungskonflikten 1890–1945", Böhlau Verlag

Sammelband

Vom Linksliberalismus zur Sozialdemokratie. Politische Lebenswege in historischen Richtungskonflikten 1890–1945

Detlef Lehnert (Hrsg.)

In dem Sammelband „Vom Linksliberalismus zur Sozialdemokratie. Politische Lebenswege in historischen Richtungskonflikten 1890–1945. Vom Linksliberalismus zur Sozialdemokratie“, herausgegeben von dem Politikwissenschaftler Detlef Lehnert, werden elf Politiker porträtiert, die während des Kaiserreiches bzw. während der Weimarer Republik ihre politische Verortung weg von der Liberaldemokratie hin zur Sozialdemokratie verschoben. Der Fokus liegt dabei auf den Übertritten der einzelnen Politiker bzw. auf den Umständen. Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste beschreibt die politischen Lebenswege von fünf Politikern, die bereits während des Kaiserreichs in die neu gegründete SPD eintreten: Franz Mehring, Kurt Eisner, Rudolf Breitscheid, Siegfried Aufhäuser und Hugo Sinzheimer. Der zweite Teil ist Politikern gewidmet, die während der Weimarer Republik in die SPD eintreten: Paul Nathan, Georg Schüer, Max Kosler, Adolf Grimme, Anton Erkelenz und Ludwig Bergsträsser. Das Buch erscheint als Teil der Reihe „Historische Demokratieforschung“. Der Herausgeber des Buches, Detlef Lehnert, ist Professor der Politikwissenschaft an der FU Berlin, Präsident der Hugo-Preuß-Stiftung und der Paul-Löbe-Stiftung.

Cover: Wolfgang Leonhard: Völker hört die Signale. Die Gründerjahre des Weltkommunismus 1919–1924, München: Goldmann, 1. Aufl. 1984.

Fachbuch

Völker hört die Signale. Die Gründerjahre des Weltkommunismus 1919–1924

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014) kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach dem Bruch mit dem Stalinismus flüchtete er im März 1949 nach Jugoslawien, im Herbst 1950 siedelte in die Bundesrepublik über. In dieser einführenden Überblicksdarstellung zur Geschichte der Kommunistischen oder auch III. Internationale (kurz: Komintern). schildert Leonhard die Phase zwischen dem ersten Weltkongress 1919 in Moskau, wo die Komintern auf Initiative Lenins gegründet wurde, und dem fünften 1924, kurz nach Lenins Tod. Dabei stützt er sich vor allem auf die Berichte und Memoiren ehemaliger Mitglieder kommunistischer Parteien und anderer Zeitzeugen.

Buchcover "Mao's China and the Sino-Soviet Split: Ideological Dilemma", Routledge Verlag

Fachbuch

Mao's China and the Sino-Soviet Split: Ideological Dilemma

Mingjiang Li

Die Studie Mao's China and the Sino-Soviet split: Ideological dilemma von Mingjiang Li beschäftigt sich mit der sowjetisch-chinesischen Spaltung in den 1960er-Jahren während des Kalten Krieges. Der Konflikt zwischen den beiden Staaten begann bereits in den 1950er-Jahren und erreichte 1969 schließlich seinen Höhepunkt. Sowohl Nikita Chruschtschow als auch Mao Zedong wollten den Führungsanspruch innerhalb der kommunistischen Bewegung für sich beanspruchten. Der ideologische Grabenkampf zwischen den beiden Staaten resultierte vor allem aus der von Chruschtschow eingeleiteten Entstalinisierung in der Sowjetunion. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) war nicht länger bereit, die Vormachtstellung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) in der weltweiten kommunistischen Bewegung zu akzeptieren. Erst ab 1982 sollte sich das Verhältnis zwischen den beiden Staaten wieder allmählich normalisieren. Mingjiang Li geht in seiner Studie der Frage nach, wie es dazu kommen konnte, dass das Bündnis der beiden Staaten, das stets als unzerstörbar galt, zerbrechen konnte. Der Autor analysiert zudem den Zusammenhang zwischen Außenpolitik und der staatlichen Ideologie und geht der Frage nach, warum die Ideologie in manchen Fällen entscheidenden Einfluss auf die Außenpolitik nehmen kann und diese in anderen Fällen keinen ausschlagenden Einfluss ausübt. Die Studie basiert auf umfassenden Recherchen und freigegebenem Material des chinesischen Außenministeriums und wirft somit ein neues Licht auf die Thematik des chinesisch-sowjetischen Zerwürfnisses.

Buchcover "The Sino-Soviet Split. Cold War in the Communist World", Princeton University Press

Fachbuch

The Sino-Soviet Split. Cold War in the Communist World

Lorenz M. Lüthi

Lorenz M. Lüthi beschäftigt sich in seinem Werk The Sino-Soviet Split. Cold War in the Communist World mit dem chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis, das in den späten 1950er-Jahren einsetzte und seinen Höhepunkt 1969 erreichte. Nikita Chruschtschow und Mao Zedong kämpften zu dieser Zeit um den Führungsanspruch innerhalb der kommunistischen Bewegung, was schlussendlich zur Spaltung führte. Drei Themen standen in dem bilateralen Konflikt besonders im Fokus: Zum einen Maos Kritik an der Entstalinisierungspolitik Chruschtschows, der Kurs der „friedlichen Koexistenz“ und Maos „leninistische“ Ausgestaltung des stalinistischen Entwicklungsmodells. In seiner Studie verwendet der Politikwissenschaftler Lüthi eine Vielzahl an Archiv- und Dokumentationsquellen und liefert den Lesern einen detailreichen Blick in die chinesisch-sowjetischen Beziehungen und den Beginn ihres Zerwürfnisses in den 1950er- und 1960er-Jahren. In zehn chronologisch gegliederten Kapiteln beschreibt er, welche Ursachen dem chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis zugrunde lagen und welche Entwicklungen der Konflikt nahm. Der Autor beschreibt, welche Konsequenzen der chinesisch-sowjetische Konflikt für das sozialistische Lager und den Kalten Krieg nach sich zog und geht auf die Frage ein, ob der Bruch zwischen der Sowjetunion und China vermeidbar gewesen wäre.

Cover des Buches "1917", Verlag Nomos

Sammelband | Fachbuch

1917. 100 Jahre Oktoberrevolution und ihre Fernwirkungen auf Deutschland

Tilman Mayer, Julia Reuschenbach (Hrsg.)

Der von Tilman Mayer und Julia Reuschenbach herausgegebene Sammelband „1917. 100 Jahre Oktoberrevolution und ihre Fernwirkungen auf Deutschland“ nimmt den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution 1917 zum Anlass, sich mit den Ursprüngen und Folgen dieses revolutionären Umsturzes zu befassen. In einem vergleichenden Blick nach Deutschland, der nicht nur wegen Karl Marx und Friedrich Engels lohnt, spielen die Revolutionserwartungen Anfang der 1920er-Jahre, der Anteil des Stalinismus an der Teilung Deutschlands und der Schutz der DDR durch die Sowjetunion eine Rolle. Ebenso fragen die Autoren nach der heutigen Sicht Russlands auf die Oktoberrevolution und der Stellung sowjetischer Dissidenten in der Literatur. Der Band enthält unter anderem Beiträge von Jan Behrends, Egon Flaig, Markus Gloe, Xuewu Gu, Lutz Haarmann, Anna Kaminsky, Leonid Luks, Ekaterina Makhotina, Michael Mayer, Tilman Mayer, Günther Rüther, Gerhard Simon und Manfred Wilke, sowie einer Dokumentation mit Beiträgen von Martin Kriele und Richard Löwenthal.

Cover des Buches "Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen", Sandstein Verlag

Sammelband

Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen

Anna Kaminsky (Hrsg.)

Der Band Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen stellt eine Auswahl von 119 Erinnerungsorten in 35 Ländern vor, die an totalitäre kommunistische Regime erinnern. Diese entstanden spätestens seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime der mittel- und osteuropäischen Staaten. Aber auch über diese Region heraus in Afrika, Asien, Australien und Amerika finden sich Orte des Erinnerns. Diese sind von unterschiedlicher Art: Gedenkstätten, Museen, Denkmäler, Mahnmale, Sakralbauten und Skulpturenparks. Sie alle erinnern an die Opfer totalitärer kommunistischer Regime, aber auch an Opposition und Widerstand gegen die Diktaturen sowie deren Überwindung. Die Sammlung beleuchtet den Erinnerungsgegenstand und stellt Konzept, Entstehungsgeschichte und Architektur der Orte vor. Die Bandbreite und globale Vielfältigkeit von Erinnerungsorten an kommunistische Verbrechen wird verdeutlicht. Die Kapitel zeigen auch, dass die Errichtung von Gedenkstätten und Museen oft von langwierigen kontroversen Debatten begleitet werden. Der Gedenkstättenführer wird im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben.

Cover Philippe Kellermann (Hrsg.): Anarchismus und Russische Revolution, Verlag Dietz

Sammelband

Anarchismus und Russische Revolution

Philippe Kellermann (Hrsg.)

In einem neuen Band mit dem Titel „Anarchismus und Russische Revolution“ stellt der Publizist Philippe Kellermann Beiträge zum Verhältnis der russischen und europäischen anarchistischen Bewegung zur Russischen Revolution von 1917 zusammen. Zum einen werden die Beziehungen zwischen Anarchismus und Marxismus innerhalb der Linken bis zum Ersten Weltkrieg dargestellt. Zum anderen diskutieren die Beiträge die Bedeutung des Sieges einer sich als marxistisch verstehenden Partei, der Bolschewiki, in der Revolution über den Anarchismus, der sich bis dahin als revolutionärer Flügel der Linken betrachtete. Zudem werden die Rolle des Anarchismus während der Revolution und die Rezeption der Ereignisse in Russland durch anarchistische Bewegungen in Europa analysiert. Das Buch möchte damit einen neuen Blick auf die internationale anarchistische Bewegung dieser Zeit werfen und die Wahrnehmungsgeschichte der Revolution von 1917 außerhalb Russlands kontextualisieren. Besonders hervorzuheben ist das internationale Spektrum der Autoren: So finden sich neben deutschen auch russische und italienische Historiker.

Buchcover „Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion“, Karl Dietz Verlag

Fachbuch

Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion

David King

Der Autor David King behandelt in seinem Fotoband Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion die zahlreichen Bildmanipulationen in der ehemaligen Sowjetunion unter dem kommunistischen Diktator Josef Stalin. Der Fotohistoriker King beschäftigte sich intensiv mit politischen Bildern aus der Zeit Stalins. Personen, die für die sowjetische Führung zu unbequem waren, wurden eliminiert – sowohl aus Fotografien und Büchern als auch in der Wirklichkeit. Stalin ließ systematisch Fotografien nachträglich ändern und Personen entfernen, die seine Gunst verloren hatten. Die systematischen Bildmanipulationen verdeutlichen den menschenverachtenden Charakter der stalinistischen Diktatur. Die kommunistische Propaganda versuchte mit diesem Mittel, eine neue Welt zu schaffen. Sie selbst wollte bestimmen, wer darin leben durfte und wer nicht. Die Führung der Sowjetunion versuchte so mit Hilfe von Bildmanipulationen von Fotografien die historische Wahrheit zu ihren Gunsten zu verfälschen. Jahrzehntelang sammelte David King Beispiele für diese Fotomanipulationen unter Stalin und veröffentlicht diese in seinem Bildband. Dabei verzichtete er auf Analysen und lässt stattdessen die Bilder für sich sprechen. King stellt in seinem Fotoband die Originalaufnahmen den überarbeiteten und retuschierten Aufnahmen gegenüber.

Buchcover Gern Koenen: Was war der Kommunismus?

Fachbuch

Was war der Kommunismus?

Gerd Koenen

Der deutsche Publizist und Historiker Gerd Koenen möchte mit seinem Buch den Kommunismus historisieren. Er wirft die Frage auf, wie es Kommunisten in vielen Ländern gelungen ist, trotz ihres Scheiterns die Geschichte des 20. Jahrhunderts so maßgeblich zu prägen. Dieses Phänomen versucht Koenen aus der Perspektive der postkommunistischen Welt und der Krise des Kapitalismus zu erklären. Im Mittelpunkt seines Essays stehen die Sowjetunion und das kommunistische China, deren Entwicklungen Koenen als Abfolgen von Massenverbrechen und Entspannung beschreibt. Er lehnt die Totalitarismustheorie ab und betont, dass die kommunistischen Regime die Massen immer wieder neu mobilisieren mussten, wie es etwa Stalin nach dem Terror der 1930er-Jahre im Großen Vaterländischen Krieg tat. Einen Grund dafür, dass sich Menschen derart instrumentalisieren lassen, sieht Koenen in der Sehnsucht nach Gemeinschaft in komplexen Gesellschaften.

Cover der Ausgabe 15 (2017), 4

Zeitschrift

DAMALS: Karl Marx. Der besessene Gelehrte

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

Die Zeitschrift DAMALS widmet das Schwerpunktthema ihrer Ausgabe 15 (2018), Heft 4 dem Menschen und dem Philosophen Karl Marx. In mehreren Artikeln nähern sich die Autorinnen und Autoren der Person Marx aus verschiedenen Perspektiven an. Zunächst liefert ein Beitrag einen biografischen Überblick, der die persönlichen Erfahrungen Karl Marx‘ und ihren Einfluss auf seine Theorien darlegt. Es folgt ein Porträt von Marx‘ engem Freund Friedrich Engels, dessen Sozialstudien Marx‘ Theorien um wichtige Punkte ergänzten. Der nächste Beitrag widmet sich Marx als politischem Journalisten, der sich vehement für das Recht auf Pressefreiheit einsetzte. Ein weiterer Beitrag, „Entzauberung des Kapitalismus“, stellt die Frage, die im Zuge der internationalen Finanzkrise zunehmend an Popularität gewonnen hat – in wie weit treffen Marx‘ Beobachtungen auch und gerade auf die moderne Ökonomie zu, und welche Handlungsräume können sie eröffnen? Der letzte Artikel widmet sich ebendieser Popularität der Frage nach Marx‘ Relevanz und dem Schwanken zwischen Historisierung und Aktualisierung, das diesbezüglich offenbar wird.

Buchcover „Aus den Giftschränken des Kommunismus. Methodische Fragen zum Umgang mit Überwachungsakten in Zentral- und Südosteuropa“, Verlag Friedrich Pustet.

Sammelband | Fachbuch

Aus den Giftschränken des Kommunismus. Methodische Fragen zum Umgang mit Überwachungsakten in Zentral- und Südosteuropa

Florian Kührer-Wielach, Michaela Nowotnick (Hrsg.)

Der Sammelband Aus den Giftschränken des Kommunismus. Methodische Fragen zum Umgang mit Überwachungsakten in Zentral- und Südosteuropa, eine Veröffentlichung des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beschäftigt sich mit dem Umgang mit den Überwachungsakten kommunistischer Geheimdienste. Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989/91 bedeutete gleichzeitig das Ende der kommunistischen Geheimdienste. Die Akten dieser ehemaligen kommunistischen Geheimdienste geben einen Einblick in die Überwachung und Verfolgung von Bürgern in fünf Jahrzehnten kommunistischer Regierung. Die Aktenbestände sind mittlerweile in Archive überführt worden und stehen der Forschung zur Verfügung. Der Sammelband beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Geheimdiensten der Ostblockstaaten, darunter mit dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR, der Securitate in Rumänien und dem StB in der Tschechoslowakei. Die Autoren beleuchten unter anderem die Gemeinsamkeiten der kommunistischen Geheimdienste, weisen aber auch auf die landespolitischen Besonderheiten hin. Die Autoren ziehen eine Bilanz zum derzeitigen Stand der Aufarbeitung und dem Stand der Forschung über die einzelnen kommunistischen Regime. Der Sammelband besteht aus vier Kapiteln mit insgesamt 21 Beiträgen.

Cover: Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hrsg.): Vertreibungen im Kommunismus. Zwangsmigrationen als Instrument kommunistischer Politik, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag 2019.

Sammelband

Vertreibungen im Kommunismus. Zwangsmigrationen als Instrument kommunistischer Politik

Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hrsg.)

Der Sammelband beschäftigt sich mit staatlich kontrollierten Zwangsmigrationen unter kommunistischer Herrschaft in Europa und der Sowjetunion im 20. Jahrhundert. Er ist Ergebnis der Konferenz „Forced migration under communist rule – differences and similarities“, die von dem Landesbeauftragten Thüringen im April 2017 veranstaltet und von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert wurde. Der aktuelle Stand der internationalen Forschung wird unter starker Berücksichtigung transnationaler Perspektiven präsentiert. Mithilfe des Vergleichs osteuropäischer Staaten und der Sowjetunion in unterschiedlichen Zeitabschnitten, brechen die einzelnen Beiträge des Bandes mit nationalen Narrativen, um Zwangsmigrationen im Kontext der Konsolidierung kommunistischer Herrschaft nachzuvollziehen. Welche Folgen die Zwangsmigrationen für die jeweilige Gesellschaft und die einzelnen Menschen hatten und wie sie die Erinnerung prägten, wird in weiteren Beiträgen diskutiert. Der Band versammelt acht Aufsätze namhafter Historiker und Historikerinnen und ist 2019 im Mitteldeutschen Verlag erschienen.

Buchcover Wolfgang Leonhard: Am Vorabend einer neuen Revolution? Die Zukunft des Sowjetkommunismus

Fachbuch

Am Vorabend einer neuen Revolution? Die Zukunft des Sowjetkommunismus

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach seinem Bruch mit dem Stalinismus flüchtete er im März 1949 nach Jugoslawien, im Herbst 1950 siedelte in die Bundesrepublik über. In diesem Buch fügt Leonhard politische, soziale und ökonomische Analysen zu einem Bild der Sowjetunion zusammen. In fünf Kapiteln zeichnet er zunächst eine chronologische Ereignisgeschichte nach, um dann auf die demographische und politische Situation als Triebfeder für zukünftigen Wandel und andere von ihm prognostizierte Veränderung des Landes einzugehen. Auf die Frage, ob in der Sowjetunion eine neue Revolution bevorsteht, gibt Leonhard keine eindeutige Antwort. Er rechnet mit einer Entwicklung, die sich vollständig von der stalinistischen Herrschaft löst, aber auch in den inneren Zusammenbruch des Landes führen kann.

Buchcover Wolfgang Leonhard: Was ist Kommunismus? Wandlungen einer Ideologie

Fachbuch

Was ist Kommunismus? Wandlungen einer Ideologie

Wolfgang Leonhard

Das Buch von Wolfgang Leonhard (1921-2014), einem der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, ist das Ergebnis eines Dialogs mit Hans-Wolfgang-Krohn über den Wandel der kommunistischen Ideologie in der Sowjetunion. Zunächst wird ein historischer Überblick zur Geschichte des Kommunismus von Marx und Engels, über Lenin, Stalin und Chruschtschow bis hin zu Breschnew gegeben. Nach einer Erläuterung des zeitgenössischen sowjetischen Verständnisses vom Marxismus dreht sich die Diskussion um die sowjetische Außenpolitik, insbesondere in Bezug auf Europa. Dabei verheimlicht Leonhard nicht, dass er Sympathien für den Eurokommunismus hegt und von diesem die Transformation zu einem demokratischen Sozialismus erwartet. Er plädiert aber auch für einen vorsichtigen und überlegten Umgang mit den osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion.

Buchcover Marcel van der Linden: Von der Oktoberrevolution zur Perestroika. Der westliche Marxismus und die Sowjetunion

Fachbuch

Von der Oktoberrevolution zur Perestroika. Der westliche Marxismus und die Sowjetunion

Marcel van der Linden

In einer Vielzahl an Deutungen hat die westliche marxistische Linke im 20. Jahrhundert versucht, die Sowjetunion und vor allem den Stalinismus zu erklären. Einige dieser Autoren und ihre Argumente in der Debatte über Entstehung, Charakter und Entwicklung der Sowjetunion zwischen 1917 und 1985 stellt van der Linden vor. Gegliedert ist das Buch chronologisch nach den Epochen sowjetischer Geschichte, auf die sich die untersuchten Theorieansätze bezogen haben. Aus marxistischer Perspektive analysiert und kritisiert er die Erklärungsversuche als zumeist unzutreffend oder unzureichend. Zugleich versucht er Phänomene der Sowjetgesellschaft selbst theoretisch auf den Begriff zu bringen.

Buchcover Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.): Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936–1953

Sammelband | Fachbuch

Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936–1953

Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.)

Neun Studien deutscher, russischer und tschechischer Historiker und Historikerinnen sowie zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente beleuchten den Terror als zentrales Herrschaftsinstrument der stalinistischen Diktatur, innerkommunistische Parteisäuberungen und Schauprozesse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band verdeutlicht Unterschiede bei der Herrschaftssicherung zwischen den Kommunistischen Parteien der Sowjetunion und der Tschechoslowakei nach 1945. Am Beispiel der SED wird die Überwachung einer „Bruderpartei“ durch die sowjetische Besatzungsmacht illustriert.

 Buchcover „Stalinist terror in Eastern Europe. Elite purges and mass repression“, Manchester University Press.

Sammelband | Fachbuch

Stalinist terror in Eastern Europe. Elite purges and mass repression

Kevin McDermott, Matthew Stibbe (Hrsg.)

Der Sammelband Stalinist terror in Eastern Europe. Elite purges and mass repression von den beiden Herausgebern Kevin McDermott und Matthew Stibbe analysiert die Auswirkungen des stalinistischen Terrors auf Osteuropa von 1940 bis 1956. Unter der Herrschaft Josef Stalins kam es in der Sowjetunion zu den so genannten Stalinschen Säuberungen, die dazu dienten, aus stalinistischer Sicht oppositionelle Personen verfolgen und töten zu lassen. Bereits seit den 1920er-Jahren wurden politische Gegner aus der Kommunistischen Partei (KPdSU) ausgeschlossen und in Schauprozessen zu Zwangsarbeiten und Inhaftierung in Gulags verurteilt. Während des so genannten Großen Terrors von 1936 bis 1938 erreichten die politischen Säuberungsprozesse ihren Höhepunkt. Der Sammelband analysiert sowohl den Terror von oben in Form von Schauprozessen als auch von unten in Form von Massendeportationen und Verhaftungen, wobei die Relevanz von Schlüsselereignissen, wie der Tito-Stalin-Spaltung 1948 oder der Rajk-Prozess 1949 miteinbezogen werden. Von den Säuberungsprozessen waren auch die Einwohner der Gebiete betroffen, die von der Roten Armee besetzt waren. Zu den Opfern gehörten unter anderem Polen, Rumänen, Deutsche, Ungarn und Bewohner der baltischen Staaten. Deshalb gehen die Autoren des Sammelbands der Frage nach, wie sich der Stalinistische Terror auf die Staaten Osteuropas, wie Ungarn, Polen, Tschechoslowakei, DDR, Bulgarien und Albanien ausgewirkt hatte.

Cover des Onlinemagazins "1956. Symptome einer Revolution", KARTA Zentrum

On­line­ma­ga­zin

1956. Symptome einer Revolution

KARTA Zentrum

Mit dem Tod Josef Stalins begann eine Periode des „Tauwetters“, des politischen und sozialen Wandels in den sowjetisch dominierten Staaten. Nikita Chruschtschow machte die Entstalinisierung mit seiner Rede auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 zur offiziellen Parteilinie. Den Ereignissen des Jahres 1956 widmet sich das Onlinemagazin „1956. Symptome einer Revolution“, das vom Zentrum KARTA in Warschau herausgegeben wurde. Im Fokus stehen dabei vier Länder: Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei und die DDR. Chronologisch sortiert werden Zitate der staatlichen Machthaber präsentiert und zentrale Dokumente des Geschehens im Jahr 1956 zitiert. Ebenso zu Wort kommen Teilnehmer der dargelegten Ereignisse und einfache Bürger, die ihre Meinung zum Geschehen mitteilten. Kontextualisiert werden diese Auszüge von kurzen Überblickstexten zur jeweiligen Nation, die die Ereignisse des betreffenden Tages zusammenfassen. Das reich illustrierte Magazin legt einen deutlichen Fokus auf den Ungarischen Volksaufstand im Oktober 1956, verliert aber das Geschehen in den drei weiteren betrachteten Ländern nie aus dem Blick. Das Magazin möchte ein Gesamtbild entwerfen, um eine Antwort auf die Frage zu geben, was in diesem Teil Europas in dem Jahr passierte, „das als Wende in die Geschichte eingegangen ist, aber dessen Ende nichts mehr mit dem Beginn des politischen Tauwetters gemein hatte.“

Cover des Buches "Poland under Communism",  Cambridge University Press

Monographie

Poland under Communism. A Cold War History

Anthony Kemp-Welch

Anthony Kemp-Welchs Analyseband Poland under Communism widmet sich der Geschichte Polens vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des kommunistischen Regimes. Dabei verbindet der Autor die Geschichte der Diplomatie und der internationalen Beziehungen während des Kalten Krieges mit der Geschichte der Opposition und sozialen Bewegungen in Polen. Anthony Kemp-Welch bezieht sich auf Material aus polnischen Archiven sowie auf zuvor unveröffentlichte Quellen aus Moskau und Washington. Die Schwerpunkte des Buches liegen auf Politik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, auf der kommunistischen Bewegung in Polen sowie deren Beziehung zur Sowjetunion und dem internationalen System im Rahmen des Kalten Krieges mit besonderer Berücksichtigung der US-amerikanischen politischen Linie. Kemp-Welshs Buch ist das erste in englischer Sprache erschienene, welches die Geschichte Polens zwischen Zweitem Weltkrieg und Ende des kommunistischen Regimes derart umfassend darlegt und stellt somit eine wertvolle Bereicherung für interessierte Leserinnen und Leser dar.

Cover des Buches "Gulag", Hamburger Edition

Monographie

Gulag

Tomasz Kizny

Gulag ist ein Bildband des polnischen Fotografen Tomasz Kizny. Er kombiniert Bildmaterial aus Archiven und persönlichen Beständen mit seinen eigenen Fotografien. Das Archivmaterial zeugt vom Alltag im Lager, vom Leid der Häftlinge und von wahnwitzigen Bauprojekten, an denen die Häftlinge arbeiteten. Die von Kizny gemachten Bilder zeigen die heutigen Ruinen der ehemaligen Lagerstätten. Die Kombination des Bildmaterials zeugt eindrücklich von der Situation in den Lagern der Sowjetunion und den Spuren, die diese bis heute im Land hinterlassen haben – zum Beispiel wenn im Bildband die Steckbriefbilder von NKDW-Häftlingen neben den Bildern der Kolyma stehen, einer Gegend die bis heute vom maßlosen Gold- und Uranabbau gezeichnet ist, bei dem unzählige Häftlinge ihr Leben ließen.  Der Bildband enthält Vorworte von Norman Davies, Sergej Kowaljow und Jorge Semprun. Tomasz Kizny, geboren 1958 in Polen, ist Fotograf und Journalist. 1981 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern von 'Dementi' - einer Untergrundorganisation unabhängiger Fotografen. Der Künstler lebt und arbeitet in Wroclaw.

Kolakowski, Marxismus, Entstehung, Entwicklung, Zerfall

Fachbuch

Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall

Leszek Kolakowski

Leszek Kołakowskis dreibändige Darstellung „Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall“ erschien auf Deutsch 1977 respektive 1978 und 1979 im Piper Verlag, mittlerweile sind die Bände in der dritten Auflage erhältlich. In diesem monumentalen Werk von annähernd 1700 Seiten Gesamtumfang beleuchtet der polnische Philosoph die Anfänge marxistischen Denkens unter Einbeziehung von Wegbereitern. So betrachtet der Autor die Werke Plotins und Jakob Böhmes, um die Ideenbildung bei Marx verständlich zu machen. Leo Kofler, damaliger Neomarxist und Professor für Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, wirft in einer wissenschaftlichen und hochgestochen formulierten Besprechung des Buches im Spiegel Kołakowski aber bereits im Titel „Zahllose Missverständnisse“ bei der Interpretation Marx’ vor.

Screenshot von damals.de

Zeitschrift

DAMALS

Konradin Mediengruppe (Hrsg.)

DAMALS ist ein populärwissenschaftliches Geschichtsmagazin, welches in der Konradin Mediengruppe erscheint. 1969 wurde das Magazin von Hans Rempel gegründet. Das monatlich erscheinende Magazin richtet sich an ein historisch interessiertes Publikum im weiteren Sinne. Anders als bei vielen anderen populärwissenschaftlich ausgerichteten Magazinen, in denen die Beiträge oft von Journalistinnen und Journalisten verfasst werden, schreiben für DAMALS in der Regel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Expertise auf ihrem jeweiligen Gebiet besitzen. Neben den Artikeln bietet DAMALS außerdem Buchrezensionen, ein TV- und Radioprogramm und Nachrichten aus der Forschung. Jedes Heft beinhaltet ein Schwerpunktthema, welches etwa 40 Seiten des jeweiligen Heftes umfasst. Zudem erscheint jährlich ein Sonderheft, das einem spezifischen Thema gewidmet ist. Auszüge aus den Schwerpunktartikeln der jeweils aktuellen Monatsausgabe, Jahresinhaltsverzeichnisse sowie das Artikel-Archiv mit kurzen Inhaltsangaben können online eingesehen werden.  

Buchcover

Fachbuch

Politics and Left Unity in India. The United Front in Late Colonial India

William F. Kuracina

In "Politics and Left Unity in India. The United Front in Late Colonial India" widmet sich William F. Kuracina der Geschichte der linken Gruppierung aus sozialistischen und kommunistischen Gruppierungen in Indien. Bisherige Analysen der Bewegung tendieren dazu anzunehmen, dass unter kommunistischen Teilen der Bewegung interne Absprachen existierten, deren Ziel es war, die Sozialistische Partei CSP zu unterlaufen und zu zerstören; tatsächliche Einheit sei nie ein Ziel der Bewegung gewesen. Kuracina liefert eine neue Lesart der vorhandenen Quellen und kommt zu dem Schluss, dass eine geschlossene linke Bewegung sehr wohl das Ziel der beteiligten Gruppen gewesen sei – dass dieses Bestreben aber langfristig nicht umsetzbar war. Der Autor konzentriert sich bei der Analyse auf die Jahre zwischen 1934 und 1939 und liefert somit einen wertvollen Beitrag zum Verständnis dazu, wie die Ideen der Oktoberrevolution in den Jahrzehnten nach der Revolution nicht auf die nördliche Hemisphäre beschränkt blieben, sondern international Zulauf fanden und Politik in den jeweiligen Staaten und Regionen mitgestalteten. 

Screenshot der Website des Dossiers

Onlinedossier

Linksextremismus in Deutschland. Dossier des BR

Jürgen P. Lang

Das Dossier des Bayerischen Rundfunks „Linksextremismus in Deutschland“ widmet sich aktuell den als linksextrem eingestuften Bewegungen in Deutschland. Das online verfügbare Dossier ist in vier Unterkategorien aufgeteilt. Unter der Rubrik „Geschichte“ findet sich ein Abriss, der von Marx über die Weimarer Republik bis zur DDR eine Entwicklung linker Bewegungen nachzeichnet. „Ideologien und Strömungen“ liefert einen Überblick über unterschiedliche linke Strömungen, angefangen mit dem Marxismus-Leninismus über den Reformkommunismus bis hin zu Anarchismus, Antiimperialisten und Antideutschen. Unter „Organisationen“ widmet der Autor des Dossiers der DKP und DFU, K-Gruppen, der MLPD, Trotzkistischen Gruppen und der PDS/Die Linke jeweils einen Beitrag. Unter dem Punkt „Bewegung und Aktion“ finden sich schließlich Erläuterungen zur RAF sowie zu autonomen Gruppen. Anspruch des Dossiers ist es, einen Überblick über Ursprünge und Erscheinungsformen linksextremistischer Gruppen in Deutschland zu liefern, wobei das Dossier einen extremismustheoretischen Ansatz verfolgt. Die Anwendung dieses Ansatzes wird in den Sozialwissenschaften aufgrund ihrer antithetischen und dichotomen Gegenüberstellung von Demokratie und Extremismus als unterkomplex und der Realität nicht gerecht werdend kritisiert. 

Buchcover Wolfgang Leonhard: Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus und Reformkommunismus

Fachbuch

Die Dreispaltung des Marxismus. Ursprung und Entwicklung des Sowjetmarxismus, Maoismus und Reformkommunismus

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, kam als Mitglied der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetische Besatzungszone, wo er am Aufbau der DDR mitarbeiten sollte. Nach seinem Bruch mit dem Stalinismus ging er 1950 in die Bundesrepublik. In seiner politikwissenschaftlichen Analyse des Marxismus kommt u. a. zu der Erkenntnis, dass es „Marxismus-Leninismus“ nicht gibt, sondern nur „Marxismus“ oder „Leninismus“. Leninismus sei lediglich die Anwendung des Marxismus unter den spezifischen Bedingungen in Russland. Den wissenschaftlichen Kommunismus – in der Form, wie er in den 1960er-Jahren von der Sowjetunion repräsentiert wurde – hält Leonhard für ein Mittel zur Aufrechterhaltung des Zentralismus innerhalb und die führende Rolle der Sowjetunion außerhalb des Landes. Seine Hoffnungen setzt der Autor auf den Reformkommunismus ungarischer, tschechoslowakischer und jugoslawischer Prägung, der im Kampf gegen den stalinistischen Terror entstanden sei und den Marxismus zurück zum Humanismus und zum humanen Sozialismus bringen möchte.

Cover der Zeitschrift „The Russian Review“, Wiley-Blackwell

Fachzeitschrift

The Russian Review. An American Quarterly Devoted to Russia Past and Present

Eve Levin (Hrsg.)

„The Russian Review“ ist eine vierteljährlich erscheinende peer-review Fachzeitschrift. Sie wird an der University of Kansas von Wiley-Blackwell herausgegeben, wo sie im Jahr 1941 erstmalig erschien. Chefredakteurin ist Dr. Eve Levin. Sie hat den Anspruch, den aktuellen Stand der Forschung der Russlandstudien abzubilden und veröffentlicht akademische Beiträge sowie Buchrezensionen aus einer entsprechend großen Vielfalt von Disziplinen: Geschichte, Literatur, Film, Kunst, Kultur, Gesellschaft und Politik. Jede Ausgabe beinhaltet fünf bis sieben Artikel, die oft um ein gemeinsames Thema herum gruppiert sind. Besonders willkommen sind Einreichungen, die sich mit den Themen Nationalitätspolitik, Zivilgesellschaft, Identität, Gender, Religion, moderne Literatur und Kulturwissenschaft befassen.

Cover des Buches "Sexual Liberation, Socialist Style", Cambridge University Press

Monographie

Sexual Liberation, Socialist Style. Communist Czechoslovakia and the Science of Desire, 1945-1989

Kateřina Lisková

Kateřina Liskovás Buch Sexual Liberation, Socialist Style widmet sich der sexuellen Revolution in der damaligen Tschechoslowakei. Die Autorin zeigt, wie im Falle der Tschechoslowakei bereits in den 1950er-Jahren wichtige Elemente der sexuellen Selbstbestimmung umgesetzt wurden: Abtreibung wurde legalisiert, Homosexualität entkriminalisiert, der weibliche Orgasmus geriet in den Fokus der Forschung - und all das wurde untermauert durch die Betonung der Geschlechtergleichstellung. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings und den damit verbundenen Reformbestrebungen kehrten sich im Zuge der sogenannten Normalisierung jedoch die Geschlechterdiskurse ins Traditionelle zurück. Dies galt besonders für das weibliche Geschlecht: Frauen sollten danach streben, fürsorgliche Mütter und gehorsame Ehefrauen zu sein. Mit dem Begriff der Sexuellen Revolution verbindet man gemeinhin oft die sozialen Umbrüche in westlichen Ländern. Kateřina Lisková berreichert diese Perspektive um eine umfangreiche Darstellung der sexuellen Befreiung in einem kommunstisch regierten Land Osteuropas.

Buchcover: Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.): Verbrechen im Namen der Idee. Terror im Kommunismus 1936–1938

Fachbuch

Verbrechen im Namen der Idee. Terror im Kommunismus 1936–1938

Ulrich Mählert, Hermann Weber (Hrsg.)

Zehn namhafte internationale Historiker untersuchen in dem Sammelband das Ausmaß der Verbrechen während des Großen Terrors in der Sowjetunion der 1930er-Jahre. Die Säuberungen in der sowjetischen Militärspionage, das gezielte Vorgehen gegen Deutsche, die Massenverbrechen in der Ukraine und der Widerstand gegen den Stalinismus in Polen sind einige der behandelten Themen. Die in den 1980er-Jahren in der Sowjetunion gegründete Menschenrechtsorganisation Memorial präsentiert Thesen zu den Auswirkungen der stalinistischen Vergangenheit auf die Gegenwart in der Russischen Föderation. Ihr Plädoyer gilt einer gesamtgesellschaftlichen und staatlichen Auseinandersetzung mit dieser Geschichte in Russland. Der vorliegende Band wurde von den Herausgebern als Anregung zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Stalinismus im deutschen Sprachraum zusammengestellt.

Buchcover Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hrsg.): "Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus

Fachbuch

"Roter Holocaust"? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus

Jens Mecklenburg, Wolfgang Wippermann (Hrsg.)

Der Sammelband ist eine Reaktion auf die Veröffentlichung des Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror (hrsg. u.a von Nicolas Werth, Andrzej Paczkowski) und die daran anschließende Debatte seit 1997. In ihrer Kritik argumentieren die beiden Herausgeber und die 15 weiteren Autoren, dass das Schwarzbuch die kommunistischen Verbrechen nicht bewiesen und deren jeweiligen historischen Kontext nicht berücksichtigt habe. Ihr Anliegen ist dabei auch, einer Diskreditierung der Linken und des Antifaschismus entgegenzuwirken, indem sie etwa die Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus zurückweisen, worin sie eine Relativierung des Holocaust sehen. Dem Schwarzbuch werden methodische und sachliche Mängel und Fehler unterstellt, so dass auch die Wissenschaftlichkeit des kritisierten Buches angezweifelt wird.

Buchcover „The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953“, Harrassowitz Verlag.

Fachbuch

The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953.

Iryna Kashtalian

In ihrer Studie The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953 beschäftigt sich die Autorin Iryna Kashtalian mit dem Alltag der weißrussischen Bevölkerung nach dem Ende der Besetzung durch die Nationalsozialisten bis zum Tod des kommunistischen Diktators Josef Stalin. Nach der Besetzung Weißrusslands durch die Nationalsozialisten eroberte die Rote Armee im Jahr 1944 das Land zurück, wodurch es wieder der sowjetischen Macht unterstellt war. Die Autorin analysiert, wie die Bevölkerung des Landes mit staatlichen Repressionen, Forderungen und Unterdrückung konfrontiert wurde und sich gegen diese widersetzte. Die Studie nimmt dabei verschiedene Bevölkerungsgruppen in den Blick und beleuchtet die Besonderheiten der weißrussischen Nachkriegsgesellschaft. Es werden die Mechanismen und Methoden mit denen die Sowjetisierung der belarussischen Gesellschaft im alltäglichen Leben vorangetrieben wurde beschrieben. Der sowjetische Nachkriegsstaat setzte Straf- und Zwangsmaßnahmen zur Disziplinierung der Bevölkerung ein. Die Studie analysiert in diesem Zusammenhang die Reaktion der Bevölkerung auf dieses Vorgehen und die Forderungen der Sowjetunion. Gab es aktiven Widerstand oder passte sich die weißrussische Bevölkerung den Forderungen an? Wie wirkten sich die staatlichen Richtlinien auf die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus? Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist Weißrussland ein unabhängiger Staat.

Cover „Höllensturz: Europa 1914 bis 1949“

Fachbuch

Höllensturz: Europa 1914 bis 1949

Ian Kershaw

Der britische Historiker Ian Kershaw untersucht in Höllensturz die Geschichte Europas in der Zeit von 1914 bis 1949. Er leistet darin eine Analyse von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft Europas, wobei der Fokus auf ethnischen Auseinandersetzungen, Klassenkonflikten, aggressivem Nationalismus und der Krise des Kapitalismus liegt (vgl. Rezension Randomhouse). Dabei arbeitet Kershaw immer wieder die nationalen Unterschiede der Länder aber auch ihre Gemeinsamkeiten knapp und klar heraus. Die Kolonialpolitik Europas wird in Höllensturz allerdings kaum untersucht (Vgl. FAZ vom 16.10.2016). Eine Besonderheit des historischen Panoramas ist die Hervorhebung von Einzelpersonen beziehungsweise Einzelschicksalen. Ian Kershaw, der bis zu seiner Emeritierung als Professor für Modern History an der University of Sheffield arbeitete, wurde vor allem mit seiner Biografie Adolf Hitlers bekannt. Sie gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung (veröffentlicht in zwei Teilen 1998 und 2000).

Buchcover "Dresden 1919: Die Geburt einer neuen Epoche", Herder Verlag

Sachbuch

Dresden 1919: Die Geburt einer neuen Epoche

Freya Klier

Die Autorin Freya Klier beschäftigt sich in ihrem Buch Dresden 1919: Die Geburt einer neuen Epoche mit der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg und dem Übergang zur Weimarer Republik. Dabei fokussiert sich Klier besonders auf die Stadt Dresden und wie die Menschen dort diesen Umbruch erlebten. 1919 trafen Kommunisten, Klassenkämpfer und Sozialdemokraten auf ein kaisertreues Bürgertum. Die Autorin zeichnet ein Zeitpanorama nach und bettet die Novemberrevolution in Dresden in die politische Chronik einer ganzen Epoche ein. Klier analysiert, wieso nicht nur Berlin und München bedeutsam waren für die Ereignisse 1919, sondern warum auch Dresden eine wichtige Rolle besaß. Die revolutionären Ereignisse in Dresden zeichneten sich vor allem durch ihren friedlichen Charakter aus und unterschieden sich dadurch deutlich von den Geschehnissen in anderen Städten. In ihrem Buch lässt die Autorin Zeitzeugen zu Wort kommen und zitiert aus den Tagebüchern von Victor Klemperer und Käthe Kollwitz. Dabei fokussiert sie sich auf die besonderen Merkmale der Revolution in Dresden: Wieso verlief die Revolution hier so friedlich? Wieso waren die Freikorps in Dresden nicht so brutal wie in Bayern oder dem Ruhrgebiet? Die Autorin zeichnet die Ereignisse 1919 in Dresden nach und liefert ein Zeitpanorama einer besonderen Revolution und geht der Frage nach, ob sich heute vergleichbare Muster in der Gesellschaft finden lassen.

Buchcover " #1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii"

Analyse

#1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii

Boris Kolonitski

2017 jährte sich die Russische Revolution von 1917 zum 100. Mal. Sie stellt eines­­ der einschneidendsten historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts dar. Anlässlich 100 Jahre Russische Revolution veröffentlichte der russische Historiker Boris Kolonitski den Sammelband #1917. Semnadcat’ očerkov po istorii Rossijskoj revoljucii. Der Band besteht aus insgesamt 17 Kapiteln, wobei jedes Kapitel einen Essay umfasst. Inhaltlich beschäftigen sich die Essays in chronologischer Reihenfolge mit den Ereignissen der letzten Jahre der Zarenherrschaft bis hin zum Januar 1918, als die Bolschewiki die verfassungsgebende Versammlung auflösten. Der Autor berücksichtigt in seinem Band auch Politik-, Sozial-, Kultur- und Alltagsgeschichte, wodurch die Revolutionszeit anschaulich aufbereitet wird. Die Ereignisse werden in ihren jeweiligen kulturgeschichtlichen Kontext und in die Mentalität der damaligen Zeit eingebettet. Die Essaysammlung eignet sich für Historiker und Wissenschaftler, aber auch für Nichtakademiker.

Cover des Buches "Bilder der Allmacht", Wallstein

Sammelband

Bilder der Allmacht. Die Staatssicherheit in Film und Fernsehen

Andreas Kötzing (Hg.)

Der Sammelband Bilder der Allmacht, herausgegeben von Andreas Kötzing, ist der Repräsentation von Organen der Staatssicherheit in Filmen über die DDR gewidmet. Häufig kommt dem MfS im Film eine zentrale Rolle zu, hinter der die Repräsentation des alltäglichen Lebens von Bürgerinnen und Bürgern in der DDR unterzugehen scheint. Wie wirkt sich eine solche Darstellung auf das Bild aus, welches die Filme über die DDR vermitteln? Was sind die narrativen Schwerpunkte dieser Filme? Welche historischen Aspekte werden bei einer so gewichteten Darstellung ausgespart? Dieser und einer Vielzahl weitere Fragen widmen sich die Beiträge in diesem Sammelband. Dabei sind sie in zwei Teile aufgeteilt: Kundschafter des Friedens? Selbst- und Feindbilder im Kalten Krieg; Zwischen politischen Aufarbeitung und medialer Unterhaltung: Filmische Inszenierungen der Staatssicherheit nach 1989/90. Dieser Band enthält Beiträge einer Tagung des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung Dresden, die sich überwiegend mit der Darstellung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Film- und Fernsehproduktionen beschäftigen.

Buchcover: Hannes Lachmann: Die "Ungarische Revolution" und der "Prager Frühling" Eine Verflechtungsgeschichte zweier Reformbewegungen zwischen 1956 und 1968, Essen: Klartext Verlag, 2017.

Fachbuch

Die "Ungarische Revolution" und der "Prager Frühling". Eine Verflechtungsgeschichte zweier Reformbewegungen zwischen 1956 und 1968

Hannes Lachmann

Hannes Lachmann widmet sich in deiner Studie den Ereignissen der Ungarischen Revolution und des Prager Frühlings. Lachmanns Analyse liefert eine neue Perspektive auf die beiden ausgiebig erforschten Reformbewegungen. Anstatt, wie bei vorherigen Studien oft geschehen, einen nationalgeschichtlichen Blickwinkel auf die jeweiligen Phänomene einzunehmen, bemüht sich Lachmann, die Verflechtungen zwischen den beiden Bewegungen zu beleuchten und daraus neue Erkenntnisse über die Erfolgsbedingungen von Reformprozessen in sozialistischen Gesellschaftssystemen abzuleiten. Die Studie gliedert sich in vier Kapitel, in denen der Autor zunächst die Situationen in Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei im Jahre 1956 darstellt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Ungarischen Revolution von tschechoslowakischer Seite. Im dritten analysiert Lachmann ungarische und tschechoslowakische Reformdynamiken im Laufe der 1960er-Jahre. Den Abschluss bildet das vierte Kapitel, welches die ungarische Sichtweise auf die Reformbestrebungen in der Tschechoslowakei darlegt. Das Buch erschien 2017 im Klartext-Verlag in der Reihe “Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa”.  

Buchcover "Communism. Political Systems of the World", Marshall Cavendish Verlag

Sachbuch

Communism. Political Systems of the World

Tom Lansford

Der Autor Tom Lansford beschäftigt sich in seinem Buch Communism. Political Systems of the World mit dem Kommunismus als einem politischen System. Er liefert einen Überblick darüber, wodurch sich Kommunismus als politisches System auszeichnet und nimmt dabei verschiedene weltweite kommunistische Regime in den Blick. Der Begriff des Kommunismus bezeichnet ein politisches, wirtschaftliches und soziales System, in dem die Regierung auf einer kollektiven Gesellschaft basiert und der Staat das Eigentum und die wirtschaftlichen Aktivitäten kontrolliert. Das größte Regime war die Sowjetunion mit ihren verbündeten Ostblockstaaten während des Kalten Krieges. In insgesamt neun Kapiteln erläutert Lansford unter anderem die wesentlichen Bestandteile eines kommunistischen Systems, geht auf historische Beispiele des Kommunismus ein und zieht einen Vergleich zwischen kommunistischen Regimen und anderen Regierungsformen. Ein Zeitstahl am Ende des Buches verdeutlicht die wesentlichsten Entwicklungen auf einen Blick.

Buchcover Wolfgang Leonhard: Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West

Fachbuch

Eurokommunismus. Herausforderung für Ost und West

Wolfgang Leonhard

Wolfgang Leonhard (1921–2014), einer der wichtigsten Kenner des sowjetischen Systems, untersucht in seinem Buch, welche Folgen der Bruch westeuropäischer kommunistischer Parteien mit der sowjetischen Führung Mitte der 1970er-Jahre hatte. Er beschreibt die Entwicklung insbesondere der italienischen und spanischen KP und die verschiedenen Wege der Sozialdemokratisierung dieser Parteien. Für die Sowjetunion sei die starke Ablehnung, die ihr von Seiten vieler Eurokommunisten entgegenschlage, eine Herausforderung. Für die westlichen Industriestaaten liege die Herausforderung des Eurokommunismus vor allem in der Entstehung einer neuen Linkspartei, die sich einerseits klar vom Sowjetkommunismus abgrenze, andererseits aber wirtschafts- und sozialpolitische Reformen des kapitalistischen Systems anstrebe.

Buchcover Borys Lewytzkyj: Die Kommunistische Partei der Sowjetunion. Porträt eines Ordens

Fachbuch

Die Kommunistische Partei der Sowjetunion. Porträt eines Ordens

Borys Lewytzkyj

50 Jahre nach der Oktoberrevolution beschreibt Borys Lewytzkyj die Entwicklung der KPdSU und ihre Funktion beim Aufstieg der Sowjetunion zur zweitstärksten Weltmacht. Lenins Partei von „Berufsrevolutionären“ bezeichnet er in seiner Studie als eine nach dem Vorbild religiöser Orden strukturierte Organisation. Ihre Elite, die jedoch – anders als in der Lehre von Marx und Engels – nicht aus der Arbeiterklasse stammte, sollte den Kern der sozialistischen Bewegung darstellen. Den Mitgliedern dieses „Ordens“, die auf den Marxismus eingeschworen waren, kam die Aufgabe zu, die kommunistischen Ideen und den Willen der Partei unter dem sowjetischen Volk zu verbreiten.

Buchcover Richard Löwenthal: Chruschtschow und der Weltkommunismus

Fachbuch

Chruschtschow und der Weltkommunismus

Richard Löwenthal

Der Politikwissenschaftler Richard Löwenthal (1908–1991) hat eine Studie über die Außenpolitik des Staatschefs und Führers der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Nikita Chruschtschow, vorgelegt. Er beschreibt zudem die Netzwerke kommunistischer Parteien auf der ganzen Welt, ihre Beziehungen untereinander und zur KPdSU sowie zu den Staaten, in denen sie existieren. Einen Fokus legt Löwenthal auf das Verhältnis Chruschtschows zu Mao Zedong und Josip Tito. Löwenthal bezeichnet die Geschichte der kommunistischen Bewegung als Kritik an ihrer eigenen Ideologie durch die Realität. Auch deshalb schwinde die Autorität der KPdSU derzeit, erklärt Löwenthal, und die kommunistischen Parteien würden demokratischer werden, zumindest in Westeuropa.

Online-Plattform | Zeitschrift

Mass Violence and Resistence - Research Network

Mass Violence and Resistence - Research Network

Das Portal Mass Violence & Resistance (MV&R) ist ein interdisziplinäres Online-Journal, das sich mit den Themen Massengewalt, Völkermord sowie lokalem Widerstand im 20. und 21. Jahrhundert beschäftigt. Der Fokus liegt auf der Vermittlung von zuverlässigen Informationen über schwer zu dokumentierende Ereignisse, die in der individuellen und kollektiven Erinnerung verwurzelt sind und damit Einfluss nehmen auf aktuelle politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Ziel ist es, Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Repression und Widerstand zu gewinnen. Die hauptsächlich französischsprachigen Beiträge verbinden empirische Forschung zu historischen Ereignissen mit theoretischen Überlegungen darüber, wie diese erinnert werden. Sie durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren und richten sich sowohl an eine akademische als auch an die breite interessierte Leserschaft.

Buchcover „From Stalin to Mao. Albania and the Socialist World“, Cornell University Press.

Monographie | Fachbuch

From Stalin to Mao. Albania and the Socialist World

Elidor Mëhilli

Die Monografie From Stalin to Mao. Albania and the Socialist World von Elidor Mëhilli erzählt von der Geschichte und Entwicklung Albaniens und seinen Verbindungen zum internationalen Sozialismus in Osteuropa und China. Von 1944 bis 1985 wurde Albanien von dem kommunistischen Diktator Enver Hoxha regiert. Zunächst ging Albanien ein Bündnis mit Jugoslawien unter Tito ein, welches aber 1948 zerbrach. Nach dem Bruch Albaniens mit der Sowjetunion 1961 folgte eine stärkere Anlehnung an die Volksrepublik China. Erst 1990 wurde das kommunistische Regime in Albanien gestürzt. Mëhilli liefert mit seinem Werk einen wesentlichen Beitrag, die historische Entwicklung des kommunistischen Albaniens nachzuvollziehen und beleuchtet damit eine der am wenigsten umfassend verstandenen Diktaturen Europas. Das Werk analysiert die unterschiedlichen Bündnisse Albaniens, angefangen bei der italienischen Besatzung 1939, der Abspaltung von Jugoslawien bis hin zur Sowjetisierung des Landes. Der Autor zeichnet die Entstehung und Entwicklung des Sozialismus in Albanien nach und bezieht dabei die regionalen und transnationalen Kontextfaktoren mit ein. Seine Analyse verknüpft er mit geopolitischen Gesichtspunkten. Das Werk besteht aus insgesamt sechs chronologisch gegliederten Kapiteln.