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Cover des Buches "Soviet Russians under Nazi Occupation. Fragile Loyalties in World War II", Cambridge University Press

Monographie

Soviet Russians under Nazi Occupation. Fragile Loyalties in World War II

Johannes Due Enstad

Johannes Due Enstads Buch Soviet Russians under Nazi Occupation befasst sich mit der Haltung der sowjet-russischen Bevölkerung zur Besatzung Nord-West-Russlands durch die Truppen der deutschen Wehrmacht. Die Analyse Enstads dreht sich dabei vor allem um Fragen der Loyalität. Während die russische Erinnerungskultur um das Narrativ des "Großen Vaterländischen Krieges" kreist, in dem sich Sowjetbürgerinnen und -bürger kollektiv den faschistischen Besatzern entgegenstellten, zeichnet Enstad ein anderes Bild: besonders in wirtschaftlich schwachen und ruralen  Regionen ist Loyalität zu einer Regierung oder einer Ideologie nicht stabil, sondern orientiert sich vielmehr an der Hoffnung auf eine Verbesserung der eigenen Lebensumstände. Dementsprechend stand die Bevölkerung der deutschen Wehrmacht nicht ausschließlich ablehnend gegenüber, sondern erhoffte sich nach Jahren des stalinistischen Terrors, Zwangskollektivierungen und wirtschaftlicher Notlage eine Stabilisierung der eigenen Situation. Wurde diese Erwartung zwar enttäuscht, zeigt Enstads Analyse doch, dass sowjetische Identität kein so stabiles und unumstößliches Konzept war, wie es das offizielle Narrativ nach dem Zweiten Weltkrieg darzustellen versuchte.

Buchcover Ruth Fischer: Von Lenin zu Mao. Kommunismus in der Bandung-Ära

Fachbuch

Von Lenin zu Mao. Kommunismus in der Bandung-Ära

Ruth Fischer

Ruth Fischer (1895–1961) war kurze Zeit Vorsitzende der KPD, aus der sie 1926 auf Geheiß Moskaus ausgeschlossen wurde. Von den Nationalsozialisten und Stalin verfolgt, entwickelte sie sich im US-amerikanischen Exil zur Antikommunistin. In den 1950-er Jahren suchte sie Anschluss an die undogmatische Linke. In dem Buch skizziert sie die Entwicklungen in der Sowjetunion von Lenin bis zum 20. Parteitag der KPdSU 1956 und untersucht die Beziehungen des Kreml zu den nationalrevolutionären Bewegungen und kommunistischen Parteien Asiens. Sie vertritt die These, dass das Bündnis mit den antikolonialen Bewegungen in Afrika und Asien den sowjetischen Kommunismus entscheidend beeinflusst habe.

Buchcover „Energy Infrastructures in the Eastern Bloc. Poland and the Construction of Transnational Electricity, Oil, and Gas Systems“, Harrassowitz Verlag.

Monographie

Energy Infrastructures in the Eastern Bloc. Poland and the Construction of Transnational Electricity, Oil, and Gas Systems

Falk Flade

Der Autor Falk Flade beschäftigt sich in seiner Monografie Energy Infrastructures in the Eastern Bloc. Poland and the Construction of Transnational Electricity, Oil, and Gas Systems mit den ökonomischen Verhältnissen zur Zeit des Kalten Krieges. Flade analysiert vor allem die Energieflüsse des ehemaligen kommunistischen Ostblocks und fokussiert sich dabei auf Polen und den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Die Studie zeichnet die Entstehung und den Betrieb von grenzüberschreitenden Energienetzen in Osteuropa nach und analysiert die transnationalen Strom-, Öl- und Gasübertragungssysteme. Zeitlich konzentriert sich die Analyse vor allem auf die sozialistische Zeit von den 1940er-Jahren bis zu Beginn der 1990er-Jahre. Der Autor nimmt besonders auf die Entstehung und Durchführung von drei Großprojekten des RGWs Bezug: Er vergleicht die Entstehung des Elektrizitäts-Netzwerk Mir, die der Erdölpipeline Druzhba und die der Erdgaspipeline Sojus miteinander. Anhand dieser drei Projekte erläutert Flade die Geschichte der wirtschaftlichen Kooperation und deren Hindernisse in Ost- und Mitteleuropa und bezieht auch andere Staaten des ehemaligen Ostblocks, unter anderem die DDR, die Sowjetunion und die Tschechoslowakei mit in seine Analyse ein.  

Cover des Schwerpunkthefts: An den Rändern der Revolution: Marginalisierung und Emanzipation im europäischen Revolutionszyklus ab 1917

Zeitschrift

An den Rändern der Revolution: Marginalisierung und Emanzipation im europäischen Revolutionszyklus ab 1917

Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. (Hrsg.)

Das dritte Heft im Jahre 2017 der Laborhistory Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte widmet sich den Auswirkungen der russischen Oktoberrevolution auf wenig bekannte linke und kommunistische Bewegungen in Europa der Zwischenkriegszeit. Die sechs Beiträge bilden unterschiedliche kurze Fallstudien verschiedener europäischer Regionen als auch verschiedener linker Bewegungen. Basisbewegungen und spontane Aktionen ebenso wie Parteien und Organisationen aus der Schweiz, Irland, Spanien und Österreich werden untersucht und analysiert. Das Heft möchte zum 100. Jahrestag den Blick weg vom Proletariat auf "nationale  Minderheiten, eine radikalisierte Frauen- und Jugendbewegung, bürgerliche Intelligenz und künstlerische Avantgarden" und andere marginalisierte Gruppen lenken und "verschüttete Aufbrüche und uneingelöste  Versprechen" frei legen, so die Herausgeber in der Einleitung. 

Cover des Buches "1919: Ein Kontinent erfindet sich neu", Reclam

Fachbuch

1919: Ein Kontinent erfindet sich neu

Birte Förster

In ihrem Buch „1919: Ein Kontinent erfindet sich neu“ widmet sich die Historikerin Birte Förster den zahlreichen Neuanfängen, die Europa nach Ende des Ersten Weltkrieges prägen. Mit Ende des Krieges wird eine Aufbruchsphase eingeleitet, in der alles möglich erscheint: Staaten, Organisationen und Parteien werden neu gegründet, es wird über demokratische Werte und Gleichberechtigung der Geschlechter debattiert.  Die Ideen der Russischen Revolution verbreiten sich rasant, Lenin gründet in Moskau die Dritte Kommunistische Internationale, und auch die Novemberrevolution in Deutschland ist stark von den Ideen der Russischen Revolution zwei Jahre zuvor geprägt. Neben der Politik vollziehen sich auch in anderen Bereichen wie Wissenschaft, Kunst und Kultur wegweisenden Entwicklungen. Die Autorin zeichnet ein umfassendes Bild der Epoche und lässt dabei auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie Harry Graf Kessler, Virginia Woolf, Viktor Klemperer, Käthe Kollwitz und Franz Kafka zu Wort kommen. Birte Förster, geb. 1973, ist Historikerin und lehrt an der Technischen Universität Darmstadt sowie an der Universität Bremen; sie schreibt u. a. für die FAZ.

Buchcover

Analyse

Der Antikommunismus in seiner Epoche

Norbert Frei, Dominik Rigoll (Hrsg.)

Die Beiträge des Bandes „Der Antikommunismus in seiner Epoche“ sind das Ergebnis eines Symposiums, das vom Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem Imre Kertész Kolleg veranstaltet wurde. Der Fokus des Symposiums lag auf der Frage, wie der Antikommunismus seine langfristige Wirkungsmacht entfalten und zu einem gemeinsamen Nenner für politische Akteure werden konnte, die sonst mehr trennte als verband. Damit unterscheidet es sich von vielen Arbeiten zum Thema, die tendieren, auf Personalien wie Joseph McCarthy oder auf den Antikommunismus in internationalen Netzwerken und Organisationen zu fokussieren. Der Band ist in drei Teile gegliedert: Antikommunismus im Entstehen; Antikommunismus als Weltanschauung; Antikommunismus an der Macht. Der Band versammelt Beiträge von Anselm Doering-Manteuffel, Norbert Frei, Robert Gerwarth, Grzegorz Krzywiec, Christian Methfessel, Jörg Nagler, Amadeo Ost Guerazzi, Attila Pók, Anson Rabinbach, Dominik Rigoll, Axel Schildt, Iris Schröder, Stefanie Schüler-Springorum, Thomas Schwartz, Siegfried Weichlein und Michael Wildt.

Buchcover François Furet: Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert

Fachbuch

Das Ende der Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert

François Furet

Der französische Historiker François Furet (1927–1997) möchte mit seinem 700 Seiten langen Essay den Kommunismus entmythologisieren. Er geht der Frage nach, wie diese Idee Menschen im 20. Jahrhundert begeistern und verblenden konnte. Insbesondere die Rolle der Intellektuellen nimmt er dabei in den Blick. Furet, der bis zum Ungarn-Aufstand 1956 selbst Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs war, hält die Französische Revolution für das Paradigma der Moderne, deren Wiedergeburt viele Intellektuelle im Kommunismus gesehen haben. Den „Antifaschismus“ betrachtet er als einen kommunistischen Mythos, den Stalin ebenso instrumentalisiert habe wie die Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Deutschland. Furet vergleicht Kommunismus und Faschismus, um die Anziehung der kommunistischen Idee zu erklären. Bei vielen Unterschieden sei beiden Ideologien die Vorstellung von Kollektivität gemeinsam gewesen, Stalin habe das Bürgertum bekämpft und Hitler die Juden ausrotten wollen.

Logo der Stiftung Ettersberg

Sammelband

Die Oktoberrevolution 1917: Vom Ereignis zum Mythos

Jörg Ganzenmüller und Franz-Josef Schlichting (Hrsg.)

Als Auftaktveranstaltung zu einer Reihe anlässlich des Jahrestages der russischen Oktoberrevolution luden die  Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und die Stiftung Ettersberg am 25. März 2017 zu einem Tagesseminar nach Erfurt ein. Die Ergebnisse dieser Tagung liegen nun in Form eines Sammelbandes vor. Fünf Aufsätze stellen die Ereignisse in Russland 1917 und ihre Wirkung bis in die Gegenwart dar. Der Beitrag von Franziska Schedewie betrachtet die konstitutionell-demokratische Entwicklung in Russland im Vorfeld der Revolution. Helmut Altrichter stellt Akteure und den Verlauf des Umsturzes im Zentrum vor, während Jörn Happel die Revolution in der Peripherie des imperialen Russlands in den Blick nimmt. Alexander Schwarz analysiert die Erinnerung an die Oktoberrevolution in der Sowjetunion und der DDR, bevor Ekaterina Makhotina mit einem Blick auf die heutige Erinnerungskultur in Russland schließt. Die renommierten Expertinnen und Experten bieten einen kompakten Überblick zu den Ereignissen 1917 und untersuchen, wie die Revolution zum Mythos in der Erinnerungskultur geworden ist.

Buchcover

Fachbuch

Ein Prozess in Prag. Das Volk gegen Rudolf Slánský und Genossen

Jan Gerber

Jan Gerber nähert sich dem größten und letzten stalinistischen Schauprozess, der in Prag im November 1952 gegen den ehemaligen Generalsekretär Rudolf Slánský und 13 weiteren Funktionären der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei geführt wurde, aus einer neuen Perspektive: In einem lebensgeschichtlichen Zugang untersucht er die Biografien der zwei nicht angeklagten kommunistischen Schriftsteller Franz Carl Weiskopf und Louis Fürnberg, um zu analysieren, warum nur sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Befreiung von Auschwitz ein Prozess geführt wurde, in dem zehn von dreizehn Angeklagten Juden waren. Der Autor zeigt, dass der Prozess nicht nur auf Initiative Stalins zurückging, sondern zu einem Großteil eine Fortführung der Nationalitätenkonflikte der Zwischenzeit darstellte. Die Biografien von Weiskopf und Fürnberg bilden die Untermauerung seiner These, dass die Herkunft aus dem deutschsprachigen Bürgertum für die Angeklagten neben ihrem jüdischen Hintergrund am schwersten wiegte. Jan Gerber leistet auf diese Weise einen lohnenswerten Beitrag zur Interpretation des Prozesses um Rudolf Slánský, der bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen war.

Buchcover "Wie kann denn der Sieger ein Verbrecher sein?", ibidem Verlag.

Monographie

„Wie kann denn der Sieger ein Verbrecher sein?“ Eine diskursanalytische Untersuchung der russlandweiten Debatte über Konzept und Verstaatlichungsprozess der Lagergedenkstätte „Perm’-36“ im Ural

Anke Giesen

Anke Giesen setzt sich in ihrer Monografie "Wie kann denn der Sieger ein Verbrecher sein?" Eine diskursanalytische Untersuchung der russlandweiten Debatte über Konzept und Verstaatlichungsprozess der Lagergedenkstätte „Perm’-36“ im Ural mit der Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit auseinander. Perm´-36 ist die einzige Gedenkstätte in Russland, die sich auf dem Gelände eines ehemaligen Arbeitslagers befindet. Ziel des Museums ist es, das ehemalige Arbeitslager als ein historisches Zeitzeugnis und Dokument zu erhalten und über die politische Repression während der kommunistischen Diktatur unter Josef Stalin aufzuklären. Die Gedenkstätte erinnert an die Gewalt und den Terror des sowjetischen Systems und beeinflusst die Erinnerungskultur. 2014 ging die Leitung der Gedenkstätte von einer NGO über in staatliche Hand, wodurch tiefgreifende Veränderungen an der Ausstellung vorgenommen wurden. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Anke Giesen in ihrer Studie. Die Autorin analysiert unter anderem die unterschiedlichen und divergierenden „Gedächtnisinteressen“ innerhalb der russischen Bevölkerung und bildet die verschiedenen Facetten der Debatte über die Gedenkstätte ab. Der Leser bekommt einen Einblick in die russische Erinnerungskultur und die machtpolitischen Gegebenheiten und wie diese die Erinnerungskultur und ihre Entwicklung beeinflussen.

Cover des Buches "To See Paris and Die", Harvard University Press

Fachbuch

To See Paris and Die: The Soviet Lives of Western Culture

Eleonory Gilburd

"To See Paris and Die" ist ein Buch der amerikanischen Historikerin Eleonory Gilburd. Es widmet sich der Sowjetunion nach Stalins Tod im Jahr 1953. Während sich ein Großteil der Veröffentlichungen, die sich mit dieser Epoche sowjetischer Geschichte beschäftigen, auf den Machtkampf um Stalins Nachfolge sowie die gesellschaftlichen Prozesse der Destalinisierung konzentrieren, ist diesen Buch den kulturellen Besonderheiten dieser Zeit gewidmet. Bis zu Stalins Tod sind westliche Kulturimporte aus dem kapitalistischen Ausland rar gesät. Mitte der 1950er-Jahre strömt dann eine große Anzahl westlicher Romane, Filme und Kunstwerke in die Sowjetunion: von Erich-Maria Remarque und Ernest Hemingway über Pablo Picasso und Rockwell Kent bis hin zu J.D. Salinger stellen die Werke den sowjetischen Konsens – über Kultur, Werte, und Gesellschaft – in Frage. Die Autorin analysiert die vielschichtigen Konsequenzen, die diese Dynamiken auf die Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion hatten. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Übersetzung der jeweiligen Werke ins Russische und das Bild der Schaffenden, das infolge der jeweiligen Übersetzungen in der Sowjetunion prägend wurde. Eleonory Gilburd ist Assistant Professor für Geschichte an der University of Chicago. 

Sammelband

Das Ende des Kommunismus die Überwindung der Diktaturen in Europa und ihre Folgen

Thomas Großbölting, Raj Kollmorgen und Sascha Möbius (Hrsg.)

Das Ende des Kommunismus die Überwindung der Diktaturen in Europa und ihre Folgen ist ein Sammelband, der von Thomas Großbölting, Raj Kollmorgen und Sascha Möbius herausgegeben wurde. Er versammelt zwölf Beiträge Autoren aus unterschiedlichen Regionen sowie unterschiedlichen akademischen Disziplinen. Sie alle widmen sich den Folgen des Jahres 1898, als nach und nach die Länder Mittel- und Osteuropas einen Systemwechsel weg von sozialistischen Herrschaftssystemen vollzogen. Während der fundamentale Umbruch hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Systeme, der damit einherging, von vielen als abgeschlossen betrachtet wird, so bietet die Analyse dieser einschneidenden Ereignisse und ihrer Folgen weiterhin Anlass zur Debatte und zum Austausch. Dazu möchte der Band beitragen indem er die Transformationsphase – das Ende des Kommunismus – in den Fokus nimmt und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Aufarbeitung der totalitären Vergangenheit legt.

200 Jahre Karl Marx: Was wurde aus der kommunistischen Idee, Onlinedossier der Epoch Times Deutschland, Screenshot auf http://www.epochtimes.de/themen/kommunistische-idee-heute-und-gestern

Onlinedossier

200 Jahre Karl Marx: Was wurde aus der kommunistischen Idee

Epoch Times Deutschland

Die Epoch Times Deutschland präsentiert aus Anlass des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution den Themenschwerpunkt „200 Jahre Karl Marx: Was wurde aus der kommunistischen Idee“. Die Online-Zeitung zählt zur internationalen Epoch-Times-Gruppe, die mit der Herausgabe der chinesischsprachigen Zeitung Da Ji Yuan im Jahre 1999 in New York als Reaktion auf die Unterdrückung von Falun Gong und die damit verbundene Medienzensur in China von Falun Gong nahestehenden Aktivisten gegründet wurde, so Wikipedia. Der Themenschwerpunkt fasst neue und alte Artikel zusammen, darunter Beiträge zur Genese der kommunistischen Ideologie, zur Stasi sowie zum „Karl-Marx-Denkmal“, das China der Stadt Trier aus Anlass des 200. Geburtstages von Marx im Jahr 2018 geschenkt hat. Weitere Texte widmen sich u.a. der New York Times, der eine Idealisierung der kommunistischen Ideologie vorgeworfen wird, sowie der Analyse der US-amerikanischen Nachrichten- und Meinungswebseite Breitbart News, dass „Trumps Angriff auf die Globalisierung [den] Weltsozialismus beenden“ werde.

Buchcover Sheila Fitzpatrick: Stalins Mannschaft. Teamarbeit und Tyrannei im Kreml, Ferdinand Schöningh

Sachbuch

Stalins Mannschaft. Teamarbeit und Tyrannei im Kreml

Sheila Fitzpatrick

Die US-amerikanische Historikerin und Expertin für sowjetische Geschichte, Sheila Fitzpatrick, zeigt in ihrem Buch "Stalins Mannschaft", wie Stalin gemeinsam mit einer hinter ihm stehenden Gruppe von loyalen Anhängern seit Ende der 1920er-Jahre, die stalinistische Diktatur aufbaute und prägte. Sie widerlegt damit die These, dass die sowjetische Führung nur aus Statisten und Ergebenen eines unumstrittenen Diktators bestand. Fitzpatrick nimmt die Männer neben Stalin genau in den Blick: den Geheimdienstchef Lawrenti Beria, den Regierungschef und Außenminister Wjatscheslaw Molotow, den engen Vertrauten und Minister Grigori Ordshonikidse sowie den Chef der Parteikontrollkommission Andrej Andrejew. Dabei eröffnet sie einen neuen Blick auf das stalinistische System, in dem die Gefolgsleute Stalins, die sein soziales Umfeld ausmachten, diesen fürchteten und bewunderten, erheblich zu dem Klima der Paranoia und der Herrschaft des Terrors beitrugen.

Cover: Ossip Kurt Flechtheim: Weltkommunismus im Wandel, Berlin: Verlag Europäische Ideen 1977.

Fachbuch

Weltkommunismus im Wandel

Ossip Kurt Flechtheim

Der Jurist, Politikwissenschaftler, Hochschullehrer und Autor Ossip Kurt Flechtheim (1909–1998) war bis 1933 Mitglieder der Kommunistischen Partei in Deutschland und schloss sich danach einer Splitterorganisation der Sozialdemokraten an. 1939 emigrierte er in die USA und kehrte in den 1950er-Jahren nach Deutschland zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1974 an der Freien Universität Berlin lehrte und forschte. Dieses Buch ist eine Sammlung von Essays, die Flechtheim zwischen 1936 und 1964 geschrieben hat. Sie haben die kommunistische Weltrevolution, die historischen und sozialen Bedingungen des Bolschewismus sowie dessen Ideologie zum Thema. Flechtheims zentrale These ist, dass sich im Lauf des 20. Jahrhundert der Weltkommunismus „entrevolutioniert“, „differenziert“ und schließlich „domestiziert“, d.h. sich von seinem totalitären Erbe befreien werde.

Logo der Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte, Cover von Schwerpunktheft: Judentum und Revolution Der Weltverband Poale Zion zwischen Zionismus und Kommunismus, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien 2017/II.

Zeitschrift

Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien

Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. (Hrsg.)

Der Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. besteht bereits seit 1991 in Berlin und möchte die politische Bildung, wissenschaftliche Forschung und Publikationen zur Geschichte der Arbeiterbewegung und anderer sozialer Bewegungen fördern. Hierfür gab der Verein von 2002 bis 2015 das JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung heraus. 2016 kam es zu einem relaunch der Zeitschrift. Seitdem erscheint sie dreimal jährlich im Berliner Metropol Verlag unter dem Titel Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien. Die wissenschaftliche Zeitschrift widmet sich dem weiten Feld der Laborhistory. Die Geschichte der Arbeiterbewegung und anderer demokratischer Bewegungen stehen genauso wie Aspekte der Alltags- und Sozialgeschichte im Fokus der Beiträge. Die Redaktion arbeitet ehrenamtlich und hat ihren Sitz ebenfalls in Berlin. In der Zeitschrift publizieren Nachwuchswissenschaftler neben renommierten Experten und Expertinnen. Jedes Heft widmet sich einem Schwerpunkt.

Cover des Buches "Verfassungswidrig!", , Verlag Vandenhoeck & Ruprecht

Fachbuch

Verfassungswidrig! Das KPD-Verbot im Kalten Bürgerkrieg

Josef Foschepoth

Mit dem Verbotsverfahren gegen die KPD betrachtet Josef Foschepoth in seinem neuen Buch das bis heute langwierigste und umstrittenste Parteiverbotsverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Da grundlegende Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verletzt worden seien, hält der Historiker das Verbot der Partei durch das Bundesverfassungsgericht im August 1956 letztlich selbst für verfassungswidrig. In einem „Staatsprozess“ seien, so Foschepoth, die taktischen und inhaltlichen Einzelheiten des Urteils zwischen der Bundesregierung und dem Bundesverfassungsgericht bis in Einzelheiten abgesprochen und damit die Gewaltenteilung verletzt worden. Bis 1969 arbeitete die Partei illegal in der Bundesrepublik weiter und diente zugleich der SED als Instrument ihrer Westpolitik. Da weder der Osten noch der Westen an einer Wiederbelebung der KPD interessiert war, wurde mit der DKP eine neue kommunistische Partei ins Leben gerufen, die wiederum zum Instrument im Kalten Krieg wurde. Ergänzt wird Verfassungswidrig! Das KPD-Verbot im Kalten Bürgerkrieg durch eine umfangreiche Dokumentation bislang unveröffentlichter Quellen. 

Buchcover

Fachbuch

Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland

Anita Friedetzky und Rainer Thormann

Das Buch „Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland“ von Anita Friedetzky und Rainer Thormann betrachtet Organisationsformen russischer Arbeiter im Russland des frühen 20. Jahrhunderts. Während diese sich in den meisten anderen Ländern zu dieser Zeit in Parteien und Gewerkschaften organisieren, entwickeln sich in Russland bereits Fabrikkomitees, die von den Belegschaften direkt gewählt werden. Im Buch liegen die Protokolle des Fabrikkomitees der Putilow-Werke erstmals auf Deutsch vor. Die Werke mit Sitz im heutigen St. Petersburg sind bereits damals einer der bedeutendsten Schwerindustriebetriebe Russlands. Hier finden im Februar 1917 Streiks und Demonstrationen statt und lösen eine Verkettung weiterer Ereignisse aus, die schließlich zur Februarrevolution werden. Nach der Oktoberrevolution werden die Werke in „Werk Roter Putilow“ und 1934 schließlich in „Kirow-Werke“ umbenannt. Unter diesem Namen besteht die Fabrik bis heute. Das Buch erscheint im Buchmacherei Verlag in der Rubrik „Konkrete Utopien als Lernprozess“.

Buchcover

Aufsatzsammlung

Endgames? Late Communism in Global Perspective: 1968 to the Present

Juliane Fürst, Silvio Pons, Mark Selden

“Endgames? Late Communism in global perspective 1968 to the present” ist das dritte Buch der dreiteiligen Reihe “The Cambridge History of Communism”. Die Beiträge beschäftigen sich mit dem Zeitraum der 1960er-Jahre bis heute, welcher vom Ende sozialistischer Regime in Osteuropa, dem Zerfall der Sowjetunion und dem Beginn einer neuen Weltordnung nach Ende des Kalten Krieges  geprägt ist. In den 1960er-Jahren wurden noch weite Teile der Welt von kommunistischen Regimen regiert; kommunistische Parteien spielten eine wichtige Rolle in der westlichen Welt. Heute, hundert Jahre nach der Oktoberrevolution, ist davon nur noch wenig übrig. International scheint der Kommunismus nur noch in Form von formal kommunistisch regierten Ländern wie Vietnam oder Kuba eine Rolle zu spielen. Nichtsdestotrotz hat die Hochphase des Kommunismus Spuren in (Geo)Politik, Gesellschaft und Kultur hinterlassen. Anspruch der Buchreihe ist es, die Geschichte des Kommunismus in den größeren Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Das umfangreiche Referenzwerk versammelt zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Kommunismus und stellt den immensen internationalen  Einfluss kommunistischer Ideen und Bewegungen auf die politischen und gesellschaftlichen Prozesse des 20. Jahrhunderts dar.

Cover des Buches "Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution und Freiheitskampf in einem geteilten Europa", Tyrolia-Verlag

Fachbuch

Ungarn 1956 - Aufstand, Revolution und Freiheitskampf in einem geteilten Europa

Michael Gehler, Erich Lessing

In Ungarn 1956. Aufstand, Revolution und Freiheitskampf in einem geteilten Europa hält der Fotograf Erich Lessing den Aufstand Ungarns gegen den Kommunismus in beeindruckenden Bildern fest, der Historiker Michael Gehler beschreibt in einem Essay die Ereignisse in Ungarn 1956 und erläutert deren Bedeutung für Europa und liefert umfassende Hintergrundinformationen zu Lessings Fotografien. Der ungarische Volksaufstand begann am 23. Oktober 1956 als bürgerlich-demokratische Revolution, die sich gegen die repressive Politik der kommunistischen Regierung und gegen die Besetzung des Landes durch die sowjetische Armee richtete. Dem Aufstand schloss sich ein Teil der kommunistischen Führung an. Es wurde eine Mehrparteienregierung mit der sozialdemokratischen Partei gebildet und Ungarn verließ den Warschauer Pakt. Im November 1956 wurde der Aufstand von Truppen der Sowjetunion niedergeschlagen. Damit scheiterte der Versuch, einen kommunistisch geführten Staat von innen zu reformieren. Die Fotografien von Erich Lessing zeigen Ungarn 1956 in den Tagen vor dem Aufstand, Momente des Aufstands selbst und schließlich auch dessen Niederschlagung und die Überlebenden dessen. Ungarn im Jahr 1956 befand sich zwischen Begeisterung und Rachsucht. Diese hält der Fotograf in lebhaften und eindrucksvollen Bildern fest. Die Fotografien zählen heute zu den Meilensteinen der Reportagefotografie.

Fachbuch

Die größte aller Revolutionen. November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit

Robert Gerwarth

In seinem Buch "Die größte aller Revolutionen. November 1918 und der Aufbruch in eine neue Zeit" geht der Autor Robert Gerwarth der Frage nach, wie die Novemberrevolution 1918/1919 zu bewerten sei. Eine gängige Meinung von Historikern ist, dass die Revolution ihre Ziele nicht erreicht habe und dementsprechend gescheitert sei: die Verfassung der Weimarer Republik, welche aus der Revolution entstand, habe die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedingt und ermöglicht. Dieser Deutung widerspricht Gerwarth und hebt stattdessen hervor, was die Novemberrevolution erreicht hat: das Ende der Monarchie sowie den ersten deutsche Nationalstaat. Der Autor analysiert, wie umfassend und nachhaltig die Ereignisse des Winters 1918/19 Deutschland verändert haben. Sein Fokus liegt dabei auf der Zeit zwischen den letzten Kriegsmonaten 1918 und dem Hitlerputsch 1923.

Buchcover: Hannes Giessler Furlan: Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie, Springe: zu Klampen Verlag 2018.

Fachbuch

Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie

Hannes Gießler Furlan

In „Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie“ sucht Autor Hannes Gießler Furlan nach den Ursachen, die die Ideen des Kommunismus in den zahlreichen Versuchen seiner praktischen Umsetzung zu totalitären Systemen verkommen ließen. Gießler verortet diese Ursachen in den ökonomischen Grundannahmen des Kommunismu, die nach einer Reorganisation der Produktionsverhältnisse verlangen. Der Kernbegriff, auf den Gießler seine Analyse stützt, ist der der Akkumulation. Während kapitalistische Gesellschaften nach einer Akkumulation des Kapitals verlangen, habe die Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft eine sozialistische Akkumulation verlangt. Die hierfür notwendige Umstrukturierung der Produktionsverhältnisse wurde in der agrargesellschaftlichen Sowjetunion unter anderem durch die Enteignung von Bauern umgesetzt. Gießler stellt dar, wie die dominante Idee des Kommunismus – die Veränderung der Produktionsverhältnisse – als eine der Ursachen für sein Abdriften in totalitäre Herrschaftssysteme verstanden werden kann.

Buchcover

Fachbuch

Hunger and War. Food Provisioning in the Soviet Union during World War II

Wendy Z. Goldman, Donald Filtzer (Hrsg.)

Der Sammelband Hunger and War. Food Provisioning in the Soviet Union during World War II beschäftigt sich mit der staatlichen Lebensmittelversorgung in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges und mit deren Auswirkungen auf die sowjetische Gesellschaft. In fünf Beiträgen zeichnen die Autoren nach, wie die mangelnde Versorgung einen zentralen Aspekt der gesellschaftlichen Dynamiken ausmacht. Während die Hungerkatastrophe der Leningrader Blockade in den öffentlichen Erinnerungsdiskurs eingeht, wird die darüber hinaus ebenso desaströse Versorgungslage von der sowjetischen Regierung nie öffentlich thematisiert. Während der Belagerung von Leningrad verhungern schätzungsweise zwischen 700 000 und 1 Million Menschen. Die Katastrophe von Leningrad solle, so ein Argument des Bandes, allerdings nicht als einzelnes Ereignis betrachtet werden, sondern als Teil eines größeren Kontinuums, in dem sich die Versorgungslage in den besetzten Gebieten der Sowjetunion zunehmend verschlechterte, bis eine Versorgung der Bevölkerung durch den Staat nicht mehr gewährleistet werden konnte. Die Beiträge von Wendy Goldman, Brandon Schechter, Alexis Peri, Rebecca Manley und Donald Filtzer beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und erlauben somit eine neue Sicht auf die Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs.

Buchcover

Analyse

Die Ära Stalin. Leben in einer totalitären Gesellschaft

Mark Grosset, Nicolas Werth

Selten hat ein Land in so kurzer Zeit einen so radikalen Umbau seiner Gesellschaft erlebt, wie die Sowjetunion in den Jahren von Stalins Herrschaft. Der rückständige Agrarstaat entwickelte sich innerhalb von zehn Jahren zu einer industriellen Großmacht, die dem rassistischen Vernichtungskrieg Hitler-Deutschlands standzuhalten vermochte. Dennoch gilt Stalin nach Hitler als das "größte menschliche Ungeheuer der Geschichte". Während seiner Gewaltherrschaft verloren mehr als 20 Millionen Menschen ihr Leben, gleichzeitig wurde er zum Übervater stilisiert, zum allwissenden und gerechten Lenker des Sowjetvolkes. Der Fotojournalist Mark Grosset und der Historiker Nicolas Werth haben mit diesem Bildband 250 unveröffentlichte Fotos aus sowjetischen Archiven zusammengetragen und kommentiert. Das Buch erzählt die Geschichte der Sowjetunion unter Stalin, gezeigt wird das offizielle Bild eines Landes im Aufbruch, aber auch die schwarze Seite des Stalinismus, der "große Terror", das Gulag-Lagersystem und die ungeheuren Leiden und Entbehrungen der russischen Bevölkerung unter dem sowjetischen Diktator.

Buchcover Bernd Faulenbach, Ulrich Mählert, Pavel Žáček (Hrsg.): Die Tschechoslowakei 1945/48 bis 1989. Studien zu kommunistischer Herrschaft und Repression

Sammelband

Die Tschechoslowakei 1945/48 bis 1989. Studien zu kommunistischer Herrschaft und Repression

Bernd Faulenbach, Ulrich Mählert, Pavel Žáček (Hrsg.)

Der Sammelband ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Instituts für das Studium totalitärer Regime in Prag. Ziel war es, die kommunistischen Diktaturen in Ost- und Mitteleuropa miteinander zu vergleichen und die tschechoslowakische Nachkriegsgeschichte stärker in den Fokus der interessierten deutschen Öffentlichkeit zu rücken. Im ersten Teil des Bandes untersuchen die Autoren u. a. die Deportationen tschechoslowakischer Staatsbürger in die Sowjetunion nach 1945, die Kollektivierung der Landwirtschaft sowie die kommunistische Kirchen- und Medienpolitik. Danach werden Struktur und Entwicklung des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes sowie das Gefängniswesen beleuchtet. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Sicherung der Westgrenze, die Auslandsspionage und die Kooperation zwischen Geheimdiensten der DDR und der Tschechoslowakei. 

Buchcover

Analyse

The Russian Revolution

Sheila Fitzpatrick

Sheila Fitzpatricks Buch "The Russian Revolution" ist eine umfassende Analyse der Russischen Revolution; das Werk erscheint bereits in vierter Auflage. Beginnend mit dem Revolutionsjahr 1917 bis zu Stalins Regierung liefert die Autorin ein großes Bild der Entwicklungen: von den Revolutionen im Februar und im Oktober 1917, dem Bürgerkrieg und der Neuen Ökonomischen Politik bis zu Stalins "Revolution von Oben", den verschiedenen Fünfjahresplänen und den Großen Säuberungen widmet sich die Autorin einer Vielzahl von Aspekten, die gemeinsam den Prozess ausmachen, der heute gemeinhin als "Russische Revolution" verstanden wird. Das Buch basiert auf einer immensen Menge an Archivmaterial. Dieses war bis zum Ende der Sowjetunion Historikern unzugänglich. Dieses Material, zusammen mit den in den vergangenen Jahren erschienenen Biografien und Memoiren sowjetischer Politiker und kürzlich erschienenen russischen Publikationen, nutzt Sheila Fitzpatrick, um ein analytisches Porträt einer Zeit zu zeichnen, welche die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts so nachhaltig beeinflusst hat.

Buchcover Ossip Kurt Flechtheim: Bolschewismus 1917 – 1967. Von der Weltrevolution zum Sowjetimperium

Fachbuch

Bolschewismus 1917–1967. Von der Weltrevolution zum Sowjetimperium

Ossip Kurt Flechtheim

Der Jurist, Politikwissenschaftler, Hochschullehrer und Autor Ossip Kurt Flechtheim (1909–1998) emigrierte 1939 in die USA und kehrte in den 1950er-Jahren nach Deutschland zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1974 an der Freien Universität Berlin lehrte und forschte. In diesen Aufsätzen aus der Zeit zwischen 1936 und 1967 beschreibt er die Geschichte der Sowjetunion als eine permanente Revolution von oben, die immer wieder auch Gegenrevolutionen hervorbrachte. Diese Veränderungen hätten sich innerhalb derselben Ideologie (Marxismus-Leninismus) und derselben Institutionen (Kommunistische Partei und „Sowjetstaat“) vollzogen und die Kontinuität des Systems in den – von ihm aus gesehen – letzten 50 Jahren nicht in Frage gestellt. Der Wandel des Bolschewismus sei mit dem Verzicht auf die unmittelbare Verwirklichung der Weltrevolution und dem Wandel der sowjetischen Außenpolitik einhergegangen. Flechtheim untermauert seine Darstellung mit umfänglichem Material. Seine Analyse der Sowjetunion aus dem Jahr 1967 mit zahlreichen Tabellen soll Fortschritte (z.B. im Bildungswesen) belegen.

Cover des Schwerpunkthefs "Oktoberrevolutionsfieber"

Zeitschrift

Oktoberrevolutionsfieber

Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin (Hrsg.)

Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution erschien eine Vielzahl an Publikationen, Radiofeatures und Ausstellungen, die sich mit dem historischen Ereignis und seinen Folgen beschäftigten. Das geschieht heutzutage völlig selbstverständlich meist auf sachliche Art und Weise, mit einem wissenschaftlichen Anspruch. Doch die „Glut des bolschewistischen Revolutionsfeuers“ (Jochen Staadt), die die Zeitgenossen der Russischen Revolution mobilisierte und auch noch Jahrzehnte später immer wieder unter den Nachgeborenen geschürt wurde, ist heute nicht mehr zu spüren. Dieses „Oktoberrevolutionsfieber“ steht im Fokus der 41. Ausgabe der Zeitschrift des Forschungsverbundes. Die Beiträge der Autoren thematisieren im Schwerpunkt den Mythos der bolschewistischen Oktoberrevolution in der deutschen Sozialdemokratie, Paul Levis Schriften und die sowjetische Beziehung zum eigenen Gründungsmythos. Enthalten ist ebenfalls ein Interview mit Harald Wessel über Willi Münzenberg und die Oktoberrevolution. Des Weiteren wirft Jörg Drieselmann einen „kritischen Blick“ auf die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Deutschen Historischen Museums. 

Cover: Ben Fowkes: Aufstieg und Niedergang des Kommunismus in Osteuropa, in: Osteuropa-Studien Bd. 1, Mainz: Decaton-Verlag, 1. Aufl. 1994.

Fachbuch

Aufstieg und Niedergang des Kommunismus in Osteuropa

Ben Fowkes

Ben Fowkes untersucht vier Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien und der DDR. Er verweist auf die Erfolge dieser Staaten, etwa im Bereich der Bildung, des Lebensstandards und der Geschlechterverhältnisse, benennt aber auch die Unzulänglichkeiten vieler Reformen und Veränderungen. Weder der kommunistische Einparteienstaat noch der westliche Kapitalismus würden, so Fowkes, weitere Fortschritte dieser ost-mitteleuropäischen Länder sichern. Als Sozialist sieht er vielmehr in den Reformbewegungen, wie etwa der Solidarność, die Wegbereiter einer freiheitlichen sozialistischen Ordnung, die ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen allerdings nicht mehr unter Beweis stellen konnten.

Cover des Buches "Vergesse", dtv

Fachbuch

Vergessen. Stalins Gulag in Putins Russland

Misha Friedman und Masha Gessen

Vergessen ist ein Text- und Bildband von Masha Gessen (Text) und Misha Friedmann (Fotografie). Gessen und Friedmann dokumentieren die Orte früherer Straf- und Arbeitslager in Russland und gehen dabei der Frage nach, welche Rolle die Aufarbeitung dieses Kapitels russischer Geschichte im heutigen Russland spielt. Der Titel des Buches gibt die Antwort bereits vorweg – erschreckend klein, so Gessen, sei der Platz, den Erinnerung und Aufarbeitung des Lagersystems einnehmen dürfen. Das kollektive Erinnern an die Millionen von Menschen, die in Lagern ihr Leben ließen, sei einem kollektiven Vergessen gewichen. "Vergessen" dokumentiert die vereinzelten Versuche, Erinnerung zu schaffen – und leistet so selbst einen Beitrag gegen das Vergessen. Misha Friedman, 1977 in Moldavien geboren, studierte an der London School of Economics Wirtschaftswissenschaften und Politik. Er hat im Finanzwesen gearbeitet und später im humanitären Bereich. In dieser Zeit hat er sich das Fotografieren beigebracht. Für seine Fotos wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Heute lebt er in New York. Masha Gessen wurde 1967 in Russland geboren und emigrierte 1981 in die USA, wo sie als Journalistin und Zeitschriftenredakteurin arbeitete. 1994 kehrte sie nach Russland zurück. Dort arbeitet sie als Kolumnistin und Autorin für verschiedene Zeitschriften.

Cover des Buches "Mosaiki", Lukas-Verlag

Sammelband

Mosaiki

Aram Galstyan, Katja Koch

Der Sammelband Mosaiki von Aram Galstyan und Katja Koch widmet sich der Kunstform des Mosaik im (post)sowjetischen Raum. Öffentliche Bildkunst in der Sowjetunion diente der Kommunikation von Werten und Utopien. Das Mosaik war eine häufig gewählte Kunstform, die in der Sowjetunion – in westlichen Staaten weitgehend unbemerkt – zur Perfektion geführt wurde. Nach Ende der Sowjetunion ist nicht nur die Utopie, die die Mosaike einst bewarben, Vergangenheit – auch die Mosaike selbst sind zunehmen im Verfall inbegriffen. Der deutsch-englische Sammelband von Aram Galystan und Katja Koch erlaubt es, in sieben Kapiteln einen Blick auf ein zunehmend schwindendes Sammelsurium an sowjetischer Kunst zu werfen:  Arbeit, Bildung, Bushaltestellen, Kultur, Freizeit und Erholung, Öffentlicher Raum und öffentliche Gebäude, Wohnen. Aram Galstyan, 1977 in Jerewan in Armenien geboren,  studierte dort Kunst und Pädagogik und war Dozent für Malerei und Grafik an der Fachhochschule für Schöne Künste. Seit 2009 lehrt er an der Kunst.Schule.Rostock. Nebenher ist er als freischaffender Künstler und Übersetzer tätig. Katja Koch wurde 1970 in Thüringen geboren. Sie ist an der Universität Rostock als Dozentin für Sonderpädagogik tätig. Sowohl beruflich als auch privat bereist sie seit vielen Jahren die postsowjetischen Ländern und den postsozialistischen Raum.

Cover von GEO Epoche Nr. 83

Magazin

GEO Epoche: Die Russische Revolution

GEO Epoche

Die 83. Ausgabe von “GEO Epoche: Das Magazin für Geschichte” beschäftigt sich mit der Russischen Revolution. Die Autoren liefern eine umfassende und vielseitige Darstellung der politischen Umwälzungen Russlands. Das Magazin stellt die Revolution nicht als isoliertes Ereignis, sondern als Konsequenz und Ausgangspunkt der sie zeitlich umgebenden Ereignisse dar. So beginnt die Ausgabe mit Artikeln zu den ersten aufständischen Momenten 1905, zu gescheiterten Reformversuchen der Monarchie und zur Haltung der russischen Bevölkerung zum Ersten Weltkrieg. Es folgen Artikel zur Februarrevolution, der Machtergreifung der Bolschewiki sowie zum durch sie ausgelösten Bürgerkrieg 1917-1922. Dabei beschränkt sich das Magazin nicht auf die innenpolitischen Aspekte Russlands, sondern präsentiert den Lesenden immer auch eine internationale Perspektive; zum Beispiel mit den Beiträgen zum Kriegsende mit Deutschland oder zur Beziehung mit Polen. Nach einem Artikel zum Kronstädter Matrosenaufstand 1921 endet das Magazin schließlich mit der Darstellung der Gründung der Sowjetunion - und den schon kurz darauf folgenden Kämpfen um Lenins Nachfolge. 

Cover der Gerbergasse 18 Ausgabe "Oktoberrevolution", Geschichtswerkstatt Jena e. V.

Zeitschrift

Oktoberrevolution

Geschichtswerkstatt Jena e.V. (Hrsg.)

Die zweite Ausgabe 2017 der Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik "Gerbergasse 18" thematisiert die Machtübernahme der Bolschewiki 1917 in Russland und besonders deren globale Auswirkungen. Die umfangreich illustrierte Zeitschrift fragt nach der Bedeutung der Oktoberrevolution für aktuelle Gedenktage und Jahrestage, die besonders zum Jahrestag 2017 vermehrt begangen werden. In fünf disparaten Beiträgen zum „Roten Oktober“ werden Ausschnitte und Teilaspekte des Komplexes betrachtet. Der Blick wird dabei auf die zeitgenössische Situation in Thüringen, die Besonderheiten in Estland, die Eindrücke reisender Schriftsteller, die Schlaglichter und Schatten der neuen Zeit sowie auf einen neuen Dokumentarfilm zum Mythos Oktoberrevolution gerichtet. Die "Gerbergasse 18" wird von der Geschichtswerkstatt Jena e. V. in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Cover des Buches "Blaue Jungs mit roten Fahnen", Unrast Verlag

Fachbuch

Blaue Jungs mit roten Fahnen. Die Volksmarinedivision 1918/19

Klaus Gietinger

Blaue Jungs mit roten Fahnen ist ein Sachbuch des Sozialwissenschaftlers Klaus Gietinger. Darin widmet er sich der Volksmarinedivision (VMD). Bei dieser handelt es sich um eine bewaffnete Formation, die vor allem aus Matrosen bestand, die am Kieler Aufstand 1918 beteiligt waren: Matrosen der preußischen Marine weigerten sich, sich in einen weiteren sinnlosen Einsatz zu begeben, da der Krieg ohnehin nicht mehr zu gewinnen war. Dies markiert den Auftakt der deutschen Novemberrevolution von 1918/1919, an deren Ende die Abschaffung der Monarchie und die Gründung der Weimarer Republik stand. Während sich viele Publikationen zur Novemberrevolution auf die weitreichenden Konsequenzen des Aufstandes konzentrieren, fokussiert sich Gietinger auf die Matrosen selbst und deren Organisierung in der Volksmarinedivision. Die Geschichte der VMD gibt einen tiefen Einblick in die revolutionären Umbrüche des Winters 1918/1919: zunächst als eine Art Polizei in Berlin unterwegs, wurden ihre Mitglieder – obwohl in großen Teilen sozialdemokratisch orientiert – als linksradikal bezeichnet und schließlich im März 1919 von Freikorps zerschlagen. Klaus Gietingers quellenbasiertes Buch bietet Leserinnen und Lesern einen tiefen Einblick in ein wenig beleuchtetes Element der Novemberrevolution. Blaue Jungs mit roten Fahnen erschien im Februar 2019 im Unrast Verlag. Der Unrast Verlag wurde Anfang der 1990er-Jahre als Verlag für linke und antifschistischen Literatur gegründet. Sein Motto lautet "Bücher der Kritik". 

Cover des Buches "Peasants in Russia from Serfdom to Stalin", Bloomsbury

Analyse

Peasants in Russia from Serfdom to Stalin. Accommodation, Survival, Resistance

Boris Gorhshkov

Boris Gorhshkovs Buch "Peasants in Russia from Serfdom to Stalin: Accommodation, Survival, Resistance" widmet sich der Geschichte der russischen Bauern. Die Bevölkerungsschicht der Bauern macht im untersuchten Zeitraum – vom Zarenreich bis hin zu Stalins Herrschaft - die große Mehrheit der russischen Bevölkerung aus. Der Autor zeichnet ein umfassendes Bild vom Leben und Handeln russischer Bauern in diesen Epochen und untersucht Auswirkungen bis ins post-sowjetische Russland. Gorshkow analysiert die komplexen Beziehungen von Bauern zu ihrer physischer Umgebung, bäuerlicher Ökonomie, sozialen Praktiken, Kultur, staatlicher Politik und Machtverhältnissen. Das Buch richtet sich auch an Studentinnen und Studenten, die einen Einstieg in das Thema suchen und ist an vielen Stellen um zusätzliche Verständnisfragen, Leselisten und Karten ergänzt. Das Buch ist in 13 Kapitel gegliedert: Life under Russian Serfdom; Peasant Agriculture, Peasants, Childhood and Gender Roles; The Field and the Loom: Peasant Economy; Peasants and Russia's Early Industrialization; The Peasant and the Formation of Industrial Labor Forces; Social Mobility of the Peasantry; Peasants and the Public Sphere; Peasants and the End of Serfdom; Post-Emancipation Peasant Economy and Society; Peasants and the Russian Revolution; Realpolitik: From the Red Terror tot he New Economic Policy; Peasant Life during Collectivization. 

Cover des Buches "Das kommunistische Postskriptum", Suhrkamp

Fachbuch

Das kommunistische Postskriptum

Boris Groys

Die Globalisierung, die unsere Welt kennzeichnet, ist ein post-kommunistisches Projekt und kann nur dann adäquat verstanden werden, wenn ihre post-kommunistische Lage präzise thematisiert und analysiert wird. So die These von Boris Groys in seinem Buch Das kommunistische Postskriptum. Bei den ökonomischen, politischen und ideologischen Unternehmungen der heutigen Zeit handle es sich um post-kommunistische Projekte, deren Entstehung und Verbreitung vor allem durch den Untergang des Kommunismus möglich geworden sei. Egal ob sie sich mit revolutionären oder mit friedliche Mitteln durchsetzen, so seien ihre Strategien, Ziele und Selbstdarstellungen in den Medien von den Erfahrungen des historischen Kommunismus geprägt - sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Seine These erläutert der in Ostberlin geborene Philosoph und Medienkritiker anhand von so unterschiedlichen Entwicklungen wie der Vereinigung Europas oder der Ausbreitung des politischen Islam.

Titel von: François Fejtö: Die Geschichte der Volksdemokratien. Bd. 1 Die Ära Stalin 1945–1953, Bd. 2  Nach Stalin 1953–1972, Bd. 3 Von Breschnew bis Gorbatschow, Frankfurt am Main: Eichborn 1988.

Fachbuch

Die Geschichte der Volksdemokratien

François Fejtö

Der aus Ungarn stammende französische Historiker, Journalist und Publizist François Fejtő (1909–2008) veröffentlichte den ersten Teil seines Werkes, in dem er die Geschichte der Ostblockstaaten während der Ära Stalins betrachtet, bereits 1952. Der zweite Teil ist eine Überblicksdarstellung zu den 1950er- und 1960er-Jahren und endet beim Aufstand der Arbeiter in den Ostseestädten Polens 1971. Im dritten Teil beschreibt Fejtö den Wandel der osteuropäischen Volksdemokratien während Breschnews und Gorbatschows Herrschaft. Von 1944 bis 1979 war Fejtő Journalist der französischen Nachrichtenagentur AFP und berichtete vor allem über Osteuropa. In den Büchern finden sich sowohl zeitgeschichtliche Erzählungen und Reportagen als auch historische Analysen.

Cover des Buches "Stalinism. New Directions", Routledge

Analyse

Stalinism. New Directions

Sheila Fitzpatrick (Hrsg.)

Die Aufsatzsammlung „Stalinism. New Directions“, herausgegeben von der australischen Historikerin Sheila Fitzpatrick, versammelt neue und innovative Sichtweisen auf die Epoche des Stalinismus. Der Band beinhaltet vornehmlich Beiträge von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sowie einige Artikel, die deren Forschung maßgeblich prägten. Die Sammlung widmet sich dabei nicht ausschließlich Themen der Hochpolitik, sondern so vielseitigen Aspekten wie Klasse, Identität, Konsumkultur und Agency. Besonders die Themen des Stalinistischen Terrors sowie Stalins Nationalitätenpolitik werden anhand neuer archivarischer Funde neu beleuchtet. Das Buch besteht aus fünf Teilen: Social identities; Private and public practices; Consumption and civilization; Varieties of terror; Nationality as a status. Vorangestellt ist ein Vorwort der Herausgeberin, in der sie die Debatte nachzeichnet, die sich um die Frage herum abspielte, ob eine Geschichte totalitärer Staaten unter Einbezug staatlicher Quellen sinnvoll sein kann, oder ob eine möglichst unverfälschte Analyse nur unter Auslassung dieser gelingen kann. Sheila Fitzpatrick, 1941 in Melbourne geboren, lehrte sowjetische Geschichte an der Universität von Chicago. Zur Zeit ist sie Professorin für moderne russische Geschichte an der University of Sydney.

Cover des Schwerpunkthefts "Judentum und Revolution"

Zeitschrift

Judentum und Revolution. Der Weltverband Poale Zion zwischen Zionismus und Kommunismus

Förderverein für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung e. V. (Hrsg.)

Im Schwerpunktheft „Judentum und Revolution: Der Weltverband Poale Zion zwischen Zionismus und Kommunismus“ der Zeitschrift „Arbeit – Bewegung – Geschichte“ wird das Jahr 2017 als Jubliäumsjahr zum Anlass genommen, sich nicht nur mit der Oktoberrevolution, sondern auch mit der Balfour-Deklaration zu beschäftigen. Der britische Außenminister Lord Arthur James Balfour versprach in dieser Deklaration vom 2. November 1917, dem jüdischen Volk eine „nationale Heimstätte“ in Palästina einzurichten. Da die jüdische Bevölkerung über kein eigenes Siedlungsgebiet verfügte, ihre Zugehörigkeiten zu Nation und Gemeinschaft umstritten war und Repressionen und Diskriminierungen erleiden musste, wurde seit der Jahrhundertwende die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina propagiert. Das Schwerpunktheft beschäftigt sich mit diesen zionistischen Bewegungen, insbesondere mit dem sozialistisch-zionistischen Verband „Poale Zion“ und seiner globalen Entwicklung bis zu seiner Spaltung 1920. Das Heft enthält ebenso zahlreiche weitere Beiträge zur Arbeiterbewegung und Buchbesprechungen.

Cover: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 42, ZdF 42/2018, Berlin: Dreilinden Verlag 2018.

Zeitschrift

Umsturz und Staatsgewalt

Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin (Hrsg.)

Der 42. Zeitschriftenband des Forschungsverbundes SED-Staat widmet sich dem Thema „Umsturz und Staatsgewalt“. In sechs Aufsätzen von renommierten Historikern nähert sich die Zeitschrift ihrem Gegenstand aus unterschiedlichsten Perspektiven. Peter Erler gibt einen Überblick über die KPD-Führung und deutsche Emigranten während den stalinistischen Säuberungen in der Sowjetunion der 1930er-Jahre. Viktor Krieger fragt nach ökonomischen, gesellschaftlichen und sozialen Verbesserungen deutscher Siedler durch den Umsturz im Oktober 1917 in Russland. Wilhelm Schmidt porträtiert den Althistoriker Peter Musiolek, der vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn in sowjetischen Straflagern gefangen war. Enrico Seewald untersucht die Auswirkungen von Geheimdienstmorden auf diplomatische Beziehungen im Kalten Krieg. Stefan Appelius möchte anhand eines Wohnbezirks die Beziehung zwischen MfS und SED in lokalen Parteistrukturen herausarbeiten. Jochen Staadt untersucht die Rolle von Geheimdiensten bei den Protesten der 1968er-Jahre. Die Zeitschrift schließt mit Beiträgen und Mitteilungen aus der Arbeit des Verbundes und einem Rezensionsteil.

Cover: Pierre Frank: Die Geschichte der IV. Internationale, Hamburg: Internationale Sozialistische Publikationen 1975.

Fachbuch

Die Geschichte der IV. Internationale. Im Anhang der 10. Weltkongress der IV. Internationale

Pierre Frank

Pierre Frank (1905–1984), ein französischer Trotzkist, war zwischen 1948 und 1979 Mitglied im Sekretariat der IV. Internationale, deren Geschichte er in seinem Buch darstellt. Frank befasst sich eingehend mit den internationalen Konferenzen und Weltkongressen, die zwischen 1938 und 1974 stattgefunden haben, beschreibt sowohl die ideologische als auch die institutionelle Entwicklung der Internationale und erklärt die Ziele und Motive zeitgenössischer trotzkistischer Gruppen. Seiner Ansicht nach geht die IV. Internationale direkt auf die bolschewistische Partei der Sowjetunion zurück und sei damit die Erbin der Russischen Revolution. Ab 1948 bekam die Internationale nach einer Zeit der Stagnation wieder neuen Zulauf. Als Wendepunkt in der Geschichte der IV. Internationale sieht Frank jedoch das Jahr 1968, als mehrere Tausend Schüler und Studenten in die trotzkistischen Gruppen kamen, die alten Strukturen zu erneuern versuchten und damit die politische Kraft der Internationale stärkten.

Cover des Buches "Gegengeschichten oder Versöhnung?", Verlag Graswurzelrevolution

Monographie

Gegengeschichten oder Versöhnung? Erinnerungskulturen und Geschichte der spanischen Arbeiterbewegung vom Bürgerkrieg bis zur »Transición« (1936–1982)

Alexandre Froidevaux

Die verschiedenen Strömungen der spanischen Arbeiterbewegung entwarfen die unterschiedlichsten Geschichtsbilder vom Bürgerkrieg (1936–1939), was wiederum das Selbstverständnis der anarchistischen, sozialistischen und kommunistischen Aktivisten und ihrer Organisationen in den Jahrzehnten danach prägte. Die Kämpfe innerhalb der linken Bewegung belasteten jedoch auch den Widerstand gegen die Franco-Diktatur (1939–1975). Alexandre Froidevaux legt nach der Erforschung spanischer Quellen und Archive erstmals eine übergreifende Erinnerungsgeschichte der spanischen Arbeiterbewegung vor: ausgehend vom Bürgerkrieg über die Zeit des Franquismus bis hin zur „Transición“ (1975–1982), der Zeit des Übergangs zur Demokratie. Der Autor analysiert geschichtspolitische Debatten, die linken Opfererinnerungen, wie die Linken durch Rückbezug auf die Vergangenheit politische Identitäten ausbildeten und wie sich diese wandelten. Lesen Sie eine ausführliche Rezension des Bandes auf H-Soz-Kult.

Buchcover: Kommunistische Machtübernahmen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Sammelband | Seminar

Kommunistische Machtübernahmen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Jörg Ganzenmüller, Franz-Josef Schlichting (Hrsg.)

Der Band „Kommunistische Machtübernahmen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg“ publiziert die am 9. April 2016 auf dem gleichnamigen wissenschaftlichen Tagesseminar der Stiftung Ettersberg gehaltenen Vorträge der Referenten. Die Beiträge beleuchten die kommunistischen Machtübernahmen Osteuropas und fragen nach Stalins Zielen im „Ostblock“ nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Neben der Rolle der einheimischen Kommunisten werden auch die kommunistischen Umstürze als Ganzes in den Fokus genommen und auf Muster untersucht.

Buchcover

Biografie

Karl Marx in Paris. Die Entdeckung des Kommunismus

Jan Gerber

In seiner Biografie konzentriert sich der Autor Jan Gerber auf Karl Marx‘ ersten Paris-Aufenthalt von 1843 bis 1845. Bedeutsam sei diese Phase da sie den ideologischen Wandel des Soziologen Marx vom radikalen Demokraten hin zum Klassenkämpfer und Kommunisten markiere. Es war während dieser 15 Monate in Paris, in denen Marx diejenigen Ideen entwickeln sollte, die er später im „Kommunistischen Manifest“ zusammen mit Friedrich Engels veröffentlichen würde. Die Gründe für diesen Wandel verortet der Autor in den Kontakten, die Marx zur dortigen Arbeiterbewegung knüpfte sowie im Kontext der in Frankreich weiter als in Deutschland fortgeschrittenen Industrialisierung. 2018, im Jahr von Marx‘ 200. Geburtstag, beschäftigten sich ein große Zahl von Wissenschaftlern erneut mit Marx‘ Überlegungen zu Politik, Gesellschaft und Ökonomie. Auch in den Jahren davor, vor allem im Zuge der internationalen Finanzkrise, stellten sich zahlreiche Publikationen die Frage, in wie weit die Ideen von Karl Marx für eine Analyse der heutigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse relevant sein können. Jan Gerbers Buch bieten mit seiner zugänglichen Sprache und kritischem Zugang zur Person und Theorie Karl Marx‘ einen guten Einstieg für Lesende ohne Vorwissen.

Buchcover Lukasz Kaminski, Krzysztof Persak, Jens Gieseke (Hrsg.): Handbuch der kommunistischen Geheimdienste in Osteuropa 1944–1991

Sammelband | Fachbuch

Handbuch der kommunistischen Geheimdienste in Osteuropa 1944–1991

Jens Gieseke, Lukasz Kaminski, Krzysztof Persak (Hrsg.)

Das Handbuch ist ein Kooperationsprojekt verschiedener Aufarbeitungsinstitutionen in Ostmitteleuropa und bietet einen umfassenden Überblick über die Staatssicherheitsapparate in der Sowjetunion, der DDR, Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien und der Tschechoslowakei. Die Autoren stellen den aktuellen Forschungsstand zur Entwicklung der jeweiligen Geheimpolizeien dar. Sie beleuchten die Organisationsstrukturen, die personelle und die finanzielle Ausstattung sowie die politischen Hierarchien. Auch die Instrumente der Beobachtung und Verfolgungen werden beschrieben und einige wichtige Funktionäre in Kurzbiographien vorgestellt. Die Zahl der Opfer von KGB, MfS, Securitate, Bezpieka und anderen Geheimdiensten kann nur geschätzt werden. Das Handbuch ist eine Basis für weitere vergleichende Betrachtungen zur Geschichte politischer Verfolgung in Osteuropa unter sowjetischer Herrschaft.

Buchcover

Analyse

November 1918. Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts

Klaus Gietinger

Klaus Gietingers Buch „November 1918. Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts“ widmet sich der Novemberrevolution 1918. Der Fokus des Buches liegt dabei auf dem Neuanfang, dem Aufbruchsmoment, was den Anfängen der Novemberrevolution noch innewohnte, als die Revolution mit den Matrosenaufständen in Kiel ihren Anfang nahm. Gietinger ruft in Erinnerung, dass die Novemberrevolution vor allem ein Aufbruch ist: ein Aufbruch weg vom alten Klassensystem, weg vom Militarismus. Dieser Aufbruch wird unterbunden – auch von der SPD und den Gewerkschaften, die der vermeintlichen Ordnung wegen ein Bündnis mit dem Militär aufrecht erhalten wollen; die Spaltung der linken Bewegung ist die Konsequenz. Dies äußert sich auch in der starken Ablehnung der Ideen der Russischen Oktoberrevolution, welche die revolutionären Gruppen entscheidend beeinflusst hatten – und die diesen Ideen ihre Chance auf Weiterentwicklung nimmt. 

Buchcover von Mathias Greffrath (Hrsg.), RE: Das Kapital. Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert, München: Verlag Antje Kunstmann 2017.

Sammelband

RE: Das Kapital. Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert

Mathias Greffrath (Hrsg.)

Anlässlich des 150. Jahrestages der Veröffentlichung von Karl Marx Werk "Das Kapital" im Jahr 2017 versammelt der Herausgeber Mathias Greffrath in der Essaysammlung bedeutende Persönlichkeiten aus Philosophie, Ökonomie, Politik und Wissenschaft. Sie alle Fragen nach der aktuellen Bedeutung der marxistischen Theorie. Die marxschen Kategorien, das Verhältnis von Gewalt und Kapitalismus, der Entfremdungsbegriff, die Frage nach dem Niedergang des Kapitalismus, Kooperation als Kapitalismusalternative, die Aktualität marxscher Krisenanalysen, Bewegungsformen des Kapitals und andere grundlegende Fragen zur aktuellen Debatte der marxistischenh Theorie werden in den Beiträgen diskutiert. Sie alle möchten dazu anregen sich kritisch mit dem marxschen Werk auseinanderzusetzen. Die Beiträge des Sammelbandes sind zum Teil als Sendungen der gleichnamigen Reihe auf Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt worden.

Buchcover

Fachbuch

Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Boris Groys, Michael Hagemeister (Hrsg.)

Der Philosoph und Medienwissenschaftler Boris Groys untersuchte in dem am Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe angesiedelten Projekt „The Post-Communist Condition“ die aktuelle Situation der Kunst und Kultur in Osteuropa. Zusammen mit Wissenschaftlern und Künstlern aus Ost und West analysierte Groys die Modernisierungsprozesse des Kommunismus und die kulturellen Folgen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Transformation der osteuropäisch-kommunistischen Staaten gemäß eines westlich-kapitalistischen Modells. Die Ergebnisse des Projekts wurden in drei Bänden herausgegeben und sind ein Konglomerat aus Analysen und Quellen. Der erste Band trägt den Titel „Die Neue Menschheit - Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts“ und wurde von Michael Hagemeister zusammengestellt. „Biopolitische Utopien“ waren etwa die „gemeinsame Tat“ von Nikolaj Fjodorow, der mittels technischer Mittel die Vorfahren künstlich wiederauferstehen lassen wollte. Diese Suche der „Biokosmisten“ nach der Erlangung der Unsterblichkeit präsentiert Hagemeister anhand von biopolitisch-utopischen Entwürfen, die in der westlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden.