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Cover: Tanja Penter: Odessa 1917. Revolution an der Peripherie, Köln: Böhlau 2000.

Fachbuch

Odessa 1917. Revolution an der Peripherie

Tanja Penter

„Odessa 1917. Revolution an der Peripherie“ ist die Dissertationsschrift von Tanja Penter. Die Autorin, seit 2013 Professorin für Osteuropäische Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, beleuchtet die Besonderheiten der revolutionären Ereignisse in Odessa, der „Perle des Schwarzen Meeres“. Eine zentrale Fragestellung des Buches betrifft das Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie. Penter sieht Odessa in Hinblick auf nationale Belange „zwischen Kiew und Petrograd“. Im Kapitel über die „soziale Revolution“ beschreibt sie die Aktionen und Organisationen der Arbeiter, der städtischen Ober- und Mittelschichten und des "Lumpenproletariats". Das Ineinandergreifen sozialer, nationaler und lokaler Identitäten, die das Handeln der multiethnischen Bevölkerung bestimmten, wird anschaulich geschildert. Diese Studie, die sich hauptsächlich auf Archivalien und Periodika aus dem Revolutionsjahr stützt, bietet nicht nur eine Geschichte der Stadt Odessa im Jahr 1917. Sie trägt auch zum Verständnis der Geschichte der Russischen Revolution insgesamt bei.

Buchcover David Priestland: Weltgeschichte des Kommunismus. Von der Französischen Revolution bis heute

Fachbuch

Weltgeschichte des Kommunismus. Von der Französischen Revolution bis heute

David Priestland

Der britische Historiker David Priestland will in seiner Geschichte vom Aufstieg und Fall des Kommunismus erklären, warum eine Idee, die so viel Leid mit sich brachte, eine derartige Anziehungskraft entwickeln konnte und heute noch hat. Er beginnt die Abhandlung mit der Französischen Revolution von 1789, als das einfache Volk erstmals gegen ein feudales Regime revoltierte, und endet mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Allerding war damit nicht das Ende der Idee vom Kommunismus besiegelt. Der Kommunismus, so der Autor, sei einer der großen modernen Irrwege des 20. Jahrhunderts gewesen, weil die realen kommunistischen Machttechniken meist gegen die Gleichheitsutopie verstoßen haben. Vielmehr habe diese gerade in den weltweiten Finanzkrisen der letzten Jahre erneut an Attraktivität gewonnen, obwohl sie durch Unfreiheit und Gewalt diskreditiert sei. Der Kommunismus, so der Autor, sei einer der großen modernen Irrwege des 20. Jahrhunderts gewesen, weil die realen kommunistischen Machttechniken meist gegen die Gleichheitsutopie verstoßen haben.

Fachbuch

Geschichte des Bolschewismus

Arthur Rosenberg

Seine Geschichte des Bolschewismus schrieb der marxistische Historiker und Politiker Arthur Rosenberg (1989–1943) bereits 1932, also fünf Jahre, nachdem er 1927 aus der KPD ausgetreten war. Das Buch ist deshalb auch eine Auseinandersetzung mit seinen eigenen früheren Überzeugungen, wobei er die Sowjetherrschaft sowohl kritisch als auch rechtfertigend analysiert. Den Terror der Bolschewiki während des Bürgerkriegs in den Jahren 1918 bis 1921 bezeichnet er etwa als unvermeidlich für die Rettung der Revolution. Gleichzeitig kritisiert er den Umgang Lenins mit der Rätedemokratie, die dieser lediglich zur Zerschlagung des Staatsapparats missbraucht und damit die Idee der Demokratie verraten habe. Die Kollektivierung der Landwirtschaft unter Stalin war für Rosenberg eine Art „Notwehr“ gegen das „Kulakentum“, das eine Wiederherstellung kapitalistischer Verhältnisse angestrebt habe. Die damals um sich greifenden Hungernöte bestreitet der Autor. Das Buch beschäftigt sich darüber hinaus ausführlich mit der Kommunistischen Internationale und der Begeisterung im Westen für das sowjetische Experiment.

Buchcover Leonard Bertram Schapiro: Die Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion

Fachbuch

Die Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion

Leonard Bertram Schapiro

Der britische Politikwissenschaftler Leonard Schapiro (1908–1983) legte 1960 auf Englisch seine umfassende und auf breiter Quellengrundlage basierende Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) vor. Im ersten Teil widmet sich Schapiro der Zeit vor der Oktoberrevolution, worauf die Kapitel über Lenin, den Übergang zu Stalin und über die stalinistische „Revolution“ folgen. Im Epilog geht Schapiro auf Stalins Tod und die Herrschaft Chruschtschows ein. Der Autor nimmt vor allem Struktur, Organisation sowie soziologische Fragen zum Aufbau der Partei in den Blick. Ebenso beleuchtet er interne Machtkämpfe, Säuberungen und einzelne Charaktere, wobei er immer den Zusammenhang zur Politik und zur Herrschaftsausübung im Land herstellt. Zum Schluss wirft er die Frage nach zukünftigen Möglichkeiten und Freiräumen der jüngeren Generation in der KPdSU und deren Bedeutung für das „sozialistische Lager“ insgesamt auf.

Diktatur statt Sozialismus: Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18

Sammelband | Reader

Diktatur statt Sozialismus: Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18

Jörn Schütrumpf (Hrsg.)

Im Zentrum des von Jörn Schutrumpf herausgegebenen Bandes "Diktatur statt Sozialismus" stehen Beiträge aus der „Leipziger Volkszeitung“ und aus „Sozialistische Auslandspolitik“, sowie bislang unbekannte Beiträge aus der Stuttgarter Wochenzeitschrift „Der Sozialdemokrat“. Sie sind historische Quellen und beleuchten die deutsche Linke in den Monaten vor der deutschen Novemberrevolution und zeigen dabei ungewöhnliche Wendungen, nicht bei den Opponenten, sondern gerade bei den Befürwortern. Der Sammelband umfasst Beiträge von Otto Bauer, Eduard Bernstein, Rudolf Breitscheid, Nikolai Bucharin, Arthur Crispien, Wilhelm Düwell, Alfred Henke, Edwin Hoernle, Mathilde Jacob, Adolf Joffe, Karl Kautsky, Wladimir I. Lenin, Paul Levi, Rosa Luxemburg, Juli Martow, Alexander Martynow, Franz Mehring, P. Petrow, Jan Piletzky, Karl Radek, Alexander Stein, Heinrich Ströbel, August Thalheimer, Leo Trotzki und Clara Zetkin.

Deportee barrack in the Kolyma region, 1957. Kaunas 9th Fort Museum, Lizenz: CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Monographie

Kolyma nach dem GULAG: Entstalinisierung im Magadaner Gebiet 1953–1960

Mirjam Sprau

In ihrer Studie „Kolyma nach dem GULAG: Entstalinisierung im Magadaner Gebiet 1953–1960“ zeichnet die Autorin Mirjam Sprau die Entwicklung der Kolyma nach. Die Kolyma ist ein Gebiet im Nordosten Sibiriens, dessen Infrastruktur lange Zeit nur aus Gefangenenlagern bestand. Häftlinge wurden dort unter katastrophalen Bedingungen zur Förderung der reichen Rohstoffvorkommen gezwungen. Erst nach dem Tod Stalins begann sich die Region nach und nach, im Zuge des Rückbaus des stalinistischen Lagersystems, zu einer normalen Region der Sowjetunion zu entwickeln. Als ein Beispiel hierfür nennt die Autorin die Bildung einer Stadt aus der ehemaligen Lagerzentrale Magadan. Doch die jahrzehntelange Funktion der Region durch die Lagersysteme hatte Spuren hinterlassen – ob eine hohe Anzahl an Straftaten, begangen durch auf einmal sich selbst überlassene und entwurzelte Häftlinge, oder eine verwüstete Umwelt durch den rücksichtslosen Abbau von Rohstoffen. Mit ihrer detaillierten Studie liefert Mirjam Sprau einen wichtigen Beitrag und eine essentielle Quelle zum Verständnis des stalinistischen Gulag-Systems und dessen langfristigen Auswirkungen.

Cover: Den Pessimismus organisieren!, in: telegraph Nr. 133/134 (2018/2019), Berlin: telegraph Verlag 2018.

Zeitschrift

Den Pessimismus organisieren!

telegraph

Anfang Dezember 2018 erschien eine neue Doppelausgabe der Zeitschrift telegraph. Die Zeitschrift entstand 1989 in Ostberlin aus dem Umfeld der oppositionellen Umwelt- und Antifabewegung in der DDR. In der aktuellen Ausgabe „Den Pessimismus Organisieren!“ finden sich einige Beiträge die sich mit der Kommunismusgeschichte befassen. In seinem Beitrag „Lenin, Stalin und Putin über Russland und die Revolution“ beschreibt Wladislaw Hedeler die geschichts- und erinnerungspolitische Polarisierung in der russischen Gesellschaft in ihrer Haltung zu Stalin und der russischen Revolution. Hauke Benner untersucht in seinem Aufsatz „101 Jahre Roter Oktober. Räte und Versammlungen in der russischen Revolution“ basisdemokratische und anarchistische Organisierungsversuche in der Oktoberrevolution. Zudem finden sich in der Doppelausgabe ein Diskussionsbeitrag zum Thema Christen in der DDR, zwei Aufsätze zum spanischen Bürgerkrieg und eine Analyse vietnamesisch-deutscher Beziehungsgeschichte vor dem Hintergrund von Teilung und (Wieder)vereinigung beider Länder.

Logo der Zeitschrift geschichte für heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung

Zeitschrift

Karl Marx und der Marxismus

Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e. V. (Hrsg.)

Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. - geschichte für heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung - legt im Heft 1 des Jahres 2018 anlässlich des Karl Marx Jubiläums den Schwerpunkt auf das Thema. Die drei Aufsätze stammen von Beatrix Bouvier, Gisbert Gemein und Thomas Welskopp. Die Beiträge befassen sich mit aktuellen Forschungstrends in den Forschungen über die Person Marx und den Marxismus, der marxistischen Theorie im Unterricht und Karl Marx als Ausstellungsobjekt. Ebenso wird ein Interview mit Christina Morina mit dem Titel "Wie eine Idee die Welt eroberte. Über Karl Marx und den Marxismus" veröffentlicht. Gerade der Beitrag von Gisbert Gemein bietet Lehrkräften nützliche Anregungen und didaktisches Material, um die komplexe Theorie des Marxismus im Schulunterricht anregend zu vermitteln. Die Zeitschrift wird ergänzt durch Rezensionen von epochenübergreifender Fachliteratur und Gedenkorten die relevant für den Geschichtsunterricht sind.  

Buchcover Michael S. Voslensky: Nomenklatura. Die herrschende Klasse der Sowjetunion

Fachbuch

Nomenklatura. Die herrschende Klasse der Sowjetunion

Michael S. Voslensky

Der russische Historiker und Politikwissenschaftler Michael S. Voslensky (1920–1997) lebte und arbeitete seit 1972 in Deutschland. 1980 erschien die erste Ausgabe seines Werkes über die sowjetische Nomenklatura, das die westliche Diskussion über die Gesellschaft in der Sowjetunion maßgeblich prägte. Voslensky analysiert die sowjetische herrschende Klasse, die von Lenin als kleine machtvolle Elite von „Berufsrevolutionären“ installiert und von Stalin durch eine größere sorgsam ausgewählte Gruppe von gehorsamen Gefolgsleuten ersetzt worden sei. Er beschreibt die Rekrutierungsstrategien und die internen Machtkämpfe und geht auf die Korruption sowie die Isolation der Herrschenden vom Rest der Bevölkerung ein. Misswirtschaft, Desintegration innerhalb der Elite, fehlende Modernisierung und viele andere Probleme hätten die Nomenklatura in der Sowjetunion geschwächt, so Voslenkys Fazit, allerdings habe sie dennoch die gesamte Macht inne, da sie keiner Opposition gegenüberstehe.

Weitz, German Communism,

Fachbuch

Creating German communism 1890 – 1990. From popular protests to socialist state

Eric D. Weitz

In seiner Analyse des deutschen Kommunismus „Creating German communism 1890–1990. From popular protests to socialist state“ aus dem Jahr 1997 beschreibt Eric D. Weitz ein Jahrhundert der kommunistischen Bewegung in Deutschland. Ausgehend von dem aufkommenden kommunistischen Gedanken und der KPD wählt er als Zäsur das Ende des „real existierenden Sozialismus“ mit dem Untergang der DDR. Ein Fokus liegt dabei auf den Entwicklungen in der Weimarer Republik (1918–1933), in der vor allem männliche Kommunisten, so zeigt es Weitz, auf die Straße gingen und gegen die Polizei, den aufkommenden Faschismus und gar gegen Sozialisten und Arbeitnehmer protestierten. Dabei setzten Parteifunktionäre gezielt auf diese offenen, zum Teil brutalen Proteste, um Aufmerksamkeit für ihre Idee zu generieren. Weitz sieht Kontinuitäten zwischen der genderbewussten politischen Kultur der KPD und der Politik der SED.

Logo Docupedia-Zeitgeschichte

Online-Plattform

Docupedia-Zeitgeschichte. Begriffe, Methoden und Debatten der Zeithistorischen Forschung

Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)

Das Onlineportal Docupedia-Zeitgeschichte ist ein dynamisches Nachlagewerk, das einen schnellen Überblick zum aktuellen Stand der zeitgeschichtlichen Forschung bietet. Übersichtsartikel erläutern zentrale Begriffe, Konzepte, Forschungsrichtungen und Methoden der Zeitgeschichte. Neben den Grundlagen der Geschichtswissenschaft und ihrer Nachbardisziplinen werden wichtige Debatten präsentiert, die das Fach prägten. Der Themenschwerpunkt Kommunismusgeschichte umfasst derzeit etwa 18 Beiträge namhafter Historiker vor allem zu theoretischen und länderspezifischen Fragestellungen. Verantwortlich für die Auswahl und wissenschaftliche Prüfung der Beiträge auf Docupedia sind die 37 Herausgeber des Portals, die die wichtigsten zeithistorischen Forschungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum repräsentieren.

Cover: FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte Jg. 22 (2018) Heft 1

Zeitschrift

Machtkalkül? Furcht? Faszination? Deutschland und die russische Revolution von 1917

ZIMOS - Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Hrsg.)

Die erste Ausgabe der Zeitschrift Forum im Jahr 2018 widmet sich den Auswirkungen der russischen Oktoberrevolution auf Deutschland. Anlässlich des 100. Jahrestages der deutschen Novemberrevolution, fragt diese Zeitschriftenausgabe wie sich die beiden weltgeschichtlichen Ereignisse beeinflusst haben. Dem Schwerpunktthema widmen sich vier Aufsätze von renommierten Historikern. Leonid Luks beleuchtet das Verhältnis des deutschen Kaiserreiches zum postrevolutionären Russland in den Monaten zwischen Oktoberrevolution und Frieden von Brest-Litowsk. Jürgen Zarusky rekonstruiert eine der wichtigsten theoretischen Debatten in der deutschen Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit: das Verhältnis zur russischen Revolution und zu den Bolschewiki. Ruprecht Wimmer leistet einen Beitrag zur Intellektuellengeschichte, wenn er Thomas Mann und seine Bezüge und Haltungen zum Weltkommunismus untersucht. Bernhard Sutor stellt Überlegungen zur Bedeutung des Epochenjahres 1917 für die politisch Bildung und das historische Bewusstsein an. Ein Tagungsbericht und Debattenbeiträge zur Geschichte der beiden Weltkriege beenden den Band.

Cover des Buches Camaradas. Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939, , Clio Verlag

Aufsatzsammlung

Camaradas. Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939

Georg Pichler, Heimo Halbrainer (Hrsg.)

Den kurz nach dem Militärputsch in Spanien am 17. Juli 1936 gegründeten Internationalen Brigaden gehörten auch 1400 österreichische Freiwillige an. Fast ein Viertel von ihnen überlebte den Einsatz für die Republik nicht. Rund 80 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs füllt nun das von Georg Pichler und Heimo Halbrainer herausgegebene Buch Camaradas. Österreicherinnen und Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 eine Leerstelle im sozialen Gedächtnis Österreichs und blickt mit interdisziplinärer Perspektive auf die aus Österreich stammenden Kriegsteilnehmer. Neue Erkenntnisse in der internationalen Aufarbeitung des Themenbereichs, die Öffnung russischer Archive sowie die jüngsten Forschungsergebnisse zur österreichischen Geschichte der Dreißiger- und Vierzigerjahre erlauben es, einen neuen Blick auf das Thema zu werfen. Im Rahmen der gedächtnispolitischen Debatte um den Stellenwert des Bürgerkriegs in der spanischen und europäischen Geschichte werden unter anderem die künstlerische und literarische Verarbeitung, der Beitrag von Frauen, Übersetzen und Dolmetschen, ideologische Aspekte innerhalb der Internationalen Brigaden oder die Teilnahme von Österreichern auf Seiten der aufständischen Generäle behandelt.

Cover Gero von Randow: Wenn das Volk sich erhebt. Schönheit und Schrecken der Revolution, Verlag Kiepenheuer & Witsch

Fachbuch

Wenn das Volk sich erhebt. Schönheit und Schrecken der Revolution

Gero von Randow

Der Publizist Gero von Randow hat ein Buch über Revolutionen in Geschichte und Gegenwart in Amerika, Europa, Afrika und Asien vorgelegt, in dem er ergründet, warum von ihnen eine so große Faszination ausgeht und ob diese noch zukunftsfähig sind. Dafür erklärt Randow, was überhaupt unter „Revolution“ zu verstehen ist. Seine These ist, dass Revolutionen zumeist unversehens auftauchen, gleichzeitig aber einem jeweils ähnlichen Muster folgen. Von den Sklavenaufständen im Altertum, über die Französische Revolution, die Oktoberrevolution bis hin zu den arabischen Revolutionen seit 2010, die der Autor selbst als Augenzeuge in Tunesien verfolgen konnte, geht er den Ideen der Revoltierenden und den historischen Ereignissen nach. Hierfür skizziert er in kurzen Charakterstudien die Beweggründe und Handlungsimpulse einiger, die revolutionäre Ziele verwirklichen wollten. Biografische Einschübe und persönliche Erfahrungen Randows, etwa in der westdeutschen Studentenbewegung, machen das Buch auch zu einer sehr persönlichen Geschichte.

Buchcover "The Last Days of Stalin", Yale University Press

Monographie

The Last Days of Stalin

Joshua Rubenstein

Josef Wissarionowitsch Stalin war der diktatorische Machthaber der Sowjetunion von 1927 bis 1953. Während seiner Amtszeit ließ Stalin mehrere Millionen vermeintliche Gegner im Rahmen der politischen „Säuberungen“ in Schauprozessen hinrichten oder zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilen. Eine Vielzahl wurde in Gulag-Strafarbeitslager deportiert, in denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Stalin erhob das Konzept des Sozialismus zum zentralen Grundsatz in der Sowjetunion. Am 5. März 1953 starb Stalin an den Folgen eines Hirnschlags und wurde dabei Opfer seiner eigenen Willkürherrschaft, Gewalt und Intrigen – stundelang eilten ihm die Mitglieder des Politbüros der KP nicht zu Hilfe. Der Autor Joshua Rubenstein beschäftigt sich in seiner chronologischen Darstellung The Last Days of Stalin mit den Wochen und Monaten kurz vor und kurz nach Stalins Tod. Ziel seines Buches ist es, den zahlreichen fiktionalen Erzählungen rund um Stalins Tod und dem Mythos „5. März 1953“ eine wissenschaftliche Studie entgegenzustellen. Rubenstein behandelt die spätstalinistischen Kampagnen gegen jüdische Ärzte und „Kosmopoliten“ kurz vor Stalins Tod als eine der letzten Kampagnen des Diktators. In seinem Buch berücksichtigt der Autor auch die US-amerikanischen Reaktionen auf den Tod Stalins. Das Buch endet mit den Ereignissen am 17. Juni 1953, als die Sowjetarmee gewaltsam die Aufstände in der DDR niederschlug.

Cover des Buches „Das sowjetische Jahrhundert – Archäologie einer untergegangenen Welt“, Verlag C.H. Beck

Fachbuch

Das sowjetische Jahrhundert - Archäologie einer untergegangenen Welt

Karl Schlögel

Zum Centennial der Russischen Revolution erschafft der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel mit Das sowjetische Jahrhundert ein Panorama des Lebens in der Sowjetunion. Er beschreibt die Routinen des alltäglichen Lebens im sowjetischen Kommunismus und das kleine Glück im Kulturpark, der Datscha oder im Urlaub an der Roten Riviera. Die Weite des Eisenbahnlandes, die Enge der Gemeinschaftswohnung als Lebensrealitäten sowjetischer Bürger, aber auch die propagandistischen Paraden und Einweihungen von Mega-Bauten des Kommunismus sind Schlögels Untersuchungsgegenstand. Dabei geht es ihm darum, Sound, Duft und Rhythmus des "Zeitalters der Extreme" einzufangen. Durch diesen Ansatz nähert sich der Autor den Phänomenen des Eskapismus und dem Rückzug ins Private in der sowjetischen Gesellschaft. Das Buch ergründet wie das sowjetische Imperium den Alltag der Menschen beeinflusst hat. Den Autor interessieren hierbei vor allem die sozialen und kulturellen Kontinuitäten, welche bis in die heutige russische Gesellschaft reichen.Karl Schlögel ist Autor zahlreicher Bücher zur sowjetischen und osteuropäischen Geschichte (Terror und Traum. Moskau 1937) und lehrt Osteuropäische Geschichte an der Europäischen Universität Viadrina.

Buchcover „Mediale Schlachtfelder. Die NS-Propaganda gegen die Sowjetunion (1939–1945)“, Campus Verlag

Monographie

Mediale Schlachtfelder. Die NS-Propaganda gegen die Sowjetunion (1939–1945)

Olga Shtyrkina

In ihrer Studie „Mediale Schlachtfelder. Die NS-Propaganda gegen die Sowjetunion (1939–1945)“ wertet Olga Shtyrkina die Mitte der 1990er-Jahre im Sonderarchiv Moskau entdeckten Protokolle der Geheimkonferenzen von Joseph Goebbels im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda aus den Jahren von 1939 bis 1945 aus. Die Autorin analysiert Protokolle von circa 1200 Ministerkonferenzen und wertet diese erstmalig aus. Sie zeichnet die Entwicklung und Transformation der NS-Propagandastrategie gegen die UdSSR nach und bezieht dabei vor allem die "große Täuschung" des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts mit ein, sowie das Scheitern des "Blitzkriegs" und die Proklamation des "totalen Kriegs" nach der Schlacht von Stalingrad. Die Studie ist in fünf Kapitel gegliedert: Den Einstieg macht die Autorin mit einem Übersichtskapitel über Propagandatheorien in der Weimarer Republik. Ihre anschließende Analyse der inhaltlichen Veränderungen der Propaganda folgt chronologisch dem Zeitverlauf des Krieges. Der Autorin gelingt es, mit ihrer Studie eine wesentliche Wissenschaftslücke in der historischen Kommunikationsforschung zu schließen. Die Publikation stellt eine gekürzte Version ihrer Dissertation aus dem Jahr 2017 dar.

Cover des Buches "Von der Spiegelgasse in den Kreml", Verlag Metropol

Lesung

Von der Spiegelgasse in den Kreml

Matthias Steinbach

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 saß Wladimir Iljitsch Lenin in der neutralen Schweiz fest. Auch wenn er nie ein „Agent des Kaisers“ war, konnte er mit deutscher Hilfe im April 1917 in einem Zug nach Russland ausreisen. Churchill interpretierte dies später so, dass Lenin von den Deutschen „wie ein Pest-Bazillus“ ins Zarenreich eingeschleust wurde. Auch wenn er maßgeblich am Sturz der russischen Monarchie beteiligt war, war er doch mehr als nur ein Objekt auf der Karte der Weltpolitik. In der „szenischen Lesung“ von Matthias Steinbachs Buch wird Lenin als Theoretiker, aber auch skrupelloser Pragmatiker der Revolution präsentiert. Die Lesung setzt sich aus diplomatischen wie literarischen Quellen zusammen und ist mit einem Dokumentenanhang versehen. Das Buch „Von der Spiegelgasse in den Kreml“ ist aufgrund seiner Fülle an Quellen insbesondere für den Einsatz in Schulen gedacht.

Puer robustus: Eine Philosophie des Störenfrieds, Screenshot vom Buchcover

Fachbuch

Puer robustus - Eine Philosophie des Störenfrieds

Dieter Thomä

In Form einer philosophischen Abenteuergeschichte erzählt Dieter Thomä über Störenfriede der gesellschaftlichen Ordnung und zeigt was vom puer robustus, dem kräftigen Knaben, der auf eigene Faust handelt, der sich nicht an Regeln hält, aneckt, aufbegehrt und auch mal zuschlägt, zu halten ist. Als Unhold oder Held, Schreck- oder Leitbild hat er über drei Jahrhunderte hinweg die Gemüter großer Dichter und Denker erhitzt. Bei Hobbes und Rousseau, Schiller und Hugo, Diderot und Tocqueville, Marx, Freud, Carl Schmitt und vielen anderen tritt er als Schlüsselfigur auf, an der sich ein Zentralproblem der politischen Philosophie entscheidet: das Verhältnis von Ordnung und Störung. Und auch heute steht die Zukunft der modernen Gesellschaft auf dem Spiel, die sich nach wie vor nicht im Zentrum der Macht, sondern an den Rändern, wo die Krisen ausgefochten werden, entscheidet. An dieser Schwelle zur Ordnung tummeln sich Trittbrettfahrer und Quertreiber, Eigenbrötler und Rebellen, und hinter ihnen allen steckt der puer robustus, dem der Autor mittels dieses Werkes eine neue und spannende Aufmerksamkeit zukommen lässt. 

Logo der Zeitschrift geschichte für heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung

Zeitschrift

Russische Revolution 1917 und Geschichtsunterricht

Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e. V. (Hrsg.)

Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. - geschichte für heute. Zeitschrift für historisch-politische Bildung - legt im Heft 4 des Jahres 2017 anlässlich des Jahrestages der russischen Oktoberrevolution den Schwerpunkt auf das Thema. Die drei Aufsätze stammen von Jan Plamper, Philipp Bürger und Michael Wagner. Es werden aktuelle Forschungstrends zur russischen Revolution vorgestellt, die Erinnerung an die Ereignisse im heutigen Russland thematisiert sowie anhand der Lehrpläne des Bundeslandes Hessen untersucht, wie die Revolution im deutschen Geschichtsunterricht behandelt wird. Der Emotionshistoriker Plamper stellt in seinem Beitrag sinneshistorische Zugänge für den Unterricht anhand ausgewählter Quellen vor. Die Zeitschrift wird ergänzt durch Rezensionen von epochenübergreifender Fachliteratur und Gedenkorten die relevant für den Geschichtsunterricht sind.  

Wagenlehner, Abschied, Kommunismus, Ideologie

Fachbuch

Abschied vom Kommunismus. Der Niedergang der kommunistischen Idee von Marx bis Gorbatschow

Günther Wagenlehner

Der deutsche Politikwissenschaftler Günther Wagenlehner musste zehn Jahre seines Lebens im Gulag verbringen (1945–1955). Bereits 1962 erschien sein Buch „Kommunismus ohne Zukunft“, im Jahr 1987, also ebenfalls vor dem Ende der Sowjetunion und dem Zusammenbruch zahlreicher sozialistisch regierter Staaten, seine Monographie „Abschied vom Kommunismus. Der Niedergang der kommunistischen Idee von Marx bis Gorbatschow“. Dem programmatischen Titel entsprechend, zeichnet er nach, wie sich die kommunistische Idee durch die Politik der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Stück für Stück von ihrer ursprünglichen Ausrichtung im wörtlichen Sinne verabschiedet habe. Wagenlehner handelt das sukzessive Ende des Kommunismus in drei Kapiteln ab: Erstens „Das Parteiprogramm“ der KPdSU nach der Marxschen Theorie, zweitens „Staat oder Kommunismus“ mit den parteiinternen Entwicklungen mit Fokus auf Lenins Einfluss sowie drittens den „Verfall der Ideologie“, der den politischen Umgang mit dem ideologischen Kommunismuskonzept in chronologischer Erzählung aufzeigen soll. Seiner Studie ist ein Vorwort des deutsch-baltischen Rechtswissenschaftlers und Experten für osteuropäische Zeitgeschichte Boris Meissner vorangestellt.

Buchcover

Analyse

Der Schauprozess im 20. Jahrhundert in Deutschland. Begriff, Funktion und Struktur anhand ausgewählter Beispiele

Katharina Werz

"Der Schauprozess im 20. Jahrhundert in Deutschland. Begriff, Funktion und Struktur anhand ausgewählter Beispiele" ist die Dissertationsschrift der Autorin Katharina Werz. Die wissenschaftliche Arbeit untersucht zunächst die Begrifflichkeit des Schauprozesses und seine Verwendung. Anschließend analysiert sie sieben Verfahren, die im 20. Jahrhundert Deutschland geführt wurden, auf ihre Eigenschaft als Schauprozess hin; dabei verfährt die Autorin nach einem Untersuchungsraster, welches auf den Kriterien Herrschaftsform, Rechtsgebiet, beabsichtigter Wirkung, gelenkter Judikative, Verfahrensablauf, Öffentlichkeit, Publikum, Strafmaß, Propaganda und Einhaltung des Rechtsstaatsprinzips. Untersucht werden Verfahren aus der Weimarer Republik (der Prozess gegen die Mörder Walther Rathenaus 1922), aus dem Dritten Reich (Reichstagsbrandprozess 1933 und die Verfahren gegen Mitglieder des 20. Juli 1944), aus der DDR (der Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen 1952 und das Devisenverfahren gegen Robert Havemann 1979) und aus der BRD (Stammheim 1975–1977 sowie das zweite Mauerschützen-Verfahren gegen Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrats 1992–1993). Die Arbeit schließt mit der Aussicht, dass Schauprozesse angesichts zunehmend weniger kontrollierten Medienöffentlichkeit an Bedeutung verlieren.

Cover FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte Jg. 20 (2016) Heft 1

Zeitschrift

„Andersdenkende“ im Kommunismus

ZIMOS - Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Hrsg.)

Diese Ausgabe der Zeitschrift FORUM, das Periodikum des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, widmet sich Formen der Opposition und intellektueller Freiheiten im Sowjetkommunismus. Anhand ausgewählter Beiträge wird untersucht welche Handlungsspielräume für Wissenschaftler und Kulturschaffende im Rahmen der Diktatur bestanden haben. Anne Rennert untersucht in ihrem Aufsatz die Bildsprache sowjetischer Maler und Graphiker, Dirk Mathias Dalberg die Gesellschaftsanalyse des Prager Dichters Egon Bondy und Leonid Luks die Interpretation der russischen Revolution des ukrainischen Philosophen Nikolaj Berdjaev. Ein weiterer Beitrag von Roman Schmolorz versucht die soziale Integration der Westdeutschen Gesellschaft zu rekonstruieren. Der letzte Essay der Ausgabe von Martin Malek geht auf den 550. Jahrestag der Begründung kasachischer Staatlichkeit ein.

Ausschnitt des Buchcovers

Fachbuch

Der Krieg nach dem Krieg. Deutschland zwischen Revolution und Versailles 1918/19

Andreas Platthaus

2018 jährten sich die wirkungsträchtigen Ereignisse Novemberrevolution, Ende des Ersten Weltkrieges und die Gründung der Weimarer Republik zum 100. Mal. Andreas Platthaus beginnt in seiner chronologischen Darstellung Der Krieg nach dem Krieg. Deutschland zwischen Revolution und Versailles 1918/19 im September 1918, als eine letzte Offensive des Militärs, die den erlösenden Sieg bringen sollte, geplant war. Platthaus zeichnet die Ereignisse in Deutschland nach, beginnend im Herbst 1918 bis zum Sommer 1919 und verdeutlicht dabei besonders den Konflikt um die Frage, was nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 folgen sollte: eine kommunistische Volksherrschaft? Eine gemäßigte Republik? Am Ende dieser Auseinandersetzungen stand der Frieden von Versailles. Seine Darstellung der Ereignisse von Herbst 1918 bis zum Sommer 1919 gleicht einem einzig großen Gewaltzusammenhang, da der Krieg nach dem Waffenstillstand dennoch nicht beendet war und zahlreiche, einschneidende Umbrüche vollzogen werden mussten. Platthaus zeichnet in seinem Buch ein eindrucksvolles Zeitpanorama zwischen der Niederlage Deutschlands und dem Vertrag von Versailles.

Buchcover Georg von Rauch: Geschichte der Sowjetunion

Fachbuch

Geschichte der Sowjetunion

Georg von Rauch

Georg von Rauch (1904–1991) wuchs im Russischen Zarenreich auf, studierte und lehrte nach dem Ersten Weltkrieg im neuen Staat Estland. 1939 wurde er in den „Warthegau“ ausgewiesen. Von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1972 lehrte er an osteuropäische Geschichte in Marburg und Kiel. Die Erstausgabe seiner Geschichte der Sowjetunion erschien 1955, die achte, verbesserte und erweiterte Auflage, durchgesehen und ergänzt von Wolfgang Geierhos, 1990, als das Land sich in einer Phase tiefgreifender und nicht absehbarer Veränderungen befand. Die am Vorabend der Russischen Revolution von 1917 beginnende Darstellung wird bis zur Amtszeit Gorbatschows als Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion fortgeschrieben. Eine Zeittafel fasst die wichtigsten Ereignisse bis einschließlich März 1990 übersichtlich zusammen.

Fachbuch

Soviet Internationalism after Stalin

Tobias Rupprecht

Die Sowjetunion wird oft als ein weitgehend isolierter und eigenwilliger Staat dargestellt. Mit dieser These beschäftigt sich das Buch, indem es chronologisch und thematisch strukturiert die Geschichten und Begegnungen sowjetischer und lateinamerikanischer Intellektueller, Studenten, politischer Persönlichkeiten und Künstler aus den 1950er-Jahren bis in die 1980er-Jahre erzählt.Mit dieser multi-archivalischen Studie der sowjetischen Beziehungen mit Lateinamerika zeigt Tobias Rupprecht, dass der Kalte Krieg für die Menschen in der Zweiten und Dritten Welt nicht nur die Konfrontation mit einem ideologischen Feind, sondern auch eine verstärkte Vernetzung mit entfernten Weltregionen bedeutete. Schließlich sah die Sowjetunion von einem südlichen Standpunkt ganz anders aus, als von einem westlichen. Rupprecht beschreibt, wie sich unter Stalin der sowjetische Internationalismusbegriff grundlegend wandelte, die Deutung des Begriffs sich innerhalb der "post-stalinistischen Gesellschaft" veränderte und welche Auswirkungen die Begegnungen mit dem "Anderen" in politischer, wissenschaftlicher, intellektueller und kultureller Hinsicht hatten.

Fachbuch

Sozialismus und Kommunismus im Wandel

Klaus Schönhoven, Dietrich Staritz (Hrsg.)

Die vom Politologen Dietrich Staritz und dem Historiker Klaus Schönhoven herausgegebene Festschrift umfasst 33 Beiträge zu Themen, die dem Historiker Herman Weber (1928–2014) besonders am Herzen lagen. Die Aufsätze des ersten Teils erörtern Idee und Programm des Sozialismus. Wolfgang Leonhard vertritt etwa seine These vom Stalinismus als Fortsetzung und gleichzeitige Negation des Leninismus. Im zweiten Teil wird die deutsche und internationale Arbeiterbewegung seit dem 19. Jahrhundert untersucht, und der dritte Teil des Bandes beschäftigt sich mit Deutschland in der geteilten Welt. Im vierten Abschnitt geht es um Osteuropa vor und nach 1989/90/91 mit Perspektiven auf Russland, Polen und die Tschechoslowakei. Im Anhang des Buches findet sich u.a. eine 30 Seiten lange Bibliographie der Schriften Hermann Webers.

Cover des Buches „Revolution in Russland. Das Zarenreich in der Krise 1890 – 1928.“

Fachbuch

Revolution in Russland – Das Zarenreich in der Krise 1890 - 1928

Stephen A. Smith

Zum Centennial liefert Stephen Smith, Professor für Geschichte am All Souls College der Universität Oxford, eine tiefgreifende Analyse der Voraussetzungen sowie des Verlaufs und der Folgen der „Revolution in Russland“. Der renommierte Russland-Historiker spannt den Bogen von der Endphase des Zarenreichs 1890 bis zum Beginn der Zwangskollektivierungen 1928. Unter Einbezug zahlreicher neuer, hauptsächlich russischer Quellen erzählt Smith klar strukturiert und informativ. Er eröffnet dabei neue, ungewohnte Sichtweisen auf den revolutionären Umbruch. Die untypisch weit gefasste Zeitspanne des Buches erweist sich als eine seiner Stärken. So markiert das Jahr 1928, der Endpunkt Smiths’ Schilderung, sowohl die finale Konsolidierung der Macht Stalins als auch das Ende der traditionellen Bauernschaft, auf die bald die Einrichtung der Kolchosen folgte. Zu Smiths Forschungsschwerpunkten gehören die Sozialgeschichte Russlands, die Russischen Revolution, die Geschichte Chinas sowie die vergleichende Kommunismusforschung.

Christian Teichmann: Macht der Unordnung, Stalins Herrschaft in Zentralasien 1920-1950

Fachbuch

Macht der Unordnung: Stalins Herrschaft in Zentralasien 1920-1950

Christian Teichmann

Gewalt schien im 20. Jahrhundert das vorherrschende Instrument zum Ausbau staatlicher Herrschaft zu sein. Die Sowjetunion setzte allerdings wie kein anderes Land in dieser Zeit noch auf ein anderes, zunächst harmlos klingendes Mittel: die künstliche Bewässerung.  1920 begann mit Lenins “Plan zur Elektrifizierung” des Landes das sowjetische Wasserbauprogramm, welches 1950 in Stalins “Plan zur Umgestaltung der Natur” gipfelte. Durch den Bau von Kanälen und Staudämmen veränderte sich nicht nur das Zusammenleben der Menschen, sondern auch ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und ihr Umgang mit der Natur. Zu Stalins Umgestaltungsplan gehörte auch die Idee, die zentralasiatische Peripherie in den Prozess der sowjetischen Staatswerdung zu integrieren: Mithilfe der künstlichen Bewässerung sollte die Baumwollindustrie unabhängig vom Import des wichtigen Cash Crops gemacht werden. Nach einem wirtschaftsgeografischen Überblick über die Sowjetunion beschreibt der Osteuropa-Historiker Christian Teichmann erste Experimente im Wasserbau, den Arbeitsalltag der russischen Ingenieure aber auch Grenz- und Wasserkonflikte. Ausführlich arbeitet er heraus, wie im sowjetischen Staat nicht nur Baumwollblüten keimten, sondern auch Terror, Deportationen und eine fragile Staatspolitik – Unordnung sei das zentrale Instrument der Herrschaftssicherung im sowjetischen Baumwollstaat gewesen.

Cover: Heinz Timmermann: "Eurokommunismus" und Sonderweg-Konzepte nach 1945, Köln: Bundesinstitut für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien 1982.

Fachbuch

"Eurokommunismus" und Sonderweg-Konzepte nach 1945

Heinz Timmermann

Der Historiker und Osteuropaexperte Heinz Timmermann (1938–2008) beschäftigt sich in seiner Studie mit den kommunistischen Parteien Westeuropas, die zum Teil in scharfer Abgrenzung zum sowjetischen Modell die Konzeption des „Eurokommunismus“ entwickelt haben. Am Beispiel der Französischen (FKP) und der Italienischen Kommunistischen Partei (IKP) zeigt Timmermann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen eurokommunistischen Positionen auf und stellt diese in einen Zusammenhang mit den „Sonderweg“-Konzepten der Kommunisten aus der Nachkriegszeit. Er stützt sich vor allem auf Dokumente der beiden Parteien und kommt u. a. zu dem Schluss, dass die IKP einen „dritten Weg“ zwischen Sozialdemokratie, Sowjetkommunismus und III. Internationale bevorzuge, während die FKP weiterhin der Vorstellung vom französischen Sonderweg zum Kommunismus anhänge.

Logo der Zeitschrift geschichte für heute

Zeitschrift

geschichte für heute. zeitschrift für historisch-politische bildung

Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e. V. (Hrsg.)

geschichte für heute ist die Bundeszeitschrift des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. und erscheint alle drei Monate im Wochenschau Verlag. Die Zeitschrift widmet sich in ihren Ausgaben den neuesten Entwicklungen in Forschung und Unterrichtspraxis, der Bildungspolitik, dem Geschichtsbewusstsein in Bildungseinrichtungen und der Geschichtskultur. Die Zeitschrift versteht sich als Forum für didaktische Reflexion an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Bildungsalltag. Die Zeitschriften versammeln immer drei bis vier Aufsätze renommierter Historiker, Bildungswissenschaftler oder historisch-politischen Bildnern zu bestimmten Schwerpunktthemen. Der zweite Teil der Zeitschrift bietet durch eine Vielzahl an kurzen Buchbesprechungen, Projektvorstellungen und Verbandsinformationen einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen in Forschung, historisch-politischer Bildung und Bildungspolitik. Als Redakteure sind derzeit Dr. Ralph Erbar und Dr. Frank Schweppenstette für das Periodikum verantwortlich.

Buchcover Hermann Weber: Kommunismus in Deutschland 1918–1945

Fachbuch

Kommunismus in Deutschland 1918–1945

Hermann Weber

Der Historiker und Politikwissenschaftler Hermann Weber (1928–2014), der 1945 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beigetreten und 1954 als „Agent“ ausgeschlossen worden war, hat eine Bibliographie als Hilfsmittel für die Geschichtsschreibung der KPD vorlegt. Darin kommentiert er ausführlich die wichtigsten bis 1983 erschienen Bücher und Beiträge zur Geschichte der Partei bis 1945. Einleitend problematisiert er die DDR-Geschichtsschreibung zur KPD sowie den Umgang mit biographischer Literatur und Memoiren. Die Bibliographie umfasst Werke zur Gründung der KPD, zum Verhältnis zwischen KPD und Kommunistischer Internationale sowie zur Ideologie und zum Aufbau der Partei. Die Literatur zur Politik der KPD zwischen 1919 und 1945 steht im Mittelpunkt des Buches. Sie ist chronologisch gelistet und enthält Kommentare und Hintergrundinformationen.

Cover "Politischer Widerstand", Nomos Verlag

Fachbuch

Politischer Widerstand. Allgemeine theoretische Grundlagen und praktische Erscheinungsformen in Nationalsozialismus und Kommunismus

Barbara Zehnpfennig (Hrsg.)

Auflehnung gegen vermeintliches oder tatsächliches Unrecht begleitet politische Herrschaft, seitdem es sie gibt. Der von der Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig herausgegeben Band Politischer Widerstand. Allgemeine theoretische Grundlagen und praktische Erscheinungsformen in Nationalsozialismus und Kommunismus untersucht mit dem politischen Widerstand also ein Phänomen, das die gesamte Geschichte durchzieht und fragt, wie legitim solche Auflehnung ist und wie sie begründet werden kann. Diesen Fragen gehen im ersten Teil des Bandes Philosophen, Politikwissenschaftler und Juristen aus ihrer jeweiligen Fachperspektive nach. Im zweiten und dritten Teil werden Beispiele aus der Praxis näher beleuchtet. So wird von Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen dargestellt, wie und warum Menschen in Kommunismus und Nationalsozialismus das zum Teil lebensbedrohliche Risiko auf sich genommen haben und sich der Herrschaft widersetzten. Der Band umfasst Beiträgen von Robert von Friedeburg, Armin Fuhrer, Rolf Gröschner, Winfried Heinemann, Günther Heydemann, Frauke Höntzsch, Michal Kaczmarczyk, Sven Felix Kellerhoff, Hans-Christof Kraus, Frank-Lothar Kroll, Jerzy Maæków, Andreas Oplatka, Gerhard Ringshausen, Stefan Schick, Peter Steinbach und Barbara Zehnpfennig. Das Inhaltsverzeichnis des Bandes finden Sie hier.

Cover FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte Jg. 20 (2016) Heft 1

Zeitschrift

FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte

ZIMOS - Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Hrsg.)

Das Periodikum "FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte" ist die Schriftenreihe des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien (ZIMOS) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die Zeitschrift erscheint halbjährlich seit 1997. Bis 2013 wurde das FORUM vom Böhlau-Verlag in Köln verlegt. Seit 2014 erscheint es im Stuttgarter ibidem-Verlag. Zu den Herausgebern der Zeitschrift gehören renommierte europäische Osteuropahistoriker. Inhaltlich geht es den Autoren und Autorinnen um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Sowjetdiktaturen. Zentral hierbei ist in den Beiträgen die Ideengeschichte der Opposition. Die Suche nach Alternativen zum Kommunismus in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft unter den Bedingungen der Diktatur sind die bestimmende sich durch alle Jahrgänge durchziehende Forschungsfrage des FORUM.

Buchcover

Aufsatzsammlung

World Revolution and Socialism in One Country: 1917–1941

Silvio Pons und Stephen A. Smith (Hrsg.)

"Revolution and Socialism in One Country 1917–1941.” ist das erste Buch der dreiteiligen Reihe “The Cambridge History of Communism”. Der Band konzentriert sich auf die Geschichte der Sowjetunion und der kommunistischen Bewegungen im Zeitraum zwischen der Oktoberrevolution 1917 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Der Titel des Bandes bezieht sich auf Stalins Staatsdoktrin des “Soazialismus in einem Land”. Diese wurde in Reaktion auf das Scheitern kommunistischer Bewegungen in Europa formuliert. Sie erklärte die noch unter Lenin vertretene These, der Erfolg des sowjetischen Sozialismus hänge von der Weltrevolution ab, für nichtig. Stattdessen steht Stalins Doktrin für die Auffassung, dass der Sozialismus in einem Land aufzubauen sei. Ungeachtet des Titels beschäftigt sich der Inhalt des Buches jedoch nicht ausschließlich mit der Geschichte der Sowjetunion. Die thematischen Bandbreite der Beiträge ist immens. Die internationalen Auswirkungen des Revolutionsjahres 1917 wird in Beiträgen zu den kommunistischen Bewegungen in China, Spanien und Deutschland thematisiert. Weitere Themen sind die Spaltung zwischen Stalinisten und Trotzkisten und bolschwistischer Feminismus. Anspruch der Buchreihe ist es, die Geschichte des Kommunismus in den größeren Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Das umfangreiche Referenzwerk versammelt zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Kommunismus und stellt den immensen internationalen  Einfluss kommunistischer Ideen und Bewegungen auf die politischen und gesellschaftlichen Prozesse des 20. Jahrhunderts dar. 

Cover des Buches "Die Novemberrevolution 1918/19", marixverlag

Fachbuch

Die Novemberrevolution 1918/19

Christoph Regulski

Christoph Regulskis Buch "Die Novemberrevolution" analysiert die Ursachen, den Verlauf und die Konsequenzen der Revolution von 1918/19. Eine Vielzahl der Analysen zum Thema die anlässlich des 100. Jahrestages des Kieler Matrosenaufstandes 1918 erschienenen sind, legt den Schwerpunkt der Betrachtung auf das Ende der Revolution, auf den Aspekt des Unvollendeten – und, vor allem, auf die Weimarer Republik, die aus der Revolution entstand und die in ihrer Verfasstheit die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ermöglichen würde. Regulski hingegen wendet den Blick auf die Ursprünge der Revolution und untersucht, ob hier bereits die Gründe für ihr späteres Scheitern gefunden werden können. Dr. Christoph Regulski, studierte Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin und an der Ruhr-Universität Bochum. Seine bisher veröffentlichten Bücher erstrecken sich vom Kaiserreich bis zu seinem Forschungsschwerpunkt Erster Weltkrieg. Der Autor lebt und arbeitet in der Wetterau bei Frankfurt am Main.

Rykin, Kommunismus, Religion

Fachbuch

Kommunismus als Religion. Die Intellektuellen und die Oktoberrevolution

Michail Ryklin

In seinem Buch „Kommunismus als Religion. Die Intellektuellen und die Oktoberrevolution“ versucht Michail Ryklin den religiös anmutenden Glauben an die marxistische Idee als eben solchen zu entlarven. Dazu vergleicht er Phänomene und Riten kommunistischer Ideologie mit denen der Religion (z. B. den Kult um das Lenin-Mausoleum in Moskau). Der Autor wirft den kommunistischen Leitfiguren des 20. Jahrhunderts, Lenin und Stalin, vor, die „alte Religion“ lediglich durch ihre neue ersetzt zu haben. Als charakteristisch für Mechanismen der Religion markiert er beispielsweise die Vertröstung ihrer Anhänger auf die Zukunft und die Unterteilung in Gut und Böse, die sowohl in religiösen Gemeinden als auch in kommunistischen Gesellschaften von ihren Anführern vorgenommen wird. Das Buch möchte klären, was den Reiz des ursprünglichen revolutionären Glaubens und seiner Kultur für westeuropäische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts ausgemacht hat.

Cover des Buches "Kometenjahre", Verlag S. Fischer

Fachbuch

Kometenjahre. 1918: Die Welt im Aufbruch

Daniel Schönpflug

Der Historiker Daniel Schönpflug schildert in „Kometenjahre. 1918: Die Welt im Aufbruch“ den Aufbruch in eine neue Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Der Autor porträtiert zahlreiche Schicksale, um die Jahre der Revolutionen lebendig werden zu lassen: Die Kosakin Marina Yurlova kämpft in Sibirien gegen die Bolschewiken, Käthe Kollwitz macht ihren Schmerz zu Kunst, Rudolf Höß marschiert mit dem Freikorps, Virginia Woolf revolutioniert den Roman, Walter Gropius will mit der Architektur die Gesellschaft verändern und die Publizistin Louise Weiss wirbt in Paris leidenschaftlich für ein vereintes Europa. Der Autor entwirft anhand der Lebenswege dieser prägenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ein Panorama des Jahres 1918. Das Buch zeigt die Hoffnungen und die progressiven Erwartungen dieser Umbruchsjahre ebenso auf, wie den in ihnen angelegten Weg in die Kathatstrophe.  

Snyder, Bloodlands, Europe, Hitler, Stalin

Fachbuch

Bloodlands. Europe between Hitler and Stalin

Timothy Snyder

In seinem Buch „Bloodlands. Europe between Hitler and Stalin“ aus dem Jahr 2012 untersucht der amerikanische Historiker Timothy Snyder die Ausmaße und Folgen des stalinistischen, nationalistischen und nationalsozialistischen Terrors im mittel- und osteuropäischen Raum, der sich von Posen über Leningrad, Stalingrad und die Krim erstreckt. Dabei ordnet und interpretiert er die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts in Europa nach dem Narrativ einer räumlichen Gewaltgeschichte. Beide Massenmorde, die unter Stalins und die unter Hitlers Führerschaft, so Snyder, sind somit Teil derselben europäischen Epoche der Gewalt. Snyders Ausführungen wurden breit rezipiert und besprochen. Indirekt stießen sie auch eine Debatte um ein räumliches Gewaltnarrativ an, die im Jahr 2016 vor allem über Aufsätze und Zeitschriftenbeiträge von den Geschichtsprofessoren Jörg Baberowski und Friedrich Lenger ausgetragen wurde.

telegraph "Tragödie der Freiheit Revolution und Krieg in Spanien", Screenshot vom Cover der Sonderausgabe

Sammelband

Tragödie der Freiheit. Revolution und Krieg in Spanien (1936-1939). Fragmente

telegraph

Dieses Heft dokumentiert sämtliche Texte der Ausstellungstafeln, sowie einen Teil des Bildmaterials aus der Ausstellung: „Tragödie der Freiheit – Revolution und Krieg in Spanien 1936-39". Am 17. Juli 1936 putschten Teile des spanischen Militärs gegen die seit 1931 bestehende Republik, zunächst in der Kolonie Marokko, dann in Spanien selbst. Daraus resultierte der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, an dem sich auch außerspanische Kräfte wie Nazi-Deutschland und das faschistische Italien beteiligten, weshalb es letztlich nicht nur ein Bürgerkrieg war. Sein Ende fand dieser Krieg im April 1939 mit dem Sieg der Putschisten, gefolgt von einer bis 1975 andauernden Diktatur. Der Putsch wurde von Monarchisten, Faschisten und anderen unterstützt, scheiterte jedoch vielerorts am Widerstand von Anarchisten, Sozialisten, anderen Linken und Republikanern. Betrachtet man die Ereignisse aus heutiger Sicht, wird sowohl an den vielfältigen Widerstand gegen die rechten Putschisten erinnert, als auch an die Soziale Revolution, die sich an vielen Stellen aus der Abwehr des Putsches entwickelte. Was 1936 in Spanien geschah, gilt als erstaunlich: In der Geschichte gibt es kaum weitere Beispiele, wo die Linke einen rechten Putsch zurückschlagen konnte. Die Sonderausgabe "Tragödie der Freiheit: Revolution und Krieg (1936-1939)" kann hier bestellt werden.

Buchcover Heinz Timmermann (Hrsg.): Euro-Kommunismus. Fakten, Analysen, Interviews

Fachbuch

Euro-Kommunismus. Fakten, Analysen, Interviews

Heinz Timmermann (Hrsg.)

In dem vom Historiker und Osteuropaforscher Heinz Timmermann herausgegebenen Sammelband wird die Vielfalt eurokommunistischer Theorie und Praxis thematisiert. In seinem Vorwort erklärt der SPD-Politiker und Bundesminister a.D. Horst Ehmke Mitte der 1970er-Jahre, er hoffe auf die Überwindung der historischen Spaltung der Arbeiterbewegung in Westeuropa. Heinz Timmermann, der in seiner Einleitung einen vergleichenden Blick einnimmt, stellt dagegen heraus, dass die kommunistischen Parteien vor allem die Ablehnung durch die Konservativen eint. Das Buch enthält Beiträge zu einzelnen kommunistischen Parteien in Westeuropa sowie Stellungnahmen damaliger führender Eurokommunisten wie etwa Manuel Azcaràte von der spanischen KP. Dabei werden vor allem die spezifischen innenpolitischen Konstellationen deutlich, die die Entstehung und die Struktur der eurokommunistischen Parteien prägten.

Dissident, Blog, Victims of Communism Memorial Foundation

Blog | Artikel

Dissident

Victims of Communism Memorial Foundation

Der Blog „Dissident“ der Victims of Communism Memorial Foundation beschäftigt sich nach eigenen Angaben mit „der Ideologie, Geschichte und dem Vermächtnis des Kommunismus“. Die Seite widmet sich demnach explizit dem Kampf gegen den Kommunismus, versucht seine Schattenseiten und das Leiden derjenigen, die unter einem kommunistischen Herrschaftsregime lebten und leben, zu beleuchten. Neben historischen Betrachtungen zur Geschichte des Kommunismus weltweit beschäftigt sich der Blog u.a. auch kritisch mit kommunistischen Referenzen in der Popkultur und stellt Helden im Kampf gegen kommunistische Regimes vor. Die Artikel arbeiten zum Teil mit Fußnoten, sollen also wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Leser können dem Blog-Team, das seinen Sitz in Washington DC hat, Themenvorschläge zusenden und Artikel zur Veröffentlichung anbieten. Die Herausgeber „haben die Vision einer Welt frei vom Kommunismus“ und begründen ihre Themensetzung mit dem Satz: „Die Wahrheit am Leben zu erhalten ist eine gemeinschaftliche Aufgabe“.

Weinke, Feind vor Gericht, Schauprozesse, Fachbuch

Fachbuch

Der Feind vor Gericht. Schauprozesse im kommunistischen Osteuropa

Annette Weinke

Annette Weinke veröffentlichte 2016 ihre Studie über Schauprozesse im kommunistischen Osteuropa bei der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Schauprozesse zählen zu den typischen Erscheinungen kommunistischer Herrschaftsausübung im 20. Jahrhundert. Ein erster Höhepunkt waren die großen Moskauer Prozesse der 1930er-Jahre, als sich Stalin auf diesem Wege seiner innenpolitischen Gegner entledigte. In der Ära des Kalten Krieges bedienten sich auch die meisten ostmitteleuropäischen „Volksdemokratien“ dieses Instruments, um die „Sowjetisierung“ ihrer Justizapparate voranzutreiben. Das Kuriosum, Schauprozesse gegen lebende, nicht anwesende Angeklagte zu veranstalten, blieb allerdings ein Alleinstellungsmerkmal der DDR. Annette Weinke liefert eine knappe Zusammenschau zur Geschichte der kommunistischen Schauprozesse und vermittelt erste Einblicke in ein faszinierendes, insgesamt noch wenig erforschtes Kapitel der kommunistischen Herrschafts- und Gesellschaftsgeschichte.

Screen Ungarn 1956. Geschichte und Erinnerung

Website

Ungarn 1956. Geschichte und Erinnerung

Zentrum für Zeithistorische Forschung (Hrsg.)

Aus Anlass des 50. Jahrestages des Volksaufstandes in Ungarn wurde die Webseite ungarn1956.zeitgeschichte-online.de erstellt. Sie bietet eine detailreiche Chronik der Ereignisse von 1956 bis 1989 sowie Hintergrundinformationen zur Vorgeschichte und zum historischen Kontext, zum Aufstand selbst und den Reaktionen in Ost und West. Dafür sind Beiträge namhafter Historiker als PDF-Dateien eingebunden, so dass zugleich die Forschungsliteratur zum Thema vorgestellt wird. Darüber hinaus können die Biographien wichtiger Akteure des Ungarn-Aufstands nachgelesen werden. Ein Fokus liegt auch auf der Erinnerung an die Ereignisse von 1956 und deren Verortung in geschichtspolitischen Narrativen. Umfassende bibliographische Angaben zu Monographien, Aufsätzen, Spielfilmen, Dokumentationen und Quellen können auf der Webseite ebenfalls eingesehen werden.

Cover: Faschismus und Faschismusanalysen, in: FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte Jg. 22 (2018) Heft 2, Hannover: ibidem-Verlag 2018.

Zeitschrift

Faschismus und Faschismusanalysen

ZIMOS - Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Hrsg.)

Die zweite Ausgabe der Zeitschrift "Forum" im Jahr 2018 widmet sich dem Phänomen des Faschismus und seinen Deutungen innerhalb der kommunistischen Bewegungen. Hier werden in Aufsätzen besonders die Sichtweisen sowjetischer Dissidenten und ihren Blick auf die Genese des Totalitarismus vor allem Deutschland und seinem Antisemitismus dargestellt. Ein Aufsatz zur Historiographie der Bundesrepublik untersucht die kontroverse These des Historikers Ernst Nolte, der Nationalsozialismus wäre nur als Reaktion auf die bestehende „bolschewistische Gefahr“ hin entstanden, auf seine Plausibilität. Die heftige öffentliche Auseinandersetzung um diese These in den 1980er-Jahren nennt man „Historikerstreit“. Das totalitäre Gedenken an die russische Oktoberrevolution sowie seine Entstehung und Wandlungen werden ebenfalls in einem Beitrag dargestellt. Das Periodikum "FORUM für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte" ist die Schriftenreihe des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien (ZIMOS) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.