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Buchcover

Fachbuch

Am Nullpunkt - Positionen der russischen Avantgarde

Boris Groys, Aage Hansen-Löve (Hrsg.)

Der Philosoph und Medienwissenschaftler Boris Groys untersuchte in dem am Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe angesiedelten Projekt „The Post-Communist Condition“ die aktuelle Situation der Kunst und Kultur in Osteuropa. Zusammen mit Wissenschaftlern und Künstlern aus Ost und West analysierte Groys die Modernisierungsprozesse des Kommunismus und die kulturellen Folgen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Transformation der osteuropäisch-kommunistischen Staaten gemäß eines westlich-kapitalistischen Modells. Die Ergebnisse des Projekts wurden in drei Bänden herausgegeben und sind ein Konglomerat aus Analysen und Quellen. Der zweite Band trägt den Titel „Am Nullpunkt - Positionen der russischen Avantgarde“ und wurde von Aage Hansen-Löve zusammengestellt. Die Vorstellung des „Nullpunkts“, des Anfangs bei null, faszinierte die russische Avantgarde in der Kunst im Jahr 1917. Als die Russische Revolution ihren Lauf nahm, wollten auch Künstler alle Lasten des „Alten“ abschütteln. Diesen Denkweisen in der russischen Kunst- und Kulturlandschaft widmet sich dieser Band und legt dabei einen Schwerpunkt auf Kasimir Malewitschs Suprematismus. Malewitsch war ein Kämpfer des „Neuen“: Er hatte 1919 gefordert, alle überlieferten Kunstwerke zu verbrennen und in den Museen nur noch ihre Asche auszustellen.

Screen Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung

Zeitschrift

Kommunistische Nachrichtendienste im westlichen Europa

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden (Hrsg.)

Die Zeitschrift versammelt Forschungsergebnisse zu den Aktivitäten kommunistischer Geheimdienste in Westeuropa. Damit soll ein Aspekt beleuchtet werden, der in der Forschung bisher wenig beachtet wurde, nämlich die externe Dimension der geheimdienstlichen Aktivitäten kommunistischer Regime. Christoph Nehring widmet sich in einem Beitrag dem Einsatz von Informationen zur Diffamierung des Westens. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass diese Propaganda kaum Erfolg hatte und nicht gegen die Anziehungskraft westlicher Gesellschaften ankamen. Die anderen Aufsätze beschäftigen sich mit den Aktivitäten der ostmitteleuropäischen Geheimdienste im Norden Europas, mit der Rolle der Agentenkinder in der Spionagetätigkeit der Eltern sowie mit der Auseinandersetzung um das Verhältnis des Stasiopfers Walter Linse zum NS-System. Im zweiten Teil der Zeitschrift sind Rezensionen zu aktuellen Publikationen aus der Demokratie- und Extremismusforschung zu lesen.

Buchcover von James Harris, The Great Fear. Stalin's Terror of the 1930s, Oxford: Oxford University Press 2016.

Monographie

The Great Fear

James Harris

Der an der University of Leeds lehrende Historiker James Harris veröffentlichte 2016 eine Monographie zur politischen Gewalt im Stalinismus der 1930er Jahre. Diese seit langem erste englischsprachige Monographie zum Stalinismus versucht einen emotionshistorischen Ansatz zu nutzen. Die Grundthese des Buches ist, dass Stalin und die sowjetische Führung der 1930er Jahre eine Bedrohungslage wahrnahmen. Erst diese wahrgenommene Bedrohungslage führte zu den großen stalinistischen Terroraktionen. Stalin sei von der Schuld seiner Opfer demnach überzeugt gewesen. Das Buch zeigt, wie die sowjetische Führung aufgrund ihrer Interpretationen der Informationen des Geheimdienstsystems sich selbst überzeugte massiv bedroht zu sein. Somit zeichnet die quellengestützte Untersuchung ein Stalinbild, welches zwischen paranoiden Psychopath und rational handelnder Akteur hin und her laviert.

Buchcover „Botschafter der Revolution. Das transnationale Kommunikationsnetzwerk zwischen der Frente Sandinista de Liberación Nacional und bundesdeutscher Solidaritätsbewegung 1977–1990“, de Gruyter

Monographie | Fachbuch

Botschafter der Revolution. Das transnationale Kommunikationsnetzwerk zwischen der Frente Sandinista de Liberación Nacional und bundesdeutscher Solidaritätsbewegung 1977–1990

Christian Helm

Der Autor Christian Helm beschäftigt sich in seinem Werk Botschafter der Revolution. Das transnationale Kommunikationsnetzwerk zwischen der Frente Sandinista de Liberación Nacional und bundesdeutscher Solidaritätsbewegung 1977–1990 mit der Frente Sandinista de Liberación Nacional aus Nicaragua und in diesem Zusammenhang mit den deutsch-sandinistischen Kommunikationswegen in den 1970er- und 1980er-Jahren. Die Sandinistische Nationale Befreiungsfront wurde 1961 als linke Opposition und revolutionäre Bewegung in Ablehnung der Diktatur der Somoza-Dynastie gegründet. In Folge dessen wurde die Somoza Diktatur gestürzt und Nicaragua bis 1990 von der FSLN regiert. Der so genannte Sandinismus kritisiert die Politik von traditionellen kommunistischen Parteien und Regierungen und betont stattdessen das demokratische Element der Revolution in Nicaragua. Ab 1977 begann die FSLN ein interaktives Kommunikationsnetzwerk aufzubauen, um internationale Unterstützung zu erzielen. Mit Hilfe gezielt geknüpfter Netzwerke, starkem Informationstransfer und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit gelang es der sandinistischen Bewegung eine starke internationale Solidarität mit Nicaragua zu gewinnen. Die Bewegung erfuhr in Folge dessen eine große Unterstützung aus dem linken Spektrum und aus christlichen Kreisen. Der Autor zeichnet nach, wie die Revolutionsbewegung ein transnationales Netzwerk knüpfte und die Öffentlichkeitsarbeit zu ihren Gunsten organisierte. Helm untersucht transnationale Netzwerke und die unterschiedlichen Formen der Solidarität mit der Revolutionsbewegung und stützt sich dabei auf detaillierte Archivrecherchen und Interviews. Der Autor nimmt besonders Bezug auf die westdeutschen Solidaritätsgruppen und der entstandenen Dritte-Welt-Solidarität in Westdeutschland. Dabei grenzt er sich bewusst vom bisher vorherrschenden eurozentristischen Ansatz der bisherigen Forschung in Bezug auf diese Thematik ab.

Hirscher, Linksextremismus, Hanna-Seidel-Stiftung

Sammelband

Linksextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven

Gerhard Hirscher

Der von Gerhard Hirscher herausgegebene Sammelband „Linksextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven“ erschien bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in der Reihe „Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen“. Linksextremismus ist in Deutschland nach Analyse des Herausgebers Hirscher als extremistische Position weit weniger wissenschaftlich betrachtet worden als etwa Rechtsextremismus und radikaler Islamismus. In sechs Studien widmen sich die Autoren der Einordnung des Linksextremismus, der Linkspartei wie auch der militanten Linken in Deutschland. Auch kulturelle Bezüge (Themen, Feindbilder, Funktion linksextremistischer Musik), regionale Fallbeispiele wie der Linksextremismus in Bayern und der Umgang mit Rechts- und Linksextremismus stehen im Blickpunkt. Der Band ist online kostenlos als PDF zugänglich.

Buchcover

Analyse

Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution

Ralf Hoffrogge

Ralf Hoffrogge verfasste die Biografie "Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution", die 2018 in zweiter Auflage erscheint. Richard Müller war eine bedeutende Figur in den revolutionären Gruppen der Novemberrevolution. Dennoch blieb er, abgesehen von einem kleinen Kreis von Geschichtswissenschaftlern, weitgehend unbekannt. Hoffrogges Biografie zielt darauf ab, dies zu ändern; die Neuauflage des Buches zeugt vom Erfolg dieses Vorhabens. Richard Müller organisierte bereits in den Jahren 1916 bis 1918 in Berlin mehrere Massenstreiks. Später war eine leitende Figur der illegalen Gruppierung "Revolutionären Obleute", die wesentlich an den Vorbereitungen der Revolution 1918/19 beteiligt war. Während der Revolutionsregierung von 1918 war Müller Vorsitzender des "Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte" und hatte in dieser Position bedeutenden Einfluss auf die revolutionäre Bewegung in Berlin. In den darauf folgenden Auseinandersetzungen zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Kräften wurden die "Revolutionären Obleute" schließlich zerrieben und gerieten zunehmend in Vergessenheit. Das Buch erscheint als 7. Band der Reihe "Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus" im Dietz Verlag.

Buchcover

Analyse

The Practice of Socialist Internationalism. European Socialists and International Politics 1914-1960

Talbot C. Imlay

Talbot Imlays Buch "The Practice of Socialist Internationalism. European Socialists and International Politics 1914-1960" untersucht die Versuche der britischen, französischen und deutschen sozialistischen Parteien, bei konkreten internationalen Fragen zusammenzuarbeiten. Basierend auf den Beständen von Archiven in 12 Ländern, analysiert der Band die Jahre vom Ersten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre und richtet dabei einen besonderen Fokus auf die Zeiträume nach den beiden Weltkriegen. Damit liefert das Buch eine neue Perspektive auf die Geschichte des Internationalismus und der internationalen Politik: im Fokus steht das Bemühen der sozialistischen Kräfte, sozialistische Ansätze zu den drängenden internationalen Themen ihrer jeweiligen Zeit zu entwickeln und diese gehört zu machen. Das Buch gliedert sich in zwei Teile mit jeweils vier Kapiteln. Der erste Teil "The Interwar Years" beinhaltet die Kapitel "Reconstituting the International"; "European Socialists and the International Order"; "The Quest for Disarmament"; "European Socialists and Empire between the Wars". Der zweite Teil "The Post-War Years" beginnt mit dem Kapitel "Reconstructing the International" und leitet dann über zu "Constructing Europe"; "The Cold War and European Security"; "The Stakes of Colonization".  

Cover des Buches "Den Protest regieren", Klartext

Sammelband

Den Protest regieren. Staatliches Handeln, neue soziale Bewegungen und linke Organisationen in den 1970er und 1980er Jahren

Alexandra Jaeger, Julia Kleinschmidt und David Templin

Den Protest regieren. Staatliches Handeln, neue soziale Bewegungen und linke Organisationen in den 1970er und 1980er Jahren ist ein Sammelband von Alexandra Jaeger, Julia Kleinschmidt und David Templin. Er widmet sich denjenigen politischen und sozialen Protestbewegungen, die in den Jahren nach 1968 in Westdeutschland entstanden sind. Viele von diesen zumeist linken Bewegungen stellten staatliches Handeln, viele aber auch den Staat an sich in Frage. Die Beträge des Bandes beschreiben zum einen die Bewegungen selbst – ihre Entstehung und ihre unterschiedlichen Ausprägungen. Des weiteren analysieren die Beiträge, wie der Staat auf diese Proteste reagierte. Dabei geht der Blick des Bandes über die sichtbaren Formen von staatlichem Handeln wie zum Beispiel in Form von Polizeieinsätzen hinaus, sondern nimmt auch das ganz alltägliche Handeln der Regierungsbehörden in den Blick und untersucht, wie sich diese auf den öffentlichen Diskurs auswirkten und welche Rolle die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen der Auseinandersetzungen zwischen Staat und Bewegungen spielt. Die linken Bewegungen im Westdeutschland der 1960er- und 1970er-Jahre waren stark von den Ideen des Kommunismus geprägt, splitteten sich jedoch entlang unterschiedlicher Auslegungen in zahlreiche Klein- und Kleinstgruppen auf.

Buchcover

Analyse

1918/19 in Berlin: Schauplätze der Revolution

Ingo Jurchler

In "1918/19 in Berlin: Schauplätze der Revolution" stellt Ingo Jurchler die Ereignisse der Novemberrevolution anhand ihrer Schauplätze in Berlin dar. 50 zum Teil bisher unveröffentlichte Abbildungen sowie eine Übersichtskarte erlauben die konkrete Verbindung von Ereignis und Ort und machen das Geschehene somit greifbar und zugänglich. Die knappen Begleittexte verdeutlichen die Zusammenhänge und Hintergründe. Vom Rechtsanwaltsbüro Karl Liebknechts über Gewerkschaftshäuser hin zum Kriminalgericht in Moabit nimmt der Autor die Leser mit auf eine Reise durch das Berlin der Jahre 1918/19  und lässt sie an 40 Orten die dramatischen Ereignisse des Winters erfahren. Die Schauplätze sind so ausgewählt, dass sie ganz unterschiedliche Aspekte der Ereignisse beleuchten.  

Cover des Onlinemagazins "1956. Symptome einer Revolution", KARTA Zentrum

On­line­ma­ga­zin

1956. Symptome einer Revolution

KARTA Zentrum

Mit dem Tod Josef Stalins begann eine Periode des „Tauwetters“, des politischen und sozialen Wandels in den sowjetisch dominierten Staaten. Nikita Chruschtschow machte die Entstalinisierung mit seiner Rede auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 zur offiziellen Parteilinie. Den Ereignissen des Jahres 1956 widmet sich das Onlinemagazin „1956. Symptome einer Revolution“, das vom Zentrum KARTA in Warschau herausgegeben wurde. Im Fokus stehen dabei vier Länder: Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei und die DDR. Chronologisch sortiert werden Zitate der staatlichen Machthaber präsentiert und zentrale Dokumente des Geschehens im Jahr 1956 zitiert. Ebenso zu Wort kommen Teilnehmer der dargelegten Ereignisse und einfache Bürger, die ihre Meinung zum Geschehen mitteilten. Kontextualisiert werden diese Auszüge von kurzen Überblickstexten zur jeweiligen Nation, die die Ereignisse des betreffenden Tages zusammenfassen. Das reich illustrierte Magazin legt einen deutlichen Fokus auf den Ungarischen Volksaufstand im Oktober 1956, verliert aber das Geschehen in den drei weiteren betrachteten Ländern nie aus dem Blick. Das Magazin möchte ein Gesamtbild entwerfen, um eine Antwort auf die Frage zu geben, was in diesem Teil Europas in dem Jahr passierte, „das als Wende in die Geschichte eingegangen ist, aber dessen Ende nichts mehr mit dem Beginn des politischen Tauwetters gemein hatte.“

Cover Philippe Kellermann (Hrsg.): Anarchismus und Russische Revolution, Verlag Dietz

Sammelband

Anarchismus und Russische Revolution

Philippe Kellermann (Hrsg.)

In einem neuen Band mit dem Titel „Anarchismus und Russische Revolution“ stellt der Publizist Philippe Kellermann Beiträge zum Verhältnis der russischen und europäischen anarchistischen Bewegung zur Russischen Revolution von 1917 zusammen. Zum einen werden die Beziehungen zwischen Anarchismus und Marxismus innerhalb der Linken bis zum Ersten Weltkrieg dargestellt. Zum anderen diskutieren die Beiträge die Bedeutung des Sieges einer sich als marxistisch verstehenden Partei, der Bolschewiki, in der Revolution über den Anarchismus, der sich bis dahin als revolutionärer Flügel der Linken betrachtete. Zudem werden die Rolle des Anarchismus während der Revolution und die Rezeption der Ereignisse in Russland durch anarchistische Bewegungen in Europa analysiert. Das Buch möchte damit einen neuen Blick auf die internationale anarchistische Bewegung dieser Zeit werfen und die Wahrnehmungsgeschichte der Revolution von 1917 außerhalb Russlands kontextualisieren. Besonders hervorzuheben ist das internationale Spektrum der Autoren: So finden sich neben deutschen auch russische und italienische Historiker.

Buchcover

Analyse

Ganz normale Bürger. Die Opfer Stalins

David King

Dieser Bildband zeigt Polizeifotos von Menschen, die während der Herrschaft Stalins aufgrund falscher Anklagen verhaftet, verurteilt und erschossen wurden. Abgelichtet sind ganz normale Bürger, die stellvertretend für Millionen unschuldiger Menschen stehen, die in das Räderwerk von Stalins Tötungsmaschinerie gerieten. Ingenieure, Künstler, Fabrikarbeiter, Lehrer, Hausfrauen, Helden der Sowjetunion, sogar Agenten der Geheimpolizei selbst: Niemand war vor der Verfolgung sicher. Jedes Foto wird durch allgemeine Lebensdaten der betreffenden Person und die gegen sie erhobene Anklage ergänzt. Im Gegensatz zu westlichen Polizeifotos, sind diese Aufnahmen in natürlichem Licht mit einer längeren Belichtungszeit entstanden und geben eine Vielfalt von Emotionen in den Gesichtsausdrücken wieder. Autor David King ist auch Verfasser der Werke "Roter Stern über Russland" und "Russische revolutionäre Plakate", sowie weiterer Bücher über die Sowjetunion. Er besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen russischer revolutionärer Kunst und seine Einleitung in das Buch schildert die wichtigsten Ereignisse, die zur Tyrannei durch die Geheimpolizei mit ihren furchtbaren Folgen für das sowjetische Volk führten. 

Gupta, Komintern, Kommunismus, Indien

Fachbuch

Komintern und Kommunismus in Indien 1919–1943

Sobhanlal Datta Gupta

Sobhanlal Datta Gupta, emeritierter Professor of Political Science der University of Calcutta in Indien, vermittelt in diesem Buch einen Einblick in das im deutschsprachigen Raum wenig beleuchte subkontinentale kommunistische Geschehen. Der Autor geht detailliert auf die strukturellen Veränderungen und den Wandel in der Komintern ein. Er kann sich auf nach Öffnung der Kominternarchive zugänglich gewordene Quellen stützen. Um seine selbst aufgeworfene Frage „Was ist schiefgelaufen und warum?“ (S. 19) zu beantworten, erörtert Gupta den Zusammenhang zwischen Entscheidungen und Einfluss der Komintern und dem politischen Scheitern der Communist Party of India (CPI). Die Verflechtung zwischen der CPI, der Komintern und der britischen KP werden ebenso in den Blick genommen wie kommunistische Bewegungen in anderen Teilen Asiens. Die Studie wurde von der Fachwissenschaft, etwa in einer Rezension auf H-Soz-Kult, lobend aufgenommen; einzig die manchmal recht umständliche Übersetzung ins Deutsche wurde moniert.

Logo von Totalitarismus und Demokratie

Zeitschrift

Lenins Diktatur: Begriff, Selbstverständnis, Reaktion

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden (Hrsg.)

Im Ersten Weltkrieg lieferten sich die europäischen Großmächte einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft in Europa und in der Welt. 1917 begann sich noch während des Krieges eine neue Weltordnung abzuzeichnen, die nach kurzer Zeit zwei Pole formte: Die demokratische Neuordnung unter Führung der USA oder die Weltrevolution nach den Vorstellungen der Bolschewiki unter Führung der Sowjetunion. Dass die demokratischen Kräfte in Russland von den Bolschewiki verdrängt werden konnten, hatte zahlreiche Ursachen. Von zentraler Bedeutung dürfte die Ankunft Lenins in Russland sein, der mit der Unterstützung des Deutschen Kaiserreichs in einem Zug in seine Heimat gereist war. Der Revolutionär spielte eine zentrale Rolle beim Verlauf der Oktoberrevolution und der Gründung der Sowjetunion. Das Buch „Lenins Diktatur: Begriff, Selbstverständnis, Reaktion“ beschäftigt sich mit der historischen Gestalt und der Resonanz der bolschewistischen Oktoberrevolution. Sechs Historiker und ein Politologe analysieren „Lenins Diktatur“ aus verschiedenen Perspektiven.

Einige Bände der Schriftenreihe der der Bundeszentrale für politische Bildung © bpb, Ulf Dahl

Fachzeitschrift

Schriftenreihe der bpb: Die Russische Revolution 1917

Heiko Haumann (Hrsg.)

Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution hat die Bundeszentrale für politische Bildung den Band „Die Russische Revolution 1917“ zehn Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen neu veröffentlicht. Die Publikation will die Geschichte der Russischen Revolution aus einer lebensweltlichen Perspektive erzählen. Auch wenn die revolutionären Prozesse des Jahres 1917 in Russland für viele Menschen zunächst keine Zäsur bedeuteten – zahlreiche Beamte und Fachleute arbeiteten lediglich mit neuen Vorgesetzten weiter – wird die Russische Revolution von Historikern als Bruch für Russland und die Welt interpretiert. Im Sinne des lebensweltlichen Ansatzes lässt der Band immer wieder die historischen Akteure zu Wort kommen, wodurch der Leser geschichtliche Vorgänge aus ihrer Perspektive erlebt. Die Darstellung setzt mit den Verhältnissen im Zarenreich ein und endet mit dem Übergang zum Stalinismus in der Sowjetunion. Im Fokus stehen besonders die Hoffnungen und Utopien, die mit der Russischen Revolution verbunden waren.

Edition Suhrkamp: "Die Russische Revolution 1905–1921", Screenshot vom Cover

Fachbuch

Die Russische Revolution. 1905–1921

Manfred Hildermeier

In diesem Werk erläutert Manfred Hildermeier den wirtschaftlichen und sozialen Wandel des Zarenreichs im ausgehenden 19. Jahrhundert, die schwere Krise des alten Regimes 1905/07, den Zusammenhang von Krieg und Revolution, die Gründe für das Scheitern des einzigen demokratischen Regimes der russischen Geschichte, sowie die Ursachen und inneren Folgen der Durchsetzung der Sowjetmacht im Bürgerkrieg. Einen besonderen Fokus legt der Autor darauf, wie es zur Revolution der Bolschewiki kam und wie die Machtergreifung der Bolschewiken ermöglicht und anschließend im Verlaufe des Bürgerkrieges abgesichert werden konnte. Das Buch umfasst eine kurze, nach Volksgruppen und zentralen Ereignissen gegliederte Zusammenfassung, die die Verhältnisse und Entwicklungen in Russland vor 1905 erläutert. Anschließend folgt ein überwiegend chronologisch aufgebauter Text, der auf unterschiedlichen Betrachtungsebenen die Zusammenhänge verschiedenster Ereignisse und der dabei beteiligten Gruppen für den Leser verständlich wiedergibt.

Buchcover Gerhard Hirscher, Marc Lazar, Patrick Moreau (Hrsg.): Der Kommunismus in Westeuropa. Niedergang oder Mutation?

Fachbuch

Der Kommunismus in Westeuropa. Niedergang oder Mutation?

Gerhard Hirscher, Marc Lazar, Patrick Moreau (Hrsg.)

Der Band ist das Ergebnis einer Tagung, die u.a. von der Akademie für Politik und Zeitgeschichte der Hanns-Seidel-Stiftung im Herbst 1996 veranstaltet wurde. Die Autoren untersuchen die Geschichte verschiedener kommunistischer und postkommunistischer Parteien in Westeuropa, wobei sie darauf hinweisen, dass nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus kommunistische Ideen und Organisationsformen nicht vollständig verschwunden sind. Die Kapitel sind nach Ländern oder Regionen Europas gegliedert: Mittelmeerraum, Nordeuropa, den Benelux-Staaten und den Niederlanden sowie Großbritannien und Irland. Zum Schluss werden transnationale Fragen und die Gefahr einer „internationalistischen“ Kooperation der Linken für die Gegenwart Europas erörtert.

Cover: Ralf Höller: Das Wintermärchen. Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919, Berlin: Edition Tiamat 2017.

Fachbuch

Das Wintermärchen. Schriftsteller erzählen die bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/1919

Ralf Höller

In den Wirren des endenden Weltkrieges und der sich anbahnenden Novemberrevolution im Deutschen Reich, kommt es am 7. November in München zu Demonstrationen und der Gründung der Räterepublik München. Die soziale Bewegung besetzt öffentliche Einrichtungen, gründet eine Regierung und versucht Bayern mit kommunistischen Räten zu regieren. Das in der öffentlichen Wahrnehmung fast vergessene rätekommunistische Experiment in Bayern existiert nur 175 Tage. Es kommt zu Gewaltexzessen und einem Bürgerkrieg an dessen Ende die Räte niedergeschlagen werden. Ralf Höller interpretiert dieses Ereignisse in seiner quellengestützten Analyse aus der Perspektive der damals in München lebenden Schriftsteller. Zwischen euphorischer Begeisterung bis hin zur Übernahme von Regierungsämtern und der totalen Ablehnung der Revolution, stellt Höller verschiedene Protagonisten des geistigen Lebens in München dieser Zeit vor. Unter ihnen befinden sich so bedeutende Personen wie Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Ernst Toller, Gustav Landauer, Erich Mühsam oder Lion Feuchtwanger. Die von Höller entworfene Collage an zeitgenössischen Kommentaren zum Revolutionsgeschehen zeigt die Ambivalenzen dieses Umsturzversuches in Bayern auf.

Logo des Cultures of history Forums

Online-Plattform

Cultures of History Forum

Imre Kertesz Kolleg

Das Online-Journal Cultures of History Forum des Imre Kertesz Kollegs der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt sich damit, wie sich die ehemaligen sozialistischen Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas mit ihrer Geschichte öffentlich auseinandersetzen. Das Online-Journal analysiert, wie diese Staaten ihre Vergangenheit aufarbeiten, wobei der Fokus besonders auf den öffentlichen Debatten und der Art und Weise, wie Geschichte in den dortigen Museen ausgestellt und behandelt wird, liegt. Die Webseite zeichnet nach, wie sich die Museen in Ostmittel- und Südosteuropa in den vergangenen 25 Jahren an neue Bedingungen und gewandelte Herausforderungen anpassen mussten. Innerhalb der Gesellschaften entstanden durch polarisierende Debatten über die Erfahrungen mit der kommunistischen Diktatur neue Erwartungen an die historische Aufarbeitung der Museen. Das Forum beleuchtet kontrastierende historische Interpretationen, lokale Debatten und politische Reden. Zusätzlich liefert das Forum Hintergrundinformationen zu den unterschiedlichen Geschichtskulturen der Staaten. Alle Artikel sind über eine themenbezogene Suchfunktion zugänglich.

Screenshot von kritika.georgetown.edu

Fachzeitschrift

Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History

Andrew Jenks, Susan Morrissey, Williard Sunderland (ed.)

Die Zeitschrift „Kritika: Explorations in Russian and Eurasian History“ ist der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur Russlands und Eurasiens gewidmet. Anspruch der Zeitschrift ist es, die internationale Relevanz des Forschungsfeldes zu erweitern und diese einem weiten, interdisziplinären Publikum von Akademikerinnen und Akademikern zugänglich zu machen. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift veröffentlicht Beiträge aus einer Vielzahl von geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen  Disziplinen. Die Zeitschrift möchte über die Curricula der nordamerikanischen Russlandstudien hinausgehen; hierzu veröffentlicht sie in jeder Ausgabe Rezensionen zu russischen, europäischen und eurasischen Werken, die ansonsten im nordamerikanischen Raum nicht viel Beachtung erfahren. Die Zeitschrift wird an der Georgetown University in Washington, D.C. herausgegeben.

Buchcover

Fachbuch

Mehr Reichtum, mehr Armut

Hartmut Kaelble

Mit seinem Werk "Mehr Reichtum, mehr Armut: Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart" schafft Sozialhistoriker Hartmut Kaelble eine bündige Überblicksdarstellung für die Entwicklung der europäischen Ungleichheitsverhältnisse. Unter dem Gesichtspunkt von Gleichheit und Ungleichheit hat er eine epochenübergreifende Analyse zur Dynamik und Geschichte der sozialen Ungleichheit geschaffen, die auch die Punkte Bildung, Wohnen, Gesundheit und individuelle Aufstiegsmöglichkeiten einbindet. Kaelble nimmt zusätzlich die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit und den Einfluss der Politik auf diese ins Visier und macht deutlich: Die Zunahme ist vermeidbar. Denn auch wenn die soziale Ungleichheit heute wieder zunimmt, gab es im 20. Jahrhundert bereits Phasen, in denen es zu einer Abmilderung der sozialen Schärfen kam - etwa nach dem Ersten Weltkrieg oder während der Zeit des Wirtschaftswunders in den 1950er- bis 1970er-Jahren. 

Buchcover „The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953“, Harrassowitz Verlag.

Fachbuch

The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953.

Iryna Kashtalian

In ihrer Studie The Repressive Factors of the USSR’s Internal Policy and Everyday Life of the Belarusian Society 1944–1953 beschäftigt sich die Autorin Iryna Kashtalian mit dem Alltag der weißrussischen Bevölkerung nach dem Ende der Besetzung durch die Nationalsozialisten bis zum Tod des kommunistischen Diktators Josef Stalin. Nach der Besetzung Weißrusslands durch die Nationalsozialisten eroberte die Rote Armee im Jahr 1944 das Land zurück, wodurch es wieder der sowjetischen Macht unterstellt war. Die Autorin analysiert, wie die Bevölkerung des Landes mit staatlichen Repressionen, Forderungen und Unterdrückung konfrontiert wurde und sich gegen diese widersetzte. Die Studie nimmt dabei verschiedene Bevölkerungsgruppen in den Blick und beleuchtet die Besonderheiten der weißrussischen Nachkriegsgesellschaft. Es werden die Mechanismen und Methoden mit denen die Sowjetisierung der belarussischen Gesellschaft im alltäglichen Leben vorangetrieben wurde beschrieben. Der sowjetische Nachkriegsstaat setzte Straf- und Zwangsmaßnahmen zur Disziplinierung der Bevölkerung ein. Die Studie analysiert in diesem Zusammenhang die Reaktion der Bevölkerung auf dieses Vorgehen und die Forderungen der Sowjetunion. Gab es aktiven Widerstand oder passte sich die weißrussische Bevölkerung den Forderungen an? Wie wirkten sich die staatlichen Richtlinien auf die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus? Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 ist Weißrussland ein unabhängiger Staat.

Cover des Buches "Poland under Communism",  Cambridge University Press

Monographie

Poland under Communism. A Cold War History

Anthony Kemp-Welch

Anthony Kemp-Welchs Analyseband Poland under Communism widmet sich der Geschichte Polens vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des kommunistischen Regimes. Dabei verbindet der Autor die Geschichte der Diplomatie und der internationalen Beziehungen während des Kalten Krieges mit der Geschichte der Opposition und sozialen Bewegungen in Polen. Anthony Kemp-Welch bezieht sich auf Material aus polnischen Archiven sowie auf zuvor unveröffentlichte Quellen aus Moskau und Washington. Die Schwerpunkte des Buches liegen auf Politik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, auf der kommunistischen Bewegung in Polen sowie deren Beziehung zur Sowjetunion und dem internationalen System im Rahmen des Kalten Krieges mit besonderer Berücksichtigung der US-amerikanischen politischen Linie. Kemp-Welshs Buch ist das erste in englischer Sprache erschienene, welches die Geschichte Polens zwischen Zweitem Weltkrieg und Ende des kommunistischen Regimes derart umfassend darlegt und stellt somit eine wertvolle Bereicherung für interessierte Leserinnen und Leser dar.

Cover des Buches "Roter Stern über Russland Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins", Mehring Verlag

Fachbuch

Roter Stern über Russland. Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins

David King

In seinem Bildband Roter Stern über Russland. Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins präsentiert der britische Fotohistoriker David King über 550 Fotografien, Plakate und Zeichnungen zusammen mit informativen Begleittexten. Der Bildband behandelt die Zeit von 1917 bis zum Tod Stalins 1953. Josef Stalin war von 1927 bis 1953 der Diktator der Sowjetunion. Nach Lenins Tod übernahm Stalin 1922 das Amt des Generalsekretärs der Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU). Stalin ließ eine totalitäre Diktatur errichten, mehrere Millionen Menschen im Rahmen politischer „Säuberungen“ verhaften und zahlreiche Menschen in Gulags und Strafarbeitslager deportieren, in denen viele ums Leben kamen. David King verfügt über eine umfassende Sammlung an sowjetischen Fotodokumenten, die er auf seinen Forschungsreisen sammelte und die in diesem Bildband zu sehen sind. King beleuchtet eine aufregende Zeit, die geprägt war von Verzweiflung und Verlust, aber auch von Ehrgeiz und Hoffnungen. Die Sowjetunion wurde erschüttert von revolutionären Aufständen, Bürgerkrieg und Hungersnöten. Der Autor richtet den Blick in seinem Werk auf einzelne Ereignisse, ausgehend von den prägenden historischen Ereignissen dieser Zeit. Erstmals sind auch die streng verwahrten Fotografien zu sehen, die in den 1930er-Jahren während der stalinistischen Schauprozesse entstanden sind. Der Betrachter sieht sich mit sehr bewegenden und einprägsamen Bildern konfrontiert, die einen eindrucksvollen Einblick in diese ereignisreiche Zeit geben.

Buchcover

Analyse

Continuities - discontinuities - Secret Services after Stalin's Death in Communist Central and Eastern Europe

György Gyarmati, Mária Palasik (eds.)

Continuities - discontinuities - Secret Services after Stalin's Death in Communist Central and Eastern Europe widmet sich der post-stalinistischen Transformation der Geheimdienste in verschiedenen osteuropäischen Staaten. Die Beiträge konzentrieren sich vor allem auf Prozesse der Umstrukturierung und der Umschichtung von Macht mit Hinblick auf die Rolle der Geheimdienste in den jeweiligen Staaten. Den Hintergrund dieser Analyse liefert bei allen Beiträgen eine Darstellung der gegenwärtigen Situation. Hier zeigen die Studien zur DDR, der Tschechoslowakei, Polen, Bulgarien und Ungarn zwei Gemeinsamkeiten auf. Zum einen die desolate Lage der Wirtschaft und der Grundversorgung. Zum anderen stellen die Studien eine bemerkenswerte Übereinstimmung in staatlichen Ansätzen zur Umstrukturierung der Geheimdienste fest. Diese ist geprägt von einer zu starken Stellung der Geheimdienste zu Stalins Lebzeiten, welche diesen übermäßige Macht – selbst über die regierenden kommunistischen Parteien – einräumte. Darüber hinaus analysieren die Beiträge den jeweiligen Umgang der einzelnen Staaten mit den Prozessen der Entstalinisierung und zeichnen nach, wie nach Stalins Tod die Diversität der einzelnen Ostlockstaaten eine zunehmend größere Rolle zu spielen begann.  

Screen Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung

Zeitschrift

Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden (Hrsg.)

Totalitarismus und Demokratie ist eine seit 2004 vier Mal im Jahr erscheinende Zeitschrift, die Beiträge zur vergleichenden Erforschung nichtdemokratischer Systeme der Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht. Studien zu den beiden deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert sowie zu Regimen und Bewegungen in Europa und der Welt sollen darin Historikern, Politikwissenschaftlern, Soziologen, Religionswissenschaftlern und anderen Fachöffentlichkeiten zugänglich gemacht werden. Im Mittelpunkt stehen die politischen, gesellschaftlichen, sozialpsychologischen und kulturellen Konstellationen, in denen demokratische oder nichtdemokratische Gesellschaften entstehen. Die Zeitschrift möchte darüber hinaus den interdisziplinären Austausch über Funktionsweisen und die Auswirkungen autokratischer Systeme fördern.

Screenshot Buchcover "Reformen und Reformer im Kommunismus", VSA-Verlag.

Sammelband

Reformen und Reformer im Kommunismus. Für Theodor Bergmann. Eine Würdigung

Wladislaw Hedeler, Mario Keßler (Hrsg.)

Der 2014 erschienene Sammelband Reformen und Reformer im Kommunismus von den Herausgebern Wladislaw Hedeler und Mario Keßler beschäftigt sich mit den Versuchen, eine nichtkapitalistische Gesellschaft zu etablieren. Das Vorhaben scheiterte, weil die kommunistische Weltbewegung, die sich vorwiegend an der Sowjetunion orientierte, zu einem Instrument ihrer Außenpolitik verkam. Der Sammelband beschäftigt sich mit den Reformern, die sich um eine Demokratisierung des Kommunismus bemühten und den zahlreichen Gründen, warum diese Vorhaben scheiterten. Thematisch behandelt der Sammelband unter anderem die gescheiterten Reformversuche in den staatssozialistischen Ländern, die heutigen Entwicklungen in China, das Leben und Wirken von Nikolai Bucharin und Rosa Luxemburg und die Revolution und Reformen auf Kuba. Der Band würdigt den 2017 verstorbenen Agrarwissenschaftler Theodor Bergmann, welcher in der Gruppe Arbeiterpolitik aktiv war. In der Tradition undogmatischer Kommunistinnen und Kommunisten der Weimarer Republik gründete man nach 1945 die Arbeitergruppe. Die Gruppe intellektueller Theoretiker verstand sich als kommunitsch, kritisierte und grenzte sich allerdings scharf von den kommunitischen Partien und Staaten ab.

Buchcover

Fachbuch

Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates

Manfred Hildermeier

Nachdem der Osteuropa-Historiker Manfred Hildermeier bereits ein Buch über die "Russische Revolution 1905-1920" vorgelegt hat, folgt mit "Geschichte der Sowjetunion 1917-1991: Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates" eine fundierte Gesamtdarstellung der russischen Geschichte von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Im ersten Teil legt er die Gründe für den Untergang des Zarenreiches dar und beschreibt mit "gescheiterte Demokratie" das Ende der Monarchie und den Zeitraum der Februar- bis zur Oktoberrevolution. Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Aufbau des Sowjetstaates, wobei der Autor zunächst die Zeit des Oktoberumsturzes und des Bürgerkrieges bis zur Niederschlagung des Kronstädter Matrosenaufstandes 1921 untersucht. Im Folgenden bearbeitet er die vier Zeitabschnitte Aufbau des Sowjetstaates (1917-1929/30), Mobilisierungsdiktatur (1929-1941), Kriegs- und Nachkriegszeit (1941-1953) sowie die Zeit von Stalins Tod bis zum Ende der Sowjetunion. Innerhalb dieser Zeitabschnitte wird die innersowjetische Geschichte systematisch unter mehreren Aspekten beschrieben und der Versuch gewagt, die drei Ebenen Partei und Politik, soziale und wirtschaftliche Strukturen sowie die Welt der Vorstellungen, Normen und menschlichen Prägungen in ihrer Verbindung mit den materiellen Grundlagen und der sozialen Organisation des Lebens miteinander zu verknüpfen.

Buchcover

Fachbuch

1918. Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution

Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hrsg.)

In "1918. Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution" liefern Gerhard Hirschlfeld und Gerd Kumreich einen Überblick über die Ereignisse und Dynamiken, die dem Ende des Deutschen Kaiserreichs 1918 vorangingen. Das Jahr 1918, das letzte Jahr des Ersten Weltkriegs, begann noch mit neuen Hoffnungen auf einen militärischen Sieg – und endete mit der endgültigen Niederlage. Jedem Kapitel ist eine Chronologie der Ereignisse vorangestellt, dann folgen die Quellenzitate. Tagebucheinträge, Briefe, Bilder und Dokumente erlauben den Lesern einen tiefen Einblick in die Erfahrungen der Kriegsgesellschaft: die Gewalt an der Front und der Hunger in der Heimat, der Zynismus der militärischen Führung und die Illusionen vieler Bürger, Veränderungswille und die Furcht vor "Russischen Verhältnissen".

Buchcover „Communism. A very short introduction“, Oxford University Press.

Monographie

Communism. A Very Short Introduction

Leslie Holmes

Die Autorin Leslie Holmes beschäftigt sich in Communism. A very short introduction mit dem Begriff des Kommunismus und seiner Entstehung. Seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Ostblockstaaten im Jahr 1989 ist der Kommunismus als politische Bewegung rückläufig geworden. Den Höhepunkt erfuhr die kommunistische Strömung im 20. Jahrhundert, als rund ein Drittel der Weltpopulation unter kommunistischer Herrschaft stand. Auf 155 Seiten geht die Autorin der Frage nach, was Kommunismus eigentlich ist und woher die Idee des Kommunismus ursprünglich stammt. In sieben Kapiteln werden die theoretischen Ursprünge des Kommunismus, das politische System des Kommunismus, das Wirtschafts- und Sozialsystem kommunistischer Staaten und den Zusammenbruch des Kommunismus 1989 behandelt. Holmes zeichnet die wesentlichen Entwicklungen des Kommunismus nach, angefangen bei den Schriften von Karl Marx, über die Revolution der Bolschewisten bis hin zum Zusammenbruch des Ostblocks 1989. Das Werk stellt die wesentlichsten Akteure innerhalb der kommunistischen Bewegung vor und geht auf die Ideen von Marx, Stalin, Mao und Lenin ein.

Buchcover von Anikó Imre, TV Socialism, 	Duke University Press, Durham 2016

Monographie

TV Socialism

Anikó Imre

Mit „TV Socialism“ legte die Lehrbeauftragte Medienwissenschaftlerin der University of Southern California, Anikó Imre, eine komparatistische Studie über das sozialistische Fernsehen vor. Durch ihren Ansatz die Interdependenzen zwischen ausgestrahltem TV-Programm und sozialistischer Ideologie aufzuzeigen und diese gleichzeitig in eine Globalgeschichte des Fernsehens einzubinden, liegt die Stärke der Monographie. Sie vergleicht die Sendungen aus den sozialistischen und postsozialistischen Ungarn, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, der UdSSR, Jugoslawien und der DDR anhand verschiedener Genres. Diese werden mit den Analysekategorien Wettbewerb, Nostalgie, Geschlechterrollen und Feminismus untersucht. Sie stellt die These auf, dass die sozialistischen Fernsehfabriken Geschichte und Gedächtnis dieser Gesellschaften verwoben. Die Studie betritt ein bisher kaum erforschtes Feld und kann wichtige Impulse für weitere komparative Studien der Medien- und Fernsehgeschichte der (post)sozialistischen Gesellschaften bieten.

Cover des Buches "Titos Gulag auf der Insel Goli Otok", Hermagoras

Monographie

Titos Gulag auf der Insel Goli Otok

Božidar Jezernik

Božidar Jezerniks Analyse Titos Gulag auf der Insel Goli Otok widmet sich einem bisher nur wenig beleuchtetem Kapitel jugoslawischer Geschichte. Auf der kargen Adriainsel Goli Otok (dt.: "nackte Insel") befand sich ein Umerziehungslager der jugoslawischen Regierung, in dem zehntausende Jugoslawinnen und Jugoslawen interniert waren. Besonders viele Gefangene wurden in den Jahren nach 1948 ins Lager verschleppt: in diesem Jahr brach das jugoslawische Staats- und Parteioberhaupt Tito mit der Sowjetunion, die den von Tito angestrebten „Sonderweg“ Jugoslawiens verurteilte. Vielen der zumeist serbischen Häftlingen in Goli Otok wurde unterstellt, mit der Resolution des Moskauer Politbüros zu sympathisieren. Die Aufarbeitung der Thematik begann erst nach Titos Tod in der 1980er-Jahren, allerdings sehr sporadisch und regional begrenzt. Aufgrund kaum vorhandener amtlicher Dokumentation sind so elementare Informationen wie Häftlingszahlen nur schwer rekonstruierbar. Erinnerungen ehemaliger Häftlinge erschienen zwar, allerdings fast ausschließlich auf serbokroatisch. Mit der deutschen Übersetzung von Jezerniks Buch liegt nunmehr die zweite Publikation in deutscher Sprache zum Thema vor und leistet somit einen wichtigen Beitrag dazu, dieses Kapitel jugoslawischer Geschichte einem internationalen Publikum bekannt zu machen.

Buchcover "Mehr Reichtum, mehr Armut", Campus 2017

Fachbuch

Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Hartmut Kaelble

Der renommierte Sozialhistoriker Hartmut Kaelble versucht in seinem Buch "Mehr Reichtum, mehr Armut. Soziale Ungleichheit in Europa vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart" die historischen Entwicklungen sozialer Differenzen in Europa und insbesondere in Deutschland in den Blick zu bekommen. Das als Überblickswerk angelegte Buch fokussiert dabei auch auf die Zeit nach den Weltkriegen, um Argumenten entgegenzutreten, dass nur Umstürze oder historische Einschnitte wirkliche Veränderungen bringen. Das längste Kapitel ist aber dem Wiederanstieg der Diskrepanz seit den 1980er-Jahren gewidmet. Den Argumenten der Alternativlosigkeit oder Zwangsläufigkeit setzt Kaelble die Analyse positiver Entwicklungen entgegen, die etwa durch politische Intervention und Bildungspolitik hervorgebracht worden seien. So liefert er einen Beitrag zu einer anhaltenden politischen Debatte über soziale Ungleichheit aus historischer Perspektive.

Cover des Buches: "Spontis. Eine antiautoritärer Linken im roten Jahrezehnt", Edition Assemblage

Monographie

Spontis – Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt

Sebastian Kasper

Sebastian Kaspers Spontis – Eine Geschichte antiautoritärer Linker im roten Jahrzehnt beschreibt die Entwicklung der radikalen Linken im Westdeutschland der 1970-er Jahre. Viele Publikationen in diesem Themenbereich konzentrieren sich entweder auf die Siebziger als Zeit von K-Gruppen und linkem Antisemitismus oder direkt auf die Achtziger als Zeit der neuen sozialen Bewegungen mit Hausbesetzungen, Autonomer, und Anti-AKW. Kaspers legt seinen Fokus dagegen auf die Siebziger, deren enormes Mobilisierungspotential – Historikerinnen und Historiker gehen von 300 000 bis 600 000 Aktivistinnen und Aktivisten aus – erst die Bildung der neuen sozialen Bewegungen in den Achtzigern ermöglicht habe. Der Autor zeichnet Entwicklung, Aktionsformen, Betätigungsfelder der als „Spontis“ bezeichneten antiautoritären Linken nach, analysiert ihre Verbindungen zu anderen Bewegungen und ihre Bedeutung für die weitere Entwicklung der radikalen Linken.

Cover „Höllensturz: Europa 1914 bis 1949“

Fachbuch

Höllensturz: Europa 1914 bis 1949

Ian Kershaw

Der britische Historiker Ian Kershaw untersucht in Höllensturz die Geschichte Europas in der Zeit von 1914 bis 1949. Er leistet darin eine Analyse von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft Europas, wobei der Fokus auf ethnischen Auseinandersetzungen, Klassenkonflikten, aggressivem Nationalismus und der Krise des Kapitalismus liegt (vgl. Rezension Randomhouse). Dabei arbeitet Kershaw immer wieder die nationalen Unterschiede der Länder aber auch ihre Gemeinsamkeiten knapp und klar heraus. Die Kolonialpolitik Europas wird in Höllensturz allerdings kaum untersucht (Vgl. FAZ vom 16.10.2016). Eine Besonderheit des historischen Panoramas ist die Hervorhebung von Einzelpersonen beziehungsweise Einzelschicksalen. Ian Kershaw, der bis zu seiner Emeritierung als Professor für Modern History an der University of Sheffield arbeitete, wurde vor allem mit seiner Biografie Adolf Hitlers bekannt. Sie gilt als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung (veröffentlicht in zwei Teilen 1998 und 2000).

Buchcover „Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion“, Karl Dietz Verlag

Fachbuch

Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion

David King

Der Autor David King behandelt in seinem Fotoband Die Kommissare verschwinden. Die Fälschung von Fotografien und Kunstwerken in Stalins Sowjetunion die zahlreichen Bildmanipulationen in der ehemaligen Sowjetunion unter dem kommunistischen Diktator Josef Stalin. Der Fotohistoriker King beschäftigte sich intensiv mit politischen Bildern aus der Zeit Stalins. Personen, die für die sowjetische Führung zu unbequem waren, wurden eliminiert – sowohl aus Fotografien und Büchern als auch in der Wirklichkeit. Stalin ließ systematisch Fotografien nachträglich ändern und Personen entfernen, die seine Gunst verloren hatten. Die systematischen Bildmanipulationen verdeutlichen den menschenverachtenden Charakter der stalinistischen Diktatur. Die kommunistische Propaganda versuchte mit diesem Mittel, eine neue Welt zu schaffen. Sie selbst wollte bestimmen, wer darin leben durfte und wer nicht. Die Führung der Sowjetunion versuchte so mit Hilfe von Bildmanipulationen von Fotografien die historische Wahrheit zu ihren Gunsten zu verfälschen. Jahrzehntelang sammelte David King Beispiele für diese Fotomanipulationen unter Stalin und veröffentlicht diese in seinem Bildband. Dabei verzichtete er auf Analysen und lässt stattdessen die Bilder für sich sprechen. King stellt in seinem Fotoband die Originalaufnahmen den überarbeiteten und retuschierten Aufnahmen gegenüber.

Buchcover

Fachbuch

The Proletarian Dream. Socialism, Culture, and Emotion in Germany, 1863-1933

Sabine Hake

In  „The Proletarian Dream. Socialism, Culture, and Emotion in Germany, 1863-1933“ widmet sich die Kulturwissenschaftlerin Sabine Hake einem der zentralen Begriffe sozialistischer Theorie – dem des Proletariats. Bereits im Klappentext wird klar, dass die Autorin das Proletariat nicht als reale soziale Einheit betrachtet, sondern dass sie es als Phänomen des kulturellen gesellschaftlichen Gedächtnisses versteht: „The proletariat never existed – but it had a profound effect on modern German culture and society.“(dt: Das Proletariat hat niemals existiert – aber es hatte gravierenden Einfluss auf die moderne deutsche Kultur und Gesellschaft). Die Autorin zeichnet anhand der Analyse unterschiedlicher kultureller Diskurse und Praktiken – unter anderem an Reden, Zeitschriften, Romanen, Filmen und Theaterstücken – nach, wie das Konzept des „Proletariats“ Eingang in das kulturelle Gedächtnis fand. Dabei beleuchtet sie Aspekte, die das gängige Bild des „Proletariats“ als feststehende Einheit in Frage stellen – wie zum Beispiel, ob die Arbeiterbewegung in Deutschland tatsächlich ein einheitlicher von links geführter Kampf gegen Adel und Bürgertum war. Im Jahr von Karl Marx‘ 200. Geburtstag stellt sich mit neuer Aktualität die Fage, in welchen Formen zentrale Begriffe des Sozialismus‘ Eingang in das kulturelle Gedächtnis der deutschen Gesellschaft gefunden haben.

Cover des Buches "The Gulag after Stalin. Redefining Punishment in Khrushchev's Soviet Union 1953–1964", Cornell University Press

Monographie

The Gulag after Stalin

Jeffrey S. Hardy

In The Gulag after Stalin widmet sich der Historiker Jeffrey S. Hardy dem System der Strafgefangenenlager in der Sowjetunion in der Zeit von 1953 bis 1964. Der Fokus der Forschung zu diesem Thema liegt oft auf der Regierungszeit Stalins, der das Lagersystem ausbaute und im Zuge dessen „Großer Säuberungen“ und ausufernder Aktivitäten der Geheimpolizei unzählige Menschen in Lagern verschwanden. Hardy dagegen richtet den Blick auf die Zeit nach Stalins Tod im Jahr 1953, als unter der Regierung von Chruschtschow das Lagersystem reformiert werden sollte. Hardy argumentiert, dass die ursprüngliche Intention dieser Reformen war, ein an reformpädagogischen Ansätzen orientiertes System zu schaffen, das anstatt auf Bestrafung, Unterdrückung und Zwangsarbeit auf Bildung, Ausbildung, Sport, Arbeit und Kulturprogramme setzt. Diese Ideen sahen sich in der Umsetzung jedoch mit vielen Hindernissen konfrontiert – die gefestigten Verhaltensweisen von Offiziellen im Lagersystem und tradierte Rollenverhältnisse zwischen Gefangenen und Wachmännern und -frauen erschwerten die praktische Umsetzung reformistischer Ideen. Zudem fand sich ab Ende der 1950er-Jahre eine Koalition aus Bürgerinnen und Bürgern, Parteikadern, kriminologischen Fachleuten, Strafverfolgerinnen und -verfolgern und Presse zusammen, die unter dem Slogan „Ein Lager ist kein Ferienheim“ gegen die pädagogischen Reformen und für härtere Bedingungen für Gefangene Stellung bezogen. Ab Mitte der 1960er-Jahre zeichnete sich das Hybrid-System aus dem alten stalinistischem und dem reformistischen, von Chruschtschow propagiertem, System ab, welches das Gefängniskonzept bis zum Ende der Sowjetunion ausmachen sollte.

Webseite marx200.org

Online-Plattform

Marx200

Helle Panke; Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.)

Im Herbst 2017 jährt sich die Veröffentlichung von Karl Marx "Das Kapital" zum 150 mal und 2018 das Erscheinen des "Kommunistischen Manifestes" zum 170 mal. Desweiteren steht 2018 der 200. Geburtstag von Karl Marx bevor. Neben diesen marxspezifischen Jahrestagen finden 2017 und 2018 auch die Centennials der Revolutionen in Deutschland und Russland und 2018 das 50-jährige der 68er-Bewegung, statt. Diese Anlässe möchte die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Helle Panke e. V. nutzen, um mit dem Multimediaprojekt marx200 die Jahrestage zu begleiten und nach der Aktualität marxistischer Theorie zu Fragen. Auf der Seite werden Quellen, Bilder, Texte, Videos und Audios präsentiert, auf aktuelle Veranstaltungen hingewiesen und neue Publikationen sowie die Arbeit der Rosa-Luxemburg Stiftung zu diesen Themen vorgestellt. Über den Twitteraccount der Webseite werden "live" Lebensdaten aus Marx Biografie getwittert.

Cover des Buches "Philosophie der Revolution", Verlag Suhrkamp

Fachbuch

Philosophie der Revolution

Gunnar Hindrichs

Der Autor und Philosoph Gunnar Hindrichs verfasste das Buch „Philosophie der Revolution“, da die Philosophie den Themenkomplex der Revolutionen bisher meidet. Um diese Forschungslücke zu schließen geht er dem Wesen der Revolution nach, ihren Ursachen, ihrer Gewalt und Macht. Den Prozess einer Revolution identifiziert Hindrichs als den Akt der bewussten Verletzung der gesellschaftlich gültigen Regeln des Zusammenlebens. Aus diesem Grund wirft das Werk einen Blick auf die Formen, mit denen sich Gesellschaften Regeln geben, etwa das Recht. Die Kraft von Utopien als Auslöser einer Revolution beleuchtet der Autor ebenso, insbesondere in Bezug auf die Russische Revolution 1917. Den Rahmen für Hindrichs Werk setzten jedoch sämtliche europäischen Revolutionen. Vom Begriff der Revolution führt die Argumentation zum Recht, dann zu Macht und Schönheit und schließlich zur Religion. Das Buch ist umfangreich bei Deutschlandfunk.de von Uli Hufen besprochen worden.

Buchcover

Fachbuch

Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Eric Hobsbawm

"Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts" gilt als das bedeutendste Werk des britischen Historikers Eric Hobsbawm, welches mit dem Ersten Weltkrieg beginnt und mit dem Untergang der UdSSR endet. Zeitlich eingegliedert als eine Epoche, die 1914 begann und schon 1989/90 endete, handelt Hobsbawm das kurze 20. Jahrhundert aus globaler Perspektive ab und legt dabei besonderes Gewicht auf die Gesellschaftsgeschichte. Seiner Analyse zufolge wurden die dreißig Jahre von 1914 bis 1945 durch die Weltkriege bestimmt, daraufhin folgte von 1945 bis 1970/75 ein "Goldenes Zeitalter", in dem trotz der ideologischen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion keine Großkriege mehr stattfanden und wachsender wirtschaftlicher Erfolg die Situation im europäisch-amerikanisch-asiatischen Wohlstandsgürtel bestimmte. Abgelöst wurde das Jahrhundert letztlich von einer Phase der Dekomposition, die mit der Jugendrevolte der späten 1960er-Jahre, dem Zusammenbruch des Finanzsystems und der Ölkrise eingeleitet wurde und etwa 1990 durch die Implosion des sowjetischen Machtbereichs endete.  

Buchcover „Setting the East ablaze. On secret service in Bolshevik Asia”, Oxford University Press.

Monographie

Setting the East Ablaze. On Secret Service in Bolshevik Asia

Peter Hopkirk

In seiner Monografie Setting the East ablaze. On secret service in Bolshevik Asia beschäftigt sich der britische Journalist und Autor Peter Hopkirk mit dem Versuch der Bolschewiki, den Osten mit einer neuen Form des Marxismus als dominierende Ideologie zu etablieren. Aus dem Anspruch Lenins, Gesamtasien zu befreien folgte ein Krieg, in den unter anderem die Kommunistische Internationale, chinesische Kriegsherren, kommunistische Revolutionäre und britisch-indische Geheimdienstoffiziere involviert waren. Ausgangspunkt für Lenin und seine revolutionären Genossen war Britisch-Indien. Hopkirk zeichnet gestützt auf Archivmaterial, Zeitzeugen- und Geheimdienstberichten in 18 einzelnen Kapiteln eine Geschichte von Bürgerkrieg, Verrat und Intrigen nach und zeigt auf, wie die Folgen heute noch in Zentralasien zu sehen sind.

Buchcover

Aufsatzsammlung

Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus 1914–1918

Frank Jacob, Riccardo Altieri (Hrsg.)

Der Sammelband "Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus 1914-1918" widmet sich den Bemühungen von Sozialisten, dem sinnlosen Sterben des Ersten Weltkrieges - auf den Schlachtfeldern ebenso wie in der Heimat - etwas entgegenzusetzen. Das Buch zeigt, dass es eine große Anzahl Menschen gab, die nicht bereit waren, das massenhafte Sterben einfach hinzunehmen und die, ungeachtet ihrer möglichen politischen Isolation, ihrem Gewissen folgten. Viele von ihnen sind heute weitestgehend unbekannt. Der Sammelband ist das Ergebnis der gleichnamigen Konferenz, die im Juni 2016 stattfand und die diese bisher kaum beachteten Kritiker des Krieges vorstellte. Das Buch gliedert sich in vier Teile: "Journalistische Reaktionen"; "Die Künstler und der Große Krieg"; "Die Kritik am Krieg und die Frauen"; "Internationale Perspektiven" sowie einen Exkurs zu "Erinnerung und Diskurs". Das Buch erscheint als zweiter Band der Reihe "Alternative I Demokratien" im Metropol Verlag. 

Buchcover „New World Disorder. The Leninist Extinction“, University of California Press

Monographie

New World Disorder. The Leninist Extinction

Ken Jowitt

Ken Jowitt begreift Leninismus in seinem vorgelegten Buch als spezifisch autoritäre und russische Form eines Marxismus. Er nähert sich dem Begriff des Leninismus über eine Analyse von Ideologie, Theorie und  diktatorischer Machtausübung der Bolschewiki. Der Autor Ken Jowitt beschäftigt sich in seinem Buch „New World Disorder. The Leninist Extinction“ näher mit dem Phänomen des Leninismus, das zahlreiche Menschen faszinierte, verängstigte, anzog oder abstieß. In seiner Studie analysiert Jowitt genauer den außergewöhnlichen Charakter des leninistischen Regimes und der politischen Korruption und erlaubt dem Leser einen neuen Blick auf diese Epoche. In insgesamt neun Kapiteln behandelt der Autor Ken Jowitt unter anderem den Leninismus als Phänomen, die Kultur in leninistischen Regimen, das Erbe des Leninismus und den Neotraditionalismus.

Cover des Buches "Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen", Sandstein Verlag

Sammelband

Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen

Anna Kaminsky (Hrsg.)

Der Band Museen und Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktaturen stellt eine Auswahl von 119 Erinnerungsorten in 35 Ländern vor, die an totalitäre kommunistische Regime erinnern. Diese entstanden spätestens seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime der mittel- und osteuropäischen Staaten. Aber auch über diese Region heraus in Afrika, Asien, Australien und Amerika finden sich Orte des Erinnerns. Diese sind von unterschiedlicher Art: Gedenkstätten, Museen, Denkmäler, Mahnmale, Sakralbauten und Skulpturenparks. Sie alle erinnern an die Opfer totalitärer kommunistischer Regime, aber auch an Opposition und Widerstand gegen die Diktaturen sowie deren Überwindung. Die Sammlung beleuchtet den Erinnerungsgegenstand und stellt Konzept, Entstehungsgeschichte und Architektur der Orte vor. Die Bandbreite und globale Vielfältigkeit von Erinnerungsorten an kommunistische Verbrechen wird verdeutlicht. Die Kapitel zeigen auch, dass die Errichtung von Gedenkstätten und Museen oft von langwierigen kontroversen Debatten begleitet werden. Der Gedenkstättenführer wird im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben.

Buchcover "Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972", Routledge Verlag

Fachbuch

Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972

Scott H. Krause

Der Autor Scott H. Krause beschäftigt sich in seinem Werk Bringing Cold War Democracy to West Berlin. A Shared German-American Project, 1940–1972 mit der Neugründung und Etablierung der Demokratie in Westberlin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Westberlin von den drei westlichen Besatzungsmächten USA, Vereinigtes Königreich und Frankreich verwaltet, während der östliche Teil Berlins unter der Verwaltung der kommunistisch ausgerichteten Sowjetunion stand. Im Westen wurden nach Vorbild der Alliierten der Kapitalismus und die parlamentarische Demokratie etabliert, im Osten dagegen wurde nach dem Vorbild des Kommunismus die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gegründet. Der westliche Teil Berlins grenzte sich somit ab von dem kommunistisch ausgerichteten Ostteil Berlins. Die Neugründung der Demokratie im Westteil Berlins stellte ein gemeinsames Projekt remigrierter deutscher Sozialdemokraten und amerikanischer Cold War Liberals dar. Der Autor Scott Krause knüpft mit seinem Buch an vorherige Studien an, aber fokussiert sich vor allem auf das Netzwerk als zentralen Akteur und weniger auf Einzelpersonen als tragende Kraft. Der Autor zeichnet nach, wie Westberlin das Image als „Vorposten der Freiheit” zugeschrieben bekam und wie sich der Bau der Berlinr Mauer auf das deutsch-amerikanische Projekt auswirkte und dessen Fragilität deutlich zum Vorschein brachte.

Buchcover

Monographie

Westemigranten: Deutsche Kommunisten zwischen USA-Exil und DDR

Mario Keßler

Mario Keßlers Buch "Westemigranten: Deutsche Kommunisten zwischen USA-Exil und DDR" beschreibt das Leben von deutschen Kommunisten, die während des Dritten Reiches ins Exil in die Vereinigten Staaten gingen und diese nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Richtung der DDR wieder verließen. Der Autor geht dabei den Erfahrungen der Exilanten im kapitalistischen Ausland nach, ihren Entwürfen und Vorstellungen für eine Gesellschaft nach dem Krieg sowie deren Erfüllung oder Enttäschung im real existierenden Sozialismus der DDR. Das Buch gliedert sich in acht Kapitel, welche die Wege von Westmigranten mit all ihren Schwierigkeiten und Hoffnungen nachzeichnen: Die USA und die Flüchtlinge; Zwischen Integration und Marginalisierung: Deutsche Kommunisten in den USA; Politik und Zeitgeschichte: Netzwerke und Publizistik der deutschen Kommunisten; Ein Netzwerk an Verschwörern: Deutsche Kommunisten im Visier des FBI; Rückkehr und Neubeginn, Hoffnungen und Rückschläge; „Säuberungen“ ohne letzte Konsequenz: Der SED-Apparat und die Rückkehr aus Amerika; Zwischen Teilhabe und Flucht: Die „Amerikaner“ in der DDR; Amerika, die DDR und die Erinnerung.

Cover des Buches "Gulag", Hamburger Edition

Monographie

Gulag

Tomasz Kizny

Gulag ist ein Bildband des polnischen Fotografen Tomasz Kizny. Er kombiniert Bildmaterial aus Archiven und persönlichen Beständen mit seinen eigenen Fotografien. Das Archivmaterial zeugt vom Alltag im Lager, vom Leid der Häftlinge und von wahnwitzigen Bauprojekten, an denen die Häftlinge arbeiteten. Die von Kizny gemachten Bilder zeigen die heutigen Ruinen der ehemaligen Lagerstätten. Die Kombination des Bildmaterials zeugt eindrücklich von der Situation in den Lagern der Sowjetunion und den Spuren, die diese bis heute im Land hinterlassen haben – zum Beispiel wenn im Bildband die Steckbriefbilder von NKDW-Häftlingen neben den Bildern der Kolyma stehen, einer Gegend die bis heute vom maßlosen Gold- und Uranabbau gezeichnet ist, bei dem unzählige Häftlinge ihr Leben ließen.  Der Bildband enthält Vorworte von Norman Davies, Sergej Kowaljow und Jorge Semprun. Tomasz Kizny, geboren 1958 in Polen, ist Fotograf und Journalist. 1981 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern von 'Dementi' - einer Untergrundorganisation unabhängiger Fotografen. Der Künstler lebt und arbeitet in Wroclaw.