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Das geheime Winogradow-Treffen im Februar 1933

Wie Moskau die Gegner Hitlers im Stich ließ

Analyse | Aufsatz

Bernhard H. Bayerlein

Screenshot von Volltext des Aufsatzes unter: http://indes-online.de/1-2017-das-geheime-winogradow-treffen-im-februar-1933
Screenshot von Volltext des Aufsatzes unter: http://indes-online.de/1-2017-das-geheime-winogradow-treffen-im-februar-1933

Am Vorabend der Errichtung der NS-Diktatur im Jahr 1933 sondierten zwei Sozialdemokraten die Chancen einer Einheitsfront aus SPD und KPD; doch nach dem Treffen mit dem sowjetischen Diplomaten Winogradow zerschlug sich ihre Hoffnung – die Sowjetunion verweigerte sich kategorisch jeglicher Intervention. Denn in Moskau versprach man sich von der Hitlerregierung eine Zerschlagung des Kapitalismus in Deutschland. Vor diesem Hintergrund plädiert der Historiker Bernhard H. Bayerlein in der Zeitschrift in Heft 1/2017 der Zeitschrift INDES für eine kritische Beleuchtung der »Narrative, Thematiken, Forschungsergebnisse und Hypothesen« im Kontext des »Deutschland-Russland-Komplexes«. Der Historiker stellt konstatiert in seinem Beitrag: „Das Winogradow-Treffen ist einer der frühesten Anhaltspunkte für die offiziös zum Ausdruck gebrachte neutrale bis freundliche Haltung der Sowjetunion gegenüber dem Nationalsozialismus. Stalin war am Schicksal der Arbeiterbewegung und aller Hitlergegner offensichtlich völlig desinteressiert.“ Nach Bayerlein „räumt das Winogradow-Treffen gleich mit mehreren Geschichtslegenden auf. Es zeigt zunächst erstens, dass Sozialdemokraten und nicht Kommunisten das historische Verdienst zukommt, eine letzte Chance für ein gemeinsames Vorgehen gegen Hitler ergriffen zu haben, was die parteioffizielle und in ihrem Gefolge die DDR-Historiographie bis zum Schluss ableugnete. Globalhistorisch bedeutsam ist – zweitens – die definitive Demontage des antifaschistischen Ursprungsmythos der Sowjetunion, die aufgrund ihres späteren Sieges über Hitlerdeutschland im Zweiten Weltkrieg als konsequente Gegnerin des Nationalsozialismus erschien.“

Der Autor Dr. habil. Bernhard H. Bayerlein, geb. 1949, ist Historiker und Romanist und arbeitet als Senior Researcher am Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum. Zahlreiche Forschungsprojekte, Gastprofessuren und Veröffentlichungen der Grundlagenforschung im Bereich der internationalen Kommunismusforschung und der vergleichenden Politikwissenschaft u. a. in Amsterdam, Berlin, Lissabon, Paris, Lausanne, São Paulo, Moskau, Guadalajara und Moskau. Im globalen Rahmen engagiert er sich besonders für die Sicherung der Moskauer Archive.

Bibliografische Angabe

Bernhard H. Bayerlein: Das geheime Winogradow-Treffen im Februar 1933. Wie Moskau die Gegner Hitlers im Stich ließ, in: INDES, 2017-1, S. 172–182, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2017.