...

 

Lesen

Im Bereich Lesen finden Sie einen kommentierten Querschnitt von Büchern und Online-Ressourcen zur Geschichte des Kommunismus.

 

Die umfangreiche wissenschaftliche Literatur wird in der Unterkategorie Analyse gesammelt und ausgehend von wichtigen Autorinnen und Autoren sowie für die Forschung relevanten Werken laufend erweitert. Thematisch und methodisch unterschiedliche Ansätze werden berücksichtigt und inhaltlich ausgerichtete Websites vorgestellt.

Bei Quellen sind Hinweise auf Quelleneditionen und Online-Portale aufgelistet, über die der Zugriff auf Originalquellen möglich ist. Die Website kommunismusgeschichte.de stellt nur wenige Quellen selbst zur Verfügung, sondern lotst den User gezielt zu weiterführenden Portalen.

Die Biografien und Autobiografien kommunistischer Führer, Politiker und Oppositioneller werden bei Biografien eingeführt und immer in kurzen Texten angeteasert und mit Rezensionen verlinkt. Romane und Erzählungen finden Sie bei Belletristik, wo zunächst Neuerscheinungen eingepflegt werden.

Bei LiesMich! sind die Kurzrezensionen renommierter Wissenschaftler, Historiker und Journalisten versammelt, die Ihre „Lieblingsbücher“ zur Kommunismusgeschichte vorstellen. Die Rezensionen stellen neue und alte Forschungsliteratur, Biografien und Romane vor, die es immer wieder wert sind, gelesen zu werden.

 

Ju. A. Petrov (Hrsg.): Rossijskaja revoljucija 1917 goda. Vlast', obshchestvo, kul'tura und Kolerov Modest (Hrsg.): Russkij Sbornik. 1917 god

Sammelrezension: Aktuelle russische Forschungen zu 1917

LiesMich! | Rezension

Rezensent: Dietrich Beyrau

Prof. Dr. Dietrich Beyrau auf einer Abendveranstaltung in der Bundesstiftung Aufarbeitung im Januar 2012, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung
Prof. Dr. Dietrich Beyrau auf einer Abendveranstaltung in der Bundesstiftung Aufarbeitung im Januar 2012, (c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Angesicht der Ängste vor den „bunten“ Revolutionen in der Nachbarschaft Russlands verwundert es nicht, dass die nun als „Große Russische Revolution“ firmierende Revolution von 1917 offiziell eher verlegen erinnert wird. Dennoch sind auch in Russland voluminöse Arbeiten in Gestalt von Sammelbänden zur Revolution (und zum folgenden Bürgerkrieg) erschienen. Hier wird auf zwei Werke eingegangen, die einen Einblick geben mögen in das gegenwärtige Spektrum der Forschungen und wissenschaftlichen Diskussionen über die Revolution in Russland.

An den von Ju. A. Petrov, Direktor des Instituts für Russische Geschichte an der Akademie, herausgegebenen beiden Sammelbänden sind insgesamt 32 jeweils in ihren Gebieten ausgewiesene Autoren beteiligt. Ihre Beiträge stützen sich vielfach auf bereits in eigenen Monographien erschienene Arbeiten. Berücksichtigt wird das gesamte Spektrum der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Geschichte der Revolution einschließlich der nationalen Gebiete an den Rändern des Reiches. Eine kritische Beachtung findet in dem historiographischen Überblick von Ju. A. Petrov wie auch in den einzelnen Kapiteln und Aufsätzen die westliche, vor allem angelsächsische, die russische und sowjetische Forschung. Mehrere Autoren distanzieren sich explizit von den in der weiteren Öffentlichkeit umlaufenden Verschwörungstheorien.

Neben dem historiographischen Überblick Ju. A. Petrovs enthält der erste Band weitere fünf Abteilungen – zu den internationalen Beziehungen, zur Gesellschaft, zur Lage der Wirtschaft, zu den Institutionen und zu den politischen Parteien. Die Abteilung über die Institutionen ist von besonderem Interesse, weil sich die Autoren nicht auf die überlieferten Thesen von der so genannten „Doppelherrschaft“ einlassen, sondern den Verfall zentraler Autoritäten im Wandel, in der Vielfalt und Unübersichtlichkeit von Institutionen und damit in der Zersplitterung von staatlichen Funktionen im Zentrum und in der russischen Provinz veranschaulichen.

Die vollständige Sammelrezension „Aktuelle russische Forschungen zu 1917“ von Dietrich Beyrau für H-Soz-Kult können sie hier weiterlesen.

Informationen über den Rezensenten:

Dietrich Beyrau studierte von 1962 bis 1970 Geschichte und Slavistik an den Universitäten Hamburg und Bonn. Er wurde 1970 in Bonn bei Horst Jablonowski promoviert. 1972 bis 1980 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Eberhard Karls Universität Tübingen, 1980 Habilitation mit einer Arbeit über Militär und Gesellschaft im vorrevolutionären Russland 1700–1914. 1988 Professur für Osteuropäische Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, 1994 Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen.