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Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden

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Florian Wilde

Cover von Florian Wilde: Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden, Konstanz: Universitätsverlag Konstanz 2018.
Cover von Florian Wilde: Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden, München: UVK Verlag 2018.

Ernst Meyer war eine herausragende Führungsfigur des frühen deutschen Parteikommunismus. Schon vor Kriegsausbruch auf dem linken Flügel der SPD stehend, wurde dieser Schüler Rosa Luxemburgs einer der Gründer des Spartakusbundes, dessen konspirative Arbeit er zeitweise leitete. An der Novemberrevolution aktiv beteiligt, gehörte er nach dem Ersten Weltkrieg zunächst fast durchgehend der KPD-Zentrale an und nahm an mehreren internationalen Konferenzen der kommunistischen Bewegung teil. 1921/22 stand er als Parteivorsitzender an der Spitze der KPD. Als Anhänger einer revolutionären Realpolitik hatte er wesentlichen Anteil an der Entwicklung und Anwendung der kommunistischen Einheitsfrontstrategie. In den folgenden Jahren verteidigte Meyer gegenüber der „ultralinken“ Führung um Ruth Fischer und später gegenüber dem Thälmann-Zentralkomitee leidenschaftlich die Notwendigkeit innerparteilicher Demokratie und stand 1927 noch einmal mit an der Spitze der Partei. Als Kritiker Stalins stritt er gegen die verhängnisvolle These vom „Sozialfaschismus“, trat für eine gewisse Autonomie der deutschen Partei gegenüber Moskau ein und hielt an seinen demokratischen Prinzipien fest, bis er – an den Rand einer Partei gedrängt, deren Aufbau er seine Gesundheit geopfert hatte – Anfang 1930 starb.
Ernst Meyer war lange weitgehend in Vergessenheit geraten. Bis auf wenige Ausnahmen zeigte weder die westdeutsche noch die DDR-Geschichtsschreibung Interesse an ihm. Erstmals zeichnet mit Florian Wilde nun ein Historiker auf breit fundierter Quellenbasis das Leben und Wirken Ernst Meyers nach. Dabei werden insbesondere die strategischen Debatten innerhalb der KPD und die in der Entwicklung der Partei angelegten Alternativen zu ihrer Stalinisierung herausgearbeitet. Das Buch basiert auf einer von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geförderten Dissertation. Diese wurde für die Veröffentlichung gekürzt, zu einem politischen Lesebuch umgearbeitet und durch weitere wichtige Quellen – etwa die unveröffentlichten Erinnerungen des Sohnes Heinz Meyer – ergänzt. Vorangestellt ist ein noch kurz vor seinem Tod verfasstes Vorwort Hermann Webers, der als einer der wenigen Meyers Wirken immer wieder gewürdigt hatte.

Bibliografische Angabe

Florian Wilde: Revolution als Realpolitik: Ernst Meyer (1887-1930) – Biographie eines KPD-Vorsitzenden, München: UVK Verlag 2018.