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Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR

LiesMich! | Rezension

Rezensent: Rainer Eckert

Buchcover von Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. München: C.H. Beck 2009.
Buchcover von Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. München: C.H. Beck 2009.

Die Beschäftigung mit Zeitgeschichte folgt nicht selten den großen Jahrestagen. Bezogen auf die kommunistische Diktatur in Ostdeutschland wurde das besonders deutlich beim 50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 und beim 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Verbunden damit könnte die Frage nach der jeweils wichtigsten Publikation zum Thema sein. Bezogen auf 1989/90 ist dies aus meiner Sicht das „Endspiel“ von Ilko-Sascha Kowalczuk. Der Autor gehört zu denen, die maßgeblichen Anteil daran haben, dass der unwissenschaftliche und verlogene Begriff „Wende“ durch die einzig richtige Bezeichnung der Ereignisse von 1989/90 als Revolution abgelöst werden konnte. Das war ein entscheidender Schritt auf dem langen Weg, die einzige gelungene deutsche Revolution zu einem Bestandteil der demokratischen Traditionen der Bundesrepublik zu machen. Nicht weniger relevant sind folgende Aspekte: Kowalczuk hat erneut bewiesen, dass Zeitzeugenschaft und solide wissenschaftliche Arbeit gut zu vereinen sind. Mir erscheint es unabdingbar, dass zeitgeschichtliche Themen wie die Friedliche Revolution von Ostdeutschen analysiert und beschrieben werden. Kowalczuk gelingt es in seiner Arbeit, die vielfältigen Gründe für die ostdeutsche Revolution aufzuzeigen. Dabei wird klar, dass nicht das Handeln großer Männer entscheidend war, sondern das zähe jahrelange Ringen der ostdeutschen Bürgerbewegung mit den Diktatoren, auch die Hunderttausenden, die die DDR verlassen wollten, und schließlich die Menschen auf den Straßen Ostdeutschlands, die den Zerfall des SED-Regimes beschleunigt haben. Kowalczuk beschreibt die „reformsozialistischen“ Bürgerrechtsgruppen“ differenziert, darunter auch jene, denen es um eine Zivilgesellschaft ging. Wichtig ist es auch immer wieder darauf hinzuweisen, dass es in der Staatspartei keine wirklichen Reformkräfte gab, dass die Aufsplitterung der Bürgerbewegung auch ihre Stärke war, und dass außer den Massenmedien der "Westen" erst zum Handelnden wird, als die Revolution schon gesiegt hatte. Menschen mit Zivilcourage und Engagement können gefestigte Verhältnisse „zum Tanzen“ bringen. Diese Botschaft ist heute wichtig und wird es künftig bleiben.

Informationen über den Rezensenten:

Rainer Eckert, Prof. Dr., 2001–2015 Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, seit 2006 apl. Professor für politische Wissenschaften am Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig, arbeitet er als freier Historiker und Publizist.

Bibliographische Angabe

Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, München: C.H. Beck 2009.