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Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Südosteuropa-Handbuch. Band 7: Albanien

LiesMich! | Rezension

Rezensent: Idrit Idrizi

Buchcover von Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Südosteuropa-Handbuch. Band 7: Albanien. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1993.
Buchcover von Klaus-Detlev Grothusen (Hrsg.): Südosteuropa-Handbuch. Band 7: Albanien. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1993.

Als 1993 der siebte Band des von Klaus-Detlev Grothusen herausgegebenen Südosteuropa-Handbuchs erschien, galt er als Standardwerk über die Nachkriegsgeschichte Albaniens. 24 Jahre später ist er noch immer das umfangreichste und am akribischsten aufbereitete Werk darüber. Dabei hatten die 27 Autor/innen – wie der Herausgeber im Vorwort berichtet – mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen, allem voran bei der Beschaffung zuverlässigen Quellenmaterials. Das kommunistische Regime, das das Land von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt hatte, war erst zwei Jahre zuvor gestürzt worden, und die Archivbestände waren nicht zugänglich. Daher stützen sich die Beiträge vorwiegend auf die Auswertung offizieller Regimepublikationen, dennoch sind sie von großem Informationsgehalt und hoher Qualität. Neben vielen wichtigen Fakten finden sich beachtlich scharfsinnige Analysen, die noch immer sehr lesenswert sind. Auch nachdem das Archiv des Außenministeriums zugänglich geworden ist, stellt Klaus-Detlev Grothusens Aufsatz die bislang aufschlussreichste Analyse über die Außenpolitik Albaniens dar. Michael Schmidt-Nekes Schlussfolgerungen über die politische Kultur – um ein weiteres Beispiel zu nennen – werden von heutigen Studien bestätigt. Gegliedert in sechs Hauptabschnitte (Voraussetzungen, Die Politische Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg, Politisches und Rechtssystem, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur) behandelt das Handbuch ein breites Spektrum an Themen von den geographischen Grundlagen des Landes über Innenpolitik bis hin zu Kunst und Musik. Der umfangreiche und sehr wertvolle „dokumentarische Anhang“ enthält eine Zeittafel, Angaben zu den höchsten politischen Institutionen, Verträge, Biografien wichtiger Persönlichkeiten und eine Bibliografie. Für diejenigen, die sich für die kommunistische Geschichte Albaniens interessieren, stellt diese Publikation ein unverzichtbares Referenzwerk dar.

Informationen über den Rezensenten:

 

Mag. Dr. Idrit Idrizi, MA, Post-Doc-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Post-DocTrack-Pilotprogramm), Promotion mit dem Thema „Herrschaft und Alltag im albanischen Spätsozialismus (1976–1985)“ an der Universität Wien im Juni 2016. Forschungsschwerpunkte: Zeitgeschichte Albaniens, Kommunismus und Erinnerung an den Kommunismus in Südosteuropa.