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Zef Pllumi: Live to Tell. A True Story of Religious Persecution in Communist Albania. Band 1 (1944-1951)

LiesMich! | Rezension

Rezensent: Idrit Idrizi

Buchcover von Zef Pllumi: Live to Tell. A True Story of Religious Persecution in Communist Albania. Band 1 (1944-1951). Bloomington: iUniverse 2008.
Buchcover von Zef Pllumi: Live to Tell. A True Story of Religious Persecution in Communist Albania. Band 1 (1944-1951). Bloomington: iUniverse 2008.

1967 kam es zu landesweiten Gewaltaktionen gegen religiöse Einrichtungen und Geistliche in Albanien. Alle Gotteshäuser wurden geschlossen, viele zerstört. Stolz proklamierte die kommunistische Führung die Errichtung des „ersten atheistischen Staates der Erde“. Diese Ereignisse bildeten den Höhepunkt einer Repressionspolitik, die bereits mit der kommunistischen Machtübernahme begonnen hatte. Besonders hart hatte sie den katholischen Klerus getroffen, in dessen Reihen zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten wirkten. Ihr Leidensweg ist vergleichsweise besser untersucht worden als viele andere Kapitel der kommunistischen Geschichte Albaniens, jedoch nicht umfassend aufgearbeitet. Einen aufschlussreichen Einblick in die staatliche Willkür gegen die Kirche, in die Repression im Allgemeinen und das Leben im kommunistischen Albanien gewähren die Memoiren des Franziskanermönches Zef Pllumi. Auf Albanisch sind sie als Trilogie erschienen. Ins Englische wurde bisher nur der dem Zeitraum 1944-1951 gewidmete erste Teil übersetzt. Ende 1944 fanden Hausdurchsuchungen und Verhaftungen statt, Schauprozesse und Hinrichtungen von katholischen Geistlichen folgten. Als im Dezember 1945 Zöglinge der Jesuiten- und Franziskaner-Institutionen antikommunistische Flugblätter verbreiteten, verhängte das Regime mehrere Todesurteile und schloss den Jesuiten-Orden. 1947 verbat es auch den Franziskanerorden, nachdem die Geheimpolizei in einer Franziskanerkirche Waffen versteckt und dann „entdeckt“ hatte. In weiteren Prozessen gegen angebliche „Agenten des Vatikans“ und „antikommunistische Widerstandsgruppen“ wurden gegen katholische Geistliche und Gläubige hohe Haft-, Zwangsarbeitsstrafen sowie Hinrichtungen ausgesprochen. Zef Pllumi, der im engen Kontakt zu vielen dieser Regimeopfer stand, schildert die Ereignisse bewegend und kenntnisreich. Ende 1946 wurde er selbst festgenommen und grausam gefoltert. Das Buch legt ein erschütterndes Zeugnis von der kommunistischen Repression ab, erzählt aber auch vom Widerstand dagegen in der Frühphase – ein Thema, das bisher wenig wissenschaftlich untersucht wurde. Mentalitätsgeschichtlich sind die Erinnerungen von großem Wert, da Zef Pllumi auf die politische Kultur eingeht. Die Lektüre ist gleichermaßen an Albanien wie am Kommunismus interessierten Leser/innen zu empfehlen.

Informationen über den Rezensenten:

Mag. Dr. Idrit Idrizi, MA, Post-Doc-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Post-DocTrack-Pilotprogramm), Promotion mit dem Thema „Herrschaft und Alltag im albanischen Spätsozialismus (1976–1985)“ an der Universität Wien im Juni 2016. Forschungsschwerpunkte: Zeitgeschichte Albaniens, Kommunismus und Erinnerung an den Kommunismus in Südosteuropa.